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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 28.09.2019 00:57    Titel: Antworten mit Zitat

Michel hat Folgendes geschrieben:
Vorgabenprüfung: Es beginnt am Fluss – check. Jemand taucht plötzlich auf, der mehr Kontakt will – check. Jens thematisiert eine große Enttäuschung – check.
Die mag ich. Nicht von Anfang an, auch wenn mich der Einstieg mit Zeile 1 irritiert. Der erste Satz fühlt sich an, als ob ein Satzteil oder Satz davor fehlt.
Die Ich-Erzählerin lässt mich über lange Strecken rätseln, ob sie Teil eines Computerprogramms ist, das Jens spielt. Immer die gleiche Szene, dazu rätselhafte Handlung (am Pfahl gefesselt), nach knapp der Hälfte glaube ich, den Text entschlüsselt zu haben. Bis zum Ende. Dann nicht mehr.
Im zweiten Durchgang wird die unterschiedliche Verwendung der wörtlichen Rede (Chevrons vs. keine Chevrons) sofort klar. Auch Details wie „seit einer Woche“ würden nicht zu einem PC-Spiel passen (oder?). Die Doppelbödigkeit mag ich, das Ungewisse. Das riecht nach Punkten.


Hallo Michel.
Oh, das erste Mal, dass ich von dir bei einem Wettbewerb eine so hohe Punktzahl erhalte, danke dafür. Und dabei auch dir gleich meinen herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz, auch wenn von mir keine Punkte dabei waren, weil ich keine der Personenvorgaben erkannt habe. Ein Hilferuf ist für mich kein ich-will-unbedingt-Kontakt, sondern ich-will-Hilfe. Sorry, falls das dir unfair erscheint. Ich hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen, rigoros gute Texte aus der Punktevergabe zu werden, wenn mir die Vorgaben zu undeutlich umgesetzt waren, aber hab mir gedacht, das zieh ich jetzt durch, dafür bin ich beim letzten 10k ja auch oft aus der Wertung geflogen. Muss Karma sein (ich hatte keine Ahnung, dass es deine Geschichte ist) aber dann sind wir jetzt quitt wegen "Genre!" lol (nein, nicht böse oder nachtragend gemeint, bitte nicht missverstehen)

Übrigens interessant, dass du immer versuchst, meine Texte in Computerspielen zu verorten, warum eigentlich? Wegen der Pixelstadt-Metapher?

Danke für deine Punkte,
Veith


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 01:02    Titel: Antworten mit Zitat

Amarenakirsche hat Folgendes geschrieben:
Hallo Unbekannte(r),
um es transparent zu machen, habe ich zehn Punkte in folgenden Kategorien verteilt: Vorgaben berücksichtigt, Inhalt, Sprache, Charakterisierung und Perspektive. Deinen Text habe ich persönlich so eingeordnet:

Vorgaben: 1/1
Inhalt: 2,5/3
Sprache: 3/3
Charakterisierung / Perspektive: 3/3

Einer meiner Lieblinge im Wettbewerb. smile Besonders gut gefallen hat mir deine Darstellung der Charaktere, die wunderbar mit der Sprache harmoniert. Zuerst hab ich mich gewundert, warum du Annes Aussagen nicht als direkte Rede darstellst - und dann hat es natürlich Sinn ergeben. Richtig gut.
Ein bisschen störend fand ich das Ende, das für mein Gefühl sehr schnell kam. Er macht sie los und schon ist sie geheilt?

Im Vergleich mit den anderen Texten bist du bei mir auf dem 2. Platz gelandet und bekommst damit 10 Federn.

Liebe Grüße
die Kirsche

Hallo Kirsche,
danke für die vielen Punkte und freut mich, dass der Text einer deiner Lieblinge geworden ist. Ja, das Ende kam abrupt, das stimmt, und war hauptsächlich dem Blick auf die Uhr geschuldet. Wie, ich hab nur noch 10 Minuten? Shit, irgendwie muss ich das jetzt noch halbwegs rund kriegen und die losen Fäden verbinden. Realistisch ist das sicher nicht, aber hey, man kann es ja auch eine Art Märchen lesen, wie ich im ersten Selbstkommentar geschrieben hatte.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 01:08    Titel: Antworten mit Zitat

Eliane hat Folgendes geschrieben:
Vorgaben:
1) Flussufer/Spa/Tankstelle -> Flussufer: check
2) kontaktfreudige/glückliche/Ruhm kassierende Person -> kontaktfreudig: check
3) Verliebtheit/Enttäuschung/Ekel -> Enttäuschung: check (sogar wörtlich), Verliebtheit würde auch passen. Wenn ich es mir recht überlege, möglicherweise sogar Ekel.

Bewertung:
Hammer. Mein Favorit mit weitem Abstand. Wunderschöne Sprache (ich liebe die Stelle: "Altes, knöchernes Holz. Verdorrte Zeit."), mitreißende Geschichte, der Fluss läuft parallel zum Straßenverkehr. Ein paar Tippfehler, an ein paar Stellen stimmt die Wortwahl nicht hundertprozentig (z.B. "pflichte ich ihm bei"), aber das ist geschenkt, wahrscheinlich dem Tempo geschuldet. Der Schlusssatz ist genial. Ein Text, in den ich mich verliebt habe.

12 Punkte von mir.
Hallo Eliane,
erstmal ganz vielen Dank für die Höchstwertung. Ja, die Tippfehler sind mir zum Teil echt peinlich, aber ich hatte da am Ende überhaupt keine Zeit mehr. Wie ich mir die Geschichte aus zusammenhanglosen Assoziationen und irgendwelchen geparkten Ideen zusammengewürfelt habe, habe ich ja in der ersten Antwort zu MoL schon beschrieben. Da musste ich dann am Ende sehen, irgendeinen Sinn da reinzukriegen und hatte keine Zeit mehr zum Korrekturlesen. Da freut es mich besonders, dass ich es irgendwie noch geschafft habe, es zu einem Abschluss zu bringen, der dir das Wort "genial" wert ist.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 01:20    Titel: Antworten mit Zitat

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Bonjour

Ich vermute als Vorgaben: 1A / 2A / 3A

Die Prota, an Mutismus erkrankt, hat Wege für sich entwickelt, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren, sitzt am Flussufer, als zufällig ein alter Bekannter kommt, sie anspricht und in Erinnerungen schwelgt.
Der Dialog: Während der männliche Prota in direkter Rede spricht, erfährt der Leser ihre "direkte Rede" als Gedanken. Da musste ich beim ersten Lesen mich erst mal orientieren, bis ich's "kapiert" hab. Dann geht das gut.
Oft habe ich den Gedanken, dass manches für mich, den Leser, geschrieben worden ist, aber nicht aus den Charakteren heraus "kommuniziert" wird. So erhält die eigentlich gute Idee leider den Beigeschmack von erzwungenem Info-Dump, klar, der Kürze der Zeit geschuldet und man möchte ja eine runde Geschichte erzählen, leider verliert der Text für mich an Natürlichkeit und Glaubwürdigkeit der Charaktere.
Das Ende: Auch wenn es mir zu schnell entwickelt wird, fand ich das Ende dann doch schön, dass Anne spricht.

Im Vergleich mit den anderen Beiträgen hast du es in meine Top 10 geschafft: quatre points.

Merci beaucoup
Constantine
Hallo Constantine,
wow, Punkte von dir, das ist selten. Danke dafür. Natürlich hast du Recht, dass vieles für den Leser geschrieben ist. Eigentlich die ganze Geschichte. Nein, keine Sorge, ich verstehe, was du meinst. Nur dass du mir immer Info-Dump ankreidest, verstehe ich nicht. Da sind doch keine langen Erklärungen drin, und irgendwo muss man eine Info doch mal rüberbringen.
Mit den Vorgaben liegst du übrigens bei der dritten falsch, ich hatte 3B im Kopf. Jens sagt ja sogar explizit, dass er enttäuscht ist, den Satz habe ich gleich sklavisch so hingeschrieben, sobald die Vorgabe kam. Und dann überlegt, was ich jetzt davon machen kann, wovon er enttäuscht ist. Und da drängte sich natürlich gleich das Thema "in die Brüche gegangene Beziehung" auf (meine Frau und ich haben uns am Anfang des Monats getrennt).


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 01:23    Titel: Antworten mit Zitat

firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Inwieweit diese Geschichte Mutismus adäquat beschreibt, und inwieweit das Happy End realistisch ist, kann ich nicht sagen.
Ich auch nicht, aber ich denke mal, gar nicht. Zeit da noch zu recherchieren hatte ich ja nicht. Daher auch der Eigenkommentar, man solle es als Märchen lesen.

Danke fürs Lesen und Kommentar.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 01:56    Titel: Antworten mit Zitat

Catalina hat Folgendes geschrieben:
Flussufer
eine Person, die sich extreme Mühe gibt, mit anderen in Kontakt zu treten
Enttäuschung

Anne hat totalen Mutismus, sie fühlt sich gefangen und von der restlichen Welt getrennt.  Als Jens vorbei kommt, plappert der ohne Unterlass. Anne antwortet ihm in Gedanken. Plötzlich bekommt sie eine Eingebung. Sie reinszeniert ihren allnächtlichen Traum, in dem sie gefesselt über der Stadt sitzt, beobachtet und auf irgendetwas wartet: mit Jens Hundeleine fesselt sie sich an einen Baum und lässt sich von ihm befreien. Diese Befreiung geschieht zeitgleich auch in ihrem Inneren, denn sie findet dadurch ihre Sprache und den Kontakt zur Außenwelt wieder.

Manchmal gärt etwas für sehr, sehr lange Zeit in uns und kommt dann durch einen einfachen Satz oder eine einfache Geste plötzlich an die Oberfläche.

Du hast eine sehr schöne Idee, für mich die beste in diesem Wettbewerb, gut umgesetzt. Der Text ist unterhaltsam, die Dramatik des Themas gleichst Du mit Nüchternheit im Erzählen aus. Das gefällt mir gut. 7 Punkte.
Hallo Catalina,
danke für deine Punkte. Dass das Thema realistisch umgesetzt ist, und eine Heilung so einfach möglich wäre, glaube ich allerdings nicht. Naja, aber vielleicht hast du recht, wenn sie schon lange aus der Situation raus wollte, sich quasi aus der inneren Gefangenschaft befreien, bedarf es vielleicht wirklich nur einer Kleinigkeit, um den Mutismus zu überwinden und "nur ein Wort" (damit hobbes den Titel endlich versteht) zu sprechen. Und ansonsten kann man es ja wie gesagt auch immer noch als modernes Märchen lesen.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 01:58    Titel: Antworten mit Zitat

poetnick hat Folgendes geschrieben:
Hallo Inco,

nur ein Wort (gehört) zu meinen Fav's.
Ein Text, der es vermag eine sehr eigene Stimmung aufzubauen.
Bei mir hat es geklappt. Da bleibt etwas in der Erinnerung, hat berührt.
Nach Vorgaben brauchte ich nicht suchen, die drängen sich nicht auf, sind voll da.
Vielen Dank!

VG - Poetnick
Hallo Poetnick,
Freut mich, dass es bei dir funktioniert hat. Ja, die Stimmung ist auch für mich irgendwie das wichtigste in diesem Text, was ihn letztendlich ausmacht. Danke für deine Punkte.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 02:03    Titel: Antworten mit Zitat

traumLos hat Folgendes geschrieben:
Hallo Inco

Nur ein Wort, welch sprechender Titel. Mutismus also. Diese Sprachstörung war mir bisher nicht bekannt. Ich kann also nicht beurteilen, ob ich hier einen "wahren" Text gelesen habe. Aber ich ich habe diesen monologischen Dialog als glaubwürdig aufgenommen. Die Geschichte, sowohl die im Kopf, als ebenso die am Fluss, hat mich als Leser eingesogen und bis zum wunderbaren Finale mitgenommen.

Danke
Hallo traumLos,
wie gesagt, wie realistisch das jetzt ist, keine Ahnung, ich hatte ja keine Zeit zum Recherchieren. Und brauchte irgendeinen Grund für die fehlenden Anführungszeichen und das komplette aneinander-vorbei-Reden, bzw den "monologischen Dialog", wie du es nennst. Wenn das glaubwürdig wirkt, reicht das schon, soll ja eine Geschichte und kein Psychologie-Lehrbuch sein. Freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat und vielen Dank für deine Punke.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 04:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nebenfluss,

nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
außer dem Versuch, diesen Traum zu dekodieren, eine darin versteckte, womöglich spirituelle Aufgabe zu erkennen. Der Traum selbst scheint ihre Sinnsuche zu sein. […]   ist primär mit ihre binären Fluß-Berg-Gedankenwelt beschäftigt.
Da hast du ihre Denkweise sehr schön auf den Punkt gebracht.

Zitat:
Ein interpretationsbedürftiges, offenes Ende, dass einen der literarisch und inhaltlich anspruchsvollsten Beiträge des Wettbewerbs abschließt.
Wow, da fühle ich mich geehrt!

Zitat:
Ob er gleichzeitig auch mein Favorit ist, da bin ich mir in Hinblick auf die Vorgaben noch nicht sicher.
Was ist denn dein Problem mit den Vorgaben? Ich habe die sofort aufgenommen, sobald sie kamen. Erst mit dem Fluss beginnen, Gedanken dazu frei schweifen lassen, dann "Person, die mit äußerster Mühe nach Kontakt sucht" => enter Prinz Labertasche und "jemand thematisiert oder fühlt Enttäuschung" resultierte sofort in dem von Jens gesprochenen Satz "»Ich bin enttäuscht, weißt du dass?«". Wie vom Regisseur zugerufen sofort in den Schreibfluss übernommen. Wie kann man die Improvisationsvorgaben genauer befolgen? Oder was meintest du?

Danke für die Punkte natürlich, bevor ich das vergesse.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 04:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Terhoven,

Terhoven hat Folgendes geschrieben:
Aber das Pfahlbild hab ich immernoch nciht ganz verstanden.

Berg: hohe Distanz zur Welt und zum normalen Leben
nackt: sie fühlt sich der Welt schutzlos ausgeliefert
Handfesseln: durch ihre psychisch bedingte Stummheit sind ihr in der sozialen Interaktion mit anderen metaphorisch die Hände gebunden
Pfahl: Sie kann ihre Position (Perspektive/Sichtweise) nicht verlassen  

Zitat:
Aber seltsam, bis "Anne" erwähnt wird, glaube ich irgendwie nicht, dass da eine Frau ihre Geschichte erzählt.
Was daran liegen mag, dass der Autor männlich ist und ich am Anfang noch keine Ahnung hatte, ob der Protagonist männlich oder weiblich sein soll. Ich habe die erste Vorgabe (Fluss) aufgenommen und losgeschrieben, was erstmal eigene Gedanken waren (meine Frau und ich haben sich Anfang des Monats getrennt) und erst als ich meinte, eine neue Inspiration zu brauchen, habe ich das Traum-Bild in meinem Kopf ausgebuddelt (siehe ausführliche Antwort an MoL über den Entstehungsprozess der Geschichte). Ich hatte mir vorgenommen, nichts Geschriebenes mehr zu ändern (weil man das im Theater auch nicht kann, etwas schon Gespieltes revidieren oder zurücknehmen), von daher habe ich die Gedanken am Anfang nicht mehr überarbeitet (hätte auch gar nicht die Zeit dazu gehabt)

Zitat:
V2 A oder B, da bin ich mir nicht sicher
A natürlich. Sobald die Vorgabe "jemand thematisiert oder fühlt Enttäuschung" kam, schrieb ich den Satz "»Ich bin enttäuscht, weißt du dass?«".

Danke für deinen Kommentar und natürlich die Punkte.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 04:26    Titel: Antworten mit Zitat

Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:

Toller Text, gut geschrieben, klasse Ende (wobei der allerletzte Satz für mich nicht hätte sein müssen). Etwas mehr Geheimnis hätte ich mir an der Stelle gewünscht, als dann doch das Anfassen, die Klinik etc. explizit erwähnt wurden.
Für mich insgesamt der überzeugendste Text im Wettbewerb, daher 12 Punkte.
Das freut mich sehr, vielen Dank dir! Was den letzten Satz angeht: den fand ich gerade gut. Aber Geschmäcker sind halt verschieden. Was die Klinik anbelangt: Ja, das ist möglicherweise zu explizit geworden und hätte subtiler sein können, aber hey, fff, da hat man nicht viel Zeit zum Überdenken und muss runterschreiben, wenn das in der kurzen Zeit eine halbwegs runde Geschichte werden soll.
Danke für deine 12 Punkte.


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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 04:36    Titel: Re: Nur ein Wort Antworten mit Zitat

Hallo fabian,

fabian hat Folgendes geschrieben:
Hei Gei Dreizehn
Whatever. Muss ich das verstehen? War ich Guy#13 in der Originalreihenfolge, oder der dreizehnte, den du kommentiert hast?

Zitat:
Manchmal sitzen die Bilder nicht (Fluss der Lichter der Autos = tote Äste?), aber die Anne, das ist mal ein interessanter Figurenentwurf.
Finde ich auch. Dass nicht jedes Bild sitzt, ist natürlich der Zeitbegrenzung und dem damit bedingten Herunterschreiben geschuldet, da muss man das erste nehmen, was einem in den Sinn kommt und hat keine Zeit, lange zu überdenken. Ging mir jedenfalls so.

Zitat:
Da sei noch „viel Wortgekruste um die Figuren” hatte ich mir notiert, und weiß jetzt gar nicht mehr, was ich damit genau gemeint haben könnte.
Verstehe ich auch nicht. Vielleicht, dass zu viel drauflosgeredet wird, sowohl von Jens (laut) als auch von Anne (in Gedanken)?

Zitat:

Egal, die Geschichte hat Poesie und Potential.

Das gibt Punkte.
Und nicht mal wenig. Vielen Dank dafür.

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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 04:39    Titel: Antworten mit Zitat

So, alle durch. Shit, das ist ja schon 5 Uhr 36! Jetzt aber schnell in die Heia.

Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen, falls doch, bitte weist mich darauf hin, beabsichtigt war das dann jedenfalls nicht. Danke euch allen nochmal fürs Lesen, die Kommentare und ggf die Punkte. War ein toller Wettbewerb und hat viel Spaß gemacht. Großen Dank auch nochmal an das Organisations-Team.


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Michel
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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 22:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
dass du immer versuchst, meine Texte in Computerspielen zu verorten, warum eigentlich?
Für die anderen Texte kann ich das nicht mehr sagen, aber hier habe ich das nächtliche Am-Pfahl-Sitzen als immer gleiche Wiederholung gelesen, nicht als Traum. Und das hat mich an ein Spiel erinnert. DVD rein, Level wählen, immer am gleichen Punkt starten. Wenn man mal dieses Bild im Kopf hat, fügen sich diverse Details wunderbar zusammen. False Positive.
Und wg. keine Punkte: Kein Ding. Aber nächstes Mal werde ich Deinen Text daran erkennen, dass ich an ein Computerprogramm denken muss. Und dann, Veith, dann ... Cool lol
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BeitragVerfasst am: 28.09.2019 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hmmm … müsste ein sehr interessantes und spannendes Spiel sein, wo man die ganze Zeit nichts weiter tut, als an einen Pfahl gefesselt auf einem Berg rumzusitzen. Erinnert mich an … ich komm jetzt nicht mehr auf den Namen, es gab da mal so ein scherzhaftes Inform-Textadventure, das eine Reise zu einem anderen Stern in Echtzeit simuliert. Da konnte man auch nur auf der Bücke rumsitzen und auf den ETA-Timer schauen, wie viele Jahrhunderte man noch unterwegs ist.

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Michel
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BeitragVerfasst am: 29.09.2019 08:43    Titel: Antworten mit Zitat

Aus Sicht der Spielfigur wäre es das. Die bleibt ja in der Szene, die der Spieler verlässt. Der erlebt neue Level, die Figur ... bleibt am Pfahl.
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BeitragVerfasst am: 29.09.2019 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Frage mich eigentlich, warum, und ob wir so komplett unterschiedliche Ansichten zum Schreiben haben.

Glaube ich eigentlich gar nicht. Zumindest bin ich ziemlich oft ziemlich einverstanden mit dem, was du unter andere Texte schreibst.
Ach, irgendwann wird es schon noch klappen. Constantine musste jedenfalls auch ziemlich lang auf Punkte von mir warten smile
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BeitragVerfasst am: 29.09.2019 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

So, da ich das nicht hier mit den ganzen Tippfehlern stehen lassen möchte, nochmal eine korrigierte Version. In dieser habe ich auch die Stellen markiert, an welcher Stelle beim Schreiben die neuen Vorgaben veröffentlicht wurden.


Nur ein Wort

[Vorgabe 1A]

Blätter treiben dahin, kleinere Äste, tote Insekten. Überreste der Natur, des sommerlichen Lebens, zum Tode verurteilt wie jedes Jahr. Einsam ist es hier, ich sitze allein am Ufer und starre auf die Strömung. Beobachte.
Jetzt tue ich es schon am Tage. Sitzen und beobachten, ohne Teil davon zu sein. Sehnsucht nach einer Welt, der ich mich nicht mehr zugehörig fühle. Der Fluss als Metapher, panta rhei. Irgendwann werde auch ich dorthin fließen, in die Vergessenheit. Vergessen bin ich auch jetzt schon. Hinter mir eine herbstliche Wiese, in deren Mitte eine Baumgruppe. Altes, knöchernes Holz. Verdorrte Zeit.
Seit einer Woche komme ich jeden Morgen hierher, setzte mich ans Flussufer, blicke auf die Strömung und werde eins mit dem Fluss. Wenigstens bin ich vollständig bekleidet. Nachts ist das anders. Ich sitze auf einem Hügel, spüre den steinigen, moosbewachsenen Boden unter meinem Po, auf der nackten Haut. Wind streicht über meinen Körper, streichelt mich. Ich spüre den Holzpfahl, an den ich mich lehne, meine Hände dahinter gebunden. Ich habe nur den Wind und die Nacht. Beobachten. Ich sehe die Stadt unter mir, die Straßen wie Flüsse, Lichter der Autos, dahingetrieben wie tote Äste im Wasser. Jede Nacht sitze ich dort. Ich weiß nicht, warum. Opfer für einen prähistorischen Gott, oder gezwungener Beobachter. Vielleicht ist es eine Aufgabe, irgendwas dort unten zu sehen, etwas, was man nur aus dieser Perspektive erkennt. Jede Nacht dieser Traum. Am Anfang versuchte ich noch, mich zu wehren. Ich riss an den Seilen, die meine Hände hinter dem Pfahl halten, bis meine Handgelenke schmerzten, bluteten oder sich taub anfühlten. Zwecklos. Wenn man sich nicht bewegt, spürt man die Fesseln nicht. Einfach beobachten. Irgendwas muss es zu erkennen geben, ich weiß nur noch nicht, auf was ich achten muss. Weder nachts auf dem Berg, noch tags hier am Fluss.

[Vorgabe 2A]

Schritte hinter mir. Ich reiße die Arme nach vorne, um meine Nacktheit zu bedecken. Innerlich muss ich beinahe lachen. Natürlich bin ich bekleidet, und wäre das der Traum, könnte ich gar nichts unter meinen Händen bedecken. Schlimm, dass ich Traum und Tag schon fast nicht mehr unterscheiden kann.
»Oh, Hallo!«, höre ich eine Stimme hinter mir. »Ich hätte nie gedacht, hier jemanden zu treffen.«
Ein Golden Retriever hechelt an mir vorbei, tollt am Flussufer. Ich blicke mich zu seinem Besitzer um und erstarre. Jens! Verdammt, der hat mir gerade noch gefehlt. Ich kenne ihn von früher, als ich hier im Dorf lebte. Über zehn Jahre habe ich ihn nicht gesehen. Jens war immer das genaue Gegenteil von mir. Oft machten wir Witze über ihn, er sei in einem dieser Computerspiele hängengeblieben. Diesen RPGs, wo man durch irgendeine Pixelstadt lief und versuchte, mit allen Einwohnern zu reden. Naja, die anderen machten Witze. Ich hörte zu. Lachte nicht, denn es war mir egal. Jens fing wirklich mit jedem ein Gespräch an, völlig egal, ob es einen Anlass dafür gab oder nicht. Und jetzt war ich an der Reihe.
»Hey Anne, ich wusste gar nicht, dass du wieder hier bist. Was machst du?«
Beobachten, erwidere ich. Wahrscheinlich sollte ich ihn auf den Hund ansprechen, denke ich. Klar hatte er sich einen Hund zugelegt. Hunde waren dafür da, dass man über sie redete.
»Du siehst gut aus, weißt du das? Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?«
Vor zwölf Jahren, drei Monaten und achtzehn Tagen, kläre ich ihn auf.
Er setzt sich neben mich, trägt eine schwarze Jeans, einen dunkelgrünen Pullover und Bart. Wie ein Holzfäller siehst du aus, spotte ich.
»Wie lange bist du schon wieder hier?«, will er wissen. Verdammt, er muss noch einsamer sein als ich selbst. Oder bin ich die Trophäe? Die letzte Person, mit der er noch reden muss? Wir sind alle nur Gefangene, teile ich ihm mit.

[Vorgabe 3B]

Er seufzt, greift in seine Tasche, zieht eine Pfeife heraus und stopft sie. »Ich bin enttäuscht, weißt du das?«
Entschuldige, dass ich noch nicht gefunden habe, wonach ich Ausschau halten muss, rechtfertige ich mich.
Er zündet die Pfeife an. »Ich bin wieder allein, wenn es dich interessiert. Hörst du mir zu?«
Ich höre immer zu, solltest du wissen, pflichte ich ihm bei.
»Da reist man durch die Weltmeere, freut sich monatelang auf Zuhause, kommt zwei Tage früher an …«
Du bist also zur See gefahren, frage ich. Pass doch gar nicht zu dir. Oder vielleicht doch. Ein Schiff ist so überschaubar wie eine Pixelstadt, da kann man es wirklich schaffen, mit jedem zu sprechen.
»Hört das Geräusch der Dusche, prima Gelegenheit nach vier Monaten getrennt sein, dachte ich mir, zog mich schnell aus, bis auf die Unterhose, vorsichtig ins Bad schleichen, sollte ja eine tolle Überraschung sein, dass ich schon …«
In meinen Träumen bin ich auf einem Berg an einen Pfahl gebunden und muss über eine Stadt Wache halten, erzähle ich ihm. Mir entgeht nichts, auch wenn ich nicht weiß, wonach ich schauen soll.
»… und dann steht sie da unter der Dusche, mit Holger. Grinst mich noch verlegen an, die Schlampe. ›Jens, du warst nicht da, hat sich so ergeben, das bedeutet nichts. Ich liebe nur dich.‹« Er bläst eine große Rauchwolke in den Himmel, als wolle er die Welt vergiften.
Menschen sehe ich von da oben leider nicht, erkläre ich. Alles viel zu weit weg, viel zu klein. Nur die Scheinwerfer der Autos als Lichtpunkte in einem immerwährenden Fluss.
Der Hund kommt vom Ufer zurück, schleckt seine Hand. Jens streichelt ihn, rubbelt seine Hände durchs Fell. »Nur du bist mir treu geblieben, Django.«
Dann schaut er mich an. »Schön, dass wenigstens du mir zuhörst«, erklärt er. »Weißt du, wenn dir so eine Scheiße passiert, dann geben die anderen dir die Schuld. ›Was fährst du auch zur See, Junge, wieso lässt du deine Frau monatelang allein?‹ Hat Paul vom Imbiss so gesagt. Mann, wir hatten das abgesprochen. Inga hatte überhaupt kein Problem damit.« Er lacht bitter, schickt eine neue Enttäuschungswolke aus seiner Pfeife in die sterbende Herbstnatur. »Da hatte sie ja mehr Zeit für Holger. Das ging wohl schon länger so.«
In meinen Träumen ist es immer gleich, beruhige ich ihn. Ein immerwährender anonymer Lichterfluss, nichts ändert sich. Leben geht weiter, es geht immer weiter. Nur ich sitze still und bewege mich nicht.
»Eigentlich hätte ich gleich wieder fahren sollen«, redet er weiter. »Was hält mich jetzt noch hier? Okay, der Hund. Den wollte ich Inga nicht auch noch überlassen. Und weißt du, ich schaffe es nicht, wieder wegzufahren. Mein Leben wieder allein zu lassen, weil ich nicht weiß, was beim nächsten Mal sein wird, wenn ich zurückkomme. Vielleicht hätte ja jemand das Haus angesteckt.«
Das würde ich von meinem Berg aus sehen, erkläre ich.
Er blick mich an. »Ach Anne, wenn ich nur wüsste, was in deinem Kopf vorgeht. Aber schön, dass du zurück bist.«
Jetzt habe ich eine Aufgabe, vertraue ich ihm an. Ich kann alleine leben. Nachts kommen sie, ziehen mich aus, führen mich auf den Berg und binden mich an den Pfahl. Aber sie fassen mich nicht mehr an. Ich bin eine Wächterin, sehe die ganze Stadt. In der Klinik sah ich immer nur die Decke. Und ihre Finger waren überall, sie bekommt ja nichts mit, dachten sie. Kann sich nicht wehren, wegen der Gurte. Und spricht vor allem nicht darüber.
»Hättest du vielleicht Lust, irgendwas zu unternehmen?«, fragt er. »Wir könnten mal in irgendein Café gehen, was denkst du?«
Ich denke darüber nach, was ich sehen soll, antworte ich. Vielleicht ein Café an einem Flussufer, irgendwo in einer anderen Stadt, einem anderen Lichterstrom.
»Mir macht es nichts aus, wenn du nicht redest. Hast du schließlich noch nie getan. Mutantismus, oder wie hieß das noch?«
Mutismus, verbessere ich.
Er schlägt eine Hand vor seine Stirn. »Sorry, du bist ja kein Mutant, das war jetzt nicht so gemeint. Weißt du, ich konnte mir solche Wörter noch nie merken.« Nachdenklich zieht er an seiner Pfeife. »Kennst du eigentlich Wörter, oder vergisst du sie?«
Der Hund legt sich vor meine Füße. Ich sehe das Halsband mit dem Ring für die Leine.
»Wie ist es, du zu sein?«
Die Leine. Ich habe eine Idee. Die Leine liegt neben ihm. Ich nehme sie, stehe auf und gehe auf die Wiese, auf die Baumgruppe zu. Immer schneller werden meine Schritte.
»Anne, wo willst du denn hin?«
Keine Sorge, ich zeige es dir.
Ich setze mich vor einen Baum, es kostet mich einige Mühe, die Leine hinter meinem Rücken um die Handgelenke zu wickeln, aber es gelingt mir. Ich bin der gefangene Beobachter, sehe ihn an. Und sehe, was ich sehen sollte. Was ich von meinem Berg aus niemals sah.
»Was soll das jetzt? Stehst du auf SM oder so?« Er sieht vollkommen irritiert aus. »Soll ich dich jetzt anfassen oder sowas?«
Bloß nicht! Ich zerre an der Leine, so stark ich kann.
»Was machst du für Sachen? Steckst du fest? Warte, ich helfe dir.«
Er geht hinter mir in die Knie, hilft mir, die Leine zu lösen. Ich erhebe mich von meinem Pfahl, stehe aufrecht, frei. »Danke«, sage ich.

Und der Berg unter mir explodiert in Myriaden kleinster Splitter.


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Municat
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Alter: 52
Beiträge: 366
Wohnort: Zwischen München und Ingolstadt


BeitragVerfasst am: 07.10.2019 14:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hey smile Was für ein schönes Ergebnis! Ferut mich total für dich. Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, die Texte anzuschauen, weil ich eine Weile lang keinen Rechner zu Hause hatte und in der Arbeit jede Menge los war.

Du hast das so was vorn verdient! Cool


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2059
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 07.10.2019 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Tja, Heartbreak makes the best stories. (Wo ist der Zynismus-Smiley?)

Freut mich, wenn dir die Geschichte gefallen hat.


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