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Aktiver Held und Ziel - wirklich immer nötig?

 

 
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Lieselotte
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 16



BeitragVerfasst am: 19.08.2019 09:23    Titel: Aktiver Held und Ziel - wirklich immer nötig? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen!

Man liest immer wieder, dass der Protagonist eines Romans ein klares Ziel haben muss und dieses aktiv verfolgen sollte, da sonst keine Spannung entsteht.

Ist das wirklich so in Stein gemeißelt? Ich habe eine Romanidee, an der mir schon viele Aspekte gefallen. Allerdings gerät mein Protagonist da in eine Freundschaft, die sich als destruktiv erweist. Vieles passiert (ihm) eher, als dass er es selbst anpackt. Ist das per se langweilig?
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AnnieWaye
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 17



BeitragVerfasst am: 19.08.2019 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

Das klingt wie ein handlungsgetrieber Plot (siehe https://www.dsfo.de/dsfopedia/index.php/Plot#Handlungsgetriebener_Plot): "Im handlungstriebenen Plot reagieren die Helden und die Heldin stets auf Einflüsse von außen. Sie reagieren mehr als dass sie agieren."
Das muss überhaupt nicht langweilig sein. Viele Bücher sind handlungsgetrieben (z.B. die Tribute von Panem) und trotzdem hochgradig spannend. Der Spannungsfokus liegt dabei weniger auf dem, was passiert, sondern auf der Reaktion deines Protagonisten, wie er damit umgeht, daran wächst.
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Merlinor
Geschlecht:männlichArt & Brain

Alter: 67
Beiträge: 7962
Wohnort: Bayern
DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 19.08.2019 13:06    Titel: Re: Aktiver Held und Ziel - wirklich immer nötig? Antworten mit Zitat

Lieselotte hat Folgendes geschrieben:
... Man liest immer wieder, dass der Protagonist eines Romans ein klares Ziel haben muss und dieses aktiv verfolgen sollte, da sonst keine Spannung entsteht.

Ist das wirklich so in Stein gemeißelt?


Hallo Lieselotte

Nein, das ist ganz sicher nicht in Stein gemeißelt.
Warum sollte aus einer Handlung, die den Protagonisten in Situationen zwingt, die er nicht selbst gewählt hat, keine Spannung entstehen?

LG Merlinor


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„Ich bin fromm geworden, weil ich zu Ende gedacht habe und nicht mehr weiter denken konnte.
Als Physiker sage ich Ihnen nach meinen Erforschungen des Atoms:
Es gibt keine Materie an sich, Geist ist der Urgrund der Materie.“

MAX PLANCK (1858-1947), Mailand, 1942
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Bunt Speck
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 330
Wohnort: Port Baris


BeitragVerfasst am: 19.08.2019 14:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde hier auch sagen, dass das nicht in Stein gemeißelt ist. Mit fällt dazu am ehesten der Film The Big Lebowski ein, zu dem es sicher auch eine literarische Vorlage gibt. Hier hat der Protagonist kein Ziel, macht keine Veränderung durch und ist nichtmal wirklich am Fortschritt der Geschichte beteiligt ...

Aber ich denke, dass es auch auf das Genre ankommt und vor allem die Zielgruppe. Und irgendiwe lässt sich ja für die Protaonisten immer irgendwie ein Ziel finden/definieren, und wenn es nur darum geht, die Geschichte durchzustehen. Bei Dir klingt das ja so ein bisschen danach. Der Held wird ja nicht unbeeindruckt von den Vorgängen bleiben, also - wie Annie Waye oder implizit auch Merlinor geschrieben haben - irgendwie reagieren und damit mit der Handlung interagieren.
Ich wüsste nicht, warum das langweilig sein sollte ...

Grüße
Bunt


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ink_in_mind
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 855
Wohnort: Köln


BeitragVerfasst am: 19.08.2019 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Bunt Speck hat Folgendes geschrieben:
Ich würde hier auch sagen, dass das nicht in Stein gemeißelt ist. Mit fällt dazu am ehesten der Film The Big Lebowski ein, zu dem es sicher auch eine literarische Vorlage gibt. Hier hat der Protagonist kein Ziel, macht keine Veränderung durch und ist nichtmal wirklich am Fortschritt der Geschichte beteiligt.


Der Teppich, Mann. Der hat den Raum doch erst so richtig gemütlich gemacht.


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Bunt Speck
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 330
Wohnort: Port Baris


BeitragVerfasst am: 19.08.2019 23:27    Titel: Antworten mit Zitat

ink_in_mind hat Folgendes geschrieben:
Bunt Speck hat Folgendes geschrieben:
Ich würde hier auch sagen, dass das nicht in Stein gemeißelt ist. Mit fällt dazu am ehesten der Film The Big Lebowski ein, zu dem es sicher auch eine literarische Vorlage gibt. Hier hat der Protagonist kein Ziel, macht keine Veränderung durch und ist nichtmal wirklich am Fortschritt der Geschichte beteiligt.


Der Teppich, Mann. Der hat den Raum doch erst so richtig gemütlich gemacht.


 Cool


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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1081
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 20.08.2019 10:57    Titel: Re: Aktiver Held und Ziel - wirklich immer nötig? Antworten mit Zitat

Lieselotte hat Folgendes geschrieben:
Guten Morgen!

Man liest immer wieder, dass der Protagonist eines Romans ein klares Ziel haben muss und dieses aktiv verfolgen sollte, da sonst keine Spannung entsteht.

Ist das wirklich so in Stein gemeißelt? Ich habe eine Romanidee, an der mir schon viele Aspekte gefallen. Allerdings gerät mein Protagonist da in eine Freundschaft, die sich als destruktiv erweist. Vieles passiert (ihm) eher, als dass er es selbst anpackt. Ist das per se langweilig?


Es geht nicht darum, dass P sich selbst am Anfang das klare Ziel setzt. Natürlich kann er/sie ohne eigenes Zutun in Situationen stolpern, mit denen er/sie nicht gerechnet hat.

Allerdings darf P nicht auf diese Situationen IMMER passiv reagieren, also gar nichts tun und sich von anderen "retten" lassen. Das wird schnell langweilig.

Grüße
Rainer
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Pickman
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 52
Beiträge: 491
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 20.08.2019 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Bei den Helden von Charles Bukowsky und Henry Miller habe ich nicht das Gefühl, dass sie ein Ziel verfolgten.

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"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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agu
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 44
Beiträge: 1763
Wohnort: deep down in the Brandenburger woods


BeitragVerfasst am: 23.08.2019 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe es auch so, dass es stark vom Genre abhängig ist.
Bei Gegenwartsliteratur / gehobener Belletristik ist es sicher kein Problem, wenn der Prota wie ein Blatt im Wind durch die Geschichte getrieben wird, wenn es denn einem höheren Zweck dient oder das Werk anderweitig seine Besonderheit aufweist.

Bei Unterhaltungsliteratur halte ich es für notwendig, dass der Protagonist eher aktiv anstatt passiv agiert (oder zumindest als Teil der Handlung eine Wandlung von einem passiven zum aktiven Akteur durchläuft).
An der Sache mit dem Ziel ist schon was dran, und das widerspricht sich auch nicht mit einem Setting, bei dem er auf Situationen reagieren muss, die ihm von außen aufgezwungen werden. Weil hier die Tribute von Panem genannt werden - da hat die Heldin auch ein klares Ziel vor Augen, nämlich überleben - und dafür muss sie die Spiele gewinnen.

Das Ziel muss also nicht unbedingt sein, dass einer sich etwas vornimmt und es dann durchzieht. Es kann auch darin bestehen, aus einer schlimmen Situation auszubrechen. Oder sie einfach durchzustehen. Oder jemand anderem da rauszuhelfen. So als Stichworte zu 'destruktive Freundschaft'


_________________
Meine Bücher:
Engelsbrut (2009 Sieben, 2011 LYX) | Engelsjagd (2010 Sieben) | Engelsdämmerung (2012 Sieben)
Die dunklen Farben des Lichts (2012, SP)
Purpurdämmern (2013, Ueberreuter)
Sonnenfänger (2013, Weltbild)
Kill Order (2013 Sieben)
Choice / als Chris Portman (2014, Rowohlt)
Wie man ein Löwenmäulchen zähmt / als Eva Lindbergh (2016, Droemer Knaur)
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