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Seelenleiter


 

 
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 62
Beiträge: 58
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 16.08.2019 14:52    Titel: Seelenleiter eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Hallo,
ich arbeite im Moment an einem Zyklus von Kurzgeschichten, den man mit Seele,unterwegs betiteln könnte. Darin bediene ich mich (ganz selektiv) der Vorstellungen, die in unterschiedlichen Kulturen/Religionen zum Verbleib der Seele nach dem Tod bestehen. Hier nun der Einstieg in eine Story, die sich bei indigenen Kulturen bedient. Und die übliche Frage: Kommt man rein ins Geschehen? Macht der Einstieg Lust auf die Fortsetzung?


Du existierst also noch, denkt Elisabeth verwundert. Sie vernimmt ein Räuspern hinter sich, dreht sich um und sieht schemenhaft eine Gestalt, nicht viel mehr als ein Schatten.
»Wer ist da? «, fragt sie.
»Ich bin Johann. Autounfall«, sagt der Schatten. »Und wie heißt du?«
»Elisabeth. Krebs. Ist außer uns noch jemand im Raum? «
Zwei weitere Schatten schälen sich aus den Wänden und stellen sich als Karsten und Willi vor. Karsten ist bei einer Klettertour abgestürzt, Willi nennt keine Todesursache.
»Was man wohl mit uns vorhat? «, fragt Elisabeth in die Runde.
»Keine Ahnung. Lassen wir uns überraschen«, schlägt Willi vor.
In diesem Moment erscheint in Leuchtbuchstaben ein Text an der Wand, gleichzeitig ertönt eine sanfte weibliche Stimme aus dem Off:
»Seid gegrüßt. Bevor wir beginnen, studiert bitte zunächst aufmerksam den Text an der Wand. Er gibt euch Aufschluss über den Grund dieser Zusammenkunft. «
Die vier stellen sich in Reih und Glied auf und lesen:
 

Auszug aus den obersten Leitlinien für Seelen.
Gattung: Mensch. Stand: 15.August 2019

§1. Die Ichseele
Die Ichseele lenkt das Denken und Fühlen eines Menschen im Wachzustand, steuert die Wahrnehmung, das Gedächtnis, den Willen. Sie strebt nach Glück und Zufriedenheit, verfolgt aber auch Ziele wie Einzigartigkeit, Anerkennung und Ruhm.
Die Ichseele ist an den Körper eines Menschen gebunden und stirbt mir diesem.
§2 Die Freiseele
Die Freiseele (auch: Exkursionsseele) ist zuständig für die Verbreitung von Idealen, die der Menschheit als Ganzes förderlich sind. Sie erweitert den geistigen Horizont des Menschen in Richtung größerer Zusammenhänge, in Richtung der besseren Möglichkeiten der Gattung, indem sie Ichseelen inspiriert, gleichsam küsst, wie die Muse den Künstler.
Die Freiseele unterliegt keinen örtlichen Beschränkungen und ist unsterblich.
§3.Ausnahmeregelungen
Aktuell werden 1‰ (in Worten: ein Tausendstel, zukünftige Anpassungen vorbehalten) besonders verdienstvoller Ichseelen nach dem Ableben des Menschen zu Freiseelen befördert und erlangen damit automatisch den Status der Unsterblichkeit.



Das muss ein ehemaliger Jurist verfasst haben, denkt Elisabeth, schweigt aber wie alle anderen. Nach einigen Minuten erklingt wieder die Stimme aus dem Off:
»Liebe Ichseelen,
nach einer Vorauswahl durch unsere Personalabteilung seid ihr in den engeren Kreis der Kandidaten für den Posten einer Freiseele gelangt. Hierzu möchte ich euch beglückwünschen. Einer von euch wird heute von unserer Jury in den Stand einer Freiseele erhoben werden. Das heißt im Umkehrschluss: Die drei Nicht-Erwählten gehen den üblichen Gang der Ichseele und erlöschen. Das ist also die Ausgangslage. Falls jemand unter diesen Bedingungen gar nicht erst kandidieren möchte, möge er sich jetzt melden. «
Schweigen.
Vier gehen rein, einer kommt raus, fährt Elisabeth durch den Kopf. Warum führen sie keine Einzelinterviews durch und ersparen uns diesen Zirkus?



_________________
Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.
(Th.W.Adorno, Minima Moralia)
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Pickman
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 52
Beiträge: 491
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 17.08.2019 17:24    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber DLurie,

zu Anfang der Geschichte lesen Deine Helden die obersten Leitlinien für Seelen. Das ist in etwa so spannend, wie zu Beginn eines Spieleabends die Regeln durchzulesen. Ich kenne den Rest Deiner Handlung nicht, aber vielleicht wäre es Dir möglich, diese Regeln häppchenweise später zu servieren.

Dann habe ich noch ein oder zwei Probleme mit den Seelen. Zum einen habe ich grundsätzliche Schwierigkeiten, mir Seelen ohne Körper vorzustellen. Aber das ist vielleicht eine Genregegebenheit, die ich hinnehmen muss.

Zum anderen stellst Du Deine Seelen als "Schatten" vor. Wie kann sich ein solcher Schatten aus einer Wand herauslösen und irgendwo aufstellen? Ist er dann immer noch zweidimensional? Ist er schwarz? Aber vielleicht kommt das noch.

Liebe Grüße

Pickman


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"Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen." (Albert Camus: Der Fremde)
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 62
Beiträge: 58
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 17.08.2019 22:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Pickman,

danke für deine Anmerkungen. Einiges davon war mir zwischenzeitlich schon selbst aufgestoßen, weshalb eine neue Version folgt.

Im Einzelnen:

Pickman hat Folgendes geschrieben:


zu Anfang der Geschichte lesen Deine Helden die obersten Leitlinien für Seelen. Das ist in etwa so spannend, wie zu Beginn eines Spieleabends die Regeln durchzulesen. Ich kenne den Rest Deiner Handlung nicht, aber vielleicht wäre es Dir möglich, diese Regeln häppchenweise später zu servieren.

Habe die Leitlinien auf das für den weiteren Fortgang notwendige gekürzt.
Das muss nun sein, auch genau an dieser Stelle. Spieleabende, ohne dass die Beteiligten die Regeln verstanden haben, enden im Chaos.


Pickman hat Folgendes geschrieben:

Dann habe ich noch ein oder zwei Probleme mit den Seelen. Zum einen habe ich grundsätzliche Schwierigkeiten, mir Seelen ohne Körper vorzustellen.
Pickman

Ich auch !! Embarassed

Pickman hat Folgendes geschrieben:

Zum anderen stellst Du Deine Seelen als "Schatten" vor. Wie kann sich ein solcher Schatten aus einer Wand herauslösen und irgendwo aufstellen? Ist er dann immer noch zweidimensional? Ist er schwarz? Aber vielleicht kommt das noch.
Pickman

Die Story spielt nicht in der realen Welt, deshalb habe ich hier durchaus mehr Freiheiten. Damit die Vorstellung etwas konkreter wird habe ich die nebligen Schatten durch Säulen aus weißem Rauch ersetzt. Bin noch unschlüssig, ob das besser ist.

Last but not least bin ich in der neuen Version näher an meine Protagonistin gerückt. Hier nun die neue Version:


Du existierst also noch, denkt Elisabeth erfreut und überrascht zugleich. Sie hatte nie geglaubt, dass es nach dem physischen Tod irgendwie weitergehen würde, hatte den Glauben daran immer für reines Wunschdenken gehalten, ganz gleich ob er in religiösen oder anderen Überzeugungen wurzelte. Nun - offensichtlich hatte sie sich geirrt.
Sie vernimmt ein verhaltenes Räuspern hinter sich, erschrickt ein wenig, dreht sich um und sieht schemenhaft eine Gestalt, ein Art Säule aus weißem Rauch mit den ungefähren Konturen eines Menschen.
»Ist da jemand?«
»Ich bin Johann«, sagt die Rauchsäule. »Autounfall. Und wer bist du?«
»Elisabeth. Ich hatte Krebs. Ist außer uns noch jemand im Raum?«
Zwei weitere Gestalten schälen sich aus den Wänden und stellen sich als Karsten und Willi vor. Karsten ist bei einer Klettertour abgestürzt, Willi nennt keine Todesursache.
»Was man wohl mit uns vorhat?«, fragt sie in die Runde.
»Keinen blassen Schimmer«, sagt Willi.
»Wir sind noch da. Das allein ist erfreulich. Lassen wir uns überraschen!«, meint Karsten.
In diesem Moment erscheint in Leuchtbuchstaben ein Text an der Wand, gleichzeitig ertönt eine sanfte weibliche Stimme aus dem Off:
»Seid gegrüßt, liebe Ichseelen. Studiert bitte zunächst aufmerksam den Text an der Wand. Er gibt euch Aufschluss über den Grund dieser Zusammenkunft.«
Sie stellen sich in Reih und Glied auf und lesen:

Auszug aus den obersten Leitlinien für Seelen.
Gattung: Mensch. Stand: 15.August 2019

§1. Die Ichseele
Die Ichseele lenkt das Denken und Fühlen eines Menschen im Wachzustand, (…).  Sie strebt nach Glück und Zufriedenheit,(…).
Die Ichseele ist an den Körper eines Menschen gebunden und stirbt im Normalfall mit diesem.(Ausnahmeregelungen:Siehe §3)
§2 Die Freiseele
Die Freiseele (auch: Exkursionsseele) ist zuständig für die Erweiterung des geistigen Horizonts der Gattung, für die Verbreitung von Idealen, die der Vervollkommnung der Menschheit als Ganzes förderlich sind.
Die Freiseele unterliegt keinen örtlichen Beschränkunken und ist unsterblich.
§3.Ausnahmeregelungen
Aktuell(Stand August 2019) werden 1‰ (demographisch bedingte Anpassungen vorbehalten) besonders verdienstvoller Ichseelen nach dem Ableben des Menschen zu Freiseelen befördert und erlangen damit den Status der Unsterblichkeit.

Das hat ein ehemaliger Jurist verfasst, ist ihr erster Gedanke. Die Tatsache, dass wir vier hier noch rumspuken, kann nur bedeuten, dass wir uns zum Kreis der besonders verdienstvollen Ichseelen zählen dürfen. Das wird hier wohl so eine Art Kollektivbeförderung…

Die Stimme aus dem Off meldet sich:
»Liebe Ichseelen!
Nach einer Vorauswahl durch unsere Personalabteilung seid ihr in den engeren Kreis der Kandidaten für den Posten einer Freiseele gelangt. Hierzu möchte ich euch beglückwünschen. Einer von euch wird heute von unserer Jury in den Stand einer Freiseele erhoben werden. Das heißt im Umkehrschluss: Die drei Nicht-Erwählten gehen den üblichen Gang der Ichseele und erlöschen. Falls jemand unter diesen Bedingungen sein Kandidatur zurückziehen möchte, möge er sich jetzt melden. «

Zu früh gefreut, denkt sie. Vier gehen rein, einer kommt raus. Warum führen sie keine Einzelinterviews durch und ersparen uns diesen Zirkus?


_________________
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(Th.W.Adorno, Minima Moralia)
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 44
Beiträge: 111



BeitragVerfasst am: 17.08.2019 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

ich würde dir gerne meinen ganz persönlichen Eindruck hinterlassen.

Für meinen Gusto ist der Einstieg etwas zu schnell. Ich frage mich gerade, ob ich Elisabeths letzte Minuten vor ihrem Tod miterleben möchte. Oder den Übergang?
Plötzlich stehe ich also mir ihr in einem Raum, der für mich gar nicht "greifbar" ist. Da sind nur Wände, deren genaue Beschaffenheit Du mir verschweigst. Wenn von Elisabeth noch eine wahrnehmende Seele existiert, die Elisabeths Eigenschaften und Persönlichkeit in sich trägt, sollte sie nicht ein wenig verwirrt sein? Eben lag sie noch im Krankenhaus oder Zuhause, vielleicht waren Angehörige anwesend. Vielleicht ist das, was davor war, auch nicht so wichtig, aber mir erschwert es ein wenig den Einstieg.
Und wo befindet sie sich überhaupt?
Nach deiner Einleitung und dem Hinweis auf die Vorstellungen unterschiedlicher Kulturen, war ich etwas überrascht, weil mir die Szene auch fast ein wenig flapsig vorkommt. Auf Bürokratie und Paragraphen könnte ich wenigstens nach meinem Ableben locker verzichten.
Der Satz: "Falls jemand unter diesen Bedingungen gar nicht erst kandidieren möchte, möge er sich jetzt melden." deckt sich nicht mit dem Eindruck, den ich von den Seelen gewinne. Bei einer Kandidatur stelle ich mich zur Wahl. Bei den anwesenden Seelen habe ich allerdings den Eindruck, dass sie gar nicht wissen, was los ist, was sie aber gut wegstecken.
Dann der angedeutete Konflikt. Ich habe versucht, mir das vorzustellen. Haben Seelen einen Überlebenswillen? Immerhin steht es 3:1, dass es doch nix wird mit dem Status der Unendlichkeit (sofern man den möchte). Würde ich dann so reagieren/denken wie Elisabeth?

Mich würde natürlich interessieren, wie das postmortale Assessment Center ausschaut. Mich würde auch interessieren, warum ausgerechnet die vier. Die Perspektive könnte interessant werden. Es besteht aber vielleicht auch die Gefahr, dass es unfreiwillig komisch wird. Ja nachdem, wie ernst an die Thematik herangegangen werden soll.  

VG
Silke
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malu_vs
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 38
Beiträge: 63
Wohnort: Hessen


BeitragVerfasst am: 18.08.2019 09:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

Ich finde deinen Text sehr humoristisch, und die Thematik und der Konflikt gefallen mir.
Was den Raum angeht, so wäre eine etwas detailiertere Beschreibung sicher ganz nett.  Was das entspannte Verhalten der vier Toten angeht, vielleicht ist es so gewollt,vielleicht haben sie sich bereits alle mit dem Tod abgefunden, aufgrund der Todesursache würde ich aber meinen, dass zumindest der Kletterabsturz und der Autounfall protestieren sollte. Könnte man sicher auch gut humoristisch verpacken.


_________________
Malu Volksky
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 62
Beiträge: 58
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 18.08.2019 11:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Silke, hallo malu_vs,

danke für eure Anmerkungen.

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Für meinen Gusto ist der Einstieg etwas zu schnell. Ich frage mich gerade, ob ich Elisabeths letzte Minuten vor ihrem Tod miterleben möchte. Oder den Übergang?
Plötzlich stehe ich also mir ihr in einem Raum, der für mich gar nicht "greifbar" ist. Da sind nur Wände, deren genaue Beschaffenheit Du mir verschweigst. Wenn von Elisabeth noch eine wahrnehmende Seele existiert, die Elisabeths Eigenschaften und Persönlichkeit in sich trägt, sollte sie nicht ein wenig verwirrt sein? Eben lag sie noch im Krankenhaus oder Zuhause, vielleicht waren Angehörige anwesend. Vielleicht ist das, was davor war, auch nicht so wichtig, aber mir erschwert es ein wenig den Einstieg.

Was davor war, spielt für den weiteren Fortgang der Geschichte keine Rolle. Die Vier sind schlicht erfreut und überrascht, dass sie noch existieren, denn damit hatten sie nicht gerechnet. Und neugierig auf das, was nun kommen mag. Das muss m.E. als Ausgangslage reichen, um Interesse zu wecken, sonst habe ich etwas falsch gemacht.
Den Raum könnte man noch etwas ausschmücken, das überlege ich mir. Es spricht aber auch einiges dafür, das äußere Szenario ganz im Vagen zu belassen.

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Nach deiner Einleitung und dem Hinweis auf die Vorstellungen unterschiedlicher Kulturen, war ich etwas überrascht, weil mir die Szene auch fast ein wenig flapsig vorkommt. Auf Bürokratie und Paragraphen könnte ich wenigstens nach meinem Ableben locker verzichten.


Die Geschichten des Seelenzyklus bedienen sich ganz respektlos bei unterschiedlichen Kulturen. (Christentum, Islam,etc.) Und da existiert in indigenen Kulturen eben die Vorstellung, dass gleich mehrere Seelen mit unterschiedlichen Funktionen (es gibt auch eine Körperseele!) den Menschen bevölkern. Eine Gemeinsamkeit verbindet die Storys: Was, wenn auf der anderen Seite ähnliche Bedingungen herrschen wie im wirklichen Leben? Bürokratie, Konkurrenz, Neid, Eitelkeit…

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Mich würde natürlich interessieren, wie das postmortale Assessment Center ausschaut. Mich würde auch interessieren, warum ausgerechnet die vier. Die Perspektive könnte interessant werden. Es besteht aber vielleicht auch die Gefahr, dass es unfreiwillig komisch wird. Ja nachdem, wie ernst an die Thematik herangegangen werden soll.

Zumindest ist es mir also gelungen, ein gewisses Interesse zu wecken. Und zur Komik: Ganz ernst gemeint sind die Geschichten alle nicht…

@malu_vs
Freut mich, dass dir die Intro gefällt.
Interessant, dass auch Du den Raum beschrieben haben möchtest...
Ein gewisser Protest gegen die Todesart folgt später im Falle von Willi, der sich zunächst ausschweigt.  

LG
Dlurie


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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 44
Beiträge: 111



BeitragVerfasst am: 18.08.2019 14:10    Titel: Antworten mit Zitat

DLurie hat Folgendes geschrieben:

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Nach deiner Einleitung und dem Hinweis auf die Vorstellungen unterschiedlicher Kulturen, war ich etwas überrascht, weil mir die Szene auch fast ein wenig flapsig vorkommt. Auf Bürokratie und Paragraphen könnte ich wenigstens nach meinem Ableben locker verzichten.


Die Geschichten des Seelenzyklus bedienen sich ganz respektlos bei unterschiedlichen Kulturen. (Christentum, Islam,etc.) Und da existiert in indigenen Kulturen eben die Vorstellung, dass gleich mehrere Seelen mit unterschiedlichen Funktionen (es gibt auch eine Körperseele!) den Menschen bevölkern. Eine Gemeinsamkeit verbindet die Storys: Was, wenn auf der anderen Seite ähnliche Bedingungen herrschen wie im wirklichen Leben? Bürokratie, Konkurrenz, Neid, Eitelkeit…

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:

Mich würde natürlich interessieren, wie das postmortale Assessment Center ausschaut. Mich würde auch interessieren, warum ausgerechnet die vier. Die Perspektive könnte interessant werden. Es besteht aber vielleicht auch die Gefahr, dass es unfreiwillig komisch wird. Ja nachdem, wie ernst an die Thematik herangegangen werden soll.

Zumindest ist es mir also gelungen, ein gewisses Interesse zu wecken. Und zur Komik: Ganz ernst gemeint sind die Geschichten alle nicht…


Letzteres (Interesse) auf jeden Fall! Der Konflikt ist ja auch fundamental. Was Du geschrieben hast, nehme ich mal so an, bleibe aber dabei, dass mir der Einstieg zu flott gerät. Hab's eben nochmal gelesen. Aber vielleicht ist es ja so, wenn ich sterbe und wohin auch immer übergehen sollte, dass es *flupp* macht und hastenichtgesehn bin ich wo. Wenn es so beabsichtigt sein sollte (Zack für Leser und Seele), ist mir der Einstieg wiederum zu lasch. Klingt irgendwie widersprüchlich, aber vielleicht erahnt man ansatzweise, was ich meine. Diesem Einstieg in die andere Dimension, das Jenseits, was auch immer, dem fehlt noch ein Gewürz, das zu benennen mir die sprachlichen Geschmacksknospen fehlen. (edit: damit meine ich nicht eine zusätzliche Szene. Ein/zwei Sätze, mehr nicht.)

Aber ich würde mich über einen weiteren Happen freuen.

VG
Silke
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Pia
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Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 18.08.2019 14:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dlurie,

obwohl die zweite Version gefälliger ist, hat mir der etwas makabere Einstieg, bei dem die Todesarten quasi als Familiennamen fungieren, besser gefallen.
Die Leitlinien habe ich auch zunächst überflogen, um dann einige Absätze später zurück zu gehen und die Informationen über Freiseelen zu lesen. Also haben sie sehr schnell ihre formale Berechtigung.

Du bedienst dich querbeet bei den Religionen. Die Beschränkung auf jeweils eine kommt mir besser vor.

Mich interessiert die Geschichte und ihr Fortgang. Ich hoffe, es kommt mehr. Very Happy


LG
Pia
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DLurie
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 62
Beiträge: 58
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 18.08.2019 16:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Silke, liebe Pia,

danke für die Kommentare.

Pia hat Folgendes geschrieben:
Hallo Dlurie,
Du bedienst dich querbeet bei den Religionen. Die Beschränkung auf jeweils eine kommt mir besser vor.

Da habe ich mich wohl undeutlich ausgedrückt: Jede der Geschichten des Zyklus (drei weitere liegen in der Schublade) bedient sich bei einer Religion. Während mir die drei anderen (Christentum, Islam, Wiedergeburt) schon recht rund erscheinen, fand ich die Seelenvielfalt bei indigenen Kulturen ziemlich verwirrend und die Gestaltung einer entsprechenden Story  schwierig.  
  
Da nun doch ein gewisses Interesse am Fortgang besteht hier die Fortsetzung:

»Mit Verlaub, verehrte Jury», sagt Karsten. »Das klingt mir ein wenig nach Castingshow. Was erwartet uns denn genau?»
Ziemlich forsch, dieser Karsten, denkt sie. Wenn er sich damit mal keinen Bärendienst erweist.
»Der Vergleich mit der Castingshow hinkt doch ein wenig, verehrter Karsten», antwortet die Stimme aus dem Off trocken. »Vorsingen muss hier niemand. Wir bitten jeden von euch lediglich, sich kurz vorzustellen und zu erläutern, warum er gerade sich für geeignet hält. Die Redezeit pro Kandidat ist auf zwei Minuten begrenzt. Möchte jemand freiwillig beginnen?»
Niemand meldet sich.
»Für diesen Fall haben wir bereits eine Reihenfolge per Los festgelegt. Johann, trete bitte vor und mache den Anfang. Die Uhr läuft.»
Johanns bewegt sich ein Stück nach vorne und er beginnt mit fester Stimme:
»Verehrte Jury!
Als gymnasialer Deutschlehrer fühlte ich mich stets dem humanistischen Bildungsideal verpflichtet. Kraft seiner besonderen Fähigkeiten, so meine feste Überzeugung, hat der Mensch das Potential zu einem selbstbestimmten Leben in Würde und Erhabenheit. In der Formung des Heranwachsenden zum homo humanus sah ich meine Berufung; in der Bildung zu einem wahrhaft menschlichen Menschen, der Verkörperung der klassischen Trias des Wahren, des Guten und des Schönen. Das Ziel: Ein vernunftbestimmter Menschenfreund, mit festen ethischen Grundsätzen und einem sicheren Geschmack in Fragen der Ästhetik. Ich habe also bereits zu Lebzeiten - mit meinen begrenzten Möglichkeiten-  an der Vervollkommnung des Menschen gearbeitet und würde mich freuen, wenn ich Gelegenheit erhielte, diese Arbeit als Freiseele fortzuführen.
Danke für eure Aufmerksamkeit.»
Johann tritt wieder zurück ins Glied.

Ein Humanist alter Schule, man begegnet ihnen nur noch selten, aber sie sind noch nicht gänzlich ausgestorben, überlegt Elisabeth. Zu pompös für meinen Geschmack, ich hatte gar den Eindruck, dass er während der Rede leicht anschwoll. Aber dafür, dass er es aus dem Stehgreif improvisiert hat, war es nicht schlecht.
»Danke Johann. Dann wäre jetzt Karsten an der Reihe» säuselt die Stimme aus dem Off. Karsten ergreift das Wort:
»Verehrte Jury!
Ich möchte die Latte deutlich niedriger hängen als mein Vorredner. Als ehemaliger Bürgermeister einer Kreisstadt und Politiker kann ich sein allzu optimistisches Menschenbild nicht teilen. Homo homini lupus, oder, um es mit einem Zitat des von mir geschätzten Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt auszudrücken: Der Mensch ist ein Raubtier mit manchmal humanen Ansätzen. Genügt der Appell an die humanen Ansätze? Ich bezweifle es. Es bedarf strikter Regeln im Zusammenleben der Menschen. Und der Möglichkeit, diese Regeln durchzusetzen. Denn trotz aller Appelle gebiert das Raubtier in uns immer wieder hässliche Realitäten. Was nicht heißen soll, dass man vor diesen kapitulieren darf. Ihnen mit realistischer Einschätzung für das Machbare mutig zu begegnen, darin sah ich meinen Auftrag. Manchmal muss man die Menschen auch ein wenig zu ihrem Glück zwingen, nicht immer können wir auf bessere Einsicht warten.
Mit dieser Strategie habe ich einiges erreicht: In meinen zwei Amtszeiten sanken die Arbeitslosigkeit, sowie die Verschuldung und die Kriminalitätsrate der Gemeinde drastisch. Ich hinterlasse ein blühendes Städtchen. Wenn sie also einen erfahrenen Pragmatiker mit politischem Gespür suchen, bin ich ihr Mann.»

Gefällt mir schon besser als der Chefhumanist, denkt Elisabeth. Aber ich weiß nicht, ob er wirklich zum Anforderungsprofil passt. Ein bisschen viel law and order, wenig Vision und Idealismus…

Willi wird aufgefordert sich zu äußern. Er tritt vor und beginnt:
»Hallo!
Mit Latein kann ich euch nicht dienen, hab nur mittlere Reife. Musste früh von der Schule, Geld verdienen. War Klempnermeister mit eigenem Betrieb und fünf Angestellten. Die jetzt wahrscheinlich ziemlich doof aus der Wäsche gucken, wo ihr Vorturner weg ist. Wir waren wie eine Familie, die Fünfe und ich. War so eine Art Papa für die Jungs, hab mich um alles gekümmert, auch wenn sie mal privat Stress hatten.
Mein Motto im Leben: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Nicht lang rumreden. Hinschauen, anpacken, helfen. Bin Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, seit über zwanzig Jahren. Hab mehrere Verdienstabzeichen bekommen. Und dann dieses Ende: Ein Wasserrohrbruch direkt unter der Decke. Ich falle von der blöden Leiter und breche mir den Hals. Ich fasse es immer noch nicht! Keine sechzig Lenze! Irgendwie ungerecht.
Dank euch fürs Zuhören!»

Er hat sich wacker geschlagen, nur gegen Ende drückt er ein wenig auf die Tränendrüse, denkt Elisabeth und wartet auf ihren ungeduldig auf ihren Einsatz. Sie ist nervös, wie immer vor Prüfungen. Und diesmal geht es um alles oder nichts.




LG
DLurie

12Wie es weitergeht »



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Pia
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Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 18.08.2019 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Das geht spannend weiter! Elisabeth hat in mir einen Fan gefunden.

Gymnasiale Deutschlehrer und Politiker haben es mit mir nicht leicht. Nachdem ich mich dazu überwunden habe, die Bewerbungsreden nicht nur zu überfliegen, fand ich sie köstlich. Deine Darstellung ist sehr treffend, und mir fielen gleich ein paar lebende Beispiele dazu ein.

Einen Verbindung zu Glaubensvorstellungen eingeborener Kulturen kann ich immer noch nicht herstellen. Ist mir im Moment aber auch nicht wichtig. Very Happy

Mehr davon!

LG
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V.K.B.
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Beiträge: 1935
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 18.08.2019 17:57    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, könnte durchaus interessant werden. Würde ich weiterlesen. Das Zusammenklauben von diversen Religion stört mich nicht. Die Regeln auch nicht. Mehr kann ich noch nicht sagen, der Auszug ist ja erstmal sehr kurz.

beste Grüße und willkommen im Forum,
Veith


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DLurie
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Beiträge: 58
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 19.08.2019 11:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Pia, hallo Veith,
das Ende …

Endlich erhält sie die Aufforderung zu sprechen und legt los:
»Liebe Jury, lieber Johann, lieber Karsten, lieber Willi!
An die dreißig Jahre war ich als niedergelassene Psychotherapeutin tätig, in dem Bemühen, die seelische Gesundheit meiner Patienten wiederherzustellen, zu erhalten oder, wenn dies unmöglich schien, wenigstens ihr Leid erträglicher zu machen.
Ohne ein gerüttelt Maß an Menschenliebe, Empathie und Geduld kann man diesen Beruf nicht über so lange Zeit ausüben. Denn immer wieder gibt es auch die Erfahrung des Scheiterns. Du findest einfach keinen Zugang zu einem Menschen. Oder er entgleitet dir, deine ausgestreckte Hand fasst ins Leere. Und die Erfolge werden oft nur sehr langsam, manchmal erst nach Jahren, sichtbar.
Ebenso braucht es Mut. Wie kaum ein anderer muss der Psychotherapeut die allzu verständliche Angst überwinden, in Abgründe zu blicken, ins trübe Gekröse der Seele, wohl wissend um die Gefahr, entweder abzustumpfen oder sich gar zu infizieren.
Wo ES war soll ICH werden hat Sigmund Freud gesagt. Die Therapie als Prozess der Bewusstwerdung: Für mich ist das ein universelles Prinzip, dem ich mich Zeit meines Lebens verpflichtet fühlte und dem ich selbstverständlich auch als Freiseele mit ganzer Kraft dienen würde.»
Sie überlegt, irgendwie befriedigt sie der letzte Satz nicht, doch es fällt ihr nichts mehr ein und so bedankt sie sich schließlich bei den Zuhörern und tritt wieder zurück
»Herzlichen Dank auch an dich, liebe Elisabeth. Die Jury zieht sich nun kurz zur Beratung zurück», sagt die Stimme aus dem Off und es erklingt leise Hintergrundmusik.
Die Kandidaten schweigen einige Minuten, schließlich sagt Willi:
»Klingt ein bisschen, wie das Gedudel in der Warteschleife beim Anruf in einem dieser Callcenter. Die machen es ganz schön spannend. Aber ich hab ja sowieso keine Chance gegen euch.»
»Warten wir‘s ab, Willi», erwidert Karsten. »Letztlich weiß keiner von uns, was bei der Entscheidung den Ausschlag gibt.»
»Wenn es nach mir ginge, würden wir alle genommen», meint Johann.
Elisabeth geht nervös auf und ab. Absurd, das Ganze, denkt sie. So ähnlich wie du jetzt muss sich ein zum Tode Verurteilter  fühlen, der in seiner Zelle herumtigert, während er darauf wartet, zu erfahren, ob seinem Gnadengesuch stattgegeben wurde. Wenn sie wenigstens diese grässliche Musik abstellen würden!
Weitere Minuten bangen Wartens verstreichen, endlich verstummt die Musik und die Simme aus dem Off hebt an:
»Liebe Ichseelen!
Die Entscheidung für einen von euch ist uns nicht leicht gefallen. Jeder von euch hat gute und ehrenhafte Gründe für seine besondere Eignung angeführt. Dennoch mussten wir eine Wahl treffen. Um es nun kurz zu machen: Wir haben uns für Elisabeth entschieden.»

Geschafft! denkt sie, überglücklich, als ihr Name fällt.
»Darf man die Gründe erfahren, die für diese Wahl ausschlaggebend waren», sagt Karsten.
»Es ist nicht üblich, lieber Karsten, dass die Jury ihre Entscheidung öffentlich begründet. Wir hoffen auf dein Verständnis. Ihr habt nun noch kurz die Gelegenheit, euch voneinander zu verabschieden.»
Wieder erklingt die Musik.
»Das war’s dann wohl», sagt Willi. »Wusste doch gleich, dass ich keine Chance hab, gegen so viele Lateiner. Hat mich trotzdem gefreut, eure Bekanntschaft zu machen. Und dir viel Glück in deinem neuen Job, liebe Elisabeth.»
»Vale amicis, macht es gut, Freunde! Viel Erfolg, liebe Elisabeth!», ruft Johann.
Sie ist gerührt:
»Ich danke euch! Und ich verspreche, auch als Freiseele mein Bestes zu geben.»
Karsten räuspert sich:
»Was soll ich sagen, geschätzte Elisabeth. Ich kann die Entscheidung der Jury nicht ganz nachvollziehen. Ist mir einfach zu intransparent. Aber die lassen sich ja nicht in die Karten schauen. Nimm es bitte nicht persönlich: Ich glaube, du warst vor allem die Quotenfrau.»
Kaum hat er diese Worte ausgesprochen, verschwinden er, Willi und Johann in der Wand. Sie ist allein.
Ein schlechter Verlierer, dieser Karsten, denkt sie. Aber wer weiß, wie du an seiner Stelle reagiert hättest.
Die Stimme aus dem Off meldet sich zurück:
»Willkommen im Kreise der Freiseelen, liebe Elisabeth! In den nächsten Monaten wirst du eine Schulung durchlaufen, die dich auf deine neue und verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet. Danach folgt dein Einsatz an einem Ort deiner Wahl. Hast du noch Fragen?»
»Mit Verlaub, ich weiß, es ist nicht üblich die Wahl der Jury zu hinterfragen. Trotzdem hätte ich gerne gewusst, ob die Tatsache, dass ich weiblich bin, bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hat.»  
»Und wenn dem so wäre, liebe Elisabeth, würde das etwas ändern?»
»Nein, ich wüsste es nur gerne.»
»Sagen wir so, liebe Elisabeth. Es hat Diskussionen gegeben. Auf höchster Ebene. Die weiblichen Freiseelen fühlen sich zu Recht unterrepräsentiert in den Führungsetagen.
Wir von der Jury sind gehalten für einen gewissen Ausgleich zu sorgen. Natürlich nur, wenn an der Qualifikation der Kandidatin keine Zweifel bestehen. Reicht Dir das?»
Sie bejaht und hofft, dass man ihr die Enttäuschung nicht zu sehr anmerkt.

« Was vorher geschah12



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BeitragVerfasst am: 19.08.2019 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

"Sie bejaht und hofft, dass man ihr die Enttäuschung nicht zu sehr anmerkt"

Das kann nicht das Ende sein! Bis dahin folge ich der Geschichte gerne und begeistert. Bitte lass Elisabeth nicht so blass gewinnen Very Happy



LG
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malu_vs
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BeitragVerfasst am: 19.08.2019 18:02    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwie gemeines Ende XD.  Hat mir aber gefallen. Das einzige was mich immer noch stört ist die stoische ruhe, mit der sich alle in ihr schicksal fügen

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Malu Volksky
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DLurie
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BeitragVerfasst am: 19.08.2019 20:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Pia, hallo malu_vs

danke für eure Kommentare.

Pia hat Folgendes geschrieben:

Das kann nicht das Ende sein! Bis dahin folge ich der Geschichte gerne und begeistert. Bitte lass Elisabeth nicht so blass gewinnen Very Happy

Irgendwie gefällt mir das Ende auch nicht. Meine anderen Seelengeschichten haben wesentlich mehr Bezug zum Vorleben der Protas und verarbeiten auch mehr religionsspezifische Seelenvorstellungen. (Stichwort: Jüngstes Gericht)   
Im Moment fällt mir aber nichts mehr ein und ich dürste nach einer Story, die wieder unter Menschen spielt...

@malu_vs
freut mich dass es Dir insgesamt doch gefallen hat.


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 19.08.2019 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

So, hab jetzt auch zuende gelesen. Irgendwie eine Geschichte, die ganz deutlich auf ein starkes Ende zusteuert, jedenfalls denkt man das beim Lesen. Und dann gibt's leider nur die Quotenfrau, das fand ich beim Lesen nur so meh. Wobei man es eigentlich recht böse machen könnte, dass man auch im Jenseits genau wie bei Ausschreibungen im sozialen Bereich als Mann kaum ein Chance hat, wenn eine gleichqualifizierte Frau sich bewirbt. Vielleicht könntest du Elisabeth ungeeigneter darstellen, die Empathielosigkeit unterstreichen oder so, und am Ende heißt es dann: Das stand eh schon vorher fest, wir haben eine Quote zu erfüllen. Würde die Geschichte böser machen, und damit auch mehr zum Nachdenken.

Oder die Kriterien sind noch völlig anders, als irgendwer erwartet hätte, das wäre auch eine interessante Wendung. Vielleicht suchen sie ja neue Teufel für die Hölle, und der Sieger ist total überrascht, weil er sich für "gut" hielt. Würde vielleicht zum Bürgermeister passen.

Noch ein anderer Gedanke:
Ich ging beim Lesen davon aus, der Handwerker würde gewinnen. Weil er der wahre Anpacker und Problemlöser ist, statt von irgendwelchen hohen Idealen zu schwafeln. Und wahrscheinlich der "menschlichste" (im positiven Sinne gemeint) von ihnen. Dass er dann ausgelöscht wird, noch mit der letzten Erkenntnis "ich hatte gegen euch gebildete Leute ja eh keine Chance", stößt mir ein bisschen sauer auf. Ich will jetzt nicht gleich Bildungsfaschismus unterstellen, aber das wirkt irgendwie so, als ob ein Leben als Arbeiter eh nichts wert wäre.

Hmm, da fällt mir was ein: Man könnte ihn zum Psychologen und Elisabeth zur Handwerkerin machen, die sich ob ihrer Wahl freut, dass endlich mal jemand ihre Arbeit würdigt, dann aber erfährt, dass es einfach nur um Quote ging. Das wäre ein richtig schön fieses Ende.

Aber wie sagte Gaiman (ich glaub, er war's, bin aber nicht ganz sicher) so schön: Wenn Leser Bedenken bei etwas ausdrücken, liegen sie meist richtig. Wenn sie Verbesserungsvorschläge machen, aber meist falsch. Von daher: Nur meine persönliche Meinung.

gerne gelesen,
Veith


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DLurie
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BeitragVerfasst am: 19.08.2019 22:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Veith,

danke für dein Feedback.

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
So, hab jetzt auch zuende gelesen. Irgendwie eine Geschichte, die ganz deutlich auf ein starkes Ende zusteuert, jedenfalls denkt man das beim Lesen. Und dann gibt's leider nur die Quotenfrau, das fand ich beim Lesen nur so meh. Wobei man es eigentlich recht böse machen könnte,(…)


Stimmt. Und mir ist da (wider Erwarten) auch noch eine bösere Wendung eingefallen. Hätte ich eigentlich früher drauf kommen können...
Also: Das dicke Ende wird nachgereicht. Twisted Evil
LG
Dlurie


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 20.08.2019 00:02    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt bin ich sehr gespannt …

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DLurie
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BeitragVerfasst am: 20.08.2019 10:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

hier das alternative Ende nach Bekanntgabe der Siegerin. Davor gibt es nur ein paar (minimalinvasive) Eingriffe in Elisabeths Redebeitrag.

 
Die Stimme aus dem Off meldet sich zurück:
»Herzlichen Glückwunsch, liebe Elisabeth. Willkommen im Kreise der Freiseelen! Lass uns jetzt über deine Zukunft sprechen. Oder möchtest du zuvor eine kleine Pause?»
»Nicht nötig, verehrte Jury. Ich weiß, es ist nicht üblich die Wahl der Jury zu hinterfragen. Trotzdem hätte ich gerne gewusst, ob die Tatsache, dass ich weiblich bin, bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hat.»
»Und wenn dem so wäre, liebe Elisabeth, würde das etwas ändern?»
»Nein, ich wüsste es nur gerne.»
»Es gab und gibt tatsächlich Diskussionen über dieses Thema, liebe Elisabeth. Auf höchster Ebene. Die weiblichen Freiseelen fühlen sich unterrepräsentiert in den Führungsetagen. Nicht ganz zu unrecht. Man verfiel auf die naheliegende Idee, die Jury zu missbrauchen, um hier für einen gewissen Ausgleich zu sorgen. Doch bisher haben wir uns erfolgreich dagegen verwahrt. Soviel zur Frage der Geschlechtszugehörigkeit.
In deinem Fall fiel die Entscheidung der Jury einstimmig aus. Was sehr selten vorkommt.»

Sie horcht auf. Ein einstimmiges Votum? Woher diese Einigkeit?
 
»Deine Ausführungen zu den Abgründen der Seele haben uns sehr beeindruckt, werte Elisabeth. Was du gesagt hast zum Mut, dessen es bedarf, um sich ins Kellergeschoss zu wagen.
Nun – leider haben auch wir hier einige Problemfälle. Freiseelen, deren Idealismus im Laufe der Zeit pervertiert ist zu Zynismus, oder schlimmer gar – zu Bösartigkeit und Fanatismus. Vielleicht haben wir diese Anlagen übersehen - auch wir können irren. Fakt ist: Sie haben schwere Schuld auf sich geladen, haben der Menschheit und nicht zuletzt unserer Reputation verheerenden Schaden zugefügt. Da sie als Freiseelen nun einmal unsterblich sind, mussten wir sie aus dem Verkehr ziehen und in begründeten Verdachtsfällen präventiv tätig werden. Dafür wurde die Abteilung Verirrte Seelen geschaffen. Die Position des Leiters dieser Abteilung ist im Moment vakant und muss wieder besetzt werden. Schnellstmöglich.»

Nur das nicht!, denkt Elisabeth. Während ihres Studiums hatte sie ein Praktikum in der forensischen Abteilung eines psychiatrischen Landeskrankenhauses absolviert. Psychopathen, Mörder, Sexualstraftäter - eine der trostlosesten und deprimierendsten Erfahrungen ihres Lebens. Ein Alptraum. Doch was kann sie nun noch groß vorbringen, um diesem Job zu entgehen? Nach ihrem Gerede über die Abgründe, ist sie die ideale Kandidatin.

»Mit Verlaub, verehrte Jury. Ist dieser verantwortungsvolle Posten nicht eher etwas für eine Freiseele mit Berufserfahrung?»
»Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, liebe Elisabeth. Du bist genau die Richtige. Du hast unser volles Vertrauen.»
»Darf man fragen, warum die Stelle vakant ist.»
»Weil ihr bisheriger Inhaber nach Ablauf der Mindestdienstzeit um die Versetzung in den Vorruhestand gebeten hat.»
»Mindestdienstzeit?»
»Die Mindestdienstzeit der Freiseele orientiert sich an der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Menschen. Bei Frauen liegt sie aktuell bei 77 Jahren. Ein Klacks für unsereins. Und die Urlaubsregelungen für diesen besonderen Posten sind ausgesprochen großzügig.»
Kann ich mir denken!, fährt ihr durch den Kopf. 77 Jahre kranke Knackis! Sie ist sich nicht sicher, ob Johann, Willi und Karsten nicht das bessere Los gezogen haben.


LG
DLurie


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Pia
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BeitragVerfasst am: 20.08.2019 14:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DLurie,

ein schönes böses Ende. Und so nah an der Realität. Wo Männerjobs plötzlich mit Frauen besetzt werden, ist Vorsicht geboten. smile extra

LG
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DLurie
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BeitragVerfasst am: 20.08.2019 21:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Pia,

freut mich, dass Dir dieses Ende besser gefällt. Und jetzt kann ich mich wieder
einer Geschichte über Menschen aus Fleisch und Blut widmen...

LG
Michael


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