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Der Minnesänger


 

 
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Care
Schreiber-Lehrling


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BeitragVerfasst am: 07.05.2019 19:17    Titel: Der Minnesänger eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als Einstand habe ich eine Kurzgeschichte gewählt, die meine Lieblingsgenres Fantasy, Mystik und Erotik verbindet. Ich hoffe, sie findet in diesen Schrifthallen Anklang.

********************************************************

Der Minnesänger

Langsam stieg sie die Treppe hinan. Stufe für Stufe, als würde jeder Schritt eine ungeheure Überwindung kosten. Den kalten Stein unter ihren bloßen Füßen spürte sie nicht. Trotz der frischen Morgenluft trug sie nichts als ein dünnes Nachthemd, das knapp über die Knie reichte. Das rötlich schimmernde Haar floss in wirren Strähnen über ihre Schultern bis zu den Hüften hinab. Ihre Augen starrten nach vorne und nahmen nichts von der Umgebung wahr. Die rohen Mauern des alten Bergfrieds boten ohnehin keine Abwechslung, nur eintöniges Grau, über das sich in regelmäßigen Abständen Spinnennetze spannten.
„Nicht mehr weit, Engelin“, munterte sie sich auf, als wollte sie in der morgendlichen Lautlosigkeit wenigstens ihre eigene Stimme hören. „Bald hast du es geschafft!“
Sie lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Ihre Gedanken kehrten zurück zur vergangenen Nacht, zu den aufwühlendsten Stunden ihres Lebens. Wie hatte sie die Umarmungen, die Küsse und die Zärtlichkeiten des Minnesängers genossen! Alles, was bisher ihre Existenz beherrscht hatte, war bedeutungslos geworden.
Die Tatsache, dass sie als einziges Kind des Grafen von Kahlenstein für die Zukunft eines ganzen Landstrichs verantwortlich war. Ständige Ermahnungen ihres Vaters, sich endlich für einen der zahlreichen Bewerber um ihre Hand zu entscheiden. Die Vorhaltungen der Mutter, sich ihren Studien und häuslichen Pflichten zu widmen, anstatt ihren Träumen nachzuhängen. Mahnende Worte ihres Beichtvaters, der lustvolle Gefühle als Sünde und die berauschende Macht, die sich in ihr regte, als Gottlosigkeit bezeichnete! Sie alle hatten keine Ahnung von Engelins Bestimmung und ihren Visionen. Ihre Eltern und Erzieher waren der Erde verbunden, während sie im Begriff war, die Ketten ihres Daseins zu sprengen. Die mystischen Erzählungen ihrer Amme hatten ihr die Augen geöffnet, und die Vereinigung mit dem Sänger hatte ihr wahres Ich befreit. Sie spürte in leidenschaftlicher Freude, wie sich die unbändige Kraft in ihrem Inneren einen Weg nach außen bahnte.
„Nicht mehr lange“, murmelte sie entrückt, „nicht mehr lange!“
In stoischer Ruhe setzte sie ihren Weg fort, während sich vor ihrem geistigen Auge die Ereignisse des Abends wiederholten. Das Fest, das anlässlich ihres siebzehnten Geburtstags abgehalten wurde. Die Ansprache des Vaters, die letztlich nichts als eine Aufforderung war, einem der anwesenden Adeligen ihre Gunst zu gewähren. Wie sie diese charakterlosen Einschmeichler verabscheute! Den dickbäuchigen Baron von Tannhausen, der ihr Großvater hätte sein können und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit begrapschte. Den schwerfälligen Ritter von Goldlahn, der keinen vernünftigen Satz zuwege brachte und sie heimlich mit lüsternen Blicken verschlang. Und letztendlich den aalglatten Freiherrn von Walling, der meinte, sie mit schmierigen Gedichten beeindrucken zu können. Kein Einziger von ihnen vermochte freundschaftliche Gefühle in ihr zu wecken, geschweige denn Liebe. Zum Glück hatte ihr Vater bisher Verständnis gezeigt und sie in keine Ehe gezwungen, doch seine Geduld würde nicht ewig währen.
Um Engelins Lippen flog ein verschmitztes Lächeln. Nach dieser Nacht spielte es keine Rolle mehr, welche Wünsche ihr Vater hegte. Die Tannhausens und Goldlahns dieser Welt würden in Bedeutungslosigkeit versinken und der schlüpfrige Wallinger konnte seine Verse künftighin mit den Vögeln zwitschern.
Wie anders der Barde, der ihr zu Ehren eingeladen worden war! Sein Auftreten hatte sie in den Bann geschlagen, seine Worte hatten sie begeistert und die Lieder bezaubert. Seine Finger waren mit solcher Zärtlichkeit über die Saiten der Laute geglitten, als würde er sie liebkosen. Mühelos hatte sich der Klang seiner Stimme über das Geschwätz an der Festtafel erhoben und Engelins Herz erobert. Der Gesang war direkt an sie gerichtet gewesen, hatte ihr Sein wie der Hauch einer frischen Morgenbrise durchströmt und alle Zweifel verweht. Diesem Mann wollte sie angehören und keinem anderen. Mit ihm würde sie ihren Traum verwirklichen und auf den Schwingen der Liebe die irdischen Fesseln abstreifen.

* * * *

Voller Ungeduld gab er dem Pferd die Sporen. Er konnte es kaum erwarten, die heimatliche Burg zu erreichen und dem Vater vom durchschlagenden Erfolg seiner Mission zu berichten. Prinzessin Engelin hatte sich weder als so abweisend noch als so spröde erwiesen, wie ihr nachgesagt wurde. Im Gegenteil, ihr Herz war ihm zugeflogen und sie hatte ihm mehr geschenkt, als er in den kühnsten Träumen erwartet hätte. Sie war nicht die erste Frau in seinem Leben gewesen, doch mit Sicherheit die schönste, anmutigste und leidenschaftlichste. Noch immer meinte er ihre begierigen Lippen auf der Haut zu spüren und ihre Nägel, die sich in seinen Rücken krallten. Im Augenblick des höchsten Genusses hatte sich ihr Leib dem seinen entgegengedrängt, rückhaltlos und hingebungsvoll.
„Ich liebe dich, Engelin“, schrie er aus vollem Herzen hinaus in die Welt und wiederholte damit jene Worte, die er ihr kurz vor dem Abschied ins Ohr geflüstert hatte. Das Lächeln, das sie ihm daraufhin geschenkt hatte, war bezaubernd gewesen, innig und verheißungsvoll zugleich. Sie hielt ihn für einen mittellosen Barden, einen fahrenden Sänger, der sich seinen dürftigen Lebensunterhalt mit Liedern über Leben und Tod, Sieg und Niederlage, Liebe und Hass verdiente. Hätte sie ihn auch als Sohn des Herzogs von Düsterlohe begehrt, dem einflussreichsten Adeligen der östlichen Marken? Oder wäre sie ihm gegenüber ebenso ablehnend gewesen wie zu den anderen Freiern, die ihr auf respektlose Weise den Hof machten?
Unbewusst trieb er sein Pferd voran, als ob der Leibhaftige selbst ihn jagen würde. Eine unerklärliche Unruhe ergriff von ihm Besitz, die seine überschäumende Freude dämpfte. Dass ihre Väter sich einigen würden, stand außer Zweifel. Beide Fürstentümer profitierten von einer Ehe zwischen Engelin und ihm. Doch wenn die Angebetete nur einen Minnesänger und keinen Prinzen liebte? Was tun, wenn sie seine List nicht verzeihen würde?

* * * *

Prinzessin Engelin von Kahlenstein war im obersten Stockwerk des Bergfrieds angelangt. Von hier führte eine Freitreppe auf die Zinnen empor, von denen sich ein atemraubender Blick auf die umliegende Grafschaft bot. Bevor sie die steilen Stufen in Angriff nahm, hockte sie sich auf einen hölzernen Schemel, der das einzige Mobiliar des ansonsten kahlen Raumes darstellte. Hier hatte sie schon in ihrer Kindheit unbeschwerte Stunden verbracht, gefüllt mit fantasievollen Träumen.
Selbst wenn sie es anfangs nicht zu erklären vermochte, fühlte sie seit jeher eine innigliche Verbindung zu den Greifvögeln, die in den Zwingern der Burg für die Jagd gezüchtet wurden. Wenn die gewaltigen Tiere ihre Schwingen ausbreiteten und sich in die Luft erhoben, flog sie in Gedanken mit ihnen. Das berauschende Gefühl, hoch über dem Erdboden zu kreisen und senkrecht in die Tiefe zu stürzen, wenn Beute in Sicht kam, ergriff mit fortschreitendem Alter immer stärker von ihr Besitz. Der Schwindel, den sie in den Kindheitstagen bei dieser Vorstellung verspürt hatte, legte sich, als ihre Monatsblutungen einsetzten. Verwirrt nahm sie die Spannungen in ihrem Körper wahr, als wäre sie eine Larve, aus der ein prächtiger Schmetterling schlüpfen würde. Der Vergleich war zutreffend und gleichzeitig falsch, denn kein Raubvogel entwickelte sich aus einem Kokon. Sie fühlte sich den Tieren verwandt, weil sie flogen und jagten, doch schlummerte in ihr ein anderer Instinkt – kraftvoller und monströser.
Ihre Amme hatte sie mit einem wissenden Lächeln beruhigt. Sobald sie in den Armen eines Mannes gelegen sei, würde sie Bescheid wissen.
„Du hattest recht, Walpurg“, sagte Engelin schwermütig, weil ihr die tiefgründige Bedeutung dieser Wahrheit nicht nur Freude bereitete. Wie würden ihre Eltern, Vertraute und Freunde auf ihren Wandel reagieren? Vermochte der geliebte Sänger das Wesen zu akzeptieren, das mit Macht hervorzubrechen drohte?
Sie stieß einen leisen Seufzer aus und erhob sich, um die letzten Stufen in Angriff zu nehmen. Ihr Blick fiel auf den Blutfleck, der auf dem blütenweißen Linnen ihres Nachthemds wie eine offene Wunde prangte. Um ihre Lippen legte sich ein versonnenes Lächeln. Der Schmerz war kurz gewesen, der nachfolgende Genuss umso größer. Dass sie dem Minnesänger so bereitwillig ihre Schenkel geöffnet hatte, verstieß gegen alle Gebote, die man ihr seit der Kindheit eingetrichtert hatte. Die Pläne ihres Vaters, sie mit einem möglichst einflussreichen Adeligen zu verheiraten, waren damit hinfällig geworden. Engelin von Kahlenstein hatte mit ihrer Unschuld jeden Anspruch auf eine standesgemäße Ehe verloren.
Ihr zarter Leib krümmte sich zusammen, was sie auf qualvolle Weise aus ihren Gedanken riss. Die Zeit drängte. Sie presste die Lippen aufeinander und kletterte die Freitreppe hinauf.

* * * *

Prinz Jorgen von Düsterlohe hatte erst ein Viertel des Weges zurückgelegt, als sein Pferd erlahmte. Mit einem lästerlichen Fluch sprang er aus dem Sattel, um die Hufe seines Reittiers zu untersuchen. Da ihm nichts Auffälliges ins Auge stach, lag es wohl daran, dass er dem Hengst zu viel zugemutet hatte. Widerstrebend musste er ihm etwas Ruhe gönnen, obwohl er den beschwerlichen Weg zur heimatlichen Burg am liebsten zu Fuß in Angriff genommen hätte. Doch in den Wäldern trieben sich Wegelagerer und anderes Gesindel herum, denen man hoch zu Ross leichter entgehen konnte.
Schuldbewusst versorgte er sein Pferd, so gut es ihm mitten in der Wildnis möglich war, und begab sich anschließend in den Schatten einer Tanne. Er streckte sich auf dem weichen Waldboden aus und schloss die Augen. Seine Gedanken flogen zurück zum vergangenen Abend, zeigten ihm Bilder, die Herz und Lenden erwärmten. Engelins bewundernde Blicke, als er für sie seine Balladen sang. Den Glanz des Mondlichts auf ihren Lippen, als er sie beim heimlichen Stelldichein im Park zum ersten Mal küsste. Das makellose Weiß ihrer Brüste, die sich aus ihrer Tunika drängten und die Berührung seiner Finger ersehnten. Da er in der vergangenen Nacht nicht geschlafen hatte, glitt er rasch in einen unruhigen, von erregenden Träumen beherrschten Schlummer.
Kurze Zeit später wurde er durch das nervöse Schnauben des Pferdes geweckt. Schlaftrunken kam er auf die Beine und griff nach dem Dolch an seinem Gürtel. Das Blut in seinen Adern gefror, als ein silberner Wolf durch die Büsche brach, größer als jedes Tier, das er bisher zu Gesicht bekommen hatte.

* * * *

Schwer atmend erreichte Engelin die höchste Plattform des Bergfrieds. Nie zuvor hatte sie den Anstieg derart beschwerlich empfunden. Sie fühlte sich vollkommen erschöpft und zitterte am ganzen Körper. Dazu kamen beständige Krämpfe, als wäre ihre leibliche Hülle zu eng für die geballte Macht, die sich in ihr regte.
Hatte sie bei früheren Gelegenheiten die herrliche Aussicht, den Lohn der anstrengenden Kletterei, genossen, starrte sie heute besorgt in die Ferne. Sie meinte, einen Hilferuf zu vernehmen, der nicht an ihre Ohren, sondern in ihre Seele drang.
„Allmächtiger, steh‘ mir bei!“, stieß sie keuchend hervor.
Sie schloss die Augen, um sich ihrem Schicksal zu ergeben. Ein entsetzlicher Schmerz traf sie mit der Wucht eines Blitzschlags, strömte einer Flammenwelle gleich durch ihren Körper und schien ihn zu zerreißen. Sie hatte das Gefühl zu wachsen und alles zu sprengen, was bisher ihr Sein ausgemacht hatte. Ihre ganze Willenskraft war erforderlich, um nicht die Besinnung zu verlieren, in die sich ihr gequälter Geist flüchten wollte.
Mit einem Schlag war es vorbei. Der Schmerz verebbte und ließ eine berauschende Leere zurück. Ohne Furcht trat Engelin nach vor, bis an den Rand der Zinnen, breitete ihre Schwingen aus und stürzte sich hinab in die Tiefe.

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Minerva
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BeitragVerfasst am: 07.05.2019 21:03    Titel: Re: Der Minnesänger Antworten mit Zitat

So ... ich nehme mich mal deines Textes an. Er ist gut lesbar und interessiert mich auch, finde die Mischung interessant. Mir sind ein paar Dinge aufgefallen, die ich dir mal aus meiner subjektiven Sicht schildern möchte.

Allgemeines:
- Ist die Geschichte abgeschlossen hier? Mir kommt es nicht so vor, denn der Prinzen-Barde steht am Schluß ja noch vor dem Wolf.

- Logik erschließt sich mir nicht: Warum gibt sich der Prinz als Barde aus? Theoretisch dürfte er ja als offizieller Bewerber beste Chancen haben. Er hätte Engelin einfach was vorklimpern können. Hier fehlt mir noch eine gute Erklärung von seiner Seite.

- der Konflikt kommt nicht deutlich heraus: Ok, der Prinz ist in Gefahr am Ende, aber wo ist der Konflikt von Engelin? Sie geht einfach hoch und verwandelt sich in einen Engel oder Greif und fliegt davon. Auch der Zusammenhang erschließt sich mir noch nicht ganz. Wie wäre es stattdessen so, dass sie z.B. spürt, dass ihr Liebster in Gefahr ist und dann ganz schnell die Treppen hinaufrennt? Oder romantisch: sein Herz nach ihr rufen hört, ha ha (aber da fehlt der Konflikt wieder). Dass er in Gefahr ist, kommt ja recht spät, aber mir erschließt sich nicht, warum sie sonst da rauflatscht. Razz

- Sympathie: leider macht sich Engelin für mich etwas unsympathisch, sie wirkt überheblich und arrogant in ihrem Urteil über alle anderen, ob Familie oder die unangenehmen Bewerber. Das stößt mir ein wenig auf.

- Insgesamt wirken manche Sätze, Abschnitte noch etwas hölzern, etwas bemüht im Ausdruck, als könnte noch ein Feinschliff drüber, außerdem gelegentlich zu distanziert, zu allgemein in meinen Augen.

- Der Name Engelin: Na ja, ist bei mir nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, aber ist ja deine Sache.

So, ich gehe jetzt noch mal genauer auf gewisse Punkte ein. Sieh es bitte nur als Anregung und meine subjektive Sicht, auch falls du ev. den Eindruck haben solltest, ich würde mich zu sehr einmischen oder so. Ich kann nur subjektiv werten ^^

blau sind meine Kommentar
hellrot ist das von mir Eingefügte
dunkelbraun Markierungen, auf die sich meine Kommentare beziehen

Care hat Folgendes geschrieben:


Der Minnesänger

Langsam stieg sie die Treppe hinan. Stufe für Stufe, als würde jeder Schritt eine ungeheure Überwindung kosten. Vielleicht besser: "Jeder Schritt kostete sie Überwindung. (Oder Kraft? Weil sie so fertig ist von der letzten Nacht? ^^)

Den kalten Stein unter ihren bloßen Füßen spürte sie nicht. Hm, hm, hm. Warum nicht? Ok, sie ist fixiert, aber lass sie den Stein doch spüren. Die Stelle hat mich irgendwie irritiert.

Trotz der frischen Morgenluft trug sie nichts als ein dünnes Nachthemd, das knapp über die Knie reichte. Das rötlich schimmernde Haar floss in wirren Strähnen über ihre Schultern bis zu den Hüften hinab. Ihre Augen starrten besser: Sie starrte? nach vorne und nahmen nichts von der Umgebung wahr. Die rohen Mauern des alten Bergfrieds boten ohnehin keine Abwechslung, nur eintöniges Grau, über das sich in regelmäßigen Abständen Spinnennetze spannten.
„Nicht mehr weit, Engelin“, munterte sie sich auf, als wollte sie in der morgendlichen Lautlosigkeit wenigstens ihre eigene Stimme hören. „Bald hast du es geschafft!“
Sie lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Blieb sie nicht eher stehen, um sich zu erholen, kurz nach Atem zu schnappen? Ihre Gedanken kehrten zurück zur vergangenen Nacht, zu den aufwühlendsten Stunden ihres Lebens. Wie hatte sie die Umarmungen, die Küsse und die Zärtlichkeiten des Minnesängers genossen! Hier würde es für mich deutlicher und sinnlicher rüberkommen, wenn sie z.B. glaubt, seine zarten Küsse noch zu spüren, seine Berührungen oder so ähnlich. So ist es nur erzählt und wirk distanziert. Alles, was bisher ihre Existenz beherrscht hatte, andere war bedeutungslos geworden.:
Die Tatsache, dass sie als einziges Kind des Grafen von Kahlenstein für die Zukunft eines ganzen des Landstrichs verantwortlich war. Ständige Ermahnungen ihres Vaters, sich endlich für einen der zahlreichen Bewerber um ihre Hand zu entscheiden. Die Vorhaltungen der Mutter, sich ihren Studien und häuslichen Pflichten zu widmen, anstatt ihren Träumen nachzuhängen. Mahnende Worte ihres Beichtvaters, der Lust lustvolle Gefühle als Sünde und die berauschende Macht, die sich in ihr regte, als Gottlosigkeit Das klingt mir zu allgemein und wundert mich auch, dass sie es ihm erzählt, würde es weglassen bezeichnete!.
Und hier heisst es ja auch, keiner hätte Ahnung: Sie alle hatten keine Ahnung von Engelins Bestimmung und ihren Visionen. Ihre Eltern und Erzieher waren der Erde verbunden, während sie im Begriff war, die Ketten ihres Daseins zu sprengen. Die mystischen Erzählungen ihrer Amme hatten ihr die Augen geöffnet (wann hat die das denn erzählt, erst neulich?Man weiß im Text nicht so recht, ob sie das schon von der Kindheit an weiß oder erst seit Kurzem), und die Vereinigung mit dem Sänger hatte ihr wahres Ich befreit. Sie spürte in leidenschaftlicher Freude, wie sich die unbändige Kraft in ihrem Inneren einen Weg nach außen bahnte. Ich weiß, was du sagen möchtest, aber es klingt zu allgemein, zu fern, zu aufgebläht.
„Nicht mehr lange“, murmelte sie entrückt, „nicht mehr lange!“
So, jetzt kommt der Teil, wo sie recht unsympatisch wird. Ja die Bewerber sind doof, verstehe ich alles und sie hat andere Vorstellungen vom Leben und eine Bestimmung, aber sie scheint niemanden als Mensch ernst zu nehmen, weder ihre Eltern oben, noch jetzt im Nachfolgenden. Dazu wirkt sie auch noch so "erhaben", dass macht sie etwas unangenehm in meinen Augen. Ein wenig Angst und Sorge stünde ihr gut zu Gesicht, etwas Sehnsucht nach dem Liebsten, Gedanken um ihre Familie. Ok, wenn sie nicht so ist, ist es deine Sache. ich sage nur, dass es nicht so angenehm wirkt.
In stoischer Ruhe setzte sie ihren Weg fort, während sich vor ihrem geistigen Auge die Ereignisse des Abends wiederholten. Das Fest, das anlässlich ihres siebzehnten Geburtstags abgehalten wurde. Die Ansprache des Vaters, die letztlich nichts als eine Aufforderung war, einem der anwesenden Adeligen ihre Gunst zu gewähren. Wie sie diese charakterlosen Einschmeichler verabscheute! Den dickbäuchigen Baron von Tannhausen, der ihr Großvater hätte sein können und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit begrapschte. Den schwerfälligen Ritter von Goldlahn, der keinen vernünftigen Satz zuwege brachte und sie heimlich mit lüsternen Blicken verschlang. Und letztendlich den aalglatten Freiherrn von Walling, der meinte, sie mit schmierigen Gedichten beeindrucken zu können. Hier wäre eine allgemeine Erwähnung auch möglich, einfach nur dass sie für keinen der freier etwas empfinden konnte, dass sich - was weiß ich - ihr Herz zusammenzog, wenn sie daran dachte, einen von denen heiraten zu müssen. Fertig aus. Dann würde sie zum einen nicht so urteilend rüberkommen, zum zweiten würdest du unnötige infos einsparen. Sollte einer der Herren später noch mal auftauchen, kann man das einfach erwähnen, ohne dass es hier stehen müsste.
Kein Einziger von ihnen vermochte freundschaftliche Gefühle in ihr zu wecken, geschweige denn Liebe. Zum Glück hatte ihr Vater bisher Verständnis gezeigt und sie in keine Ehe gezwungen, doch seine Geduld würde nicht ewig währen.
Um Engelins Lippen flog ein verschmitztes Lächeln. Nach dieser Nacht spielte es keine Rolle mehr, welche Wünsche ihr Vater hegte. Die Tannhausens und Goldlahns dieser Welt würden in Bedeutungslosigkeit versinken und der schlüpfrige Wallinger konnte seine Verse künftighin mit den Vögeln zwitschern.
Wie anders der Barde, der ihr zu Ehren eingeladen worden war! Sein Auftreten hatte sie in den Bann geschlagen, seine Worte hatten sie begeistert und die Lieder bezaubert. Seine Finger waren mit solcher Zärtlichkeit über die Saiten der Laute geglitten, als würde er sie liebkosen. Mühelos hatte sich der Klang seiner Stimme über das Geschwätz an der Festtafel erhoben und Engelins Herz erobert. Der Gesang war direkt an sie gerichtet gewesen, hatte ihr Sein wie der Hauch einer frischen Morgenbrise durchströmt und alle Zweifel verweht. Diesem Mann wollte sie angehören und keinem anderen. Mit ihm würde sie ihren Traum verwirklichen und auf den Schwingen der Liebe die irdischen Fesseln abstreifen. Etwas zu dick aufgetragen, ein wenig abspecken ^^

* * * *

Voller Ungeduld gab er dem Pferd die Sporen. Er konnte es kaum erwarten, die heimatliche Burg zu erreichen und dem Vater vom durchschlagenden Erfolg seiner Mission zu berichten. Prinzessin Engelin hatte sich weder als so abweisend noch als so spröde erwiesen, wie ihr nachgesagt wurde. Im Gegenteil, ihr Herz war ihm zugeflogen und sie hatte ihm mehr geschenkt, als er in den kühnsten Träumen erwartet hätte. Klischeesprache
Sie war nicht die erste Frau in seinem Leben gewesen, doch mit Sicherheit die schönste, anmutigste und leidenschaftlichste. Noch immer meinte er ihre begierigen Lippen auf der Haut zu spüren und ihre Nägel, die sich in seinen Rücken krallten. Im Augenblick des höchsten Genusses hatte sich ihr Leib dem seinen entgegengedrängt, rückhaltlos und hingebungsvoll.
„Ich liebe dich, Engelin“, schrie er aus vollem Herzen hinaus in die Welt und wiederholte damit jene Worte, die er ihr kurz vor dem Abschied ins Ohr geflüstert hatte. Das Lächeln, das sie ihm daraufhin geschenkt hatte, war bezaubernd gewesen, innig und verheißungsvoll zugleich. Sie hielt ihn für einen mittellosen Barden, einen fahrenden Sänger, der sich seinen dürftigen Lebensunterhalt mit Liedern über Leben und Tod, Sieg und Niederlage, Liebe und Hass verdiente. Hätte sie ihn auch als Sohn des Herzogs von Düsterlohe begehrt, dem einflussreichsten Adeligen der östlichen Marken? Oder wäre sie ihm gegenüber ebenso ablehnend gewesen wie zu den anderen Freiern, die ihr auf respektlose Weise (zu wertend und faglich ob der Vater von Engelin das akzeptieren würde) den Hof machten? Ja, hier ist halt die Unlogik. Warum sollte sie dann ausgerechnet mit einem Barden durch die Federn hüpfen??? Findet sich sicher eine Erklärung.
Unbewusst trieb er sein Pferd voran, als ob der Leibhaftige selbst ihn jagen würde. Eine unerklärliche Unruhe ergriff von ihm Besitz geht da ein Verb stattdessen?, die seine überschäumende Freude dämpfte. Dass ihre Väter sich einigen würden, stand außer Zweifel. Beide Fürstentümer profitierten von einer Ehe zwischen Engelin und ihm. Doch wenn die Angebetete nur einen Minnesänger und keinen Prinzen liebte? Was tun, wenn sie seine List nicht verzeihen würde? Könntest du ändern, um einen besseren Konflikt zu finden, z.B. könnten die Grafschaften verfeindet sein, ok das ist Klischee, vielleicht gibt es auch was anderes, aber so scheint es mir zu einfach und die Bardennummer unklar.

* * * *
Prinzessin Engelin von Kahlensteinwar im obersten Stockwerk des Bergfrieds angelangt. Sie erreichte das oberste Stockwerk des Bergfrieds. Von hier führte eine Freitreppe auf die Zinnen empor, von denen sich ein atemraubender Blick auf die umliegende Grafschaft bot. Wie wäre es, wenn sie sich erst setzt und dann wenn sie hochgegangen ist, den Ausblick selber genießt statt das hier abstrakt vorwegzunehmen? Bevor sie die steilen Stufen in Angriff nahm, hockte sie sich auf einen hölzernen Schemel, der das einzige Mobiliar des ansonsten kahlen Raumes darstellte. Hier hatte sie schon in ihrer Kindheit unbeschwerte Stunden verbracht, gefüllt mit fantasievollen Träumen.
Selbst wenn sie es anfangs nicht zu erklären vermochte, fühlte sie seit jeher eine innigliche Verbindung zu den Greifvögeln, die in den Zwingern der Burg für die Jagd gezüchtet wurden. Wenn die gewaltigen Tiere ihre Schwingen ausbreiteten und sich in die Luft erhoben, flog sie in Gedanken mit ihnen. Das berauschende Gefühl, hoch über dem Erdboden zu kreisen und senkrecht in die Tiefe zu stürzen, wenn Beute in Sicht kam, ergriff mit fortschreitendem Alter immer stärker von ihr Besitz. Der Schwindel, den sie in den Kindheitstagen bei dieser Vorstellung verspürt hatte, legte sich, als ihre Monatsblutungen einsetzten. Verwirrt nahm sie die Spannungen in ihrem Körper wahr, als wäre sie eine Larve, aus der ein prächtiger Schmetterling schlüpfen würde. Der Vergleich war zutreffend und gleichzeitig falsch, denn kein Raubvogel entwickelte sich aus einem Kokon. Sie fühlte sich den Tieren verwandt, weil sie flogen und jagten, doch schlummerte in ihr ein anderer Instinkt – kraftvoller und monströser. Klingt als passierte es in dem Moment, aber du meinst hier eventuell die Vergangenheitsform.
Ihre Amme hatte sie mit einem wissenden Lächeln beruhigt. Sobald sie in den Armen eines Mannes gelegen sei, würde sie Bescheid wissen.
„Du hattest recht, Walpurg“, sagte Engelin schwermütig, weil ihr die tiefgründige Bedeutung dieser Wahrheit nicht nur Freude bereitete. Wie würden ihre Eltern, Vertraute und Freunde auf ihren Wandel reagieren? Vermochte der geliebte Sänger das Wesen zu akzeptieren, das mit Macht hervorzubrechen drohte?
Sie stieß einen leisen Seufzer aus und erhob sich, um die letzten Stufen in Angriff zu nehmen. Ihr Blick fiel auf den Blutfleck, der auf dem blütenweißen Linnen ihres Nachthemds wie eine offene Wunde prangte. Um ihre Lippen legte sich ein versonnenes Lächeln. Der Schmerz war kurz gewesen, der nachfolgende Genuss umso größer. Dass sie dem Minnesänger so bereitwillig ihre Schenkel geöffnet hatte, verstieß gegen alle Gebote, die man ihr seit der Kindheit eingetrichtert hatte. Die Pläne ihres Vaters, sie mit einem möglichst einflussreichen Adeligen zu verheiraten, waren damit hinfällig geworden. Engelin von Kahlenstein hatte mit ihrer Unschuld jeden Anspruch auf eine standesgemäße Ehe verloren. Aber das weiß ja keiner... ich würds einfach streichen
Ihr zarter Leib krümmte sich zusammen, was sie auf qualvolle Weise aus ihren Gedanken riss. Die Zeit drängte. Sie presste die Lippen aufeinander und kletterte die Freitreppe hinauf.

* * * *

Prinz Jorgen von Düsterlohe hatte erst ein Viertel des Weges zurückgelegt, als sein Pferd erlahmte. Mit einem lästerlichen Fluch sprang er aus dem Sattel, um die Hufe seines Reittiers zu untersuchen. Da ihm nichts Auffälliges ins Auge stach, lag es wohl daran, dass er dem Hengst zu viel zugemutet hatte. Widerstrebend musste gönnte er ihm etwas Ruhe gönnen, obwohl er den beschwerlichen Weg zur heimatlichen Burg am liebsten zu Fuß in Angriff genommen hätte. Zu Fuß wollte er nicht gehen, denn Doch in den Wäldern trieben sich Wegelagerer und anderes Gesindel herum, denen man hoch zu Ross leichter entgehen konnte.
Schuldbewusst versorgte er sein Pferd, so gut es ihm mitten in der Wildnis möglich war, und begab sich anschließend in den Schatten einer Tanne. Er streckte sich auf dem weichen Waldboden aus und schloss die Augen. Seine Gedanken flogen zurück zum vergangenen Abend, zeigten ihm Bilder, die Herz und Lenden erwärmten. Das ist mir wieder zu distanziert, besser eine direkte körperliche Empfindung Engelins bewundernde Blicke, als er für sie seine Balladen sang. Den Der Glanz des Mondlichts auf ihren Lippen, als er sie beim heimlichen Stelldichein im Park zum ersten Mal küsste. Das makellose Weiß ihrer Brüste, die sich aus ihrer Tunika drängten und die Berührung seiner Finger ersehnten. Irgendwie haben mir die Brüste hier ein zu großes Eigenleben Laughing Da er in der vergangenen Nacht nicht geschlafen hatte, Erschöpft glitt er rasch in einen unruhigen, von erregenden Träumen beherrschten Schlummer.
Kurze Zeit später wurde er durch das nervöse Schnauben des Pferdes geweckt weckte ihn. Schlaftrunken kam er auf die Beine und griff nach dem Dolch an seinem Gürtel. Das Blut in seinen Adern gefror Klischee, als ein silberner Wolf durch die Büsche brach, größer als jedes Tier, das er bisher zu Gesicht bekommen hatte.

* * * *

Schwer atmend erreichte Engelin die höchste Plattform des Bergfrieds. Nie zuvor hatte sie den Anstieg derart beschwerlich empfunden. Sie fühlte sich vollkommen erschöpft und zitterte am ganzen Körper. Dazu kamen beständige Krämpfe, als wäre ihre leibliche Hülle zu eng für die geballte Macht, die sich in ihr regte.
Hatte sie bei früheren Gelegenheiten die herrliche Aussicht, den Lohn der anstrengenden Kletterei, genossen, starrte sie heute besorgt in die Ferne. Sie meinte, einen Hilferuf zu vernehmen, der nicht an ihre Ohren, sondern in ihre Seele drang.
„Allmächtiger, steh‘ mir bei!“, stieß sie keuchend hervor.
Sie schloss die Augen, um sich ihrem Schicksal zu ergeben. Ein entsetzlicher Der Schmerz traf sie mit der Wucht eines Blitzschlags, strömte einer Flammenwelle gleich durch ihren Körper und schien ihn zu zerreißen. Sie hatte das Gefühl zu wachsen und alles zu sprengen, was bisher ihr Sein ausgemacht hatte. hm ...Ihre ganze Willenskraft war erforderlich, um nicht die Besinnung zu verlieren, in die sich ihr gequälter Geist flüchten wollte.
Mit einem Schlag war es vorbei. Der Schmerz verebbte und ließ eine berauschende Leere zurück. Ohne Furcht trat Engelin nach vor, bis an den Rand der Zinnen, breitete ihre Schwingen aus und stürzte sich hinab in die Tiefe.


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denLars
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LOONYS - Die Vergessenen Rosen der Zeit
BeitragVerfasst am: 07.05.2019 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Care,

Willkommen im Forum! Das ist eigentlich größtenteils nicht mein Genre, deshalb beschränke ich mich bei meinen Anmerkungen hauptsächlich auf allgemeine Dinge.

Zitat:
Langsam stieg sie die Treppe hinan. Stufe für Stufe, als würde jeder Schritt eine ungeheure Überwindung kosten. Den kalten Stein unter ihren bloßen Füßen spürte sie nicht. Trotz der frischen Morgenluft trug sie nichts als ein dünnes Nachthemd, das knapp über die Knie reichte. Das rötlich schimmernde Haar floss in wirren Strähnen über ihre Schultern bis zu den Hüften hinab. Ihre Augen starrten nach vorne und nahmen nichts von der Umgebung wahr. Die rohen Mauern des alten Bergfrieds boten ohnehin keine Abwechslung, nur eintöniges Grau, über das sich in regelmäßigen Abständen Spinnennetze spannten.


Diesen Absatz würde ich ersatzlos streichen. Deine Geschichte geht eigentlich erst danach los.
Wenn du ihn dir noch einmal mit einem kritischen Auge anschaust, merkst du auch gleich, dass dort eigentlich nur reine Beschreibung stattfindet – teilweise auch mit krummer Perspektive (sieht sie ihr rötlich schimmerndes Haar?) und einigen Adjektiven zu viel. Ein paar der Informationen kann man vielleicht später noch einstreuen.
Aber Stand jetzt ist das ein Brocken, durch den man sich erstmal kämpfen muss, bevor es mit deiner eigentlichen Geschichte losgeht. Was schade ist.


Zitat:
Sie lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Ihre Gedanken kehrten zurück zur vergangenen Nacht, zu den aufwühlendsten Stunden ihres Lebens. Wie hatte sie die Umarmungen, die Küsse und die Zärtlichkeiten des Minnesängers genossen! Alles, was bisher ihre Existenz beherrscht hatte, war bedeutungslos geworden.


Wenn das eine erotische Geschichte ist, dann würde ich mir gerade hier etwas fantasievollere Beschreibungen wünschen.

Die Idee, dass sich einer der Prinzen als Minnesänger ausgibt und so praktisch die Vorurteile von Engelin umgeht, habe ich durchgeholt und halte ich auch für einen schönen Twist. Für mich eindeutig der stärkste Teil deiner Geschichte.


Zitat:
Mit ihm würde sie ihren Traum verwirklichen und auf den Schwingen der Liebe die irdischen Fesseln abstreifen.


Vielleicht bin ich auch einfach nur der Falsche für dieses Genre, aber das ist mir eindeutig zu viel Pathos. Lieber ein paar Umdrehungen rausnehmen.

Beim Ende muss ich Minerva zustimmen. Man versteht noch nicht ganz, woher jetzt Engelins Begründung für ihren Todessturz kommt. Natürlich kann man sich zusammenreimen, dass sie und der Prinz irgendeine Art von spiritueller Beziehung haben und sie seinen Tod durch den Wolf (?) gespürt hat – aber das müsste noch ein wenig mehr herauskommen, ohne dabei natürlich zu explizit und zu platt zu werden.

Generell empfand ich die Szene mit dem Wolf als zu hektisch und schnell, lieber noch ein wenig ausweiten. Sonst verlierst du am Ende den Leser.

Und noch etwas: Auch wenn es natürlich integraler Bestandteil der Geschichte ist, würde ich mir etwas weniger Namedropping von irgendwelchen Fürstenhäusern wünschen. Lieber allgemeiner halten. So viele Namen auf so engem Raum sind nur anstrengend und ziehen aus der Story raus.

Zusammenfassend: Die Geschichte ist souverän geschrieben und die Idee mit dem Anwärter getarnt als Minnesänger finde ich einen schönen Bruch, nachdem ich schon befürchtet hatte, es würde eine Standard Mittelalter/Fantasy Story geben (Prinzessin brennt mit dem Minnesänger durch).
Die Geschichte könnte aber noch gewinnen, wenn du sie noch einmal nach überflüssigen Adjektiven durchkämmst, den Anfangsabsatz streichst, das Ende etwas klarer machst.

So viel von mir.

Liebe Grüße
Lars


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Care
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BeitragVerfasst am: 07.05.2019 23:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ein dickes DANKESCHÖN an Minerva und denLars für die wertschätzende und durchaus berechtigte Kritik. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Zeit man in eine solche Korrektur investiert. Ich freue mich aufrichtig, dass ihr euch diese Zeit genommen habt.

Ich schreibe mittlerweile einige Jährchen und habe mir eine treue Lesergemeinschaft erarbeitet, die mir die eine oder andere Rückmeldung zu meinen Erzählungen gibt. Außerdem war ich schon in einigen Foren unterwegs, wo meine Arbeiten in den meisten Fällen hochgelobt wurden. Leider hilft das nicht weiter und man bleibt irgendwann in der Entwicklung stecken.
Schickt man Geschichten an Verlage oder reicht sie bei Wettbewerben ein, kommt zumeist keine Antwort. Oder etwas so Lapidares wie ‚Ihre Schreibe ist genial, passt aber nicht in unser Portfolio‘.
Umso wertvoller ist eure Kritik, Minerva und denLars! Ich habe den ‚Minnesänger‘ 2014 geschrieben und an einen Verlag für ein Buchprojekt zum Thema ‚Mystisches Mittelalter‘ gesandt. Meinen Stammlesern hat die Geschichte sehr gefallen, weshalb ich doch ein wenig enttäuscht war, dass ich nicht einmal eine Absage erhalten habe. Deshalb hab ich diese Kurzgeschichte hier als Einstand gewählt, auch wenn sie schon einige Jahre alt ist.
Eure Kritik zeigt mir, wie schwierig es ist, eigene Arbeiten objektiv zu beurteilen. Was ihr angemerkt habt, ist zum überwiegenden Teil begründet (der Rest mag subjektive Sichtweise sein) und macht deutlich, wie leicht man in Plattitüden verfällt. Ich werde jetzt mal darüber schlafen und mir dann die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel nochmals vornehmen.
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Minerva
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BeitragVerfasst am: 08.05.2019 08:31    Titel: Antworten mit Zitat

Bin gespannt. Also schreiben kannst du und vor allem Rechtschreibung und Grammatik kann man echt nicht meckern, was ja auch schon mal viel Wert ist.

Es klingt so, als ob du viele ältere Bücher liest sowie eventuell historische Romane. Aber das ist nur geraten.

Noch ein Hauch mehr Nähe zu den Figuren, dass man noch mehr drinsteckt als Leser, etwas mehr Sympathie durch menschliche "Schwäche" ein deutlicherer Konflikt zum Mitfiebern. Teilweise war es ja vorhanden.
Es war mir persönlich an manchen Stellen zu sehr von außen berichtet, dadurch die Distanz. Bsp.: "Ihre Augen starrten nach vorne und nahmen nichts von der Umgebung wahr."

Und manche Stellen, wo etwas umständlich erklärt wird. Das kenne ich von mir, es ist manchmal soooo schwer, die einfachsten Dinge einfach auszudrücken Laughing Das dauert dann bei der Überarbeitung einfach lang. Embarassed

Oder, wo zu viel erklärt wird, was den Lesefluss unterbricht und in die Länge zieht. Ich versuche das bei mir immer so: Braucht der Leser diese Information wirklich, d.h. würde er entweder ohne die Info verwirrt sein oder würde er sich nicht richtig in die Situation einfühlen können, hätte kein Bild vor Augen?

Genauer kann ich es nicht erklären. Die meisten Leser können einem nichts zum Text sagen, erst die Vielleser sind dazu in der Lage.
Ich lese mittlerweile fast alles und schreibe mir zu jedem Buch eine total subjektive, stichpunktartige Zusammenfassung - nach meinem Geschmack. Wenn ich es nicht hinbekomme, zu erkennen, was mir nicht gefallen hat, lese ich die schlechten Amazonrezensionen, dann geht mir meist ein Licht auf.
Ich schreibe aber auch bei Büchern, die ich nicht so mochte auf, was mir gefallen hat, z.B. flüssig geschrieben, nimmt kein Blatt vor den Mund. Damit kommt man, glaube ich, seinem eigenen Stil auf die Schliche, der ja von Fremdeinflüssen wie Klischees, Allgemeinplätzen und angeblich toll schreibenden Autoren "verfälscht" ist.


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Care
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BeitragVerfasst am: 09.05.2019 15:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Endlich habe ich genug Muße gefunden, mich wieder mit dem ‚Minnesänger‘ auseinanderzusetzen. Zunächst möchte ich auf die Anregungen eingehen, die Minerva und denLars zu meinem Text geschrieben haben.
Die Erzählung war und ist von mir als Kurzgeschichte mit einem offenen Ende angedacht. Was bedeutet, dass Fragen unbeantwortet bleiben. Meine bisherigen Leser haben darauf unterschiedlich reagiert, einige vermuteten ein positives, andere ein negatives Ende. Ich wollte durch meine Erzählweise beides ermöglichen. Vielleicht habe ich mir dadurch eine zu hohe Latte gelegt.
Die positive Sicht ist, dass Engelin sich nach ihrer Entjungferung in ein drachenähnliches Geschöpf verwandeln kann, die Gefahr spürt, die ihrem Geliebten droht, und zu ihm fliegt.
Die negative Sichtweise wäre, dass sie sich aus Verzweiflung in den Tod stürzt und auch der Prinz, nur mit einem Dolch bewaffnet, die Begegnung mit dem Wolf nicht überlebt. Ihr Seelenschmerz resultiert aus der Tatsache, dass sie den Mann, dem sie sich hingegeben hat, vermutlich nie mehr sehen, geschweige denn heiraten wird. Sie weiß nichts von seiner Herkunft und hält ihn für einen fahrenden Sänger. Die Alternative, einen anderen Bewerber als Gemahl zu wählen, hat sie sich durch den Verlust ihrer Jungfräulichkeit verbaut.
Warum gibt sich der Prinz als Barde aus? Aus der Geschichte lässt sich schließen, dass Engelin nicht zum ersten Mal ihre offiziellen Bewerber vor den Kopf gestoßen hat. Sie ist Einzelkind, verwöhnt, trotzig und voll jugendlicher Schwärmerei. Also versucht er als Sänger, ihre Gunst zu gewinnen. Und grundsätzlich geht sein Vorhaben auf, auch wenn er verabsäumt, sich Engelin nach ihrer gemeinsamen Nacht zu offenbaren. Deren Konflikt ergibt sich aus ihrem Seelenschmerz (siehe oben) und aus dem unbestimmten Gefühl, dass etwas Unnatürliches in ihr heranwächst. Ob das aus Gutenachtgeschichten ihrer Amme resultiert oder einer realen, mystischen Begabung bleibt ebenfalls offen. Wie sollte sich Engelin auch sicher sein? Alle ihr nahestehenden Personen, außer ihrer Amme, halten eine solche Fähigkeit allem mittelalterlichen Aberglauben zum Trotz für unmöglich (ein Ammenmärchen eben Wink).
Dass Engelin in ihrer Zerrissenheit nicht sonderlich sympathisch wirkt, liegt auf der Hand. Sie ist einzige Erbin und verwöhntes, schwärmerisches Mädchen in einer Person. Warum steigt sie den Bergfried hinauf? Entweder, um sich dort, unbeobachtet von allen anderen zum ersten Mal in einen Drachen zu verwandeln, oder um sich in den Tod zu stürzen. In beiden Fällen wird sie verunsichert bis zur Verzweiflung und ängstlich sein.
Den einleitenden Absatz ersatzlos zu streichen, halte ich deshalb für keine Option. Denn das Erklimmen des Bergfrieds ist für mich ein wesentlicher Teil der Geschichte. Ebenso wie ihr Äußeres und ihren Gemütszustand, direkt nach ihrer ersten Liebesnacht, wo auf den höchsten Genuss die totale Ernüchterung folgt. Aber es ist ungeheuer wichtig als Rückmeldung, dass meine Vorstellungen nur zum Teil beim Leser ankommen – daran werde ich arbeiten.
Dass die Geschichte eher mystisch als erotisch ist, stimmt. Aber ich wollte mir nicht gleich beim ersten Text einen Verweis der Forenbetreiber bzw. eine Verbannung in den Rotlichtbezirk einhandeln Wink.
Das mit dem Pathos und den Plattitüden stimmt auch. Einige Passagen sind überfrachtet und folgen gängigen Klischees. Ihr habt mir sehr geholfen, das zu erkennen und eine neue Sichtweise auf die Story zu gewinnen. Dafür nochmals mein ehrliches DANKE!
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Care
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BeitragVerfasst am: 09.05.2019 15:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Minnesänger (neue Version)

Langsam stieg sie die Treppe hinan. Stufe für Stufe, als würde sie jeder Schritt Überwindung kosten. Nach den Ereignissen der vergangenen Nacht fühlte sie sich innerlich zerrissen, und mit jedem Herzschlag wuchsen Angst und Verzweiflung. Trotz der frischen Morgenluft trug sie nichts als ein dünnes Nachthemd, das knapp über die Knie reichte. Der kühle Wind, der durch die Mauern des alten Bergfrieds pfiff, blies ihr das rötlich schimmernde Haar in wirren Strähnen aus dem Gesicht. Sie starrte vor sich auf die steinerne Treppe, die sich unter ihren bloßen Füßen eiskalt anfühlte. All das spielte keine Rolle. Nicht mehr.
„Bald hast du es geschafft, Engelin!“, munterte sie sich auf, um in der sie umgebenden Stille wenigstens die eigene Stimme zu hören.
Sie blieb stehen, lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Ihre Gedanken kehrten zurück zur vergangenen Nacht, zu den aufwühlendsten Stunden ihres Lebens. Noch jetzt meinte sie die Zärtlichkeiten des Minnesängers auf ihrer Haut zu spüren, die leidenschaftlichen Küsse, die Hitze seiner Umarmung! Alles, was bisher ihr Leben ausgemacht hatte, war bedeutungslos geworden. Dass sie als einziges Kind des Grafen von Kahlenstein für die Zukunft der Ländereien verantwortlich war. Die ständigen Ermahnungen ihres Vaters, sich endlich für einen der zahlreichen Bewerber um ihre Hand zu entscheiden. Die Vorhaltungen der Mutter, sich ihren Studien und häuslichen Pflichten zu widmen, anstatt Träumen nachzuhängen. Die mahnenden Worte ihres Beichtvaters, der Lust als Sünde und alles Übernatürliche als Blasphemie bezeichnete! Sie alle hatten keine Ahnung von Engelins Bestimmung und den Visionen, die sie quälten. Ihre Eltern und Erzieher waren der Erde verbunden, während sie im Begriff war, die Ketten ihres Daseins zu sprengen. Die Erzählungen ihrer Amme hatten ihr an der Schwelle des Erwachsenseins die Augen geöffnet, und die Vereinigung mit dem Sänger hatte ihr wahres Ich befreit. Sie spürte in gleichzeitiger Furcht und Freude, wie sich eine unbändige Kraft in ihrem Inneren den Weg nach außen bahnte.
„Nicht mehr lange“, murmelte sie entrückt, „nicht mehr lange!“
In stoischer Ruhe setzte sie ihren Weg fort, während vor ihrem geistigen Auge die Ereignisse des Abends abliefen. Das Fest, das anlässlich ihres siebzehnten Geburtstags abgehalten wurde. Die Ansprache des Vaters, die letztlich nichts als eine Aufforderung war, einem der anwesenden Adeligen ihre Gunst zu gewähren. Wie sie diese Einschmeichler verabscheute! Den dickbäuchigen Baron, der ihr Großvater hätte sein können und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit begrapschte. Den Ritter von Goldlahn, der keinen vernünftigen Satz zuwege brachte und sie heimlich mit lüsternen Blicken verschlang. Und letztendlich den aalglatten Freiherrn, der meinte, sie mit seinen Gedichten beeindrucken zu können. Kein Einziger von ihnen vermochte freundschaftliche Gefühle in ihr zu wecken, geschweige denn Liebe. Zum Glück hatte ihr Vater bisher Verständnis gezeigt und sie in keine Ehe gezwungen, wofür sie ihm unendlich dankbar war.
Nach dieser Nacht spielte es keine Rolle mehr, welche Wünsche ihr Vater hegte. Die Barone, Ritter und Freiherrn der Grafschaft versanken in Bedeutungslosigkeit. Ganz anders der Barde, der ihr zu Ehren eingeladen worden war! Sein Auftreten hatte sie in den Bann geschlagen, seine Worte hatten sie begeistert und die Lieder bezaubert. Seine Finger waren mit solcher Zärtlichkeit über die Saiten der Laute geglitten, als würde er sie liebkosen. Mühelos hatte sich der Klang seiner Stimme über das Geschwätz an der Festtafel erhoben und Engelins Herz erobert. Sein Gesang war direkt an sie gerichtet gewesen, hatte alle Zweifel und Ängste vertrieben. Diesem Mann wollte sie angehören und keinem anderen. Mit ihm würde sie ihre Träume verwirklichen oder in den Tod gehen.

* * * *

Ungeduldig gab er dem Pferd die Sporen. Er konnte es kaum erwarten, die heimatliche Burg zu erreichen und dem Vater vom Erfolg seiner Mission zu berichten. Prinzessin Engelin hatte sich weder als abweisend noch als spröde erwiesen, wie es ihr nachgesagt wurde. Im Gegenteil. Ihr Herz war ihm zugeflogen und sie hatte ihm viel mehr geschenkt, als er erwartet hätte. Sie war nicht die erste Frau in seinem Leben gewesen, doch sicherlich die schönste, anmutigste und leidenschaftlichste. Noch immer meinte er ihre begierigen Lippen auf der Haut zu spüren und ihre Nägel, die sich in seinen Rücken krallten. Im Augenblick des höchsten Genusses hatte sich ihr Leib dem seinen entgegengedrängt, rückhaltlos und hingebungsvoll.
„Ich liebe dich, Engelin“, schrie er aus vollem Herzen hinaus in die Welt und wiederholte damit jene Worte, die er ihr kurz vor dem Abschied ins Ohr geflüstert hatte. Das Lächeln, das sie ihm daraufhin schenkte, war bezaubernd gewesen, innig und verheißungsvoll zugleich. Sie hielt ihn für einen mittellosen Barden, einen fahrenden Sänger, der sich seinen Lebensunterhalt mit Liedern über Leben und Tod, Sieg und Niederlage, Liebe und Hass verdiente. Hätte sie ihn auch als Sohn des Herzogs von Düsterlohe begehrt, dem einflussreichsten Adeligen der östlichen Marken? Oder wäre sie ihm gegenüber ebenso ablehnend gewesen wie zu den anderen Freiern, die ihr den Hof machten?
Unbewusst trieb er sein Pferd voran. Eine unerklärliche Unruhe ergriff von ihm Besitz, die seine überschäumende Freude dämpfte. Dass ihre Väter sich einigen würden, stand außer Zweifel. Beide Fürstentümer profitierten von einer Ehe zwischen Engelin und ihm. Doch was tun, wenn die Angebetete nur einen Minnesänger und keinen Prinzen liebte? Wenn sie ihm seine List nicht verzeihen würde?

* * * *

Engelin hatte das oberste Stockwerk des Bergfrieds erreicht. Von hier führte eine Freitreppe auf die Zinnen empor. Bevor sie die steilen Stufen in Angriff nahm, hockte sie sich auf einen hölzernen Schemel, der das einzige Mobiliar des ansonsten kahlen Raumes darstellte. Hier hatte sie schon in ihrer Kindheit unbeschwerte Stunden verbracht, gefüllt mit fantastischen Träumen.
Selbst wenn sie es anfangs nicht zu erklären vermochte, fühlte sie seit jeher eine innigliche Verbindung zu den Greifvögeln, die in den Zwingern der Burg für die Jagd gezüchtet wurden. Wenn die gewaltigen Tiere ihre Schwingen ausbreiteten und sich in die Luft erhoben, flog sie in Gedanken mit ihnen. Das berauschende Gefühl, hoch über dem Erdboden zu kreisen und senkrecht in die Tiefe zu stürzen, wenn Beute in Sicht kam, ergriff mit fortschreitendem Alter immer stärker von ihr Besitz. Der Schwindel, den sie in den Kindheitstagen bei dieser Vorstellung verspürt hatte, legte sich, als ihre Monatsblutungen einsetzten. Verwirrt hatte sie die Spannungen in ihrem Körper wahrgenommen, als wäre sie eine Larve, aus der ein prächtiger Schmetterling schlüpfen würde. Der Vergleich war zutreffend und ebenso falsch, denn kein Raubvogel entwickelte sich aus einem Kokon. Sie fühlte sich den Tieren verwandt, weil sie flogen und jagten, doch schlummerte in ihr ein anderer Instinkt – kraftvoller und monströser.
Ihre Amme hatte sie mit einem wissenden Lächeln beruhigt. Sobald sie in den Armen eines Mannes gelegen sei, würde sie Bescheid wissen.
„Du hattest recht, Walpurg“, sagte Engelin schwermütig, weil ihr die Bedeutung dieser Worte nicht nur Freude bereitete. Wie würden ihre Eltern, Vertraute und Freunde auf ihren Wandel reagieren? Vermochte der geliebte Sänger das Wesen zu akzeptieren, das aus ihr hervorzubrechen drohte?
Sie stieß einen leisen Seufzer aus und erhob sich, um die letzten Stufen in Angriff zu nehmen. Ihr Blick fiel auf den Blutfleck, der auf dem blütenweißen Linnen ihres Nachthemds wie eine offene Wunde prangte. Um ihre Lippen legte sich ein versonnenes Lächeln. Der Schmerz war kurz gewesen, der nachfolgende Genuss umso größer. Dass sie dem Minnesänger so bereitwillig ihre Schenkel geöffnet hatte, verstieß gegen alle Gebote, die man ihr seit der Kindheit eingetrichtert hatte. Die Pläne ihres Vaters, sie mit einem möglichst einflussreichen Adeligen zu verheiraten, waren damit hinfällig geworden. Engelin von Kahlenstein hatte mit ihrer Unschuld jeden Anspruch auf eine standesgemäße Ehe verloren.
Ihr Leib krümmte sich zusammen, was sie auf qualvolle Weise aus ihren Gedanken riss. Die Zeit drängte. Sie presste die Lippen aufeinander und kletterte die Freitreppe hinauf.

* * * *

Prinz Jorgen von Düsterlohe hatte erst ein Viertel des Weges zurückgelegt, als sein Pferd erlahmte. Mit einem Fluch sprang er aus dem Sattel, um die Hufe seines Reittiers zu untersuchen. Da ihm nichts Auffälliges ins Auge stach, lag es wohl daran, dass er dem Hengst zu viel zugemutet hatte. Widerstrebend gönnte er ihm etwas Ruhe. Zu Fuß wollte er den beschwerlichen Weg zur heimatlichen Burg nicht in Angriff nehmen, da sich in den Wäldern Wegelagerer und anderes Gesindel herumtrieben.
Schuldbewusst versorgte er sein Pferd, so gut es ihm mitten in der Wildnis möglich war, und begab sich anschließend in den Schatten einer Tanne. Er streckte sich auf dem weichen Waldboden aus und schloss die Augen. Seine Gedanken flogen zurück zum vergangenen Abend, zeigten ihm Bilder, die Herz und Lenden erwärmten. Engelins bewundernde Blicke, als er für sie seine Balladen sang. Den Glanz des Mondlichts auf ihren Lippen, als er sie beim heimlichen Stelldichein im Park zum ersten Mal küsste. Das makellose Weiß ihrer Brüste, als er ihr das Hemd über den Kopf gezogen hatte. Erschöpft glitt er in einen unruhigen, von erregenden Träumen beherrschten Schlummer.
Das nervöse Schnauben des Pferdes weckte ihn. Schlaftrunken kam er auf die Beine und griff nach dem Dolch an seinem Gürtel. Er hielt den Atem an und erstarrte. Ein silberner Wolf brach durch die Büsche, größer als jedes Tier, das er bisher zu Gesicht bekommen hatte.

* * * *

Schwer atmend erreichte Engelin die höchste Plattform des Bergfrieds. Nie zuvor hatte sie den Anstieg derart beschwerlich empfunden. Sie fühlte sich vollkommen erschöpft und zitterte am ganzen Körper. Dazu kamen beständige Krämpfe, als wäre ihre leibliche Hülle zu eng für die geballte Macht, die sich in ihr regte.
Hatte sie bei früheren Gelegenheiten die herrliche Aussicht, den Lohn der anstrengenden Kletterei, genossen, starrte sie heute besorgt in die Ferne. Sie meinte, einen Hilferuf zu vernehmen, der nicht an ihre Ohren, sondern in ihre Seele drang.
„Allmächtiger, steh‘ mir bei!“, stieß sie keuchend hervor.
Sie schloss die Augen, um sich ihrem Schicksal zu ergeben. Der Schmerz traf sie mit der Wucht eines Blitzschlags, strömte einer Flammenwelle gleich durch ihren Körper und schien ihn zu zerreißen. Sie hatte das Gefühl zu wachsen und alles zu sprengen, was bisher ihr Sein ausgemacht hatte. Ihre ganze Willenskraft war erforderlich, um nicht die Besinnung zu verlieren, in die sich ihr Geist flüchten wollte.
Mit einem Schlag war es vorbei. Der Schmerz verebbte und ließ Leere zurück. Furchtlos trat Engelin an den Rand der Zinnen, breitete ihre Schwingen aus und stürzte sich hinab in die Tiefe.
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menetekel
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BeitragVerfasst am: 10.05.2019 07:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Care,

ich hoffe, du wirst mir die folgenden Worte nicht nachtragen:
Für mich ist das ein Kapitel eines sog Groschenromans. Und ich finde es fürchterlich!
Jenseits aller Logik, adjektivlastig bis zum Gelenkbruch und ungewollt komisch. - Vielleicht aber auch gewollt ... denn ich fühle mich regelrecht verarscht.

Nach deiner brillanten Vorstellungsrunde habe ich dann doch etwas mehr Esprit erwartet.

Allerdings bin ich mir jetzt schon sicher, dass du deine Leser finden wirst.

Seufzende Grüße
m.


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Kojote
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BeitragVerfasst am: 10.05.2019 11:02    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Care,

wenn du mich um meine ehrliche Einschätzung bittest: Ich muss menetekel zustimmen. „Groschenroman“ trifft es ganz gut. Irgendwie komme ich mir hier vor wie im Teleshopping: Krampfhaftes Überzeugen des Rezipienten mit einer Adjektivflut bei Tonfall und Gesprächsmelodie, bei denen man sich fragt ob der Autor lustig sein will, sich über sich selbst lustig macht oder das allen Ernstes ernstmeint.

Du beschreibst hier einfach nur Szenen, die nichts dessen enthalten, was als innere Konflikte, Spannungsbögen und dergleichen literarisch etabliert ist. Dafür legst du einen großen Wert auf Fantasy-Elemente und Erotik. Das Problem ist, dass diese zwei allein keine Grundlage für ein gutes Buch sind.

LG
Kojote


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Care
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BeitragVerfasst am: 10.05.2019 17:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nun, das war deutlich. Zum Glück bin ich alt genug, dass ich auch mit so herben Kritiken umgehen kann. Und mir ist Ehrlichkeit lieber als geheuchelte Stiefelleckerei, weil man so wenigstens angehalten wird, über die Qualität des eigenen Textes nachzudenken.
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Minerva
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BeitragVerfasst am: 10.05.2019 18:53    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt ist es schon mal wesentlich besser geworden. Ich finde nicht, dass es wie ein Groschenroman klingt, aber ich lese auch keine.
Wenn man es ein überarbeitet, wird das schon, dazu ist doch das Forum da. Hat eben auch jeder einen anderen Geschmack.

Wenn du noch weiter drüberarbeiten möchtest, kann ich dir gerne noch mal den neuen Text kommentieren, wo man noch was ändern kann, wo immer noch Unklarheiten sind.
Das geht eben meist nicht in einem Schritt, weil es verschiedene Dinge sind, die Schicht für Schicht poliert werden.

Care: Sag einfach Bescheid Very Happy


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Care
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BeitragVerfasst am: 10.05.2019 19:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist lieb von dir, Minerva! Geschmäcker sind unterschiedlich, das finde ich auch okay. Ich bin seit jeher auf der romantischen Seite angesiedelt, höre gerne gefühlvolle Musik, die andere furchtbar kitschig finden.

Den Text lasse ich erstmal so, wie er ist, bin deswegen doch ein wenig frustriert. Aber zumindest ist mir jetzt klar geworden, warum er beim Verlag nicht angenommen wurde. Und ich hab für mich wieder vieles gelernt!

Und Minerva: Danke für dein Angebot, ich schätze das sehr!
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