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Ingame - Kapitel 1


 

 
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Kigosh
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 15
Wohnort: Schweiz


BeitragVerfasst am: 02.06.2019 21:08    Titel: Ingame - Kapitel 1 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Kapitel 1

Als Peter Jahre später seine letzten Atemzüge in dieser Welt tat und sich mit Bedauern an diesen Moment zurückerinnerte, viel ihm auf, dass er verdächtig unspektakulär war. Kein grelles Licht, keine mysteriöse Stimme und keine dramatische Musik begleiteten sein Erwachen. Nein, er wachte an diesem ominösen Tag auf, wie an jedem anderen auch. Indem er seine müden Augen langsam öffnete und mit sich selbst rang, ob er sich heute krankmelden sollte. Ein Kundensupport Angestellter hat noch nie die Welt gerettet und er wird sicherlich nicht der erste sein. Jedoch waren heute zwei Dinge anders. Sein Wecker klingelte nicht und die Matratze war härter als sonst. Um genau zu sein, war sie steinhart und unbequem. Sein Herz begann zu pochen und Adrenalin überkam ihn. «Ich bin zu spät», schrie er laut in seinen Gedanken. Jetzt, wo er hellwach war, fielen ihm weitere Unregelmässigkeiten auf. Seine Matratze war steinhart, weil er auf einer schweren Steinplatte lag und sein Wecker klingelte nicht, weil weit und breit kein Wecker in Sicht war. Wo er war, wusste er nicht aber mit Sicherheit war das nicht seine heruntergekommene kleine 1.5 Zimmer Wohnung in Bern. Es schien ihm, als ob er in überhauptkeiner Wohnung lag, sondern in einer Höhle. Die Tropfsteine, die wie ein Damoklesschwert über ihm hingen, waren ein ziemlich deutlicher Hinweis.

Eine geradezu verschwenderische Anzahl von Kerzen brannten halbkreisförmig um ihn herum. Peter betrachtete sich nicht als einen speziell intelligenten Mann, auch wenn er im fünften Semester Literatur studierte, aber selbst er wusste, dass es keine gute Idee war, hunderte Kerzen in einer Höhle anzuzünden. Mehr Gründe, um aufzustehen, brauchte er nicht. Als ob all das nicht schlimm genug wäre, fiel ihm jetzt auf, dass er splitterfasernackt war und seine Kleider waren spurlos verschwunden. «Waren in meiner Cola Drogen», dachte er sich. Er rauchte zwar ab und zu einen Joint aber von härterem Zeug liess er normalerweise die Finger. Er strengte seine grauen Zellen an, aber erinnerte sich nur, wie er auf seinem Fahrrad die Länggasse entlang radelte und versuchte diesen schrecklichen Justin Bieber Song auf seinem Spotify Radio wegzubekommen. «Wie zur Hölle bin ich hier gelandet», fragte er sich sichtlich verwirrt. Gleichzeitig schossen ihm Trillionen andere Fragen durch den Kopf. Zum Beispiel warum er rote Fussabdrücke auf dem Höhlenboden hinterliess. Dieses Mysterium war schnell geklärt, denn jemand hatte seltsame geometrische Symbole auf dem Boden gemalt und die Farbe war offenbar noch nicht trocken. War er in die Fänge eines satanistischen Kults geraten? Wie damals, als Lydia – Exfreundin und erste sowie letzte Liebe – nach einem Ozzy Osbourne Konzert wollte, dass er während dem Sex ihrer armen Fledermaus den Kopf abbiss.

Aber eines nach dem anderen. Raus hier. Vielleicht hatte er seine Kleider draussen gelassen. Glücklicherweise befand sich direkt vor ihm eine steinerne Treppe, die hoffentlich zum Ausgang führte. Die Situation war für Peter so absurd, dass er sich gar nicht fragte, wieso eine Treppe in eine Tropfsteinhöhle führte. Als er seinen Fuss auf die kalte Stufe setzte, rissen seltsame Symbole seine Aufmerksamkeit an sich. Auf der rechten Seite wurde eine glatte Wand in die Höhle geschlagen, die etwas grösser war als er selbst. Was da auch immer geschrieben stand, war bestimmt von immenser Bedeutung und schwerer Tragweite, dummerweise konnte Peter nichts davon lesen. Allerdings kamen ihm die Symbole vertraut vor, als ob er sie schon einmal gesehen hatte. Es war weder Griechisch, Kyrillisch, noch Arabisch, soviel war klar. Unter anderen Umständen würde er stundenlang die Wand anstarren und viel Gravitas in seinen Blick legen, doch diesen Morgen hatte er andere Prioritäten.

Und hier lag die nächste Überraschung, denn draussen war es pechschwarze Nacht und eiskalt. Er konnte kaum die Hand vor seinen Augen sehen, geschweige denn erkennen wo er war oder einen Wegweiser finden. Als niemand seinen irritierten Hilfeschrei quittierte, entschloss sich Peter das zu tun, was er sonst nur in besonders schweren Fällen von nächtlicher Trunkenheit tat, was besorgniserregend häufig vorkam. Er lief nackt in eine zufällige Richtung und hoffte irgendwie Nachhause zu finden. Wenn es früher geklappt hat, warum jetzt nicht? Zumal er gar nicht betrunken war – wobei er diesbezüglich noch nicht alle Zweifel ausgeräumt hatte. Seine Füsse vermittelten ihm den Eindruck, dass er auf trockenem Gras lief und als ob jemand seine Gedanken erhörte und sein Leben noch miserabler gestalten wollte, spürte er wie zaghafte Regentropfen ihn hinterhältig liebkosten. Eine eiskalte Brise liess sein Alter Ego schrumpfen und er wollte reflexartig sich vergewissern, dass wenigstens da unten noch alles in Ordnung war, allerdings hatte er schon seit Jahren keine freie Sicht auf da unten. Das viele Sitzen, sein exzessiver Süssigkeiten Konsum, Alkohol, Netflix und Videospiele haben seinen noch jungen, 25-jährigen Körper gezeichnet. Selten wurde ihm dies so bewusst wie jetzt, wo er doch nackt und orientierungslos auf einer – mutmasslichen – Wiese lief und bereits ausser Atem war. Ob er doch noch vom Fitness Abo gebrauch machen sollte, das ihm seine Oma letzte Weihnachten geschenkt hatte?

Der Regen prasselte auf ihn herunter und Peter beschleunigte seinen Tritt, was sein Atemproblem nicht gerade löste. Er war zu weit weg von der Höhle, um zurückzukehren, musste aber schleunigst Unterschlupf finden, wenn er sich nicht die Erkältung seines Lebens holen wollte. «Dieser Alkohol wird mich eines Tages noch umbringen», dachte er leicht frustriert und schwor sich ab morgen seinen Lebensstil fundamental zu ändern. Gerade als seine Lunge kollabieren wollte und seine Beine drohten den Dienst zu quittieren, erreichte er einen Baum, der den Beginn eines Waldes ankündigte. Der Regenschutz nützte dem durchnässten Peter auch nichts mehr und als ob sein Körper ihm Recht geben wollte, niesste er so laut, dass er sämtliche Bewohner in einem Kilometerradius geweckt haben dürfte. Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, freute sich aber über die allmählich einsetzende Morgendämmerung. Weil der Regen aber nicht nachgeben wollte, entschied Peter durch den Wald zu laufen, der ihm etwas Schutz bieten dürfte.

Nach einer Weile liess ihn ein nervöses rascheln zusammenzucken. Es schien ihm, als ob sich etwas im Gebüsch vor ihm bewegte. Wahrscheinlich eine verirrte Katze, hoffte er unsicher. Doch die Wahrheit war viel Schlimmer, als er sich vorstellen konnte und liess Peter an seinem Verstand zweifeln. Die roten Glubschaugen eines waschbärartigen Wesens starrten ihn gierig an. Das olivgrüne Fell und die markanten, stickmusterartigen schwarzen Linien wollten zu keinem Tier passen, das er kannte. Wobei das so nicht ganz stimmte. Er hatte dieses Wesen schon einmal gesehen, «aber das kann gar nicht sein…das ist unmöglich». Peter löste sich aus seiner Schockstarre erst, als der kleine Lepras ihn ansprang und seine Krallen in seine Oberschenkel bohrte, die zu bluten begannen. Reflexartig packte er das Wesen am Nacken und schleuderte es zu Boden, doch der kleine Kerl war härter als er aussah. «Eine Waffe, ich brauche eine Waffe», dachte Peter und sah sich um, während das Vieh, angespornt von Peters Widerstand, zum nächsten Angriff ansetzte. Es wäre auch überaus praktisch gewesen, wenn eine 9-mm Faustfeuerwaffe einfach so im Wald rumlag, am Ort und Zeitpunkt Peters grösster Not. Leider musste er mit einem einfachen, aber harten Holzkloben vorliebnehmen, der nicht weniger praktisch neben ihm in einem Bett aus Laubblättern lag. Das lästige Biest hatte jetzt nebst seinen Krallen auch die messerscharfen Zähne zu Hilfe genommen. Anscheinend standen Peters Nippel ganz oben auf dem Speiseplan. Der gequälte Peter wollte aber nicht als Mahlzeit eines Viehs enden, das kaum grösser war als ein Chihuahua und wahrscheinlich dreissig Mal leichter war als er. Er holte mit dem Holzkloben aus und zog dem Lepras eins über die Rübe. Benommen ging es Boden, riss aber ein Stück von Peters Nippel mit sich. Sein anschliessender Schrei klang so gar nicht verzückt und prompt drohte ihm weiteres Ungemach. Ein Übel kommt selten allein, hat mal jemand gesagt und der kleine Mistkerl hatte Freund. Drei weitere Lepras griffen den Geplagten an, der sich wild fuchtelnd zu wehren versuchte. Er konnte zwei Angreifer eher durch Zufall mit dem Kloben ausschalten und der letzte Übeltäter machte Bekanntschaft mit seinem Fuss und den gut neunzig Kilo Fressgewicht, das Peter auf die Waage brachte. Als alle Feinde besiegt waren, fiel er keuchend zu Boden und konnte nicht glauben, was sich gerade zugetragen hatte. Er blutete an mehreren Stellen leicht – auch aus seinem Nippel und ihm war schwindlig. Normalerweise hätte das gereicht, um ihm seinen Tag zu vermiesen, doch anscheinend stimmte auch etwas mit seinen Augen nicht. Er sah seltsame Dinge vor ihm. Zahlen haben sich in seine Netzhaut eingebrannt. Sie veränderten sich von kleinen zu höheren Werten und am Ende stand da eine 2. Um genau zu sein, stand da ein «Lvl 2». Eine plötzliche Übelkeit überkam ihn und er musste erbrechen.

Jetzt erinnerte er sich, wo er die seltsamen Symbole und den teuflischen Waschbären gesehen hatte: im Einsteigerareal des Online Spiels Word of Worlds, das er seit sechs Jahren – zugegebenermassen vielleicht ein bisschen zu viel – spielte. «Bin ich am träumen oder sind bei mir endgültig alle Sicherungen durchgebrannt», fragte sich ein nasser, nackter und blutender Peter.



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Ribanna
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Alter: 56
Beiträge: 347
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 03.06.2019 08:08    Titel: Re: Ingame - Kapitel 1 Antworten mit Zitat

Kigosh hat Folgendes geschrieben:
Kapitel 1

[size=18]Als Peter Jahre später seine letzten Atemzüge in dieser Welt tat und sich mit Bedauern an diesen Moment zurückerinnerte, vfiel ihm auf, dass er(wer? der Moment oder Peter?) verdächtig unspektakulär war. Kein grelles Licht, keine mysteriöse Stimme und keine dramatische Musik begleiteten sein Erwachen. (Ich dachte, er stirbt? Wieso erwacht er jetzt?)Nein, er wachte an diesem ominösen Tag auf, wie an jedem anderen auch. Indem er seine müden Augen langsam öffnete und mit sich selbst rang, ob er sich heute krankmelden sollte.(Dieser Satz ist nicht vollständig) Ein Kundensupport Angestellter hat noch nie die Welt gerettet und er wirdwürde sicherlich nicht der erste Erste sein. Jedoch waren heute zwei Dinge anders. Sein Wecker klingelte nicht und die Matratze war härter als sonst. Um genau zu sein, war sie steinhart und unbequem. Sein Herz begann zu pochen und Adrenalin überkam ihn. «Ich bin zu spät», schrie er laut in seinen Gedanken. Jetzt, wo er hellwach war, fielen ihm weitere Unregelmässigkeiten (Unregelmäßigkeiten)auf. Seine Matratze war steinhart, weil er auf einer schweren Steinplatte lag und sein Wecker klingelte nicht, weil weit und breit kein Wecker in Sicht war. Wo er war, wusste er nicht Komma aber mit Sicherheit war das nicht seine heruntergekommene kleine 1.5 Zimmer Wohnung in Bern. Es schien ihm, als ob er in überhauptkeiner keiner Wohnung lag, sondern in einer Höhle. Die Tropfsteine, die wie ein Damoklesschwert über ihm hingen, waren ein ziemlich deutlicher Hinweis.


Mal abgesehen von den Fehlern, die eine gute Rechtschreibprüfung zu 99% auch korrigiert hätte, ist mir die Geschichte zu...platt. "Sein Herz begann zu pochen Adrenalin überkam ihn" - das geht eleganter.
Die Schriftgröße fand ich unangemessen, und die Geschichte reizt mich nicht zum lesen, Ausdrücke wie "Trillionen andere Fragen", "viel Gravitas in seinen Blick legen"... mir ist das alles zu gewollt.
Was erlebt er? Was fühlt er? Denkt er wirklich über spotify und Justin Bieber nach, Minuten, nachdem er in einer solchen Situation wach geworden ist?
Ich finde, hier gibt es noch einiges zu überarbeiten für dich.


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Kojote
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Alter: 29
Beiträge: 263
Wohnort: Wurde erfragt


BeitragVerfasst am: 04.06.2019 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Grüße dich, Kigosh!

Ich stimme zu, dass es keine gute Idee ist, eine Geschichte in so großen Lettern zu drucken.

Was den Inhalt betrifft:
Mir ist die Methodik des Übertreibens als Stilmittel bekannt, aber in dem Ausmaß, wie du sie nutzt, funktioniert sie nicht und wirkt ebenso peinlich wie die Versuche, mit Sarkasmus lustig zu sein (Nippel auf dem Speiseplan und dergleichen). Ebenso Vergleiche, die einfach nicht passen: Tropfsteine können nie "wie ein Damoklesschwert" über dir hängen, denn das Damoklesschwert trägt bereits eine übertragene Bedeutung und hat mit reellen, hängenden Dingen nichts zu tun.

An der Rechtschreibung gibt es auch noch einiges zu monieren, schau dir am besten mal die Regeln zu direkter Rede, Getrennt- und Zusammenschreibung und Zeichensetzung an. Und -- ja, ich weiß, du kommst aus der Schweiz; dennoch, wenn du eine Veröffentlichung in Deutschland (oder Österreich) ins Auge fasst, wirkt es Wunder, sich das scharfe S anzugewöhnen.

Aber von so einer Platzierung bei einem Verlag sind wir noch meilenweit entfernt, zumindest nach jetzigem Stand deines Werks. Sorry wenn das demotivierend klingt.


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Daniel de Iguazu
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 42
Beiträge: 51
Wohnort: Santiago de Chile


BeitragVerfasst am: 04.06.2019 16:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Kigosh, nach Ribanna nehme ich mir mal den zweiten Absatz vor:

Zitat:
Eine geradezu verschwenderische Anzahl von Kerzen brannten halbkreisförmig um ihn herum. Peter betrachtete sich nicht als einen speziell intelligenten Mann (würde hier ein anderes Verb verwenden), auch wenn er im fünften Semester Literatur studierte, aber selbst er wusste, dass es keine gute Idee war, hunderte Kerzen in einer Höhle anzuzünden. Mehr Gründe, um aufzustehen, brauchte er nicht. Als ob all das nicht schlimm genug wäre, fiel ihm jetzt auf, dass er splitterfasernackt war und seine Kleider waren spurlos verschwunden. «Waren in meiner Cola Drogen» (Fragezeichen / Außerdem würde ich Gedanken nicht in Anführungszeichen setzen, eher Kursiv oder normal ohne AZ), dachte er sich. Er rauchte zwar ab und zu einen Joint(,) aber von härterem Zeug liess (ließ) er normalerweise die Finger. Er strengte seine grauen Zellen an, aber erinnerte sich nur, wie er auf seinem Fahrrad die Länggasse (Langgasse?) entlang radelte und versuchte diesen schrecklichen Justin Bieber Song (zusammengeschrieben) auf seinem Spotify Radio (zusammengeschrieben) wegzubekommen. «Wie zur Hölle bin ich hier gelandet» (Fragezeichen, keine Anführungszeichen), fragte er sich sichtlich verwirrt. Gleichzeitig schossen ihm Trillionen (Trillionen zu gewollt) andere Fragen durch den Kopf. Zum Beispiel warum er rote Fussabdrücke (Fußabdrücke) auf dem Höhlenboden hinterliess (hinterließ). Dieses Mysterium war schnell geklärt, denn jemand hatte seltsame geometrische Symbole auf dem Boden gemalt und die Farbe war offenbar noch nicht trocken. War er in die Fänge eines satanistischen Kults geraten? Wie damals, als Lydia – (seine) Exfreundin und erste sowie letzte Liebe – nach einem Ozzy Osbourne Konzert wollte, dass er während dem Sex ihrer armen Fledermaus den Kopf abbiss.


Ich würde die Fußabdrücke nicht zusätzlich zu den Fragen im Kopf zuordnen, sondern anders beschreiben.
Dieses Mysterium war schnell geklärt: Ich finde das ist keine gute Formulierung in diesem Zusammenhang. 1) Es ist kein Mysterium. 2) Daher könnte man es als flapsige Bemerkung auffassen, aber du willst ja hier Spannung aufbauen, daher passt es nicht so ganz.
Ich weiß, dass Ozzy einer Fledermaus den Kopf abgebissen hat, aber dass Lydia – auch wenn sie ein Goth ist – ebenfalls eine Fledermaus hat, ist sehr unwahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher ist, dass sie will, dass Peter ihr(!) Tier tötet. Außerdem sind solche sexuelle Vorlieben viel zu krass, dass es hier vollkommen unglaubwürdig klingt. Wenn ich mich recht erinnere, hat der Ozzy der Fledermaus den Kopf abgebissen, weil er voll auf Drogen war.

Durch einige Übertreibungen hast du dem Text die Spannung genommen. Ich würde versuchen, etwas schlichter zu schreiben, das könnte deinen Text stark verbessern.
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Kigosh
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Beiträge: 15
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BeitragVerfasst am: 05.06.2019 18:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo allerseits

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit und Mühe gemacht habt, den Text zu lesen und ein Feedback zu verfassen. Jegliche Form von Feedback ist gern gesehen und hilft mir immens.

Mir fällt erst jetzt auf, dass ich den Text lieber in der Werkstatt gepostet hätte, da es sich hier nicht um eine "vollendete" Geschichte o.ä. handelt, sondern um ein reines Experiment, respketive eine Schreibübung. Erst jetzt habe ich gemerkt, dass hierfür die Werkstatt passender wäre...Ich entschuldige mich hierfür.

Gerade eure Hinweise zum Stil sind sehr wertvoll für mich. Falls noch anderen Usern etwas aufgefallen ist, bitte nur her damit. ich bin dankbar und werde die Feedbacks in meinen Projekten auch gerne umsetzen.

Liebe Grüsse

Kigosh


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Rainer Prem
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Beiträge: 1121
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 06.06.2019 06:01    Titel: Antworten mit Zitat

Kigosh hat Folgendes geschrieben:
Hallo allerseits

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit und Mühe gemacht habt, den Text zu lesen und ein Feedback zu verfassen. Jegliche Form von Feedback ist gern gesehen und hilft mir immens.

Mir fällt erst jetzt auf, dass ich den Text lieber in der Werkstatt gepostet hätte, da es sich hier nicht um eine "vollendete" Geschichte o.ä. handelt, sondern um ein reines Experiment, respketive eine Schreibübung. Erst jetzt habe ich gemerkt, dass hierfür die Werkstatt passender wäre...Ich entschuldige mich hierfür.

Gerade eure Hinweise zum Stil sind sehr wertvoll für mich. Falls noch anderen Usern etwas aufgefallen ist, bitte nur her damit. ich bin dankbar und werde die Feedbacks in meinen Projekten auch gerne umsetzen.

Liebe Grüsse

Kigosh


Hallo,

zum Formalen: Es ist korrekt, deine ersten beiden Textbeispiele im Einstand zu posten. Das sollten dann aber nicht Kapitel 1 und 2 desselben Buches sein, sondern zwei verschiedene Texte.

Du solltest an die Moderation schreiben, damit die die Schriftgröße verkleinern.

Zum Text: Für einen Anfänger liest sich das recht flott; du wirst nie alle Leser zufrieden stellen können, und ich persönlich denke, dass die ironischen Übertreibungen durchaus zu dem direkt am Anfang etablierten Stil eines "Lebensrückblicks" passen.

Was du dir allerdings abgewöhnen solltest, ist die Verwendung von Ziffern im Text. Schreibe "Neun-Millimeter-Pistole", aber nur wenn das spezifische Kaliber wichtig ist; wenn nicht: weglassen. Schreibe "Eineinhalb-Zimmer-Wohnung", aber nur, wenn es für die Geschichte relevant ist.

Ansonsten solltest du dir mal den Duden-Korrektor oder ein Schreibprogramm herunterladen und schauen, was die so zu deiner Grammatik sagen; da liegt noch einiges im Argen. Insbesondere das unverbundene Nebeneinanderschreiben von Hauptwörtern (Justin-Bieber-Song, Ozzy-Osbourne-Konzert, usw.) sticht negativ in die Augen.

Grüße
Rainer
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Daniel de Iguazu
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Alter: 42
Beiträge: 51
Wohnort: Santiago de Chile


BeitragVerfasst am: 06.06.2019 16:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kigosh,

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
Zum Text: Für einen Anfänger liest sich das recht flott; du wirst nie alle Leser zufrieden stellen können, und ich persönlich denke, dass die ironischen Übertreibungen durchaus zu dem direkt am Anfang etablierten Stil eines "Lebensrückblicks" passen.


Hier möchte ich Rainer recht geben und noch anmerken, dass ich dir die ironischen Übertreibungen nicht nehmen möchte.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass du dem Text dadurch die Spannung genommen hast. Vielleicht legt es am Timing und an der Dosierung. Wenn du die Höhle beschreibst, kommt irgendwie zu viel darin vor, so dass ich mich nicht auf die Atmosphäre und die Bedrohlichkeit der Situation einlassen konnte.

Mir fällt gerade Stephen King ein. Er hat auch ironische Übertreibungen drinnen, aber stört damit nicht die Spannung, sondern heizt sie damit eher noch an.

Auch stellt sich natürlich die Frage, was du mit dem Text beim Leser erreichen möchtest. Spannung? Belustigung? Dennoch sollte man Spannungen nicht verschenken und humorvolle Aspekte sowie ironische Übertreibungen können nach einem Spannungsmoment intensiver wirken. Man muss die Spannung ja nicht wie Stephen King aufbauen, aber zumindest etwas Spannung wäre gut.

Aber klar, vieles davon ist natürlich Geschmackssache und ich gebe hier meinen Geschmack wieder.
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Kigosh
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 15
Wohnort: Schweiz


BeitragVerfasst am: 06.06.2019 17:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:


Hallo,

zum Formalen: Es ist korrekt, deine ersten beiden Textbeispiele im Einstand zu posten. Das sollten dann aber nicht Kapitel 1 und 2 desselben Buches sein, sondern zwei verschiedene Texte.

Du solltest an die Moderation schreiben, damit die die Schriftgröße verkleinern.

Zum Text: Für einen Anfänger liest sich das recht flott; du wirst nie alle Leser zufrieden stellen können, und ich persönlich denke, dass die ironischen Übertreibungen durchaus zu dem direkt am Anfang etablierten Stil eines "Lebensrückblicks" passen.

Was du dir allerdings abgewöhnen solltest, ist die Verwendung von Ziffern im Text. Schreibe "Neun-Millimeter-Pistole", aber nur wenn das spezifische Kaliber wichtig ist; wenn nicht: weglassen. Schreibe "Eineinhalb-Zimmer-Wohnung", aber nur, wenn es für die Geschichte relevant ist.

Ansonsten solltest du dir mal den Duden-Korrektor oder ein Schreibprogramm herunterladen und schauen, was die so zu deiner Grammatik sagen; da liegt noch einiges im Argen. Insbesondere das unverbundene Nebeneinanderschreiben von Hauptwörtern (Justin-Bieber-Song, Ozzy-Osbourne-Konzert, usw.) sticht negativ in die Augen.

Grüße
Rainer


Formales:

ah okay, war nur gerade verwirrt, weil einige Kommentatoren von Verlagen und Veröffentlichungen geschrieben haben, was ich natürlich nicht beabsichtige mit diesem Text. Ich habe nicht einmal einen Plot ausgearbeitet, da es für mich nur eine Schreibübung¨ist. Aber den Hinweis mit den Admins nehme ich mir zu Herzen und schreibe gleich jemanden an.

Ziffern: Check, ist notiert und abgewöhnt smile

Orthographie: Da rede ich nicht lange um den heissen Brei, ist reine Schlamperei...der Text ist an einem Abend entstanden und ich wollte ihn unbedingt vor dem Schlafen posten, weil ich sonst eine Woche hätte warten müssen. Das nächste Mal nehme ich mir mehr Zeit für einen sauberen Text. Sorry für all diejenigen, die sich daran gestört haben. Umso mehr bin ich für euer Feedback dankbar.

Daniel de Iguazu hat Folgendes geschrieben:

Trotzdem bin ich der Meinung, dass du dem Text dadurch die Spannung genommen hast. Vielleicht legt es am Timing und an der Dosierung. Wenn du die Höhle beschreibst, kommt irgendwie zu viel darin vor, so dass ich mich nicht auf die Atmosphäre und die Bedrohlichkeit der Situation einlassen konnte.


Ich sehe schon was Du meinst. Nachdem ich den Text eben erneut gelesen habe, scheint mir auch, dass ich mit dem "setting the scene" übers Ziel hinausgeschossen bin.

Zu den Übertreibungen: Die "Stimme" in meinem Kopf stammte von Neil Gaiman, der einen wunderbar humorvollen Schreibstil hat. Da ich eben nie Texte mit Humor, Satiren, o.Ä. schreibe, wollte ich experimentieren.
Dass einige "gags", wie derjenige mit der Fledermaus, zu viel des Guten sind, habe ich schon vermutet, aber leider ist mir nichts besseres eingefallen und mir fehlt noch das Fingerspitzengefühl, um zu wissen was funktioniert und was nicht. Wie weit kann ich gehen, um die Leserschaft nicht zu verlieren? Gerade darum ist das Feedback von euch so toll, weil es mir einen Realitäts-check gibt, den ich sonst nirgends bekommen würde smile  

Liebe Grüsse

Kigosh


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Bananenfischin
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Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 06.06.2019 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

Schriftgröße auf Bitte des Autors verkleinert. smile

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Care
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BeitragVerfasst am: 06.06.2019 17:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Kigosh,

ich finde es toll, dass du die Kritik so positiv aufnimmst. Ich kann das Geschriebene nur voll und ganz unterstreichen. Du kannst durch die Rückmeldungen viel lernen und dich als Autor weiterbringen. Dass du diese Chance nutzen willst und dich nicht beleidigt zurückziehst, erfordert Größe und eine positive Selbsteinschätzung!

Ich bin überzeugt, dass dein nächster Text schon bedeutend besser sein wird. Versuche, nicht zu viel hineinzupacken. Und beginne vielleicht mit einer Kurzgeschichte, wo du die Kritik einfließen lassen und am Text arbeiten kannst.

Alles Gute weiterhin und vor allem viel Spaß beim Schreiben!
Care
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 06.06.2019 18:36    Titel: Antworten mit Zitat

Es stimmt schon, dass relativ oft in deinem Text mit "Andeutungen" gespielt wird, die einen schmunzeln lassen könnten.

Logischerweise ist es schwierig, die richtige Dosis zu finden - insbesondere bezüglich des Genres, in dem du veröffentlichen willst. Bei Marc-Uwe Klings Känguru-Chroniken kannst du nicht genug in diese Richtung machen, bei Ken Follett ist es eher seltener sinnig.

Ich finde den Stil originell, weiß nur noch nicht, wohin es bei dir gehen soll. Daher kann ich schlecht einschätzen, ob es dem Text gut tut oder nicht. Derzeit tendiere ich zu "too much", aber vielleicht ist es auch gut so, dass du einen eigenen Schreibstil hast.

Gibt ja auch genügend Schriftsteller*innen (kenne da zufällig jemanden persönlich), die es eher ernster angehen lassen.
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Kigosh
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 31
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Wohnort: Schweiz


BeitragVerfasst am: 06.06.2019 20:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kapitel 1

Als Peter Jahre später seine letzten Atemzüge in dieser Welt tätigte und sich mit Bedauern an den Moment seines Erwachens erinnerte, fiel ihm auf, dass er verdächtig unspektakulär war. Kein grelles Licht, keine mysteriöse Stimme und keine dramatische Musik begleiteten unterstrichen die Bedeutung dieses Augenblicks. Nein, er wachte an diesem ominösen Tag auf, wie an jedem anderen auch. Indem er seine müden Augen langsam öffnete und mit sich selbst rang, ob er sich heute krankmelden sollte. Ein Kundensupport Angestellter hat noch nie die Welt gerettet und er hatte keine Ambitionen der Erste zu werden. Jedoch waren heute zwei Dinge anders. Sein Wecker klingelte nicht und die Matratze war härter als sonst. Um genau zu sein, war sie steinhart und unbequem.

Das Adrenalin in seinem Blut stieg rapide an. «Ich bin zu spät», schrie er in Gedanken. Jetzt, wo er hellwach war, fielen ihm weitere Unregelmässigkeiten auf. Seine Matratze war steinhart, weil er auf einer schweren Steinplatte lag und sein Wecker klingelte nicht, weil es keinen Wecker gab. Wo er war, wusste er nicht, aber mit Sicherheit war das nicht seine heruntergekommene kleine Wohnung in Bern. Er kam zu dieser Ansicht, weil er sich tatsächlich in einer Höhle befand. Die Tropfsteine, die wie bizarre Schwerter bedrohlich über ihm hingen, waren ein deutlicher Hinweis.

Eine geradezu verschwenderische Anzahl von Kerzen brannten halbkreisförmig um ihn herum. Peter erachtete sich nicht als einen überaus intelligenten Mann, auch wenn er im fünften Semester Literatur studierte, aber selbst er wusste, dass es keine gute Idee war, Hunderte Kerzen in einer Höhle anzuzünden. Mehr Gründe, um aufzustehen, brauchte er nicht. Als ob all das nicht schlimm genug wäre, realisierte er, dass er splitterfasernackt war. Von seinen Kleidern fehlte jegliche Spur. Waren in meiner Cola Drogen, fragte er sich. Er rauchte zwar ab und zu einen Joint, aber von härterem Zeug liess er die Finger. Er strengte seine grauen Zellen an, aber erinnerte sich nur, wie er auf seinem Fahrrad die Länggasse entlang radelte und versuchte diesen schrecklichen Justin-Bieber-Song auf seinem Spotify-Radio wegzubekommen. Wie zur Hölle bin ich hier gelandet, fragte er sich verwirrt. Gleichzeitig schossen ihm etliche andere Fragen durch den Kopf. Zum Beispiel warum er rote Fussabdrücke auf dem Höhlenboden hinterliess. Wieso hatte jemand seltsame Symbole auf dem Boden gemalt? War er in die Fänge eines satanistischen Kults geraten? Seine Ex-Freundin bezeichnete sich zwar als Meisterin der okkulten Künste, allerdings teilte er ihre Faszination nie wirklich – darum das ˈExˈ vor ˈFreundinˈ.

Aber eines nach dem anderen. Raus hier. Vielleicht hatte er seine Kleider draussen gelassen. Glücklicherweise befand sich direkt vor ihm eine steinerne Treppe, die hoffentlich zum Ausgang führte. Peter war dermassen überfordert mit seiner Situation, dass er sich gar nicht fragte, wieso eine Treppe in eine Tropfsteinhöhle führte.

Als er den Fuss auf eine kalte Stufe setzte, rangen rätselhafte Schriftzeichen um seine Aufmerksamkeit. Er bestaunte den Text auf der glatten Oberfläche der Höhlenwand, die knapp grösser war als er selbst. Was da auch immer geschrieben stand, war bestimmt von immenser Bedeutung und schwerer Tragweite. Dummerweise konnte Peter nichts davon lesen. Allerdings kam ihm die Schrift vertraut vor, als ob er sie schon einmal gesehen hätte. Als guter Literaturstudent würde er normalerweise stundenlang die Wand anstarren und viel Gravitas in seinen Blick legen, doch diesen Morgen hatte er andere Prioritäten.

Und hier lag die nächste Überraschung, denn anstelle eines lauwarmen Sommermorgens, begrüsste ihn draussen eine eiskalte, pechschwarze Nacht. Er konnte kaum die Hand vor seinen Augen sehen, geschweige denn erkennen, wo er war. Als niemand seinen irritierten Hilfeschrei quittierte, entschloss sich Peter das zu tun, was er sonst nur in besonders schweren Fällen von nächtlicher Trunkenheit tat – was besorgniserregend häufig vorkam. Er lief nackt in eine zufällige Richtung und hoffte irgendwie nach Hause zu finden. Wenn es früher geklappt hat, warum jetzt nicht? Zumal er gar nicht betrunken war – wobei er diesbezüglich noch nicht alle Zweifel ausgeräumt hatte. Seine Füsse ertasteten trockenes Gras auf einem leicht gefrorenen Boden. Als ob jemand sein Leben noch miserabler gestalten wollte, spürte er zaghafte Regentropfen auf seinem Nacken. Eine eiskalte Brise liess sein Alter Ego schrumpfen und er wollte reflexartig sich vergewissern, dass wenigstens da unten noch alles in Ordnung war, allerdings hatte er schon seit Jahren keine freie Sicht auf da unten. Das viele Sitzen, exzessiver Süssigkeiten-Konsum, Alkohol, Netflix und Videospiele haben seinen noch jungen, 25-jährigen Körper gezeichnet. Selten wurde ihm dies so bewusst wie jetzt, wo er doch nackt und orientierungslos auf einer – mutmasslichen – Wiese lief und bereits ausser Atem war. Ob er doch noch vom Fitness Abo gebrauch machen sollte, welches ihm seine Oma letzte Weihnachten geschenkt hatte?

Der Regen prasselte auf ihn herunter und Peter beschleunigte seinen Tritt, womit er sein Atemproblem nicht gerade löste. Er war zu weit weg von der Höhle, um zurückzukehren, musste aber schleunigst Unterschlupf finden, wenn er sich nicht die Erkältung seines Lebens holen wollte. Dieser Alkohol wird mich eines Tages noch umbringen, dachte er leicht frustriert und schwor sich, ab Morgen seinen Lebensstil fundamental zu ändern. Gerade als seine Lunge kollabieren wollte und die Beine drohten den Dienst zu quittieren, erreichte er einen Baum, der den Beginn eines Waldes ankündigte. Der Regenschutz nützte dem inzwischen durchnässten Peter auch nichts mehr und als ob sein Körper ihm recht geben wollte, nieste er so laut, dass er sämtliche Bewohner in einem Kilometerradius geweckt haben dürfte. Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, freute sich aber über die allmählich einsetzende Morgendämmerung. Weil der Regen aber nicht nachgeben wollte, entschied Peter durch den Wald zu laufen, der ihm etwas Schutz bieten dürfte.
Nach einer Weile liess ihn ein nervöses Rascheln zusammenzucken. Hat sich da etwas im Busch bewegt? Wahrscheinlich eine verirrte Katze, hoffte er unsicher. Doch die Wahrheit war viel schlimmer, als er sich vorstellen konnte und liess Peter an seinem Verstand zweifeln. Die roten Glupschaugen eines waschbärartigen Wesens starrten ihn gierig an. Das olivgrüne Fell und die markanten, stickmusterartigen schwarzen Linien wollten zu keinem Tier passen, das er kannte. Wobei das so nicht ganz stimmte. Er hatte dieses Wesen schon einmal gesehen, «aber das kann gar nicht sein! Das ist unmöglich». Peter löste sich aus seiner Schockstarre erst, als der kleine Lepras ihn ansprang und seine Krallen in Peters Oberschenkel bohrte. Reflexartig packte er das Wesen am Nacken und schleuderte es zu Boden, doch der kleine Kerl war härter, als er aussah. Eine Waffe! Ich brauche eine Waffe, dachte Peter und sah sich um, während das Vieh, angespornt von Peters Widerstand, zum nächsten Angriff ansetzte. Es wäre auch überaus praktisch gewesen, wenn eine Faustfeuerwaffe einfach so im Wald rumlag, am Ort und Zeitpunkt Peters grösster Not. Leider musste er mit einem einfachen, aber harten Holzkloben vorliebnehmen, der nicht weniger praktisch neben ihm in einem Bett aus Laubblättern lag. Das lästige Biest hatte jetzt nebst seinen Krallen auch die messerscharfen Zähne zu Hilfe genommen. Anscheinend standen Peters Brustwarzen ganz oben auf dem Speiseplan. Der gequälte Peter wollte aber nicht als Mahlzeit eines Viehs enden, das kaum grösser war als ein Chihuahua und wahrscheinlich dreissig Mal leichter war als er. Er holte mit dem Holzkloben aus und zog dem Lepras eins über die Rübe. Benommen ging es Boden, riss aber ein Stück von Peters Nippel mit sich. Sein Schrei klang so gar nicht verzückt und prompt drohte ihm weiteres Ungemach. Ein Übel kommt selten allein, hat mal jemand gesagt und der kleine Mistkerl hatte Freunde. Drei weitere Lepras griffen den Geplagten an, der sich wild fuchtelnd zu wehren versuchte. Er konnte zwei Angreifer eher durch Zufall mit dem Kloben ausschalten und der letzte Übeltäter machte Bekanntschaft mit seinem Fuss und den gut neunzig Kilo Fressgewicht, das Peter auf die Waage brachte. Als alle Feinde besiegt waren, fiel er keuchend zu Boden und konnte nicht glauben, was sich gerade zugetragen hatte. Er blutete an mehreren Stellen und ihm war schwindlig. Peter wollte einfach nach hause, in sein warmes, kuschliges Bett und sich in einen traumlosen Schlaf weinen.
Peters Tag war bereits ruiniert, doch eine höhere Macht schien einen grotesken Humor zu haben. Peter spürte, dass etwas mit seinen Augen nicht stimmte. Er sah seltsame Dinge vor ihm. Zahlen haben sich in seine Netzhaut eingebrannt. Sie veränderten sich von kleinen zu höheren Werten und am Ende stand da eine Zwei. Um genau zu sein, stand da ein «Level zwei». Eine plötzliche Übelkeit überkam ihn und er musste erbrechen.
Es machte endlich «Klick» und Peter erinnerte sich, wo er die seltsamen Symbole und den teuflischen Waschbären gesehen hatte: im Einsteigerareal des online Spiels ˈWord of Worldsˈ, das er seit sechs Jahren – zugegebenermassen vielleicht ein bisschen zu viel – spielte. «Bin ich am träumen oder sind bei mir endgültig alle Sicherungen durchgebrannt», fragte ein nasser, nackter und blutender Peter.



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Eigentlich wollte ich den Text nicht unbedingt überarbeiten, aber da sich viele die Mühe gemacht haben detailliertes Feedback zu geben, wollte ich es auch in den Text einfliessen lassen. Hab in der zweiten Version den Humor etwas gezügelt aber nicht auf ihn verzichtet.
Ebenfalls habe ich überflüssige Formulierungen und Beschreibungen entfernt.
Andere Beschreibungen, die vielleicht überflüssig erscheinen, sind hingegen wichtig, da sie entweder Vorahnungen sind oder den Kontrast zwischen "realer Welt" und "Spielwelt" verdeutlichen sollten. Dies würde gegebenenfalls im Verlauf der Geschichte ausgearbeitet, allerdings weiss ich noch nicht, ob ich sie fortsetzen werde. Je nachdem, in welche Richtung meine nächste Schreibübung gehen soll.  

Ich hoffe die zweite Version liest sich etwas flüssiger als die erste.

Care hat Folgendes geschrieben:
Dass du diese Chance nutzen willst und dich nicht beleidigt zurückziehst


Ich sehe nicht den Sinn dahinter mich gegen Kritik aufzulehnen. Ich frage ja danach ^^
Kritik mit der ich nicht einverstanden bin - ob jetzt aus berechtigten Gründen oder nicht - kann ich ja ignorieren. Den Rest nenne ich einfach "Lernprozess" ^^
Ausserdem habe ich enormen Respekt davon, wenn jemand 30 Minuten (oder mehr) seiner kostbaren Zeit nimmt, um den Text eines Fremden zu lesen und zu kommentieren...
Das mit der Selbsteinschätzung stimmt schon, mir ist schmerzlich bewusst, dass ich kein Meister der Worte bin, aber wer nicht einfach tut und auf die Nase fällt, kann auch nicht besser werden. Die Wenigsten gehören zu den 1%, die tatsächlich "von Natur aus" ein Talent für das Schreiben haben...

Kiara hat Folgendes geschrieben:
DIch finde den Stil originell


Das ist ein ganz liebes Kompliment und hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert! Aber wahrscheinlich verdiene ich es nicht. Tatsächlich versuche ich noch meine "innere Stimme" zu finden und deshalb experimentiere ich Zurzeit mit Stilen und Sujets. Mein eigentliches Projekt, an dem ich intensiver arbeite, ist eher konventionell und ernst gehalten.


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