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Ein Konzert für die Ewigkeit (Teil 1)


 

 
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LeonieWearsBlack
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 19
Beiträge: 16



BeitragVerfasst am: 19.03.2019 14:07    Titel: Ein Konzert für die Ewigkeit (Teil 1) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin Leute. Ich habe schon viel zu lange nicht mehr in diesem Forum geposted Embarassed zwei Jobs und Vorbereitungen auf Studium und Wohnungssuche kamen dazwischen. Aber nun gut. Ich brauche wieder ehrliche Kritik um meinen Schreibstil endlich voranzutreiben. Die Short-Story, zu der ich heute Feedback erbitte spielt nach der Haupthandlung meines ersten Romans. In dem Roman geht es hauptsächlich um die Story wie Ruby und Jay sich kennenlernten und heirateten, und um das Band-Leben von Jays Band Weekend Chill. Jahre später hat die Band sich getrennt und Jay ist mit einem anderen Künstler, DJ Ashby, unterwegs. Vor einigen Monaten gab es einen Angriff auf ihr letztes Konzert und nun feiern sie ihr "Comeback". Die Story hat insgesamt knapp 5.000 Wörter und ich weiß nicht genau, in wie viele Teile ich das Ganze aufsplitte. Mal sehen.
-----

Die Sonne brannte unermüdlich auf den großen Open-Air-Konzert-Platz, auf dem heute Abend ein Jahrhundertkonzert stattfinden sollte. Insgesamt 30 000 Tickets waren an Fans gegeben worden. Das Security-Aufgebot war ebenfalls angepasst worden an dieses Mega-Event. Immerhin 1000 Sicherheitsbeamte waren eingesetzt worden, allein 100 an den diversen Eingängen. Wer rein wollte musste sein ausgedrucktes Ticket mitbringen, seinen Ausweis und durfte darüber hinaus nur eine Bauchtasche ohne Flüssigkeiten oder spitzen Gegenständen mitbringen. Selbst an Ein- und Ausgängen zu dem Gelände, die ohnehin abgesperrt waren, waren Sicherheitsleute positioniert worden. Und Krankenwagen und Polizei-Streifen, die vor dem Haupteingang standen rundeten das Bild zusätzlich ab. Auch die Presse hatte sich inzwischen an diesem Ort eingefunden.

Sobald man als Fan den Platz betrat bekam man sofort eine Flasche Wasser und einen kostenlosen Sonnenschutz in die Hand gedrückt. Das war auch notwendig, denn bei diesen Temperaturen war schon jetzt der eine oder andere hysterische Fan umgekippt. Auch auf der riesigen Grasfläche selbst gab es natürlich Sicherheitspersonal, zusätzlich die Lautsprecherdurchsagen: "Sollten Sie eine Person sehen, der es offensichtlich nicht gut geht, wenden Sie sich bitte umgehend an das Sicherheitspersonal. Aufgrund der hohen Temperaturen ist besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten." Doch das Herzstück des Ganzen bildete die 30 Meter lange Bühne, auf der im Moment noch das Technik-Personal herumwuselte. Riesige Boxen-Türme standen an beiden Seiten, dazu wurde im Hintergrund bereits die legendäre Bühnen-Show aufgebaut, die zu dem Künstler-Paar gehörte, die hier heute Abend auftreten würden.

Die Musiker selbst befanden sich im Moment noch hinter der Bühne. Dort, wo Ruby Jay gerade tief in die Augen sah. Seine Hände waren schwitzig, aber dass er nervös war hätte man allein schon daran gemerkt, dass er bestimmt eine ganze Schachtel Zigaretten geraucht hatte, seit er und sein Auftritts-Partner DJ Ashby vor zwei Stunden an der Location angekommen waren. Auch jetzt ließ er langsam Rubys Hände los und griff automatisch hinter sich in die Jackentasche, wo die zweite Schachtel auf ihn wartete. "Du wirst das sicher richtig gut machen", sagte sie gefühlt zum hundertsten Mal heute. Den ganzen Tag hatte sie ihren Ehemann keine Sekunde aus den Augen gelassen. Sie wusste, dass das alles hier eine riesige Belastung für ihn sein musste. Und auch wenn er es sich nicht gerne anmerken ließ wusste sie, dass er immer aufgeregter wurde, je näher der Auftritt rückte. Jay nickte und zündete die nächste Zigarette an. In dieser Sekunde kam Alabama, die Managerin der beiden Hauptacts, in den Umkleideraum. "Nicht, dass du uns noch an einer Nikotin-Überdosis wegstirbst", sagte sie scherzhaft, mit gespielt ernster Stimme. Ruby lächelte. "Die Crew macht gleich noch einen abschließenden Soundcheck", verkündete sie dann und sah schnell noch mal auf ihr Handy. "Wie?", fragte Jay und ließ den Rauch aus seiner Lunge. "Ich dachte das sollen Ashby und ich machen." Alabama zog die Augenbrauen hoch und sagte dann: "Das können wir nicht machen. Es sind schon zu viele Fans auf der Fläche. Wir müssen uns schon jetzt bemühen sie zurückzuhalten und werden wahrscheinlich vor dem Konzert noch einige Barrieren mehr aufbauen." Jay nickte in Gedanken und nahm noch einmal einen tiefen Zug der Zigarette. Alabama bekam einen Anruf und verließ hastig das Zimmer. Ruby beschlich das Gefühl, das Jay jetzt nur noch nervöser und blasser aussah. "Das wird bestimmt trotzdem super, auch wenn du dir die Bühne nicht vorher ansehen konntest." Jay nickte wenig begeistert und setzte sich auf die Couch, die hinter ihm stand. Ruby wollte sich gerade neben ihn setzen, da kam Ashby rein.

"MTV überträgt unser Konzert weltweit live, wusstet ihr das?", er deutete auf einen Artikel auf seinem Handy, der genau das sagte. Jays Miene wurde zu einem etwas gequälten Lächeln. Er wollte Ashby nicht zeigen wie sehr er verunsichert war. Er hatte schon dutzende, ach was, hunderte Konzerte gespielt. Eines größer als das andere. Es war sogar gut möglich, dass er bereits Konzerte mit seiner ehemaligen Band Weekend Chill auf Festivals gespielt hatte, deren Zuschauerzahl noch höher gewesen war als die heute Abend. Eigentlich hätte Ashby derjenige sein müssen, der aufgeregt war. Schließlich spielte er erst seit zwei Jahren auf großen Bühnen. Aber Ashby war nicht derjenige gewesen, der nach dem Amoklauf bei dem letzten Konzert der beiden angeschossen und fast gestorben wäre. Die letzten Monate hatte Jay nichts anderes getan, als auf genau diesen heutigen Tag hinzuarbeiten. Verdammt, es war sogar seine Idee gewesen dieses kostenlose Konzert für die Fans zu geben. Damals, ein paar Tage nachdem er im Krankenhaus aufgewacht war. Seitdem hatte er all seine freie Zeit dem Gesund-werden gewidmet, hatte Sport gemacht, all die Übungen mit den Therapeuten durchgeführt und hatte vor zwei Monaten wieder begonnen mit Ashby das Set für heute Abend zu üben. Sie waren mehr als vorbereitet. Aber das war nicht das wovor Jay sich in diesen Momenten fürchtete. Er konnte so viel üben, soweit gesund werden wie er wollte. Wenn diese Panik, dieser Druck und dieser Schmerz wieder in seiner Brust aufglommen, konnte er nichts gegen das Gefühl der Angst machen. Seit dem Schuss in seine Lunge war sein Körper und dessen Gesundheit ein wankelmütiges Etwas gewesen. Es konnte sein, dass er es auf dem Laufband ohne Probleme schaffte fünf Kilometer zu laufen und in dem Moment, in dem er auch nur das kleinste Ziehen in seiner Brust spürte, war es als würde sein Körper einfach aufgeben. Als wäre er wieder zurück in seinem Krankenbett, nach Luft röchelnd, hustend. Diese Art "Anfälle" hatten wenig mit seiner tatsächlichen körperlichen Verfassung zu tun. Sein Therapeut hatte ihm erklärt, es war eher ein psychisches Phänomen. Wie ein Schalter, der umgelegt wurde und den Körper an die Notsituation erinnerte, in der er einst gewesen war. Dass dieses "Phänomen" psychischer Natur war machte es für Jay aber nicht einfacher es zu ignorieren. Im Gegenteil. Was, wenn ihm heute Abend auf der Bühne wieder mit einem Mal die Luft wegbleiben würde?

Jay war so tief in seine Gedanken gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass sich Ashby inzwischen neben ihm auf die Couch gesetzt hatte und auch Ruby gebannt auf den eingeschalteten Fernseher im Raum starrte. Vor einigen Wochen hatte Jay ein Interview für MTV gegeben. Eines, das erst heute am Tag des ersten Konzertes nach dem Angriff ausgestrahlt werden sollte. Schon in der Sekunde in der Ruby ihren Mann dort sitzen saß, an ihrem Tisch, in ihrem wunderschönen Zuhause, musste sie lächeln. Sie war froh, dass sie ihm doch noch das burgunder-farbene T-Shirt aufgequatscht hatte. Das brachte seinen Teint einfach besser zur Geltung. „Und, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dir?“, begann der Interviewer. An dem Tag, als dieses Interview aufgenommen worden war, hatte Ruby seit einer Woche gewusst, dass sie schwanger war. Und es Jay nur drei Tage zuvor zum persönlichen Geburtstagsgeschenk gemacht ihm genau das mitzuteilen. Auch jetzt kam sie nicht umhin an ihren gewölbten Bauch zu fassen und darüber nachzudenken, was bald sein würde. Eigentlich hatte Jay ihr für heute verboten das Konzert zu fotografieren. So wie es eigentlich ihre Aufgabe wäre, als Tour-Fotografin für Jay und Ashby. Sie sollte sich nicht übernehmen in der Hitze. Aber der Versuchung nicht wenigstens ein Bild ihres Mannes auf der Bühne zu schießen, nach all den Strapazen der letzten Monate, der konnte sie sich nicht entziehen. Jay beantwortete die Fragen des Reporters nach seinem Krankenhausaufenthalt und den darauffolgenden Monaten der Erholung und der Therapien sehr bedacht und genau. Und obwohl Ruby auch am Tag des Interviews in der Küche gestanden und jedes Wort mitgehört hatte, bekam sie auch jetzt wieder ein mulmiges Gefühl. Aus dem Reflex heraus ergriff sie Jays Hand und setzte sich schließlich neben ihm auf die Couch. Es war eine so merkwürdige und vor allem angsteinflößende Zeit gewesen. Ganze fünf Tage hatte Jay regungslos im Krankenhaus gelegen, bis er endlich außer Lebensgefahr war. Für sie waren diese Tage und der ganzen Schrecken in einem endlosen Gewirr verwoben. Dabei hatte sie im Endeffekt „nur“ daneben gesessen, während Jay die ganzen Schmerzen und all die Rückschläge selbst hatte erfahren müssen. Und davon hatte es reichlich gegeben. So sehr man sich auch einredete, dass alles wieder gut werden würde und dass man nur noch ein bisschen länger aushalten musste, es war ein Kraftakt gewesen, ihren Mann immer so leiden zu sehen. Damals als er das erste Mal nach dem Schuss aufgewacht war und sich vor Schmerzen gekrümmt hatte genauso wie vor einigen Wochen, als er nach einer regulären Therapie-Übung keine Luft mehr bekommen hatte und sich übergeben musste. Wenn sie ihn ansah wusste sie, dass sie keine Sekunde ihres Lebens ohne ihn sein wollte. Das hatte sie auch schon vor dem Angriff gewusst, aber nun war dieses Gefühl umso stärker da und mit ihm schwang immer auch die Sorge um ihn und seinen Gesundheitszustand.

Das Interview mit MTV wurde beendet mit Jay der sagte: „Wir wollen unseren Fans und allen da draußen zeigen, dass das Leben lebenswert ist, egal, was es einem vor die Füße wirft. Wir sind hier und wir werden auch nicht weichen.“ Jay hatte während des ganzen Interviews gebannt auf den Fernseher gestarrt und drehte sich nun zu seiner Frau, um sie zu küssen. Er wusste, für sie würde er immer kämpfen. Egal, wie aussichtslos der Kampf auch schien. Auch für ihn war es gerade nicht einfach gewesen, dieses Interview wieder zu sehen. Damals hatte er zwar gesagt, es ginge ihm wieder sehr gut und die Wunde würde ihm nur noch selten Probleme bereiten, doch in Wirklichkeit hatte er immer noch täglich Schmerzmittel genommen. Vorzugsweise war auch das eher eine psychosomatische Sache gewesen, aus Angst den Schmerzen wieder direkt ausgesetzt zu sein. Wie lernt man seinem Körper wieder zu vertrauen, wenn er einen buchstäblich im nächsten Moment wieder auf die Knie zwingen könnte? Jay hatte es gehasst sich im Krankenhaus immer so müde und durcheinander zu fühlen wegen der Medikamente. Seine ganze Welt schien wie verschwommen, als könnte er keinen klaren Gedanken fassen. Aber das Gefühl zu haben, er ersticke, aufgrund des brennenden Schmerzes in seiner Brust, war ebenfalls schrecklich gewesen. Es war ein ständiges Hin und Her. Ein Aufstehen und Hinfallen. Und das wieder und wieder. Klar hatte er es mit Hilfe der Therapien irgendwann geschafft den Alltag auch ohne Schmerzmittel zu meistern, aber er wusste, dass Ruby noch immer Schmerz- und Beruhigungstabletten in ihrer Tasche mitführte. Nur für den Fall. Er hätte nicht dankbarer für ihre Unterstützung sein können. Gleichzeitig wusste er auch, dass die Tage, Wochen und Monate nach seiner Verletzung auch für sie eine starke Belastung gewesen waren. Allein rein psychisch. Und jetzt, da sie ihr erstes gemeinsames Kind erwartete, bekam er nur mehr das Gefühl, ihr nie all das zurückgeben zu können, was sie ihm gegeben hatte. Er nahm sie nun in den Arm und hielt sie dort für eine Weile.

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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 19.03.2019 18:17    Titel: Re: Ein Konzert für die Ewigkeit (Teil 1) Antworten mit Zitat

LeonieWearsBlack hat Folgendes geschrieben:
Moin Leute. Ich habe schon viel zu lange nicht mehr in diesem Forum geposted Embarassed zwei Jobs und Vorbereitungen auf Studium und Wohnungssuche kamen dazwischen. Aber nun gut. Ich brauche wieder ehrliche Kritik um meinen Schreibstil endlich voranzutreiben. Die Short-Story, zu der ich heute Feedback erbitte spielt nach der Haupthandlung meines ersten Romans. In dem Roman geht es hauptsächlich um die Story wie Ruby und Jay sich kennenlernten und heirateten, und um das Band-Leben von Jays Band Weekend Chill. Jahre später hat die Band sich getrennt und Jay ist mit einem anderen Künstler, DJ Ashby, unterwegs. Vor einigen Monaten gab es einen Angriff auf ihr letztes Konzert und nun feiern sie ihr "Comeback". Die Story hat insgesamt knapp 5.000 Wörter und ich weiß nicht genau, in wie viele Teile ich das Ganze aufsplitte. Mal sehen.
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Die Sonne brannte unermüdlich auf den großen Open-Air-Konzert-Platz, auf dem heute Abend ein Jahrhundertkonzert stattfinden sollte. Insgesamt 30 000 Tickets waren an Fans gegeben worden. Das Security-Aufgebot war ebenfalls angepasst worden an dieses Mega-Event. Klingt ungelenk für mich
Immerhin 1000 Sicherheitsbeamte waren eingesetzt worden, allein 100 an den diversen Eingängen. Wer rein wollte musste sein ausgedrucktes Ticket mitbringen, seinen Ausweis und durfte darüber hinaus nur eine Bauchtasche ohne Flüssigkeiten oder spitzen Gegenständen mitbringen. Selbst an Ein- und Ausgängen zu dem Gelände, die ohnehin abgesperrt waren, waren Sicherheitsleute positioniert worden. Und Krankenwagen und Polizei-Streifen, die vor dem Haupteingang standen rundeten das Bild zusätzlich ab. Auch die Presse hatte sich inzwischen an diesem Ort eingefunden. Bist Du wirklich der Ansicht, dass Deine Leser Konzertverweigerer sind und von gar nichts Ahnung haben? Diesen ganzen Absatz könnte man auf einen Satz zusammen kürzen, denn die Anzahl der Polizisten usw. sind völlig belanglos

Sobald man als Fan den Platz betrat, bekam man sofort eine Flasche Wasser und einen kostenlosen Sonnenschutz in die Hand gedrückt. Das war auch notwendig, denn bei diesen Temperaturen war schon jetzt der eine oder andere hysterische Fan umgekippt. Auch auf der riesigen Grasfläche selbst gab es natürlich Sicherheitspersonal, zusätzlich die Lautsprecherdurchsagen: "Sollten Sie eine Person sehen, der es offensichtlich nicht gut geht, wenden Sie sich bitte umgehend an das Sicherheitspersonal. Aufgrund der hohen Temperaturen ist besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten." Warum muss der Leser über den Wortlaut der Durchsage informiert werden? Davon ab, ginge auch das alles schlanker
Doch das Herzstück des Ganzen bildete die 30 Meter lange Bühne, auf der im Moment noch das Technik-Personal herumwuselte. Riesige Boxen-Türme standen an beiden Seiten, dazu wurde im Hintergrund bereits die legendäre Bühnen-Show aufgebaut, die zu dem Künstler-Paar gehörte, die hier heute Abend auftreten würden.

Die Musiker selbst befanden sich im Moment noch hinter der Bühne.
Dort, wo Ruby Jay gerade tief in die Augen sah. Seine Hände waren schwitzig, aber dass er nervös war, hätte man allein schon daran gemerkt, dass er bestimmt eine ganze Schachtel Zigaretten geraucht hatte, seit er und sein Auftritts-Partner DJ Ashby vor zwei Stunden an der Location angekommen waren. Auch jetzt ließ er langsam Rubys Hände los und griff automatisch hinter sich in die Jackentasche, wo die zweite Schachtel auf ihn wartete.
"Du wirst das sicher richtig gut machen", sagte sie gefühlt zum hundertsten Mal heute. Den ganzen Tag hatte sie ihren Ehemann keine Sekunde aus den Augen gelassen. Sie wusste, dass das alles hier eine riesige Belastung für ihn sein musste. Und auch wenn er es sich nicht gerne anmerken ließ wusste sie, dass er immer aufgeregter wurde, je näher der Auftritt rückte. Jay nickte und zündete die nächste Zigarette an.
In dieser Sekunde kam Alabama, die Managerin der beiden Hauptacts, in den Umkleideraum. "Nicht, dass du uns noch an einer Nikotin-Überdosis wegstirbst", sagte sie scherzhaft, mit gespielt ernster Stimme.
Ruby lächelte. "Die Crew macht gleich noch einen abschließenden Soundcheck", verkündete sie dann Ruby oder Alabama? und sah schnell noch mal auf ihr Handy.
"Wie?", fragte Jay und ließ den Rauch aus seiner Lunge. "Ich dachte das sollen Ashby und ich machen."
Alabama zog die Augenbrauen hoch und sagte dann: "Das können wir nicht machen. Es sind schon zu viele Fans auf der Fläche. Wir müssen uns schon jetzt bemühen sie zurückzuhalten und werden wahrscheinlich vor dem Konzert noch einige Barrieren mehr aufbauen." Das stelle ich mir schwierig vor, wenn die Fläche schon mit zu vielen Fans gefüllt ist Jay nickte in Gedanken und nahm noch einmal einen tiefen Zug der Zigarette. Alabama bekam einen Anruf und verließ hastig das Zimmer.
Ruby beschlich das Gefühl, das Jay jetzt nur noch nervöser und blasser aussah. Wieso beschleicht sie ein Gefühl? Sieht sie nun, dass er blasser und nervöser ist oder nicht?
"Das wird bestimmt trotzdem super, auch wenn du dir die Bühne nicht vorher ansehen konntest." Jay nickte wenig begeistert und setzte sich auf die Couch, die hinter ihm stand. Ruby wollte sich gerade neben ihn setzen, da kam Ashby rein.

"MTV überträgt unser Konzert weltweit live, wusstet ihr das?"
Er deutete auf einen Artikel auf seinem Handy, der genau das sagte.
Er sagt es, zeigt es und tatsächlich steht das in dem Artikel ...
Jays Miene wurde zu einem etwas gequälten Lächeln. Er wollte Ashby nicht zeigen, wie sehr er verunsichert war. Er hatte schon dutzende, ach was, hunderte Konzerte gespielt. Eines größer als das andere. Es war sogar gut möglich, dass er bereits Konzerte mit seiner ehemaligen Band Weekend Chill auf Festivals gespielt hatte, deren Zuschauerzahl noch höher gewesen war als die heute Abend. Eigentlich hätte Ashby derjenige sein müssen, der aufgeregt war. Schließlich spielte er erst seit zwei Jahren auf großen Bühnen. Aber Ashby war nicht derjenige gewesen, der nach dem Amoklauf bei dem letzten Konzert der beiden angeschossen und fast gestorben wäre. Die letzten Monate hatte Jay nichts anderes getan, als auf genau diesen heutigen Tag hinzuarbeiten. Verdammt, es war sogar seine Idee gewesen dieses kostenlose Konzert für die Fans zu geben.
Damals, ein paar Tage nachdem er im Krankenhaus aufgewacht war.
Seitdem hatte er all seine freie Zeit dem Gesund-werden gewidmet, hatte Sport gemacht, all die Übungen mit den Therapeuten durchgeführt und hatte vor zwei Monaten wieder begonnen mit Ashby das Set für heute Abend zu üben. Sie waren mehr als vorbereitet. Aber das war nicht das wovor Jay sich in diesen Momenten fürchtete. Er konnte so viel üben, soweit gesund werden wie er wollte. Wenn diese Panik, dieser Druck und dieser Schmerz wieder in seiner Brust aufglommen, konnte er nichts gegen das Gefühl der Angst machen. Seit dem Schuss in seine Lunge war sein Körper und dessen Gesundheit ein wankelmütiges Etwas gewesen. Es konnte sein, dass er es auf dem Laufband ohne Probleme schaffte fünf Kilometer zu laufen und in dem Moment, in dem er auch nur das kleinste Ziehen in seiner Brust spürte, war es als würde sein Körper einfach aufgeben. Als wäre er wieder zurück in seinem Krankenbett, nach Luft röchelnd, hustend. Diese Art "Anfälle" hatten wenig mit seiner tatsächlichen körperlichen Verfassung zu tun. Sein Therapeut hatte ihm erklärt, es war eher ein psychisches Phänomen. Wie ein Schalter, der umgelegt wurde und den Körper an die Notsituation erinnerte, in der er einst gewesen war. Dass dieses "Phänomen" psychischer Natur war machte es für Jay aber nicht einfacher es zu ignorieren. Im Gegenteil. Was, wenn ihm heute Abend auf der Bühne wieder mit einem Mal die Luft wegbleiben würde? Ich erkenne den Versuch, trotzdem packt es mich nicht. Ad hoc hätte ich behauptet, Du kennst keine Panikattacken und schreibst nur nach Hörensagen

Jay war so tief in seine Gedanken gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass sich Ashby inzwischen neben ihm auf die Couch gesetzt hatte und auch Ruby gebannt auf den eingeschalteten Fernseher im Raum starrte.
Vor einigen Wochen hatte Jay ein Interview für MTV gegeben. Eines, das erst heute am Tag des ersten Konzertes nach dem Angriff ausgestrahlt werden sollte.
Schon in der Sekunde in der Ruby ihren Mann dort sitzen saß, an ihrem Tisch, in ihrem wunderschönen Zuhause, musste sie lächeln. Sie war froh, dass sie ihm doch noch das burgunderfarbene T-Shirt aufgequatscht hatte. Das brachte seinen Teint einfach besser zur Geltung. „Und, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dir?“, begann der Interviewer. Ich würde annehmen, dass das ein noch sehr unerfahrener Interviewer war
An dem Tag, als dieses Interview aufgenommen worden war, hatte Ruby seit einer Woche gewusst, dass sie schwanger war. Und es Jay, nur drei Tage zuvor, zum persönlichen Geburtstagsgeschenk gemacht ihm genau das mitzuteilen. Auch jetzt kam sie nicht umhin an ihren gewölbten Bauch zu fassen und darüber nachzudenken, was bald sein würde. Eigentlich hatte Jay ihr für heute verboten das Konzert zu fotografieren. So wie es eigentlich ihre Aufgabe wäre, als Tour-Fotografin für Jay und Ashby. Sie sollte sich nicht übernehmen in der Hitze. Aber der Versuchung nicht wenigstens ein Bild ihres Mannes auf der Bühne zu schießen, nach all den Strapazen der letzten Monate, der konnte sie sich nicht entziehen.
Jay beantwortete die Fragen des Reporters nach seinem Krankenhausaufenthalt und den darauffolgenden Monaten der Erholung und der Therapien sehr bedacht und genau. Und obwohl Ruby auch am Tag des Interviews in der Küche gestanden und jedes Wort mitgehört hatte, bekam sie auch jetzt wieder ein mulmiges Gefühl. Aus dem Reflex heraus ergriff sie Jays Hand und setzte sich schließlich neben ihm auf die Couch. Sorry, die Schwangere musste die ganze Zeit stehen?
Es war eine so merkwürdige und vor allem angsteinflößende Zeit gewesen. Ganze fünf Tage hatte Jay regungslos im Krankenhaus gelegen, bis er endlich außer Lebensgefahr war. Für sie waren diese Tage und der ganzen Schrecken in einem endlosen Gewirr verwoben. Dabei hatte sie im Endeffekt „nur“ daneben gesessen, während Jay die ganzen Schmerzen und all die Rückschläge selbst hatte erfahren müssen. Und davon hatte es reichlich gegeben. So sehr man sich auch einredete, dass alles wieder gut werden würde und dass man nur noch ein bisschen länger aushalten musste, es war ein Kraftakt gewesen, ihren Mann immer so leiden zu sehen. Damals als er das erste Mal nach dem Schuss aufgewacht war und sich vor Schmerzen gekrümmt hatte genauso wie vor einigen Wochen, als er nach einer regulären Therapie-Übung keine Luft mehr bekommen hatte und sich übergeben musste. Wenn sie ihn ansah wusste sie, dass sie keine Sekunde ihres Lebens ohne ihn sein wollte. Das hatte sie auch schon vor dem Angriff gewusst, aber nun war dieses Gefühl umso stärker da und mit ihm schwang immer auch die Sorge um ihn und seinen Gesundheitszustand.

Das Interview mit MTV wurde beendet mit Jay ??? der sagte: „Wir wollen unseren Fans und allen da draußen zeigen, dass das Leben lebenswert ist, egal, was es einem vor die Füße wirft. Wir sind hier und wir werden auch nicht weichen.“
Jay hatte während des ganzen Interviews gebannt auf den Fernseher gestarrt und drehte sich nun zu seiner Frau, um sie zu küssen. Warum küsst er sie nicht einfach?
Er wusste, für sie würde er immer kämpfen. Egal, wie aussichtslos der Kampf auch schien. Auch für ihn war es gerade nicht einfach gewesen, dieses Interview wieder zu sehen. Damals hatte er zwar gesagt, es ginge ihm wieder sehr gut und die Wunde würde ihm nur noch selten Probleme bereiten, doch in Wirklichkeit hatte er immer noch täglich Schmerzmittel genommen. Vorzugsweise war auch das eher eine psychosomatische Sache gewesen, aus Angst den Schmerzen wieder direkt ausgesetzt zu sein. Wie lernt man seinem Körper wieder zu vertrauen, wenn er einen buchstäblich im nächsten Moment wieder auf die Knie zwingen könnte? Jay hatte es gehasst sich im Krankenhaus immer so müde und durcheinander zu fühlen wegen der Medikamente. Seine ganze Welt schien wie verschwommen, als könnte er keinen klaren Gedanken fassen. Aber das Gefühl zu haben, er ersticke, aufgrund des brennenden Schmerzes in seiner Brust, war ebenfalls schrecklich gewesen. Es war ein ständiges Hin und Her. Ein Aufstehen und Hinfallen. Und das wieder und wieder. Klar hatte er es mit Hilfe der Therapien irgendwann geschafft den Alltag auch ohne Schmerzmittel zu meistern, aber er wusste, dass Ruby noch immer Schmerz- und Beruhigungstabletten in ihrer Tasche mitführte. Nur für den Fall. Er hätte nicht dankbarer für ihre Unterstützung sein können. Gleichzeitig wusste er auch, dass die Tage, Wochen und Monate nach seiner Verletzung auch für sie eine starke Belastung gewesen waren. Allein rein psychisch. Das hattest Du in ähnlicher und kurzer Form bereits weiter oben schon erzählt
Und jetzt, da sie ihr erstes gemeinsames Kind erwartete, bekam er nur mehr das Gefühl, ihr nie all das zurückgeben zu können, was sie ihm gegeben hatte. Er nahm sie nun in den Arm und hielt sie dort für eine Weile.


Meine rein subjektive Meinung: Einige Wortdoppelungen, ein paar fehlende Kommas, manche Sätze sind irgendwie holprig geschrieben, Absätze könnte es mehr geben.
Gerade nach dem ersten Drittel gibt es dauernd Perspektivwechsel, die den Text unruhig und gestückelt erscheinen lassen. Dazu kommt, dass Du Dir ein sehr schwieriges Thema gegriffen hast und nur auf der Oberfläche rumruderst. Wir erfahren, dass ein Musiker nach einem Unglück ins Leben zurückfinden will/muss und eine schwangere Frau hat. Ich finde die Idee gut, die Umsetzung ist mir zu lasch smile
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