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Oktoberfest - eine Fantasy-Komödie


 

 
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wunderkerze
Schreiberassi


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BeitragVerfasst am: 02.03.2019 10:15    Titel: Oktoberfest - eine Fantasy-Komödie eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

1
  Der Oktoberhimmel war wolkenverhangen, und es roch nach Regen. Draußen gingen die Straßenlaternen an, auf der anderen Seite des Platzes erhellten Fenster die verschnörkelten Häuserfronten. Unermüdlich und fast geräuschlos rollte der Verkehr über den sechsspurigen Innenstadtring.

  Seebrandt 'Adlerauge' Tätgens, der Korrespondent des 'Hamburger Morgenspiegels' bei der XX. Internationalen Sicherheitskonferenz 3019  in München, saß in seinem Zimmer im vierten Stock des Hotels 'König Ludwig' und starrte auf seinen Laptop. Er war ein untersetzter Mann mit Backenbart und flinken Augen. Mehrmals schüttelte er den Kopf und murmelte: „Das gibt´s doch nicht.“
  Er nahm sein Handy und tippte ein paar Nummern ein. Als sich die Stimme am anderen Ende meldete, sagte er: „Sepp, kannst du mal kurz zu mir herüberkommen? Ich glaub´, da bahnt sich was an.“ Joseph 'Sepp' Hinterseer war sein Freund und Kollege bei der 'Münchener Allgemeinen'.

   Hinterseer tätschelte seinem Freund den Rücken. „Na, was hat dein Adlerauge denn diesmal entdeckt?“, fragte er munter und beugte sich herab. Tätgens roch, dass er nicht mehr ganz nüchtern war.        
   „Nimm dir einen Stuhl und schau dir das mal an.“ Er wies auf das Bild im Laptop. Zu sehen war das Gesicht des russischen Botschafters Labrow in Großaufnahme. „Fällt dir an dem Gesicht was auf?“
   Hinterseer rückte seine Brille zurecht. „Auf den ersten Blick nicht. Sieht aus wie immer: Braune Haare, rosige Haut, im Ausdruck völlig unverbindlich. Das alte Pokerface.“
   „Nimm deine Brille ab und schau genau hin!“
   „Seebi, was soll das? Deshalb holst mich her?“
   „Weißt du, wie alt der Mann ist?“
  „Ich denke so um die vierundsechzig.“
   „Aha! Und da fällt dir nicht auf, dass sein Gesicht völlig faltenfrei ist?“
   „Jetzt wo du es sagst –“
   „In diesem Alter hat jeder Mensch Flecken und Falten im Gesicht. Es müssen ja nicht unbedingt himmelschreiende Sorgenfalten sein. Aber ich habe noch nie einen hochrangigen Politiker in seinem Alter mit einem völlig glatten Gesicht gesehen. Irgendwie leidet doch jeder dieser Burschen unter der Bürde seines Amtes. Zumindest um die Augenpartie herum zeigt sich mit der Zeit ein Kranz feiner Fältchen. Aber dieses Gesicht hier – völlig glatt und rosig wie das Hinterteil von Schweinchen Schlau. Sieht aus, als wäre die Haut künstlich hergestellt.“
   „Vielleicht hat er ja eine Gesichtsmuskellähmung? Dann bleibt das Gesicht auch bis ins Alter faltenfrei. In einer Studentenkneipe in Heidelberg war so eine Bedienung, so um die Vierzig, mit völlig glattem Gesicht. Die verzog nicht eine Miene, was du ihr auch ins Ohr flüstertest. Eines Abends wollten wir die Probe aufs Exempel machen, legten zusammen und gaben ihr hundert Euro Trinkgeld. Sie bedankte sich mit Hofknicks, aber mit völlig unbewegtem Gesicht. Von da an hielten wir sie für gefühlskalt. Bis dann jemand –“   
   „Möglich. Das wäre dann auch die Erklärung dafür, warum Labrow beim Reden keine Miene verzieht. Aber nun schauen wir uns mal das an.“ Tätgens zoomte die Augenpartie Außenministers stark heran. „Jetzt müsste es auch ein Blinder ohne Brille sehen.“
   „Dann bin ich mehr als blind.“
   „Seine Iris!“
   Hinterseer schlug sich überrascht auf die Oberschenkel. „Ja dös ist doch aan Schmarrn!“    
   „Das kannst du wohl sagen! Aan Schmarrn! Wo andere Leute eine schillernde Regenbogenhaut haben, hat er nur zwei graue Scheibchen. Ich wundere mich nur, warum das noch niemand vor mir entdeckt hat.“
   „Na ja, es schaut eben keiner so genau hin wie du.“
   „Ich hab´s durch Zufall entdeckt. Bisher ging ich wie alle anderen davon aus, der Mann habe graue Augen. So, jetzt noch dieses Video hier.“
   Der Filmausschnitt zeigte den Außenminister der Russischen Föderation, wie er zum Rednerpult schritt und seine Rede begann.
   „Von wann sind die Aufnahmen?“
   „Von der letzten Sicherheitskonferenz in Oslo vor zwei Jahren. Achte mal auf seinen Gang.“
   „Ganz normal. Schreitet zügig aufs Rednerpult zu, wie alle diese Burschen. Damit wollen sie –“
   „Eben. Aber der echte Labrow hat einen leichten Gehfehler. Dann: Er blickt nicht nach rechts und links, sondern stur geradeaus. Weißt da, gerade dieser Umstand kam mir verdächtig vor. Alle anderen Politiker blicken ständig hierhin und dorthin, nach oben, nach unten, suchen scheinbar Augenkontakt – die reinsten Wendehälse. Doch dieser Mann wirkt auf mich irgendwie ferngesteuert. Und jetzt, wo er redet, fixiert er einen imaginären Punkt irgendwo im Niemandsland. Zunächst nahm ich an, er schaut ins Publikum, um eine Reaktion auf seinen Vortrag zu erfahren. Aber die Vergrößerung zeigt, sein Blick ist völlig leer.“
   „Also ein Hominoid.  Hmm... Das würde auch erklären, warum er ausgesprochen beratungsresistent ist und immer wieder das Gleiche erzählt.“
   Tätgens schüttelte den Kopf. „In puncto Hominoid bin ich mir nicht sicher. Diese künstlichen Menschen sind ja nichts anderes als perfekte Maschinen in Menschengestalt. Du erkennst sie am Gang. Ihr Gang wirkt hölzern, irgendwie automatenhaft. Außerdem fällt ihnen das Reden schwer. Aber dieser hier –“
   „Wenn er kein Hominoid ist, was ist er dann?“
   „Auf jeden Fall nicht der Echte. Ich vermute, er ist eine Kopie. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht. Es sollen ja schon mehrere Kopien von Politikern aufgetaucht sein. Sogar von Vladimir Puschkin munkelt man, er sei nicht echt. Bisher hielt ich es für ein Gerücht.“
   Plötzlich sprang Sepp auf. „Mensch Seebi!“, rief er begeistert, „das gibt ´ne Riesenstory! Ich sehe schon die Schlagzeile: Russischer Außenminister eine Kopie! Mann! Mit der Geschichte wirst du Chefredakteur! Gratuliere!“   
   „Danke! Aber so weit ist es leider noch nicht. Zunächst muss ich ganz sicher sein, dass der Echte nicht der Falsche ist.“
   „Rede bitte nicht in Rätseln.“
   „Nehmen wir einmal an, diese Kopie war schon immer russischer Außenminister. Wo ist dann das Original? Nehmen wir weiterhin an, wir bringen die Story morgen in der Frühausgabe. Kannst du mir garantieren, dass sich dann zwei Stunden später nicht das Original der Presse stellt? Na siehst du!“
   „Mein Gott, Seebi! Aber dieser da ist nicht das Original, sondern eine Kopie! Du kannst es beweisen! Du hast das Bildmaterial! Seine Augen! Was willst du mehr! Wir haben schon ganz andere Geschichten mit weniger Beweismaterial in die Welt gesetzt. Und immer sind die Auflagen gestiegen! Der Affe will schließlich Futter haben.“
   „Schon, schon... Aber mir schwebt eine viel größere Sache vor. Schon seit einiger Zeit habe ich den Verdacht, dass nicht alles original ist, war sich hier demnächst ans Rednerpult stellen wird. Nimm doch nur mal unsere Verteidigungsministerin. Ich beobachte diese Dame – die ich übrigens sehr schätze – nun schon seit annähernd zwanzig Jahren. Soweit ich mich erinnern kann, hat sich ihre Frisur noch nicht einmal verschoben. Ich denke mal, wenn diese Stadt übermorgen durch ein Erdbeben untergehen sollte und sie mit – ihre ausladende Haarpracht würde diese Katastrophe unbeschadet überstehen. Und älter geworden zu sein scheint sie mir auch nicht. Oder unser neuer Außenminister. Hast du den schon mal lächeln sehen, geschweige denn lachen? Ich jedenfalls nicht. Vor der Kamera ist sein Gesicht völlig emotionslos. Na gut, er zieht ab und zu die eine oder andere Augenbraue hoch. Aber was besagt das schon. Und seine Stimme... klingt in meinen Ohren irgendwie künstlich. Ich kann mir nicht helfen. Auch er wirkt auf mich ferngesteuert. Und er erzählt auch immer dasselbe. Möglicherweise haben wir es mit einem noch unbekannten Politikertyp zu tun. Sie lassen ihre Kopien arbeiten, sitzen zuhause vor dem Fernseher und lachen sich über den Mist, den ihre Kopien draußen verzapfen, kaputt. Ich werd´ mal, wenn der Zirkus hier vorbei ist, entsprechendes Bildmaterial auswerten.“     
   „Kopien... von Menschen... wie soll das gehen?“
   „Weiß ich nicht. Ich bin Journalist und kein Wissenschaftler. Aber dass es geht, sehen wir ja jetzt.“
   „Willst du die Story nun bringen oder nicht?“
   Seebrandt 'Seebi' Tätgen seufzte.
   „Was bleibt mir anderes übrig! Die Konkurrenz schläft nicht. Es gibt noch andere, die genau hinschauen. Und es wäre doch jammerschade, wenn wir jemand zuvor käme. – Was guckst du?“
   Tätgens lachte und klopfte seinem Freund auf die Schulter. „Aber natürlich geb ich dir was ab. Du kannst den amerikanischen Vizepräsidenten haben. Wenn der echt ist, fress ich nen Besen!“

Forts. folgt

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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 11:51    Titel: Fortsetzung pdf-Datei Antworten mit Zitat

2
   Die Nachricht, dass der russische Außenminister eine Kopie sei, sorgte weltweit für Aufsehen. Unterschiedlichste Meinungen wurden laut. Die einen hatten es schon immer gewusst, andere hielten sie für die Ausgeburt eines karrieregeilen Reporterhirns, eine dritte Gruppe lehnte eine solche Möglichkeit aus grundsätzlichen Erwägungen schlichtweg ab. Von einem Menschen könne man keine Kopie herstellen, war die Begründung, denn schließlich sei jeder Mensch einmalig.
   Doch da irrten sie sich.
   Noch ehe eine Protestnote aus Moskau vorlag, ließ Labrow verkünden, er werde sich um neun Uhr desselben Tages von ausgewählten Vertreterinnen der Presse in die Augen schauen lassen. Dann werde man sehen, dass er das Original und keine Kopie sei.
   Erwartungsgemäß fiel der Iristest positiv aus, und kurz darauf titelte die 'Blind-Zeitung':

                                              'Netzhauttest: Labrow doch Russe!'.

   Damit war diesem Boulevard-Blatt ein neuer Weltrekord gelungen. In vier Worten hatte das Blatt gleich zwei Falschmeldungen untergebracht: Erstens handelte es sich nicht um die Netzhaut, sondern um die Regenbogenhaut, und zweitens war Labrow nicht Russe, sondern gebürtiger Georgier. Außerdem interessierte die Leute nicht dessen Nationalität, sondern sie wollten wissen, ob er ein echter Mensch war oder nicht.
   Tätgens nahm das Testergebnis mit Gelassenheit zur Kenntnis. Etwas anderes hatte er auch nicht erwartet. Ein Doppelgänger des Originals, der unversehens aus seinem Versteck auftaucht, seine Augen präsentiert und mit einer dicken Belohnung im Nirgendwo verschwindet. Er schnalzte mit der Zunge. Nicht schlecht, die Leute, dachte er, Hut ab.
   In diesem Moment traf im Kanzleramt in Berlin die Protestnote aus Moskau ein. Man werde den Außenminister der Russischen Föderation unverzüglich von der Konferenz abberufen, hieß es dort in harschen Worten, sollte nicht bis heute Abend, 18 Uhr MEZ, ein halbseitiges Dementi auf der ersten Seite des 'Hamburger Morgenspiegels' erscheinen.
   Die Kanzlerin, wie immer um Ausgleich bemüht, telefonierte an zwei Apparaten gleichzeitig – doch vergeblich. Beide Seiten blieben hart. Moskau bestand auf einem Dementi, Der 'Hamburger Morgenspiegel' drohte damit, das Beweismaterial zu veröffentlichen.
   Nun war guter Rat teuer. Die Münchener Sicherheitskonferenz sollte am Wochenende beginnen, die Zeit drängte.
   Da schlug die nächste Nachricht ein wie eine Bombe.
    Bei DPA meldete sich ein Mann, der angab, der Kapitän der Dienstmaschine Labrows zu sein. Wegen der schlechten Tonqualität war er kaum zu verstehen. Ein Triebwerkschaden, sagte die Stimmer, habe sie zu einer Notlandung in Izmir gezwungen. Mit einer Reparatur sei so schnell nicht zu rechnen, man warte auf ein Ersatzteil aus Russland. Deshalb bitte man darum, die Konferenz ohne den Außenminister der Russischen Föderation zu beginnen.
   Man forschte nach, und es stellte sich heraus, dass Labrows Dienstmaschine nicht in München gelandet war.
   Also gab es nicht nur zwei, sondern anscheinend sogar drei Außenminister der Russischen Föderation, die sich bis auf eine winzige Kleinigkeit ähnelten wie ein Ei dem anderen.
   Wer aber war der richtige? Mit welchem von den dreien konnte man überhaupt verhandeln? Wessen Unterschrift war rechtsverbindlich?   

                                                                      3
   Es war kurz vor Mitternacht. In einem der kleinen Konferenzzimmer des Kanzleramts saßen drei Personen im Gespräch vertieft. Durch das bodentiefe Fenster schimmerte das Lichtermeer der Millionenstadt.
   Gerade fragte der Innenminister, ein großer Mann, Mitte fünfzig, dunkles Haar, gebräunte Haut, tiefe, etwas kratzige Stimme: „Hast du schon Nachricht aus Moskau?“
   „Ich habe vorhin mit dem russischen Präsidenten telefoniert“, sagte die Bundeskanzlerin, Frau Angela Markwardt. „Er weiß angeblich von nichts und wirkte äußerst überrascht. Das Ultimatum nimmt er zurück. Sein Geheimdienst geht der Sache nach.“
   „Glaubst du ihm?“
   „Hier geht es nicht um Glauben, sondern um eine neuartige terroristische Bedrohung.“
   Die Kanzlerin blickte den Chef des Amtes für Cyberabwehr und Netzsicherheit an. „Sagen Sie mal, Herr Meinhardt, kann man Menschen wirklich kopieren? Nach meinem Kenntnisstand ist das Klonen von Menschen doch noch nie gelungen.“ Sie griff nach dem Glas Wasser, das vor ihr auf dem runden Tisch stand, und nahm einen Schluck.
   „Da haben Sie durchaus Recht, Frau Bundeskanzlerin“, sagte Meinhardt mit leiser, ruhiger Stimme. Er war kein Mann lautstarker Reden, denn in seiner Funktion war Verschwiegenheit oberstes Gebot. „Aber um das Klonen geht es hierbei auch nicht. Dieses Verfahren ist bereits überholt. Heute benutzt man die so genannte Computer gestützte Kernspin-Modellierung, kurz CKM.“
   Diese Antwort warf eine Menge Fragen auf.
  „Was ist das und wer ist 'man'?“, fragte Frau Markwardt denn auch sofort.    
   Meinhardt strich sich das Doppelkinn. „Wer dahinter steckt, wissen wir noch nicht. Sowohl die Russen als auch die Chinesen dementieren aufs Entschiedenste. Denkbar ist, das dahinter eine unbekannte feindliche Macht steht, die einen Angriff auf die zivilisierte Welt plant.“
   „Sie meinen von... außerhalb?“
   „Nein. Es sind bisher noch keine unbekannte Flugobjekte gesichtet worden.“
   „Na schön. Und wie funktioniert das nun?“
  „Das Verfahren wurde vor einigen Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern entwickelt. Sie überführten Computer-Tomographische Aufnahmen eines Kaninschens mithilfe eines 3D-Algorithmus in ein dreidimensionales Modell. Dieses virtuelle Abbild des Versuchstieres wurde dann materialisiert.“
   „Klingt einfach“, sagte der Innenminister trocken.
    „Materialisiert... wie muss ich mir das vorstellen?“, fragte die Bundeskanzlerin.
  „Das ist nicht so leicht zu erklären.“
   „Versuchen Sie es trotzdem.“
  Der Amtsleiter fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen. „Die Atomkerner weisen einen Drall auf, den so genannten Kernspin. Er ist für jedes Element charakteristisch, sozusagen sein Fingerabdruck. Wenn ich also das vollständige dreidimensionale Kernspinmodell eines Versuchstieres habe, habe ich auch die genaue Position jedes seiner Atome. Es muss jetzt dafür gesorgt werden, dass jede virtuelle Position mit einem entsprechenden Atom besetzt wird.“
   „Und das geht so einfach?“
   „Was ist schon einfach... es funktioniert jedenfalls... Wir besitzen ein Video, in dem die Materialisierung eines Kaninchens dokumentiert ist. Es ist faszinierend mit anzusehen, wie sich scheinbar aus dem Nichts ein Kaninchen formiert.“
   „Und das Verfahren lässt sich so ohne weiteres auf Menschen übertragen?“
   „Wir erleben gerade den Beweis. Wenn ich mir noch die Bem –“  
   „Danke, Herr Meinhardt, das reicht. Die Zeit drängt.“
   „Frau Bundeskanzlerin, darf ich mir doch die Bemerkung erlauben, dass der Mensch kein Kaninchen ist?“
   „Wie meinen Sie das?“
   „Wenn es Probleme mit der Materialisierung von Menschen gegeben hat, dann meist bei der Materialisierung des Gehirns. Bei einem Kaninchenhirn –“
   „Danke vielmals! Ich weiß, was Sie sagen wollen. Gehen wir zur nächsten Frage über. Wer macht so etwas und zu welchem Zweck? Horst, was meinst du?“
   Das Du war die reinste Farce, denn Horst Teichhofer war seit Jahren ihr politischer Intimfeind. Er hatte es bisher immer noch nicht überwunden, dass sie und nicht er im Kanzleramt saß.
   Teichhofer schüttelte bedächtig seinen gewaltigen Kopf. „Wer macht so etwas... Tja... Ich denke, es handelt sich um eine neuartige Terroristengeneration. Sie wollen die friedliche Welt destabilisieren, indem sie Misstrauen sähen. Früher stahlen sie Atomsprengköpfe und versetzten die Menschen in Angst und schrecken. Mittlerweile ist die Welt atomwaffenfrei. Konventionelle Waffen gibt es zwar noch, aber die liegen tief unter der Erde vergraben und werden von den Sicherheitsorganen der internationalen Gemeinschaft streng bewacht.“
   Die Kanzlerin blickte auf die Hochhäuser am Alexanderplatz, deren Schaubeleuchtung gerade erlosch. „Aber war soll das bringen, wo es keine Waffen mehr gibt?“
    „Wir sehen, dass sich der russische und der amerikanische Außenminister unversöhnlich gegenüberstehen“, fuhr der Innenminister fort. „Keiner von beiden weicht auch nur einen Millimeter zurück, schon seit Jahren überhäufen sie sich kompromisslos mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, deren Wahrheitsgehalt niemand überprüfen kann. Die Chinesen stehen lächelnd daneben und tun so, als ginge sie der Rest der Welt nichts an. Handeln so vernunftbegabte Wesen?“
   Der Innenminister hatte die für einen Politiker nicht zu unterschätzende Gabe, immer haarscharf am Thema vorbeizureden. Deshalb war es noch niemandem gelungen, ihn einer Falschaussage zu überführen.
   Meinhardt meldete sich zu Wort. „Was ich eben noch sagen wollte, aber ich wurde leider unterbrochen... Die materialisierten Gehirne funktionieren zwar gut, was das Körperliche betrifft, aber die kopierten Personen besitzen keinerlei Moral und Verantwortungsbewusstsein. Sie sind nicht in der Lage, eine wahre Aussage von einer Falschaussage zu unterscheiden.“
      „Ich fasse also zusammen“, sagte die Kanzlerin und legte ihre Finger zur Raute aneinander, „wir müssen damit rechnen, dass es sich bei dem Außenminister der Russischen Föderation und dem Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika um Kopien handelt, mit denen eine unbekannte feindliche Macht die Münchener Sicherheitskonferenz ad absurdum führen will.“
   „Wenn es das nur wäre!“
   Alle Augen wandten sich der Dame zu, die bisher geschwiegen hatte und sich nun zu Wort meldete. Es war Frau Generalin a. D. Marie-Louise von Weichstätten, die Bundesbeauftragte für die Früherkennung neuartiger Bedrohungen.
    „Frau Bundeskanzlerin, meine Herren! Mir liegen Geheimdienst-Informationen vor“, sagte sie mit überraschend tiefer Stimmer, „nach denen die Russen in einem radioaktiv hoch belasteten Gebiet in Mittelsibirien dabei sind, eine Armee von menschenähnlichen Kampfmaschinen aufzubauen. Dazu werden Mörder und Vergewaltiger mit dem Kernspinverfahren vervielfältigt und an geheimen Standorten auf ihre Aufgaben vorbereitet. Das Fürchterliche an der Sache ist, das diese Kopien nicht von echten Menschen zu unterscheiden sind. Stellen Sie sich vor, sie sitzen friedlich in der U-Bahn, und plötzlich sticht Ihr Nebenmann mit dem Messer auf Sie ein. Oder denken Sie an die jüngsten Attentate auf den Weihnachtsmärkten. Keiner dieser Attentäter war vorher in irgendeiner Weise aufgefallen. Dann der Massenmörder von Stockholm. Er wurde von allen, die ihn kannten, als freundlicher und hilfsbereiter Mitmensch geschildert.“
   „Frau Generalin“, sagte die Bundeskanzlerin mit besorgtem Blick, „wollen Sie damit andeuten, dass solche...äh... Monstren schon mitten unter uns sind?“
   Frau von Weichstätten richtete ihre etwas stechenden Augen auf die Fragerin und sagte: „Ja. Bisher sind es nach den mir vorliegenden Informationen zum Glück nur einige wenige. Aber bald könnten es Tausende, Hunderttausende sein.“
  Diese Bemerkung verursachte bedrücktes Schweigen.    
   „Unvorstellbar“, sagte der Innenminister nach einer Weile.
   „Es kommt noch schlimmer, Herr Minister“, sagte die Bundesbeauftragte. „Die Amerikaner arbeiten an einem ähnlichen Programm.“
   „Und was soll das?“, fragte die Kanzlerin schlicht.
   „Folgendes Szenario ist denkbar. Russen und Amerikaner halten sich an die Verträge. Es wird also zwischen den beiden weder einen Atom- noch einen konventionellen Krieg geben. Aber der alte Ost-West-Gegensatz besteht immer noch. Und nirgendwo findet sich eine Klausel, nach der Kämpfe Mann gegen Mann verboten sind.“
   „Na dann sind wir doch aus dem Schneider“, meinte der Innenminister etwas voreilig.
   Frau von Weichstätten schüttelte indigniert ihren Kopf mit dem wassergebürsteten Kurzhaar. „Das Aufmarschgebiet wird die Bundesrepublik Deutschland sein.“
  Noch ehe diese grauenhafte Vorstellung sich in ihrem Hirn einnisten konnte, fragte Frau Markwardt schnell: „Und warum wollen die Russen den amerikanischen Präsidenten töten?“
   „Wer sagt denn, dass es die Russen sind? Warum nicht die Nordkoreaner? Warum nicht die Iraner? Die hätten doch allen Grund dazu. Jede den Amerikanern feindlich gesonnene Macht kann es sein, und davon gibt es wahrlich genug! Ich gehe davon aus, dass es mittlerweile eine nicht unerhebliche Anzahl von bedeutenden Politikerinnen und Politikern gibt, deren Kernspinmodelle in den Computern feindlicher Mächte bereits gespeichert sind. Sie können dann bei Bedarf in unterirdischen Laboren materialisiert werden.“
   „Das heißt, der russische Außenminister... ich meine seine Kopie, muss gar nicht aus Russland stammen?“, fragte der Innenminister verblüfft.
   „Natürlich nicht! Die Kopie kann sonst wo angefertigt worden sein.“
   „Wie kommt man eigentlich an diese Modelle“, wollte die Kanzlerin jetzt wissen.
   „Frau Bundeskanzlerin, hat man von Ihnen schon einmal ein CT angefertigt?“
   „Nein.“
   „Dann sind Sie aus dem Schneider, wie der Herr Minister eben so treffend sagte.“     
    Die Kanzlerin sprang auf. „Horst, geht´s dir nicht gut?“ rief sie.
    Teichhofer war kreidebleich und griff sich ans Herz. „Aber von mir“, keuchte er, „noch letzte Woche wegen einer Darmspiegelung.“
   „In welchem Krankernhaus, wenn ich fragen darf?“, fragte Frau von Weichstätten.
   „In der Charite´.“
   „Dann kann ich Sie beruhigen. Die Charite´ wird von meiner Behörde ständig überwacht. Die Erstellung der Modelle erfordert Zusatzgeräte, die man nicht so einfach verstecken kann, und wir haben noch nichts Verdächtiges gefunden. Aber im östlichen Ausland würde ich vorsichtig sein.“  
    „Auf jeden Fall muss der Anschlag auf den amerikanischen Präsidenten verhindert werden“, sagte die Bundeskanzlerin in ihrer zupackenden Art. „Ich werde morgen früh sofort mit Vladimir Puschkin reden und eine Dringlichkeitssitzung des Deutschen Bundestages einberufen.“
    „Aber zu welchem Zweck denn, Angela? Hast du schon einen Plan?“, wand der Innenminister ein. Er hatte sich wieder erholt.
   „Ich... äh...“
  „Vielleicht kann ich hier weiterhelfen“, sagte der Chef des Amtes für Cyberabwehr und Netzsicherheit mit der ihm angeborenen Bescheidenheit. „Mein Haus pflegt gute Kontakte zu einem Wissenschaftler in Bonn, der sich ebenfalls mit der Herstellung von Ersatzmenschen beschäftigt, so genannten Hominiden,  allerdings nur zu friedlichen Zwecken, wie zum Beispiel zur Gefahrenabwehr. Ich werde ihn sofort morgen früh anrufen und ihm die Situation schildern. Möglicherweise weiß er ja einen Ausweg.“

                                                 *                         

hallo, liebe Lesergemeinde, bevor ich den Rest poste, würde ich gerne wissen, ob ich eine längere Erzählung wie diese als Ganzes oder lieber kapitelweise einstellen sollte. Sind ja bangig viele Zeichen. Und natürlich, wie euch diese Geschichte gefällt. Freue mich auf jede konstruktive Resonanz.

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BeitragVerfasst am: 06.03.2019 13:30    Titel: Fortsetzung pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Du bist dir sicher, Ken, dass wir den Termin einhalten können? Wir haben noch vierzehn Tage. Dann ist die Konferenz endgültig zuende. Ich halte es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass es noch eine weitere Verlängerung gibt. Die Hälfte der Delegierten ist schon abgereist, wie man hört.“
   Frau Dr. Hatetepe´ sah Url begeistert an. Die letzte Nacht mit ihm war bombig gewesen.
   „Aber sicher doch, meine Täubchen! Das Grundmodell ist doch schon soweit fertig. Jetzt geht es nur noch darum, Mathilde den richtigen Outfit zu verpassen. Sie muss ein unwiderstehlicher Eye-Catcher werden. Könntest du mir bitte mal das Marmeladenglas herüberreichen?“
   Auch Url machte nicht den Eindruck, als sei er vergangene Nacht zu kurz gekommen.
   „Solange sich die beiden vor aller Welt gegenseitig der Lüge bezichtigen und sich Verbalinjurien an den Kopf werfen, ist noch Zeit.“
   „Manchmal habe ich den Eindruck, denen macht es auch noch Spaß.“
   „Das glaube ich nicht. Spaß hat etwas mit Emotionen zu tun. Ich denke eher, sie sind auf Konfrontation programmiert. Etwas anderes macht mir viel größere Sorgen.“
   Url trank einen Schluck Kaffee.
   „Nehmen wir einmal an, Mathilde drückt nicht auf den richtigen, ich meine auf den falschen, auf die Kopie, sondern auf den falschen, äh... ich meine auf den echten, den menschlichen Außenminister ab. Das würde unweigerlich zu ihrer Selbstzerstörung führen und wir könnten unseren Laden hier dicht machen. Fünf Jahre Entwicklungsarbeit wären zum Teufel, und Geld gäb´s auch keines mehr.“
   „Ich weiß nicht, was du hast. Der Iris-Scanner hat doch in allen Probeläufen einwandfrei funktioniert.“    
   Url lachte trocken. „Das ist es ja gerade. Du scheinst vergessen zu haben, dass der falsche Außenminister gar keine Iris hat! Diese Möglichkeit, den Eye-Scanner zu unterlaufen, habe ich völlig übersehen. Ich könnte mich ohrfeigen. Es ist nie gut, wenn man den Gegner unterschätzt.“
   „Was ist denn daran so tragisch? Dann erkennt sie ihn eben daran, dass er keine Iris hat! Wir programmieren sie eben um.“
    „Hatte er vor acht Tagen nicht! Aber die Gegenseite hat mit Sicherheit dazugelernt. Möglicherweise haben sie ihm mittlerweile entsprechende Haftschalen verpasst.“
   „Mit zweihundertfünfzig Iris-Parametern? Erzähl mir nichts vom Storch.“    
   „Ich glaub´s ja auch nicht, aber man weiß ja nie. Wenn sie imstande sind, ganze Außenminister zu kopieren, dann sind sie womöglich auch in der Lage, eine Regenbogenhaut mit zweihundertfünfzig Erkennungsmerkmalen anzufertigen und unter eine Haftschale zu kleben.“
   „Möchtest du noch Kaffee?“
   „Nein danke.“
   „Wo ist eigentlich der Dritte im Bunde?“
   „Verschwunden. Teichhofer geht von einem Doppelgänger des Originals aus, der bei dem Test seine Augen hingehalten hat und dafür ordentlich belohnt wurde. Den können wir vergessen.“
   „Woher wissen die eigentlich, dass der russische Außenminister der Attentäter sein wird?“
   „Du meinst, seine Kopie... Weil sie die einzige... äh... Person im Saal sein wird, die sich in seiner unmittelbaren Nähe aufhalten wird. Und weil sämtliche westlichen Geheimdienste dementsprechende Hinweise bekommen haben.“
   „Weiß man schon, auf welche Weise er ihn umbringen soll?“
    Url trank seine Tasse leer.
   „Nein. Mit Sicherheit nicht mit Pistole oder Sprengstoffgürtel. Auch solche Leute müssen durch die Sicherheitsschleusen. Ich denke da eher an ein hochwirksames Nervengift.“
   „Du meinst Sarin wie bei dem russischen Dissidenten und seiner Tochter?“
   „Auch nicht. Nervengas wirkt nicht zielgenau genug. Man wollte ja den Vater und nicht die Tochter vergiften. Und dann ist es nicht todsicher. Die beiden leben ja noch. Ferner: Wie soll er es ihm verabreichen? Damals hat jemand unbeobachtet eine Ampulle oder Kapsel unter die Bank geworfen, auf der die beiden saßen. Nein, ich denke da eher an so etwas wie Aconitin.“
   „? ? ?“
    „Das Gift des Blauen Eisenhuts, ein hochtoxisches Nervengift, das zur Lähmung der Atemmuskulatur und damit zum Erstickungstod führt. Das Gift ist nicht Dosisabhängig. Kleinste Mengen reichen schon. Es dauert dann eben länger, bis die Wirkung eintritt. Aber wenn sie eintritt, ist es bereits zu spät.“
   „Bleibt immer noch die Frage, wie er es ihm verabreicht.“
   „Auch das ist kein Problem. Labrow macht auf Völkerverständigung, geht mit ausgestreckten Armen auf ihn zu – man kennt das ja –, schüttelt ihm mit beiden Händen fest die Hand und reibt ihm dabei unbemerkt etwas Aconitinpulver in die Haut. Dass er selbst dabei draufgeht, dürfte ihm als Kopie ziemlich egal sein. Den Mediziner möchte ich sehen, der auf Aconitin kommt, wenn Duck acht Tage später vom Rednerpult fällt.“
   „Ziemlich perfide.“
   „Mordanschläge sind immer perfide.“
  „Das heißt, Mathilde sollte möglichst schon vorher eingreifen.“
   „Ja. Es ist ausgeschlossen, dass sie den falschen Labrow erledigt, während er auf Duck zugeht. Sie käme gar nicht so weit an ihn heran, auch wenn wir sie bis zum Kinn mit Diplomatenausweisen zupflastern. Und dann ist da wie gesagt das Problem mit den Haftschalen. Das bereitet mir die größte Sorge.“
 Url seufzte herzhaft.
 „So kommen wir nicht weiter. Ich Idiot habe die ganze Zeit auf das falsche Pferd gesetzt. Hmm... Da werde ich mir wohl etwas Neues ausdenken müssen. Das alte Programm kann ich in den Reißwolf schieben.“
   „Hast du schon eine Idee?“
  „Ja. Vor zwei Stunden überbrachte mir ein Kurier aus dem Innenministerium eine Geheimnachricht, die in dieser Hinsicht sehr interessant ist.“
   „Darf man mehr erfahren?“
   „Später, mein Täubchen, später.“
  „Ich frage mich die ganze Zeit, warum der amerikanische Präsident überhaupt nach München kommt, wenn er weiß, dass ein Anschlag auf ihn geplant ist. Da würd ich doch zuhause bleiben.“
   „Du, aber nicht der! Der Mann ist völlig unberechenbar und realitätsfern. Zum Beispiel bildet er sich immer noch ein, er könne die Russen mit Ultimaten in die Knie zwingen. Und er liebt große Auftritte. In München hat er eine Bühne nach seinem Gusto. Und anscheinend hält er sich für unsterblich. Er wäre nicht der erste, der an dieser fixen Idee zugrunde geht.“
   „Ist er vielleicht auch eine Kopie?“
   „Glaub ich nicht, mein Täubchen. Solch ein Mann kann nur eine Originalausgabe sein.“
   „Nenn mich nicht immer mein Täubchen. Sonst flieg ich dir eines Tages noch auf und davon.“
   „Das würde ich nicht überleben, mein –“
   Ein saftiger Kuss verschloss Url den Mund.    

                                                                        5
   Der Portier des Luxushotels 'Stadt München' rieb sich verwundert die Augen. Obwohl er in diesen Dingen nicht ganz unerfahren und einiges gewohnt war, blieb sein Blick einen kleinen Augenblick länger, als es die Diskretion des Hauses erforderte, auf der Person, die gerade auf die gläsernen Drehtür zukam,  haften. Eine derart perfekte Erscheinung hatte er noch nicht gesehen. Diese herrliche Figur! Und darunter diese Waden mit den köstlichen Rundungen!! Er schnalzte mit der Zunge. Das Gesicht der Dame hatte er nur kurz gesehen, denn ein großer Strohhut hatte es teilweise beschattet, aber was er gesehen hatte, ließ sein Herz nachhaltig höher schlagen.
   Die Dame ging zur Rezeption und verlangte ein Einzelzimmer für drei Tage.
   „Haben Madame reserviert?“, fragte der junge Mann hinter der Theke mit einem Augenaufschlag, den er für unwiderstehlich hielt. Er war ein fescher Mann mit pechschwarzen Haaren und wachen Augen.
   „Nein. Ich musste unversehens verreisen.“
   Der Angestellte tippte eine Weile auf seinem PC herum. Dann sagte er: „Im vierzehnten Stock Zimmer vierzehn null drei. Bis zum Achtzehnten. Wünschen gnädige Frau das Frühstück am Bett?“
   „Ich frühstücke nicht“, war der kühle Bescheid.
   „Ihr Gepäck, Madame?“
   „Kommt erst in zwei Tagen! Bitte bemühen Sie sich nicht weiter. Geben sie mir bitte den Schlüssel, ich finde selbst.“
   Der junge Mann sah der Dame nach, als sie zum Lift schritt. Er dachte: Alleine, ohne Begleitung. Wäre doch gelacht!
                                                                        *
   Der Liftboy zog verdutzt die Stirn kraus.
   Hatte er nicht eben den russischen Außenminister in die vierte Etage hochgefahren? Und jetzt stand der schon wieder unten vor der Tür? Allerdings – ganz sicher war er sich jetzt nicht mehr. Der Mann vorhin hatte eine getönte Brille getragen und konsequent an ihm vorbei geschaut.
   Er setzte den Mann, der wie der russische Außenminister aussah, in der vierten Etage ab und fuhr wieder nach unten.
   Die Tür des Lifts öffnete sich, und jetzt war sich der Boy auch nicht mehr sicher, ob er noch wach war oder schon träume. Herein schritt ein weiterer russische Außenminister und sagte in hartem Deutsch: „Zimmärr dräihundertdräi, bittä!“
   Kaum hatte dieser Außenminister den Fahrstuhl verlassen, leuchtete auf der Anzeigetafel die 4 auf. Der Boy, ein hübscher junger Kerl mit Sommersprossen um die Nase, fuhr nach oben.
   Vor der Tür stand der russische Außenminister und drückte wortlos auf den Botton E. Unten angekommen, eilte er mit schnellstmöglichen Schritten der Drehtür zu.
   Trotz seiner Verblüffung war dem Boy war eine Kleinigkeit aufgefallen, die er jedoch sofort wieder vergaß: Das Jackett des Mannes hatte sich auf der rechten Seite in Höhe der Innentasche ziemlich deutlich abgehoben.
   Nun ist es nicht Aufgabe des Hotelpersonals – und eines Liftboys schon gar nicht – sich Gedanken über die Gäste zu machen, die er tagtäglich befördert. Sollte ein Kamel in den Fahrstuhl treten seine Dienste verlangen, hat er zu gehorchen ohne eine Miene zu verziehen. Sollte ihm eine angeheiterte Dame einen Kuss aufdrücken – wie es schon öfter vorgekommen war, denn wie gesagt, er war ein hübscher Kerl – so hat er diesen Gunstbeweis hinzunehmen ohne mit der Wimper zu zucken. Und gerade in Zeiten internationaler Konferenzen wie dieser wimmelte es im 'Stadt München' von Leuten, die ziemlich bunt daherkamen und manchmal schwer zu unterscheiden waren. Wie die zehn Chinesen vorhin, die sich ähnelten wie ein Ei dem anderen.
   Doch dies jetzt war einfach zu stark. Der russische Außenminister besaß einen Charakterkopf, den man schwerlich mit einem anderen Kopf verwechseln konnte.Und dass es sich um ein und denselben gehandelt haben könnte war wegen der kurzen Zeitintervalle ausgeschlossen. Also gab es für ihn zwei Möglichkeiten: Entweder er, der Boy, oder die Welt war verrückt.
   Gerade kam einer der Hotelmanager den Gang entlang. Der junge Mann verließ seinen Posten, ging auf den Manager zu und sprach ihn an.
   „Herr Meyer, einen Augenblick bitte! Kann es sein, dass mehrere russische Außenminister im Hause sind?“
   Herr Meyer kniff vertraulich ein Auge zu und sagte: „Frag mich nicht, dann lüg ich nicht.“

                                                                            6
  Obwohl man ihn eindringlich davor warnte, bestand der russische Außenminister ohne wenn und aber darauf, das Oktoberfest, wenn auch nur kurz, zu besuchen. Wer im Oktober in München sei und der Theresienwiese nicht wenigstens  einen kurzen Abstecher gönne, so ließ er vollmundig verlauten, habe sein Leben nicht verdient.
   Starke Worte, welche zwar die Herzen der Patrioten höher schlagen ließen, den Sicherheitskräften jedoch Schweißperlen auf die Stirn trieben. Aber den Wunsch des hohen Gastes abzulehnen kam nicht infrage.
   Es wurde der letzte Tag des Festes gewählt, ein Sonntag, der auch gleichzeitig der letzte Tag der Sicherheitskonferenz war. Da dann die meisten Gäste abreisten, würde sich, so war das Kalkül im bayerischen Innenministerium, der Sturm auf das Festzelt in Grenzen halten. Russische und deutsche Sicherheitsorgane einigten sich dahingehend, dass ein Tisch unmittelbar in der Nähe eines der Notausgänge, hinter dem Sicherheitspersonal für den Ernstfall bereitstünde, reserviert würde.
   Da wurde bekannt, dass auch der amerikanische Präsident, der die Anschlussrede halten sollte, denselben Wunsch geäußert habe. Sein Argument nun wiederum war: Schließlich stammten seine Vorfahren aus Bayern, und da sei ein Besuch des Oktoberfestes, wenn er nun schon mal in der 'wunderbaren Stadt Munich' sei, ein Muss. Seine Sicherheitsleute seien 'großartige Burschen' und hätten bisher 'großartige' Arbeit geleistet und würden das 'verdammt noch mal' an diesem Abend auch tun.
 Man machte nicht den geringsten Versuch, ihn von dieser Meinung abzubringen. Zu oft hatte man die Erfahrung gemacht, dass sich Donald D. Duck gegen Sicherheitsbedenken völlig taub stellte, wenn er die Gelegenheit witterte, auf internationaler Bühne Aufmerksamkeit zu erregen.  
   Das nun war der sicherheitstechnische Worst Case. Der mutmaßliche Mörder und das potenzielle Opfer in nächster Nähe unter einem Zeltdach, und dann noch von dieser Prominenz...
   In der bayerischen Staatskanzlei liefen die Handys heiß. Der für die bayerischen Sicherheitskräfte zuständige Minister Eberhard Naumann ließ sich ein Bett in seinem Büro aufstellen. Zu viel stand auf dem Spiel. Nicht auszudenken, wenn da etwas schief lief. Er hatte es auf das Amt des Ministerpräsidenten abgesehen, und da durfte ihm nicht der kleinste Fehler unterlaufen. Es war jetzt nicht das erste Mal, dass er diese nutzlose Konferenz verfluchte. Aber es war jetzt das erste Mal, dass ihm beim Fluchen die kalte Zigarre aus dem Mund fiel.
   Es war auch eine höllische Herausforderung. Platz und Festzelt mussten mit Aufpassern sozusagen geflutet werden, ohne dass das Publikum etwas merkte und die Stimmung absackte. Das wiederum hätte verheerende Auswirkungen auf den Ruf des Festes und Münchens als sicherem Ort.
   Die amerikanischen und bayerischen Sicherheitskräfte kamen überein, dem amerikanischen Präsidenten und seiner Leibgarde einen Tisch möglichst weit vom Tisch des russischen Außenministers zuzuweisen, in der Hoffnung, die beiden würden sich nicht sehen. Wenn doch, war mit dem Schlimmsten zu rechnen. Donald D. Duck hatte die Angewohnheit, unversehens auf Leute, die er noch kurz vorher als 'Nichten und Neffen des Teufels' bezeichnet hatte, zuzugehen und sie zu umarmen, wie neulich auf den nordkoreanischen Diktator Kim Dum Dum.
   Wieder sollte der Tisch in unmittelbarer Nähe eines Notausgangs, hinter dem Sicherheitskräfte in Stellung waren, positioniert sein.

   Punkt achtzehn Uhr dreißig hielt in der Nähe des Festzeltes ein Taxi, aus dem ein großer, schlanker Mann ausstieg. Da es draußen nieselte, hatte er die Kapuze seines Regenmantels übergezogen. Nach wenigen eiligen Schritten verschwand er in einem der Notausgänge.
   Wenige Minuten später geschah an der gegenüber liegenden Seite des Festzeltes Ähnliches. Nur war dieser Mann nicht groß und schlank, sondern groß und korpulent. Der Nieselregen schien ihn nicht zu stören, denn sein gelber Haarschopf leuchtete im verdämmernden Licht des Tages.
  Im Festzelt ging es inzwischen hoch her. Busen und Beine der Bedienerinnen wogten rhythmisch. Stämmige bayerische Maderln in urbayerischen Dirnderln und mit strammen Waden stemmten riesige Bierkrüge und luden sie auf brechend vollen Tischen ab. Riesige Teller mit dampfenden Weißwürsten, umgeben von Bergen aus Stampfkartoffeln und Sauerkraut oder mit Schweinshaxen von Kindskopfgröße beladen fanden ihre Adressaten und gerieten sofort unter Messer und Gabel. Die Luft war erfüllt von Bierdunst, vom Geruch nach Achselschweiß, Eau de Kologne und dem fröhlichen Umtata der beiden Blaskapellen.
   Die beiden Männer, nachdem sie dieses Schauspiel ein Weilchen verblüfft betrachtet hatten, setzten sich.
   Etwa zehn Minuten später fuhr ein weiteres Taxi vor, aus dem eine Dame ausstieg und ohne zu Zögern auf den Eingang des Zeltes zuging. Die Dame war schlank, blond und von außerordentlicher Eleganz. Sie vermittelte den Eindruck, als käme sie gerade aus einem Modesalon des seeligen Karl Lagerfeld.
   Im Zelteingang blieb die Dame stehen und blickte sich um. Das Gewoge schien sie nicht zu interessieren, auch nicht die bewundernden Blicke der Nächstsitzenden. Einige der Gäste steckten tuschelnd die Köpfe zusammen. Es fielen Bemerkungen wie: „Ist das nicht...?“
   „Wer ist denn...?“
   „Na die Frau von Donald Duck, du Dummchen!“
   „No geh... Die isch doch in Amerika!“

   Die Dame indes hatte anscheinend gefunden, was sie suchte. Sie setzte ihre herrlichen Beine in Bewegung und steuerte den Hintergrund des Zeltes an. Vor dem Tisch des amerikanischen Präsidenten blieb sie stehen und fragte: „Gentlemen, I beg your pardon, ist hier zufällig noch ein Platz frei?“ Sie sprach ein vorzügliches, aber etwas automatenhaft klingendes Englisch.
   Die Frage war ziemlich eigenartig, denn sämtliche Plätze waren von mehr oder weniger bulligen Typen besetzt, über denen die weltbekannte Haarpracht des Präsidenten schwebte.
    Da niemand antwortete, zog sie einen Schmollmund. „Na dann versuch ich es eben woanders“, sagte sie spitz und schickte sich an, zu gehen.
   Donald D. Duck hatte sie mit wachsender Verblüffung betrachtet. Da stand seine Frau vor ihm, beziehungsweise ihre Doppelgängerin. Wie aus dem Gesicht geschnitten – nun ja, vielleicht nicht ganz so einfältig, dachte er. Seit seine Affäre mit dem Callgirl Cyntia Halloween bekannt geworden war, hatte er keinen Körperkontakt mehr mit seiner Frau gehabt. Dass sie noch nicht geschieden waren, lag einfach daran, dass sich ein amerikanischer Präsident nicht so einfach scheiden lassen kann. Schließlich will er die nächsten Wahlen gewinnen.
   Vor dem inneren Auge des amerikanischen Präsidenten zogen Bilder aus glücklichen Tagen vorüber, aus Tagen, da er noch nicht Präsident, auch nicht Milliardär, sondern nur ein reicher und weitgehend unbekannter Mann war, und der sich noch nicht dem schamlosen Werben ruhm- und geldgieriger Frauen ausgesetzt sah. Damals war er mit seiner jungen Frau glücklich gewesen, und diese Frau da sah so ähnlich aus wie seine Frau damals. Na gut, er hatte einige heimliche Affären mit jungen Frauen angefangen, in der Hoffnung, er könne damit die alten Jugendzeiten wieder heraufbeschwören. Aber es war ein Irrtum gewesen. Er war an Körper und Seele gealtert. Seine Frau hingegen hatte es dank einer kleinen Hundertschaft von Ärzten und Massören geschafft, heute fast noch genau so auszusehen wie mit siebenundzwanzig, allerdings mithilfe von Wasserstoffperoxid und zahlreichen Schminknäpfen.
   Es war also nicht verwunderlich, dass er einem erotischen Abenteuer nicht grundsätzlich abgeneigt war. Im Grunde ist es nie zu spät, dachte er. Es muss nur die Richtige sein... Soll es doch morgen in allen Zeitungen stehen. Pah! Er würde tun, was er schon immer getan hatte. Er würde die Presseleute als verlogenes Gesindel bezeichnen, alles abstreiten und „Lüge, Lüge, Lüge!“ in die Mikrophone brüllen. Und sollte trotzdem einer dieser Terrier von der 'Washington Post'... Einen kleinen Seitensprung fern der Heimat... Nun ja, seine Anhänger würden ihm auch das verzeihen.
   „Bleiben Sie, Madam!“ rief er, „wo ein Wille ist, ist auch in Platz!“
   Donald D. Duck  gab einem seiner Leute ein Zeichen, und schon war ein Platz frei.
   Die Dame setzte sich und wurde von allen Seiten bestaunt. Solch eine makellose Schönheit hatte man selten gesehen.
   „Madam, darf ich Ihnen einen Drink anbieten?“
   „O yes! Was trinkt man denn hier?“
   Diese Frage löste allgemeine Heiterkeit aus. Was trinkt man schon auf dem münchener Oktoberfest!
   „Sie sehen gut aus, Madam“, sagte der Präsident und verbeugte sich leicht. "Verdammt gut sogar!"
  Obwohl er ein Sexist war, der einst öffentlich behauptet hatte, er könne jeder Frau in den Schritt fassen, und sie ließe ihn gewähren, konnte er doch sehr charmant sein.
  Die Dame sagte nichts.
  „Wissen Sie, wer ich bin?“, fragte Duck.
   Die Dame beugte sich vor und blickte ihm eine Weile starr ins Gesicht. Dann sagte sie: „O ja, Sie sind es! Sie sind Donald D. Duck, der amerikanische Präsident. O ja, Sie sind es.“
   „Und wer sind Sie?“
   „Nennen Sie mich einfach Mathilde.“
   „Kommen Sie aus München?“
   Mathilde schwieg.
    „Darf ich Ihnen einen kleinen Snack bestellen?“, fragte Duck.
  „O nein, ich habe schon gegessen.“
  Einigen fiel jetzt auf, dass Mathilde beim Sprechen kaum den Mund verzog.
   Inzwischen war man an den Nebentischen auf die Gruppe aufmerksam geworden. Dass es sich wirklich um den amerikanischen Präsidenten handeln könne, nahm niemand an. Es kam immer wieder vor, dass sich Witzbolde verkleideten, um die Stimmung anzuheizen. Allerdings musste man zugeben, dass die Verkleidung diesmal ziemlich echt wirkte.
    Was die Leute – und vor allem die Männer – interessierte war diese Blondine mit dem etwas starren Blick. Natürlich gab es im Festzelt  außergewöhnliche Frauenschönheiten. Aber die entsprachen mehr dem brünetten Typ, astreine Blondinen sah man auf den ersten Blick keine. Aber es war nicht nur dies, was die Herren der Schöpfung an den Nebentischen so erregte. Es war vielmehr die ganz eigentümliche Art dieser Frau, sich zu bewegen. Diese Bewegungen waren auf eine außergewöhnliche Art harmonisch. Und dann dieser Blick! Etwas starr und doch voll von unergründlichen Geheimnissen. Das kann kein irdisches Wesen sein, dachten einige verzückt, diese Frau ist irgendwo vom Himmel gefallen.
   Nun ja, ganz nüchtern war jetzt von den Gästen niemand mehr, auch der amerikanische Präsident nicht.
   Schon begannen einige, das vermeintliche Spiel mitzuspielen.
   „Hi, Donald!“ rief einer und schwenkte seinen Maßkrug, „bist aa in Minga!“
   Ein anderer: „Kruzatürken! An foins Woibsbild host do!“
   Ein dritter wurde deutlicher und hob den Daumen: „He Donald! Pack´s oo!“    
 Das Zeltpersonal wusste Bescheid und hatte Order, den amerikanischen Präsidenten genau so zu behandeln wie jeden anderen Gast auch.      
   Der genoss es und war nur schwer davon abzubringen, aufzustehen und eine Rede zu halten.
  
Forts. folgt

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BeitragVerfasst am: 07.03.2019 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Aloha

So, jetzt komme ich mal dazu, hier zu kommentieren. Gelesen habe ich tatsächlich nur Teil eins und zwei bis jetzt, weiter bin ich noch nicht gekommen. Daher bezieht sich meine Kritik auch erstmal nur darauf ^^
Zu allererst: Ich mag den Stil grundsätzlich. Ich mag die Art des Humors, das Setting und auch die dialogbasierte Form. Das ist ein Stil, den ich sehr gerne lese (und schreibe). Das führt jetzt natürlich dazu, dass ich gerade daran meckern muss ;-p

Ich fand es sehr schwer, dem Anfangsdialog zu folgen. Aus zwei Gründen:
Die Charakterstimmen der beiden Journalisten unterscheiden sich kaum und du hast zu wenig Sprecherzuordnung drin.
Dass sich die Stimmen nicht groß unetrscheiden, ist für mich eigentlich ein Pluspunkt, wenn ich ehrlich bin. Ich meine, es handelt sich ja um ein professionelles Gespräch zwischen zwei Kollegen. Dass da nicht viel emotionale/ individuelle Färbung drin ist, erschließt sich mir. Allerdings solltest du den Dialog dann mit mehr Handlung strecken, damit man die Sprecher besser zuordnen (und kennenlernen) kann. Es ist mir klar, dass das bei dem Gesprächsthema schwierig ist, aber du könntest damit noch etwas anderes erreichen, nämlich den Info Dump aus dem Dialog holen.

Beispielsweise finde ich diese Stelle sehr aufdringlich:

Zitat:
„Nimm deine Brille ab und schau genau hin!“
„Seebi, was soll das? Deshalb holst mich her?“
„Weißt du, wie alt der Mann ist?“
„Ich denke so um die vierundsechzig.“
„Aha! Und da fällt dir nicht auf, dass sein Gesicht völlig faltenfrei ist?“
„Jetzt wo du es sagst –“
„In diesem Alter hat jeder Mensch Flecken und Falten im Gesicht. Es müssen ja nicht unbedingt himmelschreiende Sorgenfalten sein. Aber ich habe noch nie einen hochrangigen Politiker in seinem Alter mit einem völlig glatten Gesicht gesehen. Irgendwie leidet doch jeder dieser Burschen unter der Bürde seines Amtes. Zumindest um die Augenpartie herum zeigt sich mit der Zeit ein Kranz feiner Fältchen. Aber dieses Gesicht hier – völlig glatt und rosig wie das Hinterteil von Schweinchen Schlau. Sieht aus, als wäre die Haut künstlich hergestellt.“


Da wird mir persönlich viel zu deutlich darauf eingegangen, wie knitterfrei der gute Herr ist. Das faltenfreie Gesicht hätte man weiter oben in einer Sprecherzuordnung erwähnen können und dann mehr oder weniger direkt in den größeren Absatz von Seebrandt übergehen können.
In etwa so:

"Nimm deine Brille ab und sieh genau hin!" Seebrandt deutete auf das erstaunlich glatte Gesicht auf dem Foto.
"Ich sehe nichts? Warum hast du mich eigentlich hergeholt?"
"Weißt du, wie alt der Mann ist?"
"So um die vierundsechzig?" Hintersser wischte die Gläser seiner Brille mit seinem Ärmel ab. "Was hat das mit dem Foto zu tun?"
"Fällt dir nicht auf, dass seine Haut faltenfrei ist? Glatt wie das Hinterteil von Schweinchen Schlau? Wie Plastik?"

Genauso die Sache mit der Augenfarbe. Ich sehe ein, dass das wichtig ist, sicher. Aber in der Art im Gespräch wirkt es recht unnatürlich, finde ich.
Außerdem mag ich Wörter wie "plötzlich" und dergleichen gar nicht. Warum kann Hintersser nicht einfach nur aufspringen? Dass es überaschend für Seebrandt kommt, kann Seebrandts Reaktion zeigen.
Und ich würde nicht allzuhäufig den kompletten Namen des Protagonisten im Erzähltext erwähnen (auch wenn es ein humoristisches Werk ist und man es da machen kann).

Im zweiten Abschnitt geht mir alles etwas zu schnell, wenn ich ehrlich bin. Hast du die Sache mit dem angeblichen Piloten Labrows absichtlich gerafft erzählt? Hier würde sich nämlich auch ein Dialog zwischen dem Piloten und dem Pressevertreter anbieten.

Im dritten Abschnitt hast du die Sprecherzuordnungen besser eingebaut, dadurch liest sich der Dialog für mich leichter. Da die Kanzlerin gerne auch unwissend in technischen Dingen sein darf, wird es auch nicht so infromationsüberladen wie der Dialog zwischen den Journalisten (wo man zum Beispiel davon ausgehen kann, dass sie beide wissen, dass Labrow graue Augen zu haben scheint).

Das ist jetzt so das, was mir bisher aufgefallen ist. Wie gesagt, die Dinge werden nach hinten raus sehr viel besser und leichter lesbar. Und ich würde den Dialogstil aufrecht halten, auch in den Szenen, die bis jetzt eher erzählend gehalten sind. Aber ich mag Dialog auch gerne, da kann man nicht genug von haben Rolling Eyes

Ich hoffe, ich bin ein wenig hilfreich ^^

Gruß
Rocket
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wunderkerze
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BeitragVerfasst am: 07.03.2019 15:55    Titel: Antwort pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo RocketJo,

zunächst möchte ich mich ganz herzlich für deine frdl. Bemerkungen bedanken. Natürlich helfen sie mir weiter, deshalb habe ich den Text ja eingestellt. Den Thread lasse ich unverändert, aber ich werde deine Anregungen ins Original einarbeiten.
   Ich würde mich freuen, wenn du auch die letzten Kapitel kritisch unter die Lupe nehmen könntest.

Mit frdl. Grüßen!
Wunderkerze

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BeitragVerfasst am: 07.03.2019 16:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

7
   Am Tisch der russischen Außenministers ging es weniger turbulent zu. Labrow schnitt gerade die sechste Weißwurst auf und zog die Pelle ab. Er outete sich wieder einmal als starker Esser und alkoholfester Trinker.
   Vor ihm standen zwei Wodka-Flaschen, die eine davon fast leer. Allerdings waren nicht alle dieser 'Wässerchen' durch seine Kehle geflossen, zwei Spezialkräfte der bayerischen Sicherheitspolizei hatten ihm dabei geholfen. Sie sollten Labrow unter den Tisch trinken, in der Hoffnung, man könne das Attentat dadurch verhindern. Bisher jedoch ohne sichtbaren Erfolg. Der Außenminister der russischen Föderation zeigte keinerlei Veränderung, weder im Gesicht noch im Verhalten. Nach wie vor nahm er wenig Anteil an dem Geschehen um ihn herum und befasste stur sich mit der Nahrungsaufnahme. Der Verdacht erhärtete sich, sein Besuch des Oktoberfestes sei nur ein Vorwand.
   Dafür begann jetzt einer dieser Beamten der Sicherheitspolizei zutraulich zu werden.
  Da immer noch unklar war, mit wem man es bei dem Mann da zu tun hatte – war es Labrow höchstselbst, also der harmlose Labrow, oder saß da seine Kopie am Tisch, der potentielle Attentäter? – hatte man ein weitere Spezialkraft hinzugezogen, Frau Crystal Plogin vom bayerischen Erkennungsdienst, eine korpulente Dame mit Knopfaugen und Doppelkinn. Sie war für die Identifizierung von Personen mittels Eye-Scanning zuständig und konnte eine echte von einer künstlichen Regenbogenhaut mittels eine Spezialbrille treffsicher unterscheiden. Da die bayerische Staatskanzlei inzwischen von dem Haftschalen-Problem wusste, hatte Frau Plogin den Auftrag, möglichst nahe an den Außenminister heranzugehen, wenn nötig zur Erteilung eines Dienstkusses.
    Aber soweit war es noch nicht. Labrow lehnte jeden Annäherungsversuch entschieden ab. Und auch die Frage, wer zuerst unter dem Tisch lag, er oder die Spezialkräfte, war noch nicht zu beantworten.
   Als Frau Plogin, verdrossen über diesen Misserfolg, auch noch eine fremde Hand unter ihrer Dienstbluse fühlte, setzte es eine saftige Ohrfeige.   
   Jetzt endlich trat eine merkliche Veränderung in Labrows Verhalten ein. Er blickte die Frau und den Gezüchtigten einen Augenblick erstaunt an, sein Körper zuckte heftig, und die Augen wurden ihm feucht.
   Zunächst nahm man an, er habe einen starken Lachanfall. Doch jetzt begann er heftig zu schluchzen. Er zog ein riesiges Taschentuch hervor und trocknete sich die Tränen.
   Es bestand kein Zweifel mehr: Der Außenminister der russischen Föderation weinte.
   Die Sachverständige für die Erkennung künstlicher Regenbogenhäute steckte ihre Spezialbrille wieder ein. Es war hoffnungslos. Tränenfeuchte Augen waren für eine sichere Erkennung ungeeignet.  

   Labrow weinte?
   Wer nie ein original bayerisches Oktoberfest auf der münchener Theresienwiese erlebt hat, kann hier überhaupt nicht mitreden.
  Auf einmal fällt die Last des Alltags von einem ab wie die Häutung einer Schlange, die Sorgen minimieren sich zu winzigen Punkten auf der plötzlich unbeschwerten Seele, das Herz öffnet sich und ist, je nach Veranlagung, von Heiterkeit oder Traurigkeit erfüllt. Es ist diese einzigartige Mischung aus brausender Geselligkeit, oberbayerischem Lebensgefühl und gespannter Erwartung, die jedesmal aufs Neue Besucher aus aller Herren Länder in ihren Bann zieht.
    Und immer wieder geschehen Zeichen und Wunder, wie zum Beispiel bei den Japanern zwei oder drei Tische weiter vorne. Noch am Nachmittag waren sie stocksteif durch die Pinakothek stolziert und hatten mit unbewegten Gesichtern und kommentarlos die Highlights abendländischer Malerei betrachtet. Und jetzt?    
   Arm in Arm wogten sie hin und her, aus ihren Mündern ertönten fernöstliche Gesänge, immer öfter unterbrochen von dröhnendem Gelächter...
   Irgendwo zersplitterte ein Glas... Luftballons platzten mit lautem Knall... eine Frau lachte schrill auf und verstummte... All das verschmolz zusammen mit der oberbayerischen Blasmusik zu einer einzigartigen, berauschenden Geräuschkulisse, die einen sensiblen Mann fern der Heimat schon zu Tränen rühren kann...

   Der russische Außenminister also weinte. Warum er es tat, bleibt sein Geheimnis.
Aber allein die Tatsache, dass er es tat, war ein starkes Indiz für seine Echtheit.
   Da trat ein Ereignis ein, mit dem niemand gerechnet hatte, und das die Vermutung  seiner Echtheit weiter erhärtete: Labrow fragte nach den Toiletten.
   Dem Sicherheitspersonal traten Schweißperlen auf die Stirn.
   Die Brisanz dieser in ihrer Trivialität nicht zu übertreffenden Mitteilung lag in der Tatsache, dass Labrow auf dem Weg zu den Herrentoiletten am Tisch des amerikanischen Präsidenten vorbeikommen musste. Man hatte die Lage der Toiletten nicht mit einkalkuliert.
   An alles hatte man gedacht, nur nicht daran, dass der Außenminister der russischen Föderation ein menschliches Bedürfnis verspüren könnte.
    Nun war es zu spät.
   Ein Mitarbeiter der bayerischen Sektion äußerte den Verdacht, es könne sich hierbei sogar um eine perfide Finte handeln, denn kein echter Mann von Labrows Statur könne nach einer halben Flasche Wodka schon Harndrang verspüren, und Bier habe er bisher erst wenig getrunken.
   Diese Bemerkung steigerte die Verwirrung noch mehr.
   Jemand schlug vor, man möge doch Labrow eindringlich bitten, das Zelt zu verlassen und ins Gebüsch zu treten.
      Dieser Vorschlag erst gar nicht in Erwägung gezogen, denn kann es einen vernünftigen Grund dafür geben, dass sich der Vertreter einer Weltmacht und außerdem des größten Landes der Erde wie ein Vagabund in die Büsche schlägt, um dort sein Wasser abzuschlagen?
     Natürlich nicht.

   Die Leiter der Wachmannschaften steckten die Köpfe zusammen, um in aller Eile einen Notfallplan auszuarbeiten. Labrow vor allen Leuten kurzerhand und mit Gewalt aus dem Zelt zu entfernen kam nicht infrage, schon weil man nicht wusste, wie sein eigenes Sicherheitspersonal darauf reagieren würde.
   Labrow hatte inzwischen seinen Platz verlassen und bewegte sich auf den bewussten Seitengang zu. Einen Wachmann, der sich ihm mutig in den Weg stellte, schob er mit dem Wort: „Durrak!“ – Dummkopf – einfach beiseite.
   Lähmendes Entsetzten breitete sich unter den Wachleuten an Labrows Tisch aus. Auf diese Situation war niemand vorbereitet. Als erste fasste sich Frau Crystal Plogin, die Spezialistin für die Erkennung falscher Regenbogenhäute. Sie schaltete ihr Handy ein und löste Alarm aus. Wie aus dem Boden gezaubert standen plötzlich überall Männer mit gezückten Maschinenpistolen zwischen den Tischen. Sie hatten sich, als Gäste getarnt, in Bereitschaft gehalten.
   Die Dirigenten der beiden Blaskapellen ließen verstört die Taktstöcke sinken, die Musik erstarb. Auch die Gespräche und Gesänge verstummten. Allmählich wurde es sehr still. Es schien, als wollten sich die Leute durch ihr Schweigen unsichtbar machen.

                                                                             8
   Am Tisch des amerikanischen Präsidenten war die Stimmung inzwischen noch weiter angestiegen. Mathilde saß auf seinem Schoß und blickte ihm in die Augen. Dabei murmelte sie immer wieder: „Ja, er ist es, ja, er ist es.“ Auch etliche seiner Bodyguards waren anscheinend nicht mehr nüchtern. Sie lachten und riefen ihr auffordernde Worte zu. Ein ganz Mutiger rief: „Hey, Donald, let´s go!“
   Auch an den Nachbartischen hatte sich einiges geändert. Bänke waren verschoben worden und bildeten jetzt eine Art Halbkreis vor dem Präsidententisch.
   Man amüsierter sich köstlich. Dieser Komiker Donald und seine Partnerin Mathilde waren einfach umwerfend. Gerade rief Donald D. Duck: „Oh, my dear, what a hard bottom!“
   Darauf Mathilde: „Shut up! Let´s have a drink again!“
  Mit einer Leichtigkeit, die man ihr kaum zugetraut hätte, hob sie den riesigen Maßkrug, in dem gut und gerne ein Säugling ein Vollbad nehmen konnte, und hielt ihn Duck an die Lippen. Der trank und wischte sich den Schaum vom Mund. „Damned!“ rief er begeistert, „you are a...“ Der Rest des Satzes ging in dem nachfolgenden Getöse unter. Da die meisten Englisch verstanden, kannte die Heiterkeit keine Grenzen. Die Leute stießen an und riefen: „Shut up! Let´s have a drink again!“ Ein würdiger Greis mit Vollbart und Gamsbarthut wiederholte immer wieder: „Oh, my dear, what a hard bottom! Oh, my dear...“
  Plötzlich richtete sich Mathilde auf und starrte auf den Mann, der den Gang entlang und auf die Gruppe der Feiernden zukam. Erst jetzt merkten die Feiernden, die sich um den Tisch des amerikanischen Präsidenten versammelt hatten, dass es im Zelt unheimlich still war und die Leute auf den Bänken wie erstarrt dasaßen.
   Labrow hatte Donald D. Duck erkannt. Hinter verschlossenen Türen waren sie immer noch alte Freunde, die, als Duck noch selbst Außenminister war, manchen Becher gelehrt und den Hintern mancher Bardame gemeinsam getätschelt hatten.
  Labrow streckte beide Arme aus, um Ducks Hand zu ergreifen.
  In diesem Moment schnellte Mathilde hoch und streckte ihrerseits den rechten Arm aus. Dann hörte man ein eigenartiges Knacken, als würde eine Walnuss zerdrückt, Mathilde brach zusammen und fiel dem amerikanischen Präsidenten in die Arme.      
    Alle Anwesenden waren derart verblüfft, dass sich keiner rührte. Erst als aus Mathildes Mund schwarzer Rauch aufstieg, kam Bewegung auf. Entsetzt ließ Duck die qualmende Dame fallen und stürzte nach draußen, gefolgt von seiner Sicherheits-Crew.
 Der Hominoide Mathilde hatte seinen Schießarm aucf einen Menschen gerichtet und abdrücken wollen. Die für diesen Fall vorgesehene Selbstzerstörung begann.

                                                                             9
   „Eines hat es doch gebracht“, sagte Url einige Tage später am Frühstückstisch. „Zwar haben wir Mathilde verloren, aber wir und die Russen wissen jetzt, dass er der originale Labrow ist. Demnächst stehen wieder Präsidentschaftswahlen in Moskau an, und seine Chancen stehe nicht schlecht. Nicht auszudenken –“
   „Was ist eigentlich mit seiner Kopie geschehen“, fragte Ursula Url, geborene Hatetepe´.
   „Sie ist bereits wieder entmaterialisiert worden.“
  Url schüttete nachdenklich den Kopf.
   „Manchmal denke ich, ich sollte diesen Job hier an den Nagel hängen und irgendeinen bürgerlichen Beruf erlernen, und zwar einen möglichst technikfernen. Da rechnen wir mit allen möglichen Angriffen der dritten Art, stellen ein sauteuren Abwehrroboter her, und was tut der Attentäter? Er klebt eine Haftbombe unter das Taxi, mit dem Duck zum Hotel zurückfahren sollte, und lässt sich dabei auch noch erwischen. Blöder geht´s eigentlich nicht mehr. Den ganzen Aufwand hätten wir uns sparen können. Kann ich bitte mal die Marmelade haben?“
   „Hinterher ist man immer schlauer. Was wollte denn der amerikanische Botschafter?“
  „Er hat sich nach den Kosten von Entwicklung und Bau Mathildes erkundigt.“
   „Klingt doch nicht schlecht.“
   „Ja. Und die Chinesen sind auch interessiert. Hmm... Wie geht´s eigentlich dem Kleinen?“
   „Er macht schon die ersten Gehversuche.“
   „Schön.“
   „Weißt du, Ken, bei der ganzen Sache ist mir nicht ganz wohl.“
   „Und warum nicht, Uschischatz?“
   „Ich meine, wer sagt dir, dass Mathilde bei Labrows Kopie nicht auch versagt hätte? Schließlich war seine Kopie lebensecht.“
   „Ich gebe zu, daran muss noch gearbeitet werden.“
   „Streng genommen hat doch nicht Mathilde, sondern der Wachmann, der auf den Mann mit der Haftbombe aufmerksam wurde, den falschen Labrow entlarvt. Ohne diesen aufmerksamen Wachmann tapptet ihr immer noch im Dunkeln.“
   Url seufzte. „Da magst du wohl recht haben. Es ist manchmal ziemlich frustrierend.“
    „Du willst doch nicht etwa aufgeben?“
   Url fuhr auf. „Natürlich nicht! Wie kommst du darauf?“
   „Nur so. Könnte ich mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, es sei denn, ich hätte den falschen Mann geheiratet. Nun mal heraus mit der Sprache, mein Lieber. Was planst du als nächstes?“
   Url grinste. „Uschischatz, dir kann man wirklich nichts vormachen. Ja, du hast recht. Mir schwebt da etwas vor... Ein großes, ein großartiges Projekt... Ein Projekt, mit dem ich die Welt wirklich besser machen kann.“
   „Und du glaubst wirklich, dass es diesmal klappt?“
   „Hundertprozentig sicher sein kann man natürlich sich nie. Aber die Chancen stehen nicht schlecht. Und es wird auf keinen Fall so aufwändig wie das Projekt Mathilde. Außerdem liegt das Projekt weder in der Vergangenheit noch in der fernen, sondern in der nahen Zukunft und bleibt damit zu jeder Zeit kontollierbar.“
   „Aha! Darf man mehr erfahren?“
   „Aber natürlich! Könnte ich zuvor noch einen Kaffee haben?“
   „Gerne! Also, was ist es?“
   „Ich habe vor, unsere Kinder mit deiner Hilfe zu wertvollen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen. Nachhaltiger kann man die Welt nicht verbessern. Was hältst du davon, Uschischatz?“
   „Das wär doch mal was! Aber nenne mich nicht immer Uschischatz! Sonst –“
   „Sonst?“
   „Das wirst du dann schon sehen!“
   „Okay, Usch –“
   Ein saftiger Kuss beendete das Geplänkel.

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wunderkerze
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BeitragVerfasst am: 08.03.2019 12:30    Titel: Re: Fortsetzung Antworten mit Zitat

Aloha

Freut mich, wenn ich etwas weiterhelfen kann ^^
Du postes in einem enormen Tempo *lach* Ist etwas schwer, hinterherzukommen, vor allem, wenn man nebenher noch zu tun hat Wink
Aber ok, jetzt bin ich beim dritten Post angekommen und mag den ein wenig zerpflücken. Soweit ist es immer noch interessant, aber langsam wird es schwer, der Sache zu folgen, wenn ich ehrlich bin. Ich würde mir wünschen, dass du bald dazu übergehst, ein wenig Hintergrund zu der bevorstehenden tat einzustreuen.

wunderkerze hat Folgendes geschrieben:
Frau Dr. Hatetepe´ sah Url begeistert an. Die letzte Nacht mit ihm war bombig gewesen.

Der Akzent gehört da nicht hin, oder?
Übrigens benutzt du Akzente anstatt Apostrophen.

Zitat:
„Auch nicht. Nervengas wirkt nicht zielgenau genug. Man wollte ja den Vater und nicht die Tochter vergiften. Und dann ist es nicht todsicher. Die beiden leben ja noch. Ferner: Wie soll er es ihm verabreichen? Damals hat jemand unbeobachtet eine Ampulle oder Kapsel unter die Bank geworfen, auf der die beiden saßen. Nein, ich denke da eher an so etwas wie Aconitin.“
   „? ? ?“

Die drei Fragezeichen sind mir zu sehr Chatspeech, das hat mich einen Moment aus der Geschichte geholt. Ein einfaches "Was?" oder eine optische Reaktion wie ein verwundeter Blick oder ein Stocken in der Bewegung würde ich besser finden.

Ansonsten gefällt mir der Abschnitt, auch wenn ich zu Anfang etwas verwirrt war. Insgesamt hast du eine Menge Figuren drin, die alle nur oberflächlich vorgestellt werden. Da muss man schauen, wie sich das im weiteren Verlauf entwickelt. Gegebenenfalls müsstest du bei allen Einführungen von Figuren nochmal etwas mehr Zeit auf die Charakterisierung geben. Aber wie gesagt, dass muss ich im Nachgang sehen, wie es wirk ^^
Url finde ich übrigens sehr gut. Da hat jemand eine eigene Stimme und ein eigenes Verhalten. Er ist damit die erste Figur nach Labrow (und den anderen Politikern), die bei mir ein Aussehn als Figur und nicht als Stereotyp gewinnt.

Zitat:
Er dachte: Alleine, ohne Begleitung. Wäre doch gelacht!

Die Stelle hat mich auch rausgeholt. Ich meine, du hast einen auktorialen Erzähler, ja. Aber der ist an keiner anderen Stelle bisher so plump. Das wirkt fast, als käme ein älterer Herr mit einem Buch auf die Bühne und wollte mir die Moral erklären. Ich würde den Satz einfach rauslassen. Oder auch erzählend einbauen. Oder den Herren murmeln lassen.

Zitat:
Die Tür des Lifts öffnete sich, und jetzt war sich der Boy auch nicht mehr sicher, ob er noch wach war oder schon träume. Herein schritt ein weiterer russische Außenminister und sagte in hartem Deutsch: „Zimmärr dräihundertdräi, bittä!“

Die Darstellung mit dem Akzent ist zwar herrlich, aber ich glaube nicht ganz richtig. Ich gehe eher davon aus, dass der Herr Minister "Zimma" sagen wird. Das deutsche Schluss-R wird in der Regel verschluckt bzw. bildet mit dem e davor einen a-ähnlichen Laut und mittlerweile wird das (soweit ich weiß) auch Ausländern im Deutschunterricht so beigebracht. Alternativ würde "Zimmar" gehen. Die äis kann man so lassen (ich würde eher ey nehmen, aber das ist Geschmackssache), die sehen lustig aus.

Zitat:
Wer im Oktober in München sei und der Theresienwiese nicht wenigstens  einen kurzen Abstecher gönne, so ließ er vollmundig verlauten, habe sein Leben nicht verdient.

Zwischen September und Oktober. Das Oktoberfest liegt in beiden Monaten. Oder "Anfang Oktober", entsprechend zu der Aussage mit dem letzten Tag des Festes. "Im Oktober" klingt mir persönlich zu Mittig.

Zitat:
Donald D. Duck

Herrlich! Ich hatte nicht gedacht, dass du Wladimir Puschkin noch toppen würdest, aber der war echt gut!

So, das waren soweit die Anmerkungen dazu. er teil war jetzt auch recht lang, deswegen bin ich noch nicht viel weiter gekommen.  Ich werde später oder morgen den nächsten Teil in Angriff nehmen.
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