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Es schreitet der Kranich. Old School mit 17 Silben.


 

 
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Willi Wamser
Gänsefüßchen


Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 27.01.2019 11:43    Titel: Es schreitet der Kranich. Old School mit 17 Silben. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es schreitet der Kranich. Old School mit 17 Silben.



Schau, im Whirlpool
die Maus! Ertrunken treibt sie
stumm im Kreis herum...
aligaga

Showtime, gewissermaßen:  Eine  Viertelstunde vorbei im Seminarraum R 205, Wacherstraße. Fünf Tische, an jedem zwei Studenten: „Literarisches Schreiben“,  erste Sitzung.

Vorne links der junge Mann da, heißt Konrad Miltenberger - kurzer Blick in die Anmeldungsliste -  im 7. Semester Germanistik. Er ist fertig mit Schreiben, die anderen auch, er beginnt vorsichtig: „Zum Thema Tiere,  in vier Minuten aufs Papier hingeworfen, hab ich jetzt was." Und dann:  "Ich habe Sie schon richtig verstanden, Herr Tanner, wir sollten so schreiben, was uns einfällt. Und es soll  ein wenig gewählt und literarisch  und altmodisch sein, Old School? Heftige Old School.? Jetzt gleich unseren Text präsentieren, Herr Tanner?”

Hm, die Stimme hörte sich ein  wenig zittrig an,  ein wenig flach. "Ja, jetzt”, sagte Tanner und fuhr sich über sein kurzes, graues Haar, das danach (war halt so) sicher  wieder senkrecht vom Kopfe abstehen würde. Er hatte ihnen gesagt, das hier sollte schon beachtet werden  beim Vorlesen:  Akustik,  Blickkontakt.  Einfach auf das Umfeld achten.
Nun ein aufmunterndes Lächeln für Konrad Miltenberger. Der  nahm Blickkontakt auf, zu Tanner, zu den anderen. Tippte nun aber kurz an den Nasenbügel der metallgefassten Brille,  schob sie dort hoch,  rückte die Seitenbügel  zurecht, schaute in die Runde:  Augen eines Autofahrers  hinter einer Windschutzscheibe bei Fahrt im Regen durch die  Nacht. Vornübergebeugt - konzentriertes Lenken  hinter den vorausleuchtenden  Scheinwerfern her - begann er:

"Der Katzenfürst hat nichts zu tun,
maunzt gar sehr und kann nicht ruhn.
Horcht gar bang zum Gang hinaus,
endlich kommt Sie.-  Ei, der Daus!
Schlank und biegsam, wunderbar,
braune Augen, schwarz das Haar."

„Ein bisschen Eugen Roth”, murmelte Friedrich Tanner und schwieg ein bisschen. Dafür auch  hatte man  sechs Semester Germanistik in München studiert. Bibliothek, Seminar, Seminararbeit, Seminararbeit. Noch eine Seminararbeit.  Dann Literaturinstitut in Leipzig.  Austausch, Inspiration, Kritik. War besser, praktischer und kognitiver und weniger „splendid isolation  in der Kammer". Sehr gut für das hier jetzt. Aber am  besten war doch die Sache mit dem  Großvater gewesen: Fünf Bücherschränke im Wohnzimmer, drei im Flur, Eduard Engel Deutsche Stilkunst, Thomas Mann Zauberberg,  Heinrich Seidel Leberecht Hühnchen.  Camping auf dem Sofa. Konnte man tagelang durchhalten. Manchmal in der Küche ein Butterbrot holen. Kirschen aus dem Garten. Dann hatten sie zusammen Neues entdeckt, W.A. Auden  und Thomas Kling. Glück und Freude. "5 tage und nächte, schwimmend, in büllender see, das schwert in der hand, selbstverständlich." Dann wieder der Griff zu den Alten („die Geister längst verrauchter Ahnen wachrufen“, „O Siegfried, du meine hürnene Brille, dein Macher hat einst das Gestell in Drachenblut getaucht, dann Gläser eingesetzt  und so dich erschaffen, wo bist du  denn eigentlich schon wieder hin?“ „Ach, Großvater“). Tanner nickte jetzt:
„Ja, Herr Miltenberger. Old School. Das ist Old School. Das war Old School.“
Pause. Dann blickte Tanner  zu Thomas Anderson: "Herr Anderson?"
"Habe einen Haiku notiert. " Und dann  langsam,  die Silben im Knie, nach der ersten und der zweiten Zeile innehaltend, schritt meditativ und tänzelnd der Japaner durch den Raum:

"Der Kranich schreitet
Im Sonnenschein sich plusternd,
hier  auf dünnem Eis."

Ausatmen nach der dritten Zeile. Konrad Miltenberger, der Katzenfürstendichter,  zeigte keine Regung, die Hand lag auf seinem Blatt von vorhin, die anderen hatten gespannt zugehört, jetzt schauten sie auf ihre Texte. Georg Mallon drüben  fummelte einen Zettel vom Tisch hoch. Hatte  vor fünf Minuten neugierig  Andersons  Haikuschreibe seitwärts mitverfolgt, was der da an Wörtern in drei Zeilen verteilte.  Jung und wach,  dachte Tanner, kein Hans-Castorp-Student. So auf den ersten Blick eher  ein Mix aus Waschbär, Snoopy, Schroeder und  Leberecht Hühnchen. "Bitte, Sie sind dran."

"Es hat mich erblickt
Und macht ein saures Gesicht
Der alte Kranich."

Wow. Wow. Was für zwei schöne Kurztexte von den zwei. Nehmen die Vorgabe „altes Schreiben“ auf, spielen damit, haben wahrscheinlich ein Gefühl für die gewisse Komik des gravitätischen Schreitens. Jetzt  besser nicht herumdozieren, die Leute sprechen lassen. Also, Ansage an alle: „Zwischenstopp. Kurzer Austausch untereinander“, Friedrich Tanner lehnte sich zurück, „ die anderen Texte kommen später, plaudern wir los..“  

Mallon: „Ho, dein Haiku war gut, der schreitende Kranich auf dünnem Eis.”
Anderson: „Deiner auch: der alte, saure  Kranich.“
Mallon:„Aha?”
Anderson:„Wenn wir Menschen uns von Tieren irgendwie unterscheiden,
dann durch unsere Fähigkeit, Haikus mit Tieren zu schreiben.”
Mallon (lachend): „Hoho.“
Anderson: „Und darüber zu lachen.”
Sieh da: Mallon tippt mit dem Zeigefinger  gegen die Brust von Anderson, betont jede einzelne Silbe, fern von lockerer Prosa: „Du Mensch. Du-Stelz-vo-gel!”
Anderson: „In-kor-rekt. Ich gleiche nämlich dem Adler.”  
Mallon (blickt zuerst Anderson an, dann zur Decke hinauf): „Aha. Droben kreist in höchsten Höhen der Herrscher der Vögel, des Sturmes gewaltiger Aar.”
Mallon (deutet auf den braunen Laminat-Boden): „Drunten aber im Sande buddelt die Milbe.”

Die beiden heben ihre Schreibstifte, kreuzen sie über den Tisch: Klirrende Klingen - Gawain von Orkney, Parzival, Lancelot, Prinz Malagant, Feirefiz -  die zwei jungen Recken verneigen sich spielerisch  voreinander.
Na, nunja, dachte Tanner,  das  wird gut.


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John Paul
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

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BeitragVerfasst am: 30.01.2019 14:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Willi,

nochmal ich. Gefällt dir dein Text, wenn du ihn selbst liest? Du hast gute Ideen, aber inhaltlich ist das nicht so gut umgesetzt und irgentwie scheint dir viel daran zu liegen, Schriftsteller zu benennen und zu zirieren, wieso auch immer, du willst doch eigeneTexte schreiben und einen eigenen Stil umsetzen, oder nicht?

Gruß

John
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John Paul
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Beiträge: 41
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 09.02.2019 11:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Willi,

Ich mach mal offiziel einen Kniefall. Hab mir mal das geschehen hier durch den Kopf gehen lassen und das mit dem Kritik äussern...ich habe gesehen, hier im Forum gibt es eine Empfehlung und Punkte, die zu beachten sind.
Damit will ich sagen, ich ziehe meine Kritik zurück, weil sie keine ist, sondern nur eine Geschmacksangabe.

Sorry für die scharfen Sätze!

Gruß

John
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wunderkerze
Eselsohr


Beiträge: 207



BeitragVerfasst am: 26.02.2019 18:45    Titel: Antwort Antworten mit Zitat

hallo J.P.
 
was ist denn nu los? Seit wann werden denn hier Kniefälle gemacht, hä? War überhaupt nicht und von dir erst recht nicht nötig. Hugh!
 
Lieber W.W.,

es ist doch immer wieder erstaunlich, in welche Verwirrung die Abwesenheit eines Kommas einen unbescholtenen Leser bringen kann. "...eine viertel Stunde vorbei im Seminarraum." Was? Der S. liegt schon eine v. St. hinter mir?
 Gut, Schwamm drüber.
 Ich trete also ein. Wie bitte? Ich höre englische Laute! Wo ich doch extra in ein Germanistik-Sem. eingekehrt bin, um diesen scheiß Anglizismen zu entkommen. Na gut. Old school. Ich hätt gesagt: wie Bergengruen.
 "Klingt ein bisschen wie Eugen Roth." Nee, mein Lieber. Wenn der so gedichtet hätte, säße er heute noch auf den Resten seiner Erstauflagen.
  "...Schaut in die Runde wie ein Autofahrer..." Ähem. Als ich letztens nachts und bei Regen unterwegs war, habe ich stur geradeaus durch die regennasse Windschutzscheibe (nicht durch die regenn. Brille) geschaut und selbstverständlich angenommen, dass die Scheinwerfer geradeaus leuchten. Und verbeugt hab ich mich auch nicht. Wäre auch, genau wie hier, überflüssig gewesen.
Worin unterscheidet sich der Mensch vom Tier? Er macht Haidokus über Tiere. Okay. Stimmt. So wie diesen. Aber warum lacht der Mann darüber?
Steht da nicht irgendwo, dass der Lehrer eingenickt ist? Kann die Stelle nicht mehr finden. Wahrscheinlich ist es wieder aufgewacht. Wenn nicht - platt, äußest platt! Hatte schon gehofft, dieses Lehrstück käme ohne pennenden Pädagogen aus. Dann hats eben nicht sollen sein.

Lieber Willi Wamser, was willst du mir mit diesem Text mitteilen? Dass in einem Germ.Sem. Autorennamen fallen und Verse geschmiedet werden? Oder bin ich zu undedarft, um deine geheime Botschaft zu erkennen? Viell. sagst du es mir mal, möglicherw. hinter vorgehaltener Hand? Müssen ja nicht alle gleich mithören.
Am Schreibstil mangelts dir nicht, du schingst eine lockere Feder. Aber am Plot.

Viele Grüße
wunderkerze


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wunderkerze
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wunderkerze
Eselsohr


Beiträge: 207



BeitragVerfasst am: 26.02.2019 18:57    Titel: ergänzung Antworten mit Zitat

verflixt, dass man hier nix mehr ändern kann. Finde den nickernden Sem.Leiter immer noch nicht. Wäre schön, wenn man beim Kritisieren den Text vor Augen hätte. Dann wars eben ein Irrtum. Hätte aber können gut sein.

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wunderkerze
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Willi Wamser
Gänsefüßchen


Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 20.03.2019 17:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schreibseminar! Old School! Haikuuus!



Motto und Gebrauchsanweisung:
verflixt, dass man hier nix mehr ändern kann.
Finde den nickernden Sem.Leiter immer noch nicht.
Wäre schön, wenn man beim Kritisieren den Text vor Augen hätte.
Dann wars eben ein Irrtum.
Hätte aber können gut sein.
Wunderkerze


Friedrich Tanner wusste recht gut, wie man in einer Eröffnungsstunde am besten vorging. In  so einer Situation war kein Theoretisieren gefragt, keine langen Monologe, in denen der Zuhörer nahezu ertrank und dann im Wirbelstrom der Dozentenworte kreiselnd herumtrieb, es sollten keinerlei Kunstfertigkeiten vorgeführt werden  und erst recht keine schnelle Kritik an dem, was da gerade im Raum 205 geschrieben wurde.  Also legte Tanner   sein Konzeptpapier zur Seite,  den Vierfarbenstift daneben, verschränkte die Arme vor der Brust.  Ganz entspannte Zurücknahme seiner Person und für die anderen:  wohlwollende Aufmerksamkeit.

Vorne links der junge Mann, ein Herr Konrad Miltenberger - kurzer Blick in die Anmeldungsliste -  im 7. Semester Germanistik, erstes Semester "Literarisches Schreiben",   war   nun offensichtlich fertig geworden, die anderen wohl  auch - sechs Studenten, drei Studentinnen.  Tanner nickte ihm zu, Miltenberger straffte sich und begann vorsichtig zu sprechen: „Zum Thema Tiere,  in vier Minuten aufs Papier hingeworfen, hab ich jetzt was." Und dann:  "Ich habe Sie schon richtig verstanden, Herr Tanner? Wir sollten so schreiben, was uns einfällt. Und es soll  ein wenig gewählt und literarisch  und altmodisch sein, Old School? Heftige Old School?”

Die Stimme hörte sich für Tanner ein  wenig zittrig an,  ein wenig flach. "Ja, bitte”, sagte Tanner und fuhr sich über sein kurzes, graues Haar, das danach  sicher   gleich wieder  vom Kopfe abstehen würde. Er hatte ihnen eher beiläufig gesagt,  Akustik,  Blickkontakt, das sollte schon beachtet werden  beim Vorlesen. Sich was zutrauen und sich vertrauen. Es gab  noch ein  aufmunterndes Lächeln für den Studenten. Der öffnete und schloss den Mund,   tippte  kurz an den Nasenbügel der metallgefassten Brille,  schob sie  hoch,  rückte die Seitenbügel  zurecht, schaute in die Runde und trug dann vor.  Augen wie die  eines Autofahrers  hinter einer Windschutzscheibe,  bei Nachtfahrt im Regen:

"Der Katzenfürst hat nichts zu tun,
maunzt gar sehr und kann nicht ruhn.
Horcht gar bang zum Gang hinaus,
endlich kommt Sie.-  Ei, der Daus!
Schlank und biegsam, wunderbar,
braune Augen, schwarz das Haar."

„Ein bisschen Eugen Roth”, murmelte Friedrich Tanner leise und lächelte. Das Archiv der Erinnerung  hatte sich geöffnet. Sechs Semester Germanistik in München. Bibliothek, Seminar, Seminararbeit, Bibliothek, Seminararbeit. Bibliothek. Noch eine Seminararbeit.  Dann Literaturinstitut in Leipzig.  Austausch, Inspiration, Kritik. War besser, praktischer und kognitiver und weniger „splendid isolation  in der Kammer". Sehr gut für das Hier und Jetzt. Aber am  besten war doch die Sache mit dem  Großvater gewesen: Fünf Bücherschränke im Wohnzimmer, drei im Flur, Eduard Engel Deutsche Stilkunst, Thomas Mann Zauberberg Heinrich Seidel Leberecht Hühnchen  Camping tagsüber bis spät auf dem Sofa. Konnte man tagelang durchhalten. Manchmal aus der Küche ein Butterbrot, halbiert, Schnittchen ("Reiterli"), noch eins. Kirschen aus dem Garten oder aus den Weckgläsern in der Speisekammer oder aus dem  Keller. Sollte er irgendwann den jungen Leuten davon erzählen?

Davon, wie er zusammen mit dem Großvater Neues entdeckt hatte? Zum Beispiel diesen W.A. Auden: "Over the heather the wet wind blows/I've lice in my tunic and a cold in my nose. When I'm a veteran with only one eye/ I shall do nothing but look at the sky" (Roman Wall Blues). Und Thomas Kling: "5 tage und nächte, schwimmend, in brüllender see, das schwert in der hand, selbstverständlich" (Rollen). Davon, was für ein Glück  und was für eine Freude das brachte.  Davon, wie man zwischendurch wieder  zu den Alten griff, "Buddenbrocks", Bengtsons "Röde Orm" mit Frater Willibald,  manchmal der Griff in den Rumtopf ganz hinten im Regal, dann wieder Knut Hamsun. Oder zum siebten Mal Ingmar Bergmans "Wilde Erdbeeren" von der VHS-Kassette. „Die Geister längst verrauchter Ahnen wachrufen“, sagte der Großvater dazu. Und: „O  du meine hürnene Brille, dein Macher tauchte einst dein Gestell in Drachenblut, dann schliff er  dir die Gläser ein. Wo bist du  denn eigentlich schon wieder hin entschwunden?“ „Ach, Großvater, immer dein alter Witz.  Die Brille ist oben auf´m Kopf.“).

Rascheln von  Papieren und mehrfaches Räuspern ringsum - Tanner hob den Kopf,  Raum 205 tauchte auf,  er nickte dem jungen Mann zu: „Entschuldigung, Herr Miltenberger. Ja. Old School. Das ist Old School. Das war Old School.“  Dem Klang von "Old School" nachhören und dem Echo.  Dann blickte Tanner  zu Thomas Anderson: "Herr Anderson?" "Habe einen Haiku notiert."  

Als sich die Gesichter ihm zuwandten, atmete Anderson tief ein  und ließ dann den Japaner auf den siebzehn Silben balancieren und so durch die drei  Zeilen staksen.

"Der Kranich schreitet
Im Sonnenschein sich plusternd,
hier  auf dünnem Eis."

Ausatmen nach der dritten Zeile. Konrad Miltenberger, der Katzenfürstendichter,  zeigte keine Regung, die Hand lag auf seinem Blatt von vorhin, die anderen hatten gespannt zugehört, jetzt schauten sie auf ihre Texte. Georg Mallon drüben  fingerte einen Zettel vom Tisch hoch. Hatte  vor fünf Minuten neugierig  Andersons  Haikuschreibe seitwärts mitverfolgt .   Jung und wach,  dachte Tanner, kein Hans-Castorp-Studiker. Ein Mix aus Waschbär, Snoopy, Schroeder und  Leberecht Hühnchen. So auf den ersten Blick jedenfalls. "Bitte, Sie sind dran." Mallon schloss die Augen, öffnete sie wieder, seine Stimme war  gedämpfter Singsang:

"Es hat mich erblickt
Und macht ein saures Gesicht
Der alte Kranich."

Da schau her! Was für zwei schöne Kurztexte von den zwei. Nehmen die Vorgabe „altes Schreiben“ auf, spielen damit, haben wahrscheinlich ein Gefühl für die gewisse Komik des gravitätischen Schreitens. Jetzt  besser nicht herumschwadronieren, die Leute sprechen lassen. Also, Ansage an alle: „Zwischenstopp. Kurzer Austausch untereinander."  Friedrich Tanner lehnte sich zurück: „ Die anderen Texte kommen später, plaudern wir los."

Mallon: „Ho, dein Haiku war gut, der schreitende Kranich auf dünnem Eis.”
Anderson: „Deiner auch: der alte, saure  Kranich.“
Mallon:„Aha?”
Anderson:„Wenn wir Menschen uns von Tieren irgendwie unterscheiden,
dann durch unsere Fähigkeit, Haikus mit Tieren zu schreiben.”
Mallon (lachend): „Hoho. Ein Bonmot.“
Anderson: „Und durch unsere Fähigkeit, darüber zu lachen.”
(Sieh da, die Zuhörer lächeln,  Mallon tippt mit dem Zeigefinger   gegen die Brust von Anderson, betont jede einzelne Silbe, fern von lockerer Prosa): „Mensch, du Mensch. Du-Stelz-Vo-Gel!”
Anderson: „In-Kor-Rekt. Ich gleiche nämlich dem Adler.”  
Mallon (blickt zuerst Anderson an, dann zur Decke hinauf):
„Aha.
Droben kreist in höchsten Höhen der Herrscher der Vögel, des Sturmes gewaltiger Aar.”
Mallon (deutet auf den braunen Laminat-Boden):
„Drunten aber im Sande buddelt die Milbe.”

Die beiden heben ihre Schreibstifte, kreuzen sie über den Tisch.  Zwei Florette in Schwundform, vielleicht bald elegant  und anmutig geführt im Gang der kommenden Stunden,  funkelnd und  sprühend.  Ach, Gawain von Orkney, Parzival, Lancelot, Prinz Malagant, Feirefiz, Wolfram von Eschenbach, die Großvaterhöhle und die zwei jungen Fechter. Spielerisch  und leicht, wie sie sich  voreinander verneigen.
Da schau her,  sagte  Tanner noch einmal,  das  wird gut.
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wunderkerze
Eselsohr


Beiträge: 207



BeitragVerfasst am: 20.03.2019 17:52    Titel: Anrwort Antworten mit Zitat

Hallo Willi Wamser,

 so ist es besser. Sollte dich jemand für den LiteraturNobelPreis vorschlagen, sag ihm, ich hätte dich schon vor ihm entdeckt. Dein Stil ist nach wie vor erfrischend.
  Allerdings, ich weiß immer noch nicht, warum man in 1 Grm.Sem. soviel Englisch quasselt...
In aller Freundschaft
wunderkerze


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wunderkerze
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Willi Wamser
Gänsefüßchen


Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 21.03.2019 20:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Diskurs der Kunstverständigen
Kunstszene


Wunderkerze:
Nobelpreisverdächtig jetzt, nach meinem wohlmeinenden Eingriff in diesen Thread. Hihi. Der Tanner ist wohl doch oder doch nicht eingenickt. Was weiß man.
Willibald:
Dio mio. Das ist interne Fokalisation. Erlebte Rede und so was. Der pennt nicht. Die ihm bekannten Dichter sind in der Schreibsituation präsent. Weil sie - "old school" - vom saloppen Begriff "alte Schule" in seiner "Erinnerung" aufgerufen werden.
Wunderkerze:
Höhö, darum geht es gar nicht mehr. Einfach mal lustige Schlenker einbauen. Die Studentin könnte überlegen, welche Unterwäsche sie anzieht.... Die Studenten sind mit one-night...
Willibald: (unterbricht Wunderkerze)
Aber das war doch Wunderkerzes wunderlicher Kommentar zu dem "spirituellen Leistungskurs"? Was soll das im Seminar jetzt? Da gibt es für das Lesersensorium in den Kranich-Haikus eine Selbstreferenz auf die gewisse Komiknähe traditioneller Features wie den Haiku ...
Wunderkerze:
Puh. Schon wieder sowas Englisches.
Muss man nicht so eng sehen mit dem Eros, ist ja nur eine Anregung, und mich langweilt halt manches. Sex sells. Außerdem nochmal: Was soll dieses Englischzeug in einem siebten Semester Germanistik. Pöhhh.
Willibald:
Der genannte Typ hat sieben Semester Germanistik im Text. Und das erste Semester "Literarisches Schreiben". Sowas machen sie in Hildesheim und in Leipzig, wenn jemand schon sein normales Studium fast fertig hat. Und die jungen Leute kennen den Begriff "old school" als gängigen Begriff. "Traditionelle Literatur" oder "altbackene " "großväterliche Literatur" könnte man auch sagen, klar. Aber warum? Aus sprachpflegerischen Gründen? Literatur mit "Schnorres"?
Wunderkerze:
Ach was, "Schnorres".  Ich ballere gerne angestauten Frust wuchtig ins gegnerische Tor. Und du übst dich breitarmig ausholend in Torwartposen. Der Neuer ist ja ja gar nicht so neu, schon 32 Jahre alt ist er.
Willibald:
Nun denn, jetzt also zum Osterhasen. In der frühen Phase des Christentums, als man von Assimilierung und Anverwandlung noch mehr hielt als von strikten Verboten und Abhauen der Donareiche und Verfluchung von Quellnymphen, hatten die weisen Kirchenväter akzeptable Kompromisse in der Hasenfrage gefunden. Der Mensch, immer wieder sinnlichen Begierden erliegend, im kurzen Erdendasein von zahllosen Ängsten befallen und von bösen Feinden gejagt, bis er in der Kirche sichere Zuflucht gefunden hat, im Dom des Glaubens, dem heiligen Bezirk jenseits des Profanen, äh. Ja, es gab sogar die kirchlich lancierte Vorstellung, der Hase und seine Fruchtbarkeit samt den Eiern verbildliche das wiedererwachende Leben der Frühlingsnatur, die Auferstehung aus der Mühsal des Winters - was allerdings nur ins Abendland passt.
Dann allerdings auch eine zunehmende Ambivalenz. Der Hase als  abschreckender Lüstling und Rammler, als vorbildlicher Artvermehrer oder einfach Wildbret mit Pfifferlingen und Rahmsoße und Pfeffer.
Wunderkerze:
Pfifferlinge beim Hasenbraten? Nein.
Aber sonst sind wir beinander.
Klare Kante und fröhliche Unbekümmertheit beim Texten und Kritisieren!
Ein Chor tritt auf:
Man beugt sich nicht, was uns auch droht, wir  werden keine Knechte.
Man bricht  mit Gästen  gern das Brot und wahret seine Rechte,
treibt nicht mit heiligen Dingen Spott, man  ehret fremden Glauben
und lässt sich seine deutsche Sprach von keinem Neurer rauben.

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Willi Wamser
Gänsefüßchen


Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 22.03.2019 17:39    Titel: Hausbackener Haiku pdf-Datei Antworten mit Zitat




Motti:

Schau, im Whirlpool
die Maus! Ertrunken treibt sie
stumm im Kreis herum...
aligaga

Freilich fraß die Gans
meine Gerste - aber weh
tat ihr Scheiden doch.
yasui


Friedrich Tanner wusste recht gut, wie man in einer Eröffnungsstunde am besten vorging. In  so einer Situation war kein Theoretisieren gefragt, keine langen Monologe, in denen der Zuhörer nahezu ertrank und dann im Wirbelstrom der Dozentenworte kreiselnd herumtrieb, es sollten keinerlei Kunstfertigkeiten vorgeführt werden  und erst recht keine schnelle Kritik an dem, was da gerade im Raum 205 geschrieben wurde.  Also legte Tanner   sein Konzeptpapier zur Seite,  den Vierfarbenstift daneben, verschränkte die Arme vor der Brust.  Ganz entspannte Zurücknahme seiner Person und für die anderen:  wohlwollende Aufmerksamkeit.

Vorne links der junge Mann, ein Herr Konrad Miltenberger - kurzer Blick in die Anmeldungsliste -  im 7. Semester Germanistik, erstes Semester "Literarisches Schreiben",   war   nun offensichtlich fertig geworden, die anderen wohl  auch - sechs Studenten, drei Studentinnen.  Tanner nickte ihm zu, Miltenberger straffte sich und begann vorsichtig zu sprechen: „Zum Thema Tiere,  in vier Minuten aufs Papier hingeworfen, hab ich jetzt was." Und dann:  "Ich habe Sie schon richtig verstanden, Herr Tanner? Wir sollten so schreiben, was uns einfällt. Und es soll  ein wenig gewählt und literarisch  und altmodisch sein, Old School? Heftige Old School?”

Die Stimme hörte sich für Tanner ein  wenig zittrig an,  ein wenig flach. "Ja, bitte”, sagte Tanner und fuhr sich über sein kurzes, graues Haar, das danach  sicher   gleich wieder  vom Kopfe abstehen würde. Er hatte ihnen eher beiläufig gesagt,  Akustik,  Blickkontakt, das sollte schon beachtet werden  beim Vorlesen. Sich was zutrauen und sich vertrauen. Es gab  noch ein  aufmunterndes Lächeln für den Studenten. Der öffnete und schloss den Mund,   tippte  kurz an den Nasenbügel der metallgefassten Brille,  schob sie  hoch,  rückte die Seitenbügel  zurecht, schaute in die Runde und trug dann vor.  Augen wie die  eines Autofahrers  hinter einer Windschutzscheibe,  bei Nachtfahrt im Regen:

"Der Katzenfürst hat nichts zu tun,
maunzt gar sehr und kann nicht ruhn.
Horcht gar bang zum Gang hinaus,
endlich kommt Sie.-  Ei, der Daus!
Schlank und biegsam, wunderbar,
braune Augen, schwarz das Haar."

„Ein bisschen Eugen Roth”, murmelte Friedrich Tanner leise und lächelte. Das Archiv der Erinnerung  hatte sich geöffnet. Sechs Semester Germanistik in München. Bibliothek, Seminar, Seminararbeit, Bibliothek, Seminararbeit. Bibliothek. Noch eine Seminararbeit.  Dann Literaturinstitut in Leipzig.  Austausch, Inspiration, Kritik. War besser, praktischer und kognitiver und weniger „splendid isolation  in der Kammer". Sehr gut für das Hier und Jetzt. Aber am  besten war doch die Sache mit dem  Großvater gewesen: Fünf Bücherschränke im Wohnzimmer, drei im Flur, Eduard Engel Deutsche Stilkunst, Thomas Mann Zauberberg Heinrich Seidel Leberecht Hühnchen  Camping tagsüber bis spät auf dem Sofa. Konnte man tagelang durchhalten. Manchmal aus der Küche ein Butterbrot, halbiert, Schnittchen ("Reiterli"), noch eins. Kirschen aus dem Garten oder aus den Weckgläsern in der Speisekammer oder aus dem  Keller. Sollte er irgendwann den jungen Leuten davon erzählen?
Davon, wie er zusammen mit dem Großvater Neues entdeckt hatte? Zum Beispiel diesen W.A. Auden: "Over the heather the wet wind blows/I've lice in my tunic and a cold in my nose. When I'm a veteran with only one eye/ I shall do nothing but look at the sky" (Roman Wall Blues). Und Thomas Kling: "5 tage und nächte, schwimmend, in brüllender see, das schwert in der hand, selbstverständlich" (Rollen). Davon, was für ein Glück  und was für eine Freude das brachte.  Davon, wie man zwischendurch wieder  zu den Alten griff, "Buddenbrocks", Bengtsons "Röde Orm" mit Frater Willibald,  manchmal der Griff in den Rumtopf ganz hinten im Regal, dann wieder Knut Hamsun. Oder zum siebten Mal Ingmar Bergmans "Wilde Erdbeeren" von der VHS-Kassette. „Die Geister längst verrauchter Ahnen wachrufen“, sagte der Großvater dazu. Und: „O  du meine hürnene Brille, dein Macher tauchte einst dein Gestell in Drachenblut, dann schliff er  dir die Gläser ein. Wo bist du  denn eigentlich schon wieder hin entschwunden?“ „Ach, Großvater, immer dein alter Witz.  Die Brille ist oben auf´m Kopf.“

Rascheln von  Papieren und mehrfaches Räuspern ringsum - Tanner hob den Kopf,  Raum 205 tauchte auf,  er nickte dem jungen Mann zu: „Entschuldigung, Herr Miltenberger. Ja. Old School. Das ist Old School. Das war Old School.“  Dem Klang von "Old School" nachhören und dem Echo.  Dann blickte Tanner  zu Thomas Anderson: "Herr Anderson?" "Habe einen Kurztext notiert, klassische, traditionelle, alte Form, Haiku."  

Als sich die Gesichter ihm zuwandten, atmete Anderson tief ein  und ließ dann den Japaner  in  siebzehn Silben  durch die drei  Zeilen staksen.

"Der Kranich schreitet
Im Sonnenschein sich plusternd,
hier  auf dünnem Eis."

Ausatmen nach der dritten Zeile. Konrad Miltenberger, der Katzenfürstendichter,  zeigte keine Regung, die Hand lag auf seinem Blatt von vorhin, die anderen hatten gespannt zugehört, jetzt schauten sie auf ihre Texte. Georg Mallon drüben  fingerte einen Zettel vom Tisch hoch. Hatte  vor fünf Minuten neugierig  Andersons  Haikuschreibe seitwärts mitverfolgt .   Jung und wach,  dachte Tanner, kein Hans-Castorp-Studiker. Ein Mix aus Waschbär, Snoopy, Schroeder und  Leberecht Hühnchen. So auf den ersten Blick jedenfalls. "Bitte, Sie sind dran." Mallon schloss die Augen, öffnete sie wieder, seine Stimme war  gedämpfter Singsang:

"Es hat mich erblickt
Und macht ein saures Gesicht
Der alte Kranich."

Da schau her! Was für zwei schöne Kurztexte von den zwei. Nehmen die Vorgabe „altes Schreiben“ auf, spielen damit, haben wahrscheinlich ein Gefühl für die gewisse Komik des gravitätischen Schreitens. Und für die Gefahr, mit alten, alten Formen einzubrechen. Auch und gerade wenn der Kranich alt und der Autor jung ist. Und vielleicht ist Tanner der alte Kranich. Oder das alles gilt. Jetzt besser nicht herumschwadronieren, die Leute sprechen lassen. Also, Ansage an alle: „Zwischenstopp. Kurzer Austausch untereinander." Friedrich Tanner lehnte sich zurück: „ Die anderen Texte kommen später, plaudern wir los."

Mallon: „Ho, dein Haiku war gut, der schreitende Kranich in alter Form auf dünnem Eis.”
Anderson: „Deiner auch: der alte, saure  Kranich, vom Haiku-Studenten aufs Eis geführt.“
Mallon:„Jawohl. Glatteis, dünnes Eis.”
Anderson:„Wenn wir Menschen, lieber Watson,  uns von Tieren irgendwie unterscheiden, dann durch unsere Fähigkeit, Haikus mit Tieren zu schreiben und brenzlige Situationen darin abzubilden.”
Mallon (lachend): „Hoho, Sherlock. Ein Bonmot.“
Anderson: „Und durch unsere Fähigkeit, darüber zu lachen.”
Sieh da, die Zuhörer lächeln,  Mallon tippt mit dem Zeigefinger   gegen die Brust von Anderson, betont jede einzelne Silbe, fern von lockerer Prosa: „Mensch, du Mensch. Du-Stelz-Vo-Gel!”
Anderson: „In-Kor-Rekt. Ich gleiche dem Adler.”  
Mallon blickt zuerst Anderson an:
„Aha", kurzer Blick zur Decke, "droben kreist in höchsten Höhen der Herrscher der Vögel, des Sturmes gewaltiger Aar.”
Mallon deutet auf den braunen Laminat-Boden:
„Drunten aber im Sande buddelt die Milbe.”

Die beiden heben ihre Schreibstifte, kreuzen sie über den Tisch.  Zwei Florette in Schwundform, vielleicht bald elegant  und anmutig geführt im Gang der kommenden Stunden,  funkelnd und  sprühend.  Ach, Gawain von Orkney, Parzival, Lancelot, Prinz Malagant, Feirefiz, Wolfram von Eschenbach, die Großvaterhöhle und die zwei jungen Fechter. Spielerisch  und leicht, wie sie sich  voreinander verneigen.
Da schau her, Tanner fuhr sich versonnen durchs Haar, das wird gut.
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BeitragVerfasst am: 23.03.2019 01:58    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Schau, im Whirlpool
die Maus! Ertrunken treibt sie
stumm im Kreis herum...
aligaga


Wer ist denn dieser aligaga? Ein Haijin? Question
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wunderkerze
Eselsohr


Beiträge: 207



BeitragVerfasst am: 23.03.2019 13:58    Titel: Antwort Antworten mit Zitat

Kirchenraum, auf dem Chor ein Mann im Schlafsack.

wunderkerze erwacht, reibt sich den Beischlaf aus den Augen und erhebt sich, den Faust in der Hand.

    Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei -

Er blickt sich verstört um.
Wie? Was ist das? Wo bin ich? Schlief ich nicht gestern, an der Seite williger Schwestern, in einem Germanistik-Seminar ein? Und wo wache ich heut morgen auf? In einer Kirche! Schnauf! Nein, in einem Dom des Glaubens! (Blickt sich um) Ja wer sitzt den da, mit unten herum nix a? Oh, Monika, nicht schon wieder! Meine Kerze ist noch ziemlich herunter gebrannt - (Ein Herr im Hintergrund) Hörn Se mal, für Ihre komischen Kalauer geb´ ich nicht einn Sexer! - (Wunderkerze) Nu halt mal die Beine still, Opa, und schlaf weiter! - Wie? Du bist nicht die Monika? du bist die Gisela? Also, Monika, auf, auf und hopphopp! Zieh dir mal was an! Wir sind hier schließlich in einer Kirche! Du weißt nicht, wo deine Unterwäsche ist? Na dann such sie gefälligst! Mein Gott, ist die Kirche heute morgen voll! (Hase tritt auf) Wer sind Sie denn? - Mein Name ist Hase! - Angenehm! Und war wollen Sie hier? - Ich suche meine Eier, denn bald ist Ostern!- (Wunderkerze, laut) Hallo! Was machen Sie denn da? Lassen Sie gefälligst den Baum stehen! Der gehört Ihnen nicht! Der gehört der Kirche! - (Der Herr von eben) Ist mir doch wurscht, ist schließlich nicht meine Kirche! Der kommt weg! - ( W., streng) Nach § 29 Naturschutzgesetz ist das Beschädigen oder Fällen - - Papperlapapp! Nach Artikel 140 des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland sind Kirche und Staat getrennt! Also! Ihr Naturschutzgesetzt geht mich einen - (Wunderkerze, erstaunt) Sagen Sie mal, wer sind Sie eigentlich? - Gestatten, Bonifatius! - Boni was? -Fatius. - Aha! Boni mores! Mori fatius quam turpiter vivere! Kennen Sie den Willibald? - Den aus -- Nein, den von Mainz. - Den Bischof?  Na klar! War doch mein Biograph! Guter Mann, der. Nahms allerdings mit der Wahrheit nicht so genau... Na ja, Schwamm drüber! (W., ärgerlich) Herr Hase, was wollen Sie denn nun schon wieder? - Ich kann meine Eier nicht finden! Wo doch bald Ostern ist... - Na dann legen Sie doch neue! - Poh, gute Idee! Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen! (Hase ab. Wunderkerze, bei sich:) Mein Gott die schon wieder! (Laut): Nee, Ingrid, jetzt nicht. Du siehst doch... Du bist die Moni? Egal, ich bin beschäftigt. Vielleicht später. (Zu Bonifatius) Irgendwie lästig, das Vieh! - Sie meinen die Moni? (W. lacht schallend) Nein, ich meine den Hasen. Wirkt irgendwie total überfordert. - Na ja, ist das ein Wunder? Wo ständig Ansprüche an ihn gestellt werden, die er nicht erfüllen kann? - Wie meinen Sie? - Seit der Antike gilt er als Rammelmonster und Vermehrungskünstler. Dabei ist er in dieser Hinsicht nur dritte Wahl. Der Jammerlappen bringt es im Leben gerademal auf schlappe 133 Nachkommen, seine Cousine, die Wanderratte dagegen auf 420. - Na ja, was die Leute so reden. Aristoteles behauptet sogar, der Hase sei ein Wiederkäuer... Was ist denn das da wieder für ein Lärm? Herr Hase! Hören Sie sofort auf zu Rammeln! Wir sind hier in einer Kirche! Sagen Sie mal, Herr Bonifatz - Fatius - Sagen Sie mal, Herr Fatius, warum haben Sie und Ihre Leute den Christen eigentlich eingeredet, der Genuss von Hasenbraten, mit oder ohne Pfifferlinge, mache lüstern? - (B., druckst etwas:) Hmm... äh... nun ja... Angstmachen ist nun mal unser Geschäftsmodell... oder warum glauben Sie wohl, isr die Kirche so reich. - Da haben Sie auch wieder recht. Ingrid, lass mal den Hasen in Ruhe! Der One Night Stand muss für heute erst mal reichen, t, t, t! (Ingrid und Hase ab)

Szenenwechsel

Pappi, wer war eigentlich Bonifatius?
Ein berühmter Bischof, der vor langer Zeit gelebt hat.
Und warum ist er heilig?
Er hat eine dicke Eiche gefällt.
Und dafür wird man heilig?
Dalmals schon.
Durfte er denn das?
Wer sollte es ihm verbieten? Eine starke Militärmacht schützte ihn.
Und warum hat er die Eiche gefällt?
Er wollte den Leuten zeigen, dass seine Religion die wahre ist.
-----
Pappi?
Ja, mein Sohn?
Werden die Leute vom IS auch heilig?
Wie kommst du denn darauf?
Gestern in der Tagesschau haben sie gezeigt, wie diese Leute eine Buddhafiguur umgeworfen haben...

Szenenwechsel. Wunderkerze, Bonifatius, Chor.

       (Chor, singt) - treibt nicht mit heiligen Dingen Spott, man ehret fremden Glauben...
   (Bonifatius mit hochrotem Kopf ab)
   - und lässt sich seiner Sprach -
   (Wunderkerze klopft ab) Nein, so geht das nicht. Soweit kommt´s noch. Deitsche Sprach, schwerre Sprach. Klingt in meinen Ohren irgendwie beleidigend, wenn nicht rassistisch. Das mache ich - Herr Hase, Sie schon wieder!
   Entschuldigen Sie, ich hab´ne schwache Blase. Wo kann man hier denn mal - Kommen Sie, ich zeig´s Ihnen. (Alle ab)


_________________
wunderkerze
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Willi Wamser
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Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 23.03.2019 16:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Berni
Yes, aligaga ist a modern haikuwriter and master, living in Munich.
Greetse
ww
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Willi Wamser
Gänsefüßchen


Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 23.03.2019 16:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ Wunderkerze

Greetings from Molly Bloom and Willisoon ( no bishop) to starbungler ( drunken from himself).
ww
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Berni
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Beiträge: 2421
Wohnort: Südhessen (aus NRW zugelaufen)


BeitragVerfasst am: 24.03.2019 02:31    Titel: Antworten mit Zitat

Willi Wamser hat Folgendes geschrieben:
@Berni
Yes, aligaga ist a modern haikuwriter and master, living in Munich.
Greetse
ww



Dachte ich mir schon. Wink Nur  der Titel "master" war mir noch neu. Aber logo!
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John Paul
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Beiträge: 41
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BeitragVerfasst am: 25.05.2019 08:27    Titel: Antworten mit Zitat

Williy geh mal zum ... ich glaube du brauchst Hilfe. aja und deine Texte sind nach meinem Abschluss, meines Selbststudiums eine Addition von Plagiaten. Da sind keine eigenen Ideen erkennbar und kreativ sind die addierten zittierten geklauten Textpassagen auch nicht.

Gruß

John Paul
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Willi Wamser
Gänsefüßchen


Beiträge: 48



BeitragVerfasst am: 04.06.2019 15:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

John Paul hat Folgendes geschrieben:
Williy geh mal zum ... ich glaube du brauchst Hilfe. aja und deine Texte sind nach meinem Abschluss, meines Selbststudiums eine Addition von Plagiaten. Da sind keine eigenen Ideen erkennbar und kreativ sind die addierten zittierten geklauten Textpassagen auch nicht.

Gruß

John Paul




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