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Roman 'Subkutan' - das erste Kapitel


 
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BaronHarkonnen
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Beiträge: 127
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 07:39    Titel: Roman 'Subkutan' - das erste Kapitel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben,

nach Eurem sehr wertvollen Feedback zu meinem ersten Romanstoff (der sich jetzt in der Agenturen-Warteschleife befindet; drückt mir die Daumen Wink) möchte ich Euch das erste Kapitel meines neuen Projektes zum Fraß vorwerfen. Es handelt sich um einen Biotech-Thriller mit dem Arbeitstitel Subkutan.

Hier ist die erste Szene; die weiteren werden folgen. Im Wesentlich geht's erstmal um die Exposition der Haupt-Prota und um die Einführung des Handlungsortes (Indien). Die weiteren Szenen des 1. Kapitels werd ich bei Interesse sukzessive einstellen.

Feedback ist sehr willkommen! Vielen Dank vorab!

Kapitel 1: Erwachen in Mumbai
Das Erste, das Sarah an diesem Morgen wahrnahm, der doch der Morgen eines ganz besonderen Tages werden sollte, war ihre Migräne. Nicht die Geräusche der fremden Stadt, der Lärmen und Hupen der Motorikschas, nicht die feuchte tropische Hitze, gegen die die Klimaanlage kapituliert hatte, nicht die Aufregung wegen dessen, das sie heute noch zu leisten hatte. All das kam erst später. Erst war da nur die verdammte Migräne.
Es musste der Jetlag sein, dachte sie missmutig, während sie sich zur Seite wälzte und vergeblich einen Weg zurück in den Schlaf suchte. Vielleicht auch die Aufregung, oder eine Kombination aus beidem. Normalerweise war sie nicht so empfindlich, aber dies war, abgesehen von einem Urlaub in Kanada, ihre zweitweiteste Reise, und überhaupt die erste in tropische Gefilde.
Als klar war, dass sie nicht mehr einschlafen würde, gab sie sich geschlagen und taumelte in Richtung Badezimmer. Zum Glück hatte sie in weiser Voraussicht eine kleine Reiseapotheke gepackt. Zwei Paracethamol, mehr lieber nicht, zumindest nicht auf nüchternen Magen. Sarah würgte die Tabletten trocken hinunter, weil sie ihre Wasserflasche schon in der Nacht geleert hatte und der Reiseführer sie unmissverständlich vor dem Genuss von Leitungswasser gewarnt hatte, wollte sie nicht die nächsten zwei Tage über der Kloschüssel hängend verbringen.
Bis zum Weckerklingeln war es noch eine gute halbe Stunde, also stieß sie die hölzernen Lamellentüren auf, die ihr Zimmer mehr schlecht als recht von der Außenwelt abgeschirmt hatten, und trat auf den kleinen Balkon hinaus.
Wäre die Migräne nicht gewesen, die weiter wie ein stumpfes Messer in ihrem Hinterkopf steckte, hätte sie den Ausblick vermutlich genossen. Also, genossen war vielleicht der falsche Begriff, aber er hätte Sarah definitiv Freude bereitet.
Wie bei Dungeon Siege, wenn sich zum ersten Mal die Stadttore öffnen. Wenn alles neu, exotisch und aufregend ist. Schade, dass Tommy das nicht sehen kann.
Die Sonne hatte es erst knapp über die Smogschicht geschafft, die Mumbai einhüllte wie eine gelbbraune Decke, war aber trotzdem schon dabei, ihre Kraft zu entfalten. Sie schien direkt auf den kleinen Balkon; bis zum Vormittag würde sie das Hotelzimmer in einen Backofen verwandeln, Klimaanlage hin oder her.
An der Straßenecke stand eine Gruppe von Männern und trug ihren Teil zur allgemeinen Luftverschmutzung bei, indem sie irgendwelches Zeug in einer rostigen Öltonne verbrannte. Direkt daneben ein fliegender Händler, dessen kleiner Handwagen von Kokosnüssen, Wasserflaschen und Lotterielosen überquoll. Daneben ein weites Ölfass, zu einem provisorischen Grill umgebaut, auf dem Maiskolben und Fleischspieße vor sich hin kohlten. Und über allem der Lärm: das unablässige Hupen, das Knattern der Zweitaktmotoren, das Geschrei der Straßenhändler.
Es war alles ganz schön viel, vor allem dann, wenn man vorgestern noch im winterlichen, verregneten Berlin gewesen war, vor Aufregung schlecht geschlafen hatte und von bohrenden Kopfschmerzen geplagt wurde.

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kioto
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Alter: 66
Beiträge: 337
Wohnort: Rendsburg


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 23:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BaronHarkonnen,

Der Schreibstil deines Textes ist nicht schlecht und korrekt.

Leider habe ich mit dem Inhalt Probleme. Ich weiß nicht, welches Genre  der Roman haben wird, aber die Einführung der Protas halte ich für misslungen. Wenn zum dritten Mal die Migräne erwähnt wird, sie sich Sorgen um schlechtes Wasser und Smog macht und sich über Lärm und Gestank ärgert. Was will sie dann in Mumbai. Solche allgemein beschriebenen Dinge verbindet doch jeder automatisch mit einer indischen Großstadt. Hat sie keine wichtigeren Probleme, die ihr durch den Kopf gehen. Erinnert sie sich nicht an etwas spezifischeres, etwa ein besonders Essen, irgendeine Begegnung am Vorabend, Probleme, Ängste, Pläne für den Tag.

Leider würde ich bei dieser Einführung nicht weiterlesen. Wer mag schon Frauen mit Migräne ( War das schon sexistisch ?? Sad )

Gruß Werner


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Stanislav Lem: Literatur versucht, gewöhnliche Dinge ungewöhnlich zu beschreiben, man erfährt fast alles über fast nichts.
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Gruß, Werner am NO-Kanal
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Rodge
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 402
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 09:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ich frage mich: Warum beginnt die Geschichte hier? Gibt es nichts Interessanteres zu erzählen? Villeicht so ein bisschen ein erzählerischer Info-Dump?
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Stefanie
Dichter und Denker


Beiträge: 1108



BeitragVerfasst am: 23.01.2019 10:21    Titel: Re: Roman 'Subkutan' - das erste Kapitel Antworten mit Zitat

Die Hauptfigur wacht auf und dann wird die Umgebung beschrieben, in der sie aufwacht. Fehlt nur noch, dass du beschreibst, wie elend ihre grünen Augen im Spiegel aussehen, dann hast du alle Klischees eines Buchanfangs bei Anfängerautoren abgehakt.

BaronHarkonnen hat Folgendes geschrieben:


Kapitel 1: Erwachen in Mumbai
Das Erste, das Sarah an diesem Morgen wahrnahm, der doch der Morgen eines ganz besonderen Tages werden sollte, war ihre Migräne. Nicht die Geräusche der fremden Stadt, der Lärmen und Hupen der Motorikschas, nicht die feuchte tropische Hitze, gegen die die Klimaanlage kapituliert hatte, nicht die Aufregung wegen dessen, das sie heute noch zu leisten hatte. All das kam erst später. Aus welcher Perspektive schreibst du? Wenn du ihr folgst, beschreib nicht, was sie nicht wahrnimmt (bzw. erst dann, wenn sie es wahrnimmt). Erst war da nur die verdammte Migräne.
Es musste der Jetlag sein, dachte sie missmutig, während sie sich zur Seite wälzte und vergeblich einen Weg zurück in den Schlaf suchte. Vielleicht auch die Aufregung, oder eine Kombination aus beidem. Normalerweise war sie nicht so empfindlich, aber dies war, abgesehen von einem Urlaub in Kanada, ihre zweitweiteste Reise, und überhaupt die erste in tropische Gefilde. Infodump, kann weg.
Als klar war, dass sie nicht mehr einschlafen würde, gab sie sich geschlagen und taumelte in Richtung Badezimmer. Zum Glück hatte sie in weiser Voraussicht eine kleine Reiseapotheke gepackt. Zwei Paracethamol, mehr lieber nicht, zumindest nicht auf nüchternen Magen. Sarah würgte die Tabletten trocken hinunter, weil sie ihre Wasserflasche schon in der Nacht geleert hatte und der Reiseführer sie unmissverständlich vor dem Genuss von Leitungswasser gewarnt hatte, wollte sie nicht die nächsten zwei Tage über der Kloschüssel hängend verbringen. Wandle das in Handlung um. Erzähl nicht, warum ihr Wasser leer ist, sondern wie sie die Flasche nimmt und merkt, dass sie schon leer ist, und sie überlegt, ob sie Leitungswasser trinken oder auf den Reiseführer hören soll.
Bis zum Weckerklingeln war es noch eine gute halbe Stunde, also wieso also? stieß sie die hölzernen Lamellentüren auf, die ihr Zimmer mehr schlecht als recht von der Außenwelt abgeschirmt hatten, und trat auf den kleinen Balkon hinaus.
Wäre die Migräne nicht gewesen, die weiter wie ein stumpfes Messer in ihrem Hinterkopf steckte, hätte sie den Ausblick vermutlich genossen. Also, genossen war vielleicht der falsche Begriff, aber er hätte Sarah definitiv Freude bereitet.
Wie bei Dungeon Siege, wenn sich zum ersten Mal die Stadttore öffnen. Wenn alles neu, exotisch und aufregend ist. Schade, dass Tommy das nicht sehen kann. Hier wäre ein passender Ort für die Beschreibungen oben. Nochmal die Frage nach der Perspektive. Mal beschreibst du etwas, was sie nicht sieht, jetzt bit du in ihrem Kopf drin.
Die Sonne hatte es erst knapp über die Smogschicht geschafft, die Mumbai einhüllte wie eine gelbbraune Decke, war aber trotzdem schon dabei, ihre Kraft zu entfalten. Sie schien direkt auf den kleinen Balkon; bis zum Vormittag würde sie das Hotelzimmer in einen Backofen verwandeln, Klimaanlage hin oder her.
An der Straßenecke stand eine Gruppe von Männern und trug ihren Teil zur allgemeinen Luftverschmutzung bei, indem sie irgendwelches Zeug in einer rostigen Öltonne verbrannte. Direkt daneben ein fliegender Händler, dessen kleiner Handwagen von Kokosnüssen, Wasserflaschen und Lotterielosen überquoll. Daneben ein weites Ölfass, zu einem provisorischen Grill umgebaut, auf dem Maiskolben und Fleischspieße vor sich hin kohlten. Und über allem der Lärm: das unablässige Hupen, das Knattern der Zweitaktmotoren, das Geschrei der Straßenhändler. Hier wiederholst du dich.
Es war alles ganz schön viel, vor allem dann, wenn man vorgestern noch im winterlichen, verregneten Berlin gewesen war, vor Aufregung schlecht geschlafen hatte und von bohrenden Kopfschmerzen geplagt wurde.


Du hast viele sehr lange Sätze, die ich verkürzen würde. Außerdem sollten alle Doppelbeschreibungen raus. Die Migräne wurde ja schon genannt. Bei der Beschreibung der Stadt kann auch einiges weggekürzt werden.

Aber insgesamt ein vielversprechender Anfang.
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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 23.01.2019 11:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Leute,

vielen Dank erstmal für Euer Feedback! Very Happy

Ich bin doch etwas überrascht, dass Ihr euch mehr Infos in dieser ersten Szene wünscht, oder sogar einen  Infodump. Confused Es gibt (was ich nicht erwähnt habe) vorneweg einen recht dichten und gewalttätigen Prolog (einen vereitelten Anschlag in Indien), und ich wollte danach etwas das Tempo rausnehmen und die Prota in Ruhe einführen. Das vorgestellte Snippet sind gerade mal 2 Normseiten von geplanten 500. Und da soll ich wirklich schon Infos über ihren Hintergrund und ihre Pläne für den Tag einflechten? Wäre das nicht ein bisschen hastig? Dass noch etwas passiert, ist ja schon angedeutet ("nicht die Aufregung wegen dessen, das sie heute noch zu leisten hatte"), und das ist auch der Grund, warum die Geschichte hier anfängt: am Morgen nach ihrer Ankunft in diesem exotischen Land, am Morgen dieses für die Prota bedeutenden Tages.

Was die Redundanzen zur Migräne und den klischeehaften Anfang "Erwachen" angeht, werde ich nochmal schauen, da bekomm ich bestimmt noch was Besseres hin. Wink


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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 23.01.2019 11:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Stefanie: und danke für die Details! da ist Bedenkenswertes dabei! Smile

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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 07:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Leute,
hier noch die zweite Szene des ersten Kapitels, in der sich die Exposition fortsetzt. Ja, die Migräne wird wieder erwähnt, aber nur einmal Wink
Feedback ist wieder erwünscht und wird dankend aufgenommen!

„Na – gut geschlafen?“
Carlos strahlte sie an, als sie auf die Dachterrasse hinaustrat, die dem Hotel als Speiseraum diente. Es gab große, fleckige Stoffbahnen, die über den Tischen gespannt die Sonne fernhielten, und als Sitzmöbel abgenutzte, aber bequeme Polstersessel. Für indische Verhältnisse war das ganz okay, vielleicht sogar gehobene Mittelklasse, auch wenn es dem großspurigen Namen ihrer Unterkunft – Mumbai Palace - nicht ganz gerecht wurde.
Carlos schienen Zeitverschiebung und tropisches Klima nicht viel auszumachen. Auf seinem Tisch türmte sich ein üppiges Frühstück.
Sarah lächelte säuerlich und ließ sich in einen der Sessel fallen.
„Geht so. Eher nicht.“
Sie deutete vage in Richtung des Straßenlärms, der zu ihnen hinauf dröhnte, und dem vielstimmigen, niemals abreißenden Hupkonzert.
„Ist auch ziemlich heftig, oder?“
„Wieso? Ist doch geil!“ Er schob sich ein Stück Pancake in den Mund. „Normalerweise würden wir jetzt im Labor sitzen und gefilterte Luft atmen.“
„Wäre mir fast lieber.“
„Ach komm, Gronni. Ernsthaft? Vermisst Du Deine Babys jetzt schon? Oder hast Du einfach nur Lampenfieber?“
„Vorsicht. Ich bin Deine Vorgesetzte.“
„Sorry.“ Er schnitt eine übertrieben schuldbewusste Visage, bevor er zwinkerte und sich wieder dem Pancake zuwandte.
Gronni.
Sarah seufzte. Carlos war ein begabter Mikrobiologe, aber auch ein hoffnungsloser Kindskopf. Sie hatte einmal den Fehler gemacht, Privates und Berufliches über Gebühr zu vermischen, indem sie zwei Mitarbeiter ihres Teams in ihre Rollenspielgruppe aufgenommen hatte. Damals hatte sie eine Zwergenkriegerin gespielt, Grondros Hammerstein, eine Rolle, die vielleicht nicht zu ihrem Naturell, aber zumindest zu ihrem Äußeren gepasst hatte. Der Spitzname hatte sich festgesetzt, obwohl sie schon längst eine andere Figur spielte.
Gronni. Klein, kompakt, bodenständig.
Nicht die Person, die besonders gut damit klarkam, plötzlich in einen tropischen Moloch versetzt worden zu sein.
Nach einem Blick auf die Frühstückskarte entschloss sie sich, ein Wagnis einzugehen. Auch wenn sie immer noch keinen Hunger hatte - sie hatte einen langen und aufregenden Tag vor sich, den sie lieber nicht mit knurrendem Magen durchstehen wollte.
Die Karte enthielt neben westlichem Frühstück auch verschiedene Currys, deren Schärfegrad mit kleinen Chilischoten angezeigt wurde. Sie entschied sich für etwas Südindisches mit Kartoffeln und Okras. Drei Schoten, die höchste Kategorie.
Der junge Kellner, der herbeigelaufen war, sobald sie nach der Karte gegriffen hatte und jetzt dienstfertig neben dem Tisch stand, hob die Augenbrauen.
„Möchten Sie es westlich oder indisch?“
Sein Hinglisch war so breit, dass Sarah ihn bitten musste, die Frage zu wiederholen.
„Westlich oder indisch gewürzt, Ma‘am?“
„Indisch bitte.“
„Ist sehr scharf, Ma‘am.“
„Ich weiß. Das ist okay.“
Er grinste entzückt und wackelte mit dem Kopf.
Und wie sich herausstellte, hatte er nicht übertrieben. Es war wirklich höllisch scharf, viel heftiger als alles, was einem die indischen Restaurants in Berlin als ‚scharf‘ andrehten. Das Brennen breitete sich von ihrer Zunge aus, erreichte Lippen und Nase, trieb ihr Schweiß auf die Stirn und Tränen in die Augen.
Aber es klappte.
Die Migräne verschwand zwar nicht, wurde aber in den Hintergrund gedrängt, als sich ihr Kreislauf der neuen, unerwartet aufgetauchten Bedrohung stellte. Sarah schwitzte und keuchte, konnte aber Carlos, der das Ganze amüsiert und überrascht beobachtet hatte, beruhigend zuzwinkern.

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markbannstorm
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BeitragVerfasst am: 14.05.2019 22:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
auch wenn dein Post schon eine Weile her ist... Hier eine kleine Anmerkung von meiner Seite zum ersten Kapitel:
Der Schreibstil ist o.k., wobei ich persönlich weniger Nebensätze bevorzuge. Bei der Kürze des Kapitels kann ich nicht viel zum Inhalt sagen. Was mir aufgefallen ist: Der Anblick hätte Sarah Freude bereitet -> aber dann beschreibst du eher negative Dinge: gelbe Smokschicht, Luftverschmutzung, rostige Öltonne. Wenn das etwas über Sarahs Charakter sagen soll, kenne ich sie in dem Moment noch zu wenig, um das beurteilen zu können.
Zum zweiten Teil: die Dialoge wirken lebendig. Auch wenn die Migräne nur einmal erwähnt wird: meine Erwartung wäre, dass sie irgendeine Auswirkung auf die weitere Story hat -> weil du das scharfe Essen in Einzelheiten beschreibst (das ja anscheinend die Migräne bekämpfen soll)...
Bis jetzt würde ich auf jeden Fall weiterlesen. Dazu haben ein paar Stichworte genügt: Labor, Babys, Mikrobiologe


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Herr M
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BeitragVerfasst am: 15.05.2019 07:44    Titel: Antworten mit Zitat

Danke @markbannstorm, dass du den Thread wieder hervor geholt hast, sonst hätte ich den Text übersehen.

@BaronHarkonnen
Mir gefällt, wie du schreibst, das kannst du. Einer der eher seltenen Texte hier, bei dem es Sinn macht, daran zu arbeiten. Man merkt, dass es dir mit dem Schreiben ernst ist.
Gerade den Dialog im zweiten Teil finde ich gelungen.
Was den ersten Teil anbelangt, stimme ich allen bisher geäußerten Kritikpunkten zu. Für mein Gefühl bist du noch zu weit von deiner Hauptperson entfernt. Du musst viel näher an Sarah heranrücken. Das ist deine Hauptperson (davon gehe ich mal aus, wenn sie so eingeführt wird im ersten Kapitel) also schlüpf in sie hinein, lebe sie und beschreibe nicht nur alles außen herum. Das deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass du noch nicht bei ihr bist und darum von außen sie und ihre Umgebung beschreibst. Aber da sind nur ein paar Veränderungen nötig, nichts Grundsätzliches.
Das Setting und das Thema finde ich spannend und würde gerne mehr lesen.
Du schreibst, nach einem actionreichen Prolog wolltest du ruhig weiter machen wollen. Warum?
Es muss ja nicht ganz so schematisch ablaufen. Für mich sollte die Geschichte den Leser und die Leserin genauso hineinziehen, selbst wenn sie den Prolog nicht gelesen hätten. Das tut sie im Moment noch nicht.
Ich mag Prologs (Prologe?), nur sollten sie nicht über einen zu langsamen Romananfang hinwegtäuschen.
Halte die Spannung und dann will man unbedingt mehr lesen.
Herzlichst Herr M
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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 18.05.2019 13:37    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für Eure Reanimationsmaßnahmen - tatsächlich hatte ich den Post mangels Feedback schon abgeschrieben (will ja auch niemandem auf den Wecker fallen) und hab stattdessen einfach weiter an meiner Geschichte gewerkelt. Wink

@markbannstorm: danke fürs Weiterlesen-wollen! Ja, meine Sätze werden immer recht komplex, wenn ich beschreibe. Ich sehe mal zu, dass ich sie in den Überarbeitungsrunden ein wenig aufbreche und vereinfache.
Was ihr hier lest, hat erst 1 Überarbeitungsrunde hinter sich.

@Herr M
Auch herzlichen Dank an Dich!
Mit Näher-Heranrücken meinst Du etwas in Richtung deepPOV? Oder einfach noch mehr von ihren Gefühlen, Gedanken und Reflexionen?
Ich werde mir die kapitel auf jeden Fall nochmal nach diesem Gesichtspunkt anschauen.

Zitat:
Du schreibst, nach einem actionreichen Prolog wolltest du ruhig weiter machen wollen. Warum?
Naja, ich hoffe, den Leser nicht nur durch den Prolog hineinziehen zu können, sondern durch die (hoffentlich) dichte Schilderung dessen, was die Prota in Indien erlebt und wie sie es erlebt.
Trotzdem brauche ich ein bissel Zeit für die Exposition und das Setting. Ist das zu altmodisch gedacht? Ich hatte auch schon an ein cold open gedacht, in dem der Leser mitten in eine (in der Endphase der Geschichte)
spielende, apokalyptische Szene hineingeworfen wird, aber ich ich weiß nicht, ob das nicht etwas too much ist...

Viele Grüße
BaronHarkonnen


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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 18.05.2019 13:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Anyway, da beide Vorposter gesagt haben, dass sie's weiterlesen würden, stelle ich hier nochmal nachträglich den Prolog ein, damit man das Setting besser erfassen kann. Im Unterschied zu den folgenden Kapiteln ist er auktorial gehalten.
Ich wünsche viel Freude beim Lesen!

Prolog

Der dreiundzwanzigste März, Abduls Schicksalstag, begann mit Frühnebel. Um diese Jahreszeit war das in Jammu keine Seltenheit. Die Schneeschmelze war in vollem Gange, die Flüsse und Nebenläufe quollen über vor eiskaltem Wasser, das jede Menge Kälte aus den Bergen mit sich brachte. Tagsüber schien häufig die Sonne und sorgte für frühlingshafte Temperaturen, aber die Nacht gehörte dem Schmelzwasser, das für den schweren, nassen Nebel verantwortlich war. Die Frauen achteten darauf, die Wäsche abends abzunehmen, und die Männer standen früh auf und heizten die Öfen an, um die feuchte Kälte wenigstens aus den Häusern zu vertreiben.
Der dreiundzwanzigste März bildete da keine Ausnahme. Der Nebel hing zum Tagesanbruch noch eine oder zwei Stunden über der Stadt, wurde dann von der aufsteigenden Sonne an die Flanken der Shivalik-Berge gedrückt und löste sich schließlich vollständig auf. Als Abdul aus der Moschee trat, war der Himmel blankgeputzt und strahlend blau, und er hatte alle Zelt der Welt, um zu vollbringen, wozu er nach Jammu gekommen war. Er holte sich eine mit Lammfleisch gefüllte, noch warme Teigtasche in einer kleinen Bäckerei und schlenderte dann am Tawi entlang, wo die Obst- und Gewürzhändler gerade ihre Stände aufbauten.
Trotz der frühen Stunde war die Uferpromenade schon voller Menschen. Der wöchentliche Markttag zog die Kunden aus allen umliegenden Vierteln an, einschließlich die vom Westufer. Für ein paar Stunden vermischte sich, was sonst getrennt voneinander an den beiden Flussufern lebte. Hindus, Moslems, einige Sikhs, ein paar verstreute Christen. Es war gut, dass das eine Ausnahme war und dass die Einwohner Jammus ansonsten in getrennten Straßenzügen wohnten. So konnte er die Opfer unter den Brüdern und Schwestern vielleicht nicht völlig vermeiden, aber doch so gering wie möglich halten.
Abdul tauchte in der Menge unter, nur ein bärtiger, junger Mann unter vielen. Unbehelligt, unbemerkt.
Oder zumindest war es das, was er glaubte. In Wahrheit gab es eine Vielzahl von Augen, die ihn im Blick behielten, und das schon seit zwei Tagen. Der Riksha-Fahrer, der am Straßenrand stand und sich eine Zigarette drehte, gehörte zum Überwachungsteam. Die junge Melonenverkäuferin mit dem Handkarren auch. Auf dem Dach des Grand Kashmir Hotels lag ein Scharfschütze und hielt Abdul fest im Visier, bereit, ihn auf ein Zeichen des Onkels hin auszuschalten. Aber das war nur für den Notfall; der eigentliche Plan war, ihn bis zum letzten Augenblick gewähren zu lassen. Und damit nicht nur umfassende Beweise für seinen vermuteten Anschlag zu sichern, sondern auch, um möglichst viel über seine Kontaktleute und Hintermänner herauszubekommen.
Der Plan ging auf. Den Rest seines Frühstücks noch in der Hand, steuerte Abdul eine Bank am Flussufer an. Die Bank war nicht frei – ein beleibter Mann saß bereits dort, seinen Einkauf in mehreren Beuteln neben sich abgestellt, und schaute versonnen auf den Fluss. Die beiden Männer schenkten einander keine Beachtung, wie es schien, aber als Abdul nach ein paar Minuten wieder aufstand und sich den Mund abwischte, griff er beiläufig nach einen der Beutel und schlenderte weiter. Kurz darauf stand auch der dicke Mann auf und setzte sich gemächlich in Bewegung, in die entgegengesetzte Richtung. Er kam nicht weit: Ein zweites Team stand schon bereit, um ihn zu überwältigen und in einen bereitstehenden Lieferwagen zu zerren.
Abdul, das eigentliche Ziel der Observation, bekam davon nichts mit. Er überquerte den Tawi über die alte Holzbrücke, wo sich Fußgänger und motorisierter Verkehr dicht an dicht aneinander vorbei quetschten. Am Westufer bog er nach Norden ab, in Richtung der alten Färbereien, und verschwand in den schmalen Gässchen. Die Straßen in diesem Viertel waren spürbar leerer, boten weniger Deckung, was das Observationsteam vor gewisse Probleme stellte. Aber bevor etwas schief gehen konnte oder die Überwachung abriss, hatte Abdul sein Ziel erreicht. Offenbar war sein Angriff sorgfältig vorbereitet worden – der Verteilerknoten der örtlichen Wasserversorgung, ein gedrungener schmuckloser Bau, war sonntags nicht besetzt, die Hintertür nur mit einer Kette gesichert, für die Abdul einen passenden Bolzenschneider mit sich führte. Ein beherzter Griff, dann war die Tür offen, und er verschwand im Inneren. Die Tür schloss sich und die Überwachung riss ab.
Das war der Moment, in dem der Onkel seinem Team den Zugriff befahl. Der Verteilerknoten war mit einer Pumpenstation verbunden, die das Schmelzwasser aus einem der Seitenarme des Tawi holte. Das Wasser wurde dort gereinigt und in das öffentliche Netz eingespeist. Ein Anschlag an dieser Stelle würde hunderte von Haushalten am Westufer betreffen. Haushalte, in denen überwiegend Hindu-Familien lebten.
Abdul hatte keine Chance. Als sie die Tür aufsprengten und eine Blendgranate in das Innere warfen, blieb ihm gerade noch Zeit, die Tasche fallen zu lassen und seine Pistole zu ziehen. Abfeuern konnte er sie nicht mehr, konnte sich auch nicht selbst richten, wie es sein fester Entschluss gewesen war. Drei Agenten des indischen Geheimdienstes warfen ihn zu Boden, ein bestiefelter Fuß brach sein Handgelenk. Dann fesselten sie ihn und schleiften ihn ins Freie.
Einen Moment lang konnte er noch den blauen Himmel sehen, bevor sie ihn in den bereitstehenden Transporter verfrachteten. Es war das letzte Mal, dass Abdul Junaid den Himmel zu sehen bekam.

Die Vernehmung fand noch in Jammu statt und wurde nicht von der lokalen Polizei durchgeführt, sondern vom Secret Service, dem indischen Inlandsgeheimdienst, der die Operation verantwortete. Für das Verhör wurde extra ein weiterer Mann aus Mumbai eingeflogen, ein Mann, dem niemand gerne begegnen wollte. Abdul hatte gerüchtehalber von ihm gehört, nun lernte er ihn kennen.
Einen weiteren Mann, den, der die gesamte Operation leitete und von dem Abdul ebenfalls gehört hatte, sah er nicht von Angesicht zu Angesicht. Bhavin Kumari, von seinen Feinden und Untergebenen nur ‚der Onkel‘ genannt, hielt sich im Hintergrund. In früheren Zeiten hatte er selbst Hand angelegt, aber heutzutage überließ er die Drecksarbeit seinen Leuten und beschränkte sich darauf, zuzuhören und Befehle zu erteilen.
Abdul steckte das Waterboarding und die Stockschläge weg, ohne viel mehr von sich zu geben als Schreie. Erst als sie ihm die Fingernägel ausrissen, fing er an zu reden.
Was er sagte, wurde durch die Untersuchungen des kleinen, fest verschlossenen Stahlzylinders bestätigt, den das Einsatzteam in dem Einkaufsbeutel gefunden hatte. Der Zylinder wurde per Hubschrauber nach Kalkutta geschafft, in das dortige, vom Militär betriebene Hochsicherheitslabor. Aufgrund der Erfahrung mit dem verheerenden Anschlag von 2024 rechnete man mit dem Schlimmsten, und das zu Recht. Der Inhalt war eine Biowaffe, genetisch veränderte Pocken-Erreger, die in der Frischwasserversorgung von Jammu Unbeschreibliches angerichtet hätten.
Es kam zu einer geheimen Telefonkonferenz, an der neben Bhavin Kumari und leitenden Militärs auch der indische Innenminister teilnahm. Dies war der dritte Anschlagsversuch in der Region innerhalb von zwei Jahren; langsam musste man der Wahrheit ins Auge blicken. Der Kaschmir-Konflikt, aus jahrhundertelanger Entfremdung zwischen Hindus und Moslems entstanden und von den Engländern zu Kolonialzeiten nach Kräften geschürt, hatte so lange geruht, dass einige schon gehofft hatten, die alte Flamme der Gewalt wäre erloschen.
Aber unter einer dicken Schicht aus weicher Asche und schönen Worten hatte sich die Glut gehalten, und jetzt sah es danach aus, als würde sie wieder aufflammen. Nicht im offenen Konflikt, das verbot sich schon durch die Arsenale an Nuklearwaffen, über die die beteiligten Nationen mittlerweile verfügten. Die Waffe des einundzwanzigsten Jahrhunderts war die Biologie. Genetisch modifizierte Krankheitserreger, leichter herzustellen, leiser und unauffälliger, aber nicht minder tödlich.
Nach diesem erneuten Anschlagsversuch wurde auch den gemäßigten Kräften in der indischen Regierung klar, dass man reagieren musste. Und das dringend. Indien hatte lange Zeit auf militärische Überlegenheit und auf Informationstechnik gesetzt, aber vielleicht war das das falsche Pferd gewesen. Dieser Anschlag mochte vereitelt worden sein, aber es würde nicht der letzte gewesen sein. Wenn man Katastrophen größeren Ausmaßes in Zukunft verhindern wollte, war mehr erforderlich als eine gute Aufklärung. Man musste das Heft selbst in die Hand nehmen.

Nach der Konferenz deutete der Onkel auf den blutüberströmten, immer noch ohnmächtigen Abdul.
„Lassen Sie ihn verschwinden. So, dass seine Verletzungen nicht uns Auge fallen. Ein Tuk Tuk, das von einem Bus überrollt wird, oder etwas in dieser Art.“
So geschah es. In der Nacht kam es zu einem schweren, aber nicht weiter ungewöhnlichen Unfall. Ein junger Moslem aus Gujranwala fand auf der indischen Seite Kaschmirs den Tod, als er bei einem unverantwortlichen Überholmanöver in den Gegenverkehr geriet. Tragisch, sicher, aber Vorfälle wie dieser spielten sich täglich auf Indiens Straßen ab.
Die indische Polizei nahm den Unfall auf, brachte den Körper in das Leichenschauhaus von Jammu und informierte ihre pakistanischen Kollegen. Als sich binnen einer Woche niemand nach dem jungen Mann erkundigt hatte, wurde er anonym nach islamischen Brauch beigesetzt.

Fünf Tage später wurde Bhavin Kumari offiziell die Leitung der Operation Ganesh übertragen.

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BeitragVerfasst am: 18.05.2019 22:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Baron,

mit Deinem Prolog werde ich nicht warm. Am Schreibstil liegt es nicht, der ist recht flüssig. Für mich plätschert gerade der Anfang dahin und dass der 23.03. ein Schicksalsschlag wird, reißt es nicht raus. Bei dem Prota - dafür kannst Du nichts - denke ich, wenn ich den Namen in Kombination mit Bart lese - sofort an einen Terroristen, bestärkt durch den Tütentausch und die Observation. Ich weiß natürlich nicht, ob es Dein Ziel ist, ihn so wirken zu lassen und ich kann auch nur für mich sprechen, aber da habe ich dann sofort keine Lust mehr zum Lesen. Da verdrehe ich nur die Augen und bin raus, zu viel Klischee und was folgt, ist mir auch sofort klar.

BaronHarkonnen hat Folgendes geschrieben:
Der dreiundzwanzigste März, Abduls Schicksalstag, begann mit Frühnebel. - Beginnt ein Tag mit Frühnebel? Ich denke nicht. Der Tag beginnt bei Sonnenaufgang und dann kann da Nebel sein, der Tag beginnt damit aber nicht.

Um diese Jahreszeit war das in Jammu keine Seltenheit. Die Schneeschmelze war in vollem Gange, die Flüsse und Nebenläufe quollen über vor eiskaltem Wasser, das jede Menge Kälte aus den Bergen mit sich brachte. Tagsüber schien häufig die Sonne und sorgte für frühlingshafte Temperaturen, aber die Nacht gehörte dem Schmelzwasser, das für den schweren, nassen Nebel verantwortlich war. Die Frauen achteten darauf, die Wäsche abends abzunehmen, und die Männer standen früh auf und heizten die Öfen an, um die feuchte Kälte wenigstens aus den Häusern zu vertreiben.
Der dreiundzwanzigste März bildete da keine Ausnahme. Der Nebel hing zum Tagesanbruch noch eine oder zwei Stunden über der Stadt, wurde dann von der aufsteigenden Sonne an die Flanken der Shivalik-Berge gedrückt und löste sich schließlich vollständig auf. - Das alles ist Infodump, wozu muss ich das als Leser wissen?

Als Abdul aus der Moschee trat, war der Himmel blankgeputzt und strahlend blau, und er hatte alle Zelt der Welt, um zu vollbringen, wozu er nach Jammu gekommen war. - Hier soll es spannend werden, aber bei strahlendem Himmel denke ich irgendwie nicht an Gefahr, zumal ich mich frage, welche Rolle der Himmel für Abduls Pläne spielt. Das ist quasi unwichtig.

Er holte sich eine mit Lammfleisch gefüllte, noch warme Teigtasche in einer kleinen Bäckerei und schlenderte dann am Tawi entlang, wo die Obst- und Gewürzhändler gerade ihre Stände aufbauten.


Trotz der frühen Stunde war die Uferpromenade schon voller Menschen. Der wöchentliche Markttag zog die Kunden aus allen umliegenden Vierteln an, einschließlich die vom Westufer. Für ein paar Stunden vermischte sich, was sonst getrennt voneinander an den beiden Flussufern lebte. Hindus, Moslems, einige Sikhs, ein paar verstreute Christen. Es war gut, dass das eine Ausnahme war und dass die Einwohner Jammus ansonsten in getrennten Straßenzügen wohnten. - Infodump

So konnte er die Opfer unter den Brüdern und Schwestern vielleicht nicht völlig vermeiden, aber doch so gering wie möglich halten. - So denken Terroristen nicht, da bist Du zu lieb und unrealistisch. Und zu der Zeit hat der bestimmt andere Sorgen als an seine Brüder zu denken. Das interessiert den einen Scheiss, du bist viel zu gewissenhaft.

Abdul tauchte in der Menge unter, nur ein bärtiger, junger Mann unter vielen. Unbehelligt, unbemerkt. Oder zumindest war es das, was er glaubte.

In Wahrheit gab es eine Vielzahl von Augen, die ihn im Blick behielten, und das schon seit zwei Tagen. - Ach, er weiß, wer ihn observiert? Das müssen schlechte Agenten sein.

Hier kommt ein Perspektivwechsel, mehrere sogar, die da nicht hingehören, jedenfalls nicht, wenn Du es so schreibst. - Der Riksha-Fahrer, der am Straßenrand stand und sich eine Zigarette drehte, gehörte zum Überwachungsteam. Die junge Melonenverkäuferin mit dem Handkarren auch. Auf dem Dach des Grand Kashmir Hotels lag ein Scharfschütze und hielt Abdul fest im Visier, bereit, ihn auf ein Zeichen des Onkels hin auszuschalten. Aber das war nur für den Notfall; der eigentliche Plan war, ihn bis zum letzten Augenblick gewähren zu lassen. Und damit nicht nur umfassende Beweise für seinen vermuteten Anschlag zu sichern, sondern auch, um möglichst viel über seine Kontaktleute und Hintermänner herauszubekommen.

Der Plan ging auf. - Hier wird es jetzt unfreiwillig komisch. Abdul weiß, dass er observiert wird, aber der Plan der Observierenden geht auf?

Da bin ich dann auch raus der Story. Ich weiß nicht, ob Du Dir und den Lesern mit diesem Prolog einen Gefallen tust. Ich möchte auch nicht zu hart kritisieren, aber das ist leider nix. Ich kann da nichts schönreden und das würde Dir auch nicht helfen. Tut mir wirklich leid, aber lass Dich davon bitte nicht entmutigen.

LG Diamond

Den Rest seines Frühstücks noch in der Hand, steuerte Abdul eine Bank am Flussufer an. Die Bank war nicht frei – ein beleibter Mann saß bereits dort, seinen Einkauf in mehreren Beuteln neben sich abgestellt, und schaute versonnen auf den Fluss. Die beiden Männer schenkten einander keine Beachtung, wie es schien, aber als Abdul nach ein paar Minuten wieder aufstand und sich den Mund abwischte, griff er beiläufig nach einen der Beutel und schlenderte weiter. Kurz darauf stand auch der dicke Mann auf und setzte sich gemächlich in Bewegung, in die entgegengesetzte Richtung. Er kam nicht weit: Ein zweites Team stand schon bereit, um ihn zu überwältigen und in einen bereitstehenden Lieferwagen zu zerren.
Abdul, das eigentliche Ziel der Observation, bekam davon nichts mit. Er überquerte den Tawi über die alte Holzbrücke, wo sich Fußgänger und motorisierter Verkehr dicht an dicht aneinander vorbei quetschten. Am Westufer bog er nach Norden ab, in Richtung der alten Färbereien, und verschwand in den schmalen Gässchen. Die Straßen in diesem Viertel waren spürbar leerer, boten weniger Deckung, was das Observationsteam vor gewisse Probleme stellte. Aber bevor etwas schief gehen konnte oder die Überwachung abriss, hatte Abdul sein Ziel erreicht. Offenbar war sein Angriff sorgfältig vorbereitet worden – der Verteilerknoten der örtlichen Wasserversorgung, ein gedrungener schmuckloser Bau, war sonntags nicht besetzt, die Hintertür nur mit einer Kette gesichert, für die Abdul einen passenden Bolzenschneider mit sich führte. Ein beherzter Griff, dann war die Tür offen, und er verschwand im Inneren. Die Tür schloss sich und die Überwachung riss ab.
Das war der Moment, in dem der Onkel seinem Team den Zugriff befahl. Der Verteilerknoten war mit einer Pumpenstation verbunden, die das Schmelzwasser aus einem der Seitenarme des Tawi holte. Das Wasser wurde dort gereinigt und in das öffentliche Netz eingespeist. Ein Anschlag an dieser Stelle würde hunderte von Haushalten am Westufer betreffen. Haushalte, in denen überwiegend Hindu-Familien lebten.
Abdul hatte keine Chance. Als sie die Tür aufsprengten und eine Blendgranate in das Innere warfen, blieb ihm gerade noch Zeit, die Tasche fallen zu lassen und seine Pistole zu ziehen. Abfeuern konnte er sie nicht mehr, konnte sich auch nicht selbst richten, wie es sein fester Entschluss gewesen war. Drei Agenten des indischen Geheimdienstes warfen ihn zu Boden, ein bestiefelter Fuß brach sein Handgelenk. Dann fesselten sie ihn und schleiften ihn ins Freie.
Einen Moment lang konnte er noch den blauen Himmel sehen, bevor sie ihn in den bereitstehenden Transporter verfrachteten. Es war das letzte Mal, dass Abdul Junaid den Himmel zu sehen bekam.

Die Vernehmung fand noch in Jammu statt und wurde nicht von der lokalen Polizei durchgeführt, sondern vom Secret Service, dem indischen Inlandsgeheimdienst, der die Operation verantwortete. Für das Verhör wurde extra ein weiterer Mann aus Mumbai eingeflogen, ein Mann, dem niemand gerne begegnen wollte. Abdul hatte gerüchtehalber von ihm gehört, nun lernte er ihn kennen.
Einen weiteren Mann, den, der die gesamte Operation leitete und von dem Abdul ebenfalls gehört hatte, sah er nicht von Angesicht zu Angesicht. Bhavin Kumari, von seinen Feinden und Untergebenen nur ‚der Onkel‘ genannt, hielt sich im Hintergrund. In früheren Zeiten hatte er selbst Hand angelegt, aber heutzutage überließ er die Drecksarbeit seinen Leuten und beschränkte sich darauf, zuzuhören und Befehle zu erteilen.
Abdul steckte das Waterboarding und die Stockschläge weg, ohne viel mehr von sich zu geben als Schreie. Erst als sie ihm die Fingernägel ausrissen, fing er an zu reden.
Was er sagte, wurde durch die Untersuchungen des kleinen, fest verschlossenen Stahlzylinders bestätigt, den das Einsatzteam in dem Einkaufsbeutel gefunden hatte. Der Zylinder wurde per Hubschrauber nach Kalkutta geschafft, in das dortige, vom Militär betriebene Hochsicherheitslabor. Aufgrund der Erfahrung mit dem verheerenden Anschlag von 2024 rechnete man mit dem Schlimmsten, und das zu Recht. Der Inhalt war eine Biowaffe, genetisch veränderte Pocken-Erreger, die in der Frischwasserversorgung von Jammu Unbeschreibliches angerichtet hätten.
Es kam zu einer geheimen Telefonkonferenz, an der neben Bhavin Kumari und leitenden Militärs auch der indische Innenminister teilnahm. Dies war der dritte Anschlagsversuch in der Region innerhalb von zwei Jahren; langsam musste man der Wahrheit ins Auge blicken. Der Kaschmir-Konflikt, aus jahrhundertelanger Entfremdung zwischen Hindus und Moslems entstanden und von den Engländern zu Kolonialzeiten nach Kräften geschürt, hatte so lange geruht, dass einige schon gehofft hatten, die alte Flamme der Gewalt wäre erloschen.
Aber unter einer dicken Schicht aus weicher Asche und schönen Worten hatte sich die Glut gehalten, und jetzt sah es danach aus, als würde sie wieder aufflammen. Nicht im offenen Konflikt, das verbot sich schon durch die Arsenale an Nuklearwaffen, über die die beteiligten Nationen mittlerweile verfügten. Die Waffe des einundzwanzigsten Jahrhunderts war die Biologie. Genetisch modifizierte Krankheitserreger, leichter herzustellen, leiser und unauffälliger, aber nicht minder tödlich.
Nach diesem erneuten Anschlagsversuch wurde auch den gemäßigten Kräften in der indischen Regierung klar, dass man reagieren musste. Und das dringend. Indien hatte lange Zeit auf militärische Überlegenheit und auf Informationstechnik gesetzt, aber vielleicht war das das falsche Pferd gewesen. Dieser Anschlag mochte vereitelt worden sein, aber es würde nicht der letzte gewesen sein. Wenn man Katastrophen größeren Ausmaßes in Zukunft verhindern wollte, war mehr erforderlich als eine gute Aufklärung. Man musste das Heft selbst in die Hand nehmen.

Nach der Konferenz deutete der Onkel auf den blutüberströmten, immer noch ohnmächtigen Abdul.
„Lassen Sie ihn verschwinden. So, dass seine Verletzungen nicht uns Auge fallen. Ein Tuk Tuk, das von einem Bus überrollt wird, oder etwas in dieser Art.“
So geschah es. In der Nacht kam es zu einem schweren, aber nicht weiter ungewöhnlichen Unfall. Ein junger Moslem aus Gujranwala fand auf der indischen Seite Kaschmirs den Tod, als er bei einem unverantwortlichen Überholmanöver in den Gegenverkehr geriet. Tragisch, sicher, aber Vorfälle wie dieser spielten sich täglich auf Indiens Straßen ab.
Die indische Polizei nahm den Unfall auf, brachte den Körper in das Leichenschauhaus von Jammu und informierte ihre pakistanischen Kollegen. Als sich binnen einer Woche niemand nach dem jungen Mann erkundigt hatte, wurde er anonym nach islamischen Brauch beigesetzt.

Fünf Tage später wurde Bhavin Kumari offiziell die Leitung der Operation Ganesh übertragen.
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markbannstorm
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 00:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

muss leider Diamond zustimmen. Der Prolog ist mir zu langweilig, damit wäre ich auch raus aus der Story. Du versuchst Spannung aufzubauen (bevorstehender Anschlag), nimmst sie dann aber gleich wieder raus, indem du den Leser informierst, dass ein Überwachungsteam alles beobachtet.
 Der ganze Prolog besteht für mich aus Beschreibungen, die relativ überflüssig sind, und einem Infodump.
Sorry, würde ich extrem kürzen (oder ganz weglassen). Vielleicht reicht schon ab "In der Nacht (zum 23. März) kam es zu...." und zusätzliche Hinweise auf ungewöhnliche Verletzungen.
Viele Grüße
MB


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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 08:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank erstmal für Euer Feedback & dass ihr euch die Zeit genommen habt!
Schade, dass Euch der Prolog nicht gefallen hat, ich fand ihn eigentlich ganz gelungen Wink  
Aber dafür bin ich ja auch hier im Forum.
Wenn ich es recht verstehe, schreibt ihr beide: das taugt nichts, lass es weg. Kann sein, dass ihr recht habt, aber das muss ich erstmal
sacken lassen und mit ein bisschen Abstand reflektieren. Zum Glück ist ja noch ein bisschen Zeit, bis ich mich mit dem guten Stück an Agenturen/Verlage
wenden werde. Wink

@Diamond
Eine Anmerkung hab ich aber doch, nein zwei:

Zitat:
Das alles ist Infodump, wozu muss ich das als Leser wissen?
Nach meinem Verständnis ist das kein Infodump, sondern ich beschreibe das Setting, damit man sich in diese Welt hineinfühlen kann.
Mag ja sein, dass ich das nicht sonderlich geschickt mache, aber wenn ich dem folge, wäre im Grunde jede Landschaftsbeschreibung etc. ein Infodump.
Oder versteh ich da was falsch? Wenn ich Infodump betreibe, dann doch eher an der Stelle, wo ich den indisch-pakistanischen Konflikt beschreibe...

Zitat:
Ach, er weiß, wer ihn observiert? Das müssen schlechte Agenten sein.
Hier kommt ein Perspektivwechsel, mehrere sogar, die da nicht hingehören, jedenfalls nicht, wenn Du es so schreibst.
Öhm ... der gesamte Prolog ist auktorial erzählt, nicht personal, also aus einer übergeordneten Perspektive. Dadurch sehe ich als Leser sowohl,
was Abdul treibt, als auch die Aktivitäten seiner Gegenspieler. Es ist ja okay, das nicht zu mögen, aber den Vorwurf eines Perspektivwechsels
find ich an der Stelle sachlich nicht zutreffend.

Euch Allen einen schönen & sonnigen Sonntag! Smile
BaronHarkonnen


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Diamond
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 09:27    Titel: Antworten mit Zitat

@Baron

Der auktoriale ist mir etwas durchgerutscht (Asche über mein Haupt), ich halte ihn an dieser Stelle aber auch nicht für angebracht, weil er gerade in der Situation ein Spannungskiller ist. Der Prolog wäre aus nur einer Perspektive interessanter und da die Perspektive ohnehin sehr Terroristenlastig war, habe ich geschlussfolgert, dass ich durch seine Augen sehe. Das ist dann auch der Grund, weshalb ich Infodump schrieb, weil:
Ich glaube nicht, dass ein Mensch, der einen Anschlag ausführen will, sich dafür interessiert, ob Lieschen Müller Wäsche aufhängt oder ob Opa Siegfried Zigarre raucht. Der hat einen Tunnelblick, siehe die Bilder aus Neuseeland, das Video aus den Nachrichten, wo der Täter durchs Bild läuft, der guckt nicht nach links und nicht nach rechts. Er guckt auch nicht, ob der Himmel blau ist und weil er eben den Tunnelblick hat und vermutlich auch braucht, würde es in Deinem Prolog ebenso genügen, das einfache Wo zu beantworten. Das Setting könntest Du später immer noch beschreiben. Wenn schon Prolog, würde ich ganz klar den Terroristen fokussieren, mit dem, was er tut, alles andere bräuchte es nicht, das könnte man ausblenden, wenn der Tunnelblick dem Leser klargemacht wird, dadurch wird es dann insgesamt auch spannender. Aber das ist nur meine Meinung. Letztlich ist es Dein Text.

LG Diamond
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Herr M
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 09:43    Titel: Antworten mit Zitat

@ BaronHarkonnen
Nach meinem Gefühl, und das ist nur eine Idee oder Anregung, könntest du im ersten Kapitel bei den Kopfschmerzen (Migräne ist mir als Ausdruck hier fast zu medizinisch) beginnen. Direkt im Gehirn der Prota bei den Schmerzen und dann langsam nach außen blenden in die Stadt und was sie sieht. Aber nicht auktorial, sondern aus ihrer Sicht heraus. Beim nochmaligen Lesen fand ich, dass du ihr sogar noch mehr Zeit alleine am Fenster geben darfst, denn schließlich hat sie einen wichtigen Tag vor sich, zumindest gibst du da ja einen Hinweis (vielleicht könnte sie selber den Hinweis geben, damit er nicht so auktorial rüber kommt). Ihre Anspannung sollte deutlich werden.

Was den Prolog angeht, ist das Potential erkennbar. Aber hier erzählst du für mich persönlich zu viel. Ich denke, du hast die ganze Szene wie ein Film im Kopf und beschreibst das, was du siehst. Vielleicht könntest du in die Rolle von Abdul schlüpfen und aus seiner Sicht die Szenen beschreiben, damit der Leser und die Leserin das unmittelbar miterleben können. Für einen Prolog passiert fast schon zu viel und wegen der inhaltlichen Details ist es etwas verwirrend.

Ich würde dahin tendieren, eher mit dem ersten Kapitel zu beginnen und am Ende zu schauen, ob es einen Prolog braucht, oder nicht. Was wäre dann die beste Eröffnungsszene? Die Prota im Hotelzimmer oder früher oder später? Womit kannst du den Leser und die Leserin packen, zum Beispiel, weil die Prota einen Auftrag hat, den sie erfüllen muss und sie offensichtlich keine Superheldin ist, sondern sehr menschlich, die Kopfschmerzen hat und für die das Essen zu scharf ist. (James Bond würde nie über Kopfschmerzen klagen und selbst Ziegenaugen kann er, ohne mit der Wimper zu zucken, essen).
Ich kenne Sarah ja noch nicht, aber wird der Auftrag zu ihrer Heldenreise? Wächst sie über sich hinaus? Fängt sie mit Kopfschmerzen an und hört mit der Rettung der Welt auf?
Nur so als Anregungen gedacht.
Herzlichst
Herr M
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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 13:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Diamond

Zitat:
(Asche auf mein Haupt)
Kann ja mal vorkommen Wink

Wenn Du den Prolog als personale Perspektive wahrgenommen hast, ergibt die Kritik natürlich Sinn, weil auch die Schilderungen vorher (Frauen, die die Wäsche abnehmen) dann keinen Sinn ergeben - davon weiß Abdul nichts, bzw. es interessiert ihn nicht.
Was die Details angeht, die er wahrnimmt - den blauen Himmel - habe ich eine andere Sicht. Es ist ja der Tag, von dem er annimmt, dass es sen letzter sein wird. Ich glaube (kann auch falsch sein), dass man in einer solchen Situation plötzlich auch kleine Details wahrnimmt, denen man ansonsten keine Bedeutung zumisst.
Alles, was man sieht, könnte das letzte sein, das man sieht, und man nimmt es dadurch mit einer gesteigerten Intensität wahr. Ich erinnere mich z.B. an die Serie Homeland, in der Brody sich als Selbstmordattentäter in die Luft jagen will. Er steht da, glaubt dass er gleich sterben wird, und achtet
plötzlich auf diese besagten Details. Hatte mich damals beeindruckt Wink

Wie schon gesagt - ich lass den Prolog erstmal ruhen, schreibe an der Geschichte weiter und nehm ihn mir später nochmal vor.
Häufig öffnet einem das ja nochmal die Augen, und es kann schon sein, dass ich ihn dann nochmal überarbeite/kürze Smile


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BaronHarkonnen
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 13:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Herr M

Ganz herzlichen Dank für die kostruktiven Tipps! Smile
Bin auf dem Sprung und hab keine Zeit für ne längere Antwort, aber ich werd auf jeden Fall in Ruhe darüber nachdenken.

Zitat:
Ich denke, du hast die ganze Szene wie ein Film im Kopf und beschreibst das, was du siehst.

So siehts aus Laughing Eigentlich kann ich nur so schreiben...

Zitat:
Ich kenne Sarah ja noch nicht, aber wird der Auftrag zu ihrer Heldenreise?
Der noch nicht, er ist erstmal Exposition und zeigt ihren Zentralkonflikt auf. Die Heldenreise beginnt erst später.

Zitat:
Fängt sie mit Kopfschmerzen an und hört mit der Rettung der Welt auf?
Sowas in der Art Wink

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Diamond
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BeitragVerfasst am: 19.05.2019 22:17    Titel: Antworten mit Zitat

BaronHarkonnen hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube (kann auch falsch sein), dass man in einer solchen Situation plötzlich auch kleine Details wahrnimmt, denen man ansonsten keine Bedeutung zumisst. Alles, was man sieht, könnte das letzte sein, das man sieht, und man nimmt es dadurch mit einer gesteigerten Intensität wahr.

Wie schon gesagt - ich lass den Prolog erstmal ruhen, schreibe an der Geschichte weiter und nehm ihn mir später nochmal vor.
Häufig öffnet einem das ja nochmal die Augen, und es kann schon sein, dass ich ihn dann nochmal überarbeite/kürze Smile


Hallo Baron,

ich denke, dass zwischen Serie und Realität ein himmelweiter Unterschied besteht. Zu bedenken geben würde ich Dir hier auch Abduls Religion. Auf Ihn warten 72 Jungfrauen... er glaubt, ein Held zu werden. Für ihn beginnt das richtige Leben also erst nach dem Tod. Deshalb hängt er nicht an der Welt, die er verlässt. Hinzu kommt, dass diese Attentäter meistens einer Gehirnwäsche unterzogen worden sind, alles in dieser Welt ist schlecht, daran glauben sie. Welchen Grund sollte Abdul also haben, darüber nachzudenken, dass er das alles zum letzten Mal sieht. Das ergibt keinen Sinn, Du denkst da zu normal, zu menschlich, du hast Gewissen, Abdul hat das aber alles abgelegt.

Denk einfach in Ruhe darüber nach... ich denke, den Prolog erst mal ruhen zu lassen, ist eine gute Idee.

LG Diamond
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Herr M
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BeitragVerfasst am: 20.05.2019 07:01    Titel: Antworten mit Zitat

@BaronHarkonnen
Mit dem Film im Kopf zu schreiben ist klasse. Nur sollte man immer daran denken, dass man als Autor oder Autorin nicht der passive Zuschauer, sondern Regisseur, Schauspieler und Kameramann in einem ist. Man schaut nicht nur zu, sondern lebt und gestaltet es.
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 20.05.2019 08:16    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu!

So, dann will ich doch auch mal den Prolog kommentieren.
Ich mache mal alles rot, was ich streichen würde. Smile

BaronHarkonnen hat Folgendes geschrieben:


Der dreiundzwanzigste März, Abduls Schicksalstag, begann mit Frühnebel. Um diese Jahreszeit war das in Jammu keine Seltenheit. Die Schneeschmelze war in vollem Gange, die Flüsse und Nebenläufe quollen über vor eiskaltem Wasser, das jede Menge Kälte aus den Bergen mit sich brachte. Tagsüber schien häufig die Sonne und sorgte für frühlingshafte Temperaturen, aber die Nacht gehörte dem Schmelzwasser, das und für den schweren, nassen Nebel am Morgen verantwortlich war. Die Frauen achteten darauf, die Wäsche abends abzunehmen, und die Männer standen früh auf und heizten die Öfen an, um die feuchte Kälte wenigstens aus den Häusern zu vertreiben.
Der dreiundzwanzigste März bildete da keine Ausnahme. Der Nebel hing zum Tagesanbruch noch eine oder zwei Stunden über der Stadt, wurde dann von der aufsteigenden Sonne an die Flanken der Shivalik-Berge gedrückt und löste sich schließlich vollständig auf. Als Abdul aus der Moschee trat, war der Himmel blankgeputzt und strahlend blau, und er hatte alle Zelt der Welt, um zu vollbringen, wozu er nach Jammu gekommen war. Er holte kaufte sich eine mit Lammfleisch gefüllte, noch warme Teigtasche in einer kleinen Bäckerei und schlenderte dann am Tawi entlang, wo die Obst- und Gewürzhändler gerade ihre Stände aufbauten.
Trotz der frühen Stunde war die Uferpromenade schon voller Menschen. Der wöchentliche Markttag zog die Kunden aus allen umliegenden Vierteln an, einschließlich die vom Westufer. Für ein paar Stunden vermischte sich, was sonst getrennt voneinander an den beiden Flussufern lebte. Hindus, Moslems, einige Sikhs, ein paar verstreute Christen. Es war gut, dass das eine Ausnahme war und dass die Einwohner Jammus ansonsten in getrennten Straßenzügen wohnten. So konnte er die Opfer unter den Brüdern und Schwestern vielleicht nicht völlig vermeiden, aber doch so gering wie möglich halten. Hier verrätst Du schon, dass Abdul einen Anschlag verüben will. Außerdem ergibt das nun wirklich keinen Sinn: der will das Trinkwasser mit Pocken kontaminieren und glaubt allen Ernstes, dass ein paar Kilometer zwischen den Wohnorten dann einen Unterschied machen?
Abdul tauchte in der Menge unter, nur ein bärtiger, junger Mann unter vielen. [color=orange]Unbehelligt, unbemerkt.
Oder zumindest war es das, was er glaubte. In Wahrheit gab es eine Vielzahl von Augen, die ihn im Blick behielten, und das schon seit zwei Tagen. Der Riksha-Fahrer, der am Straßenrand stand und sich eine Zigarette drehte, gehörte zum Überwachungsteam. Die junge Melonenverkäuferin mit dem Handkarren auch. Auf dem Dach des Grand Kashmir Hotels lag ein Scharfschütze und hielt Abdul fest im Visier, bereit, ihn auf ein Zeichen des Onkels hin auszuschalten.
Es wäre vielleicht eine Überlegung, das an dieser Stelle zu streichen oder nach hinten zu verschieben. Einfach mal ausprobieren? Aber das war nur für den Notfall; der eigentliche Plan war, ihn bis zum letzten Augenblick gewähren zu lassen. Und damit nicht nur umfassende Beweise für seinen vermuteten Anschlag zu sichern, sondern auch, um möglichst viel über seine Kontaktleute und Hintermänner herauszubekommen.
Der Plan ging auf.
Das ist jetzt nichts, was man sich als Leser nicht eh schon denken kann - nicht besonders genug, um extra erwähnt zu werden. Den Rest seines Frühstücks noch in der Hand, steuerte Abdul eine Bank am Flussufer an. Die Bank war nicht frei – ein beleibter Mann saß bereits dort, seinen Einkauf in mehreren Beuteln neben sich abgestellt, und schaute versonnen auf den Fluss. Die beiden Männer schenkten einander keine Beachtung, wie es schien, aber als Abdul nach ein paar Minuten wieder aufstand und sich den Mund abwischte, griff er beiläufig nach einen der Beutel und schlenderte weiter. Kurz darauf stand auch der dicke Mann auf und setzte sich gemächlich in Bewegung, in die entgegengesetzte Richtung. Er kam nicht weit: Ein zweites Team stand schon bereit, um ihn zu überwältigen und in einen bereitstehenden Lieferwagen zu zerren.
Abdul, das eigentliche Ziel der Observation, bekam davon nichts mit. Er überquerte den Tawi über die alte Holzbrücke, wo sich Fußgänger und motorisierter Verkehr dicht an dicht aneinander vorbei quetschten. Hier könntest Du jetzt vielleicht einfügen, wer ihn alles beobachtet. Am Westufer bog er nach Norden ab, in Richtung der alten Färbereien, und verschwand in den schmalen Gässchen. Schief: wenn er verschwinden würde, wäre er ja nicht mehr da. Die Straßen in diesem Viertel waren spürbar leerer, boten weniger Deckung, was das Observationsteam vor gewisse Probleme stellte. Das würde ich umformulieren; so klingt es, als sei das Team nicht sonderlich kompetent ... Aber bevor etwas schief gehen konnte oder die Überwachung abriss, hatte Abdul sein Ziel erreicht. Offenbar war sein Angriff sorgfältig vorbereitet worden – der Verteilerknoten der örtlichen Wasserversorgung, ein gedrungener schmuckloser Bau, war sonntags nicht besetzt, die Hintertür nur mit einer Kette gesichert, für die Abdul einen passenden Bolzenschneider mit sich führte. Das klingt weniger nach erwähnenswert guter Vorbereitung, als nach katastrophaler Sicherung der Wasseranlage! Ein beherzter Griff, Ich dachte, er muss mit dem Bolzenschneider die Kette durchtrennen? Nix da mit "beherztem Griff"! dann war die Tür offen, und er verschwand Zum "Verschwinden" siehe oben![/color] im Inneren. Die Tür schloss sich und die Überwachung riss ab.
Das war der Moment, in dem der Onkel seinem Team den Zugriff befahl. Der Verteilerknoten war mit einer Pumpenstation verbunden, die das Schmelzwasser aus einem der Seitenarme des Tawi holte. Das Wasser wurde dort gereinigt und in das öffentliche Netz eingespeist. Ein Anschlag an dieser Stelle würde hunderte Nur hunderte? In so einer Millionenstadt? Zur Pockenproblematik siehe oben! von Haushalten am Westufer betreffen. Haushalte, in denen überwiegend Hindu-Familien lebten.
Abdul hatte keine Chance. Als sie die Tür aufsprengten und eine Blendgranate in das Innere warfen, blieb ihm gerade noch Zeit, die Tasche fallen zu lassen und seine Pistole zu ziehen. Abfeuern konnte er sie nicht mehr, konnte sich auch nicht selbst richten, wie es sein fester Entschluss gewesen war. Drei Agenten des indischen Geheimdienstes warfen ihn zu Boden, ein bestiefelter Fuß brach sein Handgelenk. Dann fesselten sie ihn und schleiften ihn ins Freie.
Einen Moment lang konnte er noch den blauen Himmel sehen, bevor sie ihn in den bereitstehenden Transporter verfrachteten. Es war das letzte Mal, dass Abdul Junaid den Himmel zu sehen bekam. Dieser Vorgriff steigert die Spannung nicht wirklich.

Die Vernehmung fand noch in Jammu statt und wurde nicht von der lokalen Polizei durchgeführt, sondern vom Secret Service, dem indischen Inlandsgeheimdienst, Für mich klingt "Secret Service" nach USA. Was spricht gegen "Geheimdienst"? Wiki zeigt übrigens ein "IB", ein "Intelligence Bureau", als "Inlandsnachrichtendienst" an. der die Operation verantwortete. Für das Verhör wurde extra ein weiterer Mann aus Mumbai eingeflogen, ein Mann, dem niemand gerne begegnen wollte. Abdul hatte gerüchtehalber von ihm gehört, nun lernte er ihn kennen.
Einen weiteren Mann, den, der die gesamte Operation leitete und von dem Abdul ebenfalls gehört hatte, sah er nicht von Angesicht zu Angesicht. Bhavin Kumari, von seinen Feinden und Untergebenen nur ‚der Onkel‘ genannt, hielt sich im Hintergrund. In früheren Zeiten hatte er selbst Hand angelegt, aber heutzutage überließ er die Drecksarbeit seinen Leuten und beschränkte sich darauf, zuzuhören und Befehle zu erteilen.
Abdul steckte das Waterboarding und die Stockschläge weg, ohne viel mehr von sich zu geben als Schreie. Erst als sie ihm die Fingernägel ausrissen, fing er an zu reden. Also wenn man schon foltern darf, dann doch bitte etwas spannender! Entweder ausfüjhrlciher oder knapper.Vielleicht sowas wie "Waterboarding. Stockschläge. Fingernägel. Daann fing er an zu reden."
Was er sagte, wurde durch die Untersuchungen des kleinen, fest verschlossenen Stahlzylinders bestätigt, den das Einsatzteam in dem Einkaufsbeutel gefunden hatte. Der Zylinder wurde per Hubschrauber nach Kalkutta geschafft, in das dortige, vom Militär betriebene Hochsicherheitslabor. Aufgrund der Erfahrung mit dem verheerenden Anschlag von 2024 rechnete man mit dem Schlimmsten, und das zu Recht. Der Inhalt war eine Biowaffe, genetisch veränderte Pocken-Erreger, die in der Frischwasserversorgung von Jammu Unbeschreibliches angerichtet hätten.
Es kam zu einer geheimen Telefonkonferenz, an der neben Bhavin Kumari und leitenden Militärs auch der indische Innenminister teilnahm. Dies war der dritte Anschlagsversuch in der Region innerhalb von zwei Jahren; langsam musste man der Wahrheit ins Auge blicken. Der Kaschmir-Konflikt, aus jahrhundertelanger Entfremdung zwischen Hindus und Moslems entstanden und von den Engländern zu Kolonialzeiten nach Kräften geschürt, hatte so lange geruht, dass einige schon gehofft hatten, die alte Flamme der Gewalt wäre erloschen.
Aber unter einer dicken Schicht aus weicher Asche und schönen Worten hatte sich die Glut gehalten, und jetzt sah es danach aus, als würde sie wieder aufflammen. Nicht im offenen Konflikt, das verbot sich schon durch die Arsenale an Nuklearwaffen, über die die beteiligten Nationen mittlerweile verfügten. Dafür dass das Ganze in der Zukunft spielt, sind mir die Informationen zu alt, da müsste etwas Neues rein! Die Waffe des einundzwanzigsten Jahrhunderts war die Biologie. Genetisch modifizierte Krankheitserreger, leichter herzustellen, leiser und unauffälliger, aber nicht minder tödlich.
Nach diesem erneuten Anschlagsversuch wurde auch den gemäßigten Kräften in der indischen Regierung klar, dass man reagieren musste. Und das dringend. Indien hatte lange Zeit auf militärische Überlegenheit und auf Informationstechnik gesetzt, aber vielleicht war das das falsche Pferd gewesen. Würde ich umformulieren, so klingt die Regierung laienhaft und ungeschickt. Dieser Anschlag mochte vereitelt worden sein, aber es würde nicht der letzte gewesen sein. Wenn man Katastrophen größeren Ausmaßes in Zukunft verhindern wollte, war mehr erforderlich als eine gute Aufklärung. Man musste das Heft selbst in die Hand nehmen.

Nach der Konferenz deutete der Onkel auf den blutüberströmten, immer noch ohnmächtigen Abdul.
Lassen Sie ihn verschwinden. So, dass seine Verletzungen nicht uns Auge fallen. Bitte nicht den Erklärbär machen! Ein bisschen kann der Leser schon mitdenken. Wink Ein Tuk Tuk, das von einem Bus überrollt wird, oder etwas in dieser Art.“
So geschah es. In der Nacht kam es zu einem schweren, aber nicht weiter ungewöhnlichen Unfall. Ein junger Moslem aus Gujranwala fand auf der indischen Seite Kaschmirs den Tod, als er bei einem unverantwortlichen Überholmanöver in den Gegenverkehr geriet. Tragisch, sicher, aber Vorfälle wie dieser spielten sich täglich auf Indiens Straßen ab.
Die indische Polizei nahm den Unfall auf, brachte den Körper in das Leichenschauhaus von Jammu und informierte ihre pakistanischen Kollegen. Wieso das? Als sich binnen einer Woche niemand nach dem jungen Mann erkundigt hatte, wurde er anonym nach islamischen Brauch beigesetzt. Genau das ist vielleicht das Problem mit der Szene: es kümmert keinen! Abdul scheint weder Familie noch Freunde zu haben. Er ist von allem seltsam losgelöst, eine einzelne Person, zu der man als Leser keinerlei emotionalen Bezug aufbaut.
Wir kennen "den Onkel" und das Team nicht, erfahren ihr Tun nur am Rande. Wir kennen die potentiellen Opfer nicht. Mit wem soll man da als Leser mitfiebern?


Fünf Tage später wurde Bhavin Kumari offiziell die Leitung der Operation Ganesh übertragen.


Insgesamt, lieber BaronHarkonnen, gefällt mir Dein Prolog. Ich mag die Szene, die Art, wie Du beginnst, und so schöne Formulierungen wie "wurde dann von der aufsteigenden Sonne an die Flanken der Shivalik-Berge gedrückt". Du gibtst Dir mit jedem Satz viel Mühe, das merkt man - vielleicht manchmal sogar zu viel?

Der Text ist mir ein bisschen zu viel Erklärbär, aber das ist ja schnell behoben. Ich sehe für den Prolog 2 große Probleme:
1. Habe ich ja bereits genannt: mit wem soll man mitfiebern? Da ist keine Ebene, die es dem Leser erlaubt, irgend jemandes Position nachzuverfolgen und mitzufiebern. Da bleibt am Ende nur ein Schulterzucken: Pocken abgewehrt, juchu.
Ich denke, die eheste Perspektive, die mehr Spannung aufbauen könnte und für Dich in Betracht kommt, ist die des leicht gelangweilten, aber nichtsdestotrotz aufmerksamen Beobachters. Du lässt uns Abdul beobachten - das muss dann aber geschickter passieren. Mal ernstaft: das ist jetzt nicht böse gemeint, aber wenn Du über einen "bärtigen, jungen Mann" berichtest, der zudem Moslem ist, in einer großen Stadt unterwegs ist und sich merkwürdig verhält, denkt man halt sofort "Terrorist!". Das hat ja mit der Realität nichts zu tun, aber wir haben dieses Bild einfach drin. Im echten Leben laufen natürlich in so einer Satdt Tausende junge, bärtige Muslime an einem vorbei, machen dies, machen das, und keinen kümmert es. Dieses in uns verankerte Klischeebild musst Du irgendwie durchbrechen. Entweder, indem Du die Person veränderst (Alter, Geschlecht ...) oder indem Du uns zeigst, dass Abdul tatsächlich ganz normal und einer von vielen ist. Bis er es eben - Überraschung! - nicht mehr ist.
Das könnte vielleicht klappen, wenn Du alles erst später offenbarst, zum Beispiel, indem Du den alten Mann nicht für uns erkennbar verhaftest und erst einen Absatz später enthüllst, um was für ein Gebäude es sich handelte. Oder Du beschreibst zeitgleich, was zwei von Abduls Freunden machen. Irgendwas musst Du aber machen, sonst ist es langweilig und inhaltlich 08/15.
Was möchtest Du uns denn überhaupt mit dieser Szene sagen? Möchtest Du "den Onkel" als Prota einführen? Falls ja, gelingt das nicht. Oder die Stadt? Die Situation? Das solltest Du für Dich klar herausarbeiten.

Was mich zu 2. führt:
Du hast etwas unsauber bearbeitet. Da sind solche Ausrutscher drin wie "und schaute versonnen auf den Fluss", "Ein beherzter Griff" oder auch "aber vielleicht war das das falsche Pferd gewesen".
Inhaltlich habe ich Dir auch unsaubere Stellen - wie die mit dem Griff - markiert.
Das mit den Pocken im Trinkwasser und Abduls Sorge um seine Brüder und Schwestern macht keinen Sinn.
Abduls Verhalten macht keinen Sinn, das passt einfach alles nicht zusammen: Einerseits ist er scheinbar kein bisschen aufgeregt oder nervös. Weder umklammert er die Tasche, noch sieht er sich dauernd um oder etwas in der Art. Er hat alle Zeit der Welt, aber nimmt sich keine Minute, um nochmal irgendetwas zu genießen, einen Anruf zu machen oder sich sonstwie zu verabschieden (er schlendert?).
Er zögert nicht, zeigt aber auch keine eiserne Entschlossenheit.
Er will sich nach dem Anschlag erschießen, OK, aber warum eigentlich?

Vielleicht solltest Du Abdul besser kennenlernen, bevor Du ihn losschickst. Was sind seine Motive? Was will er erreichen? Und vor allem: ist er ein unsicherer junger Mann, ist er ein gehirngewaschener Fanatiker, der von seiner Sache überzeugt ist? Dann würde er sich allerdings keine Gedanken um seine Glaubensgeschwister machen ...

Es scheint - sorry - dass Du Abdul nicht wirklich einen eigenen Charakter zugestehst, sondern eben einfach mal einen "typischen Terroristen" aus westlicher Sicht dahingeschlunzt hast.

Wie gesagt: mir gefällt der Prolog und ich würde auch weiterlesen, aber das kannst Du noch viel viel besser! Smile

Liebe Grüße,
MoL


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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BaronHarkonnen
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 127
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 21.05.2019 13:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi liebe MoL,

vielen dank für die ganze Arbeit! Smile
Oha - das ist ja doch noch ne ganze Menge...
Abgesehen von den Details muss ich festellen, dass meine Intention, mit dem Prolog Neugier aufzubauen, offenbar nicht so gut funktioniert. Offenbar kommt meine personale Erzählung besser an (hat mir kürzlich auch gerade eine Testleserin außerhalb des Formus gesagt).
Das ist schade, aber so isses halt Embarassed . Und wie schon gesagt muss ich diese Erkentnis mal in Ruhe wirken lassen. Was ich dann letztlich mit dem Prolog mache (leicht überarbeiten/grundlegend überarbeiten/wegschmeißen) entscheide ich dann mit  etwas Abstand.

Liebe Grüße
BaronHarkonnen


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