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Wolf und Klonschafe


 

 
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wunderkerze
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 96



BeitragVerfasst am: 12.01.2019 16:46    Titel: Wolf und Klonschafe eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Wolf hatte in einer Herde von Klonschafen gewildert. Zehn Tiere waren ihm zum Opfer gefallen. Er wurde deshalb bei Gericht verklagt. In seiner Not wandte er sich an den Fuchs, der als gerissener Verteidiger bekannt war.
   Hilf mir, bettelte der Wolf, es soll dein Schaden nicht sein.
   Beruhige dich, sagte der Fuchs, dein Fall ist schwierig, aber nicht aussichtslos. Ich werde mein Bestes tun, aber versprechen kann ich nichts. Der Staatsanwalt ist ein scharfer Hund und der Löwe ein strenger Richter.
 Und so kam es auch. Der Storch, dem noch die Ohren klingelten vom Gejammer seiner Frau, warum er noch nicht Oberstaatsanwalt sei, legte sich ordentlich ins Zeug. Er schilderte den Wolf als notorischen Mörder und verlangte lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung.
  Dann erhob sich der Fuchs und sprach: Hohes Gericht, der Wolf ist keineswegs der Bösewicht, für den der Staatsanwalt ihn hier macht. Zwar hat er zehn Schafe gerissen, aber es handelte sich dabei um Klonschafe, die alle das gleiche Erbgut besitzen und deshalb nicht als verschiedene Personen betrachtet werden können. Streng genommen hat er also nur ein einziges Schaf gerissen, allerdings zehnmal hintereinander. Da aber noch weitere Klonschafe aus dieser Züchtung existieren, liegt hier kein Mord, sondern höchstens schwere Körperverletzung vor. Ich plädiere deshalb auf eine Gefängnisstrafe von achtzehn Monaten ohne Bewährung.
   Hm, sagte der Löwe, und dachte nach. Solch ein Fall war ihm noch nicht vorgekommen und stellte ihn als Richter vor ganz neue Herausforderungen. Außerdem hätte er gerne ein Exempel statuiert. Schließlich sagte er: Es ergeht folgendes Urteil: Der Wolf wird zu achtzehn Monaten Freiheitsentzug ohne Bewährung verurteilt, allerdings zehnmal hintereinander.
   Damit war der Wolf zur Zufriedenheit der Schafe für fünfzehn Jahre aus dem Verkehr gezogen.



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wunderkerze
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 21:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Wunderkerze,
Zitat:
Der Storch, dem noch die Ohren klingelten vom Gejammer seiner Frau, warum er noch nicht Oberstaatsanwalt sei, legte sich ordentlich ins Zeug.
Und ich dachte, er sei ein Hund. Vorsicht mit solchen Vergleichen bei Tierfabeln, das wirkt schnell unfreiwillig komisch.

Zitat:
für den der Staatsanwalt ihn hier macht.
zu dem

Gesamt: Hmmm, irgendwie fehlt mir was. Die Argumentation des Fuchses wird nicht in Frage gestellt, nur gegen den Angeklagten verwendet. Das klärt aber die Frage nicht. Und wirft auch keinen neuen Perspektiven auf, jedenfalls nicht für jemanden, der Scotty aus Star Trek schon als griechischen Schiffshelden gesehen hat. Der alten Frage nach Original und Kopie/Rekonstruktion gibt der Text keine neuen Impulse. Und das könnte er nach Jahrhunderten der philosophischen Diskussionen auch kaum leisten.

Und da du als Fabel erzählst, welche Lehre soll ich daraus ziehen?

Besser hätte mir ein alternatives Ende gefallen: Der Löwe frisst den Storch und beißt den Fuchs tot, dann sagt er zum Wolf: "Warum sollten wir uns um deren kleingeistige Moralfragen scheren?" und sie fallen gemeinsam über die restlichen Schafe her.  Das wäre überraschend gewesen und könnte dem Text eine neue Dimension geben.

beste Grüße,
Veith


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Tape Dispenser
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Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 22.01.2019 22:34    Titel: Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:


Besser hätte mir ein alternatives Ende gefallen: Der Löwe frisst den Storch und beißt den Fuchs tot, dann sagt er zum Wolf: "Warum sollten wir uns um deren kleingeistige Moralfragen scheren?" und sie fallen gemeinsam über die restlichen Schafe her.  Das wäre überraschend gewesen und könnte dem Text eine neue Dimension geben.


Genau solche Enden hat man doch bereits tausend Mal gelesen. Da halte ich die Idee mit den 10 x 18 Monaten wegen Körperverletzung für wesentlich origineller.
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V.K.B.
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Beiträge: 2268
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
Genau solche Enden hat man doch bereits tausend Mal gelesen.
Gerade darum. Weil wir dann einerseits ein modernes Update der Fabel hätten (Klonschafe) und andererseits die Gegenüberstellung, dass die klassischen Muster von "weil ich es kann" und dem Recht des Stärkeren letztendlich immer noch gültig sind, auch wenn die Tiere glauben, noch so zivilisiert ("Oberstaatsanwalt") geworden zu sein.
Da läge eine Aussage drin. Klar kann man es "Binsenweisheit" nennen, aber darum geht es bei Fabeln letztendlich doch immer.


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Tape Dispenser
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Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 22.01.2019 23:58    Titel: Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
Genau solche Enden hat man doch bereits tausend Mal gelesen.
Gerade darum. Weil wir dann einerseits ein modernes Update der Fabel hätten (Klonschafe) und andererseits die Gegenüberstellung, dass die klassischen Muster von "weil ich es kann" und dem Recht des Stärkeren letztendlich immer noch gültig sind, auch wenn die Tiere glauben, noch so zivilisiert ("Oberstaatsanwalt") geworden zu sein.
Da läge eine Aussage drin. Klar kann man es "Binsenweisheit" nennen, aber darum geht es bei Fabeln letztendlich doch immer.


Es ist ja gerade der Witz, dass es ich um Klonschafe handelt.  
Erst durch die Klonschafe kann die Argumentation des Richters aber in diese Richtung gelenkt werden und das Strafmaß, dass im Grunde genau dem (scheinbar) pfiffigen Anwalt folgt führt zu diesem nicht unbedingt vorhersehbaren Urteil, was in der Summe aber weitestgehend dem Vorschlag des Staatsanwalts entspricht. Ein, wenn man so will, salomonisches Urteil, dass an den anwaltlichen Fähigkeiten des pfiffigen Verteidigers zweifeln lässt.   

Bei deinem Vorschlag wäre es völlig egal , ob es sich um zehn normale oder zehn Klonschafe gehandelt hätte und das Strafmaß wäre auch egal gewesen. Das Ergebnis wäre das altbekannte. Der Stärkere schert sich nicht darum und frisst die anderen Schafe. Warum dies nun besser sein soll nach dem Motto: So war es halt schon immer, erschließt sich mir nicht. Ich habe nichts dagegen, wenn zwei originelle Ideen in einer Story vorkommen.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 23.01.2019 00:47    Titel: Antworten mit Zitat

Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
wäre es völlig egal , ob es sich um zehn normale oder zehn Klonschafe gehandelt hätte
Erklärst du mir bitte den Unterschied zwischen "normalen" und Klonschafen? Ich meine juristisch, nicht genetisch.


Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
Ein, wenn man so will, salomonisches Urteil
Das funktioniert für mich nur bedingt, weil es im Prinzip einfach nur ein Wechsel vom europäischen Recht zum anglikanischen ist.

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silke-k-weiler
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Alter: 45
Beiträge: 237



BeitragVerfasst am: 23.01.2019 12:04    Titel: Re: Wolf und Klonschafe Antworten mit Zitat

Hallo Wunderkerze,

wunderkerze hat Folgendes geschrieben:
Der Staatsanwalt ist ein scharfer Hund (...) Der Storch, dem noch die Ohren klingelten ...


das ist mir auch aufgefallen. Ich nahm zuerst an, der Staatsanwalt sei ein Hund. Das plötzliche Auftauchen eines Storches verwirrte mich. Aufgrund der Redewendung "scharfer Hund" hätte es auch besser gepasst.

Ich finde das Urteil des Löwen ebenfalls originell, aber: auch ich kann keine Lehre daraus ziehen. Rein vom Text her ist es für mich eine runde Sache, aber mir fehlt die Essenz. Trotzdem hat es mir ein Schmunzeln entlockt und ich finde, es regt im Nachgang an, sich noch einmal Gedanken über das Thema "Klonen", "Individualität" (und was alles damit zusammenhängt) zu machen.

Liebe Grüße
Silke
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geomorph
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Alter: 41
Beiträge: 102
Wohnort: Dublin


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
wäre es völlig egal , ob es sich um zehn normale oder zehn Klonschafe gehandelt hätte
Erklärst du mir bitte den Unterschied zwischen "normalen" und Klonschafen? Ich meine juristisch, nicht genetisch.


In meinen Augen gibt es kein Unterschied. Es sind zehn Leben. Sonst wären ja eineiige Zwillinge auch nur halb so viel wert...


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 23.01.2019 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

geomorph hat Folgendes geschrieben:
V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
wäre es völlig egal , ob es sich um zehn normale oder zehn Klonschafe gehandelt hätte
Erklärst du mir bitte den Unterschied zwischen "normalen" und Klonschafen? Ich meine juristisch, nicht genetisch.


In meinen Augen gibt es kein Unterschied. Es sind zehn Leben. Sonst wären ja eineiige Zwillinge auch nur halb so viel wert...
Sehe ich genauso. Die Frage galt ja eigentlich auch jemandem anders.

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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6108
Wohnort: Irland
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BeitragVerfasst am: 23.01.2019 23:50    Titel: Antworten mit Zitat

Die Moral?

Dass der Fuchs zu viel redet, oder eben doch kein schlauer ist:

Zitat:
aber es handelte sich dabei um Klonschafe, die alle das gleiche Erbgut besitzen und deshalb nicht als verschiedene Personen betrachtet werden können. Streng genommen hat er also nur ein einziges Schaf gerissen, allerdings zehnmal hintereinander. Da aber noch weitere Klonschafe aus dieser Züchtung existieren, liegt hier kein Mord, sondern höchstens schwere Körperverletzung vor.


Hätte er das Fett gemachte weggelassen, wär's anders ausgegangen
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abc.lampe
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 29.03.2019 11:44    Titel: Antworten mit Zitat

Der Titel hat mich neugierig gemacht und der Ausgang der Fabel ein Schmunzeln entlockt.
Allerdings bange ich um die Schafe, die jetzt ungestört der Löwe fressen kann Rolling Eyes
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