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Kaleidoskop Splitter


 

 
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lebefroh
Geschlecht:weiblichHobbyautor

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Beiträge: 309
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 01.01.2019 19:00    Titel: Kaleidoskop Splitter eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kaleidoskop Splitter

Das Jetzt rinnt mir durch die Finger. Rutscht weg, ohne sich halten zu lassen. Andere jagen die Zukunft oder lassen sich einspinnen von der Vergangenheit bis nichts mehr von ihnen übrig ist, als ein fettes, eingewickeltes Insekt, das baumeln und zappeln wird, bis es stirbt. Die Momente, die ich fangen will, enden so schnell, dass ich sie kaum wahrnehme. Der Sand zwischen meinen Zehen, die Sonne auf meiner Haut, das Kitzeln eines Grashalms, das Flattern eines Vogelflügels in der Luft, der Geschmack von Sommer und Eis, der schon auf meiner Zunge zerschmolzen ist.
Die Stadt ist gelähmt von der Hitze, die wie eine Glocke über den Häusern und Straßen und Parks hängt, auch jetzt, wo es Abend wird. Durch offene Fenster dringen träge Stimmen. Wir warten.

Roland rückt seine Krawatte zurecht. Das Licht blendet und auf seiner Stirn bilden sich Schweißperlen. Vielleicht hat die Dame von der Technik die Scheinwerfer absichtlich noch greller gestellt, damit sein Gesicht rot anläuft und sein Hemd durchnässt. Dame ist gut! Jeder weiß, was für Mannsweiber das sind, die in der Technik arbeiten. Eine, die nicht mal so tut, als wäre sie ihm freundlich gesinnt, das wurde eben beim Soundcheck mehr als deutlich. „Wird hier heute Geschichte geschrieben?“, hat sie ihrem Kollegen zugeraunt, ohne wirklich die Stimme zu senken, und so gelacht als ginge es nicht um sein ganzes Leben.

Die Tür ist geöffnet, damit es Durchzug gibt. Sie soll das nicht tun, aber hat sie eine Wahl? Die Luft steht in der kleinen Wohnung. „Wer da alles hereinkommen könnte! Du kannst doch die Wohnung nicht einfach offenstehen lassen!“ Martha kann und sie tut es, denn ein Überfall mag kommen oder auch nicht – der Schweiß und die klebende Kleidung sind schon da und es muss Abhilfe geschafft werden. Sie hat ihren Stuhl mühsam vor das Fenster geschoben, gezerrt und geruckt bis er an der richtigen Stelle stand und alle ihre Knochen wehtaten. Jetzt endlich sitzt sie. Die Brise erfasst ihr dünnes Haar. Sie streicht sich die Strähne aus dem Gesicht.

Edwina hat sich im Bad eingeschlossen. Reine Gewohnheit, denn sie ist allein. Niemand, der sie stören könnte, der neugierig fragt, was sie da macht. Jetzt sitzt sie auf dem geschlossenen Klodeckel, weil sie eben schon aufgestanden ist, um die Luke zu öffnen, durch die etwas Luft von draußen hereinzieht. Es ist unerträglich heiß, obwohl der Sommer noch nicht begonnen hat. Sie hört den Fernseher, den die schwerhörige Nachbarin laut gedreht hat. Seit einer Viertelstunde reden zwei hirnlose Kommentatoren, spekulieren und mutmaßen, weil alle darauf warten, dass es beginnt.

Die Autos schieben sich durch den Berufsverkehr. Thomas trommelt aufs Lenkrad. Die Klimaanlage bläst kalt auf seine Finger. Das Arschloch da vorne hat sich mit seiner mickrigen Karre in die Abbiegerspur gedrängelt. Und die blöde Schnepfe im roten Fiat lässt es auch noch mit sich machen. So wie 80% aller Menschen alles mit sich machen lassen. Hopp! Und sie springen. Thomas hat genug von jeglicher Springerei. Dafür hat er auf die richtigen Pferde gesetzt. Nur dass ein Pferd in Begriff ist, sich mächtig in die Scheiße zu reiten.  

Jonas steht am Straßenrand und schaut den Jungen zu. Der gelbe Ball fliegt zwischen den beiden hin und her. Sie zählen. 64 und kein einziges Mal fallen gelassen. Jonas hockt sich hin, um an seinem Knie zu kratzen. Mama sagt „lass das“, aber Jonas liebt das Gefühl, wenn er die oberste Schicht der Kruste abzieht und es einen winzigen, brennenden Stich gibt. Das Fleisch darunter ist rosa und ganz hell – bis ein Tropfen Blut hervorquillt, den er mit seinem Finger verreiben kann.

Ich warte seit ein paar Tagen, warte geduldig auf den einen Moment, jeden Abend. Heute stimmt das Wetter. Der Himmel ist ganz klar. Karina fragt mich, warum ich bei dem Kerl bleibe, ob das etwa was Ernstes sei. Ich muss lachen, als ich durch die Kamera spähe und das Stativ noch einmal verschiebe. Karina denkt sie wäre meine Freundin, aber sie kennt mich überhaupt nicht. Ich weiß ja nicht mal seinen Nachnamen. Er liegt hinter mir auf der Terrasse auf einem omamäßigen Liegestuhl und gibt stöhnende Geräusche von sich. Weil ihm heiß ist oder er zu viel gesoffen hat oder er das Leben hasst oder was weiß ich. Ich bin hier wegen des Lichtes. Wegen des Funkelns, das sich über den Holzboden und die hängenden Lobelien ergießen wird. Wegen des Augenblicks, den ich an unserem ersten Abend, als ich eigentlich schon gehen wollte, beobachtete und der schon vorbei war, als ich Martin oder wie immer er heißt, von mir weggeschoben hatte.

Roland sieht, dass Gregor und Sabine tuscheln. Denken die, er ist blind? Deswegen hat er niemandem etwas gesagt. Wie sie alle mit den Füßen scharren und um Positionen schachern. Wie sie bangen und hoffen. Leute, die geführt werden wollen, und sich dann beschweren, wohin sie geführt wurden. Roland spürt die Galle in seiner Kehle aufsteigen. Er reißt gerne noch ein paar dieser Heuchler mit sich. Wie einen Hund haben sie ihn gejagt in den letzten Tagen. Mit Bildern und Tonbandaufnahmen und dieser Schlampe, die alles verdreht und sich ins Fäustchen lacht. Hat die Partei einen Notfallplan? Was ist mit der Koalition? Aber alle Welt interessiert sich nur für seinen Schwanz und was er damit gemacht hat, als gäbe es nichts wichtigeres.

Der junge Mann hat ihr den Fernseher gestern gebracht. Es ist ein riesiges monströses Ding, das Martha bestimmt nicht braucht und die Fernbedienung ist ganz anderes als die alte. Aber sie hat sich alles aufgeschrieben, was er erklärt hat, und sie hat auf die richtigen Knöpfe gedrückt, so dass sie sich jetzt zurücklehnen kann und das Lüftchen genießt, dass die dünnen Gardinen leicht zum Schwingen bringt. „Er will das sicher nicht“, hat Peter gesagt, aber Martha lässt sich schließlich nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat.

Edwina hält die aufgerissene Plastikverpackung in der Hand, obwohl sie die in den Müll schmeißen wollte. In der anderen das Handy. Von oben schallen die Stimmen der Kommentatoren, die immer noch nichts Schlaues gesagt haben. Edwina möchte am liebsten „Ruhe“ brüllen, aber das würde nur damit enden, dass die alte Schrulle mit ihrem Stock auf den Boden hämmert, so wie sie das manchmal macht, wenn Edwina Besuch hat oder laute Musik hört. Sie fährt mit dem Finger über ihre Kontaktliste. Absurderweise stehen die beiden Namen direkt untereinander. Edwina muss sich jetzt einen aussuchen. Glauben würden es ihr beide. Lieber hätte sie Stefan. Aber der ist verheiratet.

Zum Glück gibt es hier eine Nebenstraße, in die Thomas jetzt abbiegt. Er dreht das Radio lauter und flucht, als eine blöde Ziege mit Kinderwagen genau vor ihm auf die Fahrbahn tritt. „Hier ist kein Fußgängerüberweg“, brüllt er. Thomas greift das Lenkrad fester. Jetzt nur nicht durchdrehen. Es weiß ja keiner, was kommt. Erstunken und erlogen muss das alles sein. Er hat auf das richtige Pferd gesetzt!

Jonas kennt die Jungen, aber sie haben seit einigen Jahren kein Wort mehr mit ihm gewechselt. Seit sie alleine draußen sind und es keine Mütter mehr gibt, die sie dazu anhalten können, miteinander zu spielen. 75. Der Ball fliegt hin und her.    

Der Terrassenboden unter meinen nackten Füßen ist warm. Die Sonne verfärbt sich rot. Gleich bricht sie sich an der Hausmauer und taucht die Wand in gleißendes Licht. Ich schaue durch den Sucher. An meiner Kehle läuft ein winziger Schweißtropfen hinab.

Roland räuspert sich. Der Schweinwerfer ist so hell, dass er die Finger der Technikerin nur als Schatten wahrnimmt. „Drei, zwei, eins, wir sind live.“ Roland blinzelt. Er hebt das Kinn. „Liebe Bürger und Bürgerinnen, liebe Parteifreunde. Ich möchte hiermit meinen Rücktritt bekannt geben.“

Rücktritt? Martha hört nicht, was Roland danach sagt. Der riesige Bildschirm verschwimmt. Er hat ihr doch beteuert, er hatte versprochen … Martha richtet sich so schnell auf, dass sie das Gleichgewicht verliert. Ihr Stock rudert durch die Luft und kracht gegen die Vase auf der Fensterbank.

Edwina zuckt zusammen, als es oben poltert und kracht. Vor Schreck drückt sie den Daumen auf das Display ihres Handys. Schnell hält sie es ans Ohr. „Thomas? Ich muss mit dir reden!“

Er hat den Anruf instinktiv angenommen, verdammte Freisprechanlage! „Edwina, jetzt nicht! Ich muss hören, was die im Radio sagen!“
„Es ist wichtig! Können wir uns nachher treffen?“ Aber Thomas hat sie schon weggedrückt.
„…werde meine Unschuld beweisen“, sagt die Stimme dieses erbärmlichen Kriechers gerade. In dieser Sekunde springt ein verdammtes Kind auf die Straße, um nach einem Tennisball zu hechten. Die Vollbremsung wirft Thomas nach vorne. „Hast du keine Augen im Kopf?!“

Der Ball rollt über die Straße. Vor Jonas Füße. Jonas bückt sich danach und schleudert ihn mit aller Kraft.

Die Sonne blinkt auf. Der Ball prallt mit solcher Wucht gegen die Kamera, dass ich zurücktaumele. Mein Moment fällt, dreht sich, kracht auf die Pflastersteine im Hof und zerbirst in tausend Stücke.

Roland. Martha. Edwina. Thomas. Jonas.

Mia.

Die Stadt ist gelähmt von der Hitze, die wie eine Glocke über den Häusern und Straßen und Parks hängt.

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lebefroh
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 38
Beiträge: 309
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 12.01.2019 14:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Puh, der erste DSFo-Wettbewerb, bei dem ich richtig unzufrieden mit meinem Beitrag bin. Mir fiel einfach nichts ein.

Umso schöner zu sehen, dass es so viele andere tolle Beiträge gibt!
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Catalina
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 46
Beiträge: 285
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 13.01.2019 09:18    Titel: Antworten mit Zitat

Beim ersten Lesen bekam der Text von mir den Vermerk, er sei einer meiner Favoriten. Die Zusammenhänge der einzelnen Personen finde ich hier - ganz anders als bei manchen anderen Texten - sehr eingängig und überzeugend geschrieben. Auch hältst Du sie lange zurück. Das gefällt mir sehr.

Deinen Stil mag ich sehr gerne. Kein einziger Ausdruck, keine einzige Formulierung, worüber ich gestolpert wäre. Und es ist beeindruckend, wie Du mit ganz wenigen Sätzen ein so starkes Bild der Situation zeichnen kannst.

Im zweiten Leselauf war ich überrascht über meinen Vermerk, ich hatte den Text gar nicht mehr auf dem Schirm, nicht weiter über ihn nachgedacht. Vermutlich, weil er in sich so rund ist, dass keine Fragen offen bleiben.

Jetzt bei der Bewertung bringt mich das in einen Zwiespalt. Noch immer mag ich das Runde, vermisse aber auch, dass mich der Text eine Zeitlang gefangen nimmt.

Dass die Minute der Moment ist, in der Mia hinter der Kamera auf Perfektion wartet, ist eine tolle Idee. Das Warten trägt durch die Geschichte und ich kann die gedehnte Minute sehr gut fühlen. Bei dieser Umsetzung stehst Dein Text bei mir fast ganz oben. Die anschließenden "Auflösungen" geben den Moment dann frei. Auch das gelingt Dir beeindruckend gut.

"Leute, die geführt werden wollen, und sich dann beschweren, wohin sie geführt wurden" gefällt mir.

Beim ersten Lesen bewunderte ich am Anfang Mia, weil sie so sehr im Moment zu leben scheint. Dass es ihr nur um die perfekte Aufnahmen geht, dass das Einfangen nicht für ihre Erinnerung, sondern fürs Papier (oder Pixel) gemeint ist, das hat was Desillusionierendes. Auch, wie sie dafür über Leichen geht. Dass ihr Jonas die Aufnahme vermasselt, geschieht ihr recht!

Und mit dieser Szene dann auch zu schließen, "der Moment fällt, dreht sich, kracht auf die Pflastersteine im Hof und zerbricht in tausend Stücke", das ist schon ziemlich genial.

Aufgrund der hohen Konkurrenz bleiben leider nur noch 2 Punkte. Eigentlich hätte der Text mehr verdient.
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3106

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 13.01.2019 14:59    Titel: Antworten mit Zitat

Spontaner Erstleseeindruck: Hm, hm. Ich habe mich beim Lesen gefragt, worauf das wohl hinauslaufen wird. Dann habe ich mir gewünscht, es würde auf nichts hinauslaufen.
So kam es dann leider nicht. Aber nun, ist ja schließlich kein Wunschkonzert hier.
Nur hätte mir das, glaube ich, tatsächlich besser gefallen. Denn so bleibt am Ende so etwas wie: da, siehst du, alles und alle sind miteinander verknüpft.
Und das ist mir dann leider zu wenig.
Hättest du mir weniger an die Hand gegeben, wäre ich am Ende vielleicht mit mehr zurückgeblieben.

Beim zweiten Lesen komme ich zu der Meinung, dass der Text dann doch viel weiter am Nichts ist, als ich beim ersten Lesen dachte. Nur leider an dem anderen Nichts, dem, wo ich mich frage: Ja und nun? Was willst du mir sagen, Text, was soll ich mit dir?
Ich halte mich versuchsweise am Ich fest, denn irgendeinen Grund muss das ja haben, dass da ausgerechnet ein Ich auftaucht zwischen all den Namen. Ich baue an der Vermutung herum, dass Ich eventuell die Schlampe von Roland ist und na sowas, genau in dem Moment, in dem sein Leben kaputt geht, zerknallt es ihr die Kamera. Das hat sie nun davon. Aber selbst mit dieser Theorie - nun ja.
Beim erneuten Lesen frage ich mich, ob die Theorie überhaupt aufgeht und wenn ja, was dann der erste Absatz mit dem Ich zu tun hat, dieser letzte Satz, Wir warten - auf was wartet der andere denn? Da kommt die Vermutung kommt auf, du hast am Ende vielleicht selbst noch nicht gewusst, worauf du hinauswillst.

Und die Hitze, was ist denn mit der? Schmückendes Beiwerk? Ein wirklich Mehrwert erschließt sich mir da noch nicht.
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Herdis
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 110



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 16:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ein bestimmter Ort (Wohnhaus mit Mietwohnungen und Straße davor), während (mehr oder weniger?) einer Minute betrachtet. Diese Vorgabe ist für mich erfüllt.

Von der Mottovorgabe "(Un-)Haltbare Gegenwart "Die gestundete Zeit" von Ingeborg Machmann:
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont."
inspiriert oder sich damit auseinandersetzend?

Nicht wörtlich. Ansonsten, eher ein nein. Wenn man den möglichen beinahe Unfall (Ball auf Straße) mit einbezieht, ein gut gemeintes jein. Die Vorgabe wurde m.E. nach weniger bis nicht beachtet.

Ob E-Lit oder U-Lit- da halte ich mich (bei allen Texten, die ich hier bewerte) raus.

Der Wechsel durch die verschiedenen Perspektiven war gut nachvollziehbar, die Cliffhanger passend gewählt. Erst Stück für Stück erschließt sich das gesamte Bild, was das Weiterlesen spannend macht. Der Text ist schlicht geschrieben, lässt sich daher gut lesen. Am Ende sammeln sich alle Fäden und der Kreis schließt sich.


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"Wenn ich nicht schreibe, fühle ich, wie meine Welt schrumpft. Ich empfinde, wie ich mein Feuer und meine Farben verliere." Anais Nin
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UtherPendragon
Hobbyautor


Beiträge: 337



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 20:17    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text hat was, leider einige Schreibfehler. Muss ich in ein paar Tagen nochmal lesen.

_________________
Dies ist ein Text, der an jeden Deiner Beiträge angehangen werden kann. Es besteht ein Limit von 400 Buchstaben.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1225
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 14.01.2019 20:42    Titel: Re: Kaleidoskop Splitter Antworten mit Zitat

Hier sind mMn zu viele Figuren im Spiel, bzw. zu viele Episoden, die eigentlich eher zeitdeckend umgesetzt sind als gedehnt. Das führt dazu, dass es mir schwer fällt, bis zum Schluss durchzuhalten - es sind zu viele Informationen, es enstehten keine in sich stimmigen Bilder, die ich in mir aufbauen kann - mich packt der Text nicht und es bleibt auch nichts, was mich über die Lesezeit hinaus beschäftigt.

Was mir gefällt, ist, dass der Text am Ende Sogwirkung bekommt (es fühlt sich hier aber eher gerafft an als gedehnt), was mir weniger gefällt, ist, dass die Figuren von außen wirken, ich erlebe ihr Inneres nicht - das fehlt ungemein, ich meine das auch eher für die Erzählweise, die du gewählt hast. Für mich funktionieren Texte, die eine (fast) reine Handlungsebene der Figuren zeigen, besser, wenn sie in ihrer Bildhaftigkeit gedehnter sind, also, dass die Figur durch den Fokus auf ihre Umgebung, erlebbar wird, eher die Perspektive aus der sie betrachtet wird, was sie umgibt, nicht, was sie tut (das auch, aber dann zurückhaltender) und dann auch irritierende Elemente, die für die Geschichte in vielerlei Hinsicht bedeutend sind. Das ist nun eine sehr abstrakte Beschreibung, anders weiß ich es aber gerade nicht zu formulieren.
Auch finde ich die unmittelbare Verstrickung der verschiedenen Episoden nicht glücklich gewählt. Gerade so eine Episodengeschichte kann gut davon leben, dass die Figuren keinerlei Zusammenhang haben, aber dann doch irgendwie - innerlich, im Allgemeinmenschlichen.

Wurde das Thema umgesetzt? Das Motto?
Beim Thema würde ich sagen: Ja. Es sind gegenwärtige Episoden, auch (Un-)Haltbar. Der Ball, der nicht zu halten ist, die Sonne, die weiter versinkt.
Und die Sonne ist es wohl auch, die das Motto verkörpern soll.
So ganz zufrieden bin ich damit nicht, vielleicht auch, weil die Geschichte keinen Nachhall in mir verursacht. Das ist schade. Ich kann das Motto nicht spüren, es wird zwar irgendwie indirekt an einer Stelle erwähnt, aber es durchzieht nicht den Gesamttext. Zur Dehnung habe ich ja schon gesagt, dass ich sie auch nicht ausgereift umgesetzt vorfinde.

Leider keine Punkte.


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sehen dasselbe vieraugen

dann eins
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Mardii
Stiefmütterle

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Beiträge: 1841



BeitragVerfasst am: 15.01.2019 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Die Minuten in einer Stadt, einer Gegend, einem Ort. Es ist Sommer, Hitzewelle, man weiß nicht genau wo die Handlung abläuft. Aber egal. Verständlich geschrieben, aber nicht überragend. Das Thema gut getroffen.

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`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 14:15    Titel: Antworten mit Zitat

Am Ende meines zweiten Lesens habe ich das Gefühl, einen Zusammenhang – einen weniger offensichtlichen, bzw. nachvollziehbaren als den zwischen Martha und Roland (Mutter und Sohn), Thomas, (Rolands Berater) und Edwina (die von Thomas oder Stefan schwanger ist aber lieber Stefan wollte, aber bei Thomas landet, wenigstens kurzfristig). Ich bringe Jonas, die zwei anderen Jungs und die „Mütter, die nicht mehr da sind“ nicht unter, auch Mia nicht, von der ich annehme, dass sie irgendwo am Strand liegt, dann aber den Sonnenuntergang von einer Terrasse aus fotografiert (bzw, dieses versucht) und die den Kerl auf der Liege nicht beim Namen nennen kann, obwohl sie mit ihm ein oder mehrere Nächte verbrachte.

Anfangs ist mir dieser Text zu konventionell. Der Anfang buchstabiert mir das Thema der Vorgabe, als schriebe er es mir noch einmal auf die Tafel:

Zitat:
Das Jetzt rinnt mir durch die Finger. Rutscht weg, ohne sich halten zu lassen. 


Im ersten Abschnitt „Martha“ hat er mich dann am Wickel. Martha mag ich, wie sie verbotener Weise mit wenig Kräften und schütterem Haar widersetzt. Nicht nur im Tür offen lassen, sondern auch im Zusehen, wie der Politiker-Sohn sich öffentlich in die Nesseln setzt.
Ich folge auch den anderen gespannt, zumal der Text auf etwas zuzusteuern scheint, das ich noch nicht greifen kann. Wie er sich dann auflöst, enttäuscht mich dann etwas. Weil mich diese „halbe“ und halb profane (ach so hängen die zusammen) mit einem „mir fehlt was“-Gefühl stehen lässt. Ich lese also noch einmal nach, werde aber dadurch nicht schlauer, habe das Gefühl, etwas überlesen zu haben, oder einem unvollständig ausgearbeiteten Text gegenüber zu stehen. Hätte sich eine tiefere Schicht oder eine weitere Ebene als die der zusammengeführten Handlungsstränge eröffnet, ich hätte klar E gesagt. So bleibt mir das E mit der halben Lösung in der Luft hängen. Die Vorgaben sind jedoch erfüllt und der Text ist solide verfasst. Was mich ein wenig frustriert ist die beschriebene Lücke und das kleine in der Luft hängen bleiben. Was an meiner Textblindheit liegen kann, weshalb ich hier gespannt auf die anderen Leserreaktionen und / oder die Auflösung durch den/die AutorIn bin.


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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 15.01.2019 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Da sind sehr schöne Sätze dabei und es ist vielleicht eine der wenigen 1-Minute-Geschichten, die alle Abschnitte sinnvoll miteinander verknüpft, ohne dabei gegen die Vorgaben zu verstoßen. "Unhaltbare Gegenwart" wird hier zum Programm, als die Kamera zerbirst. Aus den verschiedenen Charakteren entwickelt sich eine Kaskade an Ereignissen, die sich alle gegenseitig bedingen. Was mir hier fehlt, ist der literarische Twist. Irgendetwas, das die Geschichte doppelbödig macht. Der Erzähler ist zu geradlinig, zu fokussiert darauf, alle Fäden miteinander zu verknüpfen - hier könnte vielleicht der Hund begraben liegen. Und ich finde deine Geschichte zwar sehr gelungen, aber ich muss natürlich auch ihre Literarizität berücksichtigen.

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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 22:57    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Minutengeschichte. Wie bei ein paar anderen gibt es letztlich Verbindungen zwischen den erwähnten Personen, in einer überhitzten Stadt, in der auch Erzählerin sich befindet. (Mia)

Im Grunde dreht sich die Geschichte hier im Kreis.

Das Bild des Momentballs, der zerspringt, am Ende, gefällt mir.

Aber mir fehlt, über die Handlungen hinaus, eine Anregung zum Weiterdenken.
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lilli.vostry
Wortschmiedin


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BeitragVerfasst am: 16.01.2019 00:43    Titel: aw:KaleidoskopSplitter Antworten mit Zitat

Hallo,

ich habe Deine Geschichte mit Interesse und wachsender Spannung gelesen. Sprachlich hat der Text mich weniger begeistert, die Zeitraffung wird auch nicht deutlich erkennbar.
Auch nicht der Zeitpunkt, die eine Minute, die alle Figuren parallel laut Vorgabe (2) in einer Stadt verbinden soll.

Erwähnt wird die lähmende Hitze, unter der alle leiden, und dass es Berufsverkehr ist.

Eine Reihe Personen werden kurz mitten in ihrem Tun beschrieben. Nach und nach fügt sich das Kaleidoskop zu einem Ganzen zusammen, von banal bis dramatisch.

Offen bleibt wer der oder die Ich-Erzählerin ist. Die Namen der vorkommenden Personen werden zuletzt noch mal genannt. Warum?
Und der Name Mia steht einzeln - ist das die Ich-Erzählerin mit der Kamera, die den einen Moment fangen will und der mit einem Ballwurf in tausend Splitter birst?

Der letzte Satz wirkt drangehängt, um den Bogen zum Anfang zu schließen.

Bin mir noch nicht sicher, ob ich Federn für diesen Text vergebe.
Hab die anderen noch nicht alle gelesen...

Grüße,
Lilli


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Tape Dispenser
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Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 16.01.2019 01:41    Titel: Antworten mit Zitat

Es wird klar, dass die Figuren in den Textfragmenten am Ende alle irgendwie zusammenhängen und ihre Handlungen teilweise direkte Auswirkungen auf das Leben der anderen haben, aber hier fehlt es mir an der Notwendigkeit. Die Zeitdehnung wurde hier mehr oder weniger auf mehrere Personen verteilt, wobei man sich darüber streiten könnte, ob es jeweils eine Minute ist.

Insgesamt enthält der Text für mich zu viele "Andeutungen". Sätze, wo man denkt, da kommt jetzt noch was, aber er läuft eigentlich geradlinig auf das Ende zu, ohne dass die Andeutungen vertieft werden oder in irgend etwas münden.
Warum der Satz, "Die Stadt ist gelähmt von der Hitze, die wie eine Glocke über den Häusern und Straßen und Parks hängt" am Ende noch mal auftaucht, erschließt sich mir auch nicht. Ich verstehe dieses Stilmittel an dieser Stelle nicht, genau so wenig, warum am Ende die Namen

Roland. Martha. Edwina. Thomas. Jonas.

Mia.       

noch einmal auftauchen. Soll Mia die Ich Erzählerin sein? Da habe ich aber keine Lust zu raten. Einen Funktion, die diese bloße Aufzählung im Text erfüllen soll, kann ich auch nicht erkennen.
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Municat
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BeitragVerfasst am: 17.01.2019 10:07    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko smile

Zu Beginn des Textes stehen viele einzelne Bilder für sich, die später wie fein geschliffene Zahnräde rineinander greifen, einges erklären, aber auch viele Fragen offen lassen - genau so soll es wohl sein und genau das kommt an.

Mia ist versessen darauf, den perfekten Moment (einen ganz bestimmten Lichteinfall vor einem ganz bestimmten Hintergrund) mit ihrer Kamera einzufangen. Ihr Vorhaben scheitert allerdings im letzten Moment - aufgrund einer Verkettung von Ereignissen, die eine Kettenreaktion auslösen: Der Politiker Roland tritt aufgrund einer Sex-Affäre zurück. Martha (die seine Mutter sein könnte) ist davon so entsetzt, dass sie entweder stürzt oder eine Vase zerdeppert. Von dem Krach erschrickt in der Wohnung unter ihr die psychisch angeschlagene Edwina so sehr, dass sie reflexartig einen ihrer Möchtegern-Freunde anruft: den Choleriker Thomas, der gerade seine Felle schwimmen sieht, weil er irgendwelche krummen Geschäfte mit Roland am Laufen hat, die durch dessen Rücktritt vermutlich zum Scheitern verurteilt sind. Abgelenkt durch die Nachrichten und den Anruf übersieht Thomas ein Straßenkind, das auf die Fahrbahn läuft, um einen Tennisball zu fangen. Jonas, ein anderer Junge, hebt diesen Ball auf und schleudert ihn gegen Mias Kamera - genau in dem Moment, den sie festhalten wollte.

Fragen, die für mich offen bleiben (was hier nicht als Kritik gemeint ist, sondern eher als Aspekt, der die Geschichte interessant macht, zum weiterspinnen und nachdenken anregt):

Wer ist die Affäre von Roland? Vielleicht Edwina? Wurde sie von Thomas auf den Politiker angesetzt, um Schweigegeld zu erpressen? Oder ist die Affäre vielleicht sogar Mia?

Stürzt Martha oder zerdeppert sie "nur" die Einrichtung?

Lebt Jonas auf der Straße (wegen der bemerkung, dass es keine Mütter mehr gibt, die sagen, wer mit wem spielen soll) oder ist seine Mutter dabei (die ihm sagt, er soll sich den Schorf nicht aufkratzen - was aber auch eine Erinnerung sein kann)?

Überfährt Thomas den Jungen, der dem Tennisball nachrennt oder bremst er gerade noch rechtzeitig?

Das sind nur die ersten Fragen, die mir einfallen ... da schlummen noch weit mehr davon. Alleine durch diese Aspekte beweist der Text, dass er E ist. Das Thema des flüchtigen Moments, der nicht festgehalten werden kann, ist hier auch sehr deutlich umgesetzt. Die Dehnung sowieso. Die einzelnen Bilder sind intensiv.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Texte zweimal gelesen und einmal kommentiert habe.

EdiTier
10 Punkte von mir


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 17.01.2019 10:20    Titel: Antworten mit Zitat

Dies ist eine Standard-Antwort: Vielen Dank für deinen Text! Ich bitte um Verständnis, dass ich (momentan) keine Begründung dafür abgebe, warum du von mir Punkte bekommen hast. Das liegt unter anderem daran, weil die (sogenannte) Klassifizierung von E-Literatur wenigstens teilweise subjektiv ist.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 17.01.2019 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
ich kann auch nach mehrfachem Lesen nur mutmaßen, wie alles zusammenhängt, und ob überhaupt. Aber ist das wichtig? Die Ich-Erzählerin (Mia?) will ein perfektes Photo machen, einen Moment einfangen, der eh unhaltbar ist. Wird nichts. Roland, der Politiker, dem vermutlich Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung vorgeworfen wird, tritt zurück. Thomas steckt im Verkehr fest, andere verfolgen im Fernsehen. Martha und Roland verbindet was, sie könnte seine Frau oder auch Mutter sein, keine Ahnung, ich weiß ja nicht, wie alt er ist. Mehr krieg ich da nicht zusammengepusselt.

Was die Geschichte zusammenhält (wenn überhaupt) ist das Photo der Protagonistin. Die finde ich interessant, hängt tagelang bei einem Typen ab, nur weil man dort bei richtigem Licht ein tolles Photo machen könnte. Das ist Ehrgeiz.

Mir kommt die Geschichte leider ein bisschen so vor, als wurde sie nur geschrieben, um den Vorgaben zu entsprechen, eine tiefere Relevanz finde ich nicht. Sprachlich nicht schlecht, aber auch nichts besonderes, relativ Standard Erzählweise, wenn auch zerstückelt und fragmentarisch. Reicht das für E? Das Thema (un)haltbare Gegenwart ist durch die Ich-Erzählerin eingefangen, das Motto der gestundeten Zeit am Horizont entdecke ich nur peripher.

Das wichtigste bei E soll ja sein, dass der Text einem etwas gibt, neues Perspektiven eröffnet, etwas, das ich mitnehmen kann. Leider kann ich hier nichts für mich finden, das ich aus der Geschichte mitnehme.

Solide geschrieben und gut lesbar, aber irgendwie nicht meins.

beste Grüße,
Veith


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d.frank
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BeitragVerfasst am: 18.01.2019 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Dominoeffekt. Das ist wahrscheinlich, worauf man nun mal kommt, wenn man sich damit anfreundet, eine Minute aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Was mir allgemein bei den Texten im Wettbewerb auffällt, die sich für die Minutenvariante entschieden haben, ist die schwammige Perspektive.
Die Aufgabenstellung zwingt geradezu dazu, sich zuallererst mit der Wahl der Perspektive zu befassen. Einige haben das technisch gut gelöst, andere haben sich weniger Gedanken gemacht.
So meiner Meinung nach auch hier, ich mag mich irren - aber die Erzählerin Mia versucht mit ihrer Kamera einen Moment einzufangen. Sie erzählt aus der Ich-Perspektive. Irgendein auktorialer Erzähler stellt fest, dass die Stadt gelähmt von der Hitze ist, die Momentaufnahmen dagegen sind personal, am Ende knallt der Ball gegen die Kamera. Die Perspektive in einer Geschichte dient immer dazu, die Position des Lesers festzulegen. Wo bin ich, was sehe ich, warum kann ich es sehen? In dieser Geschichte kriege ich als Leser mich nicht verortet. Eben noch gucke ich drauf, aus Mia heraus, denke die Gedanken von Thomas, sehe Edwina auf der Toilette sitzen, bekomme aber keine Erklärung dafür, warum ich das überhaupt können darf.
Daran krankt es für mich hier, das scheint mir vorab nicht schlüssig geplant, aber vielleicht habe ich auch etwas übersehen!?


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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a.no-nym
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BeitragVerfasst am: 21.01.2019 02:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Dein Text (oder vielmehr das Kommentieren desselben) bringt mich ins Schwitzen (ist aber auch heiß hier...).

Besonders gefallen hat mir, wie der Text mehrmals zu jeder Figur zurückkehrt, um die Handlung ein Stück weiterzuentwickeln. Das machte das Lesen spannend, weil sich eine Ahnung der Zusammengehörigkeit der Teile erst nach und nach entwickelte.
Trotzdem hat mich die sommerliche Hitze wohl etwas träge gemacht - ich konnte mich nicht so sehr mit dem Text verbinden wie mit anderen Wettbewerbstexten, was aber vielleicht nicht viel mit Deinem Text zu tun hat, sondern schlicht daran liegen könnte, dass mich die Themen nicht so sehr berührt haben. Nach dem Lesen habe ich jedes Mal das Gefühl, der Schluss sei zu früh auf die Handlung aufgesetzt, die doch gerade erst anfing, sich zu entfalten. Wie das eben so ist, wenn man von so einem Ballgeschoss mit Wucht aus der Bahn geworfen und aus dem Moment katapultiert wird... Insofern passt der Schluss dann doch wieder Smile

Dass die Splitter hier tatsächlich Teile eines Ganzen sind und zusammengehören (und eben nicht bloß zufällig nebeneinander gelegt werden), ist mir bei diesem Text positiv aufgefallen. Auch die Stimmung an den verschiedenen Orten hast Du gut eingefangen, die jeweilige Atmosphäre treffend beschrieben!

Wofür die Namen am Schluss noch einmal genannt werden, habe ich nicht verstanden. Bei "Mia" habe ich mich gefragt, ob das nun die Erläuterung für das "Ich" ist. Oder bayrisch für "Wir"? Oder, Buchstaben neu sortiert "I am"? Oder doch was ganz anderes?

Für Text und Inko alles Gute!
Freundliche Grüße
a.

P.S.: Ob es wohl tatsächlich möglich ist, Autoren anhand ihrer  Interpunktion zu identifizieren? Cool Confused
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Michel
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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 14:59    Titel: Antworten mit Zitat

Geschichtenfetzen, die aber alle miteinander zusammenhängen. Der Politiker, der seinen Rücktritt bekanntgibt, seine Mutter (?), deren Nachbarin, die Fotografin usw. Gestundete Zeit? Ist drin. Verbindung zu einer übergeordneten Einheit? Definitiv. Sperrt sich der Text? Ja, auf sprachlicher Ebene, aber der Inhalt trägt mich hindurch.
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 00:14    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist so ein Text. Der macht schon was aus der Vorgabe, der ist angenehm zu lesen, hat eine angemessene Sprache, Figuren, die keine Abziehbilder sondern Personen sind, und die deren Geschichten lose miteinander zusammenhängen (vielleicht auch mehr als lose, aber mehr als Andeutungen lieferst du da nicht). Den habe ich so ganz gerne gelesen beim ersten Mal, diesen Text, da hat der mich so durchgezogen, eine Atmosphäre erzeugt, in sich Sinn gemacht, und selbst das Ende hat mich nicht enttäuscht. Nur dann beim zweiten Mal, da lese ich das, und es liest sich immer noch gut, aber eben ganz genau wie beim ersten Mal, da entsteht nichts mehr weiter über die kleinen ganz atmosphärischen Geschichten dieser Menschen hinaus, und ich habe den Verdacht beim wiederholten Male lesen wird das immer uninteressanter. Es beschäftigt mich nicht weiter. Und so kann ich zwar sagen: schöner Text, du kannst erzählen, ich habe das gerne gelesen, aber Punkte wird das von mir eher nicht geben. Toller Titel übrigens im Zusammenhang mit der Kamera am Ende!
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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 16:19    Titel: Antworten mit Zitat

Das Thema direkt im ersten Satz abgearbeitet, auch eine Möglichkeit. Dann eine Aufzählung angeblich erinnernswerter Momente, die abgelutschter nicht sein könnten, vor allem der unglaublich obliviable Schlag eines Vogelflügels. Was will man denn davon unbedingt im Gehirn behalten? Und am Ende des Absatzes wird gewartet, weil man offensichtlich doch Zeit hat den Moment zu betrachten. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht liegt es in der Natur des Wartens, dass man eben nicht im Jetzt ist, eben nicht die Gegenwart genießt, sondern etwas erwartet, was besser ist als eben dieser Moment. Soll ja Menschen geben, die warten ihr ganzes Leben, und dann ist es vorbei. Ist das diese vielgepriesene Vielschichtigkeit im Text oder hat sich nur was in meinem Gehirn gelöst? Ist das E?
Dann ein Tableau von Leuten vorgestellt und was sie wohl so in der vergangenen Viertelstunde gemacht haben. Die Aufgabenstellung der Dehnung einer einzelnen Minute wird wie häufig in diesem Wettbewerb erst gegen Ende abgearbeitet, wenn überhaupt, denn eigentlich handelt es sich mehr um eine einzelne Sekunde, die da betrachtet wird, und in der die Erzählfäden kurz verknotet werden. Die Aufgabenstellung war eine andere, denke ich. Ich hatte aber auch die Raffung, kann also eigentlich nicht mitreden.
Das Motto übrigens der gestundeten Zeit ist auch eher versteckt. Vielleicht habe ich aber auch einfach das Verständnis davon verloren, was das eigentlich sein sollte.
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fabian
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 17:01    Titel: Re: Kaleidoskop Splitter Antworten mit Zitat

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