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Kettenreaktion


 

 
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Municat
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BeitragVerfasst am: 01.01.2019 19:00    Titel: Kettenreaktion eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Bürgermeister grinste zufrieden, als der letzte Plastiksack in dem Container verschwand. Im Augenblick des Triumphes über den letzten verlotterten Schandfleck seiner Stadt reckte er die Brust und wartete gönnerhaft auf die nächste Frage der Praktikantin, die ihm das Lokalblatt geschickt hatte. Natürlich platze die Tüte  auf, wie die meisten. Temperaturen um die Null Grad machten das Material spröde. Eine kleine silberne Kugel, die an einer ungleichmäßigen Kette hing, wurde durch die Luft geschleudert und blieb am Riegel der Außenwand hängen.  Der undefinierbare  Inhalt einer abgewetzten Thermoskanne ergoss sich über Schlafsäcke, Isomatten und das schwarze lamb of god-shirt, das einer der Penner im letzten Sommer immer getragen hatte. Die Brühe stank fürchterlich. Die Praktikantin vergaß ihre Frage, rümpfte die Nase und trat einen Schritt zurück. Der Bürgermeister hatte nichts dagegen, das Interview zu beenden, weil die feuchte Kälte langsam unter seinen Filzhut kroch. Zwei seiner Stadträte halfen ihm die Böschung hinauf, ein dritter öffnete die Fahrertür seines Dienstwagens. Es war nicht weit bis zur Villa, genau genommen nur ein paar Meter. Trotzdem hatte er das Auto genommen. Schließlich  musste er auf solchen Terminen etwas darstellen, was er nicht konnte, wenn er sich die Füße platt lief. In der hohen Eingangshalle wartete sein Enkel auf ihn. Auf nassen Socken lief ihm der Kleine entgegen und hinterließ schlammige Spuren auf den Marmor-Fliesen. „Schau mal, was ich gerade  gefunden habe! Unter der Hecke neben der Tür. Schenk ich dir!“  Er öffnete seine Faust und hielt seinem Großvater ein schmutziges Tee-Ei unter die Nase. Der Bürgermeister unterdrückte den ersten Reflex, das wertlose Ding in den Mülleimer zu werfen. Er hatte seiner Tochter versprochen, den Kleinen nicht vor den Kopf zu stoßen. Mit spitzen Fingern zog er ein Taschentuch aus der Hosentasche, umwickelte das eklige Geschenk und steckte es ein. „Schau ich mir nachher an. Jetzt ist keine Zeit mehr. Bestimmt steht das Essen schon auf dem Tisch. Geh dir schon mal die Hände waschen.“

Sabine schlug den Kunstpelzkragen ihrer Jacke hoch. Der kalte Wind fuhr ihr in den Nacken. Billy rannte voraus und kläffte die welken Blätter an, die vor seiner Nase durch die Luft wirbelten. Ihn störte weder Frost noch Schneeregen, aber sein Fell war schließlich auch lang und dicht. Sie nahm den Weg direkt am Fluss entlang zur Brücke, wo die Obdachlosen ihre Kojen aus Kartons und Folien aufgestellt hatten. Auf dem Dachboden hatte sie noch ein paar alte Decken gefunden, die sie den  armen Seelen in ihrem kalten Lager bringen wollte. Nur gab es unter der Brücke keine Kojen mehr. Stattdessen stand dort ein Müllcontainer, aus dem beißender Gestank drang. Was wollte Nicole an diesem Ort? Bestimmt hatte das mit dem Ferienjob bei der Zeitung zu tun. Aber nicht nur das Mädchen hatte es gerade sehr eilig, das Ufer zu verlassen. Überrascht erkannte Sabine den Bürgermeister höchstpersönlich. Er ließ sich von seinen Parteifreunden die Böschung hinaufschieben. Bestimmt hatte er etwas mit diesem verdammten Container zu tun. Seit Monaten wetterte er gegen die armen Leute in ihren improvisierten Schlafhöhlen. Nur hatte er bisher nie die Mehrheit des Stadtrats hinter sich gebracht. Sabine schüttelte den Kopf. Dann entdeckte sie ihren Hund, wie er über die Seitenwand des stinkenden Containers kletterte. „ Billy, runter da!“ Er hatte eine viel feinere Nase als sie selbst. Was zum Henker suchte er dort? Geschmeidig sprang Billy in den Matsch und rannte den Trampelpfad zum Parkplatz hinauf. Vor dem geteerten Bereich wartete er schwanzwedelnd auf sie. Erst jetzt bemerkte Sabine, dass er etwas im Maul trug. Eine unregelmäßige Kette hing ihm aus dem Maul. „Aus!“ Sofort ließ Billy seine Beute fallen und schaute sein Frauchen erwartungsvoll an. Sabine schob das schmierige Tee-Ei mit dem Fuß unter das nächste Auto  und suchte nach einem Stöckchen, das sie Billy werfen konnte, um ihn von seinem Fang abzulenken. Sie folgte ihm zurück zum Ufer und warf das Stöckchen jedes Mal ein Stück weiter.

„Mir ist kalt, ich habe keinen Bock mehr.“ Patrick trat die Zigarette aus und steckte seine Hälfte der mobilen Spielkonsole ein. Jan hörte ihn nicht. Natürlich nicht. Die Bässe aus seinem Kopfhörer dröhnten laut genug, um den halben Parkplatz damit zu beschallen. Erst, als er bemerkte, dass er keinen Gegner mehr hatte, sah er vom Display auf. „Was soll das? Ich war am gewinnen!“  Patrick zuckte die Schultern. „Meine Finger fühlen sich an wie Eiszapfen. Ich fahr zurück. Wenn du mit willst, steig ein.“ Murrend ließ auch Jan sein Gamepad in der Jackentasche verschwinden. „Du weißt genau, dass ich zu Hause nicht darf.“ Patrick drehte sich zu seinem Freund um. Klar hatte Jan strenge Eltern. Aber wenn er nicht die zweite Ausbildung am Stück geschmissen hätte, würde er vermutlich inzwischen selbst Geld verdienen und müsste sich die Macho-Sprüche von seinem Alten nicht länger anhören. Jeder kann was aus seinem Leben machen. Man muss die Zeit, die einem vergönnt ist, nur richtig nutzen. Er behielt seine Gedanken für sich. Jan würde das nicht verstehen. Eine Ansammlung von Anzugträgern an der Böschung erregte seine Aufmerksamkeit. „Ist das da unten der Bürgermeister?“ Jan schnaubte. „Ist doch egal.“ Wenigstens folgte er ihm inzwischen zum Auto. Tatsächlich wurde der arrogante Sack von seinen Parteifuzzies umständlich in die Luxuskarosse gehievt. Bestimmt gab es in dem Vehikel Sitzheizung für jeden. „Jetzt komm schon.“ Jan schlurfte zur Beifahrertür, bückte sich und kramte unter dem Auto herum. Patrick drehte den Zündschlüssel im Schloss und startete den Wagen. Endlich schlug Jan die Beifahrertür zu. Dicht hinter der schwerfälligen Limousine des Bürgermeisters bog Patrick von dem Parkplatz in die Hauptstraße ein. Ein breites Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit, als er das Gaspedal durchtrat und die dicke Limousine überholte. „Meine Kiste hat Power, da helfen dir deine Sitzheizungen auch nicht.“ Mit quietschenden Reifen scherte er vor dem Bürgermeister ein. Jan ließ ein undefinierbares Ding an einer kette wie ein Pendel vor seiner Brust  baumeln. Patrick rümpfte die Nase. „Was ist das denn?“. Jan zuckte die Schultern. „Keine Ahnung, lag unter dem Auto. Ich dachte, vielleicht fällt deine alte Mühle ja langsam auseinander.“ Patrick packte das Ding, damit es aufhörte, zu baumeln. Es fühlte sich glitschig an. „Ist ja widerlich. Wirf das weg.“ Jan reagierte nicht. „Das ist ganz bestimmt kein Teil von meinem Golf. Wirf es weg!“ Endlich öffnete Jan das Fenster und warf seinen Fund in die Hecke am Straßenrand. Im Rückspiegel beobachtete Patrick, wie der Chauffeur des Bürgermeisters den Blinker setzte.

Konstantin von Degener krallte  seine Finger in die Brüstung. Der Wind pfiff hier oben auf der Brücke um einiges kälter als unten in seinem Zuhause … das es nun nicht mehr gab. Er schwankte und wusste nicht, ob das am Wind lag oder daran, dass er schon bei der dritten Flasche angekommen war. Die Stofftasche, die an seinem Unterarm baumelte, fühlte sich verdächtig leicht an. Vermutlich hatte er diese Flasche auch schon so gut wie leer. Kaum mehr als zehn Meter unter ihm verlud jemand seine Habseligkeiten in einen rostigen Container. Den Schlafsack, die Matte, den Campingkocher und die Ravioli-Dosen. Und seine Erfindung. Die ganze Zeit über hatte er sein Muster aufgehoben und versteckt. Das Muster, mir dem er vor so vielen Jahren von Konzern zu Konzern gerannt war. Die ersten hatten ihn nicht für voll genommen und die, die sich von der Wirkung überzeugen konnten, hatten Angst bekommen und ihn weg geschickt. Die Zwielichtigen hatte er selbst nicht gewollt. Konstantin von Degener glaubte nach wie vor an seine Idee. Ein sauberer Sprengstoff für Abrissfirmen, den man kabellos und ohne Lunte zünden konnte. Nur, indem man ihn zuerst in Milchsäure tunkt, dann eine Weile feucht hält und dann in einer entsprechenden Thermohülle auf 38 grad Celsius erwärmt. Eine Revolution wäre das gewesen! Nur hatte ihm keiner geglaubt. Sein Physik-Professor war noch der Freundlichste gewesen. „Du bist deiner Zeit einfach voraus“, hatte er ihm gesagt, „Warte einfach ab, dann spielt dir die Zeit in die Karten.“ Allerdings ist Abwarten nicht leicht, wenn man den Job für die Erfindung aufgegeben hat, die Wohnung nicht mehr bezahlen kann und keine sinnvolle Berufserfahrung vorweisen kann.  Seine Familie hatte sich längst von ihm distanziert. Aber das war ein anderes Leben. Er hing schon wieder seinen Gedanken nach. Der Bürgermeister war längst wieder weg und er musste irgendwo einen Platz für die nächste Nacht finden. Auf der anderen Seite der Brücke knallte es, als hätte jemand einen verspäteten Silvesterknaller gezündet, nur viel lauter. Die Druckwelle überholte den Wind. Eine hellrote Feuersäule erhob sich über die Hauptstraße, gefolgt von einer schwarzen Rauchwolke.

Patrick bremste den Wagen und starrte mit offenem Mund auf die Rauchsäule.

Jan verpasste den ganzen Spaß. Er wippte zur Musik aus seinen Kopfhörern.

Sabine zuckte zusammen und holte erst wieder Luft, als sie sich sicher war, dass das Feuer nicht in ihrem Haus ausgebrochen war.

Billy drückte sich winselnd gegen ihre Schienbeine.

Nicole zückte ihr Handy und filmte die Stichflamme.

Der Enkel des Bürgermeisters  lief dem Chauffeur seines Großvaters schreiend aber unverletzt in die Arme.

Der Bürgermeister selbst brach mit einer Fleischwunde am Oberschenkel zusammen. Die Haut um die blutende Wunde stank nach verbranntem Fleisch.

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lebefroh
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BeitragVerfasst am: 12.01.2019 08:29    Titel: Antworten mit Zitat

Kettenreaktion -  da hatten wir die selbe Idee. Smile

Mein Problem (und dashatte ich bei meinem Text auch), es sollte nur eine Minute sein, die beschrieben wird. Die Handlung kommt mir hier aber sehr viel länger vor.

Die Mechanik der Erfindung wirkt auf mich reichlich konstruiert.

Leider keine Punkte.
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Municat
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BeitragVerfasst am: 13.01.2019 12:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Puuuh ...

Ist dieser Text Genre (und damit Themaverfehlung), weil er ein einziges Kernereignis aus verschiedenen Perspektiven erzählt, weil er sprachlich nah an einem Krimi ist oder weil jeder einzelne Abschnitt für sich linear erzählt wird?

Oder geht er als E durch, weil in jedem Abschnitt zusätzliche Themen, Probleme und Hintergründe angeschnitten werden, die nicht weiter verfolgt werden, die den Leser zu weiteren, vielschichten Überlegungen verleiten sollen?

So war der Text jedenfalls von mir gedacht.

Jetzt, wo ich ungefähr die Hälfte der anderen Beiträge zum ersten Mal gelesen habe, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das reicht. Ich bin froh, dass ich den Text gar nicht bepunkten DARF, weil es mein eigener ist. Die Entscheidung müssen jetzt Andere treffen.

Ihr armen Socken!

Jedenfalls fürchte ich, dass die Diskussion in Frage-Faden durch meinen Betrag entstanden ist.

Vielleicht sollte ich mich einfach nicht an E-Wettbewerben beteiligen.

Vielleicht sollte ich das Feld den Leuten überlassen, die es besser können.

Vielleicht waren meine Ideen aber auch gar nicht so schlecht und ich finde auch im erlauchten Kreis der E-Profis Befürworter.

Wir werden sehen.

Ganz unabhängig davon:
Ein breites Grinsen macht sich im Gesicht breit ... welcher Amateur schreibt denn so was?


Ich stelle gerade fest: Dieser Beitrag hier ist (unter Berücksichtigung der Wettbewerbstexte, die ich bisher gelesen habe) deutlich mehr E als die Kettenreaktion selbst.


_________________
Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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Tape Dispenser
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Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

In diesem Text finde ich die Vorgaben nicht erfüllt. Eine Reihe von zusammenhängenden Kurzbeschreibungen verschiedener Protagonisten, die in der Pointe münden, dass ein Teeei explodiert.
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Tape Dispenser
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Doppelpost: gelöscht
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3106

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 13.01.2019 14:40    Titel: Antworten mit Zitat

spontaner Erstleseeindruck: Oh nein, eine Pointengeschichte. Ich mag Pointengeschichten im Normalfall nicht, da, wenn man bei der Pointe angelangt ist, meist nichts weiter übrig bleibt, von der Geschichte.

...

- weiteres Lesen -

Nein, tut mir leid, das geht nicht an mich. Zur Pointe dazu ist mir das zu sehr geballtes Klischee, das da auf mich eintrommelt. In den Figuren meine ich. Ok, na gut, es trommelt vielleicht nicht, aber gerade dieser Bürgermeister und die Praktikantin, das ist schon sehr stereotyp.

Außerdem ist es mir zu schlampig erzählt. Als Beispiel mal der erste Absatz:
Zitat:
Der Bürgermeister grinste zufrieden, als der letzte Plastiksack in dem Container verschwand. Im Augenblick des Triumphes über den letzten verlotterten Schandfleck seiner Stadt reckte er die Brust und wartete gönnerhaft auf die nächste Frage der Praktikantin, die ihm das Lokalblatt geschickt hatte. Natürlich platze die Tüte  auf, wie die meisten.

Ein Plastiksack ist für mich etwas anderes als eine Tüte.

Zitat:
Eine kleine silberne Kugel, die an einer ungleichmäßigen Kette hing, wurde durch die Luft geschleudert und blieb am Riegel der Außenwand hängen.

Am Riegel der Außenwand? Was soll das jetzt sein? Eine Hauswand? Irgendwas am Container? Ich fürchte, du willst hier übergenau beschreiben und erreichst damit bei mir eher das Gegenteil.
Zitat:
Der undefinierbare  Inhalt einer abgewetzten Thermoskanne ergoss sich über Schlafsäcke, Isomatten und das schwarze lamb of god-shirt, das einer der Penner im letzten Sommer immer getragen hatte.

Weil, ich kann mir das leider so nicht vorstellen. Wo ist die Tüte denn jetzt aufgeplatzt, im Container? Aber dann würde er das doch nicht so genau sehen? Aber wenn es sich über Schlafsäcke, etc. ergießt, dann hört sich das nach ziemlich viel Zeug an, das ich nun wieder nicht in einem einzigen Plastiksack vermuten würde, der auf der Straße oder sonstwo außerhalb des Containers aufgeplatzt ist.

Und als der Bürgermeister nach Hause kommt, hat der Enkel schon das Ding gefunden, das gerade noch an der Außenwand hing? Bisschen schnell, oder? Oder gibt es etwa zwei davon? Aber nein, später ist nur von einem Muster die Rede. Vielleicht ist das an der Außenwand gar keins, der Enkel hat es anderswo gefunden? Dann nimm das Außenwandding raus, es führt doch nur in die Irre.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
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Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 14.01.2019 21:03    Titel: Re: Kettenreaktion Antworten mit Zitat

Das ist ein Text, der ein genaues Ziel verfolgt. Alle Figuren stehen in einem Zusammenhang, am Ende wird das Rätsel gelöst. Das Tee-Ei spielt eine tragende Bedeutung, der Obdachlose ebenso, wie der Bürgermeister und alle anderen. Der Text ist flüssig zu lesen.
Die einzelnen Szenen sollen jeweils eine Minute "verköpern" - stark gedehnt. Ich finde, dass sie das nicht tun, dafür ist zu viel Handlung drin, zu wenig Atmosphäre. Die Figuren tun unglaublich viel, es treibt sie viel um, es enstehen aber kaum Innenraumbilder, eher die Handlungen der Figuren stehen im Vordergrund. Auch das Tee-Ei, das ja dann zum düsteren Verhängnis wird. Dazu kommt noch, dass die Geschichte keine verschiedenen Orte für die Dehnung vorsieht, die Handlung geht ineinander über, es folgt alles chronologisch, weshalb von Minutensituationen nicht die Rede sein kann. Am Ende, ja, diese einzelnen Sätzen mit Personen, das vermute ich als die Minute, die dann geschieht, nachdem der Text aufgebaut wurde. Aber das kann nicht ausgleichen, was vorweg an Dehnung versäumt wurde.

Gerade an die Dehnungstexte hatte ich hohe Erwartungen was Atmopshäre und Bilder betrifft, die nachhallen. Auch in deinem Text kommen solche nicht. Es wird mit verschiedenen Szenen Spannung aufgebaut, damit der Zweck - die Explosion - erfüllt werden kann.

Das Thema kann ich leider auch nicht erkennen und/oder erfühlen. Gegenwart ist vorhanden, ja, aber (Un-)Haltbar? Vielleicht, weil sich das Tee-Ei verselbstständig, seinen Weg geht und am Ende den Bürgermeister trifft? Und dann auf denjenigen zurückschlägt, der vorher hart über den Erfinder des explosiven Tee-Eis gerichtet hat.
Das Motto finde ich überhaupt nicht vor.

Tut mir leid, es gibt keine Punkte.


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Eredor
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Moderator
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 15.01.2019 08:43    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Idee, aber du wirst aus 3 Gründen keine Punkte bekommen, obwohl ich es sehr mag, wie du das Tee-Ei, das auf Geheiß des Bürgermeister Weggeworfene Objekt, zum Bürgermeister zurückkehren lässt:
1. Das ist alles sehr viel länger als eine Minute. Handlung folgt auf Handlung folgt auf Handlung - selbst ins Auto einsteigen und los fahren könnte schon eine Minute lang sein. Klar drücke ich bei der Vorgabe mal ein Auge zu, aber das hier ist wesentlich mehr Zeit, als sie in anderen Geschichten erzählt wird.
2. Die hellrote Feuersäule. Das ist schon mehr als unrealistisch.
3. Für mich ist der Text leider keine E-Literatur. Das liegt vor allem daran, dass die Sprache hier nur als Inhaltsträger funktioniert (d.h. ich entdecke kaum individuelle Formulierungen) und ich keine zweite Ebene sehe. Was ich durchaus sehe, ist ein gut erzählter Inhalt, aber auf den kommt es mir in diesem Wettbewerb nicht an. Am ehesten E-mäßig ist für mich die Pointe der Geschichte, man könnte es auch Instant Karma nennen. Das ist aber im Vergleich zu den anderen Aspekten des Textes nicht ausreichend.


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Mardii
Stiefmütterle

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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte ist gut geschrieben und ausgedacht. Der Humor macht sie sehr sympathisch. Aber die Vorgeschichte fälllt gegenüber der eigentlichen Themenumsetzung ziemlich lang aus, so dass ich Zweifel habe, ob das als gelungen gelten kann.

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`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 14:13    Titel: Antworten mit Zitat

Solide geschriebene konventionelle Kurzgeschichte, die eine schöne Dosis Sozialkritik enthält. Die Vorgabe des parallelen Geschehens ist erfüllt, die (un)haltbare Gegenwart geht, heruntergebrochen auf die Zeit, die man nicht vergeuden darf, im vordergründig erzählten Ablauf der Geschichte unter. Es gibt alles, was E nicht unbedingt braucht: eine spannende Handlung, die Auflösung am Ende, flüssigen gut lesbaren Sprachstil, eindeutig eine Botschaft  und eine Moral der Geschichte. Was es nicht gibt, ist, dass ich mich einlassen muss als Leser und dass etwas in mir zu schwingen beginnt, das aus der inneren Eigenart und Stimmigkeit des Textes geboren wurde. Ich lese die Geschichte, finde sie an sich gelungen und sauber gearbeitet, ohne innere Widersprüche oder tiefere Erzählebenen und habe das Gefühl, ich bin hier gut unterhalten worden. Nicht mehr und nicht weniger. Der Titel ist gut verpackt wink und gelungen.

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Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 19:44    Titel: Antworten mit Zitat

An dieser Stelle muss ich wohl aufpassen, was ich sage. Embarassed
Ich bin nämlich fast verleitet zu sagen: "Einer von vielen."
Viele nehmen die Minute heran, um sich kaleidoskopisch durch einen Dominoeffekt zu bewegen. Oder, stimmt das überhaupt? Machen das viele?
Ich hab da jetzt ein bisschen den Überblick verloren, aber es fühlt sich jedenfalls gerade so an, als würde ich dieselbe Geschichte in wieder anderem Gewand lesen. Irgendwas passiert, alle stecken da gerade mit drin, der Blick geht von einer kurzen Einstellung zur anderen. Dem Text hier mag man zu Gute halten, dass er zumindest ein verbindendes Motiv an die Hand gibt, aber ist dieses jetzt verhandelnswert?
Trennt der Text nicht zu sehr zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse?
Nach meinem Empfinden schon, daran ändert leider auch der einfallsreiche oder, je nach Sichtweise, zu stark assoziierte Titel nichts.


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 23:48    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist mir eine zu erfundene Minutengeschichte, und ja, es ist eine Geschichte, die das Motto/Thema zu wenig ernsthaft behandelt. Ich wittere hier Genre. Mit etwas Satire, vielleicht.

Geschrieben ist das routiniert.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 17.01.2019 01:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
also, im Trash Bereich des Forums hätte ich diese Geschichte gerne und auch wohlwollend gelesen. Aber im Zehntausender Wettbewerb für ernsthafte und anspruchsvolle Literatur?

Deine Vorgabenumsetzung passt auch nicht: Es sollte um eine Minute einer Region gehen, also was parallel an verschiedenen Orten passiert, nicht nacheinander. Und E isses auch nicht, kein Stück. Da erfindet einer einen neuen Sprengstoff, kann ihn nirgendwo unterkriegen, landet auf der Straße (hätte er als brillanter Chemiker (der muss er nämlich sein) nicht schnell was anderes finden können?), hat eine Probe seines Sprengstoffs in einem alten Tee-Ei aufgehoben, das landet durch eine Kette von Zufällen beim Bürgermeister, der seine Unterkunft zerstört hat und – Bumm! Also bitte, wie hanebüchen ist das denn? Dann haben wir auch noch eine von weitem sichtbare Rauch- und Feuersäule, aber den anderen Personen im Haus passiert nichts und der Bürgermeister hat nur eine Fleischwunde am Oberschenkel. Klar, wie im wahren Leben. Von Tom und Jerry.

E beschäftigt sich mit lebensrelevanten Thematiken und nicht solchem Cartoon-Unfug. Sicherlich mag es möglich sein, eine Satire im E Bereich zu schreiben, aber dafür ist mir das nicht überzeichnet, nicht Spiegel vorhaltend genug. Ein witziger Cartoon, vielleicht mit einem Hauch von Karmarückkehr oder von mir aus auch poetischer Gerechtigkeit, aber mehr leider nicht.

Trotzdem habe ich die Geschichte gerne gelesen und mich gut unterhalten, aber in diesem Wettbewerb ist sie leider komplett deplatziert.

Beste Grüße,
Veith

Edit: Ach ja, worüber ich in Nachhinein noch ein bisschen nachgedacht habe: Was bitte soll an so einem Zünder jetzt irgendwie toll sein? Etwas präzise und auf Knopfdruck sprengen zu können ist doch viel praktischer, sicherer, kontrollierbarer und effektiver. Mir scheint, dieser seltsame Zünder wurde nur als Plot Device für die Geschichte erfunden.

Ferner hatte ich schon darüber nachgedacht, dir meinen letzten Punkt einfach zu schenken, für die bewundernswerte Chuzpe,  mit einer solchen Geschichte beim Zehntausenderwettbewerb aufzulaufen (ehrlich jetzt), aber das wäre unfair dem Text auf Platz zehn gegenüber, vielleicht braucht der den Punkt ja. Also verleihe ich dir lieber das imaginäre klavierspielende Krokodil in azurgelb, handsigniert von Leo Taxil und Hugo Ball. Ich hoffe, es gefällt dir. Aber Vorsicht – explodiert, wenn es innerhalb von zwei Tagen mit Puderzucker und Senf in Berührung kommt.

DISCLAIMER: Ich hoffe, meine sarkastische Kritik trifft hier jemanden, der das abkann. Und es vielleicht sogar witzig findet und auch mal über sich selbst lachen kann. Böse gemeint ist das bestimmt nicht, ganz im Gegenteil, und persönlich schon gar nicht. Ich mochte den Text, wirklich. Wenn ich etwas tatsächlich unter aller Sau finde, würde ich dem  nicht noch so viele Zeilen und Lebenszeit widmen. Ändert aber leider nichts daran, dass ich den Text in diesem Wettbewerb falsch aufgehoben finde.


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Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Kiara
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Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 17.01.2019 10:19    Titel: Antworten mit Zitat

Dies ist eine Standard-Antwort: Vielen Dank für deinen Text! Ich bitte um Verständnis, dass ich (momentan) keine Begründung dafür abgebe, warum du von mir Punkte bekommen hast. Das liegt unter anderem daran, weil die (sogenannte) Klassifizierung von E-Literatur wenigstens teilweise subjektiv ist.
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Catalina
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Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 20.01.2019 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag Deinen Schreibstil sehr. Die Geschichte  hat mich gut unterhalten und sie ist in sich sehr rund.  

Der Inhalt passt für mich hingegen nicht so wirklich in die Vorgaben. Er fängt damit an, dass der Bürgermeister den letzten Sack in den Container wirft und endet mit der Explosion. Selbst wenn sich alle Figuren mit ihren Handlungen sehr beeilen würden - 10 Minuten wären schon eine sehr ambitionierte Zeitspanne. Und das deckt sich in etwas mit der Zeit, die man zum Lesen braucht.

Auch wenn ich Deinen Text gerne gelesen haben - andere haben mich berührt, über Tage zum Nachdenken angeregt, zu Interpretationen eingeladen, beim wiederholten Lesen überrascht oder mich mit der Umsetzung der Vorgaben beeindruckt.

Deswegen bleiben leider keine Punkte für Dich übrig.
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Michel
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Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Obdachlosenlager wird geräumt, in Anwesenheit des Bürgermeisters. Einer von denen ist ehem. Chemiker, in einem Tee-Ei hebt er Sprengstoff auf. Der explodiert später. Geschichte aus mehreren Blickwinkeln erzählt, läuft sehr auf die Pointe zu. Für mich wenig E. Und: Passt das wirklich alles in eine Minute?
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3786

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 00:13    Titel: Antworten mit Zitat

Der Bürgermeister einer Gemeinde räumt das Wohnlager eines Obdachlosen, der zuvor Wissenschaftler war und einen fortschrittlichen Sprengstoff erfunden hat, den er nicht verkaufen konnte, von dem er aber immer ein Muster sprengbereit bei sich behalten hat. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände (was etwas anderes ist als eine Kettenreaktion by the way) landet das Ding in des Bürgermeisters Hosentasche und explodiert dort. Ziemlich abstruse Konstruktion, die ein paar ganz witzige Einfälle enthält, jedoch letztlich in sich zu wenig Sinn ergibt. Wenn das Muster nur ein Loch in den Oberschenkel sprengt, was für eine Menge bräuchte man für den Abriss von Gebäuden (wofür das konstruiert sein soll), und diese große Menge soll man dann in Milchsäure tauchen, feuchthalten und auf 38°C erwärmen - das hört sich jetzt sooo unkompliziert in der Anwendung nicht an. Der Obdachlose hält das Muster immer explosionsbereit aber schafft es, dass es in all den Jahren nie 38°C erreicht hat? Außerdem passieren all diese Ereignisse in einer Minute, ein Interview beenden, die Böschung raufklettern, mit dem Auto nach Hause gefahren (und dabei noch auf der Straße geschnitten) werden, zum Haus laufen, sich mit dem Enkel unterhalten … 59, 60, klar doch.
Wie gesagt, ein paar ganz witzige Einfälle kann ich da erkennen, ein interessanter „Plot“ und letztlich mit der Obdachlosigkeit sogar ein Thema, was ich wichtig finde (allerdings das Thema dieses Wettbewerbs dafür nur mit viel Fantasie). Ausgearbeitet ist das m.E. noch nicht.
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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

An sich hübsche Idee, ein paar Logik- und Sprachfehler, sprachlich so verhakelt, als wollte jemand E schreiben, fühlte sich aber in seinem eigenen Duktus nicht wohl und griffe daher nach verschraubten Konstruktionen. Thema mäßig getroffen, die (un)haltbare Gegenwart weder im einen noch im anderen Sinn, das Motto ebenso unsichtbar, wenn man nicht das "Du bist Deiner Zeit voraus" als Aufhänger sieht.
Ah, oh, jetzt: Erst wird die Zeit zurückgezogen, der Leser ist der Zeit voraus, bis sie schließlich explosiv nach vorne schnellt. Dann eben doch Thema und Motto getroffen, wenngleich mehr in der Konstruktion als im erzählten Geschehen. Einen Anlass für die Geschichte, eine Motivation innerhalb des Textes gibt es nicht, auch nichts, was als höhere Thematik sich einschleicht, so gesehen ist der Text bis auf die Botschaft "auch kleine Dinge können große Bombenkrater in Oberschenkel reißen" recht banal in der Aussage.
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V.K.B.
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Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 25.01.2019 20:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Moni,

O-o, Befürchtung erfüllt, das war tatsächlich dein Text.  Na, dann hoffe ich doch mal, dass diese Art von Kritik bei dir richtig aufgehoben ist (also als witzig verstanden und nicht als böse missverstanden wird). Aber da du mir das Herziehen über den gewichtigen Spüllappen damals auch nicht übel genommen hast, hoffe ich einfach mal, meine Kritik unterhält und amüsiert dich genauso wie mich deine Geschichte.

Wow, drei von drei richtig geraten, wobei ich mir bei diesem Text unsicher war und deshalb schon überlegt hatte, ob ich diese Kritik wirklich darunter stehen lassen soll, nicht dass es noch missverstanden wird. Okay, gut, jemandem anders hätte ich das Krokodil auch nicht schenken wollen. Very Happy

beste Grüße und (hoffentlich) nichts für ungut,
Veith


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Municat
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 21:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Joa, genau so habe ich mir das vorgestellt mir den Kritiken. Genau dieses Gefühl beschleicht mich, seit ich den Betrag abgeschickt habe. Bleiben also nur zwei Alternativen für die Zukunft: Entweder ich bleibe bei den Dingen, die ich (bestätigt durch einige von Euch Wink tatsächlich kann) oder ich nehme die H-E-rausforderung auch im nächsten Zehntausender wieder an und versuche mich noch mal an einer Literaturgattung, die so gut zu mir passt wie eine Festanstellung als menschlicher Routenplaner.


@ lebefroh

Zitat:
Die Handlung kommt mir hier aber sehr viel länger vor.
Die Zweifel hatte ich auch, nachdem ich die Geschichte in einem Rutsch runtergeschrieben habe. Dann habe ich die einzelnen Szenen für sich alleine ausprobiert und es ging (fast). Eine Böschung, wie ich sie im SInn hatte hochklettern, ins Auto einsteigen, zum nächsten Block fahren, aussteigen und Hallo sagen ging in 1.15. Okay, leicht daneben, ich gebs zu.


@ Tape Dispenser

Zitat:
In diesem Text finde ich die Vorgaben nicht erfüllt.
Ich bin mir da inzwischen selbst nicht mehr sicher.


@ hobbes

Danke für die ausführliche Kritik, obwohl Du doch keine Pointen magst Very Happy

Zitat:
gerade dieser Bürgermeister und die Praktikantin, das ist schon sehr stereotyp
ja, das sollte es auch sein. Aber ich gebe zu, besonders feinsinnig ist das nicht.

Zitat:
Ein Plastiksack ist für mich etwas anderes als eine Tüte.
Da sind diese großen Müllsäcke damit gemeint. Die sind irgendwie beides: Sack und Tüte. Aber stimmt schon, ich hätte das feiner formulieren können.

Zitat:
Am Riegel der Außenwand? Was soll das jetzt sein? Eine Hauswand? Irgendwas am Container?
Der Riegel, mit dem man eine AUßenwand des Containers lösen und aufklappen kann.

Zitat:
Wo ist die Tüte denn jetzt aufgeplatzt, im Container?
Jep, oder genauer gesagt: bei dem Vorgang, in den Container geschaufelt zu werden.

Zitat:
Und als der Bürgermeister nach Hause kommt, hat der Enkel schon das Ding gefunden, das gerade noch an der Außenwand hing? Bisschen schnell, oder? Oder gibt es etwa zwei davon?
Nene, das ist schon das EINE.


@ Heidi

Zitat:
Ich finde, dass sie das nicht tun, dafür ist zu viel Handlung drin, zu wenig Atmosphäre.
Daran werde ich arbeiten, wenn ich wieder mal einen Beitrag für den Zehntausender schreibe. Ich habe bewusst viel Atmosphäre rausgenommen, weil ich nicht zu nah an die Schreibweise kommen wollte, die ich in meinen U-Texten verwende. War wohl der falsche Weg, das ist mir nu klar.

Zitat:
die Handlung geht ineinander über, es folgt alles chronologisch, weshalb von Minutensituationen nicht die Rede sein kann.
ne, eigentlich nicht. Jeder Absatz fängt genau in der selben Sekunde an. Ich hatte zuerst vor, das Tee-Ei in jedem Absatz fett zu drucken, damit man sieht, dass es in jedem Absatz weiter hinten auftaucht. Habe mich dann dagegen entschieden, weil ich von Anfang an verraten hätte, dass das Tee-Ei wirchtig wird. Da spricht wieder der Spannungsbogen-Fan aus mir. Ich sehe es ein: U ... nicht E.


@ Eredor

Schön, dass Dir die Idee an sich gefällt smile

Vermutlich habe ich die Minute tatsächlich zu optimistisch verplant. Beim nächsten Mal passe ich besser auf die Vorgaben auf.

Okay, die Feuersäule ist übertrieben.


@ Mardii

Joa, die Dauer der Minute ... das sehen wirklich viele Leute so. Schön, dass DIr der Humor gefällt!


@ Literättin

Zitat:
Es gibt alles, was E nicht unbedingt braucht: eine spannende Handlung, die Auflösung am Ende, flüssigen gut lesbaren Sprachstil, eindeutig eine Botschaft und eine Moral der Geschichte.
Ertappt ... das sehe ich inzwischen selbst so.


@ d.frank

Zitat:
An dieser Stelle muss ich wohl aufpassen, was ich sage.
neeee ... ich mag es ehrlich und hart *ggg*

Zitat:
Trennt der Text nicht zu sehr zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse?
eigentlich nicht. Gut, der Bürgermeister steht eindeutig auf der einen Seite, Sabine auf der anderen. Alle anderen sind eigentlich nicht schwarz oder weiß.


@ firstoffertio

Zitat:
Ich wittere hier Genre. Mit etwas Satire, vielleicht.
Ich auch inzwischen.

Zitat:
Geschrieben ist das routiniert.
danke Dir smile


@ Veith

Zitat:
Ich hoffe, meine sarkastische Kritik trifft hier jemanden, der das abkann.
Keine Sorge, das tut es. Wir kennen uns gut genug smile

Zitat:
also, im Trash Bereich des Forums hätte ich diese Geschichte gerne und auch wohlwollend gelesen.
hehe, danke Dir

Zitat:
ernsthafte und anspruchsvolle Literatur?
ist wohl nicht so meins ... man muss ja auch nicht alles können.

Zitat:
also was parallel an verschiedenen Orten passiert, nicht nacheinander.
hmmm ... jeder Absatz startet in der selben Sekunde. So ist es gedacht.

Zitat:
hätte er als brillanter Chemiker (der muss er nämlich sein) nicht schnell was anderes finden können?
Er ist eben nicht nur brilliant, sondern auch nerdy. SO der Typ Mensch mit Inselbegabung, der nicht in der Lage ist, eine vernünftige Bewerbung zu schreiben oder den nächsten Briefkasten zu finden.

Zitat:
den anderen Personen im Haus passiert nichts
Das habe ich nicht gesagt Wink Nur der Enkel bleibt unverletzt.

Zitat:
der Bürgermeister hat nur eine Fleischwunde am Oberschenkel.
In meinem Kopf überlebt er das nicht. Ich wollte nur klarmachen, dass der Ursprung der Explosion in seiner Hosentasche zu suchen war.

Zitat:
aber dafür ist mir das nicht überzeichnet, nicht Spiegel vorhaltend genug.
jo, daran muss ich arbeiten, definitiv.

Zitat:
Mir scheint, dieser seltsame Zünder wurde nur als Plot Device für die Geschichte erfunden.
irgendwie ja.

Zitat:
Ferner hatte ich schon darüber nachgedacht, dir meinen letzten Punkt einfach zu schenken,
Gut, dass DU das nicht getan hast ^^ ... die Art Punkte sind unangenehmer als ein Nuller *ggg*

Zitat:
Also verleihe ich dir lieber das imaginäre klavierspielende Krokodil in azurgelb, handsigniert von Leo Taxil und Hugo Ball. Ich hoffe, es gefällt dir. Aber Vorsicht – explodiert, wenn es innerhalb von zwei Tagen mit Puderzucker und Senf in Berührung kommt.
okay, ich bin gespannt auf Leipzig Razz


@ Kiara

Danke Dir smile


@ Catalina

Vielen Dank für die liebe Antwort. Schön, dass mein Schreibstil bei Dir ankommt.


@ Michel

Eigentlich hab ich die einzelnen Absätze mit der Minute ausgetestet. Muss halt alles ineinander greifen. Aber stimmt schon: war wohl zu optimistisch. E ist wohl tatsächlich nicht meins, aber einmal im Jahr versuche ich mich daran. Irgendwann lerne ich das auch noch und überrasche Euch alle smile


@ Jenni

Zitat:
Wenn das Muster nur ein Loch in den Oberschenkel sprengt,
In meiner Vorstellung tötet der Sprecgstoff den Bürgermeister. Mit der Formulierung wollte ich nur die Quelle der Explosion aufklären.

Zitat:
Der Obdachlose hält das Muster immer explosionsbereit aber schafft es, dass es in all den Jahren nie 38°C erreicht hat?
Die Erwärmung führt nur dann zur Explosion, wenn der Sprengstoff vorher in Milchsäure getaucht wird. Genau das passiert, weil die Thermoskanne (hja, die Milchsäure hat er auch die ganze Zeit aufgehoben) kaputt geht und ausläuft. Deshalb auch der Gestank im Container.


@ anderswolf

Danke für Deine ehrliche Kritik. Bis zum nächsten Zehntausender werde ich an mir arbeiten. Du hast Recht: Bis auf diesen jährlichen Wettbewerb ist das nicht meine Ecke.


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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