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Verpasste Chancen


 

 
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Pirriley
Abc-Schütze


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 31.12.2018 02:25    Titel: Verpasste Chancen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo! Das hier ist mein erster richtiger Beitrag. Ein Auszug aus meinem aktuellen Projekt, also könnte es sein, dass diverse Handlungen nicht nachvollziehbar sind. Ich hoffe, dass es trotzdem mehr oder weniger verständlich ist.
-------------------------------------------------------------------------------------

Es gab Tage, an denen er die Menschen hasste, Wochen, in denen er das Haus nicht verließ.
Natürlich gab es auch Momente, in denen er sie liebte.  
Und dann gab es Abende -wie diesen- an denen er am liebsten brechen würde.

Die Leute um ihn herum verhielten sich ruhig und vornehm, wie es sich gehörte.
Gelegentlich hörte man das dumpfe Abstellen von Tellern oder das Eingießen eines tollen Weins.
Hier war jeder still. Und die Zeit lief weiter und es wurde eigentlich nur schlimmer und schlimmer.
Er hatte die Beine überschlagen und ganz allgemein einfach mal auf die Meinung anderer (geschissen) verzichtet.
Denn diese Haltung war für Männer (sollte der Knöchel oberhalb der Kniescheibe liegen) zwar äußerst bequem, allerdings gehörte es sich nicht, dies zu tun. Nicht hier.
Er hielt diese rebellische Position exakt drei Sekunden lang, bevor er sich wieder aufrichtete und sich gerade an den Tisch setzte und weiter wartete.
Kurz darauf legte jemand ihm eine Hand auf die Schulter und damit trat Gabriel in sein Blickfeld.
Bill seufzte erleichtert auf und schaute ihn dankbar an.

Vielleicht war es das jetzt.
Vielleicht konnte er jetzt ausatmen und sich zurücklehnen, zur Ruhe kommen.

Aber vielleicht war das hier, genau das, was er nie gewollt hatte.

Eine von diesen schrecklichen Beziehungen, bei der man WG-artig eine große, schöne Villa irgendwo im Nirgendwo hatte, in der man sich gelegentlich mal traf.
Dann, wenn all die Touren und Konzerte vorüber und die Zeitspanne groß genug zum Übernachten war.
Das wären dann insgesamt, sollten sie Glück (oder Unglück?) haben, vier oder fünf Monate, die sie sich sehen würden und sie würden für immer damit zurecht kommen.
Wie könnte er auch mitbekommen wenn Gabriel eine Affäre hätte und warum sollte er es hinterfragen, wenn er selbst untreu wäre.
Dann wenn sie sich sehen würden, würden sie mit gespieltem Interesse dem anderen zuhören, wie dieser eine vorher angefertigte Zusammenfassung vortrug.
Und wer weiß, vor einigen Drogen-Eskapaden und abenteuerlustigen Abenden würde er einige, viel zu auffällige, Atempausen machen.
(Wahrscheinlich würde er an diesem Zeitpunkt kurz sein Leben in Frage stellen.)
Sie würden weiter machen, ohne sich anzublicken.
In den wenigen Tagen, in denen sie sich sehen würden, würden sie viel zu viel Geld bei Restaurants, Konzerten und Theateraufführungen lassen. Sie würden eine Menge Sex haben und ihren Stand viel zu betont ausleben.
Um von jenen Gefühlen, die sie schon lange nicht mehr für einander empfanden, abzulenken.
Ein Tanz (Ein Walzer?). Bei dem sie eine perfekte Technik, die passendste Musik und ausreichend Schwung haben könnten und dennoch nie im selben Takt tanzen würden.


Ja, vielleicht war es das jetzt.

Aber Bill war zu romantisch um sich auf ein solches Leben einzulassen.


Gabriel lächelte Bill sanft an und er lächelte leicht gequält zurück.
Aber das fiel Gabriel auch gar nicht auf, er glättete sein weißes Hemd kurz bevor er er sich niederließ, rückte den Stuhl nach und setzte sich aufrecht hin ohne dabei die Lehne des Stuhls zu berühren.
Er hatte ausgeprägte Tischsitten, mehr als sein Gegenüber, auch wenn Billie häufiger an solchen „feinen“ Dinners teilnehmen (musste) durfte.
Als er fertig war blickte er Bill wieder an. Und wieder, oder immer noch, lächelte er.
Das hier war ein Restaurant, in dem Homosexuelle wahrscheinlich noch gegrillt und mit einer spezial dafür angefertigten Sauce serviert wurden.
Deshalb waren sie heute nur Freunde.
Körperlich und wie immer auch seelisch.
„Das Konzert war wirklich gut durchdacht. Du hast gut gespielt,“ fing Gabriel plötzlich, leicht schmunzelnd, ein schrecklich langweiliges Gespräch an. „obwohl Fisher heute irgendwie besser war.“
gut. gut. besser. am besten?
„Ich war heute ziemlich schlecht, Gabe.“ Gab Bill ruhig zurück und versuchte somit deutlich zu machen, dass er nicht darüber sprechen wollte.
„Für dich war es natürlich nicht gut genug. Wir wissen beide, dass du bessere Konzerte gespielt hast. Und heute... ich weiß nicht, du hast dich oft verspielt und du warst ein paar mal aus dem Takt.“
Setzte Gabriel nach und nahm einen Schluck von dem widerwärtigen Wein, den er für sich und Bill bestellt hatte. Bills Lieblingswein, aber nicht heute.
Gab es denn nichts anderes, über das sie sprechen konnten. Blieb ihnen wirklich immer (und immer wieder) nur diese eine Sache?
„Haben dir die Stücke gefallen, die gespielt wurden?“ fragte Bill nun.

Während Gabriel anfing zu sprechen, konnte er die Lustlosigkeit nicht mehr unterdrücken und starrte ihn zwar weiterhin an, verschwand allerdings in seinen Gedanken.
Ja, das war schon länger so. Aber er wollte es nicht wahr haben. Warum konnte er es nicht sein, warum konnte es nicht einfach hier enden und genauso bleiben?
Gabriel langweilte ihn und es fiel ihm schon seit einigen Monaten auf, wie lange würde Gabriel wohl noch brauchen um es zu merken?
Es gab nichts zu bereden, da waren keine Probleme, nichts was ihn störte.
Gabriel war schön und unglaublich schlau, er hatte Ahnung von dem was Bill tat. Aber er hatte angefangen sich zurückzuziehen und den Kontakt so gut wie möglich zu kürzen. Jedes Mal verstrich die Zeit sinnloser und er ertappte sich dabei, wie er über 100 Dinge nachdachte, die er noch erledigen musste.
Er fing an zu denken, er würde seine Zeit verschwenden, sie weg kippen wie diesen widerwärtigen Wein. Sie verschwinden lassen.
Fürchtete er sich tatsächlich vor dem zu früh kommenden Tod?
Tatsächlich hatte er Angst davor, zu früh zu sterben und den Moment nicht gehabt zu haben.
Aber war das dasselbe?
Jede Minute die er neben Gabriel saß, fühlte sich an, wie eine verpasste Chance.
Und er kam nicht umhin, sich für solche Gedanken zu schämen.
Da Gabriel immer noch redete, wandte sich Bill endgültig ab und starrte aus dem Fenster.
Er hasste die Welt, das Schicksal und sich selbst, als das erste was er sah Edward Kirkoff war, der auf der gegenüberliegenden Seite auf grünes Licht wartete.
-------------------------------------------------------------------------------------
Danke!

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malu_vs
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 37
Beiträge: 38
Wohnort: Hessen


BeitragVerfasst am: 31.12.2018 13:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Pirriley

Ich mag den Schreibstill. Die Details und den Inneren Konflikt.
Bin aber an der Stelle (kursiv) ziemlich raus geflogen. Dem konnte ich nicht ganz folgen.
Am Ende war es auch etwas verworren, aber im großen ganzen hat mir der Text gut gefallen.

Hast ja gewarnt dass es womöglich schwer nachzuvollziehen ist. Aber ich glaube mit ein bischen feilen wäre das zu beheben und ein super anfang für ein Buch. Mich würdest du damit kriegen


_________________
Malu Volksky
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Pirriley
Abc-Schütze


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 01.01.2019 13:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo. Ich danke dir! Das ist wirklich ziemlich hilfreich. Die kursive Textstelle ist eine Anspielung auf einen Rückblick, der Billie ziemlich geprägt hat.
Aber du hast Recht, an einigen Stellen ist es noch immer ziemlich holprig.
Allerdings kann dieser Text nicht der Anfang sein, da Bill nicht einmal der Protagonist ist (was eigentlich nichts bedeuten muss). Zudem kommt noch, dass dies wahrscheinlich ebenfalls ein Rückblick ist und der muss relativ mittig kommen, damit man die Beziehung zwischen Edward und Bill besser nachvollziehen kann.
Wie du sicherlich merkst, bin auch ich noch ziemlich unsicher, wie ich den Roman aufbauen soll und wann was wohin kommt.
Etwas, was vielleicht gar nicht mal soooo unglaublich vorteilhaft ist.
Aber genau deshalb bin ich ja hier und ich danke dir, für dein Feedback!
Es bringt einen wirklich weiter und gibt einem mehr Sicherheit (?).
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Orschi
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 64
Wohnort: Baden (bei Karlsruhe/Rhein)


BeitragVerfasst am: 01.01.2019 14:55    Titel: Antworten mit Zitat

Einspruch.

Ein Klappentext vorweg wäre schon wichtig  - nicht , dass ich das richtig machen würde Very Happy , weil man den Text nur dann einigermaßen richtig einordnen kann.

Und: Nichts gegen Reflexion ! Geht immer. Psychologisiert so schön.

Also isser jetzt in einer Seelenklinik und guckt auf die Gummiwand oder in seiner WG-Villa? Zusammen mit Edward, Bill und Gabriel und Fischer, der mit seinem Klavozimbel herumkonzertierte, aber nicht so scheen wie Gabriel.

Um was geht es denn:

"Fritz Krause wurde vorzeitig mit nur 84 Jahren Witwer. Er geriet in eine tiefe Krise, schmiss seinen Job hin, flog nach Katmandu, machte dort bei einem windigen Kroaten einen Tantra-Kurs im inneren Fliegenfischen und verdingte sich fortan als Tempelhure in Bangkok, wobei er fast verhungert wäre . Mit Bill, Gabriel und Edward fing er dann eine filigrane Beziehung an. Er wurde Schamane und fühlte, irgendwie schon mal in einem frühreren Leben    Indianer gewesen zu sein und nun fing dies WG-Sache mit den drei Pianisten an, unheimlich kompliziert, weil alle so sensible Künstler ...." ?
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Pirriley
Abc-Schütze


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 06.01.2019 02:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Orschi!
Ich danke dir und ich kann dir da nur zustimmen, ich werde demnächst einen kleinen was "bisher-geschah" Text hochladen und damit hoffentlich einige Fragen (aber hoffentlich nicht alle) aus dem Weg zu räumen.
Danke
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Pirriley
Abc-Schütze


Beiträge: 5



BeitragVerfasst am: 06.01.2019 03:10    Titel: Eine Kleine Vorgeschichte pdf-Datei Antworten mit Zitat

Billie Jules Callum ist Pianist und hat schon in frühem Alter großen Erfolg.
Da er sich darauf fokussieren will, zieht er in eine andere Stadt, um dort vertieften Unterricht zu nehmen.
Seine derzeitige Beziehung mit Edward Kirfkoff endet deshalb unter einem heftigen Streit.
Jahre danach sitzt der bereits berühmte Billie Callum in einem Restaurant und leidet an einem Inneren Zwiespalt, den er vorher noch nicht einmal wahrnehmen konnte.

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