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Du solltest nicht mehr so viel saufen


 

 
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Autor Nachricht
davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 51
Beiträge: 95
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 30.10.2018 00:16    Titel: Du solltest nicht mehr so viel saufen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du solltest nicht mehr so viel saufen, Kind,
so hast du mich in ernstem Ton gewarnt,
weil Zeit und Leben nicht zu kaufen sind.
Ich hab die Flaschen, wo ich wohn, getarnt.

Du sagtest: “Ich hab eine Schweineangst,
dass sich das Meer bis zum Äquator leert,
bis du so zittrig wie die eine schwankst,
die hier den Scheidplatz im Rollator quert.”

Du hast ja recht, mein Schatz, das weiß ich schon.
Doch was man auf die Liste “jag ich!” setzt,
das wird sich wie ein scheues Reh verstecken.

Ich weiß, in welchem Mief und Scheiß ich wohn,
und find ich mal den Ausgang, sag ich jetzt,
da werd ich trotzdem, wo ich steh, verrecken.

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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 51
Beiträge: 95
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 03.11.2018 00:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich denke beim Zubettgehn oft an Halle:
Man schlürfte seine Cola, Händel war
einst hier, doch keine so, Lavendelhaar:
so zart wie du. Ich hab gehofft, an alle

erinner ich mich, die ich später traf,
wie dich. und mich zu Allerlei gezwungen,
doch ist mir das nur für uns zwei gelungen.
ich hör noch Geiger und Trompeter, straf

mich nicht, dass dann mein Herz als Knabe hüpft,
wenn ich dich glaub, am Fenster zu verspüren.
Denn diese alten Bilder waren just,

was dich an alles, was ich habe, knüpft:
was bleibt mir, als Gespenster zu verführen,
wenn ich sonst nichts nach all den Jahren wusst.
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palmer
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 28
Beiträge: 31



BeitragVerfasst am: 04.12.2018 01:04    Titel: Antworten mit Zitat

Das werd ich morgen bei Tag nochmal lesen, aber

"Doch was man auf die Liste “jag ich!” setzt,
das wird sich wie ein scheues Reh verstecken."

finde ich in halbschlafendem Zustand großartig.

Gute Nacht,
p.
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palmer
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 28
Beiträge: 31



BeitragVerfasst am: 04.12.2018 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ach du liebe Güte, heute erst bemerke ich die Schüttelreime und allgemein die strenge Form, ich muss wirklich schon geschlafen haben. Respekt dafür. Ich habe ein Faible für Schüttelreime.

Das erste Gedicht gefällt mir gut, als Auseinandersetzung mit der Sucht. Ich mag das scheue Reh und, obwohl ich mir nicht sicher bin ob hier die Form nicht mit unlauteren Mitteln gegen den Inhalt siegt, auch das Meer, das sich bis zum Äquator leer (geleert wird?).

Probleme macht mir das Ende. Da hätte ich eine kunstvollere Replik erwartet als: Ich verrecke auch, wenn ich den Ausgang finde. Siehe auch: Inhalt und Form.
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 51
Beiträge: 95
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 05.12.2018 02:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey, palmer,

schön, dass Du zweimal reinschaust, und Du hilfst mir auch ein gutes Stück weiter. Ich arbeite jetzt  dran, versuche, mein Texte mehr von unten nach oben auf die Leinwand zu bringen. Du hast recht, den Schluss  ist echt zu schwach für den Text. Ich hätte es nicht ineiner Nacht fertigbekommen sollen wollen. Mal was anderes :

Ich ahnte, dass ich dich im Reimen kannte,
Ich wusste, ich kann mit dir Laute tauschen!
Ein Käfer, der beim beim ersten Keimen rannte:
ich wollte, als es schmolz und taute, lauschen!

Ein Käfer, der sonst nach dem Herben schielt,
der jeden Zucker aus dem Laden mied,
bis er sein stolzes Herz in Scherben hielt:
Es ist doch stets das selbe Madenlied!
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 100
Beiträge: 1660
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 05.12.2018 07:03    Titel: Antworten mit Zitat

Grüß dich David,

beim ersten Gedicht musste ich eher an eine Mutter als an einen Schatz denken.
Macht aber nix; gut ist es trotzdem.
Das Zweite kenne ich ja schon und es gefällt mir wegen des "Lavendelhaars" besonders gut.

Herzliche Grüße
m.


_________________
Alles Amok! (Anita Augustin)
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Peter Sipos
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 20
Beiträge: 59
Wohnort: Würzburg


BeitragVerfasst am: 06.12.2018 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo David Wink

Das erste Gedicht ist fabulös! Magie, wie sich der Sinn entfaltet, nachdem man diese "krassen" Reime liest! Auch inhaltlich sehr verfolgbar und spannend, szenisch!

Beim zweiten Gedicht hatte ich schon eher meine Schwierigkeiten - inhaltlich. Natürlich ist der Reim
"seine Cola, Händel war" auf
"keine so, Lavendelhaar"
einfach nur verrückt! Ich meine ich kenne fast keinen besseren Reim ...
Aber darunter leidet ein wenig die Verständlichkeit. Im rechten Maße, versteht sich, denn es gibt auch verschlüsseltere Gedichte, das ist klar. Eigentlich finde ich die Atmosphäre hier aber auch sehr gut, ich weiß nicht was ich will Rolling Eyes

Das Madenlied ist ebenso lustig Wink

So muss reimen.

Bester Gruß,
Peter
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 51
Beiträge: 95
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 07.12.2018 01:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo erstmal, menetekel,

Dankeschön und übrigens - "Kind" ist meine ganz persönliche Bezeichnung für eine ganz bestimmte Frau in meinem Leben, das wurde auch schon mal in einem anderen Sonett von mir genauso missverstanden. Ich habe ein Dutzend Sonette geschrieben, in denen ich sie, meine Sucht nach ihr und den Entzug thematisiert habe. Das rührt z.B. von ihrer psychischen Erkrankung und meiner daherrührenden Angst, sie zu missbrauchen, wie ein Kind, wenn die Liebe körperlicher wurde...
Ein Schlüssel, in meinen Sonetten zwischen den Geliebten zu unterscheiden, wie der Dark Lady und dem junge Liebhaber bei Shakespeare. Bei mir sinds nur mehr Laughing

Und auch, natürlich, Peter Sipos

Es freut mich immer riesig, wenn ein Gedicht für jemanden "komplett" funktioniert, das ist bei meiner Arbeitsweise nicht selbstverständlich. Man muss sich so tief hineingraben, dass leicht etwas schief bleibt, das am Ende nur der Autor für normal hält. Deshalb bin ich hier, um es zu lernen.

Das zweite war mehr am Reim aufgebaut und einer erfundenen Geschichte (statt einer erlebten). Das merkt man, und ja: zum Glück: Ich werde meine weitere Richtung wieder authentisch ausrichten.

Das Madenlied ist ein Schnellschuss, aber auch mit Hintergrund. Ich bringe gerade einer jungen Dame Schüttelreim & Versmaß bei, und jede Zeile reimt hier mit Bezug zu ihrem Gedicht mit vertauschten Vokalen. Aber ich würde den Bezug nicht ohne Zustimmung posten - das wäre ihr - wenn auch zu Unrecht,  peinlich.
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Tula
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 344
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 07.12.2018 23:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo David

die deutsche Sprache (und die anderen natürlich auch) ist unerschöpflich und wer so wunder-sonderbare Schüttelreime wie

... Äquator leert,
... Rollator quert


hervorzaubert, stellt das überzeugend unter Beweis.

Hut ab!

LG
Tula


_________________
aller Anfang sind zwei ...
(Dichter und Leser)
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 51
Beiträge: 95
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 09.12.2018 22:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, Tula, das freut mich! love

auf ein Neues:

Soll ich dein Antlitz, wenn ich schriebe, liften?
Ist Glück, das wir errangen, zu beweisen?
Nicht Facebooks Glamour kennt der Liebe Schriften,
wie lieb ichs, deine Wangen zu bereisen!

Ist über Sterne, wenn du blickst, zu schreiben,
die hoch als Funken überm Land zerstieben?
Kein fixes Bild, das du erschrickst, zu bleiben:
Für dich will ich mir den Verstand zerlieben!

Wir tasten uns verloren vor zu Thesen,
ich hätte, wenn ich schriebe, einzulenken,
und Liebe nie Lektoren vorzulesen,
die drohen, unsre Liebe einzuschränken.

Nein, Liebe schlägt ganz andre Zeichenwellen,
als die im Kern der grauen, weichen Zellen.
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 51
Beiträge: 95
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 12.12.2018 00:41    Titel: Küchenidylle pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wir plaudern übers heut Gescheh’ne. Platten
erwärmen sich, bis wir Gerüche kosten,
auf Kacheln werfen frische Pläne Schatten,
wo die Geräte in der Küche rosten.

Dann hältst du kurz die Serviettenrede,
wie du mir in Ökonomie so traust.
Die Nudeln in das Sieb, wir retten jede,
die du ganz in Metronomie so kaust.

Wir tauchen in der grünen Soße Gründe,
als wir uns Treue unbewusst geloben
und unvermittelt unsre Flammen siegen.

Der kleinen Schwäche folgt die große Sünde,
ein frisches Leintuch lauert, lustgewoben,
auf dem wir zwei ganz eins zusammen fliegen.
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Tula
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 344
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 12.12.2018 00:51    Titel: Antworten mit Zitat

So isses, erst der Magen, dann das Leintuch ... und mit diesem Gruß geht's jetzt ...  Verstecken

Mach' nur weiter so
 Du-Du-Du!

LG
Tula


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