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Du solltest nicht mehr so viel saufen


 
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 30.10.2018 00:16    Titel: Du solltest nicht mehr so viel saufen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du solltest nicht mehr so viel saufen, Kind,
so hast du mich in ernstem Ton gewarnt,
weil Zeit und Leben nicht zu kaufen sind.
Ich hab die Flaschen, wo ich wohn, getarnt.

Du sagtest: “Ich hab eine Schweineangst,
dass sich das Meer bis zum Äquator leert,
bis du so zittrig wie die eine schwankst,
die hier den Scheidplatz im Rollator quert.”

Du hast ja recht, mein Schatz, das weiß ich schon.
Doch was man auf die Liste “jag ich!” setzt,
das wird sich wie ein scheues Reh verstecken.

Ich weiß, in welchem Mief und Scheiß ich wohn,
und find ich mal den Ausgang, sag ich jetzt,
da werd ich trotzdem, wo ich steh, verrecken.

123Wie es weitergeht »


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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 03.11.2018 00:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich denke beim Zubettgehn oft an Halle:
Man schlürfte seine Cola, Händel war
einst hier, doch keine so, Lavendelhaar:
so zart wie du. Ich hab gehofft, an alle

erinner ich mich, die ich später traf,
wie dich. und mich zu Allerlei gezwungen,
doch ist mir das nur für uns zwei gelungen.
ich hör noch Geiger und Trompeter, straf

mich nicht, dass dann mein Herz als Knabe hüpft,
wenn ich dich glaub, am Fenster zu verspüren.
Denn diese alten Bilder waren just,

was dich an alles, was ich habe, knüpft:
was bleibt mir, als Gespenster zu verführen,
wenn ich sonst nichts nach all den Jahren wusst.
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palmer
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 29
Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 04.12.2018 01:04    Titel: Antworten mit Zitat

Das werd ich morgen bei Tag nochmal lesen, aber

"Doch was man auf die Liste “jag ich!” setzt,
das wird sich wie ein scheues Reh verstecken."

finde ich in halbschlafendem Zustand großartig.

Gute Nacht,
p.
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palmer
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 29
Beiträge: 27



BeitragVerfasst am: 04.12.2018 14:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ach du liebe Güte, heute erst bemerke ich die Schüttelreime und allgemein die strenge Form, ich muss wirklich schon geschlafen haben. Respekt dafür. Ich habe ein Faible für Schüttelreime.

Das erste Gedicht gefällt mir gut, als Auseinandersetzung mit der Sucht. Ich mag das scheue Reh und, obwohl ich mir nicht sicher bin ob hier die Form nicht mit unlauteren Mitteln gegen den Inhalt siegt, auch das Meer, das sich bis zum Äquator leer (geleert wird?).

Probleme macht mir das Ende. Da hätte ich eine kunstvollere Replik erwartet als: Ich verrecke auch, wenn ich den Ausgang finde. Siehe auch: Inhalt und Form.
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 05.12.2018 02:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey, palmer,

schön, dass Du zweimal reinschaust, und Du hilfst mir auch ein gutes Stück weiter. Ich arbeite jetzt  dran, versuche, mein Texte mehr von unten nach oben auf die Leinwand zu bringen. Du hast recht, den Schluss  ist echt zu schwach für den Text. Ich hätte es nicht ineiner Nacht fertigbekommen sollen wollen. Mal was anderes :

Ich ahnte, dass ich dich im Reimen kannte,
Ich wusste, ich kann mit dir Laute tauschen!
Ein Käfer, der beim beim ersten Keimen rannte:
ich wollte, als es schmolz und taute, lauschen!

Ein Käfer, der sonst nach dem Herben schielt,
der jeden Zucker aus dem Laden mied,
bis er sein stolzes Herz in Scherben hielt:
Es ist doch stets das selbe Madenlied!
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1906
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 05.12.2018 07:03    Titel: Antworten mit Zitat

Grüß dich David,

beim ersten Gedicht musste ich eher an eine Mutter als an einen Schatz denken.
Macht aber nix; gut ist es trotzdem.
Das Zweite kenne ich ja schon und es gefällt mir wegen des "Lavendelhaars" besonders gut.

Herzliche Grüße
m.


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Alles Amok! (Anita Augustin)
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Etma
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 21
Beiträge: 60



BeitragVerfasst am: 06.12.2018 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo David Wink

Das erste Gedicht ist fabulös! Magie, wie sich der Sinn entfaltet, nachdem man diese "krassen" Reime liest! Auch inhaltlich sehr verfolgbar und spannend, szenisch!

Beim zweiten Gedicht hatte ich schon eher meine Schwierigkeiten - inhaltlich. Natürlich ist der Reim
"seine Cola, Händel war" auf
"keine so, Lavendelhaar"
einfach nur verrückt! Ich meine ich kenne fast keinen besseren Reim ...
Aber darunter leidet ein wenig die Verständlichkeit. Im rechten Maße, versteht sich, denn es gibt auch verschlüsseltere Gedichte, das ist klar. Eigentlich finde ich die Atmosphäre hier aber auch sehr gut, ich weiß nicht was ich will Rolling Eyes

Das Madenlied ist ebenso lustig Wink

So muss reimen.

Bester Gruß,
Peter
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 07.12.2018 01:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo erstmal, menetekel,

Dankeschön und übrigens - "Kind" ist meine ganz persönliche Bezeichnung für eine ganz bestimmte Frau in meinem Leben, das wurde auch schon mal in einem anderen Sonett von mir genauso missverstanden. Ich habe ein Dutzend Sonette geschrieben, in denen ich sie, meine Sucht nach ihr und den Entzug thematisiert habe. Das rührt z.B. von ihrer psychischen Erkrankung und meiner daherrührenden Angst, sie zu missbrauchen, wie ein Kind, wenn die Liebe körperlicher wurde...
Ein Schlüssel, in meinen Sonetten zwischen den Geliebten zu unterscheiden, wie der Dark Lady und dem junge Liebhaber bei Shakespeare. Bei mir sinds nur mehr Laughing

Und auch, natürlich, Peter Sipos

Es freut mich immer riesig, wenn ein Gedicht für jemanden "komplett" funktioniert, das ist bei meiner Arbeitsweise nicht selbstverständlich. Man muss sich so tief hineingraben, dass leicht etwas schief bleibt, das am Ende nur der Autor für normal hält. Deshalb bin ich hier, um es zu lernen.

Das zweite war mehr am Reim aufgebaut und einer erfundenen Geschichte (statt einer erlebten). Das merkt man, und ja: zum Glück: Ich werde meine weitere Richtung wieder authentisch ausrichten.

Das Madenlied ist ein Schnellschuss, aber auch mit Hintergrund. Ich bringe gerade einer jungen Dame Schüttelreim & Versmaß bei, und jede Zeile reimt hier mit Bezug zu ihrem Gedicht mit vertauschten Vokalen. Aber ich würde den Bezug nicht ohne Zustimmung posten - das wäre ihr - wenn auch zu Unrecht,  peinlich.
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Tula
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 545
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 07.12.2018 23:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo David

die deutsche Sprache (und die anderen natürlich auch) ist unerschöpflich und wer so wunder-sonderbare Schüttelreime wie

... Äquator leert,
... Rollator quert


hervorzaubert, stellt das überzeugend unter Beweis.

Hut ab!

LG
Tula


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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 09.12.2018 22:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, Tula, das freut mich! love

auf ein Neues:

Soll ich dein Antlitz, wenn ich schriebe, liften?
Ist Glück, das wir errangen, zu beweisen?
Nicht Facebooks Glamour kennt der Liebe Schriften,
wie lieb ichs, deine Wangen zu bereisen!

Ist über Sterne, wenn du blickst, zu schreiben,
die hoch als Funken überm Land zerstieben?
Kein fixes Bild, das du erschrickst, zu bleiben:
Für dich will ich mir den Verstand zerlieben!

Wir tasten uns verloren vor zu Thesen,
ich hätte, wenn ich schriebe, einzulenken,
und Liebe nie Lektoren vorzulesen,
die drohen, unsre Liebe einzuschränken.

Nein, Liebe schlägt ganz andre Zeichenwellen,
als die im Kern der grauen, weichen Zellen.
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 12.12.2018 00:41    Titel: Küchenidylle pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wir plaudern übers heut Gescheh’ne. Platten
erwärmen sich, bis wir Gerüche kosten,
auf Kacheln werfen frische Pläne Schatten,
wo die Geräte in der Küche rosten.

Dann hältst du kurz die Serviettenrede,
wie du mir in Ökonomie so traust.
Die Nudeln in das Sieb, wir retten jede,
die du ganz in Metronomie so kaust.

Wir tauchen in der grünen Soße Gründe,
als wir uns Treue unbewusst geloben
und unvermittelt unsre Flammen siegen.

Der kleinen Schwäche folgt die große Sünde,
ein frisches Leintuch lauert, lustgewoben,
auf dem wir zwei ganz eins zusammen fliegen.
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Tula
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 545
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 12.12.2018 00:51    Titel: Antworten mit Zitat

So isses, erst der Magen, dann das Leintuch ... und mit diesem Gruß geht's jetzt ...  Verstecken

Mach' nur weiter so
 Du-Du-Du!

LG
Tula


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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 02.04.2019 00:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Im Winter hielten mich die Bilder wach.
Wach lag ich, als der Hahn schon schrie, denn floss
zu jener Zeit im Eis ein wilder Bach,
der erst versiegte, als ich Frieden schloss.

Wenn an sein Bett nun buntes Blühen grenzt,
sich alles findet und sich neu erfährt
und du mit ungekanntem Glühen brennst,
erkenne ich, wie mich dein Feuer nährt:

Wenn nun dein Gestenspiel mein Schauen tränkt,
tun wir ironisch lüstern, sind befreit,
wie hell ist dein Humor, wie groß dein Mund,

wie weit dein Herz, das mir Vertrauen schenkt!
Wir halten uns. Wir Flüstern, sind bereit:
So tief dein Tal, so weich wie Moos dein Grund.
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1906
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BeitragVerfasst am: 06.04.2019 07:01    Titel: Antworten mit Zitat

*dahinschmelz

Eines der schönsten Liebesgedichte, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Hoffentlich weiß der Empfänger seinen Wert zu schätzen.
Sonst ... komme ich persönlich zum konsequenten, pädagogisch wertvollem Durchschütteln des Banausen vorbei. Evil or Very Mad

Herzliche Grüße
m.


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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

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Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 24.04.2019 00:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Heidrun,  hat einige Zeit gedauert, eine adäquate Antwort zu formulieren. Nun gut, nimm dies....

“Du ignorantes Arschloch” schrie ich, “Dieb!”
(ich gebe zu, ich war ultra besoffen)
“Du stehst in jeder Zeile, die ich schrieb!”
Ich nehme das zurück, ich sah betroffen,

dass ein Gedicht sein Wesen nur verliert,
wenn es um das, was von ihm bliebe, ringt -
und wenn es dich beim Lesen nur verwirrt,
ist mir das scheißegal  - die Liebe bringt

mich näher zu dir als Gedicht und Wort:
du deutest meine Zeilen auf den Wahn,
der - wenn er mich befällt, vor Liebe schreit

doch tiefer noch hast du Gewicht und dort
fühlst du mir auch zuweilen auf den Zahn:
Es täte mir, wenn ich es schriebe leid.
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davidmuc
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BeitragVerfasst am: 26.04.2019 00:11    Titel: erste Liebe pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erste Liebe

Ich traf die Nostalgie und lief gleich mit:
denn als ich fragte, ob sie bliebe, rannte
sie los. Nicht dass ich unterm Mief gleich litt,
Wir suchten, wo einst meine Liebe brannte:

Die erste Freundin, ihre Hand, der Mund - -
Und als ich sie dann kurzerhand verließ:
Mein erster Freund und sein charmanter Hund
und jeden, der mir neues Land verhieß.

Sie lockte mich, komm, nebenan ist mehr:
Ich wand mich in Gefühl, Gefahr und Wort
im Meer aus Eis und unter Wüstensonnen.

Und als sie dann gegangen war und fort
da wars genug der übersüßten Wonnen -
Die erste Liebe - und mein Mann ist Er.
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Tula
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BeitragVerfasst am: 27.04.2019 00:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo David

wie immer sehr poetisch und auf sprachlich besondere Weise überzeugend, bei diesem hier vor allem der Weg der Selbstfindung, welcher sicherlich kein leichter war.
Nur die erste Strophe will mir dieses Mal nicht so gefallen; S1 und S3 sind natürlich perfekt geschüttelt, nur passt mir die Sache mit dem Mief nicht so recht ins Bild. Das 'einst' in S4 entspricht dann auch nicht der Idee der 'ersten' Liebe.


LG
Tula


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davidmuc
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BeitragVerfasst am: 29.04.2019 11:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Besten Dank, Tula,

das mit dem Mief leuchtet mir ein, ist wohl die Schwäche des Textes. Das "einst" finde ich nicht so unangemessen - das LI begibt sich ja erstmal auf die Reise in die Vergangenheit...
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davidmuc
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BeitragVerfasst am: 29.04.2019 11:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Am Ufer forme ich den nassen Lehm
zu deinem Leib, gerahmt vom hellen Sand -
von jedem Geist und Gott verlassen, nehm
und küss ich meines Lehmgesellen Hand.

Dann reise ich zu seiner Brust und land,
wo alle Kreise sich synchron verschalten:
dort, in der Tiefe toben Lust und Brand -
Wie fest wir uns im Feuer schon verkrallten!
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davidmuc
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BeitragVerfasst am: 11.05.2019 00:13    Titel: Nacht pdf-Datei Antworten mit Zitat

Verspielt, verplant, vertan, verträumt, versunken
in meine eigne Welt im fernsten All,
das Leben halb verbraucht, versäumt, vertrunken,
erklärte man mich jüngst zum ernsten Fall.

Ich lass die Leute, die nichts wissen, meinen:
Die Nacht ist mein Vertrauter, schwarz und heiß
und mag der Tag mich auch vermissen, weinen -
ihr Duft umfängt mich ganz in Harz und Schweiß.

Ihr dunkler Auftrag ist mir Fest und Last,
wasimmer auch in ihr zu lernen stand,
wir haben für das Leben uns verschworen;

sie küsst mich, wenn sie mich verlässt und fast
da trägt sie mich mit in ihr Sternenland,
solang, bis wir im Schweben uns verloren.
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1906
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BeitragVerfasst am: 12.05.2019 06:10    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber David,
beide Gedichte gefallen mir ausgesprochen gut.
Die Idee, einen Golem als Liebesgefährten zu erschaffen, ist auf traurige Art betörend. Insbesondere, wenn die Figur später gebrannt wird. ---

Wenn du über das Leben an sich referierst, kann ich an manchen Stellen ein Häkchen setzen. - Die Frage, ob der lebende Mensch ein Zeichen setzen oder seine Zeit einfach verstreichen lassen sollte, bleibt für mich selbst unbeantwortet.
"Die Wirklichkeit ist einfach zu falsch", schreibt Thomas Mann.
Und da gebe ich ihm 100%ig Recht.

Ich wünsche mir, dass du eines Tages aus diesem Faden ein Buch machen wirst. - Aber wahrscheinlich ist Ehrgeiz nicht so dein Ding. Cool

Dir einen bewundernden Gruß
m.


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Alles Amok! (Anita Augustin)
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 52
Beiträge: 196
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 28.05.2019 23:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Heidrun,

Danke erstmal - für die Nähe. Wo Du Dich doch mit so einer Menge von Texten befasst und Dich hineindenkst. Ich schaffe das als Leser des Forums nicht annähernd. Mit zu lesenden Büchern hab ich genug am Hals Smile
Vielleicht kommt das noch, mit dem Buch. Die Motivation, Neues zu schreiben, überwiegt (leider?) ständig der Furcht, meinen Wunschverleger zu kontaktieren und abzublitzen oder, so er einverstanden ist, mir dann Urlaub vom Lohnerwerb zu nehmen, um vielleicht die Übersetzungen und eigenen Texte ausreichend zu überarbeiten... einstweilen ein Neues:


Am Baum dort flattert rot wie Mohn ein Schal
und trunken reiben zwischen Bechern, Decken,
sich unter manchen weichen Dächern Becken, -
ich weiß nicht, war ich hier nicht schon einmal?

Der Busch dort, jenes hohe Gras, die Linde,
Ich kenne deine Schlucht wie Berg und Wald,
den Schal im Baum, das Rot im Glas, die Rinde,
dort hinten dampft ein Heizkraftwerk und bald

das Fest und unsre hemmungslosen Triebe,
längst nicht mehr Opfer einer schnellen Zeit,
nein, längst im Hafen der Matrosenliebe -

Wie langsam mir das in die Zellen schneit:
Wenn einer, was er früher schrieb, erblickt
und endlich nicht, vor dem, was blieb erschrickt!
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