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Katzenjammer

 
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 911
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 14.10.2018 19:00    Titel: Katzenjammer eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als das Licht mich verließ, hatte ich gerade eine Katze begraben. So hielt ich es mit so ziemlich allem in meinem Leben: Unbrauchbares wurde unter einer Schicht Erde vergessen. Erde ist geduldig. Sie verschlingt den Geruch der Verwesung und verwandelt Totes zurück ins Leben.
Die Katze hatte draußen gelegen. Ich stellte mir vor,  dass sie auferstehen würde, einfach aus ihrem baldigen Grab herauswachsen wie die Viecher in diesem alten Streifen von Stephen King.
Aber es schien eher fraglich, dass sich noch irgendetwas auswachsen würde. Als Hannes noch konnte, hatte er zwei Bäume fällen müssen. Einen hatte der Blitz erwischt,  der andere wollte keine Äpfel mehr tragen. Die Katze hat nicht gerochen. Sie war steif wie Holz und ich musste ein größeres Loch ausheben. Ich hatte gewusst, dass Hannes hinter dem Fenster seinen Posten bezog und jeden meiner Schritte bewerten würde. Wo ich grub, wie ich den Spaten hielt, ob ich den Schuppen verriegelte.  Als er irgendwann nichts mehr von sich gab, konnte man ihm die Ablehnung nur noch aus dem Gesicht herauslesen. Ich wollte nicht alt werden, nicht so wie sie werden: eingeschränkt und erstarrt wie diese lächerlich tote Katze, die den Weg ins Warme nicht mehr hatte finden können. Gestorben zwei Meter vor der Haustierklappe. Eine schöne Metapher für mein eigenes Leben. Ingrid hat nie den Glauben verloren.  Sie nannte mich noch "der Junge", als ich, zweifacher Phantomvater und Kneipenschläger, von dem bisschen Stütze lebte. "Da kann doch der Junge nichts", hat sie gesagt, wenn Hannes seinen Blick aufsetzte. Ich habe es ihm nie recht machen können, das war schon der Fluch der Verwandten. Ich bin ja vom selben Blut, was sollte da schon noch gutgehen.
Ingrid hat sich tapfer gehalten. Ingrid hatte immer ein strahlendes Lächeln. Ich bin froh, dass sie ihre Frau stand und Hannes nie ganz zum Mann nehmen wollte. Von mir aus kann er verrecken - da oben in diesem Krankenzimmer. Das und ihr Tod sind das Einzige, das ich ihr niemals verzeihen werde.
Ich hoffe, er stirbt bald weg. Vielleicht lasse ich ihn auch einfach erfrieren.

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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 46
Beiträge: 1935
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 01:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
eins gleich vorweg: Wo ist der Wald? Vielleicht sehe ich den vor lauter Nicht-Bäumen nicht, aber ich finde ihn nicht, weder metaphorisch noch real, und schon gar nicht im Mittelpunkt der Geschichte. Da sind nur diese beiden Sätze über die Bäume, die Hannes fällen musste, die überhaupt nicht in die Geschichte passen und willkürlich eingefügt scheinen. Soll das die Themenumsetzung sein?

Vielleicht verkenne ich deine Geschichte, dann tut mir das leid, aber ich muss sie mangels Themenumsetzung leider aus meiner Wertung disqualifizieren. Was mir leid tut, weil ich sonst gar nicht schlecht fand.

Was allerdings nicht wirklich deutlich wird, ist das Verhältnis von Hannes und dem Erzähler. Ich nehme mal an, er ist sein Vater, aber das kann ich nur mutmaßen.

beste Grüße,
Veith


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1208
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte ist wirklich gut geschrieben und enthüllt so viel zwischen den Worten, was mir sehr gut gefällt.
Ich hätte gerne mehr Punkte gegeben, sehe das Thema aber leider nicht genug umgesetzt.
Dennoch: gern gelesen! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, Oktober 2019.
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lebefroh
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 38
Beiträge: 349
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 09:55    Titel: Antworten mit Zitat

Das gefällt:

Die klare Sprache, die stille Wehmut, die da mitklingt. Die Gänsehaut, die sich breitmacht beim Lesen. Für meinen Geschmack ist das gut und präzise geschrieben, eine Stimmung wird deutlich transportiert.

Und ein toller Titel!

Was weniger gefällt:
Die Ratlosigkeit, mit der mich der Text zurücklässt.
Mir gefällt zwar, dass man den Wald ohne Bäume suchen muss und ihn nicht mit dem Holzhammer eingebleut bekommt - und andererseits ist es auch das, was mich von der vollen Punktzahl abhält. Ich würde mir wünschen, dass ich besser verstünde, was genau den Protagonisten bewegt.
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Kiara
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 39
Beiträge: 613
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 11:03    Titel: Antworten mit Zitat

Traurige, graue Gedanken, wahrscheinlich realistischer als einem lieb ist.
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 46
Beiträge: 310
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn hier der Wald irgendwo eine Rolle spielt, habe ich ihn entweder nicht gefunden oder nicht verstanden. Ein bisschen wirkt der Text auf mich, als ob da noch eben zwei Bäume von Hannes gefällt wurden, um die Geschichte dem Thema anzupassen. Auch den ersten Satz finde ich holprig.

Den Stil finde ich angenehm. Leise erzählt, mit Paukenschlag am Schluss. Stimmung wurde gut transportiert, vor allem für die Kürze der Zeit.
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rncw
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 93
Wohnort: Wonderland


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Mir nicht ganz zugänglich. Für mich eröffnet das Ende mit Ingrid nicht wirklich einen Sinn. Dennoch, flüssiger Stil.

_________________
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe
Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben
Meines Lebens Vollgewinn,
Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.

Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.

(J. W. Goethe, Hatem)
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1924
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 08:57    Titel: Antworten mit Zitat

Düster. Gut.
Das Setting bleibt unklar. Endzeit (es wächst nichts mehr)? Abgelegener Hof? Junger (?) Mann betreut  Mutter (?) und Vater (?). Mutter wohl gestorben, Vater altert dem Tod entgegen. Oder ist es ein Onkel? Vieles bleibt mir unklar in dieser Geschichte, aber es ist auch nicht wichtig, die Lücken stören nicht. Perspektive sehr eng am Protagonisten, der sich die Lücken nicht erklären muss. Es zieht mich in die Geschichte, ich meine den Konflikt zwischen Hauptfigur und Vaterfigur atmosphärisch zu spüren. Sehr viel aus ganz wenig, das gefällt mir ausgesprochen gut. Ja, und neidisch bin ich auch. Laughing
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 57
Beiträge: 3012
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hier sehe ich leider den Bezug zum Thema nicht. Klar es gibt keinen Wald... aber dafür zwei gefällte Bäume.

_________________
"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 911
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 19:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jetzt bin ich beim eigenen Text angekommen.
Ich will gar nicht wissen, wie oft er kommentiert wird, aber ich möchte ihm mal mein Beileid aussprechen, weil ich weiß, dass er wieder nicht auf den Punkt kommt. Da stehen zwei Bäume als Stellvertreter, aber das Eigentliche ist wieder so tief in der Erde, dass man die Katze wieder ausbuddeln muss. Confused


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 38
Beiträge: 1234
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 20:37    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, so richtig steige ich nicht durch, aber ich mag die Geschichte irgendwie. Wegen diesem Tod-Beigeschmack. Die Ich-Figur: Ich weiß nicht, ob ich sie mag. Nein, eigentlich ist sie mir suspekt, dann aber finde ich sie auch wieder hochinteressant. Ich verstehe sie nicht wirklich, das ist wohl auch der Grund, warum der Text viele Punkte bekommt. Diese Figur will nicht aus dem Kopf. Und dann all der Jammer um diese Katze, der will mir auch nicht aus dem Kopf, obwohl es ja eher den Titel betrifft.

Diese Geschichte um Ingrid und Hannes hätte ich allderings nicht gebraucht. Den Anfang finde ich stark:

Zitat:
Als das Licht mich verließ, hatte ich gerade eine Katze begraben. So hielt ich es mit so ziemlich allem in meinem Leben: Unbrauchbares wurde unter einer Schicht Erde vergessen. Erde ist geduldig. Sie verschlingt den Geruch der Verwesung und verwandelt Totes zurück ins Leben.
Die Katze hatte draußen gelegen. Ich stellte mir vor,  dass sie auferstehen würde, einfach aus ihrem baldigen Grab herauswachsen wie die Viecher in diesem alten Streifen von Stephen King.


Zusammen mit:

Zitat:
Von mir aus kann er verrecken - da oben in diesem Krankenzimmer. Das und ihr Tod sind das Einzige, das ich ihr niemals verzeihen werde.
Ich hoffe, er stirbt bald weg. Vielleicht lasse ich ihn auch einfach erfrieren.


Finde ich, sind die stärksten Stellen. Viel mehr bräuchte ich nicht. Nur einen kurzen Bezug zum Verrecken, der kommt noch nicht so raus. Oder ich übersehe was? Keine Ahnung.

Weiß nicht, wie das jetzt passiert ist, aber dein Text ist urplötzlich zu meinem persönlichen Favoriten geworden. Er (und du mit ihm) bekommt 12 Punkte.
Ich schätze, es liegt mitunter am ersten Satz, den ich überdurchschnittlich gut finde.


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hast du den luftblick
hast du den erdenblick oder
den fuchsblick_
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Poolshark
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 37
Beiträge: 899
NaNoWriMo: 8384
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 17.10.2018 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hier bin ich mir auch ziemlich sicher zu wissen, wer hinter dem Text steht. Und weil ich bessere Texte von ihr kenne, fällt es mir total schwer, zu bewerten.
Letztendlich zählt dann wohl aber vor allem die Umsetzung des Themas "Wald ohne Bäume". Das sehe ich hier leider gar nicht abgebildet.


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"But in the end, stories are about one person saying to another: This is the way it feels to me. Can you understand what I'm saying? Does it also feel this way to you?"
-Sir Kazuo Ishiguro
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 29
Beiträge: 7485



BeitragVerfasst am: 19.10.2018 14:35    Titel: Antworten mit Zitat

Wenig Biss, wenig Inhalt für die zwei Stunden, die es immerhin waren.

Denn mehr als Zynismus aus der Dose findet man hier nicht. Ich weiß nicht, ob das schockieren soll, Beschreibungen wie „lächerlich tot“ zu liefern und die Welt nur in Schwarztönen zu beschreiben. Es funktioniert nicht. Liest sich genau so kitschig wie ein Heimatfilm auf einer Alm in den 50ern. Halt nur andersrum. Tiere taugen nichts, Alte taugen nichts, Toten taugen nichts, und ich hab auch schon keinen Bock mehr zu schreiben, Text Ende.

Könnte hier n paar Mal mitm Fleischhammer drüber gehen, aber der Text würde nur flacher. Dies das Urteil mein.
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 59
Beiträge: 1915
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 20.10.2018 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hmmmm
Ich finde keinen Wald, auch keinen metaphorischen.

Aber ich mag die Geschichte. Mir gefallen solche Gedankensplitter. Gedanken kommen nie geordnet.
Deshalb und weil ich hoffe, die Umsetzung noch erklärt zu bekommen, zumindest ein Minipünktchen


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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1873
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 22.10.2018 07:53    Titel: Antworten mit Zitat

Spannende Prosa, nicht ohne Tiefgang.
Den Wald ohne Bäume kann ich hier allerdings nicht ausmachen: Apfelbäume wachsen ja eher nicht im Wald. Und auch der Zweitbaum fristete sein Dasein offenbar im Garten.
Die umständliche Grammatik stört mein Lesevergnügen. Vielleicht wäre Präsens die bessere Wahl gewesen ...
Gut gefällt mir folgende Passage:

Zitat:
Gestorben zwei Meter vor der Haustierklappe. Eine schöne Metapher für mein eigenes Leben. Ingrid hat nie den Glauben verloren. Sie nannte mich noch "der Junge", als ich, zweifacher Phantomvater und Kneipenschläger, von dem bisschen Stütze lebte. "Da kann doch der Junge nichts dafür", hat sie gesagt, wenn Hannes seinen Blick aufsetzte.


Schöne Grüße
m.


_________________
Alles Amok! (Anita Augustin)
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jaeani
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 114



BeitragVerfasst am: 22.10.2018 09:06    Titel: Antworten mit Zitat

Neutraler Kommentar, um bewerten zu können.
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Eliane
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 625



BeitragVerfasst am: 23.10.2018 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Als ich den Text das erste Mal gelesen habe, dachte ich, ich hätte ihn verstanden. Jetzt, bei genauerem Hinsehen, merke ich, dass da einige Ungereimtheiten sind, bzw. dass da der Zusammenhang fehlt (Beabsichtigt? Unbeabsichtigt? Weiß nicht.).

Zum Beispiel: Was haben die gefällten Bäume damit zu tun, dass die Katze nicht mehr aus dem Grab kommen wird? Hannes steht hinter dem Fenster und "gibt irgendwann nichts mehr von sich" - heißt das, es ist nicht die erste Katze (oder Schlimmeres), die der Protagonist da begräbt? Sprich: Ist "irgendwann" eher "irgendwann in zehn Minuten" oder "irgendwann in den letzten zehn Jahren, in denen Hannes das Sprechen verlernt hat"? Der Klang der Geschichte suggeriert Letzteres, das kollidiert aber mit dem Fortgang.

Oder auch hier: "Ich wollte nicht alt werden, nicht so wie sie werden: ..." - Sie - Hannes und Ingrid (aber die Aussage passt nicht zu Ingrid)? Oder sie - die Katze?

Oder: "Das und ihr Tod sind das Einzige, das ich ihr niemals verzeihen werde" - ihren Tod wird er ihr nicht verzeihen, okay, das verstehe ich. Aber was ist gemeint mit "das"?

Zu viele offene Fragen und Ungereimtheiten für meinen Geschmack. Und ehrlich gesagt: den Wald finde ich auch nicht.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2713

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 25.10.2018 19:47    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

Zitat:
Als das Licht mich verließ, hatte ich gerade eine Katze begraben.

Das Zitat, oder besser, dieses metaphorische Bild, als das Licht den Prota verließ, es passt mMn nicht zum Gesamttext. Es steckt sehr viel Drama im Text drin, viel Schatten und Wut, aber den Moment des Licht-Verlassens und des Lichtes an sich, den Suche ich vergebens. MMn ist das Licht schön sehr viel länger weg, hat den Prota bereits früher verlassen, im Gegensatz zum ersten Satz, der es mir momentan nach dem Begraben der Katze verkaufen möchte.
Passt für mich nicht.

Punkte? Wir werden sehen.

Merci beaucoup
Constantine
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Malaga
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 748



BeitragVerfasst am: 26.10.2018 10:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hier finde ich das Thema trotz mehrmaligem Lesen nicht wieder. Ich bin gespannt auf die Erklärung.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3774
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 26.10.2018 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Dies ist der einzige kurze Text des Wettbewerbs, der mich als Geschichte überzeugt. In wenigen Worten wird das schwierige Familienleben und die verkorkste Biografie des Protagonisten schon recht nachvollziehbar und nachfühlbar ausgeleuchtet. Es ist dann aber doch zu wenig, um den an sich krassen Schlussatz seine volle Wirkung entfalten zu lassen.
Generell mag ich solche Texte lieber als linear erzählte Geschichten. 'Nur' vier Punkte, weil die Umsetzung des Themas unklar ist. Zwei gefällte Bäume scheinen mir nicht ausreichend, um einen Wald ohne Bäume entstehen zu lassen. Wenn das Thema darüberhinaus metaphorisch umgesetzt sein sollte (die Familie als Wald, der Prota als Sprößling?), müsste sich das (für mich) aus dem Text deutlicher ergeben.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 911
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 27.10.2018 09:42    Titel: danke pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Alle,

vielen Dank für´s Lesen, Kommentieren und überhaupt. smile

Ich freue mich, dass diesem winzigen, wenig durchdachtem Text auch so viel Gutes widerfahren ist. Und ich freue mich auch über die ungeschönte Kritik.

Weil nach Aufklärung gefragt wurde:

Ich habe dieses Wald, ohne Bäume als Themenvorgabe komplett übersehen, obwohl es fett gedruckt stand und sich irgendwie ja auch in mein Bewusstsein gegraben haben muss (habe ja wenigstens zwei Bäume gepflanzt Embarassed Laughing ), zunächst auch bei der Bewertung der anderen Texte.
Dort konnte ich noch was drehen, am Text leider nicht.

Bei der Ideenfindung habe ich rein aus dem Gedicht und der finalen Redewendung assoziiert.
Der Wald, den man vor lauer Bäumen nicht sieht, lag für mich in der fehlenden Reflexion aller Mitglieder dieser Zweckgemeinschaft um ein Haus und eine Familie. Ingrid, die gute Seele in spe, Oma und Lebensgefährtin, Hannes, der Arbeiter und Tyrann, klassisches Rollenmotiv, das auch der Erzähler ja bedient.
Letztendlich hat sogar die Katze metaphorisch ein dickes Brett vor dem Kopf und findet den Weg ins Warme nicht. Das Warme war für mich nicht das Haus, in dem der Erzähler jetzt mit seinem Großvater lebt, auch nicht die falsch verstandene Liebe der verschiedenen Großmutter Ingrid, die dem Enkel zwar das Haus vermacht, den Hannes aber drin wohnen lässt.
Sicher hätte ich dem mehr Raum geben müssen - es kommt nur am Schluss und nicht klar genug formuliert - aber ich hatte, wie so oft, auch keine klare Idee, wo ich eigentlich hinwill damit und die Deadline war hierbei klar eine Schwierigkeit für mich.
Nichts desto trotz haben ja einige etwas im Text gesehen und das ist mehr als genug. smile


_________________
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 911
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 27.10.2018 12:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Heiho Veith

Zitat:
eins gleich vorweg: Wo ist der Wald?


In all den anderen Geschichten. wink

Zitat:
Vielleicht sehe ich den vor lauter Nicht-Bäumen nicht, aber ich finde ihn nicht, weder metaphorisch noch real, und schon gar nicht im Mittelpunkt der Geschichte.


Hab ja zusammenfassend schon gesagt, wie es zustande kam, dass ich dem Wald keine Rechnung getragen hatte.

Zitat:
Da sind nur diese beiden Sätze über die Bäume, die Hannes fällen musste, die überhaupt nicht in die Geschichte passen und willkürlich eingefügt scheinen. Soll das die Themenumsetzung sein?


Ne. Laughing
Aber dass die gar nicht passen, kann man so und so sehen.
Sie stehen für den Wuchs, den man pflegen und verkümmern lassen kann.

Zitat:
Vielleicht verkenne ich deine Geschichte, dann tut mir das leid, aber ich muss sie mangels Themenumsetzung leider aus meiner Wertung disqualifizieren. Was mir leid tut, weil ich sonst gar nicht schlecht fand.


Danke dafür. Habe vollstes Verständnis für deine Entscheidung! smile

Zitat:
Was allerdings nicht wirklich deutlich wird, ist das Verhältnis von Hannes und dem Erzähler. Ich nehme mal an, er ist sein Vater, aber das kann ich nur mutmaßen.


Stimmt, da hätte ich viel deutlicher werden müssen.


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