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Kreuzweg


 

 
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emr
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BeitragVerfasst am: 13.10.2018 18:58    Titel: Kreuzweg eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Meta-Informationen

Die folgende Geschichte will ich unter CC-BY-Lizenz im Weblog freigeben, einer neu erstellten Plattform für meine „Kurz“geschichten. Die meisten sind erheblich länger, alle -zig dutzendfach überarbeitet. Da dünkt mich nun die Grenze erreicht.

Umfang rund 2600 Wörter, liefere portionsweise. Bitte keine Textarbeit. Gern gelesen? Ein Wort, ein Satz dazu, oder was euch sonst umtreibt. Zu lang? Auch recht. Cool
 smile

Kurz: Mia liebt Mick. Alle Probleme wird sie für ihn lösen.
Alltagsdrama, Alltagswandel. Je nach Perspektive. Neufassung von 2018, Urfassung vermutlich 2013. War vorübergehend bei Sweek veröffentlicht.

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emr
Geschlecht:weiblichSchreiberling


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BeitragVerfasst am: 13.10.2018 19:04    Titel: Kreuzweg (1/4) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Kreuzweg

Mia
Unten sprang die Maschine an, schwarz und silbern, ein naked bike. Anfangs hatte sie gekichert über das ‚nackte‘ Motorrad, bis sie merkte, dass Mick das nervte.
Ganz schön frisch draußen, egal, sie ließ das Fenster offen. Soweit sie es unterm Helm erkennen konnte, lächelte Mick ihr zu. Sein Haar hatte er zu einem Zopf geflochten, für die paar Kilometer bis zu Yogis Hof. So hielt er es sonst nur vor langen Touren, sie freute sich über sein neues Verantwortungsbewusstsein. Als ob er ahnte …
Sein Haar, wie das immer roch nach einer Fahrt.
- Das ist der Ruch von Freiheit und Abenteuer.
Dieser Ruch, er war ihr nicht geheuer.
Heute abend kamen zwei Folgen ihrer Lieblingsserie und der Pilotfilm für die neue Staffel. Yogi besaß weder Fernseher noch TV-Zugang, bis zuletzt hatte sie auf einen gemütlichen Filmabend zu zweit gehofft.
Nichts zu machen, Mick ließ die Harley auf die Hauptstraße rollen. Die zog sich durch mehrere Dörfer, senkte sich in Serpentinen bis zur Ampelanlage im Tal. Dort musste er rechts abbiegen. Für Sekundenbruchteile würde sie ihn noch einmal sehen, winzige Gestalt zwischen fernen Gebäuden.
Seit es auf den Winter zuging, beklagte Mick, dass seine ‚Gefährtin‘ im Freien parken musste. Mit einer Plane schützte er das Fahrzeug, konnte bei Regen und Schnee nicht daran arbeiten. Genau wie letztes Jahr. Mia erschloss sich nicht, wieso ihn das plötzlich störte.
Quer übers Land verteilt hatte er Motorräder zum ‚Basteln‘ untergestellt, pflegte Verbindungen zu Werkstätten, Clubs und Ersatzteilhändlern. Als Ein-Mann-Pannenservice blieb er rund um die Uhr erreichbar, sein Aktionsradius variierte nach Lust und Laune. Wenn er im Kölner Raum eine Reparatur hatte, blieb er schon mal über Nacht. Sagte nicht nein, wenn dann ein Kunde aus Dortmund um Hilfe rief. Oder er fuhr bis irgendwo bei Bremerhaven, nur weil ihm ein Nordlichtkumpel von ein paar Modellen erzählt hatte, die Mick spannend fand. ‚Weiterbildung‘ nannte er das.
Das Schöne daran, die Stimme der Harley verkündete seine Heimkehr schon auf der Autobahn. Dann riss Mia die Fenster auf, ließ Jubel überm Tal verklingen. Anfangs hatte sie sich ein paar Mal vertan, mit Mick geschmollt, wenn er endlich kam. Als er den Grund begriff, gab es Streit statt Trost, aber dann machte er alles wieder gut. Nahm sie mit auf Touren durch die Dörfer, zu Yogi – mit dem Körper sollte sie den Sound der Harley hören, auf dass sie ihn nie mehr vergaß.
Es klappte, wie alles, was Mick anpackte. Leider.
- Warum fahren wir nicht mehr übers Land, Mick? Das war so toll immer.
- Das Wetter. Zu gefährlich mit dir.
Mitfahren konnte man auch im Winter, doch laut Mick fehlte ihr zum Sozius das Talent.
- Vergiss es. Du lässt dir nichts sagen, zappelst, lehnst dich gegen die Kurven.
Da hatte sie sich gefügt. Es war ja bald soweit, wer wählte schon das Motorrad, wenn er bequem im Wagen sitzen konnte. Mit dem würde Mick diese unnötigen Wege nicht mehr machen wollen, die Betriebskosten hauten rein. Nie mehr endlos auf ihn warten.
Neuerdings schwärmte er davon, wie viel Platz es bei Yogi gab, wie schön der es hatte mit den Tieren und allem. Selbst für ein kinderloses Paar genügten die beiden Zimmerchen unterm Dach nicht, darauf war sie schon längstens gekommen. Seit dem Frühherbst arbeitete sie am neuen Leben, hatte sich beherrscht, bisher nichts verraten.
Ein Gutshof ging natürlich nicht, nach ein paar Besichtigungen hatte sie ein kleines Haus gefunden. Die Miete wurde auf den Kaufpreis angerechnet, eine Garage gehörte dazu, in der Einfahrt konnte Mick schrauben. Schon bald würde sein Bike in einem Winkel stehen, endlich gebändigt, besiegte Rivalin.
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emr
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BeitragVerfasst am: 13.10.2018 19:09    Titel: Kreuzweg (2/4) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zum Notar hatte sie den Bus genommen, den Mietkaufvertrag ganz allein unterschrieben, die Anzahlung aus einem Kredit geleistet. Alles kein Problem heutzutage, gestört hatte lediglich Yogis Unkerei.
- Um Himmels willen, da zahlt ihr weit über den Marktwert hinaus. Frag ihn erst. Solche Überraschungen dienen allein deinem Ego, Mia.
- Du begleitest mich als Fahrer, Yogischatz, nicht zum Dreinreden. Apropos Ego, wenn dir das lieber ist, ruf ich dich ‚Egon‘.
Wie er die Augen aufgerissen hatte. Verstehen konnte sie ihn gut, seit der Dorfschule war er hinter ihr her. Sah seine Felle davonschwimmen, hielt dicht trotz allem, treuer Verbündeter.
Vom wahren Ziel dieser Ausflüge bemerkte Mick nicht die Spur. Das machte ihr das verhasste Lügen leicht, doch es passte nicht zu ihm, und überhaupt – kein Mann blieb so frei von Eifersucht. Probehalber verfiel sie auf Begrüßungsküsschen, Yogi guckte wie sein Hahn im Donner.
Mick lachte darüber, tougher Kerl. Erst gestern hatte er sie ‚unselbstständig‘ genannt, weil sie am liebsten mit ihm zusammen daheim blieb, ihn schon vermisste, sobald er nur den Helm aufsetzte. Wenn er bei einer Werkstatt angestellt war, würde er seine Freizeit mit ihr verbringen, sich bekochen lassen, am Haus werkeln. Keine Zeit mehr für Langeweile.
Es bot sich an im Winter, viele meldeten ihr Motorrad ab bis März, das Auto sollte im Januar kommen. Nie mehr bangen, wenn die Nachrichten zertrümmertes Metall zeigten, wenn sie mit dem Menschen litt, der da draufgesessen hatte. Diese stolzen Maschinen, es griff ihr ans Herz, wenn sie so am Boden lagen.
Mit den Schlüsseln für das neue Heim wollte sie Mick an Silvester überraschen. Nicht gleich mit allem herausplatzen, er träumte doch noch von Abenteuern. Sagte er beim Umzug zu, hatte sie ihn sicher für alles. Überwältigt von ihrem Mut würde er lachen wie früher, mit Freuden die Raten übernehmen. So löste sie all seine Probleme.
Ein Windstoß, sie fröstelte, dachte an das kleine Ritual. Vergessen.
Zu Beginn ihrer Liebe hatte Mick stets gefragt.
- Hey, Mia. Soll ich zurückkommen?
Am liebsten rief er es, wenn sie oben am Fenster stand, die Harley schon blubberte. Dann polterte Mia durchs Treppenhaus, rannte auf die Straße, er nahm den Helm ab, zeigte sein Strahlen. Umarmung, dass sie schwankten, alle drei, sie schrie ihr ‚Ja!‘, sang es, hauchte, wie es passte. Ringsum wackelten Gardinen, nach dem Kuss kam sein Schwur.
- Abgemacht.
Typisch Mick, nur ein Wort. Für ihn schien das Wiedersehen längst selbstverständlich, denn irgendwie war es jetzt so, dass immer Mia davon anfing. Außer heute, zum ersten Mal hatten sie sein Versprechen nicht zelebriert. Nicht mehr notwendig, wie schön. Dabei wusste er gar nicht …
Im Tal röhrte die Maschine, noch hatte er die große Kreuzung nicht erreicht. War nicht in Eile, wollte Yogi beim Ausbau eines Hühnerstalls helfen.
Yogi, treuer Freund, richtig hieß er ‚Josef‘. Mick wollte von ‚Michael‘ nichts hören, kindisch, diese Spitznamen. Nun gut, auch sie trug einen, aus Gründen: Auf ihrer Geburtsurkunde stand der Name der Heiligen Jungfrau. In der Dorfschule hatten es manche Lehrer witzig gefunden, sie und Yogi nacheinander aufzurufen. Wenn auch er keine Antwort wusste, konnten sie ihre Bemerkung anbringen.
- Na, machts nichts. Euch beiden bleibt ja noch die Familiengründung.
Begeistert hatte die ganze Schule den Scherz aufgegriffen, eine Plage, bis sich Yogi die neuen Namen ausgedacht hatte. Später besuchten sie verschiedene Schulen, die Namen blieben.
Jetzt, Mick stand an der Kreuzung. Die Rotphase dauerte endlos, immer spielte er dort mit dem Gas. Klang das anders diesmal? Mia lehnte sich hinaus, gab acht auf die Lücke zwischen Bäckerei und Blumenladen.

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emr
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BeitragVerfasst am: 13.10.2018 19:19    Titel: Kreuzweg (3/4) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ins Dorf dort unten kamen viele Touristen, wenn sie mit Mick zum Einkaufen durch die Gassen lief, rief sie ihn gern beim vollen Namen.
- Michael!
Immer guckten dann alle, sahen diesen Mann und dass es ihrer war. Nicht zu groß, Schultern zum Anlehnen. Noch immer etwas hager, obwohl er ein paar Kilo zugelegt hatte. Am auffallendsten das Haar, braune Mähne mit Goldtönen im Sommer. Bei feuchter Witterung bildeten sich Wellen, dann sah er aus wie ein Engel. Selten genug, nach dem Duschen kämmte er sie raus.
Ihr Michael, wie vom Himmel gefallen an der Bushaltestelle vor der Agentur für Arbeit. Mia war aus der Tür gekommen, die Mappe mit Papierkram unterm Arm. Am Hauptbahnhof musste sie umsteigen, die Linie zum Dorf fuhr nur alle paar Stunden.
In der Haltebucht schloss der Fahrer die Türen, sie spurtete, erreichte den hinteren Eingang. Der Bus fuhr los. Fluchend warf sie die Mappe hinterher, die Mütze, roch den Duft der neuen Haartönung. Verruchtes Rot, den Sachbearbeiter hatte es nicht becirct. Der verlangte sieben Bewerbungen.
Plötzlich brachte ein tieftöniges Grollen ihr Selbst zum Schwingen. Das Motorrad rollte neben sie, der Fahrer schüttelte das Haar auf den Rücken, lächelte, bot ihr den Helm an.
- Wo musst du hin?
Kein Spott wegen des Busses. Kein ‚Wenn du dich traust‘. Statt des Helms band er ihren Schal um, Straßenpirat, sie jagten los.
Bald jährte sich dieser Tag, der schönste ihres Lebens. Zur Agentur war sie nie wieder gefahren, kein Tag mit Mick wurde an sowas vergeudet. Die Briefe hatte sie zum Recyclingmüll gelegt, schließlich war ein Anruf gekommen: Anspruch verwirkt. Gelacht hatte sie, das Gespräch weggedrückt, die Freiheit genossen.
Unten lebte die verhasste, geliebte Stimme wieder auf, vor lauter Hinstarren verschwamm ihr die Welt. Blinzeln, neuer Fokus, hinter der Gebäudelücke huschte ein Schemen vorbei. Zu groß für das Bike, lag es an den Tränen, wieso Tränen, die kamen vom Wind. An der Kreuzung ging es auch zur Autobahnauffahrt, jenseits des Tals glitzerte der Verkehr in der Sonne.
In der Küche klingelte Micks Telefon. Mia blieb am Fenster, hörte das Motorrad. Konnte die Richtung nicht orten, auf die linke Abzweigung hatte sie keine Sicht. Ja, da brüllte Micks Harley, übertrieben, so hatte sie ihn nie erlebt. Ahnte er wirklich, dass es bald vorbei war mit dem naked bike?
Das Theater eben, als das Flanellhemd kaum noch in seine geliebte Lederhose gepasst hatte. Das schmierige Ding, lange würde er sowieso nicht mehr brauchen. An seine Lieben würde er denken, sich nicht mehr in Gefahr begeben wollen, man sah es ihr schon ein wenig an. Wusste Mick, dass sie nicht fett wurde, egal wie viel sie aß?
Gestern hatte sie einen Anlauf genommen, allen Vorsätzen zum Trotz.
- Michael und Mia. Wenn mal was Kleines kommt, nennen wir es Mimi.
- Da schau her. Wie nennst du einen Jungen? - Kein Staunen, kein Lächeln. Klarer Blick. - Mit Yogi musst du nicht überlegen.
Da hatte sie es ihm nicht sagen können.
Überhaupt kam er ihr ständig mit Yogi, wie klug der sei, und so zuverlässig. Ein Biobauer, er lebte allein, im Grunde ein lieber Kerl. Bei dem ging es ums Wetter, um Erträge und den Marktpreis, ständig sorgte er sich um ein Tier. Regte sich auf über neue Gesetze, veraltete Vorschriften, sein Äußeres schien ihm gleichgültig. Für seine Besuche wechselte er nicht mal die Kleidung. Ihr toller Verbündeter, er roch nach seiner Arbeit.
Aber in einem hatte Yogi recht. Dieses Heimlichtun, sie hatte es satt. Reine Eigensucht, sie brachte Mick um die Vorfreude damit. Energisch schloss sie das Fenster, unterkühlt vom Dauerlüften. Es hatte nicht mal was gebracht, die Atmosphäre der kleinen Dachwohnung schien ihr drückend wie nie zuvor.
In der Küche sah sie nach dem Anruf, das Display meldete Yogi. Wollte er absagen, kriegte sie Mick doch noch vor den Bildschirm? Herrlich! Dann sollte er es hören, gleich wenn er heimkam, bevor wieder ein Biker mit Panne alles verdarb. Ohne ihre Rückmeldung würde er woanders hinfahren, so hielt er das in letzter Zeit.
Sie betrachtete das Telefon, glücklicher Zufall, lange hatte er sich geweigert, ein Zweitgerät zu kaufen.
- Meins funktioniert.
Der abgenutzte, alte Knochen, den er nie ausschaltete, nie aus den Augen ließ. Den konnte sie nicht verschwinden lassen, halb aus Verzweiflung hatte sie dieses Smartphone für ihn ausgesucht. Und siehe, er bevorzugte das handliche Gerät, überwachte das andere nachlässig, verließ sich auf die Weiterleitung. Etwas umständlich, manchmal kriegte sie es erst im letzten Moment wieder hin. Aber es hatte stets geklappt.
Bis auf vorgestern. Wie immer hatte sie die Rufumleitung deaktiviert, den Ton abgestellt, das zerschrammte Monster im Wäschekorb versenkt. Danach kam es zurück auf den Stammplatz hinterm Lautsprecher – ohne Rufumleitung, vergessen. Zum ersten Mal sah Mick sofort nach und kam ihr auf die Schliche. Kein Fluch, kein Vorwurf, aber er ließ den Knochen nicht mehr rumliegen. Dabei war gar kein Notruf gekommen, auch vorher nie. Mit Anrufen nervte das Ding nur, wenn sie das mit dem Präparieren nicht schaffte.
Verwirrt bemerkte Mia, dass sie noch immer auf Micks Smartphone starrte, am Ende verpasste sie ihn bei Yogi. Sie tippte auf Anrufen, die Verbindung baute sich auf. Statt sich zu melden brachte sie nur ein Räuspern zustande.

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emr
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BeitragVerfasst am: 13.10.2018 19:32    Titel: Kreuzweg (4/4) pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Hey, Mick, alter Krieger. Kommt ihr vorbei am Samstag? Es gibt Braten aus eigenem Anbau.“ Stolz schwang mit, seine Schweine liebte Yogi auch tot.
„Hallo Yogi, hier Mia. Mick hat sein Handy liegenlassen. Was ist denn am Samstag?“
„Na, ich krieg mal wieder ein Jahr rum. Sag bloß nicht, du hast das vergessen. Letztes Mal bist du mit Mick hier aufgekreuzt, knallfrisch verliebt. – Na, Schwamm drüber, mir gehts gerade ähnlich. Fast auf den Tag genau, ein gutes Omen, wo ihr doch so glücklich seid. Wo ist Mick denn hin, ein Notruf? – Ich hab gehofft, er hilft mir mit dem neuen Stall, weißt ja. – Verschlägts dir die Sprache? Gönn mir mal was, Louise wird dir gefallen. – Alles klar bei dir? Mia?“
Ihre Name ein Wispern, sie warf Yogi raus, öffnete das Adressbuch. Drei Einträge: Mia, Yogi, der Vietnamese im Nachbardorf. Keine ankommende Rufumleitung.
Stickig, sie rannte ans Fenster, empfing wie einen Schlag die Kälte. Von der Autobahn leises Dröhnen.

Mick
Hätts nicht gedacht von Yogi. Buhlt der um sie vor meinen Augen. Kam wie gerufen, hab seine Vorzüge gelobt, den Rest kriegt Mia selbst hin. Haucht ihm ihr Ja ins Ohr und ist versorgt.
Ein schönes Weib, bin noch bei keiner so lang geblieben. Hält mich für blöd, tut die Umschläge ins Altpapier, vergisst den Browserverlauf. Gestern die Fangfrage, sofort gecheckt. Verstellen ist nicht Mias Ding, das hab ich auf Anhieb geliebt an ihr. Die würde mir niemals hinterrücks kommen.
Tja.
Gelockt hat es mich schon, so eine kleine Mimi. Gemeinsam planen … No way, Mia will Hirnwäsche.
Nicht die erste, bei der es dann heißt: Fehlanzeige. Der alte Trick. Pflichten, Besitz, ich lass mich nicht einsargen. Von allein leben keine Rede, nur …
Kriegs nicht in Worte gefasst. Will eine das totmachen, muss ich los. Folge dem Ruf, Mia, es ist auch ein Ruf. Stark bis zum Schmerz. Hoffe, die nächste begreift das, ich leb nicht ewig.
Straße und Fahrtwind, die Harley, kein Ziel.
Zwei LKW, drei Autos. Die spielen Konvoi. Die Mädchen im Fond, wie sie sich einen abwinken. Kann nicht zurückwedeln, nur mit dem Licht grüßen.
Reicht noch vor der Kurve, Spurwechsel. Bye-bye. – Was blinkt der, sieht er mich? Ja. Ungeduldig, Idiot, hängt sich an mich, so dicht vor– Okay, es–
…!
Holy shit.
Einscheren.
Das Ding hat meinen verdammten Arm gestreift. Irgendwas am Führerhaus vom ersten …
Mein Gott, wie der schlingert. Eben fuhr der doch— Krass! Ab auf den Standstreifen. Der hinter mir …? Da kommt er, hats geschafft. Fährt rechts ran, auch dem gehen die Muffen.
Wo steckt der Nervknochen … Da, eins-eins-null. Scheiße, geht nicht. Kann nicht tippen. Hab doch schon extra die Riesentasten. Zittre, krieg die Handschuhe nicht auf. Gottverdammt, was ist los mit mir? Hab Übleres erlebt. – Rolle mal zu denen im Auto.
Die Mädchen, sie trösten die Mädchen. Hat wohl schlimm ausgesehen, wie sie da hinter mir … Knien im Dreck, die Kinder zwischen sich, Klamotten scheißegal. Da guckt eins, große Augen. Fass es nicht, sie kommen gelaufen, zwei wildfremde Kinder. Anhalten. Absteigen.
Der Vater spricht ins Telefon, gut …
Reden. Mia wollte nicht, hab sie mengen lassen. Schlauer Mick, denkt sich seins, macht die Fliege. Nicht besser als sie.
Ah, Helm ab, Kopf frei … Nass vor Schweiß. Drüben der streicht der Frau durchs Haar, hält sie lieb.
Mias Flunkerei, so auffällig. Gefragt wollte sie werden. Verdammt noch eins.
„Wir ha‘m gedacht, der macht Sie tot!“
Da lieg ich selber im Dreck, weinende Mädchen im Arm. Helf hier noch beim Trösten, mach die Aussage, dann dreh ich um. Fahr übers Land … Erst mal zu Yogi.

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d.frank
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BeitragVerfasst am: 14.10.2018 09:28    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr schön. smile
Die Geschichte kann man in so viele Richtungen weiterdenken.
Vielleicht bist du ein Frauenfeind. Wink

Ich hatte schon befürchtet, es käme der dramatische Unfall, auf den du mit Mias Sorge anspielst - guten Bogen geschlagen: Erst mal zu Yogi.

Das ist jetzt Mäkelei: Am Ende die Gedanken von Mick, an zwei Stellen fand ich sie unpassend, aber das bekommt man wahrscheinlich nicht anders gelöst ohne die Essenz zu zerschneiden.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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emr
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BeitragVerfasst am: 14.10.2018 17:29    Titel: Danke pdf-Datei Antworten mit Zitat

Las gestern zwei ältere Geschichten von dir, noch fehlen mir die Worte. Hast du noch Interesse an Feedback? Und darf ich "Diana" sagen? smile

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht bist du ein Frauenfeind. Wink

Mit Männern komm ich meist besser klar. wink In der Neufassung hab ich Mia befreit von schwerem Alkoholismus und einem ersten Kind, das ihrer Sucht wegen zu Pflegeeltern kam. Ursprünglich musste am Kreuzweg nicht nur Mike abbiegen, das zweite Kind musste ihn gehen. So mag ich nicht mehr schreiben, einen Menschen quälen für ein Wortspiel.

Ich hatte schon befürchtet, es käme der dramatische Unfall, auf den du mit Mias Sorge anspielst - guten Bogen geschlagen: Erst mal zu Yogi.
Fand beim aller-allerletzten Korrekturlesen gestern, die Geschichte schramme so haarscharf dran vorbei wie Mick am ... Aber ich will ja nicht mehr daran arbeiten. In der Urfassung - du errätst es - lässt er sie sitzen.

Zitat:
Das ist jetzt Mäkelei: Am Ende die Gedanken von Mick, an zwei Stellen fand ich sie unpassend, aber das bekommt man wahrscheinlich nicht anders gelöst ohne die Essenz zu zerschneiden.
Wenn ich danach frage, packt mich wieder die Änderungswut. Confused -- Egal, werd mich beherrschen: Welche?
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d.frank
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Alter: 39
Beiträge: 851
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 14.10.2018 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hast du noch Interesse an Feedback? Und darf ich "Diana" sagen?


Klar! smile  Für mich ist das jetzt eine Ehre (Kriecherei off) Wink
Weiß nicht, hab ich schon irgendwo deinen Namen gelesen?
Hab jedenfalls gelesen, dass du eigentlich an was Großem schreibst und bekunde hiermit Interesse.

Welche Texte meinst du? Eigentlich arbeite ich auch nicht mehr an ihnen.
Feedback ist natürlich willkommen, weil es immer auch ins aktuelle Schreiben mit einfließt.

Zitat:
So mag ich nicht mehr schreiben, einen Menschen quälen für ein Wortspiel.


Ein geschätzter Kollege hat, grob zitiert, mal gesagt, das eigentlich Schreckliche verstecke sich in den harmlosen Dingen.

Zitat:
Fand beim aller-allerletzten Korrekturlesen gestern, die Geschichte schramme so haarscharf dran vorbei wie Mick am ... Aber ich will ja nicht mehr daran arbeiten. In der Urfassung - du errätst es - lässt er sie sitzen.


Das kann man auch positiv sehen: Du schubst den Leser in eine bestimmte Richtung und dann wird er geläutert, zusammen mit dem Überlebenden.
Ok, man könnte das jetzt ganz, ganz streng betrachten und der Geschichte vorwerfen, dieses alternative Ende ließe sich weiter herauslesen.
Aber so streng bin ich nicht und die Nebenfäden führen geschickt davon weg, also meinerseits keine Panik. wink

Zitat:
Egal, werd mich beherrschen: Welche?


Da muss ich jetzt strenger drüber nachdenken, vielleicht wollte ich auch nur was zu kritteln finden..

Zitat:
Die Mädchen, sie trösten die Mädchen. Hat wohl schlimm ausgesehen, wie sie da hinter mir … Knien im Dreck, die Kinder zwischen sich, Klamotten scheißegal. Da guckt eins, große Augen. Fass es nicht, sie kommen gelaufen, zwei wildfremde Kinder. Anhalten. Absteigen.
Der Vater spricht ins Telefon, gut …
Reden. Mia wollte nicht, hab sie mengen lassen. Schlauer Mick, denkt sich seins, macht die Fliege. Nicht besser als sie.
Ah, Helm ab, Kopf frei … Nass vor Schweiß. Drüben der streicht der Frau durchs Haar, hält sie lieb.
Mias Flunkerei, so auffällig. Gefragt wollte sie werden. Verdammt noch eins.
„Wir ha‘m gedacht, der macht Sie tot!“
Da lieg ich selber im Dreck, weinende Mädchen im Arm. Helf hier noch beim Trösten, mach die Aussage, dann dreh ich um. Fahr übers Land … Erst mal zu Yogi.


Keine Ahnung, was ein Mensch so denkt, wenn er gerade fast zerledert worden wäre, das kann man durchaus auch mit Persönlichkeit erklären.
Für die Ungeduldigen (wie mich) ließe sich das Detail Fon Wink noch stärker herausheben und das Totmachen, beim zweiten Lesen jetzt bin ich stärker daran hängengeblieben, im positiven Sinne, als Autors Wink mit der Metaebene. wink


_________________
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*Arthur Schopenhauer
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emr
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BeitragVerfasst am: 15.10.2018 17:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Verschärft. Diana, danke, den ersten Mia-Einschub hab ich rausgeworfen. Beim zweiten gefiel mir, dass Mick nun glaubt, sie wolle gefragt werden - so stolpern wir durch unsere Irrtümer. Erst mal ruhen lassen.

Betreffs Texte, melde mich vor Ort. Eindruck: Verstehe nicht alles, doch jeder Satz scheint am rechten Fleck. Verwirrend. Smile
emr ist ein alter Spitzname, meine Initialen. Die tuns, wenns recht ist.

Du stellst eine Anfrage als Testleserin. Shocked Menge derzeit mit den Geschichten, hab vom Roman nur Roh-Ur-Neudingens, bedarf der Kürzung und Überarbeitung. Kann dauern. Den (damaligen) Prolog gabs vor einigen Monaten kurz im Einstand, vielleicht ist er dir begegnet: Urban Fantasy, 80er-Jahre-Setting, zwei Schwule auf dem Discoklo. Der eine will Drogen kaufen von diesen merkwürdigen Typen, kommt nicht zurück.
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emr
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BeitragVerfasst am: 21.10.2018 17:27    Titel: Experiment läuft --> Edit: beendet pdf-Datei Antworten mit Zitat

Edit: Experiment beendet, siehe Buch-als-Blog-Schreiben - Thread.
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emr
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BeitragVerfasst am: 09.01.2019 21:11    Titel: Cover pdf-Datei Antworten mit Zitat

Edit: Schlussendlich habe ich damals beide Mia-Einschübe gelöscht.

Auch dieses Cover will sich verschwommen präsentieren, ob .jpg oder .png und bei jeder Skalierung. Liefere trotzdem, hier zur Abwechslung für alle Geschichten.
Warum überhaupt Cover? -- Jach Gottchen, sie sehen doch nett aus, oder? -- Okay: Ich drücke mich vor der Arbeit am Roman. Confused
Inga Hetten war mein Pseudonym während der Kurzgeschichten-Phase.





... und morgen dann so: Ach du liebe Zeit, Cover posten ... Hoffe, das treibt mich an die Tastatur. smile
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