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Die Resi vom Land geht auf das Oktoberfest


 

 
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masniB
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 71
Beiträge: 39
Wohnort: München - Sendling-Westpark


BeitragVerfasst am: 29.09.2018 13:16    Titel: Die Resi vom Land geht auf das Oktoberfest eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Es ist wirklich nochmal ein  schöner, warmer Altweiber-Sommertag. Genauso, wie ihn uns der Wetterbericht versprochen hat. Ich beschließe, nach zehn Jahren Abstinenz doch wieder einmal auf das Münchner Oktoberfest zu gehen.  Die Erinnerungen an meinen letzten Wies’nbesuch waren Grund genug, fortan einen großen Bogen um dieses Spektakel zu machen.  An den Wiesenhängen rund um die Bavaria lagen Bierleichen, die ihren Vollrausch ausschliefen, teilweise noch in ihrem eigenen Erbrochenen liegend, weil sie es einen Meter weiter nicht mehr geschafft haben, um sich  wenigstens auf einem sauberen Fleckchen Erde  nieder zu lassen. Horden von grölenden  Australiern,  Schweden oder dergleichen fanden es unglaublich witzig, jedes weibliche Wesen – unabhängig von Alter und Aussehen- zu umarmen, küssen und  zu betatschen.  Bei jedem zweiten Schritt wurde ich von sternhagelvollen Typen  angerempelt, die – bereits dem Koma nahe- ihre Extremitäten nicht mehr unter Kontrolle hatten und mit stierem Blick brachial durch die Menge stolperten. Getoppt wurden diese Wahrnehmungen dann durch den  ekelerregenden  Gestank von Kot und Urin, der mir an jeder Ecke  mit voller Wucht in die Nase stieg, so dass ich nur unter Aufbringung allergrößter Kraft  verhindern konnte, dass sich mein Mageninhalt  nicht auch noch mit den bereits vorhandenen Exkrementen vereinte. Nein, danke, das habe ich mir in den letzten Jahren erspart.
Eine  Bekannte hat mir deswegen geraten, doch auf die sogenannte „Traditionswies’n“ zu gehen. Da sei es weitaus weniger bevölkert und noch gemütlich, „so wie wir das noch von früher“ kennen. Die Münchner sagen deshalb auch die „oide Wies’n“. Ich solle auch unbedingt in das Bierzelt „ Die Schönheitskönigin“ gehen. Dort wird noch die Tradition des Singens von Wirtshausliedern gepflegt. Dabei können alle mitsingen, weil sich die Melodien und Texte schnell einprägen. Das sei unglaublich lustig und sie hätte schon sehr vergnügliche Nachmittag dort erlebt.
Das probiere ich heute mal aus. Ich beschließe, zu Fuß dorthin zu gehen, das schöne Wetter muss ich nutzen.  Ich nehme den Weg durch den Park, dann bin ich in gut vierzig Minuten auf dem Oktoberfest.  Auf halbem Weg  bemerke ich eine Gruppe Männer, die alle in Lederhosen und rotkarierten Hemden stecken. Da kann einer sagen, was er will, aber bei diesem Anblick geht mir das Herz auf: ein gestandenes Mannsbild in Lederhosen, mit Wadlstrümpfen und Haferlschuhen, das hat was Erotisches! Ich überlege, ob ich einen flotten Spruch loslassen soll, als sie auf meiner Höhe sind.  Es klingelt ein Handy und einer aus der Gruppe geht ran:  „Du, wr sn grode mi’n Bus hia angegommn un gähn nu hin“. Meine gestandnen Männer waren Sachsen! Explosionsartig zerplatzt die aufkeimende Erotik, ich erstarre innerlich zur Salzsäure und meine Nackenhaare stellen sich borstig auf.  Nicht, dass ich irgendetwas gegen Sachsen hätte. Gott bewahre! Wir Bayern sind weltoffen und tolerant, das beweisen wir  schon allein dadurch, dass wir seit Jahrzehnten die sich hier ungefragt niederlassenden Preußen dulden. Aber egal, ob Sachsen, Hamburger, Preußen, Italiener; ein Nichtbayer  in Lederhosen geht gar nicht. Ich persönlich würde sogar so weit gehen, und auch einem Franken das Tragen einer original oberbayerischen Lederhose untersagen. Einzig und allein der wohlgeformte Leib eines Oberbayern verdient das Privileg, eine Lederhose tragen zu dürfen. Der „wohlgeformte Leib“ ist auch klar definiert: dazu zählt ein in Jahren mit Bedacht und konsequent  angefuttertes Bäuchlein ebenso wie der stattliche Ranzen, besser bekannt als Knödelfriedhof. Aber der Anblick eines durchtrainierten, mit viel Verzicht auf ausschweifenden Lebensstil geformte Waschbrettbauch, eines  knackige Hinterteils, strammen Oberschenkeln und stämmigen Waden lässt uns Frauen dahin schmelzen. Einziges Zugeständnis für fremdländische Lederhosen-Träger: er hält seine Goschn, solange er das bayerische Kulturgut mit seinem  wie auch immer gearteten Körper demütigt.
Ich beschleunige meinen Schritt, um diesem Rudel möglichst schnell zu entkommen.
Die Traditionswies’n  liegt in einem abgetrennten Bereich gleich neben dem Oktoberfest und hat separate Eingänge, so dass man sich nicht erst durch den Ansturm der gewöhnlichen  Population  kämpfen muss, die in Überzahl aufs Oktoberfest drängt. Der Eintritt kostet hierfür 3€ und ist gerechtfertigt. Schließlich sind danach die Preise für Fahrgeschäfte und im Bierzelt etwas günstiger als „draußen“. Ich bekomme auch noch ein Bändchen, das mich als berechtigte Person ausweist.
Ich passiere eine Reihe von historischen Festspielorgeln. Eine davon ist sogar in Betrieb und sofort bin ich zurück versetzt in frühere Zeiten. Kinder wie Erwachsene stehen staunend davor und lauschen andächtig den Klängen. Diesem Zauber kann sich keiner entziehen.
Gleich in der Nähe entdecke ich ein Karussell aus den 30er-Jahren. Lachende Gesichter, quietschendes Gelächter wenn die Wägelchen ihre Berg- und Talfahrten beschleunigen. Die Musik kommt auch aus den 30er Jahren.  „Adelheid, du hast am Wochenend nie Zeit…“ Ein paar Meter weiter sehe ich das Marionettentheater und viele erwartungshungrige Kinder freuen sich auf die Vorstellung, die in den nächsten Minuten beginnen soll.
Ich bekomme Hunger und suche das Zelt „Die Schönheitskönigin“.  Eine lange Schlange von Wies’n-Besuchern wälzt sich auf das Zelt zu. Natürlich hat die Sonne auch andere Vergnügungssüchtige auf das Oktoberfest gelockt. Die meisten tragen ein  Dirndl oder  eine Lederhose oder das, was sie dafür halten. Ich bin sehr gut gelaunt, lächle vor mich hin und frage mich, warum gerade die Menschen mit den sichtbar teuersten Klamotten so verkniffen ihre schlechte Laune vor sich her tragen?
Ich betrete das Zelt und sehe auf der Bühne eine Gruppe junger Burschen, die sich gemäß Logo „Wiesnbuam“ nennen und  bayerische Volksmusik, fast in Zimmerlautstärke,  zum Besten geben.  Eine gscheite, laut vernehmbare Blasmusik, den bayerischen Defiliermarsch schmetternd, hätte mir allerdings deutlich mehr Wies’n-feeling  verschafft.  So, wie’s halt früher war…
 Ich finde relativ schnell einen Tisch, an dem sich nur drei Pärchen befinden und die mir erlauben, dass ich mich dazu geselle. Ich grüße freundlich und ernte ein kurzes, sehr knappes Kopfnicken mit unbewegter Miene. Aha, denke ich mir, lustig wird’s wohl eher nicht. Rechts von mir die zwei Paare kommen aus Schwaben, wie ich später erfahre. Das Paar, das mir gegenüber sitzt, ist auch nicht von „da“. Beide tragen blau-weiß-karierte Oberteile. Ihnen kommt ebenfalls kein Laut über die Lippen, sie nippen gelegentlich an ihrem Bier. Auch gut, denke ich und widme mich einem meiner Lieblings- Hobbies:  Leute  beobachten. Der erste Mensch, der gewillt ist, mit mir zu sprechen, ist der Kellner. Der ist aber auch nicht von hier. Das war früher ganz anders! Auf dem Oktoberfest waren die Bedienungen immer Münchner, oder zumindest deutsch. Der Ober heißt „Janosch“, das verrät mir die Wäscheklammer, die er am Revers trägt und die Funktion eines Namensschildes inne hat. Und er versteht wenig Deutsch. Deshalb muss ich meine Bestellung auch drei Mal wiederholen, bis er versteht, dass ich eine Johannisbeer-Schorle, ein halbes Hähnchen und einen Kartoffel-Salat möchte. Sehr bald bekomme ich meine Schorle, die ich sofort bezahlen muss. Janosch weiß aber noch nicht, was die kostet. Ist ja auch logisch. Ich mutmaße, dass achtundneunzig Prozent der Wies'nbesucher eine Mass Bier bestellen. Nach dem Kassieren legt er mir seine Hand auf die Schulter und meint: „‘tschuldigung, Madam! Chähnchen kommt zwei Minuten“. Ich nicke zustimmend. Nach diesen zwei Minuten bringt Janosch den Kartoffelsalat, legt mir erneut seine Hand auf die Schulter und sagt: „‘tschuldigung, Madam! Chähnchen kommt drei Minuten“. Kein Problem, ich habe ja Zeit.
Zwei sitzplatzsuchende Damen fragen mich, ob an unserem Tisch demnächst zwei Plätze frei werden. Auf unserer Bank, die normalerweise für mindestens sechs Personen gedacht ist,  sitzen die zwei schwäbischen Damen und ich. Ich sage: „Wir können doch zusammen rutschen, dann passen Sie beide hier noch dazu“ und bewege mich lächelnd auf die eine Schwäbin zu, die mich mit weit aufgerissenen  Augen anstarrt, ohne sich auch nur einen  Millimeter zu bewegen. Ich sage immer noch  lächelnd: „ Des kriegen wir doch hin?“ Böser Fehler, ganz böser Fehler! Ihre Mundwinkel, die in Merkel-Manier  stark abwärts geneigt sind, vertiefen sich noch mehr, ihren massigen Körper bewegt sie  sehr langsam und bedächtig ca. zwei Zentimeter weiter nach rechts, wo sie auch schnellstens ihr Gesicht hinwendet. In mir breitet sich das vage Gefühl aus, das mir sagt: „Das wird wirklich kein gemütlicher Nachmittag“. Den beiden Neuankömmlingen sagt die Speisekarte offensichtlich nicht zu. Vielleicht war es auch die überbordend gute Laune an unserem Tisch? Jedenfalls verabschieden sie sich nach kurzer Verweildauer. Ich rutsche zurück auf meinen vorherigen Platz. Mit einer blitzartigen Behändigkeit, die man ihr aufgrund ihrer Leibesfülle gar nicht zugetraut hätte,  schiebt sich  der schwäbische XXL-Körper an meine Seite und  wirft mir einen Furcht einflößenden Blick zu, der mir sofort verdeutlicht: „Solang mia do sitzet, hockt sich do koina meah hea, verschdäsd?“
Meinen Kartoffelsalat habe ich längst aufgegessen und die drei Minuten sind auch schon deutlich überschritten. Janosch sehe ich nicht mehr. Da kommt ein anderer Kellner, der „Marek“ heißt. Marek spricht etwas besser Deutsch: „Madam, Sie hawe beställt Chähnchen?“ Ich nicke. Auch er legt seine Hand auf meine Schulter und meint: „ ‚tschuldigung Madam. Chähnchen is färtich. Awa mache ma ganz frische. Awa leida, Madam, dauert noch zähn, fimfzähn Minute. Is schlimm?“ Ist nicht schlimm.  Die blau-weiß-karierten Hemden verlassen uns. Es dauert nicht lange, dann kommt eine einzelne Dame in einem goldgewebten, tief dekolletierten Etwas, das sie sicherlich in der Annahme gekauft hat, dass  es sich dabei um ein  Dirndl handelt und es heute groß ausführt. Mir gefällt es überhaupt nicht, es ist ja noch nicht einmal Landhaus-Stil.  Das würde ich zur Not  durchgehen lassen. Unter einem Dirndl trägt man üblicherweise einen sogenannten Dirndl-BH, der den Zweck erfüllen sollte, einen zumindest ansehnlichen Busen  zu stützen  und noch besser zur Geltung bringt.  Wie ein  Push up. Wenn sich die Trägerin aber bereits deutlich jenseits der fünfzig befindet und der ehemals sicher schöne Busen bereits der  Schwerkraft zum Opfer gefallen ist,  dann tut sich so ein Dirndl-BH halt mit dem pushen sehr schwer und  das Dekolleté stellt eben das einzige zur Schau, was geblieben ist:  runzelige, in Falten gelegte Tatsachen. Das Gesamtpaket mir gegenüber wird noch veredelt durch einen  Kranz aus pinkfarbenen Stoffrosen, der um den Kopf geschlungen ist. Ich kann meinen Blick nicht  von ihr wenden und fühle mich unfähig zu  entscheiden, ob ich diese Erscheinung nun  interessant finden oder mich über diesen Trachten verachtenden Stilbruch aufregen  soll. Sie bestellt sich bei Janosch, der sich offensichtlich wieder aus seinem Versteckt traut, nachdem mir sein Kollege die schlechte Nachricht überbracht hatte, einen halbe Liter Mineralwasser. Der Krug steht kaum vor ihr, da fingert sie aus ihrer Handtasche eine Miniflasche Erdbeer-Limes und leert diese in einem Zug. Bis zum Ende ihres Mineralwassers bringt sie es auf fünf Erdbeer-Limes. Ich bin sprachlos.
Mein Hendl kommt und ich muss auch das gleich bezahlen. Janosch hat Schwierigkeiten, als ich ihm sage, ich zahle ein halbes Hendl und einen Kartoffelsalat.  In ziemlicher Hektik blättert er die Speisekarte viermal von hinten nach vorne. „Find ichch niacht Khardoffelsolod!“  Ich zeige ihm die Stelle in der Speisekarte: im Bayerischen heißt ein Kartoffelsalat eben Erdäpfelsalat. Das weiß jeder Bayer, aber nicht so ein armer eingeflogener Osteuropäer.  Aber das Hähnchen ist wirklich heiß, frisch und sehr saftig.  Ich genieße es. In der Zwischenzeit sind die „Wiesnbuam“ mit ihrem Repertoire am Ende und werden von den drei „Bauernseufzer“, zwei gstanden Burschen und ein Mädl in Übergröße aus der Oberpfalz,  abgelöst.  Sofort haben die drei ihr Publikum in ihren Bann gezogen. Sie kommen gleich mit einem Kracher auf die Bühne und singen in Erinnerung an die unvergessene  Bally Prell die Geschichte von der Salvermoser Zenz, die zur Schönheitskönigin gekürt wurde. Plötzlich erwachen neben mir die Schwaben aus ihrer Erstarrung und singen voller Begeisterung lautstark den Refrain mit: „Ja – ja – jajajajaja“ . Ich sagte doch: die Texte lernt jeder schnell! Den Text von „Wenn i von der Danz hoamgäh“ kennen sie ebenso auswendig wie sämtliche Gstanzl, die dargebracht werden. Mit Abtreten der „Bauernseufzer“ fallen  die Schwaben in sich zusammen  wie Marionetten, wenn man die Schnürl lockert und versinken wieder in Schweigen.
Mir fällt eine kleine Frau am übernächsten Tisch auf. Sie trägt eine überdimensionale Brille und ihre Augen dahinter sind weit aufgerissen. Ihr Mund ist in einer merkwürdigen Stellung fixiert. Man könnte  denken, sie lacht. Aber ihre empfindungslosen  Augen stehen in völligem  Widerspruch zu ihrer Mundstellung. Das verleiht ihrem Gesichtsausdruck etwas Debiles. Sie beobachtet die Menschen in ihrer Umgebung scharf, indem sie ihren Körper  sehr weit nach vorne beugt und sich frontal der beobachteten Person aufmerksam zuwendet, was diese versuchen, zu ignorieren.  Ihre Augen heften sich auf die Lippen ihres Opfers und ihre eigenen Lippen bewegen sich dabei nahezu analog zu dem, was sie sieht. Ihr Mund ist in steter Bewegung: sie spitzt ihn, sie öffnet ihn weit, als ob sie ein lautloses „A“ formt und  sie verzerrt den Mund zu einem gespenstischem Grinsen, dabei bleiben ihre Augen aber immer starr und ausdruckslos auf das Gegenüber gerichtet. Sie ist mir unheimlich. Ich schau schnell weg, sonst träume ich heute Nacht noch davon.
Mein Blick wendet sich nach links, geradewegs in den stieren Blick eines massigen Kerls um die sechzig, dem man sofort ansieht, dass weder heute noch sonst Wasser zu seinem bevorzugten Erfrischungsgetränk zählt. Sein rot-weiß-kariertes Hemd hängt halb aus seiner grauen Cordhose. Er hat einen Ellbogen auf den Tisch gestützt und die Faust trägt die feiste Wange. Dadurch öffnet sich sein  Mund  leicht und über die feuchten Lippen zieht sich ein feiner Speichelfaden abwärts, knapp vorbei an seinem Bierkrug. Die andere Faust umklammert den Henkel desselbigen. Ich betrachte ihn kurz und denke mir: Den würde nicht einmal eine oberbayerische Lederhose aufwerten. Schnell schau ich weg.
Die Dame in Gold ist verschwunden und lässt ihre fünf leeren Erdbeer-Limes-Flaschen eiskalt stehen. Ein Herr um die siebzig in teurer Tracht und mit rot gefärbter Rennfahrer-Brille fragt, ob zwei Plätze frei sind. Ich bejahe und er winkt seinem Begleiter, sich zu uns zu setzen. Der andere ist endlich mal eine manierlich in Lederhose gekleidete Erscheinung,  jünger als der mit der roten Brille, sieht attraktiv aus und beide sprechen zu meiner unsagbaren Erleichterung bayrisch. Bevor ich mir noch Gedanken darüber machen kann, in welchem Verhältnis die beiden zueinander stehen, bestimmt der jüngere den sofortigen Aufbruch, weil er ins Augustiner-Zelt will, da schmeckt das Bier besser. Der Ältere mault in meine Richtung „Des hätta doch glei aa song kenna, oda?“, schließt sich aber an. Schade, denke ich, mit denen wäre es bestimmt  lustig geworden.
Die „Bauernseufzer“ stehen wieder auf der Bühne und meine vier Schwaben richten sich auf. Der nächste Gassenhauer wird angestimmt. Sie versichern uns, dass wir den Refrain sehr schnell lernen werden: ‚“Sagz uns einfach alle nach: Pudlnackert, pudlnackert, ohne Hemd“, fordern sie uns auf, was alle im Zelt, ich eingeschlossen, brav befolgen. Wir werden auch sofort gelobt: „Guad hobz des gmacht und glei fang ma o!“
Zitat Originaltext:
„So stellt Euch vor wir alle: Pudelnackert, pudelnackert ohne Hemd
Sitz‘n hier in diesem Saale, pudelnackert, pudelnackert ohne Hemd“
So. Mir reicht‘s. Auf das restliche literarische Meisterwerk verzichte ich gerne. Ich erhebe mich, verlasse das Zelt und stehe wieder in der strahlenden, warmen Herbstsonne. Ich halte ihr mein Gesicht entgegen und denke: Was für ein schöner Nachmittag! Zufrieden mache ich mich wieder auf den Heimweg.  In meinen Gedanken sitze ich noch auf der Bank im Bierzelt.  Es war nicht wie früher und das ist trotzdem gut so. Aber ob ich nächstes Jahr wieder auf die Wies’n gehe?



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muetzchen
Sonntagsschreiber


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BeitragVerfasst am: 30.09.2018 22:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MasniB,

ich war ja gespannt auf die zweite Geschichte von der Resi, bin aber jetzt ein bisschen irritiert. Ich habe den ganzen Text gelesen und fand ihn in gewisser Hinsicht mit dem ersten vergleichbar: Es wird eine Situation vorgestellt. Diese Situation wird auch durchaus lustig beschrieben. Man lernt amüsante Personen aus oberbayerischer Perspektive kennen.

Allerdings fehlt für mich dabei das Spannungsmoment. Was passiert mit der Resi, dass es mich reizt, an ihrer Seite auf dem Oktoberfest zu bleiben? Irgendeine Geschichte, die sich in dieser Szenerie entwickelt und mein Interesse fesselt. Könntest du da nicht was entwickeln, ein Flirt mit dem - endlich bayerischen - Menschen, auf den sie am Ende trifft (zB er fällt ihr zu Anfang auf und sie müht sich unter verschiedenen Anfechtungen (Chänchen kommt nicht, Feindselige Schwäbinnen...) um seine Aufmerksamkeit, damit er dann am Ende von seinem Kumpel doch ins Augustinerzelt geschleppt wird?

Grüße von Muetzchen
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masniB
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 10:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, mützchen,
ich möchte mich zunächst einmal dem Kommentar auf Deiner Seite anschließen: Du bist auch mir wirklich sympatisch. Und danke für deine Beurteilung zu meiner Oktoberfest-Story. Ich fand es schon beruhigend, dass du es doch auch ein Stück weit amüsant fandest. Ich hatte schon Bedenken, dass es zu bissig rüberkommt, obwohl das nicht im Entferntesten in meiner Absicht stand. Aber ich bin auch nicht so richtig glücklich mit dieser Fassung. Ich vermute mal, dass ich zu sehr auf die political correctness fixiert war und niemanden, bzw. keinem Volksstamm auf die Füße treten wollte. Da ist wohl der Humor verloren gegangen. Ich werde mich nochmal an diese Geschichte heranwagen. Vermutlich wird sie dann doch sehr anders.


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Catalina
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo MasnyB,

Humor hat die Geschichte ganz ungemein! Nur eben keinen Höhepunkt bzw. keinen Spannungsbogen. Sie plätschert einfach so vor sich hin und damit geht viel Wirkung verloren.

Etwas Spannendes als roter Faden durch die Geschichte wäre gut. Das hat Muetzchen sicherlich gemeint mit dem Flirt mit dem Bayern, der dann eben schon ganz zu Anfang gesichtet wird und immer wieder in der Erzählung erscheint. Der Spannungsbogen wäre dann: Kommen sie ins Gespräch? Wird was draus?
Oder der rote Faden ist das Warten auf das Hähnchen. Du bestellst es am Anfang der Geschichte und erzählst den ursprünglichen Anfang als Rückblende, immer wieder gespickt von Kuriositäten um die Bestellung. Der Spannungsbogen ist die Hähnchen-Bestellung: Wird aus ihr am Ende noch was?

Je überraschender dann die Schlusspointe, desto besser.

Ich habe den Text auch so sehr gerne gelesen! Aber da ist noch Potential nach oben... Smile

Viele Grüße
Catalina
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Jacaranda
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

nur noch ganz kurz: Salzsäule, nicht Salzsäure wink
ansonsten schließe ich mich an - flüssig ist es, liest sich gut, aber Spannung fehlt.
Vielleicht ist das auch genau die Stimmung, die du rüberbringen möchtest, immerhin ist ja die Schlussfrage - mache ich das noch mal? Genau die stelle ich mir als Leser aber auch - lese ich das noch mal? äähh... eher nicht (eventuell dieselbe Antwort, die deine Protagonistin sich gibt). Deine Protagonistin ist zu inaktiv, als dass ich mich mit ihr identifizieren möchte - sie ist eben fast reine Beobachterin. Und dafür finde ich den Text zu lang und zu beschreibend, da muss mehr passieren (ist aber natürlich auch ein persönlicher Geschmack von mir - will Action wink)


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masniB
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 15:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, Jacaranca,
waaaaas???? Ich habe den Text sooft gelesen und jedesmal die Salzsäure übersehen? Das ist ja oberpeinlich!
Ich danke dir und mützchen ganz herzlich nicht nur dafür, dass ihr die Geschichte trotz Schwächen bis zu Ende gelesen habt, sondern vor allem für die ausführlichen Kommentare und die Anregungen. Ich werde in mich gehen und werde alles daran setzen, dass euch die zweite Version richtig fesselt. Ich stehe ja noch am Anfang meiner "Schriftsteller-Laufbahn" und merke deutlich,dass ich noch eine Menge lernen muss. Vor allem habe ich festgestellt, dass das zwei grundverschiedene Dinge sind: Eine lustige Geschichte zu erzählen und sie mit Gesten und Mimik zu unterstreichen und die gleiche Wirkung ausschließlich durch das geschriebene Wort zu erzielen.Da liegen Welten dazwischen, darauf war ich wirklich nicht gefasst. Embarassed


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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 15:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jacaranda! Entschuldige bitte, ich wollte deinen Namen nicht verunglimpfen... Crying or Very sad

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Catalina
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

masniB hat Folgendes geschrieben:
Ich danke dir und mützchen ganz herzlich nicht nur dafür, dass ihr die Geschichte trotz Schwächen bis zu Ende gelesen habt, sondern vor allem für die ausführlichen Kommentare und die Anregungen.


Ich fühle mich irgendwie übergangen... wink
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masniB
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 18:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oje, wie komme ich jetzt aus der Nummer wieder raus????? Rolling Eyes
Auch wenn mir das jetzt vielleicht nicht geglaubt wird, aber ich habe Dich, Catalina, mit Jacaranda verwechselt, obwohl der Beitrag von Jacaranda auch sehr nützlich war. Asche auf mein Haupt.
Ojemineojemineojemine.. Crying or Very sad
Ihr seid alle drei zauberhaft! Jetzt ist's aber genug mit der Lobhudelei... Smile


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Catalina
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

masniB hat Folgendes geschrieben:
Ihr seid alle drei zauberhaft! Jetzt ist's aber genug mit der Lobhudelei... Smile


Reicht auch schon. Genau das wollte ich hören! smile
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masniB
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BeitragVerfasst am: 01.10.2018 20:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ich habe eine Frage, vielleicht wißt ihr Bescheid. Vor unseren Beiträgen ist der Button, der anzeigt, ob es eine Neuerscheinung ist. Dann ist das Blatt  in dem Ring rosa coloriert.Mein Ring hat als einziger auf dem Kreis einen roten Punkt. Was bedeutet der?
Vielen Dank für eine Information.


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masniB
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BeitragVerfasst am: 02.10.2018 15:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

.. jetzt issa wech, der rote Punkt. Und ich weiß immer noch nicht, warum er da war und noch  viel rätselhafter ist für mich, warum er jetzt wech ist. Confused

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BeitragVerfasst am: 04.10.2018 12:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hier ist meine geänderte, neue Version. Ich freue mich auf Eure Kommentare!

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masniB
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BeitragVerfasst am: 04.10.2018 12:39    Titel: Die Resi geht auf das Oktoberfest pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es ist wirklich nochmal ein schöner, warmer Altweiber-Sommertag. Genauso, wie ihn uns der Wetterbericht versprochen hat. Ich beschließe, nach zehn Jahren Abstinenz doch wieder einmal auf das Münchner Oktoberfest zu gehen. Die Erinnerungen an meinen letzten Wies’nbesuch waren Grund genug, fortan einen großen Bogen um dieses Spektakel zu machen.  An den Wiesenhängen rund um die Bavaria lagen Bierleichen, die ihren Vollrausch ausschliefen, teilweise noch in ihrem eigenen Erbrochenen liegend, weil sie es einen Meter weiter nicht mehr geschafft haben, um sich  wenigstens auf einem sauberen Fleckchen Erde  nieder zu lassen. Horden von grölenden  Australiern, Schweden oder dergleichen fanden es unglaublich witzig, jedes weibliche Wesen – unabhängig von Alter und Aussehen- zu umarmen, küssen und  zu betatschen.  Bei jedem zweiten Schritt wurde ich von sternhagelvollen Typen  angerempelt, die – bereits dem Koma nahe- ihre Extremitäten nicht mehr unter Kontrolle hatten und mit stierem Blick brachial durch die Menge stolperten. Getoppt wurden diese Wahrnehmungen dann durch den ekelerregenden  Gestank von Kot und Urin, der mir an jeder Ecke mit voller Wucht in die Nase stieg, so dass ich nur unter Aufbringung allergrößter Kraft verhindern konnte, dass sich mein Mageninhalt nicht auch noch mit den bereits vorhandenen Exkrementen vereinte. Nein, danke, das habe ich mir in den letzten Jahren erspart.
Eine  Freundin hat mir deswegen geraten, doch auf die sogenannte „Traditionswies’n“ zu gehen. Da sei es weitaus weniger bevölkert und noch gemütlich, „so wie wir das noch von früher“ kennen. Die Münchner sagen deshalb auch die „oide Wies’n“. Ich solle auch unbedingt in das Bierzelt „ Die Schönheitskönigin“ aufsuchen. Dort wird noch die Tradition des Singens von Wirtshausliedern gepflegt. Dabei können alle mitsingen, weil sich die Melodien und Texte schnell einprägen. Das sei unglaublich lustig und sie hätte schon sehr vergnügliche Nachmittage dort erlebt.
Das probiere ich heute mal aus. Ich beschließe, zu Fuß dorthin zu gehen, das schöne Wetter muss ich nutzen.  Ich nehme den Weg durch den Park und bin in gut vierzig Minuten auf dem Oktoberfest.  Auf halbem Weg  bemerke ich eine Gruppe Männer, die alle in Lederhosen und rotkarierten Hemden stecken. Da kann einer sagen, was er will, aber der Anblick eines gestandnen Mannsbildes in Lederhosen, Wadlstrümpfen und Haferlschuhen, das hat was Erotisches! Ich überlege, ob ich einen flotten Spruch loslassen soll? Der große Vorteil wenn man siebzig ist: man kann ungeniert flirten und keiner nimmt es persönlich, weil man sich der öffentlichen Meinung nach sowieso bereits jenseits von Gut und Böse befindet. Obendrein bin ich heute so gut gelaunt und will Spaß haben. Es klingelt ein Handy und einer aus der Gruppe geht ran:  „Du, wr sn grode mi’n Bus hia angegommn un gähn nu hin“. Meine gestandnen Männer waren Sachsen! Die ganze Erotik – da war sie unwiederbringlich dahin! Nicht, dass ich irgendetwas gegen Sachsen hätte. Gott bewahre! Wir Bayern sind weltoffen und tolerant, das beweisen wir  schon allein dadurch, dass wir seit Jahrzehnten die sich hier ungefragt niederlassenden Preußen dulden. Aber ein Sachse in Lederhosen geht gar nicht! Im Grunde genommen gehen auch Hamburger, Italiener, Japaner in Lederhosen gar nicht. Ich will es noch drastischer ausdrücken: Keinem „Nichtoberbayern“ gestatte ich, in eine Lederhose einzusteigen und lege hiermit auch klar, dass es weder ein Franke, noch ein Oberpfälzer oder irgendein anderer Angehöriger ähnlicher Volksstämme, die sich als Bayern zugehörig betrachten, je wagen sollte, mir in einer Krachledernen vor die Augen zu treten! Einzig und allein dem wohlgeformten Leib eines Oberbayern ist das Privileg vorbehalten, sich in diesem bayerischen Kulturgut der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der „wohlgeformte Leib“ ist auch klar definiert: dazu zählt ein über Jahren hinweg angefuttertes Bäuchlein ebenso wie der stattliche Ranzen, der besser als Knödelfriedhof bekannt geworden ist. Aber ehrlich, sehe ich so einen jungen, feschen Burschen in seiner Lederhose, dann nimmt meine Fantasie hemmungslos volle Fahrt auf: da entstehen Bilder in meinem Kopf eines wohlgeformten knackigen Popos übergehend in stramme Oberschenkel und in stämmige Waden auslaufend. Da wirste auch mit siebzig noch flatterig, das kann ich euch versprechen! Aber zurück zum Ernst des Themas: Den einzigen Kompromiss, den ich einem fremdländischen Lederhosen-Träger zugestehen würde: er muss seinen Mund halten, solange er unser einheimisches Trachtengwand mit seinem wie auch immer gearteten Körper demütigt.
Ich beschleunige meinen Schritt, um diesem Rudel möglichst schnell zu entkommen.
Die Traditionswies’n  liegt in einem abgetrennten Bereich gleich neben dem Oktoberfest und hat separate Eingänge, so dass man sich nicht erst durch den Ansturm der gewöhnlichen  Population  kämpfen muss, die in Überzahl aufs Oktoberfest drängt. Der Eintritt kostet hierfür 3€ und ist gerechtfertigt. Schließlich sind danach die Preise für Fahrgeschäfte und im Bierzelt etwas günstiger als „draußen“. Ich bekomme auch noch ein Bändchen ums Handgelenk gebunden, das mich als berechtigte Person ausweist.
Ich passiere zunächst eine Reihe von historischen Festspielorgeln. Eine davon ist sogar in Betrieb und  der Klang der Orgelmusik  versetzt mich schlagartig wieder zurück in meine Kindheit. Sowohl  die Kinder von heute wie auch die Erwachsene stehen staunend davor und lauschen andächtig den Melodien. Diesem Zauber kann sich keiner entziehen.
Gleich in der Nähe entdecke ich ein Karussell aus den 30er-Jahren. Lachende Gesichter, quietschendes Gelächter wenn die Wägelchen ihre Berg- und Talfahrten beschleunigen. Die Musik kommt auch aus den 30er Jahren.  „Adelheid, du hast am Wochenend nie Zeit…“ Ich stelle mich seitlich und beobachte das fröhliche Treiben amüsiert. Der Schlagertext peinigt meine Gehörgänge ordentlich und ich schüttle lächelnd den Kopf. Da spricht mich jemand von der rechten Seite an: „It’s funny, isn’t it?“
Ich drehe mich um und sehe einen Mann um die sechzig mit kurzgeschnittenem grauen Haar. Ja, ich würde ihn sogar als attraktiv bezeichnen, wäre da nicht…. Jawoll: mir springt eine lange, kunstlederne kackbraune Hose, auch noch mit Latz, auf der ein mit Glitzer gesäumter Hirschkopf prangt, ins Gesicht. Unter dem royalblauen Janker trägt er ein Hemd, kleinkariert in weiß-blau. Der Anblick trifft mich mit so einer Heftigkeit, dass die strahlendblauen Augen des Mannes keine Chance mehr haben, zu mir durchzudringen. Meine Augenlider fangen an zu flattern, nicht wegen der Augen, sondern aus Fassungslosigkeit ob dieses völlig geschmacksbefreiten Aufzugs und trotzdem erkenne ich noch, dass er zu allem Überfluss auch noch royalblaue Wadlstrümpfe zu seinen braunen Haferlschuhen trägt. „Mehr Fasching geht nicht“ denke ich und versuche, mir mein Grauen nicht anmerken zu lassen. Tapfer lächle ich zurück und mich überkommt tatsächlich eine Welle des Mitleids. Bestimmt hat ihm ein alteingesessenes Münchner Trachtengeschäft seine Ladenhüter, die vermutlich sei mindestens zehn Jahren im hintersten Fach im Dauerschlaf verbrachten, überteuert angedreht. Seinem entwaffnenden Lächeln wiederum war deutlich anzusehen: er findet sich fesch. Ich erwidere gezwungenermaßen:
 „Yes, very funny“
Mein Englisch ist nicht besonders gut und es fällt mir nichts Weiteres mehr ein, das ich anstandshalber noch hinzufügen könnte. So stehen wir eine Weile schweigend nebeneinander. Weggehen trau ich mich jetzt auch nicht mehr, das wäre doch unhöflich, oder? Dann fragt er mich: „You are from Munich?“
 und taxiert mich, ich würde sagen etwas bedauernd, wie ich da stehe mit meiner Jeans und meiner hellblauen Hemdbluse, im Gegensatz zu ihm also dramatisch underdressed. Fast ist es mir peinlich.
 “Yes“.
Wieder entsteht eine Pause.
 „And you? Where do you come from?“ frage ich zurück. Den Satz habe ich mir in den letzten fünf Minuten mühsam zusammen gepfriemelt.
 „Oh, I‘m from Essex“ sagte er.
 „Ah, interesting“, murmle ich.
Ich finde, damit ist dem Smalltalk Genüge getan und verabschiede mich mit einem
 „Good bye! I meet friends now“.
Ich entferne mich möglichst schnell, damit er nicht auf die Idee kommt, mich noch länger in ein Gespräch verwickeln zu wollen.
Ein paar Meter weiter passiere ich das Marionettentheater und viele erwartungshungrige Kinder freuen sich auf die Vorstellung, die in den nächsten Minuten beginnen soll.
Ich bekomme Hunger, mache kehrt und suche das Zelt „Die Schönheitskönigin“.  Eine lange Schlange von Wies’n-Besuchern haben offensichtlich das gleiche Ziel. Natürlich hat die Sonne auch andere Vergnügungssüchtige auf das Oktoberfest gelockt. Die meisten tragen ein Dirndl oder  eine Lederhose oder das, was sie dafür halten. Ich bin immer noch sehr gut gelaunt, lächle vor mich hin und freue mich auf einen lustigen Nachmittag mit netten Bekanntschaften. Ich sehe viele Besucher in wirklich teuren und ausgefallenen Outfits und  frage mich, warum gerade sie so verkniffen ihre schlechte Laune vor sich her tragen? Es scheint eine große Last zu sein, wenn man in München alles mitmachen muss, was gerade „in“ ist. Oktoberfest ist zweifellos „in“ und das Tragen einer Tracht ist  Pflicht – sofern es wenigstens eine Tracht wäre, was die meisten sich in den einschlägigen Trachtengeschäften für eintausend Euro und mehr andrehen lassen!
Als ich mich in der Menschentraube Richtung Zelteingang schieben lasse, sehe ich von der anderen Seite den Engländer direkt auf mich zukommen. Schnell gehe ich in die Knie in der Hoffnung, er hat mich nicht gesehen. Ich bin zwar heute jedem Flirt gegenüber aufgeschlossen, aber nicht auf Englisch und auch nicht in royalblau. Ich betrete das Zelt und sehe auf der Bühne eine Gruppe junger Burschen, die sich gemäß Logo „Wiesnbuam“ nennen und  bayerische Volksmusik, fast in Zimmerlautstärke, zum Besten geben. Mein erster Gedanke war: „langweilig“ und  erinnere mich: “Mei, war das schön, früher, als in allen Zelten eine mindestens zehnköpfige Blaskapelle ihre Märsche scheppernd in die Meute bliesen. Man hat zwar kein Wort mehr verstanden, aber zünftig war’s!
 Ich finde relativ schnell einen Tisch, an dem sich nur drei Pärchen befinden und die mir erlauben, dass ich mich dazu geselle. Ich grüße freundlich und ernte ein kurzes, sehr knappes Kopfnicken mit unbewegter Miene. „Aha,“ denke ich mir,“ lustig wird’s wohl eher nicht“. Rechts von mir die zwei Paare kommen aus Schwaben, wie ich später erfahre. Das Paar, dem ich gegenüber sitze, ist auch nicht von „da“. Beide tragen blau-weiß-karierte Oberteile. Die Farbe blau scheint mich heute in sämtlichen Nuancen zu verfolgen. Den beiden kommt ebenfalls kein Laut über die Lippen,  sie bewegen sich nur, wenn sie gelegentlich an ihrem Bier nippen. „Auch gut“, denke ich und widme mich einem meiner Lieblings- Hobbies: Leute  beobachten. Der erste Mensch, der gewillt ist, mit mir zu sprechen, ist der Kellner. Der ist aber auch nicht von hier. Auch das war früher ganz anders! Auf dem Oktoberfest waren die Bedienungen immer Münchner, oder zumindest deutsch. Der Ober heißt „Janosch“, das verrät mir die Wäscheklammer, die er am Revers trägt und die Funktion eines Namensschildes inne hat. Und er versteht wenig Deutsch. Deshalb muss ich meine Bestellung auch drei Mal wiederholen, bis er versteht, dass ich eine Johannisbeer-Schorle, ein halbes Hähnchen und einen Kartoffel-Salat möchte. Sehr bald bringt mir Janosch die Schorle, die ich sofort bezahlen muss. Nach dem Kassieren legt er mir seine Hand auf die Schulter und meint:
 „‘tschuldigung, Madam! Chähnchen kommt zwei Minuten“.
Ich winke ab und beruhige ihn:
 „Das ist schon in Ordnung!“
Nach diesen zwei Minuten bringt Janosch den Kartoffelsalat, legt mir erneut seine Hand auf die Schulter und sagt:
 „‘tschuldigung, Madam! Chähnchen kommt drei Minuten“.
 „Ist gut“, ich habe heute gute Laune, da warte ich gerne.
Zwei sitzplatzsuchende Damen fragen mich, ob an unserem Tisch demnächst zwei Plätze frei werden. Auf unserer Bank, die normalerweise für mindestens sechs Personen gedacht ist,  sitzen die zwei schwäbischen Damen und ich. Ich sage:
„Wir können doch zusammen rutschen, dann passen Sie beide hier noch dazu“ und bewege mich lächelnd auf die eine Schwäbin zu, die mich mit weit aufgerissenen  Augen anstarrt, ohne sich auch nur einen  Millimeter zu bewegen. Ich sage immer noch  lächelnd:
 „ Des kriegen wir doch hin?“
 Böser Fehler, ganz böser Fehler! Ihre Mundwinkel, die in Merkel-Manier  stark abwärts geneigt sind, sinken weitere Millimeter nach unten, ihren massigen Körper bewegt sie  sehr langsam und bedächtig ca. zwei Zentimeter weiter nach rechts, wo sie auch schnellstens ihr Gesicht hinwendet. In mir breitet sich ein vages Gefühl aus, das mir sagt: „Das wird wirklich kein gemütlicher Nachmittag“. Den beiden Neuankömmlingen sagt die Speisekarte offensichtlich nicht zu. Vielleicht verscheucht sie aber auch die überbordend gute Laune an unserem Tisch? Jedenfalls verabschieden sie sich nach kurzer Verweildauer. Ich rutsche zurück auf meinen vorherigen Platz. Mit einer blitzartigen Behändigkeit, die man ihr aufgrund ihrer Leibesfülle gar nicht zugetraut hätte,  schiebt sich der schwäbische XXL-Körper an meine Seite und  wirft mir einen Furcht einflößenden Blick zu, der mir sofort verdeutlicht: „Solang mia do sitzet, hockt sich do koina meah hea, verschdäsd?“ Mir wird langsam bange, mit der will ich keinen Ärger.
Meinen Kartoffelsalat habe ich längst aufgegessen und die drei Minuten sind auch schon deutlich überschritten. Janosch sehe ich nicht mehr. Mein Blick macht die Runde: mal sehen, ob sich da nicht ein Flirt-Objekt im näheren Umkreis befindet? Meine Augen wandern über die Tische:  nein, da ist nichts Gescheites dabei. Ich nehme den Eingang ins Visier und für einen Moment stockt mein Atem: dort steht, an die Holzbegrenzung gelehnt, der Engländer! Ich nehme es zumindest an, denn ohne Brille sehe ich schlecht in die Ferne, aber ich bezweifle sehr stark, dass auf dem ganzen Oktoberfest ein zweites royalblaues Jacket herumläuft.
Ich werde abgelenkt, weil  mich ein Kellner, dieses Mal ein anderer, anspricht. Dieser heißt „Marek“ und fragt mich:
 „Madam, Sie hawe beställt Chähnchen?“
Ich nicke. Auch er legt seine Hand auf meine Schulter (haben die alle erst ein Deeskalationstraining durchlaufen müssen, bevor man sie in den Service entließ?) und meint:
 „ ‚tschuldigung Madam. Chähnchen is färtich. Awa mache ma ganz frische. Awa leida, Madam, dauert noch zähn, fimfzähn Minute. Is schlimm?“
 „Nein, das ist überhaupt nicht schlimm“ beruhige ich ihn und wende mein Gesicht zu ihm, damit mich der Mann aus Essex, selbst wenn er mich sähe, an meinem Hinterkopf todsicher nicht erkennen kann.
Die blau-weiß-karierten Hemden verlassen uns. Das ist die Gelegenheit! Mit einem Schwung rette ich mich auf die andere Seite des Tisches, und sitze nun blickdicht mit dem Rücken zum Eingang. Yes! Der englischen Gefahr bin ich entronnen. Die zwei Schwäbinnen sehen mich so strafend an, dass ich erschrocken denke: „die glauben doch jetzt hoffentlich nicht, ich hätte es auf ihre zwei scheintoten Lätschnbene abgesehen?“ (Da komme ich jetzt um eine Übersetzung nicht herum: ein “Lätschnbene“ ist ein absolut langweiliges Mannsbild, meist auch noch unattraktiv, in meinem Fall aber definitiv selbiges)
Es dauert nicht lange, dann kommt eine einzelne, nicht mehr ganz junge Dame und fragt mich, ob der Platz neben den beiden schwäbischen Grazien noch frei ist, was ich mit großer innerer Zufriedenheit bejahe. Sie trägt ein goldgewebtes, tief dekolletiertes Etwas, das sie sicherlich in der Annahme gekauft hat, dass  es sich dabei um ein  Dirndl handelt und es heute groß ausführt. Die zwei Schwäbinnen werden nervös:  da die neue Tischdame ihren Kavalieren gegenüber sitzt, haben diese nicht die geringste Chance, dieses  Dekolleté zu ignorieren, selbst wenn sie wollten. Das haben sie aber offensichtlich nicht im Sinn, was wiederum ihren Holden sichtbar missfällt. Die Dirndl-Dame ist sich augenscheinlich nicht bewusst, welches Spannungspotential sie mit ihrer Anwesenheit an den Tisch gebracht hat, denn sie schaut sich arglos in der Runde um und nickt ihren Nachbarinnen freundlich zu.  In Gedanken rufe ich ihr zu „Tu’s nicht, tu es nicht!“ – zu spät! Sie lächelt bereits. Der Doppelzentner Schwabenland an ihrer Seite betrachtet sie regungslos, während ihr vernichtender Blick langsam von den Augen abwärts auf den schlappen Brustansatz  gleitet, sich dort aber nicht aufhält, sondern sich schnellstens, begleitet von einem unübersehbaren Kopfschütteln, zu ihrer Freundin  rettet. Ich fange endlich an, mich köstlich zu amüsieren.
Zurück zum Dirndl: Unter einem Dirndl trägt man üblicherweise einen sogenannten Dirndl-BH, der den Zweck erfüllen sollte, einen zumindest ansehnlichen Busen  zu stützen  und noch besser zur Geltung bringt.  Wie ein  Push up. Wenn sich die Trägerin aber bereits deutlich jenseits der fünfzig befindet und der ehemals sicher schöne Busen bereits der  Schwerkraft zum Opfer gefallen ist, dann tut sich so ein Dirndl-BH halt mit dem pushen sehr schwer und  das Dekolleté stellt eben das einzige zur Schau, was geblieben ist: runzelige, in Falten gelegte Tatsachen. Das Gesamtpaket mir gegenüber wird noch veredelt durch einen  Kranz aus pinkfarbenen Stoffrosen, der um den Kopf geschlungen ist. Ich finde es schau-der-haft! Sie bestellt sich bei Janosch, der sich offensichtlich wieder aus seinem Versteckt traut, nachdem mir sein Kollege die schlechte Nachricht bereits überbracht hatte, einen halben Liter Mineralwasser. Der Krug steht kaum vor ihr, da fingert sie aus ihrer Handtasche eine Miniflasche Erdbeer-Limes und leert diese in einem Zug.
Endlich kommt mein „Chähnchen“: Es ist heiß, ich kann es mit den Fingern gar nicht auseinander teilen und mühe mich mit Messer und Gabel ab. Was für ein Stilbruch! Eine Jeans tragende, Johannisbeer-Schorle schlürfende, Hendl mit Besteck essende Einheimische auf der Original „oidn Wies’n“. Normalerweise sollte man so jemand des Zeltes verweisen.  Das Hendl ist würzig, fleischig, sehr saftig und verbreitet einen appetitanregenden Duft im Umkreis von mindestens fünf Metern.  Es ist wie von Marek versprochen wirklich frisch und die Haut ist  knusprig.  Ich verspeise  es mit großem Genuss. Bald kann ich es auch mit den Händen essen und jeden Knochen sauber abfieseln. Meine Lippen, Wangen und nicht zuletzt meine Finger glänzen von dem Fleischsaft und dem Bratfett. Ich warte auf Marek und bitte ihn um ein Erfrischungstuch zum Säubern. Er sieht mich verständnislos an. Ich deute auf meine Finger und sage:
 „sind schmutzig, ich will die sauber machen“.
Er versteht mich immer noch nicht. Zur Verdeutlichung reibe ich meine Handflächen aneinander und sage, etwas lauter: „sauber machen“. Er sieht mich noch einen Augenblick an und überlegt. Dann erhellt sich seine Miene und er meint:
 „Och jo! WähCä do hintän in Ecke!“ und zeigt mit dem Finger auf den Toilettenausgang, sichtlich erfreut, mir helfen zu können. Ich gebe es auf. Ich danke ihm trotzdem freundlich, bitte die Dame in Gold, mir meinen Platz frei zu halten und suche mir einen Weg zur Toilette. Als ich die Toilette verlasse, sehe ich zu meiner großen Bestürzung den Herrn aus Essex in blau in meine Richtung kommen. Ich kann in der Kürze der Zeit nirgendwohin verschwinden, ohne dass es peinlich wäre. Als er meiner ansichtig wird, gleitet ein erfreutes Lächeln über sein Gesicht, kein Zweifel: er hat mich erkannt. Ich bin begeistert! Pffh. Seine Bäckchen sind gerötet und sein blaues Augenpaar blickt nicht mehr ganz parallel. Er kommt auf mich zu und breitet seine Arme auseinander
 „ou, my dear, it’s so marvelous to see you again!“
und schon liege ich in seinen Armen. Ich mag das nicht! Außerdem: Mawe-was? Ich mache gute Miene zum englischen Spiel und hake mich ihm unter, immer noch besser als umarmen. So schwanken wir, also er schwankt und zieht mich mit, den Gang entlang und an der Abzweigung zu meinem Tisch will ich alleine weiter und löse mich aus seinem Arm. Aber er folgt mir mit treuherzigem Blick und als ich mich, bei meiner Tischgesellschaft angekommen, auf meinen Platz setze, bleibt er unschlüssig davor stehen.  Ich deute auf unseren Tisch und bedaure:
 „you see, no place“.  
Die Dame in Gold  glaubt, die Situation zu erfassen und mir helfen zu müssen. Sie nimmt Schwung in Richtung der Schwäbin auf, bevor diese weiß, wie ihr geschieht. Sie wird von der zierlichen Dirndlträgerin, die höchstens ein Drittel des Lebendgewichtes der Schwäbin auf die Waage bringt, mit solcher Wucht getroffen, dass sie ohne eigenes Zutun mindestens einen halben Meter zur Seite geschleudert wird. Sie sieht mich entgeistert an.
 „Da, setzen Sie sich her zu mir“
fordert Goldmarie den Engländer auf, der mit verwundertem Blick die Szenerie verfolgt hat. Er versteht die Geste und setzt sich mit einem „Great, thank you“ neben sie. Obwohl er nicht mehr ganz nüchtern ist und bestimmt schon einen Knick in der Pupille hat, in das Dekolleté versenkt er seinen Blick sofort! Geht’s noch? Er zieht seinen royalblauen Janker aus und legt ihn neben sich auf die Bank. Da er mir gegenüber sitzt, komme ich endlich in den Genuss, mir seine wirklich schönen stahlblauen Augen zu betrachten. Ohne diese hässliche Jacke, die mich nun nicht mehr ablenkt, sehe ich erst, wie gut der Mann aussieht!  Diese  tollen Augen, die grauen Haare und der leicht gebräunte Teint: Wow, ein Traummann! Es tut mir im Nachhinein unfassbar leid, dass ich mich so von seinem geschmacklosen Outfit beeinflussen habe lassen. Um wievieles lustiger  und vielleicht sogar romantischer wäre der Nachmittag in seiner Gesellschaft verlaufen? Ich entschließe mich, das sofort zu ändern, um wenigstens für den Rest des Nachmittags auf meine Kosten zu kommen. Marek kommt und „Jonathan“, so stellt er sich uns vor, bestellt sich eine Mass Bier. Schon nach kurzer Zeit steht das Bier auf dem Tisch und unwirsch verfolge ich, dass Jonathan zuerst mit Gisela – so heißt die Dame in Gold – anstößt und danach erst mit mir. Mir wird langsam klar, dass ich tätig werden muss, bevor die ihn mir noch weg schnappt!
 In der Zwischenzeit sind die „Wiesnbuam“ mit ihrem Repertoire am Ende und werden von den drei „Bauernseufzer“, zwei gstanden Burschen und ein Mädl in Übergröße aus der Oberpfalz, abgelöst. Sofort  haben die drei ihr Publikum in ihren Bann gezogen. Sie kommen gleich mit einem Kracher auf die Bühne und singen in Erinnerung an die unvergessene; Münchner Volkssängerin  Bally Prell die Geschichte von der Salvermoser Zenz, die zur Schönheitskönigin gekürt wurde. Plötzlich erwachen die Schwaben aus ihrer Erstarrung und singen voller Begeisterung lautstark den Refrain mit: „Ja – ja – jajajajaja“ . Ich sagte doch: die Texte lernt jeder schnell! Sogar Jonathan stimmt in das Ja-ja- ein und ich bemerke mit großer Erbitterung, dass er dabei unentwegt in den Ausschnitt von Gisela glotzt, die das mit einem lasziven Blick auch noch belohnt, die affektierte Gans! Gift und Galle könnte ich ihr in ihren Limes spucken!
-Sag mal, spinnt die? Wer, bitte schön, hat sich denn den Typen an Land gezogen?
Meine gute Laune bekommt tiefe Risse.
Ich beginne auch, sehr laut in das „Ja-ja-jajajajaja“mit einzustimmen. Es sollen nur alle hören, dass ich mich hervorragend amüsiere! Aber so was von.
Nach fünf weiteren Liedern, treten die „Bauernseufzer“ von der Bühne ab und die Schwaben fallen wieder in sich zusammen  wie Marionetten, wenn man die Schnürl lockert. Für die nächste halbe Stunde versinken sie wieder in Schweigen.
Zwischen Jonathan und Gisela passt inzwischen kein Blatt mehr. Er gibt sich dem „delicious bavarian beer“ hin und sie zieht einen Erdbeer-Limes nach dem anderen aus ihrer Tasche. Ich kann es nicht fassen, dass selbst so ein hutzeliges, plissiertes Dekolleté, das jeden verrunzelten und ausgetrockneten Lederapfel in den Schatten stellt, bei den Kerlen das Hirn in einer so abartigen Geschwindigkeit zum Aussetzen bringt? Noch vor einer Viertelstunde war ich sein „dear“ und jetzt finde ich gar nicht mehr statt! Na warte! Ich beuge mich soweit über den Tisch, dass mein Kopf fast auf der Platte zum Aufliegen kommt und öffne darunter eiligst die obersten zwei Knöpfe meiner Bluse. Bitte, wenn es das ist, was du willst, damit kann ich auch dienen! Ich richte mich wieder auf, und werfe schnell einen Blick in mein Dekolleté. Was die Falten angeht, kann ich durchaus mithalten. Ich nehme mein Glas in die Hand, die Schorle hat mittlerweile schon Zimmertemperatur angenommen, und will mit Jonathan und Gisela anstoßen. Dabei beuge ich mich so weit vor, dass jedem Mann mit einem noch so geringen Testosteron-Anteil die Augen aus dem Kopf gefallen wären. Ich habe aber in Jonathans Welt schon keinen Platz mehr. Die „Tschisela“ (mein Gott, ist der Mann doof) spricht fließend Englisch. Das ist für so ein primitives, weil besoffenes, Gehirn natürlich viel weniger anstrengender, als sich mit so einem Dotschn (Landei)wie mir abzumühen. Mein Zorn steigert sich ins Unermessliche. Seinen Maßkrug, den ich ihm am liebsten auf seinem bierseligen Schädel zertrümmert hätte, hat er kaum zur Hälfte ausgetrunken, da brechen die beiden auf. Gisela hinterlässt eine stattliche Batterie von fünf leeren Erdbeer-Limes-Flaschen. Ich koche vor Wut.
 „Ja, hau doch ab, mit dera Flitschn, mit dera aufbrezelten. Des greisliche Dirndl hods  wahrscheinlich von der Kleiderkammer und des Kranzl gibt’s beim Karstadt für drei Euro neinaneinzge (3,99€). Schleich dich nur, du Saupreiß, du englischer! Net gschenkt, möchte i di!“
denke ich bei mir. Naja, ganz stimmt das jetzt auch nicht, ich hätte ihn schon noch genommen, wenn er woll’n hätte, schon allein wegen der Augen…
Eigentlich habe ich die Schnauze voll und will diesen Ort der Niederlage so schnell wie möglich verlassen. Aber ich habe noch immer Schorle über. Sehr verdrossen gleitet mein Blick durch das Zelt. Mir fällt eine kleine Frau am übernächsten Tisch auf. Sie trägt eine überdimensionale Brille und ihre Augen dahinter sind weit aufgerissen. Ihr Mund ist in einer merkwürdigen Stellung fixiert. Man könnte  denken, sie lacht. Aber ihre empfindungslosen  Augen stehen in völligem  Widerspruch zu ihrer Mundstellung. Das verleiht ihrem Gesichtsausdruck etwas Debiles. Sie beobachtet die Menschen in ihrer Umgebung scharf, indem sie ihren Körper  sehr weit nach vorne beugt und sich frontal der beobachteten Person aufmerksam zuwendet, was diese versuchen, zu ignorieren.  Ihre Augen heften sich auf die Lippen ihres Opfers und ihre eigenen Lippen bewegen sich dabei nahezu analog zu dem, was sie sieht. Ihr Mund ist in steter Bewegung: sie spitzt ihn, sie öffnet ihn weit, als ob sie ein lautloses „A“ formt und  sie verzerrt den Mund zu einem gespenstischem Grinsen, dabei bleiben ihre Augen aber immer starr und ausdruckslos auf das Gegenüber gerichtet. Sie ist mir unheimlich. Ich schau schnell weg, sonst träume ich heute Nacht noch davon.
Mein Blick wendet sich nach links, geradewegs in den stieren Blick eines massigen Kerls um die sechzig, dem man sofort ansieht, dass weder heute noch sonst Wasser zu seinem bevorzugten Erfrischungsgetränk zählt. Sein rot-weiß-kariertes Hemd hängt halb aus seiner grauen Cordhose. Er hat einen Ellbogen auf den Tisch gestützt und die Faust trägt die feiste Wange. Dadurch öffnet sich sein  Mund  leicht und über die feuchten Lippen zieht sich ein feiner Speichelfaden abwärts, der den Bierkrug nur knapp verfehlt. Die andere Faust umklammert den Henkel desselbigen. Ich betrachte ihn kurz und denke mir: Dich würde nicht einmal eine oberbayerische Lederhose aufwerten. Schnell schau ich weg.
 Ein Herr um die siebzig in teurer Tracht und mit rot gefärbter Rennfahrer-Brille fragt, ob zwei Plätze frei sind. Ich bejahe erfreut und er winkt seinem Begleiter, sich zu uns zu setzen. Der andere ist endlich mal eine manierlich in Lederhose gekleidete Erscheinung,  jünger als der mit der roten Brille, sieht attraktiv aus und beide sprechen zu meiner unsagbaren Erleichterung bayrisch. Ich frohlocke innerlich und bereite mich darauf vor, mit beiden einen vergnüglichen Nachmittag zu verbringen und den schwäbischen Spaßbremsen zu demonstrieren, was wir Münchner unter Gaudi verstehen.  Meine Laune bessert sich schlagartig bei der Aussicht auf lustige Plänkeleien. Bevor ich mir noch Gedanken darüber machen kann, in welchem Verhältnis die beiden zueinander stehen, bestimmt der jüngere den sofortigen Aufbruch, weil er ins Augustiner-Zelt will, da schmeckt das Bier besser. Ich denke mir noch wenig salonfähig, weil erzgrantig: „was is jetzt des? Haben s‘ dem  ins Hirn gschissn?“ da mault der Ältere schon in meine Richtung
„Des hätta doch glei aa song kenna, oda?“,
schließt sich aber an. Da hocke ich wieder, mutterseelenalleine, tief enttäuscht und unbespaßt. Also, das ist wirklich nicht mein Tag heute, ziehe ich das klägliche Resumee.
Die „Bauernseufzer“ stehen wieder auf der Bühne und meine vier Schwaben richten sich voller Tatendrang für weitere Gesänge auf. Der nächste Gassenhauer wird angestimmt. Die oberpfälzische Sängerin versichert uns, dass wir den Refrain sehr schnell lernen werden: ‚“Sagz mir einfach alle nach: Pudlnackert, pudlnackert, ohne Hemd! Mehr brauchts net lerna“, fordert sie uns auf, was alle im Zelt, ich eingeschlossen, brav befolgen. Wir werden auch sofort gelobt: „Guad hobz des gmacht und glei fang ma o!“
Zitat Originaltext:
„So stellt Euch vor wir alle: Pudelnackert, pudelnackert ohne Hemd
Sitz‘n hier in diesem Saale, pudelnackert, pudelnackert ohne Hemd“
Dieser hirnlose Text und die Tatsache, dass sich  weit und breit kein Flirt-Objekt zeigt, gebieten mir sofortigen Aufbruch.  Auf das restliche literarische Meisterwerk verzichte ich gerne. Ich erhebe mich, verlasse das Zelt und stehe wieder in der strahlenden, warmen Herbstsonne.  Ich schlendere in Richtung Ausgang, vorbei an der Mandelrösterei, dem Fischstand und dem Stand mit den  Lebkuchenherzen, die für das Oktoberfest typisch sind. Ja, und was, besser wen sehe ich? „Tschonäsän“ und „Tschisela“! Er kürt sie gerade mit einem Herzerl. Ich kann auch genau die Zierschrift lesen: „I mog di“.  „Ja, du Trottel“, denke ich essigsauer,“du verstehst ja nicht mal richtig deutsch, aber auf bairisch rumsäuseln, des kannst!“ Gedanklich stampfe ich ihn jetzt in Grund und Boden.
Schwarze Gewitterwolken umranken mein Haupt und ich blähe meine Nüstern. Man sollte mich jetzt nicht reizen. Ich verlasse das Gelände der „oidn Wies’n“ und mache mich auf den Heimweg. Da kommt mir eine Gruppe sehr junger Männer geradewegs entgegen. Im Kontrast zu mir sind sie in allerbester Laune und mir allein schon deshalb ein Dorn im Auge. Nach kurzer Zeit stehen wir uns direkt gegenüber. Ich bin inzwischen so auf Konfrontation ausgerichtet, dass ich deutlichst erkennen lasse, ich werde nicht weichen, da müsst ihr schon um mich herum laufen. Die Jungs reagieren zunächst verblüfft, dann nimmt mich einer um die Hüfte, wirbelt mich um sich herum, stellt mich wieder auf dem Boden ab und setzt seinen Weg fort. Ich stehe wie angewurzelt da, stocknarrisch, fühle mich verarscht und finde kein Ventil, meinen Unbill abzulassen. Nach ein paar Schritten dreht sich der junge Mann noch einmal um, winkt mir lachend zu und ruft „Ciao, Bella!“ Ich bin perplex über soviel Dreistigkeit und würde am liebsten in den Boden stampfen, wenn mir das nicht selber zu infantil erschienen wäre.
Ich setze meinen Heimweg fort und denke über diesen Tag nach. Nach einer Weile erschien mir die Begegnung mit dem jungen Italiener als ein versöhnlicher Abschluss eines ziemlich verkorksten Nachmittages. Ich strecke mein Gesicht der immer noch warmen Herbstsonne entgegen, kann wieder lächeln und summe den alten Schlager fröhlich vor mich hin: „O Bella ciao,Bella ciao, Bella ciao, ciao, ciao.“ Meine Schritte werden immer beschwingter und ich denke mir: Was war das doch für ein ausnehmend interessanter Nachmittag!
Aber, ob ich nächstes Jahr wieder auf die Wies’n gehe?
Nur einen kurzen Gedanken verschwende ich noch mit der Überlegung, bei der Volkshochschule einen Englischkurs zu belegen. Aber – warum eigentlich?


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BeitragVerfasst am: 11.10.2018 13:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Zitat:

O Bella ciao,Bella ciao, Bella ciao, ciao, ciao

"Bella ciao" ist doch kein Schlager, sondern ein Lied (italienischer Partisanen) mit ganz anderer Tradition.

Nun ja … gut geschrieben wäre der Text ja, aber für einen Franken ...
Zitat:

lege hiermit auch klar, dass es weder ein Franke, noch ein Oberpfälzer oder irgendein anderer Angehöriger ähnlicher Volksstämme, die sich als Bayern zugehörig betrachten
Rolling Eyes
bestätigt er schon auf unangenehme Weise sämtliche Vorurteile, die man hierzulande über Münchner so hat. Dass die griesgrämige Alte voller Menschenverachtung und Intoleranz keinen Anschluss findet, wundert mich nicht. So gesehen erfüllt deine Geschichte meine Erwartungen. Dennoch hätte ich mir durchaus irgend eine Handlung, eine Quintessenz, eine Wendung oder ein bisschen Selbstironie gewünscht, die der Geschichte einen Hauch von Sinn hätten geben können. Es macht wirklich keinen Spaß, all dieses negative Geprotzel zu lesen.

BN
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BeitragVerfasst am: 11.10.2018 17:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, BlueNote,
in einem muss ich dir Recht geben: Ciao, Bella ist kein Schlager, sondern ein trauriges Lied eines Partisanen. Trotzdem, und da sieht man die Ignoranz, wenn es um den Kommerz geht, war es heuer der Hit auf dem Oktoberfest! Das liegt wohl an der eingängigen Melodie.
Schade finde ich, dass der Inhalt so sehr negativ auf dich gewirkt hat, denn er war durchaus von einer ironischen Warte aus gedacht. Vielleicht magst du andere Geschichten, die ich vorhabe zu schreiben, lieber!


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BeitragVerfasst am: 11.10.2018 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo masinB,
Zitat:

Vielleicht magst du andere Geschichten, die ich vorhabe zu schreiben, lieber!

Davon gehe ich aus.
Trotz meines Unbehagens wegen des Charakters deiner Protagonistin, kann ich sagen, dass der Text sehr gut lesbar und einen recht professionellen Schreibstil aufweist. Möglicherweise wirkt deine Ich-Person innerhalb von München tatsächlich als etwas schrullig, aber trotzdem liebenswert. Aber dieses "Oberbayern über alles" ist andernorts schon schwer zu ertragen. Auch das "Bayern über alles" außerhalb von Bayern.

Trotzdem herzlichen Glückwunsch zu deinem Schreibtalent. Ich hoffe, es gibt bald einen etwas progressiveren Text von dir zu lesen. wink

BN
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masniB
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BeitragVerfasst am: 11.10.2018 22:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für das Kompliment! Das baut auf und motiviert!
LG


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