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Der Glücksdieb - Erstes Kapitel


 

 
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Calvin Tower
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 34
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 23.08.2018 12:28    Titel: Der Glücksdieb - Erstes Kapitel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Die Prämisse:
Auf Glück folgt Pech - niemand weiß das besser als Arsen, der sprichwörtlich das Glück anderer stiehlt, zu deren Leidenwesen.
Gestrandet in der Wüste eines unbekannten Planeten, muss er auf sein eigenes Glück zurückgreifen - zu seinem Leidwesen.


1. Kapitel

Das Kamel bäumte sich auf und sackte danach endgültig im Sand zusammen.
Arsen stieg ab und zog den Säbel. Der Zusammenbruch hatte sich seit Stunden angedeutet. Er war dankbar, dass Kamilla so lange durchgehalten hatte, und beabsichtigte sich gebührend zu bedanken. Mit einer Hand streichelte er ihren Hals und mit der anderen stieß er die Klinge an den Rippen vorbei in ihr galoppierendes Herz.
Einen Augenblick spannten sich ihre Muskeln an. Panik in den Augen. Doch als der Säbel ihren Körper verließ, atmete sie ein letztes Mal rasselnd aus. Ihr Kopf fiel in den Wüstensand und Arsen wischte die blutige Klinge an ihrem Fell ab.
Er war gefangen, obwohl er weit und breit keine Mauern sah. Wüste soweit das Auge reichte, doch wie bei einem kosmischen Witz erinnerte alles an Wasser. Die Dünen sahen aus wie Wellen, in der Ferne flimmerte die Luft wie ein sprudelnder Bach und wenn er über die Lippen leckte, schmeckte er das Meer.
»Nicht schlimm.« Er hatte etwas zu trinken. Am hinteren Höcker hing ein getrockneter Kamelmagen, der als Wasserschlauch diente.
Arsen hob ihn an und sah ein Loch, wo bis vor Kurzem keines gewesen war. Seine Häscher wurden frecher. Seit er in diesem Beduinenkörper erwacht war, hatte er sie im Augenwinkel gesehen. Bewegungen im Sand, wie Fische, die dicht unter der Wasseroberfläche schwammen. Wenn er direkt hinsah, verschwanden sie. Anfangs hielt er sie für Fragmente des Sprungs durch Zeit und Raum. Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten. Doch sie verklangen nicht und nun hatten sie seinen Wasserschlauch durchstochen.
»Nicht schlimm.« Am Himmel brannte nur eine Sonne und sie berührte bereits den Horizont. Diese Welt schien nicht allzu anders zu sein als die Erde.
Er zog das Amulett, das um seinen Hals baumelte, hervor und klappte es auf. Es bewahrte kein Bild seiner Geliebten auf, sondern ihr Blut. Wie Ferroflüssigkeit richtete es sich aus, nur nicht auf einen Magneten, sondern auf ihren Mörder. Arsen drehte sich, bis die flüssigen Blutnadeln auf zwölf Uhr standen. Er verstaute den Kompass und stampfte pfeifend los. Hoffentlich war diese Erde zivilisiert genug, um Monty Python zu kennen. Always look on the bright side of life.
Die Sonne versank hinter dem Horizont. Am Firmament erstrahlten fremdartige Sternenbilder, durchzogen von unzähligen Sternschnuppen. Der Vollmond war viel zu nah und an einer Stelle sah man die Reste eines Kometen, der ihn aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte. Vielleicht war diese Welt doch anders.
Im Augenwinkel sah er die Häscher. Sie versteckten sich nicht mehr. Er konnte sie direkt ansehen, ohne dass sie verschwanden. Worauf warteten sie?
Stunden später erahnte Arsen es. Sein Körper schlotterte. Der dünne Stoff war für den Tag geeignet, nicht für die Nacht. Und die Augen fielen immer wieder zu. Ein Königreich für Kamilla. Zugern hätte er sich an das wohligwarme, weiche und stinkende Fell des Kamels gekuschelt. Oder an eine Frau. Er spürte förmlich ihre Berührung auf seiner Haut.
Arsen schreckte auf. Er war gestolpert und eingedöst. Hände streichelten über seinen Körper, durchsuchten diebisch die Taschen und umklammerten den Kompass.
Er sprang auf und zog den Säbel.
Die Hände waren verschwunden.
»Könnte schlimmer sein.« Er hatte fünf Finger pro Hand gezählt. Mit Humanoiden kam er klar. Trotzdem war eine Warnung angebracht. Er war ja kein Unmensch. »Verschwindet oder das Pech wird euch eueren Lebtag nicht verlassen.«
In einiger Entfernung erhoben sich Schemen aus dem Sand.
Arsen ließ die Schultern sinken und verdrehte die Augen. Wieso glaubte ihm eigentlich niemand, wenn er seine Warnung aussprach? Klang sie nicht unheilvoll genug? Lebenslanges Pech. Verdammt nochmal. Er würde rennen, wenn ihm jemand das androhe.
Die Schemen vermehrten sich. Ein Dutzend kleiner, gebeugter Gestalten.
Affen? Das war schlimm. Arsen hasste Affen. Sollten sie doch sehen, was davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Seine smaragdgrünen Pupillen fransten aus, wie ein Tropfen Farbe, der auf Papier klatscht. Er lächelte und freute sich bereits auf das Schauspiel. Schadenfreude war die beste Freude.
Die Affenschar näherte sich unbeeindruckt.
Arsen stutzte, zog die Augenbrauen zusammen, blinzelte verblüfft.
Es waren keine normalen Affen. Schlimmer. Sie bestanden aus Sand. Unbeseeltes hatte kein Glück und kein Pech. Arsen rannte los.
Die Gestalten holten ihn ohne Probleme ein, hielten sich an seinen Beinen fest und stoppten ihn.
Er schlug mit dem Säbel zu. Die Klinge schnitt durch einen Affen, dessen Wunde sich sofort wieder schloss, und blieb im Boden stecken.
Arsen rüttelte daran, bekam die Waffe aber nicht mehr frei.
Ein anderer Affe kletterte an seinem Bein hoch.
Arsen packte ihn, zog ihn ruckartig nach oben, um ihn wegzuwerfen, doch sobald der Affe den Kontakt zum Boden verlor, verwandelte er sich in leblosen Sand, der durch Arsens Finger rieselte.
Weitere Tiere kletterten an seinem Leib empor. Umschlossen ihn. Erstickten ihn.
Vergeblich versuchte er, den Mund freizuschaufeln. Es half nichts. Er brauchte Glück. Er musste auf sein eigenes Reservoir zurückgreifen, trotz der unvorhersehbaren Folgen. Er spürte, wie die Pupillen unter den geschlossenen Augen ausfransten. Gewissheit erfüllte ihn. Er würde es schaffen. Er ging die Knie und sprang in die Höhe. Nicht hoch, doch hoch genug.
Die Affen verloren den Kontakt zur Wüste und rieselten als lebloser Sand herab.
Arsen schlug ungelenk auf.
Sofort streifte eine Hand ihm das Amulett vom Hals und eine andere schnappte sich den Dolch, den er unter der Kleidung verborgen hatte. Die Tiere rannten in entgegengesetzte Richtungen.
Arsen rappelte sich auf und eilte dem Dolch hinterher.
Der Affe schien über den Sand zu gleiten, wie auf einem Rollband. Er entkam.
»Verdammt.« Arsen griff erneut auf sein Glück zurück.
Unvermittelte dröhnte es vom Himmel und die Nacht wurde erhellt. Ein Komet von der Größe eines Fußballs raste herab und schlug neben dem Affen ein.
Heilige Scheiße. Das war schlimm. Das war wirklich schlimm. Wann hatte er zuletzt auf sein eigenes Glück zurückgreifen müssen? Und diese Nacht gleich zwei Mal. Das würde Konsequenzen haben. Gewaltige. Ein verdammter Komet. So ein Mist.
Als er den Krater erreichte, legte sich der Rauch gerade, gab den Blick frei auf einen in Glas verwandelten Affen.
Er hatte den Dolch zurück, doch der Kompass war weg. Eigentlich ausgleichende Gerechtigkeit, könnte man meinen, aber Arsen zweifelte daran. Welches Elend erwartete ihn?



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azareon35
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BeitragVerfasst am: 23.08.2018 16:13    Titel: Re: Der Glücksdieb - Erstes Kapitel Antworten mit Zitat

Hi Calvin Tower,

dann will ich mal was dazu sagen.

Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:
Die Prämisse:
Auf Glück folgt Pech - niemand weiß das besser als Arsen, der sprichwörtlich das Glück anderer stiehlt, zu deren Leidenwesen.
Gestrandet in der Wüste eines unbekannten Planeten, muss er auf sein eigenes Glück zurückgreifen - zu seinem Leidwesen.

Wie spreche ich diesen Namen aus? Wie das Gift Arsen, das englische Arson (Brandstiftung) oder den französischen Meisterdieb?

1. Kapitel

Das Kamel bäumte sich auf und sackte danach endgültig im Sand zusammen. Ein unbekannter Planet, aber es gibt Kamele? hmm
Arsen stieg ab und zog den Säbel. Der Zusammenbruch hatte sich seit Stunden angedeutet. Er war dankbar, dass Kamilla Ein Kamel namens Kamilla? Echt jetzt? so lange durchgehalten hatte, und beabsichtigte sich gebührend zu bedanken. Mit einer Hand streichelte er ihren Hals und mit der anderen stieß er die Klinge an den Rippen vorbei in ihr galoppierendes Herz. Hardehar. Ist das Wortspiel beabsichtigt?
Einen Augenblick spannten sich ihre Muskeln an. Panik in den Augen. Doch als der Säbel ihren Körper verließ, atmete sie ein letztes Mal rasselnd aus. Ihr Kopf fiel in den Wüstensand und Arsen wischte die blutige Klinge an ihrem Fell ab.
Er war gefangen, obwohl er weit und breit keine Mauern sah. Wüste soweit das Auge reichte, doch wie bei einem kosmischen Witz erinnerte alles an Wasser. Die Dünen sahen aus wie Wellen, in der Ferne flimmerte die Luft wie ein sprudelnder Bach und wenn er über die Lippen leckte, schmeckte er das Meer. Viel zu viel Wortwiederholungen. Diese 'wie ein' Similes kannst du bestimmt auch anders formulieren.
»Nicht schlimm.« Er hatte etwas zu trinken. Am hinteren Höcker hing ein getrockneter Kamelmagen, der als Wasserschlauch diente.
Arsen hob ihn an und sah ein Loch, wo bis vor Kurzem keines gewesen war. Seine Häscher wurden frecher. Weil sie ein Loch in den Wasserschlauch gemacht haben? Außerdem ist 'frech' ein schwaches Wort. 'Dreister' passt besser. Seit er in diesem Beduinenkörper erwacht war, hatte er sie im Augenwinkel gesehen. Er ist also ein Körperwechsler? Interessant. Bewegungen im Sand, wie Fische, die dicht unter der Wasseroberfläche schwammen. Wenn er direkt hinsah, verschwanden sie. Anfangs hielt er sie für Fragmente des Sprungs durch Zeit und Raum. Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten. Doch sie verklangen nicht und nun hatten sie seinen Wasserschlauch durchstochen. Das ergibt keinen Sinn. Wie haben sie das gemacht? Ist da einfach einer hingegangen und hat da ein Messer reingestochen? Arsen hockt doch auf einem Kamel.
»Nicht schlimm.« Am Himmel brannte nur eine Sonne und sie berührte bereits den Horizont. Diese Welt schien nicht allzu anders zu sein als die Erde. Es ist eine Welt ähnlich der Erde, aber nicht die Erde? Auch interessant.
Er zog das Amulett, das um seinen Hals baumelte, hervor und klappte es auf. Es bewahrte kein Bild seiner Geliebten auf, sondern ihr Blut. Wie Ferroflüssigkeit richtete es sich aus, nur nicht auf einen Magneten Du meinst den magnetischen Pol, ein Kompass richtet sich ja auch nicht auf den nächsten Magneten aus., sondern auf ihren Mörder. Arsen drehte sich, bis die flüssigen Blutnadeln auf zwölf Uhr standen. Er verstaute den Kompass und stampfte pfeifend los. Hoffentlich war diese Erde zivilisiert genug, um Monty Python zu kennen. Always look on the bright side of life. Aha. er kennt also die Uhrenposition und Monty Python? Faszinierend. Nur kommt das etwas spät. Das hättest du vielleicht im ersten Abschnitt einbauen müssen. Oder du packst es ganz ans Ende des Textes.
Die Sonne versank hinter dem Horizont. Am Firmament erstrahlten fremdartige Sternenbilder, durchzogen von unzähligen Sternschnuppen. Ein Meteoritenregen? Aargh, geht in Deckung. Der Vollmond war viel zu nah und an einer Stelle sah man die Reste eines Kometen, der ihn aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte. Vielleicht war diese Welt doch anders. Ach, wirklich?
Im Augenwinkel sah er die Häscher. Sie versteckten sich nicht mehr. Er konnte sie direkt ansehen, ohne dass sie verschwanden. Ja, dann sieht er sie aber nicht mehr im Augenwinkel, oder? Worauf warteten sie?
Stunden später erahnte Arsen es. Sein Körper schlotterte. Der dünne Stoff war für den Tag geeignet, nicht für die Nacht. Und die Augen fielen immer wieder zu. Ein Königreich für Kamilla. Zugern hätte er sich an das wohligwarme, weiche und stinkende Fell des Kamels gekuschelt. Oder an eine Frau. Er spürte förmlich ihre Berührung auf seiner Haut.
Arsen schreckte auf. Er war gestolpert und eingedöst. Hände streichelten über seinen Körper, durchsuchten diebisch die Taschen und umklammerten den Kompass.
Er sprang auf und zog den Säbel.
Die Hände waren verschwunden. verschwanden.
»Könnte schlimmer sein.« Er hatte fünf Finger pro Hand gezählt. Mit Humanoiden kam er klar. Trotzdem war eine Warnung angebracht. Er war ja kein Unmensch. »Verschwindet Komma oder das Pech wird euch eueren Lebtag nicht verlassen.«
In einiger Entfernung erhoben sich Schemen aus dem Sand.
Arsen ließ die Schultern sinken und verdrehte die Augen. Wieso glaubte ihm eigentlich niemand, wenn er seine Warnung aussprach? Klang sie nicht unheilvoll genug? Lebenslanges Pech. Verdammt nochmal. Er würde rennen, wenn ihm jemand das androhe.
Die Schemen vermehrten sich. Ein Dutzend kleiner, gebeugter Gestalten.
Affen? Das war schlimm. Arsen hasste Affen. Sollten sie doch sehen, was davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Seine smaragdgrünen Pupillen fransten aus, wie ein Tropfen Farbe, der auf Papier klatscht. Wiebittewas? Jetzt bin ich ganz raus. Das Simile macht keinen Sinn und wieso kann er das sehen? Er lächelte und freute sich bereits auf das Schauspiel. Schadenfreude war die beste Freude. Das passt nicht. Er hasst Affen, freut sich aber auf den Kampf mit ihnen? Von den Stimmungsschwankungen wird man ja seekrank.
Die Affenschar näherte sich unbeeindruckt.
Arsen stutzte, zog die Augenbrauen zusammen, blinzelte verblüfft.
Es waren keine normalen Affen. Schlimmer. Sie bestanden aus Sand. Unbeseeltes hatte kein Glück und kein Pech. Arsen rannte los.
Die Gestalten holten ihn ohne Probleme ein, hielten sich an seinen Beinen fest und stoppten ihn.
Er schlug mit dem Säbel zu. Die Klinge schnitt durch einen Affen, dessen Wunde sich sofort wieder schloss, und blieb im Boden stecken.
Arsen rüttelte daran, bekam die Waffe aber nicht mehr frei.
Ein anderer Affe kletterte an seinem Bein hoch.
Arsen packte ihn, zog ihn ruckartig nach oben, um ihn wegzuwerfen, doch sobald der Affe den Kontakt zum Boden verlor, verwandelte er sich in leblosen Sand, der durch Arsens Finger rieselte.
Weitere Tiere kletterten an seinem Leib empor. Umschlossen ihn. Häh, dann müsste er ja nur in die Luft springen, um sie abzuschütteln. Das ergibt auch keinen Sinn. Erstickten ihn.
Vergeblich versuchte er, den Mund freizuschaufeln. Es half nichts. Er brauchte Glück. Er musste auf sein eigenes Reservoir zurückgreifen, trotz der unvorhersehbaren Folgen. Er spürte, wie die Pupillen unter den geschlossenen Augen ausfransten. Ah, das ist ein sichtbarer Effekt, wenn er diese Fähigkeit einsetzt. Verstehe. Aber wie kannst du spüren, dass deine Pupillen ausfransen? Das geht nicht. Du spürst ja auch nicht, dass deine Pupillen vom Augenarzt geweitet werden. Alles was du spürst, sind die Augentropfen. Gewissheit erfüllte ihn. Er würde es schaffen. Er ging die Knie und sprang in die Höhe. Nicht hoch, doch hoch genug. Was er auch schon einfach so hätte machen können. Oder es wäre den Affen passiert, kaum dass sie auf ihn geklettert wären. Dafür braucht er kein Glück.
Die Affen verloren den Kontakt zur Wüste und rieselten als lebloser Sand herab.
Arsen schlug ungelenk auf.
Sofort streifte eine Hand ihm das Amulett vom Hals und eine andere schnappte sich den Dolch, den er unter der Kleidung verborgen hatte. Die Tiere rannten in entgegengesetzte Richtungen.
Arsen rappelte sich auf und eilte dem Dolch hinterher.
Der Affe schien über den Sand zu gleiten, wie auf einem Rollband. Er entkam.
»Verdammt.« Arsen griff erneut auf sein Glück zurück.
Unvermittelte dröhnte es vom Himmel und die Nacht wurde erhellt. Ein Komet von der Größe eines Fußballs raste herab und schlug neben dem Affen ein. Und Arsen wurde von einer Ladung Glassplitter erdolcht, denn ein Komet entwickelt beim Aufschlag eine unglaubliche Hitze und Wucht.
Heilige Scheiße. Das war schlimm. Das war wirklich schlimm. Wann hatte er zuletzt auf sein eigenes Glück zurückgreifen müssen? Und diese Nacht gleich zwei Mal. Das würde Konsequenzen haben. Gewaltige. Ein verdammter Komet. So ein Mist.
Als er den Krater erreichte, legte sich der Rauch gerade, gab den Blick frei auf einen in Glas verwandelten Affen. Da entsteht nicht nur ein Krater, da fliegen unzählige Projektile durch die Luft. Die Wucht des Einschlags allein müsste Arsen von den Füßen reißen.
Er hatte den Dolch zurück, doch der Kompass war weg. Eigentlich ausgleichende Gerechtigkeit, könnte man meinen, aber Arsen zweifelte daran. Welches Elend erwartete ihn?


Eine interessante Idee. Der Protagonist springt also in verschiedene Körper und kann Wahrscheinlichkeiten manipulieren, er muss aber aufpassen, dass er es nicht übertreibt, sonst hat das furchtbare Konsequenzen. An der Umsetzung hapert es aber noch, wie du an den Anmerkungen sehen kannst.
Seine Fähigkeiten wirken mir momentan aber noch nicht ausgearbeitet genug. Gerade diese Szene, in der er sein Glück benutzt, um einen Riesensprung zu vollführen, das wirkt total aufgesetzt. Es nimmt der ganzen Sache den dramatischen Konflikt. Das könnte aber funktionieren, wenn Arsen sein Glück benutzt, dadurch den Kometen neben ihm einschlagen lässt und er der Glasur nur um Haaresbreite entgeht.
Bevor du jetzt sagst, das ist Magie, die braucht keine Regeln - doch, die braucht sie. Wenn die Magie einfach nur eine Deus Ex Machina ist, um den Protagonisten aus einer brenzligen Lage zu befreien, dann ist das schlecht geschrieben. Da braucht es festgelegte Regeln. Nein, ich meine kein 800seitiges Regelbuch, sondern einfach nur eine Handvoll simple Grundregeln. Dadurch kannst du dramatische Situationen erzeugen, ohne dass der Leser sich verschaukelt fühlt.
Was das Körperwechseln angeht, kann er das kontrollieren? Ist das ein Teil seiner Glücksmanipulation? Oder ein Nebeneffekt? Oder was anderes?
Dass der Prota unsere Zeit und Kultur kennt, solltest vielleicht besser im ersten Abschnitt schon erwähnen, denn mein erster Eindruck war "Fantasy im Wüstensetting". Dann "Urban Fantasy in der Wüste". Das hat mich etwas verwirrt. Da braucht es Konsistenz.
Vom Schreibstil her ist es flüssig geschrieben, ich konnte keine größeren Schreibfehler ausmachen, alles andere hab ich im Text angemerkt. Du hast Problem mit Wortwiederholungen, die sehr nah im Text beieinander vorkommen. Speziell diese ganzen 'Wie X' Similes, die kannst du dir schenken. Besonders, wenn sie dreimal im selben Absatz auftauchen.

Würde mich auf jeden Fall interessieren, wie es weitergeht.
Azareon


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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 27.08.2018 17:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Azareon35,

danke, dass du dir die Mühe gemacht hast. Ich gehe einzeln auf deine Anmerkungen ein.

Vorher noch eine Frage: Kann man zitieren und dabei die Formatierung und Farben beibehalten? Habe deine Anmerkungen nun rot markiert und meine Erläuterungen grün.

Zitat:
Die Prämisse:
Auf Glück folgt Pech - niemand weiß das besser als Arsen, der sprichwörtlich das Glück anderer stiehlt, zu deren Leidenwesen.
Gestrandet in der Wüste eines unbekannten Planeten, muss er auf sein eigenes Glück zurückgreifen - zu seinem Leidwesen.
Wie spreche ich diesen Namen aus? Wie das Gift Arsen, das englische Arson (Brandstiftung) oder den französischen Meisterdieb?
Wie das Gift.

1. Kapitel

Das Kamel bäumte sich auf und sackte danach endgültig im Sand zusammen. Ein unbekannter Planet, aber es gibt Kamele? Es ist die Erde - in einem Paralleluniversum - mit Ähnlichkeiten und natürlich unterschieden. Wird Arsen später feststellen.
Arsen stieg ab und zog den Säbel. Der Zusammenbruch hatte sich seit Stunden angedeutet. Er war dankbar, dass Kamilla Ein Kamel namens Kamilla? Echt jetzt? Habe den Zusatz gestrichen ", wie er das Kamel kurzerhand aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu Parker-Bowles getauft hatte" -Arsen geht unbekümmert in die Welt hinein. Macht sich über vieles lustig so lange durchgehalten hatte, und beabsichtigte sich gebührend zu bedanken. Mit einer Hand streichelte er ihren Hals und mit der anderen stieß er die Klinge an den Rippen vorbei in ihr galoppierendes Herz. Hardehar. Ist das Wortspiel beabsichtigt? - jepp
Einen Augenblick spannten sich ihre Muskeln an. Panik in den Augen. Doch als der Säbel ihren Körper verließ, atmete sie ein letztes Mal rasselnd aus. Ihr Kopf fiel in den Wüstensand und Arsen wischte die blutige Klinge an ihrem Fell ab.
Er war gefangen, obwohl er weit und breit keine Mauern sah. Wüste soweit das Auge reichte, doch wie bei einem kosmischen Witz erinnerte alles an Wasser. Die Dünen sahen aus wie Wellen, in der Ferne flimmerte die Luft wie ein sprudelnder Bach und wenn er über die Lippen leckte, schmeckte er das Meer. Viel zu viel Wortwiederholungen. Diese 'wie ein' Similes kannst du bestimmt auch anders formulieren. Besten Dank für den Hinweis!
»Nicht schlimm.« Er hatte etwas zu trinken. Am hinteren Höcker hing ein getrockneter Kamelmagen, der als Wasserschlauch diente.
Arsen hob ihn an und sah ein Loch, wo bis vor Kurzem keines gewesen war. Seine Häscher wurden frecher. Weil sie ein Loch in den Wasserschlauch gemacht haben? Außerdem ist 'frech' ein schwaches Wort. 'Dreister' passt besser. Dreist klingt besser - Danke. Seit er in diesem Beduinenkörper erwacht war, hatte er sie im Augenwinkel gesehen. Er ist also ein Körperwechsler? Interessant. - Ja, er wechselt die Körper, kann es aber im Gegensatz zu Denir (dem Mörder) nicht direkt beeinflussen. Er wacht stets im Körper eines frisch Verstorbenen auf.  Bewegungen im Sand, wie Fische, die dicht unter der Wasseroberfläche schwammen. Wenn er direkt hinsah, verschwanden sie. Anfangs hielt er sie für Fragmente des Sprungs durch Zeit und Raum. Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten. Doch sie verklangen nicht und nun hatten sie seinen Wasserschlauch durchstochen. Das ergibt keinen Sinn. Wie haben sie das gemacht? Ist da einfach einer hingegangen und hat da ein Messer reingestochen? Arsen hockt doch auf einem Kamel. Er war unaufmerksam. Kann einbauen, dass er eingenickt ist.
»Nicht schlimm.« Am Himmel brannte nur eine Sonne und sie berührte bereits den Horizont. Diese Welt schien nicht allzu anders zu sein als die Erde. Es ist eine Welt ähnlich der Erde, aber nicht die Erde? Auch interessant.
Er zog das Amulett, das um seinen Hals baumelte, hervor und klappte es auf. Es bewahrte kein Bild seiner Geliebten auf, sondern ihr Blut. Wie Ferroflüssigkeit richtete es sich aus, nur nicht auf einen Magneten Du meinst den magnetischen Pol, ein Kompass richtet sich ja auch nicht auf den nächsten Magneten aus. - Nein, ich meine Ferroflüssigkeit. Sie richtet sich auf einen Magneten aus, wenn einer in der Nähe ist. Hat nichts mit magnetischen Polen zu tun. Nur in diesem Fall dient der Mörder als Magnet. So gesehen reagiert ihr Blut auf den Mörder, zeigt Arsen den Weg zu ihm. , sondern auf ihren Mörder. Arsen drehte sich, bis die flüssigen Blutnadeln auf zwölf Uhr standen. Er verstaute den Kompass und stampfte pfeifend los. Hoffentlich war diese Erde zivilisiert genug, um Monty Python zu kennen. Always look on the bright side of life. Aha. er kennt also die Uhrenposition und Monty Python? Faszinierend. - Verstehe ich nicht ganz. Meinst du die lustigen Monty Uhren? Mit zwölf Uhr wollte ich ausdrücken, dass er sich so ausrichtet, dass das Blut gerade aus zeigt. Wie bei: "Achtung, feindlicher Flieger auf 11 Uhr."  Nur kommt das etwas spät. Das hättest du vielleicht im ersten Abschnitt einbauen müssen. Oder du packst es ganz ans Ende des Textes. Mit Monty Python's Song wollte ich die Leichtfüßigkeit (nichts wirklich ernst nehmen) und die Ironie zeigen. Always look on the bright side zu pfeifen während er durch die Wüste stampft. Wieso kommt es zu spät?
Die Sonne versank hinter dem Horizont. Am Firmament erstrahlten fremdartige Sternenbilder, durchzogen von unzähligen Sternschnuppen. Ein Meteoritenregen? Aargh, geht in Deckung. ja, doch sie verbrennen in der Atmosphäre. Der Vollmond war viel zu nah und an einer Stelle sah man die Reste eines Kometen, der ihn aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte. Vielleicht war diese Welt doch anders. Ach, wirklich? - Ironie? - Die Meteoriten und der Komet auf dem Mond sind drin für den "Kometeneinschlag" später. - Gehört zu den Regeln seiner Macht. Es entwickelt sich etwas aus Vorhandenem. Zum Beispiel würde da jetzt kein Elefant vom Himmel geflogen kommen oder ein Schiff.
Im Augenwinkel sah er die Häscher. Sie versteckten sich nicht mehr. Er konnte sie direkt ansehen, ohne dass sie verschwanden. Ja, dann sieht er sie aber nicht mehr im Augenwinkel, oder? - Wollte damit ausdrücken, dass er sie im Augenwinkel sieht , sie aber nicht mehr abhauen, wenn er sie direkt ansieht. Worauf warteten sie?
Stunden später erahnte Arsen es. Sein Körper schlotterte. Der dünne Stoff war für den Tag geeignet, nicht für die Nacht. Und die Augen fielen immer wieder zu. Ein Königreich für Kamilla. Zugern hätte er sich an das wohligwarme, weiche und stinkende Fell des Kamels gekuschelt. Oder an eine Frau. Er spürte förmlich ihre Berührung auf seiner Haut.
Arsen schreckte auf. Er war gestolpert und eingedöst. Hände streichelten über seinen Körper, durchsuchten diebisch die Taschen und umklammerten den Kompass.
Er sprang auf und zog den Säbel.
Die Hände waren verschwunden. verschwanden. - Ziel war es auszudrücken, dass sie schon weg sind - somit hatte er nur einen flüchtigen Eindruck von den Händen, konnte nicht sehen, dass sie aus Sand bestehen, wie die Affen später.
»Könnte schlimmer sein.« Er hatte fünf Finger pro Hand gezählt. Mit Humanoiden kam er klar. Trotzdem war eine Warnung angebracht. Er war ja kein Unmensch. »Verschwindet Komma danke oder das Pech wird euch euren Lebtag nicht verlassen.«
In einiger Entfernung erhoben sich Schemen aus dem Sand.
Arsen ließ die Schultern sinken und verdrehte die Augen. Wieso glaubte ihm eigentlich niemand, wenn er seine Warnung aussprach? Klang sie nicht unheilvoll genug? Lebenslanges Pech. Verdammt nochmal. Er würde rennen, wenn ihm jemand das androhe.
Die Schemen vermehrten sich. Ein Dutzend kleiner, gebeugter Gestalten.
Affen? Das war schlimm. Arsen hasste Affen. Sollten sie doch sehen, was davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Seine smaragdgrünen Pupillen fransten aus, wie ein Tropfen Farbe, der auf Papier klatscht. Wiebittewas? Jetzt bin ich ganz raus. Das Simile macht keinen Sinn und wieso kann er das sehen? - das ist für den Leser ein sichtbarer Effekt seiner Fähigkeit, wie du weiter unten auch anmerkst. Er selber kann es nicht sehen, da hast du recht. Eine Ungenauigkeit in der Perspektive. Mir war es wichtig, dem Leser zu zeigen, dass es offensichttlich ist, wenn er auf seine Fähigkeit zurück greift. Er lächelte und freute sich bereits auf das Schauspiel. Schadenfreude war die beste Freude. Das passt nicht. Er hasst Affen, freut sich aber auf den Kampf mit ihnen? Von den Stimmungsschwankungen wird man ja seekrank. Hier wollte ich zeigen, dass er die Affen hasst und sich deshalb eigentlich freut, dass es keine Menschen sind über die er gleich mit seiner Fähigkeit Pech bringen wird. Schadenfreude so zusagen.  
Die Affenschar näherte sich unbeeindruckt.
Arsen stutzte, zog die Augenbrauen zusammen, blinzelte verblüfft.
Es waren keine normalen Affen. Schlimmer. Sie bestanden aus Sand. Unbeseeltes hatte kein Glück und kein Pech. Arsen rannte los.
Die Gestalten holten ihn ohne Probleme ein, hielten sich an seinen Beinen fest [s]und stoppten ihn[/s]. Danke
Er schlug mit dem Säbel zu. Die Klinge schnitt durch einen Affen, dessen Wunde sich sofort wieder schloss, und blieb im Boden stecken.
Arsen rüttelte daran, bekam die Waffe aber nicht mehr frei.
Ein anderer Affe kletterte an seinem Bein hoch.
Arsen packte ihn, zog ihn ruckartig nach oben, um ihn wegzuwerfen, doch sobald der Affe den Kontakt zum Boden verlor, verwandelte er sich in leblosen Sand, der durch Arsens Finger rieselte.
Weitere Tiere kletterten an seinem Leib empor. Umschlossen ihn. Häh, dann müsste er ja nur in die Luft springen, um sie abzuschütteln. Das ergibt auch keinen Sinn. - siehe nächster Kommentar. Erstickten ihn.
Vergeblich versuchte er, den Mund freizuschaufeln. Es half nichts. Er brauchte Glück. Er musste auf sein eigenes Reservoir zurückgreifen, trotz der unvorhersehbaren Folgen. Er spürte, wie die Pupillen unter den geschlossenen Augen ausfransten. Ah, das ist ein sichtbarer Effekt, wenn er diese Fähigkeit einsetzt. Verstehe. Aber wie kannst du spüren, dass deine Pupillen ausfransen? Das geht nicht. Du spürst ja auch nicht, dass deine Pupillen vom Augenarzt geweitet werden. Alles was du spürst, sind die Augentropfen. Danke.Gewissheit erfüllte ihn. Er würde es schaffen. Er ging die Knie und sprang in die Höhe. Nicht hoch, doch hoch genug. Was er auch schon einfach so hätte machen können. Oder es wäre den Affen passiert, kaum dass sie auf ihn geklettert wären. Dafür braucht er kein Glück. - okidoki - Ziel war es etwas dramatischer zu gestalten - aber letztlich ist die Lösung ein "hochspringen". - ändere ich ab, um den Charakter etwas lustiger zu gestalten. Vielleicht macht er sich lustig über die dummen Affen, da er ja nur hoch zu springen braucht. Die Idee war dahinter, dass er Glück braucht, um sich von den Affen zu lösen, dass sich gleich recht, da er nicht richtig landet und die Affen ihm Dolch und Kompass stehlen. Ein Dilemma. Er muss sich entscheiden. Er will den Dolch, nicht das Amulett.
Die Affen verloren den Kontakt zur Wüste und rieselten als lebloser Sand herab.
Arsen schlug ungelenk auf.
Sofort streifte eine Hand ihm das Amulett vom Hals und eine andere schnappte sich den Dolch, den er unter der Kleidung verborgen hatte. Die Tiere rannten in entgegengesetzte Richtungen.
Arsen rappelte sich auf und eilte dem Dolch hinterher.
Der Affe schien über den Sand zu gleiten, wie auf einem Rollband. Er entkam.
»Verdammt.« Arsen griff erneut auf sein Glück zurück.
Unvermittelte dröhnte es vom Himmel und die Nacht wurde erhellt. Ein Komet von der Größe eines Fußballs raste herab und schlug neben dem Affen ein. Und Arsen wurde von einer Ladung Glassplitter erdolcht, denn ein Komet entwickelt beim Aufschlag eine unglaubliche Hitze und Wucht. - Muss ich mir überlegen, wie ich es umgesetzt bekomme. Ein kleinerer Meteorit, die Druckwelle haut Arsen von den Füßen, glücklicherweise wird er nicht getroffen. Wichtig ist, dass der Affe verglast wird. - Storyelement im Verlauf der Geschichte.
Heilige Scheiße. Das war schlimm. Das war wirklich schlimm. Wann hatte er zuletzt auf sein eigenes Glück zurückgreifen müssen? Und diese Nacht gleich zwei Mal. Das würde Konsequenzen haben. Gewaltige. Ein verdammter Komet. So ein Mist.
Als er den Krater erreichte, legte sich der Rauch gerade, gab den Blick frei auf einen in Glas verwandelten Affen. Da entsteht nicht nur ein Krater, da fliegen unzählige Projektile durch die Luft. Die Wucht des Einschlags allein müsste Arsen von den Füßen reißen. - siehe vorhergehender Kommentar.
Er hatte den Dolch zurück, doch der Kompass war weg. Eigentlich ausgleichende Gerechtigkeit, könnte man meinen, aber Arsen zweifelte daran. Welches Elend erwartete ihn?




Zitat:
Eine interessante Idee. Der Protagonist springt also in verschiedene Körper und kann Wahrscheinlichkeiten manipulieren, er muss aber aufpassen, dass er es nicht übertreibt, sonst hat das furchtbare Konsequenzen. Super zusammengefasst. An der Umsetzung hapert es aber noch, wie du an den Anmerkungen sehen kannst.
Seine Fähigkeiten wirken mir momentan aber noch nicht ausgearbeitet genug. Gerade diese Szene, in der er sein Glück benutzt, um einen Riesensprung Ein Riesensprung sollte es überhaupt nicht sein, nur ein kleiner, doch aufgrund des Gewichts von den Sandaffen reichten seine normale Muskelkraft nicht aus, weshalb er auf das Glück zurückgreift. Verstehe jedoch deinen Einwand. Werde den Abschnitt überarbeiten.. zu vollführen, das wirkt total aufgesetzt. Es nimmt der ganzen Sache den dramatischen Konflikt. Das könnte aber funktionieren, wenn Arsen sein Glück benutzt, dadurch den Kometen neben ihm einschlagen lässt und er der Glasur nur um Haaresbreite entgeht. Das erfüllt den Storyzweck nicht. Der Leser muss sehen, dass er sich im Zweifel für den Dolch entscheidet, dass er den Kompass verliert und dass einer der Sandaffen "verglast" wird.
Bevor du jetzt sagst, das ist Magie, die braucht keine Regeln - doch, die braucht sie. Wenn die Magie einfach nur eine Deus Ex Machina ist, um den Protagonisten aus einer brenzligen Lage zu befreien, dann ist das schlecht geschrieben. Da braucht es festgelegte Regeln. Nein, ich meine kein 800seitiges Regelbuch, sondern einfach nur eine Handvoll simple Grundregeln. Dadurch kannst du dramatische Situationen erzeugen, ohne dass der Leser sich verschaukelt fühlt. Da bin ich ganz auf deiner Seite. Die Fähigkeit ist erst aufgrund der Einschränkungen interessant. Zu der Grundlegenden Idee: Es gibt ein Naturvolk (bin schon auf der Suche welches, es fällt mir einfach nicht mehr ein.), dass daran glaubt, dass jeder Menschen eine vorgeschriebene Menge Glück hat. Wenn dieses aufgebraucht ist, folgt nur noch Pech. Das hat mich auf die Idee gebracht.

Das "Magiesystem" ist nicht ausgearbeitet. Es gibt ein paar Randpunkte an denen ich arbeite:

Arsen kann zwei Dinge:
- sich selber Glück bringen - mit einer gegengerichteten Pendelbewegung des Pechs (wobei ich auch hier am hardern bin, ob es nicht besser wäre ihn sein Glück verbrauchen zu lassen, damit er danach nur noch Pech hat.) Er kann aber z.B. seinen Freunden später beim Attentat nicht helfen, indem er ihnen Glück schenkt.

- er kann anderen nur Pech bringen - ganz nach dem Motto Glück ist wenn der andere Pech hat. So geht Arsen durchs Leben. Er sorgt für ein klein wenig Pech hier und da, damit er glücklich durchkommt. DIE WICHTIGSTE FRAGE: Was hält ihn davon ab, denen, die er nicht mag den Pest und Tod zu wünschen? Ist mir selber noch nicht klar. Sein soziale Ader? Bääh. Eher nicht. Keine Ahnung. Klärt sich noch.

Die Fähigkeit funktioniert ähnlich wie der Tod in den Filmen Final Destination. Was geschehen kann ist in dem Setting verortet. Lockere Schnürsenkel öffnen sich, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Man rutsch auf den Essensresten aus, die man zuvor auf den Boden gekippt hat. So was eben. Deshalb z.B. die Andeutung des Meteoritenschauers, dem Kometen, der in den Mond eingeschlagen ist. Meteoriteneinschläge sind etwas gängiges in dieser Welt.

Was nicht geht: Es tauchen nicht plötzlich Außerirdische auf oder der Weihnachtsmann.
Unbeseeltes (Stühle, Steine, Technik, Androiden [ich weiß, jetzt kommt die Debatte haben Androiden eine Seele) kann er nicht beeinflussen. Aber ein Stuhl kann z.B. wenn er einem fetten Typen Pech wünscht unter dessen Gewicht zusammenbrechen.


Was das Körperwechseln angeht, kann er das kontrollieren? Nein, er wacht in einem frisch verstorbenen Körper auf. Ist das ein Teil seiner Glücksmanipulation? Oder ein Nebeneffekt? Oder was anderes? Etwas anderes. Es hängt mit dem Kompass und Denir (dem Bösewicht) zusammen.

Dass der Prota unsere Zeit und Kultur kennt, solltest vielleicht besser im ersten Abschnitt schon erwähnen, denn mein erster Eindruck war "Fantasy im Wüstensetting". Dann "Urban Fantasy in der Wüste". Das hat mich etwas verwirrt. Da braucht es Konsistenz. Danke für den Hinweis.

Vom Schreibstil her ist es flüssig geschrieben, ich konnte keine größeren Schreibfehler ausmachen, alles andere hab ich im Text angemerkt. Du hast Problem mit Wortwiederholungen, die sehr nah im Text beieinander vorkommen. Speziell diese ganzen 'Wie X' Similes, die kannst du dir schenken. Besonders, wenn sie dreimal im selben Absatz auftauchen. ok. Überleg ich mir was.


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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 31.08.2018 11:22    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Habe versucht die Anmerkungen umzusetzen. Ist es Besser? Schlechter?

---------------------------

Das Kamel bäumte sich auf und sackte danach endgültig im Sand zusammen.
»Könnte schlimmer sein«, murmelte Arsen. Am Himmel brannte nur eine Sonne und sie berührte bereits den Horizont. Diese Welt schien nicht allzu anders zu sein als die Erde. Hoffentlich war sie zivilisiert genug, um Monty Python zu kennen. Always look on the bright side of life.
Pfeifend stieg er ab und zog den Säbel. Er war dankbar, dass er neben dem Tier erwacht war, wobei ihm ein Buggy lieber gewesen wäre. Aber das Kamel hatte lange durchgehalten und er beabsichtigte, sich gebührend zu revanchieren. Mit einer Hand streichelte er den Hals und mit der anderen stieß er die Klinge an den Rippen vorbei in das galoppierende Herz.
Einen Augenblick spannten sich die Muskeln an. Panik in den Augen. Doch als der Säbel den Körper verließ, atmete das Kamel ein letztes Mal rasselnd aus. Der Kopf fiel in den Wüstensand. Arsen wischte die blutige Klinge am Fell ab. Ein schnelles Ende für das Tier. Ein langsames für ihn?
Er war gefangen in einem kosmischen Witz. Alles erinnerte an Wasser, obwohl er in einer endlosen Wüste stand. Die Dünen ähnelten Wellen und in der Ferne flimmerte die Luft wie ein sprudelnder Bach. Er leckte sich über die Lippen, schmeckte Meer. »Könnte schlimmer sein«, wiederholte er sein Mantra.
Am hinteren Höcker hing ein getrockneter Kamelmagen, der als Wasserschlauch diente. Arsen hob ihn an und sah ein Loch, wo bis vor Kurzem keines gewesen war. Seine Häscher wurden dreister. Seit er in diesem fremden Beduinenkörper erwacht war, hatte er sie im Augenwinkel gesehen. Kleine Erhebungen im Sand, die ihm folgten. Sah er direkt hin, tauchten sie unter, verschwanden. Anfangs hielt er sie für Fragmente des Sprungs durch Zeit und Raum. Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten, während er wiederholt das Bewusstsein verlor. Sie mussten den Schlauch durchstochen haben, als er zuletzt eingenickt war.
Er zog das Amulett, das um den Hals baumelte hervor und klappte es auf. Anstatt das Bild seiner Geliebten, bewahrte es ihr Blut auf. Wie Ferroflüssigkeit sich auf einen Magneten ausrichtet, richtete es sich auf ihren Mörder aus. Arsen drehte sich, bis er in die Richtung sah, die ihm die flüssigen Blutnadeln zeigten und stampfte los.
Die Sonne versank hinter dem Horizont und am Firmament erstrahlten fremdartige Sternenbilder, durchzogen von unzähligen Sternschnuppen. Der Vollmond war näher als gewohnt. An einer Stelle ragten die Reste eines Kometen heraus, der ihn wohl aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte.
Diese Welt schien unter ständigem Beschuss aus dem Weltall zu stehen. Welche Auswirkungen hatte das auf das Leben hier? Versteckten sich seine Häscher deshalb unter dem Sand? Zumindest hatten sie die Scheu vor ihm verloren. Er konnte sie mittlerweile direkt ansehen. Worauf warteten sie?
Stunden später erahnte Arsen es. Sein Körper schlotterte - der dünne Stoff war nicht für die Nacht geeignet - und die Augen fielen wiederholt zu. Ein Königreich für ein Kamel. Zu gern hätte er sich an das wohligwarme, weiche und stinkende Fell gekuschelt. Oder an eine Frau. Er spürte förmlich ihre Berührung auf seiner Haut.
Arsen schreckte auf. Er war gestolpert und eingedöst. Hände streichelten über seinen Körper, durchsuchten diebisch die Taschen und umklammerten das Amulett.
Er sprang auf und zog den Säbel.
Eine letzte Bewegung unter dem Sand und dann war alles ruhig.
»Könnte schlimmer sein.« In dem flüchtigen Moment hatte er fünf Finger pro Hand gezählt. Mit Humanoiden kam er klar. Trotzdem war eine Warnung angebracht. Er war ja kein Unmensch. »Verschwindet, oder das Pech wird euch eueren Lebtag nicht verlassen.«
In einiger Entfernung erhoben sich Schemen aus dem Sand.
Arsen ließ die Schultern sinken und verdrehte die Augen. Wieso glaubte ihm niemand, wenn er seine Warnung aussprach? Klang sie nicht unheilvoll genug? Lebenslanges Pech. Verdammt. Drohe jemand ihm das an, würde er schleunigst das Weite suchen.
Die Schemen vermehrten sich. Ein Dutzend kleiner, gebeugter Gestalten.
Arsen kniff die Augen zusammen. Affen? Das war schlimm. Er hasste Affen. Aber es hatte auch ein Gutes. Bei ihnen hatte er keine Gewissensbisse seine Fähigkeit einzusetzen. Sollten sie doch sehen, was sie davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Er beabsichtige Unglück über sie bringen – sprichwörtlich. Er wusste im Vorhinein nie, wie das Pech zuschlug, aber er konnte ihm zumindest befehlen zu zuschlagen. Er lächelte, freute sich auf das unvorhersehbare Schauspiel. Schadenfreude war die beste Freude.
Die Affenschar näherte sich unbeeindruckt.
Arsen stutzte, zog die Augenbrauen zusammen, blinzelte verblüfft. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Fell. Der Sand fiel nicht herab, vielmehr sah es aus, als würde er von unten in den Affen hineingepumpt. Als wären sie Teil der Wüste. Er wirbelte herum und rannte los. Unbeseeltes verfügte weder über Glück noch Pech. Seine Fähigkeiten waren nutzlos.
Die Gestalten holten ihn unverzüglich ein.
Er schlug mit dem Säbel nach ihnen. Die Klinge schnitt durch einen Affen, dessen Wunde sich sofort wieder schloss, und blieb im Boden stecken.
Arsen rüttelte daran, bekam die Waffe aber nicht mehr frei.
Ein anderer kletterte an seinem Bein hoch.
Er packte ihn, zog ihn ruckartig nach oben, um ihn wegzuwerfen, doch sobald der Affe den Kontakt zum Boden verlor, verwandelte er sich in leblosen Sand, der durch Arsens Finger rieselte.
Weitere Tiere kletterten an seinem Leib empor. Bildeten eine Räuberleiter, um die Verbindung zur Wüste nicht zu verlieren. Das zusätzliche Gewicht zog ihn nach unten.
Er spannte die Oberschenkel an und sprang mit einem Schrei hoch.
Durch die unvermittelte Bewegung riss der Kontakt der Affen zum Boden. Sie rieselten an ihm herab.
Arsen schlug ungelenk auf.
Sofort streifte ein Tier ihm das Amulett vom Hals und ein anderes schnappte sich den Dolch, den er unter der Kleidung verborgen hatte. Sie rannten in entgegengesetzte Richtungen davon.
Arsen rappelte sich auf. Er haderte keinen Moment, sondern eilte dem Dolch hinterher.
Der Affe glitt über den Sand wie auf einem Rollband. Locker erklomm er die Düne und verschwand dahinter.
»Verdammt.« Er durfte den Dolch nicht verlieren. Ihm blieb nichts anderes übrig. Wenn er schon kein Unglück über die Sandaffen bringen konnte, musste er auf sein eigenes Glück zurückgreifen, trotz der unvorhersehbaren Konsequenzen. Er schloss die Lider.
Tiara hatte immer gesagt, seine Pupillen fransten aus, sobald er die Fähigkeit benutzte. Wie ein Tropfen smaragdgrüner Farbe, der auf Papier klatscht. Das konnte er nicht beurteilen. Er kannte nur das Gefühl, das sich dann ausbreitete. Felsenfeste Gewissheit. Wie jetzt. Er öffnete die Augen.
Unvermittelte dröhnte es vom Himmel und die Nacht wurde erhellt. Ein Meteorit von der Größe eines Tennisballs raste herab, verschwand hinter der Düne, gefolgt von einem Knall.
Die Gewissheit ebbte ab und Panik flutete die Gedanken. Das war schlimm. Wirklich schlimm. Ein verdammter Meteor. Die Konsequenzen? Gewaltig. So ein Mist. Arsen fluchte, während er mühsam die Düne erklomm.
Oben angelangt, sah er hinab in das Tal. Der Einschlag hatte den Sand kreisförmig zur Seite geschoben und eine Schüssel gebildet, aus der es dampfte. Zwischen den Rauchschwaden blitzte etwas auf.
Arsen rutschte die Düne herunter, ging auf den Krater zu und wedelte den Rauch weg.
»Man, hab ich ein Glück«, sagte er freudlos beim Anblick des Sandaffen.
Der Meteor hatte ihn nicht zerfetzt, sondern in Glas verwandelt. In eine lebensechte Skulptur, die bläulich im Mondschein glänzte. Der kosmische Künstler hatte das Entsetzen vorbildlich eingefangen. Aufgerissen Augen, verzogener Mund, Arme an die Brust gepresst. Allerdings steckte da auch der Dolch. Eingeschlossen in Glas.
Der entsetzte Gesichtsausdruck entlockte Arsen ein amüsiertes Schnauben. Wenigstens hatte der Affe sich ordentlich in die Hosen geschissen.
Eigentlich könnte man von ausgleichender Gerechtigkeit reden. Das Amulett war weg und der Dolch nutzlos, doch er zweifelte daran. Er hatte zu viel Glück gebraucht. Das Pendel würde wieder in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen und ihn treffen. Nur wann? Und wie?


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BeitragVerfasst am: 31.08.2018 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mir jetzt beide Fassungen einmal durchgelesen. Hoffe, dass bei meinen Anmerkungen etwas Nützliches für dich dabei ist...

Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:
Habe versucht die Anmerkungen umzusetzen. Ist es Besser? Schlechter?

---------------------------

Das Kamel bäumte sich auf und sackte danach endgültig im Sand zusammen.
»Könnte schlimmer sein«, murmelte Arsen. Am Himmel brannte nur eine Sonne und sie berührte bereits den Horizont. Diese Welt schien nicht allzu anders zu sein als die Erde. Hoffentlich war sie zivilisiert genug, um Monty Python zu kennen. Always look on the bright side of life. Ich muss sagen, dass mir die Monty-Python-Stelle in der ersten Version besser gefallen hat. Wirkte weiter unten einfach etwas passender und ging fließender in den Text über.
Pfeifend Pfeifend? Das klingt als sei er froh über das Ende des Tieres. Ein wenig unpassend, finde ich... stieg er ab und zog den Säbel. Er war dankbar, dass er neben dem Tier erwacht war, wobei ihm ein Buggy Ich finde es gut, dass das Genre durch diese Bemerkung besser definiert wird als in der ersten Version. lieber gewesen wäre. Aber das Kamel hatte lange durchgehalten und er beabsichtigte, sich gebührend zu revanchieren. Mit einer Hand streichelte er den Hals und mit der anderen stieß er die Klinge an den Rippen vorbei in das galoppierende Herz.
Einen Augenblick spannten sich die Muskeln an. Panik in den Augen. Doch als der Säbel den Körper verließ, atmete das Kamel ein letztes Mal rasselnd aus. Der Kopf fiel in den Wüstensand. Arsen wischte die blutige Klinge am Fell ab. Ein schnelles Ende für das Tier. Ein langsames für ihn?
Er war gefangen in einem kosmischen Witz. Alles erinnerte an Wasser, obwohl er in einer endlosen Wüste stand. Die Dünen ähnelten Wellen und in der Ferne flimmerte die Luft wie ein sprudelnder Bach. Er leckte sich über die Lippen, schmeckte Meer. »Könnte schlimmer sein«, wiederholte er sein Mantra.
Am hinteren Höcker hing ein getrockneter Kamelmagen, der als Wasserschlauch diente. Arsen hob ihn an und sah ein Loch, wo bis vor Kurzem keines gewesen war. Seine Häscher wurden dreister. Seit er in diesem fremden Beduinenkörper erwacht war, hatte er sie im Augenwinkel gesehen. Kleine Erhebungen im Sand, die ihm folgten. Sah er direkt hin, tauchten sie unter, verschwanden. Anfangs hielt er sie für Fragmente des Sprungs durch Zeit und Raum. Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten, während er wiederholt das Bewusstsein verlor. Diese Erklärung gefällt mir besonders gut. Sie mussten den Schlauch durchstochen haben, als er zuletzt eingenickt war.
Er zog das Amulett, das um den Hals baumelte hervor und klappte es auf. Anstatt das Bild seiner Geliebten, bewahrte es ihr Blut auf. Wie Ferroflüssigkeit sich auf einen Magneten ausrichtet, richtete es sich auf ihren Mörder aus. Arsen drehte sich, bis er in die Richtung sah, die ihm die flüssigen Blutnadeln zeigten und stampfte los.
Die Sonne versank hinter dem Horizont und am Firmament erstrahlten fremdartige Sternenbilder, durchzogen von unzähligen Sternschnuppen. Der Vollmond war näher als gewohnt. An einer Stelle ragten die Reste eines Kometen heraus, der ihn wohl aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte.
Diese Welt schien unter ständigem Beschuss aus dem Weltall zu stehen. "Beschuss" empfinde ich als schlecht gewählten Ausdruck. Es klingt mehr wie ein Angriff von Außerirdischen als wie ein Naturphänomen. Welche Auswirkungen hatte das auf das Leben hier? Versteckten sich seine Häscher deshalb unter dem Sand? Zumindest hatten sie die Scheu vor ihm verloren. Er konnte sie mittlerweile direkt ansehen. Worauf warteten sie?
Stunden später erahnte "ahnte" empfände ich ebenfalls besser. Arsen es. Sein Körper schlotterte - der dünne Stoff war nicht für die Nacht geeignet - und die Augen fielen wiederholt zu. Ein Königreich für ein Kamel. Zu gern hätte er sich an das wohligwarme, weiche und stinkende Fell gekuschelt. Oder an eine Frau. Er spürte förmlich ihre Berührung auf seiner Haut.
Arsen schreckte auf. Er war gestolpert und eingedöst. Hände streichelten über seinen Körper, durchsuchten diebisch die Taschen und umklammerten das Amulett.
Er sprang auf und zog den Säbel.
Eine letzte Bewegung unter dem Sand und dann war alles ruhig.
»Könnte schlimmer sein.« In dem flüchtigen Moment hatte er fünf Finger pro Hand gezählt. Mit Humanoiden kam er klar. Trotzdem war eine Warnung angebracht. Er war ja kein Unmensch. »Verschwindet, oder das Pech wird euch eueren Lebtag nicht verlassen.«
In einiger Entfernung erhoben sich Schemen aus dem Sand.
Arsen ließ die Schultern sinken und verdrehte die Augen. Wieso glaubte ihm niemand, wenn er seine Warnung aussprach? Klang sie nicht unheilvoll genug? Lebenslanges Pech. Verdammt. Drohe jemand ihm das an, würde er schleunigst das Weite suchen.
Die Schemen vermehrten sich. Ein Dutzend kleiner, gebeugter Gestalten.
Arsen kniff die Augen zusammen. Affen? Das war schlimm. Er hasste Affen. Aber es hatte auch ein statt "ein" für dich "etwas" verwenden Gutes. Bei ihnen hatte er keine Gewissensbisse seine Fähigkeit einzusetzen. Sollten sie doch sehen, was sie davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Er beabsichtige Unglück über sie bringen – sprichwörtlich. Er wusste im Vorhinein nie, wie das Pech zuschlug, aber er konnte ihm zumindest befehlen zu zuschlagen. Vielleicht ist das an dieser Stelle nur mein Gefühl, aber du erklärst sehr viel. Könnte man im Laufe der Handlung nicht vielleicht einbauen, dass er überrascht von dem Effekt seiner Fähigkeit ist und dem Leser so zeigen, dass er nie weiß, was geschehen wird? Er lächelte, freute sich auf das unvorhersehbare Schauspiel. Schadenfreude war die beste Freude.
Die Affenschar näherte sich unbeeindruckt.
Arsen stutzte, zog die Augenbrauen zusammen, blinzelte verblüfft. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Fell. Der Sand fiel nicht herab, vielmehr sah es aus, als würde er von unten in den Affen hineingepumpt. Als wären sie Teil der Wüste. Er wirbelte herum und rannte los. Unbeseeltes verfügte weder über Glück noch Pech. Seine Fähigkeiten waren nutzlos.
Die Gestalten holten ihn unverzüglich ein.
Er schlug mit dem Säbel nach ihnen. Die Klinge schnitt durch einen Affen, dessen Wunde sich sofort wieder schloss, und blieb im Boden stecken.
Arsen rüttelte daran, bekam die Waffe aber nicht mehr frei.
Ein anderer kletterte an seinem Bein hoch.
Er packte ihn, zog ihn ruckartig nach oben, um ihn wegzuwerfen, doch sobald der Affe den Kontakt zum Boden verlor, verwandelte er sich in leblosen Sand, der durch Arsens Finger rieselte.
Weitere Tiere kletterten an seinem Leib empor. Bildeten eine Räuberleiter, um die Verbindung zur Wüste nicht zu verlieren. Das zusätzliche Gewicht zog ihn nach unten.
Er spannte die Oberschenkel an und sprang mit einem Schrei hoch.
Durch die unvermittelte Bewegung riss der Kontakt der Affen zum Boden. Sie rieselten an ihm herab.
Arsen schlug ungelenk auf.
Sofort streifte ein Tier ihm das Amulett vom Hals und ein anderes schnappte sich den Dolch, den er unter der Kleidung verborgen hatte. Sie rannten in entgegengesetzte Richtungen davon.
Arsen rappelte sich auf. Er haderte keinen Moment, sondern eilte dem Dolch hinterher.
Der Affe glitt über den Sand wie auf einem Rollband. Locker erklomm er die Düne und verschwand dahinter.
»Verdammt.« Er durfte den Dolch nicht verlieren. Ihm blieb nichts anderes übrig. Wenn er schon kein Unglück über die Sandaffen bringen konnte, musste er auf sein eigenes Glück zurückgreifen, trotz der unvorhersehbaren Konsequenzen. Er schloss die Lider.
Tiara hatte immer gesagt, seine Pupillen fransten aus, sobald er die Fähigkeit benutzte. Wie ein Tropfen smaragdgrüner Farbe, der auf Papier klatscht. Das konnte er nicht beurteilen. Er kannte nur das Gefühl, das sich dann ausbreitete. Felsenfeste Gewissheit. Wie jetzt. Er öffnete die Augen.
Unvermittelte dröhnte es vom Himmel und die Nacht wurde erhellt. Ein Meteorit von der Größe eines Tennisballs raste herab, verschwand hinter der Düne, gefolgt von einem Knall.
Die Gewissheit ebbte ab und Panik flutete die Gedanken. Das war schlimm. Wirklich schlimm. Ein verdammter Meteor. Die Konsequenzen? Gewaltig. So ein Mist. Arsen fluchte, während er mühsam die Düne erklomm. Zu meinem oberen Kommentar: Ich finde das reicht schon aus, um zu erklären, dass die Konsequenzen unvorhersehbar sind.
Oben angelangt, sah er hinab in das Tal. Der Einschlag hatte den Sand kreisförmig zur Seite geschoben und eine Schüssel gebildet, aus der es dampfte. Zwischen den Rauchschwaden blitzte etwas auf.
Arsen rutschte die Düne herunter, ging auf den Krater zu und wedelte den Rauch weg.
»Man, hab ich ein Glück«, sagte er freudlos beim Anblick des Sandaffen.
Der Meteor hatte ihn nicht zerfetzt, sondern in Glas verwandelt. In eine lebensechte Skulptur, die bläulich im Mondschein glänzte. Der kosmische Künstler hatte das Entsetzen vorbildlich eingefangen. Aufgerissen Augen, verzogener Mund, Arme an die Brust gepresst. Allerdings steckte da auch der Dolch. Eingeschlossen in Glas.
Der entsetzte Gesichtsausdruck entlockte Arsen ein amüsiertes Schnauben. Wenigstens hatte der Affe sich ordentlich in die Hosen geschissen.
Eigentlich könnte man von ausgleichender Gerechtigkeit reden. Das Amulett war weg und der Dolch nutzlos, doch er zweifelte daran. Er hatte zu viel Glück gebraucht. Das Pendel würde wieder in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen und ihn treffen. Nur wann? Und wie?


Insgesamt finde ich den Einstieg in die Geschichte sehr interessant und vielversprechend. Dein Charakter ist auf jeden Fall jemand, den ich gerne in einem Buch begleiten würde.
Dein Schreibstil ist angenehm und die Persönlichkeit von Arsen, soweit sie sich bisher gezeigt hat, gefällt mir sehr gut.

Zitat:

Das "Magiesystem" ist nicht ausgearbeitet. Es gibt ein paar Randpunkte an denen ich arbeite:

Arsen kann zwei Dinge:
- sich selber Glück bringen - mit einer gegengerichteten Pendelbewegung des Pechs (wobei ich auch hier am hardern bin, ob es nicht besser wäre ihn sein Glück verbrauchen zu lassen, damit er danach nur noch Pech hat.) Er kann aber z.B. seinen Freunden später beim Attentat nicht helfen, indem er ihnen Glück schenkt.

- er kann anderen nur Pech bringen - ganz nach dem Motto Glück ist wenn der andere Pech hat. So geht Arsen durchs Leben. Er sorgt für ein klein wenig Pech hier und da, damit er glücklich durchkommt. DIE WICHTIGSTE FRAGE: Was hält ihn davon ab, denen, die er nicht mag den Pest und Tod zu wünschen? Ist mir selber noch nicht klar. Sein soziale Ader? Bääh. Eher nicht. Keine Ahnung. Klärt sich noch.

Die Fähigkeit funktioniert ähnlich wie der Tod in den Filmen Final Destination. Was geschehen kann ist in dem Setting verortet. Lockere Schnürsenkel öffnen sich, wenn man es am wenigsten brauchen kann. Man rutsch auf den Essensresten aus, die man zuvor auf den Boden gekippt hat. So was eben. Deshalb z.B. die Andeutung des Meteoritenschauers, dem Kometen, der in den Mond eingeschlagen ist. Meteoriteneinschläge sind etwas gängiges in dieser Welt.

Was nicht geht: Es tauchen nicht plötzlich Außerirdische auf oder der Weihnachtsmann.
Unbeseeltes (Stühle, Steine, Technik, Androiden [ich weiß, jetzt kommt die Debatte haben Androiden eine Seele) kann er nicht beeinflussen. Aber ein Stuhl kann z.B. wenn er einem fetten Typen Pech wünscht unter dessen Gewicht zusammenbrechen.


Falls du meine Meinung auch zu diesen Punkten hören möchtest:
Wenn er danach nur noch Pech hätte, wäre meiner Meinung nach die folgende Handlung doch etwas... anstregend. Ich meine: Bei wie vielen Dingen braucht der Mensch Glück im Leben? Und mit ein bisschen Pech bricht plötzlich der Ast eines Baumes direkt über dir durch und tötet dich. Ich denke, es würde schwer zu erklären sein, weshalb er nicht nach drei Seiten tot ist...

Zu dem Thema, was ihn davon abhält: Das könnte vieles sein. Vielleicht geschieht etwas Schlimmes, wenn er seine Fähigkeiten zu viel einsetzt/sie missbraucht? Vielleicht gibt es andere "Wesen" wie er eins ist und die tolerieren einen derartigen Machtmissbrauch nicht?
Oder ist es ist doch eine moralische Frage. Sogar die meisten "Bösewichte" haben gewisse Prinzipien, meistens aus Gründen, die in der Vergangenheit liegen.
Er könnte seine Fähigkeit missbraucht haben, es dabei übertrieben haben und sich selbst danach geschworen haben, so etwas nicht erneut zu tun? Vielleicht, weil die Feindschaft auf einem Missverständnis beruhte? Oder es einen ehemaligen Freund traf und er im Impuls agierte, es danach bereute? Die Vergangenheit ist der Schlüssel zu den meisten unserer Handlungsweisen und unseren Lebenseinstellungen.

Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf, was du aus dieser Idee schaffen wirst! Potenzial hat sie alle mal.


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BeitragVerfasst am: 01.09.2018 12:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo DancingMoonlight,

vielen Dank für deine Anmerkung. Sie sind äußert wertvoll für mich. Schließlich fische ich hier im Trüben. Da ist gut zu hören, ob die Texte wie gewollt ankommen, andere Leser ähnliche Ansichten habe oder etwas ganz anders sehen.

Zitat:
Always look on the bright side of life. Ich muss sagen, dass mir die Monty-Python-Stelle in der ersten Version besser gefallen hat. Wirkte weiter unten einfach etwas passender und ging fließender in den Text über.
Pfeifend Pfeifend? Das klingt als sei er froh über das Ende des Tieres. Ein wenig unpassend, finde ich...

-->  Teile deine Meinung - wollte aber hören, wie andere das sehen.  Pfeifend klingt für mich unpassend, aber andererseits wollte ich aufgreifen, dass er das Lied eben pfeift. Danke für den Hinweis. Werde es wieder runter ziehen, zu der Stelle, wo er los stampft.

Zitat:
Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten, während er wiederholt das Bewusstsein verlor. Diese Erklärung gefällt mir besonders gut.
--> freut mich Smile


Zitat:
Diese Welt schien unter ständigem Beschuss aus dem Weltall zu stehen. "Beschuss" empfinde ich als schlecht gewählten Ausdruck. Es klingt mehr wie ein Angriff von Außerirdischen als wie ein Naturphänomen.
-->ich hatte anfangs an Bombardement gedacht, kam mir aber zu militärisch rüber. Unter Feuer war zu doppeldeutig. Bisher ist mir nichts besseres als Beschuss eingefallen. Hast du einen Vorschlag?


Zitat:
Stunden später erahnte "ahnte" empfände ich ebenfalls besser. Arsen es.
--> hier wollte ich die Alliteration ahnte Arsen vermeiden. Klang in meinen Ohren seltsam. Danke für den Hinweis!

Zitat:
Aber es hatte auch ein statt "ein" für dich "etwas" verwenden Gutes.
--> Was meinst du zu: Aber es hatte auch sein Gutes, so geht die Redensart doch, oder?

Zitat:
Bei ihnen hatte er keine Gewissensbisse seine Fähigkeit einzusetzen. Sollten sie doch sehen, was sie davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Er beabsichtige Unglück über sie bringen – sprichwörtlich. Er wusste im Vorhinein nie, wie das Pech zuschlug, aber er konnte ihm zumindest befehlen zu zuschlagen. Vielleicht ist das an dieser Stelle nur mein Gefühl, aber du erklärst sehr viel. Könnte man im Laufe der Handlung nicht vielleicht einbauen, dass er überrascht von dem Effekt seiner Fähigkeit ist und dem Leser so zeigen, dass er nie weiß, was geschehen wird?
--> Hier war die Intention, die Gefühlschwankungen nachvollziehbarer zu gestalten. Dazu kam, dass meine Testleserin nicht verstanden hatte, was Arsen eigentlich vor hat. --> Danke für den Hinweis. Wie sehen andere das?

---------

Zitat:
Falls du meine Meinung auch zu diesen Punkten hören möchtest:
Wenn er danach nur noch Pech hätte, wäre meiner Meinung nach die folgende Handlung doch etwas... anstregend. Ich meine: Bei wie vielen Dingen braucht der Mensch Glück im Leben? Und mit ein bisschen Pech bricht plötzlich der Ast eines Baumes direkt über dir durch und tötet dich. Ich denke, es würde schwer zu erklären sein, weshalb er nicht nach drei Seiten tot ist...


--> Klar. Immer her damit. Smile
Deshalb auch der Satz am Schluss: Das Pendel würde wieder in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen und ihn treffen. Somit wird auf ein Glück, ein Unglück folgen. Mal sehen, wo die Geschichte mich hin trägt. Ganz aufgegeben habe ich die Idee des Naturvolkes immer noch nicht. Stelle mir das wie einen See vor, der irgendwann austrocknet. Würde zu gerne sehen, wie Arsen mit immerwährendem Pech umgeht. Mal sehen.


Zitat:
Zu dem Thema, was ihn davon abhält: Das könnte vieles sein. Vielleicht geschieht etwas Schlimmes, wenn er seine Fähigkeiten zu viel einsetzt/sie missbraucht? Vielleicht gibt es andere "Wesen" wie er eins ist und die tolerieren einen derartigen Machtmissbrauch nicht?
Oder ist es ist doch eine moralische Frage. Sogar die meisten "Bösewichte" haben gewisse Prinzipien, meistens aus Gründen, die in der Vergangenheit liegen.
Er könnte seine Fähigkeit missbraucht haben, es dabei übertrieben haben und sich selbst danach geschworen haben, so etwas nicht erneut zu tun? Vielleicht, weil die Feindschaft auf einem Missverständnis beruhte? Oder es einen ehemaligen Freund traf und er im Impuls agierte, es danach bereute? Die Vergangenheit ist der Schlüssel zu den meisten unserer Handlungsweisen und unseren Lebenseinstellungen.

--> Die aktuelle Erklärung hängt tatsächlich mit einer Tat zusammen, wo er sein Glück zu sehr forcieren wollte. Mit Menschen, die er geliebt hat, die aufgrund seines Ehrgeizes leiden mussten. In Details möchte ich nicht reingehen, sonst spoiler ich zu sehr. Aber die Entscheidung ist noch nicht gefällt. Vielleicht fällt mir noch eine andere nicht ganz so typische Erklärung ein. Vielleicht gar etwas lustiges oder eine Prophezeiung.... eine Prophezeiung. Vielleicht. Muss überlegen Smile

Danke für die Denkanstöße
Calvin


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BeitragVerfasst am: 01.09.2018 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

Freut mich, dass ich dir helfen konnte!

Zitat:
Der Vollmond war näher als gewohnt. An einer Stelle ragten die Reste eines Kometen heraus, der ihn wohl aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte.
Diese Welt schien unter ständigem Beschuss aus dem Weltall zu stehen.

Mal überlegen, was man sonst sagen könnte... Ich schreibe einfach mal ein paar spontane Ideen auf:
-Diese Welt schien allzu häufig von Kometen getroffen zu werden.
-Ein Aufprall von Kometen schien in dieser Welt keine Seltenheit zu sein.
Aber ein richtiger Ersatz für "Beschuss" fällt mir auch nicht ein. Lediglich die o.g. Ideen für andere Satzkonstruktionen, sodass man das Phänomen umschreibt.

Zitat:
Was meinst du zu: Aber es hatte auch sein Gutes, so geht die Redensart doch, oder?

Ja, "sein Gutes" klingt gut.


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❝Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.❞
-Mark Twain (1835-1910)
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Phenolphthalein
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BeitragVerfasst am: 01.09.2018 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Calvin Tower,

Der Text hat leider einige Schwächen. Dein Erzählstil ist (kurz gesagt) recht minimalistisch. Du beschreibst recht wenig und wenn ist es meistens oberflächlicher Natur.
Für mich hast du dich auch noch nicht hinreichend mit der Gestaltung des Textes auseinandergesetzt.
Kleines Beispiel: Er war dankbar.

Das ist lediglich genannt, ohne es zu zeigen. Machen mittlerweile viele und stört daher wohl nicht mehr, nun dann erwähne ich es auch nur, ohne mich weiter daran zu reiben.

Aber ein weiterer Gestaltungsmangel ist das Verhalten der handlungstragenden Person. Ich schreibe bewusst nicht die Gedankenwelt der Person, denn da haben wir (davon bin ich überzeugt) grundlegend unterschiedliche Auffassungen.

Er hat ein Kamel, das er kurzerhand umbringt, weil er es bis zur Entkräftung getrieben hat. Bei der alten Version wird es in einem Satz erwähnt, in der neuen Version streichst du die Info komplett und (wie grotesk, nein, ich meinte makaber) fügst stattdessen einen Buggy ein, der ihm lieber als das Tier gewesen wäre.
Was soll das vermitteln? Das Tier ist egal? Shit Happens?
Egal ob Variante A oder B
Dankbarkeit wird anders ausgedrückt.

Davon ab zeichnet sich in Version 1 ab, dass das Tier nicht mehr lange durchhält.
Wie wäre es mit Gegenmaßnahmen oder einem Alternativplan?
Nicht? Weil das Tier eben egal ist? Weil die Mission zählt? Oder gab es keine Alternativen?
Solche Infos fehlen und lassen zu viel Spielraum für (eigene) Interpretationen.
Nochmal: Was willst du zeigen? Wie soll der Prota dargestellt werden? Überlasse das besser nicht (oder nicht zwangsläufig) dem Leser.

Ähm, und wie respektvoll ist es (aus Dankbarkeit; O_O) den blutigen Säbel des gerade getöteten Tiers an dessen Fell abzuwischen?
 Da war noch etwas...
...richtig, er sehnt sich nach dem wohlig, warmen (bitte was?) stinkenden Fell des Tiers. Das passt leider nicht wirklich. Noch weniger passt dann, dass alternativ auch eine Frau geht (stichst’e die dann bei Bedarf auch ab?). Und ich denke, das Bild (diesen Charakterzug) wolltest du nicht zeigen. Tja, kam aber bei mir an.

Irgendwo erstickt er noch (und müsste Tod sein, weil es nicht der Versuch eines Ersticken war), der Säbel bleibt im Sand stecken (weil Sand die gleiche Konsistenz hat wie - sagen wir - Schlamm), aber alles ist (immer wieder) nicht schlimm, auch nicht das er in der Wüste kein Wasser hat, es wird ja bald Nacht.
Davon gibt es gefühlt 1000 und eine Stelle.

BTW: Zum Zitat unten:

Zitat:
Der Vollmond war näher als gewohnt. An einer Stelle ragten die Reste eines Kometen heraus, der ihn wohl aus der bekannten Umlaufbahn geworfen hatte.
Diese Welt schien unter ständigem Beschuss aus dem Weltall zu stehen.


Ich lass jetzt den Unterschied zwischen Komet und Asteroid außen vor, aber ein Fels- , Eis- oder was auch immer Brocken, der in der Lage wäre, den Mond aus der Umlaufbahn zu katapultieren, bräuchte eine entsprechende Größe. Unwahrscheinlich (für mich), dass da ein Fragment stecken bleibt. Schau mal auf den Mond. Krater über Krater, aber keine Fragmente.

Sorry, aber für mich ist das leider nicht mal annähernd Veröffentlichungsreif und wohl nicht mehr als eine Übung.

Viele Grüße,

Phenolphthalein


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Franz Grillparzer
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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 03.09.2018 07:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Phenolphthalein,

danke für deine Hinweise.

Gut zu sehen, dass auch andere bei dem Einstieg (der zweiten Version) hadern bzw. er ihnen nicht gefällt.
Persönlich gefällt mir der erste besser. Aber beim zweiten war die Intention schneller klar zu machen, dass der Prota aus "unserer Zeit" kommt, so gesehen Technik kennt.

Zum Thema Show, don't tell. Die Dankbarkeit - auch wenn du sie makerbar empfindest (mich stört das pfeifend mehr) und du Dankbarkeit nicht so ausdrücken würdest, macht es Arsen so. Für ihn ist ein scheller Tod etwas, wofür man dankbar sein sollte. Als er den Säbel am Fell abwischt, ist das doch ordentliches show, oder? Smile Wird schnell klar, was er von toten Tieren oder generell toten Körpern hält. Schließlich erwacht er jedes mal in einem neuen, frisch verstorbenen Körper, das ist für ihn nicht mehr als ein paar neue Schuhe. --> Was später natürlich zu Problemen führen wird.

Zitat:
...richtig, er sehnt sich nach dem wohlig, warmen (bitte was?) (Das verstehe ich nicht. Würdest du es mir erläutern?) stinkenden Fell des Tiers. Das passt leider nicht wirklich. Noch weniger passt dann, dass alternativ auch eine Frau geht (stichst’e die dann bei Bedarf auch ab? Du vermischt und pointierst hier. ). Und ich denke, das Bild (diesen Charakterzug) wolltest du nicht zeigen. Tja, kam aber bei mir an. (Gut zu wissen.)



Zitat:
Irgendwo erstickt er noch (und müsste Tod sein, weil es nicht der Versuch eines Ersticken war), der Säbel bleibt im Sand stecken (weil Sand die gleiche Konsistenz hat wie - sagen wir - Schlamm), aber alles ist (immer wieder) nicht schlimm, auch nicht das er in der Wüste kein Wasser hat, es wird ja bald Nacht.
Davon gibt es gefühlt 1000 und eine Stelle.
--> Ist sein Charakter.

Zitat:
Ich lass jetzt den Unterschied zwischen Komet und Asteroid außen vor, aber ein Fels- , Eis- oder was auch immer Brocken, der in der Lage wäre, den Mond aus der Umlaufbahn zu katapultieren, bräuchte eine entsprechende Größe. Unwahrscheinlich (für mich), dass da ein Fragment stecken bleibt. Schau mal auf den Mond. Krater über Krater, aber keine Fragmente.
--> Danke, schau ich mir im Detail an. Das Fragment ist wichtig für die Geschichte. Eventuell muss ich mir dann was anderes überlegen.[/justify]

BG
Calvin


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Phenolphthalein
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BeitragVerfasst am: 03.09.2018 08:09    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Calvin Tower,

Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:

Zum Thema Show, don't tell. Die Dankbarkeit - auch wenn du sie makerbar empfindest (mich stört das pfeifend mehr) und du Dankbarkeit nicht so ausdrücken würdest, macht es Arsen so.

Das Pfeifen ist ein Zeichen der Dankbarkeit? Okay, na gut.

Zitat:
Für ihn ist ein scheller Tod etwas, wofür man dankbar sein sollte.

Mag sein, aber war der Tod unvermeidbar oder wurde er durch etwas begünstigt?

Zitat:
Als er den Säbel am Fell abwischt, ist das doch ordentliches show, oder?

Aber ein für Die Situation deplaziertes (zusammenhangsloses).  

Zitat:
...richtig, er sehnt sich nach dem wohlig, warmen (bitte was?) (Das verstehe ich nicht. Würdest du es mir erläutern?) stinkenden Fell des Tiers. [...]

Das "bitte was" bezieht sich auf das folgende stinkend und sollte (gespielte) Bestürzung ausdrücken. Das scheinbar nicht korrekte, zumindest aber ungünstig gewählte Adjektiv, fügt sich nicht mit dem Restsatz zusammen. Ein Stilmittel, dass hier [wirklich] Anwendung finden würde, ist mir nicht bekannt (mag es aber geben, wer weiß?)

Doch ich sehe auf Grund deiner Argumentation, dass wir in vielen Dingen schlichtweg unterschiedliche Ansätze verfolgen.
Ich komme damit klar, du bestimmt auch.

Bleibt nur, dir weiterhin alles Gute für dein Werk zu wünschen.

Viele Grüße,

Phenolphthalein


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Franz Grillparzer
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Michel
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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
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BeitragVerfasst am: 03.09.2018 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Calvin Tower,

ich habe die erste Fassung und die Kommentare der anderen nur schräg gelesen, kann also sein, dass sich einiges wiederholt - das wäre ja auch eine Aussage.

Den Kern der Geschichte finde ich klasse. Jemand, der seine Geliebte an einen Mörder verloren hat, landet in einer feindseligen Welt, deren Regeln er erst allmählich versteht. Er bringt ein paar außerordentliche (magische?) Fähigkeiten mit, deren Benutzung allerdings ihren Preis hat. Sein Ziel ist es, den Mörder seiner Geliebten zu erwischen, doch die Elemente stellen sich ihm in den Weg. Damit hast Du mich schon mal an der Angel. Das ist keine reine High Fantasy mit Elfen, Prinzessinnen und Schwertkämpfen, sondern etwas Eigenes. (zumindest kenne ich kein Vorbild.) Der Held geht Probleme eher unbekümmert an, auch wenn sie potentiell lebensbedrohlich sind. Jedenfalls hätte ich ohne Wasser in der Wüste Angst.

Ich möchte im Moment keine kleinst-teilige Textarbeit liefern, das haben die anderen schon getan, mit teils sehr gegensätzlichen Meinungen. Wortwiederholungen sind mir ebenfalls aufgefallen, zunächst aber habe ich die Geschichte aufgesaugt. Spannend genug war sie mir jedenfalls.

Die Info-Happen sind über den Text verteilt, kein "Es ist nämlich so"-Block, der mir das Lesen vermiesen würde. Vieles bleibt offen; anscheinend gehen die Meinungen darüber stark auseinander. Ich persönlich würde mich von den nächsten Abschnitten/Kapiteln überraschen lassen und nehme erst einmal an, dass Du im Auge hast, was Du wann und wie erklären möchtest.

Perspektive: Ich selbst versuche, möglichst nah am jeweiligen Protagonisten zu schreiben, bin da aber weniger dogmatisch als früher. Hilfreich fände ich es, sich für eine Perspektive zu entscheiden und die relativ konsequent durchzuziehen. Du schreibst in der dritten Person, mir kommt das Ganze relativ distanziert vor. Keine Ahnung, ob Du das auch so geplant hast. Die nur von außen zu sehenden Änderungen der Iris sind so ein Detail, aber auch der Erzählstil verrät mir wenig über das Innenleben des Protagonisten. Für mich ist nicht entscheidend, wo er den Säbel reinigt. Aber was ich an Emotionen lese, wirkt auf mich behauptet, nicht wirklich eingebettet: "Er war dankbar, dass er neben dem Tier erwacht war" - okay, keine enge Bindung. Er schindet das Kamel zu Tode und gibt ihm dann den Gnadenstoß. Eine Art Wildwest-Szene, die auf mich seltsam unberührt wirkt.

Und genau das lässt auf mich den Text eher flach wirken: Der Held wirkt von allem recht unberührt. Seine Geliebte ist tot, alles was er von ihr hat, ist ein Blutkompass (genialer Einfall übrigens!), und er steigt pfeifend über die Dünen. Vielleicht ist es das, was sich in den anderen Kommentaren niederschlägt. Den Typen scheint nichts wirklich zu berühren. Wie die Figur in einem Online-Game dreht er sich von dem Kadaver weg und sucht nach der nächsten punkterelevanten Herausforderung. Missionsziel: Mörder finden. Kamel? Wird benutzt. Affen? Werden gesäbelt. Säbel hilft nicht? Schnell mal einen Kometen werfen. Er ist in einer Welt gefangen, die er nicht kennt, und scheint sich kaum Gedanken darüber zu machen, wie er dorthin gekommen ist. Zombie? Emotional auf jeden Fall. Darüber trägt mich dann auch kein schwarzer Humor, obwohl ich die Szene prima finde - Dolch gerettet und trotzdem unerreichbar.

Ich muss Arsen nicht mögen. Aber eine Figur mit etwas mehr Innenleben wäre sicher kein Fehler.

Viele Grüße, Michel
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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 04.09.2018 13:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@DancingMoonlight: Wollte dich nicht übergehen. Danke für deine Vorschläge.

@Phenolphthalein: Ja, es kommt mir vor, als reden wir aneinander vorbei. Danke für deine Wünsche.

@Michel: Danke für deine detaillierte Rückmeldung. Sie freut mich [Zehn Monate nachdem ich anfing mich mit dem Schreiben zu befassen, erhalte ich die Rückmeldung, jemand hätte die Geschichte aufgesaugt - welch Balsam für die Seele. Auch wenn ich weiß, dass da noch viel Arbeit wartet. Trotzdem, auch mal zufrieden sein und danke sagen.] und hat mich zum Nachdenken angeregt.

Arsen soll schon unbekümmert erscheinen und auch der neuen Welt keine Beachtung schenken, doch so ganz als emotionalen Zombie, wollte ich ihn nicht zeigen.

Der Welt schenkt er erst im zweiten Kapitel Beachtung. Er wundert sich auch nicht darüber, wie er in diese Welt gekommen ist, schließlich weiß er das und es ist auch nicht die erste Welt, durch die er den Mörder jagt. Beides wird im zweiten Kapitel angedeutet werden.

Ich erarbeite eine neue Version und stelle sie online.

LG
Calvin


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SannyB
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BeitragVerfasst am: 16.09.2018 12:09    Titel: Antworten mit Zitat

Da kann ich mich nur anschließen: sehr interessante Geschichte!
Ich fand auch den Anfang und Monty-Pyton der ersten Version besser, danach gewinnt die zweite Version.

Den Blutkompass zu verlieren dürfte für Arsen eine ziemliche Katastrophe sein. Bei den anderen Rückschlägen sagt er immer "nicht schlimm" oder "könnte schlimmer sein". Nach der Stelle "Er hatte den Dolch zurück, doch der Kompass war weg." vielleicht ein "es könnte noch schlimmer sein" (der Kompass könte zerstört sein) oder ein Fluch? Es ist auf jeden Fall spannend, wie er ihn wieder erlangt, um den Mörder zu finden.
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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 27.09.2018 08:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen,

hier ein Versuch, dem Zombie Leben einzuhauchen.
Im Nachhinein fand ich die Einleitung der zweiten Version nicht passend.
Die Story nimmt langsam Form an. Einige Punkte mussten deshalb aus dem ersten Kapitel weichen - adieu Monty. Andere mussten eingefügt werden.

Was sagt ihr zu der neuen Version?

Stören euch die vielen Absätze? (Versuche mich an den Public & Private Clips von Ingermanson)
Stört euch der repetitive Satzaufbau, wenn Arsen etwas tut?

BG
Calvin

--------------------------------------------------------------------Version-3---------------------------------------------------------------

Das Kamel strauchelte und brach im Sand zusammen.
Arsen beugte sich vor und tätschelte ihm den verschwitzten Hals. Treue hatte das Schicksal des Tieres besiegelt. Es hielt Wache neben seinem frischverstorbenen Herren, als Arsen hörbar Luft durch die vertrocknete Kehle des Beduinen sog. Freudig schnaubte es und stupste ihn an, nichts ahnend, dass nun ein anderer Geist dem Körper innewohnte. Und aus Treue hatte es sich bis zur Erschöpfung schinden lassen. Vergebens. Denir war auf und davon.
Arsen stieg ab und zog den Säbel, hatte Mühe ihn zu greifen. Durch wie viele Welten konnte er Denir noch verfolgen, bevor er ihn nicht mehr würde eigenhändig erdolchen können? Er durfte nicht erneut entkommen. Der letzte Sprung hatte ihn den linken Zeigefinger gekostet. Der Zufall meinte es gut mit ihm, denn an der Rechten fehlten bereits der kleine sowie der Ringfinger.
Das Kamel streckte den Kopf zu ihm. In den großen schwarzen Augen mit den langen Wimpern lag Verständnis.
Oder redete er sich das nur ein? Er streichelte den Kopf und platzierte ihn auf seiner Schulter. Ein schnelles Ende. Eines wie er es für sich erträumte – falls es ihm vergönnt war. »Wir sind mehr als diese verrottenden Hüllen, meine Liebe.« Er stach zu.
Einen Augenblick spannten sich die Muskeln des Tieres an. Der Kopf zuckte, aber Arsen hielt ihn fest. »Shhh.«
Als der Säbel den Körper verließ, schwand auch die Körperspannung und es atmete ein letztes Mal rasselnd aus.
»So das Pendel es will, sehen wir uns unter glücklicheren Umständen wieder.« Er lockerte den Griff und der Kopf fiel in den Sand. Während er die Klinge reinigte, ließ er den Blick wandern, über den kosmischen Witz, in dem er gefangen war.
Alles erinnerte an Wasser, obwohl er in einer endlosen Wüste stand. Die Dünen ähnelten anrollenden Wellen und in der Ferne flimmerte die Luft wie Gischt.
Er leckte sich über die Lippen und schmeckte das Meer. »Könnte schlimmer sein«, sagte er und steckte den Säbel in den Gürtel.
Am hinteren Höcker hing ein getrockneter Kamelmagen, der als Wasserschlauch diente.
Arsen hob ihn an und sah ein Loch, wo bis vor Kurzem keines war. Seine Häscher wurden dreister. Seit er in diesem fremden Beduinenkörper erwacht war, hatte er sie im Augenwinkel gesehen. Kleine Erhebungen im Sand, die ihm folgten. Sah er direkt hin, tauchten sie unter, verschwanden. Anfangs hielt er sie für Fragmente des Sprungs durch Zeit und Raum. Nachbilder, die sein Geist versuchte zu verarbeiten, während er wiederholt das Bewusstsein verlor. Sie mussten den Schlauch durchstochen haben, als er zuletzt eingenickt war.
Er fuhr sich mit den verbliebenen drei Finger über das Kinn. »Könnte schlimmer sein.« Das Glück war auf seiner Seite und wenn nicht, half er nach.
Davon abgesehen brannte am Himmel nur eine Sonne und sie berührte bereits den Horizont. Denir hatte ein Faible für altertümliche Welten, doch diese unterschied sich, im Vergleich zu den vorhergehenden, nicht sonderlich von der Erde.
Arsen griff nach dem Amulett, das am Hals baumelte.
Es erwachte, mit zwei kurzen du-dumms, zum Leben und lag dann reglos in seiner Hand.
Einen Augenblick hielt er es umschlossen, wartete wie damals auf einen Puls, von dem er wusste, dass er nicht kommen würde, und klappte es schließlich auf.
Anstatt das Bild seiner Geliebten, bewahrte es ihr Blut auf. Wie Ferroflüssigkeit sich auf einen Magneten ausrichtet, richtete es sich auf ihren Mörder aus.
Arsen drehte sich, bis er in die Richtung sah, die ihm die flüssigen Blutnadeln zeigten und stampfte los.
Die Sonne versank hinter dem flimmernden Horizont und am Firmament erstrahlten fremdartige Sternenbilder, durchzogen von unzähligen Sternschnuppen. Der Vollmond war ungewöhnlich nah und an einer Stelle prangte ein enormer Krater. Offensichtlich war etwas Gewaltiges eingeschlagen, das ihn aus der Umlaufbahn geworfen hatte. In der Mitte der Einsturzstelle steckte etwas, das mit bloßen Augen nicht zu identifizieren war.
Diese Welt schien unter ständigem Beschuss aus dem Weltall zu stehen. Welche Auswirkungen hatte das auf das Leben hier? Versteckten sich seine Häscher deshalb im Sand? Zumindest hatten sie die Scheu vor ihm verloren. Er konnte sie mittlerweile direkt ansehen. Worauf warteten sie?
Stunden später ahnte Arsen es. Der neue Körper schlotterte - der dünne Stoff war nicht für die Nacht geeignet - und die Augen fielen wiederholt zu. Ein Königreich für ein Kamel. Zu gern hätte er sich an das stinkende und wohligwarme Fell gekuschelt. Oder an eine Frau. Er spürte förmlich ihre Berührung auf der Haut.
Arsen schreckte auf. Offensichtlich war er gestolpert und eingedöst.
Hände streichelten über seinen Körper, durchsuchten diebisch die Taschen und umklammerten das Amulett.
Er schlug sie weg, sprang auf und zog den Säbel, der ihm beinahe entglitt.
Eine letzte Bewegung unter dem Sand und dann war alles ruhig.
In dem flüchtigen Moment hatte er fünf Finger je Hand gezählt. Das war gut. Mit Humanoiden kam er klar. Trotzdem war eine Warnung angebracht. Er war ja kein Unmensch. »Verschwindet, oder das Pech wird euch eueren Lebtag nicht verlassen.«
In einiger Entfernung erhoben sich Schemen aus dem Sand.
Arsen ließ die Schultern sinken und verdrehte die Augen. Wieso glaubte ihm niemand, wenn er seine Warnung aussprach? Klang sie nicht unheilvoll genug? Lebenslanges Pech. Verdammt nochmal. Drohe jemand ihm das an, würde er schleunigst das Weite suchen.
Die Schemen vermehrten sich. Ein Dutzend kleiner, gebeugter Gestalten.
Arsen kniff die Augen zusammen. Affen? Das durfte nicht wahr sein. Womit hatte er das verdient? Er hasste Affen. Sollten sie doch sehen, was sie davon hatten, sich mit ihm anzulegen. Er wusste im Vorhinein nie, wie das Pech zuschlug, aber er konnte ihm zumindest befehlen zu zuschlagen und tat es nun. Er lächelte, freute sich auf das unvorhersehbare Schauspiel. Schadenfreude ist die schönste Freude.
Die Affenschar näherte sich unbeeindruckt.
Arsen stutzte, zog die Augenbrauen zusammen, blinzelte. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Fell.
Der Sand rieselte nicht davon herab, viel mehr sah es aus, als würde er von unten in die Affen hineingepumpt. Als bestünden sie aus Sand.
Nicht gut. Er wirbelte herum und rannte los. Unbeseeltes verfügte weder über Glück noch Pech. Seine Fähigkeiten waren nutzlos.
Die Gestalten holten ihn unverzüglich ein.
Er schlug mit dem Säbel zu.
Die Klinge schnitt durch einen Affen, dessen Wunde sich sofort wieder schloss, traf den Boden und rutschte ihm aus der verkrüppelten Hand.
Sand kroch den Säbel empor, bedeckte und verschlang ihn. Ein Affe kletterte Arsens Bein hoch.
Arsen packte zu, zog ihn ruckartig nach oben, um ihn wegzuwerfen, doch sobald der Affe den Kontakt zum Boden verlor, verwandelte er sich in leblosen Sand, der ihm durch die Finger rieselte.
Weitere Tiere kletterten an seinem Leib empor. Bildeten eine Räuberleiter, um die Verbindung zur Wüste nicht zu verlieren. Das zusätzliche Gewicht zog ihn nach unten.
Er spannte die Oberschenkel an und sprang mit einem Schrei hoch.
Die Sandaffen verloren den Kontakt zum Boden und rieselten herab.
Arsen schlug ungelenk auf.
Sofort streifte ein neugebildetes Tier ihm das Amulett vom Hals und ein anderes schnappte sich den Dolch, den er unter der Kleidung verborgen hatte. Sie rannten in entgegengesetzte Richtungen davon.
Er rappelte sich auf und eilte ohne einen weiteren Gedanken dem Dolch hinterher.
Locker, wie auf einem Rollband, erklomm der Affe die steile Düne und verschwand dahinter.
»Verdammt.« Ihm blieb nichts anderes übrig. Wenn er schon kein Unglück über die Sandaffen bringen konnte, musste er auf sein eigenes Glück zurückgreifen, trotz der unvorhersehbaren Konsequenzen.
Er schloss die Lider. Tiara hatte immer gesagt, seine Pupillen fransten aus, sobald er die Fähigkeit benutzte. Wie ein Tropfen smaragdgrüner Farbe, der auf Papier klatscht, meinte sie. Er hatte es nie in einem Spiegel überprüft, aber kannte das Gefühl, das sich dann ausbreitete. Unverrückbare Gewissheit. Alles würde gut. Er öffnete die Augen.
Unvermittelt dröhnte es vom Himmel und die Nacht wurde erhellt. Ein Meteorit von der Größe eines Tennisballs raste herab, verschwand hinter der Düne, gefolgt von einem Knall.
Die Gewissheit ebbte ab. Er zitterte am ganzen Körper. Die Nase lief, die Augen tränten und Panik flutete die Gedanken. Das war schlimm. Wirklich schlimm. Ein verdammter Meteorit. Die Konsequenzen? Gewaltig. Die Chance ihnen zu entgehen? Gleich null. So ein Mist. Fluchend hetzte er die Düne hoch. Er musste den Dolch sichern, bevor die Nachwehen ihn übermannten und ihm sein künftiges Unglück zeigten.
Der Einschlag hatte den Sand kreisförmig zur Seite geschoben und eine Schüssel gebildet, aus der es dampfte. Zwischen den Rauchschwaden blitzte etwas auf.
Arsen rutschte die Düne herunter, ging auf den Krater zu und wedelte den Rauch weg. »Schlimmer geht nimmer«, sagte er freudlos beim Anblick des Sandaffen, obwohl er es besser wusste.
Der Meteor hatte ihn nicht zerfetzt, sondern in eine lebensechte Glasskulptur verwandelt, die bläulich im Mondschein glänzte.
Arsen schnaubte. Wenigstens hatte der Affe sich ordentlich in die Hosen geschissen.
Der kosmische Künstler hatte das Entsetzen vorbildlich eingefangen. Aufgerissen Augen, verzogener Mund, Arme an die Brust gepresst. Allerdings steckte da auch der Dolch. Eingeschlossen in Glas.
Eigentlich könnte man von ausgleichender Gerechtigkeit reden. Das Amulett war weg und der Dolch nutzlos, doch er zweifelte daran. Er hatte zu viel Glück gebraucht. Das Pendel würde–
Arsen schmatzte. Da war der metallische Geschmack. Der entfernte Geruch von Ozon. Bevor er sich hinlegen konnte, verkrampften die Muskeln und er fiel zitternd zu Boden.


---------------------------------------------Vielen Dank fürs Lesen----------------------------------------


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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 27.09.2018 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe erst die letzte Version gelesen. Die Grundidee gefällt mir: Protagonist verfolgt als Zombie den Mörder seiner Geliebten durch unzählige Welten, hat außerdem die (sicherlich kosten- und folgenreiche) Fähigkeit, das Pendel zwischen  Glück und Unglück zu seinen Gunsten ausschlagen zu lassen. Gerade letzteres wirft allerdings Fragen auf, die sicherlich später noch beantwortet werden: Welchen Preis muss Arsen für diese Fähigkeit bezahlen? Wie leicht und wie oft hintereinander kann diese Fähigkeit eingesetzt werden? Warum hat er die Fähigkeit überhaupt? Wie stellt der Autor sicher, dass die Fähigkeit sich nicht zum deus ex machina entwickelt?

Die zwei Szenen, die Du schreibst, lesen sich (nach einem holprigen Einstieg) ganz flüssig, gerade gegen Ende im Kampf gegen die Sandaffen hat mich die Geschichte doch so sehr reingezogen, dass ich nicht mehr von Textanomalien wie ganz am Anfang abgelenkt war und ich tatsächlich wissen wollte, wie es wohl weitergehen wird. Genaueres:

Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:
Stören euch die vielen Absätze? (Versuche mich an den Public & Private Clips von Ingermanson)
Stört euch der repetitive Satzaufbau, wenn Arsen etwas tut?

Die Absätze fand ich kein bisschen störend, im Gegenteil. Sicherlich hätte man den einen oder anderen zusammenlegen können, aber es beginnt ja auch nicht jeder Satz in einer neuen Zeile.
Der repetitive Satzaufbau ist mir beim Lesen nicht aufgefallen, da gab es größere Baustellen, ich werde aber gleich nochmal drauf achten.

Zitat:
[justify]Das Kamel strauchelte und brach im Sand zusammen.
Arsen beugte sich vor und tätschelte ihm den verschwitzten Hals. Zweierlei: 1. Schätzungsweise (so verstehe ich das) sitzt Arsen im Moment des Strauchelns auf dem Kamel, kämpft aber selbst nicht mit seinem Gleichgewicht? Muss man nicht mit reinnehmen, aber von meinen pauschalen Kenntnissen übers Kamelreiten ist das ja schon schaukelig genug, wenn das Tier nicht gerade in Todesmühen über den Sand torkelt. 2. Bezugsschwierigkeit für Spitzfindige: "tätschelte ihm den Hals" könnte sich rein grammatikalisch auch auf den Sand beziehen. Das ist an sich nicht schlimm, jeder wird schätzungsweise wissen, was eigentlich gemeint ist, außerdem ist es ja auch lustig, dass man später mit Sandtieren direkt konfrontiert wird, andererseits aber werden spitzfindige Leser (wie ich) da gleich wieder aus dem Text gekegelt, bevor sie überhaupt drin sind. Treue hatte das Schicksal des Tieres besiegelt. Das verstehe ich nicht, auch nicht, wenn im Folgenden erklärt wird (auch das habe ich lange nicht verstanden, weil die Zeit komplett falsch ist, s.u.), dass offensichtlich die Treue eines Tieres zu seinem Herrn (als ob Kamele da wirklich so viel Auswahl hätten) dazu geführt hat, dass es letztlich zuschanden geritten wurde. Wobei auch das unklar ist, denn dem Leser wurde bislang ja nicht mitgeteilt, dass Arsen besonders schnell oder grob geritten hätte. Im Gegenteil: als das Kamel zusammenbricht, hat Arsen ja keine Probleme, auf dem Rücken des Kamels sitzenzubleiben (s.o.). Wahrscheinlich ist das ein Satz, der dem Autor gefallen hat, und wahrscheinlich sollte der Satz deswegen auch raus. Es hielt Wache neben seinem frischverstorbenen Herren, Bis ich die Rückblende erkannt habe, war ich schon zu verwirrt. Klingt nämlich, als wäre das die gleiche Zeitebene, in der das Kamel auch strauchelt (auch wenn da in der Einleitung der Rückblende ja schon einmal Plusquamperfekt stand mit "hatte … gekostet". So wie ich Rückblenden allerdings verstehe (und darum auch ablehne, weil zu viel Plusquamperfekt sich beim Lesen oft in ein Minusquamperfekt verwandelt. Trotzdem müsste es heißen: "Es hatte Wache gehalten …" und entsprechend dann eben bis zum "schinden lassen" PQP, so doof es auch klingt. als Arsen hörbar Luft durch die vertrocknete Kehle des Beduinen sog. Auch hier habe ich ewig gebraucht, um das Konzept der Körperwanderung zu verstehen. Andererseits ist verstehen ja auch nicht richtig, denn ich habe Fragen: Wenn Arsen nach einem Weltenwechsel einen neuen Körper, offensichtlich einen toten Körper beheimatet, wieso kosten ihn dann Dinge, die er tut, Finger. Im Grunde hat er ja keine eigenen Finger mehr. Oder verstehe ich das falsch? Was ich aber eigentlich anmahnen wollte: ich war überfordert von der Vorstellung, wie Arsen, von dessen Weltenwanderfähigkeit ich bis eben nichts wusste, "Luft durch die vertrocknete Kehle des Beduinen zog". Das Bild war nämlich weniger: Arsen bewohnt einen neuen Körper, sondern nur die vertrocknete Kehle eines anderen Menschen wie einen Strohhalm, und das ist gleichermaßen eklig wie nutzlos. Natürlich erkennt man später, wie es gemeint ist, in der ersten Begegnung aber ist es gruselig. Vielleicht kannst Du irgendwie anders deutlich machen, dass ein Leichnam plötzlich wiederbelebt wurde. Vielleicht, wenn Du den Abschnitt um einen Satz erweiterst, in dem klar wird, wie Arsen sich im Körper des Beduinen einrichtet, und dann anfügst: als Arsen Luft durch die vertrocknete Kehle zog..., und das dann als Beginn des Folgesatzes nimmst. Freudig schnaubte es Bezugsschwierigkeit. Ja, es geht um das treue Kamel, aber vor lauter Beduinenkehle habe ich das schon wieder vergessen. Hier das Kamel als handelndes Subjekt selbst und nicht nur durch ein Pronomen darzustellen, dürfte eindeutiger sein. und stupste ihn an Wen ihn? Arsen oder den Beduinen. Ja, sie sind mittlerweile die gleiche Person bzw. der gleiche Zombie, aber weil das ja irgendwie noch nicht so ganz klar ist (also mir beim ersten Lesen nicht), könnte es verwirren., nichts ahnend nicht ahnend, dass nun ein anderer Geist dem Körper innewohnte. Und ich hatte tatsächlich beim allerersten Lesen des Abschnittes gedacht, dass auch im Kamel ein fremder Geist haust. Der ganze Abschnitt ist eine Leserfalle, die mich, gerade zu Beginn eines Textes, eher abschrecken würde. Und aus Treue hatte es sich bis zur Erschöpfung schinden lassen. Weiß nicht. Ist es jetzt immer noch Treue? Ist ein Kamel zu Treue überhaupt in der Lage (kenne keine Kamele)? Wichtiger: vorhin war Treue noch schuld am Kameltod, weil das Kamel nicht das Herrchen hat liegenlassen und alleine durch die Weite der Wüste weggewandert war, nun aber ist Treue schuld, weil das Kamel aus Liebe zum nun stinkenden Herrchen sich schinden lässt. Vergebens. Bei "vergebens" denke ich meistens an das Scheitern des Protagonisten und nicht an das Scheiterns seines Reittiers. Denir war auf und davon.
Arsen stieg ab und zog den Säbel, hatte Mühe ihn zu greifen. Warum? Wegen der Finger, die ihm fehlen, von denen ich aber erst später was erfahre? Oder weil der Säbel des Beduinen ein fremdes Werkzeug ist für ihn? Oder weil er vor lauter Schweiß in der Wüste so schwitzige Finger hat? Durch wie viele Welten konnte er Denir noch verfolgen, Sehr schön, hier bekomme ich einen ersten Vorgeschmack darauf, was hier überhaupt passiert, und was für einen! Sofort will ich mehr wissen! bevor er ihn nicht mehr würde eigenhändig erdolchen können? Erdolchen? Mit dem unhandlichen Säbel? Ersäbeln? Er durfte nicht erneut entkommen. Bezugsungenauigkeit: ja, mit so vielen Ers kann es unübersichtlich werden, aber im vorigen Satz war das handelnde Er immerhin Arsen, da müsste auch jetzt das handelnde Subjekt Arsen und nicht Denir sein. Isser aber nicht. Oder soll Arsen nicht erneut entkommen dürfen. Der letzte Sprung hatte ihn den linken Zeigefinger gekostet. Und hier ist das Subjekt dann wieder Arsen. Außerdem die Frage von oben: kann er nur Körper bewohnen, die die richtigen Verstümmelungen haben? Von der Mechanik der Sprünge gar nicht zu reden: braucht es ein Portal, ist das stationär, gibt es ein Werkzeug? Wie wird sichergestellt, dass Arsen und Denir in derselben Welt landen und in derselben Gegend? Der Zufall Später erfahren wir, dass Glück und Unglück für Arsen beeinflussbare Kräfte sind, wie kann es da Zufall geben? Oder ist das ein Preis, dass Arsen sich mit Zufall rumschlagen muss? meinte es gut mit ihm, hatte es gut gemeint denn an der Rechten fehlten bereits der kleine sowie der Ringfinger.
Das Kamel streckte den Kopf zu ihm. Bezug: "ihm" würde sich auf den Finger beziehen, meint aber Arsen. In den großen schwarzen Augen mit den langen Wimpern lag Verständnis. In Augen liegt in der Regel nichts außer der Glaskörper, einer gelartigen und (hoffentlich) klaren Flüssigkeit. Ja, gemeint ist, dass Arsen das Verständnis darin liest, aber das lese ich hier wiederum nicht. Vor allem nicht in den Augen eines Kamels. Höchstens mit den Augen eines Kamels, wenn man mich aufgrund meiner Spitzfindigkeit als solches bezeichnen möchte. Spitzfinden Kamele?
Oder redete er sich das nur ein? Ja. Er streichelte den Kopf Hängt der Kopf an irgendwas dran? Klar, am Kamel, aber irgendwie klingt es, als gäbe es nur den Kopf, der schon abgetrennt ist vom Kamel, seit das Kamel ihm den Kopf hingestreckt hat. und platzierte ihn auf seiner Schulter. Ein schnelles Ende. Klingt, als sollte das schon das schnelle Ende sein, was komisch wäre. Eines Komma wie er es für sich erträumte – falls es ihm falls ihm je eines vergönnt war. »Wir sind mehr als diese verrottenden Hüllen, meine Liebe.« Und da habe ich gedacht: Klar, im Kamel steckt wirklich ein anderer Geist, nämlich der seiner Geliebten, die er zudem - wie tragisch - auch immer wieder zu töten verflucht ist, damit er den Mörder seiner Geliebten … Äh … Er stach zu. Wohin? Womit?
Einen Augenblick spannten sich die Muskeln des Tieres an. Der Kopf zuckte, aber Arsen hielt ihn fest. »Shhh.« Ist Arsen englischsprachig? Ansonsten zischt er nur kurz und haucht dann lang.
Als der Säbel den Körper verließ Als Arsen den Säbel aus dem Körper zog (oder so ähnlich). Der Säbel geht ja nicht von alleine wieder aus dem Körper raus, als wäre er verdaut und ausgeschieden worden., schwand auch die Körperspannung und es Was? Bezug! atmete ein letztes Mal rasselnd aus.

Ich muss leider aufhören, weil ich zum Zug muss. Und der gute Teil des Textes kommt ja auch erst noch. Aber vielleicht kannst Du hiermit schon was anfangen (es zum Beispiel komplett ignorieren, weil ich vielleicht doch ein bisschen zu fies war. Ist aber gar nicht so gemeint.).
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Calvin Tower
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Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 28.09.2018 07:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo anderswolf,

wow, vielen Dank für deine detaillierte Rückmeldung. Ich empfinde sie nicht als fies, schließlich klingt sie nicht anklagend, sondern hat den Text im Fokus.
Mich beschleicht das Gefühl, je häufiger ich einen Text überarbeite, desto weniger Sinn ergibt er für den Leser. Anscheinend geht der Flow verloren. Da muss ich mir überlegen, wie ich dem vorbeugen kann.

Der Anfang sollte einer Begründung dienen, wieso das Kamel sich hat zu Tode schinden lassen. Dafür experimentierte ich mit einem kurzen Flashback. Hier rein: Treue hatte das Schicksal besiegelt ... Dann die Erläuterung. Kamel wartet neben dem verstorbenen Herrn, als Arsen in dem Körper erwacht. Das Tier erkennt den Unterschied nicht und  ... und hier raus: Und aus Treue hatte es sich bis zur Erschöpfung schinden lassen.
--> Ich hatte meine Zweifel, ob der Abschnitt nicht zu kurz ist, um diese Technik zu nutzen. Aber letztlich zweifel ich immer Smile Da ist Feedback von außen Gold wert. Ich hätte im PQP bleiben sollen. Danke!

Das mit den Fingern, dient zum einen als Erklärung, wieso er im Kampf so leicht den Säbel verliert und zum anderen hat es eine größere Bedeutung für die Story. Aber ja, der Beduinenkörper hatte noch alle Finger, bevor Arsen den Körper übernommen hat. Die Erklärung gibt es aber erst zum Schluss der Geschichte.

Grundsätzlich war die Idee im ersten Abschnitt des Texts (Bis er losstampft), beim Leser Fragen aufzuwerfen und die dann mehr oder weniger ungewohnt zu beantworten. Was an einer Stelle offensichtlich geklappt hat:
Zitat:
Arsen stieg ab und zog den Säbel, hatte Mühe ihn zu greifen. Warum?

Aber letztlich wohl mehr verwirrt als hilft. Meine Ambitionen übersteigen mein Handwerkszeug. Da hilft nichts als weiter daran arbeiten.

Die verwirrenden Bezüge sind eine Folge meiner Unfähigkeit im Umgang mit den Private und Public Clips. Auch daran muss ich arbeiten. Danke, dass du mich darauf hingewiesen hast.

Beste Grüße
Calvin


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“Books aren't written - they're rewritten. Including your own. It is one of the hardest things to accept, especially after the seventh rewrite hasn't quite done it.” - Michael Crichton
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