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Rilke Remix: Sonette an Orpheus XXVIII


 

 
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Autor Nachricht
davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 51
Beiträge: 58
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 04.07.2018 19:10    Titel: Rilke Remix: Sonette an Orpheus XXVIII eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du bist bloß auf den ersten Blick noch Kind,
komm zeigs, mach mit mir die Figur im Tanzen,
die andern Jungs sind für den Kick noch blind,
uns eint im Beat Struktur: Natur im Ganzen

steht wie ein Baum, will sich im Club betragen,
als sei sie starr; bleibt wenn ich red nur stumm:
stop motion will der Blick der Truppe klagen,
bleibt sich im Smalltalk fremd und steht nur rum.

Du kennst die Punchline schon: One time, two wrongs,
hast jede Schwingung, heiß wie kühl, vernommen,
bis du den Text in ihrer Mitte schreist.

Versuchst fast kaum noch schöne Schritte: Meist
bist du schon längst wie mein Vinyl, verkommen,
drehst dich zu mir, mein Freund: One Rhyme, two tongues.

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poetnick
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 56
Beiträge: 363
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 16.07.2018 23:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo davidmuc,

ich kenne die Sonette an Orpheus zu wenig um einen direkten Bezug vermerken zu können.
Sicher bin ich mir, dass Rilke hier zumindest geschmunzelt hätte, dringt doch das eine oder andere Echo seiner Sprache mal durch.
Faszinierend jedenfalls in welche Gefilde die Schüttelei führt. Da wird dem Autor beim Dichten wohl manche Überraschung zuteil.
Dir gelingt es die Schüttler so gekonnt mit dem Inhalt zu verweben (oder andersrum), dass das Ganze wie ein Stoff ohne grobe Naht wirkt.

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 23
Beiträge: 67



BeitragVerfasst am: 17.07.2018 17:12    Titel: Antworten mit Zitat

Da musste ich doch grade mal meinen Rilke rauskramen und die Nummer XXVIII der "Sonette " nochmals lesen. Im Grunde, sofern ich dich richtig verstanden habe, oder Rilke, gibst du beinah den selben Inhalt wieder, mit dem kleinen Unterschied, dass dein Text sich nicht so bieder und verkünstelt ernst nimmt, wie der Rilkes. (Ja, ich gebe zu, ich mag Rilke nicht besonders) Dennoch, cooles Teil, vorallem weil man ein Vergleichsobjekt zur Hand hat.

Hast du die anderen Sonette auch verwandelt?
Hätte nichts dagegen noch ein paar zulesen.

L.G
Patrick
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 51
Beiträge: 58
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 18.07.2018 20:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo poetnick, Hallo Patrick Schuler,

das Vorbild kann übrigens man auch hier finden:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/sonette-an-orpheus-9414/55

Wie Patrick anmerkt, ist es weniger die Sprache als die Inhalte - inklusive der etws verstörenden Schlüsselwörter- wie dem Baum, der da immer wieder bei Rilke auftaucht - ins Heute versetzt.

 Ich bin auch kein Rilke-Fan, und so habe ich nur mal den Anfang der Sonette etwas parodistisch durch den Kakao gezogen:


Da stieg ein Baum! Wie schaffts ein Baum, zu fliegen?
"O Orpheus singt! O Baum in feinem Ohr!"
Und alles schwieg, sich sanft wie Flaum zu biegen.
schien wohl der Baum, so kam es einem vor.

Bald drangen aus dem Klaren, Stillen  Tiere,
die nicht aus Angst noch List so leise wären.
Doch kamen auch aus den Antillen Stiere,
die pfiffen auf des Orpheus weise Lehren.

Nie tönte zu den Hammeln ihr Geröhr -
denn Kitsch färbt kleine Herzen eben bunt.  
Zwar schufen wir den Tieren Tempel, Krippen,
die Herden, sie verrammeln ihr Gehör!

Sie trampeln, brüllen, twittern, beben - und?
Und ich muss dann den ganzen Krempel tippen.


Häufiger übersetze ich fremdsprachige Dichter. Sonst kommen immer die Leute daher und sagen : Hey, du willst dich wohl nicht am großen Rilke /... /...  messen?
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Patrick Schuler
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 23
Beiträge: 67



BeitragVerfasst am: 22.07.2018 19:43    Titel: Antworten mit Zitat

Ach, warum sich nicht mal Ziele setzten. Da kann man sich auch mal an Rilke messen. Und unter uns Hermann Hesse konnte auch nix und wird überall gelesen lol2

Schöne Sonett Parodie.

L.G
Patrick
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charls
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 21
Wohnort: Aruba


BeitragVerfasst am: 15.08.2018 03:00    Titel: Antworten mit Zitat

Mit fremden Federn.....

_________________
Was waeren wir ohne die Liebe? Sag, was waeren wir, ausser Gottloses Gesindel?
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rncw
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 22
Beiträge: 63



BeitragVerfasst am: 21.08.2018 19:51    Titel: Re: Rilke Remix: Sonette an Orpheus XXVIII Antworten mit Zitat

davidmuc hat Folgendes geschrieben:
Du bist bloß auf den ersten Blick noch Kind,
komm zeigs, mach mit mir die Figur im Tanzen,
die andern Jungs sind für den Kick noch blind,
uns eint im Beat Struktur: Natur im Ganzen

steht wie ein Baum, will sich im Club betragen,
als sei sie starr; bleibt wenn ich red nur stumm:
stop motion will der Blick der Truppe klagen,
bleibt sich im Smalltalk fremd und steht nur rum.

Du kennst die Punchline schon: One time, two wrongs,
hast jede Schwingung, heiß wie kühl, vernommen,
bis du den Text in ihrer Mitte schreist.

Versuchst fast kaum noch schöne Schritte: Meist
bist du schon längst wie mein Vinyl, verkommen,
drehst dich zu mir, mein Freund: One Rhyme, two tongues.


Ich finde das Gedicht sehr gelungen. Für mich vermischt es gekonnt klassische Lyrik (Reimschema, Sprache) mit sehr moderner Sprache, die für den Normalo fast 'fremd'-modern klingt. Man bekommt das Gefühl, in eine fremde Welt einzutauchen, und das gefällt mir sehr. Ich finde, es hat einen schnellen, modernen, unterhaltsamen Rhytmus / Ausdrucksweise.

Wie schreibst du deine Gedichte? Erst den Inhalt, danach die Reime? Würde mich sehr interessieren. Oder fallen dir die Reime mehr oder weniger 'gleich' ein?

rncw


_________________
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe
Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben
Meines Lebens Vollgewinn,
Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.

Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.

(J. W. Goethe, Hatem)
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 51
Beiträge: 58
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 26.08.2018 02:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, danke rncw, Very Happy

entschludige, dass erst jetzt eine Antwort kommt (nach dem Urlaub).
Gedichte schreibe ich jedesmal anders,hier habe ich mir erst das Rilke-Original genau angesehen und eine moderne Assosiation ausgedacht, die auf  persönliche Erinnerungen zielt:  Eine Nacht im Club, die Leute stehen blöd rum, statt zu tanzen, ein Lover...
Dann die Suche nach Gleichklängen, die dem Rilke möglichst nah bleiben...
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rncw
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 22
Beiträge: 63



BeitragVerfasst am: 28.08.2018 23:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo davidmuc,

ich finde es faszinierend Smile aber ich nehme an du schreibst auch Gedichte ohne Vorlage?


_________________
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe
Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben
Meines Lebens Vollgewinn,
Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.

Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.

(J. W. Goethe, Hatem)
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davidmuc
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 51
Beiträge: 58
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 29.08.2018 22:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh, danke, rncw! Freut mich!

Yep, meistens ohne Vorlagen - (wie alles, was sonst bisher so rumliegt hier von mir) aber hin und wieder auch "richtige" Übersetzungen oder ein Gemisch aus allem. Liebe Grüße!
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