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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Ali Barber


 
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poetnick
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BeitragVerfasst am: 25.06.2018 12:20    Titel: Ali Barber eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ali Barber
 
dein ramadamatem strömt fad
steht die luft
ich liege halal
die klinge am hals

schaue dich an
ganz nah
diese blässe so zart und schwach
zittert die hand

um haaresbreite schneidest du
den bart aus dem spiegel
scheint

mein gesicht

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Literättin
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
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BeitragVerfasst am: 26.06.2018 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ist mir zu billig: der Ali im Titel mit dem Barber kombiniert und dann mit Hilfe lyrischer Kniffs, die mir hier wie in ein B-Film-Thriller angewandt scheinen, in über die Versenden hinaus weisenden Vor- und Rückbezügen ein wenig Verwirrung gestiftet (wessen Blässe, wessen Hände?) und die Zeile mit dem "aus dem Spiegel geschnitten" ergibt für mich nur den Sinn, sich als einzelner Vers, unabhängig von der Stimmigkeit im Gesamtbezug, interessant zu machen.

Es heißt im übrigen nicht Ramadam. Halal zu liegen erscheint mir ein wenig gwollt kombiniert, da es an sich kein Bild und keine Stimmigkeit ergibt. Der fade Atem ist eine Zuschreibung, die dem Ganzen von der ersten Zeile her fürs übrige eine ungute Tendenz verpasst.

In meinen Augen - und ich weiß, das klingt harsch, aber das Ganze weckt einfach meinen Unmut über die "Thrill-Darstellung" eines "potentiellen Gefährders" - insgesamt ein schwaches Stück Lyrik was "bestenfalls" frei fluktuierende Vorurteile aus der Luft zu greifen und zu verdichten vermag.
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menetekel
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BeitragVerfasst am: 26.06.2018 19:10    Titel: Antworten mit Zitat

Dem vorherigen Kommentar möchte ich mich gern anschließen.
Insbesondere die erste Versgruppe
Zitat:

Ali Barber
  
dein ramadamatem strömt fad
steht die luft
ich liege halal
die klinge am hals


wirkt auf mich geradezu hysterisch. Und zwar auf eine ungute Art.

Die Vorstellung, dass Muslime in Frisiersalons lauern, um mir  "Ramadanatem" ins Gesicht zu pusten und mir die Klinge an den Hals zu setzen, scheint mir weit hergeholt.
Sollte es sich bei deinem Gedicht um eine Parodie auf eben diese Ängste handeln, ist dir das leider nicht gut genug gelungen. - Bei mir bleibt ein unangenehmer Geschmack zurück.

m.
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 26.06.2018 22:13    Titel: Antworten mit Zitat

Mir geht es ähnlich. Ich weiß nicht, was die Anspielungen auf einen muslimischen Frisör hier sollen.

Ohne die wär's dies:

ich liege
die klinge am hals

schaue dich an
ganz nah
diese blässe so zart und schwach
zittert die hand

um haaresbreite schneidest du
den bart aus dem spiegel
scheint

mein gesicht


Das wäre ja auch was, nicht?
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 27.06.2018 06:52    Titel: Antworten mit Zitat

Oh ja, First,
so wäre das ein richtig gutes Gedicht! smile  Ein anderer Titel müsste dann allerdings noch her ...

m.
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poetnick
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 57
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BeitragVerfasst am: 27.06.2018 23:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ali Barber
  
dein ramadanatem strömt fad
steht die luft
ich liege halal
klinge am hals

schaue dich an
ganz nah
diese blässe so zart und schwach
zittert die hand

um haaresbreite schneidest du
den bart aus dem spiegel
scheint

mein gesicht




Hallo Literättin,

vorab: die Neufassung beruht auf Korrektur des von Dir entdeckten Rechtschreibfehlers im Wort Ramadan, sowie einem Hinweis von firstoffertio, auf den ich später noch einmal eingehen werde. (Text liegt jetzt in der Werkstatt)

Ein Ritt auf des ‚Messers Schneide‘, so ließe sich die Gefühlslage des Lyich vielleicht bebildern. Der genauen, angespannten Beobachtung und übersteigerten Wahrnehmung, halbliegend, das Rasiermesser am Hals, drängen innere Bilder und Zuschreibungen an die Oberfläche.
Hervorgegangen aus vielerlei Ablagerungen,  Ereignisse im System des gesellschaftlichen Raumes die im Laufe der Zeit schwankende Gewissheiten, Verunsicherung und Vertrauensschwund befördern.

Der Ramadanatem strömt notwendigerweise fad; jedem der einmal von morgens bis abends keinerlei Nahrung zu sich genommen hat, ist das Phänomen sicher bekannt. Wohl gemerkt, es sind Beobachtungen und Zuschreibungen des LyIch und als solche nicht negativ wertend.
Die Anstrengungen des Barbiers, seine Blässe, sein Zittern geben diesen einen ebenso  verletzlichen Ausdruck.  
So liegt es also da und fühlt im Zustand des Koscheren, Reinen und Unschuldigen -  des Halal (  für es jedoch ein gefühlter Anklang zum Halali…).

Gefühle werden wirkmächtig, die sich aus tausend und einer Nachricht über Terror, Gewalt, Migration und Kriminalität speisen, sowie einer die Orientierung verlierenden Öffentlichkeit und deren Individuen.  
Der Salon ist hier ein Metapherrahmen; xenophobe Flash-Bilder mögen das Lyich in der S-Bahn, im Gedränge von Menschenansammlungen, oder andernorts heimsuchen.

Es geht um die Auseinandersetzung mit, eine Passage durch jene(n) aufschäumenden Objekte.
Der Salon ist auch ein Spiegelkabinett; als schließlich das Lyich, von seinem Bart befreit ist, stellt es gespiegelt fest: mein Gesicht…
Nur das Beziehungshafte, die wirk-liche Nähe zwischen Barbier und Lyich, nach vollbrachter Rasur, konnte die krause Oberfläche der Befürchtungen glätten und lässt es ahnen, dass diese dem eigenen Inneren entspringen.
Mir ist bewusst hier ein sensibles Plätzchen aufgesucht zu haben, das von vielerlei Reflexen umlagert wird.

Im Eigentlichen geht es darum einen sklerotischen Prozess von Angst, Verhärtung hin zu möglichen Beziehungsbrüchen auszudrücken– und/oder einer Wiedererweichung im Erkennen.

Danke für Dein deutliches Feedback – Gruß aus der Fremde
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MoL
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 01:12    Titel: Antworten mit Zitat

Also abgesehen von der bemühten Überschrift (Barber/Baba) gefallt mir dieses Gedicht sehr gut, lieber Inkognito!
Ich erkenne hier auch keine großartige Panikmache, sondern einfach nur Gedanken, die "man" halt so schonmal hat.
Wie man den Ramadan übersteht, habe ich übrigens bis heute nicht begriffen; ich las mal eine Studie, nach der der Lebensmittelverbrauch währenddessen sogar erhöht ist ...
Also - bis auf den Titel -: mir gefällt`s! Smile
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 08:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

deine Erläuterungen funktionieren in meinen Augen besser als das Gedicht, das all dies für mich nach wie vor nicht hergibt. Vielleicht wäre das Thema und deine viel wesentlicheren Gedanken (als die im Gedicht gezeigten Bilder) dazu in einem Prosatext besser aufgehoben?

LG, Literättin

edit: Vielleicht dieser Hinweis noch: Du erklärst mr den "faden Ramadanatem" anhand konkreter biologischer Vorgänge im realen Fasten, stellst in deinem Gedicht allerdings einen anderen Zusammenhang her und bietest dort auch ein Bild an, das so nur in eine Richtung zielen kann und zwar in Richtung Zwielichtigkeit, Zweifel an "echter Reinheit" (glaubwürdiger Aufrichtigkeit) des Moslems etc. Da haftet eben der ganz fade Geruch am gläubig fastenden.

Ansonsten hättest Du ja fader Fastenatem schreiben können und das hätte eine andere Konnotation.

So transportiert dein Gedicht eben dies, was ich in meinem ersten Kommentar bereits schrieb: verdichtete aus der Luft gegriffene frei fluktuierende Vorurteile. Mehr nicht. Also eben auch das Vertrackte nicht, das du in deiner Antwort hinzufügst. Im Gedicht selbst erscheint nur das Bild des zwielichtig-bedrohlichen "Ali Barber".

Jetzt kannst du natürlich sagen: Bist du als Leser halt zu begrenzt, das nicht selbst dazu zu denken. Und ich bleibe dabei: dein Gedicht gibt all das tückische am Gesamtgemenge zwischen Alltag, aufgeheizter Mediendebatte, Nachrichtenlage und von News-Fakenewa-Infodump überfordertem Alltags Gehirn des Einzelnen nicht her.
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poetnick
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 10:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Menetekel,



Zitat:
wirkt auf mich geradezu hysterisch. Und zwar auf eine ungute Art.


ich stimme insoweit mit ein, als Hysterie in den möglichen Begegnungen, die ich hier versucht habe zu vereinzeln, zu verdichten, eine dynamische Wirkung entfaltet.

Zitat:
Die Vorstellung, dass Muslime in Frisiersalons lauern, um mir "Ramadanatem" ins Gesicht zu pusten und mir die Klinge an den Hals zu setzen, scheint mir weit hergeholt.


Den Plural greift das Gedicht überhaupt nicht auf, (und das ist gut so), da es nicht um den Muslim als Gruppe geht, sondern um das fragile Beziehungshafte im Erleben des Lyich - eine Wahrnehmung im Augenblick, allerdings verzerrt durch plurale Einflüsse.

Danke Dir für die Rückmeldung.





Hallo firstoffertio,

auch Dir danke ich für das Feedback und dem Vorschlag zur Änderung.
Ein beherzter Eingriff und es würde so für mich auch funktionieren. Nur wäre der Bezug zum Kernanliegen kaum noch erkennbar.


Grüße aus Incognita
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gold
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito,

beim Lesen deines Textes kam mir der Gedanke, dass das LI Opfer einer Projektion geworden ist, die sich in Vorurteilen Bahn bricht.

Für mich stellt sich die Frage, ob du dich, als Verfasser dieses Textes,  mit dem LI identifizierst. Ist das nicht der Fall, fände ich es geradezu notwendig, dies deutlich zu machen.

Ansonsten hängt an dem Ganzen ein Beigeschmack, den ich nicht weiter goutieren will.

Grüße gold
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Stimmgabel
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Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 28.06.2018 17:03    Titel: Re: Ali Barber Antworten mit Zitat

-

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Ali Barber
 
dein ramadamatem strömt fad
steht die luft
ich liege halal
die klinge am hals

schaue dich an
ganz nah
diese blässe so zart und schwach
zittert die hand

um haaresbreite schneidest du
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Hallo Inko,

ein textale Sichtweise, die's natürlich nicht wenig gibt;  ist da ein LI beim Ali Barber [ wer damit auch immer provoziert sein will? ], fühlt sich quasi wie bei einer halal-Schlachtung bei, jenem Ali-Frisör ausgeliefert … als wollte dieser halalen, gerade noch mal gut gegangen …

okay, stellt sich natürlich die Frage, warum LI bei seiner Gesinnung überhaupt zu diesem Ali Barber gegangen ist [ wohl deswegen, dass dieser Text überhaupt existieren kann Wink ]

Nun ja, bei so wenig inhaltlichem Fleisch ist der Text mMn einzig ne leere Provokation gegen … wer hier immer auch mit Ali Barber konkret gemeint sein will … auch hierum drückt sich diese Wörterei, mMn , Wink

bleibt übrig , eine dieser flachen diskriminierungs_Denken, in der sich dieser Text flach einreihen will  / ob hier eine Ironie vorliegt … mMn absolut nicht, ergo nur ne heischende Flachbett-Inszeniere,

okay: sie Wortage ist in seiner kurz_Sequenzierung gut getroffen, wäre der Inhalt auch da, schade darum.


Gruß Stimmgabel …

-


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poetnick
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 17:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Mol,

danke auch für Dein Feedback, zu den
Zitat:
Gedanken, die "man" halt so schon mal hat.

Sie kreisen sicherlich bei mancherlei Gelegenheit und entspringen ihrer jeweiligen Gefühlslage. Darum geht es hier und um ihre Bewusstwerdung.

Für den Titel werde ich mir etwas überlegen, vielleicht ist er zu reißerisch.




Hallo Literättin,

ja, einen Versuch in Prosa wäre das Thema wert und ich denke es bliebe mehr Raum zu Klärung von Widersprüchen und Absichten.

Zitat:
Jetzt kannst du natürlich sagen: Bist du als Leser halt zu begrenzt, das nicht selbst dazu zu denken. Und ich bleibe dabei: dein Gedicht gibt all das tückische am Gesamtgemenge zwischen Alltag, aufgeheizter Mediendebatte, Nachrichtenlage und von News-Fakenewa-Infodump überfordertem Alltags Gehirn des Einzelnen nicht her.


Es bleibt bei der Aussage Deiner ersten Rückmeldung und daran gibts für mich nichts zu relativieren. Danke.
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poetnick
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 17:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo gold,

Zitat:
beim Lesen deines Textes kam mir der Gedanke, dass das LI Opfer einer Projektion geworden ist, die sich in Vorurteilen Bahn bricht.



Ja ein Dunkelfeld für Projektionen, gut dass der Salon mit Spiegeln gespickt ist und der Friseur den 'Bart' gekonnt entfernt.



Zitat:
Für mich stellt sich die Frage, ob du dich, als Verfasser dieses Textes, mit dem LI identifizierst. Ist das nicht der Fall, fände ich es geradezu notwendig, dies deutlich zu machen.


Sorry, das ist jetzt lustig, etwa: "gold, ich gelobe, bei meinem Schatten, keine Projektionen zu werfen."(?)

Nein wirklich, lass uns beim Lyich und am Gedicht bleiben. Und psychologische Schnellexpertisen tauschen wir bei Bedarf über PN.

Danke der Nachfrage
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 28.06.2018 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nur wäre der Bezug zum Kernanliegen kaum noch erkennbar.


Dieses habe ich immer noch nicht kapiert/herausgelesen.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 04:46    Titel: Antworten mit Zitat

Mal ganz anders anders betrachtet: Für mich zeigt das Gedicht und besonders seine Rezeption, wie erfolgreich die AfD mit ihrer Radikalisierung ist. Und zwar nicht nur bei den Rechten, sondern auch bei ihren Gegnern.

Ganz unschuldig und nüchtern betrachtet ist die Darstellung im Gedicht ziemlich neutral und da ist nichts Abwertendes. Okay, das LI fühlt sich kurz wie Schlachtvieh, aber wer tut das nicht, wenn einem jemand (ganz egal, welcher Religion oder Abstammung) eine Klinge an den Hals setzt?

Es ist heiß im Ramadan (fad / steht die Luft) (das hatten wir ja gerade), der Barbier fastet tagsüber und isst nachts, er ist blass, [müde], geschwächt und seine Hand zittert leicht. Trotzdem geht er professionell seiner Arbeit nach und bringt sie zufriedenstellend zu Ende, ohne versehentliches oder gar absichtiges Blutvergießen.

Jetzt kommt die (meiner Meinung nach bestimmt gewollte) Lesererwartung ins Spiel: Da muss doch was diskriminierend sein! Da muss man doch irgendwas Abfälliges finden, wenn der Titel schon ein so aufgesetztes Wortspiel ist. Das muss doch Anti-Islam-Propaganda sein! Und wer suchet, der findet. Zack, da isser, der negative Beigeschmack. Auch bei mir. Aber liegt das jetzt wirklich am Gedicht, oder an uns Lesern, die nach einem aufgesetzt witzigen Titel mit Islambezug sofort den nächsten Möchtegernbrainwash mit Knuffel&Puffel-nicht_Pferden erwarten?

Frage ich mich gerade wirklich. Kann man nicht auch einfach eine neutrale Darstellung von jemandem lesen, der wie gewöhnt zu seinem (muslimischen) Friseur geht, um sich den Bart schneiden zu lassen und dem beiläufig auffällt, wie geschwächt und fertig dieser Mann von der Fastenzeit ist? (Konnte ich bei den muslimischen Schülern in meinen Deutschkursen auch gerade beobachten). Und trotzdem kriegt dieser Friseur seine Arbeit noch auf die Reihe, was das LI bemerkenswert findet.

Ich denke, man kann das Gedicht tatsächlich so lesen, nur nicht beim ersten Mal und muss eine Menge ausblenden, damit das gelingt. Eben jene Erwartungshaltung, die uns die ständige Präsenz der AfD Schreihälse angewöhnt hat. Ich hab beim ersten Lesen auch gleich gedacht: Hölle, was soll das denn sein?!
Aber was steht da wirklich? Nur eine neutrale, aber ungeschönte Betrachtung. Alles weitere macht der Leser daraus.

Könnte man nicht eventuell als Stärke des Gedichtes sehen, uns das vor Augen zu führen? Oder ist das naiv?

Trotz allem kritischen Hin- und Herdenken immer noch etwas ratlos,
Veith
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 07:51    Titel: Antworten mit Zitat

@Veith - deine Argumentation scheitert in meinen Auge bereits am Titel - "der Ali" schon vor dem ersten Vers in Szene gesetzt und in Kombination mit einem zum Frisör gemachten Räuberfänger aus der persischen Dichtung.
Es sind die Konnotationen die das ganze hier schon nach unten ziehen. 1001 Nacht erzählt Scheherazade in dem Klassiker der Weltliteratur, aus dem der Autor sich den Räuber (nein, kein Räuber, er fängt sie ja und sperrt sie ein, die vierzig) greift und zum Ali Barber dem Frisör "verdichtet". Der Autor braucht nur zwei Worte, um hier "den Ali" auf des Autors Intention also für ihn "aufs Wesentliche" zu verkürzen und auf diese Weise "klar zu machen".

Und das steckt im Titel und nicht in mir als Leser, dessen Hirn von der AFD gekapert wurde. Auf gut Deutsch: das steht da so und glotzt mich auch genau so an wie es da steht. Das sind bewusst angewandte lyrische Mittel.

Und mich ärgert es beinahe schon, dass ich das hier erklären und derart viele Worte machen muss.

Auch Du willst mir die Konnotationen, die im Gedicht stecken unterschieben, mir in mein Gehirn zurück schieben, von wo sie aber nicht kommen. Sie stecken in den Zeilen des Gedichts. Dort steht "fade" in Verbindung mit "Ramadan", nicht in meinem Kopf. Dass "hier" (wo?) die Luft im Ramadan still stand führst du an und hast es für dich erst kürzlich erlebt. Ich aber lese dieses Gedicht, die Worte, die hier gefügt werden, die Zeilen und Verse mit ihren Vor- und Rückbezügen. Da hat einer durchaus lyrische Techniken angewandt um Wirkung zu erzeugen, das darfst du diesem Autor glaube ich zutrauen.

Ich lese dieses schwache Stück Lyrik in seiner so Gemachtheit und nicht mit meinen medial Gehirngewaschenen Zuschreibungen.

Und das was dieses Gedicht in mir auslöst ist ein schales Gefühl dem Gedicht gegenüber, das während des Lesens dieser Zeilen entsteht. Da brauche ich vorher keine Gehirnwäsche erlitten haben.
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 09:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

ja, ein "sensibles Plätzchen" ist es allemal, das du hier aufgesucht hast. Mein persönliches erstes Lesen ging aber tatsächlich in Richtung deiner Intention: Ich sah jemanden im Friseurstuhl sitzen, der von irrationalen Ängsten und Assoziationen ergriffen wird und am Ende sich selbst erkennt.
Und abgesehen von der Irrationalität kann man es ganz rational bei einer Bartrasur mit zitternder Hand natürlich mit der Angst bekommen.
Aber ich muss zugeben, mich störte schon auch der Titel und die Halal-Passage. Auf der anderen Seite: Ich habe gegoogelt, es gibt so einige Friseursalons, die diesen Namen haben, Selbstironie geht also schon mal klar. In meiner Stadt gibt es sehr viele von Türkischstämmigen betriebene Friseursalons - gerade Herrensalons - so dass die Wahrscheinlichkeit groß wäre, in einem solchen zu landen. Vielleicht also sollte man der bloßen politischen Korrektheit wegen gar nicht auf "Friseursalon Hairlich" ausweichen; schon gar nicht natürlich, wenn sich die eigentliche Intention dann nicht mehr rüberbringen lässt.
Das nur mal als weitere Leserinnenstimme plus erweiterte Gedanken.
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gold
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

@Inkognito,

du scheinst mir ja eine ganz schöne Naivität zu unterstellen und den spöttischen Unterton kannst du dir sparen. Daran ändert der Vorschlag, per Pn zu kommunizieren, auch nichts.

@Veith,
Ich denke, der Text ist zur falschen Zeit eingestellt worden. Die Nerven von manchen Usern, und da nehme ich mich nicht aus, liegen ganz einfach blank ob der ständigen Hetze, die einen bereits zum Frühstück serviert wird und am Schlimmsten finde ich sie, wenn sie auch noch unter dem Deckmantel der Intellektualität daherkommt.

Wäre der Text zu einer anderen Zeit eingestellt, hätte ich die Szenerie interessant gefunden, weil der Autor mit wenigen Worten eine Situation zeichnet, wie sie durchaus vorkommen kann.

Gruß gold
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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 11:11    Titel: Re: Ali Barber Antworten mit Zitat

Inkognito hat Folgendes geschrieben:
Ali Barber
 
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diese blässe so zart und schwach
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… lese ich die zweite Textfaden-Kommhälfte, weiß ich, bin mitten im DSFO  Wink

Hier geht's einzig um den Text  [ in Plot, Inhalt und Wortung ] und nicht um Befindlichkeiten, die manchem ans Ohrläppchen drangewachsen sind. Hier geht's nicht um den Autoren [ sein ICH ], umsoweniger um die mal wieder brüchigen Seelen des armen Lesers, mancher.

Der Text arbeitet einzig mit angelegten Provokationern, inszenierten Wortebildern [ in Richtung Muslime und einem seltsamen Frisörkunden ] ohne seine/ihre innere Ausrichtung irgendwie aufzufangen;

bleiben also durchgängig Seltsamkeiten und inszenierte Provokationen haltlos, im Raum hängend, und das war's auch schon, was dieser Text leistet,

und das ist mir persönlich lyrisch zu wenig; nicht mehr und nicht weniger, meine Meinung.

Bleibt mir meine schon vorige Äußerung:

okay, stellt sich natürlich die Frage, warum LI bei seiner (Ali-ängstlichen) Gesinnung überhaupt zu diesem (halal-klingenden; tonal gesehen) Ali Barber gegangen ist …

wohl deswegen, dass dieser Text überhaupt existieren kann Wink



… mehr gibt's doch nun wirklich nicht über diesen lyrisch faden Text inhaltlich zu sagen, mM.

Gruß Stimmgabel …

-


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Literättin
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 11:35    Titel: Antworten mit Zitat

ein P.S. noch von mir - und Zufall, dass Bananenfischin den selbstironisch gewählten Frisörshopnamen benennt, denn der ging mir auch noch durch den Kopf - es geht bei einem Gedicht allerdings immer um seine Gesamtstimmigkeit und Wirkung aus sich selbst heraus (Lyrik ist auf Wirkung aus, das ist eines ihrer Merkmale).

Ein Gedicht und dieses Gedicht ist da nicht auszuschließen, sollte, wenn es denn gekonnt ausgearbeitet ist, für sich selbst stehen können.

Und allein für sich stehend funktioniert dieses Gedicht bestenfalls "halbseiden".

Betrachte ich den Grad der Ausarbeitung, die eingesetzten Mittel, dann kann ich bei diesem Gedicht davon ausgehen, dass es mit einigem Bewusstsein so gesetzt ist.

Und als bewusst so gesetztes Gedicht hinterlässt es mit den so angewendeten lyrischen Mitteln bei mir einen unguten Endruck.

Wäre diese Szenerie eine Szene in einem Tatort, gäbe es also einen Handlungsrahmen, in dem sich dieser kleine Thriller abspielt, wäre das etwas völlig anderes.

Und da kam mir eben genau jener "Barbershop"-Gedanke, dass es eben auch eine völlig andere Sache wäre, wenn ein Ali sich selbstironisch diesen Namen für seinen Salon aussucht, dann fände ich den "Ali Barber" klasse.

Anderer Rahmen, andere Voraussetzungen.

Nur muss halt einGedicht für sich selbst stehen können und wenn es gut ist auch ohne lange Zusatzerklärungen auskommen können.

Und ich bin wieder am Anfang: Ich lese den Titel den faden Ramadanatem, lasse mich auf die Vor- und Rückbezüge ein und was mir bleibt ist eben etwas schales.

Ein Gedicht kann ich nicht einfach drehen und wenden wie ich will und es mir in den Kram passt. Denn es ist Lyrik. Und Lyrik besticht eben genau durch ihre ausgearbeitete Form die dann durch die Form ihren gefügten Inhalt erst transportiert.

Und dieses Gedicht hat keinen Rahmen, keine Rahmenhandlung, ist nicht Bestandteil eines Zyklus, der andere Bezüge herstellen könnte.

Denn es steht so da, wie es da steht: Es ist halt eben Lyrik. Wenn auch entweder schwache (wenn all das, was es eigentlich transportieren sollte so da heraus nicht zum tragen kommt, weil es bestenfalls ungeschickt gefügt ist) oder schlechte (wenn es nichts anderes hergibt als Vorurteils-Bestätigung in verdichteter Form).
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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 12:04    Titel: Antworten mit Zitat

-

Literättin hat Folgendes geschrieben:
Es ist halt eben Lyrik.


… okay, ein Gedicht, sicherlich                                , aber Lyrik?

   erfüllt mMn dieser Text genau das Funktionelle der Lyrik nicht  /
   nur haltlos provozieren, hat nunmal rein gar nichts mit der Kunstform Lyrik zu tun,

selbst Dada-Texte [ als Lyrik, vorausgesetzt ] hatten (haben) genauso und immer einen inneren und äußeren Plot;

lebt nunmal Lyrik genau von diesem zweibein_PLo-Paar ... uns, den Leser handnehmend zugleich frei-assoziativ mitnehmen zu wollen [ egal wohin, text-parallel ],

auf dem Grund des Textgrundes.

Gruß Stimmgabel ...

-
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 29.06.2018 12:20    Titel: Antworten mit Zitat

Stimmgabel hat Folgendes geschrieben:
-

Literättin hat Folgendes geschrieben:
Es ist halt eben Lyrik.


… okay, ein Gedicht, sicherlich                                , aber Lyrik?

   erfüllt mMn dieser Text genau das Funktionelle der Lyrik nicht  /
   nur haltlos provozieren, hat nunmal rein gar nichts mit der Kunstform Lyrik zu tun,

selbst Dada-Texte [ als Lyrik, vorausgesetzt ] hatten (haben) genauso und immer einen inneren und äußeren Plot;

lebt nunmal Lyrik genau von diesem zweibein_PLo-Paar ... uns, den Leser handnehmend zugleich frei-assoziativ mitnehmen zu wollen [ egal wohin, text-parallel ],

auf dem Grund des Textgrundes.

Gruß Stimmgabel ...

-


Einspruch stattgegeben - ich hatte halt ein wenig niedrigschwelliger angesetzt.


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when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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