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Wo kommt die Freude her?


 

 
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Fedor
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 60
Beiträge: 38
Wohnort: Frankfurt am Main


BeitragVerfasst am: 04.06.2018 17:22    Titel: Wo kommt die Freude her? eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auch wenn der Morgen sonnig war, sommerlich fühlte er sich nicht mehr an. Im Schatten fröstelte es.

Und überhaupt, es war langweilig. Freundin Sonja besuchte Verwandte. Müssen Mäuse Verwandte besuchen? Kevin grub unterm Stall einen neuen Tunnel. So einen Beruf haben die Maulwürfe.

Auf der hölzernen Treppe sitzend, überlegte Murr, was er mit dem angebrochenen Morgen anfangen sollte. Und beschloss, seinen Besitz abzuschreiten. Für den Anfang – den Garten. Wenn man durch ihn mit weit geöffneten Augen geht, so kann einem mancherlei Interessantes ins Auge springen.

Von der Treppe ins hohe Gras gehüpft, merkte Murr sofort, wie unüberlegt das war. Der Nachttau durchnässte sofort buschige weiße Pfötchen und Bauch. Zu alldem hob ein kühler Wind die Härchen auf dem Rücken. Aber zurückweichen – niemals.

Irgendwas sagte ihm, dass es auf den im Gras leuchtenden Inseln viel gemütlicher war. Er sammelte sich, stieß ab und flog. Und hatte Recht. Auf der Insel war das Gras trocken und kitzelte lustig. Die durch Baumblätter dringende Strahlen wärmten zärtlich und ließen die Augen kneifen. Wie schön! Murr streckte ihnen den Kopf entgegen.

Nach ein paar Minuten kam ein neuer Gedanke: Wie es wohl auf den anderen Inseln aussieht? Von einer zur anderen springend, wunderte er sich, wie unterschiedlich sie waren. Jede hatte einen anderen Geruch. Auf manchen wuchsen Blumen, auf den anderen – Stacheln.

Vom Küchenfenster her erklang Lachen. Vor dem offenen Fenster stand Basti, trank etwas aus seiner riesigen blauen Tasse, schaute in den Garten und lachte. Am lautesten dann, wenn Murr sprang.

Um auf die größte und hellste aller Inseln direkt unter dem mit rotbackigen Früchten behangenen knorrigen alten Apfelbaum zu gelangen, musste die gesamte Kraft in einen mächtigen Sprung gelegt werden. Noch in der Luft, bemerkte Murr etwas rosenfarbenes, das langsam unter einem verwelkten Blatt verschwand. Gelandet, drückte er mit der Pfote dieses Etwas vorsichtig an die Erde.

„Aber hallo! Was soll das denn? So eine Unverschämtheit!“, unterm Blatt kam ein sich entrüstet windender Kopf über einem vor Zorn rotbraun angelaufenen Kragen hervor. „Und wenn ich Ihnen auf den Schwanz trete, wäre das angenehm?! Und das nennt sich Verwandter des Königs der Tiere. Wenn auch entfernter. Unbegreiflich!“

Von der edlen Verwandtschaft hatte Murr keine Ahnung und verstand deswegen nichts. Er wich um zwei Schritte zurück, setzte sich auf die Hinterpfoten, betrachtete verwundert den gekränkten Inselbewohner und dachte kurz nach: Ja, stimmt. Auf-den-Schwanz-treten ist ein sehr unangenehmes Ereignis für den Besitzer.

Mit einer schuldbewussten Stimme beeilte er sich zu entschuldigen:
„Verzeihen Sie bitte! Ich wollte Sie nicht kränken!“
„Wollte nicht! Schauen Sie hin, wo Sie die Pfoten hinstellen!“, regte sich der Unbekannte weiterhin auf. Der Kragen wurde jedoch bereits heller. „Naturforscher!“

Unverständliche Worte verwirrten Murr, entfachten aber die Neugierde. Sah so aus, als wäre dieser Rosenfarbene ein gestandener und vielwissender Einheimischer.
„Wer sind Sie?“
„Na, schon wieder! Wollen Sie mich endgültig beleidigen?“, der rosene Körper streckte sich plötzlich auf einer Schwanzwindung stolz in die Höhe und lehnte sicher an einem Grashalm. „Hier kennt mich jeder. Und Sie, junger Kater, – ich würde sogar sagen, kleiner Kater – wollen mir weißmachen, dass Sie von mir nichts gehört haben. Auf mir, kann man sagen, ruht der ganze Garten!“

Nun wurde Murr ganz verlegen, riss auch ansonsten riesige grüne Augen weit auf und blickte erstaunt um sich.
„Verzeihung, wie heißen Sie?“
„Man nennt mich Wurm. Mit dem Nachnamen – Regen. Alles klar jetzt! Sie brauchen gar nicht so zu gucken! Ja, der ganze Garten!“, unterstrich stolz Wurm und ließ sich erschöpft auf der warmen Erde nieder. Das Streben in die Höhe ist offensichtlich sehr anstrengend. „Würde ich die abgestorbenen Wurzeln und verwelkte Blätter und Gräser nicht verarbeiten und die Erde für Wasser und Minerale nicht auflockern, so gäbe es diesen Garten nicht.“

Ein Wunder! Oder komischer Kauz?, dachte Murr, ging auf die Vorderpfoten und schob das Schnäuzchen langsam zu Wurm hin, ruckartig die Luft durch die Nase ziehend.
„Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, mich zu beschnuppern! Erstens, essen Katzen keine Würmer, und zweitens, werden Sie so kaum meine Charakter und Bedeutsamkeit feststellen können“, Wurm unternahm erneut einen Versuch, sich von der Erde zu lösen. „Außerdem kenne ich Ihren Namen noch nicht. Wie heißen Sie?“
„Murr“, sagte Murr und setzte sich wieder hin. Eigentlich wollte er gern Herrn Wurm vorsichtig übers Grass rollen, beschloss aber, damit zu warten, um womöglich weitere interessante Dinge zu erfahren.

Und der nun Bekannte setzte wichtig fort: „Also, Kater Murr, sage ich Ihnen direkt und ohne übertriebene Bescheidenheit – ohne mich gäbe es in dieser Welt keine Freude“, versteinerte für einen Augenblick und fügte hastig hinzu: „Nun … nicht so viel.“

Aus dem unerwartet erklungenen Murren des auffällig uninformierten Zuhörers entnahm der Titan des Gartenbaus Zweifel und eilte, die Worte unerschütterlich zu untermauern:
„Vögel, mich erblickt, freuen sich. Maulwürfe und Eidechsen auch. Geschweige denn die Fische. Die riskieren gar ihr Leben, um mich kennenzulernen. Und schauen Sie mal die rotbackigen Äpfel an. Sie haben sich mit Saft gefüllt, um jemanden zu erfreuen. Und woher kommt der Saft? Aus dem Baum. Und woher nimmt der Baum den Saft? Aus der Erde. Und wie kommt er in die Erde? Weil ich fleißig war.

Ah, es wär so schön, ihn ein wenig zu drücken und zu rollen. Ich liebe es, wenn gerollt wird!
Die rechte Pfote erhob sich sachte, aber der Herr Regen wurde plötzlich hektisch und verschwand in einem engen Erdloch.

Weg. Schade. Wahrscheinlich mag er nicht spielen. Murr richtete die hintere Buschigkeit gen Sonne und die Vorderpfoten weit nach vorn, streckte sich ausdauernd und genüsslich und wollte gerade gehen, um Kevin zu suchen. Da erschien aus dem Erdloch Wurms Kopf: „Wenn Sie mir nicht glauben, dann schauen Sie mal nach, wie Ihr Herrchen frühstückt“, und verschwand sofort wieder.

Was ist denn das für ein Wort – Herrchen? Er meint wohl meinen Freund und Nachbarn Basti.
Ungeachtet des trockenen oder nassen Grases, rannte Murr zum Haus. Mit einem Sprung landete er auf dem Fenstergesims, stieß den Fensterrahmen und trat in die Küche.

Wie immer schloss Basti das Frühstück mit einem Apfel ab. Er biss in die duftende Frucht und lächelte.

Nun musste Murr schnellsten Kevin mitteilen, woher die Freude kommt.
Während er buchstäblich über dem Boden zum Stall flog, kam ihm wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein Gedanke. Aber auch ein solcher Gedanke … So ein sicherer Gedanke. Dass er stehen bleiben musste, um ihn nicht zu verlieren.

Es ist wahr. Es gäbe wirklich weniger Freude ohne Herrn Wurm. Oder Basti. Oder Sonja. Oder Kevin. Oder … mich.

Über diesem Gedanken wurde Murr so froh.

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Nils Oelfke
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 20
Beiträge: 47
Wohnort: Jever


BeitragVerfasst am: 19.06.2018 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Fedor,

ich würde dir gerne einen Feedback zu deinem Text geben, aber bevor ich dies tue, würde ich von dir wissen wollen, wer die Zielgruppe und was die Intention des Textes ist.

Liebe Grüße
Nils
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Fedor
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 60
Beiträge: 38
Wohnort: Frankfurt am Main


BeitragVerfasst am: 20.06.2018 09:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nils,

ich habe das Märchen für Kinder und Erwachsene geschrieben, die das Kindliche bewahr haben und ihren Kindern gerne vorlesen und erklären.
Zwei Gedanken:
Geht durchs Leben mit weit geöffneten Augen (gemeint: alle Sinne und das Herz).
Jeder von uns kann eine Quelle der Freude sein.

Bin auf dein Feedback gespannt.


LG

Fedor
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Nils Oelfke
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 20
Beiträge: 47
Wohnort: Jever


BeitragVerfasst am: 22.06.2018 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Fedor,
hier schreibe ich dir meine generelle Kritik. Außerdem habe ich in den Anhang als PDF-Datei Kommentare an den Rand zu einzelnen Sätzen geschrieben. Hoffentlich hilft dir mein Feedback weiter. Wenn du Dinge anders siehst als ich, würde ich dich bitten, dies mitzuteilen, weil nicht jeder Tipp von mir „richtig“ sein muss und ich mein Schreiben sowie Kritisieren von Texten verbessern will.

Deine Intention, ein Märchen für Kinder und Erwachsene zu schreiben, ist meiner Meinung nach nicht gelungen, denn es fehlt der Konflikt, welcher jedem Märchen (das ich kenne) innenwohnt. Zwar wirkt der Schreibstil für mich wie aus einer anderen Welt, ist also ein wenig märchenhaft, aber dennoch fehlt der Konflikt. Du beschreibst einfach nur einen stinknormalen/ stinklangweiligen Alltag aus der Sicht des Katers. Als Märchenleser würde ich Spannung wollen, weshalb ich an deiner Stelle unbedingt einen Konflikt einbauen würde. Lass doch ruhig die Nachbarskatze vorbeikommen, Murr muss gegen sie kämpfen und schon hast du einen spannenden Konflikt, welchen ich gerne mal aus der Perspektive einer Katze erleben wollen würde.

Zweiter Kritikpunkt: Ich habe erst am Ende des Textes verstanden, dass es sich um einen Kater handelt. Ich habe erst nicht verstanden, dass Murr zu einem Regenwurm spricht. Dies ist erstmal nur eine Beobachtung. Vielleicht liegt es an mir, nicht gecheckt zu haben, dass du aus der Perspektive eines Katers erzählst. Sollte es mehreren so gehen, würde ich etwas ändern, denn als Leser will man sofort wissen, wer der Protagonist ist.

Dritter Kritikpunkt ist Sprache: Für mich ist die Sprache des Textes eine gehobene Sprache aus einer Schönheits- und Romantikbrille geschrieben. Gehoben, weil du in meinen Augen teilweise umständlich schreibst. Beispiele hierfür sind in den Kommentaren. Gehobene Sprache passt für mich nicht in ein Märchen, vor allem dann, wenn es Kinder lesen sollen. Das Lesetempo sollte nicht gestört werden, weil Formulierungen dem im Weg stehen oder schwerverständliche Wörter genutzt werden.
Für mich ist beim Lesen des Textes eine Distanz entstanden, weil ich ihn als nicht realistisch empfunden habe. Schmerz, Leid und Angst kommen nicht vor. Stattdessen ist der junge Kater glücklich, zufrieden und neugierig. Leidvolle Erfahrungen gibt es nicht, aber ist das nicht unrealistisch? Ich will ja gerade Konflikte erzählt bekommen und nichts Romantisches (, wenn ich Märchen lese).

Letzter Kritikpunkt: Gedanken von Murr kursiv hervorheben. Dies machst du an manchen, aber nicht an allen Stellen.

Fazit: Für mich ist dies kein Text, den ich als Märchen einordnen würde. Dafür fehlt mir der Konflikt, die Bindung zum Protagonisten (weil er realistisch) ist und eine Nähe zum Protagonisten. Mir fällt leider keine andere Sparte ein, in den ich diesen Text einordnen würde, aber eines ist mir ganz wichtig: Dieses Verträumte, die gehobene Sprache und romantische Stimmung könnte bei einem anderen Publikum als Märchenleser sehr gut ankommen. Ich habe den Text darauf kritisiert, ob er mir als Märchenleser gefällt.

Liebe Grüße
Nils
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Fedor
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 60
Beiträge: 38
Wohnort: Frankfurt am Main


BeitragVerfasst am: 25.06.2018 14:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nils,

Danke, dass du dir für mein Märchen Zeit genommen hast!
Ich habe sehr aufmerksam deine Kritik gelesen, auch die in der pdf-Anlage. Was soll ich dazu sagen? Offenbar sind wir unterschiedlicher Meinung darüber, was ein Märchen ist. Aber der Reihe nach – Kritik der Kritik:

Du:
Deine Intention, ein Märchen für Kinder und Erwachsene zu schreiben, ist meiner Meinung nach nicht gelungen, denn es fehlt der Konflikt, welcher jedem Märchen (das ich kenne) innenwohnt. Zwar wirkt der Schreibstil für mich wie aus einer anderen Welt, ist also ein wenig märchenhaft, aber dennoch fehlt der Konflikt. Du beschreibst einfach nur einen stinknormalen/ stinklangweiligen Alltag aus der Sicht des Katers. Als Märchenleser würde ich Spannung wollen, weshalb ich an deiner Stelle unbedingt einen Konflikt einbauen würde. Lass doch ruhig die Nachbarskatze vorbeikommen, Murr muss gegen sie kämpfen und schon hast du einen spannenden Konflikt, welchen ich gerne mal aus der Perspektive einer Katze erleben wollen würde.

Ich
stelle einem Märchen eine erzieherische Aufgabe: Entwicklung der Seele und des Verstandes und deren Sensibilisierung für kleine alltägliche Dinge, die erfreuen, traurig oder neugierig machen, neue Welten öffnen, zu Freundschaften oder Abneigungen … führen. Also Sensibilisierung für Dinge, die das wirkliche menschliche Leben ausmachen sollten.
Viele wunderbare (auch moderne) Märchen erfüllen diese Aufgabe. Manche von ihnen beinhalten auch Konflikte, deren Lösung gewaltfrei die oben beschriebene Aufgabe erfüllt. In meinem Märchen gibt’s auch einen solchen Konflikt.
Kämpfe und Gewaltanwendung (nicht nur physische) in Märchen, Zeichentrickfilmen und Computerspielen erziehen auch: Sinnloser Aktionismus reduziert das Leben auf einen Augenblick, macht es einfacher und lebloser und lässt das Menschliche verkümmern. Erschreckend – wachsende, von Machern gekonnt gelenkte Nachfrage.
Zu diesem Punkt könnte ich eine Arbeit schreiben. Ich trage mich mit dem Gedanken, einen Roman über Eliten zu schreiben. Darin würde das Thema vorkommen.

Du:
Ich habe erst am Ende des Textes verstanden, dass es sich um einen Kater handelt. Ich habe erst nicht verstanden, dass Murr zu einem Regenwurm spricht. Dies ist erstmal nur eine Beobachtung. Vielleicht liegt es an mir, nicht gecheckt zu haben, dass du aus der Perspektive eines Katers erzählst. Sollte es mehreren so gehen, würde ich etwas ändern, denn als Leser will man sofort wissen, wer der Protagonist ist.

Ich:
Wie bereits gesagt, ich habe das Märchen für Kinder und Erwachsene geschrieben, die das Kindliche bewahrt haben und ihren Kindern gerne vorlesen und erklären.
Aus reiner Neugierde habe ich es dem fünfjährigen Sohn meiner Nichte vorgelesen. Während des Vorlesens kamen viele Fragen, die ich erklären musste. Besonders viel Zeit brauchte es, um den Schluss zu erklären. Wir haben uns köstlich amüsiert. Solche Vorlesungen wünsche ich allen Eltern und Kindern. Außerdem habe ich das Gefühl, dass er künftig keinen Regenwurm und keine anderen Lebewesen einfach so zerdrückt.

Du:
Für mich ist die Sprache des Textes eine gehobene Sprache aus einer Schönheits- und Romantikbrille geschrieben. Gehoben, weil du in meinen Augen teilweise umständlich schreibst. Beispiele hierfür sind in den Kommentaren. Gehobene Sprache passt für mich nicht in ein Märchen, vor allem dann, wenn es Kinder lesen sollen. Das Lesetempo sollte nicht gestört werden, weil Formulierungen dem im Weg stehen oder schwerverständliche Wörter genutzt werden.
Für mich ist beim Lesen des Textes eine Distanz entstanden, weil ich ihn als nicht realistisch empfunden habe. Schmerz, Leid und Angst kommen nicht vor. Stattdessen ist der junge Kater glücklich, zufrieden und neugierig. Leidvolle Erfahrungen gibt es nicht, aber ist das nicht unrealistisch? Ich will ja gerade Konflikte erzählt bekommen und nichts Romantisches (, wenn ich Märchen lese).

Zu diesem Punkt in den pdf-Kommentaren:

A1. Hätte ich kursiv schreiben können.

A2. „Zu alldem hob ein kühler Wind die Härchen auf dem Rücken.“
Ich ziehe einen Vorgang, der ein Bild und eine Emotion auslöst, einem Zustand „Er fröstelte.“ vor.

A3. „Die durch Baumblätter dringenden Strahlen wärmten zärtlich und ließen die Augen kneifen.“
Hier sind die Strahlen der aktive Part. Sie dringen, wärmen (zärtlich) und lassen kneifen. Die Natur ist somit lebendig.
„Kniff die Augen zusammen“  würde diesem Gedanken nicht genügen.

A4. „… wunderte er sich, wie unterschiedlich sie waren. Jede hatte einen anderen Geruch. Auf manchen wuchsen Blumen, auf den anderen – Stacheln.“
Im Text steht nirgendwo, dass er auf die Stacheln gesprungen ist. Hinter dieser Passage steht unter anderem der Gedanke (vielleicht von mir zu weit hergeholt), dass auf manchen Lebensinseln Blumen wachsen, auf den anderen – Stacheln.

A6. „Verzeihen Sie bitte! Ich wollte Sie nicht kränken!“
Im deutschen „Sie“ sehe ich eine hervorragende Gelegenheit, Respekt und Hochachtung jeglicher unbekannter oder noch ungenügend bekannter Person zu zollen. Das „du“ muss erst verdient werden.

A7. „Unverständliche Worte verwirrten Murr, entfachten aber die Neugierde.“
Ich finde, dass Dein Vorschlag „Mur war verwirrt. Was wollte dieser Einheimische von ihm? Was meinte er mit „Naturforscher“?" den Zustand zu sehr akzentuieren würde. Außerdem sollte man dem Leser die Gelegenheit bieten, manches aus dem gegebenen Anstoß selbst zu vollziehen.

Hoffe, dass ich deine Kommentare durch meine Sicht des Märchens eingehend genug kommentieren konnte, und danke dir nochmals für deine Zeit!


LG
Fedor
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Nils Oelfke
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 20
Beiträge: 47
Wohnort: Jever


BeitragVerfasst am: 02.07.2018 15:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Fedor,

danke für deine ausführliche Antwort. Einiges in der Form, wie du es geschrieben hast und vor allem warum, ist mir jetzt klarer.

Liebe Grüße
Nils
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Fedor
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 60
Beiträge: 38
Wohnort: Frankfurt am Main


BeitragVerfasst am: 03.07.2018 10:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Nils,

Danke für Deine Zeit!

LG

Fedor
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