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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Eine verstörende Weihnachtsmär


 

 
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Cartan
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 26
Wohnort: Anderswelt


BeitragVerfasst am: 11.02.2018 22:42    Titel: Eine verstörende Weihnachtsmär eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich möchte im Voraus schon einmal danken, dass du dir die Mühe machst, meine Kurzgeschichte zu lesen.
Diese Story schrieb ich in den Weihnachtsfeiertagen, während eines Kreativitätsflashes.
Impressionen und konstruktive Kritik sind mehr als erwünscht.


               Eine verstörende Weihnachtsmär

Ich kam nur zum Flughafen, wenn der Hunger mich zur Verzweiflung trieb.
Genauer gesagt, zog es mich in das Koffer-terminal, in dem Touristen, Geschäftsreisende und Heimkehrer ihr Gepäck mit einer fast schon kriminellen Unachtsamkeit aus den Augen ließen.
Der Winter hatte den Herbst endgültig verdrängt und selbst der süßlich-klebrige Geruch der Weihnachtsmärkte konnte nicht mehr über die bittere Kälte hinwegtäuschen, die sich in meine Knochen fraß.
Ein Jahr war bereits vergangen und noch immer steckte ich in einem Teufelskreis aus Selbsthass, Alkohol und Antriebslosigkeit.
Langsam schob ich meine Baskenmütze nach hinten und sah mich um.
Die ganze Halle glich einem ungeordneten Ameisenhaufen, in den ein paar verzweifelte Securitys und Absperrbänder Ordnung zu bringen versuchten.
Die Eigendynamik, welche dieser Ort entwickelte, fiel einem erst auf den zweiten Blick auf.
Ganz nach vorne kämpften sich immer die Geschäftsreisenden mit engem Zeitplan, dicht gefolgt von den Ellenbogentouristen, welche in ihrem Windschatten mitzogen.
Ganz am Ende der Schlange standen die Familien mit Kindern und Diejenigen, die sich abdrängen ließen.

Ich hatte es auf die Gepäckstücke abgesehen, die wie ich waren: Verloren zwischen all den Hartschalenkoffern und Gucci-Taschen.
Übersehen, ersetzlich, vergessen. Dazu musste ich nur den richtigen Moment abpassen.
Gerade, als die letzte Welle der Familienherden den Übergang zwischen dem letzten und dem nächsten Flug ankündigte, schob ich mich unauffällig zwischen die Nachzügler und ließ mich langsam von der Masse nach vorne treiben.
Mit geschultem Blick sah ich mich um und hatte schon kurz darauf mein Ziel im Visier.
Eine schäbige Reisetasche, die mit bunten Flicken übersät war und kaum noch Etwas vom Originalstoff blicken ließ.
Niemand ging darauf zu, Niemand schien sie auch nur zu beachten. Perfekt!
Mit einer fast schon beiläufigen Bewegung schnappte ich mir meine Beute und setzte mich an die Spitze.
Wie bei Jedem Mal, waren meine Nerven bis zum Zerreißen gespannt und ich erwartete halb, dass der bullige Sicherheitsmann neben mir mich durchschauen und aus der Menge zerren würde.
Doch nichts passierte...
Bis ich zum Ausgang gelange, normalisierte sich mein Puls langsam wieder und als die Schiebetür sich schließlich endgültig öffnete, atmete ich erleichtert aus.
Doch dann passierte Etwas, das meine Alarmglocken sofort schrillen und mein Herz beinahe stehen bleiben ließ.
In der Tasche schrie ein Baby!

Zuerst dachte ich, ich hätte mir das Geräusch nur eingebildet.
Doch der zweite Schrei war so markerschütternd, dass ich ihn einfach nicht länger ignorieren konnte.
Mit zitternden Fingern öffnete ich den Reißverschluss, der den Stoff zusammen hielt und holte tief Luft. Jetzt nur nicht durchdrehen!
Vorsichtig fuhr ich mit den Fingern ins Innere und ertastete wirklich einen kleinen Körper, der sich jetzt in der stechenden Kälte in verzweifeltem Aufruhr befand.
Mit einem Ruck befreite ich ihn endgültig von der Tasche, die gleichzeitig Schutz und Gefängnis für das zappelnde Bündel bedeutet hatte.
Es war ein kleiner Junge, vielleicht ein Jahr alt, mit einem Strampelanzug, der wie die Reisetasche mit bunten Flicken übersät war.
Die hellblauen Augen hoben sich krass von der karamellfarbenen Haut ab und funkelten jetzt, wo die beängstigende Dunkelheit endlich überwunden war lustig.
"Dada" verkündete er glucksend und umklammerte meinen Daumen, als hätte er nie etwas Anderes getan.

Irgendetwas an diesem einfach Laut rüttelte an einem Tor in mir, das ich sorgfältig verschlossen hatte und für einen kurzen Augenblick überkam mich eine solche Panik, dass ich den armen, kleinen Wicht fast mit voller Wucht von mir geschleudert hätte.
Schließlich besann ich mich jedoch und hob die Tasche auf, die ich stattdessen fallen gelassen hatte.
Sie enthielt keine Informationen über die Herkunft des Kleinen, ebenso wenig wie seine Kleidung.
Ratlos sah ich mich um.
Menschenmassen schoben sich an mir vorbei und trotzdem schien Niemand die merkwürdige Szene zu bemerken, die sich direkt vor ihren Augen abspielte.
Ich versuchte zuerst gezielt, dann wahllos Passanten anzuhalten und um Hilfe zu bitten, doch außer mitleidigen Blicken erntete ich nur, im Vorbeigehen gestammelte Entschuldigungen.
Es war später Nachmittag am Heiligabend.
Jeder wollte lieber nach Hause zur Familie und ein besinnliches Fest genießen, anstatt einem verwahrlosten Spinner, mit einem Baby im Arm zuzuhören.
Schließlich schob ich meinen letzten Rest Stolz beiseite und machte mich mit einem flauen Gefühl in der Magengegend in die Richtung auf, aus der ich vor einer gefühlten Ewigkeit gekommen war.
Aber selbst dort interessierte sich Niemand für den Winzling.
Das übliche Weihnachtschaos war ausgebrochen und alle Angestellten des Flughafens waren restlos überfordert und entnervt.
Die einzige Information, die ich einer abgehetzten Kundenmitarbeiterin abringen konnte war, dass die Polizei auch an Weihnachten Bereitschaftsdienst hatte und das Waisenhaus am anderen Ende der Stadt eine Tag und Nacht besetzte Babyklappe.
Die Polizei schloss ich sofort aus meinen Wahlmöglichkeiten aus, den mit den Männchen in Blau hatte ich bereits einige Male mehr als unangenehme Erfahrungen gemacht und wollte ein Wiedersehen, wenn nur irgend möglich vermeiden.
Also blieb nur die zweite Möglichkeit.

Zum Glück wusste ich ungefähr, in welchem Teil der Stadt die mir angesagte Straße lag und auch, wo die nächste Bushaltestelle zu finden war.
Den kleinen Zappelphilipp, den ich inzwischen genau so getauft hatte, packte ich unter meine Jacke, sodass nur noch der Kopf herausragte und trat wieder nach draußen, wo sich inzwischen eine feine Schicht Pulverschnee auf die Welt gelegt hatte.
Es versprach ein Bilderbuchweihnachten zu werden und die festlichen Glocken der Marktkirche, die aus der Innenstadt zu mir getragen wurden, standen in surrealem Gegensatz, zu der langsam in mir aufsteigenden Verzweiflung.
Der Abend ließ Alles langsam in Dunkelheit versinken.
Als ich dann endlich an der Station ankam, musste ich auch noch feststellen, dass der letzte Bus mir gerade vor der Nase weggefahren war.
"Was auch sonst..." murmelte ich frustriert und gab Zappelchen einen kurzen Kuss auf die Stirn, woraufhin er wieder anfing zu glucksen und irgendetwas vor sich hin zu brabbeln.
"Na wenigstens ist Einer von uns glücklich..." murmelte ich leise und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
Zwei Stunden später jedoch, war ich am Ende meiner Kräfte.
Der Schnee hatte einen weißen, kalten Schleier geformt und Philipps Glucksen hatte sich inzwischen zu einem Wimmern gewandelt, das in immer kürzeren Abständen immer dringlicher wurde.
Ein Zeichen dafür, dass er Hunger hatte, vermutete ich, aber woher sollte ich das denn wissen, verdammt?!
Normalerweise machte ich einen großen Bogen um Kinder und jetzt schleppte ich eines mit mir herum...
Plötzlich stutzte ich. Plötzlich war ein Licht vor mir aufgetaucht.
Wie der Stern zu Betlehem wies er mir den Weg, bis ich vor einem hell erleuchteten Fenster stand, inmitten einer noch nicht einmal von Laternen angestrahlten Straße.
Schnell trat ich zur Tür und klingelte. Es waren Schritte zu hören, aber Niemand öffnete.
Ich wiederholte das Prozedere mit dem gleichen Ergebnis. Philipp begann leise zu weinen.
Ich drückte ihn an mich und versuchte ihm die letzte Wärme, die ich noch irgendwo speicherte zu spenden.
Dann stellte ich mich ans Fenster und wurde Anblick einer Szenerie, die friedlicher und harmonischer nicht hätte sein können.
Mutter, Vater und Kind saßen am Tisch neben dem Weihnachtsbaum, offensichtlich mit dem Essen beschäftigt.
Der Sohn hatte seine Geschenke wie einen Trophäenhügel vor seinem Platz aufgebaut und die Eltern sahen mit sichtlichem Stolz und elterlicher Liebe auf den Kleinen.
Mit schwindender Kraft klopfte ich ein letztes Mal gegen das Glas und endlich wurde ich bemerkt.
Alle drei Köpfe wandten sich in meine Richtung und nach kurzem Zögern kam der Vater an das Fenster und öffnete es.
"Bitte" flüsterte ich, zu kaum mehr als einem Krächzen fähig "helfen Sie mir!"
Der ernst wirkende Mann musterte mich eine Weile, dann schüttelte er mit trauriger Miene den Kopf. "Es tut mir leid" sagte er mit einer angenehmen, warmen Stimme, die in meinem Kopf widerhallte "aber Weihnachten ist ein Fest der Familie und Besinnlichkeit! Wo kämen wir denn da hin?"
Und damit schloss er meine einzige Hoffnung auf Rettung wieder und überließ Philipp und mich endgültig dem eisigen Schicksal.
"Es tut mir leid" konnte ich an die Hauswand gelehnt nur noch flüsternd herausbringen, während um mich herum langsam Alles tiefschwarz und blendend hell gleichzeitig wurde.



Folgende Kurzmeldung erschien am nächsten Tag in der Zeitung und den Newsfeeds:





_________________
Lesen gefährdet die Dummheit
(Das deutsche Kulturministerium)
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Abari
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 38
Beiträge: 839
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 12.02.2018 00:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Cartan,

die Idee Deines Textes finde ich sehr interessant. Für mich stellte sich am Ende die Frage, was aus dem Kind geworden ist, aber wahrscheinlich ist es Teil des Konzeptes, dass das nicht aufgelöst wird. Die Umstehenden scheinen es nicht zu bemerken, also gehe ich davon aus, dass es garnicht da war, sondern eine "Einbildung" des Prota. Damit steht die Geschichte auf zwei Beinen; der Sorge um das vermeintliche Kind und der "Verlorenheit" des Prota, die schließlich an die "Herbergsuche" erinnert, nur dass hier die Frau fehlt. Das finde ich solide und ausreichend für so eine kleine Geschichte.

Was mich eher verwirrt, ist die sprachliche Umsetzung. Da wechseln ziemlich schnell hastige und ruhig erzählte Passagen ab, ohne ihr Fundament im Textinhalt zu haben. Ich werde als Leser hin und her geworfen und ich bitte Dich, Dich für einen Erzählstil zu entscheiden. Also entweder komplexer (nicht zu komplex) gebaute Hauptsatz-Nebensatzstrukturen (erzählend) oder parataktische Erzählweise (hastig), was mir persönlich besser zu passen scheint. Wenn Du Dich fürs Erzählende entscheidest, wirf noch mal einen Blick in eins, zwei Märchen, wie es dort gelöst worden ist und lass Dich inspirieren. Dort wird eher eine schlichte Sprache gebraucht, was mit unserer gesprochenen Art zu erzählen eng verknüpft ist.

Die Adjektive sind so eine Sache; bei vielen sind sie verpönt und werden gern gestrichen. Ich persönlich habe nichts gegen sie; sie sind Teil des Reichtums unserer Sprache. Aber sie müssen klug eingesetzt sein, um ein stimmiges Bild zu ergeben. Vielleicht kannst Du auch diesbezüglich über Deinen Text nachdenken.

Ich glaube, dass Du, wenn Du diese kleinen Hinweise beherzigst, viel für den Text tun kannst. Es wäre schade darum, ihn einfach nur zu verwerfen, was Du sicher nicht willst.

Dir Rechtschreibfehler aufzuzeigen, bin ich nicht der richtige Mensch, aber es sind leider noch einige drin. Wahrscheinlich hast Du schon ein Rechtschreibprogramm drüber laufen lassen; leider sind die doch sehr unterschiedlich und manchmal etwas ungenau.

Das war es erst einmal von meiner Seite. Ich habe den Text, wie gesagt, mit großem Interesse gelesen und freue mich auf eine überdachte Version. Vielleicht hörst Du noch ein zwei andere Stimmen an.


_________________
Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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Selanna
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 542
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 13.02.2018 00:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cartan,

Du hast Deine Kurzgeschichte in Feedback eingestellt, darum werde ich brav nicht zu sehr auf Details eingehen, sondern nur das große Ganze sehen Smile

Zitat:
süßlich-klebrige Geruch der Weihnachtsmärkte

Ein gutes Bild!

Verschiedenes zum Inhalt:
Das Chaos, das Du auf dem Flughafen beschreibst, verbinde ich nicht mit Flughafen. Nicht auf das Gepäck achten oder hilfloses Securitypersonal kenne ich nicht. Ich bin aber Weihnachten auch noch nie auf einem Flughafen gewesen, vielleicht ist es realistisch, ich kann es aber nicht recht glauben und es stört mich. Hat der Ich wirklich gedacht, die Polizei hätte an Weihnachten keine Bereitschaft, sondern Betriebsurlaub? Very Happy Auch die Geschäftsreisenden, Touristen etc. sind an Weihnachten doch sicher nicht hektischer als sonst. Wenn, dann am ehesten noch die Heimkehrer, die schnell zu ihrer Familie wollen.
Ich habe mich gefragt, woran der Ich sofort erkannt hat, dass es sich bei dem Baby um einen Jungen handelt? Auch der Stimmungswechsel des Babys von verzweifelt markerschütternd schreiend zu lustig und glucksend geht mir zu abrupt, damit leider auch unglaubwürdig.
Die Wende läutest Du stilistisch mit Pauken und Trompeten ein: zweimal „plötzlich“. Das ist zu deutlich, zu zaunpfahlwinkend, das nimmt dem Text viel Eleganz, viel Geschliffenheit. Du ziehst ihn damit auf Schulaufsatzniveau herunter, verstehst Du, was ich meine?
Wenn Schritte zu hören waren, warum wurde dann die Tür nicht geöffnet? Sie saßen doch weiterhin alle beisammen, wer soll da denn gegangen sein? Das liest sich ein wenig nach Logikfehler, überprüfe das am besten noch einmal.
Dass der Familienvater nicht hilft, hat mir (als Wende) gefallen, somit hast Du ein wenig Kitsch herausgenommen und einen wesentlich interessanteren Weg eingeschlagen. Wie Du die Familie aber mit vielen Attributen einer Musterfamilie ausstattest, wirkt überzogen. Die hohe Dramatik, die Du hier allerdings aus Sicht des Ich beschreibst, ist ein wenig aus der Luft gegriffen. Es ist kalt, das hast Du erwähnt. Aber dass er inzwischen fast zu schwach zum Klopfen ist, kommt überraschend. Dass die Hoffnung „einzig“ war (gibt es an Weihnachten nicht viele beleuchtete Fenster?), die „Hoffnung auf Rettung“, „endgültig“, „eisiges Schicksal“, das sind in einem Satz so viele hochdramatische Wendungen, Kombinationen und Wörter, dass es leider vor allem überladen wirkt. Und der Satz erscheint aus dem Nichts, dass sich die Dramatik so zuspitzt, ist mir zuvor (in diesem Ausmaß) als Leser nicht bewusst.

Zum Stil:
Einige Sätze baust Du nacheinander recht parallel auf (Ein Jahr war...; Langsam schob...  oder Ganz nach vorn...; ganz am Ende).
Insgesamt ist Dein Stil etwas umständlich: Du fügst Dinge an, die nicht unbedingt gesagt werden müssten, sondern leicht erschließbar sind. Du verwendest Wendungen, die ausschmücken, wo man kürzer und nüchtern hätte halten sollen. Manche Floskeln sind abgedroschen (am Ende meiner Kräfte). Manches klingt fast poetisch, aber das setzt Du zu punktuell ein (weißen, kalten Schleier) und wenn man den Gesamttext betrachtet, wirken diese Elemente uneinheitlich.
Du hast einige Flüchtigkeitsfehler drin, lies es Dir noch einmal durch, es würde den Text auf jeden Fall noch etwas aufwerten. Nach ein, zwei Seiten wird vor allem die Kommasetzung schlechter. Gegen Ende stimmt auch die Wortwahl nicht mehr (ich wurde Anblick etc.). Einige „schon“ und „beinahe“ kannst Du ersatzlos streichen, sie irritieren eher, weil ich als Leser nicht weiß, warum Du hier füllst oder relativierst. Was besonders ungeschickt ist, sind die zu häufigen Absätze. Du zergliederst damit eng zusammenhängende Sequenzen, mit jedem Absatz denkt der Leser, jetzt ist eine neue Person am Zug, eine neue Handlung setzt ein, doch es ist immer noch dieselbe Person, mit derselben Handlung beschäftigt und der Absatz ergibt keinen Sinn (zB ab: Zuerst dachte ich, ich hätte mir das Geräusch...).

Insgesamt hat mich Deine Geschichte nicht überzeugen können. Zum Einen empfinde ich persönlich (das ist per se natürlich subjektiv) als zu sehr auf die Spitze getrieben. Für eine Satire wäre das in Ordnung, aber Du meinst alles ernst. In einer ernsten Geschichte einen moralisch gefallenen Kriegsveteran, psychisch gebrochen, ausgerechnet ein ausgesetztes Baby finden zu lassen und dann ausgerechnet im Elternhaus Zuflucht zu suchen und ausgerechnet doch von ausgerechnet einer Bilderbuchfamilie abgewiesen zu werden und dann auch noch zu sterben und das Ganze durch einen dramatischen Nachruf zu illustrieren – das ist zu viel. Viel zu viel. Als Umarbeitung der Bibelszene fehlt ihr noch etwas Pfiff, falls sie in Anlehnung daran entstand.
Zum Anderen hättest Du das – und ich denke, das ist nicht subjektiv, sondern objektiv belegbar – in den Werkstattbereich stellen sollen. Hier könntest Du Dir noch viele Tipps zu Wortwahl, Kommasetzung, Streichungen, Adjektivüberfluss, eleganter Formulierungen, Absatzsetzung etc.pp. holen können. Dieser Text ist leider noch nicht reif für den Feedbackbereich.

Aus der Idee kann man etwas machen, lass Dich nicht entmutigen. Du kannst am Plot noch feilen und vor allem an der Sprache. Aber mit ein bisschen Elan bringst Du das sicher hin!

Liebe Grüße
Selanna


_________________
Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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FeeTheWriter
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze

Alter: 25
Beiträge: 3
Wohnort: Herford


BeitragVerfasst am: 13.02.2018 07:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

da ich kein professioneller Autor bin, kann ich nur aus meiner persönlichen Warte schreiben.

1. Ich liebe Ideen, die nicht alltäglich sind - genau wie dein Text.

2. Ich liebe es, wenn sich Fragen aufwerfen - genau wie bei deinem Text. smile

Bei dem Erzählstil muss ich mich anschließen. Manchmal bin ich mir unsicher ob das ganze nachdenklich und mit wenig Tempo zu lesen sein soll oder doch eher viel Handlung in etwas kürzerer Zeit. Dann lese ich es im Kopf etwas langsamer, bin aber überrascht dass doch die Handlung schon weitergeht und habe Probleme ein passendes Lesetempo zu finden.

Wie dein Text besser zu erzählen ist, weißt natürlich du smile
Ich hätte mir etwas mehr Info über den männlichen Hauptcharakter gewünscht oder über den Philipp, welchen Hintergrund diese "Fiktion" (insofern es denn eine war) hat.

Alles in allem: Mach bitte weiter smile Eine Leserin hast du!


_________________
Gerne dürft ihr mich besuchen ! smile

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