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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig mein Einstand: Leseprobe zu meinem dystopischen Roman


 

 
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Bert Rappenreich
Geschlecht:männlichAbc-Schütze


Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 24.01.2018 10:55    Titel: mein Einstand: Leseprobe zu meinem dystopischen Roman eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo! Hier die ersten paar Seiten meines auf twentysix veröffentlichen Romans "MUT...ist überlebenswichtig, wenn der Dritte Weltkrieg naht"

“Early man walked away as modern man took control.
Their minds weren't all the same, to conquer was his big goal,
So he built his great empire and slaughtered his own kind,
Then he died a confused man, killed himself with his own mind.
Go!
We're only gonna die from our own arrogance…”

aus einem Punkrock-Klassiker (Bad Religion, 1982)


Kapitel 1: Nicht wie erwartet

MONTAG, 16:14 UHR, SENATOR LOUNGE FLUGHAFEN DÜSSELDORF

Ulla zog das iPhone aus der schwarzen Lederhülle und strich mit automatisierter Geste über den Touchscreen. Nach Eingabe des PIN-Codes wählte sie die Telefonnummer ihres Assistenten Arthur aus den Favoriten.
„Hallo Ulla!“, meldete sich nach kurzem Läuten eine leicht nervös klingende männliche Stimme. Ulla verdrehte genervt die großen blauen Augen. Er nervt mich schon, sobald er den Mund aufmacht, sagte Ulla zu sich selbst.
„Auf Seite 8 stimmt die Summe nicht.“, Ulla’s Ton war trocken und scheidend.

„Äh, was..?“

Oh mein Gott, was für eine Flasche. Ulla schloss die Augen. Atmete langsam ein und stricht sich eine blonde Strähne hinter das rechte Ohr.
„In der Präsentation hast du die Euros nach der letzten Anpassung der Montagekosten in der Gesamtsumme nicht geändert. Ich hab’s jetzt am Handy schnell überschlagen, aber das kann nicht stimmen. Und als Titelbild nehmen wir das Bild von Indian Steel haben wir gesagt. Das hast du auch nicht geändert“.

„Ähh…tut mir leid. Werd' ich sofort machen!“, Ulla konnte Arthurs verlegenen Grinser im knallroten Gesicht förmlich durchs Telefon spüren. Seit ihr der Vorstand den jungen Mann mit angeblich viel Potential vor vier Monaten aufgedrängt hatte, hatte er Ulla mehr Zeit und Nerven gekostet, als er ihr helfen konnte. Viel Potential, ja. Nach oben!
„Das will ich aber auch hoffen!“, Ullas Augen verengten sich. „Und dann schickst du’s mir gleich nochmal durch. Mein Flieger geht in einer halben Stunde. Danke!“

„Äh, ja natürlich, mach ich sofort.“, Ulla legte ohne ein weiteres Wort auf. Wahrscheinlich hatte er die Augen wieder riesig weit aufgerissen, so dass sie fast auf den Schreibtisch fielen. So sah er jedenfalls immer aus, wenn sie Arthur unter Druck setzte. Nein, eine wirklich verantwortungsvolle Aufgabe würde Ulla diesem Schlappschwanz sicher noch lange nicht geben können.
Sie schob die schwarze Lederhülle samt iPhone zurück in ihre schwarze Ledertasche, griff nach der halbleeren Tasse Espresso auf der kleinen Ablagefläche zwischen den gepolsterten Kunstledersitzen und blickte durch die hohen Glasfenster hinaus aufs Rollfeld. Der tonlose Anblick von Jumbojets, blauem Himmel, umhereilendem Bodenpersonal, Flughafenfahrzeugen und die dazugehörige Geschäftigkeit beruhigte sie. Ulla stellte die Tasse wieder ab und strich langsam mit ihrem rechten Mittelfinger über das dunkelblaue Kunstleder der Sitzlehne. Sie mochte Leder. Schon immer. Es hatte etwas von Sauberkeit und Beständigkeit. Nicht umsonst war Business-Look oft in Leder gehalten. Als sie bemerkte, dass der Mann am anderen Ende des Raumes sie für ihren Geschmack einen Moment zu lange anstarrte, sah sie ihn kurz direkt an und dann demonstrativ mit gerümpfter Nase weg. Sie atmete tief ein und zwang ihre Konzentration wieder auf ihre Notizen. Ihr Notizbuch (in schwarzem Leder) lag auf ihrem Schoß und zeigte ihr auffordernd eine fast leere Doppelseite. Nur zwei Worte hatte sie untereinander in die linke obere Ecke notiert:

Manuel Wimberger
6 Mio JaTo

Sie hatte schon unzählige Methoden zur Priorisierung ihrer Aufgaben und somit die zielgerichtete Lenkung ihrer Gedanken erprobt. Derzeit notierte sie immer den Namen ihres geplanten Gesprächspartners, meist ein Kunde, seltener ein Vorgesetzter, und darunter das Ziel dieses Menschen. Meist kamen ihr dann von alleine die richtigen taktischen Schritte in den Sinn, wie sie die betreffende Person erreichen konnte, welche sie sich dann daneben notierte. Aber dieses Mal wollte ihr nichts Neues einfallen. Sie waren seit vier Jahren an diesem Vorprojekt dran und alle Varianten waren von vorn bis hinten durchgekaut. SNS hatte bereits mehr als 200.000 Euro in diesen Auftrag als Vorleistung investiert, und jetzt stand sie kurz vor dem Abschluss. Seit ihrer Beförderung vor drei Jahren zum Head of Sales bei SNS, dem zweitgrößten Anlagenbauer für die Stahlindustrie in der gesamten EU, hatte sie zwar schon Aufträge abschließen können, die dieses Projekt in Summe um das 10-fache überstiegen, aber dieser Auftrag war ein „Leuchtturm“ in der Geschichte von SNS, wie es ihr CEO, Rüdiger Dittfurt, gern ausdrückte. Beziehungsweise er musste ein Leuchtturm werden, sonst wäre nicht nur ihre persönliche Performancebewertung im Keller.
Die Vereinigten Alpinen Stahlwerke im österreichischen Linz hatten sich für die Zustellung des Hochofens A dieses Mal dazu entschieden, die komplette Lieferung und Montage des Mechanischen Equipments als ein gesamtes Paket zu vergeben. Nach einer sogenannten Hochofenreise, die ca. 15 Jahre dauert, wurde die Anlage abgestellt. In exakt 100 Tagen sollte die gesamte innere Ausmauerung herausgenommen, erneuert und gleichzeitig auch die wichtigsten mechanischen Maschinen, Rohrleitungen und elektrischen Komponenten erneuert werden. Dies wurde „Zustellung“ genannt. Dieses Projekt war technisch, logistisch, terminlich und koordinationstechnisch herausragend in ganz Europa und wurde deswegen in der gesamten europäischen Stahlbranche mit Argusaugen verfolgt. Der Auftragswert für die Mechanik lag derzeit bei ca. 100 Millionen Euro. Der erste abgegebene Preis von SNS waren 119,4 Mio. gewesen, und der Kunde drückte immer noch auf den Preis. Immerhin: SNS und der zu erwartende Lokalmatador aus Linz, Onemetals, waren die letzten beiden im Rennen. Onemetals im Heimathafen zu schlagen wäre ein zusätzlicher Erfolg. Sie notierte nichts und klappte das Notizbuch zu. Es war schon alles genug von allen Seiten diskutiert worden. Dieser Termin musste die Entscheidung bringen!

Das vibrierende Summen ihres iPhones riss Ulla aus ihren Gedanken. Da war das Email von Arthur. Sie öffnete sofort die angehängte Datei und überflog die relevanten Seiten. Ok, wenigstens hatte er das schnell erledigt. Wenn man Arthur schon nicht zum Kunden mitnehmen konnte, so könnte sie ihn vielleicht doch noch zu einer guten Unterstützung im Büro entwickeln. Zufrieden schloss sie das Dokument. Erst jetzt las sie den Emailtext von Arthur:

Hallo Ulla,
sorry für die Feler, anbei nochmal die korrigierte Datei.
Gruß,
Arthur

Ulla stöhnte. Sie hasste Rechtsschreibfehler. Nein, Kundenkontakt war nichts für Arthur, nicht mal per Email!

Die Uhr des Smartphones zeigte 16:26, sie musste los. Das Gate C43 für den Flug nach Linz war mindestens 8 Minuten Fußmarsch von der Senator-Lounge entfernt. Linz war halt nicht unbedingt eine Top-Destination.

MONTAG, 17:23 UHR, INNENSTADT VON LINZ

„Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“
Die Parole hatte trotz ihrer Monotonie noch immer etwas Bewegendes.
„Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“
Didi schwang die rot-weiß-rote Fahne über seinem Kopf hin und her.
„Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“

Beim letzten Ausruf kam es Didi so vor, als habe nur er alleine geschrien, weil die Demonstranten rechts und links von ihm gleichzeitig aufgehört hatten. Im Hintergrund war die Parole aber noch von vielen anderen weit zu hören.

Didi wusste nicht, wann in den letzten Jahren „Wir sind das Volk!“ zur Parole von patriotischen oder nationalen Demonstranten und Aktivisten geworden war. Er stellte sich diese Frage auch nicht. Er war hier auf der Straße bei der „Demonstration gegen Überfremdung, Globalistenherrschaft und Kulturtod“, die von der Bewegung zur Erhaltung des Abendlandes organisiert wurde, weil es für ihn einfach klar war, dass er hier sein musste. Und weil die meisten seiner Kameraden auch hier waren.

Die Stimmung war gut. Sie hatten am Europaplatz über eine Stunde warten müssen, bis sie auf der vorgesehenen Route in Richtung Hauptbahnhof losmarschieren konnten. Seitdem ging es mit gleichmäßigen Schritten in der Sonne des frühen Abends dahin. Ein paar andere hatten Bierdosen in die Demo schmuggeln können. Sie waren wohl früh genug am Treffpunkt gewesen, bevor die Polizei anfing, alle Rucksäcke der Neuankömmlinge zu durchsuchen. Es galt ein Alkoholverbot auf der Demo. Mit zwei Dosen Bier und einschlägiger Rockmusik waren er und seine Freunde in richtig gute Stimmung gekommen. Aber noch lange nicht so wie beim Fußball. Hier ging es ganz gesittet zu, und das wurde von den Ordnern auch permanent eingemahnt.

„Hoamatlooond, Hoamatlooond, i hob di so gern.“ Irgendwer hatte die oberösterreichische Hymne angestimmt und viele stimmten mit ein. Über die ersten vier Zeilen kamen die meisten aber nicht hinaus. Bis auf ein paar ältere Herrschaften, die den weiteren Text kannten.

In der Demo waren unterschiedliche Gruppen erkennbar. Ganz vorne gingen hauptsächlich junge Menschen, die meisten männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie trugen Hemd, Poloshirts oder schwarze T-Shirts mit einem Lambda-Symbol in einem Kreis, dem Logo der Bewegung zur Erhaltung des Abendlandes, manche auch moderne Tracht. Die Männer hatten durchwegs ordentlichem kurzen Haarschnitt. Von den weiblichen Teilnehmern waren auch viele im Dirndl oder Jeans und Bluse unterwegs. Die erste Reihe trug ein Transparent vor sicher her mit der Aufschrift: „Defend Europe – Europa verteidigen – Bewegung zur Erhaltung des Abendlandes Österreich – bea-oesterrreich.at“. Diese erste Gruppe waren schätzungsweise ca. 400 Menschen, hier waren auch viele schwarz-gelbe Fahnen mit dem BEA-Logo zu sehen, aber auch viele rot-weiß-rote Nationalflaggen von Österreich und vereinzelt auch ein paar schwarz-rot-goldene Flaggen. Ungefähr in der Mitte dieser Gruppe ging ein großer sportlicher junger Mann mit schwarzem Poloshirt und dunkler Sonnenbrille. Er schrie kurze Parolen in ein Megaphon wie „Reconquista Europa, Jugend!“ oder „Heimat, Freiheit, Tradition“, und die schreiende Menge vollendete dann den Reim mit „Multikulti Endstation!“.
Dahinter ging eine ca. ebenso große Gruppe von älteren Leuten, die meisten etwas zwischen 30 und 60 Jahren alt, männlich und weiblich ausgeglichen, in alltagstauglicher und überaus normaler Straßenkleidung. Ein paar Teilnehmer hielten Österreich-Fahnen oder Schilder mit Aufschriften wie „Stolz auf Österreich“, „Tradition, Werte und Kultur“, „Genug ist genug“, „Heimatschutz statt Islamisierung“ oder „Multikulti stoppen“ in die Höhe. Manche Eltern hatten auch ihre Kinder mitgebracht. Diese Gruppe ging fließend in einen Pulk von ungefähr 200 durchwegs jungen Demonstranten, ungefähr Anfang zwanzig, am Ende des Zuges über, die fast alle schwarz gekleidet waren. Viele trugen dunkle Sonnenbrillen, Kappen und schwarze Kapuzenpullis mit Aufschriften wie „Thor Steinar“, „Consdaple“, „Outlaw“ oder „Troublemaker“, viele Kreuze, Runen und abstrakte Adler mit ausgebreiteten Schwingen waren zu sehen. Am Anfang dieser Gruppe, gleich hinter den eher unauffälligen Teilnehmern, ging Didi mit seinem Kumpel Gerhard. Sie trugen beide schwarze Kapuzenpullis, abgewetzte Bluejeans und Schuhe von Adidas. Sie hatten beide einen kurz geschorenen Haarschnitt, so wie die meisten in dieser Gruppe.

Plötzlich wurde es laut hinter Didi. Treibende Gitarrenmusik war zu hören, die aus großen Lautsprechern tönte. Kurz darauf stimmten viele junge männliche Kehlen zum Refrain der schnellen harten Rockmusik mit ein:

Hört ihr wie es schwingt, wie es vibriert?
Spürt ihr wie das Blut in euren Adern pulsiert?
Hört ihr wie es schwingt, wie es vibriert?
Wenn die Division der Ehre durch euer Hirn marschiert
Es eskaliert!

Von Seiten der vielen Polizisten, die rechts, links und hinter der Gruppe marschierten kamen argwöhnische Blicke aufgrund des stark gestiegenen Lautstärkepegels. Die ganze Demonstration wurde rundherum fast lückenlos von Polizisten begleitet. Viele von ihnen waren an Armen und Beinen mit Protektoren gepanzert. Am linken Arm hatten sie einen großen transparenten Schild und im rechten Arm trugen sie einen weißen Helm mit durchsichtigem Visier.

Nicht weit weg davon gab es noch eine andere Gruppe von Demonstranten, die auf den ersten Blick recht ähnlich aussahen. Allerdings gingen diese am vorderen Enden eines anderen Demonstrationszuges, der sich vom Linzer Hauptplatz entlang der Landstraße Richtung Schillerpark bewegte. Sie waren ebenfalls alle recht jung, trugen schwarze Kapuzenpullis und es war laute Rockmusik zu hören. Nur im Detail war erkennbar, dass sich dieser schwarze Block vom anderen unterschied. Auf den Pullovern waren Symbole wie eine Faust zu sehen, die auf ein zerbrochenes Hakenkreuz einschlägt, rundherum der Schriftzug „Nazis raus“ oder auch „Antifa“. Viel zu sehen waren auch rot oder schwarze Fahnen oder ein fünfzackiger Stern, der in einen schwarzen und roten Bereich unterteilt war. Auf einem schwarzen Transparent, welches von den dichtgedrängten Teilnehmern zu Beginn des Zuges gehalten wurde, stand mit weißer geschwungener Schrift: „Gegen Nationalismus – Gegen Kapitalismus – Antifaschistische Aktion“.

„Arschloch!“ – die Menge schrie im Chor zum Punk-Klassiker „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. Hinter diesem ca. 500 Leute umfassenden schwarzen Block gingen noch knapp 1.000 bunt gekleidete Menschen mit Friedensfahnen, Peace-Zeichen, Blumen und Schildern wie „Refugees Welcome“, „Lieber bunt statt braun“ oder „Dankbar für Vielfalt“.
Jenny nahm noch einen Zug von dem Joint, den sie von ihrem Mitstreiter rechts neben ihr gereicht bekommen hatte. Sie war mit ihrer Freundin, Studienkollegin und WG-Mitbewohnerin Marianne zur Demo gekommen und obwohl sie schon auf mehreren ähnlichen Demonstrationen waren, schien es heute besonders aufregend zu sein. Es waren viel mehr Leute als sonst gekommen und sie hatte sich zum ersten Mal auch komplett schwarz gekleidet. Ihre knallroten Rastalocken bildeten einen Kontrast zu ihrem schwarzen Kapuzenpulli mit der Aufschrift „Kein Mensch ist illegal“, ihrer schwarzen Hose und ihren hohen Doc Marten’s Stiefeln. Hier unter den anderen Antifas war die Stimmung nicht nur weit impulsiver als weiter hinten bei den bunten Clowns und Ökos, sondern vor allem auch aggressiver. Die Polizeipräsenz war mindestens genauso groß wie beim anderen Demonstrationszug. Weiter vorne war der Knall von einem Böller zu hören. Jemand schien sich dafür entschieden zu haben, dass man die Stimmung noch steigern konnte. Sofort stieg der Lautstärkepegel rund um Jenny und sie stimmte mit ein: „Alerta! Alerta! Antifaschista!“. Da explodierte noch ein Böller, diesmal näher, und etwa 10 Schritte vorne rechts von Jenny wurde ein rotes bengalisches Feuer entzündet. Die Polizisten rechts und links des Zuges setzten sich wie auf Kommando alle ihren weißen Helm auf.

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Harald
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BeitragVerfasst am: 24.01.2018 13:49    Titel: Re: mein Einstand: Leseprobe zu meinem dystopischen Roman Antworten mit Zitat

Hallo Bert,

es könnte eine interessante Geschichte werden, ich würde sie eventuell lesen, vor allem, weil die Rechtschreibung sehr gut ist, was ja leider bei manchen Selfpublishern nicht der Fall ist. Was mich ein wenig stört sind die Interpunktionsfehler bei der wörtlichen Rede und zwei, drei andere Kleinigkeiten.

Grün zeigt, was ich ändern würde
Rot, was geändert werden müsste

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Ulla zog das iPhone aus der schwarzen Lederhülle und strich mit automatisierter Geste über den Touchscreen. Nach Eingabe des PIN-Codes wählte sie die Telefonnummer ihres Assistenten Arthur aus den Favoriten.
„Hallo Ulla!“, meldete sich nach kurzem Läuten eine leicht nervös klingende männliche Stimme. Ulla verdrehte genervt die großen blauen Augen. Er nervt mich schon, sobald er den Mund aufmacht, sagte Ulla zu sich selbst.
„Auf Seite 8 stimmt die Summe nicht.“, Ulla’s Ton war trocken und scheidend.

„Äh, was..?“

Oh mein Gott, was für eine Flasche. Ulla schloss die Augen. Atmete langsam ein und stricht sich eine blonde Strähne hinter das rechte Ohr.
„In der Präsentation hast du die Euros nach der letzten Anpassung der Montagekosten in der Gesamtsumme nicht geändert. Ich hab’s jetzt am Handy schnell überschlagen, aber das kann nicht stimmen. Und als Titelbild nehmen wir das Bild von Indian Steel haben wir gesagt. Das hast du auch nicht geändert“.

„Ähhtut mir leid. Werd' ich sofort machen!“, Ulla konnte Arthurs verlegenen Grinser im knallroten Gesicht förmlich durchs Telefon spüren. Seit ihr der Vorstand den jungen Mann mit angeblich viel Potential vor vier Monaten aufgedrängt hatte, hatte er Ulla mehr Zeit und Nerven gekostet, als er ihr helfen konnte. Viel Potential, ja. Nach oben!
„Das will ich aber auch hoffen!“,Ullas Augen verengten sich. „Und dann schickst du’s mir gleich nochmal durch. Mein Flieger geht in einer halben Stunde. Danke!“

„Äh, ja natürlich, mach ich sofort.“, Ulla legte ohne ein weiteres Wort auf.



Ich würde es so schreiben:

Ulla zog das iPhone aus der schwarzen Lederhülle und strich mit fießender Bewegung über den Touchscreen. Nach Eingabe des PIN-Codes wählte sie die Telefonnummer ihres Assistenten Arthur aus den Favoriten.
„Hallo Ulla!“, meldete sich nach kurzem Läuten eine leicht nervös klingende männliche Stimme. Ulla verdrehte genervt die großen blauen Augen. Er nervt mich schon, sobald er den Mund aufmacht, sagte Ulla zu sich selbst.
„Auf Seite acht stimmt die Summe nicht.“
Ullas Ton war trocken und scheidend.

„Äh, was …?“

Oh mein Gott, was für eine Flasche. Ulla schloss die Augen. Atmete langsam ein und stricht sich eine blonde Strähne hinter das rechte Ohr.
„In der Präsentation hast Du die Euros nach der letzten Anpassung der Montagekosten in der Gesamtsumme nicht geändert. Ich hab’s jetzt am Handy schnell überschlagen, aber das kann nicht stimmen. Und als Titelbild nehmen wir das Bild von Indian Steel haben wir gesagt. Das hast Du auch nicht geändert.“

Ähh … tut mir leid. Werd' ich sofort machen!“
Ulla konnte Arthurs verlegenen Grinser im knallroten Gesicht förmlich durchs Telefon spüren. Seit ihr vom Vorstand der junge Mann mit angeblich viel Potential vor vier Monaten aufgedrängt worden war, hatte er Ulla mehr Zeit und Nerven gekostet, als er ihr helfen konnte. Viel Potential, ja. Nach oben!
„Das will ich aber auch hoffen!“
Ullas Augen verengten sich.
„Und dann schickst Du's mir gleich nochmal durch. Mein Flieger geht in einer halben Stunde. Danke!“

„Äh, ja natürlich, mach ich sofort.“
Ulla legte ohne ein weiteres Wort auf.


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Harald

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Bert Rappenreich
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Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 24.01.2018 13:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Harald! Ich werde es mir zu Herzen nehmen.

LG,

Bert
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Slaavik
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 517



BeitragVerfasst am: 24.01.2018 13:57    Titel: Re: mein Einstand: Leseprobe zu meinem dystopischen Roman Antworten mit Zitat

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

aus einem Punkrock-Klassiker (Bad Religion, 1982)


Ich bin ehrlich gesagt kein großer Freund davon, mit einem Zitat aus einem fremdsprachigem Liedtext zu beginnen.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Kapitel 1: Nicht wie erwartet

Eine Kapitelüberschrift. Kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, welches Kapitelüberschriften verwendet.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

MONTAG, 16:14 UHR, SENATOR LOUNGE FLUGHAFEN DÜSSELDORF
Nicht zu wechseln mit der Senator Lounge Flughafen Frankfurt. Wink Aber ernsthaft, so etwas überlese ich eigentlich grundsätzlich. Wenn es wichtig für die Handlung ist, bin ich in der Lage diese Informationen auch aus dem Text zu lesen, wenn sie nicht wichtig sind, wüsste ich nicht wieso ich sie mir merken sollte.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Ulla verdrehte genervt die großen blauen Augen. Er nervt mich schon, sobald er den Mund aufmacht, sagte Ulla zu sich selbst.

Da ist aber jemand genervt, so etwas geht mir auch immer ziemlich auf die Nerven. Außerdem, wie kann sie etwas zu sich selbst sagen, wenn sie gerade telefoniert? Da könnte sie es sich höchstens denken. Nur, da wir gerade mitbekommen, dass sie bereits genervt ist, bevor die Unterhaltung tatsächlich begonnen hat, ist das was sie sich da selbst sagt nur re­pe­ti­tiv.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Oh mein Gott, was für eine Flasche. Ulla schloss die Augen. Atmete langsam ein und stricht sich eine blonde Strähne hinter das rechte Ohr.

Oh mein Gott, was für ein Anfang. Eine genervte Frau telefoniert am Flughafen, mit ihrem nervendem Assistenten und nervt mich bereits mit ihrer Genervtheit. Ich hoffe nur du wolltest, dass Ulla -schreibt man das nicht eigentlich mit einem L?- wie die klassische Klischeegeschäftsfrau wirkt, die unfähig ist einen fähigen Assistenten zu finden.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

„In der Präsentation hast du die Euros nach der letzten Anpassung der Montagekosten in der Gesamtsumme nicht geändert. Ich hab’s jetzt am Handy schnell überschlagen, aber das kann nicht stimmen. Und als Titelbild nehmen wir das Bild von Indian Steel haben wir gesagt. Das hast du auch nicht geändert“.

Moment? Kann es nicht stimmen, oder stimmt es nicht? Das ist ein gewichtiger Unterschied. Und macht es etwas aus, dass ich keine Ahnung habe was Indian Steel ist?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

„Ähh…tut mir leid. Werd' ich sofort machen!“, Ulla konnte Arthurs verlegenen Grinser im knallroten Gesicht förmlich durchs Telefon spüren.

Ähh, das hat er doch schon einmal gesagt. Also haben wir eine klassische Klischeegeschäftsfrau und den klassischen überforderten, unfähigen Assistenten, da rüste ich mich lieber schon einmal auf die Klischees die noch folgen.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Seit ihr der Vorstand den jungen Mann mit angeblich viel Potential vor vier Monaten aufgedrängt hatte, hatte er Ulla mehr Zeit und Nerven gekostet, als er ihr helfen konnte. Viel Potential, ja. Nach oben!

Jetzt also noch der böse Vorstand und die Geschäftsfrau die sich einen Assistenten aufdrängen lässt? Das Gesamtbild lässt sie bereits nicht sonderlich kompetent wirken. Und natürlich Potential nach oben, aufgrund eines großen Potentials nach unten hätte sie ihn schließlich auch nicht ausgewählt. Außerdem empfinde ich persönlich es immer sehr befremdlich, wenn bereits so früh, ein ! auftaucht. Das ist ein Satzzeichen, dass man wirklich nur sehr, sehr selten einsetzen sollte. Und dies ist tatsächlich sogar bereits das zweite.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
„Das will ich aber auch hoffen!“, Ullas Augen verengten sich. „Und dann schickst du’s mir gleich nochmal durch. Mein Flieger geht in einer halben Stunde. Danke!“
Drei. Vier. Wofür bedankt sie sich jetzt eigentlich? Dafür, dass er sie nervt? Dass er unfähig ist? Dass er nun behauptet etwas zu tun, dass er schon längst hätte tun sollen?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

„Äh, ja natürlich, mach ich sofort.“, Ulla legte ohne ein weiteres Wort auf. Wahrscheinlich hatte er die Augen wieder riesig weit aufgerissen, so dass sie fast auf den Schreibtisch fielen. So sah er jedenfalls immer aus, wenn sie Arthur unter Druck setzte. Nein, eine wirklich verantwortungsvolle Aufgabe würde Ulla diesem Schlappschwanz sicher noch lange nicht geben können.

Die Frau will einfach nicht aus der Klischeeecke heraus kommen. Mir persönlich stößt es schon bitter auf. Die Geschichte hat noch kaum angefangen und es wirkt alles schon so, habe ich schon mal irgendwo gelesen/gesehen.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Sie schob die schwarze Lederhülle samt iPhone zurück in ihre schwarze Ledertasche,

während sie dabei natürlich noch einen schwarzen Ledermantel trägt und auf ihren schwarzen Lederstiefeln unterwegs ist. Davon abgesehen, könnte ich auch vollkommen ohne Erwähnung davon ausgehen, dass sie es wieder wegsteckt. Wohin genau, ist mir dann auch relativ egal, schließlich lese ich ja gerade nicht die gesammelten Abenteuer von Igon Iphone in seiner schwarzen Lederhülle.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

griff nach der halbleeren Tasse Espresso auf der kleinen Ablagefläche zwischen den gepolsterten Kunstledersitzen

Natürlich trinkt sie Espresso, ich bin nicht überrascht. Aber wieviel in ihrer Umgebung aus Leder besteht und tatsächlich erwähnt werden muss irgendwie schon.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

und blickte durch die hohen Glasfenster hinaus aufs Rollfeld.

Wo durch auch sonst? Sie wird sicherlich nicht per Röntgenblick durch die Wand gucken.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

beruhigte sie.

Sie war nicht beunruhigt, sie war genervt. Wobei ich mich auch frage, was soll so beruhigent an dem Gewusel auf dem Flugfeld sein?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

strich langsam mit ihrem rechten Mittelfinger über das dunkelblaue Kunstleder der Sitzlehne.

Ich hatte mich schon gefragt, ob ich noch die Farbe des Leders der Kunstledersitze erfahren. Und schon weiß ich, dass sie dunkelblau sind. Wäre übrigens ein tolles Trinkspiel, jedes Mal wenn in der Geschichte Leder auftaucht, muss man trinken.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Sie mochte Leder.

Offensichtlich nicht nur sie. Und prost.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Business-Look oft in Leder gehalten.

Und prost.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Als sie bemerkte, dass der Mann am anderen Ende des Raumes sie für ihren Geschmack einen Moment zu lange anstarrte, sah sie ihn kurz direkt an und dann demonstrativ mit gerümpfter Nase weg.

Also hat sie tatsächlich ein Zeitfenster in dem anstarren in Ordnung ist? Ich empfinde es grundsätzlich als merkwürdig, wenn mich eine fremde Person anstarrt. Wobei mit das demonstrative Naserümpfen, dann doch tatsächlich zum lachen gebracht hat. Das wirkt irgendwie unfreiwillig komisch.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Ihr Notizbuch (in schwarzem Leder)

Prost.
Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Nur zwei Worte hatte sie untereinander in die linke obere Ecke notiert:

Manuel Wimberger
6 Mio JaTo

Nein, das sind mehr als zwei Worte.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Sie hatte schon unzählige Methoden zur Priorisierung ihrer Aufgaben und somit die zielgerichtete Lenkung ihrer Gedanken erprobt.

Ist das der Versuch sie doch noch kompetent wirken zu lassen? Dann sollte sie zumindest zuerst zählen lernen, denn ich habe immer noch im Kopf, dass sie sich vor vier Monaten einen Assistenten hat aufzwingen lassen, dass sie sich nicht sicher war, ob die Rechnung nun tatsächlich falsch war, dass sie es innerhalb von vier Monaten nicht hinbekommen hat einen brauchbaren Assistenten zu bekommen und nur bis zwei zählen kann. Da ist es dann, ehrlich gesagt, auch nicht mehr hilfreich darüber zu lesen, wieviele Methoden Prioisierung ihrer Aufgaben sie bereits ausprobieren musste und welche ihr nun brauchbar erscheint.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Aber dieses Mal wollte ihr nichts Neues einfallen.

Nein, natürlich nicht. *seufz*

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Sie waren seit vier Jahren an diesem Vorprojekt dran und alle Varianten waren von vorn bis hinten durchgekaut.
Erst vier Monate, jetzt vier Jahre. Ich erkenne ein Muster. Allerdings weiß ich immer noch nicht, was sie eigentlich macht. Nur dass sie einen Assistenten hat, wohl auf ihr Flugzeug wartet, irgenwas mit einer Präsentation und einem Vorstand. Ich weiß mehr über all das Leder das sie umgibt, als über Ulla selbst. Und was soll das für ein Vorprojekt -was soll ein Vorprojekt eigentlich sein?- sein, dass nach vier Jahren, eine Präsentation nötig ist?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Seit ihrer Beförderung vor drei Jahren zum Head of Sales bei SNS... ...Onemetals, waren die letzten beiden im Rennen.

Oh, was für eine Textwand. Was war dein Hintergedanke solch einen Wall mit an den Anfang zu setzen? Der Leser zu verschrecken? Zu langweilen? Bisher habe ich noch kaum eine Handlung die mich motivieren würde weiterzulesen und dann erschlägt mich solch eine trockene Textwand, ohne jede Handlung. Frage dich mal selbst, dass das tatsächlich ein Anfang wäre, der dich zum weiterlesen anregen würde.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Sie notierte nichts und klappte das Notizbuch zu. Es war schon alles genug von allen Seiten diskutiert worden. Dieser Termin musste die Entscheidung bringen!
Fünf! Wenn schon alles durchdiskutiert ist, was hat sie da dann gerade gemacht? Also kompetent wirken sieht anders aus.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Das vibrierende Summen ihres iPhones riss Ulla aus ihren Gedanken.

Gedanken? Sollte diese Textwand etwa ihre Gedanken repräsentieren?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Wenn man Arthur schon nicht zum Kunden mitnehmen konnte,

Wieso sollte sie das überhaupt wollen?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Ulla stöhnte. Sie hasste Rechtsschreibfehler. Nein, Kundenkontakt war nichts für Arthur, nicht mal per Email!

Sechs! Ja, inzwischen sollte selbst der dümmste anzunehmende Leser vom Vorschlaghammer getroffen worden sein, und wissen dass Arthur unfähig ist.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Linz war halt nicht unbedingt eine Top-Destination.

Eine was?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

MONTAG, 17:23 UHR, INNENSTADT VON LINZ

Nicht zu verwechseln mit der Innenstadt von Salzburg. Wieso eigentlich in Großbuchstaben? Ich bin mir sicher die Leser könnten es auch lesen, wenn es völlig normal geschrieben wäre. Ach ja, ich kann mich zwar erinnern, dass wir schon einmal einen Wochentag genannt bekommen haben, aber nicht mehr welcher das war. Ist es der selbe Tag? Früher? Später? Ich weiß es nicht. Vermutlich auch egal.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

„Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“
Die Parole hatte trotz ihrer Monotonie noch immer etwas Bewegendes.
„Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“
Didi schwang die rot-weiß-rote Fahne über seinem Kopf hin und her.
„Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“

Dreizehn! Und nachdem wir Ulla kaum kennengelernt und eigentlich kaum eine Handlung hatten, haben wir jetzt bereits einen Wechsel des Handlungsortes und des Protagonisten dem wir folgen. Nicht ideal würde ich mal sagen.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Beim letzten Ausruf kam es Didi so vor, als habe nur er alleine geschrien, weil die Demonstranten rechts und links von ihm gleichzeitig aufgehört hatten.

Wenn ich raten müsste, würde ich vermuten, dass es jetzt eine ganze Weile dauern wird, bis wir erfahren, warum sie aufgehört haben.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Didi wusste nicht, wann in den letzten Jahren „Wir sind das Volk!“ zur Parole von patriotischen oder nationalen Demonstranten und Aktivisten geworden war. Er stellte sich diese Frage auch nicht.

Natürlich tut er das nicht. Didi darf natürlich nicht zu clever sein. Ich dachte es mir bereits beim ersten Satz nach dem Handlungswechsel, aber jetzt bin ich mir sicher, den unangenehmen Beigeschmack eines Erziehungsversuches im Mund zu haben.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Er war hier auf der Straße bei der „Demonstration gegen Überfremdung, Globalistenherrschaft und Kulturtod“
Und weil Globalisten über haupt kein richtiges Wort ist, wirken sie schon so richtig dämlich. Da wird so richtig subtil der gesamte Lattenzaun geschwungen.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
die von der Bewegung zur Erhaltung des Abendlandes organisiert wurde, weil es für ihn einfach klar war, dass er hier sein musste. Und weil die meisten seiner Kameraden auch hier waren.
Ach, ist Kamerad inzwischen auch schon ein Unwort? Stichwort Lattenzaun.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Ein paar andere hatten Bierdosen in die Demo schmuggeln können.

Bier ist also böse?
Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Mit zwei Dosen Bier und einschlägiger Rockmusik waren er und seine Freunde in richtig gute Stimmung gekommen.

Also Nazirock?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Aber noch lange nicht so wie beim Fußball.
Ah, man hätte es durch den Namen Didi, fast schon vermuten können.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Bis auf ein paar ältere Herrschaften, die den weiteren Text kannten.
Also sogar Alznazis?

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Ganz vorne gingen hauptsächlich junge Menschen, die meisten männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie trugen Hemd, Poloshirts oder schwarze T-Shirts mit einem Lambda-Symbol in einem Kreis, dem Logo der Bewegung zur Erhaltung des Abendlandes, manche auch moderne Tracht. Die Männer hatten durchwegs ordentlichem kurzen Haarschnitt.

Ich hatte schon fast mit der Erwähnung gerechnet, dass sie natürlich weiß sind. Das ist mir noch von den letzten Zeitungsartikenl die ich zu dem Thema gelesen habe hängen geblieben. Wütende, junge, weiße Männer, das war damals sehr wichtig gewesen zu erwähnen. Ich persönlich habe nie verstanden wieso, aber es kam damals in fast jedem Artikel vor.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Von den weiblichen Teilnehmern... ...so wie die meisten in dieser Gruppe.

Es gibt so gesehen noch keine Handlung, aber eine weitere Textwand. Das ist wirklich nicht gerade das, was ich mir erhofft hatte.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Plötzlich wurde es laut hinter Didi.

Ah, da ist Didi ja wieder, aber er tut immer noch nichts. Er ist eben da und die Umgebung und Vorgeschichte und was weiß ich nicht wird eben beschrieben, aber Didi, der existiert eben und das war es auch schon. Keine Persönlichkeit, keine Gedanken, keine Handlungen. Gut, er hat mal mit skandiert "Wir sind das Volk." aber ansonsten.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Von Seiten der vielen Polizisten, die rechts, links und hinter der Gruppe marschierten kamen argwöhnische Blicke aufgrund des stark gestiegenen Lautstärkepegels. Die ganze Demonstration wurde rundherum fast lückenlos von Polizisten begleitet. Viele von ihnen waren an Armen und Beinen mit Protektoren gepanzert. Am linken Arm hatten sie einen großen transparenten Schild und im rechten Arm trugen sie einen weißen Helm mit durchsichtigem Visier.

Damit weiß ich bereits jetzt über das Aussehen dieser Polizisten mehr als über Ulla und Didi zusammen.

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:

Sie waren ebenfalls alle recht jung, trugen schwarze Kapuzenpullis und es war laute Rockmusik zu hören. Nur im Detail war erkennbar, dass sich dieser schwarze Block vom anderen unterschied.

Also die Anti wie auch immer die anderen Demonstranten um Didi genannt wurden. Und Didi taucht wie ich sehe überhaupt nicht mehr auf. Dafür eine Jenny. Und ja. Handlung kann ich hier dann nun wirklich keine mehr Entdecken. Habe jetzt auch nichts gelesen, was mich neugierig gemacht hätte. Ich mag mir dann jetzt auch gar nicht im Detail durchlesen, ob die Gegendemonstration intelligenter wirkt.

Fazit: Handlung existiert fast keine. Viel unötige Umgebungsbeschreibungen, während die Protagonisten völlig unsichtbar bleiben. Jede Menge Klischees. Viel Textwand. Viele Ausrufezeichen. Und viel Leder.


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Bert Rappenreich
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BeitragVerfasst am: 24.01.2018 14:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine Rückmeldung, Slaavik.
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RememberDecember59
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BeitragVerfasst am: 24.01.2018 14:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Bert!
Die Idee, einen bereits veröffentlichten Text hier reinzustellen, ist wahrscheinlich nicht so gut. Was erhoffst du dir denn an Rückmeldung? Für Werbung ist es nicht die richtige Ecke und für Kritik und Textarbeit ist es ja bereits zu spät. Vielleicht beim nächsten Mal lieber einen Ausschnitt, an dem du gerne noch arbeiten und wissen willst, wie er so ankommt.
Liebe Grüße und viel Spaß im Forum smile


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Kobold: "Hätte mich das jemand anders gefragt, o Herr, der ihr Schrecklich und Unübertrefflich seid, hätte ich ihn einen Dummkopf genannt, bei Euch jedoch ist diese Frage ein Zeichen jener entwaffnenden Schlichtheit, welche der Born aller Tugend ist. ..."

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Bert Rappenreich
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Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 24.01.2018 14:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Schreiberling,

ja das stimmt schon. Aber durch die bisherigen Rückmeldungen hab ich auch schon wieder was gelernt und werde in Zukunft darauf achten. Mir hat es schon was gebracht.
Ich werde wohl aber auch einen Text reinstellen, an dem ich gerade arbeite.

LG,

Bert
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Slaavik
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Beiträge: 517



BeitragVerfasst am: 24.01.2018 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

Bert Rappenreich hat Folgendes geschrieben:
Danke für deine Rückmeldung, Slaavik.

Gerne, ich bin froh, dass du meine Kritik nicht als persönlich Angriff gewertet hast, was mir öfters mal passiert.


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Bert Rappenreich
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Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 25.01.2018 09:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nein, durchaus nicht. Ich schätze es, dass sich jemand die Mühe macht.
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Gast







BeitragVerfasst am: 25.01.2018 12:16    Titel: Re: mein Einstand: Leseprobe zu meinem dystopischen Roman Antworten mit Zitat

Hallo,

auch von mir noch eine Rückmeldung. Ich habe jetzt die Rückmeldungen der anderen Mitglieder extra nicht gelesen, um Beeinflussung zu vermeiden.
Meinen Senf schreibe ich direkt in deinen Text.
Und da du sagt, du schätzt es, dass sich jemand die Mühe macht, mache ich mir die Mühe und bringe unten drunter ein paar handwerkliche Infos, die dir bei deinem nächsten Text hoffentlich weiter helfen.


“Early man walked away as modern man took control.
Their minds weren't all the same, to conquer was his big goal,
So he built his great empire and slaughtered his own kind,
Then he died a confused man, killed himself with his own mind.
Go!
We're only gonna die from our own arrogance…”

aus einem Punkrock-Klassiker (Bad Religion, 1982)

Hier fängt mein Problem schon an. Ich habe diese Passage direkt überlesen. Wäre ich jetzt im Buchladen, ich hätte das Buch sofort wieder weggestellt.
Erstens ist es englisch und ich habe keine Lust, meine Gedanken darauf zu verschwenden, irgend einen dämlichen Liedtext einzudeutschen.
Zweitens: Trägt der Liedtext dazu bei, einen Prota zu charakterisieren? Führt er einen Konflikt ein? Treibt er die Handlung voran?
Nein!
Dann muss es raus. Punkt.
Drittens: Ein Roman sollte mit einem spannenden ersten Satz beginnen, der fesselt, Fragen aufwirft, zum Weiterlesen anregt. Wenn ich in einem Buch schon die ersten Worte überlese, ist das ein worstcase-Szenario.  



Kapitel 1: Nicht wie erwartet

MONTAG, 16:14 UHR, SENATOR LOUNGE FLUGHAFEN DÜSSELDORF

Ok, soweit alles irrelvant. Wird gleich mit überlesen.


Ulla zog das iPhone aus der schwarzen Lederhülle und strich mit automatisierter Geste über den Touchscreen. Nach Eingabe des PIN-Codes wählte sie die Telefonnummer ihres Assistenten Arthur aus den Favoriten.

Das ist mir persönlich zu viel überflüssiges Detail. Details in allen Ehren aber das hier bremst doch ziemlich ein, find ich.

„Hallo Ulla!“, meldete sich nach kurzem Läuten eine leicht nervös klingende männliche Stimme.
Auch hier zu viel.


Ulla verdrehte genervt die großen blauen Augen. Er nervt mich schon, sobald er den Mund aufmacht, sagte Ulla zu sich selbst.

Ich glaube, dass sie die Augen verdreht sagt alles aus. Dieselbe Info im Anschluss nochmal zu geben ist überschüssiger Ballast. Dopplungen vermeiden.

In meinen Augen könntest du die Hallo-Grüß-dich-Passage auch direkt steichen. Wenn ich eine Party beschreibe, beginne ich auch nicht an der Eingangstür. Laughing Weil es lahm ist. Offenbar kam es dir nur darauf an, zu zeigen, dass Ulla genervt ist und ihr Gesprächspartner inkompetent. Diese Info ließe sich auch darunter ohne weiteres einflechten. Das kurze Telefonat ist ziemlich statisch und spannungsfrei. Dabei hättest du für das Gespräch durchaus Konfliktpotential. Du hast auf der einen Seite eine genervte Ulla, die ihren Zorn auf Arthur entladen könnte. Auf der anderen Seite hast du einen inkompetenten Arthur, der sich doch so toll in Ausreden verzetteln könnte. Am Ende des Telefonats stellt Ulla ihm ein Ultimatum: Sie will in fünf Minuten die Zahlen haben. Und zwar richtig diesmal. Dann hängt sie einfach ein.
Deine Ulla ist mir zu wenig emotional. Immerhin hat die Flachpfeife SCHON WIEDER einen Fehler gemacht. Und Arthur sagt einfach nur Ja und Amen. Wo ist da die Kontroverse? Ein flinker Schlagabtausch bringt Tempo und Spannung.
Noch etwas: Statt du SAGEN, dass man den Kerl nicht brauchen kann - ZEIG es mir in diesem Telefonat und lasse mich die Schlüsse selbst ziehen. Du präsentierst mir die Info auf einem Tablett und beraubst mich dadurch meines Kopfkinos. Die Erklär-Bär-Passagen dazwischen verlangen zusätzlich irre das Tempo und lassen den ohnehin statischen Dialog noch behäbiger wirken. Der ganze Dialog mit Zwischenpassagen ließe sich minimum auf die Hälfte eindampfen, würde dadurch knapper, prägnanter, temporeicher.




Sie schob die schwarze Lederhülle samt iPhone zurück in ihre schwarze Ledertasche, griff nach der halbleeren Tasse Espresso auf der kleinen Ablagefläche zwischen den gepolsterten Kunstledersitzen und blickte durch die hohen Glasfenster hinaus aufs Rollfeld.

Hier wieder überflüssige Details. Ein behäbiges Textungetüm, das mir keinerlei nützliche Erkenntnisse bringt. Jedes Detail wird obendrein begleitet von einem Adjektiv oder Adverb, was die Sache nochmal aufbläht.
Die schwarze Lederhülle scheint eine Hauptrolle zu spielen. So oft, wie sie namentlich benannt wird, scheint sie für den bevorstehenden Konflikt von ziemlicher Bedeutung zu sein.

Und genauso behäbig geht es munter weiter im Text. Mit Jumbojets und blauen Himmeln usw usw. Als Leser schlafe ich inzwischen ein. Ich warte immer noch auf diesen einen Moment, in dem du mich endlich in die Handlung einführst! Aber das tust du den ganzen laaaaaangen Absatz hindurch nicht. Der komplette Absatz ist eigentlich restlos zu streichen! Alles, was nichts zum Konflikt oder zur Charakterisierung einer Person beiträgt ist überschüssiges Fett, das die Geschichte bremst.
In Anschluss kommt gleich der nächste behäbige Absatz:



Sie hatte schon unzählige Methoden zur Priorisierung ihrer Aufgaben und somit die zielgerichtete Lenkung ihrer Gedanken erprobt. Derzeit notierte sie immer den Namen ihres geplanten Gesprächspartners, meist ein Kunde, seltener ein Vorgesetzter, und darunter das Ziel dieses Menschen. Meist kamen ihr dann von alleine die richtigen taktischen Schritte in den Sinn, wie sie die betreffende Person erreichen konnte, welche sie sich dann daneben notierte. Aber dieses Mal wollte ihr nichts Neues einfallen. Sie waren seit vier Jahren an diesem Vorprojekt dran und alle Varianten waren von vorn bis hinten durchgekaut. SNS hatte bereits mehr als 200.000 Euro in diesen Auftrag als Vorleistung investiert, und jetzt stand sie kurz vor dem Abschluss. Seit ihrer Beförderung vor drei Jahren zum Head of Sales bei SNS, dem zweitgrößten Anlagenbauer für die Stahlindustrie in der gesamten EU, hatte sie zwar schon Aufträge abschließen können, die dieses Projekt in Summe um das 10-fache überstiegen, aber dieser Auftrag war ein „Leuchtturm“ in der Geschichte von SNS, wie es ihr CEO, Rüdiger Dittfurt, gern ausdrückte. Beziehungsweise er musste ein Leuchtturm werden, sonst wäre nicht nur ihre persönliche Performancebewertung im Keller.
Die Vereinigten Alpinen Stahlwerke im österreichischen Linz hatten sich für die Zustellung des Hochofens A dieses Mal dazu entschieden, die komplette Lieferung und Montage des Mechanischen Equipments als ein gesamtes Paket zu vergeben. Nach einer sogenannten Hochofenreise, die ca. 15 Jahre dauert, wurde die Anlage abgestellt. In exakt 100 Tagen sollte die gesamte innere Ausmauerung herausgenommen, erneuert und gleichzeitig auch die wichtigsten mechanischen Maschinen, Rohrleitungen und elektrischen Komponenten erneuert werden. Dies wurde „Zustellung“ genannt. Dieses Projekt war technisch, logistisch, terminlich und koordinationstechnisch herausragend in ganz Europa und wurde deswegen in der gesamten europäischen Stahlbranche mit Argusaugen verfolgt. Der Auftragswert für die Mechanik lag derzeit bei ca. 100 Millionen Euro. Der erste abgegebene Preis von SNS waren 119,4 Mio. gewesen, und der Kunde drückte immer noch auf den Preis. Immerhin: SNS und der zu erwartende Lokalmatador aus Linz, Onemetals, waren die letzten beiden im Rennen. Onemetals im Heimathafen zu schlagen wäre ein zusätzlicher Erfolg. Sie notierte nichts und klappte das Notizbuch zu. Es war schon alles genug von allen Seiten diskutiert worden. Dieser Termin musste die Entscheidung bringen!

So. Schnöder, ellenlanger Erklärbärtext. Welche Empfindungen willst du bei mir damit auslösen? Was soll ich mir hier bildlich vorstellen? Die ganze Passage ist für den Leser leer, nicht greifbar und damit belanglos. Ich will unterhalten werden. Ich will eine Bühne, auf der sich etwas vor meinen Augen abspielt.


Das vibrierende Summen ihres iPhones riss Ulla aus ihren Gedanken. Da war das Email von Arthur. Sie öffnete sofort die angehängte Datei und überflog die relevanten Seiten. Ok, wenigstens hatte er das schnell erledigt. Wenn man Arthur schon nicht zum Kunden mitnehmen konnte, so könnte sie ihn vielleicht doch noch zu einer guten Unterstützung im Büro entwickeln.

War er nicht gerade noch für nichts zu gebrauchen?
Ich will nicht kleinlich sein, aber wenn wir schon mal dabei sind: Das "sofort" ist ein Füllwort und damit zu streichen.




Hallo Ulla,
sorry für die Feler, anbei nochmal die korrigierte Datei.
Gruß,
Arthur

Ulla stöhnte. Sie hasste Rechtsschreibfehler.

Ich auch. Aber der hier ist mir erst aufgefallen, als du mich darauf hingewiesen hast. Und das riss mich aus dem Lesefluss und ich musste nochmal Arthurs Nachricht lesen. Liegt wohl daran, dass der menschliche Verstand beim Lesen nur die Buchstaben vorn und hinten liest und den Rest in der Mitte eigenständig füllt. Das fehlende "h" ist mir deshalb nicht aufgefallen.

MONTAG, 17:23 UHR, INNENSTADT VON LINZ

Ok, ich nehme an, Ullas Szene war hier zu Ende. Denn ich war doch sehr überrascht über die Wendung und das plötzliche Auftauchen von Didi. Wer ist Didi? Und wo ist Ulla geblieben? Und wer schmettert hier Parolen?
Seis drum. Den Rest der Szene (oder besser gesagt, diese zweite Szene mit Didi) spare ich mir für jetzt.

Fragen an dich:
Kannst du mir in deiner Ulla-Szene bitte mal den Spannungsbogen zeigen?
Bevor du lange suchst helf ich dir auf die Sprünge. Es gibt keinen! Und damit ist die komplette Szene belanglos! Sorry, ich weiß das ist hart. Aber ich sage dir diese Dinge, damit zu daran arbeiten kannst.

Welche Emotionen wolltest du bei mir auslösen? Hast du daran überhaupt gedacht? Die meisten Autoren schreiben einfach so dahin und machen sich gar keine Gedanken darüber, ob das Geschriebene den Leser anspricht, ob es Emotionen auslöst und WELCHE Emotionen es auslöst.

Was weiß ich über Ulla nach dieser Szene?
Reichlich wenig. Außer dass sie genervt ist von Arthur. Aber wie ist Ulla denn sonst so? Was ist ihr Hervorstechendes Merkmal? Ich habe keine Ahnung. Aber genau das hättest du mir zeigen müssen. Denn es entscheidet - zusammen mit den ausgelösten Emotionen - darüber, ob ich mich mit Ulla identifiziere. Ohne Identifikation ist das ganze Buch belanglos.
Gleich nach der Charakterisierung musst du so schnell wie möglich einen ersten Höhepunkt generieren. Mir fehlen jegliche Passagen, mit denen du nach meiner Aufmerksamkeit angelst. Deiner Szene mangelt es an Konflikt.
Was eigentlich schade ist. Denn dein Stil ist gut! Und das hat man leider nicht alle Tage. Man wird eher erschlagen von endlos-Bandwurmsätzen und ungeschickten Formulierungen, die unpräzise und schief sind.


So, ich hoffe, das hilft dir weiter.
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Bert Rappenreich
Geschlecht:männlichAbc-Schütze


Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 25.01.2018 15:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Moni1980! Ja, das hilft mir sehr viel weiter!

LG,

Bert
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 39
Beiträge: 20151

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 25.01.2018 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Bert und herzlich willkommen im Forum!

Normalerweise betrachten wir es als Werbung, wenn bereits veröffentlichte Werke im Forum gepostet werden. Für veröffentlichte Werke ist dieser Bereich vorgesehen. Dort können Mitglieder posten, sobald sie 50 Beiträge im dsfo gesammelt haben. Demnach müsste ich diesen Thread eigentlich aus dem Forum entfernen. Ich sehe aber auch, dass die Qualität deiner Geschichte sowohl formell, also beispielsweise im Umgang mit Satzzeichen insbesondere nach wörtlichen Reden, als auch handwerklich stark verbesserungswürdig ist. Unglücklich ist zudem, dass mir in der Leseprobe auf Amazon, ebenso wie hier im Forum, bereits nach wenigen Sätzen der erste Rechtschreibfehler entgegenspringt: Ist Ullas Ton wirklich trocken und scheidend, oder ist er schneidend?

Alles in allem sehe ich die Leseprobe tatsächlich nicht als Werbung sondern leider eher als Beispiel, wie man halt nicht veröffentlichen sollte. Du zäumst das Pferd von hinten auf. Ich denke, dass die Veröffentlichung deiner Geschichte zu früh kommt und würde mir an deiner Stelle überlegen, sie nach Möglichkeit wieder zurückzuziehen, weil sie dir und deinem Ruf in der jetzigen Qualität eher schadet als nützt. Von der 5 Sterne Rezension auf Amazon nehme ich an, dass sie fingiert wurde, zumindest aber eine subjektive Gefälligkeit darstellt (Bekannte, Verwandte?). Tut mir leid, wenn ich das so sage, aber mir ist es wichtig, dir meinen ehrlichen Eindruck mitzuteilen.

Kurzum: Ich lasse diese Leseprobe ausnahmsweise im Forum stehen, zumal sich mehrere Mitglieder bereits die Mühe gemacht haben, dir Feedback zu geben. Gleichzeitig bitte ich dich, es bei dieser Ausnahme zu belassen. Unveröffentlichte Texte hingegen darfst du natürlich gerne posten.

Danke und beste Grüße,

Martin


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Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
(Sir Peter Ustinov)

Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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Bert Rappenreich
Geschlecht:männlichAbc-Schütze


Beiträge: 7



BeitragVerfasst am: 26.01.2018 10:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok.
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Slaavik
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 517



BeitragVerfasst am: 28.01.2018 09:39    Titel: Antworten mit Zitat

MosesBob hat Folgendes geschrieben:
Für veröffentlichte Werke


 Shocked Ich bin gerade ein wenig fassungslos. Veröffentlicht. Hätte man mich gefragt, ob diese Geschichte veröffentlichbar wäre, dann hätte ich nur gelacht und sagt: Genauso veröffentlichbar wie sich Leckkuchen als Baumaterial für echte Häuser eignet. Kopf an die Wand


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