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Longo
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 875



BeitragVerfasst am: 09.01.2018 23:30    Titel: (kein Titel) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Im Viertagekrieg vor drei Jahren brachte Jeremia die Lösung
ins dekorierte Haus: „Fliegerstaffeln bräuchte man, um
zu fliegen. Und jeder nacheinander und schnurstracks!“
Das kommt ganz auf die Situation an, dachte ich mir.
Venöses Blut fließt nicht aus dem Herzen und wenn, ist man schwerkrank.
Als ich meine Ehefrau Lilly Rose das letzte Mal sah,
steckte sie ihre One-Way-Tickets in ihre Stiefel.
Wir flogen über Highways nach Nordost,
dort, wo sie die Völker abschlachteten und dort,
wo ich studierte und millionenfachen Völkermord beging.
Und Lilly, sie lachte mich nur aus, wenn ich darüber sprach,
wie ich immer wieder kämpfte, innerlich kämpfte, gegen sie,
die wie ich aussahen, diese ewigen Organkompanien, Zelltrümmer und Aschestrände und
Urlaubsfotos von vor dreißig Jahren,
auf denen ich mit Dad innig kuschelte.
Orangerote Hügel und blutrot geschlagene Wangen
und dahinter, hinter tausend Schluchten,
dort musste es sein,
wo er mich vor den Zug schmiss und ich gezweiteilt wurde.


MFG Longo

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Gast







BeitragVerfasst am: 13.01.2018 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

So splittrig und stechend wie ein Fußmarsch über Scherben durch Dornengestrüpp.

Mir gefällts,
M.
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 14.01.2018 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Longo!

Was für ein Text!

ER wiegt schwer, selbst "ohne Titel" - wie sollte man auch diese "EReignis- und Gedankenbewegungen" auch unter einen Titel fassen können?

Als ich heute früh den Text las musste ich eine Weile nachdenken und war fast ein wenig erschrocken, wie dieser Viertagekrieg vor drei Jahren schon ganz weit in mein Gedaächtnis abgerutscht war. Um so mehr hat dieser Text für mich Gewicht und Bedeutung.

So schwierig es ist, auf Aktuelles und Politisches lyrisch zu reagieren, hier ist es gelungen, nicht zuletzt durch den "persönlichen Blick- und Betroffenheitswinkel (positiv gemeint)" des LI .

Ich spüre die "Zweigeteiltheit", die sich durch den ganzen Text zieht und in einem Ton zwischen messerscharf und sensibel direkt nach dem Leser greift.

Ein Text, den es lohnt zu lesen, zu dem man zurückkehren kann, weil er reich ist und der mehr Kommentare verdient hätte.

Aber zur Zeit sind die Kräfte im Feedback wohl anderweitig gebunden.

Hoffe mehr von dir zu lesen. Aranka


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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Gast







BeitragVerfasst am: 14.01.2018 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, das ist mit der beste Text, den das Forum gerade zu bieten hat.

Grüße,
Monochrom
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6108
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 14.01.2018 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist ein starker Text.
Ich habe bisher nicht kommentiert, weil der sich noch nicht gesetzt hat bei mir.

Der Viertagekrieg vor drei Jahren: Ich muss gestehen, ich weiß nicht, welcher das ist.

Bin mir inzwischen auch unsicher, ob es um einen bestimmten Krieg geht, oder nicht vielmehr um jeden.

Vielleicht bringen mich u.a, die letzten Zeilen darauf, denn LI lebt ja noch. Das ist also mehr ein Bild.

Auch das lässt sich nicht wörtlich nehmen:

Zitat:
dort, wo sie die Völker abschlachteten und dort,
wo ich studierte und millionenfachen Völkermord beging.


Also, du merkst, ich habe noch nicht verstanden.
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Tula
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 591
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 15.01.2018 02:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Longo

ich stimme zu: ein starker Text, der aber nicht unmittelbar verständlich ist.

Ich sehe ebenso keinen bestimmten Krieg, eher einen fiktiven Konflikt, jemand wehrt sich gegen die Banalisierung des Krieges, will Fragen stellen, wird ausgelacht, selbst von der eigenen Familie, von welcher Lyri sinnbildlich geopfert und seelisch "in zwei Teile gerissen" wurde.

Ähnliche Gedanken gehen sicher nicht wenigen Flüchtlingen durch den Kopf, die vor der Gewalt im eigenen Land fliehen und sich im fremden in vielerlei Hinsicht entwurzelt fühlen. Ihr Land steht verallgemeinernd für alles Böse (z.B. Syrien), die innere Zerrissenheit der Menschen (politische Lager, ethnische Gruppen, idiologische Spaltungen quer durch die eigenen Familien usw.)wird gern und schnell übersehen.

LG
Tula


_________________
aller Anfang sind zwei ...
(Dichter und Leser)
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OpenOcean
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 35
Beiträge: 52
Wohnort: Ahlen


BeitragVerfasst am: 16.01.2018 09:12    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich glaube, das ist mit der beste Text, den das Forum gerade zu bieten hat.

Grüße,
Monochrom


es macht mir Angst, dass ich mit solchen Texten nichts anfangen kann. Vielleicht klärst du (ihr) einen Laien mal auf, was genau so gut ist, und welche Intention hinter den einzelnen Zeilen steckt.

Sehe gerade nur BAHNHOF und Züge, die mich nicht mitnehmen...
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Longo
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 875



BeitragVerfasst am: 17.01.2018 23:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für eure Kommentare.
Es geht vor allem um die Zerrissenheit des LI in seiner persönlichen Situation. Es ist enttäuscht, wütend, dabei sensibel und hin und hergerissen. Im Endeffekt braucht es nur Liebe und Zuneigung, Ehrlichkeit.

Ansonsten kann und soll der Text auch anderweitig interpretiert werden (können). Ich habe die Fenster und Türen bewusst offen gelassen.

MFG Longo
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1503
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 19.01.2018 15:33    Titel: Antworten mit Zitat

Gerade gelesen. Ein wenig geflasht. Muss noch den 10K kommentieren. Später gerne mehr.

_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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