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Jenseits von Jedem


 

 
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Christof Lais Sperl
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 57
Beiträge: 376
Wohnort: Hangover
Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 04.01.2018 16:58    Titel: Jenseits von Jedem eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wie findet ihr das? Klingt der Ton? Paßt das Thema? Liest man gern weiter? Ist das zu radikal/krass? Der Text ist fiktiv. Wie immer geartete Parallelen zu real lebenden Personen und Sachverhalten wären rein zufällig.

Jenseits von Jedem

1
Dass ich die Oma im Erdgeschoß nicht gewarnt habe, tut mir im Nachhinein leid. Es ging alles schneller als gedacht. Die Katzen hatte ich ja nebenan abgegeben. Ich hab den Leuten was von Urlaub erzählt. Eine Zeit lang weg und so. Und dann hab ich das Benzin in der Wohnung oben verschüttet. Die Tür einen Spalt offen, ein brennendes Streichholz drauf, da hat es gleich riesig angefangen zu brennen, Tür zu, ich musste schnell abhauen. Ich hatte nur noch den Rucksack und das Rad. Dann hab ich die Briefe verschickt, zehn Stück, von unterschiedlichen Briefkästen aus. Dann war mein Akku alle. Ich hab von der Telefonzelle aus bei der Polizei angerufen, die wussten gar nicht wer ich bin, obwohl doch in den Zeitungen alles voll war mit Berichten, Fotos, Namen und allem. Aber egal, der Typ in der Zentrale hatte von mir wohl nie etwas gehört. Oder nur getan, als ob.

Ich hab den Hörer eingehängt, und bin in die Innenstadt. Da hab ich mir an den Klingelschildern den erstbesten Anwalt gesucht. Ich bin dann mit ihm zusammen hin. Also aufs Revier. In dem Moment haben die erst mal kapiert, wen sie da vor sich haben. Mein Anwalt hatte mit mir schon ein Papier vorbereitet. Auf dem Revier haben sie ein paar Protokolle geschrieben, und dann ging alles ganz fix. Sogar mit Hubschrauber und allem. Ich musste mit Handschellen da rein, ich in der Mitte von der Bank, links und rechts ein schwer bewaffneter Bulle daneben. Im Untersuchungsknast war ich die meiste Zeit allein. Aber immer hin und her zwischen Zelle und Verhörraum. Manchmal war wieder ein Anwalt dabei. Aber den hatte ich mir nicht selber ausgesucht. Das war einer von denen. Fernsehen, Radio und so war nicht, Musik und Zeitungen auch Fehlanzeige. Die wollten mich erst mal im Ungewissen lassen. Vielleicht hatten sie auch Angst, dass ich Leute warne. Aber womit denn schon? Das Handy hatte ich ja auch nicht mehr.

Vor der Wende gab’s ja die Oberbonzen, die  alles hatten. Westautos und so. Die hatten was zu sagen, und konnten entscheiden: Ausbildung, Studienplatz, Wohnung. Aber wir anderen hatten nichts zu melden. Immer nur Fresse halten und nachbeten. Freundschaft mit Kuba oder irgendwelchen sozialistischen Bimboländern. Soll erfüllen, Arbeiterklasse, Solidarität. Nach der Wende waren  aber wieder genau die gleichen Typen in den Schlüsselpositionen. Man kannte die ja alle. Die schwammen wie Fettaugen immer noch oben auf der Suppe, und rissen ihr Maul auf. Der einzige Unterschied war, dass jetzt um viel Geld ging, und auch ein paar Wessis an den entscheidenden Stellen saßen. Und wir offener reden konnten. Meinung sagen ging bei den Linken ja vorher nicht.

Wenigstens war die Grenze auf, und wir konnten auch mal im Westen gucken. Aber was wir da gesehen haben, das ging ja gar nicht. Das hatte ja mit Deutschland nichts mehr zu tun. OK, vor der Wende gab’s bei uns auch schon ein paar Neger oder Fidschis, die als Vertragsarbeiter in die Fabrik mussten. Aber die waren sonst immer in ihrem Wohnheim. Auf der Straße konnte man die ja mit ihren Bimbo- oder Toastgesichtern schon von weitem sehen. Und wenn die sich in Schopnitz rausgetraut haben, am Samstag oder so, zum Einkaufen, dann haben wir denen immer Muffe gemacht. Die gejagt. Da sind sie natürlich immer ganz schnell abgehauen. Die wollten ja auch keinen Ärger mit Polizei und so weiter. Und wir nicht, dass diese Asseln hier unsere Mädchen angrapschen oder irgendwas klauen. Also haben wir dafür gesorgt, dass die in ihrer Bude bleiben. Die von der Polizei haben immer weggesehen. Meistens jedenfalls. Irgendwie haben wir ja auch unsere Heimat geschützt, die von den Bullen ja auch.

Aber im Westen, da war ja alles voll  Kümmeltürken. Da kamen wir uns wie in der Minderheit vor. Überall Dönerbuden. Straßen voller Schwarzköpfe, Kopftücher und Kaftanträger. Da musste einem ja schlecht werden. So was wollten wir in Schopnitz, und überhaupt in unserer Heimat, nicht haben. Die kamen dann aber trotzdem alle her. Auf einmal war Kebabladen hier und Türkenbäckerei da. Kulturvereine und Teestuben, in denen den ganzen Tag lang nur Faulenzer herumsaßen.

Wir hatten ja schon länger die Clique vom Jugendzentrum. Da haben wir uns immer abends draußen am Bahnhof getroffen, saufen, Ausländer klatschen. Das ging dann immer so hin und her. Die Cliquen von denen haben sich ja gewehrt. Mal haben wir eins aufs Maul gekriegt, meistens aber doch die Kanaken. Selbst wenn die Polizei mal kam, hat uns von den Deutschen nie jemand verraten. Die waren alle auf unserer Seite. Zeugen gab es immer nur gegen die  Ausländertypen.

Aber egal was wir taten, wurde das mit den Pigmentierten trotzdem immer schlimmer. Ich hab erst mal eine Ausbildung gemacht, sie haben mich aber nicht übernommen. Von den anderen aus der Clique hatten die meisten keinen Job. Und die Türken kamen alle mit neuen Dreiern, Audis und Mersern um die Ecke, teuren Uhren, Klamotten, so was. Da haben wir uns gedacht, es wäre gut, mal ein Zeichen zu setzen. Also mal richtig Aktion zu machen. Und einen von den Kulturbereicherern plattmachen. Als Warnung sozusagen, wer hier der Herr im Hause sein soll.

Ich selber war bei den Jungs ganz beliebt, obwohl ich weder besonders hübsch, noch ganz hässlich bin. Es ist was dran, wie man so sagt, eine dürre Zicke bin ich nicht. Und darauf stehen ja die Jungs, wenn es überall ein bisschen Speck gibt.  Mein Hintern ist nicht zu dick, ich hab zwei schön runde Titten, und, auch nicht unwichtig, langes Haar. Außerdem bin ich auch nicht so riesig modelmäßig groß. Sondern eher knuffig und kurz. Kuschelkatze, sagte meine Oma immer. Mutter kenne ich ja nicht wirklich. Ich weiß nicht, ob die mich irgendwie besonders nannte.

Ich hör nicht nur National, sondern auch andere Sachen, zum Beispiel was so im Radio kommt. Die Jungs sagen immer, man könnte mit mir gut reden. Mein Nachname ist ein bisschen komisch. Aber kaum jemand fragt mich danach. Ich glaube, das liegt an dem Typen, mit dem meine Mutter mal zusammen war. Ich hab den Namen von dem dann bekommen. Der hat sie ja geschwängert. Irgendwo im Ausland. Ich habe den nie gesehen, und weiß auch nicht, wo der herkam. Meine Mutter heißt jedenfalls anders als ich.

Wir in der Clique haben uns alle was stechen lassen: Nationale Sachen, Runen, eisernes Kreuz, Soldaten, und so was. Wir sind Rechte. Weil, es ist ja wichtig, dass sich überhaupt noch jemand  kümmert, und  unser Land verteidigt vor der Muslimflut, die das Volk hier auslöschen will. Das Blut wollen die verunreinigen. Da gibt es bestimmte Geheimabkommen, da wollen die nur noch Asylanten-Mischvölker zulassen, die Deutschen ausrotten, die sich ja eh schon selbst aufgegeben haben. Schuldkult pflegen. Schuldkult, dass heißt, dass wir von den Siegermächten und ihren Juden seit jeher gezwungen werden, in uns nur das Schlechte zu sehen. Obwohl ja unter Adolf vieles besser war. Der hat ja schließlich die Autobahnen gebaut und für Arbeitsplätze gesorgt. Und wir sollen jetzt das Germanische aufgeben, und uns nur an das Schlechte erinnern dürfen, das es so gar nicht gegeben hat. Auch das mit den Juden und so weiter. Alles Lüge. Gab’s sogar mal ein Lied von Rio Reiser. So was haben wir immer diskutiert in der Clique. Ich hab das protokolliert und dann aufgeschrieben. Manche Sachen haben wir später auch auf Video aufgenommen.

Thomas und Tobias waren die Härtesten. Die wollten immer gleich Aktionen machen. Einmal haben sie eine Judenpuppe von einer Brücke heruntergehängt. Die Jungs hatten alle CDs, die auf dem Index waren. Störkraft und wie sie alle heißen. Die haben wir am Wochenende immer aufgedreht, und dann dazu gesoffen. Tobias war ein richtig Schlauer. Der konnte stundenlang alle Zusammenhänge erklären, egal ob klar oder angeschickert. Wir haben dann überlegt, ob wir was mit Sprengstoff machen sollen. Nicht bei uns, sondern im Westen. Hier ging es ja noch einigermaßen, aber bei den Wessis? Mal richtig ausputzen musste bei denen, am besten in so einem Türken-Szeneviertel, damit gleich ein paar linke Zecken auch noch Blut lassen müssen. Wir kamen dann auf Polen-Böller. Die kann man ja leicht besorgen, aufschneiden, den Sprengstoff rauspulen und dann aus ein paar Böllern und Nägeln eine richtige Sprengladung bauen. Das mit den Nägeln war die Idee von Tobias. Wenn nämlich die Bombe losgeht, und da sind noch Nägel drin, dann zerfetzen die alles weit und breit. Da wächst kein Gras mehr, wenn so ein Ding losgeht, meinte der.

Einer hat immer ausgekundschaftet. Volker. Der hatte dauernd im Westen irgendwas zu tun. Und permanent Kohle. Keiner wusste so genau, wo der die ganze Knete herhatte, und am Anfang haben wir ihm noch misstraut. Manchmal hat  der uns aber was geliehen. Oder ist mitgekommen, Türken klatschen, abfeiern und so. Das geliehene Geld war nicht wenig. Wir waren ja längst abgetaucht und hatten keine offizielle Adresse mehr. Mussten aber trotzdem Miete zahlen und alles. Was essen, telefonieren, da kommt schon einiges zusammen.

Ich war wie eine Art Mutter zu den Jungs. Jemand musste ja was kochen, und mir als einzige Frau in der WG kam natürlich diese Rolle zu. Thomas hatte es gut drauf mit Computern. Der hatte auch mal angefangen, was mit Elektronik zu studieren. Und hat dann immer Videos über Aktionen gemacht. Darin hat er seine Zukunftsträume verarbeitet. Irgendwelche Kriegs-Szenen aus der Tagesschau zusammengeschnitten, und dazu Untertitel und neue Texte gemacht. Das war auch die Zeit, zu der ihm die Idee mit dem Erkennungslied kam.

Volker wusste immer, wo wir sind, und ist im Westen rumgefahren. Außerdem kannte er auch noch ein paar Leute von der NVA. Die konnten Knarren und anderen Sprengstoff besorgen, besser als Böllerstoff, wenn wir welchen brauchten. Volker hat immer alles bezahlt.

Weil  wir heimlich tun mussten, wir waren ja mehr oder weniger schon abgetaucht, kamen wir uns mit Tobias und Thomas in der WG natürlich ziemlich nahe. Wir waren ja permanent zusammen. Beide waren wohl ein bisschen in mich verliebt, und erst war ich mit Tobias zusammen. Der hatte so ein süßes Riesenlächeln. Der konnte richtig glücklich lachen. Von einem Ohr zum anderen, wie man so sagt. Das war für Thomas ziemlich schwer, denn er war der Eifersüchtigere von beiden. Wenn Tobias mal unterwegs war, klebte Thomas ständig an mir und wollte dies und das. Ich hab dann eine zeitlang abwechselnd mit beiden immer mal geschlafen. So ganz ohne Gefühle geht’s ja auch nicht. Und der Mensch will ja auch immer mal ein bisschen kuscheln. Das hab ich aber immer nur gemacht, wenn einer von beiden mal weg war. Dann war ich auch mal ein paar Monate nur mit Tobias zusammen, offiziell könnte man sagen, da war der Thomas dann wieder sauer. Nach einiger Zeit haben wir uns darauf geeinigt, dass wir dann eben zu dritt zusammen wären, andersrum wäre immer einer im Nachteil gewesen. Thomas war zwar über die Situation zwangsläufig unglücklich, aber immer noch weniger, als wenn er gar nicht mehr mit mir zusammen gewesen wäre.

Um ein Zeichen zu setzen, haben wir angefangen, Briefbomben zu basteln. Bauanleitungen konnte man sich ja überall besorgen. Da haben wir erstmal ein paar
an verschiedene Behörden in Schopnitz geschickt. Vorher haben wir Fotokopien von Flugblättern reingetan. Mit Hakenkreuzen, Protest gegen die Befreiungslüge von Weizsäcker, die ganzen Türken,  und so was. Im Fernsehen und in der Presse haben sie darüber aber nichts berichtet.

Da haben wir uns gedacht, wir müssten noch mal eine Schippe drauflegen. Damit die mal berichten. Und das mit den Kanaken wurde in der Stadt sowieso immer mehr. Brauchte man ja nur mal aus dem Fenster rauszugucken. Alles versifft von diesen Schwarzköpfen. Tobias meinte, der Nationalsozialismus bräuchte ein paar handelnde Personen, die endlich damit anfangen, zu verteidigen, und nicht immer nur rumlabern.

Das Land wird ja von mehreren Kräften bedroht. Erst einmal die Juden und die Linken, die Deutschland für immer als Verlierer sehen wollen. Dann die Politiker, die mit ihrer permanenten, jüdischen Erinnerungssoße die Wehrmacht in den Dreck ziehen, und den deutschen Soldaten als Verbrecher hinstellen wollen. Die Lehrer und Historiker, die die Holocaustlügen erfunden haben, um unser Land kaputt zu machen, und dann die ganzen Ficki-Ficki-Kanaken, die erst unsere Mädchen schwängern, um unser arisches Blut verderben, und sich dann eine anatolische Jungfrau zum Heiraten suchen, weil,  ein türkisches Weib, das keine Jungfrau mehr ist, sowieso nur eine Nutte sein kann.  Dass sie selber vorher auch solche Schlampen gepimpert hatten, ist ihnen vollkommen egal, das waren ja eh nur Kartoffelweiber.
Die Alt-Achtundsechziger, oder wie die da im Westen immer hießen, haben die Ausländer alle reingeholt, um das Land zu zerstören. Die waren im Westen irgendwie immer an der Macht. Das war in der DDR besser, da gab es die ja alle nicht.

Mit den Jungs habe ich dann erstmal eine Liste gemacht, auf der alle Alis aus Schopnitz drauf waren. Geht ja leicht. Die mit dem Enkeltrick suchen sich altmodische Vornamen raus, wie Erika und so was, und wir haben eben Kanakennamen im Telefonbuch gesucht, Adaş, Sönmez, Tutulmaz oder wie die alle hießen. Den Sprengstoff, die Ali-Listen und ein paar Kontaktdaten von allen Freunden und national Gesinnten, die wir in Deutschland kannten, hat Volker in einer Schrebergartenhütte gebunkert, die er extra unter falschem Namen gemietet hatte. Volkers Adresse war auch dabei. Die Hütte war nicht weit von der Wohnung entfernt. Man konnte die aus dem Fenster sehen. Irgendeiner hat wohl Tobias oder Thomas verpfiffen, denn auf einmal kamen die Bullen an, und haben die Buden durchsucht. Die ganze Straße war grünweiß vor Bullerei. Die haben auch bei uns geklingelt, aber keine Personalien aufgenommen. Sie wollten wissen, wie wir heißen, und ob wir was über die Leute von den Schrebergärten wüssten. Wir haben natürlich nein gesagt. Als sie schon ein paar Hütten durchsucht hatten, hat Tobias gefragt, ob er mal weg könnte. Er müsste noch zu einem Freund. Sie haben OK gesagt, und Tobias ist dann mit dem Auto weg.

Thomas und ich hatten natürlich Schiß, also sind wir dann auch abgehauen. Die haben ja alle gar nicht richtig aufgepasst. Erst am Abend haben sie gemerkt, dass sie die falschen Häuschen durchsucht hatten. In der letzten Hütte haben sie dann alles gefunden. Stand so auch in der Zeitung. Wo Volker an dem Tag war, weiß ich nicht.

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Lais
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Günter Leitenbauer
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BeitragVerfasst am: 06.01.2018 09:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es sehr authentisch. Du triffst den Ton dieser Art Leute meist ziemlich gut, denke ich.

Der Text ist provokant. Kann mit etwas schlechtem Willen auch missverstanden werden - und genau das sind die Texte, die es drauf haben!

Hier auf Details einzugehen, spare ich mir. Finde den Text als Gesamtheit passend, da und dort etwas verbessern kann man immer.

LG Günter


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Christof Lais Sperl
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Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 06.01.2018 11:49    Titel: @Günther pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke dir, ich hatte die Befürchtung, Missverständnisse könnten überwiegen.

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Christof Lais Sperl
Geschlecht:männlichHobbyautor

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BeitragVerfasst am: 06.01.2018 15:27    Titel: 2 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Volker hatte irgendwo weit im Osten eine Kleinstadtwohnung aufgetan. Das war ein richtiger Häuserkomplex, in dem nur Rechte wohnten. Da hat sich sonst keiner hingetraut. Eine Wohnung war frei geworden. Da sind wie dann zu viert alle rein. Wir wurden mittlerweile richtig per Haftbefehl gesucht. Da war es natürlich gut, dass wir erstmal aus Schopnitz raus waren.

Die Wohnsiedlung hieß Bendler-Komplex, und lag in einer Stadt namens Mužakow. Weil wir in der Nacht mit dem Auto hingefahren waren, dachte ich zuerst, das wäre schon Polen. Ich hab dann aber später rausgefunden, dass das eigentlich ein deutscher Ort ist, der gleichzeitig einen polnisch klingenden Zweitnamen hat. Mit diesem komischen „ž“. Es gibt dort viele solcher Orte. Uns hat das aber nie interessiert, was da für Leute lebten.

Volker hatte uns neue Personalausweise besorgt und auch die Wohnung im voraus bezahlt. Aber trotz Wohnung war uns nach ein paar Wochen die Kohle ausgegangen. Wir brauchten bessere Ausrüstung, und Volkers Quelle sprudelte zum Zeitpunkt auch nicht mehr so gut. Außerdem war Volker nach wie vor ständig unterwegs. Auch nach ihm wurde gefahndet, er musste aufpassen, und konnte sich nicht mehr überall sehen lassen, wie früher. Zwei Knarren hat uns seine Quelle aber noch besorgt. Das mit der Fahndung sei eher pro forma zu sehen, sagte Volker immer. Wir sollten uns nicht so viele Sorgen machen.

Da haben wir dann aus Geldgründen den Supermarkt abgezogen. Alle drei am späten Nachmittag mit Masken rein, und fertig. Die Kassiererin hat sich gar nicht getraut, die Arme runterzumachen um die Kassenschublade zu öffnen. Neuntausend Euro haben wir rausgeholt. Das war nicht schlecht. So fing dann alles richtig an.

Wir waren ja auch viel freier. Den Rest von Normalleben, den wir zuerst noch aufrechterhalten hatten, mit Besuchen bei Tobias’ und Thomas’ Eltern. Konnten wir ja nun nicht mehr durchziehen. Wir hatten nichts mehr zu verlieren, wie man so sagt. Also konnten wir den Kampf gegen die Kakerlaken so richtig aufnehmen, und konkret in die Planung einsteigen. Wo Unrecht passiert, ist es Pflicht, Widerstand zu leisten. Für den Erhalt Deutschlands. Wenn man nur wartet, dass sich was ändert,  merkt man doch irgendwann, dass sowieso nix passiert. Also muss man den gerechten Lauf der Dinge eben ein bisschen beschleunigen. Dazu braucht es keine Anführer. Es reicht, wenn über das Land verteilte Zellen das System von verschiedenen Orten aus in die Zange nehmen. Da ist jeder sein eigener Führer. Das sagte Tobias immer. Er war früher gut in der Schule gewesen, und hatte immer alles gelesen.  Vor allem in Englisch war der gut. Bei den Eltern war das eh klar. Obwohl meine Mutter ja auch nicht ohne Köpfchen gewesen sein soll. Ich hab mich aber nie für Bücher und so interessiert.

Tobias hatte immer ein zerfleddertes, amerikanisches Buch dabei, aus dem er immer etwas in seinen eigenen Worten vortrug. Das war so eine Art Science-Fiction-Geschichte. Irgendwelche Leute in den USA hatten darin alle nicht-europäischen Rassen ausgerottet. Da gab es nur noch Weiße, die sich im Krieg sogar mit den Russen und Israel angelegt hatten. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern, ob die am Ende gewonnen haben. Das Buch war von einem Amerikaner geschrieben, der auch ziemlich scharfsinnig war. Genau so wie Tobias. Seine Leute in Amerika haben auch ziemlich viele Aktionen gemacht. Die Systemmedien hier haben das aber immer klein gehalten.

Es gab ziemlich viele Läden, bei denen man im Internet Klamotten, CDs, Sticker für den und so bestellen konnte. Das hat niemanden groß gestört. Wir haben aber die Klamotten nicht getragen, weil wir uns nicht gefährden, und gutbürgerlich aussehen wollten. Damit waren wir im Block so ziemlich die Einzigen. Für einen der Versandläden haben wir dann nationale Brettspiele zusammenbebastelt und verpackt. Da gab es ein bisschen Geld für.

Ein paar von den Bewohnern im Block hatten Verbindungen zu offiziellen Stellen. Die sagten aber immer, dass man an uns eigentlich gar nicht richtig interessiert wäre. Wir müssten aber trotzdem aufpassen, weil es irgendwelche Linken gäbe, die uns sofort verpfeifen würden. Es gab ja Fotos von uns allen. Der ganze Postverkehr mit den Spielesendungen wäre aber kein Problem. Es gäbe viele Leute im System, die mit uns sympathisieren würden.

Tobias sagte immer, rumprügeln, das geht gar nicht. Es wäre viel besser, wenn man die Aktionen genau plant, und dann präzise, aber hart zuschlägt. Es müsste auch nicht immer gegen die Kanaken gehen, Schwule und Linke wären als Ziel genauso gut. Die könnte man wie mit einem chirurgischen Schnitt aus dem Volkskörper rauspulen. Volker kam dann mit der Idee von der Johann-Bernhard-Straße in Düsseldorf. Er war schon oft dort unterwegs gewesen, und hatte ein bisschen ausgespäht. Die Straße wäre eine Mischung aus Klein-Istanbul und linker Szene. Da gab es einen Dritte-Welt-Laden, Umweltscheißbüros und so was. Da kommt mir schon das Kotzen, wenn ich nur von höre. Jedenfalls sollte es tagsüber in der Straße ziemlich belebt sein, weil ja die Alimütter ihre Einkäufe bei den Händlern dort machen, und die Männer den ganzen Tag lang auf der Straße abhängen. Über den Läden wären Wohnungen, und die Straße sei ziemlich eng und immer mit Türkenschüsseln zugeparkt. Wenn’s da mal krachen würde, gäbe es ziemlich Probleme für den Rettungsdienst und die Bullerei, sagte Volker.

Volker hatte wieder regelmäßig Kohle, und sich auf seinen Touren einen richtigen Bauchansatz angefressen.  Einer aus der Wohnanlage, denn alle den Blockwart nannten, hatte eine Verbindung, über die wir Sprengstoff besorgt haben. Volker hat alles bezahlt. Das ging um fast zweitausend Euro. War immer ganz schön teuer, das Zeug. Die Jungs haben dann eine Bombe gebaut, die sie mit Schrauben und Nägeln gefüllt haben. Die wirken dann wie Geschosse oder echte Bombensplitter, wenn die Ladung abgeht. Tobias meinte, das würde kein Musel im Umkreis von zehn Metern überleben. Er hat mit Volker zusammen immer ganze Bücher zu dem Thema durchgeackert. Es gab ein „Feldhandbuch“, da standen ziemlich viele Anleitungen drin.  Mit einem elektrischen Fernzünder für Feuerwerk wollten wir das Ding dann tatsächlich hochgehen lassen.

Volker war insgesamt dreimal da. Immer den ganzen Weg vom Bendlerblock bis Düsseldorf und zurück. Da war der immer einen ganzen Tag unterwegs. Wir haben uns dann Fotos angesehen, die Volker gemacht hatte. Da gab es einen iranischen Laden, der stand tagsüber nach vorne hin immer offen. Und da wäre es die ganze Zeit ziemlich voll, meine Volker.
Da könnte man locker alles abfackeln. Man müsste nur eine Einkaufstasche mit der Bombe an ein Fahrrad hängen, und könnte dann aus sicherem Abstand zünden. Und so haben wir’s dann auch getan. Ich und die Jungs, wir wollten dabei sein. Wir sind mit einem Mietwagen hingefahren.

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RememberDecember59
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BeitragVerfasst am: 07.01.2018 19:00    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin jetzt einfach mal die Spielverderberin und gestehe: ich bin so ab der Hälfte des ersten Textes ausgestiegen und hab dann nur noch überflogen. Embarassed Lag nicht an Missverständnissen oder daran, dass ich's nicht interessant gefunden hätte (denn das tue ich schon), sondern tatsächlich am Stil. Am Anfang fand ich das prima und war begeistert, denn wie Günter sagt, du triffst den Ton ja echt gut. Aber nach einigen Absätzen empfand ich es leider trotzdem eher als nervig. Für mich würde dieser Stil nur für kurze Texte funktionieren, aber nicht für längere.

Ich hoffe, dass noch ein paar Rückmeldungen kommen, damit du jetzt nicht nur mit einer "gefällt mir"- und "gefällt mir nicht"-Meinung dastehst und damit wahrscheinlich genauso schlau bist wie vorher.


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Bartimäus: "...-was ist das?"
Kobold: "Hätte mich das jemand anders gefragt, o Herr, der ihr Schrecklich und Unübertrefflich seid, hätte ich ihn einen Dummkopf genannt, bei Euch jedoch ist diese Frage ein Zeichen jener entwaffnenden Schlichtheit, welche der Born aller Tugend ist. ..."

Bartimäus I (Jonathan Stroud)
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Günter Leitenbauer
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BeitragVerfasst am: 07.01.2018 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß ja nicht, wie es euch dabei geht, aber ich habe am PC grundsätzlich immer das Problem, dass mich das Lesen langer Texte nicht freut. Bin halt mehr der Buch-Typ. Umso interessanter für mich, dass ich hier problemlos durchgekommen bin.

Noch ein Wort zur vom Autor geäußerten Befürchtung, dass die Missverständnisse überwiegen könnten:

Ich bin da vielleicht keine geeignete Messlatte, weil ich grundsätzlich finde, dass man als Autor viel mehr provozieren sollte, als sich das viele trauen. Wir in Österreich (meine Heimat) und Deutschland haben hier historisch bedingt vielleicht ein noch größeres, eingebautes schlechtes Gewissen als Menschen anderer Nationen.

Ich glaub, man darf dem mündigen Leser schon auch etwas zumuten. Und wenn jemand etwas missversteht und sich aufregt, sagt das manchmal mehr über ihn aus als über den Kritisierten. Schließlich reden wir von FIKTION, nicht wahr? Wer sagt, dass fiktive Charaktere politisch korrekt sein müssen? Langweilig!


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Günter
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Christof Lais Sperl
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BeitragVerfasst am: 08.01.2018 12:22    Titel: @Remember, @ Günter pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Leute, danke für eure Kritik. In der Tat ist es schwierig, ein längeres Stück in diesem Ton durchzuhalten. Allerdings gilt, dass ich mich bestimmten Personen annähern wollte, das ging für mich nur in ihrem Sprachgebrauch. Ich möchte niemenden unnötig intellektualisieren.

Auch ich bin natürlich Freund des gedruckten Buches. Im dsfo aber kann ich ja nur elektronisch einstellen. Auch für mich ist es schwierig, die Werke der Forenmitglieder elektronisch zu lesen. Ich nutze allerdings gern den Print-Button.

Es ist ja klar, um was es in der Arbeit geht. Da liegt noch viel Masse vor mir. Ich wollte allerdings einmal keine weiteren Personen (Eltern, Polizisten, Medienvertreter etc.) einarbeiten. Mal sehen, was aus dem Experiemnt wird.

VLG, CLS

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Christof Lais Sperl
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BeitragVerfasst am: 09.01.2018 13:40    Titel: 3 pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Johann-Bernhard-Straße war ein erster Erfolg. Wenn auch nur ein kleiner. Wir hätten mit mehr gerechnet. Das mit dem Fahrrad hatten wir aber gelassen. Tobias hat getan, als wäre er Kunde, und wolle in einem Irakischen oder Iranischen oder sonst-was-Laden einkaufen. Er hat den Sprengsatz dann einfach in der Bude abgestellt. Ich habe mit Thomas draußen gewartet, wir haben uns entfernt, sind bis zum Ende der Straße und dann ging’s los. Bumm!
Wir waren sicher, dass es geklappt hatte, denn aus dem Pissladen kam gleichzeitig eine Rauchwolke herausgepufft, und ein paar Kopftuchweiber rannten einen Moment später im Kreis rum, fuchtelten in der Luft,  und kreischten. Wir sind dann zum Mietwagen gerannt und ab. Aber nicht zu schnell. In der Ferne konnte man schon die Martinshörner von Bullerei und der Feuerwehr hören. Als wir wegrannten, das war ein richtig geiles Gefühl, das bringt dir die Luftröhre fast zum Platzen, wenn man wirklich so ein Ding durchgezogen hat. Das ist fast besser, als gefickt zu werden.

In der Zeitung stand: Nur eine Verletzte. Allerdings schwer. Gesicht. Das war ja immerhin schon mal was. Bei so einer! Die heiratet dann wahrscheinlich kein Cousin mehr. Die Enkelin von dem Alten aus dem Laden soll das gewesen sein. Die Neubürger haben ja immer den ganzen Clan am Start: Onkel, Nichten, Enkel, Cousinen, Brüder, da blickt ja keiner richtig durch, wer sich da alles auf unsere Kosten den Wanst vollfrisst.  

Mehr hatte die Bombe also leider nicht angerichtet. Ein Jahr später stand dann drin, es ginge der wieder besser. Sie würde jetzt Medizin studieren. Das ich nicht lache, so eine Verschleierte und dann auch noch Medizin. Das schaffen ja die meisten Deutschen nicht! Das war bestimmt auch wieder so eine Nummer aus der Systempresse, denen ein Medizinstudium anzudichten, die noch nie eine Schule von innen gesehen haben.   

Eine zweite Bombe ist dann ein paar Monate später nicht richtig losgegangen. Da haben wie die Strategie geändert und nur noch einzelne Hinrichtungen geplant. Wir wollten ja zuerst immer möglichst viele von den Asseln mit einem Schlag kaltmachen. Sieben auf einen Streich, oder wie das heißt. Aber wir hatten nie genügend Sprengstoff, und waren auch nicht so gut im Bombenbauen. Außerdem war das Plazieren immer ein Problem. Gerade in den Städten. Wir dachten uns, wenn wir genau planen, und uns immer nur einzelne von denen vornehmen, könnten wir auf Dauer mehr kaltmachen, als durch die Bomben. Es gab ja genügend Läden an den großen Ausfallstraßen, und in den Vorstädten. Da konnten wir dann immer schnell abhauen.

Weil Volker nicht mehr regelmäßig an Kohle rankam, mussten wir das Risiko eingehen, Banken und einen Supermärkte zu machen. Tobias meinte, die von der RAF hätten das früher in den Siebzigern immer ganz professionell durchgezogen. Die standen zwar auf der falschen Seite. Das hieße aber nicht, dass man von denen nichts lernen könnte.

Wenn ich mir alles im Nachhinein überlege: die Bullerei hatte uns irgendwie nie auf dem Schirm. Oder konnte uns mit den Anschlägen und den Überfällen nicht in Verbindung bringen. In der Zeitung standen auch immer nur ganz kurze Artikel. Da war dann immer die Vermutung, die Ausländer wollten sich wohl alle untereinander platt machen, Türkische Mafia und so. Das passte uns natürlich gar nicht. Wir wollten ja, dass jeder kapiert, dass sich Deutsche für Deutschland einsetzen.

Das geile Feeling wollten wir natürlich auch immer wieder spüren, das wird dann ja richtig wie zu einer Droge. Volker meinte, wir sollten uns mal einen von den Türken vornehmen, die immer auf dem Markt ihren Schafskäsefraß verkaufen. Da konnten wir auch einmal die neue Knarre ausprobieren, die Volker uns neu besorgt hatte.  Im Wald hatten wir zuvor ein paar Schießübungen gemacht. Gut im Zielen war keiner. Mir lag die Pistole zu schwer in der Hand, mein Arm zitterte ständig. Aber auch die Jungs konnten nur aus kurzem Abstand treffen.
Tobias sagte, wir müssten den Überraschungsmoment nutzen, und einfach einen aus nächster Nähe abknallen, ob der uns erkannt hatte, oder nicht, war ja eh egal, weil der den Löffel ja sowieso sofort abgegeben hätte. Volker war ein paar Mal in Würzburg gewesen, da gab es im Stadtteil Frauenland einen Markt, auf dem die Türken immer ihr Zeug verkauften. Wir also gleich am nächsten Montag um vier Uhr früh hin. Der Türke hat da gerade an seinem Anhänger rumgefummelt, wir raus, und zack, aus nächster Nähe dem eine Kugel in die Birne. Der hat gar nicht mitgekriegt, was da abging. Erst ganz erstaunt, und dann lag der Arsch eine Sekunde später in seiner Blutlache. Sonst war noch kein anderer Ali da, und wir konnten ganz leicht abhauen. Das geile Gefühl war sofort wieder da. Tobias hat im Auto erst mal die Mucke laut gedreht: Zyklon Live. Endlich hatten wir es wirklich geschafft, und den ersten entsorgt. Die Fahrt im Auto werd ich nie vergessen. Endlich eine Kakerlake weniger. Volker meinte ganz locker noch so: Heute ist nicht alle Tage – ich komm wieder, keine Frage. Das war geil, weil wir das natürlich alle aus dem Fernsehen kannten.

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Christof Lais Sperl
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Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 27.01.2018 15:13    Titel: Fortsetzung pdf-Datei Antworten mit Zitat

Außer wenn Volker mal da kam, waren wir immer zu dritt. Das kann einem ganz schön auf den Senkel gehen, wenn immer zwei Typen um dich rum sind. Zwar hatte jeder ein Zimmer für sich, und man konnte sich zurückziehen, aber in dem ewigen Konkurrenzkampf zwischen den Jungs war aber meistens Thomas der Verlierer. Und er litt auch mehr als Tobias, dann. Der konnte auch mal ein paar Monate „ohne“ auskommen, was für Thomas ganz unmöglich war. Der saß dann nächtelang vor dem Computer und machte Geld mit Bildern und Videos, die er an irgendwelche Leute in ganz Deutschland verkaufte. Schließlich konnten nicht mehr so viele Supermärkte und Banken machen. Volker kam auch nicht mehr regelmäßig mit Kohle, irgendwo musste das Geld ja herkommen. Und Thomas konnte sich abreagieren.

Manchmal haben wir uns zu dritt ein paar von den Videos angeguckt.
Ich finde es ja immer gut, wenn einer auf die Fresse kriegt. Das macht mich dann jedes Mal ziemlich geil vom Zusehen. Ich weiß auch nicht, warum. Prickelt überall in mir. Wenn die Videos echt sind, das sieht man ja auf den ersten Blick, und irgendwelche Leute werden zu Sachen gezwungen,  dann  komme ich richtig in Fahrt. Am besten  ist es, wenn irgendwelche Bälger  mitmachen müssen. Ich kann die sowieso nicht ausstehen. Mit ihren Unschuldsfressen, obwohl sie ganz genau bescheid wissen, was abgeht. Wusste ich in dem Alter ja auch schon.

Die Köpfe von den Erwachsenen waren immer abgeschnitten oder unkenntlich gemacht. Klar.
Man sagt nur irgend so ein Wohnzimmer mit verhängten Möbeln, zwei drei Erwachsene, Männer und Frauen, ein paar Kinder, oder nur eins. Man konnte auch verstehen, was die geredet haben. Oft musste einer von den Erwachsenen den Gören eine scheuern, dass die bei allem mitmachen und so. In meinem Lieblingsfilm hat immer einer rumgeschrien, was das Kind als nächstes machen soll, das hat dann immer „nein“ geheult, dann setzte es was und die konnten weitermachen. Sie wissen schon, was ich meine, oder? Es gab auch ein paar Mädchen, die wohl schon öfter mal einen Film gedreht hatten, die machten alles ganz professionell mit. Wie richtige, kleine, verpisste Schlampen. Die sahen aus wie Schwestern. Beim Videogucken oder danach haben wir dann immer ein bisschen rumgemacht. Ich manchmal auch mit beiden Jungs gleichzeitig.

Thomas hat die Videos auf CDs kopiert und in ganz Deutschland vertickt. Da hat er richtig Kohle für gekriegt. Oft hat Volker sich mit Leuten auf Autobahnparkplätzen getroffen und denen gegen Cash ein paar CDs verkauft, Das gab dann oft über tausend Euro. Wo Thomas das Zeug her hatte, weiß ich nicht. Mit Internet und so kannte er sich jedenfalls gut aus. Er meine, er könnte auch zehntausend für einen Film nehmen. Leute, die so richtig heiß auf das Zeug sind, würden jeden Preis zahlen. Und wir bekamen alles umsonst. Volker meinte, manche würden auch fragen, ob jemand Adressen hätte, wo man mal hingehen könnte und so. Es gab Eltern, die ihre Gören stundenweise für tausende Euro vermieteten. Das war Volker aber zu gefährlich. Wir wollten ja auch eher nationale Sachen machen als so was.

So liefen die Monate zwischen den Aktionen. Rumhängen, bisschen Musik, mit den Katzen spielen, was kochen, Filme, schlafen.

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Christof Lais Sperl
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Der silberne Roboter


BeitragVerfasst am: 11.02.2018 11:56    Titel: Ende pdf-Datei Antworten mit Zitat

Insgesamt haben wir ungefähr zehn weggemacht. Ich hab noch die Bilder im Kopf. Ein erschreckter Blick, eine Leiche im Kiosk,  leblose Hände, die aus einer Wohnwagentür herausragen, tote Verräter-Bullen auf dem Parkplatz, die wir erstens wegen der Sache mit den Kollegen beim Ku-Klux-Klan, und zweitens wegen den Knarren plattmachen wollten. Thomas und Tobias haben immer abwechselnd gearbeitet. Ich selbst hab aber nie geschossen. Ich musste mich ja mit Volker um die ganze Organisation und die Abläufe kümmern.

Das heißeste Ding war die Sache im Internet-Café. Da mussten wir ja davon ausgehen, dass Leute drin waren. Volker hatte aber einen vor Ort, der sichern konnte. Wir sind mit dem Wohnmobil hin, eine potthässliche Stadt war das, ich weiß gar nicht mehr, wie die hieß.  Die Läden in der Straße waren fast alles nur türkische Buden, Tatoostudios, Handyläden, Spielcasinos, Dönerstände, Wettbüros und so was. Und mittendrin dieses Internet-Café. De einzige deutsche Laden in der Straße war ein Optiker direkt nebenan. Deutschland geht unter live war das. Volker hatte ein paar Tage vorher, und auch am Tag der Säuberung noch mit dem Kontakttypen vor Ort gesprochen. Das war eine spannendes Sache, weil der zugleich vom Verfassungsschutz, aber trotzdem einer von uns war. Volker meinte, der hätte gerade geheiratet, aber trotzdem würde er jeden Tag nach der Arbeit im Internet-Café heimlich mit irgendwelchen Weibern chatten. Erklär mir das mal einer, aber ist mir auch egal, eigentlich. Diesmal hatte Volker die Knarre dabei. Ich habe im Wohnmobil gewartet, das wir direkt an einem riesigen Friedhof geparkt hatten, der in unmittelbarer Nähe zum Ort der Hinrichtung lag. Thomas und Volker sind mit den Rädern los, und der Kontaktmann hat schon gewartet. Er hatte, wie mir die Jungs später erzählt haben, eine Plastiktüte mit einem Schalldämpfer dabei, der genau auf unsere Knarre passte. Das Internet-Café war voll mit Leuten gewesen, der Kontaktmann hat nur aufgepasst, dass vorne am Eingang alles sicher war, Tobias ist dann rein, hat dem Internet-Türken in den Kopf geballert, der ist gleich hinter seiner Theke zusammengesunken, von den Typen hinten drin hat keiner was gemerkt, und als dann alles fertig war, hat der Unterstützer den Laden auch gleich nach den Jungs verlassen. Erst einer von den Kunden hat dann später den Ali hinter der Theke liegen sehen. Den Kontaktmann haben sie ja auch vernommen, obwohl ihm die Regierung verboten hatte, zu allen Vorgängen auszusagen. Die standen ja irgendwie alle auf unserer Seite. Also, jedenfalls die guten Bullen und Geheimdienstleute. Der hat dann aber immer behauptet, zufällig im Laden gewesen zu sein, und ist auch damit auch durchgekommen. Wie man hört, hat er jetzt einen lockeren Beamtenjob im Archiv vom Rathaus.

Wir sind mit dem Wohnmobil und den Rädern hinten dran aus der Stadt abgehauen. Weil wir Geld brauchten, haben wir dann noch eine Sparkasse überfallen. Wir hatten ja schon Routine. Aber da haben sie schon nach dem Wagen gefahndet. Die Jungs haben im Wohnmobil Schluss gemacht, und ich hab den Brand in der Wohnung gelegt. Zum Glück haben sie kurz danach angefangen, einen Haufen Akten zu vernichten. Das ist mir im Nachhinein noch zugute gekommen.

Wir haben alles für Deutschland getan. Da bin ich auch nicht traurig um die Jungs.

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