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Calvin Tower
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 35
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 26.03.2018 08:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rainer, Hallo Aneurysm,

bitte entschuldigt die verspätete Rückmeldung. Hauskauf, Organisation des Umzugs, Renovierungsarbeiten, der Beruf - viele Ausflüchte.

Der eigentliche Zeitfresser ist jedoch das Kapitel an dem ich seit drei Wochen arbeite, das ich aber nicht in einen Fluss bekomme.
Und das erste Kapitel verliert auch mit jeder Überarbeitung an Qualität - zumindest in meinen Augen.
Deshalb gibt es noch nichts Neues zu lesen. Aber genug der Ausflüchte.

---

Es freut mich, dass ihr euch an der Diskussion beteiligt habt. Mit euren Anmerkungen habt ihr mir geholfen, die Szene aus einer anderen Perspektive zu sehen.

@Rainer

Mir fiel bisher nicht auf, wie "leer" bzw. "kontextarm"die Szene dem Leser erscheint. In meinen Gedanken sehe ich das Herrenhaus usw., aber ich schreibe es nicht. Smile
Irgendwie gefällt mir die Vorstellung von zwei Stimmen, die in einem leeren bzw. nicht beschrieben Raum sprechen.
Bedeutet aber auch, dass die Szene nur funktioniert, wenn sie in einen Rahmen gesetzt wird, was als erstes Kapitel nicht möglich ist. Also doch zurück zum Ausgangspunkt. Die Rückblenden im Verlauf der Geschichte einbauen, nachdem der Leser den Prota kennengelernt hat.

@Aneurysm

Toll, die Verbesserungsvorschläge! Mit deiner Erlaubnis übernehme ich den Vorschlag

Zitat:
Als seine Zwillingsschwester war sie wenige Minuten jünger als er. Trotzdem zog sie ihn damit auf, dass sie die erwachsenere und vor allem klügere von ihnen war.


Mit kleinen Anpassungen, denn dein Kommentar hat mir gezeigt, dass ich nicht präzise beschreibe, was ich zeigen will: Ein Mädchen, das ein neues Wort gelernt hat -eloquent- und es dauernd nutzt, da sie weiß, dass ihr Zwillingsbruder es nicht fehlerfrei aussprechen kann.

Hier die Verbesserung:

Als seine Zwillingsschwester war sie nur wenige Minuten jünger. Trotzdem zog sie ihn damit auf, dass sie die Erwachsenere und Klügere von ihnen war. Und Eloquentere, betonte sie ständig mit erhobenem Zeigefinger. Niemand wusste, wo sie das Wort aufgeschnappt hatte. Sie verriet es nicht. Doch ihr Mund formte die Silben mühelos, wo seine Zunge stolperte. Auch auf eine unterbewusste Art begriff er, dass sie recht hatte, aber es störte ihn nicht, denn ihr fielen immer die besten Spiele ein und er liebte sie dafür.


Zitat:
dass sie die Erwachsenere und Klügere von ihnen war


Hier bin ich mir nicht sicher bzgl. der Rechtschreibung. Meine Recherchen lassen mich zu dem Schluss kommen, dass es ein substantivierter Komparativ ist; ergo groß geschrieben, oder?

Beste Grüße
Calvin


_________________
“Books aren't written - they're rewritten. Including your own. It is one of the hardest things to accept, especially after the seventh rewrite hasn't quite done it.” - Michael Crichton
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Aneurysm
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 474



BeitragVerfasst am: 26.03.2018 16:07    Titel: Antworten mit Zitat

Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
dass sie die Erwachsenere und Klügere von ihnen war


Hier bin ich mir nicht sicher bzgl. der Rechtschreibung. Meine Recherchen lassen mich zu dem Schluss kommen, dass es ein substantivierter Komparativ ist; ergo groß geschrieben, oder?

Meiner Ansicht nach greift hier § 58 des amtlichen Regelwerks. Demnach schreibt man Adjektive mit Merkmalen einer Substantivierung klein, wenn sie sich auf ein vorhergehendes Substantiv beziehen. Klügere und erwachsenere beziehen sich auf die Zwillingsschwester aus dem Satz davor. Deine überarbeitete Version des Absatzes gefällt mir.
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Fenris
Schreiberassi


Beiträge: 36



BeitragVerfasst am: 26.03.2018 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

Aneurysm hat Folgendes geschrieben:
Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:

Zitat:
dass sie die Erwachsenere und Klügere von ihnen war


Hier bin ich mir nicht sicher bzgl. der Rechtschreibung. Meine Recherchen lassen mich zu dem Schluss kommen, dass es ein substantivierter Komparativ ist; ergo groß geschrieben, oder?

Meiner Ansicht nach greift hier § 58 ...


Gilt das - man vergleiche die Beispiele - nicht grundsätzlich für abgeschlossene Äußerungseinheiten ("Sätze")?. Um jeden Stolperstein zu vermeiden, würde ich es letztlich einfach so formulieren:

"Als seine Zwillingsschwester war sie nur wenige Minuten jünger, und trotzdem zog sie ihn damit auf, dass sie die erwachsenere und klügere von ihnen war - und eloquentere, betonte sie ständig mit erhobenem Zeigefinger."

(oder ; statt dem ersten und, ...).

----
wie auch immer: mir gefällt der Absatz so, wie er ist, ganz wunderbar. smile
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Calvin Tower
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 35
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 28.03.2018 06:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen,

@ Aneurysm, Fenris,

danke für eure Tipps. Habe die Änderungen entsprechend vorgenommen und mir das Regelwerk in mein "Tipps" Notizbuch gespeichert.

---

Das erste Kapitel und das Multiperspektiv-Kapitel rauben mir weiterhin die Nerven.
Zur Motivation - Ablenkung Wink - habe ich an der Einführung zweier Charaktere gearbeitet. Und meine Schwierigkeiten mit dem inneren Kind und Kritiker versucht zu verarbeiten. Hat Spaß gemacht.

Was haltet ihr von dem Kapitel?
Fehlen euch Beschreibungen der Kulisse?
Ist euch der Dialog zu lang?
Was glaubt ihr, welche Krankheit Alfred hat?
Habt ihr Verbesserungsvorschläge für die Nachricht auf dem AB? Auch nach mehreren Überarbeitungen holpert sie noch - wie ich finde.
Wirft das Kapitel bei euch Fragen auf? Welche?
Habt ihr Lust weiter zu lesen?

--Einführung-Alfred-und-Bell----

Das Taxi hielt vor dem Anwesen. Der Fahrer stieg aus, umrundete den Wagen und öffnete dem Fahrgast die Tür.

Alfred besah die Hand, die ihm entgegengestreckt wurde. Das Symbol seiner Unterwerfung. Vorbei waren die Tage der Unabhängigkeit. Die Krankheit gab sich mit dem Körper nicht zufrieden, sondern streckte die Tentakel aus, saugte sich an seinem Geist fest, fraß sich durch die Gedanken und raubte ihm die Würde. Und doch: Im Stillen dankte er dem Schicksal für den zuvorkommenden und gebildeten Fahrer. Alfred ergriff die Hand und ließ sich aus dem Wagen hieven. »Vielen Dank, Mr. Bell. Es war mir, wie immer, ein Vergnügen«, eröffnete er ihr dreiwöchiges Ritual.

»Sie wissen, dass es nicht nötig ist«, sagte der Taxifahrer, während sie sich die Hand schüttelten. Keiner bereit die Geste zu unterbrechen.

»Sie haben eine Gabe.«

»Erzählen Sie das den Verlegern.«

»Eine Gabe ist nutzlos«, fuhr Alfred fort. »Sie ist das Polster, auf dem sich die Schwätzer ausruhen, während sie darüber prahlen, was sie nicht alles mühelos schaffen könnten. Glauben Sie einem alten Mann: Nichts von Wert entsteht nebenbei oder gar ohne Mühe. Fleiß, Disziplin und Aufopferung erschaffen Großartiges. Und Sie, mein Freund, ruhen sich aus.«

»Ich brauche ein Polster, um zu Schreiben.«

»Es liegt in Ihrer Hand.«

Der Taxifahrer löste den Händedruck, zog die feuchten Finger zurück und mit ihnen die klamme Fünfzig Pfund Note, die er in der Hosentasche verstaute.

»Schreiben Sie. Hören sie auf zu faseln und schreiben Sie. Ihre Rätsel und Wendungen gefallen mir. Ihr Hauptdarsteller hingegen bleibt blass.«

»Die Bösewichte fallen mir leichter.«

»Braucht es ein Monster, um eines zu erschaffen?«

»Sehen Sie mich an«, lachte Bell. »Ich tauge nicht zum Mörder. Davon abgesehen, der Taxifahrer, wirklich? Das ist auf einer Ebene mit dem Gärtner und dem Butler.«

Alfred schmunzelte. »Ich denke nicht. Wir erschaffen unsere Monster aus Liebe heraus.«

»Ich kann Ihnen nicht folgen.«

»Ist das nicht der Reiz eines Dialogs?«, fragte er lächelnd.

»Oh, sie haben mir zugehört? Ich war mir nicht sicher. Sie sahen so ...«

»Aus, als wäre Licht an, aber niemand zu Hause?«, komplettierte er den Satz.

»Nein, das ...«

»Ich weiß, Mr. Bell«, sagte er besänftigend und griff nach dem Gehstock in der Hand des Taxifahrers.

»Soll ich Sie hinein begleiten, Dr. Ashford?«

Die Frage leitete zum zweiten Akt des Rituals über. Alfred sah zu dem hageren Mann auf. »Ein bisschen Würde habe ich mir bewahrt«, sagte er mit einem Zwinkern. Er hoffte, dass es verwegen aussah, denn was vor ihm lag, würde ihm alles abverlangen. Denk nur an die zwei Schritte vor dir.

Wie ein Magnet zog er die letzten Kraftreserven und die restlichen Metallspäne seines Stolzes zusammen; richtete sein Blick auf den Boden vor ihm. Dann erkämpfte er die ersten beiden Meter. Dann die nächsten, und die nächsten; immer zu, immer fort, bis die rote Tür vor ihm erschien. Er lehnte den Gehstock daran; reichte die Schlüssel von einer Hand in die andere.
Auf der Fahrt hatte er sich vorbereitet – seit zwei Jahren tat er gefühlt nichts anderes. Hatte den Geldschein gefaltet und in seiner Rechten verstaut, für den Händedruck. Hatte den Sitz von Mantel und Hut kontrolliert, für den positiven Eindruck. Hatte den Hausschlüssel in die Linke genommen, um den Schlussakt des Rituals abzukürzen. Nun drehte er sich um und hob die Hand zur Verabschiedung.

Der Taxifahrer lehnte am Auto und zog an der runtergebrannten Zigarette, bevor er sie auf den Boden schnipste. »Ich habe überlegt«, rief er. »Was halten Sie davon, dass ich den Detective Ashford nenne?«

Alfred stieß ein rasselndes Lachen aus, wie ein Motor mit Startschwierigkeiten. »Nein, Mr. Bell, ich tauge mehr zum Bauernopfer.« Damit schritt er über die Schwelle und ließ die Tür zufallen und mit ihr die Reste seiner Würde.

An die Tür gelehnt, überließ er dem Körper die Führung und war froh, dass die Antiemetika anschlugen. Die Hände zitterten, die Augen verloren den Fokus, die Ohren richteten sich nach innen, verstärkten die Atemgeräusche und den Herzschlag. Die Beine knickten ein, doch sein Verstand flackerte kurz auf, verbot es ihnen. Er drückte die Knie durch. Einmal am Boden käme er nicht mehr hoch.

Die Zeit flog an ihm vorbei.
Einstein. Für den Ruhenden vergeht die Zeit schneller. Für den in Bewegung langsamer. Gedanken.

Wenn er wieder klar denken konnte, dann konnte er auch wieder gehen. Er packte den Gehstock, wiederholte die zwei Metermethode, bis er den Stuhl in seinem Büro erreichte, in den er sich fallen ließ.

Die Zeit unmittelbar nach der Infusion hasste er am meisten. Morgen würde er sich besser fühlen, und den Tag danach erst recht. Doch unweigerlich kam der einundzwanzigste Tag und setzte alles auf Null. Sisyphos.

Vor zwei Jahren hatten die Ärzte von Lebensqualität und progressionsfreiem Überleben gesprochen. Er hatte ihnen geglaubt. Wieso auch nicht? Die Medikamente schlugen an und ihm ging es besser, beinahe so gut wie vor der Diagnose. Diese Worte fielen nicht mehr. Stattdessen sprach man über Durchbruchschmerzen, von Codein, Tilidin und Tramadol.

Auf der Fahrt, als Bell dachte, dass er nicht zuhört, hatte er nachgedacht. Was war schlimmer? An der Krankheit zu sterben oder an der Therapie? Schließlich hatte er sich für die dritte Option entschieden. Sie passte, wie er fand, vorzüglich in die Pläne, die man für ihn hatte.

Davor galt es zwei Dinge zu regeln. Er würde mit dem Einfachen beginnen. Ein Leben für die Forschung verlangte nach einem bahnbrechenden Paper und er hatte ein Ass im Ärmel.

Dann war da Julian. Wie sollte er es ihm sagen? Sollte er seine Taten für sich sprechen lassen? Ihm konnte er nichts vorwerfen. Schließlich war es sein eigenes Versagen. Bourdieu hat recht. Keiner kann aus seiner Haut.

Alfred griff zum Hörer, um alles in die Wege zu leite, und sah das Lämpchen des Anrufbeantworters blinken. Er tippte den Abspielknopf an und zog den Hut aus, legte ihn neben das Porträt auf den Tisch.

»Guten Tag, Dr. Ashford. Mein Name ist Dr. Emilia Philipps. Ich weiß, Sie therapieren nicht mehr, doch ich bin überzeugt, meine Patientin weckt ihr Interesse. Sie fällt in ihr Feld der Expertise. Bis gestern war sie eine unauffällige Siebzehnjährige, ohne Vorerkrankungen. Von einem Moment auf den anderen erleidet sie einen akuten Schub. Seitdem zeigt sie Symptome des Depersonalistion-Derealisation-Syndroms. Ich hege auch den Verdacht, dass jemand ihre Erinnerungen manipuliert hat, verstehe aber nicht wieso der Hund der Auslöser war. Würden Sie mich bitte zurückrufen? Ich könnte einen Ratschlag gebrauchen.«

Sein Herz setzte aus. Ein Augenblick des Stillstandes. Dann fuhr es unbeirrt fort und er verfluchte es dafür. »Es nimmt kein Ende.«

Er griff zum Hörer, wählte, wartete, wollte auflegen, doch schließlich meldete sich die männliche Stimme.


---Vielen Dank fürs Lesen----


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Calvin Tower
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 35
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 10.05.2018 12:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen,

ich mach es kurz. Das erste Kapitel lässt mich verzweifeln - bis hin zu Prolog-Gedanken. Rolling Eyes
Der Zweifler hat längst das Steuer übernommen. Könnt ihr mir die Route aus den tückischen Gewässern weisen?

Was haltet ihr von dem ersten Kapitel der Geschichte?

Hier noch in aller Kürze - und schrecklich vereinfacht - worum es in dem Krimi geht:

Als in Scarborough ein toter Hund gefunden wird, ist Detective Inspector Pierce überzeugt, dass erneut ein Mädchen entführt wurde.
Wird er den Fall ruhen lassen, um das Mädchen zu retten?


---1. Kapitel---

Jack lag röchelnd am Boden und ihr gingen die Ideen aus.
Sie fragte nicht, was ihm fehle. Er würde ihr eh nicht antworten. Stattdessen goss sie die Reste der halb leeren Flasche in die Kuhle ihrer Hand. Sie zitterte, das Wasser ran durch ihre Finger auf ihre verschlissene Jeans. Zügig dirigierte sie die Hand zu ihm und stieß prompt gegen seine Nase.
Zu trocken, betitelte ihr Gehirn das Gespürte und interpretierte es auf seine fatalistische Art. Zu spät. Dann erlöste eine Regung sie von den Zweifeln.
Die Zunge schoss ins Wasser, klappte nach hinten, bildete eine Schaufel und zog sich mit einer winzigen Menge Flüssigkeit zurück. Mit jeder Wiederholung verlor die Bewegung an Elan, bis die Spannung völlig schwand.
Das schlaffe Organ in ihrer Handfläche erinnerte sie an ein Stück totes Fleisch. Sie schüttelte es ab und vergrub die Hand in seinem Fell, rüttelte an ihm. »Allein pack ich das nicht mehr.«
Jack öffnete die Lider einen spaltweit, schaute zu ihr auf, winselte, kurz bevor die Schwerkraft über den Willen siegte und die Lider runter zog.
Ihre Gedanken rasten wie Billardkugel nach dem Eröffnungsstoß. Sie brauchte Hilfe. Schreien war sinnlos. Der letzte Mensch, den sie gesehen hatte, wanderte in die entgegengesetzte Richtung. Zurücklaufen kam nicht in Frage. Selbst wenn sie die Ausdauer hätte, um die komplette Strecke zu rennen, wäre sie zu langsam. Um sie zu schützen, flohen die Gedanken in immer skurrilere Fantasien. Eine unpassend liebliche Melodie riss sie aus der Welt von fliegenden Krankenwagen, teleportierten Tierärzten und Heilungen durch Handauflegen.
Der Wanderweg schlängelte sich durch den Wald. Fichten bohrten sich in die Wolken, klemmten die Schotterpiste ein. Die Sonne verbarg sich hinter den Baumwipfeln. Auf einem Ast saß eine Maise und sang ihr Lied ungerührt der Tragödie. Eine Zweite hörte das Solo, gesellte sich dazu und verwandelte es in ein Duett.
Eine Idee ploppte in ihr auf und sie verfluchte sich. Wieso hatte sie nicht vorher daran gedacht? Sie riss den Rucksack von ihrem Rücken, drehte ihn auf den Kopf und schüttelte. »Komm schon, du Scheißding.«
Eine Mütze segelte heraus, gefolgt von Socken, einem Tabakpäckchen und einem Filzstift, der kurz vor dem Boden in der Luft verharrte. Eine dünne Schnur verband den Edding mit einem Pappschild, das im Rucksack festhing. Ein beherzter Zug löste das Problem. Mit dem Schild flutete weiterer Krimskrams hinaus, begrub es und verdeckte die Schrift, bis auf das Wort: hungrig.
Es ist nicht da, spottete die Zweiflerin in ihr.
Sie ignorierte sie und widmete sich den Außenfächern. Ihre zitternden Hände verfehlte den ersten Reißverschluss. Sie ließ ihn links liegen und griff blindlings den Nächstbesten, der ihr aus den Fingern rutschte. Sie stieß einen unartikulierten Schrei aus, eine Mischung aus Zorn und Verzweiflung, wie bei einem Kleinkind, das verzweifelt das Stück Schokolade verlangte, es aber nicht erhielt. Bei ihrem nächsten Versuch riskierte sie nichts, sondern packte mit der ganzen Hand zu. Der Reißverschluss hatte keine Chance. Mit einem kräftigen Ruck riss sie ihn zur Seite. Einen Augenblick später kramte sie im Fach. Ihre Fingerspitzen strichen über die ebenmäßige und kühle Oberfläche. Die Finger hörten auf zu zittern.
Mit einem »Ja, verdammt«, zog sie das Handy heraus. »Halt durch. Der Notruf ist kostenlos.« Sie schaltete es ein. Das Display leuchtete auf, zeigte das Batterie-Symbol und erlosch. Sie drückte nochmals auf den Knopf. Tot. Sie hämmerte auf die Taste. Es änderte nichts.
Der Akku, kam es ihr in den Sinn.
Ihre Bewegungen glichen einer Choreografie. Sie drehte das Handy, suchte den Spalt, drückte ihren Fingernagel rein, riss die Abdeckung ab, ignorierte den abgeknickten Nagel, zog den Akku heraus, pustete gegen die Kontakte, schüttelte und klopfte ihn mehrmals auf ihren Oberschenkel.
Das hilft bei Batterien immer.
Dann schob sie ihn in einer fließenden Bewegung in die Halterung. Alles unter einer Minute. Ihr Daumen ruhte einen Augenblick auf dem An-Knopf: »Bitte.«
Sie drückte. Das Display sprang an. Ihr Herz sank.
Wie eine Sternschnuppe flammte die Anzeige auf, zeigte das grässliche Omen und verlosch. Zurück blieb nichts als ein unerfüllter Wunsch und ein schwarzer Spiegel.
Das Gesicht in der Reflexion kam ihr wie eine entstellte Version ihrer selbst vor. Tiefe Furchen schürften sich wie Canyons von der Nase herunter, vorbei am Mund, bis runter zum Kinn. Die Augen lagen verborgen in ihren Höhlen. Ihr Schatten-Ich sah verbraucht aus, als hätte es noch nie gelacht. Dann kam ihr ein beängstigender Gedanke: Was, wenn er mir meine Zukunft ohne Jack zeigt?
Tropfen fielen auf den schwarzen Spiegel und entstellten ihr Abbild weiter. Das rechte Auge wuchs zu einer monströsen Proportion heran und der linke Mundwinkel franste aus.
Sie ließ das Handy fallen. Ihr Kopf sank auf die bebende Brust und ihre Haare schoben sich gnädig wie ein Vorhang vor ihr Antlitz, schotteten sie von der Außenwelt ab. Losgelöst von der Umgebung tauchte sie, wie ein Apnoe-Taucher, in das Meer ihrer Verzweiflung. Die Zweiflerin in ihr gewann an Gewicht und zog sie weiter in das Bodenlose. Andere Stimmen meldeten sich zu Wort, wurden jedoch augenblicklich geknebelt, verleumdet und mundtot gemacht. Nur eine trotzte, gab nicht klein bei. Penetrant rief sie ihren Slogan: »Hören Sie mich?«
Sie hob ihren Kopf und sah, wie sich Mittelfinger und Daumen trafen und auseinander schnippten. Die Hand verschwand und ein bekanntes Gesicht erschien.
»Was ist passiert?«
Ihr Blick wanderte zu Jack und einem Raben gleich krächzte sie seinen Namen.
»Mein Auto ist nicht weit.«
Die Zweiflerin in ihr verstummte augenblicklich. Wie an einem Luftballon schoss ihr Verstand an die Oberfläche. Ihr Körper folgte dem Beispiel. Zu schnell. Druckabfall. Es flimmerte vor ihren Augen, rauschte in ihren Ohren. Sie schwankte.
Zwei kräftige Hände stützten sie. »Geht’s? Kommen Sie, ich trage Ihren Hund.«
»Nein.« Sie drückte mit Zeigefinger und Daumen gegen die Nasenwurzel, bis die Punkte vor ihren Augen verschwanden. Sie hob Jack auf und torkelte los. Es gab Hoffnung. Mit dem Auto wären sie in Windeseile bei einem Tierarzt. Sie beschleunigte das Tempo. Mit jedem Schritt stieg ihre Zuversicht. Mit jedem Tritt trieb sie voran. Ein Stechen breitete sich in der linken Seite aus, ließ sie keuchen. Jack‘s Körper sprang in ihren Armen auf und ab. Sie kam an eine Kreuzung, wollte bereits nach der Richtung fragen, als es rechts zwei Mal orange aufleuchtete.
Ihr Helfer überholte sie und hielt ihr die Tür hinter dem Fahrer auf. Sie beugte sich vor und legte Jack behutsam rein, umrundete das Heck und setzte sich neben ihn.
Ihr Begleiter hatte die Zeit genutzt; saß bereits am Steuer, schnallte sich an, steckte den Schlüssel in die Zündung und startete den Motor. Der Wagen sprang mit einem Satz nach vorne.
Die Beschleunigung drückte sie in den Sitz, gab ihr das Gefühl mit enormen Schritten ihrem Ziel näher zu kommen. Unvermittelt schwand die Kraft. »Gib Gas.«
»Uns ist nicht geholfen, wenn ich das Auto gegen einen Baum setze.« Der Fahrer unterstrich die Worte mit einem Blick in den Rückspiegel. Wie eine Mauer stand eine einzige Falte zwischen den Augenbrauen, gewichtig zog sie die Brauen hinab. Die Augen rollten wie zwei grüne Murmeln unstet nach links und rechts, sahen weg und wieder hin. Die Brauen stemmten das Gewicht hoch, lösten die Falte auf. »Entschuldigen Sie.«
Die Kraft packte sie erneut und drückte sie beruhigend in den Sitz.
»Sie zittern. Wann haben Sie zuletzt was gegessen? Schauen sie mal in die Mittelkonsole nach.«
Sie öffnete das Fach. Essen enthielt es nicht, dafür aber eine angebrochene Flasche Wasser und eine Cola. Einen Moment später setzte sie die Dose kurz ab, um zu rülpsen, und leerte den Rest mit dem zweiten Zug. Sie wusste nicht, ob es der Zucker war, die Beschleunigung oder eine Mischung aus beidem, doch sie sackte gelöst in den Sitz zurück. Mit der Linken streichelte sie Jack. Es war furchtbar, ihn beim entscheidenden Kampf machtlos beobachten zu müssen, aber die Stadt war nicht mehr weit.
Das Auto raste durch den Wald. Die einzelnen Bäume verschwammen zu einer Plane aus Grüntönen. Die Farben kombiniert mit der Geschwindigkeit bildeten ein irres Kaleidoskop.
Ihr wurde schummrig und sie schloss die Augen. Schon besser.
Ein Knall weckte sie aus dem Dämmerzustand. Sie musste kämpfen, um wach zu bleiben. Was sie im Augenwinkel sah, versetzte ihr einen Schalg wie ein Defibrillator. Das Kaleidoskop war verschwunden, ebenso der Fahrer.
Wieder ein Knall. Der Wagen wackelte unter der Erschütterung. Die Tür neben Jack glitt auf. Geisterhaft griff eine behandschuhte Hand in Jack’s Fell am Nacken und zog ihn hinaus.
Sie protestierte mit einem genuschelten »Nein« und riss einen Arm hoch. Die abrupte Bewegung brachte sie aus dem Gleichgewicht. Sie spannte den Körper an, doch die Muskeln reagierten nicht und sie fiel der Länge nach auf die Sitzbank. Sie kniff das Auge zu, dass gegen den Sitz drückte. Mit dem anderen sah sie die Fußmatte. Sie war blitzsauber, als wäre noch nie jemand hinten mitgefahren. Das Polster unter ihrer Wange hatte Jack’s Wärme und seinen Geruch gespeichert. Der Duft weckte Erinnerung. Wie sie ihn vor zwei Jahren halb verhungert im Wald fand. Wie sie sich die Reste eines BigMacs aus einer Mülltonne teilten. Wie sie sich im Winter gegenseitig gewärmt hatten. Wie -
Schmerz breitete sich wellenförmig von ihren Haarwurzeln aus. Ihr Körper wurde in eine aufrechte Position empor gezogen. Eine Hand klatschte gegen ihre Wange, verharrte dort und schob ihren Kopf zur Seite.
»Willst du auch mal?« Der Mann roch an einer weißen Lilie und streckte sie ihr entgegen. Auf einem Blütenblatt prangte wie ein Sigel ein roter Violinschlüssel. »Nein?« Er warf einen Blick über die Schulter und richtete ihren Kopf aus. Anschließend erhob er sich und schlenderte zum Straßengraben.
Sie griff nach der Türklinke, aber die Hand reagierte nicht. Ihr Herz galoppierte. Sie zerrte mit ihrer Willenskraft am Arm, ohne eine Reaktion auszulösen. Sie stieß einen Schrei aus, doch ihre Lippen versperrten ihm den Weg und so verhallte er in ihren Gedanken.
Der Mann erhob sich, lief rückwärts aus ihrem Sichtfeld, während er die Szenerie mit den Fingern einrahmte, wie ein Fotograf. Im Straßengraben lag Jack neben zwei Symbolen, die wie verschnörkelte V’s aussahen - geformt aus Steinen und Ästen. Auf seiner Flanke ruhte die weiße Lilie. Etwas Essentielles fehlte. Wie ein Kindergarten, wenn über die Ferien alle Kinder verreist waren. Nichts regte sich. Es war trostlos. Jack war fort.
Ihr Kinn bebte, Luft brannte ihre Nase empor, zog wie Nebel in ihre Nebenhöhlen, verschleierte ihren Blick.
Ein Klick durchbrach die Stille, gefolgt von Schritten. Der Mann flanierte zu Jack, wedelte dabei mit der Hand, schaut zu ihr rüber und zwinkerte. Sein Rücken versperrte die Sicht. Als er wieder aufstand, baumelte Jack’s Halsband, das sie selbstgeknüpft hatte, zwischen seinen Fingern. Er kam auf sie zu, stützte sich auf das Wagendach, sah zu ihr herab. »Dein Romeo hat seine Rolle vorbildlich gespielt. Was wirst du tun?« Er sah ihr unverwandt in die Augen.
Ihre Haut juckte, sie schwitze, fühlte sich unwohl, wie bei einer unnötig in die Länge gezogenen Umarmung. Sie sah zur Seite.
 Er ließ sie nicht fliehen, sondern beugte sich in den Wagen und in ihr Sichtfeld. Am äußeren Rand seiner Augen warf die Haut Fältchen. »Wirst du das Gift nehmen?«
Sie presste die Lider aufeinander, sperrte ihn aus.
Etwas drückte gegen ihre Wange. Es schnüffelte an ihr. Die Nase des Mannes schlängelte über ihren Wangenknochen und die Schläfe, als inhaliere er das verführerische Aroma einer Delikatesse. Auf der Stirn verharrte er mit angehaltenem Atem. Mit einem langgezogenen Seufzer, »Ahh«, voll bitterem Espresso-Geschmack, wanderte er ihren Nasenrücken herunter. Nasenspitze an Nasenspitze hielt er inne. »Ich glaube nicht. Du riechst mir mehr nach einer Alice.« Ein feuchtes Schmatzen. »Schau mich an.«
Sie gehorchte nicht.
»Schau mich an und ich rette ihn«, flüsterte er.
Sie entsperrte die Lider.
Seine Augen besetzen ihr ganzes Blickfeld, erschienen gewaltig und hypnotisch. »Wirst du mir durch den Kaninchenbau folgen?«


---Vielen Dank für's Lesen---


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asriel66
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BeitragVerfasst am: 11.05.2018 10:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab es gelesen und ich schwanke...

Nimm mal nur die Dialoge und schau ob es dich packt...

Dadurch lässt es sich manchmal  leichter feststellen was wirklich nötig ist...danach machst du das gleiche mit der Erzählweise... da finde ich manches holprig, überflüssig, nicht ganz stimmig...

Beispiel: Die Situation mit dem Handy... finde ich ne gute Idee...

Abschnitt...mit einem "Ja verdammt" ...bis "zurück blieb ein unerfüllter Wunsch..."

Ich denke da kannst du noch mehr rausholen... das geht mir an vielen Stellen so... gute Ideen, aber feil noch am Text in dem du splittest zwischen Dialoge und Erzählen... Tempo, Lesefluss, was kann weg, was soll bleiben...

Grüße Asriel...
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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 14.05.2018 13:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Asriel,

vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast den Text zu lesen und zu kommentieren.

Nur die Dialoge zu betrachten scheint mir ein guter Tipp zu sein. Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. In diesem Kapitel finde ich es schwierig, da es nie richtige Dialoge gibt. Mit einer Ausnahme sprechen die Personen zu sich selbst bzw. gibt es als Antwort lediglich eine Geste/Handlung. Casey (im text nicht namentlich erwähnt - wird es später in der Geschichte aufgedeckt) redet mit dem Entführer nur mit einem "Nein" und "Gib Gas!" Casey ist nicht sonderlich redselig - als Obdachlose meist nur mit ihrem Hund unterwegs.

Hmm - vielleicht reduziere ich die "Dialoge" noch weiter. Probieren geht über studieren. Smile

Über weitere Rückmeldung würde ich mich freuen - Auch nur ein knappes war ok, weil oder habe nach dem ersten Satz abgebrochen, weil fände ich schon hilfreich um ein Stimmungsbild zu bekommen.

Beste Grüße
Calvin


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asriel66
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BeitragVerfasst am: 14.05.2018 17:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Jack lag röchelnd am Boden und ihr gingen die Ideen aus.


Jack lag röchelnd am Boden. (was man sieht)
Ihr gingen die Ideen aus, sie fragte sich nicht was ihm fehlte, den er würde ihr eh nicht antworten. (was man fühlt)

Zuerst sehen... dann fühlen... also so mach ich das...

Zitat:
Stattdessen goss sie die Reste der halb leeren Flasche in die Kuhle ihrer Hand. Das Wasser ran durch ihre Finger auf ihre verschlissene Jeans. Sie zitterte. Zügig dirigierte sie die Hand zu ihm und stieß prompt gegen seine Nase.


sehen... fühlen... tun... du Verstehst die Reihenfolge?...noch ein bisschen daran feilen, lässt sich aber schon ganz gut lesen...

Zitat:
Zu trocken, betitelte ihr Gehirn das Gespürte und interpretierte es auf seine fatalistische Art.
ich verstehe was du meinst... finde es aber unglücklich formuliert...

Zu spät. Dann erlöste eine Regung sie von den Zweifeln.

Zitat:
Die Zunge schoss ins Wasser, klappte nach hinten, bildete eine Schaufel und zog sich mit einer winzigen Menge Flüssigkeit zurück. Mit jeder Wiederholung verlor die Bewegung an Elan, bis die Spannung völlig schwand.
das finde ich okay....

Zitat:
Das schlaffe Organ in ihrer Handfläche erinnerte sie an ein Stück totes Fleisch. Sie vergrub die Hand in seinem Fell, schüttelte es ab und  rüttelte an ihm.
ein Satz verändert...

»Allein pack ich das nicht mehr.«

[quote]Jack öffnete die Lider einen spaltweit. Schaute zu ihr auf, winselte, kurz bevor die Schwerkraft über den Willen siegte und die Lider runter zog.
(nur ein Punkt gesetzt..)

Ihre Gedanken rasten wie Billardkugel nach dem Eröffnungsstoß. Hm, braucht es das....

Sie brauchte Hilfe. Der letzte Mensch, den sie gesehen hatte, wanderte in die entgegengesetzte Richtung. Schreien war also sinnlos.

... wie du siehst habe ich jetzt denn oberen Teil in Absätze seziert...

Dann prüfe ich den Lesefluss, schaue nach wie die Sätze zueinander passen, Tempo und wie ich es beim Laut lesen empfinde...

Dialoge/ Gedanken trenne ich immer vom Erzähltext...

Manchmal kommt was weg oder ich füge einen dazu, damit der Text an Tempo gewinnt oder es spannender wird... also so mach ich es, da muss jeder selbst seine Technik finden. Selbst beim dritten oder vierten mal wirst du etwas optimieren können...

Deine Ansätze gefallen mir aber schon ganz gut... Ließ selber noch mal alles durch und du wirst selbst einiges finden was verbessert werden kann.


Grüße Asriel..
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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 22.05.2018 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen, Hallo Asriel66,

nach deinem Tipp habe ich die letzte Woche Ratgeber gewälzt zum Thema Motivation-Reaction-Units (Diwght Swain) und den darauf basierenden Private & Public Clips (Randy Ingermanson).

Ganz im Sinne deines Vorschlags: sehen, fühlen, tun.

Entsprechend den Tipps habe ich mein Kapitel umgeschrieben und aufgebaut:

Ein Paragraph mit einer (objektiven) Motivation, die auf den Point-of-View Charakter einwirkt - als würde auf seiner Schulter eine Kamera sitzen, die es aufzeichnet. (in meinem Text blau markiert)

Gefolgt von einem Paragraph mit der Reaktion des POV in der Reihenfolge:

1. interior emotion
2. instinctive action/dialogue
3. Action
4. more rational kinds of
-action
-dialogue
-interior monologue

Kennt sich jemand von euch damit aus und kann mich auf Fehler Hinweisen? Bei den rot markierten Teilen weiß ich nicht, wie ich sie einteilen soll.

Und vor allem, wie findet ihr es?

-----

Jack röchelte. Sein Herz stürmte. Die Brust brausten auf und ab, die Glieder zuckten spastisch und sein Atem warf Blasen. Jack kämpfte.
Ihr lag die offensichtliche Frage auf den Lippen, doch sie leckte sie weg. Ihre Beziehung hatte nie auf Worten beruht. Sie würde selber herausfinden müssen, was ihm fehlt. Sie goss die Reste der Wasserflasche in die Kuhle ihrer Hand.
Es kam stoßweise, klatschte auf die Haut und spritze auf die verschlissene Jeans. Was die Kuhle auffing, suchte umgehend einen Fluchtweg und fand ihn in den Spalten zwischen den Fingern.
Sie musste sich beeilen, wenn nicht alles auf der Hose landen sollte. Sofort ließ sie die leere Flasche fallen, stabilisierte die zitternde Hand und dirigierte sie zu Jack.
Nur um in ihrer Hektik gegen seine Nase zu stoßen.
Zu trocken, spukte es durch ihren Kopf. Zu spät?
Dann erlöste Jack sie von ihren Zweifeln. Seine Zunge schoss ins Wasser, klappte nach hinten, bildete eine Schaufel und zog sich mit einer winzigen Menge Flüssigkeit zurück. Mit jeder Wiederholung verlor die Bewegung an Elan, bis die Spannung völlig schwand.
Der schlaffe Lappen auf ihrer Haut erinnerte sie an ein Stück totes Fleisch. Sie schüttelte die Hand und vergrub sie in seinem Fell, rüttelte an ihm.
Jack öffnete die Augen ein spaltweit. Ein Winseln kroch ihm die Kehle empor, kurz bevor die Schwerkraft über den Willen siegte und die Lider wieder herunter zog.
Es schmerzte, ihn so zu sehen. Sie brauchte Hilfe, wusste jedoch, dass niemand ihr helfen würde, selbst wenn sie nicht alleine wäre. Das tat nie einer. Alle schlenderten vorbei. Mieden ihren Blick.
Ein Zwitschern riss sie aus den Gedanken. Abseits des Wanderweges bohrten sich Fichten in die Wolken und verdeckte die Sonne. Auf einem Ast saß eine Maise und trällerte ungerührt ihre Melodie. Eine Zweite erwiderte ihren Ruf.
Eine Idee ploppte in ihr auf und sie verfluchte sich. Wieso hatte sie nicht vorher daran gedacht? Behutsam legte sie Jack’s Kopf auf eins der verstreuten T-Shirts und griff den Rucksack. Auf der Suche nach der Wasserflasche hatte sie vorhin den Inhalt wahllos auf dem Boden verteilt. Die Seitentaschen hatte sie jedoch nicht durchsucht und dort hoffte sie, es zu finden.
Ihre zitternden Finger verfehlten den ersten Reißverschluss. Sie ließ ihn links liegen und griff blindlings den Nächstbesten, der ihr aus den Fingern rutschte.
Sie stieß einen unartikulierten Schrei aus. Bei ihrem nächsten Versuch riskierte sie nichts, sondern packte mit der ganzen Hand zu.
Der Reißverschluss hatte keine Chance. Einen Augenblick später wühlte sie darin herum.
Ihre Finger erstarrten. Die kühle, glatte Oberfläche unter ihren Fingerspitzen beruhigte sie, wie sie es nie erwartet hätte. Mit einem »Ja, verdammt«, zog sie das Handy heraus. »Halt durch. Der Notruf ist kostenlos.« Sie presste den Daumen auf den An-Knopf.
Das Display leuchtete auf, zeigte das Batterie-Symbol und erlosch.
Sie drückte nochmals.
Tot.
Sie hämmerte auf die Taste.
Es änderte nichts.
Der Akku, kam es ihr in den Sinn. Ihre Bewegungen glichen einer Choreografie. Sie drehte das Handy, suchte den Spalt, drückte ihren Fingernagel rein, riss die Abdeckung ab, ignorierte den abgeknickten Nagel, zog den Akku heraus, pustete gegen die Kontakte, schüttelte und klopfte ihn auf ihren Oberschenkel. Das hilft bei Batterien immer. Dann schob sie ihn in einer fließenden Bewegung in die Halterung. Ihr Daumen ruhte einen Augenblick auf dem Knopf: »Bitte.«
Wie eine Sternschnuppe flammte die Anzeige auf, zeigte das grässliche Omen und verlosch. Zurück blieb nichts als ein unerfüllter Wunsch und ein schwarzer Spiegel.
Das Handy rutschte ihr aus den Fingern, die wie Seismographen ein Beben ankündigten. Sie ließ den Kopf hängen. Die verfilzten Haare schoben sich gnädig vor ihr Gesicht, schotteten sie von der Außenwelt ab. Losgelöst von der Umgebung tauchte sie, wie ein Apnoe-Taucher, in das Meer ihrer Verzweiflung. Die Zweiflerin in ihr gewann an Gewicht und zog sie weiter in das Bodenlose. Andere Stimmen meldeten sich zu Wort, wurden jedoch augenblicklich geknebelt, verleumdet und mundtot gemacht. Nur eine trotzte, gab nicht klein bei. Penetrant rief sie ihren Slogan.
»Hey!« Die Stimme erfasste ihren Körper, schüttelte ihn durch.
Sie sah auf und da war das Unmögliche. Jemand der nicht vorbei schlenderte.
Der nette Wanderer von vorhin musterte sie mit seinen müden Augen.
Ihr Blick wanderte zu Jack.
»Was fehlt ihm?«
Wenn Sie das nur wüsste. Sie zog den Rotz und die Schultern hoch.
»Kommen Sie. Mein Auto ist nicht weit.«
Die Zweiflerin in ihr verstummte augenblicklich. Es gab Hoffnung. Wie an einem Luftballon schoss ihr Verstand an die Oberfläche. Mit dem Auto wären sie im Nu beim Tierarzt. Sie schnellte hoch. Vor ihren Augen flimmerte es, in ihren Ohren rauschte das Blut. Sie drückte mit Zeigefinger und Daumen gegen die Nasenwurzel, bis die Punkte verschwanden.
Der Mann kniete neben Jack, schob eine Hand unter ihn.
»Nein.« Es war ihre Aufgabe ihm zu helfen, wie er ihr durch die bitteren Zeiten geholfen hatte. Sie hob ihn auf und torkelte los. Mit jedem Schritt stieg ihre Zuversicht. Mit jedem Tritt zog sie das Tempo an. Ein Stechen breitete sich in der linken Seite aus, ließ sie keuchen.
Jack‘s Körper sprang in ihren Armen auf und ab. Der Weg teilte sich. Rechts flammten zwei orange Lichter auf. Der Mann überholte sie und hielt ihr die Tür auf.
Sie zögerte. Der Wagen sah neu aus. Sie wusste, wie Reiche reagierten, wenn man ihre Sachen beschmutzte. Und das Innere sah aus, als hätte noch nie jemand darin gesessen, geschweige denn jemand Dreckiges.
»Na los«, drängte er sie.
Was soll’s. Sie beugte sich vor und legte ihn behutsam hinein. Sollte er doch im Nachhinein ausrasten. Er sah nicht wie ein Schläger aus und selbst wenn, für Jack würde sie die Prügel erdulden. Sie lief um das Heck und stieg ein.
Kaum fiel die Tür ins Schloss, sprang der Wagen mit einem Satz nach vorne. Die Beschleunigung drückte die Insassen in die Sitze.
Die Geschwindigkeit beruhigte ihren Puls. Sie sank in den Sitz zurück. Das Ziel kam mit enormen Schritten näher. Sie streichelte Jack.
Der Fahrer musterte sie im Rückspiegel. Seine Augen rollten unstet wie zwei grüne Murmeln hin und her. Eine einzelne Falte erschien zwischen den Augenbrauen. »Sie sehen blass aus. Wann haben sie zuletzt etwas gegessen?«
Ihr Magen begehrte auf, als sie an den Burger dachte, den sie aus der Mülltonne gefischt und mit Jack geteilt hatte. Wann war das gewesen? Gestern? Vorgestern? Dann fielen ihr die Hundekuchen ein. »Vorhin. Wir haben deine Hundekuchen geteilt.«
Die Murmeln verharrten, starrten Sie an. »Wie viel haben Sie gegessen?«
Sie zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung.« Jack war wie wild darauf gewesen und hatte ihr kaum etwas übrig gelassen.  »Waren eh nicht mein Ding«, sagte sie, als ob sie sich leisten könnte wählerisch zu sein.
Der Fahrer fummelte an der Mittelkonsole, fluchte, weil er den Griff nicht fand, und wandte seinen Blick kurz von der Straße ab. Dann sprang die Klappe auf, darunter lagen eine Halbliterflasche Wasser und eine Dose Coca-Cola. »Was wollen Sie?«
Was für eine Frage. Einen Moment später setzte sie die Dose ab, um zu rülpsen, und leerte den Rest mit dem zweiten Zug. Die Hektik fiel von ihr ab, machte Platz für Optimismus. Sie lehnte sich zurück und atmete tief durch. Mit der Linken streichelte sie Jack. Halt durch. Wir haben es fast geschafft.
Ein entfernter Knall.
Sie zuckte zusammen. Was war passiert? Ihre Lider wogen Tonnen. Wie ein Gewichtheber stemmte sie sie mühsam auf.
Wieder ein Knall. Der Wagen wackelte unter der Erschütterung. Die Tür neben Jack glitt auf. Geisterhaft griff eine behandschuhte Hand in sein Fell und zog ihn hinaus.
Sie riss den Arm hoch, der ihr nicht richtig gehorchte und protestierte mit einem genuschelten »Nein.«
Die abrupte Bewegung brachte sie aus dem Gleichgewicht.
Sie spannte den Körper an, doch die Muskeln reagierten nicht und sie fiel der Länge nach auf die Sitzbank.
Das Polster unter ihrer Wange strahlte Jack’s gespeicherte Wärme und Geruch aus.
Der Duft weckte Erinnerung. Wie sie ihn vor zwei Jahren halb verhungert im Wald fand. Wie er mit seinen Kunststücken den Passanten die Münzen entlockt hatte. Wie sie sich im Winter gegenseitig gewärmt hatten. Wie -
Schmerz breitete sich wellenförmig von ihren Haarwurzeln aus. Ihr Körper wurde in eine aufrechte Position gezogen. Eine Hand klatschte gegen ihre Wange, verharrte dort und schob ihren Kopf zur Seite. Der Mann streckte ihr eine weiße Lilie entgegen. Auf einem Blütenblatt prangte, wie ein Sigel, ein roter Violinschlüssel. »Willst du schnuppern?«
Ihr Herz galoppierte. Sie wollte ihn Ohrfeigen, aber die Hand reagierte nicht. Sie zerrte mit ihrer Willenskraft am Arm, ohne eine Reaktion auszulösen. Sie stieß einen Schrei aus, doch ihre Lippen versperrten ihm den Weg und so verhallte er in ihren Gedanken.
Auf eine bemitleidende und zugleich amüsierte Art sah er sie an – die Augenbrauen und Schultern zuckten hoch, die Lippen presste er aufeinander und zog sie in die Breite, neigte den Kopf zur Seite. Seine Hand rutsche ihre Wange herunter zum Kinn. Er warf einen Blick über die Schulter, peilte etwas an, und richtete ihren Blick darauf aus. Dann schlenderte er davon.
Wo war Jack? Was hatte er mit ihm gemacht? Sie wollte sich umsehen, doch ihr Körper reagierte nicht. Sie konnte nur gerade aus schauen, wo er ihre Augen hin ausgerichtet hatte.
Der Mann kniete im Straßengraben, sammelte Steine und Äste. Mehrmals korrigierte er die Lage, bevor er sich erhob und rückwärts aus ihrem Sichtfeld schritt. Dabei hielt er die Arme ausgestreckt vor das Gesicht und rahmte die Szenerie mit seinen Finger ein, wie ein Fotograf.
Im Straßengraben lag Jack neben zwei Symbolen, die wie verschnörkelte V’s aussahen. Auf seiner Flanke ruhte die weiße Lilie.

Luft brannte ihre Nase empor, zog wie Nebel in ihre Nebenhöhlen, verschleierte ihren Blick. Etwas Essentielles fehlte. Wie ein Kindergarten, wenn über die Ferien alle Kinder verreist waren. Nichts regte sich. Es war trostlos. Jack war fort.
Ein Klick durchbrach die Stille. Der Mann flanierte zu Jack, wedelte dabei das Polaroid auf und ab und zwinkerte ihr zu. Als er wieder aufstand, baumelte Jack’s Halsband zwischen seinen Fingern.
Sie hatte es aus einem ihrer wenigen T-Shirts geknüpft, nachdem ein Tierfänger ihr ihn hatte wegnehmen wollen. Casey + Jack hatte sie mit Edding draufgeschrieben.
Der Mann steckte das Halsband ein. Am Wagen angekommen, stützte er sich auf das Dach, sah zu ihr herab. »Dein Romeo hat seine Rolle vorbildlich gespielt. Wirst du nun den Rest des Gifts essen?« Er streckte ihr die Hundekuchen entgegen.
Die Erkenntnis traf sie wie der Tritt einen treuherzigen Köter. Wie hatte sie nur so dumm sein können? Wie hatte sie nur glauben können, dass jemand nett zu ihr sein könnte? Sie zerrte an den unsichtbaren Fesseln. Wollte ihm ins Gesicht springen, ihm die Augen auskratzen und die Finger abnagen.
Er lächelte sie an und lehnte sich zu ihr vor, als wolle er sie küssen. Doch die Lippen glitten vorbei. Stattdessen drückte er seine Nase auf ihre Wange.
Sie zuckte zusammen, doch nur in Gedanken. Ihr Körper reagierte nicht. Die Verbindung war getrennt. Wie bei einem gestörten Telefonat hörte ihr Körper sie nicht, doch sie empfing seine Nachrichten. Sie ließ das Gewicht ihrer Lider fallen, sperrte ihn aus.
Die Nase des Mannes schlängelte sich über ihren Wangenknochen und die Schläfe, als inhaliere er das verführerische Aroma einer Delikatesse. Mit einem langgezogenen »Ahh«, wanderte er ihren Nasenrücken herunter.»Ich glaube nicht. Du riechst mir mehr nach einer Alice.« Ein feuchtes Schmatzen. »Schau mich an.«
Sie gehorchte nicht.
»Schau mich an und ich rette ihn«, flüsterte er.
Sie stemmte die Lider auf.
Seine Augen erschienen gewaltig und hypnotisch, am äußeren Rand warf die Haut Fältchen. »Wirst du mir durch den Kaninchenbau folgen?«


---DANKE FÜR'S LESEN----


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“Books aren't written - they're rewritten. Including your own. It is one of the hardest things to accept, especially after the seventh rewrite hasn't quite done it.” - Michael Crichton
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Calvin Tower
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BeitragVerfasst am: 24.06.2018 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen,

nach einer Unterbrechung - Umzug und Renovierung - fand ich keinen Zugang mehr zu meinem Projekt. Viele einsame Spaziergänge und Gespräche mit meiner Frau später, verstehe ich besser, was ich machen will.

Somit wurde es Zeit für Renovierungsarbeiten am Projekt. (inklusive neuem Titel und einem ersten Satz, der das Buch zusammenfasst.)
Ein gravierendes Problem der alten Version: Der Leser schlüpft erst in Kapitel sechs in die Haut des Protas. Somit hatten die Testleser bereits Sympathien für den Sidekick aufgebaut, der vorher im Mittelpunkt steht. Die Idee war, den Prota aus Sicht des Sidekicks zu beschreiben, um zu zeigen, welche Macken und Eigenheiten er hat. Kam bei den Testlesern nicht an. Grr In der aktuellen Version, sind die beiden ersten Kapitel aus Sicht des Protas.

@mods: Könnte ihr mir helfen mehr Struktur in den Thread zu bekommen? Bei meinen letzten Posts mit Auszügen aus dem Projekt hatte ich noch nicht kapiert, was es mit dem "Neue Version" Häkchen auf sich hat.

Was haltet ihr von diesem ersten Kapitel? Würdet ihr weiterlesen wollen?

BG
Calvin

---------Memory - erstes Kapitel --------------

Vergessen wir jemals wirklich oder erinnern wir uns nur nicht mehr?

Gedankenverloren strich Detective Inspector Robert Pierce über das Revers des aschgrauen Anzuges. Die Finger schlichen zur Paspeltasche mit der geschnitzten Streichholzschachtel darin und fuhren die Konturen nach. Er warf einen Blick auf die Ulysse Nardin mit rauchblauem Ziffernblatt am Handgelenk. Ihm blieb eine viertel Stunde, sofern er der letzten Spur folgen wollte. Doch eigentlich spielte er mit dem Gedanken den Fall endlich ruhen zu lassen.

Im Fenster sah ihn sein Negativ an, erzeugt aus dem Wechselspiel von Finsternis, die außen gegen die Scheibe drückte und sterilem Krankenhauslicht von innen. Er ignorierte seine Reflexion und löste die Finger von der Streichholzschachtel. Sofort fanden sie eine neue Beschäftigung. Daumen und Zeigefinger rieben unermüdlich aneinander, wie zwei Stöckchen beim Feuerentfachen. Sie untermalten das Prasseln des Regens und die Pieptöne des Vitalmonitors mit Rascheln.

Zimmer 367 des Scarborough General Hospital beherbergte eine einzige Person - sein Kindermädchen. Die übrigen Betten hatte er entfernen lassen. Obwohl Nana keine Sonderbehandlung wünschte, fühlte er sich verpflichtet dazu.

Die knochenweiße Bettwäsche drohte Nana‘s dürre Gestalt zu verschlingen. Das Kissen umschloss ihren kahlen Schädel, als warte es nur auf einen unbeaufsichtigten Moment, um sie zu ersticken. Die Decke klammerte sich um ihre kümmerlichen Arme, fixierte sie neben dem Körper. Doch oben war die Decke fein säuberlich um eine Handbreit überschlagen, wie Nana es früher auch bei ihm getan hatte.

Unweigerlich musste er an Dornröschen denken. Nur hatte ihr Prinz sie vergessen und in ihrem endlosen Schlummer war sie ergraut, ihre Haut erschlafft, die Wangen ein- und die Haare ausgefallen. Niemand würde sie wach küssen wollen.

Seine Finger hörten auf zu schmirgeln - die Entscheidung war gefällt. Er würde mit ihr über den Fall reden, so lange er noch konnte. Niemand verstand, wieso er den Fall nicht ruhen ließ. Niemand außer Nana. Würde sie auch verstehen, dass er nun doch dazu bereit war? Würde sie verstehen, dass er das Versprechen brechen musste, damit es ihn nicht brach?

Vorsichtig hob er einen Stuhl an, stellte ihn leise an das Bett und setzte sich darauf. Er schob seine Hand in ihre und streichelte behutsam die pergamentartige Haut - mied die Kanüle im Handrücken großräumig. Seit drei Jahren kümmerte er sich um Nana. Die letzte Person, die sich an seine Tat erinnerte. Manchmal.

Die Greisin erwachte, wie aus einem jahrhundertelangen Schlaf, blinzelte, sah sich orientierungslos um und rollte den Kopf zu ihm.

»Hallo Nana?« Er suchte nach einem Anzeichen des Erkennens.

Ihr Blick blieb leer.

Sein Daumen rieb schneller, als wolle er die Altersflecken auf ihrem Handrücken ausradieren, wie die Demenz es mit Nana’s Erinnerungen tat. Hatte die einzige Person, die ihn wirklich kannte, ihn nun gänzlich vergessen?

Dann lächelte sie ihn an wie einen alten Bekannten. »Du bist zurück.«

Sein Daumen entspannte sich, malte Kreise auf ihren Handrücken.

Sie hob die Hand an, doch die Kraft reichte für wenig mehr als ein paar Zentimeter.

Er half ihr; legte die knorrigen Finger an seine Wange, schloss die Lider und suchte nach tröstlichen Erinnerungen. Es musste sie geben. Irgendwo.

»Du siehst ausgelaugt aus.« Ihre Stimme kaum lauter als der Regen, der an das Fenster prasselte.

Das war er. Rebecca’s Verschwinden hatte ihn an die Grenzen gebracht. Er sah schon überall Hunde, wie ein Alkoholiker weiße Mäuse. Dabei waren sich alle einig: Rebecca war weggelaufen und was ihrem Border Collie zustieß, hing nicht mit ihrem Verschwinden zusammen. Vielleicht wurde es Zeit sich dieser Meinung anzuschließen, nachdem zwei Jahre der Suche keine anderen Beweise zutage gefördert hatten. »Ich habe überlegt, kürzer zu treten.«

»Das wird dir guttun.«

Er öffnete die Lider, wollte ihre Reaktion auf den nächsten Satz sorgfältig erfassen. Was würde sie dazu sagen, dass er aufgab? Würde sie ihn, wie immer, unterstützten? »Vielleicht hör ich auch ganz auf. Probier einen Neustart.«

Sie streichelte ihm über die Wange. »Hast du dir deshalb den Bart abrasiert?«

Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte nie einen Bart getragen. Verwechselte sie ihn mit einem Pfleger? »Ich bin es Nana, Robert.«

Sie tätschelte seine Wange. »Du warst nie ein guter Schauspieler, William. Robert wird ein besserer und Rosie ist es bereits. Haben sie dich dazu überredet?«

Er verstand. Es hatte keinen Sinn. Sie war in einer früheren Episode gefangen und verwechselte ihn mit seinem Vater, William. Er war nicht bereit, die glückliche Gedankenblase platzen zu lassen. Er schuldete es ihr. Nana hatte stets Kontakt gehalten, selbst nachdem sein Vater, sich angewidert von ihm abgewandte und ihn unter dem Deckmantel der bestmöglichen Ausbildung von einem Internat ins andere gesteckt hatte. Er drückte einen Kuss auf die Hand, die ihn gefüttert, gewaschen und getröstet hatte. »Wie immer hast du mich durchschaut.«

»Wo sind die Zwillinge eigentlich?«

»Die spielen draußen«, log er.

»Verstecken?«

»Was sonst?«.

»Ist Robert immer noch so versessen darauf, sie zu finden?«

»Er ... versucht, sich zu ändern.«

»Besser wär’s. Rosie ist zu erfinderisch für ihn.«

Pierce erinnerte sich an die Vase, in der Rosie sich einst versteckt hatte. Kaum Platz, kaum Luft, doch sie hatte ausgehalten, bis er aufgab. Dann war er ihren Hilferufen gefolgt. Bei der Befreiungsaktion zerbrach die Vase. Endlich hatte er eine der tröstlichen Erinnerungen gefunden. »Weißt du noch, wie du uns geholfen hast, die Scherben der Vase mit diesen hässlichen blauen Blumenmustern verschwinden zu lassen?«, fragte Pierce mit einem Schmunzeln.

Sie sah ihn skeptisch an. »Also hast du es doch bemerkt, William?«

Er sah in ihrem Blick, wie die Wände der Gedankenblase waberten. Sein Vater hatte nie nach der Vase gefragt. Wahrscheinlich war es ihm nie aufgefallen. Er musste vorsichtiger sein, um sie nicht aus den glücklichen Erinnerungen zu reißen. »Robert hat es mir verraten«, improvisierte er.

»Wer sonst? Er ist einfach zu ehrlich.«

»Das legt er schon noch ab«, sagte er wissend, das von dem Jungen, der einst gewesen ist, nichts übrig war, außer den Narben und dem sturen Festhalten an Versprechen. Es war Zeit zu gehen. Heute würde er nicht mehr mit ihr über den Fall reden können. Aber brauchte er ihre Absolution? Nein. Nana würde verstehen, dass er das Versprechen brechen musste, wie sie es verstanden hatte, dass die Scherben der Vase spurlos verschwinden mussten.

»Hol die Kinder doch rein. Ich würde sie gerne sehen«, sagte Nana.

»Ein andermal.« Er stand auf, beugte sich vor und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, wie sie es früher bei ihm getan hatte. »Es ist besser, wenn du dich jetzt ausruhst.«

Als er sich von ihr löste, huschten ihre Pupillen hin und her. Er wollte seine Hand lösen, doch ihre knorrigen Finger umklammerten sie mit einer Kraft, die er ihr nicht zugetraut hatte. »William, wie bin ich hier her gekommen?«

»An was erinnerst du dich?«

Ihre Augen wanderten nach oben, als wolle sie in ihrem Gedächtnis nachsehen. »Du hast gepackt für deinen Vortrag in der Schweiz.«
Pierce erinnerte sich an den Tag vor seiner Missetat und spann aus Wahrheit und Wunschdenken eine Lüge. »Der Flieger ist ausgefallen. Als ich heimkam, hattest du hohes Fieber und ich habe dich ins General gebracht.«

Alles wäre anders gekommen, hätte Nana kein Fieber gehabt, oder wäre Williams Flug tatsächlich ausgefallen. Doch es war bequem, die Schuld bei anderen zu suchen. Schließlich lag es an ihm. Wäre er nicht so versessen darauf gewesen Rosie zu schlagen, wie er es ihr versprochen hatte, dann hätte er auch nicht geschummelt und dann wäre erst recht nichts passiert. Die Vergangenheit ließ sich nicht ändern, deshalb war es irgendwie ein Segen, dass sie zumindest bei Nana verblasste.

Doch Nana schien die Lüge nicht aufzufallen. Sie ließ die Hand los.
Sofort rieben Daumen und Zeigefinger aneinander. Er log sie ungern an, aber so war es besser. »Morgen -«

Nana packte die ruhelosen Finger. »Robert?«

Er zwang seine Finger zur Ruhe und imitierte das schiefe Lächeln seines verstorbenen Vaters. »Nein, du verwechselst mich. Ich bin’s, William. Schlaf jetzt.«

»Nein.« Sie ließ nicht los, sondern griff mit der freien Hand zu seinem Hemdsärmel.

»Bitte, tu das nicht.«

Sie schob den Stoff hoch. Die Haut darunter sah aus, wie geschmolzenes Plastik. An manchen Stellen hatte sie sich zu Wülsten zusammengezogen, während an anderen runde Narben prangten, wo die Haut Blasen geworfen hatte. »Robert«, hauchte sie und ließ damit ihre glückliche Gedankenblase platzen. Es war förmlich zu sehen, wie die Erinnerungen auf sie einschlugen, wie Steine bei einer Steinigung. Sie hyperventilierte. Der Vitalmonitor piepte. Die Augen huschten hin und her.

Er befreite die Hand, legte sie ihr auf die Schulter. »Schau mich an.« Seine Pupillen jagten ihre, bis er sie einfing und fixierte. »Atme mit mir.« Er passte sich ihr an, bis sie im gleichen Rhythmus atmeten und verlangsamte dann das Tempo.

»Rosie ist noch im Haus. Du musst sie finden«, sagte Nana.
Er brauchte nicht zu suchen. Sie lag seit über dreißig Jahren in der Familiengruft. Trotzdem sagte er, was nötig war. »Das werde ich.«

»Versprich es mir.«

Er zögerte.

»Versprich es!«

Rosies verbrannter Leichnam bewies eindeutig, dass er sein Versprechen nicht gehalten hatte. Doch von Rebecca fehlte jede Spur. Damit fehlte auch der unwiderlegbare Beweis – also bestand noch Hoffnung. Er warf einen Blick auf die Uhr. Er würde es niemals pünktlich zum Kampf schaffen, es aber trotzdem versuchen. »Ich finde sie. Ich versprech es.«



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BeitragVerfasst am: 27.07.2018 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Halli Hallo,

ohne viel Drumherum und zum Abschluss dieses Threads - danach kann er in den Untiefen versinken.

Ich habe mir ein professionelles Lektorat für das erste Kapitel gegönnt. Um einfach mal zu sehen, was dabei rum kommen würde.
Für die Interessierten teile ich hier das Ergebnis.

Adieu und vielen Dank für eure geduldige Hilfe bei diesem Projekt
Calvin

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Vergessen wir jemals wirklich oder erinnern wir uns nur nicht mehr?
Detective Inspector Robert Pierce warf einen Blick auf die Ulysse Nardin mit rauchblauem Ziffernblatt am Handgelenk. Ihm blieb eine viertel Stunde.
Im Fenster sah ihn sein Negativ an, erzeugt aus dem Wechselspiel von Finsternis, die außen gegen die Scheibe drückte und sterilem Krankenhauslicht von innen. Gedankenverloren strichen seine Finger zur Paspeltasche mit der geschnitzten Streichholzschachtel darin und fuhren die Konturen nach. Ärgerlich löste er die Finger von der Streichholzschachtel. Sofort fanden sie eine neue Beschäftigung. Daumen und Zeigefinger rieben unermüdlich aneinander, wie zwei Stöckchen beim Feuerentfachen. Sie untermalten das Prasseln des Regens und die Pieptöne des Vitalmonitors mit Rascheln.
Zimmer 367 des Scarborough General Hospital beherbergte eine einzige Person - sein Kindermädchen. Die übrigen Betten hatte er entfernen lassen. Obwohl Nana keine Sonderbehandlung wünschte, fühlte er sich verpflichtet dazu.
Die knochenweiße Bettwäsche drohte Nana‘s dürre Gestalt zu verschlingen. Doch oben war die Decke fein säuberlich um eine Handbreit überschlagen, wie Nana es früher auch bei ihm getan hatte.
Unweigerlich musste er an Dornröschen denken. Nur hatte ihr Prinz sie vergessen und in ihrem endlosen Schlummer war sie ergraut, ihre Haut erschlafft, die Wangen ein- und die Haare ausgefallen. Niemand würde sie wach küssen wollen.
Seine Finger hörten auf zu schmirgeln - die Entscheidung war gefällt. Er würde mit ihr über den Fall reden, so lange er noch konnte. Würde sie auch verstehen, dass er nun doch dazu bereit war?
Vorsichtig hob er einen Stuhl an, stellte ihn leise an das Bett und setzte sich darauf. Er schob seine Hand in die ihre und streichelte behutsam die pergamentartige Haut - mied die Kanüle im Handrücken großräumig. Seit drei Jahren kümmerte er sich um Nana.
Die Greisin erwachte, wie aus einem jahrhundertelangen Schlaf, blinzelte, sah sich orientierungslos um und rollte den Kopf zu ihm.
»Hallo Nana?«
Ihr Blick blieb leer.
Sein Daumen rieb über ihre Hand, als wolle er die Altersflecken auf ihrem Handrücken ausradieren, wie die Demenz es mit Nana’s Erinnerungen tat. Hatte die einzige Person, die ihn wirklich kannte, ihn nun gänzlich vergessen?
Dann lächelte sie ihn an wie einen alten Bekannten. »Du bist zurück.«
Sein Daumen entspannte sich, malte Kreise auf ihren Handrücken.
Sie hob die Hand an, doch die Kraft reichte für wenig mehr als ein paar Zentimeter.
Er legte die knorrigen Finger an seine Wange und schloss die Lider.
»Du siehst ausgelaugt aus.« Ihre Stimme kaum lauter als der Regen, der an das Fenster prasselte.
Das war er. »Ich habe überlegt, kürzer zu treten«, antwortete er.
»Das wird dir guttun.«
»Vielleicht hör ich auch ganz auf. Probier einen Neustart.«
Sie streichelte ihm über die Wange. »Hast du dir deshalb den Bart abrasiert?«
Er hatte nie einen Bart getragen. Verwechselte sie ihn mit einem Pfleger? »Ich bin es Nana, Robert.«
Sie tätschelte seine Wange. »Du warst nie ein guter Schauspieler, William. Robert wird ein besserer und Rosie ist es bereits. Haben sie dich dazu überredet?«
Es hatte keinen Sinn. Sie war in einer früheren Episode gefangen und verwechselte ihn mit seinem Vater William. Nana hatte stets Kontakt gehalten, selbst nachdem sein Vater, sich angewidert von ihm abgewandte und ihn unter dem Deckmantel der bestmöglichen Ausbildung von einem Internat ins andere gesteckt hatte. Er drückte einen Kuss auf die Hand, die ihn gefüttert, gewaschen und getröstet hatte. »Wie immer hast du mich durchschaut.«
»Wo sind die Zwillinge eigentlich?«
»Die spielen draußen«, log er.
»Verstecken?«
»Was sonst?«.
»Ist Robert immer noch so versessen darauf, sie zu finden?«
»Er ... versucht, sich zu ändern.«
»Besser wär’s. Rosie ist zu erfinderisch für ihn.«
Pierce erinnerte sich an die Vase, in der Rosie sich einst versteckt hatte. Kaum Platz, kaum Luft, doch sie hatte ausgehalten, bis er aufgab. Dann war er ihren Hilferufen gefolgt. Bei der Befreiungsaktion zerbrach die Vase. »Weißt du noch, wie du uns geholfen hast, die Scherben der Vase mit diesen hässlichen blauen Blumenmustern verschwinden zu lassen?«, fragte er.
Sie sah ihn skeptisch an. »Also hast du es doch bemerkt, William?«
Sein Vater hatte nie nach der Vase gefragt. Wahrscheinlich war es ihm nie aufgefallen. »Robert hat es mir verraten«, improvisierte er.
»Wer sonst? Er ist einfach zu ehrlich.«
»Das legt er schon noch ab«, sagte er wissend, das von dem Jungen, der einst gewesen ist, nichts übrig war, außer den Narben und dem sturen Festhalten an Versprechen. Es war Zeit zu gehen. Heute würde er nicht mehr mit ihr über den Fall reden können.
»Hol die Kinder doch rein. Ich würde sie gerne sehen«, sagte Nana.
»Ein andermal.« Er stand auf, beugte sich vor und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, wie sie es früher bei ihm getan hatte. »Es ist besser, wenn du dich jetzt ausruhst.«
Als er sich von ihr löste, huschten ihre Pupillen hin und her. Er wollte seine Hand lösen, doch ihre knorrigen Finger umklammerten sie mit einer Kraft, die er ihr nicht zugetraut hatte. »William, wie bin ich hier her gekommen?«
»An was erinnerst du dich?«
Ihre Augen wanderten nach oben, als wolle sie in ihrem Gedächtnis nachsehen. »Du hast gepackt für deinen Vortrag in der Schweiz.«
»Der Flieger ist ausgefallen. Als ich heimkam, hattest du hohes Fieber und ich habe dich ins General gebracht.«
Alles wäre anders gekommen, hätte Nana kein Fieber gehabt, oder wäre Williams Flug tatsächlich ausgefallen.
Doch Nana schien die Lüge nicht aufzufallen. Sie ließ die Hand los.
Sofort rieben Daumen und Zeigefinger aneinander. Er log sie ungern an. »Morgen -«
Nana packte die ruhelosen Finger. »Robert?«
Er zwang seine Finger zur Ruhe und imitierte das schiefe Lächeln seines verstorbenen Vaters. »Ich bin’s, William. Schlaf jetzt.«
»Nein.« Sie ließ nicht los, sondern griff mit der freien Hand zu seinem Hemdsärmel.
»Bitte, tu das nicht.«
Sie schob den Stoff hoch. Die Haut darunter sah aus, wie geschmolzenes Plastik. An manchen Stellen hatte sie sich zu Wülsten zusammengezogen, während an anderen runde Narben prangten, wo die Haut Blasen geworfen hatte. »Robert«, hauchte sie Es war förmlich zu sehen, wie die Erinnerungen auf sie einschlugen. Sie hyperventilierte. Der Vitalmonitor piepte. Die Augen huschten hin und her.
Er befreite die Hand, legte sie ihr auf die Schulter. »Schau mich an.« Seine Pupillen jagten ihre, bis er sie einfing und fixierte. »Atme mit mir.« Er passte sich ihr an, bis sie im gleichen Rhythmus atmeten und verlangsamte dann das Tempo.
»Rosie ist noch im Haus. Du musst sie finden«, sagte Nana.
Er brauchte nicht zu suchen. Sie lag seit über dreißig Jahren in der Familiengruft. Trotzdem sagte er: »Das werde ich.«
»Versprich es mir.«
Er zögerte.
»Versprich es!«
Rosies verbrannter Leichnam bewies eindeutig, dass er sein Versprechen nicht gehalten hatte. Doch von Rebecca fehlte jede Spur. Damit fehlte auch der unwiderlegbare Beweis. Er warf einen Blick auf die Uhr. Er würde es niemals pünktlich zum Kampf schaffen. »Ich finde sie. Ich verspreche es.«


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“Books aren't written - they're rewritten. Including your own. It is one of the hardest things to accept, especially after the seventh rewrite hasn't quite done it.” - Michael Crichton
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 62
Beiträge: 1088
Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 30.07.2018 05:29    Titel: Antworten mit Zitat

Calvin Tower hat Folgendes geschrieben:
Halli Hallo,

ohne viel Drumherum und zum Abschluss dieses Threads - danach kann er in den Untiefen versinken.

Ich habe mir ein professionelles Lektorat für das erste Kapitel gegönnt. Um einfach mal zu sehen, was dabei rum kommen würde.
Für die Interessierten teile ich hier das Ergebnis.

Adieu und vielen Dank für eure geduldige Hilfe bei diesem Projekt
Calvin

----------

Vergessen wir jemals wirklich oder erinnern wir uns nur nicht mehr?
Detective Inspector Robert Pierce warf einen Blick auf die Ulysse Was ist das? Wird ja nachher erklärt, aber lässt mich erst einmal stocken. was wird damit bezweckt, den Markennamen der Uhr zu nennen, statt einfach "Armbanduhr" zu sagen? Nardin mit rauchblauem Ist das relevant? Ziffernblatt am Handgelenk. Ihm blieb eine viertel Stunde Viertelstunde.
Im Fenster sah ihn sein Negativ Spiegelbild. Negativ ist etwas anderes. an, erzeugt aus dem Wechselspiel von Finsternis, die außen besser: von außen gegen die Scheibe drückte und sterilem Krankenhauslicht von innen. Gedankenverloren strichen seine Finger zur Paspeltasche Was ist das? Ist es relevant? mit der geschnitzten Ist das relevant? Streichholzschachtel darin und fuhren die Konturen nach. Ärgerlich löste er die Finger von der StreichholzschachtelWortwiederholung. Sofort fanden sie eine neue Beschäftigung. Daumen und Zeigefinger rieben unermüdlich aneinander, wie zwei Stöckchen beim Feuerentfachen. Sie untermalten das Prasseln des Regens und die Pieptöne des Vitalmonitors mit Rascheln Daumen und Zeigefinger gegeneinander "rascheln" nicht.

...


Bin ich der Einzige, der solch eine Leistung eines "professionellen Lektorats" für unterirdisch hält?

Grüße
Rainer
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Willebroer
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2753
Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 30.07.2018 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:

Bin ich der Einzige, der solch eine Leistung eines "professionellen Lektorats" für unterirdisch hält?

Grüße
Rainer


Nein, ganz und gar nicht. Auch wenn ich "unterirdisch" für etwas übertrieben halte.
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Dinshi
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 51
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BeitragVerfasst am: 03.08.2018 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Darf ich auch noch meinen Senf dazu geben?
Ich bin auch etwas enttäuscht, nicht vom Text, sondern vom Lektorat!
Zuerst meidet der Protagonist die Kanüle auf dem HANDRÜCKEN großräumig, um dann ein paar Zeilen weiter die Altersflecken vom HANDRÜCKEN zu wischen. Ne, ne... das passt aber nicht zusammen.
Die Erwähnung der Ulysse Nardin find ich jetzt nicht schlimm, er hätte auch Rolex oder Omega nehmen können, ich denke hier geht es um das Statussymbol (legt Wert auf teure Armbanduhr), deshalb die Markennennung.
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Calvin Tower
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 35
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 26.10.2018 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen,

es ist eine Weile her und trotz meiner Ankündigung den Thread ruhen zu lassen, kann ich es nicht.

Zwei Fragen an die Krimi-Leser hier:

Wie findet ihr die Einführung der Person?
Würdet ihr weiterlesen?

-----------------------Einführung Dana------------------

Dana Ruthersons Handy vibrierte. Es ruckelte über den Tisch in der hinteren Ecke der Redaktion und ließ die Schmierzettel zu Danas neuer Story summen.
Sie sah auf das Display und entschied, es, trotz der genervten Blicke der Kollegen, zu ignorieren. Vielleicht beließ er es heute bei einem Versuch.
Sie lehnte sich im Stuhl zurück und las den Artikel der bescheuerten Beth weiter. Wie schaffte sie es mit diesem Mist auf die Titelseite? Dana brauchte dringend einen Knüller. Sie hatte nicht bei der Scarborough News angefangen, um bei der Kolumne über das kaum existente Nachtleben der Stadt hängenzubleiben.
Das Handy verstummte. Für einen Augenblick. Dann erschien auf dem Display wieder das gleiche, betrunkene Gesicht. Kurze braune Haare, glasiger Blick und ein breites Zahnlückengrinsen.
Es war ein Fehler gewesen, sich im Stumble Inn an ihn ranzuschmeißen. Bisher hatte er nichts geliefert. Sie musste ihn abwimmeln, sonst ließ er den ganzen Abend nicht locker. Mit einem Seufzer legte sie das Handy ans Ohr. »Hallo Mort.«
»Ich habe einen Knüller für dich.« Er klang aufgeputscht.
»So ein Blindgänger wie beim letzten Mal?«
»Einen Vermisstenfall.«
»Wer wird vermisst?«
»Das weiß ich nicht.«
Sie lachte ihr heiseres Lachen. »Na, das ist ja ein richtiger Knüller.«
Er schien die Spitze nicht wahrzunehmen. »Erinnerst du dich an Rebecca Connolly?«
»Die Jugendliche, die vor zwei Jahren weggelaufen ist?«
»Ja und nein. Pierce glaubt, sie wurde entführt.«
Dana erinnerte sich an den Detective Inspector. Angetrunken hatte Mort von ihm erzählt. Sie war aber nicht schlau aus der Erzählung geworden. Sah Mort zu ihm auf oder machte er sich über ihn lustig? »Da ist er der Einzige«, sagte sie.
»Damals wurde ein Detail nicht an die Presse gegeben.«
Ein Detail, das außer der Polizei keiner kannte. Daraus ließ sich was machen. »Ach ja?«
Er schwieg. »Wie sieht es bei dir am Freitagabend aus? Wir können was Essen gehen oder wieder ins Stumble Inn. Da findet eine Halloween Party statt. Was sagst du?«
Sie hatte ihm ein Date versprochen, wenn er ihr einen Knüller lieferte. War das einer? Ihr Nacken kribbelte. Ein untrügliches Zeichen. Ihr sechster Sinn. Sie massierte den Punkt kurz unterhalb des Haaransatzes. »Ok. Was habt ihr der Presse verschwiegen?«
»Rebeccas Border Collie wurde nicht einfach tot aufgefunden. Er wurde präpariert.«
»Wie?«
»Mehr am Freitagabend.«
»Vergiss es. Du kannst mich nicht anheizen und dann liegenlassen. Viel Spaß auf der Party. Alleine.«
Schweigen. Ein Seufzer.
Sie zückte schon mal den Bleistift aus dem Knäuel Haare, das sie zu einem losen Dot über dem Kopf zusammengebunden hatte.
Wie erwartet, gab Mort ihr die Wegbeschreibung.
»Das bleibt unter uns und wenn du mehr willst, dann komm am Freitag ins Stumble Inn«, sagte er.
»Sicher.« Sie legte unbefriedigend leise auf. Nur ein Tippen auf ein rotes Symbol. Sie brauchte ein altmodisches Telefon. Eins mit Hörer, den man auf die Gabel knallen konnte, damit die Schnarchnasen hier wusste, dass sie an was dran war. Dass sie einen Knüller hatte. Also riss sie den Zettel mit der Wegbeschreibung versucht geräuschvoll ab, warf sich die Lederjacke über und knallte, auf dem Weg raus, mit dem Motorradhelm gegen ein paar Schreibtische.
Die Singles, um diese Uhrzeit waren die mit familiären Verpflichtungen längst nicht mehr im Büro, sahen sie genervt und … glitzerte da etwa Sehnsucht in den Augen? Nein, besser! Sie sahen sie flehentlich an. Doch als die Tür des Redakteurs aufflog, zogen sie die Hälse ein, wie ein paar erschrockene Schildkröten.
Charles Taylor war Eins-a-Singlematerial. Hager, krummer Rücken und eckiger Bürstenschnitt, der an einen malträtierten Besen erinnerte. Schlimmer wog jedoch die Kippe, die stets im Mundwinkel hing. Wer will schon einen Raucher? Trotz des Rauchens hatte er einen unvergleichlichen Riecher für die wunden Punkte seiner Mitmenschen und keinerlei Hemmungen sie auszunutzen, was einer Beziehung nicht zuträglich sein konnte. Sein Blick blieb auf ihr hängen.
Fuck.
»Rutherson, ich habe eine Story für Sie.«
»Bin schon an einer Sache dran.« Sie nestelte an ihrem Helm.
Seine linke Augenbraue zuckte hoch, wie ein Ventil, das aufklappte, um eine Kernschmelze zu verhindern. »Dann ruf‘ ich besser mal Beth an«, sagte er und drehte sich weg.
Doppel Fuck. Sie ließ den Kopf hängen. »Worum geht es?«
Er sah sie über die Schulter an. Die Spitze seiner Kippe wanderte hoch, wie eine Erektion, als er grinste. »Ein illegaler Hundekampf ist ausgeartet.«
Ihr Nacken kribbelte. Stoff für die Titelseite?


-------------------------------------Vielen Dank fürs Lesen---------------------------------------


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Gruffi
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BeitragVerfasst am: 06.11.2018 16:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hi, ich geb einfach nur meine Gedanken wieder. Ich bin weder professioneller Autor noch habe etwas anderes veröffentlicht. Ich schrieb nur schnell in einer anderen Farbe was mir als erstes durch den Kopf ging.


Bis hier fand ich den Text ganz gut und flüssig zu lesen. Den folgenden Abschnitt musste ich zweimal lesen um ihm ganz folgen zu können.

»Sicher.« Sie legte unbefriedigend leise auf. Kann man unbefriedigend auflegen ? Würd eher sagen die Dame ist unbefriedigt.
Nur ein Tippen auf ein rotes Symbol. Sie brauchte ein altmodisches Telefon. Eins mit Hörer, den man auf die Gabel knallen konnte, damit die Schnarchnasen hier wusste, dass sie an was dran war. Dass sie einen Knüller hatte. Also riss sie den Zettel mit der Wegbeschreibung versucht geräuschvoll ab, warf sich die Lederjacke über und knallte, auf dem Weg raus, mit dem Motorradhelm gegen ein paar Schreibtische.
»Sicher.« murmelte Dana. Sie blickte sich um und keiner ihrer Kollegen schien Notiz von Ihr zu nehmen. Hätte Sie ein altmodisches Telefon gehabt und könnte geräuschvoll mit dem Höhrer knallen würden nun alle Kollegen wissen: Dana Ruthersons hätte wieder eine Bomben Story. Stattdessen versuchte sie die Wegbeschreibung so laut wie möglich abzureissen......  sowas in der Art...

Die Singles, um diese Uhrzeit waren die mit familiären Verpflichtungen längst nicht mehr im Büro, sahen sie genervt und … glitzerte da etwa Sehnsucht in den Augen? Nein, besser! Sie sahen sie flehentlich an. Doch als die Tür des Redakteurs aufflog, zogen sie die Hälse ein, wie ein paar erschrockene Schildkröten.
Hier stellte sich mir die Frage warum blicken die flehentlich ? Vorher gings um die Bombenstory, den Knüller.. aber es ist auch ein Bezug zu Singles da.. Ist sie der heisse Feger der angeschmachtet wird oder die Kompetente Reporterin auf deren Story alle neidisch sind ?

Charles Taylor war Eins-a-Singlematerial. Hager, krummer Rücken und eckiger Bürstenschnitt, der an einen malträtierten Besen erinnerte. Schlimmer wog jedoch die Kippe, die stets im Mundwinkel hing. Wer will schon einen Raucher? Trotz des Rauchens hatte er einen unvergleichlichen Riecher für die wunden Punkte seiner Mitmenschen und keinerlei Hemmungen sie auszunutzen, was einer Beziehung nicht zuträglich sein konnte. Sein Blick blieb auf ihr hängen.
Fuck.
»Rutherson, ich habe eine Story für Sie.«
»Bin schon an einer Sache dran.« Sie nestelte an ihrem Helm.
Seine linke Augenbraue zuckte hoch, wie ein Ventil, das aufklappte, um eine Kernschmelze zu verhindern. »Dann ruf‘ ich besser mal Beth an«, sagte er und drehte sich weg.
Doppel Fuck. Sie ließ den Kopf hängen. »Worum geht es?«
Er sah sie über die Schulter an. Die Spitze seiner Kippe wanderte hoch, wie eine Erektion, als er grinste. »Ein illegaler Hundekampf ist ausgeartet.«
Ihr Nacken kribbelte. Stoff für die Titelseite?
Warum kribbelt ihr Nacken ? Wegen der Story oder wegen dem Tollen 1 A Singlemann ? Aus diesem kurzen Abschnitt wird auch nicht ganz klar warum das nun so schlimm ist wenn Beth die Story macht. Wenn Sie ne Bombenstory hat sollte ihr das ja egal sein. Ich versteh den Konflikt aber so ganz deutlich wird das nicht.



wie gesagt das sind meine ersten Gedanken zu dem Text.  LG
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Calvin Tower
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 35
Beiträge: 138



BeitragVerfasst am: 09.11.2018 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gruffi,

vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast den Text zu lesen und ein Feedback zu verfassen.

Zitat:
Kann man unbefriedigend auflegen ? Würd eher sagen die Dame ist unbefriedigt.

--> Naja, sie würde halt lieber den Hörer auf die Gabel knallen, was leider bei einem Smartphone nicht geht - wobei vll. gibt es ja sogar eine App, die das simuliert smile - und deshalb das unbefriedigend leise und das versucht geräuschvoll.

Zitat:
Hier stellte sich mir die Frage warum blicken die flehentlich ? Vorher gings um die Bombenstory, den Knüller.. aber es ist auch ein Bezug zu Singles da.. Ist sie der heisse Feger der angeschmachtet wird oder die Kompetente Reporterin auf deren Story alle neidisch sind ?

-->flehentlich wegen zwei Punkten: Zum einen würden sie selber lieber einer Story nachjagen, anstatt in der Redaktion zu sitzen und zum anderen, wegen Danas Äußerem.

Zitat:
Warum kribbelt ihr Nacken ? Wegen der Story oder wegen dem Tollen 1 A Singlemann ? Aus diesem kurzen Abschnitt wird auch nicht ganz klar warum das nun so schlimm ist wenn Beth die Story macht. Wenn Sie ne Bombenstory hat sollte ihr das ja egal sein. Ich versteh den Konflikt aber so ganz deutlich wird das nicht.

--> das habe ich wohl nicht deutlich genug ausgearbeitet: Ihr Nacken kribbelt, wenn sie das Gefühl hat an einer guten Story dran zu sein. Hatte versucht es am Anfang, beim Telefonat anzudeuten, um es am Ende nochmals aufzugreifen.
Zum Ende sollte sie in einem Konflikt stehen, ob sie zuerst dem Hinweis aus dem Telefonat nachgeht, oder dem ausgearteten Hundekampf. Das wird später für die Story wichtig. Sie entscheidet sich für den Hundekampf, da sie die Story nicht Beth überlassen will, auf die sie neidisch ist, wie ich ebenfalls am Anfang versucht habe anzubringen.

Ich überlege mir, wie ich das abändern kann und trotzdem in der Zielvorgabe von 3 Normseiten bleibe.

BG
Calvin


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