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Das Schweigen spricht


 

 
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silesio
Eselsohr

Alter: 86
Beiträge: 240
Wohnort: Dubai


BeitragVerfasst am: 25.10.2017 14:54    Titel: Das Schweigen spricht eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Schweigen spricht, wenn Worte fehlen,
weil´s keine mehr zu geben scheint;
sich mühsam die Gedanken quälen
und das Lebendige versteint

Das Schweigen spricht, wenn Worte rauschen
in unabänderlichem Schwall,
sich ständig aufeinanderbauschen
Klamauk und Tosen überall.

Das Schweigen spricht, wenn Worte säuseln,
so süß und unbestimmt und leer,
wenn sich die Nebelschleier kräuseln,
nichts greifbar, alles ungefähr.

Das Schweigen spricht, wenn Worte töten,
missbraucht als Gift, als Speer, als Schwert,
ersticken, steinigen, zertreten,
vergeblich, dass man sich noch wehrt.

Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen
im grauer Ozean der Pein,
im Schattenreich verdammter Seelen,
wo viele sind und doch allein.



_________________
Ein ernster Mensch, der gerne lacht.
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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

Alter: 101
Beiträge: 2278
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 25.10.2017 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Schweigen spricht, wenn Worte fehlen,
weil´s keine mehr zu geben scheint;
sich mühsam die Gedanken quälen
und das Lebendige versteint

Das Schweigen spricht, wenn Worte rauschen
in unabänderlichem Schwall,
sich ständig aufeinanderbauschen
Klamauk und Tosen überall.

Das Schweigen spricht, wenn Worte säuseln,
so süß und unbestimmt und leer,
wenn sich die Nebelschleier kräuseln,
nichts greifbar, alles ungefähr.

Das Schweigen spricht, wenn Worte töten,
missbraucht als Gift, als Speer, als Schwert,
ersticken, steinigen, zertreten,
vergeblich, dass man sich noch wehrt.

Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen
im grauer Ozean der Pein,
im Schattenreich verdammter Seelen,
wo viele sind und doch allein.


Hallo Silesio,

das ist ein ganz wunderbares, vorzügliches Gedicht. Eines, wie es nur ein alter Mensch zu schreiben vermag. Da ist alles drin: ein ganzes Leben, sein Hoffen, sein Scheitern.
Und es gibt einen klug durchdachten Schluss.
Denn es ist wohl die Schuld, die bis zum Ende bleibt, das Wissen um die eigene Fehlbarkeit, das, was ein religiöser Mensch "Sünde" nennen mag und die Hölle auf Erden bedeutet.

Kann gut sein, dass du hier mit dem Werk auf wenig Gegenliebe stoßen wirst, weil es sich, von der Fertigung her, im konventionellen Rahmen bewegt. Einem Rahmen, der passt.
Sei versichert: Das ist richtig gut! Das tragende Stilmittel, die Wiederholung, wird gekonnt eingesetzt und jedes Wort "stimmt."
Und du benutzt ein sehr schönes Bild, die "Versteinung des Lebendigen", aus der sich das Weitere gleichsam entwickelt hat.

Entzückte Grüße
m.


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silesio
Eselsohr

Alter: 86
Beiträge: 240
Wohnort: Dubai


BeitragVerfasst am: 25.10.2017 17:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Menetekel, ein so positives Urteil habe ich noch nie in meinem Leben gehört! Ich danke dir sehr.
   Du hast wohl leider recht, dass da eine Generationskluft besteht. Ich habe Altphilogie studiert, war Pfarrer, habe massenhaft geredet, geschrieben und einiges auch veröffentlich, ich habe mich seit Schulzeiten mit Wörtern und Poesie befasst, aber wenn ich das mit den meisten Einsendungen hier vergleiche, komme ich mir vor wie ein Analphabet.
   Ich möchte diese Erfahrungen hier demnächst auch gern einmal thematisieren.
   Auch deshalb einen besonderen Dank an dich
   Christoph


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Gast







BeitragVerfasst am: 25.10.2017 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das Schweigen spricht, wenn Worte fehlen,
weil´s keine mehr zu geben scheint;
sich mühsam die Gedanken quälen
und das Lebendige versteint

Das Schweigen spricht, wenn Worte rauschen
in unabänderlichem Schwall,
sich ständig aufeinanderbauschen
Klamauk und Tosen überall.

Das Schweigen spricht, wenn Worte säuseln,
so süß und unbestimmt und leer,
wenn sich die Nebelschleier kräuseln,
nichts greifbar, alles ungefähr.

Das Schweigen spricht, wenn Worte töten,
missbraucht als Gift, als Speer, als Schwert,
ersticken, steinigen, zertreten,
vergeblich, dass man sich noch wehrt.

Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen
im grauer Ozean der Pein,
im Schattenreich verdammter Seelen,
wo viele sind und doch allein.


Sehr gerne gelesen.
Vielleicht magst Du, da Du in Werkstatt gepostet hast, noch ein zwei Stolperer, die ich beim Lesen hatte, überdenken.

"töten" - "zertreten" empfinde ich als schwierigen Reim. Auch ist der Vers "ersticken, steinigen, zertreten" rhythmisch gewöhnungsbedürftig. Andererseits ist diese Aufzählung sehr stimmungsvoll.

Der letzte Vers ist inhaltlich nachvollziehbar. Ein runder Schluss. Die Wahl des Satzbaues ist hier dem Reim geschuldet. Der VErs klingt aus diesem Grund unfertig (für mich).
Ggf. kann man bei FErtigstellung "wo viele, doch alleine sind" in einen neuen Bezug zu "im grauen Ozean der Pein" bringen. In etwa:

Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen,
durch Pein und Sturm des Scheiterns blind,
im Schattenreich verdammter Seelen,
wo viele, doch alleine sind.

Also, das mal nur als kleiner Vorschlag. Ich bin nicht sonderlich geübt mit gereimten Texten, aber vielleicht reicht es ja als Anstoss...
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichShow-don't-Tellefant


Beiträge: 6147
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BeitragVerfasst am: 25.10.2017 23:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin nur hier gestolpert:

sich mühsam die Gedanken quälen

vielleicht:

wenn mühsam sich Gedanken quälen

?

Und in der letzten Zeile ein Komma, nach dem "sind"  ?


Und dann überlege ich noch, ob  vielleicht das "Das" vor dem Schweigen weggelassen werden könnte? Dann wäre Schweigen nicht so ein Ding, mehr ein Phänomen. Kann's nicht genauer fassen gerade.

Insgesamt aber finde ich dein Gedicht gut und eindringlich.
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silesio
Eselsohr

Alter: 86
Beiträge: 240
Wohnort: Dubai


BeitragVerfasst am: 26.10.2017 08:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Monochrom, danke für deinen "Anstoss".
   Über die Frage, wie man es mit den unreinen Reimen (öten, eten) halten soll gehen die Meinungen weit auseinander. Die grössten Lyriker haben sie verwendet, weil die deutsche Sprache etwa im Gegensatz zur englischen und schwedischen ausgesprochen wenig Reimworte hat.
   An der Zeile "ersticken, steinigen, zertreten" kann ich bei strengstem Urteil kein Fehl finden.
   Wenn ich meine Verse zur Diskussion gestellt habe, eher, wie sie inhaltlich ankommen.


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James Blond
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 68
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Wohnort: HAMBURG


BeitragVerfasst am: 26.10.2017 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm,

Zitat:
Das Schweigen spricht, wenn Worte fehlen,
weil´s keine mehr zu geben scheint;


Klingt es nicht ein wenig redundant, wenn etwas fehlt, weil es das nicht mehr zu geben scheint?
In solchen Scheinbegründungen steckt auch immer ein wenig Komik ("Wo's wehtut, meldet sich ein Schmerz / den Unernst treibt es stets zum Scherz."), doch scheint mir hier kein Späßchen beabsichtigt, denn das Schwedenthema "Schweigen" wird ansonsten recht ernsthaft abgehandelt, allerdings für mein Empfinden auch etwas dick aufgetragen.

Dabei sorgen, unterstützt von Reim, Kadenz und Metrum einer traditionellen Lyrik, Verswiederholung und -variation für eine erhebliche musikalische Wirkung. Dennoch bekomme ich beim Lesen zunehmend den Eindruck, dass mir der Text selbst den Schaden, den Worte anrichten können, nicht nur beschreibt, sondern auch gleich vor Augen führt: "Klamauk und Tosen", "nichts greifbar, alles ungefähr". Denn der Text verbleibt in der Aufzählung bekannter Topoi, wo Worte fehlen, rauschen, säuseln, töten.

Hinzu kommt, dass einige Begriffe leicht daneben liegen, etwa "versteint" statt "versteinert", "unabänderlichem" statt "unablässigem", "aufeinanderbauschen" statt "aufbauschen". (Versteint ist ein sehr schönes, wenn auch veraltetes Wort. Das Verb "versteinen" beschreibt eigentlich das Setzen von Grenzmarkierungen, das Adjektiv oder Adverb "versteint" wurde früher dem "versteinert" vorgezogen.) Mir scheint die leicht versch(r)obende Wortwahl vor allem dem Metrum geschuldet, doch zugleich verstärkt sie den diffusen Eindruck.

In der letzten Strophe schließt sich der Kreis. Während im mittleren Teil das Schweigen als die bessere Alternative zum schädlichen und schädigenden Gebrauch der Worte dargestellt wird, schließt das Gedicht mit der Einsicht in die Hölle des Schweigens aus Einsamkeit. Das muss nicht unbedingt jenseitig verstanden werden, denn diese Hölle existiert für viele Ältere bereits zu Lebzeiten. Doch gerade hier wird in einer abschließenden Steigerung die Quintessenz für mein Empfinden etwas zu dick aufgetragen. Dass "im grauer Ozean der Pein" fälschlicherweise im Nominativ steht, sei hier nur am Rande bemerkt. Doch vermittelt "der graue Ozean der Pein" mir kein Grauen, das "Schattenreich verdammter Seelen" lässt mich als hinlänglich bekannte Phrase kalt und das Zeugma, "wo viele sind und doch allein" [sind], eher schmunzeln anstatt schluchzen.

Von der Grundidee gefällt mir das Gedicht aber recht gut. Anstatt voluminöser Aufzählungen würde ich mir konkretere Betrachtungen wünschen und etwas weniger Pathos.

Gern kommentiert.

Grüße
JB


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silesio
Eselsohr

Alter: 86
Beiträge: 240
Wohnort: Dubai


BeitragVerfasst am: 26.10.2017 14:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine gediegene und wohlwollende Kritik, die mir hier ja nicht immer begegnet.
   Du bemängelst zu viel Pathos. Tatsächlich geht es um Pathos in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes: Leiden. Die Verse sind, wie spürbar, aus, ja in einer Leidenssituation entstanden und später nicht verändert worden.
   Muss ich sie vor einer Veröffentlichung bearbeiten und feilen?
   Und selbstkritisch, wie ich nun einmal bin, gebe ich mir selbst die Antwort: Sicher, wenn ich sie zur Kritik in einem so kritischen Forum freigebe,
   Das nächste Mal!


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Gast







BeitragVerfasst am: 27.10.2017 09:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Silesio,

wenn Du gar keine Textarbeit möchtest, und jeden Vorschlag abkanzelst, dann frage ich mich, warum Du den Text in die Werkstatt stellst.

Und für eine Lobhudelei finde ich den Text nicht gut genug, genauso wenig wie für überbordende Kritik.

Aber es sei Dir gegönnt.

Grüße,
Monochrom
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Herr Bossi
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BeitragVerfasst am: 27.10.2017 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

kritisieren kann man ...

aber doch schreibt jeder "seins"
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silesio
Eselsohr

Alter: 86
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Wohnort: Dubai


BeitragVerfasst am: 27.10.2017 10:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

OK, Monochrom, das musste anscheinend einmal ausgesprochen werden - und ich werde meine Folgerungen daraus ziehen.
   Aber verteidigen darf man sich doch wohl in diesem Forum?


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BeitragVerfasst am: 27.10.2017 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

Du darfst von mir aus alle hier im Forum mit Scheiße bewerfen.  Laughing

Den Monochrom bitte aber nicht. Der ist tooootaaaal nett Razz

Grüße
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silesio
Eselsohr

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Beiträge: 240
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BeitragVerfasst am: 27.10.2017 12:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Rest sei Schweigen, und keiner spreche!

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James Blond
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Beiträge: 467
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BeitragVerfasst am: 27.10.2017 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe nicht, dass silesio sich Vorschlägen verweigert und empfinde die letzten Beiträge als destruktiv.

Wenn mir im DSFo ein Gedicht gefällt, was selten genug  der Fall ist, dann bin ich gerne zu einer tieferen, zeitraubenden Auseinandersetzung bereit.

Ich hake, nein: harke dazu nochmals mit dem Begriff Pathos nach, den man mit Leiden, bzw. Leidenschaft passend übersetzen könnte. Demnach wäre sicher über die Hälfte aller Lyrik als "pathetisch" zu bezeichnen, denn das Leiden und sein Ausdruck begleiten den Menschen auf Schritt und Tritt und geben häufig Anlass, zur lyrischen Feder zu greifen.

Zum Pathos gehört aber nicht nur ein Becher voller Leidenschaft, sondern auch das entsprechende Temperament, diesen hochzuhalten und mit einem Trinkspruch zu leeren. Das Deklamatorische, Theatralische, der übertrieben veröffentlichte Ausdruck wird so zum Charakteristikum des Pathos - und gleichzeitig zu seiner Krux: Denn je weiter sich der Lyriker dabei in die Höhen schraubt, desto eher folgt der Absturz ins Bodenlose der Lächerlichkeit. Wenn etwa der Lyriker bei einer flammenden Rede über Mut und Tapferkeit seines Helden, von einer Mücke attackiert, aus dem Tritt gerät. Insofern empfiehlt sich übermäßiges Pathos meist dann, wenn in Spott und Ironie eine komische Wirkung angestrebt wird.

Um der unfreiwilligen Komik eines Pathos zu entgehen, geben sich manche Texte ausgesprochen cool. Hier (im DSFo) gibt es eine Reihe von Autoren, die sich dieser Methode verschrieben haben. Allerdings verliert damit der Text auch seine "lyrischen" Eigenschaften. Wer auf "abgeklärte" Lyrik steht, wird das als Vorteil werten, mir erscheint es jedoch als ein erheblicher Verlust.

Aus dem Pathosdilemma der Lyrik gibt es aber auch den Ausweg der bemessenen Dosierung. Angemessen könnte es z.B. sein, der Untertreibung den Vorrang zu geben - mit lapidaren Worten der größten Erschütterung Ausdruck zu verleihen, ist ein probates Stilmittel. Ich habe im folgenden Beispiel versucht, die Pathos-Dosis des "sprechenden Schweigens" nur ein wenig herabzusetzen. Bin mir zwar nicht sicher, ob es funktioniert, sehe dies aber hier in der Werkstatt als legitimen und hoffentlich auch inspirierenden Versuch einer behutsamen Umgestaltung.

Das Schweigen spricht, wenn Worte fehlen,
die es nicht mehr zu geben scheint;
wenn mühsam sich Gedanken quälen,
die längst die Dunkelheit verneint.

Das Schweigen spricht, wenn Worte rauschen,
in stolzem Dauerredeschwall
zum tosenden Klamauk sich bauschen,
zum hemmungslosen Überall.

Das Schweigen spricht, wenn Worte säuseln,
sich süß und falsch, verlogen, leer
zu dichten Nebelschleiern kräuseln,
und jeder Blick verliert sich mehr.

Das Schweigen spricht, wenn Worte töten,
missbraucht statt Pfeil, statt Speer und Schwert
zu einer Flut aus giftgen Kröten,
der sich kein edles Herz erwehrt.

Das Schweigen schreit, wenn Worte fehlen
im stillen Ozean der Pein,
im Schattenreich verstummter Seelen
bleibt jeder dann für sich allein.



Gern kommentiert.

Grüße
JB


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Gast







BeitragVerfasst am: 27.10.2017 14:39    Titel: Antworten mit Zitat

JB,

ich find den Text auch gut. Ich bin halt nur so ein Ignorant und versuche Textarbeit...
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silesio
Eselsohr

Alter: 86
Beiträge: 240
Wohnort: Dubai


BeitragVerfasst am: 27.10.2017 19:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo James, wirklich sehr entgegenkoomend, dass du dir die Zeit genommen hast für eine so ausführliche Antwort!
   Leiden scheint mir der Hauptimpuls zur Lyrik zu sein, Liebeskummer, Angst vor dem Alter, Verlassensängste, körperliche Schmerzen, Verzweiflung, Scheitern usw. Das alles kann und wird man meist "nur" akustisch stöhnen, gurgeln, kreischen, brüllen. Hast du schon Menschen gehört, die so tief geqwält, gedemütigt, misshandelt worden sind? Ich ja.
   In dieser Situation wird ja keiner darauf kommen, ein Gedicht darüber zu schreiben. Aber vielleicht nachher, wenn man überlebt hat, wenn einige Zeit vergangen ist, kann man es versuchen, und es gelingt vielleicht besser, die ganze Tiefendimension zu fassen, wenigstens anzudeuten, als wenn es in nüchterner Prosa geschieht.
    Dasselbe gilt umgekehrt übrigens auch für Glück, Jubel, Seligkeit.
    Deine Version meines Schmerzgedichtes klingt ohne Zweifel glatter, oder sagen wir, geschliffener und ist ohne Zweifel gut zu lesen.


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