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Neon Disease - Kapitel 1 Szene 1 und folgende - (Science Fiction)


 
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HendrikThomsen
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

Alter: 40
Beiträge: 16
Wohnort: Guderhandviertel, Niedersachsen


BeitragVerfasst am: 04.10.2017 17:14    Titel: Neon Disease - Kapitel 1 Szene 1 und folgende - (Science Fiction) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo!

Ich würde gerne Eure Meinung zu meiner ersten Szene hören.
Sie ist als stimmungsgebende Eröffnungsszene gedacht, und als kurze Vorstellung einer der Hauptfiguren.

Bitte keine Scheu vor brutaler Ehrlichkeit.

Kapitel 1 - Szene 1

Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies.

Die hellen Strahlen der Skybeamer wanderten über die Wolken wie über die Felsdecke einer gigantischen Höhle. Zwischen ihnen zogen hunderte von Thoptern, Flugzeugen und Frachtern glitzernd ihre Bahnen durch die Nacht.

Weit unten lagen Wolken einer anderen Art. Die schwermütig wogenden Nebel aufsteigender Staub-, Dampf- und Abgasschwaden bildeten eine geschlossene Oberfläche, glühend durchströmt von den Lichtern der Stadt. Blaue, grüne und violette Halos schimmerten darin, und verschwommen zu einem Meer aus Licht.

In weiter Entfernung durchbrachen die vier gigantischen Megatürme von Germania Shanghai das schimmernde Wolkenmeer, umgeben von Hunderten kleinerer Gebäude, und wirkten wie die schroffen Felsen einer verwunschenen Küste, zwischen denen sich Skycars und schwebende Reklametafeln hindurch drängten, feurige Ströme aus unzähligen Lichtpunkten.

Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte?

Trish hakte einen Fuß hinter den knarrenden Antennenmast, griff über sich, und berührte vorsichtig das Lautstärke-Control-Tattoo auf dem Rücken ihrer rechten Hand, die fest um das raue Stahlrohr geschlossenen war.

Sie stand auf dem höchsten einer ganzen Reihe von schmalen Halbkreisen aus Stahl, die als Trittstufen an den Mast geschweißt worden waren, und seit zig Jahren vom sauren Regen verwitterten.

Trish achtete nicht darauf.

Ihr Blick wanderte zum eingeblendeten File-tag am unteren Rande ihres Sichtfeldes. Wer auch immer dieser B.thov.n14Moon.lgt sein mochte, er hatte es wirklich drauf. Die sanften Klänge dieser Musik waren anders als alles, was Trish je gehört hatte. Sie berührten etwas in ihrem Inneren, schienen sie in Einklang mit der leichten Brise in wohliger Wärme zu umwogen. Der Antennenmast vibrierte unter dem Infraschall eines unter Trish vorbeigleitenden Thopters, und begann ganz leicht hin und her zu schwingen.

Die Szenerie am Horizont strahlte einen tiefen Frieden aus, und Trish überließ sich ganz der Musik, ließ sich von dem Mast in eine angenehme Trance wiegen. Die Melodie hob und senkte sich in sanften Bögen, die in den Bewegungen der Wolken ihre Entsprechung fanden. Der Wind frischte auf, und Trish fühlte sich ganz und gar geborgen, und gleichzeitig frei. Frei wie ein...

Ein Kribbeln lief plötzlich über ihre Hand, und im selben Moment explodierte die Musik zu brutalem Lärm. Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, zog den Arm zurück und wischte reflexartig mit der linken über ihren Handrücken um die Lautstärke wieder zu reduzieren. In der plötzlichen Stille war das brausen des Windes überdeutlich zu hören. Schwindel erfasste Trish. Fassungslos starrte sie ihre rechte Hand an. Sie hatte den Mast losgelassen!

Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.

Trish schnappte nach Luft. Wie in Trance drehte sie den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Verzweifelt suchte ihr Blick irgendetwas, an dem sie sich festhalten konnte. Unter ihr gab es nur die brodelnden Nebelmassen, durchstochen von den spitzen Stahlstreben des Sendeturms. Um sie herum nur dünne Luft, oben die bleischwarze Wolkendecke.

Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Seine zarten blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Ein echter, lebender Vogel! Konnte das sein? Oder hatte ihr Verstand im Angesicht des Todes ausgesetzt?

Trish traute ihren Augen nicht. Der Vogel flatterte an der Spitze des Mastes herum. An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Draht-streben eingeklemmt, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest? Der Wind brauste in Trishs Ohren.

Dann war der Moment vorbei, und sie kippte vornüber mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen. Krampfhaft starrte Trish in den Smog. Sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen rostigen Metallstreifen verloren.

Ein Gedanke durchzuckte sie. Die Kickblades! Sie hatte nur einen einzigen Versuch. Reflexartig presste sie die Zehen gegen den ins Kunstleder eingebetteten Schalter, und mit einem Knall stießen die zwei keramischen Klingen aus den Absätzen ihrer Stiefel.

Schwerelos. Haltlos. Zu spät.

Mit einem Ruck spürte Trish, wie sich die Kickblades in die Trittstufe bohrten. Ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen, und ein metallisches Kreischen begleitete die Bewegung, bis sie kopfüber gegen den unteren Teil der Antenne knallte, und blitzschnell die Arme darum schlang.

Keuchend ließ sie den Atem entweichen. Sie klammerte sich mit aller Kraft an das schwankende Rohr. Knapper hätte es nicht sein können. Trishs Puls raste. Sie sah hinauf zu ihren Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen, und beinahe vom Mast abgetrennt. Das Stahlrohr hatte einen tiefen Schnitt abbekommen, und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen.

Da sah Trish wieder den Vogel. Er flatterte noch immer um die Mastspitze herum, die sich nun mehr und mehr zur Seite neigte, wie der Sekundenzeiger einer riesigen Uhr. Das kleine Nest war anscheinend nur an einer dünnen Draht-strebe befestigt, und rutsche bei jeder Schwingung des Mastes hin und her. Noch immer waren keine Küken zu sehen, aber jetzt drang deutlich ein panisches Piepsen aus dem Knäuel.

Trish knurrte wütend. Gerade erst dem Tod entgangen, und noch nicht einmal in Sicherheit, und sie musste sich Gedanken um ein paar blöde Vögel machen. Verrückt. Sie war einfach total verrückt. Bescheuert. Dass sie überhaupt hier oben war, war der beste Beweis. Trish sah den Antennenmast entlang nach unten. Die nächste Trittstufe war in Reichweite. Sie sollte zu ihr herab hangeln, sich aufrichten und sichern können. Kein Problem. Und dann nichts wie weg hier. Auf den Boden der Tatsachen zurück.

Sie sah wieder nach oben. Starrte den Vogel an. Er war klein, zerbrechlich. Und schön. Diese Tiere gehörten hierher, in die Freiheit, in die Luft. Und Sie nicht.

Plötzlich rutschte die Stange einen Zentimeter durch Trishs schwitzende Hände. Ein brennender Schmerz breitete sich in ihnen aus, und kroch Trishs Unterarme hinauf. Sie sah auf ihre Füße. Die Klingen schnitten natürlich bei jeder Bewegung des Mastes weiter durch das Metall und befreiten sich daher wieder. Trish stieß einen Fluch hervor, und presste die Beine fester zusammen, um nicht weiter abzurutschen. Die obere Hälfte des Mastes gab ein ekelhaftes Knirschen von sich, knickte weiter und weiter ein. Der Wind begann stärker zu wehen, und ein Schleier von Nieselregen legte sich auf Trishs Gesicht. Das Piepsen der Küken hörte auf, und die Flügelschläge des Elternvogels klangen unnatürlich Laut in Trishs Ohren.

Das Nest glitt immer weiter an der Draht-strebe entlang, nur durch die Reibung an der rauen Oberfläche gehalten. Wenige Zentimeter noch, und es würde fallen. Nun sah sie es. Ein Küken saß darin. Es war winzig. Grau. Nicht viel mehr als ein paar aufgeplusterte Federn klammerte es sich an einem Faden fest. Seine Mutter konnte nichts weiter tun, als hilflos umher zu flattern, und nach ihm zu rufen. Trish stieg das Blut in den Kopf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Das abgeknickte Ende kam langsam näher. Der Wind frischte auf, und die Antenne Schwang immer stärker.

Schnaubend blies Trish sich einen Schweißtropfen von der Nase. Das Nest musste jeden Moment abrutschen. Das Metall des Antennenmastes knirschte und klirrte. Ein schneller Blick zu ihren Füßen. Das Material war bis auf einen dünnen Streifen durchgerissen. Schließlich hing die Mastspitze direkt neben ihr, und einen Moment lang wirkte es, als wäre Trish wieder richtig herum und die Welt stünde Kopf. Sie presste die Beine mit voller Kraft zusammen, betätigte erneut den Zehenschalter, und ließ die Kickblades in ihre Stiefel zurückschnellen, damit sie nicht noch weiteren Schaden anrichten konnten. Vorsichtig ließ Trish eine Hand los, und spürte, wie die kalte Luft in die geschundene Haut schnitt. Sie streckte den Arm nach dem Nest aus. Unten zerfaserte der Wind den Smog, und ließ den wirbelnden Malstrom der Straßen durchscheinen. Er zerrte an ihr und an dem winzigen Küken.

Der panische Muttervogel begann um Trishs ausgestreckte Hand herum zu flattern, hackte nach dem leuchtenden Volume-Control-Tattoo. Die Musik begann wieder zu spielen. Trish schnaufte. „Verpiss Dich, ich will dir helfen, du…“ Sie streckte den Arm weiter aus, versuchte das zerbrechliche Knäuel zu erreichen. Ein unglaublicher Glücksfall hatte dafür gesorgt, dass es von einem winzigen Stück Plastik an einer rostigen Stelle gehalten wurde. Ganz vorsichtig! Nur ein kleines Stück noch. Trish musste sich ein klein wenig strecken, dann würde sie es schaffen! Sie schloss die Augen, spannte sich, und griff zu.

Mit einem stumpfen Knacken brach die Spitze der Antenne ab, und stürzte pfeifend dem Erdboden entgegen, prallte knallend und krachend immer wieder gegen den Sendeturm. Trish starrte das kleine bisschen zusammengewickelten Draht und Plastik in ihrer Hand an und schluckte. Es war leer.

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Yorinde
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 31
Beiträge: 135
Wohnort: Stendal


BeitragVerfasst am: 04.10.2017 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hendrik,
herzlich Willkommen im Forum!
Ich hab mich mal durch deinen Text "gekämpft" (SciFi ist nämlich eigentlich nicht so meins) und werd dir einfach mal ein paar Gedanken dalassen. Dabei gilt natürlich wie immer - alles kann, nichts muss. Ist ja schließlich dein Text.

Also, gekämpft habe ich nicht ganz grundlos geschrieben. Ich glaube, du kannst grundsätzlich einiges kürzen und straffen, damit du deine Leser nicht auf den ersten Seiten verlierst. Hier und da riecht es nämlich nach Infodump. Wink

Zitat:
Die hellen Strahlen der Skybeamer wanderten über die Wolken wie über die Felsdecke eher Felsendecke? einer gigantischen Höhle. Zwischen ihnen zogen hunderte von Thoptern, Flugzeugen und Frachtern glitzernd ihre Bahnen durch die Nacht.

Weit unten lagen Wolken einer anderen Art. Die schwermütig wogenden Nebel aufsteigender Staub-, Dampf- und Abgasschwaden bildeten eine geschlossene Oberfläche, glühend durchströmt von den Lichtern der Stadt. Blaue, grüne und violette Halos schimmerten darin, und verschwommen zu einem Meer aus Licht.

In weiter Entfernung durchbrachen die vier gigantischen Megatürme von Germania Shanghai das schimmernde Wolkenmeer, umgeben von Hunderten kleinerer Gebäude, und wirkten wie die sich Skycars und schwebende Reklametafeln hindurch drängten, [color=blue]feurige Ströme aus unzähligen Lichtpunkten.
Zu viele Adjektive und Bilder wirken schnell überladen. Weniger ist mehr.

Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte?


Ich weiß, du möchtest mit diesem Teil die ersten Eindrücke deiner Welt einfangen und an deine Leser weitergeben. Mir persönlich ist es aber zu viel. So gut wie nichts von dem, was du bis hierher erzählt hast, ist tatsächlich notwendig, um Trish kennen zu lernen, oder?
Deshalb ein Vorschlag: Lass ein paar wenige Eindrücke, die besonders wichtig sind, deine Leser durch Trishs Augen sehen.

Zitat:
Sie stand auf dem höchsten einer ganzen Reihe von schmalen Halbkreisen aus Stahl, die als Trittstufen an den Mast geschweißt worden waren, und seit zig Jahren vom sauren Regen verwitterten.

Trish achtete nicht darauf.


Schreibst du aus Trishs Perspektive oder auktorial? Denn wenn du aus ihrer Perspektive schreibst und sie nicht auf die Trittstufen achtet, dann dürfen sie da auch nicht vorkommen. Wink

Zitat:
B.thov.n14Moon.lgt


 Daumen hoch²

Zitat:
Sie zuckte zusammen, zog den Arm zurück und wischte reflexartig mit der linken über ihren Handrücken um die Lautstärke wieder zu reduzieren. In der plötzlichen Stille war das Brausen des Windes überdeutlich zu hören. Schwindel erfasste Trish. Fassungslos starrte sie ihre rechte Hand an. Sie hatte den Mast losgelassen!

Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.

Trish schnappte nach Luft. Wie in Trance drehte sie den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Verzweifelt suchte ihr Blick irgendetwas, an dem sie sich festhalten konnte. Unter ihr gab es nur die brodelnden Nebelmassen, durchstochen von den spitzen Stahlstreben des Sendeturms. Um sie herum nur dünne Luft, oben die bleischwarze Wolkendecke.

Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Seine zarten blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Ein echter, lebender Vogel! Konnte das sein? Oder hatte ihr Verstand im Angesicht des Todes ausgesetzt?
Adjektive und Bilder. As I told you. Wink

Trish traute ihren Augen nicht. Der Vogel flatterte an der Spitze des Mastes herum. An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Draht-streben eingeklemmt, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest? Der Wind brauste in Trishs Ohren.

Dann war der Moment vorbei


Das ist ein seeehr langer Moment. Unnormal lang für jemanden, der ernsthaft droht, abzustürzen. Wir sind ja nicht im Weltraum, wo alles in Zeitlupe passiert, oder? Deshalb auch da - kürzen! Bis der Vogel auftaucht kann ich es noch akzeptieren, dass sie ziemlich viel denkt und noch nicht fällt. Ich bin vor einem Jahr auch schwer gestürzt und man denkt in diesem winzigen Moment tatsächlich ziemlich viel...
Vielleicht fängt sie sich erst ab und entdeckt dann, mit rasendem Puls und gerade dem Tod von der Schippe gesprungen, den Vogel?

Zitat:
Dann war der Moment vorbei, und sie kippte vornüber mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen. Krampfhaft starrte Trish in den Smog. Sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen rostigen Metallstreifen verloren.

Ein Gedanke durchzuckte sie. Die Kickblades! Sie hatte nur einen einzigen Versuch. Reflexartig presste sie die Zehen gegen den ins Kunstleder eingebetteten Schalter, und mit einem Knall stießen die zwei keramischen Klingen aus den Absätzen ihrer Stiefel.


Und wieder: Kürzen. Fallen, Klickblades raus, bäm! In so eine Szene darf ruhig Tempo rein!
Eine technische Frage: Kann Keramik ernsthaft Stahl beschädigen...?

Der Teil, der jetzt folgt, ist mit ähnlichen Herausforderungen gespickt: Es dauert. Der Mast kippt, aber noch nicht, noch nicht ganz. Das Nest rutscht... gleich... fast... Und Adjektive, die manch schönes Bild einfach überladen. Auch da kann ich dir nur raten: Kürzen.
Etwas mehr Tempo. Auch mal kürzere Sätze. Weniger Bilder und Adjektive, aber die dann gut platziert. Das macht die ganze Sache prägnanter, auf den Punkt.

Zitat:
Trish starrte das kleine bisschen zusammengewickelten Draht und Plastik in ihrer Hand an und schluckte. Es war leer.


 Daumen hoch²

Also, ich hatte ziemlich schnell ein Bild von deiner Welt vor meinem inneren Auge. Der Widerspruch von hochtechnisiert, Smog, saurer Regen... zu dem Vogel und seinem Nest gefällt mir gut. Die Basis ist schon da, wie bei einem Bildhauer. Hier und da tut es dem Text sicher gut, zu behauen und zu schleifen, damit ein stimmiges Bild entsteht.
Ich wünsch dir viel Freude beim um- und weiterschreiben!
Yorinde


_________________
Es heißt, das Leben schreibe die besten Geschichten. Hin und wieder sollten wir dem Leben aber auch einen Stift leihen.
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HendrikThomsen
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber

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Beiträge: 16
Wohnort: Guderhandviertel, Niedersachsen


BeitragVerfasst am: 05.10.2017 17:41    Titel: Überarbeitet. pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, ich bin den Text nochmal durchgegangen, und stelle ihn nochmal ein.

Es wäre fantastisch, wenn noch jemand Lust hätte, einen kleinen Kommentar dazu abzugeben.

Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies.

Die Strahlen der Skybeamer wanderten über die Wolken wie über die Felsendecke einer gigantischen Höhle. Zwischen ihnen zogen hunderte von Thoptern, Flugzeugen und Frachtern ihre Bahnen durch die Nacht.

Unten bildete schwermütiger Nebel eine geschlossene Oberfläche, in der die vielfarbigen Halos der Stadt zu einem Meer aus Licht verschwommen.

In der Entfernung durchbrachen die vier Megatürme von Germania Shanghai das Wolkenmeer, umgeben von hunderten kleinerer Gebäude, zwischen denen sich Ströme unzähliger Lichtpunkte hindurch drängten, wie feurige Lava auf einer Vulkaninsel.

Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte?

Trish hakte einen Fuß hinter den knarrenden Antennenmast, griff über sich, und berührte vorsichtig das Lautstärke-Control-Tattoo auf dem Rücken ihrer fest um das raue Stahlrohr geschlossenen Hand.
Ihr Blick wanderte zum eingeblendeten File-tag am unteren Rande ihres Sichtfeldes. Wer auch immer dieser B.thov.n14Moon.lgt sein mochte, er hatte es wirklich drauf. Die sanften Klänge dieser Musik waren anders als alles, was Trish je gehört hatte. Sie berührten etwas in ihrem Inneren, schienen sie in Einklang mit der leichten Brise in wohliger Wärme zu umwogen.

Der Antennenmast vibrierte vom Infraschall eines unter Trish vorbeigleitenden Thopters, und begann ganz leicht hin und her zu schwingen.

Die Szenerie am Horizont strahlte einen tiefen Frieden aus, und Trish überließ sich ganz der Musik, ließ sich von der Bewegung des Mastes in eine angenehme Trance wiegen. Die Melodie hob und senkte sich in sanften Bögen, die im Wallen des Nebels ihre Entsprechung fanden. Der Wind frischte auf, und Trish fühlte sich ganz und gar geborgen, und gleichzeitig frei. Frei wie ein...

Ein Kribbeln lief plötzlich über ihre Hand, und im selben Moment explodierte die Musik zu brutalem Lärm. Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, zog den Arm zurück und wischte mit der linken über ihren Handrücken um den Krach zu stoppen. Der Schmerz ließ augenblicklich nach. In der plötzlichen Stille war nur das Brausen des Windes zu hören. Trish starrte ihre rechte Hand an. Ihr Herz stockte. Sie hatte den Mast losgelassen!

Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.

Trish schnappte nach Luft. Sie drehte den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Verzweifelt suchte ihr Blick irgendetwas, an dem sie sich festhalten konnte. Unter ihr gab es nur den brodelnden Nebel, um sie herum nur dünne Luft, sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen, rostigen Metallstreifen verloren, auf dem sie stand. Der Wind brauste in Trishs Ohren. Dann war der Moment vorbei, und sie kippte mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen.

Ein Gedanke durchzuckte sie. Die Kickblades! Sie presste den Mikroschalter. Mit einem Knall stießen die fiberkeramischen Klingen aus den Absätzen ihrer Stiefel.

Schwerelos. Haltlos. Zu spät.

Ein heftiger Ruck ging durch Trish, als die Kickblades sich in die Trittstufe bohrten. Metall kreischte. Ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen. Dann knallte sie hart gegen den unteren Teil der Antenne, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Blitzschnell schlang sie die Arme darum und krallte sich fest.

Keuchend ließ Trish den Atem entweichen. Sich mit aller Kraft festklammernd hing sie kopfüber an dem schwankenden Rohr. Knapper hätte es nicht sein können. Ihr Puls raste. Sie hob den Blick zu ihren Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen, und beinahe vom Mast abgetrennt. Das Stahlrohr hatte einen tiefen Schnitt abbekommen, und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen.

Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Seine blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Ein echter, lebender Vogel! Konnte das sein? Oder hatte ihr Verstand im Angesicht des Todes ausgesetzt?

Trish schüttelte den Kopf. Das Tier flatterte an der Spitze des Mastes herum. An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Drahtstreben eingeklemmt, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest?
Das Gebilde rutsche bei jeder Schwingung des Mastes hin und her, der sich nun mehr und mehr zur Seite neigte, wie der Sekundenzeiger einer riesigen Uhr.

Trish knurrte wütend. Gerade erst dem Tod entgangen, und noch nicht einmal in Sicherheit, und sie musste sich Gedanken um ein paar blöde Vögel machen. Verrückt. Sie war einfach total verrückt. Bescheuert. Dass sie überhaupt hier oben war, war der beste Beweis. Trish sah am Antennenmast entlang nach unten. Die nächste Trittstufe war in Reichweite. Sie sollte zu ihr herab hangeln, sich aufrichten und sichern können. Kein Problem. Und dann nichts wie weg hier. Auf den Boden der Tatsachen zurück.

Sie sah wieder nach oben. Starrte den Vogel an. Er war klein, zerbrechlich. Und schön. Diese Tiere gehörten hierher, in die Freiheit, in die Luft. Und Trish nicht.

Sie folgte dem Mast mit ihrem Blick. Das Nest rutschte weiter. Wenige Zentimeter noch, und es würde fallen. Nun sah sie den Ursprung der feinen Pieptöne. Ein winziges graues Küken, nicht viel mehr als ein paar aufgeplusterte Federn, klammerte sich an einem Faden fest. Seine Mutter flatterte hilflos umher und gab jämmerliche Rufe von sich. Trish stieg das Blut in den Kopf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Der Wind frischte auf, und die Antenne begann stärker zu schwingen.

Schließlich hing die Mastspitze direkt neben ihr, und einen Moment lang wirkte es, als wäre Trish wieder richtig herum und die Welt stünde Kopf. Sie presste die Beine mit voller Kraft zusammen und löste eine Hand, spürte, wie kalte Luft in die geschundene Haut schnitt. Sie streckte den Arm nach dem Nest aus.

Unten zerfaserte der Wind den Smog, und ließ das Gewirr der Straßen durchscheinen. Der Vogel begann um Trishs ausgestreckte Hand herumzuflattern, hackte nach dem leuchtenden Volume-Control-Tattoo. Die Musik begann wieder zu spielen. Trish schnaufte. „Verpiss Dich, ich will dir helfen, du…“ Sie kniff die Augen zusammen, spannte sich, und griff zu.

Mit einem stumpfen Knacken brach die Spitze der Antenne ab, und stürzte pfeifend dem Erdboden entgegen. Ein scheppernder Glockenschlag ertönte, als sie gegen den Sendeturm prallte.

Trish starrte das kleine Knäuel aus Draht und Plastik in ihrer Hand an und schluckte. Es war leer.
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lengulins
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Beiträge: 28



BeitragVerfasst am: 05.10.2017 19:26    Titel: Antworten mit Zitat

Prinzipiell finde ich den gesamten Text schon mal nicht schlecht. Mir gefallen die Begrifflichkeiten zu Beginn richtig gut und sie bauen die richtige Atmosphäre auf. Als Infodump empfinde ich das nicht.
Zitat:
Die sanften Klänge dieser Musik waren anders als alles, was Trish je gehört hatte.
  klingt irgendwie zu übertrieben...
 
Zitat:
Sie drehte den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus
Warum drehte sie sich?  In meiner Vorstellung steht sie mit dem Bauch zum Mast. Wenn die loslässt, fällt sie m. E. maximal nach hinten.

Mit den Klingen aus den Stiefeln habe ich ebenfalls Probleme: wie auch immer die Klinge aus dem Schuh kommt, von unten oder aus der Seite, sobald sie fällt ist entweder der Schuh kaputt, der Fuß oder die Klinge. Vielleicht könnte ich mich mit einem Magneten zufrieden geben, aber die Klingen lassen mich als Leser grübeln.
Zitat:
Trish knurrte wütend. Gerade erst dem Tod entgangen, und noch nicht einmal in Sicherheit, und sie musste sich Gedanken um ein paar blöde Vögel machen. Verrückt. Sie war einfach total verrückt. Bescheuert. Dass sie überhaupt hier oben war, war der beste Beweis.
  Der Absatz ist mir Zuviel.
Zitat:
Sie kniff die Augen zusammen, spannte sich, und griff zu
. Nicht lieber "dehnte sich" statt "spannte sich"?

VG lengulins
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Bananenbrot
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BeitragVerfasst am: 05.10.2017 19:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hendrik,
vorweg: Ich habe beide Versionen deines Textes gelesen. Die Überarbeitung ist der definitiv gelungen. Yorinde hat ja bereits das Ende der Geschichte und deine Erwähnung von diesem ominösen B.thov.n14Moon.lgt gelobt. Da kann ich mich ihr nur anschließen, hat mir beides gut gefallen. Auch dein Vergleich mit dem Sekundenzeiger und dem umkippenden Antenne funktioniert für mich gut.

An einigen Stellen habe ich mich beim Lesen allerdings immer noch angestoßen. Was das Schreiben von kreativen Texten anbelangt, bin ich auch noch ein Neuling, schau dir also alles auch mit einer gesunden Skepsis an Very Happy

Zur Sache. Mit dem Anfang werde ich einfach nicht warm. Das sind mir immer noch zu viele Bilder, die du mir aufzwingen willst, wodurch ich am Ende gar nichts mehr vor Augen habe.
Mir als Leser würde es erst einmal reichen zu wissen, dass sich unter mir eine Stadt befindet. Vielleicht versuchst du dich dabei erst einmal auf das Wolken- und Lichtspiel zu konzentrieren.
Vieles von den angesprochenen Dingen kommt in deinem Text ja auch später vor und dann auch stärker in die Handlung eingebettet: Der Thopter, der an Trish vorbeifliegt oder der Blick durch die Wolkendecke in die Stadt, wenn Trish am Ende fällt.

Zitat:
Trish schnaufte. „Verpiss Dich, ich will dir helfen, du…“

Das passt für mich nicht rein. Trish hat doch zuvor noch die Schönheit der Vögel bewundert. Jetzt beleidigt sie den Vogel. Klar, sie ist kurz davor, in den Tod zu stürzen und da kann einem so etwas schonmal rausrutschen. Aber so recht passt das nicht zusammen.

Mit den Kickblades kann ich mich übrigens nicht anfreunden, also mit dem Namen nicht dem Konzept hinter den Schuhen.

Zitat:
Der Antennenmast vibrierte vom Infraschall eines unter Trish vorbeigleitenden Thopters, und begann ganz leicht hin und her zu schwingen.

Die Szenerie am Horizont strahlte einen tiefen Frieden aus, und Trish überließ sich ganz der Musik, ließ sich von der Bewegung des Mastes in eine angenehme Trance wiegen. Die Melodie hob und senkte sich in sanften Bögen, die im Wallen des Nebels ihre Entsprechung fanden. Der Wind frischte auf, und Trish fühlte sich ganz und gar geborgen, und gleichzeitig frei. Frei wie ein...

Ein Kribbeln lief plötzlich über ihre Hand, und im selben Moment explodierte die Musik zu brutalem Lärm. Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, zog den Arm zurück und wischte mit der linken über ihren Handrücken um den Krach zu stoppen. Der Schmerz ließ augenblicklich nach. In der plötzlichen Stille war nur das Brausen des Windes zu hören. Trish starrte ihre rechte Hand an. Ihr Herz stockte. Sie hatte den Mast losgelassen!  


Der oberste Absatz sollte m.M.n. in die Mitte. Bis jetzt habe ich die Stelle so verstanden, dass die Musik nur durch Zufall anspringt. Wenn du die Absätze tauscht, suggerierst du, dass der Thopter womöglich etwas damit zu tun haben könnte. Das regt den Leser zum nachdenken und phantasieren, gestaltet die Szene spannender und macht es weniger zufällig.
Da kannst du ja mal ein wenig herumprobieren.

Das ist erst einmal alles. Ein paar überflüssige Adjektive sind mir zwar noch aufgefallen und würde ich den einen oder anderen Satz ein wenig umformulieren aber es soll ja schließlich dein Text bleiben. Deshalb lass ich die Finger davon weg Very Happy

Ich hoffe, mit dem einen oder anderen kannst du etwas anfangen.
Auf jeden Fall so weiter machen. Klasse Fortschritt.

Lieben Gruß
Bananenbrot
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Alufolie
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Beiträge: 58
Wohnort: Leverkusen


BeitragVerfasst am: 06.10.2017 17:02    Titel: Antworten mit Zitat

Recht viele Adjektive...
Aber sonst,- schöner Text. Hat mir wirklich gut gefallen. Das war eine der wenigen Leseproben, die ich wirklich gerne zu Ende gelesen habe.
Schon jetzt hatte ich ein klares Bild von der Situation und ich bin neugierig, wie es weiter geht.
 Daumen hoch
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HendrikThomsen
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BeitragVerfasst am: 06.10.2017 18:48    Titel: Und wie ist es jetzt? pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, ich bin nochmal drübergegangen, und hab wieder einige Anpassungen vorgenommen.

Ich habe auch verstanden, dass es gar nicht klar rüberkam, warum Trishs Musikplayer auf einmal verrückt spielte.
Damit geht ja der halbe Gag verloren... Embarassed

Ich denke, so werde ich es erst einmal stehen lassen, und mich an die nächste Szene machen. Wenn das erste Kapitel irgendwann fertig ist, gehe ich ohnehin alles nochmal von vorne durch. Und dann nocheinmal. Wink
Ich habe die Änderungen größtenteils farblich markiert.

Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies.

Die Strahlen der Skybeamer wanderten über die Wolken wie über die Felsendecke einer gigantischen Höhle. Zwischen ihnen zogen hunderte von Thoptern, Flugzeugen und Frachtern ihre Bahnen durch die Nacht.
 
Dichter Nebel lag über der Stadt. Von unzähligen Lichtern durchglüht wogte er schwermütig wie die Oberfläche eines Sees. Am Horizont ragten die vier Megatürme von Germania Shanghai auf, umgeben von einem Hofstaat aus hunderten kleinerer Gebäude. Sie wirkten fast wie Vulkaninseln, die unzähligen Lichtpunkte der Verkehrsadern krochen wie Lavaströme um sie her.

Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte?

Trish lehnte sich gegen den knarrenden Antennenmast und berührte vorsichtig das Lautstärke-Control-Tattoo auf ihrer rechten Hand, die fest um das Stahlrohr in ihrem Rücken geschlossen war.

Ihr Blick wanderte zum eingeblendeten File-tag am unteren Rande ihres Sichtfeldes. Wer auch immer dieser B.thov.n14Moon.lgt sein mochte, er hatte es wirklich drauf. Diese Musik war anders als alles, was Trish je gehört hatte. Sie berührte etwas in ihrem Inneren, schien sie in Einklang mit der leichten Brise in wohliger Wärme zu umwogen.

Der Antennenmast vibrierte vom Infraschall eines unter Trish vorbeigleitenden Thopters, und begann ganz leicht hin und her zu schwingen.
 
Trish ließ sich von der Bewegung in eine angenehme Trance wiegen, und überließ sich ganz der Musik. Die Szenerie vor ihr strahlte einen tiefen Frieden aus. Die Melodie hob und senkte sich in sanften Bögen, die im Wallen des Nebels ihre Entsprechung fanden. Der Wind frischte auf, und Trish fühlte sich ganz und gar geborgen, und gleichzeitig frei. Frei wie ein...
 
Ein Kribbeln lief plötzlich über ihre Hand, und im selben Moment explodierte die Musik zu brutalem Lärm. Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, und wischte mit der linken über ihren Handrücken um den Krach zu stoppen. Der Schmerz ließ augenblicklich nach. Was zum Teufel war los mit dem Ding? In der plötzlichen Stille war nur das Brausen des Windes zu hören. Trish starrte ihre rechte Hand an. Ihr Herz stockte. Sie hatte den Mast losgelassen!
 
Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.

Trish schnappte nach Luft. Sie drehte den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Verzweifelt suchte ihr Blick irgendetwas, an dem sie sich festhalten konnte. Unter ihr gab es nur den brodelnden Nebel, um sie herum nur dünne Luft, sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen, rostigen Metallstreifen verloren, auf dem sie stand. Es rauschte in Trishs Ohren. Dann war der Moment vorbei, und sie kippte mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen.

Ein Gedanke durchzuckte sie. Die Kickblades! Sie presste den Mikroschalter. Mit einem Knall stießen die fiberkeramischen Klingen aus den Absätzen ihrer Stiefel.
 
Schwerelos. Haltlos. Zu spät.

Ein heftiger Ruck ging durch Trishs Wirbelsäule, als die Kickblades sich in die Trittstufe bohrten. Metall kreischte, und ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen. Dann knallte sie hart gegen den unteren Teil der Antenne. Blitzschnell schlang sie die Arme um den Mast und krallte sich fest. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Keuchend ließ Trish den Atem entweichen. Sich mit aller Kraft festklammernd hing sie kopfüber an dem schwankenden Rohr. Knapper hätte es nicht sein können. Ihr Puls raste. Sie hob den Blick zu ihren Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen, total verbogen und beinahe vom Mast abgetrennt. Das Stahlrohr hatte einen tiefen Schnitt abbekommen, und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen.

Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Seine blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Ein echter, lebender Vogel! Konnte das sein? Oder hatte ihr Verstand im Angesicht des Todes ausgesetzt?

Trish schüttelte den Kopf. Das Tier flatterte an der Spitze des Mastes herum. An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Drahtstreben, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest?

Das Gebilde baumelte an dem schwingenden Mast, der sich nun mehr und mehr zur Seite neigte, wie der Sekundenzeiger einer riesigen Uhr.

Plötzlich rutschte Trish ab, und die raue Oberfläche der Stange schrammte durch ihre Hände. Sie krampfte sich zusammen, um wieder Halt zu bekommen. Brennender Schmerz breitete sich aus und kroch Trishs Unterarme hinauf. Sie sah nach oben. Die Kickblades lösten sich. Sie waren nicht dafür gedacht, sich irgendworan fest zu halten, und schon gar nicht, Trishs ganzes Gewicht zu tragen.
 
Trish verfluchte sich für ihre Unkonzentriertheit.
Gerade erst dem Tod entronnen, noch nicht einmal in Sicherheit, und sie machte sich Gedanken um ein paar kleine Vögel. Anscheinend wurde sie so langsam endgültig Verrückt. Trish peilte am Antennenmast entlang nach unten. Die nächste Trittstufe war in Reichweite. Sie sollte zu ihr herabhangeln, sich aufrichten und sichern können. Kein Problem. Und dann nichts wie weg hier. Auf den Boden der Tatsachen zurück.

Sie sah wieder nach dem Vogel. Er war klein, zerbrechlich. Und schön. Diese Tiere gehörten hierher, in die Freiheit, in die Luft. Und Trish nicht.
Sie folgte dem Mastende mit ihrem Blick. Das Nest rutschte weiter. Wenige Zentimeter noch, und es würde abfallen. Nun konnte sie darin ein winziges graues Küken erkennen, nicht viel mehr als ein paar aufgeplusterte Federn, klammerte es sich an einem Faden fest. Seine Mutter flatterte hilflos umher und gab klägliche Rufe von sich. Das Blut pochte in Trishs Kopf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Der Wind frischte auf, und die Antenne begann stärker zu schwingen.

Schließlich hing die Mastspitze direkt neben ihr, und einen Moment lang wirkte es, als wäre Trish wieder richtig herum und die Welt stünde Kopf. Sie presste die Beine mit voller Kraft zusammen und löste eine Hand, spürte, wie kalte Luft in die geschundene Haut schnitt. Sie streckte den Arm nach dem Nest aus.
 
Der Vogel flatterte auf Trishs ausgestreckte Hand zu, und begann, nach dem leuchtenden Volume-Control-Tattoo zu hacken. Irgendwas daran schien ihn aggressiv zu machen. Vielleicht die Farbe?  Trish wedelte mit der Hand, aber der Vogel ließ nicht davon ab, seine Brut zu verteidigen. Die Musik begann wieder zu spielen, und bei jedem Treffer des kleinen Schnabels änderte sich die Lautstärke.
 
"DU warst das! Ahh, hör auf, du… Ich versuche grade, dir zu helfen! Hey!“  Tief unten zerfaserte der Wind den Smog, und das Gewirr der Straßen schien hindurch. Das Nest hing nur noch an einem winzigen Zipfel. Trish schnaufte. Sie kniff die Augen zusammen, streckte sich, und griff zu.


Mit einem stumpfen Knacken brach die Spitze der Antenne ab, und stürzte pfeifend dem Erdboden entgegen. Ein scheppernder Gongschlag ertönte, als sie gegen den Sendeturm prallte.
 
Trish starrte das kleine Knäuel aus Draht und Plastik in ihrer Hand an und schluckte. Es war leer.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 08.10.2017 23:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo HendrikThomsen,

gerade gelesen (nur die letzte Version), gefällt mir gut. Ich liebe Cyberpunk, kann mir nicht helfen. Die Stimmung oben auf dem Turm ist gut eingefangen und die Welt wirkt, auch wenn wir noch nicht viel davon gesehen haben, sehr schön gezeichnet. Nur über eine Sache bin ich gestolpert:

Zitat:
Ein heftiger Ruck ging durch Trishs Wirbelsäule, als die Kickblades sich in die Trittstufe bohrten. Metall kreischte, und ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen. Dann knallte sie hart gegen den unteren Teil der Antenne.
Wenn die Füße festgepinnt werden und sie dann nach hinten kippt und Kopfüber hängt, müsste sie sich nach meinem Anatonieverständnis beide Fußgelenke gebrochen haben. Oder stelle ich mir das falsch vor?

Davon könnte ich durchaus mehr lesen. Hast du vor, irgendwann mal eine AG für das Buch aufzumachen? ich wäre wohl dabei (auch wenn mich eine innere Stimme gerade daran erinnert, dass ich schon in 6 AGs bin und nur begrenzt Zeit habe…)

Danke für deinen Einstand, sehr gerne gelesen.
Willkommen im Forum,
Veith


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HendrikThomsen
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BeitragVerfasst am: 09.10.2017 09:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für den Hinweis!

Der Nachteil lässt sich, glaube ich, in einen Vorteil verwandeln:

"Keuchend ließ Trish den Atem entweichen. Mit aller Kraft klammerte sie sich kopfüber an das schwankende Rohr. Knapper hätte es nicht sein können. Ihr Puls raste. Sie hob den Blick zu ihren schmerzenden Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen. Hätte das marode Material nicht nachgegeben, und sich bei ihrem Sturz fast vollständig vom Mast abgeschält, hätte Trish sich jetzt beide Knöchel gebrochen.

Das Stahlrohr hatte einen tiefen Riss,
und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen."


Über eine AG werde ich auf jeden Fall nachdenken, wenn ich ein paar mehr Beiträge angesammelt habe... Cool
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Michel
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BeitragVerfasst am: 09.10.2017 14:15    Titel: Antworten mit Zitat

Den Thopter habe ich beim zweiten Lesen erst mal nachgeschlagen. Schwingenflugzeug also ... egal, der Name hat mich eingefangen, das klang so SciFi-das musste ich lesen.

Die Szene sehe ich vor mir und bleibe noch an Details hängen, ohne sie greifen zu können. Der kippende Antennenmast, das Küken, das leere Nest - ich habe mich dabei ertappt, mich an die Maus zu krallen. Armer Vogel. Schon komisch, aber der Tierschutzverein bekommt, glaube ich, auch mehr Spenden als der Kinderschutzbund.

Zurück zum Bild: Die Türme in der Ferne, die Wolkendecke (das Bild vom schwermütigen See finde ich etwas schräg, als wäre jeder See schwermütig), das ist wie ein Filmanfang in der Totalen, der ganz allmählich auf die Protagonistin zoomt. Personale Perspektive sicher gehalten. Ich frage mich: Was tut sie auf der Antenne? Hunderte Meter und sicher vebotenerweise hochgeklettert, um die Mondscheinsonate zu hören? Du machst mich neugierig auf die Fortsetzung. Sprachliche Unschärfen oder Stolperpunkte lassen sich in der Überarbeitung noch ausbügeln. Bin und bleibe gespannt.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 09.10.2017 21:00    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich frage mich: Was tut sie auf der Antenne? Hunderte Meter und sicher vebotenerweise hochgeklettert, um die Mondscheinsonate zu hören?
Warum nicht? Erinnerte mich total an einen früheren Rollenspiel-Charakter meiner Frau, der immer auf einem Funkturm auf Gebagia-Prime gesessen hat, um der Hektik des vollständig urbanen Planeten zu entkommen. Da musste es zum Runterkommen dann aber der Basejump-Schirm sein.
Für mich ist eine auf einem Sendeturm sitzende Person seitdem archetypisch mit dem Genre verbunden. Das Bild hat mich also gleich reingezogen.


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HendrikThomsen
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BeitragVerfasst am: 11.10.2017 22:22    Titel: NEON DISEASE Kapitel 1 Szene 2 (Science Fiction) pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, einige Tage sind vergangen, und ich habe eine zweite Szene soweit, dass ich sie der knallharten Kritik des Forums aussetzen möchte.

Ich habe schon eine Weile daran herumgefeilt, aber ich habe wenig Erfahrung mit Dialogen. Vor allem was die nonverbale Kommunikation angeht, da fehlen mir oft die Ideen.

Es ist die zweite Szene der Geschichte, in der wir wieder eine Hauptfigur kennenlernen.

Bin gespannt, was Euch dazu einfällt:

Die zwei Container chinesischen Coca-Ales waren längst leer, die Musik verstummt, die Party gelaufen. Aber Tyson machte immer noch keine Anstalten, abzuhauen. Er hob die Flasche, an der er sich schon seit mindestens zwanzig Minuten festhielt, und prostete Zagg zum x-ten Mal zu. „Happy Birthday, Laoban!“

Zagg nickte ihm säuerlich zu, und ließ seinen Blick über den Vorplatz der Müllverbrennungsanlage gleiten. Die Partygäste waren weitergezogen, die Kids hatten sich zu ihrem Schlafplatz hinter den Lura-Küchen geschleift. Nur Tyson nicht. Er schien noch auf irgendwas zu warten. Zagg verdrehte die Augen. Der Junge sah so lächerlich aus… behängte sich mit allem möglichen Müll, als wäre es Schmuck. Abgerissene Kabel, Stücke von Holofolien, Platinen- Gott weiß, was noch.
 
Tyson betrachtete die Smogschwaden, die von der Hitze der Feuertonnen nach oben getragen wurden. Dann erhob er sich betont lässig von seinem Reifenstapel und kam auf Zagg zu. Er versuchte, cool dabei auszusehen. Es gelang ihm nicht. „Na, Zagg, wie läuft’s? Geile Party, oder?“

Zagg runzelte die Stirn. „Hmm. Is dann auch vorbei jetzt. Willst nich auch langsam Chong gehen?“ Tyson schüttelte den Kopf, dass seine Dreadlocks flogen. „Wieso? Is doch noch früh! Können doch noch feiern! Weißt du, was ich mit den Kids neulich abgezogen hab? Krasses Ding!“
 
Zagg seufzte. Nicht schon wieder. „Pass auf, also wir waren am Plutos Corner, ne? Haben Boxbots abgecheckt. Da kommt so ‘ne megaheiße Tussi anstolziert, komplett in Corps-Uniform. Die dachte wohl, die Abzeichen halten ihr die Gangs vom Leib. Und ich hatte so’n Gefühl, dass sie keine Phero-Filter drin hatte. Ich sag also zu Churro: alter, schnack sie an! Ich lass meinen Steamer blubbern, und er zieht seine Bettel-Nummer durch…“
 
Zagg seufzte. Heute Abend hatte Zagg noch weniger Bock auf Tysons Heldenstorys als sonst. Trish war gleich zu Anfang der Party abgehauen, und noch immer nicht zurück. Was ihre „kleine Überraschung“ auch sein mochte, es konnte unmöglich so lange dauern, sie zu holen…

„…und sie so: ‚Wollt ihr mir irgendwas verkaufen?‘ Verkaufen! Alter! Die hatte total keinen Plan, ließ sich voll einlullen. Aber ich gleich: Klar! Wir haben ‘ne ganze Kiste Cigliq gefunden, neueste Sorte! Wenn du uns kurz folgen würdest…“

Wo blieb sie nur? Wenn sie in Schwierigkeiten war… Zagg atmete tief durch. Auf dem Platz stank es nach verbranntem Gummi. Nein, Trish konnte auf sich aufpassen. Und Zagg hatte ihr vernünftiges Spielzeug besorgt. Es sei denn, sie steckte in wirklich großen Schwierigkeiten…
 
„…Achthundert Yits! Auf einen Schlag! Und die Kleine war nicht hässlich, sag ich dir. Wenn sie nicht Taser-Skin getragen hätte… Ey, Laoban, hörst Du mir noch zu?“
 
Zagg blinzelte. „Hmm? Ja… Habt ihr gut gemacht. Guter Job…“ Tyson schnaufte. „Wieso ‚ihr‘? Ich hab das allein durchgezogen! Die anderen haben nur ein bisschen geholfen. Churro meinte, von mir kann man an einem Abend mehr lernen, als von den andern Jungs in einer Woche. Hab ihm gezeigt, wie man die T7x aufkriegt. Hat Talent, der Kleine.“
 
Tyson sah Zagg auffordernd an. „Ich hab’s ganz schön drauf, oder? Vom letzten Ding hab ich dein Geschenk bezahlt.“ Er nickte in Richtung der Ale-Container, die er zur Feier des Tages besorgt hatte. Eine große Einundzwanzig war darauf gesprayt. Zagg hatte fast nichts angerührt. Tyson nahm einen Zug aus der Flasche und bleckte die schiefen Zähne. Er war erst vierzehn, aber man sah ihm das Leben im Sumpf deutlich an.
 
Zagg stand auf und klopfte Tyson auf die Schulter. „Ja, nicht übel. Wirklich. Aber jetzt solltest Du trotzdem langsam Chong gehen, oder? Danke für das Ale.“ Er musterte die Umrisse der stillgelegten Fabrik. Die Schlote reckten sich in den Himmel wie Finger einer Riesenhand. Noch immer kein Anzeichen von Trish. Vielleicht sollte er nach ihr suchen gehen.
 
„Also, Ich denke, ich wäre soweit, mal bei ner richtigen Sache einzusteigen. Der Kinderkram wird mir allmählich zu einfach.“
Zagg kniff die Augen zusammen. Konnte der Kleine ihn nicht endlich in Ruhe lassen? Tyson beugte sich näher heran und senkte die Stimme. „Sag mal, Du hast nicht zufällig nen Solo geplant oder? Ich verrat‘s auch nich!“
 
Zagg musterte den Jungen. „Das ist nicht dein Ernst.“ Tyson schob die geborstene Datenbrille auf die Stirn, die ihm immer wieder vor die Augen rutschte, und setzte eine Verschwörermine auf. „Ja, ich weiß, was ihr den Kids immer erzählt. Jeder passt auf den anderen auf, kein Risiko, und so. Aber ich bin kein Kind mehr. Ich hab’s drauf. Also, läuft was? Echt, ich behalt‘s für mich!“

Zagg schüttelte langsam den Kopf. „Nein, hab ich nicht. Und wenn, würde ich dich nicht mitnehmen.“ Tyson ließ die Schultern hängen. „Ey, Mann, warum nicht? Ich sag dir, ich pack das! Sogar Onion durfte schon mal mitziehen!“

Zagg stöhnte und drehte sich weg. Nicht das schon wieder! Tyson tanzte um ihn herum und suchte seinen Blick. Zagg machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das mit Onion war ein riesen Fehler! Ich konnte nicht auf ihn aufpassen, dass hat er teuer bezahlt.“ Tyson schlug sich mit der Hand auf die Brust. „Ich kann auf mich selbst aufpassen!“
 
Jetzt reichte es Zagg. Er stieß Tyson gegen die Schulter, dass er ein paar Schritte zurücktaumelte, und streckte ihm wütend den Zeigefinger entgegen. Tyson hob beschwichtigend die Hände. „Who! Alles gut, Laoban, chill!“
 
Zagg schnaufte. „Du bist kein Kind mehr? Dann gewöhn dich daran, dass das Leben kein Spielplatz ist! Ich nehm keinen auf ein Solo mit! Weder Dich, noch sonst irgend jemand! Onion hat so ne fette Ladung abgekriegt, dass sein Anteil ab jetzt komplett für die Medizin draufgeht. Er kann nicht mal mehr Plasma verticken, weil sein Knochenmark vom TSurex aufgefressen wird!“
 
Zagg ließ ein paar Atemzüge verstreichen. „Bleib bei deinem Share! Der Share hält dich am Leben! Jeder kriegt seinen Anteil, und wenn du darauf aufpasst, und ihn nicht für irgendwelchen Scheiß verpulverst,“ - sein Blick huschte kurz zu Tysons Flasche - „kommst du damit perfekt klar!“
Erst war Tyson nur enttäuscht gewesen. Jetzt stand ihm der Zorn ins Gesicht geschrieben. Sein Atem erzeugte Dampfschwaden in der kalten Luft. „Du behandelst mich wie ein kleines Kind! Dabei hab ich diese Woche mehr angeschleppt als alle Kids zusammen!“

Zagg konnte den Jungen eigentlich nur zu gut verstehen. Alle Orphs hielten das Leben am Anfang für ein großes Abenteuer. Skycars fleddern, Cops verarschen, Prolos abziehen. Er und Trish waren schnell gut darin geworden. Aber es hatte nicht lange gedauert, bis ihnen die Wirklichkeit ins Gesicht geschlagen hatte. Gangs, Drogen, Prostitution, Mord, Organhandel, Sklaverei… Und je besser man das Spiel mitspielte, desto rasanter war die Fahrt. Kein Wunder, dass die Kids darauf abfuhren. Zagg drehte sich um, und kickte ein verrostetes Blechteil weg. „Vergiss es, Tyson! Geh´ Chong! Keine Solos.“ Er seufzte.
  
Tyson rotzte schwungvoll auf den Boden. „Du denkst, du wärst so schlau! Ich weiß, wie es in der Welt läuft! Ich bin erwachsen! Du hast nur keinen Bock, die fette Kohle mit jemand anderem zu teilen!“
 
Zagg stöhnte. „So ein Bullshit! Was für fette Kohle denn? Wenn ich so ein Risiko eingehe, dann deswegen, weil ich das Geld dringend brauche! Weil ich nichts mehr habe!“ Tyson feixte mit der Flasche in der Hand. „Und weil Du grade genug hast, und gar nix ausbrütest, hängst du noch stundenlang alleine hier rum.“

Zagg hatte nicht die geringste Lust, sich vor dem pubertären Kid rechtfertigen zu müssen. Aber vielleicht gab er dann endlich Ruhe. „Trish hat noch ‘ne Überraschung für mich, und ich warte. Sonst wär‘ ich auch längst weg.“

Ein dreckiges Grinsen blitzte in Tysons dunklem Gesicht auf. „Ah, verstehe! Noch ‘ne kleine Geburtstagsüberraschung vom Fräulein! Na denn viel Spaß dabei, Geburtstagskind!“ Tyson spuckte aus und trollte sich endlich in Richtung Lura-Küche davon.
 
„Hey, pass auf, was du von dir gibst, Kleiner! Sie ist meine Schwester!“ Zagg kickte einen Haufen Staub hinter ihm her. Aus der Nacht tönte ein verächtliches Schnauben. Zagg seufzte. Sollte Tyson sich denken was er wollte, Hauptsache, er zog endlich ab. Wo, verdammt noch mal, trieb Trish sich nur die ganze Zeit rum?

Von hinten näherten sich knirschende Schritte. Zagg atmete auf. „Da bist du ja…“ Er drehte sich um. Es war Tyson. Schon wieder. Zagg verdrehte die Augen. „Was noch?!“

Tysons Blick war eine Mischung aus Stolz und Trotz. „Nur für den Fall, dass du doch was ausbrütest, Zagg. Ich hätte im Tausch gegen ’ne kleine Beteiligung auch was anzubieten, nen Kontakt.“ Er beugte sich vor. „Ich weiß, dass grade ein richtig, also richtig megafetter Finderlohn ausgesetzt ist. Richtig fett! So’n abgefuckter Cyborg hat was im Sumpf verloren.“ Er räusperte sich, und machte ein aufforderndes Gesicht.

Zagg schüttelte ungläubig den Kopf. „Finderlohn? Willst Du mich verarschen? Hier unten bleibt nichts von Wert lange liegen, wenn’s überhaupt den Boden berührt. Und außerdem… Brüte Ich Verdammt Nochmal Nichts Aus! Klar?“

Tyson stand einige Sekunden da und wippte auf den Füßen, als hoffe er, dass Zagg sich im letzten Moment doch noch anders entscheiden würde. Schließlich schnaubte er wütend und warf die Hände in die Luft.  „Wie du meinst, Zagg, dann eben nicht!“ Dann wirbelte er herum, und stampfte ins Dunkel.
 
Als Zagg sich wieder zum Feuer umdrehte, blickte er direkt in das strahlende Gesicht von Megabash.
 
„Whaa...“ Zagg machte einen Schritt zurück. Neon-gelbe Augen leuchteten groß wie Untertassen, und darunter grinste ihn ein monströs verzerrter knall pinker Comicmund an. „Hey, Zolvan! Warum so schreckhaft? Bist Du nicht auf der Hut?“

Zagg atmete aus. „Trish! Was soll der Quatsch? Wie alt bist Du? Mach das aus!“

Der Comicmund ließ die Mundwinkel hängen. „Zolvan the Ghost ist schlecht drauf? Kein Abenteuer in Night City?“
 
Zaggs Gesicht wurde heiß. „Hör auf mit dem Kinderkram! Nenn mich nicht so!“ Er sah sich verstohlen um. Wenn Tyson das mitbekommen hatte… Warum musste sie immer so verdammt albern sein…

Trish zuckte mit den Schultern, und wischte sich über den Unterarm. Das Holo-Tatt-Makeup verblasste. Sie warf einen Blick über Zaggs Schulter. „Was wollte Tyson? Hatte er wieder einen von seinen Anfällen?“

Zagg sah sich um. „So ähnlich. Wo warst Du die ganze Zeit? Ich dachte, Du wolltest nur kurz was holen?“
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azareon35
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BeitragVerfasst am: 11.10.2017 23:17    Titel: Re: Und wie ist es jetzt? Antworten mit Zitat

Heyo Hendrik,

dann will ich auch mal etwas Kritik üben. Ist alles nur meine persönliche Meinung, nimm dir, was du gebrauchen kannst. Ich beziehe mich auf die neuste Version.
HendrikThomsen hat Folgendes geschrieben:


Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies.

Die Strahlen der Skybeamer wanderten über die Wolken wie über die Felsendecke einer gigantischen Höhle. Den Vergleich finde ich seltsam, jetzt denke ich, dass die Gebäude vom Himmel zum Erdboden hängen. Zwischen ihnen zogen hunderte von Thoptern, Flugzeugen und Frachtern ihre Bahnen durch die Nacht.
 
Dichter Nebel lag über der Stadt. Von unzähligen Lichtern durchglüht wogte er schwermütig wie die Oberfläche eines Sees. Am Horizont ragten die vier Megatürme von Germania Shanghai auf, umgeben von einem Hofstaat aus hunderten kleinerer Gebäude. Sie wirkten fast wie Vulkaninseln, die unzähligen Lichtpunkte der Verkehrsadern krochen wie Lavaströme um sie her. Du hast da zweimal diese Lichtsimiles hintereinander, das wirkt überladen. Entscheide dich für eines und streich das andere.

Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte? Die Frage macht die Stimmung kaputt. Du arbeitest weiter unten mit Satzfragmenten, das würde sich hier auch gut machen. Widerlich. Giftig. Ätzend. Wunderschön.

Trish lehnte sich gegen den knarrenden Antennenmast und berührte vorsichtig das Lautstärke-Control-Tattoo auf ihrer rechten Hand, die fest um das Stahlrohr in ihrem Rücken geschlossen war.

Ihr Blick wanderte zum eingeblendeten File-tag am unteren Rande ihres Sichtfeldes. Wer auch immer dieser B.thov.n14Moon.lgt sein mochte, er hatte es wirklich drauf. Diese Musik war anders als alles, was Trish je gehört hatte. Ehh... das ist zu vage. Hier braucht es eine konkrete Idee. Vielleicht Sie versetzte Trish mitten in die Ruinen von Tschernobyl oder so was in der Art. Sie berührte etwas in ihrem Inneren, schien sie in Einklang mit der leichten Brise in wohliger Wärme zu umwogen.

Der Antennenmast vibrierte vom Infraschall eines unter Trish vorbeigleitenden Thopters, und begann ganz leicht hin und her zu schwingen. wurde in leichte Schwingungen versetzt.
 
Trish ließ sich von der Bewegung in eine angenehme Trance wiegen, und überließ sich ganz der Musik. Die Szenerie vor ihr strahlte einen tiefen Frieden aus. Die Melodie hob und senkte sich in sanften Bögen, die im Wallen des Nebels ihre Entsprechung fanden. Der Wind frischte auf, und Trish fühlte sich ganz und gar geborgen, und gleichzeitig frei. Das ist schon viel konkreter. Frei wie ein...
 
Ein Kribbeln lief plötzlich über ihre Hand, und im selben Moment explodierte die Musik zu brutalem Lärm. Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, und wischte mit der linken über ihren Handrücken um den Krach zu stoppen. Der Schmerz ließ augenblicklich nach. Was zum Teufel war los mit dem Ding? In der plötzlichen Stille war nur das Brausen des Windes zu hören. Trish starrte ihre rechte Hand an. Ihr Herz stockte. Sie hatte den Mast losgelassen!
 
Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.

Trish schnappte nach Luft. Sie drehte den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Verzweifelt suchte ihr Blick irgendetwas, an dem sie sich festhalten konnte. Unter ihr gab es nur den brodelnden Nebel, um sie herum nur dünne Luft, sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen, rostigen Metallstreifen verloren, auf dem sie stand. Es rauschte in Trishs Ohren. Dann war der Moment vorbei, und sie kippte mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen.
Ihr Absturz geschieht viel zu langsam. Wenn sie sich nicht festhält, dann reicht ein Windstoß und sie hat gerade noch Zeit für ein Ya-ha-ha-hoooey! während sie in Richtung Erdboden rast.


Ein Gedanke durchzuckte sie. Die Kickblades! Sie presste den Mikroschalter. Mit einem Knall stießen die fiberkeramischen Klingen aus den Absätzen ihrer Stiefel.
 
Schwerelos. Haltlos. Zu spät.

Ein heftiger Ruck ging durch Trishs Wirbelsäule, als die Kickblades sich in die Trittstufe bohrten. Metall kreischte, und ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen. Dann knallte sie hart gegen den unteren Teil der Antenne. Blitzschnell schlang sie die Arme um den Mast und krallte sich fest. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Keuchend ließ Trish den Atem entweichen. Sich mit aller Kraft festklammernd hing sie kopfüber an dem schwankenden Rohr. Knapper hätte es nicht sein können. Ihr Puls raste. Sie hob den Blick zu ihren Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen, total verbogen und beinahe vom Mast abgetrennt. Das Stahlrohr hatte einen tiefen Schnitt abbekommen, und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen.

Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Seine blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Ein echter, lebender Vogel! Konnte das sein? Oder hatte ihr Verstand im Angesicht des Todes ausgesetzt?

Trish schüttelte den Kopf. Das Tier flatterte an der Spitze des Mastes herum. An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Drahtstreben, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest?

Das Gebilde baumelte an dem schwingenden Mast, der sich nun mehr und mehr zur Seite neigte, wie der Sekundenzeiger einer riesigen Uhr.

Plötzlich rutschte Trish ab, und[color=red]. Die raue Oberfläche der Stange schrammte durch ihre Hände. Sie krampfte sich zusammen, um wieder Halt zu bekommen. Brennender Schmerz breitete sich aus und kroch Trishs Unterarme hinauf. Sie sah nach oben. Die Kickblades lösten sich. Sie waren nicht dafür gedacht, sich irgendworan fest zu halten, und schon gar nicht, Trishs ganzes Gewicht zu tragen.
 
Trish verfluchte sich für ihre Unkonzentriertheit. Träumerei.[/color] Gerade erst dem Tod entronnen, noch nicht einmal in Sicherheit, und sie machte sich Gedanken um ein paar kleine Vögel. Anscheinend wurde sie so langsam endgültig Verrückt. Trish peilte am Antennenmast entlang nach unten. Die nächste Trittstufe war in Reichweite. Sie sollte zu ihr herabhangeln, sich aufrichten und sichern können. Kein Problem. Und dann nichts wie weg hier. Auf den Boden der Tatsachen zurück. Denkt sie das?
Sie sah wieder nach dem Vogel. Er war klein, zerbrechlich. Und schön. Diese Tiere gehörten hierher, in die Freiheit, in die Luft. Und Trish nicht.
Sie folgte dem Mastende mit ihrem Blick. Das Nest rutschte weiter. Wenige Zentimeter noch, und es würde abfallen. Nun konnte sie darin ein winziges graues Küken erkennen, nicht viel mehr als ein paar aufgeplusterte Federn, klammerte es sich an einem Faden fest. Seine Mutter flatterte hilflos umher und gab klägliche Rufe von sich. Das Blut pochte in Trishs Kopf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Der Wind frischte auf, und die Antenne begann stärker zu schwingen.

Schließlich hing die Mastspitze direkt neben ihr, und einen Moment lang wirkte es, als wäre Trish wieder richtig herum und die Welt stünde Kopf. Sie presste die Beine mit voller Kraft zusammen und löste eine Hand, spürte, wie kalte Luft in die geschundene Haut schnitt. Sie streckte den Arm nach dem Nest aus.
 
Der Vogel flatterte auf Trishs ausgestreckte Hand zu, und begann, nach dem leuchtenden Volume-Control-Tattoo zu hacken. Irgendwas daran schien ihn aggressiv zu machen. Vielleicht die Farbe?  Trish wedelte mit der Hand, aber der Vogel ließ nicht davon ab, seine Brut zu verteidigen. Die Musik begann wieder zu spielen, und bei jedem Treffer des kleinen Schnabels änderte sich die Lautstärke.
 
"DU warst das! Ahh, hör auf, du… Ich versuche grade, dir zu helfen! Hey!“  Tief unten zerfaserte der Wind den Smog, und das Gewirr der Straßen schien hindurch. Das Nest hing nur noch an einem winzigen Zipfel. Trish schnaufte. Sie kniff die Augen zusammen, streckte sich, und griff zu.


Mit einem stumpfen Knacken brach die Spitze der Antenne ab, und stürzte pfeifend dem Erdboden entgegen. Ein scheppernder Gongschlag ertönte, als sie gegen den Sendeturm prallte.
 
Trish starrte das kleine Knäuel aus Draht und Plastik in ihrer Hand an und schluckte. Es war leer.[/justify]


Vorneweg: bitte lass diese Leerzeilen weg. Mich reisst das ziemlich aus dem Lesefluss. Einfach ein ganz normaler Fliesstext.

Abgesehen von dem, was ich im Text anmerkte, was zum Geier macht Trish da oben auf der Antenne? Eine kurze Bemerkung im Text dahingehend wäre hilfreich.

Die Cyberpunkstimmung ist dir auf jeden Fall gelungen.

MfG
Azareon


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BeitragVerfasst am: 12.10.2017 00:39    Titel: Re: NEON DISEASE Kapitel 1 Szene 2 (Science Fiction) Antworten mit Zitat

Heyo Hendrik,

dann will ich mal die nächste Szene kritisieren. Ist alles nur meine persönliche Meinung, nimm dir, was du gebrauchen kannst. Und lass bitte diese Leerzeilen weg Cool

HendrikThomsen hat Folgendes geschrieben:

Die zwei Container chinesischen Coca-Ales waren längst leer, die Musik verstummt, die Party gelaufen. Aber Tyson machte immer noch keine Anstalten, abzuhauen. Er hob die Flasche, an der er sich schon seit mindestens zwanzig Minuten festhielt, und prostete Zagg zum x-ten Mal zu. „Happy Birthday, Laoban!“

Zagg nickte ihm säuerlich zu, und ließ seinen Blick über den Vorplatz der Müllverbrennungsanlage gleiten. Die Partygäste waren weitergezogen, die Kids hatten sich zu ihrem Schlafplatz hinter den Lura-Küchen geschleift. Nur Tyson nicht. Er schien noch auf irgendwas zu warten. Zagg verdrehte die Augen. Der Junge sah so lächerlich aus… behängte sich mit allem möglichen Müll, als wäre es Schmuck. Abgerissene Kabel, Stücke von Holofolien, Platinen und Gott weiß, was noch. Hier verschenkst du die Chance, den üblichen Argot deines Settings zu verwenden. Derzeit klingt es etwas generisch,
 
Tyson betrachtete die Smogschwaden, die von der Hitze der Feuertonnen nach oben getragen wurden. Dann erhob er sich betont lässig von seinem Reifenstapel und kam auf Zagg zu. Die Wortwahl lässt mich denken, wir wären hier in Tysons Perspektive. Aber es ist immer noch Zagg, oder? Er versuchte, cool dabei auszusehen. Es gelang ihm nicht. „Na, Zagg, wie läuft’s? Geile Party, oder?“

Zagg runzelte die Stirn. „Hmm. Is dann auch vorbei jetzt. Willst nich auch langsam Chong gehen?“ Argot! Very Happy Sehr gut. Tyson schüttelte den Kopf, dass seine Dreadlocks flogen. „Wieso? Is doch noch früh! Können doch noch feiern! Weißt du, was ich mit den Kids neulich abgezogen hab? Krasses Ding!“ Das klingt nach stark forcierter Jugendsprache.
 
Zagg seufzte. Nicht schon wieder. Hier braucht es einen neuen Absatz, sonst denkt man, Zagg würde die Sache erzählen. „Pass auf, also wir waren am Plutos Corner, ne? Haben Boxbots abgecheckt. Da kommt so ‘ne megaheiße Tussi anstolziert, komplett in Corps-Uniform. Die dachte wohl, die Abzeichen halten ihr die Gangs vom Leib. Und ich hatte so’n Gefühl, dass sie keine Phero-Filter drin hatte. Ich sag also zu Churro: alter, schnack sie an! Ich lass meinen Steamer blubbern, und er zieht seine Bettel-Nummer durch…“ Bis auf den Steamer (hoffentlich keiner aus Cleveland) klingt dieser Abschnitt nach einem 13jährigen, der krampfhaft einen auf Ultratough machen möchte. Ist das beabsichtigt?
 
Zagg seufzte. Heute Abend hatte Zagg noch weniger Bock auf Tysons Heldenstorys als sonst. Trish war gleich zu Anfang der Party abgehauen, und noch immer nicht zurück. Was ihre „kleine Überraschung“ Bitte keine Anführungszeichen in der indirekten Rede. auch sein mochte, es konnte unmöglich so lange dauern, sie zu holen…

„…und sie so: ‚Wollt ihr mir irgendwas verkaufen?‘ Verkaufen! Alter! Die hatte total keinen Plan, ließ sich voll einlullen. Aber ich gleich: Klar! Wir haben ‘ne ganze Kiste Cigliq gefunden, neueste Sorte! Wenn du uns kurz folgen würdest…“

Wo blieb sie nur? Wenn sie in Schwierigkeiten war… Zagg atmete tief durch. Auf dem Platz stank es nach verbranntem Gummi. Hier passt das nicht, das müsste oben an den Anfang. So klingt es, als hätte Zagg seit Beginn des Textes die Luft angehalten. Nein, Trish konnte auf sich aufpassen. Und Zagg hatte ihr vernünftiges Spielzeug besorgt. Es sei denn, sie steckte in wirklich großen Schwierigkeiten…
 
„…Achthundert Yits! Auf einen Schlag! Und die Kleine war nicht hässlich, sag ich dir. Wenn sie nicht Taser-Skin getragen hätte… Ey, Laoban, hörst du mir noch zu?“
 
Zagg blinzelte. „Hmm? Ja… Habt ihr gut gemacht. Guter Job…“ Tyson schnaufte. „Wieso ‚ihr‘? Ich hab das allein durchgezogen! Die anderen haben nur ein bisschen geholfen. Churro meinte, von mir kann man an einem Abend mehr lernen, als von den andern Jungs in einer Woche. Hab ihm gezeigt, wie man die T7x aufkriegt. Hat Talent, der Kleine.“
 
Tyson sah Zagg auffordernd an. „Ich hab’s ganz schön drauf, oder? Vom letzten Ding hab ich dein Geschenk bezahlt.“ Er nickte in Richtung der Ale-Container, die er zur Feier des Tages besorgt hatte. Eine große Einundzwanzig war darauf gesprayt. Zagg hatte fast nichts angerührt. Tyson nahm einen Zug aus der Flasche und bleckte die schiefen Zähne. Er war erst vierzehn, aber man sah ihm das Leben im Sumpf deutlich an. Aha. Es ist also beabsichtigt. Sehr gut.
 
Zagg stand auf und klopfte Tyson auf die Schulter. „Ja, nicht übel. Wirklich. Aber jetzt solltest Du trotzdem langsam Chong gehen, oder? Danke für das Ale.“ Er musterte die Umrisse der stillgelegten Fabrik. Die Schlote reckten sich in den Himmel wie Finger einer Riesenhand. Noch immer kein Anzeichen von Trish. Vielleicht sollte er nach ihr suchen gehen.
 
„Also, Ich denke, ich wäre soweit, mal bei ner richtigen Sache einzusteigen. Der Kinderkram wird mir allmählich zu einfach.“
Zagg kniff die Augen zusammen. Konnte der Kleine ihn nicht endlich in Ruhe lassen? Tyson beugte sich näher heran und senkte die Stimme. „Sag mal, Du hast nicht zufällig nen Solo geplant oder? Ich verrat‘s auch nich!“
 
Zagg musterte den Jungen. „Das ist nicht dein Ernst.“ Neuer Absatz.
Tyson schob die geborstene Datenbrille auf die Stirn, die ihm immer wieder vor die Augen rutschte, und setzte eine Verschwörermine auf. „Ja, ich weiß, was ihr den Kids immer erzählt. Jeder passt auf den anderen auf, kein Risiko, und so. Aber ich bin kein Kind mehr. Ich hab’s drauf. Also, läuft was? Echt, ich behalt‘s für mich!“

Zagg schüttelte langsam den Kopf. „Nein, hab ich nicht. Und wenn, würde ich dich nicht mitnehmen.“
Absatz. Tyson ließ die Schultern hängen. „Ey, Mann, warum nicht? Ich sag dir, ich pack das! Sogar Onion durfte schon mal mitziehen!“

Zagg stöhnte und drehte sich weg. Nicht das schon wieder! Tyson tanzte um ihn herum und suchte seinen Blick. Zagg machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das mit Onion war ein Riesenfehler! Ich konnte nicht auf ihn aufpassen, das hat er teuer bezahlt.“
Absatz.Tyson schlug sich mit der Hand auf die Brust. „Ich kann auf mich selbst aufpassen!“
 
Jetzt reichte es Zagg. Er stieß Tyson gegen die Schulter, so dass der Junge ein paar Schritte zurücktaumelte und streckte ihm wütend den Zeigefinger entgegen. Tyson hob beschwichtigend die Hände. „Who! Alles gut, Laoban, chill!“ Sofern Zagg keinen Laser in seinem Zeigefinger hat, gibt Tyson viel zu schnell auf.
 

Zagg schnaufte. „Du bist kein Kind mehr? Dann gewöhn dich daran, dass das Leben kein Spielplatz ist! Klingt wie ein Vater, der seinem Sohn den Hosenboden strammzieht. Ich nehm keinen auf ein Solo Der Begriff ist irreführend. Ich bin ja froh über den Argot, aber wenn es das Äquivalent des Settings für die Runs aus Shadowrun ist, dann würde ich das nochmal überarbeiten. mit! Weder Dich, noch sonst irgend jemand! Onion hat so ne fette Ladung abgekriegt, dass sein Anteil ab jetzt komplett für die Medizin draufgeht. Er kann nicht mal mehr Plasma verticken, weil sein Knochenmark vom TSurex aufgefressen wird!“ Sehr schön, das lässt das Setting viel plastischer und greifbarer wirken. Es ist auch nicht mal das Stilmittel des As You Know, da Tyson nicht wie jemand wirkt, der sich über andere auf dem Laufenden hält.
 
Zagg ließ ein paar Atemzüge verstreichen. „Bleib bei deinem Share! Moment, was jetzt? Anteil oder Share? Entscheide dich für einen Begriff.  Der Share hält dich am Leben! Jeder kriegt seinen Anteil, und wenn du darauf aufpasst, und ihn nicht für irgendwelchen Scheiß verpulverst“, sein Blick huschte kurz zu Tysons Flasche, „kommst du damit perfekt klar!“
Erst war Tyson nur enttäuscht gewesen. Jetzt stand ihm der Zorn ins Gesicht geschrieben. Besser wäre Bis jetzt hatte Tyson die Schultern hängen lassen. Jetzt straffte er sie und schob das Kinn nach vorne. Sein Atem erzeugte Dampfschwaden in der kalten Luft. „Du behandelst mich wie ein kleines Kind! Dabei hab ich diese Woche mehr angeschleppt als alle Kids zusammen!“

Zagg konnte den Jungen eigentlich nur zu gut verstehen. Alle Orphs hielten das Leben am Anfang für ein großes Abenteuer. Skycars fleddern, Cops verarschen, Prolos abziehen. Nicht schlecht, könnte man besser machen. Z. B. Skycars jacken, Cops khoroshen, Prolos beanen etc. Er und Trish waren schnell gut darin geworden. Aber es hatte nicht lange gedauert, bis ihnen die Wirklichkeit ins Gesicht geschlagen hatte. Gangs, Drogen, Prostitution, Mord, Organhandel, Sklaverei… Das klingt a) viel zu introspektiv und b) viel zu generisch. Auch hier wäre Argot angebracht, respektive Crews, Chort, Bunraku, Gache staufen, Jobbe hacken, Brokkoli... Und je besser man das Spiel mitspielte, desto rasanter war die Fahrt. Kein Wunder, dass die Kids darauf abfuhren. Zagg drehte sich um, und kickte ein verrostetes Blechteil weg. „Vergiss es, Tyson! Geh´ Chong! Keine Solos.“ Er seufzte.
  
Tyson rotzte schwungvoll auf den Boden. „Du denkst, du wärst so schlau! Ich weiß, wie es in der Welt läuft! Ich bin erwachsen! Du hast nur keinen Bock, die fette Kohle mit jemand anderem zu teilen!“ Das klingt immer noch zu künstlich.
 
Zagg stöhnte. „So ein Bullshit! Was für fette Kohle denn? Wenn ich so ein Risiko eingehe, dann deswegen, weil ich das Geld dringend brauche! Weil ich nichts mehr habe!“ Absatz.Tyson feixte mit der Flasche in der Hand.  „Und weil du grade genug hast, und gar nix ausbrütest, hängst du noch stundenlang alleine hier rum.“

Zagg hatte nicht die geringste Lust, sich vor dem pubertären Kid rechtfertigen zu müssen. Noch zu generisch. Aber vielleicht gab er dann endlich Ruhe. „Trish hat noch ‘ne Überraschung für mich, und ich warte. Sonst wär‘ ich auch längst weg.“

Ein dreckiges Grinsen blitzte in Tysons dunklem Gesicht auf. „Ah, verstehe! Noch ‘ne kleine Geburtstagsüberraschung vom Fräulein! Na denn viel Spaß dabei, Geburtstagskind!“ Sorry, aber das klingt nach altem Opa. Oder einem 80er Punker aus Berlin. Tyson spuckte aus und trollte sich endlich in Richtung Lura-Küche davon.
 
„Hey, pass auf, was du von dir gibst, Kleiner! Sie ist meine Schwester!“ Zagg kickte einen Haufen Staub hinter ihm her. Etwas überzogene Reaktion dafür, dass Tyson endlich verschwindet. Oder muss Zagg irgendwie sein Gesicht wahren? Aus der Nacht tönte ein verächtliches Schnauben. Zagg seufzte. Sollte Tyson sich denken was er wollte, Hauptsache, er zog endlich ab. Wo, verdammt noch mal, trieb Trish sich nur die ganze Zeit rum?

Von hinten näherten sich knirschende Schritte. Zagg atmete auf. „Da bist du ja…“ Er drehte sich um. Es war Tyson. Schon wieder. Zagg verdrehte die Augen. „Was noch?!“

Tysons Blick war eine Mischung aus Stolz und Trotz. Wie sieht denn so etwas aus? Ich würde eher vorschlagen, dass er sich um eine neutrale Miene bemühte. Er will ja was von Zagg, da darf er nicht zu hart auftreten. „Nur für den Fall, dass du doch was ausbrütest, Zagg. Ich hätte im Tausch gegen ’ne kleine Beteiligung auch was anzubieten, nen Kontakt.“ Er beugte sich vor. „Ich weiß, dass grade ein richtig, also richtig megafetter Finderlohn ausgesetzt ist. Richtig fett! So’n abgefuckter Cyborg hat was im Sumpf verloren.“ Er räusperte sich, und machte ein aufforderndes Gesicht.

Zagg schüttelte ungläubig den Kopf. „Finderlohn? Willst du mich verarschen? Hier unten bleibt nichts von Wert lange liegen, wenn’s überhaupt den Boden berührt. Und außerdem… brüte ich verdammt nochmal nichts aus! Klar?“ Er schrie jedes einzelne Wort.
Tyson stand einige Sekunden da und wippte auf den Füßen, als hoffe er, dass Zagg sich im letzten Moment doch noch anders entscheiden würde. Schließlich schnaubte er wütend und warf die Hände in die Luft.  „Wie du meinst, Zagg, dann eben nicht!“ Dann wirbelte er herum, und stampfte ins Dunkel.
 
Als Zagg sich wieder zum Feuer umdrehte, blickte er direkt in das strahlende Gesicht von Megabash.
 
„Whaa...“ Zagg machte einen Schritt zurück. Neon-gelbe Augen leuchteten groß wie Untertassen, und darunter grinste ihn ein monströs verzerrter knall pinker Comicmund an. „Hey, Zolvan! Warum so schreckhaft? Bist Du nicht auf der Hut?“

Zagg atmete aus. „Trish! Bei den Namen musst du auch eine Entscheidung treffen. Entweder sie benutzen ihre Streetnames oder ihre Realnamen. Aber bitte nicht dieses Gemisch. Besser wäre durchgehender Nutzen der Streetnames, das lässt die Realnamen intimer wirken. Was soll der Quatsch? Wie alt bist du? Mach das aus!“

Der Comicmund ließ die Mundwinkel hängen. „Zolvan the Ghost Etwas mehr Kreativität bei den Streetnames wäre auch willkommen. Bei dem Namen kann er sich auch gleich Batman nennen. ist schlecht drauf? Kein Abenteuer in Night City?“ Das ist auch nicht viel besser.
 
Zaggs Gesicht wurde heiß. „Hör auf mit dem Kinderkram! Nenn mich nicht so!“ Er sah sich verstohlen um. Wenn Tyson das mitbekommen hatte… Warum musste sie immer so verdammt albern sein…

Trish zuckte mit den Schultern, und wischte sich über den Unterarm. Das Holo-Tatt-Makeup verblasste. Sie warf einen Blick über Zaggs Schulter. „Was wollte Tyson? Hatte er wieder einen von seinen Anfällen?“

Zagg sah sich um. „So ähnlich. Wo warst du die ganze Zeit? Ich dachte, du wolltest nur kurz was holen?“


Auch in dieser Szene fängst du die Cyberpunkstimmung gut ein. Nur ist die etwas generische Sprache da leider störend. Du brauchst nach meiner Einschätzung fünfzig Prozent mehr Slang, dann käme die Sache auch glaubwürdiger rüber. Geh Chong, keine Solos, das ist schon ein guter Anfang, aber da geht noch mehr.
Mach dir sehr genau Gedanken, welche Worte und Begriffe sehr häufig in deinem Setting und deiner Story verwendet werden oder verwendet werden könnten. Dann schreib diese Worte auf und ersetze sie durch passende Begriffe, entsprechend der sozialen Schichten. Eine Sararifrau redet anders als ein Ganger aus dem Sprawl, omae, chummer? Wenn du dir die Mühe machen willst, dann überlege dir, welche Sprachen weltweit als lingua francas, soll heißen, als Handelssprachen verwendet werden. Ist natürlich völlig legitim, wenn du sagst, es gibt nur eine Standardsprache, die alle Charaktere sprechen. Natürlich ist das alles abhängig von der weltweiten Entwicklung und welche Mächte zu den Vorherrschern gehören.

Bei der nonverbialen Kommunikation machst du schon vieles richtig, so mein Eindruck. Tysons Schnauben, Zaggs Augenrollen. Hier und da verfällst du noch ins Telling, aber das ist eher gering. Nichts, was sich nicht nachbessern ließe. In den meisten Fällen wird es durch die Dialoge eh klar.

Das wäre es erstmal von meiner Seite. Falls du Fragen hast, raus damit.

MfG
Azareon

PS: lass die Leerzeilen weg.


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HendrikThomsen
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BeitragVerfasst am: 12.10.2017 08:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Hinweise!

Die formalen Fehler werde ich direkt überarbeiten.

Ja, die Problematik mit den Slang-Ausdrücken macht mir bisher am meisten zu schaffen. Ich habe die verwendeten Begriffe jetzt aus purer Ideenlosigkeit als Platzhalter dringelassen.
Da ich keine Ausdücke aus gängigen Welten und Rollenspielen verwenden will, muss ich mir dazu ganz neue Gedanken machen, wobei der Leser auch ohne Vorkenntnisse zumindest erahnen können soll, was die Begriffe bedeuten. Nicht einfach, aber da muss ich noch ran.

Der Begriff "Share" sollte sich auf eine kleine Gruppe von Kids beziehen, die gemeinsam Leute abziehen, und sich den Erlös teilen. Anders als "Solo", bei dem man zwar gemeinsam loszieht, aber nicht aufeinander aufpasst und auch jeder das behält, was er selbst mitnehmen kann. Wahrscheinlich mache ich es mir mit so einem komplizierten Konzept selbst zu schwer...

Was "Megabash" und "Zolvan the Ghost" angeht...
Dabei handelt es sich gar nicht um Streetnames. Wink
Der Effekt ist durchaus beabsichtigt, und der Vergleich mit Batman trifft eigentlich genau ins Schwarze. Ich hatte gedacht, dass das aus Zaggs Reaktion (Kinderkram etc.) deutlich würde.
Die Namen beziehen sich, wie im weiteren Verlauf noch klar werden soll, auf die Kindheit der beiden, und Superhelden/Rollenspiele. Night City wird hier als kleine Hommage an Cyberpunk 2010 erwähnt, soll aber auch genau das darstellen, ein Setting aus einem Spiel.

Vielleicht ist es so besser:

Als Zagg sich wieder zum Feuer umdrehte, blickte er direkt in zwei riesige, Neon-gelbe Augen.
„Whaa...“ Er stolperte einen Schritt zurück.
Aus dem comicartigen Gesicht grinste ihn ein knall pinker Riesenmund an. „Hey, Zolvan! Warum so schreckhaft? Bist du nicht auf der Hut?“
Zagg atmete aus. „Trish! Was soll der Quatsch? Mach das aus!“
Die Gestalt ließ die Mundwinkel hängen. „Wie redest du mit Slasher? Ist Zolvan the Ghost schlecht drauf? Keine Abenteuer in Night City?“
Zaggs Gesicht wurde heiß. „Hör auf mit dem Zolvan-Scheiß! Wie alt bist du?!“
Er sah sich verstohlen um. Wenn Tyson das mitbekommen hatte… Warum musste sie immer so verdammt kindisch sein…
Trish schniefte beleidigt, dann zuckte sie mit den Schultern, und wischte sich über den Unterarm. Das Holo-Tatt-Makeup verblasste. Sie warf einen Blick über Zaggs Schulter. „Was wollte Tyson? Hatte er wieder einen von seinen Anfällen?“
Zagg sah sich um. „So ähnlich. Wo warst du die ganze Zeit? Ich dachte, du wolltest nur kurz was holen?“


azareon35 hat Folgendes geschrieben:
Abgesehen von dem, was ich im Text anmerkte, was zum Geier macht Trish da oben auf der Antenne? Eine kurze Bemerkung im Text dahingehend wäre hilfreich.


Diese Frage wird in der ersten Szene natürlich aufkommen, aber das soll sie ja auch.
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azareon35
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BeitragVerfasst am: 12.10.2017 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

HendrikThomsen hat Folgendes geschrieben:
Ja, die Problematik mit den Slang-Ausdrücken macht mir bisher am meisten zu schaffen. Ich habe die verwendeten Begriffe jetzt aus purer Ideenlosigkeit als Platzhalter dringelassen.
Da ich keine Ausdücke aus gängigen Welten und Rollenspielen verwenden will, muss ich mir dazu ganz neue Gedanken machen, wobei der Leser auch ohne Vorkenntnisse zumindest erahnen können soll, was die Begriffe bedeuten. Nicht einfach, aber da muss ich noch ran.

Der Slang von Cyberpunkdystopien ist meistens eine Erweiterung politischer Ängste aus der Zeit, in welcher der Text entstand. Das gibt dir eine Grundlage für die Quellsprachen. Dann kannst du dir überlegen, ob das einfach ein Lehnwort oder eine phonetische Nachdeutung ist. Als Beispiel dient das Wort 'Horrorshow' aus A Clockwork Orange. Es ist eine phonetische Verballhornung des russischen Khorosho, was soviel heißt wie 'gut, positiv'.
Und wenn du dir richtig Mühe machen willst, kannst du dir noch überlegen, ob diverse Charaktere auch in der Grammatik einer anderen Sprache sprechen, oder ob du das aus Gründen der Verständlichkeit nur implizierst.
Solange du dir mehr Mühe machst, als jedes dritte Wort auf Englisch zu schreiben, bist du auf dem richtigen Weg.


HendrikThomsen hat Folgendes geschrieben:
Der Begriff "Share" sollte sich auf eine kleine Gruppe von Kids beziehen, die gemeinsam Leute abziehen, und sich den Erlös teilen. Anders als "Solo", bei dem man zwar gemeinsam loszieht, aber nicht aufeinander aufpasst und auch jeder das behält, was er selbst mitnehmen kann. Wahrscheinlich mache ich es mir mit so einem komplizierten Konzept selbst zu schwer...

Das klingt wirklich arg konstruiert. Besonders, da der Begriff im Text in der Nähe vom Anteil genannt wird. Ich lese das und frage mich als erstes, warum sagen die das so?
Warum nicht einfach Bleib bei deinen Alikwa. Die Alikwa halten dich am Leben und jeder kriegt seinen Anteil. Das ist eine sprachliche Verzerrung vom arabischen al'iikhwa - Brüder. Nur mal als Anregung. Und Solo würde ich dann auch nochmal überdenken.



HendrikThomsen hat Folgendes geschrieben:

Was "Megabash" und "Zolvan the Ghost" angeht...
Dabei handelt es sich gar nicht um Streetnames.
Der Effekt ist durchaus beabsichtigt, und der Vergleich mit Batman trifft eigentlich genau ins Schwarze. Ich hatte gedacht, dass das aus Zaggs Reaktion (Kinderkram etc.) deutlich würde.
Die Namen beziehen sich, wie im weiteren Verlauf noch klar werden soll, auf die Kindheit der beiden, und Superhelden/Rollenspiele. Night City wird hier als kleine Hommage an Cyberpunk 2010 erwähnt, soll aber auch genau das darstellen, ein Setting aus einem Spiel.

Dann ist es um so irritierender, dass er sie bei ihrem ersten Auftauchen intern als Megabash bezeichnet, wenn er es doch für Kinderkram hält.
Und das Hör auf mit dem Kinderkram! Nenn mich nicht so! allein reicht nicht. Da braucht es noch sowas wie Wir sind seit vier Jahren nicht mehr als Zolvan the Ghost und Megabash unterwegs.
Die Night City Homage passt nicht ganz. Gerade in einem Cyberpunksetting klingt das eher nach den Redmond Barrens von Seattle. Das würde ich nochmal überarbeiten. Solche Anspielungen sind ja schön, aber die sollten eher im Hintergrund das Worldbuilding betreiben. Als Plotpoint würde ich die nicht verwenden.
Ich kenn das Cyberpunk Rollenspiel jetzt leider nur vom Hörensagen (freue mich aber auf das kommende Spiel von CD Projekt Red Cool ).


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Bananenbrot
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BeitragVerfasst am: 12.10.2017 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hendrik

Ich finden deinen zweiten Text bedeutend besser als deinen ersten. Die Atmosphäre hast du am Anfang super hinbekommen und der Dialog liest sich flüssig.
Was deine Probleme mit der nonverbalen Kommunikation anbelangt, kann ich dir nicht wirklich helfen. Das ist auch bei mir eine große Baustelle Very Happy
Alles in allem ist mir bei dir jetzt aber nichts sonderlich negativ aufgestoßen.

Azareon hat bereits vieles angestrichen.
Eine Stelle, die er angesprochen hat, hat war:
Zitat:
Wo blieb sie nur? Wenn sie in Schwierigkeiten war… Zagg atmete tief durch. Auf dem Platz stank es nach verbranntem Gummi.


Damit erst gar nicht der Eindruck entstehen könnte, dass Zagg die ganze Zeit nicht geatmet hätte (mir kam es nicht so vor) würde ich vorschlagen, dass in dem Moment gerade eine besonders dicke Rauchwolke aus den Schonrsteinen gepustet wird oder eine hohe Flamme aufsteigt - je nachdem wie deine Müllverbrennungsanlage konzipiert ist. Und daraufhin sticht Zagg ein ein ätzender Gummigeruch in die Nase.

Zitat:
Er sah sich verstohlen um. Wenn Tyson das mitbekommen hatte...

Wenn mich nicht alles irrt, müsste hier >hätte< und nicht >hatte< hin

Irgendetwas hatte ich noch im Auge.. mir fällts leider gerade nicht mehr ein. Falls es wieder kommt, melde ich mich nochmal Very Happy

Lieben Gruß
Bananenbrot
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Bananenbrot
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BeitragVerfasst am: 12.10.2017 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ich nochmal

Zitat:
Von hinten näherten sich knirschende Schritte. Zagg atmete auf. „Da bist du ja…“ Er drehte sich um. Es war Tyson. Schon wieder. Zagg verdrehte die Augen. „Was noch?!“


Bei der Stelle verstehe ich nicht ganz, wie Tyson auf einmal hinter Zagg auftauchen konnte, weil er ihm kurz zuvor dabei zugesehen hat, wie er sich vom Acker macht.

Zitat:
Zagg seufzte. Heute Abend hatte Zagg noch weniger Bock auf Tysons Heldenstorys als sonst.


Hier ist es zum einen unschön zweimal den Namen Zagg zu benutzen und zum anderen ist es beim zweiten Satz (glaube ich) auch falsch, weil es sich um erlebte Rede handelt. Also musst du da entweder er (wozu ich tendiere) oder ich benutzen.
Zumindest klingt es für mich mit dem Namen in diesem Satz komisch. Vielleicht lieg ich aber auch falsch.

Lieben Gruß
Bananenbrot
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drhilbert
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BeitragVerfasst am: 13.10.2017 15:21    Titel: Antworten mit Zitat

Auszug aus deinem ersten Post:

Zitat:
In weiter Entfernung durchbrachen die vier gigantischen Megatürme von Germania Shanghai das schimmernde Wolkenmeer, umgeben von Hunderten kleinerer Gebäude, und wirkten wie die schroffen Felsen einer verwunschenen Küste, zwischen denen sich Skycars und schwebende Reklametafeln hindurch drängten, feurige Ströme aus unzähligen Lichtpunkten.


Ich frage mich bei sowas: Wer erzählt hier?

Mal ganz abgesehen davon, dass es enorm anstrengend ist so etwas zu lesen und das ohnehin unter Schriftstellern ein strittiges Thema ist, ob man überhaupt so lange, ausgiebig eine Szene setzen sollte (Thomas Bernhard hat diese Art zu schreiben immer verhöhnt und als nervtötend langweilige und unnötige Zeitschinderei bezeichnet. In der Science Fiction ist ein gutes Beispiel Isaac Asimov, der auf sowas fast ganz verzichtet hat).

Aber die Frage stellt sich: Warum sind es "Hunderte Gebäude", warum nicht genau 137? Warum sind es "unzählige Lichtpunkte", warum nicht genau zwei Milliarden? Immerhin bist du der allwissende Erzähler. Entweder du teilst die Information mit oder gar nicht. Wenn du sie so vage mitteilst stellt sich mir die Frage, ob es vielleicht einfach irrelevant ist und man es auch weglassen könnte.
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HendrikThomsen
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BeitragVerfasst am: 14.10.2017 11:19    Titel: Update pdf-Datei Antworten mit Zitat

Soo...

Ich habe beide Szenen nochmal überarbeitet, und stelle sie Euch nochmal rein. Ich habe einige weitere Hinweise einfließen lassen, denke aber, dass ich mich als nächstes auf die folgenden Szenen konzentrieren werde, um das bisher zu Papier gebrachte nicht tot zu polieren.

Hier also die neueste Version:

Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies. Trish sog die frische Luft tief in ihre Lungen. Freiheit!
Und was für ein Anblick! Ihr Blick folgte den Strahlen der Skybeamer, die über die Wolken wanderten wie über die Felsendecke einer gigantischen Höhle. Zwischen ihnen zogen Thopter, Flugzeuge, Drohnen und Frachter ihre Bahnen durch die Nacht.
Unten lag dichter Nebel wie eine Decke über der Stadt. Ihre Lichter durchglühten ihn bis zum Horizont, wo die vier Megatürme von Germania Shanghai wie Vulkaninseln aus dem Wolkenmeer ragten, umgeben von einem Hofstaat aus hunderten kleinerer Gebäude. Die glühenden Verkehrsadern krochen wie Lavaströme über die Erde.
Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte?
Trish lehnte sich gegen den knarrenden Antennenmast und berührte vorsichtig das Lautstärke-Control-Tattoo auf ihrer rechten Hand, die fest um das Stahlrohr in ihrem Rücken geschlossen war.
Ihr Blick wanderte zum eingeblendeten File-tag am unteren Rande ihres Sichtfeldes. Wer auch immer dieser B.thov.n14Moon.lgt sein mochte, er hatte es wirklich drauf. Diese Musik war anders als alles, was Trish je gehört hatte. Sie berührte etwas in ihrem Inneren, schien sie in Einklang mit der leichten Brise in wohliger Wärme zu umwogen.
Der Antennenmast vibrierte vom Infraschall eines unter Trish vorbeigleitenden Thopters, und begann ganz leicht hin und her zu schwingen.
Trish ließ sich in eine angenehme Trance wiegen, und überließ sich ganz der Musik. Die Szenerie vor ihr strahlte einen tiefen Frieden aus. Die Melodie hob und senkte sich in sanften Bögen, die im Wallen des Nebels ihre Entsprechung fanden. Der Wind frischte auf, und Trish fühlte sich ganz und gar geborgen, und gleichzeitig frei. Frei wie ein...
Ein Kribbeln lief plötzlich über ihre Hand, und im selben Moment explodierte die Musik zu brutalem Lärm. Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, und wischte mit der linken über ihren Handrücken um den Krach zu stoppen. Der Schmerz ließ augenblicklich nach. Was zum Teufel war los mit dem Ding? In der plötzlichen Stille war nur das Brausen des Windes zu hören. Trish starrte ihre rechte Hand an. Ihr Herz stockte. Sie hatte den Mast losgelassen!
Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.
Trish schnappte nach Luft. Sie drehte den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Unter ihr gab es nur den brodelnden Nebel, um sie herum nur dünne Luft, sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen, rostigen Metallstreifen verloren, auf dem sie stand. Dann war der Moment vorbei, und sie kippte mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen.
Ein Gedanke durchzuckte sie. Die Kickblades! Sie presste den Mikroschalter. Mit einem Knall stießen die fiberkeramischen Klingen aus den Absätzen ihrer Stiefel.
Schwerelos. Haltlos. Zu spät.
Ein heftiger Ruck ging durch Trishs Wirbelsäule, als die Kickblades sich in die Trittstufe bohrten. Metall kreischte, und ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen. Dann knallte sie hart gegen den unteren Teil der Antenne. Blitzschnell schlang sie die Arme um den Mast und krallte sich fest. Ihr wurde schwarz vor Augen.
Keuchend ließ Trish den Atem entweichen. Mit aller Kraft klammerte sie sich kopfüber an das schwankende Rohr. Knapper hätte es nicht sein können. Ihr Puls raste. Sie hob den Blick zu ihren schmerzenden Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen. Hätte das marode Material nicht nachgegeben, und sich bei ihrem Sturz fast vollständig vom Mast abgeschält, hätte Trish sich jetzt beide Knöchel gebrochen.
Das Stahlrohr hatte einen tiefen Riss, und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen.
Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Seine blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Ein echter, lebender Vogel? Hatte ihr Verstand durch den Aufprall ausgesetzt?
Trish schüttelte den Kopf. Das Tier flatterte an der Spitze des Mastes herum. An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Drahtstreben, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest?
Das Gebilde baumelte an dem schwingenden Mast, der sich nun mehr und mehr zur Seite neigte, wie der Sekundenzeiger einer riesigen Uhr.
Plötzlich rutschte Trish ab. Die raue Oberfläche der Stange schrammte durch ihre Hände. Sie krampfte sich zusammen, um wieder Halt zu bekommen. Brennender Schmerz breitete sich aus und kroch Trishs Unterarme hinauf. Sie sah nach oben. Die Kickblades lösten sich. Sie waren nicht dafür gedacht, sich irgendworan fest zu halten, und schon gar nicht, Trishs ganzes Gewicht zu tragen.
Trish verfluchte sich für ihre Unkonzentriertheit. Gerade erst dem Tod entronnen, noch nicht einmal in Sicherheit, und sie machte sich Gedanken um ein paar kleine Vögel. Anscheinend wurde sie so langsam endgültig verrückt. Trish peilte am Antennenmast entlang nach unten. Die nächste Trittstufe war in Reichweite. Sie sollte zu ihr herabhangeln, sich aufrichten und sichern können. Kein Problem. Und dann nichts wie weg hier. Auf den Boden der Tatsachen zurück.
Sie sah wieder nach dem Vogel. Er war klein, zerbrechlich. Und schön. Diese Tiere gehörten hierher, in die Freiheit, in die Luft. Und Trish nicht.
Sie folgte der Mastspitze mit ihrem Blick. Das Nest rutschte weiter. Wenige Zentimeter noch, und es würde abfallen. Nun konnte sie darin ein winziges graues Küken erkennen, nicht viel mehr als ein paar aufgeplusterte Federn, klammerte es sich an einem Faden fest. Seine Mutter flatterte hilflos umher und gab klägliche Rufe von sich. Das Blut pochte in Trishs Kopf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Der Wind frischte auf, und die Antenne begann stärker zu schwingen.
Schließlich hing die Mastspitze direkt neben ihr, und einen Moment lang wirkte es, als wäre Trish wieder richtig herum und die Welt stünde Kopf. Sie presste die Beine mit voller Kraft zusammen und löste eine Hand, spürte, wie kalte Luft in die geschundene Haut schnitt. Sie streckte den Arm nach dem Nest aus.
Der Vogel flatterte auf Trishs ausgestreckte Hand zu, und begann, nach dem leuchtenden Volume-Control-Tattoo zu hacken. Irgendwas daran schien ihn aggressiv zu machen. Vielleicht die Farbe? Trish wedelte mit der Hand, aber der Vogel ließ nicht davon ab, seine Brut zu verteidigen. Die Musik begann wieder zu spielen, und bei jedem Treffer des kleinen Schnabels änderte sich die Lautstärke.
"DU warst das! Ahh, hör auf, du… Ich versuche grade, dir zu helfen! Hey!“  Tief unten zerfaserte der Wind den Smog, und das Gewirr der Straßen schien hindurch. Das Nest hing nur noch an einem winzigen Zipfel. Trish schnaufte. Sie kniff die Augen zusammen, streckte sich, und griff zu.
Mit einem stumpfen Knacken brach die Spitze der Antenne ab, und stürzte pfeifend dem Erdboden entgegen. Ein scheppernder Gongschlag ertönte, als sie gegen den Sendeturm prallte.
Trish starrte das kleine Knäuel aus Draht und Plastik in ihrer Hand an und schluckte. Es war leer.

-

Die zwei Container chinesischen Coca-Ales waren längst leer, die Musik verstummt, die Party gelaufen. Aber Tyson machte immer noch keine Anstalten, abzuhauen. Er hob die Flasche, an der er sich schon seit mindestens zwanzig Minuten festhielt, und prostete Zagg zum x-ten Mal zu. „Happy Birthday, Laoban!“
Zagg nickte ihm säuerlich zu, und ließ seinen Blick über den leeren Vorplatz der Müllverbrennungsanlage gleiten. Die Smogschwaden wurden immer noch von der Hitze der knackenden Feuertonnen aufgewirbelt. Die Gäste waren weitergezogen, die Kids hatten sich zu ihrem Schlafplatz hinter den Lura-Küchen geschleift. Nur Tyson nicht. Er schien noch auf irgendwas zu warten. Zagg verdrehte die Augen. Der Junge sah so lächerlich aus… behängte sich mit allem möglichen Müll, als wäre es Schmuck. Abgerissene Patchcord-Stecker, Holofoil-Schnipsel, Cracksticks - Gott weiß, was noch.
Tyson erhob sich betont lässig von seinem Reifenstapel und kam auf Zagg zu. Er versuchte, cool dabei auszusehen. Es gelang ihm nicht. „Na, Zagg, wie läuft’s? Geile Party, oder?“
Zagg runzelte die Stirn. „Hmm. Is dann auch vorbei jetzt. Willst nich auch langsam Chong gehen?“ Tyson schüttelte den Kopf, dass seine Dreadlocks flogen. „Wieso? Is doch noch früh! Können doch noch feiern! Weißt du, was ich mit den Kids neulich abgezogen hab? Zan-zan- Job!“ Zagg seufzte. Nicht schon wieder.
„Pass auf, also wir waren am Plutos Corner. Haben Boxbots abgecheckt. Da kommt so ‘ne megaheiße Jinushi anstolziert, komplett in Corps-Uniform. Die dachte wohl, die Batches halten ihr die Boons vom Leib. Und ich hatte so’n Gefühl, dass sie keine Phero-Filter drin hatte. Ich sag also zu Churro: alter, schnack sie an! Ich lass meinen Steamer blubbern, und er zieht seine Bettel-Nummer durch…“
Heute Abend hatte Zagg noch weniger Bock auf Tysons Heldenstorys als sonst. Trish war gleich zu Anfang der Party abgehauen, und noch immer nicht zurück. Was ihre kleine Überraschung auch sein mochte, es konnte unmöglich so lange dauern, sie zu holen…
„…und sie so: ‚Wollt ihr mir irgendwas verkaufen?‘ Verkaufen! Alter! Die war so tarded, ließ sich voll easy rikken. Aber ich gleich: Klar! Wir haben ‘ne ganze Kiste Cigliq gefunden, neueste Sorte! Wenn du uns kurz folgen würdest…“
Wo blieb sie nur? Wenn sie in Schwierigkeiten war… Nein, Trish konnte auf sich aufpassen. Und Zagg hatte ihr vernünftiges Spielzeug besorgt. Es sei denn, sie steckte in wirklich großen Schwierigkeiten…
„…Achthundert Yits! Auf einen Schlag! Und die Kleine war nicht hässlich, sag ich dir. Wenn sie nicht Taser-Skin getragen hätte… Ey, Laoban, hörst du mir noch zu?“
Zagg blinzelte. „Hmm? Ja… Habt ihr gut gemacht. Zan Job…“ Tyson schnaufte. „Wieso ‚ihr‘? Ich hab das allein durchgezogen! Die anderen haben nur ein bisschen geholfen. Churro meinte, von mir kann man an einem Abend mehr lernen, als von den andern Boons in einer Woche. Hab ihm gezeigt, wie man die T7x aufkriegt. Hat Talent, der Kleine.“
Tyson sah Zagg auffordernd an. „Ich hab’s ganz schöne Rikks drauf, was? Vom letzten Ding hab ich dein Geschenk bezahlt.“ Er nickte in Richtung der Ale-Container, die er zur Feier des Tages besorgt hatte. Auf jeden war eine große Einundzwanzig gesprayt. Zagg hatte fast nichts davon angerührt.
Tyson nahm einen Zug aus der Flasche und bleckte die schiefen Zähne. Er war erst vierzehn, aber man sah ihm das Leben im Sumpf deutlich an.
Zagg stand auf und klopfte Tyson auf die Schulter. „Ja, nicht übel. Wirklich. Aber jetzt solltest Du trotzdem langsam Chong gehen, oder? Danke für das Ale.“ Er musterte die Umrisse der stillgelegten Fabrik. Die Schlote reckten sich in den Himmel wie Finger eines Riesen…
Noch immer kein Anzeichen von Trish. Zaggs Hand wanderte zu dem kleinen Holoticker in seiner Hosentasche. Was würde sie sagen, wenn sie das Bild sah? Vielleicht sollte er nach ihr suchen gehen.
„Also, Ich denke, ich wär soweit, mal bei nem richtigen Job einzusteigen. Der Kinderkram wird mir allmählich zu einfach.“
Zagg kniff die Augen zusammen. Konnte der Kleine ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Tyson beugte sich näher heran und senkte die Stimme. „Sag mal, Du hast nicht zufällig nen Raid geplant oder? Ich verrat‘s auch nich!“
Zagg musterte den Jungen. „Das ist nicht dein Ernst.“
Tyson schob die geborstene Datenbrille auf die Stirn, die ihm immer wieder vor die Augen rutschte, und setzte eine Verschwörermine auf. „Ja, ich weiß, was ihr den Kids immer erzählt. Jeder passt auf den anderen auf, immer zu dritt, Gakko-Gakko. Aber ich bin kein Kind mehr. Ich hab’s drauf. Also, läuft was? Echt, ich behalt‘s für mich!“
Zagg schüttelte langsam den Kopf. „Nein, hab ich nicht. Und wenn, würde ich dich nicht mitnehmen.“
Tyson ließ die Schultern hängen. „Ey, Mann, warum nicht? Ich sag dir, ich pack das! Sogar Onion durfte schon mal mitziehen!“
Zagg stöhnte und drehte sich weg. Nicht das schon wieder! Tyson tanzte um ihn herum und suchte seinen Blick. Zagg machte eine wegwerfende Handbewegung. „Onion war ein Riesenfehler! Ich konnte nicht auf ihn aufpassen, das hat er teuer bezahlt.“
Tyson schlug sich mit der Hand auf die Brust. „Ich kann auf mich selbst aufpassen!“
Jetzt reichte es Zagg. Er stieß Tyson gegen die Schulter, dass er ein paar Schritte zurücktaumelte, und streckte ihm wütend den Zeigefinger entgegen. Tyson hob die Hände, und grinste. „Who! Alles gut, Laoban, chill!“
Zagg schnaufte. „Ich nehm‘ niemanden auf nen Raid mit! Weder dich, noch sonst irgend jemand! Onion hat so ne fette Ladung abgekriegt, dass sein Anteil ab jetzt komplett für die Medizin draufgeht. Er kann nicht mal mehr Plasma verticken, weil sein Knochenmark vom TSurex aufgefressen wird!“
Zagg ließ ein paar Atemzüge verstreichen. „Bleib bei Churro und Beany! Die halten dich am Leben! Jeder kriegt seinen Anteil, und wenn du darauf aufpasst, und ihn nicht für irgendwelchen Scheiß verpulverst, kommst du perfekt damit klar!“
Tyson zog die Augenbrauen zusammen und schob das Kinn vor.  Sein Atem erzeugte Dampfschwaden in der kalten Luft. „Du behandelst mich wie ein Gakku-Baby! Dabei hab ich diese Woche mehr angeschleppt als alle Kids zusammen!“
Zagg verstand den Jungen nur zu gut. Alle Orphs hielten das Leben für ein großes Abenteuer aus schnellen Rikkjobs und gejackten Skycars, bis sie den Sumpf von seiner harten Seite kennen lernten. Zagg drehte sich um, und stieß mit dem Schuh gegen ein verrostetes Blechteil. „Vergiss es, Tyson! Geh´ Chong! Es gibt keinen Raid.“ Er seufzte.  
Tyson rotzte schwungvoll auf den Boden. „Du bist so ein Naozumi! Ich weiß, wie sowas läuft! Ich bin nicht so ‘n Loon wie Onion, und das weißt du! Hast nur keinen Bock, den Loot zu teilen!“
Zagg stöhnte. „So ein Bullshit! Ich zieh sowas nicht zum Spaß durch! Ich weiß nicht mal, ob der Loot das Risiko überhaupt wert ist…“ Tysons Augenbrauen gingen hoch „Aha! Also brütest du doch was aus! Sha! Komm schon, ich will meiner Süßen auch mal ein bisschen Tjanshi spendieren!“
Zagg verschenkte die Arme. „Noch mehr Bullshit! Ich brüte nichts aus. Trish hat noch was für mich, und ich warte auf sie. Sonst wär‘ ich auch längst Chong.“
Ein dreckiges Grinsen blitzte in Tysons dunklem Gesicht auf. „Ah, verstehe! Noch ‘n bisschen Quai-Quai? Na denn viel Spaß dabei, Geburtstagskind!“ Zagg schoss das Blut ins Gesicht. „Verpiss dich, du Gakku! Sie ist meine Schwester!“
Das Grinsen verschwand. „Ja, klar. Schon gut, Laoban, chill.“ Tyson setzte an, noch etwas zu sagen, aber dann schluckte er, drehte er sich um und schlurfte in Richtung Lura-Küche.
Zagg kickte einen Haufen Staub hinter ihm her. Er seufzte. Sollte Tyson sich doch denken was er wollte. Wo, verdammt noch mal, trieb sich Trish nur die ganze Zeit rum? Zagg ging unruhig auf und ab. Es nützte nichts, er würde sie suchen.
Von hinten näherten sich knirschende Schritte. Zagg atmete auf. „Da bist du ja…“ Er drehte sich um. Es war Tyson. Schon wieder. Zagg verdrehte die Augen. „Was noch?!“
Tyson hob beschwichtigend eine Hand. „Nur für den Fall, dass du doch noch was ausbrütest, Zagg. Ich hätte im Tausch gegen ’ne kleine Beteiligung auch was anzubieten, nen Kontakt.“ Er beugte sich wichtigtuerisch vor. „Ich weiß, dass grade ein richtig, also richtig megafetter Finderlohn ausgesetzt ist. Richtig fett! So’n abgefuckter Aug-Junkie hat was im Sumpf verloren.“ Er räusperte sich, und machte ein aufforderndes Gesicht.
Zagg schüttelte ungläubig den Kopf. „Finderlohn? Willst du mich verarschen? Hier unten bleibt nichts von Wert liegen, wenn’s überhaupt den Boden berührt. Und außerdem…“ Zagg holte tief Luft. „…brüte ich verdammt nochmal nichts aus! Klar!?“
Tyson stand einige Sekunden da und wippte auf den Füßen, als hoffe er, dass Zagg es sich im letzten Moment doch noch anders überlegen würde. Schließlich schnaubte er und warf die Hände in die Luft.  „Wie du meinst, Zagg, dann eben nicht!“ Dann wirbelte er herum, und stampfte ins Dunkel. Zagg sah eine ganze Weile der Staubwolke nach, die Tysons Schritten folgte. Was war bloß los mit dem Typen?
Als er sich wieder zum Feuer umdrehte, blickte Zagg direkt in zwei riesige, Neon-gelbe Augen.
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BeitragVerfasst am: 15.10.2017 19:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hendrik,

ich steige sofort ein. Nimm was du gebrauchen kannst, ist teilweise sicherlich wie gewünscht "brutal Ehrlich"


Zitat:
Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies. Trish sog die frische Luft tief in ihre Lungen. Freiheit!
Das Einsaugen der Luft beinhaltet eine (gewisse) Tiefe. Daher eigentlich überflüssig, soll aber wohl verstärkend wirken, richtig? Mir stellt sich eher die Frage, warum sie die Luft einzieht oder anders: Warum vermittelt mir das Einatmen Freiheit? (Oder soll mir vermitteln; Okay: Smog= dreckig auch überfüllt. Zudem schreibst du weiter von einigem getummelt in der Luft. Aber gefällt ihr das nicht sogar? Was für ein Anblick hier im Paradies über dem Smog. Verstehe mich nicht falsch, das ist für den ersten(zweiten, dritten) Versuch vollkommen in Ordnung, aber irgendwann, bei der xten Bearbeitung fällt dir vielleicht noch etwas ein, was das ganze ein wenig ausschmückt und die Freiheit greifbar macht.

Zitat:
Unten lag dichter Nebel wie eine Decke über der Stadt. Ihre Lichter durchglühten ihn bis zum Horizont, wo die vier Megatürme von Germania Shanghai wie Vulkaninseln aus dem Wolkenmeer ragten, umgeben von einem Hofstaat aus hunderten kleinerer Gebäude. Die glühenden Verkehrsadern krochen wie Lavaströme über die Erde.
Die kann man in dem Nebel sehen?

Zitat:
Wie konnte es sein, dass etwas so widerliches, giftiges, ätzendes eine derartige Schönheit ausstrahlte?

Genau. Wie kann das sein?
Zitat:

Trish lehnte sich gegen den knarrenden Antennenmast und berührte vorsichtig das Lautstärke-Control-Tattoo auf ihrer rechten Hand, die fest um das Stahlrohr in ihrem Rücken geschlossen war.

Ist okay, aber du richtest den Fokus auf die rechte Hand. Das ist unnötig und sorgt für mehr Distanz. (bsp: Mit der sie (← nämlich deine Prota) das Stahlrohr hinter sich (denn es wächst ihr wohl kaum aus dem Rücken heraus, oder) fest umschloss. )

Zitat:
Ihr Blick wanderte zum eingeblendeten File-tag am unteren Rande ihres Sichtfeldes. Wer auch immer dieser B.thov.n14Moon.lgt sein mochte, er hatte es wirklich drauf.

*schmunzel* ich lass das »voll drauf haben« mal so stehen, aber nur, weil B.thov.n bekannt sein dürfte.
Zitat:

Diese Musik war anders als alles, was Trish je gehört hatte. Sie berührte etwas in ihrem Inneren, schien sie in Einklang mit der leichten Brise in wohliger Wärme zu umwogen.
Genau, das meinte ich eigentlich. Die Musik löst in ihr etwas aus, und genau genommen hat der gute B.thov.n es deswegen drauf.
Mein Vorschlag wäre: Erst Gefühle oder das, was die Musik mit ihr macht, dann das Statement. Ursache/Wirkung (Kausalität). Du wirst auch nicht sagen: 4 ist das Ergebnis aus 2+2, oder?

Zitat:
Trish ließ sich in eine angenehme Trance wiegen, und überließ sich ganz der Musik.
Passiv. Absicht? Dann ist es gut.

Zitat:
Schmerz peitschte durch Trishs Kopf. Sie zuckte zusammen, und wischte mit der linken ← substantiviert = groß. über ihren Handrücken (Komma) um den Krach zu stoppen. Der Schmerz ließ augenblicklich nach. Was zum Teufel war los mit dem Ding?

Zitat:
In der plötzlichen Stille war nur das Brausen des Windes zu hören.
Dann ist es keine Stille. Besser: Sie hörte nur (noch) das Brausen des Windes.
Zitat:
Trish starrte ihre rechte Hand an.
Rechte ist streichbar, weil aus dem Kontext zu schließen.
Zitat:
Ihr Herz stockte.

Glaube ich nicht und wäre zudem unbewusst. Lass es meinetwegen, wenn du auktorial schreiben willst. Aber Schock kann man anders ausschmücken als mit einem Herzaussetzer.

Zitat:
Für einen atemlosen Moment blieb die Zeit stehen. Der Horizont begann wegzukippen.
Ein Moment ist gewöhnlich immer kurz. Ist es dann wichtig, dass er atemlos ist?

Zitat:
Trish schnappte nach Luft. Sie drehte den Oberkörper und streckte die Arme nach dem Antennenmast aus, doch er war schon zu weit entfernt. Unter ihr gab es nur den brodelnden Nebel, um sie herum nur dünne Luft, sie spürte, wie ihre Stiefel den letzten Kontakt zu dem winzigen, rostigen Metallstreifen verloren, auf dem sie stand. Dann war der Moment vorbei, und sie kippte mit wild rudernden Armen dem Abgrund entgegen
. Das könntest du spannender schreiben mit kürzeren Sätzen und näher an dem, was in ihr vorgeht. Lass den Leser miterleben, was gerade passiert.

Zitat:
Ein heftiger Ruck ging durch Trishs Wirbelsäule, als die Kickblades sich in die Trittstufe bohrten. Metall kreischte, und ihr Absturz verwandelte sich in einen jähen Bogen.
Neutral Na ja.
Zitat:
Dann knallte sie hart gegen den unteren Teil der Antenne.
Hart ist fast so geil wie heftig. Überleg mal, ob ein knallen (bezogen auf aufprallen) weich geht. Knallen ist hart/heftig. Eine Verstärkung erreichst du nicht durch die bloße Nennung des Adjektivs (ginge wenn überhaupt nur in einer Relation zu etwas)
Zitat:
blitzschnell schlang sie die Arme um den Mast und krallte sich fest. Ihr wurde schwarz vor Augen.
Neutral (Aha.) Mal davon abgesehen, dass ich blitzschnell nicht für gelungen halte (panisch wäre da treffender, wenn’s denn ein Adjektiv sein muss), so finde ich ein umschlingendes Krallen nicht richtig. Umschlingen = nah an den Körper drücken. Krallen sich mit Fingern/Nägeln/etc. in einem Körper reingraben. Hier wäre ein entweder oder sinniger, wenngleich ich sehen will, wie sie sich in eine Eisenstange reinkrallt. Weiter ist das »schwarz vor Augen werden« lediglich eine wenig bildhafte Nennung (/damit Tell), für den Dämmerzustand des Kreislaufversagens.

Zitat:
Keuchend ließ Trish den Atem entweichen.
Keuchendes Atem entweichen? Nope, ich denke nicht.

Zitat:
Mit aller Kraft klammerte sie sich kopfüber an das schwankende Rohr.
(Und das, obwohl sie vor der Bewusstlosigkeit steht?)
Zitat:
Knapper hätte es nicht sein können.
Ah ja, gut zu wissen.

Zitat:
Ihr Puls raste.
Geht’s bildhafter?

Zitat:
Sie hob den Blick zu ihren schmerzenden Füßen. Die Spitzen der Kickblades hatten das Metall der Trittstufe durchschlagen. Hätte das marode Material nicht nachgegeben, und sich bei ihrem Sturz fast vollständig vom Mast abgeschält, hätte Trish sich jetzt beide Knöchel gebrochen.
Danke, Doktor Erzähler. Ja, okay. Ich weiß. Auktorial, dies und das und so. Aber ist der hier die beste Wahl? Entgengen meines Vorredners, muss t du nicht immer massiv den Erzähler bemühen, denn der auk. Erzähler darf, muss aber nicht alles vorwegnehmen. Ich stelle aber die Frage: Warum nutzt du ihn? Welchen Grund gibt es, was macht ihn relevant und was würde eine andere Erzählvariante bewirken? Kurzum: Warum MUSS es der auk. Erzähler sein?

Zitat:
Das Stahlrohr hatte einen tiefen Riss, und nun begann der obere Teil des Mastes ganz langsam zur Seite zu kippen.
Es begann ist nicht wirklich schön zu lesen. Irgendetwas passiert in irgendeinem Zeitraum . Wann wird es wichtig, was da passiert? Jetzt, in einer Stunde, in einer Woche? In dieser Situation: Jetzt, oder? Dann schreib es auch direkt. Lass begann weg.  

Zitat:
Eine Bewegung fing ihren Blick. Da war ein kleiner Vogel über ihr. Für einen Augenblick konnte sie ihn in aller Klarheit sehen. Seine blauschwarzen Federn glitzerten in diffusem Licht. Ein echter, lebender Vogel? Hatte ihr Verstand durch den Aufprall ausgesetzt?
Öhm, ist das JETZT relevant? Ich stelle fest:_Vogel selten oder ausgestorben. Abder: Sie lebt, na ja NOCH.
Kann sein, dass diese Info (Vogel lebt)  wichtig wird oder für das Buch ist, aber sie ist es wohl kaum in der gerade vorliegenden Situation. Aber hey. Der Mast beginnt gerade erst wegzubrechen. Sie hatt noch alle Zeit der Welt. Hast‹e ein Bierchen solange wir warten?

Zitat:
An der Stelle, wo sie sich eben noch festgehalten hatte, zwischen zwei Drahtstreben, war ein Knäuel aus dünnen Kabeln und Plastikteilen. War da ein Piepsen zu hören? Aus dem… dem Nest?
Das fiel ihr nicht vorher auf?  

Zitat:
Plötzlich rutschte Trish ab.
Warum?
Zitat:

Die raue Oberfläche der Stange schrammte durch ihre Hände. Sie krampfte sich zusammen, um wieder Halt zu bekommen.
Was bringt ein Krampfen, wenn sie abrutscht? Ich würde vermuten, dass nur das Zupacken an dem Umstand des Abrutschens etwas ändern könnte.

Zitat:
Brennender Schmerz breitete sich aus und kroch Trishs Unterarme hinauf.

Das ist
a) ausgelutscht.
b) zu ungenau. Der brennende Schmerz, (wenn unbedingt genutzt) breitet sich wo aus? Und wieso kriecht (=schleicht; in jedem Fall langsam.) er sich den Arm hoch?
Zitat:
Sie sah nach oben. Die Kickblades lösten sich.

Ist das die Ursache, weswegen sie abrutscht? Dann passiert das zeitgleich. Rutscht sie hingegen ab und danach lösen sich die Kickblades, wird es langsam konstruiert. Es kann ja sein, aber erst kommt dass, dann erwarteter Weise das und wiederum nicht verwunderlich kommt das. Dieser Vogel, dieses Rutschen, Krallen, plötzlich Rutschen, Gedanken über den Vogel bla, bla ,bla erzeugt keine Spannung innerhalb der Spannungsszene. Es bremst sie aus.

Zitat:
Sie waren nicht dafür gedacht, sich irgendworan fest zu halten, und schon gar nicht, Trishs ganzes Gewicht zu tragen.

Mag sein, ist aber irrelevant. Und als Gedanke ihrerseits recht reflektiert.
Zitat:

Trish verfluchte sich für ihre Unkonzentriertheit.

Das könnte sie auch tatsächlich tun, als das jemand darüber berichtet.

Zitat:
Gerade erst dem Tod entronnen, noch nicht einmal in Sicherheit, und sie machte sich Gedanken um ein paar kleine Vögel.
Du gibst die Gedanken des Lesers (oder von mir) wieder. Immerhin ist dir die Absurdität selbst aufgefallen, aber es entschuldigt mMn kaum, dass du es ansprichst. Ich empfinde das mehr als Bestätigung, dass in der Szene etwas nicht stimmig ist.  
Zitat:
Anscheinend wurde sie so langsam endgültig verrückt.
Ich gewinne langsam den Eindruck, dass du den auk. Erzähler nicht bewusst nutzt. Klar, kann er vermuten, aber warum sollte er? Weil es ihre Gedanken sein sollen, logisch. Doch warum wechselst du dann nicht in ihre (innere) Gedankenwelt?
Zitat:
Trish peilte am Antennenmast entlang nach unten.
Der nebenbei Stück für Stück absackt und droht abzubrechen. Ich finde, jetzt bräuchte man noch beruhigende Fahrstuhlmusik zur Entspannung. Smile Entschuldige bitte, ich will dich nicht angreifen. Dämlicher weise kam mir gerade tatsächlich der Gedanke.

Zitat:
Die nächste Trittstufe war in Reichweite. Sie sollte zu ihr herabhangeln, sich aufrichten und sichern können. Kein Problem. Und dann nichts wie weg hier. Auf den Boden der Tatsachen zurück.
1. Sie ist hart im Nehmen, oder? Die Hand ist aufgerissen, Scherzen breiten sich im Arm aus, sie baumelt an dem stetik instabileren Mast und hat die Ruhe sich herab zuhangeln (was auch nicht besonders schnell ist). 2. Boden der Tatsachen? Ist sie in einer Fantasiewelt? Tatsächlich ist sie nicht in Gefahr?

Zitat:
Sie sah wieder nach dem Vogel. Er war klein, zerbrechlich. Und schön. Diese Tiere gehörten hierher, in die Freiheit, in die Luft. Und Trish nicht.
Weg damit, das ist den Gedanken nicht Wert, außer sie befindet sich gar nicht in Lebensgefahr.  
Zitat:
Sie folgte der Mastspitze mit ihrem Blick. Das Nest rutschte weiter. Wenige Zentimeter noch, und es würde abfallen. Nun konnte sie darin ein winziges graues Küken erkennen, nicht viel mehr als ein paar aufgeplusterte Federn, klammerte es sich an einem Faden fest. Seine Mutter flatterte hilflos umher und gab klägliche Rufe von sich. Das Blut pochte in Trishs Kopf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Der Wind frischte auf, und die Antenne begann stärker zu schwingen.
So wie ich das sehe, rettet sie sich selbst oder den Vogel. Oder sie ist ein Hollywoodheld, dann rettet sie beide, egal, wie groß die Chancen auf Erfolg sind.



Also ich fand es bis hier hin anstrengend zu lesen. (Und ich denke, ich werde erst einmal auch nicht weiterlesen).
Dabei ist es nicht unbedingt die Art deiner Schreibe, auch wenn es da einige Schwächen gibt. Hier gilt allerdings: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Dennoch solltest du darüber nachdenken, wie die Atmo schaffst, welche Erzählperspektive du verwendest, vor allem aber, wie du dich Strukturieren willst.
Was passiert?
Sie hört Musik irgendwo auf einem Gebäude, und das scheint nicht ganz ungefährlich zu sein, denn sie muss sich absichern (am Mast festhalten).
Ein Missgeschick passiert und sie stürzt ab.
Während sie sich in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod befindet (ja, ich übertreibe ein wenig) kommt dann dieser Vogel hinzu. Wichtig?
Vielleicht als Ursache für das Missgeschick, wer weiß?
Fakt ist aber, dass dieses Federkneul gewaltig deplatziert wirkt und die Spannungsszene zu einem Spannungsfiasko verkommen lässt.
Hier wirst du überlegen müssen (behaupte ich), was du streichst und straffst, sowie du den Vogel trotz dessen in die Szene einbaust.
Möglich wäre eventuell, dass das Muttertier sie attackiert, während sie sich fängt, am Mast festhält und um ihr Leben kämpft. So muss sie das Tier zusätzlich abwehren. Da Vögel offenbar selten sind, wäre das eine (wirklich !) Kurze Verwunderung wert.
Aber sie hat ein Hauptproblem, dass alle anderen erschlägt und das nicht mit anderen Problemen konkurrieren kann.

Ich als Adjektivpapst und möglicherweise auch Verkenner eben solcher frage mich allerdings, ob du alle in der Intensität für deine Geschichte brauchst. Adjektive als Hauptstilmittel für Bildhaftigkeit zu nutzen, ist jedenfalls nicht die Kür eines Textes.

Deine Ideen
Control-Tattoos
Kickblades (wozu sind sie im eigentlichen Sinne)
finde ich als Sci-Fi Element nicht schlecht. Als Leser fühle ich mich diesbezüglich richtig aufgehoben.
Deine Prota ist allerdings für mich noch recht blass, was auch daran liegt, dass ich in dieser Szene nicht viel über sie herausfinden kann. So schlimm ist es also nicht.
Dennoch habe ich zu keinem oder zu kaum einem Zeitpunkt das Gefühl bei ihr zu sein oder mich mit ihr identifizieren zu müssen. Es wird halt über sich berichtet. Ihre Gefühlswelt ihre Beweggründe, wie sie tickt, wie sie denkt, was sie bewertet und, und und finde ich nicht.
Wie geschrieben: Warum nutzt du diesen Erzählstil. Was versprichst du dir davon oder war es eine zufällige Entscheidung? Würde sie jetzt sterben (z.B. als eine Art Prolog) und im nächsten Kapitel ginge es um ihre Schwester, die mit dem Verlust klar kommen muss, wäre mir das Einerlei.

Mach gerne erst einmal weiter mit der Geschichte, aber falls nicht schon geschehen, wäre für dich, glaube ich zumindest, ein Plot, an dem du dich entlanghangeln kannst, sinnvoll. Manche bremst das beim Schreiben aus, weil sie einzig von ihrer Kreativität geleitet werden. Bei manchen ist das auch wechselhaft, aber bei dir speziell denke ich, dass du zwar kein blutiger Scheibanfänger bst, du aber trotzdem dein Handwerk noch ausbauen musst. Wenn du dir weniger Gedanken um die Entstehung deiner Geschichte machen musst (weil du sie in etwa schon kennst und weißt, was passieren wird), kannst du dich mehr auf andere Aspekte des Schreibens konzentrieren.

Liebe Grüße,

Pheno


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Willst du die Bescheidenheit des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, sondern ob er den Tadel erträgt.

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HendrikThomsen
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BeitragVerfasst am: 16.10.2017 14:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Pheno, für Deine brutale Kritik!  wink

Ich bin mir nicht sicher, ab wann ein Anfänger nicht mehr blutig ist, aber ich würde mich durchaus noch zu der Gruppe zählen, die mit Sicherheit noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist.
Ich habe zwar von zwanzig Jahren mal etwas für die Schülerzeitung geschrieben, aber dies hier sind tatsächlich meine ersten ernstgemeinten Gehversuche als Autor.
Mein Problem ist, glaube ich, mein "Urtext". Ich habe meinen Plot zwar bereits entwickelt, und bin von daher nicht unschlüssig, wo ich mit dem ganzen hin will, aber die Geschichte beruht eben auf einem Text-basierten Rollenspiel, dass ich erschaffen habe.
Meine Texte waren da ausschließlich an wenige Menschen adressiert, die mich gut kannten, und zudem trainiert darin waren, auch aus stümperhaft vorgetragenen Szenen lebhafte innere Bilder zu erzeugen (Rollenspieler eben). Wenn ich diese Texte als Vorlage verwende, kommt ganz automatisch eine menge nutzloses Treibgut mit... Rolling Eyes

Du spricht da ganz wichtige Punkte an, die mich auch stören.
Aber deshalb bin ich ja hier, um von Profis wertvolle Tipps zu bekommen, solange ich das Handwerk lerne.

Ich glaube, so langsam in die richtige Richtung zu schwenken. Was hältst Du von dem hier:

Achthundert Meter über dem Smog lag das Paradies.

Tränen quollen unter ihren Augenlidern hervor, kühlten auf ihren Wangen ab, wurden vom Wind wieder weggerissen. Endlich Ruhe, endlich Frieden!
 
Eine Böe zerrte an ihr und versetzte den Antennenmast in sanfte Schwingungen. Sie zog die Luft tief in ihre Lungen. Hier oben, fern von den Menschen, dem Lärm, dem Chaos war die feine Stimme im Kopf beinahe hörbar. Ihre Präsenz greifbar nah. Du bist nicht allein.

Trish öffnete die Augen.

Skybeamerstrahlen strichen über den Himmel wie über die Felsendecke einer gigantischen Höhle. Thopter, Drohnen und Frachter zogen geräuschlos ihre Bahnen durch die Nacht.
 
Wie es wohl wäre, wenn sie diesmal einfach losließe? Sich von der Nacht verschlucken lassen, einfach dem Vergessen anheimfallen würde? Ein einziges Mal wirklich fliegen, und endgültig frei sein…

Das Glühen der Verkehrsadern schimmerte durch den Nebel. Sie krochen wie Lavaströme über die Erde bis zum Horizont, wo die vier Megatürme von Germania Shanghai aus dem Wolkenmeer ragten wie Vulkaninseln.
Wie konnte etwas so widerliches, giftiges, ätzendes nur eine derartige Schönheit ausstrahlen?
...

und so weiter. Geht das schon eher in die richtige Richtung?
Ich lechze nach Anerkennung.
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