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Pellkartoffeln mit Spiegelei

 

 
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 01.10.2017 18:00    Titel: Pellkartoffeln mit Spiegelei eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

«Morgen kommt also mal wieder ein Sturm. Und Regen. Kein Sturm ohne Regen!», dachte Heribert und sah der Milch zu, wie sie sich im Tee verteilte, erst wolkig nach unten sackte, voluminös geschieden vom goldbraun transparenten Inhalt im Glas, der Rundung am Boden folgend wieder aufstieg, dabei zwischen den Kandisstückchen verwirbelte, ein paar Teeblättchen, die der Filtertüte wohl entkommen waren an die Wandung drückte, schwarze Krümel, im nächsten Moment wieder verschwunden in den hellbraunen Schlieren, die dem Blick durch den bernsteinfarbenen klaren Ozean die Tiefe nahmen, kaum dass die ersten weißen Tropfen die dampfende Oberfläche durchbrochen hatten.

«Mut zum Kitsch!», dachte er, aber dann griff er doch zum Löffel und rührte und alles war nur noch hellbraune Oberfläche.

Er nahm den Becher mit in die Küche. Der Tee musste sowieso noch abkühlen.

In der Box auf dem Gaszähler im Flur keimten die Kartoffeln, aber immerhin fanden sich noch vier, die dem prüfenden Griff Widerstand entgegensetzten. Also Pellkartoffeln heute abend, warum auch nicht, er war alleine, er brauchte niemandem etwas vormachen und er aß die Kartoffeln sowieso gerne mit der Schale.

Schon wieder einen Arbeitsgang gespart, er würde das später voller Stolz in sein Tagebuch schreiben können, er war immer auf der Suche nach einfachen Lösungen.

Im Kühlschrank stand noch eine angebrochene Dose Mais, dazu die letzten zwei Eier – er freute sich über seine gekonnte Resteverwertung, drehte das Wasser für die Kartoffeln klein, stellte die Eieruhr auf fünfundzwanzig Minuten und probierte den Tee. Zu süß, aber wenigstens nicht zu heiß. Er hatte sich gestern erst den Gaumen verbrannt.

Wenn es morgen stürmen würde, würde es mit Sicherheit auch regnen, aber wann?
Vormittags wollte er den Leihwagen abholen, der war reserviert, das konnte er schon mal nicht mehr absagen. Er sah es vor sich: in der zweiten Reihe parken, den Elektroschrott aus dem Keller holen, einladen, zum Recyclinghof fahren, wieder ausladen und in die Container tragen. Regen am Vormittag wäre äußerst ungünstig. Er würde schwitzen vor Anstrengung, klatschnass werden vom Regen, der Wind würde ihn auskühlen und zwei Tage später würde ihn ein Fieber erschöpfen und ihn außer Gefecht setzen.

Regen am Nachmittag wäre aber auch nicht besser.
Er hatte Marianne versprochen, sie gegen Eins abzuholen, sie und ihren Hund, der bei dieser Gelegenheit auf seine Autotauglichkeit getestet werden sollte.
Regen bedeutete nasser Hund. Und nasser Hund im Leihwagen bedeutete aufwendige Endreinigung. Da würde auch keine Schutzdecke auf dem Rücksitz helfen. Nasse Hunde schütteln sich nun mal gerne und lassen sich davon auch durch nichts abhalten, genau so wenig wie vom Kotzen, wenn ihnen beim Autofahren schlecht wird.

Er trank noch einen Schluck Tee und überlegte, wie viele Badetücher er wohl übrig behalten hatte, Relikte einer gemeinsamen Geschichte mit jener Frau, deren Name nicht mehr ausgesprochen werden durfte. Er geriet ins Träumen. Badetuch auf Felsen an spanischen Buchten. Sonne, Schweiß, kein Regen.

Egal, er würde die Tücher sowieso nicht auf Anhieb finden, er wusste nicht einmal mehr, ob er überhaupt welche abbekommen hatte. Warum also Zeit verschwenden. Er würde einfach alle Handtücher einpacken, die er morgen greifen konnte.

Die Eieruhr klingelte, er überlegte, wie er feststellen konnte, ob die Kartoffeln wirklich gar waren, aber dann ließ er es drauf ankommen, nahm den Topf vom Gas, goss die Kartoffeln ab, und packte sie auf einen Teller.
Er nahm die Eier und die angebrochene Dose Mais aus dem Kühlschrank, roch kurz an der Dose, kippte den Inhalt in den noch warmen Topf, gab etwas Wasser dazu und stellte alles auf kleine Flamme. Etwas Pfeffer aus der Mühle, Deckel drauf – fertig.

«So einfach geht Kochen!», dachte er und fühlte eine gewisse Befriedigung.
«Klappt doch wie am Schnürchen.»
Die kleine Pfanne stellte er auf die zweite Flamme, gab etwas Olivenöl hinein und schlug die Eier auf den Rand. Im Fernsehen sah das immer sehr elegant aus, aber beim zweiten Ei lief Eiweiß außen seitlich runter und verbrutzelte stinkend in der Flamme. Außerdem zerliefen ihm die Dotter, aber in dieser Hinsicht war er anspruchslos, was die Ästhetik anging.
Unten braun und oben glibberig mochte er sowieso nicht, also Deckel drauf und stocken lasen. Er war jetzt richtig in Fahrt gekommen, aber das musste auch sein, schließlich sollten die Kartoffeln noch warm sein, wenn alles fertig war.

Und weil er grad so schön in Schwung gekommen war, fasste er einen Entschluss. Morgen würde er den Wagen einfach nicht abholen, er würde die Verabredung absagen, zumindest der Hund würde das verstehen. Die Kaution war dann eben der Preis für einen angenehmen Vormittag im Bett und Mariannne war auf ihn angewiesen, schließlich hatte er einen Führerschein und nicht sie.

Die Eier schmeckten irgendwie fad.

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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 45
Beiträge: 1440
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 02.10.2017 01:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
der erste Absatz gefällt mir, sehr schön ironisch die aufwendige Beschreibung für etwas so triviales. Generell mag ich den Humor, der ab und zu durchblitzt. Und die damit verbundene Denkweise deines Protagonisten.

Irgendwie kommt mir der Sturm in deiner Geschichte aber zu kurz, es ist zwar von Sturm die Rede, aber eigentlich geht es doch nur um den Regen. Wenn ich an das Conrad-Zitat denke, dass zwar nicht eingebaut werden sollte, aber wohl doch irgendwie den Spirit angeben (so habe ich das wenigstens aufgefasst), fällt der fehlende Sturm bzw. seine fehlende Bedeutung doch recht schwer ins Gewicht. Von daher wohl eher keine Punkte, weil ich die Vorgaben nur angedeutet, aber nicht umgesetzt sehe.


_________________
»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6695
Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 02.10.2017 10:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hi!

Toll wie detailverliebt du die Alltäglichkeiten schilderst, z.B. wie sich die Milch im Tee verteilt. Die Themenumsetzung ist für mich gut. Es kommt halt Sturm und es regnet. Mehr aber auch nicht. Was soll man auch sonst dazu sagen oder schreiben?

Mich wundert, wie mir heuer die sprachliche Gestaltung der Beiträge gefällt. Vielleicht weil ich mehr als sonst darauf achte?

BN
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 960
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 02.10.2017 11:36    Titel: Antworten mit Zitat

Etwas wenig Sturm, sonst hätte ich mehr Punkte gegeben.
Die Geschichte gefällt mir mit ihrem absolut hautnahen Einblick in dieses Leben, diese Seele. Der "Selbst schuld!"-Gedanke am Schluss hinterlässt eine strenge Warnung. Überhaupt ist die Stimmung so herzzerreißend aufrichtig und ungeschönt, dass dieser Text in meiner Bewertung bei jeder Neubetrachtung gestiegen ist.
Schlußendlich gebe ich sehr sehr gerne 7 satte Punkte!


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Gühernder Hass", acabus Verlag, Frühjahr 2019.
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2983

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 02.10.2017 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

Wäre das kein Wettbewerb hättest du mich ziemlich früh im ersten Absatz in die Flucht geschlagen. Dann hätte ich allerdings gar nicht gemerkt, dass der erste Absatz (und nicht nur der?) nicht ganz ernst gemeint sind. Das hoffe ich jedenfalls, dass das so ist. Hier im dsfo weiß man ja nie so genau.

Mit der Eieruhr hast du mich übrigens komplett verwirrt, das ist auch verwirrend, jedenfalls für mich, ich dachte tatsächlich, er hätte vor, die Eier 25 Minuten lang zu kochen. Mir fällt allerdings gerade auf, dass ich Eieruhr mit Eierkocher verwechselt habe. Ach, streich diesen Absatz einfach wieder.

Denn was ich eigentlich sagen will: Dieser durchgeknallte Heribert, der hat was. Ich bin natürlich höllisch froh, dass ich abseits des Textes nichts mit ihm zu tun habe. Doch als Protagonist macht er schon was her, ich jedenfalls habe mich gut amüsiert. Dass ich ihn auf Dauer aushalten (und immer noch lustig finden) würde, da zweifle ich ein bisschen dran, aber das steht hier ja überhaupt nicht zur Debatte.

Punkte-Edit:
Hallo dritter Gewinner-Text smile
Das war knapp mit dem dritten Platz. Du hättest genauso gut auch Vierter, Fünfter weiß ich was werden können. Dass es dann doch geklappt hat, dafür gab dieser Satz den Ausschlag:
Zitat:
Regen am Nachmittag wäre aber auch nicht besser.

Hihi.
Und dass Heribert nun wirklich total bekloppt ist.
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traumLos
Schreiberling


Beiträge: 260



BeitragVerfasst am: 02.10.2017 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Wie eins zum anderen kommt und aus den Versatzstücken ein Ganzes wird. Genau so.

Und beim Kramen in irgendeiner Kiste wird Heribert irgendwann drei Punkte finden.


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Meine Beiträge geben nur meine Meinung wieder. Jede Einbeziehung realer oder fiktiver Personen wäre nur ein Angebot. Zwinkersmiley
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Schlomo
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Alter: 62
Beiträge: 156
Wohnort: Waldperlach


BeitragVerfasst am: 02.10.2017 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hmmmm, ja. Gut. Passt schon. Nicht so ganz meins, aber ok.

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Mathematik bringt dich besser durch Zeiten ohne Ruhe als Ruhe durch Zeiten ohne Mathematik. (Frei nach Freewheelin' Franklin )
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femme-fatale233
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Beiträge: 2042
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Das Bronzene Pfand


BeitragVerfasst am: 03.10.2017 08:48    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist so ein Text, der mich ratlos macht. Nicht der Text selbst, aber die Tendenz solcher Texte, wie es sie hier im FFF jedes Mal gibt (und auch dieses Mal ist er nicht der einzige): Er suggeriert, ganz viel zu erzählen, zum Beispiel durch die Anspielungen auf die Verflossene mit den Badetüchern, erzählt aber im Grunde genommen wenig oder nichts. Es gab eine Stelle, die ich interessant fand: Die mit Marianne und dem nassen Hund, der seine erste Testfahrt machen soll. Da hätte ich gerne mehr drüber erfahren: Wer ist diese Frau? Wie ist der Hund? In welcher Beziehung stehen die drei zueinander? Wäre das ein Text, der konsequent nur darum kreist, wie blöde es ist, diesen Hund spazieren zu fahren, aber dass man aus freundschaftlichen Gründen nicht aus der Nummer rauskommt... ich hätte es in seiner Absurdität sehr gemocht, glaube ich. Laughing

Ansonsten: Gedanken in Anführungsstrichen sind immer so eine gefährliche Sache. Wer denkt denn so klare Sätze? Meist geschieht doch die Denkleistung im Gehirn so nebenbei innerhalb weniger Sekunden. Deswegen wirkt der Einstieg auch für mich so komisch. Der Tee, der so ausführlich beschrieben und bedacht wird, hat im weiteren Verlauf der Geschichte überhaupt keine Bedeutung, er kommt zwar vor, aber er trägt nichts.
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Uwe Helmut Grave
Geschlecht:männlichOpa Schlumpf

Alter: 63
Beiträge: 1029
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BeitragVerfasst am: 03.10.2017 09:02    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht nur die Eier schmeckten fad, auch auf den Protagonisten dieser Geschichte trifft das zu. Anschaulich in Szene gesetzt, das Kochen der Pellkartoffeln - die ich übrigens ebenfalls mit Schale verzehre, aber doch nicht dann, wenn sie bereits zu keimen drohen, igitt -, aber etwas Interessanteres scheint im faden Leben dieses Mannes offenbar nicht zu passieren. Besser, er legt sich am nächsten Vormittag nicht ins Bett, sondern lieber gleich zur ewigen Ruhe auf den Friedhof.

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U.H.G. - Freude am Lesen
"Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich!" - "Aber er hat ja gar nichts an!" (Hans Christian Andersen) - Die Welt ist anders(en) als sie es dir erzählen.
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 03.10.2017 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Heribert kocht. Sonst erfahre ich (leider) nicht viel Erfahrenswertes.
Warum schmecken die Eier trotz der lang geschilderten Mühe fad?
Falls mir der letzte Satz sagen soll, dass Heribert mit seinem gefassten Entschluss nicht glücklich ist, wäre mir auch das zu wenig.
Das Thema Sturm taucht nur einmal im Halbsatz auf, dafür aber viel Regen.
Sorry, ich glaube, Heribert schafft es nicht auf meine Treppe


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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.10.2017 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Gut geschrieben, Vorgaben toll umgesetzt.
Herberts Tagesplanung für morgen überdenkt er aufgrund des angekündigten Unwetters. Zunächst dachte ich während des Lesens, warum verschiebt er die Termine nicht einfach, wenn es ihm so unangenehm ist. Und was macht er am Ende der Geschichte? Genau das. Laughing
dix points

Merci beaucoup
Constantine
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Eliane
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 509



BeitragVerfasst am: 04.10.2017 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

Themenvorgabe erfüllt. Aber ich weiß nicht so recht, wo die Geschichte eigentlich hin will.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5676
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.10.2017 22:14    Titel: Antworten mit Zitat

Eine nette kleine Charakterstudie,
Ich mag die kleinen Details.
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
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BeitragVerfasst am: 05.10.2017 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ein paar echte Glanzlichter in einer Geschichte, die sich liest, wie die Eier schmecken.

Da ist dieser Typ. Heribert. Und der denkt, und das wird auch geschrieben. Im nächsten Abschnitt denkt er per gleichem Inquit weiter. Die detaillierte Beschreibung des Wölkchens im Tee lässt mich hoffen, auch wenn ein, zwei Begriffe etwas verrutscht sind. Da ist einer, der genau hinsieht und sich dann auch noch (ironische) Gedanken zum Thema macht. Der die Welt aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel sieht.
Das tut er dann auch weiter, aber ich verliere schnell das Interesse an den Details. Mietwagen oder nicht? Regen oder nicht? Ich lese im Halbschlaf und wache erst beim letzten Satz wieder auf, dem zweiten Glanzlicht. Der sitzt und fasst diese hoffnungslose, bohrend langweilige Existenz in einer knappen Zeile zusammen. Großartig. Der Rest leider nicht so.
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Heidi
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Beiträge: 1152
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 06.10.2017 19:28    Titel: Re: Pellkartoffeln mit Spiegelei Antworten mit Zitat

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:
Die Eier schmeckten irgendwie fad.


Und genauso geht es mir nach dem Lesen der Geschichte. Irgendwie fad.
Andererseits kommt gerade der letzte Satz dann so verstörend, dass ich echt ins Grübeln komme.

Ansonsten: Inhaltlich ist mir das zu wenig. Heriberts Alltag reißt mich ehrlich gesagt nicht vom Hocker. Da hätte ich mir etwas mehr "Fülle" gewünscht.
Auch der Stil ist an einigen Stellen ausbaufähig.
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 56
Beiträge: 2916
Wohnort: Wangen im Allgäu


BeitragVerfasst am: 08.10.2017 21:40    Titel: Antworten mit Zitat

Saubere Umsetzung des Themas.

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TZH85
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Alter: 33
Beiträge: 307
Wohnort: Essen


BeitragVerfasst am: 09.10.2017 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr tristes Leben führt dein Heribert, wenn Pellkartoffeln mit Schale einen Eintrag ins Tagebuch wert sind. Fade wie sein Abendessen. Das ist gut eingefangen, allerdings frage ich mich, was seinen Sinneswandel hin zu noch mehr Tristesse am Ende ausgelöst hat.
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 11.10.2017 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko. Hut ab vor euch kreativen Schnellschreibern, für mich schon die Leistung an sich. Nun aber zum Text.  
Das Anfangsbild, das du deiner Geschichte vorangesetzt hattest, hatte mich eingenommen. Damit war eine Erwartung an einen Schreibstil geweckt, auch eine Vorstellung von der Befindlichkeit des Protagonisten, die sich dann aber nicht fortsetzte, was ich als Bruch empfand.  Statt der romantisch besinnlichen, leicht eingesponnenen Grundhaltung entfaltete sich mir ein eher anderes Innenleben des Prota. Der in sich friedlich Versponnene entwickelte sich zu einem mit den Unbilden der neu gewonnenen, vermutlich unfreiwilligen Freiheit kämpfenden, Überlebenskünstler.
Auch diese andere, dem Einstieg folgende, Schreibweise, der Rhythmus der Sätze, gefallen, mir. Aber wie gesagt, der Text verlief plötzlich anders.
Den Inhalt selbst finde ich etwas stolpernd. So als hätte der Schreiber noch mit der Aussage seiner Geschichte gekämpft. Was bei einer Zweistundenkomplettgeschichte wirklich nicht verwunderlich wäre.
Diese Geschichte hat es bei mir mit einer Weiteren knapp nicht in die Punkte gebracht.
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 11.10.2017 19:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko.
Entschuldige, wenn ich mich kurz fasse und eventuell nicht mehr zum Bewerten komme. Bin gerade eher mit existentiellen Dingen beschäftigt und einer immer wieder Streikenden iPad-Tastatur.

irgendwie fad sind nicht nur die Eier. Der Typ ist so, der Text auch. Dabei schaut er so genau hin, skizziert diesen Menschen mit wenigen Strichen so genau und mit allen Ecken und Falten, mit Pickeln und Warzen. Was für ein Typ! Schon seine Kocherei geht mir an die Nerven. Naja, mit ein bisschen Glück wird er keine Gene weitergeben.
Ich guck mir den Text nochmal an. Schon allein wegen seiner Wirkung. Vielleicht hat er doch Salz.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 85



BeitragVerfasst am: 13.10.2017 19:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für eure Kommentare (ich antworte erstmal pauschal).
Ich bin begeistert!
Der Text tut, was ich erwartet (nicht: geplant) habe: er polarisiert.
Das gefällt mir.
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