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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Einstand: Textprobe - vielleicht wird es mal ein Buch!


 

 
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DoggoLove
Geschlecht:weiblichAbc-Schütze


Beiträge: 2
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 09.08.2017 15:39    Titel: Einstand: Textprobe - vielleicht wird es mal ein Buch! eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
zum Einstand möchte ich gar nicht viel drum herum reden, sondern euch gleich meinen Text präsentieren. Ich habe seit einigen Jahren nicht mehr geschrieben und bin neu hier, deshalb voller Spannung auf euer Feedback! Idea

Sie hatte lange nicht geschrieben. Der Laptop lag seit Wochen, vielleicht sogar Monaten samt Ladekabel in einer Ecke ihres Schlafzimmers auf dem Wäschekorb. In der Hand hatte sie ihn oft gehabt – jedes Mal, wenn sie schmutzige Wäsche hatte. Oder waschen wollte. Aber eben nie zum Schreiben. Das Gerät war inzwischen von einer hauchdünnen, samtigen Staubschicht überzogen, die sie mit einer Handbewegung dürftig wegwischte. Heute war es so weit. Heute würde sie endlich wieder schreiben. Sie wusste selbst nicht so recht, woher die plötzliche Inspiration kam – doch war das wichtig? Schließlich war sie in ihrem derzeitigen Zustand dankbar für jede Eingebung, jeden Funken Motivation, der sie zumindest kurz beflügelte. Sie nahm den Laptop sanft vom Wäschekorb und hob ihn hoch, zögernd, ob sie es sich tatsächlich zutraute, ihr Innerstes für eine Geschichte nach außen zu kehren. An einem Tag wie diesem, an dem sie sich besser fühlte, alltägliche Pflichten ohne allzu große Überwindung erledigen konnte – an so einem Tag wollte sie das Risiko eingehen, noch während des Schreibens von einer neuen lähmenden Blockade niedergeschmettert zu werden? Ja. Verdammt, ja. Beherzt griff sie nach dem Ladekabel und ging mit entschlossenen Schritten ins Wohnzimmer.

Seit die Depressionen sie gepackt und in ein tiefes, schwarzes Loch gezogen hatten, hatte sich ihre Komfortzone immer weiter zusammengezogen. Jede soziale Interaktion, die außerhalb der Wohnung stattfand, stellte eine massive Überwindung für sie dar. Jeden Termin, der in greifbare Nähe rückte, wollte sie absagen, für jedes Treffen mit Freunden und Familie eine Ausrede erfinden. Allein die Aussicht, die Wohnung verlassen zu müssen, um mit anderen Personen zu interagieren – sei es beim Einkaufen, beim Arzt oder im Büro – schnürte ihr die Kehle zu. Der Magen drehte sich um, ihr Herz raste und Tränen schossen in ihre Augen. Warum sie so reagierte, konnte sie sich selbst nicht erklären. Sie war doch immer so ein aufgeschlossener, lebensfroher Mensch gewesen. Immer ein Lächeln auf den Lippen und einen flotten Spruch auf der Zunge. Aber diese Person schien sie inzwischen nicht mehr zu sein. Zumindest für einen begrenzten Zeitraum, bis sie diese Krankheit überwunden hatte, die ihre Energie und Motivation zu einem massiv begrenzten Gut gemacht hatte.

Schon früher hatte es ihr geholfen, Gedanken und Gefühle zu verarbeiten, wenn sie diese als Geschichte abtippte – so als wären es lediglich die Erlebnisse einer fiktiven Gestalt.Eine Gestalt, deren Schicksal in ihren Händen lag. Deren Geschichte sie beeinflussen und steuern konnte. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf legte sie ihren Laptop auf dem Sofa ab. Es würde ihr gut tun, all die verbleibende Energie des heutigen Tages in die Tastatur fließen zu lassen – sie musste sich nur auf etwas Positives konzentrieren. Sie steckte das eine Ende ihres Ladekabels in den Laptop, das andere in die Steckdose, stellte sich eine Flasche stilles Wasser und ein Glas bereit. Dann setzte sie sich. Es fiel ihr schwer, die Zweifel abzuschütteln, ob sie die richtigen Worte finden würde, um ihre kreisenden Gedanken zu beruhigen. Ob sie mit ihrer Geschichte zufrieden sein würde. Ob ihre kurzfristige Motivation ausreichen würde, um am Ball zu bleiben. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Dann klappte sie schwungvoll den Laptop auf.

„Es war ein Freitag. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, das Haus noch einmal zu verlassen – es war eine stressige Arbeitswoche gewesen. Typisch Werbeagentur. Viele Überstunden, nörgelnde Kunden, unzufriedene Chefs, starker Erfolgsdruck. Dann rief er mich an. Johannes. Ob ich nicht Lust hätte, mit auf eine Kneipentour zu kommen. Sie wären gerade bei einem Freund ganz in der Nähe, ich solle mich doch einfach anschließen. Normalerweise hätte ich den Anruf ignoriert. Oder zumindest abgesagt. Schließlich war er kein besonders enger Freund, nein, wir kannten uns erst seit kurzem – er war ein Freund unseres Nachbarn und hatte die Wohnung schräg über uns gekauft. Doch an diesem Abend war irgendetwas anders. Ich sagte zu, obwohl ich weder gern Alkohol trank noch Lust hatte, hektisch von Bar zu Bar zu ziehen. Innerhalb einer halben Stunde war ich angezogen, zurechtgemacht und saß auf dem Sofa des Kumpels, wie auch immer sein Name gelautet haben mag. Johannes selbst war ein sympathischer Kerl. Ich mochte ihn gern, weil wir einen ähnlichen Humor besaßen und es einfach war, sich mit ihm zu unterhalten – ohne viel nachdenken und ein Gesprächsthema suchen zu müssen. Eine angenehme Ablenkung vom stressigen Alltag also. Wir blieben nicht lang bei seinem Freund, sondern zogen kurz nach meiner Ankunft los zur ersten Kneipe. Diese stellte sich als eine Art Open-Air-Kino heraus, wie wir vor Ort feststellen mussten. Nach einigen Minuten Der kleine Eisbär und einem Getränk gingen wir also lieber weiter. Im Laufe des Abends wurden Johannes und ich von er Gruppe getrennt – ein Teil war ohne uns weitergezogen, ein anderer Teil der Gruppe war nach Hause gegangen. Normalerweise der richtige Zeitpunkt, ebenfalls die Heimreise anzutreten. Jedoch waren wir so vertieft in unser Gespräch und hatten so viel Spaß, dass ich schlichtweg vergaß, mich zu verabschieden und wir Stunden später immer noch im schummrigen Licht dieser Bar saßen, Geschichten austauschten und an unseren Getränken nippten.“

Sie musste lächeln und blickte vom Bildschirm auf. Ja, Johannes. Die einzige Person, deren Gegenwart sie sich momentan nicht entzog. Wie schön es war, sich zu erinnern, wie sie sich damals kennengelernt hatten. Und wie wunderbar es war, dass aus Abenden wie diesem eine so starke Beziehung hervorgegangen war, mit der niemand gerechnet hatte – nicht einmal sie selbst. Noch heute wunderte sie sich manchmal, was damals mit ihr passiert war. Warum ausgerechnet dieser eine Mann, der nicht nur 10 Jahre älter war, sondern auch noch vier Stunden entfernt in Zürich wohnte, ihr Interesse geweckt hatte. Zu Beginn hatte sie ihn schließlich nicht einmal wirklich wahrgenommen, konnte sich seinen Namen erst nach dem dritten oder vierten Aufeinandertreffen merken. Gedankenversunken spielte sie an einer Haarsträhne, die ihr immer wieder ins Gesicht fiel. Er war ihr Fels. So abgedroschen diese Floskel auch sein mag, sie stimmte: Niemand außer ihm war in den Momenten, in denen die Depression ihre hässliche Fratze in vollem Ausmaß zeigte, in der Lage, sie zu beruhigen. Er konnte sie einfangen, wenn ihre Gedanken wieder nicht stillstehen wollten und sie in einem Strudel der Ängste und Zweifel immer weiter hinunterzogen. Er tat ihr gut. Er musste sie nur in den Arm nehmen und ihre Welt stand still.

Die Krankheit stellte eine Belastung für ihre Beziehung dar. Sie neigte zum Jähzorn, reagierte oft abweisend und stieß ihn vor den Kopf, obwohl sie ihn so dringend an ihrer Seite brauchte. Sie war einfach nicht sie selbst, konnte diese neue Seite nicht kontrollieren, die schleichend von ihr Besitz ergriffen hatte. Von einem Moment auf den anderen schlug ihre Stimmung um, sie wurde von einer ganz normalen jungen Frau zu einem ätzenden Biest, das jeglichen guten Zuspruch unbeachtet ließ und in jeder Äußerung einen Angriff wähnte. Und trotzdem war er noch da. Johannes hielt zu ihr, nahm sich Zeit für sie und brachte ihr mehr Liebe entgegen, als sie in diesem abweisenden Zustand jemals verdient hätte. Und dafür war sie ihm dankbar, unendlich dankbar. Im richtigen Licht gesehen war die Krankheit nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Segen, denn sie hatte die Beziehung der beiden über die letzten Wochen hinweg so viel stärker gemacht. Stärker, als sie je gedacht hätte. Sie hatte sich in dieser Zeit so sehr in Johannes verliebt, in diese liebevolle und verlässliche Seite, die sie so noch nicht an ihm gekannt hatte. Wenn die Depression ihr schon die Energie und Motivation zum Leben raubte, so konnte sie ihr wenigstens nicht dieses Gefühl rauben. Das Gefühl, dass mit ihm alles gut wird, egal wie aussichtslos es gerade scheint. Sie war sich sicher, dass Johannes zu ihr gehörte, dass sie zu Johannes gehörte. Dass ihre Beziehung jede Widrigkeit überstehen würde. Egal, ob Altersunterschied, Entfernung oder Krankheit. In guten wie ein schlechten Zeiten.

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azareon35
Geschlecht:männlichSchreiberling


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BeitragVerfasst am: 09.08.2017 17:34    Titel: Re: Einstand: Textprobe - vielleicht wird es mal ein Buch! Antworten mit Zitat

Heyo DoggoLove,

dann will ich mal etwas Feedback abgeben. Ist alles nur meine persönliche Meinung, nimm, was du gebrauchen kannst.


DoggoLove hat Folgendes geschrieben:
Hallo zusammen,
zum Einstand möchte ich gar nicht viel drum herum reden, sondern euch gleich meinen Text präsentieren. Ich habe seit einigen Jahren nicht mehr geschrieben und bin neu hier, deshalb voller Spannung auf euer Feedback! Idea

Sie hatte lange nicht geschrieben. Der Laptop lag seit Wochen, vielleicht sogar Monaten samt Ladekabel in einer Ecke ihres Schlafzimmers auf dem Wäschekorb. In der Hand hatte sie ihn oft gehabt – jedes Mal, wenn sie schmutzige Wäsche hatte. Oder waschen wollte. Moment, sie wollte den Laptop waschen? Confused Aber eben nie zum Schreiben. Das Gerät war inzwischen von einer hauchdünnen, samtigen Staubschicht überzogen, die sie mit einer Handbewegung dürftig wegwischte. Heute war es so weit. Heute würde sie endlich wieder schreiben. Sie wusste selbst nicht so recht, woher die plötzliche Inspiration kam – doch war das wichtig? Schließlich war sie in ihrem derzeitigen Zustand dankbar für jede Eingebung, jeden Funken Motivation, der sie zumindest kurz beflügelte. Sie nahm den Laptop sanft vom Wäschekorb und hob ihn hoch, zögernd, ob sie es sich tatsächlich zutraute, ihr Innerstes für eine Geschichte nach außen zu kehren. An einem Tag wie diesem, an dem sie sich besser fühlte, alltägliche Pflichten ohne allzu große Überwindung erledigen konnte – an so einem Tag wollte sie das Risiko eingehen, noch während des Schreibens von einer neuen lähmenden Blockade niedergeschmettert zu werden? Ja. Verdammt, ja. Da würde ich zwei Absätze einfügen, das liest sich besser. Beherzt griff sie nach dem Ladekabel und ging mit entschlossenen Schritten ins Wohnzimmer. Der Satz ist für mich etwas überladen. Besser fände ich Entschlossen griff sie sich das Ladekabel und schritt ins Wohnzimmer.

Seit die Depressionen sie gepackt und in ein tiefes, schwarzes Loch gezogen hatten, Das ist ein sehr gängiges Klischee. Sehr gut als Platzhalter, um voran zu kommen, aber für den endgültigen Text würde ich mir an deiner Stelle hier etwas neues überlegen. hatte sich ihre Komfortzone immer weiter zusammengezogen. Jede soziale Interaktion, die außerhalb der Wohnung stattfand, stellte eine massive Überwindung für sie dar. Jeden Termin, der in greifbare Nähe rückte, wollte sie absagen, für jedes Treffen mit Freunden und Familie eine Ausrede erfinden. Allein die Aussicht, die Wohnung verlassen zu müssen, um mit anderen Personen zu interagieren – sei es beim Einkaufen, beim Arzt oder im Büro – schnürte ihr die Kehle zu. Der Magen drehte sich um, ihr Herz raste und Tränen schossen in ihre Augen. Warum sie so reagierte, konnte sie sich selbst nicht erklären. Sie war doch immer so ein aufgeschlossener, lebensfroher Mensch gewesen. Immer ein Lächeln auf den Lippen und einen flotten Spruch auf der Zunge. Aber diese Person schien sie inzwischen nicht mehr zu sein. Zumindest für einen begrenzten Zeitraum, bis sie diese Krankheit überwunden hatte, die ihre Energie und Motivation zu einem massiv begrenzten Gut gemacht hatte.

Schon früher hatte es ihr geholfen, Gedanken und Gefühle zu verarbeiten, wenn sie diese als Geschichte abtippte – so als wären es lediglich die Erlebnisse einer fiktiven Gestalt.Eine Gestalt, deren Schicksal in ihren Händen lag. Deren Geschichte sie beeinflussen und steuern konnte. Der Teil gefällt mir, schlicht und greifbar. Weiter so! Mit diesem Gedanken im Hinterkopf legte sie ihren Laptop auf dem Sofa ab. Es würde ihr gut tun, all die verbleibende Energie des heutigen Tages in die Tastatur fließen zu lassen – sie musste sich nur auf etwas Positives konzentrieren. Sie steckte das eine Ende ihres Ladekabels in den Laptop, das andere in die Steckdose, stellte sich eine Flasche stilles Wasser und ein Glas bereit. Dann setzte sie sich. Es fiel ihr schwer, die Zweifel abzuschütteln, ob sie die richtigen Worte finden würde, um ihre kreisenden Gedanken zu beruhigen. Ob sie mit ihrer Geschichte zufrieden sein würde. Ob ihre kurzfristige Motivation ausreichen würde, um am Ball zu bleiben. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Dann klappte sie schwungvoll den Laptop auf.

„Es war ein Freitag. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, das Haus noch einmal zu verlassen – es war eine stressige Arbeitswoche gewesen. Typisch Werbeagentur. Viele Überstunden, nörgelnde Kunden, unzufriedene Chefs, starker Erfolgsdruck. Dann rief er mich an. Johannes. Ob ich nicht Lust hätte, mit auf eine Kneipentour zu kommen. Sie wären gerade bei einem Freund ganz in der Nähe, ich solle mich doch einfach anschließen. Normalerweise hätte ich den Anruf ignoriert. Oder zumindest abgesagt. Schließlich war er kein besonders enger Freund, nein, wir kannten uns erst seit kurzem – er war ein Freund unseres Nachbarn und hatte die Wohnung schräg über uns gekauft. Doch an diesem Abend war irgendetwas anders. Ich sagte zu, obwohl ich weder gern Alkohol trank noch Lust hatte, hektisch von Bar zu Bar zu ziehen. Innerhalb einer halben Stunde war ich angezogen, zurechtgemacht und saß auf dem Sofa des Kumpels, wie auch immer sein Name gelautet haben mag. Johannes selbst war ein sympathischer Kerl. Ich mochte ihn gern, weil wir einen ähnlichen Humor besaßen und es einfach war, sich mit ihm zu unterhalten – ohne viel nachdenken und ein Gesprächsthema suchen zu müssen. Eine angenehme Ablenkung vom stressigen Alltag also. Wir blieben nicht lang bei seinem Freund, sondern zogen kurz nach meiner Ankunft los zur ersten Kneipe. Diese stellte sich als eine Art Open-Air-Kino heraus, wie wir vor Ort feststellen mussten. Nach einigen Minuten Der kleine Eisbär und einem Getränk gingen wir also lieber weiter. Im Laufe des Abends wurden Johannes und ich von er Gruppe getrennt – ein Teil war ohne uns weitergezogen, ein anderer Teil der Gruppe war nach Hause gegangen. Normalerweise der richtige Zeitpunkt, ebenfalls die Heimreise anzutreten. Jedoch waren wir so vertieft in unser Gespräch und hatten so viel Spaß, dass ich schlichtweg vergaß, mich zu verabschieden und wir Stunden später immer noch im schummrigen Licht dieser Bar saßen, Geschichten austauschten und an unseren Getränken nippten.“ Der Abschnitt hier ist gar nicht mal schlecht, aber da müsstest du ein wenig am Stil deiner Protagonistin feilen. Es unterscheidet sich bis auf die Anführungszeichen nicht wirklich von der Stimme des Erzählers und das kann schnell zu Verwirrungen führen. Ein fehlendes Satzzeichen und der Leser ist aus der Story raus. Leider ist das beste Beispiel, was mir jetzt einfällt, das Tagebuch von Winston aus 1984.

Sie musste lächeln und blickte vom Bildschirm auf. Ja, Johannes. Die einzige Person, deren Gegenwart sie sich momentan nicht entzog. Wie schön es war, sich zu erinnern, wie sie sich damals kennengelernt hatten. Und wie wunderbar es war, dass aus Abenden wie diesem eine so starke Beziehung hervorgegangen war, mit der niemand gerechnet hatte – nicht einmal sie selbst. Noch heute wunderte sie sich manchmal, was damals mit ihr passiert war. Warum ausgerechnet dieser eine Mann, der nicht nur 10 Jahre älter war, sondern auch noch vier Stunden entfernt in Zürich wohnte, ihr Interesse geweckt hatte. Zu Beginn hatte sie ihn schließlich nicht einmal wirklich wahrgenommen, konnte sich seinen Namen erst nach dem dritten oder vierten Aufeinandertreffen merken. Gedankenversunken spielte sie an einer Haarsträhne, die ihr immer wieder ins Gesicht fiel. Er war ihr Fels. So abgedroschen diese Floskel auch sein mag, sie stimmte: Niemand außer ihm war in den Momenten, in denen die Depression ihre hässliche Fratze in vollem Ausmaß zeigte, in der Lage, sie zu beruhigen. Er konnte sie einfangen, wenn ihre Gedanken wieder nicht stillstehen wollten und sie in einem Strudel der Ängste und Zweifel immer weiter hinunterzogen. Er tat ihr gut. Er musste sie nur in den Arm nehmen und ihre Welt stand still.

Die Krankheit stellte eine Belastung für ihre Beziehung dar. Sie neigte zum Jähzorn, reagierte oft abweisend und stieß ihn vor den Kopf, obwohl sie ihn so dringend an ihrer Seite brauchte. Sie war einfach nicht sie selbst, konnte diese neue Seite nicht kontrollieren, die schleichend von ihr Besitz ergriffen hatte. Von einem Moment auf den anderen schlug ihre Stimmung um, sie wurde von einer ganz normalen jungen Frau zu einem ätzenden Biest, das jeglichen guten Zuspruch unbeachtet ließ und in jeder Äußerung einen Angriff wähnte. Und trotzdem war er noch da. Johannes hielt zu ihr, nahm sich Zeit für sie und brachte ihr mehr Liebe entgegen, als sie in diesem abweisenden Zustand jemals verdient hätte. Und dafür war sie ihm dankbar, unendlich dankbar. Im richtigen Licht gesehen war die Krankheit nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Segen, denn sie hatte die Beziehung der beiden über die letzten Wochen hinweg so viel stärker gemacht. Stärker, als sie je gedacht hätte. Sie hatte sich in dieser Zeit so sehr in Johannes verliebt, in diese liebevolle und verlässliche Seite, die sie so noch nicht an ihm gekannt hatte. Wenn die Depression ihr schon die Energie und Motivation zum Leben raubte, so konnte sie ihr wenigstens nicht dieses Gefühl rauben. Das Gefühl, dass mit ihm alles gut wird, egal wie aussichtslos es gerade scheint. Sie war sich sicher, dass Johannes zu ihr gehörte, dass sie zu Johannes gehörte. Dass ihre Beziehung jede Widrigkeit überstehen würde. Egal, ob Altersunterschied, Entfernung oder Krankheit. In guten wie ein schlechten Zeiten.


Bis auf die Sachen, die angemerkt habe, eigentlich gut zu lesen. Ich gebe offen zu, das ist nicht die Art von Story, die ich zum Vergnügen lese, deswegen kann ich über einige Sachen keine Aussage treffen.
Aber dass die Prota andauernd von ihrer Depression redet, stört mich doch etwas. Es wirft mich immer wieder aus dem Text, weil sie das Ganze aus meiner Sicht etwas zu klinisch betrachtet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass an einer Depression leidende Menschen das nur selten (wenn überhaupt) für sich selbst als Depression bezeichnen.  Entweder schieben sie es auf ihre Umwelt, dass ihnen alles zu viel geworden ist, oder sie reden von einem "Problem". Falls sie überhaupt davon reden.
Dass deine Prota von ihrer eigenen Depression weiß, nimmt der Sache ein bisschen die Spannung.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.
MfG
Azareon


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misterdoogalooga
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BeitragVerfasst am: 10.08.2017 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

hi azareon,

sprachlich finde ich deinen Text gut. Inhaltlich etwas langatmig – und zwar deshalb, weil so lange um den Brei herumgeredet (herumgeschrieben) wird. Ich finde, du könntest die Story deutlich auflockern, indem du Dialoge einbaust und damit zeigst, wie die Personen so ticken.

LG
mr.doogalooga


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azareon35
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BeitragVerfasst am: 10.08.2017 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

misterdoogalooga hat Folgendes geschrieben:
hi azareon,

sprachlich finde ich deinen Text gut. Inhaltlich etwas langatmig – und zwar deshalb, weil so lange um den Brei herumgeredet (herumgeschrieben) wird. Ich finde, du könntest die Story deutlich auflockern, indem du Dialoge einbaust und damit zeigst, wie die Personen so ticken.

LG
mr.doogalooga

Ich glaube, du hast den Falschen erwischt ...


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DoggoLove
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BeitragVerfasst am: 10.08.2017 18:26    Titel: Danke! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden,

vielen Dank für eure Antworten! Das war schon mal sehr hilfreich und für einen ersten Versuch wohl auch gar nicht so daneben smile beim nächsten Mal versuche ich eure Anmerkungen zu berücksichtigen.

Azareon, ich muss dir aber in einem Punkt widersprechen: es gibt auch genug Personen mit seelischer Erkrankung, die damit sehr offen umgehen und das selbst klar betrachten und adressieren, statt andere dafür verantwortlich zu machen.

Viele Grüße!
DoggoLove
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misterdoogalooga
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BeitragVerfasst am: 10.08.2017 19:36    Titel: Antworten mit Zitat

@azareon: ups, bitte um Entschuldigung - da habe ich scheinbar auf der Suche nach dem Nickname nicht weit genug nach oben gescrollt Wink

den DoogoLove mein ich natürlich Wink


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shaadar
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BeitragVerfasst am: 28.08.2017 09:15    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde den Text ganz schön. Obwohl jetzt Verwirrungen folgen müssen. Es scheint noch ganz einfach: depressive Anzeichen und gleich eine mögliche Lösung (Beziehung zu Johannes). Mal sehen wie Du es weiterführst.
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Herr Bossi
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BeitragVerfasst am: 28.08.2017 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe DoggoLove,

ich freue mich, dass Du nun ganz aus Deinem Tal auftauchen möchtest.
Ich weiß wie Du denkst und "woher" dieser Text kommt  ...

Schreibe Dir alles von der Seele ... schreibe den Neuanfang ...
und dann beginne mit einem neuen Thema, wo es um ganz Anderes gehen sollte und wo Du Deiner Phantasie wieder das Fliegen beibringst.

Das Schöne beim Schreiben ist. Man spart gewaltig Zeit.
Im wahren Leben muss man Stationen erst erreichen. Im Schreiben kann man sie gebären.

liebe Grüße
vom Herrn Bossi
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Herr Bossi
Geschlecht:männlichAlter Ego

Alter: 57
Beiträge: 366
Wohnort: MG


BeitragVerfasst am: 28.08.2017 12:03    Titel: Re: Einstand: Textprobe - vielleicht wird es mal ein Buch! Antworten mit Zitat

zum Text selbst kurz, bzw ein Kommentar zu einem der Kommentare hier.

azareon35 hat Folgendes geschrieben:


Ich habe die Erfahrung gemacht, dass an einer Depression leidende Menschen das nur selten (wenn überhaupt) für sich selbst als Depression bezeichnen.  Entweder schieben sie es auf ihre Umwelt, dass ihnen alles zu viel geworden ist, oder sie reden von einem "Problem". Falls sie überhaupt davon reden.
Dass deine Prota von ihrer eigenen Depression weiß, nimmt der Sache ein bisschen die Spannung.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.
MfG
Azareon


Ich denke, hier ist entscheidend und auch unabdingbar, dass die Protagonistin von ihrer Depression weiß.

Vorher hat die Protagonistin überhaupt keine Chance, "daran" etwas zu ändern. Mangels Selbsteinsicht, mangels Kraft, mangels Gefühl, mangels Hoffnung, mangels echtem und gefühlten Entschluss und nicht nur oft lamentierend gedacht, "dass das mal aufhören solle".

Nur dieses "Selbstwissen" und das dumpfe Wissen, "es war doch mal anders" geben ihr die Kraft, sich den Laptop unter den Arm zu klemmen und tatsächlich wieder anfangen zu wollen ...

plus diesem unvergleichlichen gefühlten Impuls, jetzt gerade Lust zum schreiben zu verspüren ... das ist wie eine kleine Neugeburt, die aber nicht lange anhalten wird ... das weiß sie inzwischen auch ganz genau ...

ob sie es dann schon beim ersten Anlauf raus aus ihrer Blockade schafft, ist nochmal eine andere Frage. Natürlich wird das nicht so sein.

Allerdings hofft die Protagonistin noch immer auf von außen kommende Hilfe ... hier durch den Freund.
Der Weg ist also "nur" begonnen, noch nicht gegangen. Aber er ist begonnen.
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J_Fab84
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BeitragVerfasst am: 28.10.2017 14:09    Titel: Re: Einstand: Textprobe - vielleicht wird es mal ein Buch! Antworten mit Zitat

DoggoLove hat Folgendes geschrieben:
Hallo zusammen,
zum Einstand möchte ich gar nicht viel drum herum reden, sondern euch gleich meinen Text präsentieren. Ich habe seit einigen Jahren nicht mehr geschrieben und bin neu hier, deshalb voller Spannung auf euer Feedback! Idea

Sie hatte lange nicht geschrieben. Der Laptop lag seit Wochen, vielleicht sogar Monaten samt Ladekabel in einer Ecke ihres Schlafzimmers auf dem Wäschekorb. In der Hand hatte sie ihn oft gehabt – jedes Mal, wenn sie schmutzige Wäsche hatte. Oder waschen wollte. Aber eben nie zum Schreiben. Das Gerät war inzwischen von einer hauchdünnen, samtigen Staubschicht überzogen, die sie mit einer Handbewegung dürftig wegwischte. Heute war es so weit. Heute würde sie endlich wieder schreiben. Sie wusste selbst nicht so recht, woher die plötzliche Inspiration kam – doch war das wichtig? Schließlich war sie in ihrem derzeitigen Zustand dankbar für jede Eingebung, jeden Funken Motivation, der sie zumindest kurz beflügelte. Sie nahm den Laptop sanft vom Wäschekorb und hob ihn hoch, zögernd, ob sie es sich tatsächlich zutraute, ihr Innerstes für eine Geschichte nach außen zu kehren. An einem Tag wie diesem, an dem sie sich besser fühlte, alltägliche Pflichten ohne allzu große Überwindung erledigen konnte – an so einem Tag wollte sie das Risiko eingehen, noch während des Schreibens von einer neuen lähmenden Blockade niedergeschmettert zu werden? Ja. Verdammt, ja. Beherzt griff sie nach dem Ladekabel und ging mit entschlossenen Schritten ins Wohnzimmer.

Seit die Depressionen sie gepackt und in ein tiefes, schwarzes Loch gezogen hatten, hatte sich ihre Komfortzone immer weiter zusammengezogen. Jede soziale Interaktion, die außerhalb der Wohnung stattfand, stellte eine massive Überwindung für sie dar. Jeden Termin, der in greifbare Nähe rückte, wollte sie absagen, für jedes Treffen mit Freunden und Familie eine Ausrede erfinden. Allein die Aussicht, die Wohnung verlassen zu müssen, um mit anderen Personen zu interagieren – sei es beim Einkaufen, beim Arzt oder im Büro – schnürte ihr die Kehle zu. Der Magen drehte sich um, ihr Herz raste und Tränen schossen in ihre Augen. Warum sie so reagierte, konnte sie sich selbst nicht erklären. Sie war doch immer so ein aufgeschlossener, lebensfroher Mensch gewesen. Immer ein Lächeln auf den Lippen und einen flotten Spruch auf der Zunge. Aber diese Person schien sie inzwischen nicht mehr zu sein. Zumindest für einen begrenzten Zeitraum, bis sie diese Krankheit überwunden hatte, die ihre Energie und Motivation zu einem massiv begrenzten Gut gemacht hatte.

Schon früher hatte es ihr geholfen, Gedanken und Gefühle zu verarbeiten, wenn sie diese als Geschichte abtippte – so als wären es lediglich die Erlebnisse einer fiktiven Gestalt.Eine Gestalt, deren Schicksal in ihren Händen lag. Deren Geschichte sie beeinflussen und steuern konnte. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf legte sie ihren Laptop auf dem Sofa ab. Es würde ihr gut tun, all die verbleibende Energie des heutigen Tages in die Tastatur fließen zu lassen – sie musste sich nur auf etwas Positives konzentrieren. Sie steckte das eine Ende ihres Ladekabels in den Laptop, das andere in die Steckdose, stellte sich eine Flasche stilles Wasser und ein Glas bereit. Dann setzte sie sich. Es fiel ihr schwer, die Zweifel abzuschütteln, ob sie die richtigen Worte finden würde, um ihre kreisenden Gedanken zu beruhigen. Ob sie mit ihrer Geschichte zufrieden sein würde. Ob ihre kurzfristige Motivation ausreichen würde, um am Ball zu bleiben. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Dann klappte sie schwungvoll den Laptop auf.
- Soweit ganz okay. Ein wenig langatmig und nicht wirklich reizvoll. Klingt wie eine Einführung. Aber ich frage mich: wer ist "sie", der Charakter der das schildert?

„Es war ein Freitag. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, das Haus noch einmal zu verlassen – es war eine stressige Arbeitswoche gewesen. Typisch Werbeagentur. Viele Überstunden, nörgelnde Kunden, unzufriedene Chefs, starker Erfolgsdruck. Dann rief er mich an. Johannes. Ob ich nicht Lust hätte, mit auf eine Kneipentour zu kommen. Sie wären gerade bei einem Freund ganz in der Nähe, ich solle mich doch einfach anschließen. Normalerweise hätte ich den Anruf ignoriert. Oder zumindest abgesagt. Schließlich war er kein besonders enger Freund, nein, wir kannten uns erst seit kurzem – er war ein Freund unseres Nachbarn und hatte die Wohnung schräg über uns gekauft. Doch an diesem Abend war irgendetwas anders. Ich sagte zu, obwohl ich weder gern Alkohol trank noch Lust hatte, hektisch von Bar zu Bar zu ziehen. Innerhalb einer halben Stunde war ich angezogen, zurechtgemacht und saß auf dem Sofa des Kumpels, wie auch immer sein Name gelautet haben mag. Johannes selbst war ein sympathischer Kerl. Ich mochte ihn gern, weil wir einen ähnlichen Humor besaßen und es einfach war, sich mit ihm zu unterhalten – ohne viel nachdenken und ein Gesprächsthema suchen zu müssen. Eine angenehme Ablenkung vom stressigen Alltag also. Wir blieben nicht lang bei seinem Freund, sondern zogen kurz nach meiner Ankunft los zur ersten Kneipe. Diese stellte sich als eine Art Open-Air-Kino heraus, wie wir vor Ort feststellen mussten. Nach einigen Minuten Der kleine Eisbär und einem Getränk gingen wir also lieber weiter. Im Laufe des Abends wurden Johannes und ich von er Gruppe getrennt – ein Teil war ohne uns weitergezogen, ein anderer Teil der Gruppe war nach Hause gegangen. Normalerweise der richtige Zeitpunkt, ebenfalls die Heimreise anzutreten. Jedoch waren wir so vertieft in unser Gespräch und hatten so viel Spaß, dass ich schlichtweg vergaß, mich zu verabschieden und wir Stunden später immer noch im schummrigen Licht dieser Bar saßen, Geschichten austauschten und an unseren Getränken nippten.“
- Ist das ein Gedanke von dieser Person? Diese Anführungszeichen irritieren mich nämlich. Ich benutze solche für Dialoge. Bei Gedanken von Charakteren verwende ich diese: ´und `. Vielleicht könntest du diese Gedanken ein wenig umschreiben?

Sie musste lächeln und blickte vom Bildschirm auf. Ja, Johannes. Die einzige Person, deren Gegenwart sie sich momentan nicht entzog. Wie schön es war, sich zu erinnern, wie sie sich damals kennengelernt hatten. Und wie wunderbar es war, dass aus Abenden wie diesem eine so starke Beziehung hervorgegangen war, mit der niemand gerechnet hatte – nicht einmal sie selbst. Noch heute wunderte sie sich manchmal, was damals mit ihr passiert war. Warum ausgerechnet dieser eine Mann, der nicht nur 10 Jahre älter war, sondern auch noch vier Stunden entfernt in Zürich wohnte, ihr Interesse geweckt hatte. Zu Beginn hatte sie ihn schließlich nicht einmal wirklich wahrgenommen, konnte sich seinen Namen erst nach dem dritten oder vierten Aufeinandertreffen merken. Gedankenversunken spielte sie an einer Haarsträhne, die ihr immer wieder ins Gesicht fiel. Er war ihr Fels. So abgedroschen diese Floskel auch sein mag, sie stimmte: Niemand außer ihm war in den Momenten, in denen die Depression ihre hässliche Fratze in vollem Ausmaß zeigte, in der Lage, sie zu beruhigen. Er konnte sie einfangen, wenn ihre Gedanken wieder nicht stillstehen wollten und sie in einem Strudel der Ängste und Zweifel immer weiter hinunterzogen. Er tat ihr gut. Er musste sie nur in den Arm nehmen und ihre Welt stand still.

Die Krankheit stellte eine Belastung für ihre Beziehung dar. Sie neigte zum Jähzorn, reagierte oft abweisend und stieß ihn vor den Kopf, obwohl sie ihn so dringend an ihrer Seite brauchte. Sie war einfach nicht sie selbst, konnte diese neue Seite nicht kontrollieren, die schleichend von ihr Besitz ergriffen hatte. Von einem Moment auf den anderen schlug ihre Stimmung um, sie wurde von einer ganz normalen jungen Frau zu einem ätzenden Biest, das jeglichen guten Zuspruch unbeachtet ließ und in jeder Äußerung einen Angriff wähnte. Und trotzdem war er noch da. Johannes hielt zu ihr, nahm sich Zeit für sie und brachte ihr mehr Liebe entgegen, als sie in diesem abweisenden Zustand jemals verdient hätte. Und dafür war sie ihm dankbar, unendlich dankbar. Im richtigen Licht gesehen war die Krankheit nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Segen, denn sie hatte die Beziehung der beiden über die letzten Wochen hinweg so viel stärker gemacht. Stärker, als sie je gedacht hätte. Sie hatte sich in dieser Zeit so sehr in Johannes verliebt, in diese liebevolle und verlässliche Seite, die sie so noch nicht an ihm gekannt hatte. Wenn die Depression ihr schon die Energie und Motivation zum Leben raubte, so konnte sie ihr wenigstens nicht dieses Gefühl rauben. Das Gefühl, dass mit ihm alles gut wird, egal wie aussichtslos es gerade scheint. Sie war sich sicher, dass Johannes zu ihr gehörte, dass sie zu Johannes gehörte. Dass ihre Beziehung jede Widrigkeit überstehen würde. Egal, ob Altersunterschied, Entfernung oder Krankheit. In guten wie ein schlechten Zeiten.

- Klingt alles wie ein "Gedankengang" von einer Person. Etwas langweilig kommt es rüber, ohne Dialoge und ohne dass etwas konkretes vor sich geht.
Mir fehlt auch ein Arbeitstitel und ich lese nicht heraus, was für eine Art Geschichte das sein soll, worum es eigentlich geht und ob das ein Anfang einer Geschichte ist oder ein Mittelteil. - meine Meinung, vielleicht hilft es dir, den Text etwas zu überarbeiten um ihn ein wenig interessanter zu gestalten? Wink


_________________
MfG,

J_Fab84
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Kaffeetante0606
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 35
Beiträge: 25
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 08.12.2017 11:50    Titel: Gelungen Antworten mit Zitat

Lieber DoggoLove,

ich finde den Text sehr gelungen. Mich persönlich spricht die Thematik an. Die Hauptperson entscheidet sich (zumindest habe ich es so verstanden) wieder mehr am Leben teilzunehmen und beginnt wieder, es für sich zu gestalten.
Ein schwieriger erster Schritt, der von ihrer Krankheit erschwert wird. Aber es ist ein Anfang.

Trotz allem würde ich mich freuen, "sie" noch mehr kennenzulernen. Von ihrem Seelenleben bekommt man einen guten Eindruck, aber wie alt ist sie? Wie sieht sie aus? Hat sie eher Depressionen oder ist es eher ein Burn-out? Symptomatisch gleichen sich die beiden Krankheiten ja sehr...

Auch dass der Text etwas langatmig ist, finde ich hier richtig, als Stilmittel betrachtet ... So fühlt sie sich... Alles geht schwer von statten und sie hat das Gefühl ... als würde sie durch Schlamm waten ... Da ist es für mich schlüssig, dass es sich auch im Schreibstil widerspiegelt...

Natürlich müssen früher oder später ein paar Verwicklungen und Verwirrungen folgen, doch zum Einstand reicht mir das völlig, da ich einen Einblick in die Situation erhalte.

Ich würde mich freuen, zu erfahren, wie die Prota sich weiterentwickelt.

Viel Spaß noch,
Kaffeetante0606
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1694
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 08.12.2017 12:40    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Frau, die mit Depressionen kämpft, entscheidet sich für einen kleinen Schritt in Richtung Licht, wird aktiv und hilft sich (ein Stück weit) mit positiven Erinnerungen.
Das könnte so als Kurztext stehen bleiben, für mich wäre das rund, auch wenn die typische Wendung einer klassischen Kurzgeschichte fehlt. Wenn das ein längerer Text würde, wüsste ich gern den Namen der Figur. Jemand Namenlosem durch viele Seiten zu folgen oder erst später den Namen geliefert zu bekommen, fühlt sich komisch an.

Dieses Zähe, Graue, Bremsende der Krankheit finde ich gut eingefangen. So gut, dass mir der Text zu lang vorkommt. Nein, es muss nicht jedes Mal mit einer Explosion losgehen, so ein leises, nachdenkliches Stück gefällt mir sehr, aber bisweilen zieht es sich. Ich such mal ein Beispiel raus:
Zitat:
Der Laptop lag seit Wochen, vielleicht sogar Monaten samt Ladekabel in einer Ecke ihres Schlafzimmers auf dem Wäschekorb. In der Hand hatte sie ihn oft gehabt – jedes Mal, wenn sie schmutzige Wäsche hatte. Oder waschen wollte. Aber eben nie zum Schreiben. Das Gerät war inzwischen von einer hauchdünnen, samtigen Staubschicht überzogen, die sie mit einer Handbewegung dürftig wegwischte.
Eventuell könnte sogar das Ladekabel weg und sie nimmt einfach das Notebook mit.

Dass jemand über seine Depressionen Bescheid weiß, finde ich nicht weiter verwunderlich, auch dann, wenn das noch nicht "amtlich/ärztlich" bestätigt wurde. Das fühlt sich eben doch völlig anders an als ganz normaler Trübsinn. Existenzieller. Vernichtender. Für mich ist das stimmig.

Die Perspektive liest sich manchmal relativ distanziert. Das sehe ich nicht als Fehler, es gibt dem Text aber eine bestimmte Färbung, die es mir an einigen Stellen schwer macht, der Figur näher zu kommen. Beispiel:
Zitat:
Jede soziale Interaktion, die außerhalb der Wohnung stattfand, stellte eine massive Überwindung für sie dar.
Puuh. Das klingt eher nach psychiatrischer Fallstudie, über die "soziale Interaktion" stolpere ich gehörig - denkt wirklich jemand so? Denn Du schreibst ja ihre Gedanken.

Ich finde ebenfalls, dass sich der Erzählton der beiden Ebenen kaum unterscheidet. Das ergibt einen seltsamen Effekt, dieses "Buch im Buch im Buch"-Gefühl: Depressive Autorin schreibt über depressive Autorin, die über ...  Aber vielleicht ist das ja sogar beabsichtigt.

Am Ende verlierst Du mich etwas. Der Text läuft etwas müde aus, wie eine Welle, die am Ende matt ans Ufer schwappt. Als hätte die Schreiberin (nicht die in der Geschichte, sondern die reale) am Ende keine Energie mehr gehabt, um den Schluss auch zu gestalten. Da scheint sich einiges zu wiederholen und am Ende sitze ich mit der Frage "Und was jetzt?" da.

Fazit: Ein leises, nachdenkliches Stück, das mir gefällt, aber in der derzeitigen Form noch kein Einstieg in die Langform. Ich fände Kürzen günstig, z.B. das Rausstreichen inhaltlicher Wiederholungen, und eine bewusstere Gestaltung des Endes in die eine (KG) oder andere Richtung (Roman).
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