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Asylanten/Flüchtlinge


 

 
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Autor Nachricht
Cholyrika
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 58
Beiträge: 298



BeitragVerfasst am: 28.12.2016 09:31    Titel: Asylanten/Flüchtlinge eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Asylanten/Flüchtlinge

Ich schleiche durch
die Hinterhöfe meiner Kindheit
und gestattete mir Befindlichkeiten.
Erinnerungen.
Solche, die sich gut anfühlen.
Von Mama und Papa,
Freunden und Nachbarn.
Weihnachten,
Ferien,
Geburtstagen,
Hochzeiten.

Weißt du,
solche Erinnerungen,
die wir alle haben.
Sie werden gepflanzt.
Wie ein kleiner Samen
aus Harmonie und
dem unendlichen Gefühl
des "Irgendwo-hin-Gehörens".

Und immer wenn ich traurig bin,
dann kann ich diesen mächtigen Baum,
der aus dem Samen gewachsen ist
anschauen
und mich wohl fühlen.
Ich ritzte meine erste Liebe
in die Rinde
und er schützte mich bei Regen,
wenn wir wie die Hasen rannten,
um uns unterzustellen.

Wenn es kalt wird in meiner Heimat,
dann hätte ich Holz.
Um ein Haus zu bauen,
oder um ein wärmendes Feuer zu entfachen.
Irgendwann werde ich alt sein.
Die Bäume meines Lebens
werden noch stehen.
Meine Kinder und Enkel
werden sie kennen
und neue Bäume neben ihnen pflanzen.
Und so entsteht ein ganzer Wald
voller Zuversicht,
voller Träume,
voller Zugehörigkeit.
Selbst wenn einer dieser Bäume stirbt,
dann dient er den jungen und neuen
Bäumen als Nahrung.
Und sie werden weiter wachsen
und wachsen.
Sich verbinden zu einer
nicht zerstörbaren Einheit.
Dichter und dichter und dichter.
Ein Wald aus Liebe,
aus Familie,
ein Wald aus Glück
und Geborgenheit.

Es gibt Menschen,
die pflanzten auch einen Baum.
Sie werden ihn nie wiedersehen.
Nie werden junge Bäume
zu einem Wald wachsen.
Jeder Baum steht einzeln.
Jeder in einem anderen Land.
Und jeder stirbt
für sich allein.

Das sollten wir nicht vergessen,
wenn wir uns eine Meinung bilden.

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Lapidar
Geschlecht:weiblichBücherwurm

Alter: 59
Beiträge: 3326
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 28.12.2016 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir sehr gut. Vor allem der erste Teil.Wobei ich es interessant finde, wie du das Wort 'Befindlichkeiten' benutzt.

Was mir nicht gefällt, aber da scheine ich gerade so eine Phase durchzumachen, ist der erhobene Zeigefinger am Schluss. Er nimmt dem Gedicht Stärke.
Durch die Überschrift ist klar, wohin der Gedanke geht.
Zum Formellen kann ich mich nicht äußern.

Gern gelesen
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A.F. Daring
Gänsefüßchen


Beiträge: 20
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 07.08.2017 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cholyrika (Name gefällt mir),

ich wundere mich, dass Du bisher nur eine Antwort bekommen hast.

Und ja, ich weiß, es ist schon eine Weile her, dass Du diesen Text eingestellt hast, aber es hat mich so mitgenommen, dass ich Dir einfach antworten musste.

Es gefällt mir ungemein gut. Die Bilder der Bäume, des Waldes, das geht mir direkt ins Herz. Ich habe es mit einem Kloß im Hals meiner Mutter vorgelesen, die daraufhin Tränen in die Augen bekam und sich wünschte, dass ich Dir dies ebenfalls rückmelde.

Ich würde ich nichts daran ändern. Bis auf die letzten beiden Zeilen. Da muss ich meinem Vorposter absolut recht geben. Das Stück wäre ohne diese beiden Zeilen weitaus stärker.

Mein Kompliment.

LG
A.F.
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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

Alter: 48
Beiträge: 4077
Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 08.08.2017 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Puh! Das ist aber mächtig mit dem Holzhammer! Liest sich am Ende ja schon wie ein halber Brecht. Wobei mir die "Meinung bilden" Fromulierung wirklich gut gefallen hat, wo sich die Beutung durch die Nicht-Zeitung-Werbung ja schon ins Gegenteil verkehrt hat, ein wirklich schöner Kynismus (nach Sloterdijk). Aber in dem Zusammenspiel mit dem vorher wirklich toll beschriebenen Bild des Erinnerungswaldes (mir fällt erst jetzt wieder ein, dass ich als Kind auch mal einen Baum gepflanzt habe, der irgendwann, lange nachdem ich ausgezogen bin, einer Umgestaltung des elternlichen Gartens weichen musste (schöne Entwurzlungsmetapher hier übrigens) blablabla – wie du siehst, regt mich dein Gedicht durchaus zum Denken an.) kommt mir das Ganze dann doch zu zugespitzt auf den anklagenden Zeigerfinger am Ende daher.

Hoffe, du kannst mit meinen (jetzt doch etwas wirren) Gedanken dazu was anfangen.

Grüße,
Veith


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Britta Redweik
Geschlecht:weiblichLeseratte

Alter: 32
Beiträge: 150
NaNoWriMo: 63326
Wohnort: Region Braunschweig/Wolfsburg


BeitragVerfasst am: 08.08.2017 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich gefällt mir auch der erhobene Zeigefinger. Es ist ja nicht in dem Sinne ein Gedicht. (Naja, vielleicht schon? Warum dann aber bei Prosa und nicht Lyrik?) Bei einem Gedicht würde ich zustimmen, dass es dem Ganzen die Kraft etwas nimmt, bei Prosa hingegen finde ich Moral am Ende sehr angenehm.

Ich finde, neben der Entwurzelung, den Text auch aus der Hinsicht schön, dass es ja heißt, jeder solle im Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und ein Kind zeugen. Dass die Leute Bäume angepflanzt haben, aber nicht mehr in der Lage sind, ihrer Hände Werk beim Wachsen zu betrachten und den Schatten zu genießen, den der Baum eines Tages spenden könnte, weil Wasserknappheit oder Krieg die harte Arbeit zunichte machen. Also ein Bild mit mehreren Ebenen, das gefällt mir sehr.
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