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Adieu


 
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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

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Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 28.07.2017 08:33    Titel: Adieu eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

„Adieu“

Dies Wortskalpell
Zerlegt mich in zwei Teile
Die Hälften grob gefasst
Im Kreuzstich lügnerischer Nadeln

Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir



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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 66
Beiträge: 800

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 28.07.2017 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ach ja, liebe Menetekel, was soll man dazu schreiben? Ich versuch einfach mal, meine Gefühle auszudrücken.

Ich finde es gut, was du schreibst. Das Gedicht als solches gefällt mir. Ich bin immer wieder erstaunt, wie du es schaffst, Gefühlsregungen in Bilder zu stricken.
Aber wenn du so ein Gedicht schreibst, dann klingt das für mich natürlich wie ein (wie dein) Abschied. Denn ich kann nicht trennen von dem Inhalt und der Aussage des Gedichts. Und: Es ist für mich verbunden mit der Auseinandersetzung in deinem Triolettfaden. Und dann tut so ein Titel "Adieu" und sein Inhalt einfach weh.

Andererseits schreibst du es als Gedicht, erwartest und erhoffst dir gedankliche Auseinandersetzung, Feedback. Und grad kann ich das schwer leisten. Ich wollte, ich könnte dir mit einem Gedicht antworten.

Viele Grüße von mir
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Aranka
Geschlecht:weiblichBücherwurm


Beiträge: 3383
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 28.07.2017 12:30    Titel: Antworten mit Zitat

Menetekel, das Gedicht hat sich in mir verbissen. Starke Zeilen. Ein starkes Bild. Eindrucksvoll gewortet.

Zitat:
Dies Wortskalpell
Zerlegt mich in zwei Teile


Das Sezieren der Texte: eine Operation am offenen Herzen. Das Gedicht, keine Leiche auf dem Tisch des Pathologen, ein Wesen mit schlagendem „Demutsherz“.

Zitat:
Die Hälften grob gefasst
Im Kreuzstich lügnerischer Nadeln


Starke Zeilen!!!! Werde ich so bald nicht vergessen.

Zitat:
Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -


Die Zeilen machen mich still und nachdenklich. „Demut“: ein recht altes und wunderbares Wort, vereint es doch zwei widersprüchliche Eigenschaften auf die beste Weise miteinander: „Bescheidenheit und Mut“. Eine Kombi, die jedem gut stünde und für jeden Künstler wohl ein MUSS ist.   Ich halte somit ein „Demutsherz“ für ein starkes Herz, selbst wenn es an manchen Tagen zaghaft schlägt.

Und so empfinde ich das Aufbäumen in den letzten Zeilen textlogisch und ich höre einen trotzigen Ton, ein starkes Dennoch!

Zitat:
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir


Gut so!!!!

Das waren meine Gedanken zum Gedicht und ich würde gerne meine leise Bauchstimme ignorieren, die mir hier etwas von Abschied flüstert. Und so tausche ich mutig den hier üblichen Gebrauch von „Adieu“ im Sinne von „Auf Nimmerwiedersehen“ einmal aus und wage eine Übersetzung, die einem „Demutsherzen“ besser angehört:
 

„á dieu“  

„Bei Gott“  / dies Wortskalpell zerlegt mich

…   Doch wenn …


Und diesem „doch wenn“ folgt ein „dann“ und darin wohnt der Mut des „dennoch“ mache ich weiter, weil ich nicht anders kann, als der „Sache“, die mir wichtig ist zu „dienen“ in Bescheidenheit und mit Mut.

Daher sage ich mal: wir lesen uns. Aranka


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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poetnick
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BeitragVerfasst am: 28.07.2017 17:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menetekel,

ein verletzliches, schützenswertes 'Inneres' - das Herz, liegt hier offen, oder geöffnet.
Doch die 'Kammerautomatie' als letzter, verlässlicher Reflex springt ein und hält es sogar noch auf dem Marmortisch der Betrachtung lebendig,  entzieht es direktem Zugriff.

Von daher verstehe ich die Überschrift situativ; dem Vorgang der Sektion 'entspringend' - im wahrsten Sinne.
Sie (die Überschrift), erscheint hier in Anführungszeichen gesetzt. Vielleicht hinterlegen sie eine Bedeutung, oder versetzen die Bedeutung des Wortes 'Adieu' von seinem offensichtlichen Platz?

Ein sehr nahe gehendes Gedicht.

Liebe Grüße - Poetnick


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Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Abari
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BeitragVerfasst am: 28.07.2017 17:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menetekel,

auch ich sehe den bedauerlichen aktuellen Bezug in Deinem Gedicht; ein fremder Leser sieht ihn nicht. Daher möchte ich einmal suchen, ihn mit dessen Augen zu sehen - zumal ich nicht wissen kann, wie alt der Text tatsächlich ist (immerhin steht er im Feedback).

Die Bilder sind sehr gut getroffen, sie gehen unter die Haut. Ich wollte eine Lieblingsstelle finden, aber je länger, je mehr ich darüber nachdenke, besteht der Text für mich aus Lieblingsstellen. Er löst lange Assoziationen bei mir aus, mit deren genauen Inhalt ich Dich nicht langweilen möchte. Außer die tiefe Traurigkeit, die ich beim Lesen empfinde darüber, dass etwas sehr zerbrechliches brutal seziert wird... Jetzt muss ich aufhören, die Bilder, die der Text aufruft, sind heute zu stark für mich.

Als Inspiration für einen weiteren Text dieser Art: Vielleicht hast Du Lust, in Dich hineinzuspüren und den Schmerz/die Betäubung während der "Operation" ins Wort zu nehmen? Die klammert der Text (vermutlich bewusst) aus und die hätte ich gern die Freude, sie hier zu lesen. Nur, sofern Du dazu Lust hast und Dich (noch) hineinzufühlen imstande fühlst.

Sehr gern gelesen, bis bald.


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Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

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Beiträge: 2141
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BeitragVerfasst am: 29.07.2017 07:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vorab, ihr Lieben,

einen gewissen Hang zum Melodram will ich mir nicht absprechen,
doch ist dieses Gedicht keineswegs als persönlicher Abgesang gedacht.
Schon deshalb nicht, weil es sich kaum auf die Schnelle herstellen ließe.

Es ist schon mehrere Jahre alt und gefällt mir - im Gegensatz zu 99 % meiner anderen Versuche - immer noch. Bei der Werkauswahl mag aber die innere Betroffenheit (ich hasse dieses Wort!) eine Rolle gespielt haben.
Wer weiß schon, wie ein Gehirn so arbeitet ... Cool

Bis später
m.


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Alles Amok! (Anita Augustin)
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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

Alter: 100
Beiträge: 2141
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 29.07.2017 15:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Rainer Zufall hat Folgendes geschrieben:
Ach ja, liebe Menetekel, was soll man dazu schreiben? Ich versuch einfach mal, meine Gefühle auszudrücken.

Ich finde es gut, was du schreibst. Das Gedicht als solches gefällt mir. Ich bin immer wieder erstaunt, wie du es schaffst, Gefühlsregungen in Bilder zu stricken.
Aber wenn du so ein Gedicht schreibst, dann klingt das für mich natürlich wie ein (wie dein) Abschied. Denn ich kann nicht trennen von dem Inhalt und der Aussage des Gedichts. Und: Es ist für mich verbunden mit der Auseinandersetzung in deinem Triolettfaden. Und dann tut so ein Titel "Adieu" und sein Inhalt einfach weh.

Andererseits schreibst du es als Gedicht, erwartest und erhoffst dir gedankliche Auseinandersetzung, Feedback. Und grad kann ich das schwer leisten. Ich wollte, ich könnte dir mit einem Gedicht antworten.

Viele Grüße von mir


Die Grüße nehme ich natürlich gern entgegen und ebenso die geäußerten Sorgen um mich love , die in diesem Fall aber der Ursache entbehren.
Ein Lyriker  lebt in einer schizoiden Situation: Da gibt es zum einen die eigene Empfindung und dann das zu formulierende Wort. Das Fühlen ist heiß, das Wort nur zu Beginn; es wird vom Suchenden immer und immer wieder gedreht, gehäutet und neu bespannt. Dieser Prozess darf wohl nur mit großer Geisteskälte durchgeführt werden, wenn er denn gelingen soll.

Am Ende abstrahiert sich der Text von seinem Schöpfer. Ganz und gar.
Das wird in der Prosa nicht anders sein. - Wenn ich daran denke, wie beispielsweise Thomas Mann bis ins kleinste Detail das Sterben eines (geliebten) Kindes schildern konnte, ist das für mich die einzig mögliche Erklärung.
Hierfür bedarf es einer gewissen "Rücksichtslosigkeit", der Fähigkeit, ein Geschehen auf seine literarische Vewertbarkeit zu prüfen ... also zu fühlen und gleichzeitig zu beobachten. Zu sezieren. Umzusetzen.

Hoffentlich fühlst du dich nun nicht abgeschreckt. Mr. Green
Es passiert ja gleichsam ohne mich. Embarassed

Herzliche Grüße
m.


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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

Alter: 100
Beiträge: 2141
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 31.07.2017 06:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Aranka hat Folgendes geschrieben:
Menetekel, das Gedicht hat sich in mir verbissen. Starke Zeilen. Ein starkes Bild. Eindrucksvoll gewortet.

Zitat:
Dies Wortskalpell
Zerlegt mich in zwei Teile


Das Sezieren der Texte: eine Operation am offenen Herzen. Das Gedicht, keine Leiche auf dem Tisch des Pathologen, ein Wesen mit schlagendem „Demutsherz“.

Zitat:
Die Hälften grob gefasst
Im Kreuzstich lügnerischer Nadeln


Starke Zeilen!!!! Werde ich so bald nicht vergessen.

Zitat:
Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -


Die Zeilen machen mich still und nachdenklich. „Demut“: ein recht altes und wunderbares Wort, vereint es doch zwei widersprüchliche Eigenschaften auf die beste Weise miteinander: „Bescheidenheit und Mut“. Eine Kombi, die jedem gut stünde und für jeden Künstler wohl ein MUSS ist.   Ich halte somit ein „Demutsherz“ für ein starkes Herz, selbst wenn es an manchen Tagen zaghaft schlägt.

Und so empfinde ich das Aufbäumen in den letzten Zeilen textlogisch und ich höre einen trotzigen Ton, ein starkes Dennoch!

Zitat:
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir


Gut so!!!!

Das waren meine Gedanken zum Gedicht und ich würde gerne meine leise Bauchstimme ignorieren, die mir hier etwas von Abschied flüstert. Und so tausche ich mutig den hier üblichen Gebrauch von „Adieu“ im Sinne von „Auf Nimmerwiedersehen“ einmal aus und wage eine Übersetzung, die einem „Demutsherzen“ besser angehört:
 

„á dieu“  

„Bei Gott“  / dies Wortskalpell zerlegt mich

…   Doch wenn …


Und diesem „doch wenn“ folgt ein „dann“ und darin wohnt der Mut des „dennoch“ mache ich weiter, weil ich nicht anders kann, als der „Sache“, die mir wichtig ist zu „dienen“ in Bescheidenheit und mit Mut.

Daher sage ich mal: wir lesen uns. Aranka


Hallo Aranka,

herzlichen Dank für deine detaillierte Ausleuchtung des Gedichts.

Du liegst in deiner Interpretation nahe am Herzstück; ich selber bin vom allzu Hermetischen gänzlich ab und versuche eher aus herkömmlichen Stilmitteln herauszuholen, was rauszuholen ist. Dies ist allerdings ein Prozess, der bei manchen durchaus umgekehrt verlaufen kann. ---

Ja, die Demut. Ein oft geschmähtes Gefühl, das mit "Opferbereitschaft" gleichgesetzt wird, obwohl es - und das hast du ganz wunderbar erläutert - etwas anderes meint. Dem Demütigen bleiben viele Möglichkeiten offen, Möglichkeiten hinter dem Offensichtlichen:

Zitat:
Und diesem „doch wenn“ folgt ein „dann“ und darin wohnt der Mut des „dennoch“ mache ich weiter, weil ich nicht anders kann, als der „Sache“, die mir wichtig ist zu „dienen“ in Bescheidenheit und mit Mut.


Im Unterschied zu fast allen anderen Gedichten habe ich deshalb Versalien gewählt, die als Stilmittel eine zusätzliche Ebene in den Text bringen könn(t)en.
Beispielsweise:

[Dies Wortskalpell!
Zerlegt mich in zwei Teile!]

Das kommt fast einer Aufforderung nach: "zerlegt mich nur, dann werdet ihr ...", es gäbe in diesem Falle also ein "ihr", aus dem sich das "du" herauskristallisiert, ähnlich dem diffusen Gefühl einer empfangenen Kränkung.

Dein Kommentar erfreut mich und bestätigt mir, dass Gespräche am Text eben doch immer wieder einmal möglich sind. Vielleicht sollte ich mich auch in diesem Punkt in mehr Demut üben ... Embarassed

Herzliche Grüße
m.


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purpur
Reißwolf


Beiträge: 1023



BeitragVerfasst am: 31.07.2017 06:45    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen liebe menetekel,

mir gefällt Dein Gedicht auch,
besonders das "Demutsherz",
und was darüber geschrieben
wurde.
 Kommt noch was?
HerzlichePpGrüße
Pia
PS
m/ein kurzer Nachtrag
zum GedichtBild
... das Demutsherz
liegt auf dem Marmortische
in der kleinen "AdieuKapelle"


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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 31.07.2017 07:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hi!

Mir gefällt das Gedicht auch. Vor allem wegen des vielsagenden letzten Satzes, der das Trennende (des Skalpells) und das Verbindende (einer Liebe vielleicht) gleichermaßen beinhaltet.

Von der Wortwahl her bin ich bei zag und Demutsherz (sogar) noch bei dir. Der "Marmortische" hört sich (wegen des "e"s) aber für mich an wie die erste Zeile eines Gedichts von Wilhelm Busch.

Irgendwelche (Foren-)Hintergründe) kenne ich nicht. Für mich sind das Zeilen, die das ganz normale Leben widerspiegeln und nicht irgendwelche Beziehungen von Internetexistenzen umschreiben. Dort einen Zusammenhang herzustellen fände ich unschön, oder einem Gedicht sogar abträglich.

Aber du hast ja selbst geschrieben, dass das Gedicht bereits älter ist.
Ja, es hat mir auch gefallen!

BN
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Rainer Zufall
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Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 31.07.2017 10:31    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hoffentlich fühlst du dich nun nicht abgeschreckt.

Ganz im Gegenteil.

Hätte ich mir ja auch gleich denken können, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. So ein Gedicht lässt sich schließlich nicht innerhalb eines Tages schreiben.
Trotzdem - nimms als Kompliment für dich, hätte ich dir das trotzdem zugetraut und naja, manchmal ist der Rainer vielleicht ein Sorgenpüppchen, das seine Sorge hinter einer sehr sachlichen Frage verbirgt? Und du gibsts ja selbst zu, bei der Auswahl hat noch ein Händchen mit auf Enter gedrückt.


Jetzt aber zum Gedicht:

Zitat:
„Adieu“

Dies Wortskalpell
Zerlegt mich in zwei Teile
Die Hälften grob gefasst
Im Kreuzstich lügnerischer Nadeln

Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir


Der Titel "Adieu" ist nicht nur eine normale Abschiedsformel, sondern in diesem Gedicht auch ein Skalpell, etwas Scharfes, Zerschneidendes. Ein Abschied, eine Trennung waren unumgänglich und sind vollzogen. Da ist zu viel verletzt worden. Die Worte, die den Abschied erleichtern, das Herz besticken wollen, sind lügnerisch, die Stiche nur grob.
Es könnte eine Liebe sein, die hier zerfällt, eine innige Beziehung jedenfalls, sonst könnten die Stiche nicht solch eine Zäsur, ein Klaffen bewirken.
Die Bilder, die Wortwahl, die du verwendet hast, sind sehr treffend und haben eine eigene Faszination.  Ob ich da Wortskalpell wähle oder Kreuzstich lügnerischer Nadeln.
Und natürlich sind mir (nach der Disk. um Vokale und ihre Klangqualität) auch die beiden Endwörter aufgefallen: gefasst und Nadeln. Das Dunkle passt hier besser als der Stich, der steht mitten in der Zeile, weil das Dunkle der Wörter einen Abschluss signalisiert - wie mit dem Hinuntergehen der Stimme - auch das Ende von etwas, einer Liebe, eines Vertrauens.

Gut, dass es da noch eine zweite Strophe gibt.
Man könnte nun meinen, das verletzte Ich wird zum Opfer.  Der Marmortisch erinnert mich ulkigerweise an einen alten Song, ich komm noch drauf, aber jetzt fällt er mir grad nicht ein. Aber wurscht, ein Marmortisch suggeriert ja immer, dass etwas aufgebahrt zum Tod oder zum Opfer gedacht ist.
Und mutig von dir, aber auch wirklich sehr trefflich ist es, und dem Thema sehr entsprechend, das Herz demütig und zag zu machen. Das ist so ein verletztes Herz ja auch. Und trotzdem kann es beißen, sich sogar verbeißen.

Über "Marmortische" ich meine das "e" am Ende, welches das Wort ja dadurch um eine Silbe verlängert, habe ich auch lange nachgedacht. Ich persönlich finde aber, es passt, den Ausklang mit der unbetonten Silbe brauchts aus meiner Sicht, eine männliche Kadenz wäre mir hier zu hart gewesen. Und dadurch, dass die Silben jetzt in einem sehr regelmäßigen Rhythmus auf und abklingen, lenkt der Wechsel zur anderen Kadenz in der zweiten Zeile mein Auge auf das Demutsherz. Das ist wie ein plötzlicher Zoom vom Tisch und der dadurch entstehenden sakralen Athmosphäre auf dieses zarte ängstlich pochende Etwas.


Liebe Menetekel, ein wirklich tolles Gedicht, ein Wehe dir - ein Auflehnen.  

Viele Grüße von Rainer Zufall
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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

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Beiträge: 2141
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 31.07.2017 16:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

poetnick hat Folgendes geschrieben:
Hallo Menetekel,

ein verletzliches, schützenswertes 'Inneres' - das Herz, liegt hier offen, oder geöffnet.
Doch die 'Kammerautomatie' als letzter, verlässlicher Reflex springt ein und hält es sogar noch auf dem Marmortisch der Betrachtung lebendig,  entzieht es direktem Zugriff.

Von daher verstehe ich die Überschrift situativ; dem Vorgang der Sektion 'entspringend' - im wahrsten Sinne.
Sie (die Überschrift), erscheint hier in Anführungszeichen gesetzt. Vielleicht hinterlegen sie eine Bedeutung, oder versetzen die Bedeutung des Wortes 'Adieu' von seinem offensichtlichen Platz?

Ein sehr nahe gehendes Gedicht.

Liebe Grüße - Poetnick


Hallo Poetnick,

freut mich, dass ich dich erreiche.
Vorsichtshalber habe ich ein bisschen herumgegoogelt: Tatsächlich kann ein Herz nach seiner Entnahme noch weiterschlagen. Youtube berichtet von bis zu 25 (!) Minuten. Wegen der Zeitlänge bin ich ziemlich skeptisch; aber der diastolische Druck ist auf jeden Fall noch nach dem sog. Hirntod messbar. Auch wenn das Organ schon im Nieren-Schüsselchen ruht. Embarassed
Aber natürlich handelt es sich bei mir um ein (lyrisches) Bild, das du für dich sehr schön und genau deutest.
Dafür danke ich dir.
Viele Bilder entfalten ihre poetische Kraft erst im Zusammenspiel mit den Assoziationen der Leser. Die Intensität ihrer Wirkung richtet sich also (auch) nach dem Imaginationsvermögen der "Konsumenten."

In dieser Hinsicht sind also Künstler aller Arten ein "dankbares" Publikum für Lyriker.  - Ein Herz erschließt sich relativ leicht - es gilt halt nicht nur als Lebensmotor, sondern als starkes Symbol.

Dir ein schönen Gruß
m.


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Perry
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Beiträge: 2082



BeitragVerfasst am: 31.07.2017 23:02    Titel: Hallo m., Antworten mit Zitat

ich hab kurz in die Komms hineingelesen, mich aber dann entschieden, den Text unvoreingenommen zu interpretieren.
Der Abschied des LD hat das Herz des LI in zwei Stücke zertrennt. Nun liegt es grob wieder zusammengenäht auf einem Marmortisch.
Eine bildlich surreale Beschreibung einer Trennungsverarbeitung, die sich einerseits in einer demütigen Hinnahme, aber auch in einer Warnung ausdrückt.
Der Zwiespalt der Gefühle scheint zum Ausdruck zu bringen, dass die scheinbare Gefasstheit nur eine Lüge ist.
LG
Perry
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menetekel
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Alter: 100
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Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 01.08.2017 04:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Abari hat Folgendes geschrieben:
Hallo menetekel,

auch ich sehe den bedauerlichen aktuellen Bezug in Deinem Gedicht; ein fremder Leser sieht ihn nicht. Daher möchte ich einmal suchen, ihn mit dessen Augen zu sehen - zumal ich nicht wissen kann, wie alt der Text tatsächlich ist (immerhin steht er im Feedback).

Die Bilder sind sehr gut getroffen, sie gehen unter die Haut. Ich wollte eine Lieblingsstelle finden, aber je länger, je mehr ich darüber nachdenke, besteht der Text für mich aus Lieblingsstellen. Er löst lange Assoziationen bei mir aus, mit deren genauen Inhalt ich Dich nicht langweilen möchte. Außer die tiefe Traurigkeit, die ich beim Lesen empfinde darüber, dass etwas sehr zerbrechliches brutal seziert wird... Jetzt muss ich aufhören, die Bilder, die der Text aufruft, sind heute zu stark für mich.

Als Inspiration für einen weiteren Text dieser Art: Vielleicht hast Du Lust, in Dich hineinzuspüren und den Schmerz/die Betäubung während der "Operation" ins Wort zu nehmen? Die klammert der Text (vermutlich bewusst) aus und die hätte ich gern die Freude, sie hier zu lesen. Nur, sofern Du dazu Lust hast und Dich (noch) hineinzufühlen imstande fühlst.

Sehr gern gelesen, bis bald.


Hallo Abari,

die Sache mit dem aktuellen Bezug ist ja inzwischen geklärt.
Der Tipp,  die Operation in einem zweiten Gedicht zu vertiefen, ist ein interessanter Impuls.
Tief im Süden meines Herzen weiß ich, dass mir diese Art des Schreibens liegt, kenne aber auch die Unwetter, die ggfs. auf mich niederprasselten. - Erinnere ich mich an einen früher eingestellten Text ("Der Schuss"), fällt mir der Entschluss nicht leicht;  in Foren wird halt mehr das Herkömmliche wertgeschätzt. Insofern wundert mich das wohlwollende Interesse an diesem Gedicht, das ja in bildsprachlicher Hinsicht ebenfalls grenzwertig aufgefasst werden kann.

Aber besser eine Herz-OP als ein aufplatzender Kopf. Immerhin kann man das Organ nach dem Hirntod noch entnehmen ...  und es fühlt sich, rein lesetechnisch, irgendwie kuschliger an. Oder wie jetzt?  ohh
[Ich empfinde übrigens ähnlich; das hat wohl mit dem Symbolwert zu tun ...]

Praxiserfahrene Grüße
m.

Hallo Purpur,

es freut mich. wieder einmal etwas von dir zu lesen, noch dazu mit einem kleinen Schmankerl versehen. Mr. Green wink
In echt bin ich (leider?) mit Demut wenig vertraut; empfinde sie aber gegenüber gelungener Kunst. Und das deutlich.

Euch beiden lieben Dank und herzliche Grüße
m.


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Abari
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Beiträge: 1371
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 01.08.2017 09:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo menetekel

menetekel hat Folgendes geschrieben:

Der Tipp,  die Operation in einem zweiten Gedicht zu vertiefen, ist ein interessanter Impuls.
Tief im Süden meines Herzen weiß ich, dass mir diese Art des Schreibens liegt, kenne aber auch die Unwetter, die ggfs. auf mich niederprasselten. - Erinnere ich mich an einen früher eingestellten Text ("Der Schuss"), fällt mir der Entschluss nicht leicht;  in Foren wird halt mehr das Herkömmliche wertgeschätzt. Insofern wundert mich das wohlwollende Interesse an diesem Gedicht, das ja in bildsprachlicher Hinsicht ebenfalls grenzwertig aufgefasst werden kann.

Aber besser eine Herz-OP als ein aufplatzender Kopf. Immerhin kann man das Organ nach dem Hirntod noch entnehmen ...  und es fühlt sich, rein lesetechnisch, irgendwie kuschliger an. Oder wie jetzt?


Schön, dass Dir meine Idee zusagt. Da bin ich ja mal gespannt!

Ich kann Dir lediglich meinen Eindruck schildern. Und der sagt: Kultiviere das bitte. Du brauchst dich ja nicht nach dem Mainstream zu richten. Du schreibst Deine Texte so, wie sie Dir gefallen.

Nein, ich musste an Mengele denken, der u. a. sadistische Experimente an Herzen von Kindern durchgeführt hat. Ich habe vor Jahren mal einen ziemlich bedrückenden Bericht darüber gesehen und das war alles wieder da. Das waren die erschreckenden Bilder, die der Text ausgelöst hat. Letztlich kann es dir ja nur zu passe sein, da ja Ziel eines Textes nur sein kann, Emotionen und Assoziationen hervorzurufen. Da ich vielleicht manchmal einfach zu "weich" bin, konnte mich das alles so sehr einfangen. Zumal diese fast schon nüchterne Sprache den Eindruck deutlich unterstützt hat. Das passte einfach so perfekt zusammen und lief vor mir wie am Schnürchen ab.

Ich hoffe, das geht nicht zu weit. Letztlich sind das nur meine Assoziationen.


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LG
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purpur
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BeitragVerfasst am: 01.08.2017 09:28    Titel: Guten Morgen! Antworten mit Zitat

Hallo Menetekel,

ich nochmal, kurz,
... da mein "GedichtBild" bei Dir nicht als Schmarrn ankam, sondern als
SchmanKerl;), möcht/mag ich. gestatte mir, diesem Kerlchen noch eine Winzigkeit mit Hütchen hinzuzufügen. Zumal das Thema"DemutsHerz" für meine Person
ein zentrales ist, viel Platz einnimmt und ich glaube, dass der LOGOS...DEMUT leider viel zu oft mit  SCHWÄCHE einherspaziert (so gesehen wird).
Daher die Herzensaus- und -weiterbildung natürlich auch. ... verkümmert...
 - LEIDER-
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https://de.wikipedia.org/wiki/Demut
http://herzensgipfel.de/wp-content/uploads/2014/01/luxusgut-herzensbildung-dt-141213.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=BZIOW02zaok ;  1:08:30 / 1:57:23
https://www.youtube.com/watch?v=x9YT-3U3Fx4 ;    45:21 / 1:02:12
https://www.youtube.com/watch?v=RXSu8PgVHbo ;  1:09:58 / 2:03:40
Einen Sonnigen Tag!
 Kommt noch was?
HerzlichePpGrüße
Pia


_________________
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purpur
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BeitragVerfasst am: 01.08.2017 12:20    Titel: Re: Guten Morgen! Antworten mit Zitat

purpur hat Folgendes geschrieben:
Hallo Menetekel,

ich nochmal, kurz,
... da mein "GedichtBild" bei Dir nicht als Schmarrn ankam, sondern als
SchmanKerl;), möcht/mag ich. gestatte mir, diesem Kerlchen noch eine Winzigkeit mit Hütchen hinzuzufügen. Zumal das Thema"DemutsHerz" für meine Person
ein zentrales ist, viel Platz einnimmt und ich glaube, dass der LOGOS...DEMUT leider viel zu oft mit  SCHWÄCHE einherspaziert (so gesehen wird).
Daher die Herzensaus- und -weiterbildung natürlich auch. ... verkümmert...
 - LEIDER-
Luxus, den sich nicht jeder leisten kann. Schade und Schande.
https://de.wikipedia.org/wiki/Demut
http://herzensgipfel.de/wp-content/uploads/2014/01/luxusgut-herzensbildung-dt-141213.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=BZIOW02zaok ;  1:08:30 / 1:57:23  ...1:13:46 / 1:57:23
https://www.youtube.com/watch?v=x9YT-3U3Fx4 ;    45:21 / 1:02:12
https://www.youtube.com/watch?v=RXSu8PgVHbo ;  1:09:58 / 2:03:40
Einen Sonnigen Tag!
 Kommt noch was?
HerzlichePpGrüße
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BeitragVerfasst am: 01.08.2017 14:12    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
„Adieu“

Dies Wortskalpell
Zerlegt mich in zwei Teile
Die Hälften grob gefasst
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Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir



Hallo Menetekel,

dein Gedicht hat eine Menge Leser gefunden, obwohl es ein durchaus „schwieriges“ ist, balanciert es doch riskant auf dem dünnen Drahtseil der Lyrik: Machart ebenso wie Inhalt

Ich hatte nun ein wenig Zeit, habe auch die Kommentare gelesen und habe die Lust, das „Ding“ Text noch einmal anders anzuschauen und zwar als erstes mal von seiner „Wirkseite“ her, die bei einem Autor wie dir mit Sicherheit sehr bewusst gesetzt, wenn nicht gar inszeniert wurde.

Nach dem „Adieu“ in Anführungszeichen, sicher im Titel unübersehbar, folgt das „Wortskalpell“, welches das LI in zwei Hälften zerlegt.
Die Anführungszeichen könnten als direkte Anrede ein Gegenüber (auch das ICH als ein solches DU) in den Blick des Lesers rücken wollen, oder diesen Abschied in eine „Zitatebene“ schieben um ihn auf dieser zu betrachten. Ich neige dazu, letzteres zu denken.

Nun zum „Wortskalpell“ und das Bild des zerteilten LI. Was ist es, dieses Wortskalpell, wo setzt es seine Klinge an? Im Hirn oder im Herzen? Da, wo das LI denkt, wo es sein Bewusstsein zu fassen versucht, zu formulieren, sich nach außen zu zeigen, da wo es spricht und schreibt, auf jeden Fall da, wo es verletzlich ist, wo es letztlich DaIst.
 Dieses scharfgeschliffene Ding, was einem ins Hirn greift und seine Schnitte setzt und das LI in zwei Hälften teilt, setzt es da an, wo das eigene Zögern, die Selbstzweifel wohnen? Oder ruft es sie erst wach, legt es sie offen?

Die Hälften sind geflickt „im Kreuzstich lügnerischer Nadeln“. Für mich die stärkste Zeile.
Und für mich ist es hier das LI, dass die Hälften in diesem Zierstich, der nur leidlich etwas zusammenhält, die hässliche Naht jedoch gut verbergen kann, zusammennäht.

Und nun kommen von der Wirkung her betrachtet zwei hammerharte Zeilen mit zwei starken „Wirk-Worten“ und einen hammerharten Bild.

Zitat:
Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -


Und die Wirkabsicht hat funktioniert, ein jeder Leser hat die Zeilen aufgegriffen.
Zuerst stellt der Text einen Marmortisch vor mein Auge, den er noch gewichtiger durch ein zusätzliche „e“ in den Raum stellt: mächtig, schwer, kalt, edel – einem Altartisch gleich: ein Hingucker, ein Raumgewaltiger.

Und nun der krasse Gegensatz (oder doch nicht?), ein „Demutsherz“ (was immer auch ein jeder darunter anderes versteht), das „zag“ wirft ein zusätzliches Licht darauf und das Bild, was hier entsteht, funktioniert in seiner Wirkung bei mir einwandfrei. Ich schaue hin und will mich gleichzeitig  abwenden, es trifft in mir eine „Schamgrenze“ in seiner „indiskreten Inszenierung“, in der auch seine „Schönheit“ liegt und so hält es meinen Blick fest.  (mein persönliches Empfinden)

„Demutsherz“ :Ganz abgesehen von allen Deutungen (meine wird sich im Kommentar noch zeigen), es ist ein gewagtes Wort: nicht nur das Wort „Demut“, was ja zum Teil hoch religiös belastet ist, die brisante Kombi mit Herz gibt noch etwas Sprengstoff dazu. Allein ein solches Wort mit solchem Gepäck und solcher Sprengkraft ist ein gefährlicher Salto auf dem Textdrahtseil und muss allein als Wort aufgefangen werden, was der Text mit „Marmortische“ und „Wortskalpell“ ja vorbereitet.

Dieses brutal ehrliche Bild „das Demutsherz, zerteilt, mit Kreuzstich trügerisch gehalten, liegt „zag“ auf einem kalten „Marmortisch“.   (Ich denke irgendwie an Bilder von Francis Bacon)

Das LI schaut brutal ehrlich auf sich selbst. Es liegt zag da, sein Demutsherz. Aber was liegt nicht zag, auf so einem Tisch? Und wenn ich diesen Blick wage, ungeschönt, dann sage ich sogar dem Wortskalpell meinen Kampf an. Denn ein Demutsherz ist zwar eins, dass „Größe“ und „Staunen“ und damit auch die eigene „Begrenztheit /Kleinheit“ kennt und annehmen kann, das den Weg von Hochmut zur Demut über den MUT zur Bescheidenheit beschritten hat.

Ein Leser, wie ich, bleibe bei einer solchen Zeile stehen, spüre das dünne Textseil, auch sein Schwanken, die gefährdete Balance, sträube mich sogar bei einem Wort wie „Demutsherz“ und folge den nächsten Textzeilen mit angespannter Lesehaltung. Da führt einer Regie im Text, der hier aufs Ganze geht und ich halte wahrscheinlich ganz erwartungsgemäß, die Luft an.

Und nun kommt es auf die letzten Zeilen an, ob der Text nach dem gewagten Salto auf dem Seil bleibt, oder runter fällt in die Sägespäne der Manege.

Zitat:
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir


Hier habe ich etwas Probleme mit der Zuordnung des DU. Da ich den Text mit seinen starken Bildern und Worten von Beginn an nicht auf der Ebene von Trennung oder Abschied im Sinne von Verlassen/Verletzt werden, lesen konnte, habe ich dem DU das „Wortskalpell“ zugeordnet und so auch die Anführungszeichen gedeutet. Hier setzt sich ein LI mit seinem eigenen „Wortskalpell“, mit dem es sich immer wieder selbst zu zerlegen droht auseinander.

Und nachdem LI sich nun so brutal ehrlich auf dem Marmortisch (dem angemessenen Altar, auf dem es bereit ist sein „Demutsherz“ hinzulegen) anschaut, zeigt es dem Wortskalpell seine Grenzen auf.

Meine Leseweise: Das LI hat sich dieses „Demutsherz“, dieser Mut zur „Seinsdemut“, dem Mut zum Dienen (ich bin da bei Erich Fromm und seinen Gedanken in :Die Kunst des Liebens“) hart errungen. Es hat sein inneres Skalpell immer wieder zugelassen, hat sich zerteilen lassen und wieder neu zusammengesetzt, hat sich freigelegt. Und dieses offene „Demuts-Herz“ ist ein starkes, auch wenn es auf dem hehren Altar vor dem, dem man bereit ist mutig zu dienen, recht zag daliegt.  
Dieses Herz ist selbst dem Wortskalpell ein Widerpart, es wird sich in ihm verbeißen.

So ungefähr lese ich diese Zeilen und ich denke, in diesem Kommentar ist meine Sicht von „Demut“ schon deutlich geworden. Ein „Demutsherz ist weit entfernt von Arroganz und Narzissmus, und ebenso weit von Unterwerfung oder Schwäche. Es steht für mich für das mutige „FreiSein“ eines denkenden Menschen, dem die „Seinsdemut“ vor der Wirklichkeit eine Grundhaltung ist.  

Menetekel, ein Gedicht, das jede Aufmerksamkeit verdient. Ein Gedicht, das auf Wirkung setzt und dabei auch Höhen nicht scheut.

Es bleibt für mich zum Schluss die Frage, ob die letzten beiden Zeilen in der Setzung und Wortung (nicht inhaltlich) den „Text-Salto“, den ich für textzentral halte, auffangen.

Aber diese (generelle) Frage an Texte dieser Schreibart ist eine der Wirkung, die Autor und jeder Leser mit sich selbst abklären muss.
 Für mich könnte man da noch mal mit den zwei letzten Versen schwanger gehen. Vielleicht auch mal in die Versspannung schauen, die für mich wesentlich schwächer ist, als in den anderen Versen.
Greife ich noch mal zum Bild des Drahtseils, auf das sich der Text begeben hat, auf, dann hängt es in diesem Vers etwas durch und ob das einen so gewaltigen Sprung abfängt?
 Die letzte Zeile läuft so ein wenig schlapp nach hinten aus (verbeißt „es sich in dir“) und das „verbeißt“ beißt nicht so wirklich zu.
Ich würde wahrscheinlich das "Textseil" etwas nachspannen. Ist jedoch ganz und gar mein persönliches abstruses Textempfinden. Wollte dich dran teilhaben lassen.

Ich habe mich gerne mit dem Gedicht auseinandergesetzt.

Liebe Grüße. Aranka


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BeitragVerfasst am: 01.08.2017 16:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Purpur, grüß dich nochmals, Aranka,

ich ziehe euch jetzt mal vor - und das gemeinsam, weil es in meiner Antwort zu Überschneidungen kommen wird.

Eines der Purpupurschen Videos zeigt eine Jagd, das Opfer und die Einverleibung seiner Organe. Denn das ist ja die rituelle Bedeutung einer solchen Hatz.

Für den (unkundigen) Betrachter mag das grausam, vielleicht bestialisch ausschauen, ist aber letzendlich die Übertragung der Opferkraft auf seinen Jäger - es existiert also eine enge Beziehung zwischen beiden, übrigens auch die Grundlage kannibalistischer Praktiken einiger (weniger) indigener Völker.
In der Thora / dem Alten Testament ist ebenfalls von Menschenopfern die Rede, beispielsweise bei der Opferung Isaacs. Im Hebräischen heißt das  עֲקֵידָה akedah (Bindung); im Arabischen  ذبح, DMG Ḏabḥ Schlachtung, also gbit es auch hier einen Zusammenhang zwischen einer engen Beziehung (die Opfer verlangt) und der Opferung selbst. Erst später verzichteten die Götter oder der All-Eine auf Menschenopfer, begnügten sich mit Tieren und noch viel später mit den Früchten des Feldes. "So steht es geschrieben", wenngleich sich dieser Prozess natürlich über Jahrtausende hingezogen hat. Literarisch ist das von Thomas Mann in seiner Josephstriologie auf das Allerschönste (!) bearbeitet worden, wiederum von Jan Assmann, einem großen deutschen Ägyptologen, abgesegnet.

Bei der Opferung (und Einverleibung) spielt das Herz eine tragende Rolle.
Zu allen Zeiten galt es den Ethnien als etwas Besonderes, als Herz-Stück, als Organ des Fühlens oder gar als Sitz übernatürlicher Kräfte - gekleidet in den entsprechenden Mythos.

Was aber ist nun die Liebe?
Sie ist ebenfalls ein Mythos. Ein Mythos der Neuzeit, der sich hierzulande als sog. "Romantische Liebe" erst um 1800 durchsetzte. Vorher folgten Eheschließung und Familienbildung anderen Regeln.

Um jene Liebe geht es im Gedicht, wobei es eigentlich unwesentlich ist, ob es sich um die Liebe zu einem Menschen, die Liebe zur Gottheit, der Liebe zur Kunst etc. handelt.

Die Liebende verzagt zunächst: Das Opfer ist erbracht, bietet sich dar,  pulst auf einem Altar (wie es Aranka so wunderbar erkannt hat! love  ), wird jedoch verworfen!
Im Gegenzug kann die Einverleibung nicht stattfinden.; das Herz erstarkt und verbeißt sich zu guter Letzt in den Operateur (in das Objekt der Begierde), beraubt ihn seinerseits der Kraft.

Soweit mein Exkurs in das Reich der Ethnologen und das der nicht minder romantischen Herzenbrecher.

Euch einen schönen Tag
m.


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menetekel
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BeitragVerfasst am: 01.08.2017 16:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Purpur, grüß dich nochmals, Aranka,

ich ziehe euch jetzt mal vor - und das gemeinsam, weil es in meiner Antwort zu Überschneidungen kommen wird.

Eines der Purpupurschen Videos zeigt eine Jagd, das Opfer und die Einverleibung seiner Organe. Denn das ist ja die rituelle Bedeutung einer solchen Hatz.

Für den (unkundigen) Betrachter mag das grausam, vielleicht bestialisch ausschauen, ist aber letzendlich die Übertragung der Opferkraft auf seinen Jäger - es existiert also eine enge Beziehung zwischen beiden, übrigens auch die Grundlage kannibalistischer Praktiken einiger (weniger) indigener Völker.
In der Thora / dem Alten Testament ist ebenfalls von Menschenopfern die Rede, beispielsweise bei der Opferung Isaacs. Im Hebräischen heißt das  עֲקֵידָה akedah (Bindung); im Arabischen  ذبح, DMG Ḏabḥ (Schlachtung), also gbit es auch hier einen Zusammenhang zwischen einer engen Beziehung (die Opfer verlangt) und der Opferung selbst. Erst später verzichteten die Götter oder der All-Eine auf Menschenopfer, begnügten sich mit Tieren und noch viel später mit den Früchten des Feldes. "So steht es geschrieben", wenngleich sich dieser Prozess natürlich über Jahrtausende hingezogen hat. Literarisch ist das von Thomas Mann in seiner Josephstriologie auf das Allerschönste (!) bearbeitet worden, wiederum von Jan Assmann, einem großen deutschen Ägyptologen, abgesegnet.

Bei der Opferung (und Einverleibung) spielt das Herz eine tragende Rolle.
Zu allen Zeiten galt es den Ethnien als etwas Besonderes, als Herz-Stück, als Organ des Fühlens oder gar als Sitz übernatürlicher Kräfte - gekleidet in den entsprechenden Mythos.

Was aber ist die Liebe zum Gegenüber?
Sie ist ebenfalls ein Mythos. Ein Mythos der Neuzeit, der sich hierzulande als sog. "Romantische Liebe" erst um 1800 durchsetzte. Vorher folgten Eheschließung und Familienbildung anderen Regeln.

Um jene Liebe geht es im Gedicht, wobei es eigentlich unwesentlich ist, ob es sich um die Liebe zu einem Menschen, die Liebe zur Gottheit, der Liebe zur Kunst etc. handelt.

Die Liebende verzagt zunächst: Das Opfer ist erbracht, bietet sich dar,  pulst auf einem Altar (wie es Aranka so wunderbar erkannt
hat love  ), wird jedoch verworfen!
Im Gegenzug kann die Einverleibung nicht stattfinden.; das Herz erstarkt und verbeißt sich zu guter Letzt in den Operateur (in das Objekt der Begierde), beraubt ihn seinerseits der Kraft.

Soweit mein Exkurs in das Reich der Ethnologen und das der nicht minder romantischen Herzenbrecher.

Euch einen schönen Tag
m.

Entschuldigt die Dopplung. Der zweite Text gilt. Embarassed


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menetekel
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BeitragVerfasst am: 02.08.2017 05:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Rainer Zufall hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Hoffentlich fühlst du dich nun nicht abgeschreckt.

Ganz im Gegenteil.

Hätte ich mir ja auch gleich denken können, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. So ein Gedicht lässt sich schließlich nicht innerhalb eines Tages schreiben.
Trotzdem - nimms als Kompliment für dich, hätte ich dir das trotzdem zugetraut und naja, manchmal ist der Rainer vielleicht ein Sorgenpüppchen, das seine Sorge hinter einer sehr sachlichen Frage verbirgt? Und du gibsts ja selbst zu, bei der Auswahl hat noch ein Händchen mit auf Enter gedrückt.


Jetzt aber zum Gedicht:

Zitat:
„Adieu“

Dies Wortskalpell
Zerlegt mich in zwei Teile
Die Hälften grob gefasst
Im Kreuzstich lügnerischer Nadeln

Auf einem Marmortische
Liegt zag mein Demutsherz -
Doch wenn du es berühren willst
Verbeißt es sich in dir


Der Titel "Adieu" ist nicht nur eine normale Abschiedsformel, sondern in diesem Gedicht auch ein Skalpell, etwas Scharfes, Zerschneidendes. Ein Abschied, eine Trennung waren unumgänglich und sind vollzogen. Da ist zu viel verletzt worden. Die Worte, die den Abschied erleichtern, das Herz besticken wollen, sind lügnerisch, die Stiche nur grob.
Es könnte eine Liebe sein, die hier zerfällt, eine innige Beziehung jedenfalls, sonst könnten die Stiche nicht solch eine Zäsur, ein Klaffen bewirken.
Die Bilder, die Wortwahl, die du verwendet hast, sind sehr treffend und haben eine eigene Faszination.  Ob ich da Wortskalpell wähle oder Kreuzstich lügnerischer Nadeln.
Und natürlich sind mir (nach der Disk. um Vokale und ihre Klangqualität) auch die beiden Endwörter aufgefallen: gefasst und Nadeln. Das Dunkle passt hier besser als der Stich, der steht mitten in der Zeile, weil das Dunkle der Wörter einen Abschluss signalisiert - wie mit dem Hinuntergehen der Stimme - auch das Ende von etwas, einer Liebe, eines Vertrauens.

Gut, dass es da noch eine zweite Strophe gibt.
Man könnte nun meinen, das verletzte Ich wird zum Opfer.  Der Marmortisch erinnert mich ulkigerweise an einen alten Song, ich komm noch drauf, aber jetzt fällt er mir grad nicht ein. Aber wurscht, ein Marmortisch suggeriert ja immer, dass etwas aufgebahrt zum Tod oder zum Opfer gedacht ist.
Und mutig von dir, aber auch wirklich sehr trefflich ist es, und dem Thema sehr entsprechend, das Herz demütig und zag zu machen. Das ist so ein verletztes Herz ja auch. Und trotzdem kann es beißen, sich sogar verbeißen.

Über "Marmortische" ich meine das "e" am Ende, welches das Wort ja dadurch um eine Silbe verlängert, habe ich auch lange nachgedacht. Ich persönlich finde aber, es passt, den Ausklang mit der unbetonten Silbe brauchts aus meiner Sicht, eine männliche Kadenz wäre mir hier zu hart gewesen. Und dadurch, dass die Silben jetzt in einem sehr regelmäßigen Rhythmus auf und abklingen, lenkt der Wechsel zur anderen Kadenz in der zweiten Zeile mein Auge auf das Demutsherz. Das ist wie ein plötzlicher Zoom vom Tisch und der dadurch entstehenden sakralen Athmosphäre auf dieses zarte ängstlich pochende Etwas.


Liebe Menetekel, ein wirklich tolles Gedicht, ein Wehe dir - ein Auflehnen.  

Viele Grüße von Rainer Zufall


Lieber Rainer,

danke, dass du mir nochmals deine Aufmerksamkeit schenkst.
Ein Gedicht auf Zuruf gelingt mir meist nur im gereimten Sektor, der ja die Struktur gleichsam vorgibt. Bei den anderen, für mich viel schwierigeren Dingern, klappt es nur selten.
Die Abschiedsformel ist hier gleichzeitig das Skalpell, was du treffend herausgearbeitet hast; schon klanglich zeigt "adieu" einen anderen Charakter als beispielsweise das freundlichere "tschüss."

Zitat:
Gut, dass es da noch eine zweite Strophe gibt.
Man könnte nun meinen, das verletzte Ich wird zum Opfer.  Der Marmortisch erinnert mich ulkigerweise an einen alten Song, ich komm noch drauf, aber jetzt fällt er mir grad nicht ein. Aber wurscht, ein Marmortisch suggeriert ja immer, dass etwas aufgebahrt zum Tod oder zum Opfer gedacht ist.


Du meinst doch hoffentlich nicht "Marmor, Stein und Eisen brihicht, aaaba unsre Liiiebe nich'" (Drafi Deutscher oder wie der hieß)? Falls doch, isses nicht schlimm; mir fallen selber die unmöglichsten Dinge zur Unzeit ein - kann man locker als "Inspiration" vebuchen. Mr. Green

Zitat:
Über "Marmortische" ich meine das "e" am Ende, welches das Wort ja dadurch um eine Silbe verlängert, habe ich auch lange nachgedacht. Ich persönlich finde aber, es passt, den Ausklang mit der unbetonten Silbe brauchts aus meiner Sicht, eine männliche Kadenz wäre mir hier zu hart gewesen. Und dadurch, dass die Silben jetzt in einem sehr regelmäßigen Rhythmus auf und abklingen, lenkt der Wechsel zur anderen Kadenz in der zweiten Zeile mein Auge auf das Demutsherz. Das ist wie ein plötzlicher Zoom vom Tisch und der dadurch entstehenden sakralen Athmosphäre auf dieses zarte ängstlich pochende Etwas.


Über das "e" am Tisch habe ich (auch nach dem Geposte) länger nachgedacht. Sicherlich ist es zum Teil meiner Macke mit der "heiligen 3" zuzuschreiben (hier drei weibliche Kadenzen), aber vornehmlich doch dem Effekt, der erzielt werden soll.  [Was du alles merkst! smile extra ]

Im Grunde bist du die geborene Lyrikerin, folgst aber net! sad Wenn du dich nur ein, zwei Jahre mit Rhythmus und Klang und ein paar Stilelementen auseinandersetzen wolltest, hättest du die Basis druff! Bringst ja fast alles mit. - Um es mit Drafi zu sagen:

Zitat:
Nimm den güldenen Tipp von mir, dam dam, dam dam.
Bist du traurig, dann sagt er dir, dam dam, dam dam:

Marmor, Stein und Eisen bricht, aba meine Lyrik nich'.
Alles, alles geht vorbei, doch sie bleibt mir treu!


Ich sowieso
m.


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BeitragVerfasst am: 03.08.2017 06:29    Titel: Re: Hallo m., pdf-Datei Antworten mit Zitat

Perry hat Folgendes geschrieben:
ich hab kurz in die Komms hineingelesen, mich aber dann entschieden, den Text unvoreingenommen zu interpretieren.
Der Abschied des LD hat das Herz des LI in zwei Stücke zertrennt. Nun liegt es grob wieder zusammengenäht auf einem Marmortisch.
Eine bildlich surreale Beschreibung einer Trennungsverarbeitung, die sich einerseits in einer demütigen Hinnahme, aber auch in einer Warnung ausdrückt.
Der Zwiespalt der Gefühle scheint zum Ausdruck zu bringen, dass die scheinbare Gefasstheit nur eine Lüge ist.
LG
Perry


Hallo Perry,

auch dir ein herzliches Dankeschön für deinen Beitrag, der eine Ebene des Textes zutreffend interpretiert. Und ebenso den enthaltenen Zwiespalt. Daumen hoch

Hallo Abari,

die Assoziationen zum Gedicht sind offenbar vielfältig; mir zeigt dies, dass es funktioniert. Denn es sind wichtige Aufgaben der Lyrik, im Leser Emotionen hervorzurufen und ihn zum Nach-Denken anzuregen.

Allen Diskussionsteilnehmern nochmals meinen geposteten Dank. smile

m.


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