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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Das Herz der Side


 
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Katinka2.0
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Beiträge: 133



BeitragVerfasst am: 24.06.2017 10:40    Titel: Das Herz der Side eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Bei meinem aktuellen Buchprojekt "Das Herz der Side" handelt es sich um eine romantische Geschichte zu Zeiten der Artus-Sage. Bei dem Roman geht es natürlich vor allen Dingen um die Liebe und deshalb enthält er auch einige wenige erotische Szenen. Das Alter der Zielgruppe liegt daher bei 16 Jahren aufwärts. Hier ein Auszug aus dem Prolog Smile :

2 Jahre zuvor
Mont-Saint-Michel, Herzogtum Avranchin

Der Sturm peitschte eisigen Regen durch die Luft, der sich wie Nadelstiche in sein kaltes Gesicht grub und ihm die Sicht auf Schloss Mont-Saint-Michel nahm. Seit Stunden fegte das Unwetter über sein Land hinweg, als würde es den Weltuntergang einläuten. Die Wolken brauten sich zu einer dunklen, bedrohlichen Masse zusammen und überzogen den Himmel mit einem undurchdringlichen Teppich. In diesem Moment schlug in unmittelbarer Nähe ein gleißender Blitz ein und die Erde unter seinen Füßen vibrierte von dem gewaltigen Donnergrollen, das einen Atemzug später das Land erschütterte.
 
Jeder vernünftige Mensch hätte sich einen trockenen Unterschlupf gesucht, doch er nahm weder die zuckenden Blitze wahr, noch spürte er die klirrende Kälte, die sich längst in Haut und Knochen gefressen hatte.
Herzog Damian de Valére stand reglos am Rand einer Klippe und starrte auf das tosende Meer, dessen aufgepeitschte Wassermassen in immer höheren Wogen gegen das Riff brachen. Wie eine Urgewalt krachten sie auf den Felsen und hinterließen bei ihrem Rückzug nichts als weißen Schaum.
Seine durchweichten Kleider hingen an ihm wie schwere Gewichte und boten keinen Schutz gegen den eisigen Tod, der langsam in seine Glieder kroch. Tiefschwarzes Haar, an dessen Spitzen sich vereinzelt Eiskristalle bildeten, klebte ihm im Gesicht und Nacken. Einzig die Atemwolke, die er bei jedem Heben und Senken seiner Brust ausstieß, zeugte davon, dass noch Leben in ihm steckte.
Er wusste nicht, wie lange er schon hier stand. Es konnten erst einige Minuten oder bereits Stunden vergangen sein. Damian hatte jegliches Zeitgefühl verloren, nachdem er heute Morgen von seiner Reise heimgekehrt war. Lange bevor die Morrigan, sein stolzes Flaggschiff, in den Hafen von Mont-Saint-Michel einfuhr, hatte er gespürt, dass etwas nicht stimmte. Blind für die zerstörten Katen und brennenden Felder war er mit vor Angst zugeschnürter Brust an den wehklagenden Frauen vorbeigerannt. Sein Herz hatte einen Schlag ausgesetzt, als ein markerschütterndes Geräusch seinen Blick nach oben lenkte. Ein Schwarm Krähen war mit düsteren Schwingen vom Dach des Südturms aufgestoben und hatte krächzend Unheilvolles verkündet. Er war nicht abergläubisch, doch in diesem Moment hatte er gewusst, dass er zu spät kam. Seine Beine trugen ihn wie in Trance zu den privaten Gemächern der herzoglichen Familie, um dann die Leichen seiner Frau und seines kleinen Sohnes aufzufinden.
Damian presste sich die Hand auf den Mund, als ihn die Erinnerung an das Bild des kleinen Otis zu übermannen drohte. Für einen kurzen Augenblick hatte er sich der Illusion hingegeben, er schliefe nur, als er ihn in seinem Bettchen liegen sah. Das Gesicht wirkte so friedlich, wie so oft, wenn er ihn im Schlaf beobachtete. Doch seine Selbsttäuschung löste sich im selben Moment in Luft auf, als er die Decke zurückschlug. Das Bett war mit dem Blut seines zweijährigen Sohnes getränkt. Alles was er noch tun konnte, war zu den Göttern zu beten, dass sie Otis tatsächlich im Schlaf getötet hatten. Er klammerte sich verzweifelt an diesen Gedanken und hoffte inbrünstig, die Angst, seinem Mörder ins Gesicht sehen zu müssen, möge ihm erspart geblieben sein.
Dieses Glück war seiner Frau Serafina zweifelsfrei nicht vergönnt gewesen. Als er sie in ihrem Schlafzimmer gefunden hatte, wusste er sofort, welche Qualen sie die letzten Stunden ihres Lebens über sich ergehen lassen musste. Sie lag nackt auf dem Bett. Ihre Hände und Füße waren mit Stricken an die massiven Holzpfosten gefesselt, über denen sich ein durchsichtiger, zarter Stoff in ihrer Lieblingsfarbe spannte. Unschuldiges Weiß.
Ihre weit gespreizten Beine boten dem Betrachter ein grausames Bild. Als er ihren Unterleib sah, überwältigte ihn eine entsetzliche Übelkeit und er übergab sich noch an Ort und Stelle. Wer auch immer seine Familie auf dem Gewissen hatte, war ein abartiges, krankes Monster!
Das Schlimmste aber, das Unverzeihlichste war, er wusste sehr genau, was der Angreifer in seinem Schloss gesucht und nicht gefunden hatte. Und wenn derjenige jeden Stein einzeln umgedreht hätte, er konnte das, was er so dringend begehrte, gar nicht finden. Damian hatte es mit auf die Reise genommen. Er trug es immer bei sich! Sogar jetzt, in diesem Moment, spürte er das Gewicht des Amuletts, das an einem schmalen Lederband um seinen Hals hing.
Es handelte sich um ein Erbe seiner Urahnen, das von Generation zu Generation in der Familie weitervererbt wurde. Viele Mythen rankten sich um das Artefakt und wie ein Besessener hatte er alles zusammengetragen, was im Entferntesten einen Hinweis über seine Bedeutung geben könnte.
Ausgerechnet auf dieser Reise gelangte er in den Besitz eines antiken Dokumentes, das seine Vermutung über das Amulett bestätigte. Es erzählte die Legende seines Urahns Herzog Roderick, der sich in jungen Jahren in eine mná síd, eine Frau von den Feenhügeln verliebte. Die Schönheit dieses ätherischen Wesens verzauberte ihn und auch sie verlor ihr Herz an den stolzen Krieger. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen und ihre Verbindung wurde vom Hohen Rat der Side verboten. Kein Mensch sollte jemals das kostbare Blut dieser magischen Geschöpfe verunreinigen. Schweren Herzens beugte sich die junge Frau dem Willen ihres Volkes und bat Herzog Roderick zu einem letzten Treffen. Sie lockte ihn in den sagenumwobenen Wald Brocéliande und offenbarte ihrem Geliebten dort das größte Geheimnis der Side. Ein Wissen, das sie für immer miteinander verbinden würde. Der Legende nach führte das Feenmädchen Roderick zu einer für Menschenaugen verborgenen Grotte, in der das Volk der Side einen Schatz von unvorstellbarem Wert aufbewahrte. In den Aufzeichnungen, die von seinem Urahn höchstpersönlich stammen mussten, war die Rede von Unmengen an Gold und erlesenen Edelsteinen, deren Schönheit und Vielfalt seine Augen blendeten. Als Andenken und Beweis für ihre Liebe, schenkte ihm das Mädchen das kostbarste Juwel von allen: Das Herz der Side, einen etwa handtellergroßen, herzförmigen Rubin, der in einer weißgoldenen Fassung eingebettet war. Der unglücklich verliebte Mann wurde aus den Symbolen nicht schlau, die den Rahmen des Schmuckstückes zierten und fragte seine Geliebte nach deren Bedeutung. Sie antwortete ihm, der genaue Wortlaut sei nicht wichtig. Alles was er wissen müsse wäre, dass er nun den Schlüssel zu ihrer Liebe in den Händen halte. Wann immer er in seinem Herzen die Sehnsucht nach ihr verspüre, würde das Amulett ihn zu ihr führen. Damit küsste sie ihn ein letztes Mal und das Paar trennte sich, wie es der Hohe Rat der Side verlangte.
Aber auch die Familie des jungen Herzogs forderte, dass er seine Pflicht erfüllte und für den Fortbestand ihres Geschlechts sorgte. Er heiratete alsbald eine Prinzessin aus dem hohen Norden und zeugte drei Söhne mit ihr. Während das Feenmädchen auf ein Zeichen ihres Geliebten wartete, verblasste ihre Erinnerung immer mehr und Herzog Roderick verbannte das Herz der Side in den hintersten Winkel seiner Schatzkammer.
Erst nach seinem Tod fand das Amulett die Aufmerksamkeit seines ältesten Sohnes, der Titel und Ländereien geerbt hatte. Gerüchten zufolge entdeckte er es zufällig, als er eines Tages die Schatzkammer betrat. Kaum hatte er einen Fuß in den Raum gesetzt, fiel ein Sonnenstrahl durch das Fenster, der sich auf dem geschliffenen Rubin brach. Von dem rötlichen Funkeln magisch angezogen, nahm er das Juwel an sich und legte es Zeit seines Lebens nicht mehr ab.
Von da an wurde es an jeden erstgeborenen Sohn weitergegeben und übte auf seinen jeweiligen Träger eine ungeheure Faszination bis hin zur Besessenheit aus. Alle männlichen Verwandten, die vor Damian das Herz der Side getragen hatten, sammelten Hinweise auf den Wahrheitsgehalt der Legende oder wähnten sich ihr Leben lang auf der Suche nach diesem sagenumwobenen Ort.
Ihm erging es dabei nicht anders. Etwas drängte ihn geradezu, die Grotte zu finden und die unerklärliche Sehnsucht in seinem Herzen zu stillen, die ihn manchmal wie ein schwerer Mantel umgab.
Eine orkanartige Böe erfasste seinen Körper und brachte ihn ins Hier und Jetzt zurück. Damian schwankte und konnte gerade noch das Gleichgewicht halten, ohne in die Tiefe zu stürzen. Er schnappte panisch nach Luft und blinzelte gegen den Regen an, der seine Sicht gefährlich beeinträchtigte. Dabei rang er mit dem Gefühl, sein Herz spränge aus der Brust, so heftig schlug es infolge des Adrenalinschubs, der durch seinen Körper rauschte. Zitternd fasste er unter sein Hemd und umklammerte mit vor Kälte tauben Fingern den Rubin.
Hier stand er nun und verfluchte seinen Urahn, verfluchte das Herz der Side und verfluchte sich selbst. Serafina und Otis würden noch leben, gäbe es diesen unglückseligen Stein nicht! Sie selbst, seine eigene Familie, hatte die Legende auf der ganzen Welt verbreitet, indem sie jeden gottverdammten Bauern nach Hinweisen befragten! Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, wann die Ersten hier auftauchen würden. Denn die Gier war im Menschen ebenso angelegt, wie der Wille zu überleben. Seine bläulichen Lippen bewegten sich stumm, als er einen Satz seines Lieblingsphilosophen Epikur zitierte: Nichts genügt dem, welchem genug zu wenig ist.
Damian stöhnte gequält. Er allein trug die Schuld an ihrem Tod! Weil er es nicht lassen konnte, an Informationen zu kommen und insgeheim wusste, wie gefährlich es war. Seine Tränen mischten sich mit dem Regen, der nun sintflutartig auf die Erde strömte. Als hätte der Himmel endgültig alle Schleusen geöffnet, spülten die Wassermassen die letzten Sandsäcke fort, die dafür vorgesehen waren, eine Überschwemmung zu verhindern.
Die Last der Schuldgefühle und die Trauer um seinen Verlust legten sich wie eine schwere Eisenkette um seine Brust und nahmen ihm die Luft zum Atmen. Er wollte unbedingt hinter das Geheimnis des Juwels kommen, aber nicht zu diesem Preis! Nicht zu diesem Preis!
Damian ballte die Fäuste, während sein ruheloser Blick zu den Flutwellen glitt, unter deren gewaltigem Druck der Rest eines kleines Fischerbootes gegen die Felswand krachte. Die Planken zerschellten wie die Schale eines rohen Eis und versanken anschließend in der tödlichen Schwärze des Meeres. Nur ein Schritt trennte ihn von dem gleichen Schicksal. Ein Schritt und er könnte diese Qual, dieses sinnlose Leben hinter sich lassen. Sein Herz schlug unnatürlich schnell, als er sich für diese Möglichkeit entschied. Die Muskeln in seinem rechten Fuß zuckten, bereit, den Befehl, der von seinem Gehirn übermittelt wurde, auszuführen.
»Damian!«
Falcon packte seinen Arm und riss ihn förmlich vom Abgrund weg. »Verflucht, Damian!«, brüllte er aufgebracht. »Bist du von allen guten Geistern verlassen? Was sollte das werden? Wenn du dich in die Klippen stürzt, ist keinem geholfen und Serafina und Otis bringt es auch nicht zurück!« Bei den letzten Worten nahm seine Stimme einen traurigen Klang an. Falcon de Bracy hatte mit Serafina seine einzige Halbschwester und mit Otis sein Patenkind verloren. Er und Damian waren wie Brüder zusammen aufgewachsen, seit Falcon als Fünfjähriger zum ersten Mal im Schloss aufgetaucht war. Nach dem Tod seiner Mutter lebte er mit seinem Vater, der Mont-Saint-Michel und die umliegenden Ländereien für Damians Familie verwaltete und dessen neuer Frau im Westflügel des Anwesens. Die Bevölkerung wuchs ständig, was einerseits für die kluge und gerechte Verwaltung des Landes sprach, andererseits schürten der wirtschaftliche Erfolg und die Beliebtheit des Herzogs den Neid des angrenzenden Königreiches. Avranchin fiel der Status eines unabhängigen Herzogtums zu und dass es so geblieben war, lag letztendlich an den geschickten Verhandlungen seines Vaters, Herzog Magnus de Valére. Für viele Pächter bedeutete das ein Segen, da König Ramond sein Volk systematisch ausschlachtete. Jedes Jahr flüchteten Familien über die Grenze, da sie die hohen Abgaben nicht mehr leisten konnten. Gemeinsam mit Robin de Bracy, Falcons Vater, sorgte Magnus dafür, dass sie ein kleines Stück Land für den Ackerbau erhielten. Er gab ihnen somit eine Chance, sich selbst zu versorgen und mit den Erträgen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nebenbei sicherte er sich durch seine großmütige Tat ihre Anerkennung und Treue.
In Damian und Falcon war eine neue Generation herangewachsen, die die Arbeit ihrer Väter in deren Sinne fortführten. Tatsächlich hatten sie bereits eigenverantwortlich zwei Ernten gemeistert und obendrein bessere Konditionen für ihren Getreideexport ausgehandelt. Die Wirtschaft in Avranchin florierte.
18 Jahre waren seit ihrer ersten Begegnung vergangen, in denen sich eine bedingungslose Freundschaft entwickelt hatte, die sie fest zusammenschweißte. Damian würde sein Leben für ihn geben und er wusste, Falcon würde dasselbe für ihn tun. Niemandem vertraute er so uneingeschränkt wie seinem Freund seit Kindertagen. Dies war unter anderem auch ein Grund, weswegen er ihn zum obersten General seiner Streitmacht ernannt hatte. ...

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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 07:38    Titel: Klappentext zu "Das Herz der Side" pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen,

ich muss mich erst einmal entschuldigen für den viel zu langen Text, den ich als Auszug hier hereingestellt habe Embarassed . Leider ist mir erst jetzt aufgefallen, dass die Leseprobe viel zu umfangreich ist, ich wollte niemanden erschlagen!

Dafür würde ich euch gerne den Klappentext zeigen und fragen, wie ihr ihn findet. Er ist auch kurz Smile

Ein ehrgeiziger Prinz.
Ein undurchsichtiger Leibwächter.
Ein von Rache getriebener Herzog.
Ein melancholischer General.

Vier Männer kreuzen den Weg der jungen Deianira, doch nur einer von ihnen ist dazu bestimmt, sein Schicksal mit ihr zu teilen. Das »Herz der Side« ist ein Juwel, dem man nachsagt, es sei der Schlüssel zu einem unvorstellbaren Schatz. Aus Dankbarkeit und Liebe fühlt sich Deianira verpflichtet, es für ihren Lebensretter zu stehlen. Unwissend löst sie dabei einen jahrhundertealten Fluch aus, in dem sie selbst eine tragende Rolle spielt. Schon bald kann sich die junge Frau der Anziehung des sagenumwobenen Juwels nicht mehr entziehen. Doch wer lügt? Und welchem Mann kann sie vertrauen?

Dem würde ich gerne noch einen kurzen Textauszug zufügen:

»Die Liebe ist grausam«, raunte er ihr zu, »gefährlich und zerstörend zugleich. Sie raubt dir den Verstand, um dich in dem Moment in den Abgrund zu stürzen, wenn deine Verzweiflung am größten ist.« ...


Macht der Klappentext neugierig oder müsst ihr unwillkürlich gähnen?

Ich würde mich über eure Rückmeldung freuen!

Danke und lg Katinka
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 10:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallöchen,

Ich habe deinen Prolog gelesen und finde, du kannst lebhaft schreiben. Auch wenn eine Wetterbeschreibung zu Beginn einer Geschichte oft verpönt ist, hat sie mich hier nicht gestört und ich fand sie durchaus stimmungsvoll. Leider begräbst du die Szene unter einem Haufen Infodumps, was ich als größtes Problem in deinem Text ausmache.

Aktiv geschieht in deinem Prolog so gut wie nichts. Damian steht im Sturm auf einer Klippe, voller Reue. Falcon will ihn davon abhalten, evtl. zu springen. Ein bisschen wenig Handlung für 4 Din A4-Seiten, findest du nicht? Der Rest ist Rückblende, Legende und Klarstellung von Beziehungen zwischen den Figuren.

Die Frage ist: Wohin willst du mit deinem Prolog? Was ist der Kern:

Dass Damian seine Familie tot vorgefunden hat? – Dann würde ich genau diese Szene aktiv beschreiben und den Rest weglassen.
Die Legende? – Dann würde ich nur diese aufschreiben, dann vielleicht auch in erzählender „Märchenform“ lassen, um sie vom Rest des Textes abzuheben.
Dass Damian von der Klippe springen will? – Dann würde ich Infodumps drastisch kürzen und mich aktiv auf die Szene auf der Klippe konzentrieren. Davor würde ich mich aber fragen, ob die Szene für den weiteren Verlauf der Geschichte von Belang ist. Wenn er nicht springt, ist sie wahrscheinlich eher überflüssig.

Hier noch ein paar Sachen, die mir sonst so aufgefallen sind:

Zitat:
2 Jahre zuvor
Mont-Saint-Michel, Herzogtum Avranchin

2 Jahre vor was? Wenn davor kein anderer Text steht, würde ich das streichen und eher im ersten Kapitel „2 Jahre später“ erwähnen – idealerweise subtil in den Text gebettet.

Zitat:
Der Sturm peitschte eisigen Regen durch die Luft, der sich wie Nadelstiche in sein kaltes Gesicht grub und ihm die Sicht auf Schloss Mont-Saint-Michel nahm. Seit Stunden fegte das Unwetter über sein Land(1) hinweg, als würde es den Weltuntergang einläuten.
 Die Wolken brauten sich zu einer dunklen, bedrohlichen Masse zusammen und überzogen den Himmel mit einem undurchdringlichen Teppich. In diesem Moment schlug in unmittelbarer Nähe ein gleißender Blitz ein(2) und die Erde unter seinen Füßen vibrierte von dem gewaltigen Donnergrollen, das einen Atemzug später das Land erschütterte.
  
Jeder vernünftige Mensch hätte sich einen trockenen Unterschlupf gesucht, doch er nahm weder die zuckenden Blitze wahr, noch spürte er die klirrende Kälte, die sich längst in Haut und Knochen gefressen hatte.(3)

(1) sein Land: Hier bin ich beim Lesen gestolpert. Weil ich hier noch nicht weiß, wer ER ist, bin ich nicht sicher, wie das „sein“ zu verstehen ist. Und Land im Sinne von Gegenteil von Meer (da er ja an einer Klippe steht) oder im Sinne von Reich? Ich würde hier konkreter werden und Herzog Damian de Valére gleich bei der ersten Erwähnung als solchen vorstellen anstatt nur „er“ zu schreiben. Dann sind auch die Bezüge von Anfang an klar.
(2) Kommen Gewitter nicht eher in der warmen Jahreszeit vor? Die klirrende Kälte und die Eiskristalle passen da für mich nicht dazu.
(3) Wenn er weder Kälte noch Gewitter wahrnimmt, warum wird es dann überhaupt erwähnt?

Zitat:
Er wusste nicht, wie lange er schon hier stand. Es konnten erst einige Minuten oder bereits Stunden vergangen sein. Damian hatte jegliches Zeitgefühl verloren, nachdem er heute Morgen von seiner Reise heimgekehrt war.

Drei Sätze, dreimal die gleiche Aussage: er hat kein Zeitgefühl mehr. Das würde ich radikal auf einen Satz kürzen.

Zitat:
Seine Beine trugen ihn wie in Trance zu den privaten Gemächern der herzoglichen Familie, um dann die Leichen seiner Frau und seines kleinen Sohnes aufzufinden.

Trance kommt mir für einen historischen Text zu modern vor ... In der ganzen Rückblende hast du übrigens einige Zeitenfehler drin. Um das zu vermeiden, könntest du die Szene, wie er die Toten vorfindet, evtl. ganz aktiv schreiben. Das wäre wahrscheinlich auch interessanter und spannender, als einer, der einfach nur ins Meer starrt und sonst nichts tut.

Zitat:
Das Schlimmste aber, das Unverzeihlichste war, er wusste sehr genau, was der Angreifer in seinem Schloss gesucht und nicht gefunden hatte. Und wenn derjenige jeden Stein einzeln umgedreht hätte, er konnte das, was er so dringend begehrte, gar nicht finden. Damian hatte es mit auf die Reise genommen. Er trug es immer bei sich! Sogar jetzt, in diesem Moment, spürte er das Gewicht des Amuletts, das an einem schmalen Lederband um seinen Hals hing.

Hier baust du Spannung auf. Durch die nachfolgenden Absätze, die die Legende in einem einzigen Infodump erzählt, zerstörst du diese wieder. An dieser Stelle reicht mir eigentlich der zitierte Absatz. Was es genau mit dem Amulett auf sich hat, könnte auch später erzählt werden.

Zitat:
Seine Tränen mischten sich mit dem Regen, der nun sintflutartig auf die Erde strömte. Als hätte der Himmel endgültig alle Schleusen geöffnet, spülten die Wassermassen die letzten Sandsäcke fort, die dafür vorgesehen waren, eine Überschwemmung zu verhindern.

Der Regen ist erst jetzt so stark? Was für Sandsäcke – auf der Klippe? Sintflutartig und alle geöffneten Schleusen sagt dasselbe aus.

Zitat:
Falcon de Bracy hatte mit Serafina seine einzige Halbschwester und mit Otis sein Patenkind verloren. Er und Damian waren wie Brüder zusammen aufgewachsen, [...]

Hier folgt jetzt wieder ein langer Infodump mit Informationen, die ich an dieser Stelle so ausführlich gar nicht bräuchte.

Fazit

Ich mag deinen Schreibstil und wäre durchaus daran interessiert, wie es weitergeht. Den Infodumps solltest du aber an den Kragen gehen (handlungsrelevante Infos kannst du bestimmt an späterer Stelle besser in den Text einbauen). Werde dir außerdem darüber klar, ob du den Prolog wirklich brauchst und was du damit wirklich erzählen willst.

Ich hoffe, es waren ein paar hilfreiche Anmerkungen für dich dabei, ansonsten einfach ignorieren Very Happy

LG
Ruyi
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 10:24    Titel: Re: Klappentext zu "Das Herz der Side" Antworten mit Zitat

Und noch mal hallo Smile

Dein Klappentext macht Lust auf mehr, liest sich für mich aber noch etwas schwammig. Im Detail:

Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:
Ein ehrgeiziger Prinz.
Ein undurchsichtiger Leibwächter.
Ein von Rache getriebener Herzog.
Ein melancholischer General.(1)

Vier Männer kreuzen den Weg der jungen Deianira (2), doch nur einer von ihnen ist dazu bestimmt, sein Schicksal mit ihr zu teilen. Das »Herz der Side« ist ein Juwel, dem man nachsagt, es sei der Schlüssel zu einem unvorstellbaren Schatz.(3) Aus Dankbarkeit und Liebe fühlt sich Deianira verpflichtet, es für ihren Lebensretter zu stehlen. Unwissend löst sie dabei einen jahrhundertealten Fluch aus, in dem sie selbst eine tragende Rolle spielt. Schon bald kann sich die junge Frau der Anziehung des sagenumwobenen Juwels nicht mehr entziehen. Doch wer lügt? Und welchem Mann kann sie vertrauen? (4)

Dem würde ich gerne noch einen kurzen Textauszug zufügen:

»Die Liebe ist grausam«, raunte er ihr zu, »gefährlich und zerstörend zugleich. Sie raubt dir den Verstand, um dich in dem Moment in den Abgrund zu stürzen, wenn deine Verzweiflung am größten ist.«(5)


(1) Eine Aufzählung von vier Personen. Ich habe mal gelernt, dass eine Dreier-Aufzählung sich nicht nur flüssiger sondern auch kraftvoller liest. Tatsächlich finde ich auch hier die vier Personen zu viel. Kannst du evtl. einen weniger wichtigen weglassen? Wenn alle vier gleich wichtig sind, könntest du die vier Zeilen evtl. ganz weglassen. "Vier Männer" erwähnst du ja auch so im Klappentext - vielleicht dann als "vier Männer, die unterschiedlicher nicht sein konnten" oder so was?

(2) Wer ist Deianira? Im Klappentext liest sie sich als wichtigste Person im Geschehen. Könntest du ihr noch irgendein anderes Attribut als jung hinzugeben? Die junge Schmiedin/Prinzessin/whatever?

(3) Das Herz der Side kommt ziemlich zusammenhangslos hinzu. Ein "man"-Satz liest sich nicht so schön. Vielleicht: Als vier Männer das Leben der jungen XXX Deianira retten, fühlt sie sich verpflichtet, das sagenumwobene "Herz der Side" zu stehlen. Ohne es zu ahnen, löst sie dabei einen jahrhundertealten Fluch aus, dem sie sich schon bald nicht mehr entziehen kann ...

(4) Die beiden Fragen finde ich auch zusammenhangslos. Inwiefern lügt einer?

(5) Evtl. könntest du das Zitat in komprimierterer Form dem Klappentext voranstellen (also statt den vier aufgezählten Männern), so in etwa: Liebe ist grausam. Sie raubt dir den Verstand, um dich in dem Moment in den Abgrund zu stürzen, wenn deine Verzweiflung am größten ist.


Übrigens: Dein Klappentext liest sich wie dein Prolog - du hast viel vor, aber bist dir noch unschlüssig, wie du die einzelnen Personen und Vorkommnisse (was ist wichtiger? Liebe oder Fluch?) gewichten sollst. Beide Texte würden mMn durch eine kompaktere Form noch gewinnen. Aber ist ja beides bestimmt noch keine Endfassung Smile Bleib dran!

LG
Ruyi
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich noch mal ...

Mein Nachbar reißt heute schon den ganzen Tag eine Wand ein und bei dem Lärm kann man nicht mal mehr die eigenen Gedanken hören ... Was ich eigentlich bei deinem Klappentext noch betonen wollte: Was ist der Schwerpunkt deiner Geschichte? Romanze oder Fluch (Fantasy)? Dann würde ich mich beim Klappentext auch auf diesen Aspekt konzentrieren. Bei Schwerpunkt Liebe könntest du dann ungefähr so einsteigen: Vier Männer kreuzen den Weg der jungen XXX Deianira, doch sie kann nur einen lieben ...

Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. So, genug gespammt jetzt.
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 11:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ruyi Smile !

Vielen herzlichen Dank für deine ausführlichen Anmerkungen!
Ich kann sehr viel aus deiner Kritik mitnehmen, vor allen Dingen ist mir nun bewusst, dass ich den Prolog ordentlich kürzen muss! Tatsächlich fehlen noch viereinhalb Seiten, die ich hier weggelassen habe, da der Auszug schon so umfangreich war Embarassed . Wenn du Interesse hast, hänge ich den Rest noch hinten dran. Es gibt nämlich einen Hinweis, wer der Mörder war und der Prolog endet mit einer Kriegserklärung. Auch hier kann ich bestimmt eine Menge kürzen Smile .

Ich hatte da so eine leise Ahnung, dass mit meinen verwendeten Zeiten irgendetwas nicht stimmt, konkret stehe ich mit dem Konjunktiv 2 auf Kriegsfuß. Ich muss immer wieder in Konjugationstabellen nachschauen und trotzdem hört es sich seltsam an. Könntest du mir bitte einen Beispielsatz nennen, der im Text falsch ist?

Die Legende sollte im Prolog im Vordergrund stehen. Damian und Falcon stelle ich ausführlicher vor, weil sie zwei der vier Männer sind, die auf die Hauptprotagonistin Deianira treffen. Sie treten aktiv erst wieder im zweiten Drittel des Manuskripts in Erscheinung. Ab dem ersten Kapitel handeln das Mädchen, der Prinz und der Leibwächter.

Deine Anmerkungen zum Klappentext sind sehr hilfreich für mich, danke!

Deianira ist zumindest zu Hälfte eine Side und hat keinen blassen Schimmer, was den Zeitraum vor ihrer Rettung betrifft (Der Prinz hat sie gerettet). Sie hat ihr Gedächtnis verloren und weiß tatsächlich nichts über ihre wahre Identität. Meinst du, das sollte im Klappentext erwähnt werden?

Einer der Männer meint es nicht gut mit ihr und ist tatsächlich nur hinter dem Schatz der Side her. Er belügt sie und gaukelt ihr Liebe vor. Ich möchte es für eine Weile offen halten, wer von den Vieren der "böse" Lügner ist.

Das erste Drittel der Rohfassung! des Manuskript ist beinahe fertig und ich sehe, dass ich noch eine Menge überdenken und bearbeiten muss. Aber es macht so Spaß !!! Ich fühle mich neu motiviert!!! Vielen Dank!!!

LG
Katinka
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Tatsächlich fehlen noch viereinhalb Seiten, die ich hier weggelassen habe, da der Auszug schon so umfangreich war Embarassed .

Kein Grund, rot zu werden. Bei einem alten Manuskript von mir hatte ich zum Einstieg etwa 50(!) Seiten Infodump und schon die ersten zehn konnte ich nach eingehender Bearbeitung auf zwei Seiten runterkürzen (dann habe ich das ganze Projekt allerdings eingestampft, weil inhaltlich praktisch kein Fleisch am Knochen war Wink - aber das Problem hast du ja zum Glück nicht, so wie es aussieht!)

Zu den Zeitenfehlern: Du schreibst im Präteritum, also müsste in der Rückblende das oft sperrige Plusquamperfekt verwendet werden, das in deinem Text nicht ganz konsequent ist. Wenn du dir mit solchen Sachen schwer tust, ist es am einfachsten, nicht so viele Rückblenden zu verwenden Wink. Alternativ gibt es noch die Möglichkeit, durch ein, zwei Sätze mit Plusquamperfekt eine Rückblende einzuleiten und den Rest dann im Präteritum fortzuführen. In deiner Geschichte passt das mMn aber nicht, weil du zwischen den Rückblendesätzen immer mal wieder Einwürfe aus dem Jetzt hast und das macht es nur noch verwirrender.

Ich hab mir zur Korrektur mal exemplarisch ein bisschen was rausgepickt. Vielleicht hilft dir das, den Rest zu verbessern?
Zitat:
Seine Beine trugen (hatten) ihn wie in Trance zu den privaten Gemächern der herzoglichen Familie (getragen), um dann die Leichen seiner Frau und seines kleinen Sohnes aufzufinden.
Damian presste sich die Hand auf den Mund, als ihn die Erinnerung an das Bild des kleinen Otis zu übermannen drohte. (Hier passt die Zeitform, weil das im „Jetzt“ spielt.) Für einen kurzen Augenblick hatte er sich der Illusion hingegeben, er schliefe nur, als er ihn in seinem Bettchen liegen sah (hatte liegen sehen – Beispiel für ein sperriges Ungetüm. Wahlweise einfach nach „schliefe nur“ ein Punkt und gut ist Wink). Das Gesicht wirkte (hatte) so friedlich (gewirkt), wie so oft, wenn er ihn im Schlaf beobachtete (beobachtet hatte). Doch seine Selbsttäuschung löste (hatte) sich im selben Moment in Luft auf(gelöst), als er die Decke zurückschlug (zurückgeschlagen hatte). ...

Zitat:
Als er sie in ihrem Schlafzimmer gefunden hatte, wusste (hatte) er sofort (gewusst), welche Qualen sie die letzten Stunden ihres Lebens über sich ergehen lassen musste (hatte ergehen lassen müssen).

Satz unbedingt umformulieren Wink, z.B. „welche Qualen sie die letzten Stunden ihres Lebens erlitten hatte“

Bei Konjunktiv II-Sätzen bin ich manchmal auch verwirrt Smile Bei Sätzen im Konjunktiv II kannst du dich fragen, ob du diese Sätze überhaupt brauchst. Konjunktiv II-Sätze widmen sich oft einem Ereignis, das (noch) nicht eingetroffen ist, dürften also öfter mal überflüssig sein. Sätze wie z.B.
Zitat:
Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, wann die Ersten hier auftauchen würden.

könntest du einfach umformulieren, um den Konjunktiv wegzukriegen. – Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Ersten hier auftauchten/aufgetaucht waren. (sie sind ja jetzt da)
Zitat:
Ein Schritt und er könnte (hätte/würde) diese Qual, dieses sinnlose Leben hinter sich lassen (können).

Oder einfach: Ein Schritt und er konnte ... hinter sich lassen.

Zitat:
Die Legende sollte im Prolog im Vordergrund stehen. Damian und Falcon stelle ich ausführlicher vor, weil sie zwei der vier Männer sind, die auf die Hauptprotagonistin Deianira treffen. Sie treten aktiv erst wieder im zweiten Drittel des Manuskripts in Erscheinung. Ab dem ersten Kapitel handeln das Mädchen, der Prinz und der Leibwächter.

Ist es dann wirklich nötig, die beiden Männer bereits im Prolog ausführlich vorzustellen? Du musst am Anfang ohnehin schon min. drei Figuren ausführlich vorstellen. Ich kenne deine Geschichte natürlich nicht, aber evtl. könnte es auch die Spannung erhöhen, wenn der Mann mit dem Amulett erst später auftaucht.

Evtl. ist seine tragische Vergangenheit ja in der Region bekannt und die Menschen reden z.B. über ihn in Gaststätten? Dann hast du den tragischen Herzog schon indirekt erwähnt und er ist kein Unbekannter mehr, obwohl er in der Geschichte noch nicht aktiv in Erscheinung getreten ist. Das könnte dann bei seinem ersten Auftauchen einen Aha-Effekt geben und den Rest seiner Geschichte kann er dann ja selbst erzählen oder so.

Aber lass mal ruhig noch den Rest des Prologs da, vielleicht wird es dann klarer, warum die schon so früh auftauchen!

Zitat:
Deianira ist zumindest zu Hälfte eine Side und hat keinen blassen Schimmer, was den Zeitraum vor ihrer Rettung betrifft (Der Prinz hat sie gerettet). Sie hat ihr Gedächtnis verloren und weiß tatsächlich nichts über ihre wahre Identität. Meinst du, das sollte im Klappentext erwähnt werden?

Hm, vielleicht andeuten, wenn es für die Geschichte extrem wichtig ist, z.B. durch ein passendes Attribut oder „sie löst einen jahrhundertealten Fluch aus und kommt dabei ihrer wahren Identität ein ganzes Stück näher“ oder so was, aber besser nicht zu viel verraten.

Zitat:
Einer der Männer meint es nicht gut mit ihr und ist tatsächlich nur hinter dem Schatz der Side her. Er belügt sie und gaukelt ihr Liebe vor. Ich möchte es für eine Weile offen halten, wer von den Vieren der "böse" Lügner ist.

So was in der Art hatte ich mir schon gedacht. Nur kommt diese Frage im Klappentext so zusammenhangslos, weil man aus diesem nicht rauslesen kann, dass einer lügt oder sie zum Stehlen manipuliert wird oder so. Da fehlt also mindestens noch ein Halbsatz zum Bezug.

Hui, ist jetzt wieder länger geworden als geplant ...

LG
Ruyi
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 25.06.2017 13:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dank deiner Korrekturen habe ich festgestellt, dass im Rest des Prologs ebenfalls falsche Zeitformen zu finden sind. Gleiches Problem, das ich unbedingt zuerst beheben muss!

Also hier die verbliebenen Seiten Smile :

Obwohl er zwei Jahre älter war, stand Falcon ihm was Größe und Kraft anbelangte in nichts nach. Beide überragten die meisten Männer um mindestens einen Kopf und ihre Körper wiesen durch das tägliche Training stahlharte Muskeln auf. Einzig im Aussehen unterschieden sie sich wie Tag und Nacht. Während er mit den schwarzen Haaren und sturmgrauen Augen eher düster wirkte, trugen Falcons flachsblonder Lockenkopf und sein jungenhaftes Lächeln sehr zum Erfolg beim weiblichen Geschlecht bei. Ein Blick aus seinen jadegrünen Augen genügte und er lag schon mit einem Bein im Bett seiner neuesten Eroberung. Zumindest verhielt es sich so bis zu seinem Unfall.

Damian sah in die sorgenvolle Miene seines besten Freundes, die seine eigene Fassungslosigkeit und Trauer widerspiegelte. Er war hin- und hergerissen zwischen dem Drang, seinem Leben ein Ende zu setzen und dem Mann, den er wie einen Bruder liebte, den Trost zu spenden, den er selbst so bitter benötigte. Es bekümmerte ihn zutiefst, dass er auch dafür nicht mehr in der Lage war.

»Ich kann nicht«, war alles, was er stattdessen über seine Lippen brachte. Falcon betrachtete ihn stumm und doch konnte Damian zusehen, wie sich dessen bestürzter Gesichtsausdruck in Wut verwandelte.
»Du kannst nicht?«, wiederholte er vorwurfsvoll. »Ich kann dir genau sagen, was du nicht kannst: Dich davon stehlen und deine Leute ihrem Schicksal überlassen! Die Angreifer haben ein Meer an Verwüstung hinterlassen und wir sind leider nicht die Einzigen, die jemanden verloren haben!«

Oh ja, das wusste er bereits. Damian selbst hatte die Leiche von Severus gefunden, einem seiner treuesten Soldaten. Wie es scheint, wollte er ihr zu Hilfe eilen, denn sein Körper lag unmittelbar vor Serafinas Schlafzimmertür. Durchbohrt von einem Pfeil, der immer noch in seiner Kehle steckte. Damian verzog schmerzlich das Gesicht. Severus hatte eine Frau und zwei kleine Kinder. Das jüngste konnte gerade erst laufen. Einige der Frauen, die für ihn auf dem Schloss arbeiteten, wurden ebenfalls vergewaltigt. Die meisten hatten die Tortur überlebt, doch ob man dabei von Glück reden konnte, würde sich noch herausstellen. Die körperlichen Wunden konnten wieder heilen, doch was blieb, war der seelische Schmerz. Er würde vielleicht nie vergehen.

Damian stand da wie betäubt, erdrückt von der Last der Verantwortung, die ihm auf der Seele lag. Ließ er die Bürger Avranchins im Stich, wenn er den Tod wählte, nach dem er sich so sehnte? War er überhaupt noch in der Lage, ihnen ins Gesicht zu sehen, wo er doch genau wusste, dass er die Hauptschuld an ihrem Unglück trug?
Als er nicht reagierte, packte Falcon seine Schultern und fixierte ihn eindringlich. »Damian, deine Leute brauchen dich! Ich brauche dich!«, sagte er beschwörend. »Wie soll ich Serafinas und Otis Mörder finden, wenn du mir nicht hilfst?«
»Willst du einem Geist hinterherjagen?«, erwiderte Damian schwach. »Das Schwein hat keine Spuren hinterlassen, nichts was darauf hinweist, um wen es sich handelt oder aus welchem stinkenden Drecksloch er kam. Die Augenzeugen haben berichtet, dass die Männer allesamt Masken trugen. Sie konnten noch nicht einmal eine einzige gottverdammte Visage beschreiben!« Er merkte, wie er sich langsam in Rage redete und stieß die nächsten Worte mit einem wütenden Zischen aus. »Wir haben nicht einen verwertbaren Anhaltspunkt!«
»Nicht ganz«, antwortete Falcon und seine Züge nahmen einen grimmigen Ausdruck an. Langsam drehte er seine linke Faust und öffnete sie. Erst jetzt bemerkte Damian, dass er darin die ganze Zeit etwas verborgen gehalten hatte. Seine Augen weiteten sich überrascht, als er den Gegenstand erkannte.
»Wo hast du das gefunden?«, fragte er angespannt.
»Ich bin jeden Raum noch einmal durchgegangen, den diese Dreckskerle verwüstet haben. Ich kroch auf dem Boden, sah hinter Schränken, umgeworfenen Tischen und Stühlen nach. Doch wie sich herausstellte wären meine Bemühungen gar nicht nötig gewesen. Der Mörder ist entweder strohdumm oder fühlte sich seiner Sache so sicher, dass er nachlässig geworden ist. Ich fand ihn abgelegt auf einem kleinen Tischchen, wo er vermutlich vergessen wurde.«
»Wo?«
Falcon blickte unbehaglich zur Seite. »Auf dem Nachttisch in Serafinas Schlafzimmer.«
Damian atmete scharf ein, als ihm die Bedeutung dieser Worte deutlich wurde. Schlagartig verwandelte sich die lähmende Kälte in seinem Herzen in etwas Heißes, Brodelndes, das ihn von innen heraus zu verzehren drohte. Unbändiger Zorn erfasste ihn, eine rasende Wut, die das Blut wie glühende Lava durch seine Adern pumpte. Die quälende Todessehnsucht, die noch vor wenigen Augenblicken seinen Geist erfüllte, machte einem einzigen Gedanken Platz. Ein Gefühl, süß und verlockend, nistete sich dort ein und formte den brennenden Wunsch in ihm, für dessen Erfüllung er fortan leben würde: Rache!

Damian trat von den Klippen zurück und legte seinen Kopf in den Nacken, den Blick auf den Unheil prophezeienden Himmel gerichtet. Der Regen kühlte die Hitze, die in ihm tobte und hatte eine angenehme, reinigende Wirkung auf ihn. Er wischte alle verworrenen Gedanken bei Seite und fokussierte seinen Geist auf die Dinge, die es nun zu planen galt. Sein scharfer Verstand signalisierte ihm klar und deutlich, was er zu tun hatte. Morgen würde er damit beginnen, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Er freute sich bereits auf den Augenblick, wenn er das Leben dieses kaltblütigen Mörders in den Händen hielt. Zuerst würde er ihn eine Zeit lang quälen, so wie er seine Frau und seinen Sohn gequält hatte. Oh ja, ihm fiel bereits jetzt die ein oder andere Foltermethode ein. Falcon konnte sicherlich auch einiges dazu beitragen. Irgendwann würde das Schwein um seinen Tod betteln und nach einer Weile würde er selbst dafür sorgen.
Doch heute war noch nicht die Zeit dazu. Heute betrauerten sie die Toten und erwiesen ihnen die letzte Ehre. Er würde zu seinen Gefolgsleuten sprechen und ihnen Trost spenden und Mut zureden, so wie es sich für einen guten Lehnsherren gehörte. Und er würde ihnen das Versprechen geben, dass er nicht eher ruhen würde, bis die Übeltäter bestraft wären. Ab morgen stellte dieses Ziel den einzigen Sinn und Zweck seines Lebens dar.
Damian wandte sich Falcon zu und umarmte ihn für einen kurzen Moment. Diese Umarmung sagte alles, sie verstanden sich blind, ohne ein einziges Wort zu sprechen.
»Morgen früh rufst du die anderen Generäle und Severus ...«, er stockte, als ihm wieder einfiel, dass sein treuester Soldat für Serafina gestorben war, »Severus‘ Stellvertreter zusammen. Sag ihnen, ich hätte etwas Wichtiges zu besprechen!«, beendete er seinen Satz.
Falcon nickte langsam und fragte mit gerunzelter Stirn: »Was hast du vor?«
Damian lief bereits über den matschigen Boden, den der Regen aufgeweicht hatte und antwortete über seine Schulter hinweg: »Wir haben einen Krieg zu planen!«
Falcons Lippen verzogen sich zu einem bösartigen Lächeln, ehe er seinem Freund in Richtung Schloss folgte.


Die Formatierung hat es beim Reinkopieren total verrissen. Mir deucht, dass ich auch auf diesen Seiten ein Haufen Zeug geschrieben habe, das ich einfach weglassen könnte? Hab ich recht? Smile

Nochmals danke und LG
Katinka
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 26.06.2017 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

so, habe nun auch den Rest gelesen. Ich finde, da musst du gar nicht so viel kürzen. Den ersten Absatz würde ich rausnehmen, da der nur eine Aussehensbeschreibung ist, die an der Stelle und so ausführlich überhaupt nicht passt. Damian denkt an seine getötete Familie, will sich vielleicht umbringen – da denkt er sicher nicht an seine stahlharten Muskeln oder die Weibergeschichten seines Freundes. (Und ja, ein paar Zeitenfehler sind auch noch drin, siehe vor allem die Stelle mit Severus).

Ansonsten finde ich die zweite Hälfte inhaltlich interessanter. Die beiden führen aktiv ein Gespräch und der Text entwickelt sich hin zu einer Motivation für den Protagonisten (Rache und Krieg). Das macht definitiv Lust auf mehr.

Wenn ich den Prolog jetzt mal als Ganzes betrachte, habe ich noch folgende Anmerkungen für dich:

- Du schreibst, dass dir die Legende im Prolog das Wichtigste ist. Leider ist das genau die Stelle, die ich nur oberflächlich überflogen habe. Es interessiert mich mehr, warum Damian auf der Klippe steht, was mit seiner Familie passiert ist und was er für sich für Schlüsse daraus zieht. Wenn es dir also hauptsächlich um die Legende geht, würde ich den Prolog komplett umschreiben, so dass nichts von der Legende ablenkt. Ansonsten würde ich mich auf die Szene auf der Klippe konzentrieren und die Legende müsste als Infodump raus (er denkt an Selbstmord etc., da kann ich mir schlecht vorstellen, dass er da die Legende in ihren Einzelheiten durchgeht ...).

- Solltest du dich dafür entscheiden, den Fokus doch auf die Szene auf der Klippe zu legen, so würde ich direkt mit den Selbstmordgedanken einsteigen (z.B. als erster Satz " Ein Schritt und er konnte diese Qual, dieses sinnlose Leben hinter sich lassen" aus deinem ersten Teil). So wie es jetzt ist, steht Damian recht willkürlich an der Klippe und als der Selbstmord ins Spiel kommt, wirkt das eher spontan. Außerdem: Hat Damian überhaupt Zeit, auf der Klippe zu stehen? Er muss doch eigentlich einer Beerdigung beiwohnen und zu seinen Untergebenen sprechen?

- In der ersten Hälfte hast du den Sturm sehr schön in die Geschichte eingearbeitet, aber in der zweiten Hälfte hast du vor lauter Dialog das Wetter fast völlig aus den Augen verloren. Sie stehen an einer Klippe, unter ihnen das lärmende Meer, der Wind pfeift, es regnet stark – würden sich die beiden da wirklich so gelassen miteinander unterhalten? (Evtl. könntest du den Dialog aufs allerwichtigste reduzieren, den Wind ganze Sätze verschlucken, den Sturm an flachsblonden Locken zerren und den Regen ins Gesicht klatschen lassen – dann bin ich auch wieder mittendrin im Sturm). Außerdem:
Zitat:
Langsam drehte er seine linke Faust und öffnete sie. Erst jetzt bemerkte Damian, dass er darin die ganze Zeit etwas verborgen gehalten hatte. Seine Augen weiteten sich überrascht, als er den Gegenstand erkannte.

Würde der Wind den Gegenstand nicht aus der Hand fegen? Und um welchen Gegenstand handelt es sich? Du möchtest wahrscheinlich Spannung aufbauen, indem du hier vage bleibst, aber ich musste die Stelle dreimal lesen, um mich zu vergewissern, dass ich nichts überlesen hatte. Es hat mich hier also komplett aus der Geschichte gerissen, weil ich nicht wusste, was für ein Gegenstand das ist.

Also:

Dein Prolog verspricht Spannung und Konfliktpotenzial. Ich mag es auch, wie du deine Figuren charakterisierst (sie haben Probleme, Motivation und ihr Verhalten finde ich nachvollziehbar). Allerdings krankt der Prolog noch an ein paar grundlegenden Problemen, aber ich bin sicher, das kriegst du hin!

Gerne gelesen.
Ruyi
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 26.06.2017 16:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ruyi!

Die Idee, den vereitelten Selbstmordversuch an den Anfang zu stellen, finde ich interessant. In meinem Kopf formt sich gerade ein neues Gerüst für den Prolog. Ich versuche dabei, das magische Amulett irgendwie unterzubringen, ohne, dass es zu viel Raum einnimmt. Schließlich ist es der Grund für Damians Unglück und verantwortlich für eine ganze Reihe Schicksale, die alle böse endeten. Ab dem zweiten Drittel wird das Juwel einen starken Einfluss auf die Hauptprotagonistin ausüben und ich bin mir unschlüssig darüber, ob man die Information über seinen Ursprung dem Leser erst zu einem späteren Zeitpunkt geben sollte? Hmmm, mal sehen wohin mich meine Tastatur führt Smile .

Puh, an das Wetter hatte ich beim Dialog wirklich nicht mehr gedacht. Ist mir auch beim mehrmaligen Drüberlesen nicht aufgefallen. Sehr aufmerksam von dir, das muss ich auf jeden Fall mit einfließen lassen!

Es soll tatsächlich noch unklar bleiben, um welchen Gegenstand es sich handelt. Man erfährt im zweiten Kapitel von einem Gegenstand, der vermisst wird und eventuell einen Hinweis auf den mutmaßlichen Mörder darstellt. Tatsächlich kommen aber für eine gewisse Zeit zwei Menschen in Betracht. Alles ein bisschen tricky, aber vielleicht kann ich das so formulieren, dass der Lesefluss nicht gestört wird. Ich versuche es!

Ich danke dir für deine Zeit, die du in meinen Text investiert hast! Das ist nicht selbstverständlich und ich empfinde deine Kritik als konstruktiv und qualitativ wertvoll. Vor allen Dingen hinterlässt sie bei mir den Eindruck, dass mein Geschreibsel nicht ganz so verkehrt ist und das freut mich besonders! Very Happy

Jetzt versuche ich mal, deine Ratschläge in die Tat umzusetzen. Vorher besuche ich aber noch einen Crashkurs für die Verwendung der richtigen Zeitformen.

LG
Katinka

P.S.: Und ich soll Damians eindrucksvolle Muskeln wirklich nicht erwähnen? Der Mann ist eine Sahneschnitte, ich sags dir! Später mehr ...
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Yorinde
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 17:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Katinka,
obwohl ihr euch hier ja schon in einem angeregten Gespräch befindet, würde ich auch gern noch ein paar Bemerkungen machen. Sei mir nicht böse, wenn sie ein wenig kritischer ausfallen.
Zuerst einmal - schön, dass du direkt in die Geschichte einsteigst und nicht lang und breit erklärst, wo wir uns befinden, wie Schloss Mont-Saint-Michel aussieht und was man zur damaligen Zeit eigentlich gegessen hat. Wink
Allerdings bin ich schon im ersten Absatz an einigen Stellen "hängen geblieben".

Zitat:
ihm die Sicht auf Schloss Mont-Saint-Michel nahm

Zitat:
stand reglos am Rand einer Klippe und starrte auf das tosende Meer


Ich glaube, du musst dich entscheiden, wo der Herzog tatsächlich hinschaut.

Zitat:
Seit Stunden fegte das Unwetter über sein Land hinweg, als würde es den Weltuntergang einläuten. Die Wolken brauten sich zu einer dunklen, bedrohlichen Masse zusammen


Wenn das Unwetter schon seit Stunden tobt, sind die Wolken eigentlich  fertig mit zusammenbrauen, oder? Wink

Zitat:
n diesem Moment schlug in unmittelbarer Nähe ein gleißender Blitz ein und die Erde unter seinen Füßen vibrierte von dem gewaltigen Donnergrollen, das einen Atemzug später das Land erschütterte.


Ich habe es einmal miterleben müssen, wie ein Blitz in die Scheune nebenan eingeschlagen hat. Gruselig! Auf jeden Fall kann ich sagen, dass bei einem Einschlag in unmittelbarer Nähe kein Atemzug mehr zwischen Blitz und Donner passt, wenn überhaupt dann vielleicht ein Wimpernschlag.

Jetzt folgt in deinem Text eine laaange Rückblende. Die Story an sich, die du dabei erzählen möchtest, hat Potential. Aber ich persönlich fände ein "show, don't tell" angenehmer. Die Erinnerung eines Prota weckt bei weitem nicht so viel Emotion bei mir als Leser, als das aktive Erleben. Denn Erinnerung ist passiv, und ich habe das Gefühl sobald ein Prota passiv ist (und das über einen längeren Zeitraum), wird die Geschichte langatmig.
Vielleicht kannst du mit diesen Anmerkungen ja was anfangen. Auf alle Fälle wünsche ich dir viel Freude beim Weiterschreiben.
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 19:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Yorinde,

vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast, meinen Prolog zu lesen Smile!
Da sind mir wohl ein paar Logikfehler unterlaufen, die mir nie im Leben aufgefallen wären. Ich werde deine Anmerkungen auf jeden Fall berücksichtigen.

Um die Rückblenden zu "entzerren", überlege ich gerade, im Prolog die Legende über das Herz der Side zu erzählen und das Unglück um den Herzog erst im folgenden Kapitel zu erwähnen. Ich bin mir nur noch nicht im Klaren, auf welche Weise ich die Protagonisten der Legende auftreten lasse.

Im Moment bin ich schon fleißig am Korrigieren und habe zwei weitere Versionen des Klappentextes geschrieben, die ich gleich hinterher schicke.

Und danke!, es macht mir unheimlich viel Spaß an der Geschichte weiterzuschhreiben Very Happy . Da ich weiß, wie sie endet, wird es hoffentlich nicht mehr all zu viel Zeit dauern, bis ich sie im Kasten habe ...

Liebe Grüße
Katinka
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

Der letzte Beitrag war das Stichwort für mich, nochmal alte Urlaubsbilder zu wälzen: Der Mont-Saint-Michel liegt an einer flachen Marschland-Küste ohne höhere Klippen !!  Die nächste nennenswerte Steilküste ist westlich bei Cancale.
Also entweder die Handlung an einen völlig fiktiven Ort verlegen--oder den örtlichen Gegebenheiten anpassen.
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 20:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,

ich habe ein wenig an meinem Klappentext gebastelt und dabei sind zwei weitere Versionen entstanden, die sich mehr oder weniger von dem ursprünglichen Text unterscheiden.

Nummer 2:

Ein ehrgeiziger Prinz.
Ein undurchsichtiger Leibwächter.
Ein von Rache getriebener Herzog.

Drei Männer kreuzen den Weg der jungen Deianira, doch nur einer von ihnen ist dazu bestimmt, sein Schicksal mit ihr zu teilen.
Ausgelöst durch ein traumatisches Ereignis in ihrer Vergangenheit, leidet das Mädchen unter einem schweren Gedächtnisverlust, der ihre wahre Identität verschleiert. Prinz Micah, ihr Lebensretter und ältester Sohn des Königs, scheint der einzige Lichtblick in ihrem neuen Leben zu sein. Aus Dankbarkeit und Liebe fühlt sich Deianira verpflichtet, für ihn »Das Herz der Side« zu stehlen, ein Juwel, dem man nachsagt, es sei der Schlüssel zu einem unvorstellbaren Schatz. Unwissend löst sie dabei einen jahrhundertealten Fluch aus, in dem sie selbst eine tragende Rolle spielt. Schon bald kann sich die junge Frau der Anziehung des sagenumwobenen Juwels nicht mehr entziehen. Dabei kommt sie dem Geheimnis ihrer Vergangenheit gefährlich nahe ...


»Die Liebe ist grausam«, raunte er ihr zu, »gefährlich und zerstörend zugleich. Sie raubt dir den Verstand, um dich in dem Moment in den Abgrund zu stürzen, wenn deine Verzweiflung am größten ist.«



und Nummer 3:

Die Liebe ist grausam, gefährlich und zerstörend zugleich. Sie raubt dir den Verstand, um dich in dem Moment in den Abgrund zu stürzen, wenn deine Verzweiflung am größten ist.

Ausgelöst durch ein traumatisches Ereignis in ihrer Vergangenheit, leidet die junge Deianira unter einem schweren Gedächtnisverlust, der ihre wahre Identität verschleiert. Prinz Micah, ihr Lebensretter und ältester Sohn des Königs, scheint der einzige Lichtblick in ihrem neuen Leben zu sein. Aus Dankbarkeit und Liebe fühlt sich Deianira verpflichtet, für ihn »Das Herz der Side« zu stehlen, ein Juwel, dem man nachsagt, es sei der Schlüssel zu einem unvorstellbaren Schatz. Unwissend löst sie dabei einen jahrhundertealten Fluch aus, in dem sie selbst eine tragende Rolle spielt. Schon bald kann sich die junge Frau der Anziehung des sagenumwobenen Juwels nicht mehr entziehen. Dabei kommt sie dem Geheimnis ihrer Vergangenheit immer näher und Deianira läuft Gefahr, auf dem Weg zur Wahrheit nicht nur ihr Herz zu verlieren ...


... Er flüsterte gegen ihren Mund, während sein Daumen die Kontur ihrer Oberlippe nachfuhr. »Sie tötet dich, die Liebe, weil du ohne dein Herz langsam stirbst.« ...


Spricht euch einer der Texte mehr an? Ruyi hat mich überzeugt, dass vier Männer zu viel des Guten sind (obwohl alle vier in der Geschichte vorkommen, aber einer kommt nicht wirklich in Frage als möglicher Partner). Ich bin für eure Anregungen dankbar!

Liebe Grüße
Katinka
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Katinka2.0 hat Folgendes geschrieben:
... Er flüsterte gegen ihren Mund, während sein Daumen die Kontur ihrer Oberlippe nachfuhr. »Sie tötet dich, die Liebe, weil du ohne dein Herz langsam stirbst.« ...




Vielleicht lieber:
Er flüsterte gegen ihren Mund
" Die Liebe; sie tötet dich...!"[/s]
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 20:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@ Thomas74: Da hast du aber gut aufgepasst Very Happy! Tatsächlich habe ich mir das Bild im Netz angeschaut und es passte alles so gut, da Avranchin an Brekilien (alter Name für Bretagne) angrenzt. Es gibt viele Orte wie z.B. den sagenhaften Wald Brocéleande oder die Geheimnisbrücke, die ich in meinem Manuskript verwende.

Darf ich die Gegebenheiten denn wirklich nicht ein wenig "anpassen"? Es handelt sich doch schließlich um einen Fantasyroman? Oder ist das ein absolutes No go?

Liebe Grüße
Katinka
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist sicher Geschmackssache, aber ich persönlich finde es nicht gut. Es packt ja auch keiner den Eiffelturm nach London, weil er so gut in die Geschichte passen würde.
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 30.06.2017 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Oder beschreibe die alten Felsen, von denen das Meer bei jedem Sturm ein paar Teile verschlingt, und die in einigen Generationen für immer verschwunden sein werden....
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 01.07.2017 02:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

schön, du warst fleißig lol

Freut mich, dass du inzwischen noch ein paar andere Rückmeldungen erhalten hast, auch von jemandem, der die Gegend kennt.

In den Klappentext würde ich jetzt ehrlich gesagt gar nicht so viel Arbeit stecken, die Geschichte an sich ist erst mal wichtiger. Aber nachdem du sie schon gepostet hast ...

Nummer 2:

Zitat:
Ausgelöst durch ein traumatisches Ereignis in ihrer Vergangenheit(1), leidet das Mädchen unter einem schweren Gedächtnisverlust, der ihre wahre Identität verschleiert. Prinz Micah(2), ihr Lebensretter und ältester Sohn des Königs, scheint der einzige Lichtblick in ihrem neuen Leben zu sein. Aus Dankbarkeit und Liebe fühlt sich Deianira verpflichtet, für ihn »Das Herz der Side« zu stehlen, ein Juwel, dem man nachsagt, es sei der Schlüssel zu einem unvorstellbaren Schatz. Unwissend löst sie dabei einen jahrhundertealten Fluch aus, in dem sie selbst eine tragende Rolle spielt. Schon bald kann sich die junge Frau der Anziehung des sagenumwobenen Juwels nicht mehr entziehen. Dabei kommt sie dem Geheimnis ihrer Vergangenheit gefährlich nahe (3)...


(1) Von einem traumatischen Ereignis kann man dabei ausgehen, finde ich. Mir würde reichen „Das Mädchet leidet ...“
(2) Finde ich gut, dass du konkreter geworden bist.
(3) Macht Lust auf mehr!

und Nummer 3:

Zitat:
Dabei kommt sie dem Geheimnis ihrer Vergangenheit immer näher und Deianira läuft Gefahr, auf dem Weg zur Wahrheit nicht nur ihr Herz zu verlieren ...

In Verbindung mit dem nachfolgenden Zitat starker letzter Satz.

Zitat:
... Er flüsterte gegen ihren Mund, während sein Daumen die Kontur ihrer Oberlippe nachfuhr. »Sie tötet dich, die Liebe, weil du ohne dein Herz langsam stirbst.« ...

Alles nach flüstern nimmt dem Zitat das Gewicht. Die Geste ist ja schließlich nicht das Wichtige, sondern das, was er sagt. (Dieses Zitat finde ich besser als das andere, es ist kürzer, kraftvoll und die Doppeldeutigkeit Herz/Juwel gefällt mir.)

Ich tendiere glaube ich zu Version Nr. 3, finde Nr. 2 aber auch nicht schlecht. Beide versprechen eine spannende Geschichte mit Romantik, das ist ja in deinem Sinne.

So, jetzt bin ich gespannt, was du aus deiner Geschichte machst.

LG
Ruyi
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 01.07.2017 07:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen!

Vielen Dank für eure Rückmeldungen, ich werde sie beim Überarbeiten beherzigen Smile.

Der erste Teil des Manuskripts, das unter dem Thema "Verlust" steht, ist beinahe fertig und ich konzentriere mich jetzt auf den Endspurt. Danach lege ich mit dem Korrigieren los, bevor es mit dem "Verrat" weitergeht.

Herzliche Grüße und allen ein schönes Wochenende
Katinka
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Katinka2.0
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BeitragVerfasst am: 27.08.2017 19:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Abend,

es ist zwar schon eine Weile her, aber ich würde euch gerne meinen neuen Prolog vorstellen. Ich habe versucht, eure Anregungen und Vorschläge umzusetzen und herausgekommen ist etwas vollkommen Neues Smile .

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das "show - don't tell" richtig umgesetzt habe und kann auch nicht abschließend beurteilen, welche Infos an dieser Stelle zu viel bzw. unnötig sind. Ich hoffe, ihr könnt mir dabei helfen. Irgendwie sind auch 20 Normseiten daraus geworden und ich nehme an, dass das für einen Prolog viel zu viel ist?

Wie dem auch sei, ich poste mal die ersten zehn Seiten, das ist ja auch schon viel Embarassed . Die Handlung spielt übrigens 100 Jahre vor den eigentlichen Geschehnissen und beschreibt den Ursprung des Fluchs.

Prolog

Tir na nÓg, Land der ewigen Jugend
Heilige Halle der Brigid

Es gab nur noch sie und ihn.
Der Schmerz schien ihr einziger verbliebener Freund zu sein, denn er wich nicht von ihrer Seite. Unermüdlich peinigte er ihren Geist und solange sie ihn spürte, wusste sie wenigstens, dass sie noch am Leben war. Sie zuckte unmerklich und ihre Sehnen und Muskeln brannten einmal mehr, als schlüge jemand mit einer Peitsche auf ihre Glieder ein. Der Schmerz fraß sich hartnäckig durch ihre Knochen und quälte sie bis an die Grenze zur Besinnungslosigkeit.
Sie hatte in den letzten Stunden alles dafür getan, um das Ausmaß ihrer Leiden vor den Wächtern zu verbergen und auch jetzt unterdrückte sie den qualvollen Laut, der in ihrer Kehle steckte. Die Genugtuung wollte sie ihren Peinigern auf keinen Fall gönnen!
Morgaine kniete vor dem Altar der Göttin Brigid und wartete mit emotionsloser Miene auf das Tribunal, das man ihretwegen einberufen hatte. Seitdem der Hohe Rat heute Morgen ihren Frevel entdeckt hatte, harrte sie in dieser Position aus. Es musste mittlerweile tief in der Nacht sein, denn die Wächter hatten schon vor geraumer Zeit die Kerzen entzündet.
Sie ertrug die Schmerzen, die ihr durch das Knien auf dem aufgerauten Holzscheit in Haut und Knochen fuhren, mit einer stoischen Ruhe. Die Ältesten der Side waren der Auffassung, ihre Seele nur durch körperliche Qualen retten zu können und hatten befohlen, dass man sie hier im Heiligtum der Schutzgöttin festhielt.
Das Feenmädchen lächelte, denn die weisen Männer und Frauen ihres Volkes hatten sich noch nie so sehr in einer Sache geirrt. Sie verstanden einfach nicht, dass sie keinen Gedanken an ihr künftiges Schicksal verschwendete. Es war ihr einerlei, was mit ihr passierte. Ihr Herz und damit die Fähigkeit, etwas zu empfinden, starb mit jedem Atemzug, der ihre Lungen verließ, ein Stückchen mehr.
Morgaine sah auf und betrachtete die marmorne Statue Brigids, die ursprünglich aus dem Land ihrer Vorväter stammte. Vor tausend Jahren hatte sich ihr Heiligtum noch in Eire befunden, wo auch ihr heiliges Feuer von den Priestern der Side gehütet worden war. Nachdem Eindringlinge ihr Land mithilfe eines mächtigen Druiden erobert hatten, sah sich das stolze Feenvolk trotz seiner Magie gezwungen, eine neue Heimat zu suchen. Den Aufzeichnungen nach, die der Hohe Rat in seiner Bibliothek aufbewahrte, hatte der Allvater Dagda höchstselbst die Side zu einem Land geführt, das er Tir na nÓg, das Land der ewigen Jugend, nannte.

Morgaine schnaubte spöttisch, was die Wächter irritiert zur Kenntnis nahmen. Was nützte ihr ein übernatürlich langes Leben, wenn sie es nicht an der Seite des Mannes führen durfte, den sie von ganzem Herzen liebte? Voller Vertrauen hatte sie sich an ihre Familie gewandt, in der falschen Annahme, sie würden ihre Tochter verstehen und sie mit ihrem Segen ziehen lassen. Das Gegenteil war der Fall gewesen. Ihre Mutter hatte sie nur mitleidig angesehen, während ihr Vater klar und deutlich zum Ausdruck brachte, was er von seiner einzigen Tochter erwartete. Nämlich, dass sie diesen armseligen Menschen nie wiedersähe und ihre Pflicht gegenüber ihrem Volk erfüllte. Einen einflussreichen Side sollte sie heiraten. Morgaine hatte kein Wort herausgebracht. Für ihren Vater stand das Volk immer an erster Stelle, aber dass er es selbst über das Glück seiner Tochter stellte, erschütterte sie zutiefst.
Mach uns keine Schande, hatte er sie angeschrien, und beende diese unglückselige Angelegenheit, solange niemand davon weiß! Du würdest deine Familie ins Unglück stürzen, nur weil ein dummer Mensch dir schöne Augen macht! Danach hatte er sie geschlagen und seine verächtlichen Worte fühlten sich nicht weniger schmerzhaft an.
Morgaine spürte den Luftzug in ihrem Rücken, als die mächtigen Flügeltüren geöffnet wurden. Sie drehte sich nicht um, doch die anhaltenden Schritte deuteten darauf hin, dass sich die weitläufige Halle langsam füllte. Der Hohe Rat würde also ein Exempel an ihr statuieren, wenn er das Volk an ihrer Verhandlung teilnehmen ließ.
»Na, bist du schon gespannt, wie sich die Ältesten entschieden haben?« Audris, der Wächter, der zu ihrer Linken stand, sah mit einer Mischung aus perverser Vorfreude und Genugtuung auf sie herab. Seine lüsternen Blicke hatten sie schon verfolgt, als sie von ihrem Manifestationsalter noch weit entfernt gewesen war. Zum Glück war er für ihre Eltern aufgrund seiner niederen Geburt nie als potenzieller Ehemann in Frage gekommen, weshalb ihr Vater ihm schnell begreiflich gemacht hatte, sich unter seinesgleichen umzusehen.
Wie sehr er es nun genoss, auf sie herabzusehen, war offensichtlich. Morgaine reagierte nicht auf sein boshaftes Geschwätz, denn tief in ihrem Herzen glomm ein Hoffnungsschimmer, an dem sie sich krampfhaft festhielt. Sie glaubte fest daran, dass das Herz der Side ihn noch rechtzeitig zu ihr führte. Ihr Geliebter würde kommen und sie von hier fortholen, dessen war sie sich sicher! Sie hatte ihm die Möglichkeit dazu gegeben, als sie das kostbarste Juwel ihres Volkes aus der Schatzkammer stahl und ihm mit auf dem Weg gab. Die Magie des Rubinherzens war danach ausgelegt, immer wieder zu seinem Herkunftsort zurückzufinden, unabhängig davon, wo es das Amulett hin verschlug. Roderick musste nur auf sein eigenes Herz hören und der Stein würde ihn direkt zu ihr führen.

Dies war ihr Plan gewesen, nachdem sie zum Schein auf die Forderungen ihrer Eltern eingegangen war. Seither hatte der Vollmond dreimal den Nachthimmel erleuchtet und sie wartete immer noch darauf, dass er sie holte. Tatsächlich verspürte sie allmählich eine innere Unruhe und sie suchte nach Gründen, weshalb der Mann, den sie von ganzem Herzen liebte, nicht kam. War die Magie des Juwels doch nicht so stark, wie ihnen der Hohe Rat immer weismachen wollte? Oder schlimmer noch, war ihrem Geliebten etwas zugestoßen?

»Du bist dir wohl immer noch zu fein, um mit einem wie mir zu reden«, bemerkte Audris mit wütendem Gesichtsausdruck.
Morgaine ignorierte ihn, was möglicherweise ein Fehler war. Sie wusste, dass sie seine Wut damit nur noch mehr anstachelte, wenn sie ihn weiterhin nicht beachtete, doch es war ihr egal. Stattdessen hob sie trotzig ihr Kinn und blickte stur geradeaus. Stolz war eine Charaktereigenschaft, die man ihrem Volk nachsagte und dem sie sich selbst nicht gänzlich entziehen konnte. Obwohl sie schon mehrmals Zeugin davon gewesen war, wie ihr Vater die feine Linie zwischen Stolz und Überheblichkeit überschritten hatte und sie sich fortwährend dafür schämte, verzogen sich ihre eigenen Lippen nun zu einem verächtlichen Lächeln.
»Dir wird dein Stolz schon noch vergehen«, zischte Audris. »Du glaubst wohl immer noch, dass dein Menschlein kommt und dich vor deinem Schicksal bewahrt. Ist es nicht so?« Genau dieses Ereignis sehnte sie von ganzem Herzen herbei, doch sie würde dem Wächter keine Möglichkeit geben, ihre Hoffnung zu verhöhnen, indem sie seine Worte bestätigte.
Audris beugte sich vor, sodass er gezwungenermaßen in ihrem Blickfeld auftauchte. »Ich verrate dir etwas«, flüsterte er in verschwörerischem Tonfall. »Bedauerlicherweise scheint dein Retter keinen Gedanken an dich zu verschwenden. Der steckt nämlich längst zwischen den Schenkeln einer Anderen. Und das recht häufig und in aller Ausführlichkeit, wie ich gehört habe.«
Dann lachte er ihr ins Gesicht. Es war ein widerliches, hämisches Lachen, das Morgaine an die Grenze dessen brachte, was sie aushalten konnte. Es wäre nicht so schlimm gewesen und sie hätte seine gehässigen Worte durchaus ertragen können, wenn ihr nicht etwas in der Art und Weise wie er es sagte, bestätigte, dass seine Behauptungen der Wahrheit entsprachen.
Der mitleidige Blick des zweiten Wächters traf sie im selben Moment, als sie realisierte, dass der Mann, für den sie den für ihr Volk größten Frevel begangen hatte, niemals aufauchen würde. Etwas zerbrach in ihr und begrub den Funken, der sie diese Qualen bisher hatte aushalten lassen, unter einer Welle abgrundtiefen Schmerzens. Bittere Enttäuschung und die Erkenntnis um Rodericks Vertrauensmissbrauch steigerten ihr Elend ins Unermessliche. Morgaine unterdrückte die Panik, die in ihr aufkommen wollte und kämpfte gegen die Gewissheit, die ihr Verstand zwar akzeptierte, doch ihr Herz mit aller Macht anzweifelte. Was blieb ihr denn noch, wenn sie zuließ, dass man ihr das Einzige nahm, wofür sie lebte?

»Was weißt du schon«, presste sie heraus. Sie wollte stark klingen, doch selbst in ihren eigenen Ohren hörte sich ihre Stimme schwach an.
»Oh, ich weiß noch viel mehr!«
Morgaine bereute sofort, ihm durch ihre unbedachte Reaktion einen Grund geliefert zu haben, sie weiterhin zu quälen. Audris schien nur darauf gewartet zu haben. Nun war es zu spät, er ließ sich nicht mehr aufhalten.
»Rate mal, wer mich heute morgen aufsuchte, gleich nachdem der Hohe Rat deinen Diebstahl bemerkt hatte«, begann er süffisant. »Eigentlich sollte es ja eine Überraschung sein, aber ich denke, es macht keinen Unterschied, wenn du es jetzt schon erfährst.«
Nein, bitte nicht!, dachte das Feenmädchen völlig außer sich und ihr Herz, von dem sie angenommen hatte, es wäre tot, klopfte panisch in ihrer Brust.
»Dein Vater fragte mich, ob ich unter diesen besonderen Umständen noch geneigt sei, mich deiner anzunehmen.« Morgaine erstarrte und jegliches Blut wich aus ihrem Gesicht, da er ihre Befürchtung ausgesprochen hatte.
»Du kannst dir vorstellen, wie überrascht ich war. Auf einmal erachtete er mich als gut genug für seine Tochter. Was zugegebenermaßen auch kein Wunder ist, denn schließlich bist du das benutzte Spielzeug eines Menschen. Wer hätte gedacht, dass sich das Blatt einmal auf diese Weise wenden würde? Ich sagte ihm, dass ich eventuell bereit wäre, dich aufzunehmen, wenn er den Verlust meines Ansehens mit einem entsprechenden Anteil an dem Familiengold kompensieren würde. Er war wohl etwas zerknirscht, sein Vermögen mit mir teilen zu müssen, aber letztendlich hat er eingesehen, dass ihm keine andere Wahl blieb. Selbst als ich sagte, ich wolle zuerst sehen, was ich in mein Bett hole, hat er ohne zu zögern zugestimmt. Ich glaube, wenn ich von ihm verlangt hätte, mir erst seinen eigenen Hintern herzustrecken, hätte er es auch getan.« Sein derbes Lachen fuhr ihr durch Mark und Bein, als sie eine Ahnung davon bekam, was ihr in naher Zukunft bevorstand.

»Dein hochwohlgeborener Vater wollte dich so schnell wie möglich loswerden, also habe ich ihm den Gefallen getan. Ich schätze, für eine weitere Karriere im Hohen Rat wärst du ein zu großes Hindernis gewesen. Weißt du Morgaine«, fuhr er scheinbar gutmütig fort, »fast könnte man ein wenig Mitleid mit dir aufbringen. Deine eigenen Eltern scheinen nicht viel für dich übrig zu haben. Sicher wäre das Wohlwollen des Volkes auf deiner Seite gewesen, wenn der klitzekleine Umstand deines Verbrechens nicht im Vordergrund stünde. Ich fürchte, das Herz der Side zu stehlen war keine gute Idee. Der Betrug und die Tatsache, dass du dich einem schwachen Menschen an den Hals geworfen hast, wird dich wohl dein Ansehen auf Lebenszeit kosten.«
Audris tätschelte ihr gespielt aufmunternd den Kopf, als sei sie ein Hund, den er über das fehlende Fressen hinwegtröstete. »Aber sei nicht traurig«, sagte er in genüsslichem Ton und Morgaine gefror das Blut in den Adern, als sie seinen grausamen Blick sah, »wir beide werden viel Spaß miteinander haben.«
Der zweite Wächter, der nahe genug bei ihr stand, um jedes Wort gehört zu haben, sah mit hochrotem Kopf zur Seite, während sie die Bedeutung von Audris Worten mit voller Wucht traf.
Nein, nein, nein! Das konnte nicht sein! Ihre Mutter würde niemals zulassen, dass er sie an diesen schrecklichen Side verschacherte! Sie musste mit ihren Eltern reden! Morgaine sah sich hektisch um und ignorierte dabei den stechenden Schmerz, der ihr durch die plötzliche Bewegung in die Knie fuhr. Vielleicht änderten sie ihre Meinung, wenn sie ihnen erklärte, dass sie noch Jungfrau war. Zwischen ihr und Roderick war es nie zu mehr als ein paar Küssen gekommen.
Leidenschaftliche Küsse, die in ihr den Wunsch nach mehr hatten aufkommen lassen.
Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als sich die Erinnerung an das letzte gemeinsame Treffen vor ihr inneres Auge schob. Morgaine presste die Lider zusammen, als sie an die Zärtlichkeit dachte, mit der er sie liebkost hatte. Die Erinnerung war so intensiv, dass ihr sein Duft in die Nase stieg und sie beinahe die dunkelblonden Locken spürte, in die sie so gerne ihre Hände grub. Sollte dies alles nur ein bedeutungsloses Spiel für ihn gewesen sein? Ein willkommener Zeitvertreib, der ihn von seiner Langeweile ablenkte? Sie selbst hatte für ihre große Liebe alles riskiert und war letztendlich an der Magie ihres Volkes und Rodericks mangelnden Gefühlen ihr gegenüber gescheitert. Eine fatale Fehleinschätzung, die sie den Verlust ihres Herzens und ihrer Freiheit gekostet hatte. Dennoch würde sie lieber sterben, als einen anderen Mann in ihren Körper zu lassen. In ihrer Verzweiflung hielt sie in der Menge Ausschau nach ihrer Mutter. Sie war die Einzige, die ihren Vater vielleicht noch umstimmen konnte!
Die Feindseligkeit, die ihr bei ihrer Suche entgegenschlug, überraschte sie keineswegs. Die Blicke, denen sie begegnete, wechselten von vorwurfsvoll zu angewidert und hielten sich in etwa die Waage. Mehr gleichgültig als interessiert bemerkte sie, dass der Hohe Rat, ohne Rücksicht auf die späte Stunde, selbst die Anwesenheit der jüngsten Kinder angeordnet hatte. Welchem Zweck dies dienen sollte, war ohnehin klar: Ihre öffentliche Verhandlung stellte gleichzeitig eine Warnung für alle anderen Side dar, die erwägten ihr Glück in der Menschenwelt zu suchen.

Morgaine konnte das vertraute Gesicht ihrer Mutter nirgends entdecken. Schämte sie sich ihrer Tochter so sehr, dass sie es vorzog, gar nicht erst zu erscheinen? Wusste sie denn nicht, wie wichtig ihr Beistand für sie gewesen wäre? Sie war doch ihr einziges Kind! Verlangte sie zu viel, wenn sie ein wenig Trost erwartete? Zu ihrem Kummer kam nun die bittere Enttäuschung über das abweisende Verhalten ihrer Mutter hinzu und Morgaine fühlte zum ersten Mal die Last ihres tatsächlichen Lebensalters. Seitdem sie 20 Jahre alt geworden war, alterte sie nicht mehr. Sie erinnerte sich noch an ihre Träume und Sehnsüchte, wie sie sich damals ihre Zukunft ausgemalt hatte. Naiv, wie sie war, hatte sie nach über hundert Jahren gedacht, sie würden endlich in Erfüllung gehen. An der Seite des Mannes, den sie liebte und für den sie eine ebenso wichtige Stellung in seinem Leben einnahm. Bei dem Gedanken stieg bittere Galle in ihrem Magen auf und verursachte einen schalen Geschmack auf ihrer Zunge, der sie beinahe würgen ließ. Kalter Schweiß perlte von ihrer Stirn und auf einmal zitterte sie am ganzen Körper. Es kostete sie all ihre Überwindung, doch Morgaine gestand sich in diesem Augenblick ein, dass sie einem fürchterlichen Irrtum erlegen war.
Das Feenmädchen war so tief in ihrem Schockzustand gefangen, dass sie nicht merkte, wie das Stimmengemurmel abrupt endete. Erst durch die Haltung ihrer Wächter realisierte sie, dass der Hohe Rat seinen Platz hinter dem Altar eingenommen hatte.
Zwei Frauen und drei Männer saßen jeweils auf einem schwarzen aus Marmor gemeißelten Quader, die der Gott Mabon den Side zum Einzug in ihre neue Heimat geschenkt hatte. Die glänzenden Marmorblöcke waren in einem Halbkreis angeordnet, sodass in der Mitte der Älteste thronte, flankiert von jeweils zwei weiteren Mitgliedern des Hohen Rates. Sie alle trugen kostbare Seidenroben, an denen man ihr würdevolles Amt und den Rang innerhalb der Gruppe ausmachte. Niemand vermochte auf den ersten Blick zu erkennen, wer sich unter den Kapuzen verbarg, da sie tief ins Gesicht gezogen waren und lediglich die Mund- und Kinnpartie freiließen.
Morgaine wusste dennoch, auf welchem Platz ihr Vater saß. Die harten Linien um seinen Mund, die ihm eine gnadenlose Strenge attestierten und seiner wahren Gefühlskälte entsprachen, hätte sie unter Tausenden wiedererkannt.


Ich freue mich, wenn ihr mal einen Blick darauf werfen könntet.

Liebe Grüße
Katinka
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Ruyi
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BeitragVerfasst am: 03.09.2017 13:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

nachdem ich ja schon deinen ersten Text kommentiert habe, habe ich mir auch mal deinen neuen Prolog angesehen (wenn ich auch nur recht oberflächlich gelesen habe, Schande über mich).

Ich konnte der Handlung gut folgen, fand den Einstieg spannungsmäßig gelungen, deinen Schreibstil flüssig zu lesen und auch die Situation an sich interessant – hätte also durchaus noch weiterlesen können.

Hier meine Anmerkungen:

Der Prolog spielt 100 Jahre vor der eigentlichen Handlung (also praktisch eine Rückblende). Im Prolog selbst springst du passagenweise ebenfalls in die Vergangenheit (also Rückblende in Rückblende). Das ist ein bisschen viel und ich denke, dass du da einiges an nicht so relevanten Hintergrundinfos kürzen könntest. Außerdem könntest du Doppeltes streichen, wie z.B. gleich am Anfang, wo du in zwei Absätzen beschreibst, wie eine „sie“ Schmerzen hat.
Zitat:
Es gab nur noch sie und ihn (1).
Der Schmerz schien ihr einziger verbliebener Freund zu sein, denn er wich nicht von ihrer Seite. Unermüdlich peinigte er ihren Geist(2) und solange sie ihn spürte, wusste sie wenigstens, dass sie noch am Leben war. Sie zuckte unmerklich und ihre Sehnen und Muskeln brannten einmal mehr, als schlüge jemand mit einer Peitsche auf ihre Glieder ein. Der Schmerz fraß sich hartnäckig durch ihre Knochen und quälte sie bis an die Grenze zur Besinnungslosigkeit.
Sie hatte in den letzten Stunden alles dafür getan, um das Ausmaß ihrer Leiden vor den Wächtern zu verbergen und auch jetzt unterdrückte sie den qualvollen Laut, der in ihrer Kehle steckte. Die Genugtuung wollte sie ihren Peinigern auf keinen Fall gönnen!(3)

(1) Sie und ihn – erste Assoziation: zwei Personen, noch dazu sehr unbestimmte. Würde ich streichen, da es nur für Verwirrung sorgt (es geht ja um sie und ihren Schmerz). Außerdem finde ich deinen zweiten Satz stärker als Einstieg.
(2) Das Fette hat zweimal dieselbe Aussage: „sie“ hat schon länger Schmerzen. Könntest du kürzen.
(3) Das Fette hat wieder ähnliche Aussagen und ließe sich kürzen.

Ich habe mal ein bisschen gekürzt und umgestellt. So ähnlich könnte der Einstieg dann z.B. aussehen:
Der Schmerz schien ihr einziger verbliebener Freund zu sein. Hartnäckig fraß er sich durch ihre Knochen und quälte sie bis an die Grenze zur Besinnungslosigkeit. Solange sie ihn spürte, wusste sie wenigstens, dass sie noch am Leben war.
Sie zuckte unmerklich und ihre Sehnen und Muskeln brannten einmal mehr, als schlüge jemand mit einer Peitsche auf ihre Glieder ein. Sie unterdrückte den qualvollen Laut, der in ihrer Kehle steckte. Die Genugtuung wollte sie ihren Peinigern auf keinen Fall gönnen!


(Wenn du noch weiter kürzen willst, könntest du nach dem Einstieg mit den Schmerzen direkt dort ansetzen, wo die Halle bereits mit Zuschauern gefüllt ist und die eigentliche Handlung einsetzt.)

Tir na nÓg: Mit der Schreibweise kann ich mich irgendwie gar nicht anfreunden (sieht wie ein Tippfehler aus). Da von diesem Ort ohnehin vereinfachte Schreibweisen existieren, könntest du überlegen, ebenfalls zu Tir na nog/Nóg zu vereinfachen.

Du hast in den Rückblenden einige Zeitenfehler drin, also Präteritum verwendet, wo eigentlich Plusquamperfekt hätte sein müssen. Hier ein Beispiel:
Zitat:
Ihre Mutter hatte sie nur mitleidig angesehen, während ihr Vater klar und deutlich zum Ausdruck brachte, was er von seiner einzigen Tochter erwartete. Nämlich, dass sie diesen armseligen Menschen nie wiedersähe und ihre Pflicht gegenüber ihrem Volk erfüllte.
Vorschlag: Ihre Mutter hatte sie nur mitleidig angesehen. Ihr Vater hingegen hatte klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er von seiner einzigen Tochter erwartete, diesen armseligen Menschen nie wiederzusehen und ihre Pflicht gegenüber ihrem Volk zu erfüllen.

Zu Show don’t tell:
- Würde Morgaine von sich selbst wirklich als „Feenmädchen“ denken? Und Mädchen? Wenn ich das richtig verstanden habe, sieht sie zwar wie 20 aus, lebt aber eigentlich schon seit 100 Jahren ...
- Beim Show don’t tell brauchst du solche Marker wie „sie wusste/fühlte/spürte...“ eigentlich nicht, da der Leser ja weiß, dass der Text aus ihrer Sicht geschrieben ist und sie praktisch alles selbst weiß/fühlt/spürt/denkt ... du könntest deinen Text also noch mal nach solchen Markern abklopfen und die Stellen umformulieren. Beispiel:
Zitat:
Nein, bitte nicht!, dachte das Feenmädchen völlig außer sich und ihr Herz, von dem sie angenommen hatte, es wäre tot, klopfte panisch in ihrer Brust.

--- Nein, bitte nicht! Ihr Herz ...

Vor lauter Rückblenden vergisst du manchmal ein bisschen über das Hier und Jetzt. Der Schmerz vom Knien wird plötzlich nicht mehr erwähnt und auch das Setting kann ich mir noch nicht so gut vorstellen. Ich weiß, dass sie vor einem Altar kniet, dass Kerzen angezündet sind, dass Wächter mit im Raum sind (Wie viele? Was machen sie?) und dass da eine Statue steht. Du könntest die Halle ein bisschen genauer beschreiben oder wie flackerndes Kerzenlicht Schatten in die Gesichter malt oder die Wände beleuchtet usw. Dann hast du auch mehr Atmosphäre drin. Hier mal ein Vorschlag zur Veranschaulichung:
Zitat:
Es musste mittlerweile tief in der Nacht sein, denn die Wächter hatten schon vor geraumer Zeit die Kerzen entzündet.
– Die Nacht musste mittlerweile hereingebrochen sein, denn seit geraumer Zeit ließ das Licht unzähliger Kerzen Schatten über Brigids marmornes Gesicht tanzen.  

Zitat:
Für ihren Vater stand das Volk immer an erster Stelle, aber dass er es selbst über das Glück seiner Tochter stellte, erschütterte sie zutiefst.

Ist es in dieser Kultur sonst üblich, dass Frauen selbst entscheiden dürfen, wen sie heiraten? Wenn nicht, fände ich ihre Erschütterung nicht nachvollziehbar.

Zitat:
Mach uns keine Schande, hatte er sie angeschrien, und beende diese unglückselige Angelegenheit, solange niemand davon weiß! Du würdest deine Familie ins Unglück stürzen, nur weil ein dummer Mensch dir schöne Augen macht! Danach hatte er sie geschlagen und seine verächtlichen Worte fühlten sich nicht weniger schmerzhaft an.

Damit gibst du in direkter Rede wieder, was du einen Absatz weiter oben („während ihr Vater klar und deutlich ...“) schon indirekt erzählt hast – eine Version könnte also weg.

Zitat:
denn tief in ihrem Herzen glomm ein Hoffnungsschimmer, an dem sie sich krampfhaft festhielt. Sie glaubte fest daran, dass das Herz der Side ihn noch rechtzeitig zu ihr führte

Oben aber hast du das Gegenteil beschrieben: Sie verstanden einfach nicht, dass sie keinen Gedanken an ihr künftiges Schicksal verschwendete. Es war ihr einerlei, was mit ihr passierte. Ihr Herz und damit die Fähigkeit, etwas zu empfinden, starb mit jedem Atemzug, der ihre Lungen verließ, ein Stückchen mehr.

Zitat:
Seither hatte der Vollmond dreimal den Nachthimmel erleuchtet

Schöne Zeitumschreibung.

Zitat:
Morgaine ignorierte ihn, was möglicherweise ein Fehler war. Sie wusste, dass sie seine Wut damit nur noch mehr anstachelte, wenn sie ihn weiterhin nicht beachtete, doch es war ihr egal.

Hier ist wieder viel doppeltgemoppelt. Vorschlag:
Morgaine ignorierte ihn, auch wenn sie seine Wut damit nur noch mehr anstachelte.

Zitat:
Stolz war eine Charaktereigenschaft, die man ihrem Volk nachsagte und dem sie sich selbst nicht gänzlich entziehen konnte. Obwohl sie schon mehrmals Zeugin davon gewesen war, wie ihr Vater die feine Linie zwischen Stolz und Überheblichkeit überschritten hatte und sie sich fortwährend dafür schämte, verzogen sich ihre eigenen Lippen nun zu einem verächtlichen Lächeln.

Dieso Infos bräuchte ich für die Szene nicht (zumal du weiter oben bereits vom „stolzen Feenvolk“ geschrieben hast).
 
Zitat:
Es wäre nicht so schlimm gewesen und sie hätte seine gehässigen Worte durchaus ertragen können, wenn ihr nicht etwas in der Art und Weise wie er es sagte, bestätigte, dass seine Behauptungen der Wahrheit entsprachen.

Das ist mir zu kompliziert formuliert (und könnte evtl. ganz raus?).

Zitat:
Etwas zerbrach in ihr und begrub den Funken, der sie diese Qualen bisher hatte aushalten lassen, unter einer Welle abgrundtiefen Schmerzens.

Die Schmerzen des Kniens hast du nicht mehr erwähnt – werden sie also von diesen Schmerzen hier überschattet?

Ich hoffe, es war etwas Hilfreiches dabei.
LG
Ruyi
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