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The Berlin Dinosaur Ghoul


 

 
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Smokowski
Sonntagsschreiber

Alter: 38
Beiträge: 28
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 21.05.2017 23:05    Titel: The Berlin Dinosaur Ghoul eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hi Leute,

ich hab mich gerade erst im Forum angemeldet und werde sicher noch Werke anderer Menschen kommentieren. Doch jetzt ist es spät am Abend und ich will erst mal meinen Text rein knallen, wenn es gestattet ist: Embarassed und mich auf Lob, sowie Kritiken gleichermaßen freuen und sorry, aber ich muss es sagen: Gerold funktioniert irgendwie nicht richtig.

Die Prämisse meiner Kurzgeschichte lautet: Kein Mensch ist so, wie es erst den Anschein hat und selbst bei den Menschen, wo man ahnt, dass sie bestimmte Dinge nicht tun ... man irrt sich gewaltig.
(Sorry, das ist sicher noch verbesserungswürdig. Ich zerbreche mir schon seit Tagen des Kopf daran, wie ich die Prämisse treffend beschreiben könnte)

Zielgruppe: Alle Jugendlichen und Erwachsenen bis 40 Jahren, die in ihrer Kindheit und Jugend fasziniert waren von so Serien wie Stargate, Andromeda, Mr. Who, Lexx, Star Trek, Raumschiff Voyager … und Filmen wie „Men in Black“. Überall, wo sich Aliens verstecken, wo man es nicht erwartet.

Genre: Horror/Science-Fiction

Stoff: eher mystisch (Drachen)

Motiv: Unterweltbesuch


Die Schornsteine des nahen Heizkraftwerks zischen schwarze Wolken empor, welche sich mit dem Nieselregen auf den trostlosen, kleinen Park in der Berliner Siemensstadt der Gegenwart zu legen scheinen. Der jugendliche Klaus schaut mit seinem hohlwangigen Gesicht auf den Boden – nicht niedergeschlagen, sondern, um etwas zu suchen. Der frische, kühle Wind eines Apriltages bläst dem Braunhaarigen durch die Pilzkopffrisur. Plötzlich bückt er sich erfreut zu einer kleinen Landgehäuseschnecke.
Er achtet beim herunter beugen auf seine alten, oft reparierten Schuhe, die er mit einer unvorsichtigen Bewegung nicht zerstören will.
Er hebt das Gehäusetier auf und legt es in seinen für diese Zwecke extra mitgenommenen kleinen Eimer. Bislang beinhaltet er sehr wenige Schnecken – gerade mal fünf an der Zahl. Das frustriert ihn. Gestern ließen sich mehr blicken, der Junge hatte jedoch keine Zeit zum sammeln. Als der siebzehnjährige an einem langen, schwarzen Metallzaun vorbeikommt, springen aus dem dahinter liegenden Garten zwei große Schäferhunde an das Metall und kläffen den Jungen an.
Klaus bewirft sie mit Steinen. Aber der Besitzer, der hünenhafte Herr Schmidtke, stürmt aus seinem Haus hervor und ruft: „Du schon wieder? Jetzt jibt es Senge!“
Klaus rennt ängstlich durch die vom Qualm der Schlote ermattete Vorstadtlandschaft davon. Der Verfolger rennt kurz hinterher, zieht sich aber wieder zurück. Zehn Minuten später kommt das an einen dunklen Felsen erinnernde Wohnhochhaus im märkischen Viertel, in dem er mit seiner Mutter wohnt, in Sichtweite. Beim Betreten der kleinen Wohnung sieht er seine Mutter das neue Schreiben von der Hausverwaltung lesen. Während die Frau wegen der gestiegenen Miete über den zukünftigen Verbleib philosophiert, wirft ihr Sohn Landschnecken ins Aquarium. Jene Tiere, unten angekommen, recken ihre weichen Körper nach oben – wohl um Luft zu schnappen.  
Seine Mutter schreit ihn an: „Hör ma uff, diese Tiere zu quälen! Haste mal wieda nur Scheiße im Kopf!“
Der Junge erschreckt sich und sagt: „Aber, das ist ein Experiment!“
Die Alleinerziehende nimmt hektisch alle Landschnecken aus dem Aquarium: „Du hattest ma zwee Wochen vorher schon diese Schnecken ins Akwaarijum jeworfen. Da warn dann alle tot, aba fressen könnwa se nicht, weil dit sind allit Stadtschnecken – voll mit Schadstoffen! Hatte ick dir damals auch schon jesacht...“
„Gut, das werde ich nicht wieder tun!“
„Es wird Zeit, dassde dich nützlich machst … bewirb‘ dich als Zeitungsausträger, wie es dein Freund Florian getan hat!“
Der Junge entgegnet überrascht: „Okay, ick werde Zeitungen austragen. Wo soll ick mich denn bewerben?“
Doch sie stürmt in die Garderobe: „Morgenpost, Kurier … Ick hab‘ keene Zeit – ich muss zur Spätschicht!“
Er geht daraufhin ins Internetcafé und sucht einen passenden Job. Aber er findet keine Stelle.
In der Nacht träumt Klaus, wie er seinen Freund Florian quält und tötet. Er wacht schweißgebadet auf und weint anschließend, heimlich, weil er der Ansicht ist, dass ein Junge seines Alters nicht mehr weint.
Seit seine Mutter ihn beim Quälen der Schnecken erwischt hat und ihn dann noch dieser Traum überfällt, würde Klaus gerne einen Job machen, der von den ganzen Gewaltphantasien, den er im Kopf hat, ablenkt. Zusätzlich hofft der Junge, dass er es eines Tages, dank der Ausbildung zum zukunftsgerichteten Beruf als IT-Systemelektroniker, besser haben wird, wie seine Mutter. Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Berufsschule, läuft er einen anderen Weg, nicht an den Hunden vorbei. Er ist ganz erleichtert, weil er sich so gut kontrollieren kann. Aber, in ihm brodelt es weiterhin. Der Pilzkopf erreicht letztlich den Bau, welcher schlicht wie ein auf die Seite gekippter Ziegelstein mit Löchern aussieht, in dessen Hintergrund die Maschinen der Siemenswerke ächzen. Als er den Klassenraum betritt, trifft er eine neue Dozentin an. Die schlanke, südländische Person mit dem langen, gewellten dunkelbraunen Haar im dunkelroten Hosenanzug nennt sich Esmeralda Rosalia und scheint gerade mal 20 zu sein – damit stellt sie zu den alten, grauen Pädagogen, die Klaus sonst so vorgesetzt bekommt, einen ziemlich interessanten Kontrast. Sie kann den Zöglingen aus Arbeiter- und Arbeitslosengeld-Zwei-Familien außerdem mit einfachen und einprägsamen Worten das nicht einfach verständliche Fach Marketing nahe bringen, wenn auch mit leicht spanischen Akzent. Esmeralda vermittelt den wirtschaftlichen Aspekt, der auch zur Ausbildung in der IT gehört. Klaus interessiert das, doch hinter ihm schauen sich die Mitschüler auf einem Smartphone Stierkampf-Videos an und sinnieren, wie man dabei wohl am einfachsten einen Stier töten kann.
Klaus hält seine verhasste Gewaltphantasie vor der Schulgemeinschaft geheim, aus Angst, von anderen wieder damit angesteckt zu werden. Aber nun wird der psychisch labile Junge daran erinnert, fühlt sich angesprochen und reagiert übertrieben aggressiv auf diese Mitschüler, schreit: „Könnta ma leise sein, da hinten? Ick kann nischt verstehen, was die da sagt!“
Einer dieser Mitschüler, ein Kopf größer als Klaus, kontert: „Alter! Ick lass ma nicht den Mund verbieten von so‘m Opfer wie dir, Alter!“
Esmeralda spricht den Großen an: „Amigo! Wie heißt du noch mal … Gerhard? Wiederhole bitte die vier P‘s im Marketing!“
„Äääh, Promotion … PR, Werbung...“
„Promotion, PR und Werbung sind alles drei das Selbe! Also, Promotion haben wir schon mal… was kommt dann?“
„Ick weiß es nicht!“
„Wer weiß es?“
Thanatchai natürlich: „Price, Promotion, Place und Product“. Dieser Thai weiß alles!
Während Klaus sich wieder auf den Unterricht konzentrieren will, kichert Gerhardt‘s Clique weiter.
Daraufhin will Klaus schon wieder ausrasten, aber Esmeralda kommt ihm zuvor und befehlt Gerhard: „Amigo, du wirst mir nach dem Unterricht einen Aufsatz schreiben über alles, was ich euch bislang unterrichtet habe!“
Anschließend fragt sie im warmen Tonfall Klaus: „Amigo, hast du alles verstanden? Kann ich dir was helfen?“
„Es fiel mir erst schwer zu folgen, wegen Gerhard und so. Aber jetzt bin ick hoch motiviert. Danke der Nachfrage!“
Leider ist der Unterricht schon fast zu Ende und es gibt keine Zeit mehr, um sich zu behaupten.
Daher fragt Klaus die Dozentin unter vier Augen: „Frau Rosalke, Sie sind super! Aber sind Sie sich sicher, dass Gerhard es sein lässt, wieder von so Gewaltphantasien zu sprechen? Sind Sie morgen noch da?“
Esmeralda eilt plötzlich Richtung Lehrerzimmer und ruft: „Amigo – ich habe jetzt keine Zeit!“
Klaus ist enttäuscht. Auch von Esmeralda. Niemand hat für ihn Zeit – mal wieder typisch! Einen Job hat er auch noch nicht. Seine makaberen Phantasien steigern sich auch noch. Mit hängendem Kopf schlurft er, seinen Ranzen auf den Schultern, aus dem Gebäude – ohne diesmal Schnecken zu sammeln. Er hält eher nach spitzen Gegenständen Ausschau, um den nächsten, der ihn ärgert, zu erstechen! Seine Situation macht ihn verrückt. Während Klaus wieder an Schmidtkes seinen Zaun langlaufen muss, wirkt der schwarze Qualm des nahen Heizkraftwerks wie Zorneswolken über den Kopf des Jugendlichen. Er wirft wieder Steine in die Richtung der Kläffer.
Herr Schmidtke erscheint hinter einem Busch, lässt die Heckenschere fallen, krempelt seine Ärmel hoch und ruft: „Du unvascheemter Bengel! Jetzt zieh ick dir aba richtisch die Oan lang!“
Aber Klaus ist gar nicht zu beeindrucken und bewirft die Hunde weiterhin, die noch aggressiver werden, mit Steinen. Bis Herr Schmidtke einen stabilen Stock ergreift und auf die Straße geht. Esmeralda, die gerade zur Bushaltestelle kommt, hört die lauten Hunde, erkennt das Geschehen, springt vor und reißt Schmidtke den erhobenen Stock aus der Hand.
Der kräftige Mann bleibt stehen und guckt die Spanierin überrascht an, sagt: „Was haben Sie damit zu tun?“
„Amigo, ich bin seine Dozentin – ich bin ganz besorgt über meinen Schüler, aber kann mit ihm umgehen!“
„Aber wenna wieder kommt und meine Hunde quält, alte, werd‘ ick unvaholen die Polizei rufen, Frollein – dat wa uns da vastehen!“
Er stampft, ohne eine Antwort abzuwarten, ins Haus zurück. Klaus ist beeindruckt von Esmeralda und hält noch einen Stein in der Hand.
Sie nimmt Klaus an die Hand und sagt: „Komm, lass uns von diesem Grundstück weg gehen. Mein Bus kommt in zehn Minuten, wie können zur nächsten Haltestelle laufen.“
Sie laufen eine Weile die Straße runter. Dann lässt der Jugendliche den Stein fallen, legt auch eine Glasscherbe hin, mit der er jemanden erstechen wollte.
Währenddessen kichert sie und fragt: „Amigo, hast du Spaß daran, diese Hunde mit Steinen zu bewerfen? Freust du dich, wenn du sie leiden siehst?“
In Klaus brodelt es – er bekommt makabere Phantasien. Aber bemüht sich, zusammen zu reißen: „Meinen Sie dat ironisch.“
Sie kichert: „Antworte auf meine Frage, Amigo! Macht es dir Spaß?"
klaus fragt skeptisch: „Wollen Sie dat wirklich wissen?“
Sie lacht lauthals: „Aus deiner Antwort höre ich schon raus, dass dir das Spaß macht! Ha ha ha!“
„Es tut mir Leid, werte Frau. Es macht ma nichts als Ärger!“
Sie blickt lasziv auf seine mehrfach geflickten Schuhe: „Ich mach dir keinen Ärger! Im Gegenteil – du könntest für mich Fleisch beschaffen und zerschneiden. Willst du dir dabei auch ein gutes Taschengeld verdienen?“
Klaus ist irritiert, weil diese neue Dozentin das völlig kritiklos hinnimmt, was er von anderen gar nicht gewohnt ist. Sie will sogar einen Selbstnutzen daraus ziehen!
Er fragt: „Sie meinen dit wirklich ernst??…“
Die junge Frau sieht ihn mit einem sympathisch verrückten Lächeln an: „Als dein pädagogisches Vorbild empfehle ich dir sogar, dass du deine Wut mal raus lässt! Du wirst ein Ventil finden. Diese Hunde, sowie Klassenkameraden, die dich gerade so aufregen – du wirst drüber stehen – das sage ich dir jetzt schon!“
  „Und ick verdiene dabei sojar Jeld?“
  „Klaro – ist immerhin harte Arbeit!“
  „Esmeralda, Sie sind so Dufte! Da kann man nicht meckern!“
  Die Frau lächelt Herz erwärmend, aber hebt mahnend ihren Zeigefinger: „Eine Bedingung möchte ich an dich stellen: Mach keine Untaten, wenn ich nicht dabei bin – weil jetzt sind wir Komplizen – wir müssen zusammen halten!“
  „Okay! … Een paar Fragen hab ick noch: Dit wird ne Menge Fleisch werden – wat machen wa damit?“
  „Ach, ich werde schon genug Berge an rohen, toten Körperteilen verdrücken, um im Unterricht so entspannt zu sein wie ich es heute war!“
  Er schaut auf ihre schlanke Taille: "Echt??“
  Sie hebt verzweifelt ihre Arme: „Ich kann meinen Appetit nicht kontrollieren. Daher muss ich gesättigt sein und jeden Morgen mich voll stopfen, bevor ich andere essbare Wesen sehe...“
  „Warum gehen Sie nicht eenfach in die Metzgerei?“
  "Ich habe ganz spezielle Vorlieben ..die gibt es nicht in der Metzgerei zu kaufen."
Klaus ist ganz neugierig: "Geht es um Menschenfleisch??"
Zwischen ihren Lippen blitzen einzelne, scharfe Raubtierzähne auf: „Manchmal esse ich auch ein wenig Mensch, oooooh, sabor bien humano! Wenn es sich anbietet. Aber hauptsächlich jage ich, oder lasse ich jagen, in der freien Wildbahn!“
Klaus ist erschrocken über ihre Zähne und wird kreidebleich: „Sind Sie in Wahrheit `n Werwolf, oda wat?“
Sie nimmt ihr voluminöses, langes lockiges Haar nach vorne, um damit die seitliche Sicht auf ihre Zähne einzuschränken und kichert: „Nein. Hab keine Angst!“
  „Eigentlich habe ick keine Angst, sondern bin nur neugierig.“
  „Gut. Ich bin ein als Mensch getarntes Reptil!“
Er erliegt der Versuchung, seinen Sadismus zu frönen: „Das klingt echt abgefahren, so besonders! Sie sind also ein Reptil, das Menschenfleisch frisst...geil! Ich könnt gleich für Sie los hacken.“
  Sie erreichen eine Bushaltestelle. Esmeralda schaut auf die Uhr, bleibt stehen und sagt drohend: „Sag aber niemanden, dass ich ein Reptil bin – sonst werde ich dich finden, egal wo du dich auch verkriechen wirst und ich werde dich ausweiden und es lieben, im Gedärm eines Verräters zu baden… Ooooh, buen gusto, buen gusto! Außerdem glaubt dir keiner, dass ich liebe, zarte Lehrerin solche Horrorgeschichten erzählen kann – oh, da hinten kommt mein Bus.“
Völlig verängstigt sagt der Junge: „Niemanden werde ik was sagen! Versprochen!“
Der Bus kommt an die Bordsteinkante gefahren und entledigt sich einiger Fahrgäste, Esmeralda steigt ein.
Die Spanierin ruft, während die Tür sich schließt: „Gut, Amigo! Dann gehen wir morgen nach der Schule zu mir. Tschüss!“
Dann ist die Tür zu und der Bus fährt weg …. .
Klaus sagt das Geheimnis nicht weiter und wird später als bester seiner Klasse  von allen geschätzt und respektiert! Außerdem hat er einen Job und genügt den Umständen seiner Mutter. Esmeralda ist es ehrlich gesagt leid, immer so viel Fleisch fressen zu müssen, weil sie ein Gewissen gegenüber den Tieren hat und weiß, wie respektlos Menschen mit ihnen umgehen. Sie versucht daher im Gegenzug, den benachteiligten unserer Gesellschaft zu helfen.

ENDE



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Neuer Roman: "Auge um Auge, Zahn um Zahn"
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Mogmeier
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BeitragVerfasst am: 23.05.2017 00:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo und willkommen im Forum!

Anhand deiner Erläuterungen im Vorfeld hatte ich natürlich gewisse Erwartungen an den Text gestellt, die dann aber irgendwie nicht so richtig erfüllt worden sind, und ich deshalb schon vorzeitig mit dem Lesen des ganzen Textes abbrach.
Woran liegt das? An meiner Überheblichkeit etwa? – Nein. angel
Aber ich erkannte bereits ein typisches Anfänger-Muster (<– das war jetzt nicht böse gemeint) bzgl. dessen, was man gleich bei der Eröffnung eines Romans falsch machen kann.

Wichtig beim Schreiben eines Romananfangs ist, sich darüber im Klaren zu sein, wie man den Lesser bei der Stange halten kann. Stimmung wie auch Spannung erzeugen ist hierbei das A & O (wobei die Stimmung hier erstmal im Vordergrund stehen sollte). Das geht natürlich subtil und/oder direkt. Aber egal ob subtil oder direkt; Stimmungskiller ist (und das ist ein typischer Fehler), zu meinen, gleich am Anfang des Romans alle möglichen Dinge (mal ein bisschen hiervon, mal ein bisschen davon) einbeziehen zu müssen, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ich sage es mal so: Wenn ich einem Uhrenliebhaber meine Uhr verkaufen möchte, dann erzähle ich ihm nichts vom Prinzip dieser Uhr, sondern lieber etwas von der Mechanik der Zeit. Wink

LG Mog


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»Nichtstun ist besser, als mit viel Mühe nichts schaffen.«
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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 07.06.2017 23:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für deine Antwort, Mogmeier.

Ich habe im Netz etwas zum Spannungsaufbau von Kurzgeschichte gelesen und in die Geschichte jetzt einen "Teaser" eingebaut: Eine Reise in Klaus seine kranke Traumwelt - aber trotzdem weiß er nicht, was mit ihm los ist. Auch die soziale Spannung ist wegen diesem Teaser wesentlich deutlicher geworden, habe ich den Eindruck. Aber, von welchen `allen möglichen Dingen' am Anfang eines Romans redest du?
Hier die Geschichte:

Die Schornsteine des nahen Heizkraftwerks zischen schwarze Wolken empor, welche sich mit dem Nieselregen auf den trostlosen, kleinen Park in der Berliner Siemensstadt der Gegenwart zu legen scheinen. Es riecht beißend nach Schwefel. Der jugendliche Klaus schaut mit seinem hohlwangigen Gesicht über das Hafenbecken und lässt seine Beine über dem Wasser baumeln. Sein Freund Florian sitzt daneben und betrachtet mit das dem Hafenbecken gegenüberliegende Fabrikgelände, dass durch seine Vegetation andeutet, dass es stillgelegt ist. Klaus knurrt und schaut Florian wütend an und ballt die Faust.   
  Florian steht auf und fragt erschrocken: „Was ist mit dir?“
  Doch Klaus zerrt an dem anderen Jungen, so dass er das Gleichgewicht verliert und in das Hafenbecken fällt. Der Hohlwangige ergreift einen Ziegelstein und will ihn auf den Jungen im Becken werfen.
  Doch plötzlich findet sich Klaus schweißgebadet im eigenen Bett wieder und er fragt sich entsetzt: „Was … wollte ich da tun? Meinen eigenen Freund töten? Bin ich völlig verrückt geworden? Warum weiß ich nicht was ich tue? Was ist mit mir los? Werde ich von einer fremden Kraft gesteuert?“
  Er schaut sich in seinem Zimmer um, findet aber nichts, was ihm in Moment Freunde, oder gar Trost, spenden würde. Da wäre das He-Man-Poster und die vom Freund seiner Mutter geschenkte Carrera-Rennbahn und natürlich – das verdreckte Fenster, das einen schemenhaften Umriss vom Heizkraftwerk zeigt – aber niemand hat so Konflikte, die so sind wie seine. Er denkt sich, dass er vielleicht auf der „falschen“ Seite der Macht ist und vielleicht zu den Feinden von He-Man gehört.
  Doch dann widerspricht er sich: „So etwas darf ich nicht denken!“
  Es ist Sonntag früh – der Siebzehnjährige denkt, er wolle etwas tun, was „normale Jugendliche“ tun, zieht sich an, schleicht sich an seiner noch schlafenden Mutter vorbei, nimmt einen Eimer und fängt an, in den Vorgärten und Grünanlagen der Plattenbau-Hochhaussiedlung Schnecken zu sammeln.
Der frische, kühle Wind eines Apriltages bläst dem Braunhaarigen durch die Pilzkopffrisur, als er sich erfreut zu einer kleinen Landgehäuseschnecke herunterbückte. Er achtet beim herunterbeugen auf seine alten, oft reparierten Schuhe, die er mit einer unvorsichtigen Bewegung nicht zerstören will.
Er legt das Gehäusetier in den kleinen Eimer. Eine Stunde später hatte er sich mit nur sehr wenigen Schnecken gefüllt – gerade mal fünf an der Zahl. Das frustriert ihn. Gestern ließen sich mehr blicken, der Junge hatte jedoch keine Zeit zum sammeln.
Als der siebzehnjährige an einem langen, schwarzen Metallzaun vorbeikommt, springen aus dem dahinter liegenden Garten zwei große Schäferhunde an das Metall und kläffen den Jungen an. Klaus bewirft sie mit Steinen.
  Aber der Besitzer, der hünenhafte Herr Bozkurt, ein Deutschtürke um die 40, stürmt aus seinem Haus hervor und ruft: „Du Missgeburt wieder hier? Jetzt gibt‘s Schläge – bum bum!“
  Klaus rennt ängstlich durch die vom Qualm der Schlote ermattete Vorstadtlandschaft davon. Der Verfolger rennt kurz hinterher, zieht sich aber wieder zurück. Zwei Minuten später betritt er wieder das an einen dunklen Felsen erinnernde Wohnhochhaus. Beim Betreten der kleinen Wohnung sieht er seine Mutter das neue Schreiben von der Hausverwaltung lesen. Während die Frau wegen der gestiegenen Miete über den zukünftigen Verbleib philosophiert, wirft ihr Sohn Landschnecken ins Aquarium. Jene Tiere, unten angekommen, recken ihre weichen Körper nach oben – wohl um Luft zu schnappen.  
  Seine Mutter schreit ihn an: „Hör ma uff, diese Tiere zu quälen! Haste mal wieda nur Scheiße im Kopf!“
  Der Junge erschreckt sich und sagt: „Aber, das ist ein Experiment!“
  Die Alleinerziehende nimmt hektisch alle Landschnecken aus dem Aquarium: „Du hattest ma zwee Wochen vorher schon diese Schnecken ins Akwaarijum jeworfen. Da warn dann alle tot, aba fressen könnwa se nicht, weil dit sind allit Stadtschnecken – voll mit Schadstoffen! Hatte ick dir damals auch schon jesacht...“
  „Gut, das werde ich nicht wieder tun!“
  „Es wird Zeit, dassde dich nützlich machst … bewirb‘ dich als Zeitungsausträger, wie es dein Freund Florian getan hat!“
  Der Junge entgegnet überrascht: „Okay, ick werde Zeitungen austragen. Wo soll ick mich denn bewerben?“
  Doch sie stürmt in die Garderobe: „Morgenpost, Kurier … Ick hab‘ keene Zeit – ich muss zur Frühschicht!“
  Er geht daraufhin ins Internetcafé und sucht einen passenden Job. Aber er findet keine Stelle.
In der Nacht wacht Klaus wieder schweißgebadet auf, aber was er träumte, war so konfus .. es war voller gemischter Gefühle und keine klaren Bilder. Er hörte die ganze Zeit ein knurren und grummeln und manchmal klang es wie ein jaulender Hund. Es roch wieder nach Schwefel. Nach dem Erwachen weint er anschließend. Heimlich, weil er der Ansicht ist, dass ein Junge seines Alters nicht mehr weint.
Seit seine Mutter ihn beim Quälen der Schnecken erwischt hat und ihn dann noch dieser Traum überfällt, würde Klaus, nach längerem nachdenken, gerne einen Job machen, der von den ganzen Gewaltphantasien, den er im Kopf hat, ablenkt. Zusätzlich hofft der Junge, dass er es eines Tages, dank der Ausbildung zum zukunftsgerichteten Beruf als IT-Systemelektroniker, es besser haben wird, wie seine Mutter. Weil, Karrieremenschen haben keine kranken Phantasien. Der Businessmann fährt lächelnd, zusammen mit seiner glücklichen Familie, im neuesten BMW an den Strand, wo sie dann ein Picknick machen – natürlich mit Rama-Margarine. Hipphipphurraa, alles wird besser, alles wird wunderbar. Alles wird besser, als es einmal war! Kranke Phantasien haben nur diese Leute, die in so schäbigen Häusern wohnen, in denen Klaus wohnt, die Autos anzünden, Heroin nehmen und deren Eltern tagtäglich besoffen sind. Klaus will nicht dazugehören.
m nächsten Morgen, auf dem Weg zur Berufsschule, läuft er einen anderen Weg, nicht an den Hunden vorbei. Er will Karriere machen – weg von den „kranken Gedanken“. Er ist ganz erleichtert, weil er sich so gut kontrollieren kann. Aber, in ihm brodelt es weiterhin. Der Pilzkopf erreicht letztlich den Bau, welcher schlicht wie ein auf die Seite gekippter Ziegelstein mit Löchern aussieht, in dessen Hintergrund die Maschinen der Siemenswerke ächzen. Als er den Klassenraum betritt, trifft er eine neue Dozentin an. Die schlanke, südländische Person mit dem langen, gewellten dunkelbraunen Haar im dunkelroten Hosenanzug nennt sich Esmeralda Rosalia und scheint gerade mal 20 zu sein – damit stellt sie zu den alten, grauen Pädagogen, die Klaus sonst so vorgesetzt bekommt, einen ziemlichen Kontrast. Wegen ihrem aufgesetztem Lächeln könnte der Rama-Familie entstammen! Sie kann jedoch den Zöglingen aus Arbeiter- und Arbeitslosengeld-Zwei-Familien mit einfachen und einprägsamen Worten das nicht einfach verständliche Fach Marketing nahe bringen, wenn auch mit leicht spanischen Akzent. Esmeralda vermittelt den wirtschaftlichen Aspekt, der auch zur Ausbildung in der IT gehört. Sie erklärt, wie Werbung funktioniert und welche psychologische Klaviatur dabei bedient wird. Klaus interessiert das, doch hinter ihm schauen sich die Mitschüler auf einem Smartphone Stierkampf-Videos an und sinnieren, wie man dabei wohl am einfachsten einen Stier töten kann.
„Töten! Autos abfackeln! Besoffene Eltern! Weg damit!“ Hatte Klaus es nur laut gedacht, oder doch gesagt?? Niemand reagiert, also wird er es nicht gesagt haben – wäre ja peinlich gewesen – die Rapper seiner Klasse, die „Ghetto-life“ geil finden, hätten Klaus gehasst und womöglich nach der Schule zusammengeschlagen!
Klaus hält seine innere, unbeschreibliche Wut vor der Schulgemeinschaft geheim, aus Angst, selbst als Gewalttäter zu gelten. Leute, die Gegengewalt erzeugen, seien nicht besser als Gewalttäter, erzählte mal seine Deutschlehrerin der Klasse – dann heiße die Zukunft Knast – und das wolle Klaus ja nicht!
Aber nun kann der psychisch labile Junge sich nicht zurückhalten und reagiert übertrieben aggressiv auf diese Mitschüler, schreit: „Könnta ma leise mit eurer Quälereischeiße sein, da hinten? Ick kann nischt verstehen, was die da sagt!“
Einer dieser Mitschüler, ein Kopf größer als Klaus, kontert: „Alter! Ick lass ma nicht den Mund verbieten von so‘m Opfer wie dir, Alter!“
Esmeralda spricht den Großen an: „Amigo! Wie heißt du noch mal … Gerhard? Wiederhole bitte die vier P‘s im Marketing!“
„Äääh, Promotion … PR, Werbung...“
„Promotion, PR und Werbung sind alles drei das Selbe! Also, Promotion haben wir schon mal… was kommt dann?“
„Ick weiß es nicht!“
„Wer weiß es?“
Thanatchai natürlich: „Price, Promotion, Place und Product“. Dieser Thai weiß alles!
Während Klaus sich wieder auf den Unterricht konzentrieren will, kichert Gerhardt‘s Clique weiter.
Daraufhin will Klaus schon wieder ausrasten, aber Esmeralda kommt ihm zuvor und befehlt Gerhard: „Amigo, du wirst mir nach dem Unterricht einen Aufsatz schreiben über alles, was ich euch bislang unterrichtet habe!“
Anschließend fragt sie im warmen Tonfall Klaus: „Amigo, hast du alles verstanden? Kann ich dir was helfen?“
„Es fiel mir erst schwer zu folgen, wegen Gerhard und so. Aber jetzt bin ick hoch motiviert. Danke der Nachfrage!“
Leider ist der Unterricht schon fast zu Ende und es gibt keine Zeit mehr, um sich zu behaupten.
Daher fragt Klaus die Dozentin unter vier Augen: „Frau Rosalke, Sie sind super! Aber sind Sie sich sicher, dass Gerhard es sein lässt, wieder von so Gewaltphantasien zu sprechen? Sind Sie morgen noch da?“
Esmeralda eilt plötzlich Richtung Lehrerzimmer und ruft: „Amigo – ich habe jetzt keine Zeit!“
Klaus ist enttäuscht. Auch von Esmeralda. Niemand hat für ihn Zeit – mal wieder typisch! Einen Job hat er auch noch nicht. Seine makaberen Phantasien steigern sich auch noch. Mit hängendem Kopf schlurft er, seinen Ranzen auf den Schultern, aus dem Gebäude – ohne diesmal Schnecken zu sammeln. Er hält eher nach spitzen Gegenständen Ausschau, um den nächsten, der ihn ärgert, zu erstechen! Seine Situation macht ihn verrückt. Während Klaus wieder an Bozkurt seinen Zaun langlaufen muss, wirkt der schwarze Qualm des nahen Heizkraftwerks wie Zorneswolken über den Kopf des Jugendlichen. Er wirft wieder Steine in die Richtung der Kläffer.
Herr Bozkurt erscheint hinter einem Busch, lässt die Heckenschere fallen, krempelt seine Ärmel hoch und ruft:
„Crass unverschämter Bengel! Jetzt mach ich dich Krankenhaus, Alter!“
Aber Klaus ist gar nicht zu beeindrucken und bewirft die Hunde weiterhin, die noch aggressiver werden, mit Steinen. Bis Herr Bozkurt einen stabilen Stock ergreift und auf die Straße geht. Esmeralda, die gerade zur Bushaltestelle kommt, hört die lauten Hunde, erkennt das Geschehen, springt vor und reißt Bozkurt den erhobenen Stock aus der Hand.
Der kräftige Mann bleibt stehen und guckt die Spanierin überrascht an, sagt: „Was haben Sie crass sexy Frau damit zu tun?“
„Amigo, ich bin seine Dozentin – ich bin ganz besorgt über meinen Schüler, aber kann mit ihm umgehen!“
  „Boah ey, wenn Missgeburt deines Schülers wiederkommt und Stein wirft, ruf ich crass meine Sippe – verstehst du? Er nervt schon seit Wochen, es ist unerträglich!“
Er stampft, ohne eine Antwort abzuwarten, ins Haus zurück. Klaus ist beeindruckt von Esmeralda und hält noch einen Stein in der Hand.
Sie nimmt Klaus an die Hand und sagt: „Komm, lass uns von diesem Grundstück weg gehen. Mein Bus kommt in zehn Minuten, wir können zur nächsten Haltestelle laufen.“ Sie hatte wieder dieses Rama-Lächeln. Na, dann wird ja alles gut.
Sie laufen eine Weile die Straße runter. Dann lässt der Jugendliche den Stein fallen, legt auch eine Glasscherbe hin, mit der er jemanden erstechen wollte.
Währenddessen kichert sie und fragt: „Amigo, hast du Spaß daran, diese Hunde mit Steinen zu bewerfen? Freust du dich, wenn du sie leiden siehst?“
In Klaus brodelt es – er bekommt makabere Phantasien. Aber bemüht sich, zusammen zu reißen: „Meinen Sie dat ironisch.“
Sie kichert: „Antworte auf meine Frage, Amigo! Macht es dir Spaß?"
Klaus fragt skeptisch: „Wollen Sie dat wirklich wissen?“
Sie lacht lauthals: „Aus deiner Antwort höre ich schon raus, dass dir das Spaß macht! Ha ha ha!“
„Es tut mir Leid, werte Frau. Es macht ma nichts als Ärger!“
Sie blickt lasziv auf seine mehrfach geflickten Schuhe: „Ich mach dir keinen Ärger! Im Gegenteil – du könntest für mich Fleisch beschaffen und zerschneiden. Willst du dir dabei auch ein gutes Taschengeld verdienen?“
Klaus ist irritiert, weil diese neue Dozentin das völlig kritiklos hinnimmt, was er von anderen gar nicht gewohnt ist. Sie will sogar einen Selbstnutzen daraus ziehen!
Er fragt: „Sie meinen dit wirklich ernst??…“
Die junge Frau sieht ihn mit einem sympathisch verrückten Lächeln an: „Als dein pädagogisches Vorbild empfehle ich dir sogar, dass du deine Wut mal raus lässt! Du wirst ein Ventil finden. Diese Hunde, sowie Klassenkameraden, die dich gerade so aufregen – du wirst drüber stehen – das sage ich dir jetzt schon!“
  „Und ick verdiene dabei sojar Jeld?“
  „Klaro – ist immerhin harte Arbeit!“
  Klaus ist ganz aufgeregt, weil jetzt ahnt er, dass er `Karriere‘ machen könnte: „Esmeralda, Sie sind so Dufte! Da kann man nicht meckern!“
  Die Frau lächelt herzerwärmend, aber hebt mahnend ihren Zeigefinger: „Eine Bedingung möchte ich an dich stellen: Mach keine Untaten, wenn ich nicht dabei bin – weil jetzt sind wir Komplizen – wir müssen zusammen halten!“
  „Komplizen? Für wat denn? Ich dachte, ich  geh‘ einfach in die Metzgerei...“
  „Ach, ich werde derart große Berge an rohen, toten Körperteilen verdrücken, um im Unterricht so entspannt zu sein wie ich es heute war, dazu reicht eine Metzgerei nicht aus!“
  Er schaut auf ihre schlanke Taille: „Echt??“
  Sie hebt verzweifelt ihre Arme: „Ich kann meinen Appetit nicht kontrollieren. Daher muss ich gesättigt sein und jeden Morgen mich voll stopfen, bevor ich andere essbare Wesen sehe...“
  „Bevor Sie andere essbare Wesen sehen? Meinen Sie unsere Klasse?“
  „Ich habe ganz spezielle Vorlieben ..die gibt es nicht in der Metzgerei zu kaufen.“
Klaus ist ganz neugierig: „Geht es um Menschenfleisch??"
Zwischen ihren Lippen blitzen einzelne, scharfe Raubtierzähne auf: „Manchmal esse ich auch ein wenig Mensch, oooooh, sabor bien humano! Wenn es sich anbietet. Aber hauptsächlich jage ich, oder lasse ich jagen, in der freien Wildbahn!“
Klaus ist erschrocken über ihre Zähne und wird kreidebleich: „Sind Sie in Wahrheit `n Werwolf, oda wat?“
Sie nimmt ihr voluminöses, langes lockiges Haar nach vorne, um damit die seitliche Sicht auf ihre Zähne einzuschränken und kichert: „Nein. Hab keine Angst!“
  „Eigentlich habe ick keine Angst, sondern bin nur neugierig.“
  „Gut. Ich bin ein als Mensch getarntes Reptil!“
Er erliegt der Versuchung, seinen Sadismus zu frönen: „Das klingt echt abgefahren, so besonders! Sie sind also ein Reptil, das Menschenfleisch frisst...geil! Ich könnt gleich für Sie los hacken.“
  Sie erreichen eine Bushaltestelle. Esmeralda schaut auf die Uhr, bleibt stehen und sagt drohend: „Sag aber niemanden, dass ich ein Reptil bin – sonst werde ich dich finden, egal wo du dich auch verkriechen wirst und ich werde dich ausweiden und es lieben, im Gedärm eines Verräters zu baden… Ooooh, buen gusto, buen gusto! Außerdem glaubt dir keiner, dass ich liebe, zarte Lehrerin solche Horrorgeschichten erzählen kann – oh, da hinten kommt mein Bus.“
Völlig verängstigt sagt der Junge: „Niemanden werde ik was sagen! Versprochen!“
Der Bus kommt an die Bordsteinkante gefahren und entledigt sich einiger Fahrgäste, Esmeralda steigt ein.
Die Spanierin ruft, während die Tür sich schließt: „Gut, Amigo! Dann gehen wir morgen nach der Schule zu mir. Tschüss!“
Dann ist die Tür zu und der Bus fährt weg …. .
Klaus ist innerlich zwiegespalten: Einerseits kann er `Karriere‘ machen, andererseits ist Esmeralda ein wenig gruselig. Aber, sie ist wie seine Deutschlehrerin ein `pädagogisches Vorbild‘, wie sie selber sagt und sie tut Klaus irgendwie gut. Klaus sagt ihr Geheimnis nicht weiter und wird am nächsten Tag als bester seiner Klasse von allen geschätzt und respektiert! Das erste Mal seit langem träumte er wieder etwas besser – wieso, wusste er nicht. Aber, er vermutet, dass die Hoffnung, `Karriere‘ zu machen, daran beiträgt. Anschließend geht er mit Esmeralda in ihre weitläufige Villa im Berliner Nobelbezirk Grunewald, um dort einen Fleischbrocken, wo er nicht wusste, wobei es sich handelt, zu zerstückeln. Mit diesem Job genügt er nun den Umständen seiner Mutter. Esmeralda steht neben ihn und sagt: „Du wirst noch andere wie dich kennen lernen! Aber, gedulde dich ein wenig.“

ENDE


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Ansch
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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 06:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

also hier hat es mich schon etwas gegruselt, aber nicht nur wegen der Geschichte.
Warum schreibst du im Präsens? Da du manche Abläufe nur runterspulst, hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, ich lese eine Zusammenfassung, dann kam wieder wörtliche Rede - in Dialekt!
Lass das auf jeden Fall! Es stört ungemein beim Lesen und ich konnte ihn auch nicht richtig entziffern, sollte das Berlinerisch sein?
Vielleicht kann einer so reden, aber nicht alle, das liest sich sehr anstrengend.
Das Genre ist mir überhaupt nicht klar geworden.
Die Schneckenquälerei und die Gewaltträume fand ich sehr bedrückend, die Reptilienfrau dagegen irgendwie albern.
Wohin soll die Reise gehen, amigo? Und warum spanisch zwischendurch? Was bedeutet "buen gusto"? Ich kann ganz gut spanisch, aber das habe ich noch nie gehört... que gusto, me gusta - aber buen gusto?

Was für eine Geschichte willst du schreiben?

Ratlos

Ansch


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Ansch
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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 06:15    Titel: Antworten mit Zitat

Und noch was: Nomen est omen!

Klaus! Welcher Jugendliche heißt denn heute noch Klaus? Alle Kläuse, die ich kenne, sind um die 50!


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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 07:39    Titel: Antworten mit Zitat

Schon wieder ich!

Erstens: Niemals jemandem am Anfang eines Buches aus Traum aufwachen lassen!
Das war in der ersten Version definitiv gelungener.

Zweitens: Sparsam mit Adjektiven!

Die Schornsteine des nahen Heizkraftwerks zischen schwarze Wolken empor, welche sich mit dem Nieselregen auf den trostlosen, kleinen Park in der Berliner Siemensstadt der Gegenwart zu legen scheinen.

Zischen Schornsteine? Zischt es nicht aus ihnen?
Klar ist das Heizkraftwerk nah, sonst sähe man es nicht. Trostlos ist schon der Nieselregen. Ob der Park klein ist, müssen wir nicht wissen.
Wo genau es spielt, auch nicht. Für Insider reicht Siemensstadt. Nicht Berlinern sagt der Stadtteil nicht.

Drittens: Lass nichts scheinen. "Er schien zu weinen" "Schwarze Wolken schienen sich zu legen" "Dies scheint ein Buch zu sein" "Ich scheine zu schreiben" - no!
Schwarze Wolken legen sich - Er weint - Dies ist ein Buch

Galoppier nicht davon.
Überleg erst mal, was du schreiben willst!

Das Genre (welches ist es überhaupt?) erinnert mich weder an Fantasy noch an Stargate oder Star Trek oder Raumschiff Voyager.
Genre sollte man erkennen können.

Bin leider nicht üebrzeugt.


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Alufolie
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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Tut mir leid, dir schreiben zu müssen, dass ich das Lesen nach wenigen Minuten abbrechen musste. Mir persönlich sind deine Sätze einfach viel zu lang, sodass ich im Lesefluss gestört wurde. Oft konnten in meinem Kopf auch keine richtigen Bilder entstehen, weil ich mit Infos erschlagen wurde.
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Mogmeier
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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 19:50    Titel: Antworten mit Zitat

Warum ging ich beim Schreiben meines ersten Beitrags eigentlich davon aus, dass es sich hierbei um einen Romananfang handelt und nicht um eine Kurzgeschichte? – Womöglich könnte es daran gelegen haben, dass sich das Ganze nicht wie eine Kurzgeschichte, sondern eher wie ein Romananfang gelesen hat.
Bezogen auf eine Kurzgeschichte funktioniert der Text leider irgendwie gar nicht. Ich meine, man kann natürlich auf viele verschiedene Arten eine Kurzgeschichte schreiben, Hauptsache man konzentriert sich als Schreiber dabei auf den springenden Punkt, den man ja dem Leser irgendwie zukommen lassen möchte. Dieser springende Punkt muss nicht immer eine Pointe, sondern kann auch ein Feeling (siehe Kurzgeschichte, die als Momentaufnahme fungiert) sein. – Kurzgesagt: bei Kurzgeschichten kommt es auf das Wesentliche an; Kurzgeschichten sollten in sich eine runde Sache sein, inhaltlich wie auch schreibtechnisch (egal, welchen Stil man dabei verwendet) … Was ich bei deinem Text aber irgendwie vermisste.


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BeitragVerfasst am: 15.06.2017 21:20    Titel: Re: The Berlin Dinosaur Ghoul Antworten mit Zitat

Hallo Smokowski.

EDIT: Du hast den "neue Version"-Tag vergessen, deshalb habe ich die erste Version gelesen. Ich lese immer erst den Text und antworte gleich beim Lesen, dann scrolle ich runter und lese andere Kommentare, um mich nicht beeinflussen zu lassen. So ist mir deine neue Version  leider entgangen.

ich pinsel mal gut sichtbar mit rot dazwischen. Heißt nicht, dass das falsch sein soll.

Smokowski hat Folgendes geschrieben:
Hi Leute,

ich hab mich gerade erst im Forum angemeldet und werde sicher noch Werke anderer Menschen kommentieren. Doch jetzt ist es spät am Abend und ich will erst mal meinen Text rein knallen, wenn es gestattet ist: Embarassed und mich auf Lob, sowie Kritiken gleichermaßen freuen und sorry, aber ich muss es sagen: Gerold funktioniert irgendwie nicht richtig.

Die Prämisse meiner Kurzgeschichte lautet: Sorry, das überspringe ich jetzt, ich hasse Spoiler Kein Mensch ist so, wie es erst den Anschein hat und selbst bei den Menschen, wo man ahnt, dass sie bestimmte Dinge nicht tun ... man irrt sich gewaltig.
(Sorry, das ist sicher noch verbesserungswürdig. Ich zerbreche mir schon seit Tagen des Kopf daran, wie ich die Prämisse treffend beschreiben könnte)

Zielgruppe: Alle Jugendlichen und Erwachsenen bis 40 Jahren F U C K ! ! !  Ich bin 44 und darf nicht mehr mitmachen! Verdammt, hatte mich so darauf gefreut, eine Geschichte von dir lesen zu dürfen! Hey, weißte was? Ich mach's einfach trotzdem. Verklag mich doch!, die in ihrer Kindheit und Jugend fasziniert waren von so Serien wie Stargate , Andromeda schlecht, aber geiler Trash, Mr. Who du meinst DOCTOR, oder?, Lexx was für ein Stuss!, Star Trek sowieso, Raumschiff Voyager … und Filmen wie „Men in Black“. Überall, wo sich Aliens verstecken, wo man es nicht erwartet. Keins der von dir aufgezählten Medien ist etwas, wo man keine Aliens erwartet

Genre: Horror bring it on! /Science-Fiction

Stoff: eher mystisch (Drachen) Wott?

Motiv: Unterweltbesuch bei Onkel Heinz im Bergbau?


Die Schornsteine des nahen Heizkraftwerks zischen gibt's zischen + Objekt? schwarze Wolken empor, welche sich mit dem Nieselregen auf den trostlosen, kleinen Park in der Berliner Siemensstadt der Gegenwart zu legen scheinen. Der jugendliche gib lieber ein genaues Alter an, jugendlich klingt hier jedenfalls unbeholfen Klaus schaut mit seinem hohlwangigen Gesicht auf den Boden – nicht niedergeschlagen, sondern, um etwas zu suchen. Der frische, kühle Wind eines Apriltages bläst dem Braunhaarigen durch die Pilzkopffrisur. Ein paar sehr viele Adjektive in den letzten Sätzen Plötzlich bückt er sich erfreut zu einer kleinen Landgehäuseschnecke.
Er achtet beim herunter beugen Herunterbeugen auf seine alten, oft reparierten Schuhe, die er mit einer unvorsichtigen Bewegung nicht zerstören will.
Er hebt das Gehäusetier auf und legt es in seinen für diese Zwecke extra mitgenommenen kleinen Eimer. Bislang beinhaltet er sehr wenige Schnecken – gerade mal fünf an der Zahl. Das frustriert ihn. Gestern ließen sich mehr blicken, der Junge hatte jedoch keine Zeit zum Sammeln. Als der siebzehnjährige an einem langen, schwarzen Metallzaun vorbeikommt, springen aus dem dahinter liegenden Garten zwei große Schäferhunde an das Metall und kläffen den Jungen an.
Klaus bewirft sie mit Steinen. Aber der Besitzer, der hünenhafte deine vorangestellten Adjektive treten immer mehr als plump kaschierter Infodump hervor. Nutz das Mittel nicht ganz so inflationär. Herr Schmidtke, stürmt aus seinem Haus hervor und ruft: „Du schon wieder? Jetzt jibt es Senge!“
Klaus rennt ängstlich wie äußert sich die Angst? Das ist zuviel Show statt Tell, wenn hier Spannung aufkommen soll, weil es sich wie eine distanzierte Nacherzählung liest durch die vom Qualm der Schlote ermattete Vorstadtlandschaft davon. Der Verfolger rennt kurz hinterher, zieht sich aber wieder zurück. Zehn Minuten später kommt das an einen dunklen Felsen erinnernde Wohnhochhaus im märkischen Viertel, in dem er mit seiner Mutter wohnt, in Sichtweite. Beim Betreten der kleinen Wohnung sieht er seine Mutter das neue Schreiben von der Hausverwaltung lesen. Während die Frau wegen der gestiegenen Miete über den zukünftigen Verbleib philosophiert, wirft ihr Sohn Landschnecken ins Aquarium. Jene Tiere, unten angekommen, recken ihre weichen Körper nach oben – wohl um Luft zu schnappen.  
Seine Mutter schreit ihn an: „Hör ma uff, diese Tiere zu quälen! Haste mal wieda nur Scheiße im Kopf!“
Der Junge erschreckt sich Wie? Zuckt er zusammen? und sagt: „Aber, das ist ein Experiment!“
Die Alleinerziehende nimmt hektisch alle Landschnecken aus dem Aquarium: „Du hattest ma zwee Wochen vorher schon diese Schnecken ins Akwaarijum jeworfen. Da warn dann alle tot, aba fressen könnwa se nicht, weil dit sind allit Stadtschnecken – voll mit Schadstoffen! Hatte ick dir damals auch schon jesacht...“
„Gut, das werde ich nicht wieder tun!“
„Es wird Zeit, dassde dich nützlich machst … bewirb‘ dich als Zeitungsausträger, wie es dein Freund Florian getan hat!“
Der Junge entgegnet überrascht: „Okay, ick werde Zeitungen austragen. Wo soll ick mich denn bewerben?“
Doch sie stürmt in die Garderobe: „Morgenpost, Kurier … Ick hab‘ keene Zeit – ich muss zur Spätschicht!“
Er geht daraufhin ins Internetcafé und sucht einen passenden Job. Aber er findet keine Stelle.
In der Nacht träumt Klaus, wie er seinen Freund Florian quält und tötet. Er wacht schweißgebadet auf und weint anschließend, heimlich, weil er der Ansicht ist, dass ein Junge seines Alters nicht mehr weint. genau. jedliche Empathie steht der Karriere als Serienkiller auch nur unnütz im Weg
Seit seine Mutter ihn beim Quälen der Schnecken erwischt hat und ihn dann noch dieser Traum überfällt, würde Klaus gerne einen Job machen, der von den ganzen Gewaltphantasien, den er im Kopf hat, ablenkt. Schlachter vielleicht? Wink Zusätzlich hofft der Junge, dass er es eines Tages, dank der Ausbildung zum zukunftsgerichteten Beruf als IT-Systemelektroniker, besser haben wird, wie als seine Mutter. Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Berufsschule, läuft er einen anderen Weg, nicht an den Hunden vorbei. Er ist ganz erleichtert, weil er sich so gut kontrollieren kann. Aber, in ihm brodelt es weiterhin. Der Pilzkopf erreicht letztlich den Bau, welcher schlicht wie ein auf die Seite gekippter Ziegelstein mit Löchern aussieht, in dessen Hintergrund die Maschinen der Siemenswerke ächzen. Als er den Klassenraum betritt, trifft er eine neue Dozentin an. Die schlanke, südländische Person mit dem langen, gewellten dunkelbraunen Haar im dunkelroten Hosenanzug Adjektiv-Overkill  nennt sich Esmeralda Rosalia und scheint gerade mal 20 zu sein – damit stellt sie zu den alten, grauen Pädagogen, die Klaus sonst so vorgesetzt bekommt, einen ziemlich interessanten Kontrast. Sie kann den Zöglingen aus Arbeiter- und Arbeitslosengeld-Zwei-Familien außerdem mit einfachen und einprägsamen Worten das nicht einfach verständliche Fach Marketing nahe bringen, wenn auch mit leicht spanischen Akzent. Esmeralda vermittelt den wirtschaftlichen Aspekt, der auch zur Ausbildung in der IT gehört. Klaus interessiert das, doch hinter ihm schauen sich die Mitschüler auf einem Smartphone Stierkampf-Videos an und sinnieren, wie man dabei wohl am einfachsten einen Stier töten kann.
Klaus hält seine verhasste Gewaltphantasie vor der Schulgemeinschaft geheim, aus Angst, von anderen wieder damit angesteckt zu werden. Aber nun wird der psychisch labile das musst du nicht so explizit sagen, das kann der Leser sich selber denken Junge daran erinnert, fühlt sich angesprochen und reagiert übertrieben aggressiv auf diese Mitschüler, schreit: „Könnta ma leise sein, da hinten? Ick kann nischt verstehen, was die da sagt!“
Einer dieser Mitschüler, ein Kopf größer als Klaus, kontert: „Alter! Ick lass ma nicht den Mund verbieten von so‘m Opfer wie dir, Alter!“
Esmeralda spricht den Großen an: „Amigo! Wie heißt du noch mal … Gerhard? Wiederhole bitte die vier P‘s im Marketing!“
„Äääh, Promotion … PR, Werbung...“
„Promotion, PR und Werbung sind alles drei das Selbe! Also, Promotion haben wir schon mal… was kommt dann?“
„Ick weiß es nicht!“
„Wer weiß es?“
Thanatchai natürlich: „Price, Promotion, Place und Product“. Dieser Thai weiß alles! Hier bist du im Deep-POV, während du sonst auktorial zu erzählen scheinst.
Während Klaus sich wieder auf den Unterricht konzentrieren will, kichert Gerhardt‘s Clique weiter.
Daraufhin will Klaus schon wieder ausrasten *gähn* Sorry, so kommt einfach keine Spannung auf. Zeige uns, wie er ausrasten will. Verkrampft er seine Finger, läuft sein Gesicht rot an, beißt er in die Tischkannte? Zeig mir was, ich will keine Zusammenfassung der Geschichte lesen, sondern die Geschichte selbst , aber Esmeralda kommt ihm zuvor und befehlt Gerhard: „Amigo, du wirst mir nach dem Unterricht einen Aufsatz schreiben über alles, was ich euch bislang unterrichtet habe!“
Anschließend fragt sie im warmen Tonfall Klaus: „Amigo, hast du alles verstanden? Kann ich dir was helfen?“
„Es fiel mir erst schwer zu folgen, wegen Gerhard und so. Aber jetzt bin ick hoch motiviert. Danke der Nachfrage!“
Leider ist der Unterricht schon fast zu Ende und es gibt keine Zeit mehr, um sich zu behaupten.
Daher fragt Klaus die Dozentin unter vier Augen: „Frau Rosalke, Sie sind super! Aber sind Sie sich sicher, dass Gerhard es sein lässt, wieder von so Gewaltphantasien zu sprechen? Sind Sie morgen noch da?“
Esmeralda eilt plötzlich Richtung Lehrerzimmer und ruft: „Amigo – ich habe jetzt keine Zeit!“
Klaus ist enttäuscht. Auch von Esmeralda. Niemand hat für ihn Zeit – mal wieder typisch! Einen Job hat er auch noch nicht. Seine makaberen Phantasien steigern sich auch noch. Mit hängendem Kopf schlurft er, seinen Ranzen auf den Schultern Ranzen in der Berufsschule? Hat man da nicht eher einen Rucksack?, aus dem Gebäude – ohne diesmal Schnecken zu sammeln. Er hält eher nach spitzen Gegenständen Ausschau, um den nächsten, der ihn ärgert, zu erstechen! Seine Situation macht ihn verrückt. Während Klaus wieder an Schmidtkes seinen Zaun Grammatik, bitte! langlaufen muss, wirkt der schwarze Qualm des nahen Heizkraftwerks wie Zorneswolken über den dem? Kopf des Jugendlichen. Er wirft wieder Steine in die Richtung der Kläffer.
Herr Schmidtke erscheint hinter einem Busch, lässt die Heckenschere fallen, krempelt seine Ärmel hoch und ruft: „Du unvascheemter Bengel! Jetzt zieh ick dir aba richtisch die Oan lang!“
Aber Klaus ist gar nicht zu beeindrucken und bewirft die Hunde weiterhin, die noch aggressiver werden, mit Steinen Ungeschickte Stellung. Bis Herr Schmidtke einen stabilen Stock ergreift und auf die Straße geht. Esmeralda, die gerade zur Bushaltestelle kommt, hört die lauten Hunde, erkennt das Geschehen, springt vor und reißt Schmidtke den erhobenen Stock aus der Hand.
Der kräftige Mann bleibt stehen und guckt die Spanierin überrascht an, sagt: „Was haben Sie damit zu tun?“
„Amigo, ich bin seine Dozentin – ich bin ganz besorgt über meinen Schüler, aber kann mit ihm umgehen!“ Sie kennt ihn jetzt – wie lange genau?
„Aber wenna wieder kommt und meine Hunde quält, alte, werd‘ ick unvaholen die Polizei rufen, Frollein – dat wa uns da vastehen!“
Er stampft, ohne eine Antwort abzuwarten, ins Haus zurück. Klaus ist beeindruckt von Esmeralda und hält noch einen Stein in der Hand.
Sie nimmt Klaus an die Hand und sagt: „Komm, lass uns von diesem Grundstück weg gehen. Mein Bus kommt in zehn Minuten, wie können zur nächsten Haltestelle laufen.“
Sie laufen eine Weile die Straße runter. Dann lässt der Jugendliche den Stein fallen, legt auch eine Glasscherbe hin, mit der er jemanden erstechen wollte.
Währenddessen kichert sie und fragt: „Amigo, hast du Spaß daran, diese Hunde mit Steinen zu bewerfen? Freust du dich, wenn du sie leiden siehst?“
In Klaus brodelt es – er bekommt makabere Phantasien. Aber bemüht sich, zusammen zu reißen: „Meinen Sie dat ironisch.“
Sie kichert: „Antworte auf meine Frage, Amigo! Macht es dir Spaß?"
klaus fragt skeptisch: „Wollen Sie dat wirklich wissen?“
Sie lacht lauthals: „Aus deiner Antwort höre ich schon raus, dass dir das Spaß macht! Ha ha ha!“
„Es tut mir Leid, werte Frau. Es macht ma nichts als Ärger!“
Sie blickt lasziv auf seine mehrfach geflickten Schuhe: „Ich mach dir keinen Ärger! Im Gegenteil – du könntest für mich Fleisch beschaffen und zerschneiden. Willst du dir dabei auch ein gutes Taschengeld verdienen?“
Klaus ist irritiert, weil diese neue Dozentin das völlig kritiklos hinnimmt, was er von anderen gar nicht gewohnt ist. Sie will sogar einen Selbstnutzen daraus ziehen!
Er fragt: „Sie meinen dit wirklich ernst??…“
Die junge Frau sieht ihn mit einem sympathisch verrückten Lächeln an: „Als dein pädagogisches Vorbild empfehle ich dir sogar, dass du deine Wut mal raus lässt! Du wirst ein Ventil finden. Diese Hunde, sowie Klassenkameraden, die dich gerade so aufregen – du wirst drüber stehen – das sage ich dir jetzt schon!“
  „Und ick verdiene dabei sojar Jeld?“
  „Klaro – ist immerhin harte Arbeit!“
  „Esmeralda, Sie sind so Dufte! klein! Da kann man nicht meckern!“ Mal ganz ehrlich, redet jemand so?
  Die Frau wieso ist sie jetzt plötzlich "die Frau"? Was soll die plötzliche Distanzierung? lächelt Herz erwärmend, aber hebt mahnend ihren Zeigefinger: „Eine Bedingung möchte ich an dich stellen: Mach keine Untaten, wenn ich nicht dabei bin – weil jetzt sind wir Komplizen – wir müssen zusammen halten!“
  „Okay! … Een paar Fragen hab ick noch: Dit wird ne Menge Fleisch werden – wat machen wa damit?“
  „Ach, ich werde schon genug Berge an rohen, toten Körperteilen verdrücken, um im Unterricht so entspannt zu sein wie ich es heute war!“
  Er schaut auf ihre schlanke Taille: "Echt??“
  Sie hebt verzweifelt ihre Arme: „Ich kann meinen Appetit nicht kontrollieren. Daher muss ich gesättigt sein und jeden Morgen mich voll stopfen, bevor ich andere essbare Wesen sehe...“
  „Warum gehen Sie nicht eenfach in die Metzgerei?“
  "Ich habe ganz spezielle Vorlieben ..die gibt es nicht in der Metzgerei zu kaufen."
Klaus ist ganz neugierig: "Geht es um Menschenfleisch??"
Zwischen ihren Lippen blitzen einzelne, scharfe Raubtierzähne auf: „Manchmal esse ich auch ein wenig Mensch, oooooh, sabor bien humano! Wenn es sich anbietet. Aber hauptsächlich jage ich, oder lasse ich jagen, in der freien Wildbahn!“
Klaus ist erschrocken über ihre Zähne und wird kreidebleich: „Sind Sie in Wahrheit `n Werwolf, oda wat?“ Aua, aua, aua!
Sie nimmt ihr voluminöses, langes lockiges Haar nach vorne, um damit die seitliche Sicht auf ihre Zähne einzuschränken und kichert: „Nein. Hab keine Angst!“
  „Eigentlich habe ick keine Angst, sondern bin nur neugierig.“
  „Gut. Ich bin ein als Mensch getarntes Reptil!“ Ach dann, solange sie kein Werwolf ist…
Er erliegt der Versuchung, seinen Sadismus zu frönen: „Das klingt echt abgefahren, so besonders! Sie sind also ein Reptil, das Menschenfleisch frisst...geil! Ich könnt gleich für Sie los hacken.“
  Sie erreichen eine Bushaltestelle. Esmeralda schaut auf die Uhr, bleibt stehen und sagt drohend: „Sag aber niemanden, dass ich ein Reptil bin – sonst werde ich dich finden, egal wo du dich auch verkriechen wirst und ich werde dich ausweiden und es lieben an Bunkertor sieben?, im Gedärm eines Verräters zu baden… Ooooh, buen gusto, buen gusto! Außerdem glaubt dir keiner, dass ich liebe, zarte Lehrerin solche Horrorgeschichten erzählen kann – oh, da hinten kommt mein Bus.“
Völlig verängstigt sagt der Junge: „Niemanden werde ik was sagen! Versprochen!“ Wieso ist der jetzt verängstigt? Eben fand er das doch noch total geil
Der Bus kommt an die Bordsteinkante gefahren und entledigt sich einiger Fahrgäste, Esmeralda steigt ein.
Die Spanierin ruft, während die Tür sich schließt: „Gut, Amigo! Dann gehen wir morgen nach der Schule zu mir. Tschüss!“
Dann ist die Tür zu und der Bus fährt weg …. .
Klaus sagt das Geheimnis nicht weiter und wird später als bester seiner Klasse  von allen geschätzt und respektiert! Außerdem hat er einen Job und genügt den Umständen seiner Mutter. Esmeralda ist es ehrlich gesagt leid, immer so viel Fleisch fressen zu müssen, weil sie ein Gewissen gegenüber den Tieren hat und weiß, wie respektlos Menschen mit ihnen umgehen. Sie versucht daher im Gegenzug, den benachteiligten unserer Gesellschaft zu helfen.

ENDE
Okay… ich bin jetzt ein bisschen sprachlos, was ich sagen soll. Oder eher – wie ich das sagen soll. Ach, was soll's, ist ja keine persönliche Kritik sondern nur an der Geschichte: Für eine Parodie ist das nicht parodistisch genug. Für eine ernsthafte Horrorgeschichte ist es viel zu albern. Besonders durch den aktorialen Erzähler, der ist für Kindergeschichten und vielleicht für Gegenwartsliteratur geignet (ich meine ernsthafte Gegenwartsliteratur), nicht wirklich für Horror. Bring uns näher an die Personen heran, zeige was in Klaus vorgeht, anstatt es nachzuerzählen. Außerdem fehlt hier jedlicher Konflikt: Klaus fühlt sich zuerst von seinen Fantasien abgestoßen, dann enpuppt sich seine neue Lehrerin als Monster (was aber niemanden in der Geschichte irgendwie überrascht – btw, warum glaubt er das sofort? Wenn mir jemand erzählt, "ich bin ein getarnetes Reptil und fresse Menschen", würde ich ihn erstmal auslachen, oder irgendwas antworten wie "Ja nee, is klar, und ich bin der große Bruder von Godzilla" oder so) und dann rennt er sofort willig los, um für sie zu morden. Selbst wenn ihn vorher nur die Angst vor Konsequenzen zurückgehalten hat, sind die doch damit nicht aus der Welt. Warum sucht sich denn ein "als Mensch getarntes Reptil" irgendeinen Psycho, statt selbst in der Stadt jagen zu gehen? Da läge vielleicht ein Konfliktpotenzial, aber das lässt du unangetastet.

All in all: Sorry, das haut mich nicht vom Hocker. Ist aber nur meine subjektive Meinung. Nimm von meinen Anmerkungen, was du brauchen kannst (und bitte nichts persönlich) und schieß den Rest in den Wind. Oder ins Echsenmaul Very Happy

Willkommen im Forum,
Veith


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BeitragVerfasst am: 15.06.2017 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

So, ich hab mal einen Blick auf die neue Version geworfen. Schön ist, dass ich den klaren Willen erkenne, das zu verbessern und Gedanken und Emotionen rüberzubringen. Leider bin ich nicht weit gekommen:

Zitat:
Die Schornsteine des nahen Heizkraftwerks zischen schwarze Wolken empor, welche sich mit dem Nieselregen auf den trostlosen, kleinen Park in der Berliner Siemensstadt der Gegenwart zu legen scheinen. Es riecht beißend nach Schwefel. Der jugendliche Klaus schaut mit seinem hohlwangigen Gesicht über das Hafenbecken und lässt seine Beine über dem Wasser baumeln. Sein Freund Florian sitzt daneben und betrachtet mit das dem Hafenbecken gegenüberliegende Fabrikgelände, dass durch seine Vegetation andeutet, dass es stillgelegt ist. Klaus knurrt und schaut Florian wütend an und ballt die Faust.   
  Florian steht auf und fragt erschrocken: „Was ist mit dir?“
  Doch Klaus zerrt an dem anderen Jungen, so dass er das Gleichgewicht verliert und in das Hafenbecken fällt. Der Hohlwangige ergreift einen Ziegelstein und will ihn auf den Jungen im Becken werfen.
  Doch plötzlich findet sich Klaus schweißgebadet im eigenen Bett wieder und er fragt sich entsetzt: „Was … wollte ich da tun? Meinen eigenen Freund töten? Bin ich völlig verrückt geworden? Warum weiß ich nicht was ich tue? Was ist mit mir los? Werde ich von einer fremden Kraft gesteuert?“
  Er schaut sich in seinem Zimmer um, findet aber nichts, was ihm in Moment Freunde, oder gar Trost, spenden würde. Da wäre das He-Man-Poster und die vom Freund seiner Mutter geschenkte Carrera-Rennbahn und natürlich – das verdreckte Fenster, das einen schemenhaften Umriss vom Heizkraftwerk zeigt – aber niemand hat so Konflikte, die so sind wie seine. Er denkt sich, dass er vielleicht auf der „falschen“ Seite der Macht ist und vielleicht zu den Feinden von He-Man gehört.
  Doch dann widerspricht er sich: „So etwas darf ich nicht denken!“
  Es ist Sonntag früh – der Siebzehnjährige


Hier höre ich jetzt auf. Zuerst dachte ich, okay, du hast ihn jünger gemacht, 10 oder so vielleicht, und dann ist er siebzehn? Und hat HE-MAN POSTER und eine Carrera-Bahn im Zimmer? Und denkt bei moralischen Fragen über He-Man nach? Mit Siebzehn?
Sorry, ich kann das ganze nicht mehr ernst nehmen, und witzig finde ich es auch nicht.
Aber da sind einige Schritte in die richtige Richtung bei der Überarbeitung – bleib dran, dann wird es vielleicht irgendwann mal was.


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Smokowski
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BeitragVerfasst am: 18.06.2017 20:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für eure Verbesserungsvorschläge.

@Ansch: Warum soll man niemals jemandem am Anfang eines Buches aus einem Traum aufwachen lassen?

Hier eine verbesserte Version ... mit zusätzlichen Neuerungen:

Aus den Schornsteinen des Heizkraftwerks zischen schwarze Wolken empor, welche sich mit dem Nieselregen auf den Park in der Siemensstadt der Gegenwart legen. Es riecht beißend nach Schwefel. Der jugendliche Klaus schaut mit seinem hohlwangigen Gesicht über das Hafenbecken und lässt seine Beine über dem Wasser baumeln. Sein Freund Florian sitzt daneben und betrachtet das dem Hafenbecken gegenüberliegende Fabrikgelände. Die Hallen sind mit kleinen Bäumen überwuchert und teilweise eingestürzt. Als Klaus noch  ein Baby war, soll sein Vater dort gearbeitet haben. Dann kam die Scheidung. Klaus knurrt und schaut Florian wütend an und ballt die Faust.   
  Florian steht auf und fragt erschrocken: „Was ist mit dir?“
  Doch Klaus zerrt an dem anderen Jungen, so dass er das Gleichgewicht verliert und in das Hafenbecken fällt. Der Hohlwangige ergreift einen Ziegelstein und will ihn auf den Jungen im Becken werfen.
  Doch plötzlich findet sich Klaus schweißgebadet im eigenen Bett wieder und fragt sich entsetzt: „Was … wollte ich da tun? Meinen eigenen Freund töten? Bin ich völlig verrückt geworden? Warum weiß ich nicht was ich tue? Was ist mit mir los? Werde ich von einer fremden Kraft gesteuert?“
  Er schaut sich in seinem Zimmer um, findet aber nichts, was ihm Trost, spenden würde. Es zeigt Plakate von Filmen, die immer das Gleiche zeigen: Makellose Helden, die das Böse vernichten. Seine Mutter hatte sie rein gehängt. Er nimmt sie wieder ab. Doch dann bleibt ihm wieder nur das verdreckte Fenster, das einen schemenhaften Umriss vom Heizkraftwerk zeigt. Er denkt sich: „Lieber keine, als falsche Poster! Vielleicht bin ich auf der „falschen“ Seite der Macht, gehöre zu den Feinden der Filmhelden!“
  Doch dann widerspricht er sich: „So etwas darf ich nicht denken!“
  Es ist Sonntag früh – der Siebzehnjährige denkt, er wolle etwas tun, was „normale Jugendliche“ tun, zieht sich an, schleicht sich an seiner chronisch schlecht gelaunten, glücklicherweise schlafenden Mutter vorbei und fängt an, in den Grünanlagen Schnecken zu sammeln.
Er beugt sich erfreut zu einer kleinen Landgehäuseschnecke herunter. Dabei achtet er beim herunterbeugen auf seine alten, oft reparierten Schuhe, die er mit einer unvorsichtigen Bewegung nicht zerstören will.
Das Gehäusetier wird in einen kleinen Eimer gelegt. Eine Stunde später hat sich die Zahl der Schnecken vervielfacht – auf fünf an der Zahl.
Als der siebzehnjährige an einem langen, schwarzen Metallzaun vorbeikommt, springen aus dem dahinter liegenden Garten zwei große Schäferhunde an das Metall und kläffen den Jungen an. Klaus bewirft sie mit Steinen.
  Aber der Besitzer, Herr Bozkurt, ein Deutschtürke um die 40, stürmt aus seinem Haus hervor und ruft: „Du Missgeburt wieder hier? Jetzt gibt‘s Schläge – bum bum!“
  Klaus zieht erschrocken die Augenbrauen hoch und rennt ängstlich durch die vom Qualm der Schlote ermattete Vorstadtlandschaft davon. Der Verfolger rennt kurz hinterher, zieht sich aber wieder zurück. Zwei Minuten später betritt er wieder das an einen dunklen Felsen erinnernde Wohnhochhaus. Beim Betreten der kleinen Wohnung sieht er seine Mutter das neue Schreiben von der Hausverwaltung lesen. Während die Frau wegen der gestiegenen Miete über den zukünftigen Verbleib philosophiert, wirft ihr Sohn Landschnecken ins Aquarium. Jene Tiere, unten angekommen, recken ihre weichen Körper nach oben – wohl um Luft zu schnappen.  
  Seine Mutter schreit ihn in Berliner Dialekt an: „Hör mal auf, diese Tiere zu quälen! Haste mal wieder nur Scheiße im Kopf!“
  Der Junge zuckt zusammen und sagt: „Aber, das ist ein Experiment!“
  Die Alleinerziehende nimmt hektisch alle Landschnecken aus dem Aquarium: „Du hattest mir zwei Wochen vorher schon diese Schnecken ins Aquarium geworfen. Die waren dann alle tot, aber fressen können wir sie nicht, weil dit sind alles Stadtschnecken – voll mit Schadstoffen! Hatte ick dir damals auch schon gesacht...“
  „Gut, das werde ich nicht wieder tun!“
  „Es wird Zeit, dass du dich nützlich machst … bewirb‘ dich als Zeitungsausträger, wie es dein Freund Florian getan hat!“
  Der Junge entgegnet überrascht: „Okay, ick werde Zeitungen austragen. Wo soll ick mich denn bewerben?“
  Doch sie stürmt in die Garderobe: „Morgenpost, Kurier … Ick hab‘ keene Zeit – ich muss zur Frühschicht!“
  Er geht daraufhin ins Internetcafé und sucht einen passenden Job. Aber er findet keine Stelle.
In der Nacht wacht Klaus wieder schweißgebadet auf, aber was er träumte, war so konfus .. es war voller gemischter Gefühle und keine klaren Bilder. Er hörte die ganze Zeit ein knurren und grummeln und manchmal klang es wie ein jaulender Hund. Es roch wieder nach Schwefel. Nach dem Erwachen weint er anschließend. Heimlich, weil er der Ansicht ist, dass ein Junge seines Alters nicht mehr weint.
Seit seine Mutter ihn beim Quälen der Schnecken erwischt hat und ihn dann noch dieser Traum überfällt, würde Klaus nach längerem nachdenken gerne einen Job machen, der von den ganzen Gewaltphantasien ablenkt. Ein Schlachter wolle er nicht werden wollen – sonst schlachtet er Menschen! Zusätzlich hofft der Junge, dass er es eines Tages, dank der Ausbildung zum zukunftsgerichteten Beruf als IT-Systemelektroniker, es besser haben wird, wie seine Mutter. Weil, Karrieremenschen haben keine kranken Phantasien. Der Businessmann fährt lächelnd, zusammen mit seiner glücklichen Familie, im neuesten BMW an den Strand, wo sie dann ein Picknick machen – natürlich mit Rama-Margarine. Dann noch einen Bausparvertrag von Schwäbisch Hall abschließen und ein idyllisches Haus im Grünen bauen lassen. Klaus schaut aus dem Fenster auf die Stadt und sieht in der Ferne die Villen der Gutbetuchten. Da würde er gerne hin. Dann ärgert er sich, wenn er sich seine direkte Umgebung ansieht, wo Autos angezündet werden, eine Gruppe Nachbarskinder sich regelmäßig Heroin beschafft, sowie konsumiert und deren Eltern tagtäglich besoffen sind. Da ist seiner Ansicht nach immer so viel Gewalt im Spiel. Er will am liebsten nur weg – aber was passiert mit seiner Mutter, die ihn letztlich zu einem durchsetzungsfähigen Menschen erziehen will, was er auch schätzt?

Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Berufsschule, läuft er einen anderen Weg, nicht an den Hunden vorbei. Der Pilzkopf erreicht letztlich den Bau, welcher schlicht wie ein auf die Seite gekippter Ziegelstein mit Löchern aussieht, in dessen Hintergrund die Maschinen der Siemenswerke ächzen. Als er den Klassenraum betritt, trifft er eine neue Dozentin an. Die schlanke, südländische Person nennt sich Esmeralda Rosalia und scheint gerade mal 20 zu sein. Damit stellt sie zu den alten, grauen Pädagogen, die Klaus sonst so vorgesetzt bekommt, einen ziemlichen Kontrast. Ihr dunkelroter Hosenanzug lässt sie eleganter das der Rest erscheinen. Gleichzeitig kann sie den Zöglingen aus Arbeiter- und Arbeitslosengeld-Zwei-Familien mit einfachen Worten das nicht einfach verständliche Fach Marketing nahe bringen, wenn auch mit leicht spanischen Akzent. Esmeralda vermittelt den wirtschaftlichen Aspekt, der auch zur Ausbildung in der IT gehört. Sie erklärt, wie Werbung funktioniert und welche psychologische Klaviatur dabei bedient wird. Klaus interessiert das, doch hinter ihm schauen sich die Mitschüler auf einem Smartphone Stierkampf-Videos an und sinnieren, wie man dabei wohl am einfachsten einen Stier töten kann.
  „Töten! Autos abfackeln! Besoffene Eltern! Weg damit!“ Hatte Klaus es nur laut gedacht, oder doch gesagt?? Niemand reagiert, also wird er es nicht gesagt haben – wäre ja peinlich gewesen – die Rapper seiner Klasse, die „Ghetto-life“ geil finden, warum auch immer, hätten Klaus gehasst und womöglich nach der Schule zusammengeschlagen!
Klaus hält seine innere, unbeschreibliche Wut vor der Schulgemeinschaft geheim, aus Angst, selbst als Gewalttäter zu gelten. Leute, die Gegengewalt erzeugen, seien nicht besser als Gewalttäter, erzählte mal seine Deutschlehrerin der Klasse – dann heiße die Zukunft Knast – und das wolle Klaus ja nicht!
  Doch die Mitschüler faszinieren sich fast den ganzen Unterricht über an der Lust am töten, wobei sich der Junge nicht mehr zurückhalten kann und übertrieben aggressiv auf diese Mitschüler reagiert. Er schreit auf berlinisch: „Könnt ihr mal leise mit eurer Quälereischeiße sein, da hinten? Ick kann nicht verstehen, was die da sagt!“
  Einer dieser Mitschüler, ein Kopf größer als Klaus, kontert: „Alter! Ick lass mir nicht den Mund verbieten von so einem Opfer wie dir, Alter!“
  Esmeralda spricht den Großen an: „Amigo! Wie heißt du noch mal … Gerhard? Wiederhole bitte die vier P‘s im Marketing!“
  „Äääh, Promotion … PR, Werbung...“
  „Promotion, PR und Werbung sind alles drei das Selbe! Also, Promotion haben wir schon mal… was kommt dann?“
  „Ick weiß es nicht!“
  „Wer weiß es?“
  Klaus ahnt es schon und dann kommt es so: Thanatchai weiß es! Wie aus der Pistole sagt der Thai: „Price, Promotion, Place und Product“.
Aber die Clique hinter Klaus raubt ihn weiterhin die Konzentration. Er kann nicht drauf warten, bis wieder jemand die Lösung sagt. Mitmachen zählt auch als Leistung und die hat Klaus bitter nötig.
  Also will er mit der Faust auf den Tisch schlagen, doch Esmeralda kommt ihm zuvor und befehlt Gerhard: „Amigo, du wirst mir nach dem Unterricht einen Aufsatz schreiben über alles, was ich euch bislang unterrichtet habe!“
  Anschließend fragt sie im warmen Tonfall Klaus: „Amigo, hast du alles verstanden? Kann ich dir was helfen?“
  „Es fiel mir erst schwer zu folgen, wegen Gerhard und so. Aber jetzt bin ick hoch motiviert. Danke der Nachfrage!“
Leider ist der Unterricht schon fast zu Ende und es gibt keine Zeit mehr, um sich zu behaupten.
  Die junge Frau mit den langen, braunen Haaren wirkt auf Klaus wesentlich empathischer als der Rest, weswegen er sich unter vier Augen mit ihr unterhalten wollte: „Frau Rosalke, Sie sind super! Aber sind Sie morgen wieder da? Ich habe Angst, dass Gerhard mich morgen weiter provozieren wird...“
  Aber Esmeralda eilt plötzlich Richtung Lehrerzimmer und ruft: „Amigo – ich habe jetzt keine Zeit!“
  Klaus ist enttäuscht. Auch von Esmeralda. Niemand hat für ihn Zeit – mal wieder typisch! Einen Job hat er auch noch nicht. An der Wand liest er das gesprayte Wort „Opfer“ und fühlt sich an das Schimpfwort von Gerhard erinnert. Das Wort „Unlösbar“ blinkt in dicken, roten Lettern in seinem Kopf auf.   
  Er fragt sich: „Wieso blinkt da überhaupt was … und dann auch noch in Rot? Werde ich fremdgesteuert?“
  Doch dann sieht er Blutspuren, was ihn erschreckt. Zerrissene Körper und er mit einer Eisenstange in der Hand blitzten als geistige Bilder auf.  Er weiß selber, dass es makaber ist, doch seine Situation macht ihn verrückt. Mit hängendem Kopf läuft er, seinen Rucksack auf den Schultern, aus dem Gebäude. Er sucht den Boden ab, um den nächsten, der ihn ärgert, zu erstechen! Während Klaus wieder an Bozkurt seinen Zaun langlaufen muss, wirkt der schwarze Qualm des nahen Heizkraftwerks wie Zorneswolken über dem Kopf des Jugendlichen. Er wirft wieder Steine in die Richtung der Kläffer.
  Herr Bozkurt erscheint hinter einem Busch, lässt die Heckenschere fallen, krempelt seine Ärmel hoch und ruft: „Crass unverschämter Bengel! Jetzt mach ich dich Krankenhaus, Alter!“
  Aber Klaus ist gar nicht zu beeindrucken und bewirft die Hunde weiterhin, die noch aggressiver werden, während Herr Bozkurt einen stabilen Stock ergreift und auf die Straße geht. Esmeralda, die gerade zur Bushaltestelle kommt, hört die lauten Hunde, erkennt das Geschehen, springt vor und reißt Bozkurt den erhobenen Stock aus der Hand.
  Der kräftige Mann bleibt stehen und guckt die Spanierin überrascht an, sagt: „Was haben Sie crass sexy Frau damit zu tun?“
  „Amigo, ich bin seine Dozentin. Ich bin ganz besorgt über meinen Schüler. Ich werde mit ihm reden!“
  „Boah ey, wenn Missgeburt deines Schülers wiederkommt und Stein wirft, ruf ich crass meine Sippe – verstehst du? Er nervt schon seit Wochen, es ist unerträglich!“
  Er stampft, ohne eine Antwort abzuwarten, ins Haus zurück. Klaus ist beeindruckt von Esmeralda und legt den Stein, als auch eine Glasscherbe wieder auf den Boden, mit der er jemanden erstechen wollte.
  Sie nimmt Klaus an die Hand und sagt: „Komm, lass uns von diesem Grundstück weg gehen. Mein Bus kommt in zehn Minuten, wir können zur nächsten Haltestelle laufen.“
  Während sie mit ihm die Straße runter läuft, fragt sie grinsend: „Amigo, hast du Spaß daran, diese Hunde mit Steinen zu bewerfen? Freust du dich, wenn du sie leiden siehst?“
  Klaus zieht überrascht seine Augenbrauen hoch, weil sie ihn nicht zornig verurteilt, wie es seine Deutschlehrerin an der Stelle machen würde. Sie scheint sogar vergnügt über ihn zu sein. Das ist interessant, dennoch bleibt er unsicher und fragt: „Meinen Sie dat ironisch.“
  „Antworte auf meine Frage, Amigo! Macht es dir Spaß?"
  Klaus fragt skeptisch: „Wollen Sie dat wirklich wissen?“
  Sie lacht lauthals: „Aus deiner Antwort höre ich schon raus, dass dir das Spaß macht! Ha ha ha!“
  „Es tut mir Leid, werte Frau. Es macht ma nichts als Ärger!“
  Sie blickt lasziv auf seine mehrfach geflickten Schuhe: „Ich mach dir keinen Ärger! Im Gegenteil – du könntest für mich Fleisch beschaffen und zerschneiden. Willst du dir dabei auch ein gutes Taschengeld verdienen?“
  Klaus ist irritiert!  Diese neue Dozentin ist nicht nur vergnügt über sein Tun, sie ist auch völlig kritiklos und will sogar einen Selbstnutzen darauf ziehen: „Sie meinen dit wirklich ernst??…“
Die junge Frau sieht ihn mit einem sympathisch verrückten Lächeln an: „Natürlich! Das ist meine Empfehlung als pädagogisches Vorbild an dich! Du wirst ein Ventil für deine Wut finden. Diese Hunde, sowie Klassenkameraden, die dich gerade so aufregen …  du wirst drüber stehen! Das sage ich dir jetzt schon!“
  „Und ich verdiene dabei sogar Geld?“
  „Klaro – ist immerhin harte Arbeit!“
  Klaus ist überrascht von dieser Art der Pädagogik – seine Mitschüler hauen nach der Schule immer auf Boxsäcke, was „Therapie“ genannt wird. Aber was ihm jetzt angeboten wird, klingt viel interessanter.
  Er fragt: „Frau Rosalia, Sie sind wunderbar – aber wo wird die Therapie stattfinden? In der Turnhalle weniger, nehme ich an...“
  Die Pädagogin wird ernster und hebt ihren Zeigefinger: „Eine Bedingung möchte ich an dich stellen, bevor wir weiterreden: Erzähle niemanden, was ich dir jetzt sagen werde!“
  „Warum denn? Ich dachte, ich  geh‘ einfach in die Metzgerei...“
  Sie packt ihm am Kragen, schüttelt ihn und sagt: „Ich will, dass du das, was ich dir jetzt sagen werde, für dich behältst, okay?“
  Klaus ist überrascht: „Sind Sie wirklich eine Lehrerin?“
  „Aber sicher! Es gibt coole und uncoole Lehrer – ich gehöre zu erst genannten! Also -  wirst du schweigen?“
  „Sie wollen mit mir zusammen Unsinn machen und ich soll niemanden was erzählen?“
  Esmeralda: „Ja!“
  „Ich werde schweigen wie ein Grab!“
  „Gut! Jetzt hast du das Paradies! Aber wenn du mich verpetzt, bring ich dich um!“
  „Das ist ja furchtbar! Worum geht‘s denn überhaupt?“
  „Ach, weißt du? Ich verschlinge große Berge an rohen, toten Körperteilen, bevor ich in den Unterricht gehe – dazu reicht eine Metzgerei nicht aus!“
  Er schaut auf ihre schlanke Taille: „Echt??“
  Sie hebt verzweifelt ihre Arme: „Ich kann meinen Appetit nicht kontrollieren. Daher muss ich gesättigt sein und jeden Morgen mich vollstopfen, bevor ich andere essbare Wesen sehe … meine Verdauung trägt das in den acht Stunden Unterricht schnell ab – ich bleibe somit schlank!“
  „Bevor Sie andere essbare Wesen sehen? Meinen Sie unsere Klasse?“
  Sie hebt überrascht die Augenbrauen: „Oh, jetzt habe ich zu viel gesagt. Also gut … ich habe ganz spezielle Vorlieben ..die gibt es nicht in der Metzgerei zu kaufen.“
Klaus ist ganz neugierig: „Menschenfleisch??"
Zwischen ihren Lippen blitzen einzelne, scharfe Raubtierzähne auf: „Manchmal esse ich auch ein wenig Mensch, oooooh, sabor bien humano! Wenn es sich mal anbietet. Aber hauptsächlich lasse ich in der freien Wildbahn jagen!“
Klaus ist erschrocken über ihre Zähne: „Sind Sie in Wahrheit `n Werwolf, oda wat?“
Sie nimmt ihr voluminöses, lockiges Haar nach vorne, um damit die seitliche Sicht auf ihre Zähne einzuschränken und kichert: „Nein. Hab keine Angst!“
  „Eigentlich habe ick keine Angst, sondern bin nur neugierig.“
  „Erstmal will ich sehen, wie du arbeitest, Amigo. Dann reden wir weiter!“
  Der Neugierige antwortet: „Okay, ich arbeite für dich...“
  Sie erreichen eine Bushaltestelle. Esmeralda schaut auf die Uhr, bleibt stehen und sagt drohend: „Sag aber niemanden, dass ich Menschenfleisch fresse – sonst werde ich dich finden, egal wo du dich auch verkriechen wirst. Du weiß ja gar nicht, was ich wirklich bin! Ich werde dich ausweiden und es lieben, im Gedärm eines Verräters zu baden… Ooooh, buen gusto, buen gusto! Außerdem glaubt dir keiner, dass ich liebe, zarte Lehrerin solche Horrorgeschichten erzählen kann. Oh, da hinten kommt mein Bus.“
  „Niemanden werde ik was sagen! Versprochen!“
  „Gut, Amigo! Dann gehen wir morgen nach der Schule zu mir.“
  „Okay!“
Der Bus kommt an die Bordsteinkante gefahren und entledigt sich einiger Fahrgäste, Esmeralda steigt ein.
  Die Spanierin ruft, während die Tür sich schließt: „Auf Wiedersehen!“
Dann ist die Tür zu und der Bus fährt weg …. .
Klaus ist innerlich zwiegespalten: Einerseits kann er `Karriere‘ machen, andererseits ist Esmeralda ziemlich gruselig, obwohl sie ganz nett zu sein scheint. Aber, sie tut Klaus irgendwie gut. Er sagt ihr Geheimnis nicht weiter und wird am nächsten Tag als bester seiner Klasse von allen geschätzt und respektiert! Das erste Mal seit langem träumte er wieder etwas besser – wieso, wusste er nicht. Er hat über sie seinen inneren Sadismus unter Kontrolle bekommen, weiß aber immer nicht, wo seine Wut herkommt. Auch der nächtliche Schwefelgeruch bleibt erhalten. Aber, er vermutet, dass die Hoffnung, `Karriere‘ zu machen, daran beiträgt. Auch seinen Freund Florian will er nicht mehr umbringen. Am nächsten Tag geht er mit Esmeralda in ihre Villa mit dem weitläufigen Grundstück im Nobelbezirk Grunewald, um dort einen Fleischbrocken zu zerstückeln. Er wusste nicht, worum es sich handelt, aber mit diesem Job genügt er nun den Umständen seiner Mutter. Esmeralda steht neben ihn und sagt: „Jetzt kann ich mich endlich weiter fortbilden lassen, ohne nebenher jagen zu müssen – dank dir!“
  „Wann gehen wir denn mal jagen?“
  „Das erzähle ich dir morgen...“

Fortsetzung folgt...

ENDE


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Neuer Roman: "Auge um Auge, Zahn um Zahn"
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Ansch
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 72
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 18.06.2017 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

Weil aus einem Traum aufwachen zu den häufigsten Anfängen überhaupt gehört und zeigt, dass der Schreiber sich nicht auskennt mit Klischeevermeidung.
Häufig wird damit auch nur versucht, eine künstliche Spannung zu erzeugen, die die "wahre" Geschichte nicht bietet.

Gehört verbannt, genau wie überhaupt am Buchanfang jemanden aufwachen lassen, mitten in eine Verfolgungsjagd hineingeworfen zu werden, bevor wir die Chance haben, uns für die Protagonisten zu interessieren, ihn in den Spiegel gucken zu lassen, damit er sich selbst beschreiben kann oder eine Wetter- oder Mondbeschreibung.

Man kann es natürlich benutzen, aber dann zeigt man eben, dass man sich nicht mit Klischeevermeidung auskennt.


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Ansch
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Rainer Prem
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 19.06.2017 06:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ansch hat Folgendes geschrieben:
Weil aus einem Traum aufwachen zu den häufigsten Anfängen überhaupt gehört und zeigt, dass der Schreiber sich nicht auskennt mit Klischeevermeidung.
Häufig wird damit auch nur versucht, eine künstliche Spannung zu erzeugen, die die "wahre" Geschichte nicht bietet.

Gehört verbannt, genau wie überhaupt am Buchanfang jemanden aufwachen lassen, mitten in eine Verfolgungsjagd hineingeworfen zu werden, bevor wir die Chance haben, uns für die Protagonisten zu interessieren, ihn in den Spiegel gucken zu lassen, damit er sich selbst beschreiben kann oder eine Wetter- oder Mondbeschreibung.

Man kann es natürlich benutzen, aber dann zeigt man eben, dass man sich nicht mit Klischeevermeidung auskennt.


Als Gegenposition: Jedes Klischee war einmal eine gute Idee, die sich jemand ausgedacht hat, und die anderen so gut gefiel, dass sie sie auch haben wollten.

Wenn man also als Autor nicht weiß, dass etwas ein Klischee ist, oder wenn man trotzdem überzeugt ist, es sei der bestmögliche Anfang, weil gerade dadurch ein bestimmtes Merkmal betont wird, warum nicht?

Ein Wetterumschwung kann die Geschichte formen; die Mondphase ist für Werwölfe eine extrem wichtige Sache; der Blick in den Spiegel kann ein bestimmtes Körpermerkmal oder eine Veränderung fokussieren.

Nur wenn z.B. der Blick in den Spiegel (wie häufig) zur Beschreibung des Äußeren einer Ich-Erzählerin dient, die möglichst mit genauen Maßen inkl. Körbchengröße ausgestattet ist, dann ist es öde.

Grüße
Rainer
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meerenblau
Dichter und Denker


Beiträge: 1135



BeitragVerfasst am: 19.06.2017 11:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ansch hat Folgendes geschrieben:


Gehört verbannt, genau wie überhaupt am Buchanfang jemanden aufwachen lassen, mitten in eine (...)


Was vor allem verbannt gehört, sind Pauschalisierungen wie die, die Du hier in den Raum wirfst. Es ist völlig egal, ob der Protagonist zu Beginn des Buches aufwacht, aus dem Fenster sieht, einen Kuchen verzehrt oder Sex hat: Der Anfang muss fesselnd sein. Das ist es, was zählt.

Nebenbei: "Buen gusto" bedeutet "Guter Geschmack" und ist jetzt keine sonderlich selten verwendete Formulierung.
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Ansch
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 72
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 19.06.2017 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

Na na Meerenblau,

warum so zickig? Ist dein Protagonist gerade vor dem Spiegel aufgewacht?
Klar kann man das schreiben. Immer und immer wieder.
Wenn man aber nicht will, dass ein Lektor das Buch sofort wieder zuklappt, ist es sinnvoller, es zu lassen.

Ich fand den Anfang leider nicht fesselnd. Trotz Traum.

Das Gegenteil gilt fuer buen gusto. Kann man vielleicht sagen. Hab ich aber noch nie gehoert. Im Zusammenhang hier - Fleisch - waere es trozdem sabor und nicht gusto.


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Ansch
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Mogmeier
Geschlecht:männlichGrobspalter

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Alter: 46
Beiträge: 2001
Wohnort: Reutlingen


BeitragVerfasst am: 19.06.2017 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallöle,

ich denke, dem Smokowski dürfte wenig geholfen sein, wenn wir hier diskutieren, ab wann ein Klischee ein Klischee ist, oder auch nicht ist. Um dem Ganzen vorzugreifen, stelle ich mal die Behauptung in den Raum, dass sich aus allen möglichen Klischees dennoch etwas Unterhaltsames zaubern lässt. Die Zauberformel hierfür lautet: kreatives Schreiben (= den Blickwinkel um ein paar Grad verschieben zu lernen), denn dadurch lernt man schnell die Ursache kennen, die das vermeintliche Klischee zu ’nem wirklichen Klischee werden lässt. Und diese Ursache spiegelt sich gerne im Aufgreifen gewisser Phrasen und Floskeln wider, die ein Klischee so mit sich bringt. Und das ist die Krux an der ganzen Sache … @Smokowski: Ich weiß, wie schön es sich anfühlt, eine Idee zu einer Kurzgeschichte zu haben, aber es genügt nicht (und ich habe auch sehr lange dafür benötigt, mir das einzugestehen), nur eben mal diese reine Idee in Form einer Story rüberzubringen. Es gilt, diese Idee spezifisch und unterhaltsam umzusetzen, und zwar so (also darauf hinarbeitend), dass die Story nicht nur dich, sondern auch deine Leser fesselt.

Ich sage es mal so: Ein Koch wird bei einem Gourmet nie landen können, wenn er, der Koch, dem Gourmet einen Teller mit ’nem Zettel drauf präsentiert, der die neuste Innovation in Sachen Dessert als Rezept preisgibt, denn so ein Gourmet möchte schließlich das Endprodukt als solches zu schmecken wissen.

Ich sage es aber auch mal ganz anders: Ich z.B. schreibe gerne über alltägliche Banalitäten und gehe dabei sogar soweit, meine Texte darüber so banal wie möglich zu gestalten. Aber: Ich gebe mir dabei stets Mühe, das nicht unbedingt als oberflächliche 1:1-Beobachtung rüberzubringen (okay, das klappt nicht immer). Bei dieser Art der Umsetzung verwende ich gerne Details, die im Alltag oft übersehen werden, um der ganzen Sache dadurch eine gewisse Stimmung beizumischen.

Mal ein grobes Beispiel:
Die hektische Kassiererin vom DM rempelt zufällig (während ihrer Mittagspause), wie sie da grad so über den Marktplatz hetzt, einen überforderten Bankangestellten (dieser ist ebenfalls in der Mittagspause) an. Beiden Personen könnte man nun ein jeweiliges Klischee aufdrücken, was wir hier natürlich auch wollen. – Am Ende liest sich das, also die Begegnung zwischen den beiden, aber recht fad, also muss hier noch ein gewisses Detail hinzugezogen werden, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Das könnte z.B. eine Stadttaube sein, die darauf wartet, dass der überforderte Bankangestellte endlich mal etwas von seinem Döner fallen lässt. Der Taube dauert das natürlich zu lange, also holt sie ihre Kumpels, um mit ihnen gemeinsam diesen überforderten Bankangestellten zu umzingeln, ihn zu behacken usw. usf.

Beste Grüße
Mog


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Laotse
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yung33
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Wohnort: Innsbruck


BeitragVerfasst am: 19.06.2017 23:51    Titel: Antworten mit Zitat

hier und jetzt ist es auch spät, deshalb konzentriere ich mich bis zu einer genaueren betrachtung auf die einleitung...

die ersten paar sätze... wunderbare beschreibung der umgebung, aber was gesucht wird, scheint schnell gelöst und irgendwie hab ich das gefühl nicht, dass eine horrorgeschichte haben sollte... ein stephen king prinzip...

der erste satz sollte dem leser vermitteln... komm näher hier gibt es was zu entdecken... und es soll ja eine horror / sci-fi geschichte sein... aber was gibt es bei einem panorma blick über schornsteine zu entdecken Smile

ich mein ich schaff wohl auch (noch) nicht so geniale einstiege, aber stephen king's es (les ich wegen der neuverfilmung nochmal und bin teilweise soi bgeistert welch ein meisterwerk es ist mit 1000 seiten) startet so... "der schrecken der 28 jahre nicht enden sollte" (welcher schrecken... wtf 28 jahre, das ist viel schrecken... der erste satz sagt direkt: hier kannst du viel erfahren... rauchende schornsteine und ein bild von berlin (so gut und schön es dargestellt sein mag) schaffen nicht so viel neugierde...

ich weiß, es ist eher naja "alt" wie ein alter witz mit einem vergleich zu einem der besten horror autoren ever hier anzukommen, aber gerade in unserer schnellebigen zeit ist der anfang immer wichtiger...
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Herr Bossi
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Alter: 58
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Wohnort: MG


BeitragVerfasst am: 20.06.2017 10:40    Titel: Antworten mit Zitat

@Smokowski

Einen Rat, nein zwei, möchte ich Dir geben smile.

Schüttele Deine Geschichte und rüttele alle Worte heraus, die nicht wirklich notwendig sind. Du kannst das Gleiche und genauso intensiv aussagen, mit nur einem Drittel des Textes.

Hau viel mehr Absätze rein, da Du Dich mit Deinen Texten in einem Onlinemedium befindest.

Auch ein Buch hat reichlich Absätze damit es flüssig lesbar bleibt, aber Online ist das noch viel viel wichtiger. Onlineleser sind ein so schrecklich flüchtiges Volk.

Mein Text hier ist beispielsweise so geschrieben, dass Du ihn mit höchster Geschwindigkeit lesen kannst, ohne nur einen Bruchteil einer Sekunde die Zeile halten zu müssen oder vielleicht verlieren zu können.
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meerenblau
Dichter und Denker


Beiträge: 1135



BeitragVerfasst am: 23.06.2017 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ansch hat Folgendes geschrieben:
Na na Meerenblau,

warum so zickig?


Ich bin nicht zickig, ich mag nur einfach dieser Verallgemeinerungen nicht. Dass der Beginn "Aus Traum aufwachen" Dir in dieser Geschichte nicht gefällt, bedeutet nicht, dass man daraus eine generelle Regel ableiten kann.
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Ansch
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Beiträge: 72
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 23.06.2017 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

@meerenblau

...sicher wird dir ab jetzt jede Aufwach- und Traumsequenz ins Auge springen, so wie mir, seit ich von einer Lektorin hörte, dass sie Manuskripte nie weiterliest, die so anfangen.

Ich kann die (Laien)Geschichten nicht mehr zählen, die ich gehört oder gelesen habe, die so anfangen.

Hier im Forum übrigens direkt der nächste Prosa-Post nach unserer Diskussion.

 
Viel Spaß beim Zählen.


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Ansch
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