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dein pulsschlag ist's der pilgert

 
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Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Lesezeichenpoesie 05/2017
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 04.06.2017 21:35    Titel: Antworten mit Zitat

@ Zinna

Du benennst als positiv die Gesamtheit von Titel und Bildern und den Rhythmus. Das freut mich, da ich dich als eine gute Leserin kenne, weiß ich, dass ich mich auf dein Rhythmusgefühl verlassen kann.
Den Bezug zum Lesezeichen siehst du nicht. Vielleicht gibt dir schon meine Antwort an Literättin etwas Auskunft, ansonsten werde ich ganz zum Schluss, wenn ich alle Kommentare beantwortet habe, etwas zum Text sagen und da natürlich auch auf das Lesezeichen eingehen.

Danke für deine Rückmeldung und für deine Bewertung.


@ menetekel

Danke für dein Lesen und deine Rückmeldung. Deine Bewertung sagt mir natürlich, dass der Text dich mitnehmen konnte auf eine Reise und du die Rufe des Wächters gehört hast und seiner Zauberformel erlegen bist. So knnten dich dann auch ein paar Zeilen des Textes verführen.

Dir gefällt das Bild des Wächters, mir auch und als ich das Bildmotiv des Lesezeichens sah, war es ein Torwächter, ein Hüter der Dinge hinterm Tor, ein Herr über Einlass der nicht. Jeder besondere Ort hat einen solchen Wächter und dass dieser besondere Kräfte haben muss, liegt in der Natur seiner Aufgabe.

Menetekel, ich freue mich immer, wenn ein Text seinen Leser findet. Danke für die Zeit, die du dem Text geschenkt hast und auch für deine Bewertung.


@ Gold

Danke für deine Rückmeldung. Du hast Textteile gefunden, die dich ansprechen. Das freut mich. Was du nicht siehst, ist die Themenumsetzung. Vielleicht klärt sich dass durch meine Antwort an Literättin. Außerdem werde ich zum Schluss noch ein paar Gedanken zum Text aufschreiben.


@ MoL

Hat mich verzaubert, ohne dass ich genau weiß, warum. Die Bilder, der Rythmus, die Klänge - toll! 5 Punkte.

Das gefällt mir! Sich einfach mal verzaubern lassen. Der Text hat seine Wirkung entfaltet. Danke fürs Lesen und für die Rückmeldung.


@ K.V.B.  

Danke für dein Lesen und deine Bewertung. Schließe aus der Punktzahl, dass du etwas für dich im Text finden konntest.


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 04.06.2017 23:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Aranka!

Ich gratuliere zum Platz auf dem Treppchen; auch, weil dieses Gedicht meiner Meinung nach kein eigentliches Wettbewerbs-Gedicht ist und daher noch stärker wirken muss als ohnehin schon.

Ich denke, es hat neben der sichtbaren Gliederung durch Leerzeilen auch eine hörbare Gliederung durch die Bewegung der Versgruppen, wodurch sich zum Beispiel der erste Block von sechs Versen noch einmal ordnet.

Die Wo-Fragen rufen bei mir unweigerlich Hölderlin auf (Brod und Wein), so wie ein "Als ob" Rilke aufriefe:

Festlicher Saal! der Boden ist Meer! und Tische die Berge,
Wahrlich zu einzigem Brauche vor alters gebaut!
Aber die Thronen, wo? die Tempel, und wo die Gefäße,
Wo mit Nektar gefüllt, Göttern zu Lust der Gesang?
Wo, wo leuchten sie denn, die fernhintreffenden Sprüche?
Delphi schlummert und wo tönet das große Geschick?
Wo ist das schnelle? wo bricht's, allgegenwärtigen Glücks voll,
Donnernd aus heiterer Luft über die Augen herein?


Berg - Berg, brennen - leuchten, Wort - Spruch ... Ein nettes Nebeneinander, wobei deine Verse diesen Bezug selbstredend nicht brauchen, um wirken zu können; sie sind von eigenständiger Gültigkeit.

Die Stelle, mit der ich am wenigsten glücklich (!, nicht: unglücklich) bin, ist der Schluss; vielleicht, weil er zu bewusst gestaltet wirkt auf mich, wie ein "Das muss so klingen, weil es ein Gedicht ist", statt "..., weil es nicht anders sein kann". Was nicht stimmen muss, aber die Wirkung ist halt so und da.

Gruß,

Soleatus
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Aranka
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Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 05.06.2017 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo albaa,

welch ein Glück, dass du mir deinen Kommentar geschenkt hast und natürlich darfst du kritisch an meinen Text herangehen. Jede Rückmeldung wirft mich nochmal in meinen Text zurück und lässt mich noch mal selbst meine Entscheidungen überprüfen. Ich denke dann entweder über Veränderungen nach oder werde auch in dem bestätigt, was ich gesetzt habe. Der fremde Blick ist für mich immer eine gute Sache, wenn er am Text bleibt. Also schaue ich mir mal deine Fragezeichen an:

Zitat:
Die Verkürzung "ist's" im Titel gefällt mir gar nicht. Wieso wählst du so einen umständlichen Satzbau für den Titel?


Es war erst einmal eine „Bauchentscheidung, die wohl unbewusst einem „inneren“ Rhythmus folgte, der vielleicht mit der Lesezäsur nach „ist's“ die „Viersilbigkeit“ der Textzeilen vorwegnahm: Dein Pulsschlag ist's  ///  der pilgert.

Als die Zeile so dastand, fiel mir gleich diese, wie du es nennst, „umständliche“ Konstruktion auf und ich habe ein paar Varianten probiert, bin aber dann bei meiner ersten Eingebung geblieben, weil  mir diese Lesezäsur nach  „dein pulsschlag ist's", dieses kurze Stoppen und Nachdenken, diese Betonung: Es ist dein Pulsschlag und nicht etwas anderes!" All das wurde mir plötzlich wichtig und erschien mir angemessen. In dieser Konstruktion bekamen beide Schlüsselworte, „Pulsschlag“ und „Pilgern“, jedes sein eigenes Gewicht. So wenigstens meine Empfindung.
 
Einfach mal als Gegenüberstellung, vielleicht wird dann spürbar, was ich meine:
dein pulsschlag ist's / der pilgert   oder  dein pulsschlag pilgert

Zitat:
*ein krähenlaut - da hat ja auch SG schon eine "Auflockerung" vorgeschlagen, die ersten drei Zeilen sind ein bisschen überfrachtet mit "Kombi-Nomen" - "die krähe laut" ist supi!  
ein klingelton - Wo kommt der her? Egal, man ist jedenfalls wach.
Hierher gehört ein Absatz finde ich, damit die Geräusche besser wirken können, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass du hier mit dem folgenden Leergutsammlern vom Hören zum Sehen überleiten wolltest


Zu dem Vorschlag von Stimmgabel habe ich schon in meiner Antwort an ihn etwas geschrieben, vielleicht hast du es ja schon gelesen. Mit der Idee der Leerzeile habe ich zwischenzeitlich auch gespielt, hätte bedeutet, zwei Zeilen raus zu werfen.

Einige Leser haben ja ihre Probleme mit dem ersten „Textpaket", sie stört die scheinbare Nicht-Zusammengehörigkeit; aber vom inneren Textfaden (dem Lesezeichen einer Pilgerreise) macht es schon Sinn, gehört es zusammen und hat auch ein Hintereinander, das keinesfalls willkürlich ist.

Es sind drei Wahrnehmungen, die der Leser/Pilger aufliest und die den Weg auf „sein Lesezeichen/Lebenszeichen finden:

a) krähenlaut/klingelton: akustische Wahrnehmungen, Weckrufe, ungewertet notiert, Geräusche aus unterschiedlichen Bereichen, Geräusche mit eigenem Hinter-Raum.

b) ein Gedankengang , der vielleicht durch eine Beobachtung (Leergutsammler) entstanden ist, aber die zweite Zeile (ziehen bahnen) ist mehr ist als ein unbeteiligtes Sehen und Einsammeln, hier steckt schon ein Zusammenspiel von Beobachtetem und Beobachter drin, und sowohl „Leergutsammler als auch dieses Bahnen ziehen schein mit einem „MEHR“ an Bedeutung aufgeladen zu sein. So bemerkst du ja auch ganz richtig: „vielleicht sind die Leergutsammler ja keine Leergutsammler.“

c) eine Aussage, die offensichtlich die Wirklichkeit der reinen Wahrnehmung verlässt. (im gras der mond / der keiner ist) Das kann auf einer optischen Täuschung beruhen: vielleicht ein Scherbe, die das Licht fängt und dem, der des Weges geht von Ferne für einen Moment ein Mond ist. Solche Täusch- oder Überraschungsmomente sind es dem Pilgerer wert, sich bei ihnen aufzuhalten, sie zu weiten und so werden sie ihm Metapher und Bild zugleich, vielleicht für die Momente, in denen sich Wirklichkeit und Wirklichkeit so übereinander schiebt, dass die Ränder verschwimmen und das Innere sich als DenrRaum, als Möglichkeit öffnet.

Und nicht per Zufall ist hier der „Mond“ mit seinem ganzen gefährlichen Wortgepäck gewählt, der gute alte Mond (schon lange totgesagt) mit seiner magischen Kraft , seinen Bahnen,´die er weiterhin zieht. Er steht, wofür auch immer er dem jeweiligen Leser steht, und liegt dem Pilger im Gras und er ist ihm Mond, Und der Pilger  verweilt bei diesem Mond und sammelt ihn auf.

Mit jeden Schritt, den der Leser/Pilger weiter hinein geht ins Buch/ins Leben, steigt er tiefer ein und kommt dem Ort näher, der gut gehütet und bewacht ist. Und so ergeben die aufgezählten Sammelstücke schon eine innere Ordnung und Steigerung wieder.

Ausgang dieser Überlegungen war deine Überlegung, die auch meine war, Leerzeile oder nicht? Heute denke ich ganz sicher: keine Leerzeile, die Zeilen gehören als eine erste Reiseetappe, als Block zusammen.
 Es war gut für mich, meine Überlegungen zu fixieren, beim Einstellen war ich da noch gar nicht so sicher, hatte aber keine Wahl auf Grund der Wettbewerbsvorgaben blieben mir keine Leerzeilen. Du hast mich jetzt zu einer Klärung gedrängt. Gut so! Danke.

Heute weiß ich auch, warum einige Leser den Zusammenhang nicht fanden. Der Titel ist hier die Grundlage auf der die Zeilen stehen. Ich denke, die Bedeutung des Titels ist nicht deutlich geworden.

Zitat:
Zitat:
leergutsammler
ziehen bahnen

Das ist einfach gut, die "leergutsammler" lärmen noch, und da taucht schon der Mond, der auch seine Bahn zieht auf; welche weitere Bedeutung die Leergutsammler haben könnte, bin ich mir noch nicht sicher?
Zitat:
im gras der mond
der keiner ist

Wenn der Mond nicht der Mond ist, dann sind die Leergutsammler vermutlich auch keine Leergutsammler. Was ist das im Gras? Liegt da Leergut? Nein, oder? Der Mond ist kein Mond, weil er nur im Buch vorkommt?


Es macht Freude, dein Lesen zu erleben, dein Suchen im Text, dein Hinterfragen der Bilder. Der Leser pilgert in der Wirklichkeit der Literatur mit seiner eigenen Wirklichkeit und seinem inneren Puls und was er da sammelt, sein LeerGUT, ist sowohl in der einen als auch in der anderen Wirklichkeit zu Hause.

Zitat:
Zitat:
wo der berg? der
brennende busch?
wo das wort?

Hier stören mich die ganz offensichtlich vorgabengeschuldeten Elisionen und sonderbaren Zeilenumbrüche;
Diese Zeilen haben stilistisch noch Verbesserungspotenzial - ginge aber leicht und auf Satzzeichen könnte man auch hier verzichten, oder?:

wo ist der berg
(wo) der dornbusch
und wo das wort


Klar habe ich hier den vier Silben gehorcht und da ich „brennende busch“ unbedingt in eine Zeile haben wollte, ergab sich dieser Umbruch, den ich allerdings nicht störend fand, da ich auch manchmal ohne Not ein Nomen vom Artikel abtrenne, wenn ich diese Verzögerung haben will. So frage ich mich erst nach deinem Kommentar, ob es eine andere Lösung gäbe und auch, ob ich ohne Silbenvorgabe eine andere Umbruchweise gewählt hätte?

Spiele mal etwas durch:

a)  wo der berg?
     der brennende
     busch? wo das wort?

b)  wo der berg?
      der brennende busch?
      wo das wort?                           Ohne Vorgabe der Silbenzahl.

c)  wo der berg? der
 brennende busch?
 wo das wort?

d)         wo ist der berg
           (wo) der dornbusch
            und wo das wort                  Dein Vorschlag.

Wenn ich jetzt unter Beachtung der Umbrüche lese und die Zeilenenden mit Pausen versehe, bleibt für mich c) bisher die bessere Variante. Das liegt sicher auch an meinem ureigenen  „Text- und Rhythmusgefühl“. Auch, dass ich hier nicht mit einem Satz beginnen will und daher das Verb weglasse. So werden für mich die Fragen drängender. Auch wollte ich nicht den Dornbusch explizit benennen, auch wenn er mit anderen Leseweisen durchaus dahintersteht, will ich das Bild nicht einengen und darauf festschreiben.

Zitat:
*Die klare und stark religiöse Symbolik passt irgendwie gut zum Lesezeichenbild (obwohl ich darin eher eine Medusa sah, aber mittlerweile habe ich gelesen, dass es von einem Tor im Dogenpalast stammt - du warst offensichtlich besser informiert).

Zitat:
der wächter ruft
tritt ein tritt ein
sei fisch sei stein
nimm vom wald
nur das grün
das dich nicht kennt -


Hier kommt wieder dieser Rhythmus, der mich irgendwie an „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm … „ erinnert hat, wie auch der Anfang – keine Ahnung warum eigentlich – und ein bisschen auch ans „magische Theater“ im Steppenwolf von Hesse (Anmerkung neu: woran es mich nach mehrmaligem Lesen immer mehr erinnert).


Rhythmus ist für mich etwas sehr Wichtiges und auch oder gerade im freien Vers muss er sorgsam gearbeitet sein. Besonders in den Textpassagen, die für mich nahe an eine „Beschwörung der Geister“ (etwas übertrieben, ich weiß) herangehen, ist der Rhythmus tragend. Freue mich dann, wenn es beim Leser ankommt, auch wenn die Zeile keiner festen Metrik gehorcht. Hier jedoch ist die Passage, mit der ich noch nicht ganz im Reinen bin. Da könnte ich mir schon noch kleine Änderungen denken. Habe nur noch keinen wirklich guten Einfall.)


Zitat:
Die zwei Zeilen mit der doppelten Reimerei lesen sich hübsch verspielt. Darüber hinaus gefällt mir eben die kinderreimartige Leichtigkeit (deshalb könnte ich mir sogar vorstellen, dass hier statt "Wald" sogar noch einmal auf "Rain" gereimt wird – aber das hätten die meisten Lyriker wohl als übertrieben angesehen, ich mag die Überzeichnung/treibung halt), die nun plötzlich aufkommt:

Man braucht sich also trotz der vorherigen gewichtig einschüchternden Symbolik (in Richtung Wahrheit und Gebot/Gesetz) offensichtlich nicht vor dem Inhalt des Buches (Lebens?) zu fürchten; die Buchseiten sind wohl auch nicht vergiftet .


Schön, wie du das liest und schön, dass du den Wächter mit dem grimmigen Gesicht positiv sehen kannst, als Hüter und Beschützer eines Pilgerortes eben. Ich sehe ihn jedenfalls so.

Zitat:
Der Wächter ist kein finsterer Bewahrer, sondern fordert dazu auf, sich auf (erfrischendes) Unbekanntes (Neues) einzulassen:
"nimm nur das Grün, das dich nicht kennt" - gefällt mir sehr! –


Ja, genau so!

Zitat:
Warum ausgerechnet (nur) "vom wald"? Braucht es dieses einschränkende, aber dann doch wiederum zu allgemeine Bild wirklich? Ohne den Wald  klingt es auch schöner, finde ich: nimm nur das grün //das dich nicht kennt - oder wenn dir das zu sehr leiert vielleicht: nimm dir vom wald (rain )//das grün//das dich nicht kennt – ich persönlich würde versuchen, die Strophe mit das grün enden zu lassen, warum kann ich nicht genau sagen - vielleicht wegen des Hoffnungsschimmers und weil dann die das rote Zünglein des Dämons ins Spiel kommt:


Ich finde es interessant, wie du mit den Zeilen spielst und dann auch zu anderen Ausformungen kommst. Und hier sprichst du ja eine Reihe Möglichkeiten an.

Du legst deine Finger sehr wohl auf die Stellen, die auch ich nach dem Schreiben abgeklopft habe und durchaus auch mal variiert habe, damit ich zu einer sicheren Entscheidung und Setzung fand.
Diese letzte Passage ist jedoch die, wo ich noch drüber nachdenke und noch nicht wirklich sicher bin. Deine Gedanken bestärken mich in einer erneuten Überprüfung.

Zitat:
Zitat:
am silbenband
schmilzt zeit

Schön diese Verse, die nicht nur wunderbar beschreiben, wie man beim Lesen in die Zeitlosigkeit eintauchen kann, sondern auch perfekt auf das Lesezeichen Bezug nehmen. Schade, dass man hier einen Zeilenumbruch machen muss, um die Silbenzahl zu erreichen. Aber so ist das eben mit Lesezeichen .


Albaa, ich danke dir für dein intensives Lesen und deine detaillierten Rückmeldungen. Du bemerkst sicherlich, dass ich meine Texte sehr genau abklopfe und Worte mit Bedacht wähle und exakt setze. Daher sind Kommentare wie dieser ein Glück für den Autor.

Deine Texteinschätzung erfreut mich besonders. Liebe Grüße Aranka


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Aranka
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BeitragVerfasst am: 06.06.2017 09:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

es hat mich sehr gefreut, dass du hierher gefunden und meinem Text Lesezeit geschenkt hast und mir eine Rückmeldung.

Zitat:
Ich gratuliere zum Platz auf dem Treppchen; auch, weil dieses Gedicht meiner Meinung nach kein eigentliches Wettbewerbs-Gedicht ist und daher noch stärker wirken muss als ohnehin schon.


Du weißt gar nicht, wie mich die Bemerkung, dass es kein „eigentliches Wettbewerbs-Gedicht“ ist, erfreut. Mich hat die Thematik :Lesezeichen (wie immer man es auch versteht) und auch das Bild-Motiv angesprochen. Beides klopfe gleich an viele Gedanken und Bilder in mir an und ich hatte einfach Lust, mich hier lyrisch zu äußern.

Die Vorgaben der Zeilenbeschränkung und der Viersilbigkeit waren zwar eine Herausforderung, ich konnte mir aber beides für meine Textidee gut vorstellen. Dann habe ich mich eingelassen und ausgelassen, nach meinem Verständnis von "Lesen/Leben und Lese-Zeichenband).

Die Wettbewerbsvorgaben waren Auslöser, der entstehende Text sollte auch losgelöst davon Bestand haben. Wenn es mir gelungen ist, um so besser.

Zitat:
Ich denke, es hat neben der sichtbaren Gliederung durch Leerzeilen auch eine hörbare Gliederung durch die Bewegung der Versgruppen, wodurch sich zum Beispiel der erste Block von sechs Versen noch einmal ordnet.


Ich habe es versucht, schön wenn es dann bei einem Leser auch ankommt.

Zitat:
Die Wo-Fragen rufen bei mir unweigerlich Hölderlin auf (Brod und Wein), so wie ein "Als ob" Rilke aufriefe:

Festlicher Saal! der Boden ist Meer! und Tische die Berge,
Wahrlich zu einzigem Brauche vor alters gebaut!
Aber die Thronen, wo? die Tempel, und wo die Gefäße,
Wo mit Nektar gefüllt, Göttern zu Lust der Gesang?
Wo, wo leuchten sie denn, die fernhintreffenden Sprüche?
Delphi schlummert und wo tönet das große Geschick?
Wo ist das schnelle? wo bricht's, allgegenwärtigen Glücks voll,
Donnernd aus heiterer Luft über die Augen herein?


Danke für die Verse. Ich kannte sie nicht.

Zitat:
Berg - Berg, brennen - leuchten, Wort - Spruch ... Ein nettes Nebeneinander, wobei deine Verse diesen Bezug selbstredend nicht brauchen, um wirken zu können; sie sind von eigenständiger Gültigkeit.


Nehme das mal als ein Kompliment und weiß das aus deinem Mund zu schätzen.

Zitat:
Die Stelle, mit der ich am wenigsten glücklich (!, nicht: unglücklich) bin, ist der Schluss; vielleicht, weil er zu bewusst gestaltet wirkt auf mich, wie ein "Das muss so klingen, weil es ein Gedicht ist", statt "..., weil es nicht anders sein kann". Was nicht stimmen muss, aber die Wirkung ist halt so und da.


Ich denke einmal, du benennst hier die Textstelle nach „der wächter ruft“. Hier treten die Stilmittel des „Reims und auch der Wiederholung“ spürbar aus dem Text heraus. Ich habe mindestens fünf Versionen hier liegen und habe bis zuletzt hier noch Fragezeichen. Wenn es dieser Textteil ist, den du ansprichst, würde ich mich freuen, wenn du deine Störgefühle noch etwas konkretisieren könntest. Es eilt nicht.

Danke für dein Lesen und Rückmelden.

Liebe Grüße Aranka


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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 06.06.2017 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Aranka!

Zitat:
Ich denke einmal, du benennst hier die Textstelle nach „der wächter ruft“. Hier treten die Stilmittel des „Reims und auch der Wiederholung“ spürbar aus dem Text heraus. Ich habe mindestens fünf Versionen hier liegen und habe bis zuletzt hier noch Fragezeichen.


Ich bezog mich auf die "schmelzende Zeit", also das schließende Verspaar; davor, so mein Empfinden, bedient sich der Text "zeitloser" Darstellungmittel - Das hölderlinsche "Wo" hatte ich schon, samt Antikenbezug (bzw. Bibelbezug bei dir), "Reim und Wiederholung" hast du erwähnt; dann der Mond, der Wächter (über Goethes Türmer bis hin zu den Tageliedern des Mittelalters) ...

Den Schlusspunkt bildet dann aber ein Bild, das ich als Routinebild (nicht unbedingt in der Aussage, eher in der Bildungsweise) innerhalb der Lyrik des zwanzigsten Jahrhunderts empfinde. Nicht, dass es nicht wirkt; aber es macht den Text unnötig eng, gerade da, wo er weit werden will/muss.

Na ja. Ist nur ein Eindruck, nimm ihn zu den Unterlagen ... "Brod und Wein" ist eines der wunderbarsten deutsche Gedichte, inhaltlich wie in der Gestaltung, wenn du erlaubst, mache ich hier ein wenig Werbung dafür - wer kann, schlage es bei Hölderlin nach!

Gruß,

Soleatus
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 07.06.2017 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus!

Danke, dass du dich zum letzten Zeilenpaar noch einmal geäußert hast.

Zitat:
Den Schlusspunkt bildet dann aber ein Bild, das ich als Routinebild (nicht unbedingt in der Aussage, eher in der Bildungsweise) innerhalb der Lyrik des zwanzigsten Jahrhunderts empfinde. Nicht, dass es nicht wirkt; aber es macht den Text unnötig eng, gerade da, wo er weit werden will/muss.


Ich kann deinen Eindruck nachvollziehen und werde ihn ganz bestimmt als Überarbeitungshinweis mitbedenken.

Vielleicht war ja an der Stelle doch das Bedürfnis, eine deutlich Spur zum Wettbewerb in den Text zu legen (Silbenband), die heimliche Mutter der Zeilen.

Habe das Hölderlingedicht mittlerweile in einem Gedichtband bei mir gefunden und werde mir heute Abend einmal Zeit dafür nehmen.

Auch für den Hinweis ein Danke.

Liebe Grüße Aranka[/b]


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BeitragVerfasst am: 07.06.2017 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

-

Hallo Aranka,


mal einen Gedanken [ dazu ] zu dem letzten Vers-Paar :


-


silben_Ränder reißen den Saum
kaum dass er Häuser dranbaute
kam die Schnecke vorbei schaute
zwischen die Mauern, Zeitbälle

leicht zehne über den Daumen
kullern drüber; kennten sie All



-


du, tschüüüsss,  Frank ...


-


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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 10:03    Titel: Antworten mit Zitat

-

dein pulsschlag ist's der pilgert


ein krähenlaut
ein klingelton
leergutsammler
ziehen bahnen
im gras der mond
der keiner ist

wo der berg? der
brennende busch?
wo das wort?

der wächter ruft
tritt ein tritt ein
sei fisch sei stein
nimm vom wald
nur das grün
das dich nicht kennt

am silbenband
schmilzt zeit


--------------------------------


Hallo Aranka,


ein kleiner Gedanke zu folgender Sequenz [ wurde ja schon an_thematisiert ] :

wo der berg? der
brennende busch?
wo das wort?

----------------------------------


Für mich persönlich sehr rund und stimmig, gerade im um_Text. Erzählt sich der um_Text in fließender Breite, wird hier der Fragewert ohne Unschweife auf den Punkt gebracht, zumal mMn das (fehlende) Verb 'ist' hier auch redundant wäre,

umso mehr finde ich das angefügte 'der' in der ersten Zeile exzellent in Szene gesetzt, wird mMn dadurch elegant eine Aufzählung zweier Fragen (von F1 und F2, ohne Verb) gedanklich fließend aufrecht erhalten. Gibt mir zudem diese Reduktion, um_leerzeilt, nun einen Zeitraum, diesen mir für die Fragen auch zu nehmen.

... wie schon gesagt, für mich ist diese Sequenz vor allem inhaltlich sehr stimmig  / gerade in ihrer Herauswirkung zum Kontext. Ach ja, und die drei Fragezeichen ... auch die verweisen mir hier, geradezu unauffällig gut auf den einzelnen Fragewert, dürfte ich mir als Leser dafür die Zeit nehmen.


wieder ein Tschüss,  Frank ...


-


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Aranka
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BeitragVerfasst am: 08.06.2017 12:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Stimmgabel,

es ist ein richtig gutes Zeichen, wenn ein Leser auch Tage nach Abschluss des Wettbewerbs noch einmal zurückkommt in einen Text und einfach noch etwas für sich entdeckt hat oder einfach das Bedürfnis hat, noch einmal zu einer Textpassage Stellung zu nehmen.

Zitat:
*Für mich persönlich sehr rund und stimmig, gerade im um_Text. Erzählt sich der um_Text in fließender Breite, wird hier der Fragewert ohne Unschweife auf den Punkt gebracht, zumal mMn das (fehlende) Verb 'ist' hier auch redundant wäre,

umso mehr finde ich das angefügte 'der' in der ersten Zeile exzellent in Szene gesetzt, wird mMn dadurch elegant eine Aufzählung zweier Fragen (von F1 und F2, ohne Verb) gedanklich fließend aufrecht erhalten. Gibt mir zudem diese Reduktion, um_leerzeilt, nun einen Zeitraum, diesen mir für die Fragen auch zu nehmen.


Was du zu der zweiten Testpassage sagst, sei es zum Inhaltlichen oder Stilistischen, kann ich nur unterstreichen und entspricht absolut meiner Absicht. Deine Komplimente an den Text  erfreuen mich als Autor natürlich auch. Obwohl hier dem Text und seiner eigensinnigen und eigenmächtigen Mitwirkung sicherlich 50 % deiner Anmerkungen gehört.

Du kennst es sicher auch: man hat eine Idee und findet eine Zeile oder ein Wort, oder gar umgekehrt: man findet ein Wort, eine Zeile, und sie schenkt einem die Schreibidee, eine zweite Zeile gesellt sich dazu, man horcht in den Ton, überprüft den Rhythmus, und schon beginnt der Text sein Eigenleben, und das Spiel Autor Text hat längst begonnen: Worte, Reime, Rhythmen! Die Bälle fliegen hin und her! Wer führt hier wem die Feder?

 Und hier, bedingt durch die gesetzte Abgabefrist und die gestellten Vorgaben, entwickelte sich das Hin und Her zwischen Text und Schreiber recht rasant und die „Fragezeichen“ standen da, erst mal ohne mein Zutun. Erst in der Überarbeitungsphase, fielen mir die Dinger auf und ich staunte nicht schlecht, dass ich sie in einem bis dahin zeichenlosen Text gesetzt haben sollte und dass sie mir sogar passend erschienen.  Ich habe sie dann probeweise mal weggenommen und der „Pilger“ stand plötzlich nackt und klein da und ein wenig mit gesenktem Haupt. Dann habe ich ihn rasch wieder aufgerichtet und ihn die Fragen laut und selbstbewusst als solche aussprechen lassen.

In dieser Textpassage tritt der „Pilger“ (bisher Sammler) als ICH mit seinen Fragen deutlich heraus, macht sich gerade, zeigt sich für ganze drei Zeilen; danach beherrscht Wächter den Textraum. Das alles konnte ich durch die unauffällig auffallenden Fragezeichen (die hier fast wie Ausrufezeichen wirken) gut unterstreichen.

Dass du die Fragezeichen erwähnst, freut mich daher um so mehr, denn in einem sonst satzzeichenlosen Text haben die Dinger ja optisch eine immense Dominanz, also müssen sie eine Berechtigung haben. Zur Kennzeichnung der Frage brauchte ich sie nicht, da hätte das Fragewort gereicht.

Zitat:
*... wie schon gesagt, für mich ist diese Sequenz vor allem inhaltlich sehr stimmig  / gerade in ihrer Herauswirkung zum Kontext. Ach ja, und die drei Fragezeichen ... auch die verweisen mir hier, geradezu unauffällig gut auf den einzelnen Fragewert, dürfte ich mir als Leser dafür die Zeit nehmen.


Ja, der Leser im Text selbst Pilger, bleibt mit dem Pilger stehen, richtet sich auf und verweilt in den Fragen. Befragt den Ort nach seinem Berg, seinem brennenden Busch und sucht „sein Wort“.

Frank, war jetzt ganz schön für mich, noch mal kurz (zwischen Putzeimer und Backblech) in den Entstehungsprozess des Textes hinein zu spazieren und ein wenig zu plaudern.
Danke für deine detaillierten Einlassungen.

Für deinen lyrischen Post davor brauch ich noch Zeit, ihn zu verstehen.

Ein gutes Wochenende. Aranka


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albaa
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Beiträge: 139



BeitragVerfasst am: 08.06.2017 17:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nochmals,

Danke für dein ausführliches Eingehen auf meinen Eintrag (und auch die anderen), deine Antwort, die anderen Beiträge und deine Reaktion darauf, sind für mich Geschenke und das ist ehrlich gemeint! Danke!

Zitat:
Ja, der Leser im Text selbst Pilger, bleibt mit dem Pilger stehen, richtet sich auf und verweilt in den Fragen. Befragt den Ort nach seinem Berg, seinem brennenden Busch und sucht „sein Wort“.


Ich werde über meinen "Dornbusch" und mein Verben-Bedürfnis auch noch nachdenken wink.

Ja, und wenn sich so viele - so engagiert -  zu Wort melden, dann hat die Dichterin zweifellos sehr viel richtig gemacht!  

Das freut mich wirklich für Dich und die Leser!

Lieben Gruß
albaa
p.s. Den Titel mag ich immer noch nicht
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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 10.06.2017 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

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Hallo Aranka,

möchte ich nun zu deinem Titel "dein pulsschlag ist's der pilgert" einige kleine Gedanken [ also aus meiner tenk_Welt, hi hi ... ] erzählen.

Gleich vorab: lass dir hier im Faden, also auf meine mehreren Sprenkel, ganz gelassen Zeit [ zudem ich ja weiß, dass du momntan in der draußen_Wirklichkeit nun ganz andere kreative Ernsthaftigkeiten begehst und berührst, also das wirkliche Leben insbesondere tauscht Smile ]

Nun zum Titel:  dein pulsschlag ist's der pilgert

Ich finde ihn in seiner semantischen Absicht/Wirkung sehr gut gesetzt [ hält er kontextal vor allem das, was er auch verspricht ]; greift er in den Kontext hinein, greift hinüber  / eben, was der Text eigentlich will ...

zum einen jene Pilgerreise des Lesers [ des Lesezeichens ] im Kontext selbst,

andererseits jene Lesereise des draußen_Lesers, das WIE, sich diesem Text [ oder einem beliebig anderen ] zu nähern, also jene innere Pilgereise des hier_Textes gleichsam als äußere Entdeckungsreise zu verstehen, anzubedeuten. [ hi hi, hat schon was fein Selbstreferentielles auf der Ebene: wie komme ich zum eigentlichen Objekt der Begierde Smile ]

Eine Pilgerung, Pilgerwanderung, Pilgerreise ist ja in ihrerselbst das Erleben, eben sich auch, insbesondere aprior, auf das Unerwartete einzulassen [ trotz fernem Ziel ]. Passiert ja beim Pilgern genau das farbige Hip Hop [ meint man's ernst ], formt sich erst mit dem pilgern_Berühren der unvorhergesehenen Momente unterwegs jene Erwartung, die mehr und mehr, für dieses Mal, eine eigene, ganz eigenwillige Kontur erfährt. Das ist Pilgern in seiner Immanenz; alles andere letztlich nur Geplänkel seiner eigenen, vorgefertigten Meinung begegnen zu wollen, also das Übliche jener üblichen un_Kommunikationen auf dem Erdenrund [ ... das Interessante daran ist, dass dieser situative blind_Mechanismus im Moment tagtäglich und laufend passiert Wink , und mindestens jeden dann und wann ereilt, und immer wieder ... ].

Auf die Literatur übersetzt ist es also das Ding des sich Einlassens auf den fremden Text, das Fremde nicht nur zu entdecken vielmehr, genau dieses Fremde auch entdecken zu wollen ... wär's dann die Pilgerung in die Literatur hinein.

Nun zum Formalen des Titels: dein pulsschlag ist's der pilgert

hat er zwei betonungs_Teile, die den Kontext des Titels erst ausmachen. Zu lesen also:  dein pulsschlag ist's  / der pilgert; bekommt hier ein Personal einen Namen  / du / , genau jenes 'du', dass auch in seiner Eigentlichkeit pilgern will. ... wird umso mehr mit dem 'ist's' [ ein feiner Kunstgriff Smile ] darauf verwiesen, dass hier jenes 'du' mit einem pilgernden Pulsschlag gemeint ist,

mindest jenes pulsschlagende 'du', dass auch eigene Veränderungen aufgreifen will, ein Ohr für Veränderungen noch hat  / wie es gleichbedeutend im Text aufgegriffen wird:

 
leergutsammler
ziehen bahnen
im gras                      / der mond der keiner ist

der wächter ruft
tritt ein tritt ein
sei fisch sei stein       / nimm vom wald nur das grün das dich nicht kennt


--------------------------------------------------------------------------------------


Resümee:  ist's genau dieses ist's, das hier referentiell [ also sich bestimmt bezieht auf ] auf ein bestimmtes lesendes 'du' verweist, auf den Text verweist, was dieser will, eben dieses (noch) offene 'du' im Abbild des textalen 'du' zu kommunizieren.

                                               -----

Aranka, es war/ist mir wieder eine Freude im nach_weilenden Verbringen mit deinem Text immer mehr einzel_Spuren tiefer zu empfinden Smile , umso mehr möchte ich nochmal betonen, dass mir dein konzeptionell gebaut und umgesetzter (und klaro empathisierter) Textgedanke deutlich das highlight dieses Lyrik-WB's im Sinne einer Lyrik ist [ wie es schon soleatus trefflich sagte, ist dies eine Lyrik, die sich exzellent aus der Vorgabenklammer einerseits gelöst hat, für sich frei, immanent existiert, gleichsam sich auf dem Pfad der Vorgaben direktest bewegt ... Hach hach ....  / blieben mir, nur 12 Punkte zu vergeben ];

weiß mMn diese Lyrik Assoziatives in/an die Hand zu nehmen, braucht sie hier zu keiner Sekunde die breit_übliche Flucht ins geist_löchrige Schwurbeln, hi hi ... umso erfreulicher für mich, dass hier im Faden tatsächlich die Lyrik im Detail in den tenk/fühl_Mund genommen und kommuniziert wird Smile


.... komme bestimmt noch auf weitere einzel_Sprenkel hierher zurück ... haben ja             weil_Z   eeeeeiiiiii       t


wieder einen lieben Gruß, Stimmgabel ...


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Stimmgabel
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BeitragVerfasst am: 11.06.2017 12:35    Titel: Antworten mit Zitat

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dein pulsschlag ist's der pilgert


ein krähenlaut
ein klingelton
leergutsammler
ziehen bahnen
im gras der mond
der keiner ist

wo der berg? der
brennende busch?
wo das wort?

der wächter ruft
tritt ein tritt ein
sei fisch sei stein
nimm vom wald
nur das grün
das dich nicht kennt

am silbenband
schmilzt zeit



------------------------------------


Hallo Aranka,


nun noch paar Späne zu diesen Zeilen:

im gras der mond
der keiner ist

nimm vom wald
nur das grün
das dich nicht kennt

-------------------------------------

für mich wieder zwei feine Hinweise, hinter dem scheinbaren SchwarzaufWeiß [ bleibe ich jetzt mal bei der Literatur ] nicht nur die direkte Buchstabenebene zu sehen  / ist da auch immer hinter dem mond_beglommenen Gras ein Leben des Grases in seinerselbst versteckt;

hey Leser, schau auch mal zu jenem Waldgrün, das dir unbekannt [ das dich nicht kennt  / Hach, eine feine Umkehrung Smile ]


Gibt uns der Autor natürlich auch immer Doppelbilder zum aufpicken, die uns mitnehmen sollen ... vielleicht zur Idee des Textes hin, im besten Falle, vielleicht in unsere eigene Idee  / egal, hoffentlich mindest hinaus aus unserer festgezimmerten eigenen denk_Architektur, okay, falls wir es überhaupt zulassen Wink



Das war's auch schon für heute ... und buntig. Dir wieder einen belebenden Sonntag [ ich weiß, heute geht's bei dir nochmal heiß her Smile ], wieder ein fröhpfeifendes Tschüss  Frank ...


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