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NinaK
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 48
Beiträge: 41
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 06.03.2017 09:28    Titel: Dein Weg, meine Liebe eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neue Version »

Vielen Dank Euch allen für das warme Willkommen. Bevor ich Euch länger auf die Folter spanne, starte ich hier mit dem Beginn meines Romans "Dein Weg, meine Liebe". Mich würde interessieren, ob er Euch Lust macht weiterzulesen. Das Gesamtwerk hat im Moment 450 Seiten. Die Geschichte  und die handelnden Charaktere stehen, ich arbeite allerdings noch daran, bestimmte Szenen (weiter hinten) zu verdichten und hoffe, dass ich dann irgendwann auf ca 400 Seiten komme, was ich für eine Geschichte dieses Genres für angemessen halte.
Ich bin hier für jedes Feedback dankbar (auch Hinweise auf Kommafehler!).
Außerdem würde ich mich über Tipps freuen, wer hier im Forum ebenfalls in dieser Kategorie arbeitet.

Aber jetzt erstmal: Viel Spaß beim Lesen!
Eure Nina

_______________________________________________________  

Prolog

Graue Nässe hing seit Tagen zwischen Königstuhl und Heiligenberg im Neckartal fest. Die Sonne zeigte sich nur für wenige Stunden als milchige Scheibe, und die Dächer der Altstadt schienen die ganze Last des niedrigen Himmels zu tragen. Vom Balkon auf halber Höhe des Königstuhls grüßte ewig pittoresk die Schlossruine. Weiter unten spannte sich die Alte Brücke über den Fluss, der unter Nebelschwaden dahinkroch.

Vika schmiegte sich fester in Daniels Arme und inhalierte das Bild zusammen mit der kalten Luft. Gedanklich fügte sie es ihrem inneren Fotoalbum hinzu und notierte im Geiste: Heidelberg, 5. Dezember 2013. Immer noch verliebt, voller Angst und gleichzeitig der glücklichste Mensch der Welt.

Die Luft war erfüllt von winzigen Schneekristallen. Sie fielen nicht, sie tanzten kreuz und quer und verloren sich im Atem des jungen Paares. Ihre Körper glühten noch von der Hitze des raschen, übermütigen Aufstiegs, und Vika spürte das Kribbeln in ihrem ganzen Körper, als Daniels Hand über ihre Hüfte glitt.

»Und?«, flüsterte er, »hat es sich gelohnt, hier hoch zu kommen?«

Sie nickte. Jedes Bild, das sich identisch in ihrer beider Erinnerungen fügte, war Teil ihrer Liebes-DNA und in Vikas Augen jede Anstrengung wert.

»Es ist wunderschön«, sagte sie leise. Sie spürte seine Beine hinter ihren und seine Finger an der Stelle, wo ihr das T-Shirt aus der Jeans gerutscht war.

»Du bist wunderschön.« Mit der linken Hand fasste er die Haarsträhne, die vom Scheitelpunkt über ihrer Stirn bis weit über ihre rechte Schulter fiel und zog sie so vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife. Dem sachten Zug folgend drehte Vika sich zu ihm herum, und Daniel bettete sie fester in seiner Umarmung. Ihre Blicke fanden sich und dann ihre Münder. Sie küssten sich das Lächeln und die Worte von den Lippen, und Vika genoss jede köstliche Reaktion ihres Körpers auf ihren Liebsten. Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme.

»Ich liebe dich«, flüsterte er. Sein dunkles, feines Haar streifte ihre Wange, die tiefschwarzen Augen blickten ernst aus seinem schmalen, blassen Gesicht. Vika legte beide Arme auf seine Schultern und verschränkte sie in seinem Nacken.

»Ich liebe dich auch.« Sie küsste ihn wieder, schloss ihre Augen und spürte seine wunde Zunge in ihrem Mund. Sofort zog sie ihn näher, schlang die Arme mit aller Kraft um ihn und drückte sich so fest an ihn, dass er schwankte. »Du bist mein Leben.«

Er schwieg. Schließlich löste er die Umarmung und griff ihre Hand.
»Sie ist erstaunlich, meine Liebe für dich«, begann er, als sie auf dem Philosophenweg weiter westwärts liefen. »Sie wird immer größer, wird immer mehr zu etwas Eigenem, das ich kaum beeinflusse und noch weniger bestimme.«

»Wie meinst du das?«  

»Es ist schwer zu erklären. Meine Liebe für dich fühlt sich größer an, als jedes andere Gefühl zu dem ich jemals fähig war. Sie ist etwas Eigenes geworden, etwas, das in mir, aber auch außerhalb von mir existiert. Etwas, das mich erfüllt und mich umgibt.«

»Ein Lebewesen?«, fragte sie, den Blick abgewandt in dem Versuch, ihre Ratlosigkeit zu verbergen.

»Kein Lebewesen in herkömmlichem Sinne, aber doch etwas, das in der Lage wäre, auch ohne mich zu existieren. Weißt du, Vika…« Er blieb plötzlich stehen und fasste ihre beiden Hände. »Alles, was entsteht, verändert sich. Aber es verschwindet nicht. Wasser kann verdunsten, Feuer erlöschen. Es bleiben Wasserdampf und Wärmeenergie. Nichts geht verloren. Meine Liebe zu dir ist so groß. Sie wird nie verschwinden. Sie wäre immer noch da, selbst wenn ich es nicht mehr wäre.«

»Scht.« Sie drückte seine Hände, als könnte das seinen Redefluss stoppen. Zwischen ihren eigenen spürte sie die beiden schwachen Finger seiner Linken. Sein linkes Augenlid zuckte, und Vika senkte rasch den Blick. Sie wollte nicht, dass er fortfuhr, aber er tat es trotzdem.  

»Vika, ich würde dich noch über meinen Tod hinaus lieben. Ich möchte, dass du das weißt.«

Sie biss sich auf ihre Lippe und nickte viel zu hektisch.

»Du verstehst mich nicht.« Er klang resigniert.

»Doch. Deine Liebe würde weiterleben. In mir, und…«

»Nicht in dir. Du hast deine eigene Liebe. Meine Liebe würde dich wiederfinden.«

Vika nickte wieder. Sie konnte seinen Gedanken nicht folgen, schlimmer noch, sie hatte Angst, sich auf sie einzulassen. Stattdessen wagte sie ein halbherziges Lächeln und hoffte, er würde es als schelmisch interpretieren.
»Und wie würde sie aussehen, deine Liebe?«

»Aussehen? Wie soll Liebe schon aussehen?« Er klang wie ein Nachhilfelehrer, dessen Schülerin schon wieder an den Grundrechenarten scheitert. Dann lächelte er plötzlich. »Meine Liebe würde natürlich anders aussehen als alles, was du zuvor gesehen hast. Sie hätte Flügel, viele kleine, transparente Flügel.«

Das Lächeln auf seinem Gesicht verbreiterte sich, als er Vikas Hände losließ und mit seinen kleine Propellerbewegungen neben seinen Schultern machte. Das sah so drollig aus, dass auch Vika lachen musste.

»Los, komm, lass uns weiter hinaufsteigen zu Thingstätte, Klosterruine, Aussichtsturm. Wann, wenn nicht heute?«, schlug er vor.  

»Bist du sicher? Geht es dir auch gut?«

»Aber natürlich.« Er schnappte ihre Hand, und schon zog er sie mit sich, auf dem Weg zum Gipfel.

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Kätzchen
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 28
Beiträge: 712
Wohnort: Katzenkörbchen


BeitragVerfasst am: 06.03.2017 13:04    Titel: Antworten mit Zitat

Oh Gott, ich WOHNE DORT Laughing

Ähm ja, hallo erstmal, Nina!

Sorry, ich habe nur so selten Geschichten in diesem Raum gelesen und dann plötzlich kommt Heidelberg und der Königsstuhl und ich sitze hier, 20 Autominuten entfernt. Naja ich weiß, uninteressant - also auf gehts zum Text!

Ich fange einfach mal querbeet an, ich bin mir sicher, andere haben besseres zu meckern, weil das hier so gar nicht mein Genre ist!

Zitat:
Die Luft war erfüllt von winzigen Schneekristallen. Sie fielen nicht, sie tanzten kreuz und quer und verloren sich im Atem des jungen Paares. Ihre Körper glühten noch von der Hitze des raschen, übermütigen Aufstiegs, und Vika spürte das Kribbeln in ihrem ganzen Körper, als Daniels Hand über ihre Hüfte glitt.


Anhand deiner ersten Beschreibung, hatte ich mehr so einen Nordisches-Wetter-Bild im Kopf. Ja, davor steht Dezember, ich weiß. Ich würde die Schneeflöckchen allerdings noch vor der Erwähnung des Datums bringen, in der ersten Landschaftsbeschreibung, weil zumindest mein Kopf sich auf heidelbergisches Schmuddelwetter eingestellt hatte und der Schnee mich dann komplett raus riss.

Zitat:
Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme.


Bisher kommt mir die Erzählung relativ personal vor, aus Vikas Sicht. Sie denkt, sie reagiert, etc. Würde sie selbst ihre Situation/Liebe also auch als Seifenblase bezeichnen? Irgendwie klingt hier ein auktorialer Erzähler durch, der weiß, dass es eine Blase ist. Wenn Vika das auch so sieht, solltest du einen kurzen Gedanken nachschieben, wieso sie es so empfindet. Ansonsten wirkt es irgendwie aus dem Fluss gerissen, eher wie ein Kommentar. Ein kleiner  Hinweis würde etwas Klarheit schaffen!
 
Zitat:
spürte seine wunde Zunge in ihrem Mund


Da musste ich hüsteln. So viel muss man erst mal knutschen, dass die Zunge wund wird. Kurz fragte ich mich, ob er sie womöglich an einer Herdplatte verbrannt hat Laughing

Wobei, man riecht ja ein bisschen durch, dass es Daniel wohl nicht ganz gut geht? Dass er womöglich krank ist? Ich denke, die Andeutungen reichen eigentlich aus, dennoch fehlt mir hier ein bisschen... hmmmm ... ein bisschen mehr Vika, fürchte ich. Ihre Gedanken sind so vage wie die Andeutungen, dabei würde ich mir wünschen, ein kleines bisschen mehr zu erfahren. Ich muss einfach zu viel Eigeninterpretation leisten, ich weiß nicht, ob das gewollt ist.

Vielleicht noch ganz allgemein zum Text:
Dein Schreibstil gefällt mir gut. Also mir persönlich ist das alles ein bisschen zu (bitte sieh das Wort nicht so böse!) kitschig, auch wenn die Dialoge gar nicht unrealistisch sind. Aber mal von mir abgesehen, darf das in diesem Genre wohl so sein, wenn man über Liebe und Leben schreibt. Jedenfalls passt dein Stil zum Inhalt und ließt sich wie diese Bücherreihen, die immer mit überaus maskulinen Männern und heißen Frauen bedruckt sind! (Ja, sowas habe ich auch gelesen...)
Und ich meine das nicht negativ Cool

Im Gegenteil, mir scheint dein Stil gefestigt, wenn es noch hapert, dann an Logik und einer Prise mehr show-don't-tell.
Wobei ich mich hüte dir Tipps hierzu zu geben, denn das hier ist wirklich nicht mein Wohlfühlbereich. Trotzdem hab ichs irgendwie gern gelesen, es scheint mir Hand und Fuß zu haben. Zum größten Teil
 Laughing

LG
Katze


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Betze
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 29
Beiträge: 9
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 06.03.2017 13:54    Titel: Re: Dein Weg, meine Liebe Antworten mit Zitat

Hallo Nina,

ich bin wohl bemerkt gar nicht in diesem Genre zu Hause und finde die Dialoge auch etwas kitschig, aber das - und alles folgende - ist ja nur meine persönliche Einschätzung Wink und ein bisschen Kitsch gehört wohl auch dazu und zugegeben, diese Dialoge sind auch realistisch.

Lesen lässt sich das alles gut und auch dein Stil ist angenehm.
Die Anmerkungen, die ich habe, sind mir beim Lesen so eingefallen.

Zitat:

Vika schmiegte sich fester in Daniels Arme und inhalierte (Das Wort ist mir als erstes etwas aufgestoßen, da es zu wissenschaftlich in dem Kontext klingt. "Atmen" ist zwar nicht so besonders, aber passt, finde ich, besser) das Bild zusammen mit der kalten Luft. Gedanklich fügte sie es ihrem inneren Fotoalbum hinzu und notierte im Geiste: Heidelberg, 5. Dezember 2013. Immer noch verliebt, voller Angst und gleichzeitig der glücklichste Mensch der Welt. (Den Teil mag ich)

Die Luft war erfüllt von winzigen Schneekristallen. (Wie Kätzchen anmerkte, würde ich die Schneeflocken eher einbauen. Irgendwie baut sich da auch ein Kontrast in meinem Kopf auf und hätte mir bis zu diesem Satz das Wetter anders vorgestellt) Sie fielen nicht (Eigentlich fallen sie ja schon, nur nicht so schnell. Ich hätte direkt mit dem Tanzen begonnen), sie tanzten kreuz und quer und verloren sich im Atem des jungen Paares.

[...]

Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme. (Ich finde das Wort "Seifenblase" eigentlich ganz passend, da im Kontext irgendwie unterschwellig klar wird, dass hier etwas nicht stimmt und dies Vika auch klar ist)

»Ich liebe dich«, flüsterte er. Sein dunkles, feines Haar streifte ihre Wange, die tiefschwarzen Augen (Sind die Augen wirklich tiefschwarz?) blickten ernst aus seinem schmalen, blassen Gesicht. Vika legte beide Arme auf seine Schultern und verschränkte sie in seinem Nacken.

»Ich liebe dich auch.« Sie küsste ihn wieder, schloss ihre Augen und spürte seine wunde Zunge ("Wund" finde ich an dieser Stelle komisch) in ihrem Mund. Sofort zog sie ihn näher, schlang die Arme mit aller Kraft um ihn und drückte sich so fest an ihn, dass er schwankte. »Du bist mein Leben.«

[...]

»Alles, was entsteht, verändert sich. Aber es verschwindet nicht. Wasser kann verdunsten, Feuer erlöschen. Es bleiben Wasserdampf und Wärmeenergie. (Warum nicht nur "Wärme"? Klingt wieder so wissenschaftlich. Energieerhaltungsgesetz) Nichts geht verloren. Meine Liebe zu dir ist so groß. Sie wird nie verschwinden. Sie wäre immer noch da, selbst wenn ich es nicht mehr wäre.«


Das Ende mochte ich auch, da endlich die Ernsthaftigkeit aussetzt zwischen den beiden und man Vika anmerkt, dass sie sich schwertut. Dem vorherigen Kitsch wird dann hier Rinhalt geboten, sodass es nicht zu viel wird. Find ich gut.
Es wird bis hierher dann klar, dass hier eine starke Verliebtheit vorherrscht zwischen den beiden mit einer schweren Last im Hintergrund, die noch nicht aufgeklärt wurde. Für den Einstieg gut.

Wenn mir noch mehr einfällt, komm ich drauf zurück. Das waren jetzt die ersten Gedanken Rolling Eyes

Christian
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MariaLS
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 57
Beiträge: 153
Wohnort: Wien


BeitragVerfasst am: 06.03.2017 21:54    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Nina!

Ja, das ist auch mein Genre  und Jugendbücher.  Ich mag deine Geschichte, der Anfang hat mich in dieses Schmuddelwetter entführt. Und ich bin heilfroh, dass bald der Frühling so richtig da sein wird.


_______________________________________________________



Zitat:
Graue Nässe hing seit Tagen zwischen Königstuhl und Heiligenberg im Neckartal fest. Die Sonne zeigte sich nur für wenige Stunden als milchige Scheibe, und die Dächer der Altstadt schienen die ganze Last des niedrigen Himmels zu tragen. Vom Balkon auf halber Höhe des Königstuhls grüßte ewig pittoresk die Schlossruine. Weiter unten spannte sich die Alte Brücke über den Fluss, der unter Nebelschwaden dahinkroch.


Der Einstieg gefällt mir gut, er ist unter Umständen aber ein bisschen überladen. Worauf könntest du in diesem Teil verzichten? Vielleicht ist die Erwähnung der Sonne gar nicht notwendig.

Zitat:
Vika schmiegte sich fester in Daniels Arme und inhalierte das Bild zusammen mit der kalten Luft. Gedanklich fügte sie es ihrem inneren Fotoalbum hinzu und notierte im Geiste: Heidelberg, 5. Dezember 2013. Immer noch verliebt, voller Angst und gleichzeitig der glücklichste Mensch der Welt.


Ich würde das Inhalieren auch weg lassen und damit das innere Fotoalbum, das wirklich stark ist, mehr in den Vordergrund holen.

Zitat:
Sie nickte. Jedes Bild, das sich identisch in ihrer beider Erinnerungen fügte, war Teil ihrer Liebes-DNA und in Vikas Augen jede Anstrengung wert.

Da kommt zwei Mal jede bzw. jedes vor.  

Jeans? Sagt man nicht Jean? Also ich sage Jean.


Zitat:
Sein dunkles, feines Haar streifte ihre Wange, die tiefschwarzen Augen blickten ernst aus seinem schmalen, blassen Gesicht.


Ich würde an dieser Stelle einmal die Adjektive ein bisschen reduzieren. Zum Beispiel die tiefschwarzen Augen. Wieder die Frage, worauf du verzichten könntest.

Zitat:
Vika nickte wieder. Sie konnte seinen Gedanken nicht folgen, schlimmer noch, sie hatte Angst, sich auf sie einzulassen. Stattdessen wagte sie ein halbherziges Lächeln und hoffte, er würde es als schelmisch interpretieren.
»Und wie würde sie aussehen, deine Liebe?«


Das ginge in jedem Fall kürzer. Dass Vika mit seinen Worten in einer Weise überfordert ist, klingt ja schon früher durch.  Das halbherzige Lächeln würde ich so stehen lassen, die erhoffte Interpretation streichen. Die Frage ist auch, wenn jemandes Gedanken nicht folgen kann, kann ich überhaupt Angst haben, mich darauf einzulassen? Vielleicht wollte sie seinen Gedanken nicht folgen? Wäre in diesem Fall mE treffender.

Zitat:
Er klang wie ein Nachhilfelehrer, dessen Schülerin schon wieder an den Grundrechenarten scheitert.


Würde ich weglassen. Oberlehrerhaft würde es auch beschreiben.

Zitat:
Sie biss sich auf ihre Lippe und nickte viel zu hektisch.


Lass das ihre weg, es ist ganz klar, dass sie sich auf die eigene Lippe beißt. Und auch das viel zu würde ich streichen. Hektisch sagt ohnehin schon viel aus.


Liebe Nina, ich hoffe du kannst mit meinen Ideen etwas anfangen. Ob kitschig oder nicht? Ich habe das Buch: Ein ganzes halbes Jahr verschlungen. Klar, es ist kitschig, aber das ist okay.


_________________
Träume haben und Ziele setzen
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Terhoven
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 337



BeitragVerfasst am: 06.03.2017 22:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nina,

ja, mich würde es auch interessieren, wie die Geschichte weitergeht. Auch ich hab das Gefühl bekommen, dass der Mann eine Krankheit hat. Und da das hier der Prolog ist, fürchte ich fast, dass er in der nächsten Szene schon nicht mehr da ist.

Die "wunde Zunge" hat mich auch ziemlich irritiert, hat er sie wegen seiner Krankheit?


Hier passt die Kleidung nicht zur Jahreszeit:
Zitat:
seine Finger an der Stelle, wo ihr das T-Shirt aus der Jeans gerutscht war.

Die müssten doch dick eingepackt sein, wenn das Wetter so winterlich ist.


Hier hatte ich kurz das Gefühl, dass es ein Science Fiction Roman ist:
Zitat:
Jedes Bild, das sich identisch in ihrer beider Erinnerungen fügte, war Teil ihrer Liebes-DNA

Ist es einer? Also ich fände das gut.


Diese Stelle hier:
Zitat:
»Du bist wunderschön.« Mit der linken Hand fasste er die Haarsträhne, die vom Scheitelpunkt über ihrer Stirn bis weit über ihre rechte Schulter fiel und zog sie so vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife. Dem sachten Zug folgend drehte Vika sich zu ihm herum, und Daniel bettete sie fester in seiner Umarmung. Ihre Blicke fanden sich und dann ihre Münder. Sie küssten sich das Lächeln und die Worte von den Lippen, und Vika genoss jede köstliche Reaktion ihres Körpers auf ihren Liebsten.

kam mir irgendwie sehr technisch vor, außerdem dachte ich, au weia, gleich haben die Sex in der Kälte.


Dass er anfängt zu philosophieren, als sie in den Philosophenweg einbiegen, das fand ich witzig. Allerdings wurde er mir ein wenig unsympathisch, weil er so lehrerhaft daherkam.
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NinaK
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 48
Beiträge: 41
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 08.03.2017 22:16    Titel: Den Punkt getroffen! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ihr lieben Kritiker und Kritikerinnen,
das ist mein erster Text in diesem Forum, und ich muss sagen, Ihr vier habt mich bereits begeistert. Ihr habt genau die Art von Anmerkungen gemacht, die ich mir gewünscht hatte - das steigert jetzt natürlich meine Erwartungshaltung an das Kommende!

Nassgraues Schmuddelwetter und dann plötzlich Schnee, wunde Zunge, hitzige Körper kurz vorm Sex, Adjektivfeuerwerk, Wortwiederholungen - das sind genau die Korrekturen, die ich brauche, bzw. die der Text braucht, um gut zu werden. Ich habe ja schon so lange daran herumgebastelt, dass ich meine Bilder ganz genau im Kopf habe und beim Lesen selbst gar nicht mehr merke, dass ich den/die Leser/in nicht mitnehme bzw. auf einen falschen Weg führe.

@Katze Ich bin begeistert, dass Du in der Nähe von Heidelberg wohnst! Ich hoffe, Du bleibst mir als Leserin erhalten. Trotz Kitschalarm.

@Betze Danke für den Hinweis auf das Energieerhaltungsgesetz. Diese Analogie ist durchaus gewollt.

@MariaLS Danke, dass Du eine Lanze für den (gemäßigten) Kitsch brichst! Ich habe in den letzten 15 Monaten so derartig viele Romane dieses Genres verschlungen, und wenn das Thema eben ist, dass zwei sich finden, dann kann das immer auch leicht in den Kitsch abdriften. Ich bemühe mich, stilistisch nicht in Klischees zu verfallen (Lippen wie Rosenblätter etc), und hoffe, dass man es mir ansonsten nachsieht.

Zitat:
Jeans? Sagt man nicht Jean? Also ich sage Jean.


Das scheint mir ein Austriazismus zu sein.

@Terhoven Nein, es ist kein Sci-Fi-Roman.

Ich poste gleich mal die überarbeitete Version.
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NinaK
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 48
Beiträge: 41
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 08.03.2017 22:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Prolog

Grauer Frost hing seit Tagen zwischen Königstuhl und Heiligenberg im Neckartal fest, und die vereisten Dächer der Altstadt schienen die ganze Last des niedrigen Himmels zu tragen. Vom Balkon auf halber Höhe des Königstuhls grüßte ewig pittoresk die Schlossruine. Weiter unten spannte sich die Alte Brücke über den Fluss, der unter Nebelschwaden dahinkroch.
 
Vika schmiegte sich fester in Daniels Arme und nahm das Bild der winterlichen Stadt ganz in sich auf. Gedanklich fügte sie es ihrem inneren Fotoalbum hinzu und notierte im Geiste: Heidelberg, 5. Dezember 2013. Immer noch verliebt, voller Angst und gleichzeitig der glücklichste Mensch der Welt.

Die Luft war erfüllt von winzigen Schneekristallen. Sie tanzten kreuz und quer und verloren sich im Atem der beiden Verliebten. Ihre Körper glühten noch von der Hitze des raschen, übermütigen Aufstiegs, und Vika spürte das Kribbeln in ihrem ganzen Körper, als Daniels Hand über ihre Hüfte glitt.

»Und?«, flüsterte er, »hat es sich gelohnt, hier hoch zu kommen?«

Sie nickte. Jedes Bild, das sich identisch in ihrer beider Erinnerungen fügte, war Teil ihrer Liebes-DNA und in Vikas Augen seine Anstrengung wert.

»Es ist wunderschön«, sagte sie leise. Sie spürte seine Beine hinter ihren und seine Finger an der Stelle, wo ihr unter der Winterjacke das T-Shirt aus der Jeans gerutscht war.

»Du bist wunderschön.« Er fasste eine Haarsträhne, die über ihre rechte Schulter fiel und zog sie vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife. Dem sachten Zug folgend drehte Vika sich zu ihm herum, und Daniel bettete sie fester in seiner Umarmung. Ihre Blicke fanden sich und dann ihre Münder. Sie küssten sich das Lächeln und die Worte von den Lippen, und Vika genoss die köstliche Nähe ihres Liebsten. Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme.

»Ich liebe dich«, flüsterte er. Sein feines Haar streifte ihre Wange, die tiefschwarzen Augen blickten ernst aus seinem blassen Gesicht. Vika legte beide Arme auf seine Schultern und verschränkte sie in seinem Nacken.

»Ich liebe dich auch.« Sie küsste ihn wieder, schloss ihre Augen und spürte seine lädierte Zunge in ihrem Mund. Sofort zog sie ihn näher, schlang die Arme mit aller Kraft um ihn und drückte sich so fest an ihn, dass er schwankte. »Du bist mein Leben.«

Er schwieg. Schließlich löste er die Umarmung und griff ihre Hand.
»Sie ist erstaunlich, meine Liebe für dich«, begann er, als sie auf dem Philosophenweg weiter westwärts liefen. »Sie wird immer größer, wird immer mehr zu etwas Eigenem, das ich kaum beeinflusse und noch weniger bestimme.«

»Wie meinst du das?«  

»Es ist schwer zu erklären. Meine Liebe für dich fühlt sich größer an, als jedes andere Gefühl zu dem ich jemals fähig war. Sie ist etwas Eigenes geworden, etwas, das in mir, aber auch außerhalb von mir existiert. Etwas, das mich erfüllt und mich umgibt.«

»Ein Lebewesen?«, fragte sie, den Blick abgewandt in dem Versuch, ihre Ratlosigkeit zu verbergen.

»Kein Lebewesen in herkömmlichem Sinne, aber doch etwas, das in der Lage wäre, auch ohne mich zu existieren. Weißt du, Vika…« Er blieb plötzlich stehen und fasste ihre beiden Hände. »Alles, was entsteht, verändert sich. Aber es verschwindet nicht. Wasser kann verdunsten, Feuer erlöschen. Es bleiben Wasserdampf und Wärmeenergie. Nichts geht verloren. Meine Liebe zu dir ist so groß. Sie wird nie verschwinden. Sie wäre immer noch da, selbst wenn ich es nicht mehr wäre.«

»Scht.« Sie drückte seine Hände, als könnte das seinen Redefluss stoppen. Zwischen ihren eigenen spürte sie die beiden schwachen Finger seiner Linken. Sein linkes Augenlid zuckte, und Vika senkte rasch den Blick. Sie wollte nicht, dass er fortfuhr, aber er tat es trotzdem.  

»Vika, ich würde dich noch über meinen Tod hinaus lieben. Ich möchte, dass du das weißt.«

Sie biss sich auf die Lippe und nickte hektisch.

»Du verstehst mich nicht.« Er klang resigniert.

»Doch. Deine Liebe würde weiterleben. In mir, und…«

»Nicht in dir. Du hast deine eigene Liebe. Meine Liebe würde dich wiederfinden.«

Vika nickte wieder. Sie konnte seinen Gedanken nicht folgen, schlimmer noch, sie hatte Angst, sich auf sie einzulassen. Stattdessen wagte sie ein halbherziges Lächeln und hoffte, er würde es als schelmisch interpretieren.
»Und wie würde sie aussehen, deine Liebe?«

»Aussehen? Wie soll Liebe schon aussehen?« Er klang wie ein Nachhilfelehrer, dessen Schülerin schon wieder an den Grundrechenarten scheitert. Dann lächelte er plötzlich. »Meine Liebe würde natürlich anders aussehen als alles, was du zuvor gesehen hast. Sie hätte Flügel, viele kleine, transparente Flügel.«

Das Lächeln auf seinem Gesicht verbreiterte sich, als er Vikas Hände losließ und mit seinen kleine Propellerbewegungen neben seinen Schultern machte. Das sah so drollig aus, dass auch Vika lachen musste.

»Los, komm, lass uns weiter hinaufsteigen zu Thingstätte, Klosterruine, Aussichtsturm. Wann, wenn nicht heute?«, schlug er vor.  

»Bist du sicher? Geht es dir auch gut?«

»Aber natürlich.« Er schnappte ihre Hand, und schon zog er sie mit sich, auf dem Weg zum Gipfel.
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BeitragVerfasst am: 12.03.2017 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nina,

ich kann mir schwer vorstellen, dass es heute noch eine große Leserschaft für derartige Romane geben wird. Mich erinnert der Text zu sehr an frühere Groschenromane in ihrem überaus kitschigen Stil.

Ein verliebtes Paar ist also auf einer kleinen Wanderung unterwegs und führt dabei Dialoge wie diesen:
Zitat:
»Sie ist erstaunlich, meine Liebe für dich«, begann er, als sie auf dem Philosophenweg weiter westwärts liefen. »Sie wird immer größer, wird immer mehr zu etwas Eigenem, das ich kaum beeinflusse und noch weniger bestimme.«

Solche Formulierungen wirken auf mich unfreiwillig komisch, ebenso wie diese hier:
Zitat:
Sie küssten sich das Lächeln und die Worte von den Lippen, und Vika genoss die köstliche Nähe ihres Liebsten. Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme.

Abgesehen von einigen dieser gestelzten Sätze finde ich Deinen Schreibstil nicht besonders geschliffen.
- Du arbeitest mit zu vielen Füllwörtern wie noch
- Du beginnst etliche Nebensätze mit als
Zitat:
als sie auf dem Philosophenweg weiter westwärts liefen
als könnte das seinen Redefluss stoppen
als öffnete er eine Schleife
als Daniels Hand über ihre Hüfte glitt.
als er Vikas Hände losließ

Was mich am meisten stört, sind die vielen „und“, wie z. B. in diesem Absatz.
Zitat:
»Du bist wunderschön.« Er fasste eine Haarsträhne, die über ihre rechte Schulter fiel und zog sie vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife. Dem sachten Zug folgend drehte Vika sich zu ihm herum, und Daniel bettete sie fester in seiner Umarmung. Ihre Blicke fanden sich und dann ihre Münder. Sie küssten sich das Lächeln und die Worte von den Lippen, und Vika genoss die köstliche Nähe ihres Liebsten. Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme.

Ich würde hier lieber öfter mal einen neuen Satz beginnen.

Darüber hinaus wirkst Du bei der Kommasetzung etwas unsicher wie hier:
Zitat:
Er fasste eine Haarsträhne, die über ihre rechte Schulter fiel Komma und zog sie vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife.
Meine Liebe für dich fühlt sich größer an, kein Komma als jedes andere Gefühl Komma zu dem ich jemals fähig war.

Ich habe nur die überarbeitete Version gelesen. Alles in allem: Ich kann damit nicht viel anfangen und würde nicht weiterlesen wollen.

Beste Grüße
Catinka
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NinaK
Geschlecht:weiblichSchreiberassi

Alter: 48
Beiträge: 41
Wohnort: Düsseldorf


BeitragVerfasst am: 16.03.2017 20:00    Titel: Kitsch und Kommas pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo catinka,
vielen Dank für Deine Auseinandersetzung mit meinem Text.
Zitat:

- Du arbeitest mit zu vielen Füllwörtern wie noch
- Du beginnst etliche Nebensätze mit als

Da hast Du Recht, ich habe mir das noch mal angesehen und konnte manches eliminieren.

Zitat:
Was mich am meisten stört, sind die vielen „und“, wie z. B. in diesem Absatz.
Zitat:
»Du bist wunderschön.« Er fasste eine Haarsträhne, die über ihre rechte Schulter fiel und zog sie vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife. Dem sachten Zug folgend drehte Vika sich zu ihm herum, und Daniel bettete sie fester in seiner Umarmung. Ihre Blicke fanden sich und dann ihre Münder. Sie küssten sich das Lächeln und die Worte von den Lippen, und Vika genoss die köstliche Nähe ihres Liebsten. Die Seifenblase, in der sie seit acht Wochen lebten, war groß, intakt und gefüllt mit pulsierender Wärme.

Ich würde hier lieber öfter mal einen neuen Satz beginnen.


Ja, stimmt. Habe ich (im Manuskript) geändert.

Zitat:
Darüber hinaus wirkst Du bei der Kommasetzung etwas unsicher wie hier:
Zitat:
Er fasste eine Haarsträhne, die über ihre rechte Schulter fiel Komma und zog sie vorsichtig nach links, als öffnete er eine Schleife.
Meine Liebe für dich fühlt sich größer an, kein Komma als jedes andere Gefühl Komma zu dem ich jemals fähig war.


Das war wohl weniger Unsicherheit als vielmehr Schlamperei nach dem Umbau dieser Passage. Embarassed

Die Einordnung des Romans in die Kategorie "früher Groschenroman" teile ich nicht, halte sie auch für etwas verwegen/verfrüht, nachdem ich hier gerade nur den Prolog gepostet habe. Ich verstehe, dass der Kitschfaktor für manche Leser/innen nicht attraktiv ist - für andere aber wiederum schon. Der Prolog ist der erste Einstieg in die Geschichte. Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Versionen geschrieben und bin im Moment der Meinung, dass diese hier am besten funktioniert. Sollte am Ende dieser Diskussion hier im Forum herauskommen, dass dem nicht so ist, schreibe ich eine neue. Wink

Viele Grüße Nina
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Kätzchen
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 28
Beiträge: 712
Wohnort: Katzenkörbchen


BeitragVerfasst am: 17.03.2017 08:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Nina!

Zitat:
Die Einordnung des Romans in die Kategorie "früher Groschenroman" teile ich nicht, halte sie auch für etwas verwegen/verfrüht, nachdem ich hier gerade nur den Prolog gepostet habe. Ich verstehe, dass der Kitschfaktor für manche Leser/innen nicht attraktiv ist - für andere aber wiederum schon.


Ich kenne echt viele "anonyme Kitschleser" und ich meine das auf gar keinen Fall negativ. Kitsch ist für mich z.B. nur eine Bezeichnung, ein Hauch einer gewissen Richtung und verdammt, ich steh auch auf Kitsch und SchiSchi (schreibt man das so? Laughing ).
Also was ich damit sagen wollte: Ich glaube, dass die Leserschaft zu Romanen, wie dem deinen, durchaus vorhanden ist und ich persönlich finde, dein Stil passt richtig gut in diese "Richtung". Ich würde es lesen, bei einer schönen Tasse Tee, in eine Decke gewickelt, wenn mich mal wieder die Romantik packt.

Keine Ahnung, wieso das so verschrien ist. Selbst im Bücherladen stehen viele Frauen mit ihren Erotikbüchern/Liebesromanen da und schauen ganz scheu links und rechts, ob auch jaaaa niemand zusieht, weil es ja soooo kitschig ist.
Ich marschiere da immer recht resolut durch die Reihen, frei nach dem Motto: Platz da, ich muss jetzt meinen neuen Liebesroman verschlingen!
 Laughing
Ich würde mich davon auch nicht unterkriegen und abschrecken lassen, allein die Dunkelziffer ist gigantisch. Wenn es schön geschrieben ist und sich inhaltlich die Waage gibt, sehe ich wenig Probleme. Ganz im Gegenteil, es ist gar nicht so einfach, ein gutes Buch in diesem Bereich zu finden!

Also bleib schön dran! Wink

LG
Katze


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NinaK
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BeitragVerfasst am: 17.03.2017 09:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen, Kätzchen!

Danke für Deine Worte! Wenn Du mir als Leserin abspringen würdest, das würde mich schon hart treffen. Ich brauche Dich doch als "Kritikerin vor Ort". Wink

Und was den Kitsch angeht, sehe ich das genauso. In eine Decke gekuschelt bei einer Tasse Tee lese ich auch so allerhand, was nicht in die Kategorie der höheren Literatur fällt. Wobei Groschenromane eher nicht so meins sind. Da sind Plot und Sprache so derartig flach, dass ich keinen rechten Lesegenuss empfinde.

Mit meinem Werkchen hier ist es auch eher so, dass es nicht die klassische Romanze ist. Als ich vor vier Jahren erstmals mit Freunden über die Story sprach, war der Tenor eher: Puh, da musst Du aufpassen, dass Du die Leute nicht mit Komplexität erschlägst und in Tragik ertränkst.

Genug geteasert! Am Wochenende stelle ich die nächsten Seiten rein. Smile
Einen schönen Freitag wünscht
Nina
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NinaK
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017 00:11    Titel: 1. Kapitel (I) pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
wie angekündigt geht es nun mit meinem Roman "Dein Weg, meine Liebe" los bzw. weiter. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich mit den Regeln hier vertraut zu machen. Ich hoffe, diese Darreichungsform ist angenehm. Das komplette erste Kapitel hat 22 Seiten, deshalb ist dieser Textabschnitt hier kein richtiger Sinnabschnitt. Ich hoffe, ihr kommt trotzdem damit zurecht.
Was mich interessiert: Wie kommt ihr rein in den Text? Was denkt ihr über Vika als Protagonistin?
Ich freue mich auf Euer Feedback.
Nina
_____________________________________________   

1. Kapitel

Vika (Vier Wochen später)

Das »O’Reilly’s« hat gerade erst seit einer halben Stunde geöffnet, und nur wenige Besucher verteilen sich in dem weitläufigen Gastraum des Irish Pub. Vika sitzt an dem kleinen Tisch neben der Karaoke-Bühne, vor ihr ein Gedenk-Guiness, das durch die blauen Gläser ihrer Sonnenbrille so dunkel aussieht wie die Wolke finsterer Gedanken über ihrem Kopf. Wie masochistisch musste man sein, zu glauben, ein Besuch im »O’Reilly’s« würde es besser machen?

Drei Monate und vier Tage ist es her, dass sie Daniel hier kennengelernt hat. Sie war mit den drei M’s, ihren Freundinnen Mel, Magda und Marina, zur Karaoke-Nacht gekommen und hatte nach einige Margaritas bereitwillig ihre Interpretation von »I will survive« und »Hallelujah« zum Besten gegeben. Der Alkohol und der dröhnende Applaus ließen sie schweben, und dann war plötzlich Daniel an ihrem Tisch aufgetaucht. Das glatte, dunkle Haar schmiegte sich von beiden Seiten an den Rand seiner runden Brille, zeichnete die kantigen Wangen weich und zog sein schmales Gesicht noch mehr in die Länge. Seine Lippen formten ein Lächeln, das Vika für schüchtern hielt, bis sie in seine Augen sah. Noch nie hatte sie so dunkle Augen gesehen. Pupille und Iris schienen eine Einheit zu bilden, und der Blick kam aus einer Tiefe, die Vika anzog und gleichzeitig erschaudern ließ.

»Du bist so schön, dass es schmerzt, dich anzusehen«, sagte er. »Noch mehr allerdings würde es schmerzen, diese Welt zu verlassen, ohne deine Stimme meine Lieder singen zu hören.«

Mel war die erste, die reagierte. Das Lachen platzte aus ihr heraus, wie Federn aus einem zu prall gestopften Kissen.

»Das soll wohl ein Witz sein? Frag sie in 50 Jahren noch mal, John Lennon.«

Aber Daniel sah nicht aus, als hätte er Mel auch nur gehört. Sein Blick blieb auf Vika gerichtet, und seine schlanke, blasse Gestalt trat in den Hintergrund, während sich seine Präsenz vor ihr entrollte wie die Landkarte eines noch unentdeckten Kontinents. Vika spürte, wie ihr Innerstes zu schwingen begann. Wer war er? Plattenproduzent? Talentscout einer zweifelhaften Casting-Show aus der baden-württembergischen Provinz? Einfach nur ein Aufreißer?  

»Wenn sie gut sind«, antwortete sie schließlich in dem Versuch, sich einen Fluchtweg offen zu halten, der in Wahrheit gar nicht existierte. Sie waren füreinander bestimmt, das wusste Vika intuitiv, und in Gedanken versprach sie ihm bereits, ihr Leben mit ihm zu verbringen. Bis, dass der Tod uns scheidet, schien kein Versprechen mehr zu sein, über das sie länger als einen Sekundenbruchteil nachdenken musste. Daniel war der Eine.
Heute weiß sie: Das Gefühl hatte sie nicht getrogen, aber der Tod schon nach drei Monaten geschieden.

Mit zitternden Händen hebt Vika das Guiness-Glas an ihre Lippen, nimmt einen Schluck und muss sofort würgen. Warum kann sie nicht genießen, was Daniel genossen hat? Warum kann sie sich ihm nicht einmal hier nahe fühlen? Wo ist seine Liebe, die, von der er sagte, sie sei so groß, dass sie seinen Tod überdauern würde? Sie spürt die Tränen unter ihrer Sonnenbrille hervorquellen und zieht eine Papierserviette aus dem Spender, um sie aufzufangen. Sie hat ihn so sehr geliebt! Durch ihn hat sie überhaupt verstanden, was es hieß zu lieben. Sie waren verbunden, keine Minute war seit ihrer ersten Begegnung vergangen, in der sie nicht seine wärmende Präsenz in ihrem Leben gespürt hatte. Dann, vor fünf Tagen, war alles vorbei gewesen.

Es war wieder ein Karaokeabend, wieder mit den drei M’s, aber ohne Daniel, der in ihrer Wohnung bleiben wollte. Als sie gegen ein Uhr nachts mit dem Taxi zurückgekommen war, war er weg gewesen. Seine Sachen waren noch da. Das obligatorische Whiskeyglas mit Hagebuttentee stand noch neben ihrem Bett. Daniel hatte keine Nachricht hinterlassen. Sein Notizbuch, dessen Seiten er Tag für Tag auf Englisch, Französisch, Arabisch und Russisch füllte, und in das er früher am Abend noch geschrieben hatte, war nirgends zu sehen. Daniels Abwesenheit hatte Vika überrascht. Aber die Panik war erst gekommen, als sie merkte, dass sie ihn nicht mehr spürte. Seine Präsenz war verschwunden, und die Leere war gewaltiger als sie ertragen konnte. Daniel war ein Jahr älter als sie. Er war also schon immer da gewesen, ihr ganzes Leben lang. Sie hatte ihn zwar erst vor drei Monaten kennengelernt, aber sie war sich sicher, dass sie insgeheim immer schon gewusst hatte, dass es dort draußen in der Welt die zweite Hälfte gab, nach der sie sich so sehr sehnte. Jetzt war sie weg, und nichts würde sie je wieder zusammenbringen.

Sie rief auf seinem Handy an, immer wieder, und ging auf Spurensuche in ihrer Wohnung. Wohin war er gegangen? Wann? Warum? Wenn er keine Nachricht hinterlassen hatte, musste er gedacht haben, vor ihr wieder zurück zu sein. Warum kam er dann nicht?

Die Zeit wälzte sich dahin, ein zäher Fluss Ungewissheit, lähmend und beängstigend. Vika verfluchte die Blase, in der sie elf Wochen lang gelebt hatten. Sie hätte gern jemanden aus seinem Umfeld angerufen, Eltern, Geschwister, den besten Freund. Aber er hatte keine Namen genannt und sie niemandem vorgestellt. Jede freie Stunde hatten sie miteinander verbracht. Nur miteinander. Nach Stunden vergeblichen Wartens, rief Vika Mel an. Sie klang verschlafen und gereizt.

»Immer wenn es um Daniel geht, reagierst du vollkommen überspannt. Männer brauchen auch mal ihre Freiräume. Geh schlafen, Vika.«

Aber ich spüre ihn nicht mehr, das muss etwas bedeuten!, wollte sie rufen. Aber ihre Freundin hatte schon aufgelegt. Die Nacht wurde zum Tag, der Tag wieder zur Nacht, der Morgen zum Mittag. Dann kam der Anruf von der Polizei.

»Viktoria Kreutzberg? Es geht um Daniel Artopé. Er hatte Ihre Nummer auf einer Plastiktüte notiert, die wir im Auto gefunden haben. Wissen Sie, ob er regelmäßig Medikamente genommen hat? Oder Drogen?«

Ihr Atem setzte aus, sie hatte zwei Tage nichts gegessen, und ihr wurde schwindelig. Was wusste sie über Daniel, nachdem sie drei Monate mit ihm zusammen war?

»Nein«, stieß sie hervor, »nein, ich weiß es nicht. Was ist mit ihm?«

Der Polizist stutzte, als überraschte ihn ihre Frage.

»Er ist mit dem Auto in den Neckar gestürzt. Er hat nicht überlebt.«

»Sind Sie sicher?« In einem letzten Versuch, die Wahrheit aufzuhalten, entwischte die Frage ihren bebenden Lippen. Am anderen Ende raschelte Papier.

»Der Leichnam liegt seit gestern beim Bestatter. Bitte wenden Sie sich für Details zur Beerdigung an seine nächsten Angehörigen.«

Vika zitterte so stark, dass ihr das Telefon aus der Hand rutschte, während sich der Moment in ihre Biografie gravierte: Im Alter von 24 Jahren verlor sie die Liebe. Vor Vikas Augen zerkrümelte ihre Zukunft wie die Windschutzscheibe eines Autos, das sich beim Sturz in den Neckar mehrfach überschlägt.

Die Erinnerung lässt sie aufschluchzen. Das Guiness schwappt über ihre Hand, und die Tränen strömen unter der lächerlichen Sonnenbrille hervor. Als die Kellnerin an ihren Tisch tritt und fragt, ob sie noch einen Wunsch hat, springt sie vom Stuhl auf und eilt die Treppe hinunter zu den Toiletten. Ja! Sie hat einen Wunsch! Sie will Daniel zurück! Ihr Leben! Ihre Liebe! Warum musste er sterben? Warum hatten sie nur so wenig Zeit? Warum hat sie jetzt das Gefühl, sie hätten diese Zeit falsch genutzt? Wo ist Daniels Liebe? Die mit den Flügeln oder was auch immer? Warum findet sie sie nicht?

Sie knallt die Toilettentür hinter sich zu und drückt die Stirn an die geflieste Wand. Was für eine bescheuerte Idee, hierher zu kommen! Frustriert lässt sie sich auf die Toilette sinken. Statt kontrollierter Offenheit für ein Zeichen von Daniel also unkontrolliertes Heulen auf der bebrillten Sanitärkeramik des nicht wirklich stillen Örtchens des »O’Reilly’s«.
Der Laden füllt sich, und Grüppchen junger Frauen drängen nach unten, um sich nach einem Tag in den Hörsälen für den Abend zurechtzumachen. Vika wartet eine gefühlte Ewigkeit auf der Toilette bis sie wieder allein hier unten ist. Als sie endlich bereit ist, ihr Gesicht am Waschbecken zu restaurieren, poltert eine junge Frau mit strubbeligem, türkis-rot-schwarzen Pferdeschwanz und einem Dutzend Piercings in Nase und Ohrmuscheln herein. Vikas rotäugiges Erschrecken lässt sie stutzen.

»Alles okay mit dir?«, fragt sie nicht eben einfühlsam, und Vika spürt, wie der Ärger in ihr hochkocht. Wonach sieht es denn aus? Sieht es wirklich nach okay aus? Einen Teufel wird sie tun, das Papageienmädel mit Höflichkeitslügen zu entlassen.

»Nein«, antwortet sie schlicht. »Mein Verlobter ist gestorben.«

»Oh. Hier?« Die Bunthaarige dreht sich tatsächlich um, als erwarte sie jeden Augenblick eine Leiche aus der WC-Kabine fallen zu sehen.

»Nein, letzte Woche.« Und noch ehe sich die andere versieht, fasst Vika ihr den Artikel aus der »Rhein-Neckar-Zeitung« über den »tragischen Unfall auf der Bundesstraße zwischen Neckargemünd und Heidelberg« zusammen. »Die Leitplanke war durch einen früheren LKW-Unfall beschädigt. Er brach durch die provisorische Absperrung und stürzte in den Neckar. Wir waren nicht wirklich verlobt, aber er war mein Mann fürs Leben… Ich kann immer noch nicht glauben, dass er tot ist...«

Die andere starrt sie an wie ein nicht eben kleines, exotisches Insekt, unschlüssig, ob sie davonlaufen, es zertreten oder lieber eingehender untersuchen sollte. Der Handtuchspender zieht surrend den feuchten Teil des Tuches ein.

»Das überfordert mich gerade etwas«, sagt sie schließlich. »Mein Vater ist gestorben, als ich zwölf war. Krebs. Ich kann damit nicht gut, mit Tod und so. Aber hast du dir schon mal überlegt, was mit Radio zu machen? Deine Stimme… hat was.«

Sie durchwühlt ihre Umhängetasche bis sie eine Plastikkarte mit dem Logo des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zutage fördert.

»Das ist meine Visitenkarte und gleichzeitig ein USB-Stick. Neben den Hauptsendern machen wir auch Internetradio. Hör es Dir einfach mal an, und wenn du Lust hast einzusteigen, melde dich. Wir suchen immer wieder Nachwuchsmoderatoren.«

Vika starrt auf die Karte. Jazza M. steht dort, dazu eine E-Mail-Adresse und zwei Telefonnummern. Vika fragt sich, ob diese Begegnung ein Zeichen ist. Ein Zeichen von Daniel, der ihre Stimme liebte und immer überzeugt davon gewesen war, dass Vika eines Tages ihren Lebensunterhalt damit verdienen würde. Sie hatte nur gelacht. Beim Karaoke stand sie gern auf der Bühne, aber sie konnte sich nicht vorstellen, das Singen und all das laute Marketing, das damit zusammenhing, zu ihrem Job zu machen.

Darüber, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, mit der eigenen Stimme Geld zu verdienen, hat sie nie ernsthaft nachgedacht.

»Also, wenn du mal in Mannheim bist…« Jazza tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, kein Wunder, sie hatte bestimmt andere Gründe, den Waschraum aufzusuchen, als Nachwuchsmoderatoren zu rekrutieren. (...)

12Wie es weitergeht »

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NinaK
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BeitragVerfasst am: 19.03.2017 00:25    Titel: 1. Kapitel (II) pdf-Datei Antworten mit Zitat

In den folgenden Wochen ist Vika täglich in Mannheim, wenn auch weniger wegen Jazza.

Daniels plötzlicher Tod hat sie stärker aus der Bahn geworfen, als sie anfangs wahrhaben wollte. Zu Trauer und Schmerz gesellen sich Schuldgefühle, die sie nicht einmal vor sich selbst in Worte fassen kann, und die doch jede Minute des Tages in einen Alptraum verwandeln, aus dem es kein Erwachen gibt. Hätte sie Daniel retten können? Würde er noch leben, wenn sie sich nicht in ihrer Blase eingeschlossen, sondern sich die Mühe gemacht hätten, auch das Umfeld des jeweils anderen kennenzulernen? Aber nichts und niemand schien Daniel wichtig genug zu sein, um Vika bekannt zu machen.

Vika hatte erst in den Tagen nach seinem Tod erfahren, was es bedeutete, dass niemand von ihrer Liebe gewusst hatte. Erst hatte sie überhaupt nur durch Zufall von dem Unfall erfahren, dann hatte Daniels Vater, den sie mühsam über die Telefonauskunft ermittelt hatte, ihr in rüdem Tonfall zu verstehen gegeben, dass die Beerdigung im engsten Familienkreis stattfinden würde, an einem Ort, der sie nichts anging. Was für eine Stalkerin kam schon auf die Idee, plötzlich zu behaupten, sie wäre Daniels Freundin gewesen? Ohne je seine Familie kennengelernt zu haben? Er empfahl ihr, darüber nachzudenken. Und Vika dachte nach. Unfähig zu irgendeiner Handlung saß sie in ihrer Wohnung und grübelte und wartete und grübelte. Sie spürte weder Hunger, noch Durst, spülte nur hin und wieder eine Aspirin mit etwas Wasser hinunter. Die tröstenden Worte ihrer Eltern erreichten sie nicht. Ihre Freundinnen schienen sich ein Visum für ein anderes Sonnensystem besorgt zu haben. Die Teller von ihrem letzten Abendessen standen noch auf dem Tisch, Reste in Töpfen und Pfanne noch auf dem Herd. Im Bett lagen Stifte, Daniels Gitarre, daneben, auf dem Fußboden, das unberührte Glas mit Hagebuttentee. Vika saß da und grübelte darüber nach, ob es ihr Versäumnis sein konnte, Daniels Familie nicht kennengelernt zu haben. Derweil bildete sich schimmliger Flausch auf dem Gemüse und über den Fleischresten schwirrten grünschillernde Fliegen. Vika wusste, dass sie die Sachen wegwerfen musste. Daniel würde nicht mehr wiederkommen, aber das Leben ging weiter. Ihr Leben. Sie musste die Essensreste wegwerfen und das Geschirr abwaschen. Aber sie schaffte es nicht. Sie streckte die Hand aus, um das Whiskeyglas mit Daniels geliebtem Hagebuttentee aufzuheben, aber es war unmöglich.

Schließlich riss das Telefon sie aus ihrer Starre. Aus dem Hörer vernahm sie das Schluchzen einer Frau, dann ihre Worte: »Sie haben es gewusst. Sie haben es gewusst und trotzdem haben Sie ihn allein gelassen. Sie hätten uns anrufen müssen! Wir sind seine Eltern! Sie hätten uns informieren müssen! Sie hätten ihn zum Arzt bringen müssen! Wie konnten Sie behaupten, ihn zu lieben, wenn Sie sich nicht um ihn gekümmert haben? Sie haben unsere Familie zerstört…«

Das Schluchzen schwoll an, dann wurde die Verbindung unterbrochen. Vika hatte unkontrolliert zu zittern begonnen. An das Danach erinnert sie sich nur noch vage. Schließlich hatte sie eine Tasche gepackt, war nach Mannheim gefahren und hatte sich im »ZI«, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, vorgestellt.

»Guten Tag. Mein Verlobter ist gestorben. Seitdem fühlt sich mein Leben nicht mehr an wie mein Leben. Ich tue Dinge, die nicht zu mir passen und unterlasse andere, die ich vernünftigerweise tun sollte. Bitte schicken Sie mich nicht weg.«

Sich stationär aufnehmen zu lassen, um sich unter professioneller Aufsicht mit dem auseinanderzusetzen, was sie so aus der Bahn warf, ist für Vika eine ebenso naheliegende, wie vernünftige Lösung. Umgeben von Experten wird sie eine Strategie entwickeln, Trauer, Schmerz und Schuldgefühle zu bewältigen. Ohne den Druck von Eltern, Nachbarinnen, Freunden und den Lehrkräften am Institut für Politische Wissenschaft, die alle ganz genau zu wissen schienen, wie man über den Tod eines Menschen hinweg kommt, den man gerade erst drei Monate gekannt hat.

Die ängstlichen Gesichter ihrer Eltern, die nicht fassen können, dass sie ihre Tochter tatsächlich in der Psychiatrie besuchen, sieht sie als weiteren Beweis ihrer gutmeinenden Unterschätzung.

Seit Vika vor dreiundzwanzig Jahren in der neunundzwanzigsten Schwangerschaftswoche geboren wurde, haben ihre Eltern nie aufgehört, in ihr das zarte, zerbrechliche Geschöpf zu sehen, das mit nur einer funktionierenden Niere wochenlang zwischen Leben und Tod schwebte und dessen Überleben sie letztlich auf die Errungenschaften moderner Medizin und ihre eigene Fürsorge zurückführten. Dass die kleine Viktoria dem traditionell seit Generationen weitergereichten Namen alle Ehre machte und mit eigenem Kampfgeist als Siegerin ins Leben startete, kam ihnen nie in den Sinn.  

Im ›ZI‹ nutzt Vika das Therapie- und Gesprächsangebot, in den ersten Tage als Patientin der psychiatrischen Station, danach in der Tagesklinik. Zunächst täglich, dann drei- und schließlich zweimal die Woche fährt sie nach Mannheim, um, unterstützt von erfahrenen Fachkräften, sichernde Drahtseile in das Dickicht permanenter Verzweiflung zu flechten.

Vika lernt, sich neue Strukturen und Routinen zu schaffen, die sie durch den Tag bringen. Sie fängt wieder an morgens zu laufen und abends zu kochen, und da sie in diesem Wintersemester ohnehin keine Credit Points mehr sammeln wird, beschließt sie, Jazza wegen des Nachwuchsprogramms ihres Senders zu kontaktieren. Vikas Sorge, der Paradiesvogel könnte sie bereits vergessen haben, ist unbegründet, und als sie sich eines Mittags nach Vikas Therapie im Funkhaus treffen, ist Jazza bereit, Vika einige Einblicke in die Arbeit am Mikrofon zu geben.

Über Tod und Trauer reden sie nicht mehr. Jazza weiß, dass Vika vor oder nach ihren Moderationsübungen zur Therapie geht, und sieht daher keine Veranlassung, das Thema ebenfalls zu besprechen. Lieber konzentriert sie sich darauf, Vika mit kleinen Rechercheaufgaben zu beschäftigen oder sie mit ihrer Geschicklichkeit am Schnittpult zu beeindrucken. Nur hin und wieder, wenn sie Presseunterlagen sichten, fragt sie Vika, ob ihr nicht dieser oder jener Sänger, Schauspieler, Umweltaktivist gefallen würde, und wenn Vika kopfschüttelnd die Augen verdreht, wagt sie die Hypothese, dass Vika im »ZI« ein Auge auf einen »leckeren Typ mit Dachschaden« geworfen hat. Anfangs hatten solche Bemerkungen Vika einen Stich versetzt, aber inzwischen lacht sie darüber und widmet sich wieder der Aufnahme eines alten Nachrichtentextes oder der Korrektur eines Textes, den Jazza »unaussprechlich« findet.    

An einem Dienstagnachmittag Mitte Februar, knapp sechs Wochen nach Daniels Tod, verlässt Vika zum vorerst letzten Mal das »ZI«.
In der Luft mischen sich die innenstädtischen Abgase mit dem süßlichen Geruch der Ölmühle, den der Ostwind von der Friesenheimer Insel herüberweht. Nach einigen milden Tagen Ende Januar ist es noch einmal kalt geworden. Vika schlägt mit einer Hand ihren Kragen hoch, gräbt die andere in ihre Tasche und läuft über das mit Schneeplacken versetzte Pflaster Richtung Straßenbahnhaltestelle. In der Innentasche ihrer Winterjacke spürt sie das Flugticket, das sie in knapp fünfzig Stunden benutzen wird. Es scheint ihren Brustkorb vibrieren zu lassen, aber nein, das ist ihr Handy.    

»Wie geht es dir? Bist du draußen?« Weder der Wind, noch die löchrige Funkverbindung können die Besorgnis aus der Stimme ihrer Mutter radieren.

»Ja, es geht mir gut«, beeilt sie sich zu versichern. »Ich bin auf dem Weg zur Straßenbahn.«

»Da sind wir aber froh.« Die Erleichterung weht förmlich aus dem Endgerät, und Vika rollt die Augen. Als wenn Dr. Günther sie nach dem erfolgreichen Abschluss der Akuttherapie gegen ihren Willen im »ZI« behalten würde. Eine Psychiatrie besteht nicht nur aus der geschlossenen Abteilung. Dass ihre Mutter aufatmet, als wäre eine Einweisung eine realistische Alternative zu ihrer Entlassung gewesen, ärgert sie.

»Und die Reise? Muss die wirklich sein?«, fragt sie als nächstes.

»Ja, Mama. Ich habe auch schon das Flugticket.«

»Ausgerechnet nach Japan. Hätte es nicht Sylt sein können? Oder Ibiza?«

Vika beißt sich auf die Lippe. Nein, sie wird ihrer Mutter jetzt nicht erzählen, dass sie ihre Entscheidung für Japan rein intuitiv getroffen hat. In der zweiten Nacht nach Daniels Unfall hatte sie im Traum mit ihm am Strand einer verlassenen Insel gesessen. Ein hölzernes Boot ohne Ruder lag vor ihnen im Sand. Sie sahen aufs Meer hinaus, ein sturmgepeitschtes Meer ohne Farben, und Daniel bestand darauf, dass sie das Boot bestieg, um zum Festland aufzubrechen. Ohne Worte sprach er zu ihr, und ebenso wortlos schleuderte sie ihm ihre Weigerung entgegen. Selbst wenn sie das Boot mit ihrem Willen steuern konnte, wie er behauptete, selbst wenn das Festland Farben hatte, exotisch geschwungene Dächer und Torbogen, warum sollte sie sich durch den Sturm aufmachen? Warum ihren Liebsten in einer farblosen Welt zurücklassen? Daniel sah sie nicht an. Er wirkte abwesend, unbeteiligt, als ginge ihre Entscheidung ihn nichts mehr an. Schon beim Aufwachen hatte sie gewusst, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als Kraft ihres Willens das Meer der Trauer zu überqueren, wenn sie eines Tages wieder Farben in ihrem Leben wollte. Das rote Tor hatte sie auf einem Foto in dem Reisebüro gesehen, in dem sie schließlich das Flugticket kaufte. Es hatte sich richtig angefühlt.

»Aber warum gerade jetzt? Bist du sicher, dass jetzt der richtige Zeitpunkt…?«

Wieder verdreht sie die Augen. »Mama! Darf ich das selbst entscheiden? Es ist mein Leben.« Bevor ihre Mutter mit dem Hinweis aufwarten kann, dass es ihr Geld ist, fügt sie schnell hinzu: »Dr. Günther jedenfalls hat keine Bedenken.« Es widerstrebt ihr, dieses Argument anzuführen, aber ihre Mutter scheint beruhigt.

»Ist das iPad angekommen?«

»Mama, ich war den ganzen Tag unterwegs und bin jetzt auf dem Weg zum Sender. Welches iPad überhaupt?«

Ein drittes Mal geht ihr Blick Richtung Wolkendecke. Sollten ihre Eltern ihr tatsächlich ein Tablet gekauft haben, damit sie ihnen auch vom anderen Ende der Welt regelmäßig Fotos und Nachrichten schicken kann, die sie davon überzeugen, dass es ihrer Tochter gut geht? Hatte nicht Dr. Günther im Einzelgespräch mit ihren Eltern das Thema Abnabelung zur Sprache gebracht? Ihre Mutter klingt plötzlich beschäftigt.

»Papa lässt ebenfalls grüßen«, spult sie ihre übliche Verabschiedung runter.

»Ich ruf euch später noch mal an«, verspricht Vika ebenso routiniert.

Als die Straßenbahn einfährt, lassen schon die beschlagenen Scheiben auf Überfüllung schließen. Im Radio hatten sie von Streik gesprochen, insofern hat Vika noch Glück. Zusammen mit mehreren fülligen Kopftuchträgerinnen drängt sie sich in die Bahn. An der nächsten Haltestelle steigt niemand aus, trotzdem öffnet sich die Tür. Draußen im Graupelschauer steht eine Rollstuhlfahrerin. Schlecht gelaunt fordert sie den Mann neben Vika auf, Platz zu machen, aber der wirft nur einen kurzen Blick über die Schulter. »Hier ist voll«, bemerkt er achselzuckend. Die Frau draußen schimpft, die Tür schließt, und die Bahn fährt ab. Vika greift nach der Haltestange.

Im Foyer des Sendestudios Mannheim-Ludwigshafen meldet sich Vika am Empfang.

»Zu Jazza, bitte.« Sie sagt Tschässa, wie jeder hier. Von der weichen, pseudo-französischen Aussprache hat sie sich gleich bei ihrem ersten Studiobesuch verabschiedet.

»Sie ist auf Sendung«, lässt die Empfangsdame sie wissen, »aber du kannst hochgehen. Du weiß ja, worauf du achten musst.«

Vika nickt und wendet sich zum Aufzug. Oben bleibt sie direkt vor dem Panoramafenster des Studios stehen, über dem die rote Lampe MIKRO EIN leuchtet. Jazza sitzt am Tisch hinter der Monitormauer des Studios, die schwarzen Kopfhörer über das paradiesvogelbunte Haar gestülpt, die Lippen dem Mikrofon zugeneigt, wie einem willigen Liebhaber. Wer Jazza  zum ersten Mal sieht, ahnt nicht, wie gut sie am Mikro ist. Erst wer die Augen schließt, bekommt eine Vorstellung. Ihre Stimme, die über Lautsprecher in den Vorraum übertragen wird, spricht vom Wetter und leitet elegant zu den Leiden obdachloser Jugendlicher über. Ihr Blick springt zwischen zwei Monitoren, ihre Finger ziehen Regler hoch und lassen die Maus über die blaue, geräuschhemmende Tischunterlage flitzen. Jazza ist so konzentriert, dass sie Vika nicht bemerkt. Im nächsten Moment wird der Beitrag über Resozialisierungsprojekte für obdachlose Minderjährige in Ludwigshafen eingespielt. Kaum erlischt die rote Lampe, blickt sie auf und winkt Vika herein.  

»Hey«, grüßt sie. Jazzas Augen leuchten in dem gleichen intensiven Hellblau wie Vikas Smartphone, wenn es eine neue WhatsApp-Nachricht empfängt. Grinsend streckt sie sich Vika zur Begrüßungsumarmung entgegen. »Willkommen in deinem neuen Leben.«

Vika quittiert Jazzas Unverblümtheit mit einem finsteren Blick.

»Mein Leben ist nicht neu.« (...)

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BeitragVerfasst am: 20.03.2017 09:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Nina!

Gleich mal vorweg sorry, dass es nicht so ausführlich wird, aber ich habe momentan wenig Zeit für haarkleine Textkritik. Ein paar Anmerkungen wollte ich dir beim Lesen trotzdem da lassen Wink

Erstmal, dein Stil gefällt mir noch immer!
Mir ist nur aufgefallen, dass du einige Male "Vika" durch "Sie" tauschen könntest, einfach weil es mehr Nähe schafft. Manchmal zoomst du ganz nah an Vika ran, lässt ihre Gedanken sprechen und dann - plötzlich - zoomst du abrupt wieder raus.

Zitat:
Daniels plötzlicher Tod hat sie stärker aus der Bahn geworfen, als sie anfangs wahrhaben wollte. Zu Trauer und Schmerz gesellen sich Schuldgefühle, die sie nicht einmal vor sich selbst in Worte fassen kann, und die doch jede Minute des Tages in einen Alptraum verwandeln, aus dem es kein Erwachen gibt. Hätte sie Daniel retten können? Würde er noch leben, wenn sie sich nicht in ihrer Blase eingeschlossen, sondern sich die Mühe gemacht hätten, auch das Umfeld des jeweils anderen kennenzulernen? Aber nichts und niemand schien Daniel wichtig genug zu sein, um Vika bekannt zu machen.


Hier zum Beispiel. Wenn du Vika durch "Sie" ersetzt, ließt es sich besser, finde ich. Das kommt öfter mal vor, als in diesem Beispiel!


Es ist gut, dass du das ZI einmal "ausschreibst", denn als Nicht-Mannheimer hat man sonst wenig Ahnung, was das ist (so wie ich, als ich hergezogen bin Laughing )

Bei der Erwähnung des Geruchs musste ich schmunzeln. Ich weiß nicht, ob du hier in der Nähe wohnst/gewohnt hast oder nur recherchiert hast, jedenfalls ist die Ölmühle geruchsbezüglich die geringste Pest in der Stadt. Meistens riecht man sie gar nicht so sehr.
Was man allerdings riecht und wozu es nur zwei Meinungen gibt ("bäh!" und "mmhh!") ist die Schokoladenfabrik ADM Schoking. Alle paar Tage ist die ganze Stadtluft voll von dem Geruch und egal wenn man auf der Straße schnüffeln sieht, sie heben die Nase gen Himmel und meinen: "Scheiß Schokofabrik schon wieder!"

Das hatte ich als Mannheimer eher erwartet, als die Ölmühle. Musst du natürlich nicht ändern, ist nur so eine Anmerkung. Ist mir nach sechs Jahren täglich Mannheim einfach aufgefallen.

LG
Katze


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NinaK
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BeitragVerfasst am: 28.03.2017 18:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Katze!
Schön, dass Du noch dabei bist. Smile
Und danke für das kleine Feedback. Es muss ja nicht immer eine komplette Textanalyse sein. In diesem Fall bin ich besonders froh, weil sich ansonsten niemand zu Wort meldet und ich mich schon frage, ob ich die Leute mit der Textmenge erschlagen habe oder ob sie einfach mehr Zeit brauchen.
Ich persönlich finde das Lesen der Texte hier über das Forum ziemlich anstrengend. Die Zeilen sind so furchtbar lang, das macht es doch recht mühselig. Ich war schon manchmal versucht, mir Texte auszudrucken.

Aber gut. Danke für die Anregung mit dem Zoomen. Da muss ich selbst noch mal gucken. Bei dem von Dir genannten Beispiel bin ich mir just unsicher, ob es ein "sie" tatsächlich besser machen würde oder ob man sich dann nicht fragt, welche sie (die Leute, die Freundin?). Mir fällt im Moment aber auch keine Alternative ein.

Die Schokina hatte ich natürlich auch im Kopf. Kurioserweise wäre der Abschnitt damit aber ganz anders geworden. Das liegt schlicht daran, dass die überwiegende Mehrheit der weiblichen Bevölkerung mit Schokoladengeruch erstmal etwas Leckeres assoziiert. Mit der Erwähnung von Schokoduft kommt sofort eine Stimmung von Weihnachtsmarkt auf, die man nur wegbekommt, indem man deutlich erklärt, dass Schokolade in der Produktion nicht unbedingt lecker riecht. Das hätte an der Stelle aber zu weit geführt.
Daher lieber die Ölmühle. Wink

Viele Grüße
Nina
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BeitragVerfasst am: 01.04.2017 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Nina,

Ich habe einen Textteil von dir angeschaut und Kommentare zu Einzelheiten geschrieben (siehe unten). Ich hoffe, das ist so in Ordnung. Übrigens bist du sprachlich sicher, machst so gut wie gar keine Rechtschreib- (außer Guinness mit einem statt zwei N) und kaum Kommafehler. Mir gefällt auch deine Sprache; sie bietet kraftvolle Bilder und ist anschaulich.

Nachher gehe ich noch weg, fahre morgen ins Ausland, wo ich bis in den Mai hinein bleiben werde. Könnte also dauern, bis ich den nächsten Teil lesen und eine Rückmeldung an dich schicken kann. Kommt darauf an, wie das in nächster Zeit mit Internet-Anschluss aussieht.

Aber vielleicht bist du ja ganz froh, wenn du nicht so bald von mir hörst.

LG
Peter

1. Kapitel

Vika (Vier Wochen später)

Das »O’Reilly’s« hat gerade erst seit einer halben Stunde geöffnet, und nur wenige Besucher verteilen sich in dem weitläufigen Gastraum des Irish Pub. Vika sitzt an dem kleinen Tisch neben der Karaoke-Bühne, vor ihr ein Gedenk-(Guiness) Guinness, das durch die blauen Gläser ihrer Sonnenbrille so dunkel aussieht wie die Wolke finsterer Gedanken über ihrem Kopf. Wie masochistisch musste man sein, zu glauben, ein Besuch im »O’Reilly’s« würde es besser machen?

Wer sieht >die Wolke finsterer Gedanken über ihrem Kopf<? Hier trittst du aus der personalen Erzählperspektive heraus und beschreibst aus der Sicht eines außen stehenden Erzählers. Willst du das?

Drei Monate und vier Tage ist es her, dass sie Daniel hier kennengelernt hat. Sie war mit den drei M’s, ihren Freundinnen Mel, Magda und Marina, zur Karaoke-Nacht gekommen und hatte (nach einige) nach einigen Margaritas bereitwillig ihre Interpretation von »I will survive« und »Hallelujah« zum Besten gegeben. Der Alkohol und der dröhnende Applaus ließen sie schweben, und dann war plötzlich Daniel an ihrem Tisch aufgetaucht. Das glatte, dunkle Haar schmiegte sich von beiden Seiten an den Rand seiner runden Brille, zeichnete die kantigen Wangen weich und zog sein schmales Gesicht noch mehr in die Länge.

Hat eine Brille mit runden Gläsern nur zwei Seiten? Gibt es außer links und rechts nicht auch noch wenigstens links oben und rechts oben, z.B. wenn er eine Art Pony hat oder eine Strähne quer über die Stirn gekämmt ist? Und du meinst doch eine Brille mit runden Gläsern oder meinst du wirklich eine runde Brille, d.h. eine Brille, die als Brille rund ist? Ich kann mir von Haar und Brille Daniels kein Bild machen. Würde dir übrigens etwas fehlen, wenn „von beiden Seiten“ ganz wegbliebe?  

Seine Lippen formten ein Lächeln, das Vika für schüchtern hielt, bis sie in seine Augen sah. Noch nie hatte sie so dunkle Augen gesehen. Pupille und Iris schienen eine Einheit zu bilden, und der Blick kam aus einer Tiefe, die Vika anzog und gleichzeitig erschaudern ließ.
   
Ich würde sagen `auf seinen Lippen zeigte sich ein Lächeln´, `auf seine Lippen trat ein Lächeln´, `auf seinen Lippen erschien ein Lächeln´ oder was auch immer, nur: „seine Lippen formten …“ scheint mir nicht zu passen.
 
Das Verb „erschaudern“ gehört zum gehobenen Stil, so wie `Haupt´(statt Kopf), sonst schreibst du in Normalsprache. Gibt es einen Grund für den Wechsel der Stilschicht?


»Du bist so schön, dass es schmerzt, dich anzusehen«, sagte er. »Noch mehr allerdings würde es schmerzen, diese Welt zu verlassen, ohne deine Stimme meine Lieder singen zu hören.«

Mel war die erste, die reagierte. Das Lachen platzte aus ihr heraus, wie Federn aus einem zu prall gestopften Kissen.

Der Ausdruck „Das Lachen platzte aus ihr heraus“ ist anschaulich und gut gewählt, doch verdirbst du die Stelle mit dem Folgenden, denn ein Lachen HÖRT man, die Federn aus einem zu prall gestopften Kissen hört ein Mensch wohl nur wenig oder gar nicht. Das Bild ist schief.  

»Das soll wohl ein Witz sein? Frag sie in 50 Jahren noch mal, John Lennon.«

Aber Daniel sah nicht aus, als hätte er Mel auch nur gehört. Sein Blick blieb auf Vika gerichtet, und seine schlanke, blasse Gestalt trat in den Hintergrund, während sich seine Präsenz vor ihr entrollte wie die Landkarte eines noch unentdeckten Kontinents. Vika spürte, wie ihr Innerstes zu schwingen begann. Wer war er? Plattenproduzent? Talentscout einer zweifelhaften Casting-Show aus der baden-württembergischen Provinz? Einfach nur ein Aufreißer?

Der Ausdruck „seine schlanke, blasse Gestalt“ geht nicht. Erstens ist Daniel vermutlich angezogen und man sieht seinen Körper nicht. Zweitens wäre auch beim nackten Daniel nicht die Gestalt blass, sondern die Haut. Die „blasse Gestalt trat in den Hintergrund“ könnte man höchstens im übertragenen Sinn sagen, wenn man eine „blasse Figur“ meint, d.h. eine Person, die vom Autor nur oberflächlich beschrieben ist oder kein eigenes Profil, keine markanten Charakterzüge hat.

Der Vergleich „während sich seine Präsenz vor ihr entrollte wie die Landkarte eines noch unentdeckten Kontinents“ mag nicht jedermanns Geschmack entsprechen, ist aber auf jeden Fall eigenwillig und ungewöhnlich, eine originelle Schöpfung.  

»Wenn sie gut sind«, antwortete sie schließlich in dem Versuch, sich einen Fluchtweg offen zu halten, der in Wahrheit gar nicht existierte. Sie waren füreinander bestimmt, das wusste Vika intuitiv, und in Gedanken versprach sie ihm bereits, ihr Leben mit ihm zu verbringen. (Bis, dass) Bis dass der Tod uns scheidet, schien kein Versprechen mehr zu sein, über das sie länger als einen Sekundenbruchteil nachdenken musste. Daniel war der Eine.
Heute weiß sie: Das Gefühl hatte sie nicht getrogen, aber der Tod schon nach drei Monaten geschieden.

Aus dem Satzzusammenhang ergibt sich: Der Tod hatte Vika schon nach drei Monaten geschieden. Falscher Bezug.

Mit zitternden Händen hebt Vika das Guiness-Glas an ihre Lippen, nimmt einen Schluck und muss sofort würgen. Warum kann sie nicht genießen, was Daniel genossen hat? Warum kann sie sich ihm nicht einmal hier nahe fühlen? Wo ist seine Liebe, die, von der er sagte, sie sei so groß, dass sie seinen Tod überdauern würde? Sie spürt die Tränen unter ihrer Sonnenbrille hervorquellen und zieht eine Papierserviette aus dem Spender, um sie aufzufangen. (Vorschlag: abzuwischen) Sie hat ihn so sehr geliebt! Durch ihn hat sie überhaupt verstanden, was es hieß zu lieben. Sie waren verbunden, keine Minute war seit ihrer ersten Begegnung vergangen, in der sie nicht seine wärmende Präsenz in ihrem Leben gespürt hatte. Dann, vor fünf Tagen, war alles vorbei gewesen.

Es war wieder ein Karaokeabend, wieder mit den drei M’s, aber ohne Daniel, der in ihrer Wohnung bleiben wollte.
(unklar: In wessen Wohnung? In der der der M´s?)  
Als sie gegen ein Uhr nachts mit dem Taxi zurückgekommen war, war er weg gewesen. Seine Sachen waren noch da. (Wortwiederholung „war“) Das obligatorische Whiskeyglas mit Hagebuttentee stand noch neben ihrem Bett. Daniel hatte keine Nachricht hinterlassen. Sein Notizbuch, dessen Seiten er Tag für Tag auf Englisch, Französisch, Arabisch und Russisch füllte, und in das er früher am Abend noch geschrieben hatte, war nirgends zu sehen. Daniels Abwesenheit hatte Vika überrascht. Aber die Panik war erst gekommen, als sie merkte, dass sie ihn nicht mehr spürte. Seine Präsenz war verschwunden, und die Leere war gewaltiger als sie ertragen konnte. Daniel war ein Jahr älter als sie. Er war also schon immer da gewesen, ihr ganzes Leben lang. Sie hatte ihn zwar erst vor drei Monaten (ganz korrekt müsste es heißen `erst drei Monate davor´, geht jedoch auch so, dafür gibt es genug Beispiele in zeitgenössischen Texten) kennengelernt, aber sie war sich sicher, dass sie insgeheim immer schon gewusst hatte, dass es dort draußen in der Welt die zweite Hälfte gab, nach der sie sich so sehr sehnte. Jetzt war sie weg, und nichts würde sie (unklarer Bezug) je wieder zusammenbringen.

Du hast den Abschnitt mit „Als sie gegen ein Uhr nachts mit dem Taxi zurückgekommen war“ eingeleitet, also hätten die gleichzeitigen Geschehnisse ebenfalls im Plusquamperfekt stehen müssen. Gut, dass du es nicht gemacht, sondern gelegentlich das Präteritum verwendet hast, um eine ständige Wiederholung des `war´(war gekommen) und `hatte´ (hatte hinterlassen) zu vermeiden. Schaue dir die Sätze noch einmal an und probiere aus, ob du nicht noch mehr Wiederholungen vermeiden kannst, tempusbedingte oder die von einzelnen Wörtern (z.B. „mit dem Taxi zurückgekommen war“, „Panik war erst gekommen“).

Sie rief auf seinem Handy an, immer wieder, und ging auf Spurensuche in ihrer Wohnung. Wohin war er gegangen? Wann? Warum? Wenn er keine Nachricht hinterlassen hatte, musste er gedacht haben, vor ihr wieder zurück zu sein. Warum kam er dann nicht?

Die Zeit wälzte sich dahin, ein zäher Fluss Ungewissheit, lähmend und beängstigend. Vika verfluchte die Blase, in der sie elf Wochen lang gelebt hatten. Sie hätte gern jemanden aus seinem Umfeld angerufen, Eltern, Geschwister, den besten Freund. Aber er hatte keine Namen genannt und sie niemandem vorgestellt. Jede freie Stunde hatten sie miteinander verbracht. Nur miteinander. Nach Stunden vergeblichen (Wartens, rief) Wartens rief Vika Mel an. Sie klang verschlafen und gereizt.

»Immer wenn es um Daniel geht, reagierst du vollkommen überspannt. Männer brauchen auch mal ihre Freiräume. Geh schlafen, Vika.«

Aber ich spüre ihn nicht mehr, das muss etwas bedeuten!, wollte sie rufen. Aber ihre Freundin hatte schon aufgelegt. Die Nacht wurde zum Tag, der Tag wieder zur Nacht, der Morgen zum Mittag. Dann kam der Anruf von der Polizei.

Der Ausdruck „Die Nacht wurde zum Tag“ bedeutet, dass die Nacht von Natur aus taghell war (wie im Sommer am Polarkreis), durch Scheinwerfer usw. taghell erleuchtet wurde oder von Menschen so behandelt wurde, als wäre Tag, indem sie z.B. wie tagsüber arbeiteten usw. Du willst vermutlich eher etwas in dieser Art sagen: Auf die Nacht folgte der Tag, auf den Morgen der Mittag.  

»Viktoria Kreutzberg? Es geht um Daniel Artopé. Er hatte Ihre Nummer auf einer Plastiktüte notiert, die wir im Auto gefunden haben. Wissen Sie, ob er regelmäßig Medikamente genommen hat? Oder Drogen?«

Ihr Atem setzte aus, sie hatte zwei Tage nichts gegessen, und ihr wurde schwindelig. Was wusste sie über Daniel, nachdem sie drei Monate mit ihm zusammen war?

»Nein«, stieß sie hervor, »nein, ich weiß es nicht. Was ist mit ihm?«

Der Polizist stutzte, als überraschte ihn ihre Frage.

»Er ist mit dem Auto in den Neckar gestürzt. Er hat nicht überlebt.«

»Sind Sie sicher?« In einem letzten Versuch, die Wahrheit aufzuhalten, entwischte die Frage ihren bebenden Lippen. Am anderen Ende raschelte Papier.

»Der Leichnam liegt seit gestern beim Bestatter. Bitte wenden Sie sich für Details zur Beerdigung an seine nächsten Angehörigen.«

Erfährt sie das erst um die Mittagszeit des nächsten Tages oder womöglich erst zwei Tage später („sie hatte zwei Tage nichts gegessen“)? Warum so spät? Die Polizei fand doch Vikas Namen und Telefonnummer bei dem Toten, musste also nicht erst lange recherchieren. Das Geschehen scheint sich ja nicht in einem Dorf abzuspielen, wo die Polizeiwache abends um acht schließt, sondern im Zuständigkeitsbereich der Polizei einer größeren Stadt (Heidelberg hat etwa 160.000 Einwohner). Es würde nicht schaden, wenn du hier darauf achtest, dass alles zusammenpasst.

„Bitte wenden Sie sich für Details zur Beerdigung an seine nächsten Angehörigen.“ Kennt sie die überhaupt? Sie hat doch alle Zeit mit ihm alleine verbracht. Außerdem hat er nicht auf Deutsch in sein Tagebuch geschrieben, sondern auf Arabisch, neben Englisch, Französisch und Russisch, und er heißt Daniel Artopé. In welchem Land wohnen überhaupt seine Eltern oder andere Angehörige? Ist es plausibel, dass Vika überhaupt nicht nachfragt? Ihre vorherige Frage »Sind Sie sicher?« lässt schon einmal nicht vermuten, dass sie starr vor Schreck ist und nicht sprechen kann.  


Vika zitterte so stark, dass ihr das Telefon aus der Hand rutschte, während sich der Moment in ihre Biografie gravierte: Im Alter von 24 Jahren verlor sie die Liebe. Vor Vikas Augen zerkrümelte ihre Zukunft wie die Windschutzscheibe eines Autos, das sich beim Sturz in den Neckar mehrfach überschlägt.

Zweifelhafter Vergleich: Die Windschutzscheibe eines Autos `zerkrümelt´ nicht, wenn dieses aus wenigen Metern Höhe in oder bei Heidelberg in den Neckar stürzt. Da müsste es schon irgendwelche harten Gegenstände geben, die die Scheibe zertrümmern, z.B. Felsen im oder am Wasser. Die gibt es, soviel ich weiß, in und bei Heidelberg nicht. Du solltest, wenn schon, etwas genauer angeben, weswegen die Windschutzscheibe zu Bruch geht, damit dein Vergleich für den Leser plausibel wird.  

Die Erinnerung lässt sie aufschluchzen. Das Guiness schwappt über ihre Hand, und die Tränen strömen unter der lächerlichen Sonnenbrille hervor. Als die Kellnerin an ihren Tisch tritt und fragt, ob sie noch einen Wunsch hat, springt sie vom Stuhl auf und eilt die Treppe hinunter zu den Toiletten. Ja! Sie hat einen Wunsch! Sie will Daniel zurück! Ihr Leben! Ihre Liebe! Warum musste er sterben? Warum hatten sie nur so wenig Zeit? Warum hat sie jetzt das Gefühl, sie hätten diese Zeit falsch genutzt? Wo ist Daniels Liebe? Die mit den Flügeln oder was auch immer? Warum findet sie sie nicht?

Sie knallt die Toilettentür hinter sich zu und drückt die Stirn an die geflieste Wand. Was für eine bescheuerte Idee, hierher zu kommen! Frustriert lässt sie sich auf die Toilette sinken. Statt kontrollierter Offenheit für ein Zeichen von Daniel also unkontrolliertes Heulen auf der bebrillten Sanitärkeramik (Bebrillt? Kein sehr geglückter Ausdruck) des nicht wirklich stillen Örtchens des »O’Reilly’s«.

Der Laden füllt sich, und Grüppchen junger Frauen drängen nach unten, um sich nach einem Tag in den Hörsälen für den Abend zurechtzumachen. Vika wartet eine gefühlte Ewigkeit auf der (Toilette bis) Toilette, bis sie wieder allein hier unten ist. Als sie endlich bereit ist, ihr Gesicht am Waschbecken zu restaurieren,
(Restaurieren? Finde ich nicht gerade gelungen. Würde besser für das Heidelberger Schloss passen.)
poltert eine junge Frau mit strubbeligem, türkis-rot-(schwarzen) schwarzem Pferdeschwanz und einem Dutzend Piercings in Nase und Ohrmuscheln herein. Vikas rotäugiges Erschrecken lässt sie stutzen.

»Alles okay mit dir?«, fragt sie nicht eben einfühlsam, und Vika spürt, wie der Ärger in ihr hochkocht. Wonach sieht es denn aus? Sieht es wirklich nach okay aus? Einen Teufel wird sie tun, das Papageienmädel mit Höflichkeitslügen zu entlassen.

»Nein«, antwortet sie schlicht. »Mein Verlobter ist gestorben.«

»Oh. Hier?« Die Bunthaarige dreht sich tatsächlich um, als erwarte sie jeden Augenblick eine Leiche aus der WC-Kabine fallen zu sehen.
Ich musste hier lachen, fand die Stelle witzig. Fragte mich allerdings gleichzeitig, ob etwas Witziges in diesen Zusammenhang passt.

»Nein, letzte Woche.« Und noch ehe sich die andere versieht, fasst Vika ihr den Artikel aus der »Rhein-Neckar-Zeitung« über den »tragischen Unfall auf der Bundesstraße zwischen Neckargemünd und Heidelberg« zusammen. »Die Leitplanke war durch einen früheren LKW-Unfall beschädigt. Er brach durch die provisorische Absperrung und stürzte in den Neckar. Wir waren nicht wirklich verlobt, aber er war mein Mann fürs Leben… Ich kann immer noch nicht glauben, dass er tot ist...«

Die andere starrt sie an wie ein nicht eben kleines, exotisches Insekt, unschlüssig, ob sie davonlaufen, es zertreten oder lieber eingehender untersuchen sollte. Der Handtuchspender zieht surrend den feuchten Teil des Tuches ein. Schöner Satz!

»Das überfordert mich gerade etwas«, sagt sie schließlich. »Mein Vater ist gestorben, als ich zwölf war. Krebs. Ich kann damit nicht gut, mit Tod und so. Aber hast du dir schon mal überlegt, was mit Radio zu machen? Deine Stimme… hat was.«

Sie durchwühlt ihre (Umhängetasche bis) Umhängetasche, bis sie eine Plastikkarte mit dem Logo des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zutage fördert.
Der Ausdruck „eine Plastikkarte mit dem Logo des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ klingt viel zu gestelzt, ist Bürokratensprache. Besser wäre z.B. „eine Plastikkarte mit dem Logo des SWR“ (oder BR, NDR, WDR oder was auch immer).  
»Das ist meine Visitenkarte und gleichzeitig ein USB-Stick. Neben den Hauptsendern machen wir auch Internetradio. Hör es Dir einfach mal an, und wenn du Lust hast einzusteigen, melde dich. Wir suchen immer wieder Nachwuchsmoderatoren.«

Vika starrt auf die Karte. Jazza M. steht dort, dazu eine E-Mail-Adresse und zwei Telefonnummern. Vika fragt sich, ob diese Begegnung ein Zeichen ist. Ein Zeichen von Daniel, der ihre Stimme liebte und immer überzeugt davon gewesen war, dass Vika eines Tages ihren Lebensunterhalt damit verdienen würde. Sie hatte nur gelacht. Beim Karaoke stand sie gern auf der Bühne, aber sie konnte sich nicht vorstellen, das Singen und all das laute Marketing, das damit zusammenhing, zu ihrem Job zu machen.

Darüber, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, mit der eigenen Stimme Geld zu verdienen, hat sie nie ernsthaft nachgedacht.

»Also, wenn du mal in Mannheim bist…« Jazza tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, kein Wunder, sie hatte bestimmt andere Gründe, den Waschraum aufzusuchen, als Nachwuchsmoderatoren zu rekrutieren. (...)
Dies geht wieder ins Witzige. Kannst dich ja mal fragen, ob das wirklich passt.
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NinaK
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BeitragVerfasst am: 17.10.2017 16:39    Titel: DANKESCHÖÖÖÖN! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,
euch allen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für Korrekturen, Kommentare und Kritik. Nach einigen Monaten intensiver Arbeit am eigentlich "fertigen" Manuskript, hat es "Dein Weg, meine Liebe" nun endlich zwischen zwei Buchdeckel geschafft.
Ich freue mich riesig und wünsche euch allen jederzeit viel Freude beim Schreiben und viel Erfolg für eure fertigen Texte!
Nina


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Terhoven
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BeitragVerfasst am: 17.10.2017 19:51    Titel: Antworten mit Zitat

Herzlichen Glückwunsch!
Ich beneide dich um dein Durchhaltevermögen. Weiter als bis zu einer Kurzgeschichte bin ich noch nie gekommen.

Toll gemacht!
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NinaK
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BeitragVerfasst am: 22.10.2017 13:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen, lieben Dank!
Währenddessen habe ich mehr als einmal bezweifelt, dass ich es wirkich schaffe. Entsprechend erleichtert bin ich jetzt. Very Happy

Terhoven hat Folgendes geschrieben:
Herzlichen Glückwunsch!
Ich beneide dich um dein Durchhaltevermögen. Weiter als bis zu einer Kurzgeschichte bin ich noch nie gekommen.

Toll gemacht!


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Otto Kringer
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Beiträge: 28



BeitragVerfasst am: 19.04.2019 22:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe jetzt die letzte halbe Stunde deinen Text verschlungen. Kitsch oder nicht Kitsch - ich bin auf deinen Stil reingekippt. Flüssig geschrieben und kurzweilig zu lesen. Ich werde keine Details analysieren, dafür ist es schon zu spät, aber ich wollte nicht gehen, ohne dir das rückzumelden. Dein Text hat das bestimmte Etwas, das mich in Bann zieht.

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