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Erwachen


 

 
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Yaouoay
Geschlecht:männlichEselsohr

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Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 30.01.2017 12:32    Titel: Erwachen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Erwachen

Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe: eine falsche Bewegung und er würde erschossen. Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug; und Bedauern, dass sie nicht sein war, durchflutete ihn. Die Spannung im Raum – förmlich spürbar – drückte ihm auf die Brust. Er konnte nicht mehr klar denken, und obwohl er nicht durfte, küsste er sie. Jetzt hing sein ganzes Denken – sein ganzes Leben – davon ab, ob sie diesen Kuss erwiderte.
Ein paar Sekunden lang drückte die Stille auf ihre Ohren – und dann zerriss sie samt Spannung, als sie es tat.
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar herrlichen Momenten des Glücks lösten sie sich berauscht voneinander und er ging ab. Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

Abseits der Bühne und des Rampenlichts setzte er sich auf eine halbwegs stabil scheinende Requisite und musste erst einmal verkraften, was gerade geschehen war: Ganz gegen das Script – den niedergeschriebenen Verlauf seines Lebens – hatte er sie geküsst. Er hätte es nicht tun sollen: Die Aussage des Theaterstückes war dadurch komplett verfehlt worden. Und die engstirnige Regisseurin würde ihm das nie verzeihen.
Doch spielte das noch eine Rolle? Wenn auch sie ihn liebte … war es dann nicht gleich, wenn eine andere genau das Gegenteil empfand? ... Wenn auch sie ihn liebte. Er hatte seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen. Das Schlittern hallte im Dunkel.
Dass diese kleine Handlung eine Person dermaßen aus der Bahn werfen konnte …
All seine Sinne bündelten sich nun auf den Klang ihrer Schritte und ihr bleiches Gesicht, das lächelnd aus der Dunkelheit auftauchen würde, welche hinter der Bühne herrschte. Und mit jeder Sekunde, die er nichts vernahm, spannten sich seine Gedanken immer weiter – wie ein Gummi – und drohten zu reißen.
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da – gespannter als das Publikum davor – und dann hörte er ihren lieblich federnden Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.

Vor Enttäuschung heulend wachte er schweißgebadet auf. Alles, was er erlebt hatte, war nur seiner Fantasie entsprungen, und doch schüttelte es ihn vor Grauen.
Er wusste genau, dass sein Gehirn nicht unbegründet diesen Plot kreiert hatte – doch vielleicht hatte es etwas übertrieben … Zwar liebte er sie und war auf der Bühne recht eigenwillig, aber daraus einen solchen Horrorfilm zu basteln, war doch wirklich keine Art!
Offenbar hatte es das jetzt begriffen, denn mit einem vergleichsweise friedlichen Traum schlief er wieder ein.

Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte erschöpft über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe.


Für einen Schreibwettbewerb (den ich verpasst habe) überarbeiteter Prolog meines einen Buches.
Ich hätte gerne nur inhaltliches und formales Feedback; keine Nachfrage, inwiefern es mit dem Buch zu tun hat.

Liebe Grüße
Yaouoay

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Selanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 849
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 31.01.2017 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yaouoay,

ich weiß nicht genau, was Du mit „formalem“ Feedback meinst. Willst Du wissen, ob es einem bestimmten Texttypus entspricht oder willst Du Meinungen zu Stil oder Ortographie? Ich hab mal kleinere Anmerkungen in den Text geschrieben und Allgemeineres danach an den Schluss gesetzt.

Zitat:
Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe: eine falsche Bewegung und er würde erschossen. Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug; und Mit diesem „und“ gleich nach dem „zart und klug“ kann ich nichts anfangen. Erst dachte ich, das Bedauern reiht sich bei zart und klug ein; müsste hier nicht eine „so dass“-Konstruktion her? Bedauern, dass sie nicht sein war, durchflutete ihn. Die Spannung im Raum – förmlich spürbar – dieser Einschub, den man ganz einfach auch der „Spannung“ als „förmlich spürbare Spannung“ voranstellen  hätte können, finde ich etwas künstlich. Du hast das sicher durchdacht, aber zumindest meinen Geschmack triffts Du damit nicht… drückte ihm auf die Brust. Er konnte nicht mehr klar denken, und Das Komma vor dem „und“ ist hinter das „und“ zu verschieben obwohl er nicht durfte, küsste er sie. Jetzt hing sein ganzes Denken – sein ganzes Leben – davon ab, ob sie diesen Kuss erwiderte.
Ein paar Sekunden lang drückte die Stille auf ihre Ohren bisher ist alles aus seiner Sicht geschrieben, jetzt steht da „ihre“ und ich frage mich, sind damit die Ohren der Geküssten gemeint oder die Allgemeinheit? Also auch die Zusehenden? Und weil Du nach formal gefragt hast: Ich denke, das ist tatsächlich ein formaler Fehler – und dann zerriss sie samt Spannung, als sie es tat. Der Satz ist in seiner Aussage für mich schwer zu begreifen. Die Stille zerreißt zusammen mit der Spannung, als SIE es TAT. = als die Stille zerreißt? Ich nehme an, dass Du meinst, die Spannung zerriss, als die Frau den Kuss erwiderte. Aber ich habe da wirklich eine halbe Minute drüber nachgedacht, der Bezug ist zu uneindeutig
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar herrlichen Momenten des Glücks lösten sie sich berauscht voneinander und er ging ab. Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

Abseits der Bühne und des Rampenlichts setzte er sich auf eine halbwegs stabil scheinende Requisite und musste erst einmal verkraften, was gerade geschehen war: Ganz gegen das Script – den niedergeschriebenen Verlauf seines Lebens – hatte er sie geküsst. Er hätte es nicht tun sollen: Die Aussage des Theaterstückes war dadurch komplett verfehlt worden. Und die engstirnige Regisseurin würde ihm das nie verzeihen.
Doch spielte das noch eine Rolle? Wenn auch sie ihn liebte … war es dann nicht gleich, wenn eine andere genau das Gegenteil empfand? Du meinst also, es ist gleich, wenn die Regisseurin den Prota hasst? ... Wenn auch sie ihn liebte. Er hatte seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen. Das Schlittern hallte im Dunkel.
Dass diese kleine Handlung eine Person Wer ist gemeint? Der Prota? Die Regisseurin? dermaßen aus der Bahn werfen konnte …
All seine Sinne bündelten sich nun auf den Klang ihrer Schritte und ihr bleiches Gesicht, das lächelnd aus der Dunkelheit auftauchen würde, welche hinter der Bühne herrschte Ich weiß nicht, welche Erfahrungen Du gemacht hast, aber hinter allen Bühnen, hinter denen ich schon war, war es nie dunkel. Je nach Art der Aufführung und der Bühnenseitengestaltung etwas gedämmter oder sogar relativ normal hell, aber niemals dunkel. Und mit jeder Sekunde, die er nichts vernahm, spannten sich seine Gedanken immer weiter – wie ein Gummi – und drohten zu reißen.
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da – gespannter als das Publikum davor – und dann hörte er ihren lieblich federnden Uuh, das ist mir zu extrem. Kann denn eine Gangart lieblich sein? Und wenn jemand schon einen federnden Gang hat, was ja eine nicht ganz neue Wortkombination ist, muss man das wirklich mit „lieblich“ zusätzlich noch garnieren? Entschuldige, aber die Stelle gefällt mir leider gar nicht Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.

Vor Enttäuschung heulend wachte er schweißgebadet auf Ich mag Partizipien und viele Ausschmückungen, aber hier hast Du dreimal Beiwerk für einmal Aufwachen. Das „Vor Enttäuschung heulend“ ist schon so stark und drückt zwei Aspekte aus, sodass der Satz durch das „schweigebadet“ überladen wirkt. Alles, was er erlebt hatte, war nur seiner Fantasie entsprungen, und doch schüttelte es ihn vor Grauen. Das ist einerseits schon ein wenig abgegriffen (vor Grauen schütteln, der Fantasie entspringen, schweißgebadet aufwachen) und in dieser Ballung wirkt der Absatz sehr theatralisch. Ich würde Dir raten, hier ein wenig umzuformulieren und die Theatralik etwas abzuspecken
Er wusste genau, dass sein Gehirn nicht unbegründet diesen Plot kreiert hatte Das ist das komplette Gegenteil von abgegriffen: Das Gehirn kreiert einen Plot. Ein scharfer Gegensatz zu dem, wie Du gerade geschrieben hast – doch vielleicht hatte es etwas übertrieben … Zwar liebte er sie und war auf der Bühne recht eigenwillig, aber daraus einen solchen Horrorfilm Das Wort ist vllt etwas stark. Ist es nicht eher ein Drama, ein Thriller oder eine Schauergeschichte gewesen? Horror hat schon etwas mehr Schockfaktor, oder? wink zu basteln, war doch wirklich keine Art!
Offenbar hatte es das jetzt begriffen, denn mit einem vergleichsweise friedlichen Traum schlief er wieder ein. Das ist witzig smile

Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte erschöpft über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert Das „erschöpft“ an dieser Stelle im Absatz darüber fehlt hier und ich finde es wesentlich besser. Ich würde es auch im vorhergehenden Absatz kürzen über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe.



Der Inhalt der Geschichte ist mit Sicherheit außergewöhnlich. Du führst dem Leser eine gefährliche Situation vor Augen und löst sie als Theaterstück auf, bis sich alles als Traum entpuppt, den ein Autor niederschrieb, bis sich herausstellt, dass das ein Auto niederschrieb, was Du als Autor niedergeschrieben hast. Das sind 5-6 Wendungen und einige Metaebenen. Wow. Ob sich das als Romananfang eignet, weiß ich nicht recht, aber dieser Ausschnitt ist ein kleiner Parforceritt smile und Kompliment: Du hast mich mit Ausnahme des Traums (den verrät der Titel wink ) jedes Mal kalt erwischt.

Was den Schreibstil der Geschichte angeht, fiel mir generell auf: Du magst Gedankenstriche und, für meinen Geschmack, nutzt Du sie relativ häufig. Anders als ein Komma unterbricht es den Text sehr stark. Bei einigen Stellen kann ich die Verwendung nachvollziehen, bei der ersten (hier habe ich es auch angemerkt) eher nicht. Vielleicht ist es Dein ganz persönliches Markenzeichen, aber es gefällt mit Sicherheit nicht jedem, damit musst Du rechnen.

Außerdem schreibst Du tendenziell doch eher poetisch, ein wenig lyrisch angehaucht. Das ist leider nicht wirklich mein Stil. Erläuterungen wie „Das Schlittern hallte im Dunkel.“, um der aufs Eis geworfenen Karriere noch ein Bild zu geben, sind für mich zu viel. Dass das Bild sich dann aber auch noch dem akustisch gewaltigen Verb „hallen“ bedient und dann das Ganze leicht mystifizierend „im Dunkeln“ verortet, naja, das trifft nicht meinen Geschmack, das ist für mich zu dick aufgetragen. Ich hätte es bei dem reinen Aufs-Eis-Werfen belassen, aber das ist sicher subjektiv.
Ähnlich fand ich auch den Einstieg: Blicke wie Gewehrläufe, das ist schon ein sehr dramatischer Anfang, eine ganz große Eröffnung; aber gut, da es sich tatsächlich um die Aufführung eines Dramas handelt, kann ich dem einen gewissen Witz abgewinnen. Dass danach aber der Satz folgt: „eine falsche Bewegung und er würde erschossen“, ist mir persönlich wieder zu viel. Einerseits steckt ja in einem Gewehrlauf, der auf jemanden gerichtet ist, von vornherein die Drohung, erschossen zu werden. Andererseits ist das definitiv ZU dramatisch für Deinen Plot. Er müsste maximal mit Buhrufen und irgendetwas Geworfenem rechnen (aber was haben Theatergänger schon dabei, das sie werfen würden?) und wenn er sich falsch bewegt, fällt das im Theater wirklich kaum auf. Eher wenn man den Text vergisst. Aber auch hier gilt: Du überspitzt sehr, sehr deutlich, meinen Geschmack trifft es nicht, aber das ist wieder subjektiv.
Was ich ähnlich dramatisch, aber auch sehr konstruiert finde, ist:
„Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.“
Die Inversion im ersten Satz lässt mich tatsächlich an ein Gedicht von Schiller denken. Du baust hier einen großen Moment auf, Du willst sicher, dass der Leser jetzt fast den Atem anhält, und ja, das gelingt Dir in gewisser Weise auch. Danach willst Du den Moment ganz abrupt so zerstören, wie auch für den Prota alle Hoffnung zusammenfällt. Ich finde, auch wenn es Dir gelingt, passt so eine Stelle nicht in einen Roman bzw nicht in einen Roman, den ich lesen würde wink Das sind große Worte, die Du wählst („Aus dem Schatten“), eine Satzbaustellung, die auf mich sehr lyrisch wirkt, dann die drei Punkte für das Atemanhalten des Lesers (für mich wieder eine Art Winken mit dem Zaunpfahl) und dann das Zusammenklappen der Situation in sich selbst, wieder mit einem gehobenen, gewählten Verb: sie schimpft nicht, sie schilt. Diese zwei Zeilen sind sehr dick aufgetragen und wirken auf mich leider effekthascherisch.
Wenn Du hingegen schreibst „spannten sich seine Gedanken immer weiter – wie ein Gummi – und drohten zu reißen“ ist das ein ungewöhnliches Bild, das ich eher von Muskeln kenne oder vielleicht noch im Sprachgebrauch von Nerven oder Situationen. Wenn sich Gedanken spannen, dann umspannen sie einen Themenbereich und kreisen um einen großen Gedankenkomplex,… aber das ist ein Bild, das ich schlucke, das finde ich nicht einmal schlecht. Dass Du auch hier wieder einen Einschub mit Gedankenstrichen sehr deutlich aus dem Text hebst und betonst, gefällt mir wiederum nicht. Und je öfter Du das machst, desto mehr hat es etwas von einer Vorschlaghammermethode, so als hättest Du Angst, ohne diese Hilfsmittel kapiere ich es als Leser nicht. Insbesondere, weil gleich im nächsten Satz wieder so ein Einschub kommt.

Als Fazit: Du hast gute Ideen und kannst sie auf knappem Raum konsequent aneinanderreihen. Das ist ein Talent! smile Aber wie Du gemerkt hast, hat mir Dein Schreibstil leider nicht so sehr gefallen. Das ist meine subjektive Meinung, vllt stimmst Du ein paar Anmerkungen zu und überarbeitest noch einmal Deinen Text an einigen Stellen, aber Du wirst mit Sicherheit auch viele Anmerkungen verwerfen und das völlig zu Recht, es ist ja Dein Text und Dein Stil. Warte mal, was die anderen noch beitragen und kommentieren! wink

Liebe Grüße
Selanna


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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Yaouoay
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BeitragVerfasst am: 31.01.2017 11:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Selanna,
vielen Dank erst einmal für deine umfangreiche Antwort!

Mein Schreibstil ist in hohem Grade flexibel - je nach Genre und Zusammenhang. Der Rest des Buches ist (meistens) nicht im Entferntesten in diesem Stil gehalten. Hier handelt sich um einen eher surrealistischen Text, deshalb habe ich so überspitzt dramatisch geschrieben. Wenn es zu überspitzt rüberkommt, werde ich es mir noch einmal ansehen.
Tatsächlich unterscheidet es sich vom restlichen Buch so sehr (auch thematisch), dass ich mit dem Gedanken spiele, ihn doch nur als separate Kurzgeschichte zu behandeln. Das meinte ich mit

"Ich hätte gerne nur inhaltliches und formales Feedback; keine Nachfrage, inwiefern es mit dem Buch zu tun hat."

Es sollte als eigenständige Kurzgeschichte behandelt werden.

Vielleicht sollte ich hier zum Vergleich mal einen anderen Text, der weniger surrealistisch ist, präsentieren?

Das mit den Gedankenstrichen sagen mir meine Lehrer auch dauernd; vielleicht sollte ich sie tatsächlich reduzieren ...

Liebe Grüße
Yaouoay
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Yaouoay
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BeitragVerfasst am: 31.01.2017 12:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe jetzt alle deine konkreten Vorschläge und Tipps umgesetzt. Wie ist es jetzt?


Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe.
Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug. Sodass Bedauern, dass sie nicht sein war, ihn durchflutete.
Die Spannung im Raum drückte ihm auf die Brust. Er konnte nicht mehr klar denken und, obwohl er nicht durfte, küsste er sie. Jetzt hing sein ganzes Denken, sein ganzes Leben, davon ab, ob sie diesen Kuss erwiderte.
Wie ein Polster senkte sich Stille über alle. Dann zerriss sie samt Spannung, als das Mädchen es tat.
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar herrlichen Momenten des Glücks lösten sie sich berauscht voneinander und er ging ab. Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

Abseits der Bühne und des Rampenlichts setzte er sich auf eine halbwegs stabil scheinende Requisite und musste erst einmal verkraften, was gerade geschehen war: Ganz gegen das Script, den niedergeschriebenen Verlauf seines Lebens, hatte er sie geküsst. Er hätte es nicht tun sollen: Die Aussage des Theaterstückes war dadurch komplett verfehlt worden. Und die engstirnige Regisseurin würde ihm das nie verzeihen.
Doch spielte das noch eine Rolle? Wenn auch sie ihn liebte … war es dann nicht gleich, wenn eine andere genau das Gegenteil empfand? ... Wenn auch sie ihn liebte. Er hatte nun seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen.
Dass diese kleine Handlung ihn dermaßen aus der Bahn werfen konnte …
All seine Sinne bündelten sich nun auf den Klang ihrer Schritte und ihr bleiches Gesicht, das lächelnd aus der Dunkelheit auftauchen würde, welche hinter der Bühne herrschte. Und mit jeder Sekunde, die er nichts vernahm, spannten sich seine Gedanken immer weiter, wie ein Gummi, und drohten zu reißen.
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da, gespannter als das Publikum davor, und dann hörte er ihren leichten Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.

Vor Enttäuschung heulend wachte er auf. Einen Moment saß er kerzengerade da. Dann realisierte er, dass es nur ein Traum gewesen war.
Er wusste genau, dass sein Gehirn nicht unbegründet diesen Plot kreiert hatte, doch vielleicht hatte es etwas übertrieben … Zwar liebte er sie und war auf der Bühne recht eigenwillig, aber daraus einen solchen Thriller zu basteln, war doch wirklich keine Art!
Offenbar hatte es das jetzt begriffen, denn mit einem vergleichsweise friedlichen Traum schlief er wieder ein.  

Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe.


Von dem "Aus dem Schatten trat sie ... Und schalt ihn aus." möchte ich mich noch nicht verabschieden - ich finde es nicht zu dramatisch.
Außerdem hattest du angemerkt, dass es im Backstagebereich meist beleuchtet ist. "Dunkelheit" ist nicht das Gleiche wie "Finsternis". In dem Theater, in dem ich einmal aufgetreten war, war es durchaus relativ dunkel.

Bis dahin:
Liebe Grüße
Yaouoay
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Abifiz
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 243
Wohnort: Deutschland, in Nähe von Marburg seit 2007


BeitragVerfasst am: 31.01.2017 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

Sei gegrüßt, Yaouoay.


"Ich bin nicht Stiller, will sagen...  äh... Selanna." Embarassed Shocked

Sei 's drum...  Ich schaue mir Deinen Text an, bringe auch meinerseits meine Vorschlägchen ein. Alles "objektiv subjektiv", versteht sich.

Du benutzt -- wie die meisten -- die sogenannte neue Rechtschreibung, ich die vorausgegangene, bewährte. Bei meinen Vorschlägen bleibe ich selbstverständlich bei der Deinigen.

Dein Text lag mir eine Prise näher als Selanna, da einiges meiner Art eher konveniert.
Wir werden sehen...


Im Text:
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Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe. (gefällt mir)
Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug. Sodass So dass Bedauern, dass sie nicht sein war, ihn durchflutete. (Schiene mir besser, kräftiger und dem gesamten Stil des "Stückes" -- ~eventuell? -- gemäßer: So dass Bedauern ihn durchflutete, dass sie...)
Die Spannung im Raum drückte ihm auf die Brust. Er konnte nicht mehr klar denken und, obwohl er nicht durfte, küsste er sie. Jetzt hing sein ganzes Denken, sein ganzes Leben, sein Schicksal, davon ab, ob sie diesen Kuss erwiderte. (wieso ausgerechnet sein Denken? außerdem ~~Wiederholung -- statt "Schicksal" kann natürlich auch anderes hin)
Wie ein Polster senkte sich Stille über alle. (Mir wäre lieber, gegen das Stilempfinden von Selanna und dem Stück vielleicht gemäßer: Stille senkte sich über alle wie ein Polster.) Dann zerriss sie samt Spannung, als das Mädchen es tat.
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar herrlichen (abgeschmackt -- vielleicht überwältigenden?) Momenten des Glücks lösten sie sich berauscht voneinander und er ging ab. (Ausdruck "er ging ab" kommt mir wenig geglückt vor) Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

Abseits der Bühne und des Rampenlichts setzte er sich auf eine halbwegs stabil scheinende Requisite und musste erst einmal verkraften, was gerade geschehen war: Ganz gegen das Script, (sehr gut!! klärt sich später, der Leser wird leicht verunsichert) den niedergeschriebenen Verlauf seines Lebens, hatte er sie geküsst. Er hätte es nicht tun sollen: Die Aussage des Theaterstückes war dadurch komplett verfehlt worden. Und die engstirnige Regisseurin würde ihm das nie verzeihen. (Als Psychoanalytiker schmunzle ich zunickend...)
Doch spielte das noch eine Rolle? Wenn auch sie ihn liebte … war es dann nicht gleich, wenn eine andere genau das Gegenteil empfand? ... (Damit wird dem -- auch nur vorbewußt -- psychoanalytisch empfindenden Leser die richtige "Fährte" nahegelegt, da ja die "Regisseurin" keine eigentliche "Konkurrentin" sein sollte/dürfte...) Wenn auch sie ihn liebte. Er hatte nun seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen.
Dass diese kleine Handlung ihn dermaßen aus der Bahn werfen konnte …
All seine Sinne bündelten sich nun auf den Klang ihrer Schritte und ihr bleiches Gesicht, das lächelnd aus der Dunkelheit auftauchen würde, welche hinter der Bühne herrschte. (gut!!) Und mit jeder Sekunde, die er nichts vernahm, spannten sich seine Gedanken immer weiter, wie ein Gummi, und drohten zu reißen.
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da, gespannter als das Publikum davor, und dann hörte er ihren leichten Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus. (sehr gut!!)

Vor Enttäuschung heulend (hmm... vielleicht schluchzend?) wachte er auf. Einen Moment saß er kerzengerade da. Dann realisierte er, dass es nur ein Traum gewesen war.
Er wusste genau, dass sein Gehirn nicht unbegründet (gequälter Ausdruck!! gefällt mir nicht) diesen Plot kreiert hatte, doch vielleicht hatte es etwas übertrieben … Zwar liebte er sie und war auf der Bühne recht eigenwillig, (schwach: "liebte er sie und war eigenwillig..." ~~hmm) aber daraus einen solchen Thriller zu basteln, war doch wirklich keine Art!
Offenbar hatte es das jetzt begriffen, denn mit einem vergleichsweise friedlichen Traum schlief er wieder ein.

Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe. (Der Schluß ist einfach hervorragend, der dreifache Twist ebenso)


Wie soll ich sagen... Du hast es drauf.

Unwiderruflich, als literarische sehr runde Blei-Silberkugel an Deiner Fessel.

Mach was draus, Yaouoay, ich rechne damit!

Und erlaub Dir Bedenken und Zeit, jedoch kein Zagen.

Was Deutschlehrer angeht, deren literarische Qualität dürfte schwanken; von meisterhaft zu grottig, die jaanse Palette...


Herzlich
Abifiz


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Selanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 849
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 31.01.2017 23:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yaouoay,

Zitat:
Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe.

Nur noch ein einziger Gedankenstrich in der Geschichte. Ich finde, hier wirkt er, und weil er der einzige ist, wirkt er umso besser  smile

Zitat:
Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug. Sodass Bedauern, dass sie nicht sein war, ihn durchflutete.

Ohh Very Happy   so meinte ich das nicht. Eher: „Es wirkte so zart und klug, (so)dass ihn Bedauern durchflutete, dass sie nicht sein war“? Das „so“ aus „sodass“ hast Du ja schon vor dem „zart“. Aber wenn ich ehrlich bin, gefällt mir mein Vorschlag auch nicht hundertprozentig. Jetzt steht da zweimal „dass“ in einem Satz. sad Das musst Du Dir noch einmal überlegen, ob Du da auf mich hörst oder nicht (oder vllt kommt Dir ja noch eine grandiose Idee für eine dritte Möglichkeit wink )

Zitat:
Die Spannung im Raum drückte ihm auf die Brust. Er konnte nicht mehr klar denken

Mir kommt’s gerade: Hast Du wirklich JEDEN Vorschlag meinerseits umgesetzt? Aber es ist doch Dein Text! Fandest Du nicht ein paar meiner Vorschläge blöd? Shocked Jetzt traue ich mich ja kaum mehr Vorschläge zu machen Embarassed wink Und auf das Zitat oben bezogen: hier fände ich ein Komma besser als den Punkt, sonst klingt der erste Satz recht kurz und abgehackt (… Brust, er konnte…)

Zitat:
Er hatte nun seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen.

Warum hast Du ein „nun“ eingefügt?

Zitat:
dann hörte er ihren leichten Gang.

Ich finds besser wink

Zitat:
Vor Enttäuschung heulend wachte er auf. Einen Moment saß er kerzengerade da. Dann realisierte er, dass es nur ein Traum gewesen war.

Du kannst Dir überlegen, ob Du die ersten beiden Sätze für sich stehen lässt oder mit einem „und“ verbinden willst. Der dritte Satz klingt jetzt sehr nüchtern, mE passt das recht gut zur Situation, die Erkenntnis dürfte ihn ja auch irgendwie ernüchtert haben wink
 
Zitat:
Er wusste genau, dass sein Gehirn nicht unbegründet diesen Plot kreiert hatte,

Abifiz hat da nicht ganz unrecht. Wie wäre es mit „…Gehirn nicht ohne Grund diesen …“? Aber: Dein Text! wink
Zitat:

Von dem "Aus dem Schatten trat sie ... Und schalt ihn aus." möchte ich mich noch nicht verabschieden - ich finde es nicht zu dramatisch.

Ja! Bitte! Very Happy

Zitat:
Außerdem hattest du angemerkt, dass es im Backstagebereich meist beleuchtet ist. "Dunkelheit" ist nicht das Gleiche wie "Finsternis". In dem Theater, in dem ich einmal aufgetreten war, war es durchaus relativ dunkel.

Ich sagte ja, ich wüsste nicht, welche Erfahrungen Du gesammelt hast. Ich kann ja nur von meinen ausgehen und die sind mit Sicherheit fehlbar wink Ich hab noch nie Theater gespielt, nur Ballett getanzt und da muss es hinter der Bühne einigermaßen hell sein, damit man sich schnell umziehen kann und nicht im Dunkeln nach dem schwarzen Röckchen tasten muss Laughing

Also, mir gefällt der Text so viel besser. Ich finde die Sprache jetzt knapper und dadurch viel klarer, aber genau dadurch auch mitreißender. Die wichtigere Frage ist allerdings: Wie gefällt der Text denn Dir?
Du hast geschrieben, er soll surreal sein, da ist überspitzt ja nicht schlecht. Erfüllt der Text denn jetzt noch seinen Zweck innerhalb des Romans? Als Kurzgeschichte kann ich mir den Text, davon ganz unabhängig, sehr gut vorstellen!

Liebe Grüße
Selanna

@abifiz:
abifiz hat Folgendes geschrieben:
"Ich bin nicht Stiller, will sagen...  äh... Selanna."

???
abifiz hat Folgendes geschrieben:
Wie ein Polster senkte sich Stille über alle. (Mir wäre lieber, gegen das Stilempfinden von Selanna und dem Stück vielleicht gemäßer: Stille senkte sich über alle wie ein Polster.

Ist das Dein Humor? Oder machst Du Dich über mich lustig? Den Satz gab es in der alten Version nicht, ich hab mich bislang noch überhaupt nicht zu diesem Satz geäußert. Auf was willst Du mit Deinen Kommentaren über mich hinaus? Ich kapier's nicht...


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Abifiz
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Beiträge: 243
Wohnort: Deutschland, in Nähe von Marburg seit 2007


BeitragVerfasst am: 01.02.2017 02:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Selanna.


Der erste Satz bezieht sich nicht auf Dich, sondern auf Yaouoay, der in seinem letzten Beitrag sich an Dich direkt, Dich also ansprechend, gewandt hatte.

Nun, als ich "Ich bin nicht Selanna" dachte, fiel mir Max Frisch ein. Ihn hab' ich also persifliert, bzw. -- über Bande spielend -- mich über mich wohlwollend lustig gemacht. Das nennt man jüdischen Humor, und nimmt nur einen selber auf die Schippe, ein bißchen augenzwinkernd, ein bißchen einsichtig, ein bißchen spöttelnd.

Der zweite Satz macht sich über niemanden lustig: Ich habe gemerkt, daß Du eher bei der sprachlichen "Dramatik" etwas gebremst hast, während ich sie an mehreren Stellen hier nachvollziehen konnte. Mein Vorschlag jedoch dramatisierte nebenbei ein wenig den besprochenen Satz, der mir aber im Endeffekt gelungener erschien, als der Ausgangssatz von Yaouoay.

Warum im Forum nicht so selten angespannt reagiert wird, weiß noch nicht. Ob es etwas "Deutsches" in einem unpräzisen Sinne des Wortes ist, oder mit Vorgeschichten im DSFo zu tun hat, oder mit der "Anspannung konstruktiven Kritischseins", oder ganz anderen Quellen weiß ich noch nicht.

Gelegentlich fällt es mir auf.

Persönlich liegt mir überhaupt nicht, Menschen so dir nicht, mir nicht anzurempeln, geschweige denn um darüber zu lachen.


Herzlich
Abifiz


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Yaouoay
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Alter: 19
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Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 01.02.2017 11:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe.
Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug. Und Bedauern, dass sie nicht sein war, durchflutete ihn.
Die Spannung im Raum drückte ihm auf die Brust; er konnte nicht mehr klar denken und, obwohl er nicht durfte, küsste er sie. Jetzt hing sein gesamtes Leben, so schien ihm, davon ab, ob sie diesen Kuss erwiderte.
Stille senkte sich wie ein Polster über die Menge. Dann zerriss sie samt Spannung, als das Mädchen es tat.
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar berauschenden Momenten des Glücks lösten sie sich voneinander und er ging ab. Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

Abseits der Bühne und des Rampenlichts setzte er sich auf eine halbwegs stabil scheinende Requisite und musste erst einmal verkraften, was gerade geschehen war: Ganz gegen das Script, den niedergeschriebenen Verlauf seines Lebens, hatte er sie geküsst. Er hätte es nicht tun sollen: Die Aussage des Theaterstückes war dadurch komplett verfehlt worden. Und die engstirnige Regisseurin würde ihm das nie verzeihen.
Doch spielte das noch eine Rolle? Wenn auch sie ihn liebte … war es dann nicht gleich, wenn eine andere genau das Gegenteil empfand? ... Wenn auch sie ihn liebte. Er hatte seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen.
Dass diese kleine Handlung ihn dermaßen aus der Bahn werfen konnte …
All seine Sinne bündelten sich nun auf den Klang ihrer Schritte und ihr bleiches Gesicht, das lächelnd aus der Dunkelheit auftauchen würde, welche hinter der Bühne herrschte. Und mit jeder Sekunde, die er nichts vernahm, spannten sich seine Gedanken immer weiter, wie ein Gummi, und drohten zu reißen.
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da, gespannter als das Publikum davor, und dann hörte er ihren leichten Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.

Mit einem Aufschrei der Enttäuschung wachte er auf und einen Moment saß er kerzengerade da. Dann realisierte er, dass es nur ein Traum gewesen war.
Er wusste genau, dass sein Gehirn nicht grundlos diesen Plot kreiert hatte, doch vielleicht hatte es etwas übertrieben … Zwar liebte er sie (und war auf der Bühne recht eigenwillig), aber daraus einen solchen Thriller zu basteln, war doch wirklich keine Art!
Offenbar hatte es das jetzt begriffen, denn mit einem vergleichsweise friedlichen Traum schlief er wieder ein.  

Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe.

_____

Lieber abifiz, liebe Selanna,
vielen Dank für eure Vorschläge bis zu diesem Punkt.

Selanna hat Folgendes geschrieben:
Hast Du wirklich JEDEN Vorschlag meinerseits umgesetzt? Aber es ist doch Dein Text! Fandest Du nicht ein paar meiner Vorschläge blöd?


Ich hatte tatsächlich erst einmal all deine Vorschläge umgesetzt. Allerdings in einer Kopie des Textes; der Ursprungstext existiert natürlich noch. Die aktuelle Version ist quasi nach deinem, abifiz' und meinem Ermessen überarbeitet.

abifiz hat Folgendes geschrieben:
(Ausdruck "er ging ab" kommt mir wenig geglückt vor)


Ganz im Gegenteil: Diese Formulierung ist mir sogar besonders geglückt! Es handelt sich um eine Suggestion, dass er sich auf  der Bühne befindet. Es wird impliziert, noch bevor der zweite Abschnitt beginnt. Gleichzeitig ist es eine sehr knappe und eindeutige Formulierung und erfüllt, denke ich, durchaus ihren Zweck.
Außerdem hast du das "vergleichsweise" im letzten Satz des vorvorletzten Abschnittes löschen wollen ... Lies dir mal den Satz ohne "vergleichsweise" vor; du wirst merken, dass da eine rhetorische Lücke klafft. Oder hast du einen Vorschlag, wie man das ersetzen könnte?

abifiz hat Folgendes geschrieben:
Wie soll ich sagen... Du hast es drauf.

Vielen Dank! Das motiviert mich in hohem Grade! smile

abifiz hat Folgendes geschrieben:
Was Deutschlehrer angeht, deren literarische Qualität dürfte schwanken; von meisterhaft zu grottig, die jaanse Palette...

Ganz meine Meinung! smile extra

Selanna hat Folgendes geschrieben:
Die wichtigere Frage ist allerdings: Wie gefällt der Text denn Dir?


Selanna hat Folgendes geschrieben:
Erfüllt der Text denn jetzt noch seinen Zweck innerhalb des Romans? Als Kurzgeschichte kann ich mir den Text, davon ganz unabhängig, sehr gut vorstellen!


Wie gesagt, wäre es durchaus am sinnvollsten, ihn als eigenständige Kurzgeschichte zu betrachten, denn seinen Zweck im Roman erfüllte der Text nicht mal davor. wink
Mein Geschmack ist sehr flexibel. Ich habe zwar gewisse Grenzen, aber die habe ich auch berücksichtigt. ("Und schalt ihn aus.", "er ging ab.", "vergleichsweise" etc.)

Ich finde es sehr freundlich, dass du dir Gedanken darüber machst. Durchaus hat mich deine Antwort zuerst sehr ernüchtert. Wahrscheinlich hat dein Betonen, dass das absolt subjektiv ist, mich gerettet. wink

Mit lieben Grüßen
Yaouoay
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Selanna
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BeitragVerfasst am: 01.02.2017 11:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yaouoay,

Zitat:
Ich hatte tatsächlich erst einmal all deine Vorschläge umgesetzt. Allerdings in einer Kopie des Textes; der Ursprungstext existiert natürlich noch.

Sehr gut, so mach ich es auch immer smile

Zu "er geht ab": Ich bin auch darüber gestolpert, aber ich fands witzig. Da Du erst von Endorphinen und Jubel geschrieben hast, dachte ich bei "er geht ab", er freut sich/feiert/kriegt sich nicht mehr ein. Dann hab ich gemerkt, dass es sich um ein Von-der-Bühne-Abgehen handelt und musste lachen wink

Zitat:
Wahrscheinlich hat dein Betonen, dass das absolt subjektiv ist, mich gerettet.  

So ist es ja auch, Du hast ja wahrscheinlich auch nicht dasselbe Lieblingsbuch wie ich wink Aber wie gesagt, ich finde den Text jetzt knackig, klar und gut! Weiter so smile

Liebe Grüße
Selanna


@abifiz:
Na, dann, alles gut. smile Wie gesagt, ich konnte die zwei Sätze einfach nicht einordnen, ich hab sie nicht verstanden, und darum halt mal nachgefragt wink


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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Abifiz
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BeitragVerfasst am: 02.02.2017 06:54    Titel: Antworten mit Zitat

Im Nachhinein schließe ich mich Euch beiden an: "Er ging ab" ist doch sehr angemessen für die spezifische Situation.

Mit dem neuen Text beschäftige ich mich später.


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Meine sehr kluge Signatur befindet sich noch in der Herstellungsphase. Falls keine gravierenden Inkompatibilitätsprobleme auftauchen werden, rechne ich mit ihrer Lieferung für das 1. Quartal 2034. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.
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Yaouoay
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BeitragVerfasst am: 02.02.2017 12:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Selanna hat Folgendes geschrieben:
Zu "er geht ab": Ich bin auch darüber gestolpert, aber ich fands witzig. Da Du erst von Endorphinen und Jubel geschrieben hast, dachte ich bei "er geht ab", er freut sich/feiert/kriegt sich nicht mehr ein. Dann hab ich gemerkt, dass es sich um ein Von-der-Bühne-Abgehen handelt und musste lachen


Witzig; auf die Bedeutung "sich nicht mehr einkriegen" bin ich überhaupt nicht gekommen. smile extra

Yaouoay
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Yaouoay
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BeitragVerfasst am: 03.03.2017 20:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob mir der Text jetzt gefällt.

Ich habe mich schon so oft mit ihm in seinen unterschiedlichen Versionen auseinandergesetzt, dass er auf mich fast ausgekaut wirkt. Buch

Könnte vielleicht noch einmal jemand (gerne, wer es noch nicht getan hat) seine offene Meinung zu dem Text geben und mir aufzeigen, was vielleicht geändert werden könnte.

Ich betrachte den Text zwar für als Prolog aus dem Roman entfernt (weil er wirklich nicht passt ... irgendwann stelle ich dann einen besseren Prolog rein), hänge aber noch sehr an ihm.
Besonders ist mir aufgefallen, dass viele Sätze frei in der Luft zu schweben  und keine Verbindung zum Rest zu haben scheinen.
Kann das jemand bestätigen und mir zeigen, wie ich das beheben könnte? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich es gerade (bei diesem Text) nicht ohne Hilfe von Unparteiischen hinbekomme.

Liebe Grüße und vielen Dank um Voraus
Yaouoay


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(Erzählung)
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jon
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BeitragVerfasst am: 16.05.2017 14:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yaouoay,

vorab: Nein, ich habe nicht das Gefühl, dass die Sätze zu lose aneinander- oder rumhängen. Es ist „einfach nur“ ein recht konzentrierter (tongewaltiger) Stil, in dem „Weichmacher“ und „Bindematerial“ auf das absolut nötige Minimum beschränkt sind. Ich persönlich finde den gut. Allerdings kann so ein harter, intensiver Tonfall bei längeren Texten das Lesen erschweren, weil man in jedem Moment voll konzentriert sein muss. Ein wenig Spiel mit dem Sound im Buch, um auch mal entspannendere, leichter schmökerbare Passagen zu bieten, ist sicher sinnvoll. Das kann man aber trainieren …


Zitat:
Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe.
Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug. Und Bedauern, dass sie nicht sein war, durchflutete ihn.

Mal als Beispiel, wie das hier weicher werden kann:
Aller Augen waren auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe.
Er wandte sich davon ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und so klug. Ein Bedauern darüber durchflutete ihn, dass sie nicht sein war.

Im ersten Satz würde ich (zum Weichmachen) ausnahmsweise was streichen - das Wort ist mit dem sher kurzen a und dem t recht hart und inhaltlich macht es die Geste sehr instensiv. Der Nachsatz „wie Gewehrläufe“ reicht aber eigentlich schon, um die  Wirkung auf „ihn“ zu beschreiben.
Ansonsten sind es so oft nur kleine Partikel, die den Sound „gefälliger“ machen können.
(… nicht, dass ich es für nötig erachte, dass der Sound dieses kurzen Textes gefälliger ist; mir gefällt er so auch prima.)

Zitat:
Stille senkte sich wie ein Polster über die Menge. Dann zerriss sie samt Spannung, als das Mädchen es tat.

Achtung bei Bildern: Wie senkt sich denn ein Polster? (Normalerweise fällt so ein Ploster einfach nur runter.) Das Wort ist auch deshalb nicht glücklich, weil sich da die Frage stellt, was da nun gepolstert (gegen welchen Druck/Einfluss) ist. Ein Nebel hüllt ein, ein Tuch deckt zu – das ist leicht auf eine Menschenmenge übertragbar. Aber „polstern“?

Zitat:
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar berauschenden Momenten des Glücks lösten sie sich voneinander und er ging ab.

Das hier doppelt gemoppelt.

Zitat:
Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

„wie er empfand“ fände ich hier besser, weil es durch die drei Punkte wirkt, als müsste da kommen, was er tut. Sowas vielleicht: „… dass auch sie empfand, wie er jubilierte.“ (Ja ich weiß, dann müsste nach „ampfand“ ein Komma stehen, aber Kommas werden vom Leser (leider) oft nicht mit der geührenden Aufmerksamkeit wahrgenommen, sodass auch ihr Fehlen nicht immer korrekt interpretiert wird.)

Zitat:
Abseits der Bühne und des Rampenlichts setzte er sich auf eine halbwegs stabil scheinende Requisite und musste erst einmal verkraften,

Auch das hierist doppelt gemoppelt, nicht umsonst werden Rampenlicht und Bühne so oft synonym verwendet.
Bei einem Stil, der so von Exaktheit lebt, ist „irgendeine Requisite“ fehlplatziert. (Bei den meisten Stilen ist es das, weil der Leser dann „nichts sieht“.) Setzt er sich auf einen Stuhl (dann ist das wenig bedeutsam, da kann er einfach geschafft draufsinken), einen Tisch (dazu müsst er sich ein wenig anstrengen, das Hinsetzen efolgt schon weniger „automatisch“), eine Truhe oder gar einen Handwagen (er muss so dringend sitzen, dass ihm egal ist, wo) oder ein Hocker (das ist fast wie am Boden – das ergibt nochmal eine andere Nuance dabei, wie geschafft er ist).

Zitat:
Er hätte es nicht tun sollen: Die Aussage des Theaterstückes war dadurch komplett verfehlt worden.

Hier wäre ein Komma statt des Doppelpunktes weicher, es würde mehr fließen.
Noch eine Nuance: Nicht tun sollen, impliziert, dass das keine kliuge Entscheidung war, nicht aber unbedingt, dass es ein Regelverstoß oder so etwas war. Nur wenn ihm der Erhalt der Aussage des Theaterstückes am Herzen liegt, ist „sollte“ gerechtgertigt. Wenn für sein Empfinden lediglich um das Befolgen der Regeln gegangen ist, müsste es eher „dürfen“ heißen. Und der Satz
Zitat:
Und die engstirnige Regisseurin würde ihm das nie verzeihen.
klingt für mich eigentlich eher nach Letzterem.

Zitat:
Doch spielte das noch eine Rolle? Wenn auch sie ihn liebte … war es dann nicht gleich, wenn eine andere genau das Gegenteil empfand? ...

Hinter „liebte“ gehört meiner Meinung nach ein Komma, kein Auslassungszeichen, denn die Frage fließt von einem Teil zum anderen.
Was hältst du von „blanglos“ statt „gleich“? Das wäre präziser. Oder wenigstens „gleichgültig“.

Zitat:
Wenn auch sie ihn liebte. Er hatte seine professionelle Karriere achtlos auf dünnes Eis geworfen.

Das ist eine meiner Lieblingsstellen.

Zitat:
Und mit jeder Sekunde, die er nichts vernahm, spannten sich seine Gedanken immer weiter, wie ein Gummi, und drohten zu reißen.

Auch hier stimmt das Bild nicht. Der Gummi, der sich spannt, wird gedehnt und dabei immer dünner, schneidender empfindlicher. Das auf „Gedanken“ zu übertragen ist extrem schwer. Für gewöhnlich ist „Gedanken spannen sich“ eher mit dem Bild einer Brücke oder eines Bogens assoziiert, also etwas, was „weit reicht“ und dabei verbindet.


Zitat:
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da, gespannter als das Publikum davor, und dann hörte er ihren leichten Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.

Meinst du „das Publikum zuvor“? (Ich habe das „davor“ als räumliche Umstandsbeschreibung gelesen.)
Es sollte „… und schalt ihn aus.“ heißen, oder?

Zitat:
Zwar liebte er sie (und war auf der Bühne recht eigenwillig), aber daraus einen solchen Thriller zu basteln, war doch wirklich keine Art!

Klammern haben in erzählenden Texten eigentlich nichts zu suchen.

Zitat:
Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe.

Das ist mir zu verkünstelt, aber wenn es für das Buch (zu dem der Prolog mal gehörte) nötig ist, so extrem zu schachteln (was ich mich dem Buch aber wohl eher abgeneigt machen würde), dann okay. Trotzdem würde ich das einfach Wiederholen des Textes vermeiden, das wirkt eher wie ein Stottern als wie ein Ebenenwechsel.
Um den Bogen zu oben zu schließen: Das hier wäre eine Stelle, wo man einen Soundwechsel druchführen könnte - sogar doppelt. Einmal zum ersten „Zufrieden“ und dann noch mal zum anderen.


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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt. (Klaus Klages)
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Rainer Prem
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Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 17.05.2017 06:00    Titel: Antworten mit Zitat

Yaouoay hat Folgendes geschrieben:
Irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob mir der Text jetzt gefällt.

Ich habe mich schon so oft mit ihm in seinen unterschiedlichen Versionen auseinandergesetzt, dass er auf mich fast ausgekaut wirkt. Buch

...

Liebe Grüße und vielen Dank um Voraus
Yaouoay


Das ist so was von völlig normal. Tipp: Wegsperren und für einen Monat überhaupt nicht mehr anschauen. Es ist faszinierend, wie sehr sich in dieser Zeit eine Einstellung ändern kann.

Ansonsten gefällt mir der Text; als Prolog zu einem Roman wäre er mir aber viel zu konstruiert und eher abschreckend als einladend.

Grüße
Rainer
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Yaouoay
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BeitragVerfasst am: 19.05.2017 17:56    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Rainer:
Zitat:
Das ist so was von völlig normal. Tipp: Wegsperren und für einen Monat überhaupt nicht mehr anschauen. Es ist faszinierend, wie sehr sich in dieser Zeit eine Einstellung ändern kann.

So mache ich das jetzt auch mit einer Etappe in meinem Roman:
Auf Anhieb ist nichts draus geworden, aber da die nächste Etappe nicht grundlegend darauf aufbaut,
kann ich erstmal weiterschreiben und die andere ziehen lassen. Dann nehme ich sie mir wieder vor.

Zitat:
Ansonsten gefällt mir der Text; als Prolog zu einem Roman wäre er mir aber viel zu konstruiert und eher abschreckend als einladend.

Genau: Den "Status" als Prolog habe ich ihm schon lange aberkannt. Aber als Kurzgeschichte taugt es. smile


@jon:
Ich habe momentan zu wenig Zeit, zu jedem deiner Vorschläge etwas zu sagen, aber ich sage zu, dass ich mir den Text nochmal vornehmen. smile
Vielen Dank jedenfalls, dass du dich so intensiv mit ihm auseinandergesetzt hast!


LG~Y


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In Liebe – das Leben
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manon
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BeitragVerfasst am: 23.05.2017 00:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Yaouay,

du schreibst über einen Theaterspieler, der auf der Bühne steht und seiner Mitspielerin einen Kuss gibt, der nicht im Drehbuch steht. Sie erwidert den Kuss und er ist happy. Hinter den Kulissen wartet er auf sie, aber dann wacht er auf und ist enttäuscht. Allerdings verstehe ich den Schluss nicht.


Zitat:
Aller Augen waren gebannt auf ihn gerichtet – wie Gewehrläufe.
Er wandte sich ab und blickte direkt in ihr Gesicht. Es wirkte so zart und klug. Und Bedauern, dass sie nicht sein war, durchflutete ihn.
Die Spannung im Raum drückte ihm auf die Brust; er konnte nicht mehr klar denken und, obwohl er nicht durfte, küsste er sie. Jetzt hing sein gesamtes Leben, so schien ihm, davon ab, ob sie diesen Kuss erwiderte.
Stille senkte sich wie ein Polster über die Menge. Dann zerriss sie samt Spannung, als das Mädchen es tat.
Er wurde von Endorphinen und Jubel überschwemmt, und nach ein paar berauschenden Momenten des Glücks lösten sie sich voneinander und er ging ab. Dabei blickte er nicht zurück, doch war er überzeugt, dass auch sie empfand wie er …

In diesem ganzen Text ist nicht klar, dass es sich um ein Theater handelt. Das wird erst am Ende klar, aber das ist mir persönlich zu spät. Weil ich die ganze Zeit im Dunkeln tappe und nicht weiß, wie ich die Informationen zuordnen soll. Damit passen mMn auch "er ging ab"  nicht, weil ich nicht weiß, wo er sich befindet. Ich dachte erst an "ihm ging einer ab". :-/


Zitat:
Eine gefühlte Unendlichkeit saß er so da, gespannter als das Publikum davor, und dann hörte er ihren leichten Gang. Er hielt die Luft an und blickte auf. Aus dem Schatten trat sie …
Und schalt ihn aus.

Was meinst du mit "und schalt ihn aus"? Kann das überhaupt nicht zuordnen.

Zitat:
Zwar liebte er sie (und war auf der Bühne recht eigenwillig), aber daraus einen solchen Thriller zu basteln, war doch wirklich keine Art!
Offenbar hatte es das jetzt begriffen, denn mit einem vergleichsweise friedlichen Traum schlief er wieder ein.  

Wieso Thriller?
was hat er begriffen?


Zitat:
Zufrieden lehnte er sich zurück und las noch einmal alles durch. Wachs tropfte auf das Blatt, als er die Kerze ausblies. Der Bleistift kullerte über den Tisch, als er aufstand und zu Bett ging.

Zufrieden lehne ich mich zurück und lese noch einmal alles durch. Wachs tropft auf das Blatt, als ich die Kerze ausblase. Der Bleistift kullert über den Tisch, als ich aufstehe und zu Bett gehe.

Ich vermute, dass es eine Bedeutung hat, dass du den komplett selben Absatz noch mal im Präsens geschrieben hast. Nur leider verstehe ich den nicht.

Leider bin ich von deiner Geschichte nicht so begeistert.

Viele Grüße
Smile
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Rainer Prem
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Alter: 63
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Wohnort: Wiesbaden


BeitragVerfasst am: 23.05.2017 06:26    Titel: Antworten mit Zitat

manon hat Folgendes geschrieben:
Hallo Yaouay,

du schreibst über einen Theaterspieler, der auf der Bühne steht und seiner Mitspielerin einen Kuss gibt, der nicht im Drehbuch steht. Sie erwidert den Kuss und er ist happy. Hinter den Kulissen wartet er auf sie, aber dann wacht er auf und ist enttäuscht. Allerdings verstehe ich den Schluss nicht.

...

Leider bin ich von deiner Geschichte nicht so begeistert.



Es handelt sich um 1) Eine Liebesgeschichte, die der Ich-Erzähler in der Art eines Thrillers erzählt 2) als Theaterstück 3) in einem Traum 4) in einem Roman in der Vergangenheitsform 5) den ein Schriftsteller im Präsens zu Papier bringt.

Das ist natürlich schon ziemlich avantgardistisch ...

@Y: Und wenn man das einem Leser schon so detailliert erklären muss, hapert's wohl noch mit den Erzählebenen.

Grüße
Rainer
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manon
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BeitragVerfasst am: 23.05.2017 09:11    Titel: Antworten mit Zitat

Danke Rainer,

ob unbedingt der Text schlecht sein muss, weiß ich nicht. Habe so eine Art Text das erste Mal gelesen.

Trotzdem bleibt die Frage, weshalb Thriller. Denn es blicken ihn ja keine Gewehre an, sondern Augen wie Gewehre. Deshalb ist das für mich nicht dramatisch, nicht gefährlich, sodass ich es keinem Thriller zuordnen würde.

Aber interessant gemacht, mit dem vielen ineinandergeschachtelten.

Grüße
Manon
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Yaouoay
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Beiträge: 247
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BeitragVerfasst am: 23.05.2017 14:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

manon hat Folgendes geschrieben:
In diesem ganzen Text ist nicht klar, dass es sich um ein Theater handelt. Das wird erst am Ende klar, aber das ist mir persönlich zu spät. Weil ich die ganze Zeit im Dunkeln tappe und nicht weiß, wie ich die Informationen zuordnen soll.

Das ist Absicht; es muss ja nicht jedem gefallen. Wink
Es gehört einfach zu dem Konzept des Textes, dass immer die Perspektive relativiert wird.

manon hat Folgendes geschrieben:
Was meinst du mit "und schalt ihn aus"? Kann das überhaupt nicht zuordnen.

"schalt" ist Präteritum von "schelten" (= schimpfen).

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
@Y: Und wenn man das einem Leser schon so detailliert erklären muss, hapert's wohl noch mit den Erzählebenen.

Die meisten anderen Leser haben es ja verstanden. Dass manche Leser bestimmte Texte nicht verstehen, ist doch ganz natürlich.

manon hat Folgendes geschrieben:
Trotzdem bleibt die Frage, weshalb Thriller. Denn es blicken ihn ja keine Gewehre an, sondern Augen wie Gewehre. Deshalb ist das für mich nicht dramatisch, nicht gefährlich, sodass ich es keinem Thriller zuordnen würde.

Mit "Thriller" ist die Alptraumatmosphäre gemeint.

manon hat Folgendes geschrieben:
ob unbedingt der Text schlecht sein muss, weiß ich nicht.

Ist doch Ansichtssache ... Confused


Liebe Grüße
Yaouoay


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manon
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BeitragVerfasst am: 23.05.2017 16:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
"schalt" ist Präteritum von "schelten" (= schimpfen).


Danke! Very Happy
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