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Einstand - Science Fiction für ein junges Publikum


 

 
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Monostone
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

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Beiträge: 9
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BeitragVerfasst am: 08.01.2017 14:30    Titel: Einstand - Science Fiction für ein junges Publikum eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Vorab einen schönen Tag und danke für das Interesse!

Bei Folgendem handelt es sich um den Prolog zu einem Science Fiction Roman den ich geschrieben habe. Das Werk ist vom Prinzip her abgeschlossen, richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene und umfasst 253 Normseiten (ca. 57.400 Wörter).

Das Feedback von meinen Betalesern war positiv, aber ich bleibe skeptisch, ob der Text gut genug ist, weswegen ich gespannt auf professionelle Meinungen bin.

Kleine Warnung vorab, der Prolog umfasst fast 2.000 Wörter.

Viel Vergnügen!

Prolog

Dunkel. Es war dunkel. Dunkel und still. Und kalt. Vor allem kalt. Greg fand keinen Schlaf. Lag es an der Kälte? Er wusste es nicht. Alle anderen schienen in ihren Zelten ruhig zu schlummern und nur er war dazu verdammt sich wach in seinem Schlafsack zu wälzen. Greg hasste es; er hasste diesen Schlafsack, er hasste das Zelt, er hasst diese gesamte Unternehmung.
Es war ihm unbegreiflich was sein Vater an Campingausflügen besonders toll fand; kein anständiges Bett, Moskitos und viel zu kalte Nächte. Wirklich zu tun gab es auch nichts, außer Angeln und sinnlos in der Gegend herumzurennen.
Eigentlich hätte es ihm ja egal sein können und in der Regel wäre dies auch der Fall gewesen, doch er kannte seinen Vater: Besessen von Traditionen und Ritualen, ein überdurchschnittliches Familienbewusstsein. Gregs offene Ablehnung dagegen war wie ein Messer, das sich in dessen Brust bohrte. Dabei wollte Greg gar nicht respektlos sein, bestimmt nicht, es lag eben nicht in seiner Natur sich zu verstellen. Und im Übrigen würde ihn sein Vater vermutlich ohnehin durchschauen – schließlich hatten Psychologen dafür ja ein gewisses Talent – warum sich also überhaupt Mühe geben? Greg konnte es an der sorgenvollen Miene seines Vaters ablesen: Warum konnte er nicht mehr so sein, wie sein Bruder? Das schien er sich wohl immer zu fragen; die Enttäuschung war offensichtlich. Womöglich wollte Greg ja selbst mehr so sein wie sein jüngerer Bruder, Gerard: aufgeschlossen, fröhlich, keck. Doch er war nun mal nicht so! Er war Greg; nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Er war ja deswegen kein schlechter Mensch, nur eben kein Kind das gerne viel redete; er dachte lieber nach. Auch keines, das am liebsten lachend herumtollte; er setzte sich lieber hin und beobachtete in Ruhe alles was um ihn herum war.
Nichts was per se unübliche oder gar negative Eigenschaften waren und Gregs Vater wusste das wohl auch. Er meinte es wahrscheinlich nur gut mit seinen Familienausflügen; immerhin hatte er sonst nur sehr wenig Zeit sich um seine Söhne zu kümmern. Doch dabei übersah er manchmal, dass nicht jeder seine Auffassung eines perfekten Urlaubs teilte und andere ihre Freizeit lieber an einem häuslicheren Ort verbrachten.
Als Greg plötzlich ein unheilvolles Grollen aus der Ferne vernahm, ein Grollen das er schnell als ‚Donner’ erkannte, war auch klar, dass Greg eben einer dieser anderen war.
„Auch das noch“, murmelte der Junge sichtlich genervt. Immer wenn man glaubte, es könne nicht mehr schlimmer kommen, schien das Schicksal dies als Herausforderung zu sehen. Nun saß er hier im Wald fest und war vor dem bevorstehenden Schauer nur durch die Kunststoffhaut dieser behelfsmäßigen Behausung geschützt. Wie sehr wünschte er sich doch nur ein kuscheliges Bett herbei; noch besser ein anständiges Dach über dem Kopf mit vier dicken Wänden an jeder Seite. Dann wäre er auch wirklich sicher vor den dicken Regentropfen, die auch schon begannen auf die Zeltdecke zu prasseln.
Greg gab nun jede Hoffnung doch noch Schlaf zu finden gänzlich auf. Die Kälte, die stickige Luft und nun auch noch das unregelmäßige Trommeln waren eindeutig zu viel des Guten. Er konnte das nicht mehr aushalten und es war ihm unerklärlich, wie sein Bruder direkt neben ihm so unbekümmert schlafen konnte. Gerade als er versuchte positive Gedanken zu finden, schnaufte Greg laut auf, denn sein Blick hatte die Zeltwand getroffen: Wetterleuchten schimmerte schaurig durch die lichtdurchlässige Plane. Es wirkte gespenstisch und doch irgendwie anziehend; genau eine jener Besonderheiten, die ihn so oft von allem anderen ablenken konnte. Er konnte Stunden damit zubringen nur dem Fließen eines Baches oder dem Tropfen eines Wasserhahnes zuzusehen und das hier war besonders speziell.
Er war wie in Trance und ohne sich lange mit der Frage aufzuhalten, ob dies eine gute Idee war, quälte er sich aus dem Stoffgefängnis seines Schlafsackes heraus, schlüpfte in seine Schuhe und ging hinaus in den Regen.
Wie üblich, wenn etwas sein Interesse geweckt hatte, wurde alles andere nebensächlich: Ihm war es völlig egal, dass seine blonden Haare nass wurden, oder dass ihm die Regentropfen auf seiner Brille die Sicht trübten. Sogar die Kälte, die draußen, ohne den Schutz von Zelt oder Schlafsack und durch den stürmischen Wind verstärkt, eigentlich sogar noch unerträglicher war, hatte der Junge völlig vergessen. Er hatte nur noch eines im Sinn: das Leuchten in der Ferne.
Greg verließ die Lichtung auf der sich sein Vater gemeinsam mit Gerard und ihm niedergelassen hatte und lief zielstrebig durch den Wald in Richtung des Sees. Da bemerkte er neuerlich das was ihn nach draußen gelockt hatte.
Diesmal war der Eindruck sogar stärker als das Licht den gesamten Wald in einen bläulichen Schein tauchte. Es hatte etwas Magisches an sich, das den Jungen in seinen Bann zog. Das Licht kam ihm sozusagen entgegen geflossen wie ein silberner Bach. Greg vermutete, dass man vom Ufer des Sees einen viel besseren Blick auf das Spektakel haben musste als von hier drinnen. Also wartete er nicht lange ab und stieg hinunter zu dem Schotterstrand.
Das Schauspiel, das ihm die Natur bot als er dort anlangte, war atemberaubend für jemanden wie Greg: Blitze in den unterschiedlichsten Variationen erleuchteten den schwarzen Nachthimmel und spiegelten sich im vom Wind gepeitschten Wasser; dutzende blauweiße Fäden, die die Dunkelheit zerrissen, sich schier ins Tausendfache verästelten und dann so schnell verschwanden wie sie erschienen waren. Ein Lächeln entwich dem Jungen als er der Aufführung folgte, doch nach einigen Minuten begann das Lächeln auch wieder zu schwinden.
So eindrucksvoll diese leuchtenden Linien auch waren, sie wurden immer dichter und größer und von Sekunde zu Sekunde wurde Greg das Unwetter zusehends unheimlicher. Auch das Donnern wurde lauter und der Zeitabstand zwischen Licht und Schall war kaum noch vorhanden. Jeder andere Achtjährige hätte vermutlich längst das Weite gesucht; Greg bekam es erst jetzt mit der Angst zu tun, vor allem da er nun endlich begriff, in welcher Gefahr er sich eigentlich befand. Panik ergriff ihn beinahe als er hastig, rückwärts stolpernd, den Weg zurück zum Zelt suchte.
Zu spät! Ein leuchtender Strahl fuhr auf ihn hernieder; ein Strang gleißend heißer Luft, der seine Haut mit einem gigantischen Reservoir elektrostatischer Energie verband. Sein junger Körper wurde erfüllt von einem grellen Schmerz der jeden einzelnen Nervenstrang seines Organismus zu verbrennen schien.
Während der Strahl eigentlich nur winzigste Bruchteile einer Sekunde währte, war Greg dennoch jeder Moment des Geschehens so klar, wie schon lange nichts mehr. Er spürte wie sein Blut zu kochen begann, und jede Faser seines Leibes unter den Qualen der unsagbaren Kraft der Naturgewalt erzitterte. Die schiere Reizüberflutung verwehrte es ihm zu schreien, doch zwischen den Schmerz und die Qual mengte sich dann plötzlich ein weiterer Eindruck, den er nicht so richtig einordnen konnte: Weder wirklich unangenehm noch ein Hochgefühl; vielmehr war es wie eine vergessene Erinnerung die plötzlich wieder zum Vorschein trat. Als wäre er gerade noch blind gewesen und hätte zum ersten Mal die Farben der Welt erblickt, etwas völlig Neues, das er noch nicht begreifen konnte. Die Umstände ließen es jedoch nicht zu, dass er sich damit auseinander setzen konnte, denn der Schmerz begann wieder alles zu überstrahlen und zu betäuben. Die Wahrnehmung war ihm genommen, ein Zeitgefühl hatte er nicht mehr. Sein noch relativ kurzes, aber gesamtes Leben, spielte sich vor seinem geistigen Auge ab.
Plötzlich war es vorbei: der Blitz, verschwunden. Ebenso der Schmerz, aber die Wahrnehmung, sie kehrte nicht zurück. Greg fühlte nur wie er zu Boden fiel. Dann war alles schwarz.

Waren es Minuten, Stunden oder gar Tage gewesen? Greg wusste es nicht. Er wusste nur, dass er nicht mehr im Wald war als er seine Augen aufschlug. Er musste blinzeln denn das grelle Licht blendete ihn. Als sich seine Augen langsam an die Umgebung anpassten erkannte er, dass er sich wohl in einem Zimmer befand. Geräusche drangen an sein Ohr; Geräusche die er zunächst nicht einordnen konnte und erst nach einigen Augenblicken als Stimmen erkannte; vertraute Stimmen.
„Das war das letzte Mal, Cent! Das letzte Mal, hörst du?“
Greg sah zu ihnen hinüber. Sein Blick fand drei Gestalten, die mit ihm im Raum anwesend waren: Er brauchte einen Moment um zu erkennen, dass es sich um zwei Frauen und einen Mann handelte. Die eine Frau war ihm unbekannt doch die anderen beiden lösten ein Gefühl der Vertrautheit aus. Der Mann war groß aber schlank und hatte blondes Haar, ganz wie Greg selbst; ebenso wie die Haarpracht der etwas kleineren Frau, auch wenn ihre um einiges länger war. Alles schien verschwommen, doch er erkannte die beiden: es waren seine Eltern, die das Erwachen ihres Sohnes sogleich bemerkt hatten:
„Claire, sieh nur“, hörte Greg seinen Vater sprechen. „Er ist aufgewacht! Schwester, schnell, holen Sie den Doktor!“
Die andere Frau, die, wie Greg nun erkannte, Pfleger-Gewand trug, stürmte plötzlich aus dem Zimmer.
Die Erinnerung begann zurückzukehren. Der Zeltausflug, die schlaflose Nacht, der Blitz; alles war wieder da, in einer unglaublichen Klarheit. Aber nicht nur das, auch frühere Erinnerungen schossen plötzlich durch seinen Kopf, so deutlich vor Augen, als wären sie gerade vor einer Sekunde passiert. Greg versuchte sich aufzurichten um seine Eltern zu begrüßen; sie hatten sich sicher Sorgen gemacht. Doch gerade als er seinen Mund öffnen wollte, fiel ihm etwas auf. Etwas, das ihn irritierte: Er hörte die Stimme seiner Mutter, aber ihre Lippen bewegten sich nicht: Oh mein Gott, danke! Danke, hörte er sie sagen. Er wandte seinen Blick ab von ihr um nun seinem Vater in die Augen zu sehen. Nun war es dessen Stimme, die er vernahm: Es geht ihm gut! Dem Himmel sei Dank!
Und das war nicht alles: Gefühle die nicht die seinen waren; er spürte Zorn. Zorn dass der eigene Ehemann nicht ausreichend auf das gemeinsame Kind aufgepasst hatte. Schuld. Die Schuld, den eigenen Sohn im Stich gelassen zu haben. Doch beide begannen zu verfliegen und sich in eine große Erleichterung zu wandeln.
Greg brauchte nicht lange um zu erkennen, dass es die Gefühle seiner Eltern waren. Verwirrung stand in seinem Gesicht. Was war mit ihm geschehen? Warum konnte er etwas hören, das unmöglich war? Warum fühlte er mehr als seine eigenen Empfindungen? Und je länger er seine Eltern mit seinem irritierten Blick anstarrte, desto mehr schien die neu gewonnene Freude aus ihren Gesichtern zu verschwinden.
Plötzlich öffnete sich die Tür und Greg blickte instinktiv die hereinkommende Person an; ein großer, junger Mann im weißen Kittel, die pechschwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und einer Brille mit kreisrunden Gläsern auf der Nase. Kein Zweifel, das war der Arzt der ihn behandelte, doch noch bevor Greg irgendwie reagieren konnte hatte sich eine neue Stimme in seinen Kopf gedrängt: Interessant, ich hätte nicht gedacht dass sich das Blitzopfer so schnell erholt.
„Blitzopfer…“, murmelte Greg immer noch irritiert doch der Arzt schien das nicht gehört zu haben. Er trat an Gregs Bett heran und begann den Patienten zu untersuchen. Während er mit einer kleinen Lampe die Pupillen des Jungen prüfte, richtete er das Wort an ihn: „Willkommen zurück Kleiner, weißt du wo du bist?“
Greg öffnete den Mund um zu antworten, doch Überraschung ließ ihn inne halten: Die Stimme mit der der Arzt sprach hatte er soeben noch in seinem Kopf gehört.
„Hast du meine Frage verstanden“, fragte der Mann nach.
„Ja Doktor Gilmore“, sagte Greg. „Mir… mir geht es gut!“
Was war das? Greg war es irgendwie herausgeplatzt: Der Name des Doktors. Woher hatte er ihn gewusst? War es überhaupt sein Name? Sein Gegenüber wirkte jedenfalls ebenso verwundert zumindest solange bis sein Blick auf sein eigenes Namenschild fiel, das Greg erkennen ließ, dass er tatsächlich richtig gelegen hatte.
„Haha, jetzt hättest du mich fast erwischt! Sieht so aus als würden deine Augen funktionieren. Jetzt hast du mir gegenüber einen Vorteil. Sag mal, wie heißt du denn mein Junge?“
„Greg! Gregory Evergreen!“

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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 09.01.2017 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich möchte meine Kritik auf einen Punkt beschränken:

"Das Schauspiel, das ihm die Natur bot als er dort anlangte, war atemberaubend für jemanden wie Greg:"

Die ist nur eines von sehr vielen Beispielen, wo du dem Leser vor einem Ereignis erklärst, wie er die folgenden Sätze zu verstehen hat und ihn damit von der eigentlich gut erzählten Geschichte ablenkst. Mach dich mal zum Thema "Show Don't Tell" schlau.

Wenn du all diese Erklärungen streichst, könnte das eine gute Einleitung werden.

Grüße
Rainer
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 09.01.2017 12:36    Titel: Re: Einstand - Science Fiction für ein junges Publikum Antworten mit Zitat

Monostone hat Folgendes geschrieben:

Prolog

Dunkel. Es war dunkel. Dunkel und still. Und kalt. Vor allem kalt. Greg fand keinen Schlaf. Lag es an der Kälte? Er wusste es nicht. Alle anderen schienen in ihren Zelten ruhig zu schlummern Komma oder Punkt und nur er war dazu verdammt Komma, muss wohl nicht mehr, strukturiert den Satz aber besser sich wach in seinem Schlafsack zu wälzen. Greg hasste es; er hasste diesen Schlafsack, er hasste das Zelt, er hasst diese gesamte Unternehmung.
Es war ihm unbegreiflich Komma was sein Vater an Campingausflügen besonders Ausdruck toll fand; kein anständiges Bett, Moskitos und viel zu kalte Nächte. Wirklich zu tun gab es auch nichts, außer Angeln und sinnlos in der Gegend herumzurennen. Der Satz stimmt so nicht. Angeln ist ein Nomen herumrennen ein Verb (mit zu) Das kann man Nicht mit einem und binden
Eigentlich hätte es ihm ja egal sein können Komma oder Punkt und in der Regel wäre dies auch der Fall gewesen, doch er kannte seinen Vater: Besessen von Traditionen und Ritualen, ein überdurchschnittliches Familienbewusstsein. Gregs offene Ablehnung dagegen war wie ein Messer, das sich in dessen Brust bohrte. Dabei wollte Greg gar nicht respektlos sein, bestimmt nicht, es lag eben nicht in seiner Natur sich zu verstellen. Und im Übrigen würde ihn sein Vater vermutlich ohnehin durchschauen – schließlich hatten Psychologen dafür ja ein gewisses Talent – warum sich also überhaupt Mühe geben? Greg konnte es an der sorgenvollen Miene seines Vaters ablesen: Warum konnte er nicht mehr so sein, wie sein Bruder? Das schien er sich wohl immer zu fragen; die Enttäuschung war offensichtlich. Womöglich wollte Greg ja selbst mehr so sein wie sein jüngerer Bruder, Gerard: aufgeschlossen, fröhlich, keck. Doch er war nun mal nicht so! Er war Greg; nicht mehr, aber auch nicht weniger!


Das ist mir für eine eher von Handlung getriebene Geschichte zu viel vorab herumerklärt und analysiert. Wie alt ist Greg, dass er so abstrakt denkt? Wäre es nicht schöner, sich das Verhältnis zwischen Greg und Vater im Gegensatz zu Gerard selbst zu erlesen, als es vorgesetzt zu bekommen? Außerdem ist es für die Handlung irrelevant. Das heißt nicht, dass du nicht Gregs Gedanken beschreiben kannst, nur wären konkrete Gedankengänge besser als pseudopsychologische Analysen.
Warum sagst du, das sei ein Prolog? Muss das sein? Könnte das nicht einfach Teil der Handlung sein?


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Monostone
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BeitragVerfasst am: 10.01.2017 13:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die ersten Rückmeldungen smile

Dass die Passage zu erzähllastig ist wohl wirklich ein Makel, das werde ich mir in jedem Fall ansehen. Selbiges gilt für die Anmerkungen zu konkreten Gedankengängen.

Es ist ein Prolog, da es sich sozusagen um die Vorgschichte handelt. Die eigentliche Handlung setzt ein paar Jahre später an.
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 11.01.2017 23:15    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst mal, hallo Nachbar. Also fast. Linz ist ja klein. Razz

Zum Text selbst haben meine Vorposter schon das größte Problem auf den Punkt gebracht: Show, don't tell.

Was diesem Eindruck noch etwas verschärft, sind die doch recht häufig verwendeten Hilfsverben und die Wortwiederholungen. Sie lassen den Text und auch die Sätze selbst länger erscheinen und damit wie eine langwierige Erklärung. Als Beispiel picke ich mal einen Satz raus:

Zitat:
Greg hasste es; er hasste diesen Schlafsack, er hasste das Zelt, er hasst diese gesamte Unternehmung.


4x hasst ist zu viel.

Es würde auch reichen: Greg hasste diesen Schlafsack, das Zelt, im Grunde die gesamte Unternehmung. -> keine Wortwiederholungen mehr.
Solche Wiederholungen sind ja grundsätzlich zulässig, sind aber eher als rhetorisches Mittel zu sehen und sparsam einzusetzen.

Ein weiterer Satz:

Zitat:
So eindrucksvoll diese leuchtenden Linien auch waren, sie wurden immer dichter und größer und von Sekunde zu Sekunde wurde Greg das Unwetter zusehends unheimlicher. Auch das Donnern wurde lauter und der Zeitabstand zwischen Licht und Schall war kaum noch vorhanden.


waren ... wurden ... wurde / Hilfsverben in Kombination mit einem langen Satz. Das ist ermüdend zu lesen.
Ich versuche mich in einem Beispiel, um die Problematik zu umgehen: Er starrte fasziniert auf die eindrucksvollen Linien. Doch mit jedem Blitz mischte sich auch Unbehagen in seine Begeisterung. Eine Entladung folgte der nächsten, fast zeitgleich begleitet von explosionsartigem Donner.
Das Beispiel muss nicht unbedingt besser sein, aber wie du siehst, es geht auch ohne Hilfsverben. Treffender Ausdrücke erzeugen ein besseres Bild und kürzere, prägnantere Sätze lesen sich leichter.

Mir gefällt der Einstieg sehr gut und ich würde mich freuen, mehr davon zu lesen. Aber du solltest noch ein wenig daran feilen.

mfg
Paul


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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein
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kioto
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 00:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Monostone,

Der Prolog ist klingt recht interessant, aber ich habe damit ein Problem. Der Junge soll wohl so um die 12-15 Jahre sein? Seine Gedanken werden aber mit der Sprache eines 40 jährigen formuliert. Dann ist er erst völlig zimperlich, fast ängstlich und geht aber raus ins Gewitter und verhält sich wie ein 3 jähriger und staunt fast verzaubert. Für mich passt das alles nicht richtig zusammen.
Außerdem sollte er seinen Ärger irgendwie in Handlung ausdrücken. Er tritt gegen die Zeltstange, verheddert sich im Schlafsack, oder bindet die Schuhe falsch, weil er abgelenkt ist, irgend etwas, damit es weniger statisch wirkt.

Gruß Werner


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Stanislav Lem: Literatur versucht, gewöhnliche Dinge ungewöhnlich zu beschreiben, man erfährt fast alles über fast nichts.
Phantastik beschreibt ungewöhnliche Dinge (leider m.M.) meist gewöhnlich, man erfährt fast nicht über fast alles.

Gruß, Werner am NO-Kanal
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Monostone
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 17:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die hilfreichen Kommentare! Ich freue mich ehrlich über jede Anmerkung.
03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Solche Wiederholungen sind ja grundsätzlich zulässig, sind aber eher als rhetorisches Mittel zu sehen und sparsam einzusetzen.

In dem konkreten Beispiel war es tatsächlich als rethorisches Mittel gedacht gewesen; möglich dass ich hier über das Ziel hinausgeschossen bin.
kioto hat Folgendes geschrieben:
Der Prolog ist klingt recht interessant, aber ich habe damit ein Problem. Der Junge soll wohl so um die 12-15 Jahre sein? Seine Gedanken werden aber mit der Sprache eines 40 jährigen formuliert. Dann ist er erst völlig zimperlich, fast ängstlich und geht aber raus ins Gewitter und verhält sich wie ein 3 jähriger und staunt fast verzaubert. Für mich passt das alles nicht richtig zusammen.
Ich verstehe was du meinst und werde mir das noch einmal ansehen.
kioto hat Folgendes geschrieben:
Außerdem sollte er seinen Ärger irgendwie in Handlung ausdrücken. Er tritt gegen die Zeltstange, verheddert sich im Schlafsack, oder bindet die Schuhe falsch, weil er abgelenkt ist, irgend etwas, damit es weniger statisch wirkt.
Danke für diesen Vorschlag; die Idee gefällt mir.
03mtep13 hat Folgendes geschrieben:
Mir gefällt der Einstieg sehr gut und ich würde mich freuen, mehr davon zu lesen. Aber du solltest noch ein wenig daran feilen.
Ich werde wohl nicht vor dem Wochenende dazu kommen, das Geschriebene zu überarbeiten; wenn das Interesse besteht, stelle ich aber gerne vorab das darauf folgende Kapitel herein.
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03mtep13
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BeitragVerfasst am: 13.01.2017 00:16    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
möglich dass ich hier über das Ziel hinausgeschossen bin.


Ein bisschen. Wink

Zitat:
Ich werde wohl nicht vor dem Wochenende dazu kommen, das Geschriebene zu überarbeiten; wenn das Interesse besteht, stelle ich aber gerne vorab das darauf folgende Kapitel herein.


Das Interesse besteht durchaus. Aber da ich davon ausgehe, dass das erste Kapitel ähnliche Kritiken hervorrufen wird, wie der Prolog, solltest du vorher nochmal überarbeiten. Dann können wir weiter am Text schleifen.


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Monostone
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BeitragVerfasst am: 14.01.2017 21:57    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, ich habe den Prolog jetzt einmal überarbeitet und versucht die gesammelten Ratschläge einzubauen. Mal sehen, wie sehr mir das gelungen ist smile

Prolog

01:01 zeigten die Ziffern auf Gregs Uhr, die er zum wiederholten Mal anstarrte, nur um sich zu vergewissern dass die Zeit auch tatsächlich verging. Vier Stunden versuchte er bereits vergeblich einzuschlafen, doch von Müdigkeit gab es keine Spur. Es musste an der Kälte liegen; oder an der gespenstischen Stille. Vielleicht aber lag es einfach daran, dass er sein Bett vermisste. Oh ja! Ein kuscheliges, warmes Bett, vier dicke Wände um ihn herum und ein anständiges Dach über dem Kopf; nicht dieser Schlafsack, der ihn nicht einmal richtig warm hielt, oder dieses Zelt, das kaum eine Entschuldigung für eine ordentliche Behausung war.
Mit jeder Minute die er hier zubrachte, begann er mehr und mehr zu erkennen, dass Campingausflüge wohl nicht seine Vorstellungen von einem angenehmen Urlaub erfüllten.
Greg schnaufte genervt als er seine Augen von der Uhr löste und hinüber zu dem zweiten Schlafsack im Zelt blickte, als plötzlich leises Schnarchen von dort zu seinen Ohren drang. Großartig, genau das hatte ihm noch gefehlt!
Greg wälzte sich in seinem Schlafsack auf die andere Seite und versuchte sich die Ohren zuzuhalten, doch es hatte keinen Sinn: Er konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. Wie schaffte es Gerard nur so unbekümmert zu schlafen, bei all den Ablenkungen um sie herum?
Greg schnaufte zornig als er den Reißverschluss seines Bettersatzes öffnete und sich mühte das Stoffgefängnis zu verlassen. Der Junge kroch nach vorne um seinen Bruder anzustupsen: „Gerard! Gerard!“
Mehr als ein genervtes Murmeln konnte er dem Burschen jedoch nicht entlocken.
Am liebsten wollte Greg seinen kleinen Bruder packen und wach rütteln; dann wäre er wenigstens nicht mehr der einzige, der hier schlaflos auf den Morgen warten musste und einen Augenblick lang sah es auch aus, als würde er sich nicht mehr länger zurück halten können. Doch die geballte Faust entspannte sich wieder und Greg wandte sich ab und kroch stattdessen dem Ausgang des Zeltes entgegen.
Gerard konnte man keinen Vorwurf machen; so sehr er Greg manchmal auch auf die Nerven ging, er trug keine Schuld daran dass sein Bruder keinen Schlaf fand.
Ein eisiger Hauch wehte dem Jungen ins Gesicht nachdem dieser das Zelt geöffnet hatte und ließ erste Zweifel aufzukeimen, ob es sich wirklich um eine gute Idee handelte, sich mitten in der Nacht in die finstere Wildnis des Stockton State Park zu begeben. Doch welche Optionen standen denn zur Auswahl? Wieder zurück in den stickigen Schlafsack kriechen und die nächsten vier Stunden sich hin und her wälzen, bis schließlich die Sonne wieder auf ging? Nein; damit hatte er schon genug Zeit verschwendet und vielleicht konnte ihn ein kleiner Spaziergang auf andere Gedanken bringen, womöglich sogar ein wenig schläfrig machen.
Die Hände in die Hosentasche gesteckt schlenderte der Achtjährige in die Mitte der vom Mond erhellten Lichtung und blickte verdrossen auf das andere Ende, wo sich das Zelt seines Vaters befand.
Seit ihrer Ankunft hier war gerade einmal ein einziger Tag vergangen und Gregs anfängliches Interesse mittlerweile verflogen. Noch immer lagen ihm die begeisterten Beschreibungen seines Vaters in den Ohren: „Der Park ist einfach traumhaft, ein Paradies! Ihr werdet sehen, wir werden eine Menge Spaß haben!“
Greg trat gegen ein Büschel Gras während er sich daran erinnerte, denn wenn er hier etwas nicht gehabt hatte, dann war das Spaß. Der Junge musste es doch inzwischen besser wissen, als auf die Tricks seines alten Herren hereinzufallen. Warum mussten Psychologen auch immer versuchen andere zu manipulieren? Greg seufzte nur als sein Blick auf die Angeln fiel und ihm damit wieder dämmerte, wie viel Frust er mit diesem Gerät inzwischen verband.
Üblicherweise bevorzugte er ja ruhige Beschäftigungen; wenn er sich in seiner eigenen Gedankenwelt verlieren konnte, dann blühte er auf. Aber Angeln? Das hatte ihm sein Vater wohl auf ewig verdorben: „Nein Greg, so musst du die Rute halten. – Schwingen, siehst du so! – Da, schau wie dein Bruder das macht, er hat den Dreh schon heraus!“
Greg beobachtet sich selbst dabei, wie er die Angel nahm und zu Boden warf. Er hasste das blöde Ding.
Verwundert blickte der Junge nach unten auf das leblose Objekt. Wieso konnte es in ihm so etwas auslösen? Jedenfalls fühlte er sich schon wesentlich besser, als noch einen Augenblick zuvor.
Angespornt von der neu gewonnenen Entschlossenheit, ent-schied sich Greg, tiefer in den Wald zu schlendern. Irgendwie schien es kurios: Nach dem stundenlangen Herumquälen im Zelt wirkte der Spaziergang wie Balsam; endlich begann er den Kopf frei zu bekommen und es versuchte niemand ihm verzweifelt zu erklären, wie man eine Angelrute richtig hielt. Greg genoss die frische Luft in seinen Lungen, während er sich immer weiter vom Lagerplatz entfernte und langsam begann, wieder Gefallen an diesem Ort zu finden. Warum fühlte er sich bloß immer dann am wohlsten, wenn keine anderen Menschen um ihn herum waren? Greg verdrängte die Frage, als er eine andere, unbewohnte Lichtung erreichte und sich zufrieden auf einem Baumstumpf niederließ, um nach oben in die Sterne zu blicken. Ja, das entsprach schon eher seiner Vorstellung von Entspannung: Keine Ablenkungen, keine Regeln, nur er und der sternenklare Himmel. Obwohl – wenn er genauer hinsah – so sternenklar war der Himmel gar nicht: Das fahle Mondlicht begann zu schwinden und die Lichtung in Dunkelheit zu tauchen, als immer dichtere Wolken in Erscheinung traten. Greg erschrak, denn von einem Moment auf den anderen war seine Sicht verschwommen. Verwirrt nahm er seine Brille ab und erkannte, dass ein dicker Regentropfen darauf gefallen war.
„Oh Mann, muss das sein?“
Greg rieb das Glas an seinem Pullover ab während er auf-stand und hastig wieder in Richtung des Waldes lief. So sehr er den kleinen Ausflug auch genossen hatte, seine Lust mit klitschnassen Sachen wieder ins Bett zu steigen, hielt sich in bescheidenen Grenzen.
Im Laufschritt bewegte sich der Junge, zwischen den Bäumen hindurch, auf dem Weg zurück zu ihrem Lager und weit konnte es jetzt auch nicht mehr sein. Oder doch? So weit war er doch gar nicht gegangen, die Lichtung hätte schon längst wieder auftauchen müssen. Greg blieb stehen um sich umzusehen. Die hereingebrochene Dunkelheit erschwerte es ihm den Weg zu erkennen. Befand er sich überhaupt noch auf dem Weg? Mit jeder Sekunde in der er sich nicht für eine Richtung entscheiden konnte, verstärkte sich der Regen mehr und mehr. Seine blonden Haare nass und Donner in den Ohren, konnte Greg nicht länger warten. Er rannte los ohne zu sehen wohin, Hauptsache weg von hier. Große Hoffnung bestand nicht, dass er jetzt noch den Weg zurück zum Lager fand, aber er musste irgendwo Unterschlupf suchen, denn mit jeder Minute nahm die Belastung zu.
Greg schrie auf als plötzlich der aufgeweichte Boden unter seinen Füßen nachgab. Das Gleichgewicht und die Orientierung verloren taumelte er nach vorne und landete mit dem Gesicht voran im Matsch.
Greg hielt dies für den richtigen Zeitpunkt, die vor kurzem aufgeschnappten Schimpfwörter auszuprobieren, während er versuchte seinen zitternden Körper wieder aus dem Schlamm zu ziehen. Inzwischen war es ihm völlig egal, dass ihn der Regen komplett durchnässte, während er im Dreck sitzend versuchte selbigen von seiner Brille zu waschen; schlimmer konnte es wirklich nicht mehr kommen.
In diesem Augenblick sah er es: weiß-blaues Licht, das plötzlich durch die Bäume hindurch schimmerte. Greg brauchte ein paar Sekunden um zu erkennen, woher das Licht stammte, und zwar genau die paar Sekunden die es dauerte, bevor lauter Donner durch den Wald hallte.
„Na großartig…“
Wieder einmal stellte das Schicksal seinen Humor unter Beweis, indem es jede Gelegenheit als Herausforderung sah. Greg versuchte aufzustehen, denn er wusste dass es gefährlich war sich während einem Gewitter im Wald aufzuhalten. Oder brachte er da gerade etwas durcheinander? Er konnte nicht einmal mehr richtig denken! Jedenfalls konnte er keinesfalls hier bleiben.
Greg zuckte zusammen als ein weiterer Blitz den schwarzen, wolkenverhangenen Himmel und den Forst darunter erhellte. Was war das? In dem kurzen Augenblick in der der Blitz die Nacht zum Tag werden ließ, hatte der Junge etwas zwischen den Bäumen durchschimmern sehen. Einen Spiegel? Nein, natürlich der See! Er befand sich wohl fast an dessen Ufer und damit wusste er endlich wo er war! Aufgeregt schleppte sich Greg weiter und schließlich die Böschung zum Schotterstrand hinunter. Tatsächlich: Vor ihm lag das von Wind und Wellen gepeitschte Gewässer. Der Junge kannte diesen Platz, hier hatten sie tags zuvor das Boot beladen; also konnte der Lagerplatz nicht mehr weit sein. Er hastete den Strand entlang und nur noch wenige Meter trennten ihn von dem vertrauten Aufstieg zum Weg, der zu seinem Zelt führte, als er unvermittelt stehen blieb.
Er blickte hinaus auf den See, denn die blau leuchtenden, verästelten Gebilde am Himmel spiegelten sich darin und zogen Greg in ihren Bann: „Wow… das ist krass!“
Einige Sekunden lang starrte er nur in die Ferne, bis er gewaltsam aus seiner Trance und im Schreck auf den Boden geworfen wurde: Ein Blitz war nur wenige Meter von ihm entfernt in einem Baum eingeschlagen.
„Greg?“
Hastig drehte der Junge seinen Kopf in die Richtung der Stimme: Sein Vater stand dort, in dem Aufgang zur Lichtung und trug etwas, das wie ein schwerer Regenmantel aussah.
„Mein Gott Junge, bist du verrückt? Komm weg da, schnell!“
Das musste man Greg nicht zweimal sagen; so schnell er konnte sprang er auf die Beine und rannte seinem Vater entgegen. Nur noch wenige Schritte, dann würde er sich in Sicherheit befinden.
Zu spät! Mit einem markerschütternden Knall traf ihn einer jener weiß-blau leuchtenden Linien in den Rücken; ein Strang gleißend heißer Luft, der seine Haut mit einem gigantischen Reservoir elektrostatischer Energie verband. Die Zeit schien still zu stehen während sich der Körper des Jungen mit einem stechenden Schmerz füllte. Etwas anderes drängte diesen allerdings rasch in den Hintergrund, als jede andere Wahrnehmung plötzlich alles überschattete. Während der Strahl eigentlich nur winzigste Bruchteile einer Sekunde andauerte, war Greg dennoch jeder Moment des Geschehens so klar, wie schon lange nichts mehr: Er hörte wie sein Blut zu kochen begann, und jede Faser seines Leibes unter den Qualen der unsagbaren Kraft der Naturgewalt erzitterte. Er spürte den Wind und die Nässe auf seiner Haut, jeder einzelne Tropfen schien ihm bewusst zu sein. Er sah seinen Vater vor ihm, das angsterfüllte Gesicht in grelles, weißes Licht getaucht.
Die schiere Reizüberflutung verwehrte es ihm zu schreien und auf einmal mengte sich ein weiterer, unbekannter Eindruck dazu, wie eine vergessene Erinnerung die plötz-lich zum Vorschein trat. Er konnte sie nicht begreifen, unmöglich jetzt wo der Schmerz wieder alles überstrahlte, als ihn die Zeit wieder in die Realität zog. Die Wahrnehmung schwand, das Zeitgefühl ebenso. Sein kurzes, aber gesamtes Leben, spielte sich vor seinem geistigen Auge ab.
Und dann war es vorbei: Der Blitz, verschwunden, genau wie der Schmerz. Sein Blick trübte sich mehr und mehr ein, während Greg sah, wie ihm sein Vater entgegen rannte und er spürte, wie er zu Boden fiel. Doch noch bevor er dort auftraf, war alles schwarz.

Greg wusste nicht wie viel Zeit vergangen war als er seine Augen aufschlug. Stunden, Tage, Wochen? Jedenfalls schien er nicht mehr im Wald zu sein, denn grelles Licht blendete seine Augen, als er versuchte sich in der weißen Umgebung umzusehen. Der Junge blinzelte um sich an die ungewohnte Helligkeit zu gewöhnen und bald begriff er, dass er sich wohl in einem Zimmer befand. Geräusche drangen an sein Ohr; Geräusche die er zunächst nicht einordnen konnte und erst nach einigen Augenblicken als Stimmen erkannte. Sein Herzschlag beschleunigte sich, denn er kannte die Stimmen:
„Das war das letzte Mal, Cent! Das letzte Mal, hörst du?“
Greg sah zu ihnen hinüber und sein Blick fand drei Personen, nur wenige Meter entfernt. Immer noch benommen und ohne seine Brille brauchte er ein paar Momente um zu sehen, dass es sich um zwei Frauen und einen Mann handelte. Die eine Frau kannte er nicht doch die anderen beiden lösten ein Gefühl der Vertrautheit aus. Der Mann war groß aber schlank und hatte blondes Haar, ganz wie Greg selbst; ebenso die Haarpracht der Frau, von kleinerer Statur, wenn auch um einiges länger. Endlich erkannte er die beiden: es waren seine Eltern, die das Erwachen ihres Sohnes sogleich bemerkten:
„Claire, sieh nur“, hörte Greg seinen Vater sprechen. „Er ist aufgewacht! Schwester, schnell, holen Sie den Doktor!“
Die andere Frau, die, wie Greg nun sehen konnte, Pfleger-Gewand trug, stürmte sogleich aus dem Zimmer.
Die Erinnerung begann zurückzukehren: Der Zeltausflug, die schlaflose Nacht, der Blitz; alles wieder vor Gregs innerem Auge und zwar in einer unglaublichen Klarheit; jede Einzelheit des Tages schoss zurück in den Kopf des Jungen. Aber nicht nur das, auch frühere Erinnerungen platzen plötzlich auf, so deutlich, als hätten sie erst vor einer Sekunde stattgefunden.
War dies normal? Greg wollte sich nicht mit dieser Frage belasten und versuchte stattdessen sich aufzurichten um seine Eltern zu begrüßen; schließlich hatten sie sich sicher Sorgen gemacht. Doch gerade als er seinen Mund öffnen wollte, fiel ihm etwas auf; etwas, das ihn irritierte: Er hörte die Stimme seiner Mutter, aber ihre Lippen bewegten sich nicht: Oh mein Gott, danke! Danke, hörte er sie sagen. Auch seines Vaters Stimme füllte plötzlich seinen Kopf, ohne dass es eine sichtbare Quelle gab: Es geht ihm gut! Dem Himmel sei Dank!
Erschrocken ließ Greg seinen fragenden Blick zwischen seinen Eltern hin und her wandern, als wieder etwas Neues in seine Wahrnehmung trat: Er spürte Zorn. Zorn dass der eigene Ehemann nicht ausreichend auf das gemeinsame Kind aufgepasst hatte. Schuld. Die Schuld, den eigenen Sohn im Stich gelassen zu haben. Doch Zorn und Schuld verblassten bereits und wichen einer großen Erleichterung, eine Erleichterung die Greg auch jetzt in den Gesichtern seiner Eltern sehen konnte.
Dem Jungen wurde klar, dass es ihre Gefühle waren die er plötzlich spürte. Was war mit ihm geschehen? Warum konnte er Stimmen hören wenn niemand sprach? Warum fühlte er mehr als seine eigenen Empfindungen? Und je länger er seine Eltern mit seinem irritierten Blick anstarrte, desto mehr schien die neu gewonnene Freude aus ihren Gesichtern zu verschwinden.
Greg konnte sehen, dass sein Vater etwas sagen wollte, doch er kam nicht dazu als sich plötzlich die Tür öffnete. Der Junge wandte sich um und blickte einen großen, jungen Mann im weißen Kittel an, die pechschwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und einer Brille mit kreisrunden Gläsern auf der Nase. Kein Zweifel, das war der Arzt der ihn behandelte, doch noch bevor Greg irgendwie reagieren konnte, drängte sich eine neue, unbekannte Stimme in seinen Kopf: Interessant, ich hätte nicht gedacht dass sich das Blitzopfer so schnell erholt.
„Blitzopfer…“, murmelte Greg immer noch irritiert doch der Arzt schien das nicht gehört zu haben. Er trat wortlos an Gregs Bett heran und begann den Patienten zu untersuchen. Während er mit einer kleinen Lampe die Pupillen des Jungen prüfte, richtete er das Wort an ihn: „Willkommen zurück Kleiner, weißt du wo du bist?“
Greg öffnete den Mund um zu antworten, doch die Überra-schung ließ ihn inne halten: Die Stimme von vor einer Sekunde, aus seinem Kopf, war die des Arztes! Das konnte doch kein Zufall sein?
„Hast du meine Frage verstanden“, fragte der Mann nach, als Greg sich immer mehr Zeit mit seiner Antwort ließ.
„Ja Doktor Gilmore“, erwiderte Greg. „Mir… mir geht es gut!“
Greg erschrak plötzlich; warum wusste er den Namen des Doktors? War es überhaupt sein Name? Sein Gegenüber wirkte für einige Sekunden jedenfalls ebenso verwundert wie der Junge. Dann fiel der Blick des Arztes auf sein eigenes Namenschild und ein Lächeln formte sich.
„Haha, jetzt hättest du mich fast erwischt! Sieht so aus als würden deine Augen funktionieren. Jetzt hast du mir gegenüber einen Vorteil. Sag mal, wie heißt du denn mein Junge?“
„Greg! Gregory Evergreen!“
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holg
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 15.01.2017 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

Da hast du wirklich ordentlich was getan!

Der Anfang liest sich für mich besser, versteigt sich nicht mehr in Analysen, ist für mich nachvollziehbar. Ein paar Kommafehler sind da noch, aber da guck ich jetzt nicht drauf.


„Gerard konnte man keinen Vorwurf machen; so sehr er Greg manchmal auch auf die Nerven ging, er trug keine Schuld daran dass sein Bruder keinen Schlaf fand.“

hier fällst du das erste Mal aus der Perspektive.  

„Gerard konnte doch auch nichts dafür. …“

z.B., und schon passt es wieder eher.

Der folgende Absatz liest sich wieder eher verkopft. Danach besser bis
„Angespornt von der neu gewonnenen …“

Da hakt es mMn wieder.


Insgesamt finde ich das viel besser.


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kioto
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BeitragVerfasst am: 15.01.2017 17:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Monostone,

Die Überarbeitung ist gut gelungen. Es ließt sich viel flüssiger, die Hauptperson gewinnt Konturen und wird glaubwürdig. Die Handlung ist spannender.

Mir gefällt es sehr gut.

Gruß Werner


_________________
Stanislav Lem: Literatur versucht, gewöhnliche Dinge ungewöhnlich zu beschreiben, man erfährt fast alles über fast nichts.
Phantastik beschreibt ungewöhnliche Dinge (leider m.M.) meist gewöhnlich, man erfährt fast nicht über fast alles.

Gruß, Werner am NO-Kanal
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Monostone
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BeitragVerfasst am: 21.01.2017 15:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Rückmeldungen smile

Ich bin jetzt auch noch einmal über das erste Kapitel drüber gegangen, das ich versprochen habe hier herein zu stellen. Ich hoffe ich konnte die Tendenz fortsetzen. Viel Vergnügen!

(ca. 1900 Wörter)

Eins
Das siebte Jahr nach dem Vorfall, 27. Juli
‚John Harris High School‘ stand in großen Lettern über dem Eingang des klotzigen Baus den Greg gerade misstrauisch beäugte. John Harris war der Gründervater von Harrisburg gewesen; soviel wusste der Junge. Dass sich seine neue Schule als dermaßen farblos und altmodisch erweisen würde, das hatte er jedoch nicht geahnt. Greg seufzte leise, als er die Stufen zu dem, von einer Säulenreihe umsäumten, Vorplatz hochstieg und die Tür öffnete.
Ein wenig verwunderlich, dass sie sich als unversperrt entpuppte, schließlich standen sie am Anfang der Sommerferien und dass Greg sich hier aufhielt, konnte man gerne seltsam nennen. Eigentlich missfiel es ja dem Jungen auch diesen Ort aufsuchen zu müssen, aus mehrerlei Gründen, vor allem aber, da er sich eigentlich um Wichtigeres kümmern wollte. Der Umzug alleine war zeitfressend genug gewesen und – soweit es Greg betraf – auch völlig unnötig. Ernsthaft: Warum sollte man die gewohnte Umgebung von Springfield aufgeben und nach Harrisburg kommen? Das Bemerkenswerteste, was er damit verband, war der Reaktorunfall von 1979; nicht gerade eine Glanzleistung der Geschichte. Aber wenn seine Mutter unbedingt die Partnerschaft in dieser hiesigen Kanzlei annehmen und so nebenbei auch das Kriegsbeil mit ihrem Bruder begraben wollte, so sollte es dem Jungen recht sein. Trotzdem: irgendwie wollte er nicht so wirklich glauben, dass hier alles mit rechten Dingen zuging.
Greg, der in den letzten Jahren kaum Lust gefunden hatte um zu wachsen, schlenderte zielsicher über die dunklen Linoleumfliesen des Schulkorridors. Wie erwartet ent-täuschte auch das Innere des Schulgebäudes durch seine Eintönigkeit; eine endlose Strecke aus Schließfächern säumte die linke Wand während auf der rechten Seite eine identische Tür die nächste zu jagen schien.
Es konnte kein Zufall sein, dass der Bezirksschularzt ihn heute hier her bestellt hatte. Vor allem der Name löste ein starkes Misstrauen in Greg aus: Doktor Christopher Warren. Irgendwoher kannte er diesen Namen, doch so sehr er sich auch bemühte sich zu erinnern, es wollte ihm nicht einfallen woher, was alleine schon ausreichte um seinen Argwohn zu erhöhen und eine kurze Recherche verstärkte auch seinen Verdacht: Was ihn hier auch immer erwartete, es handelte sich sicher nicht um einen Routinetermin und so langsam kamen ihm Zweifel, ob es wirklich die Entscheidung seiner Mutter gewesen war, in diese Stadt zu ziehen.
Irgendwann stieß Greg schließlich auf die Tür, die die Aufschrift ‚Arzt’ trug und ohne weiteres Zögern wischte er sich die unordentlichen, längeren Haare aus seinem Gesicht und klopfte. Jetzt würde sich zeigen, wie weit er seine Sorgen als Paranoia abtun konnte.
Nach einem deutlichen „Herein“ kam der Junge der Aufforderung nach und betrat das Zimmer.
„Ah Mr. Evergreen! Wie geht es Ihnen?“
Der relative große Mann hinter dem Schreibtisch, in dem spartanisch gehaltenen Raum, war freudig aufgesprungen und strahlte Greg nun geradezu an. Im Grunde machte der leicht euphorisch wirkende Arzt einen recht freundlichen Eindruck, vor allem da er trotz seines Alters – er trug zwar eine volle, doch bereits ergraute Haarpracht – noch irgendwie jugendlich wirkte. Fröhlichkeit und Wohlwollen, diese Signale wollte er wohl aussenden, als er Greg seine Hand zum Gruß reichte. Doch irgendetwas stimmte nicht. Als er Warren ansah, kam das seltsame Gefühl in ihm hoch, als stünde er vor einer Schaufensterpuppe. Greg zögerte damit den Gruß zu er-widern, doch er wollte sich nicht anmerken lassen, dass der verstörende Umstand neues Misstrauen ausgelöst hatte und er nahm die Hand des Doktors entgegen.
„Doktor Warren nehme ich an.“
„Sie nehmen richtig an Greg! Ich darf Sie doch Greg nen-nen?“
„Ähm… natürlich Doktor.“
„Das freut mich wirklich“, rief Warren strahlend.
Greg bemerkte, dass sich Warrens Gesichtsausdruck für einen kurzen Augenblick, kaum merklich veränderte. War seinem Gegenüber etwas bewusst geworden oder handelte es sich nur um seine Einbildung? Greg versuchte es zu erkennen, doch es klappte nicht. Dieser Arzt war wirklich nicht so, wie er erwartet hatte.
„Bitte, setzen Sie sich“, fuhr der Arzt fort „Möchten Sie etwas zu trinken haben? Kaffee, Tee?“
„Nein danke“, erwiderte Greg knapp. „Mir wäre es lieber, wenn wir gleich zum Thema kommen könnten.“
„Aber natürlich, ich… äh… wenn Sie erlauben, ich möchte nur kurz Ihre Akte raussuchen…“
„Meine Akte“, fragte Greg erstaunt. „Sie haben eine Akte über mich?“
„Ja… eine Krankenakte… Wo hab ich sie denn…? Ah, da ist sie ja!“
Warren hatte einen vergilbten Ordner aus einer Schublade gezogen und als Greg die Deckseite sah, weiteten sich seine Augen: Er kannte diese Akte. Sein Verdacht bestätigte sich mehr und mehr und jetzt war klar: Die Fassade des schüchternen, verklemmten Teenagers würde ihm hier nicht weiterhelfen.
„Gregory Evergreen, geboren in Springfield, Missouri am elften März…“
„Doktor, verzeihen Sie bitte wenn ich Sie unterbreche, doch wir wissen beide, dass das hier kein Kontrollbesuch ist! Sie wollen offensichtlich etwas Bestimmtes mit mir besprechen. Was ist das für eine Akte?“
Warren sah Greg zunächst etwas verdutzt an, wohl wegen der ungewohnten Direktheit des fünfzehnjährigen Jungen, schien dann jedoch einverstanden zu sein und legte die Mappe beiseite und blickte den Jugendlichen diesmal ernst an.
„Sie wollen wissen warum ich Sie hergerufen habe? Also schön: Ich sehe mir immer die Krankengeschichte der neuen Schüler an und da Sie bereits einmal in stationärer Behandlung waren, habe ich mir erlaubt Einsicht in diese Krankenakte zu nehmen.“
„Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher ob das wirklich legal ist, Doktor“, gab Greg zu bedenken. Warren lächelte nur.
„Ich bin dazu mehr als befugt, tatsächlich ist es sogar meine Pflicht und mir ist etwas Seltsames aufgefallen in Ihrer Krankenakte.“ Warren stand auf und begann, mit den Armen hinter seinem Rücken verschränkt, durch das Büro zu schlendern. „Ähm… nun ja, seltsam ist vielleicht das falsche Wort… aber zumindest interessant: Sie wurden vor nicht ganz sieben Jahren von einem Blitz getroffen! Ein Unfall den Sie ganz offensichtlich überlebten.“
„70-80 Prozent aller Blitzopfer überleben Doktor, aber das muss ich Ihnen sicher nicht erzählen!“
Warren wirkte etwas überrascht, wahrscheinlich wieder wegen Gregs direkter Aussage, fuhr dann jedoch sofort fort:
„Ja, da haben Sie Recht, aber bis jetzt haben alle diese Blitzopfer eine gewisse Veränderung erfahren, eine Verhaltensänderung, beziehungsweise irgendwelche Schäden, physischer oder psychischer Natur. Zum Beispiel eine verringerte Effektivität des Kurzzeitgedächtnisses bis hin zu einer totalen Persönlichkeitsveränderung. Sie allerdings weisen keine derartige Veränderung auf. Unter diesem Augenmerk sind Sie einzigartig. Auch den Ärzten, die Sie behandelt haben ist es offenbar aufgefallen, denn es wurden einige Tests angeordnet, diese haben jedoch angeblich keinerlei Ergebnisse erbracht.“
„Tatsächlich“, erwiderte Greg trocken. „Warum erzählen Sie mir das, ich verstehe nur wenig von solchen Dingen. Ich habe auch kaum noch Erinnerungen an damals. Worauf wollen Sie also hinaus?“
Warren nickte nur lächelnd.
„Dass Sie keinen Schaden davongetragen haben, liegt an einer angeborenen Resistenz gegen elektrische Schocks. Diese Resistenz haben Sie unter anderem ihrer seltenen Blutgruppe zu verdanken. Was sagen Sie dazu?“
Greg zog unmerklich die Augenbrauen hoch als er diesen letzten Satz hörte, versuchte aber seine Verwunderung zu verbergen.
„Ich bin fünfzehn, Doktor! Im Gegensatz zu Ihnen habe ich keinen Abschluss in Medizin.“
Der werte Doktor hatte einen strengen Blick aufgesetzt mit dem er Greg zu mustern schien.
„Ich habe das mit der Blutgruppe aus der Akte entnommen, ein gewisser Dr. Gilmore hat diese Behauptung aufgestellt. Ohne jeden Bezug zur Realität. Die Blutgruppe kann keine Resistenz gegen elektrische Schocks, geschweige denn einen Blitzschlag hervorrufen! Jeder Medizinstudent im ersten Semester hätte sich eine bessere Erklärung ausdenken können. Diese hier klingt eher so, als käme sie von… sagen wir mal… einem Achtjährigen.“
Warren lächelte kühl als er scheinbar versuchte Gregs Reaktion zu lesen und sich selbstgefällig das Kinn rieb.
„Warum erzählen Sie mir das“, fragte Greg. „Ich bin weder Hellseher noch Arzt. Ich war noch nicht mal in einem Erste-Hilfe-Kurs! Warum fragen Sie nicht diesen Doktor Gilmore wenn Sie wissen wollen, warum er das geschrieben hat?“
„Keine Sorge, das werde ich“, erklärte Warren lächelnd. „Aber das ist hier auch gar nicht das Thema! Es geht mir um Ihr Wohlergehen. Wenn meine Kollegen damals irgendwie gepfuscht haben sollten, kann dies für Sie schwerwiegende Folgen gehabt haben, von zukünftigen Folgen ganz zu schweigen. Das ist der Grund warum ich Sie herbestellt habe, denn zufällig bin ich ein Spezialist auf dem Gebiet…“
„Ich weiß“, beschloss Greg den Arzt neuerlich zu unterbrechen. „Ich habe mir erlaubt mich ebenfalls über Sie zu informieren, Doktor Warren. Sie sind ein führender Neurologe und erforschen die verschiedensten Umweltauswirkungen auf das menschliche Gehirn. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie mich gerne als Proband für einen Ihrer Aufsätze hätten, dazu fehlt mir aber leider das Interesse.“
Greg stand auf und entschied sich das Treffen zu beenden: „Mir geht es gut Doktor! Mehr gibt es nicht zu sagen. Bitte respektieren Sie meinen Wunsch, dass ich nicht für Sie das Versuchskaninchen spielen werde!“
Warren war zweifellos erstaunt, nickte dann jedoch ent-täuscht: „Wie Sie meinen. In diesem Fall gibt es nichts mehr zu besprechen, aber ganz nebenbei: Jeder sollte einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Ich könnte Ihnen viel-leicht ein paar Anlaufstellen nennen, falls Sie sich entscheiden an einem teilzunehmen.“
Warren grinste von einem Ohr zum anderen, doch Greg erkannte, dass der Arzt etwas im Schilde führte. Die Absichten des Doktors waren undeutlich, aber jedenfalls entsprachen sie nicht denen, die er vorgegeben wollte. Gregs ursprüngliche Vermutung bestätigten sie jedoch auch nicht. Der Junge brauchte mehr Informationen und zwar jene Sorte, die man nicht einfach so im Internet fand!
Greg reichte dem Arzt die Hand zum Abschied: „Auf Wiedersehen Doktor.“
Warren nickte nur und drehte sich in seinem Stuhl zum Fenster um nachdenklich hinaus zu starren.
Vor der Tür warf der Junge kurz einen prüfenden Blick zurück: Der Arzt hatte seinen Blick immer noch auf das Fenster gerichtet. Nachdem sich Greg davon überzeugt hatte, dass sich außer Warren und ihm sonst niemand hier befand, schloss er die Augen und kurz darauf durchströmte ihn ein kühles Prickeln, wie von einer kalten Dusche. Ohne weiteres Zögern betrat er erneut den Raum des Arztes und schloss die Tür hinter sich mit solchem Schwung, dass Warren sich nach dem Knall erstaunt umwandte und daraufhin ärgerlich murmelte, um kurz darauf wieder nach der ominösen Akte zu greifen. Offenbar konnte er Greg nicht sehen, denn er ignorierte den Jungen völlig, der sich nun direkt vor den Schreib-tisch des Doktors stellte. Wieder schloss Greg die Augen, diesmal um sich zu konzentrieren; er musste wissen was Warren plante, doch wieder wollte es ihm nicht gelingen. Er musste sich zügeln um nicht frustriert zu schnaufen. Wieso klappte es nicht? Es blieb ihm nichts anderes übrig, als anderen Methoden in Erwägung zu ziehen, doch gerade als er zu seiner Armbanduhr greifen wollte, sah er wie der Arzt sein Mobiltelefon hervorholte und zu wählen begann.
„Hallo Tom, hier ist Chris! – Wie es gelaufen ist? Er hat nicht angebissen, so ist es gelaufen! – Ja ich weiß, aber wir werden den Plan ändern müssen. – Ja genau, ich meine Plan B. Wie sieht es da aus? – Wird das Gerät klein genug sein, damit man es unauffällig in einem Schulspint verstecken kann? – Ausgezeichnet! Schick es mir rüber, ich erledige dann den Rest. Sorg nur dafür, dass die Daten so schnell wie möglich ausgewertet werden! – Okay, wir sehen uns!“
War es zuvor nur ein Verdacht gewesen, so hatte er nun die Gewissheit: Warren wusste etwas und Greg musste ab sofort noch vorsichtiger sein.

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Monostone
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 34
Beiträge: 9
Wohnort: Linz


BeitragVerfasst am: 03.05.2017 09:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!

Ich wollte nur über den Stand der Dinge informieren.

Ich habe mein Manuskript, d.h. den restlichen Teil, ebenfalls nochmals überarbeitet und stehe jetzt bei 325 Normseiten oder ca. 75.000 Wörtern. Ich warte gerade noch auf Rückmeldungen von meinen Probelesern. Gibt es noch Meinungen oder Gedanken zu den hier bereits herein gestellten Passagen?

Liebe Grüße
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Alufolie
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 33
Beiträge: 58
Wohnort: Leverkusen


BeitragVerfasst am: 03.05.2017 12:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Monostone,

Da ich selber Neuling im Schreiben bin, maße ich mir mal keine Verbesserungsvorschläge an, sondern sage nur soviel:
Inhaltlich hat mir der Text gefallen und ich bin neugierig, wie es weiter geht. Wink
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