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Autor Nachricht
Logan
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 01.01.2017 03:30    Titel: Der Sohn des Ikarus eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo allerseits und ein frohes neues Jahr,

Wie mir Leveret Pale auf dem Teppich empfohlen hat, poste ich Euch hier meine erste Leseprobe. Danach gehts zum Feiern hier in Cusco.

Wer den Text lieber in formatiertem Zustand lesen möchte, findet unten ein PDF als Anhang. Exclamation

Auf Eure Meinungen bin ich sehr gespannt.

Liebe Grüsse,
Logan


KAPITEL 2 (Ray und der Junge)
Raymond Read legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung und lehnte sich nach vorne, um das Kirchenschiff unter sich zu überblicken. Langsam liess er seinen Blick durch das Innere schweifen.
Wo versteckt sich der Kleine bloss?
Auf dem grauen Steinboden wo früher lange hölzerne Sitzbänke Platz für die Gläubigen geboten hatten, standen jetzt Schulpulte, Projektoren und Werkbänke. Anstelle der Pfarrer schritten nun Lehrer durch die Kreuzbögen und sorgten für über achtzig Kinder, die hier alle geschützt von den sengenden Strahlen der Sonne zwischen den Mauern lebten.
Sein Blick fiel auf eine kleine Gruppe von Kindern im frühen Schulalter. Sie sassen auf Plastikstühlen im Kreis um eine junge Lehrerin mit langen, blonden Haaren. Sie zeigte den Kindern, wie sie eine Atemmaske anziehen mussten, ohne dass Sand oder Gas in ihre kleinen Lungen gelangten. Die meisten Kinder hörten aufmerksam zu, einige von ihnen alberten herum und spielten mit den schweren Masken indem sie die Riemen abnahmen und sie wie Gummibänder fliegen liessen. Auch unter ihnen sah Ray den Jungen nicht.
Wo hast du dich damals versteckt, damals nach deinem Neustart? Ray kniff die Augen zusammen und versuchte sich an seine Kindheit zu erinnern. An die ersten Tage in der Kirche nachdem sie ihm mit Gewalt sein Gedächtnis genommen hatten. Er fühlte die Furcht und die Kälte wieder aufsteigen.
Sein Blick fiel auf die drei hohen Chorfenster über den Emporen. Die Bilder, welche die bunten Gläser formten, beschrieben biblische Szenen, die Ray nicht kannte. Die farbgetränkten Sonnenstrahlen jedoch, welche das Innere der Kirche in blau, grün und gelb leuchten liessen, hatten Ray schon als kleiner Junge immer ein warmes Gefühl gegeben. Während Ray die Fenster absuchte, konnte er eine kleine Silhouette erkennen.
Er stiess sich von der Brüstung ab und stieg hinab zum Kirchenschiff. Seine zügigen Schritte waren kaum zu vernehmen, denn er hatte seine schweren Einsatzstiefel am Hauptportal abgezogen und trug nur noch seine Socken. Trotzdem bemerkten ihn einige Kinder und winkten ihm heimlich zu, die Atemmasken halb in den Gesichtern. Ray lächelte und winkte zurück. Am anderen Ende des Kirchenschiffs stieg er so leise er konnte eine kleine provisorische Metalleiter hinauf zur Empore und schwang sich flüssig wie ein Schatten über die Brüstung.
Die Empore war vollgestellt mit quadratischen Holzkisten, die ihm bis zur Hüfte reichten. Ihr Holz war mit der Zeit dunkel geworden und sie rochen nach Staub. Der Junge sass zusammengekauert auf dem Sims des mittleren Fensters und hielt mit beiden Händen ein Buch fest. Seine Beine baumelten über den Boden ohne darunter Halt zu finden. Er war sehr dünn und hatte wildes schwarzes Haar, so dass er Ray ein wenig an ein ausgehungertes Katze erinnerte. Seine Haut war von der Sonne braun gebrannt und er hatte linienförmige Narben im Gesicht, die nur Sandstürme hinterlassen konnten. Wüstenkinder hatten diese Male oft, auch Ray hatte zwei unter seinem rechten Auge.
„Du musst Matt sein“, sagte Ray so behutsam er konnte.
Der Junge schrak zusammen. Ohne sich umzusehen klappte er das Buch zusammen, drückte es mit den Armen an die Brust und sprang fluchtartig vom Sims. So schnell ihn seine Beine trugen rannte er nach links zu der schweren hölzernen Tür, die an seinem Ende der Empore hinab zu den Seitengängen führte. Als er bei ihr ankam, versuchte er mit einer Hand die Tür aufzuziehen.
Sie bewegte sich nicht.
Der Junge legte das Buch auf den Boden und versuchte es erfolglos mit beiden Händen. Plötzlich rutschten seine Finger vom Knauf und er fiel rückwärts auf den Hosenboden. Rasch stand er wieder auf und sah sich mit gehetztem Blick nach seinem vermeidlichen Verfolger um.
Ray hatte sich in der ganzen Zeit nicht bewegt. Er lehnte immer noch an der Brüstung zwischen den Holzkisten. Mit verschränkten Armen sah er dem Jungen gelassen zu.
Der Blick des Jungen sprang von Ray zur Brüstung. Sie war zu hoch für ihn und hinter ihr wartete ein Abgrund von mindestens drei Metern. Die Tür am anderen Ende der Empore war seine letzte Option, doch um sie zu erreichen, musste er an Ray vorbei.
Ray sah, wie er fieberhaft seine Chancen abwog. „Ich werde dich nicht aufhalten“, sagte er ruhig, „sie klemmt zwar ein bisschen, aber mit etwas Anstrengung kannst du es schaffen.“
Mit kurzen misstrauischen Schritten näherte der Junge sich der Stelle wo Ray stand und prüfte, ob dieser ihn vorbeilassen oder nach ihm greifen würde. Als er auf der gleichen Höhe war wie Ray, beschleunigte er seine Schritte wieder, raste zur Tür und öffnete sie mit einem einzigen Ruck.
Als der Junge schliesslich auf der Türschwelle stand und die Treppe hinabsah, hielt er plötzlich inne. Er blickte Ray misstrauisch an. „Willst du mich nicht verfolgen?“ Seine Stimme klang heiser.
„Nein, eigentlich nicht“, sagte Ray.
Ray ging ein paar Schritte, griff nach einer Kiste und schob sie zum Fenster, wo der Junge vor seinem überhasteten Fluchtversuch noch gesessen hatte. Er schwang sich auf die Kiste und blieb mit gekreuzten Beinen im Schein der bunten Gläser sitzen.
„Komm her und setz dich bitte wieder hin“, sagte Ray und zeigte auf den Sims vor sich.
Der Kleine zögerte kurz, warf einen letzten Blick ans Ende der Treppe und schloss die Tür wieder. Ohne Ray aus den Augen zu lassen kam er langsam zum Fenster und setzte sich wieder auf den Sims.
Aus der Nähe konnte Ray den Jungen besser erkennen. Er war vielleicht sieben. Unter seinen lebhaften Augen hatte er schwarze Schatten und seine Lippen waren rissig vor Durst, weil er sich fast einen ganzen Tag lang versteckt hatte. Oben am Kopf erkannte Ray eine kleine kahle Stelle wo sie den Einschnitt gemacht hatten. Er trug einen dünnen weissen Pullover mit Rollkragen, den alle Kinder in der Kathedrale anhatten, und die dazu passende blaue Hose.
Ray reichte ihm seinen Wasserbeutel und der Junge trank zögerlich. „Amma sagt du heisst Matt. Gefällt dir der Name, den sie dir gegeben haben?“, fragte Ray.
Matt wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab und nickte. Sein Blick war immer noch argwöhnisch.
„Mir haben sie damals keinen neuen Namen gegeben“, erklärte Ray, „als sie mich fanden, hatte ich diese Nachricht dabei.“
Ray zog an einer Schwarzen Lederschnur, die er um den Nacken trug. An ihr hing ein kleines Fläschchen. Behutsam öffnete er es, zog ein kleines zusammengerolltes Papier hervor und wickelte es so behutsam auf, als könnte es jeden Moment zerbrechen. In kleiner Schrift, standen nur zwei einfache Sätze darauf. Ray las sie dem Jungen vor.

„Sein Name ist Raymond Read. Bitte sorgen Sie für ihn.“

Ray drehte den Zettel um, wo ein weiterer Satz offenbar in grosser Eile hingekritzelt worden war. Ray las ihn vor.

„Wenn selbst die Weisen offenen Auges verzweifeln, braucht es Narren, die blind den Weg der Hoffnung finden.“

„Was bedeutet das?“, fragte Matt nach ein paar Sekunden.
„Ich weiss es bis heute nicht“, sagte Ray ruhig.
„Denkst du, dass deine Mama das hier drauf geschrieben hat?“
„Ich kann mich nicht an die Zeit vor der Kathedrale erinnern, genau so wie du“, sagte Ray mit einem traurigen lächeln.
„Aber wenn sie dich dort draussen gefunden haben, bedeutet es, dass auch du ein Wüstenkind bist?“
Wüstenkind. Ray hasste den Ausdruck. Es gab Menschen, die es irgendwie geschafft hatten in den Ruinen zu überleben. Die Sonne und das Fehlen jeglicher Zivilisation hatte sie wild und verrückt gemacht. Wenn Sucher oder Stadtwächter auf sie stiessen, waren sie meist gezwungen, sie zu töten. Es gab kein Verhandeln mit ihnen. Zurück blieben nur ihre Kinder. Verwaist wie junge Wölfe, deren Mütter überfahren worden waren. In den letzten Jahrzehnten hatte man angefangen diese Wüstenkinder in die Stadt zu bringen, da es nur noch wenig eigenen Nachwuchs gab. Bevor die Stadtwache sie in die Kathedrale schickte, löschten sie ihnen das Gedächtnis, um sie von den schrecklichen Erlebnissen in der Wüste zu befreien. Sagten sie. Sie nannten den Eingriff einen „Neustart“. Die Stadtbewohner hassten Wüstenkinder und viele Mitglieder der Stadtwache würden sie am liebsten hinrichten, so wie sie es mit ihren Eltern getan hatten.
Ray nickte. „Man hat mich praktisch vor den Toren der Stadt gefunden, da war ich noch sehr klein. Sie haben mir die Erinnerungen gelöscht und mich hierher gebracht. Genau wie dich.“
Ray beugte sich nach vorne und zeigte Matt die längliche Narbe auf seinem Hinterkopf, die damals von seinem eigenen Neustart stammte.
Matt fasste sich an den Kopf und tastete nach dem frisch genähten Schnitt, den er an derselben Stelle trug. „Lucy aus meiner Klasse hat gesagt, die Ärzte machen das, weil meine Eltern in der Wüste hausten und Menschen frassen. Sie sagt, wenn ich noch wüsste wie das ginge, würde ich die anderen Kinder auffressen.“ Angst schlich sich in seinen Blick. „Essen sie ausserhalb der Stadt wirklich andere Menschen?“
Ray lachte leise. „Sie leben von den Dingen, die sie in den Ruinen finden können und schleichen sich nachts in die Grüne Zone. Trotzdem glauben viele Stadtbewohner, dass die Wüstenbewohner Kannibalen sind. Das ist Unsinn.“
„Also bin ich kein Kannibale?“, sagte der Junge. Seine Augen waren jetzt wacher.
„Nein Matt, du isst dieselben Sachen, wie die anderen Kinder auch.“
Ray steckte das Papier sorgfältig in das Fläschchen zurück und legte es wieder um seinen Hals. Er nahm auch den Wasserbeutel wieder an sich und verstaute ihn in seinem Rucksack, den er immer bei sich trug.
„Bist du nicht gekommen um herauszufinden warum ich aus dem Schlafsaal abgehauen bin?“, fragte Matt plötzlich.
„Du hattest einen Alptraum und bist schlafgewandelt, oder?“
Der Junge war verblüfft.
„Ich kann mich noch gut an meine eigenen Träume erinnern. Manchmal bin ich in der Küche oder unten im Kirchenschiff wieder aufgewacht, mein Schlafanzug so nass, als wäre ich in einen Brunnen gefallen. Danach bin ich meistens hier herumgeschlichen.“
„Ich habe geträumt, dass ich im Schlafsaal stand und der Boden plötzlich Zähne bekommen hat und versucht hat mich aufzufressen“, sagte Matt und schlang die Arme um seine Brust als würde er frieren. „Riesige Zähne. Ich wollte nicht zurück.“
„Mach dir keine Sorgen, die Träume werden wieder verschwinden und du wirst dich hier bestimmt wie zu Hause fühlen. Ich habe lange dafür gebraucht, aber heute weiss ich, dass die Kathedrale der Kinder einer der sichersten Orte ist, die es auf der Welt noch gibt.“ Ray legte seine Hand auf die Schulter des Jungen und sie machten sich gemeinsam auf den Weg nach unten.
Er hoffte, dass die Alpträume des Jungen verschwinden würden und wenn nicht, dann wünschte er ihm, dass er sich daran gewöhnte. Er selber hatte so oft Albträume, dass er sie in der Zwischenzeit eigentlich hätte annehmen sollen. Aber er konnte es einfach nicht. Er sah den Jungen an, der die steilen Treppenstufen zum Kirchenschiff hinabstieg.
Womöglich konnte man sich gar nicht an Albträume gewöhnen.

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QingLong
Sonntagsschreiber


Beiträge: 14



BeitragVerfasst am: 01.01.2017 09:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hi, und Frohes Neues!

Ich finde deinen Text gut zu lesen und hatte kaum Momente, in denen ich über unglückliche Formulierungen oder Logiklöcher gestolpert wäre. Das Setting ist interessant, und die vielen Andeutungen lassen mich neugierig zurück.

Allerdings (und das wäre mein einiger grösserer Kritikpunkt) habe ich Probleme, den Sinn des 'Kapitels' zu sehen. Die ganze Situation scheint mir nur dazu zu dienen, dem Leser Informationen zu liefern. Infodump wäre zuviel gesagt, aber es wäre schön, etwas mehr Handlung zu sehen. R. findet den Jungen und... ?

Trotzdem, weiter so. Wenn ich heute noch Zeit finde, schreibe ich dir noch etwas zu ein oder zwei kleineren Punkten, die mir aufgefallen waren.
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nothingisreal
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4266
Wohnort: unter einer Brücke


BeitragVerfasst am: 01.01.2017 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Logan,

das ist ein sehr schöner Einstand. Im Gegensatz zu QingLong erschließt sich für mich der Grund dieses Kapitels sehr wohl: Hier lernt der Hauptprota Ray den weiteren Prota Matt kennen, der womöglich ebenfalls ein Hauptprota wird.

Zum Setting (Gedächtnislöschung, nach dem Ende der Welt): Sehr geil. Absolut meins. Hätte man mir dieses auf dem Klappentext erklärt, hätte ich auf jeden Fall über einen Kauf des Buches nachgedacht.

Nun zum Text:

Manchmal kommst du aus Rays Perspektive und schreibst leicht allwissend. Hier ein Beispiel:

Zitat:
Seine zügigen Schritte waren kaum zu vernehmen, denn er hatte seine schweren Einsatzstiefel am Hauptportal abgezogen und trug nur noch seine Socken.


Du beschreibst mir zu viel. Beispiel:

Zitat:
So schnell ihn seine Beine trugen rannte er nach links zu der schweren hölzernen Tür, die an seinem Ende der Empore hinab zu den Seitengängen führte. Als er bei ihr ankam, versuchte er mit einer Hand die Tür aufzuziehen.

(Übrigens ist hier ein Perspektivbruch, den Ray kann nicht wissen, ob der Junge nicht noch schneller rennen könnte.)
links: Orientierung ist schön und gut, aber manchmal zu viel.
wer ist "seinem"? warum nicht einfach: am Ende der Empore
Aber das ist alles nicht schlimm. Schlimmer finde ich, dass du etwas beschreibst, was der Leser sozusagen gar nicht sehen kann. Warum sollte mich in diesem Moment interessieren, was hinter der Tür ist?
"als er bei ihr ankam" - ja, klar, früher kann er es nicht versuchen, sie zu öffnen, es sei denn er verfügt über übersinnliche Kräfte.
Solche Stellen finden sich zahlreich und hemmen den Lesefluss. Ich würde gerne schneller lesen, aber ich muss an bestimmten Stellen langsamer lesen, um mir das Bild vorstellen zu können. Mir persönlich hätte das absolut gereicht:
Er rannte zur schweren hölzernen Tür am Ende der Empore und versuchte, sie mit einer Hand aufzuziehen.

Die Stelle, in der der Junge zu fliehen versucht, wird ziemlich lange Zeit beschrieben, jedoch nicht durch Rays Perspektive unterbrochen. Dadurch fehlen mir ein paar Gedanken von ihm. Dass er dagegen die ganze Zeit da blöd rumsteht, weiß ich, weil du ja aus seiner Perspektive heraus das Geschehen beschreibst. Hätte er also die Augen geschlossen, könntest du den Fluchtversuch gar nicht beschreiben.

Wenn ich nichts übersehen habe, fehlt mir das Alter des Jungen.
Zitat:

Wüstenkinder hatten diese Male oft,

Wenn Ray dieses Wort hasst, wird er es nicht verwenden, sondern in Gedanken irgendwie umschreiben.

Infodump (vor allem mit den Wüstenkindern):
Zitat:
Wüstenkind. Ray hasste den Ausdruck. Es gab Menschen, die es irgendwie geschafft hatten in den Ruinen zu überleben. Die Sonne und das Fehlen jeglicher Zivilisation hatte sie wild und verrückt gemacht. Wenn Sucher oder Stadtwächter auf sie stiessen, waren sie meist gezwungen, sie zu töten. Es gab kein Verhandeln mit ihnen. Zurück blieben nur ihre Kinder. Verwaist wie junge Wölfe, deren Mütter überfahren worden waren. In den letzten Jahrzehnten hatte man angefangen diese Wüstenkinder in die Stadt zu bringen, da es nur noch wenig eigenen Nachwuchs gab. Bevor die Stadtwache sie in die Kathedrale schickte, löschten sie ihnen das Gedächtnis, um sie von den schrecklichen Erlebnissen in der Wüste zu befreien. Sagten sie. Sie nannten den Eingriff einen „Neustart“. Die Stadtbewohner hassten Wüstenkinder und viele Mitglieder der Stadtwache würden sie am liebsten hinrichten, so wie sie es mit ihren Eltern getan hatten.

Glaubst du wirklich, das lässt sich nicht in die Geschichte einbauen, ohne den Leser das Gefühl zu wecken, er würde einen Lexikoneintrag lesen? Zudem sind die Hälfte der Infos schon bekannt. Die andere Hälfte wird wahrscheinlich in Laufe der Zeit eh noch vorkommen. Oder wird es niemals zu Konflikten zwischen den Bewohnern der Stadt und den Wüstenkindern kommen?

Soviel von mir. Nimm, was du gebrauchen kannst.

LG NIR


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"Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten." - William Somerset Maugham
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Corydoras
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 34
Beiträge: 715
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BeitragVerfasst am: 01.01.2017 16:54    Titel: Re: Der Sohn des Ikarus Antworten mit Zitat

Servus Logan,

auch mir ist das viel zu "infodumpig". Du musst drei Dinge vom Leser erwarten:
1) Er ist nicht blöd und kann Schlüsse ziehen.
2) Er mag es, Rätsel zu entschlüsseln, nimm ihm diese Freude nicht!
3) Für ihn sehen Figuren/Orte ohnehin so aus, wies ihm passt, keinen Grund, die bis ins Detail zu beschreiben.

Von daher war es für mich sehr mühsam zu lesen. Da kann man sicher mehr als die Hälfte kürzen, weil unnötig oder zu umständlich. Und WENN Info wichtig ist, dann bitte dosiert und immer wieder unterbringen, nicht alles sofort in den ersten zwei Kapiteln!
Schau gleich einmal hier der Anfang:

Logan hat Folgendes geschrieben:

Raymond Read legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung und lehnte sich nach vorne, um das Kirchenschiff unter sich zu überblicken. Langsam liess er seinen Blick durch das Innere schweifen.
Wo versteckt sich der Kleine bloss?


Alles Rote kannst du streichen. Denn da steht in 1,5 Sätzen nur drinnen "er sucht", was mit der Nachfolgefrage ohnehin klar wird.

Nochwas, entweder du benutzt "versteckte" (Imperfekt) oder du lasst den Satz im Präsens, setzt ihn aber kursiv oder in Anführungszeichen, damit das als direkte Gedanken erkennbar ist. (das tritt später nochmal auf, da werde ich es nicht nochmal erwähnen) So funktioniert das für mich nicht ganz.

Zitat:
Sie zeigte den Kindern, wie sie eine Atemmaske anziehen mussten, ohne dass Sand oder Gas in ihre kleinen Lungen gelangten.


Den Satz verstehe ich gar nicht. Ich hatte noch nie eine Atemmaske in der Hand, aber kann man die so anziehen, dass währenddessen ungewollte Stoffe in die Lunge gelangen? Shocked
Das Adjektiv (klein) finde ich hier überflüssig. Das sind Kinder, die sind klein.

Zitat:
Die meisten Kinder hörten aufmerksam zu, einige von ihnen alberten herum und spielten mit den schweren Masken indem sie die Riemen abnahmen und sie wie Gummibänder fliegen liessen.


..., einige von ihnen ließen die Riemen der Masken durch die Luft schnalzen.

Auch da könntest du einen Satz elegant einkürzen, der nur umständlich erklärt, was bei der kürzeren Version ohnehin klar ist.

Zitat:
Sein Blick fiel auf die drei hohen Chorfenster über den Emporen. Die Bilder, welche die bunten Gläser formten, beschrieben biblische Szenen, die Ray nicht kannte. Die farbgetränkten Sonnenstrahlen jedoch, welche das Innere der Kirche in blau, grün und gelb leuchten liessen, hatten Ray schon als kleiner Junge immer ein warmes Gefühl gegeben. Während Ray die Fenster absuchte, konnte er eine kleine Silhouette erkennen.


Prinzipiell gefällt mir hier sehr gut, dass du mir von einem Gefühl aus Rays Kindheit erzählst OHNE ES NÄHER ZU BESCHREIBEN! Siehst du was ich damit meine? Da werde ich neugierig, denke mir "aha, warum?" und hoffe, dass du es mir viel später erzählst.
Handwerklich aber gefällt es mir nicht.
Ist es wichtig, dass es DREI Fenster sind? Wenn nein, weglassen.
Die Bilder darauf beschrieben....
"farbgetränkt" und dann die Aufzählung der Farben ist redundant. Entweder oder.
Den letzten Satz in obigem Absatz finde ich besonders unschön. Die "während"-Konstruktion ist unnötig, das Modalverb (konnte) ebenso.
Eine kleine Silhoutte schob sich in sein Blickfeld.
So kommt das wesentlich überraschender. (Was du ja hier erreichen willst, denke ich)

Zitat:
Er stiess sich von der Brüstung ab und stieg hinab zum Kirchenschiff. Seine zügigen Schritte waren kaum zu vernehmen, denn er hatte seine schweren Einsatzstiefel am Hauptportal abgezogen und trug nur noch seine Socken. Trotzdem bemerkten ihn einige Kinder und winkten ihm heimlich zu, die Atemmasken halb in den Gesichtern. Ray lächelte und winkte zurück. Am anderen Ende des Kirchenschiffs stieg er so leise er konnte eine kleine provisorische Metalleiter hinauf zur Empore und schwang sich flüssig wie ein Schatten über die Brüstung.


Würde ich drastisch auf einen Satz kürzen. Hier steckt nicht mehr drinnen als "Er geht hinüber zur anderen Empore."

Zitat:
Die Empore war vollgestellt mit quadratischen Holzkisten, die ihm bis zur Hüfte reichten.


Hüfthohe Kisten verstellten seinen Weg.
(dass sie aus Holz sind, sagst du eh im nächsten Satz)

Und was soll eine quadratische (zweidimensionale Einheit) Kiste (dreidimensionaler Gegenstand) sein?

Zitat:
Seine Beine baumelten über den Boden ohne darunter Halt zu finden.


Wieso benutzt du hier das Wort "baumeln" und erklärst es sofort danach?

Zitat:
ein ausgehungertes Katze


Kein Kommentar. Weißt du eh selber, was hier schiefgelaufen ist.

Zitat:
Seine Haut war von der Sonne braun gebrannt


Sofern es in dieser Welt keine Solarien gibt, reich "braungebrannte Haut" vollkommen.

Zitat:
und er hatte linienförmige Narben im Gesicht, die nur Sandstürme hinterlassen konnten. Wüstenkinder hatten diese Male oft, auch Ray hatte zwei unter seinem rechten Auge.


hatte, hatte, hatte, Achtung mit den Hilfsverben!

Zitat:
Der Junge schrak zusammen. Ohne sich umzusehen klappte er das Buch zusammen, drückte es mit den Armen an die Brust und sprang fluchtartig vom Sims. So schnell ihn seine Beine trugen rannte er nach links zu der schweren hölzernen Tür, die an seinem Ende der Empore hinab zu den Seitengängen führte. Als er bei ihr ankam, versuchte er mit einer Hand die Tür aufzuziehen.
Sie bewegte sich nicht.
Der Junge legte das Buch auf den Boden und versuchte es erfolglos mit beiden Händen. Plötzlich rutschten seine Finger vom Knauf und er fiel rückwärts auf den Hosenboden. Rasch stand er wieder auf und sah sich mit gehetztem Blick nach seinem vermeidlichen Verfolger um.


Hierzu hat NIR eh schon was gesagt. So oder so, du beschreibst da eine Sache, die 2 Sekunden dauert in elendslangen Sätzen. Das entschleunigt die Szene, was du hier absolut nicht erreichen möchtest.

 
Zitat:
Mit verschränkten Armen sah er dem Jungen gelassen zu.


Wieder redundant.

So, den Rest der "Flucht" habe ich nur noch überflogen, weil es mich ehrlich gesagt schon langweilte.

 
Zitat:
Er war vielleicht sieben. Unter seinen lebhaften Augen hatte er schwarze Schatten und seine Lippen waren rissig vor Durst, weil er sich fast einen ganzen Tag lang versteckt hatte.  


Auch hier tummeln sich die Hilfsverben.
Und woher weiß Ray, was der Junge vorher gemacht hat?

 
Zitat:
Wüstenkind. Ray hasste den Ausdruck. Es gab Menschen, die es irgendwie geschafft hatten in den Ruinen zu überleben. Die Sonne und das Fehlen jeglicher Zivilisation hatte sie wild und verrückt gemacht. Wenn Sucher oder Stadtwächter auf sie stiessen, waren sie meist gezwungen, sie zu töten. Es gab kein Verhandeln mit ihnen. Zurück blieben nur ihre Kinder. Verwaist wie junge Wölfe, deren Mütter überfahren worden waren. In den letzten Jahrzehnten hatte man angefangen diese Wüstenkinder in die Stadt zu bringen, da es nur noch wenig eigenen Nachwuchs gab. Bevor die Stadtwache sie in die Kathedrale schickte, löschten sie ihnen das Gedächtnis, um sie von den schrecklichen Erlebnissen in der Wüste zu befreien. Sagten sie. Sie nannten den Eingriff einen „Neustart“. Die Stadtbewohner hassten Wüstenkinder und viele Mitglieder der Stadtwache würden sie am liebsten hinrichten, so wie sie es mit ihren Eltern getan hatten.


Das ist der schlimmste Infodump, den du geben kannst. Warum sollte ich jetzt noch weiterlesen wollen?
Wenn du mir Wörter wie "Wüstenkind" und Infos wie "eingeschnittene Kopfhaut" hinwirfst, ohne sie zu erläutern, bin ich viel neugieriger darauf, das im Laufe des Buches rauszufinden. So komme ich mir vor, als weiß ich eh schon alles.

Auch wird Ray nicht plötzlich lange Gedanken darauf verschwenden, was das Wort "Wüstenkind" überhaupt bedeutet, weil er sowieso weiß, was das ist.
Oder stell dir vor, jemand liest unsere Erde als Fantasyroman. Dann wirst du schreiben "Er fürchtete sich schon immer vor Löwen." ohne etwas danach. Und nicht:
"Er fürchtete sich schon immer vor Löwen, diesen großen, gefährlichen Raubtieren....".
Denn es ist schöner, wenn du vorher nur den Namen nennst, der Löwe dann urplötzlich und am besten in Action auftaucht und sich der Leser denkt: "Woah, DAS also ist der Löwe, von dem jeder gesprochen hat!"
(weißt du, worauf ich hinaus will?)

 
Zitat:
Ray nickte. „Man hat mich praktisch vor den Toren der Stadt gefunden, da war ich noch sehr klein. Sie haben mir die Erinnerungen gelöscht und mich hierher gebracht. Genau wie dich.“  

Auch das, weg damit.
Und: Sofern ihm das niemand erzählt hat, weiß Ray nicht, dass seine Erinnerungen gelöscht wurden (erklärt sich ja von selber...), von daher ist das das Schlimmste, was er einem kleinen, verängstigten Jungen erzählen kann (der womöglich noch gar nicht kapiert hat, was hier passiert).

 
Zitat:
Ray beugte sich nach vorne und zeigte Matt die längliche Narbe auf seinem Hinterkopf, die damals von seinem eigenen Neustart stammte.
Matt fasste sich an den Kopf und tastete nach dem frisch genähten Schnitt, den er an derselben Stelle trug.


Das finde ich großartig! Lass sie ihre Narbe/Wunde vergleichen, ohne dem Leser sofort zu erklären, warum sie die alle haben! Das ist spannend!

Noch dazu schiebst du ein übertriebenes Märchen hinterher, das eben NICHT die Wahrheit erzählt. Gefällt mir.

 
Zitat:
Der Junge war verblüfft.


Show, don't tell. Ray kann das nicht wissen.

Generell gesprochen hast du noch bei Groß/Kleinschreibung, ss/ß Schreibung und Zeichensetzung deine Schwierigkeiten.

Die Idee gefällt mir sehr gut, an der Umsetzung aber kannst du noch feilen. Einige Ansätze sind schon richtig gut, versuche alles ähnlich spannend zu schreiben, dann bin ich sofort Feuer und Flamme dafür. smile (ich liebe Dystopien!)


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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 01.01.2017 17:28    Titel: Re: Der Sohn des Ikarus Antworten mit Zitat

Corydoras hat Folgendes geschrieben:


Logan hat Folgendes geschrieben:

Raymond Read legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung und lehnte sich nach vorne, um das Kirchenschiff unter sich zu überblicken. Langsam liess er seinen Blick durch das Innere schweifen.
Wo versteckt sich der Kleine bloss?


Alles Rote kannst du streichen. Denn da steht in 1,5 Sätzen nur drinnen "er sucht", was mit der Nachfolgefrage ohnehin klar wird.



Bis auf das hier, denn das definiert den Schauplatz, stimmte ich Corydoras voll und ganz zu.


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Schlomo
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BeitragVerfasst am: 01.01.2017 18:52    Titel: Antworten mit Zitat

Mit dem ersten Satz hast du mich bereits gewonnen:

Zitat:
legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung


Ich lese zwar kaum Fantasy Romane, wollte eigentlich nur kurz sehen, worum es hier geht, aber als ich “ den kalten Stein der Brüstung” gelesen hatte, poppten bei mir im Hinterkopf sofort etliche Szenen auf von Gebäuden mit eben solchen Brüstungen – die Eingangshalle der LMU, die Bibliothek des Deutschen Museums, und und und …

Das hat – zumindest für mich – einen extrem hohen Wiedererkennungswert. Es gibt nur wenige Geschichten, bei denen ich bereits mit dem ersten Satz komplett in die Geschichte eintauche.

Große Klasse! Starke Geschichte.
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Logan
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Beiträge: 32



BeitragVerfasst am: 02.01.2017 01:54    Titel: Re: Der Sohn des Ikarus pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erstmal herzlichen Dank für eure Beiträge und das ihr euch die Zeit genommen habt, teilweise sogar sehr viel Zeit. Das schätze ich sehr.

@QingLong: Schön, dass es Dir gefallen hat. Für weitere Punkte wäre ich natürlich dankbar. Das Kapitel beschreibt einen der wichtigsten Protagonisten, beschreibt das Setting und den ersten Schauplatz.

@NIN: Ich habe das Gefühl, du hast genau verstanden, was ich mit dem Kapitel bewirken wollte. Ich stimme deiner Kritik absolut zu, die Perspektivbrüche und das Infodump-Problem besonders. Vielen Dank, ich hoffe, du bleibst dran.

@Corydoras: Ich habe mich sehr über deinen ausführlichen Beitrag mit Begründungen und den dazugehörigen Erklärungen gefreut. Ich stimme 90% deiner Punkte vollkommen zu. Ich werde etwas Zeit benötigen, um sie umzusetzen, blinde Flecken in meiner Wahrnehmung zu reparieren. Ich werde viele Absätze drastisch eindampfen und die Infodumps anderswo passender streuen. Unten habe ich noch mehr notiert. Herzlichen Dank für die ausführliche Hilfe.

Es gibt einen kleinen Einspruch meinerseits:

Zitat:


Zitat:
Er stiess sich von der Brüstung ab und stieg hinab zum Kirchenschiff. Seine zügigen Schritte waren kaum zu vernehmen, denn er hatte seine schweren Einsatzstiefel am Hauptportal abgezogen und trug nur noch seine Socken. Trotzdem bemerkten ihn einige Kinder und winkten ihm heimlich zu, die Atemmasken halb in den Gesichtern. Ray lächelte und winkte zurück. Am anderen Ende des Kirchenschiffs stieg er so leise er konnte eine kleine provisorische Metalleiter hinauf zur Empore und schwang sich flüssig wie ein Schatten über die Brüstung.



Würde ich drastisch auf einen Satz kürzen. Hier steckt nicht mehr drinnen als "Er geht hinüber zur anderen Empore."


Natürlich geht er nur von der einen Stelle zur anderen und den Absatz, kann man kürzen. Allerdings sind hier noch andere Informationen versteckt, die alle wichtig sind: Ray ist agil, er schreitet zügig und springt über Brüstungen. Ray trägt normalerweise schwere Einsatzstiefel. Ray ist liebevoll mit den Kindern, sie scheinen ihn zu kennen.

Ich wollte damit den Prota aktiv beschreiben und eine kleine Szene zeichnen.

@Schlomo: Vielen dank für die netten Worte, genau das wollte ich mit dem ersten Satz bezwecken.

Generell habe ich mir notiert:

Pro:

Setting und Idee gut.
Keine Logiklöcher da.
Gut lesbar (das lässt sich noch verbessern wink.

Kontra:

Mehrere Perspektivbrüche sind da.
Heftiges Infodumping. Ich werde gewisse Infos löschen und später einstreuen, Raum für Rätsel und Spannung lassen.
Redundanzen sowohl im Satz als auch zwischen Szenen.
Zu ausführliche, unnötige Beschreibungen von Handlungen, Schauplätzen und Figuren, hemmt den Lesefluss.
Zu viele Modal- und Hilfsverben.

Ich werde morgen eine lange Busfahrt absitzen. Ich hoffe, dass ich da schon was umsetzen kann.

Gerne würde ich in der nächsten Zeit noch mindestens einige weitere, aufeinanderfolgende Kapitel teilen. Wir hatten "Ray und der Junge". Wenn das annehmbar ist würde ich gerne noch "Amma", "Logbuch 1" und besonders "Der Markt" kurz anschauen. Wenn Ihr mögt.

Liebe Grüsse,
Logan
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 02.01.2017 11:49    Titel: Antworten mit Zitat

Stell einfach eines der Kapitel rein - aber wirklich nur eines, du kannst ja noch später das nächste rausstellen. Du musst nicht fragen, nur bitten wink Und schau, das es nicht wirklich länger als dieses hier ist.

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Corydoras
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BeitragVerfasst am: 02.01.2017 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Servus Logan,

zunächst einmal finde ich es cool, wie du Kritik auffasst. Da gibt es andere Leute, die wesentlich schlechter damit umgehen. Von daher: Daumen hoch²

Zu weiteren Kapiteln:
Ja klar, wieso nicht. ABER überarbeite die zunächst nach deinem besten Wissen und Gewissen. Du weißt ja jetzt, was bei dir gut klappt und woran du noch feilen musst. Überprüfe die anderen Kapiteln darauf, passe es an, dann stelle es erst ein.

Es hilft dir nämlich nichts, wenn du Kapitel 3, 4, 5 ..... einstellst und wir dir jedes mal genau dieselben Fehler aufzeigen.

Von daher: Nichts überstürzen, sorgfältig dran arbeiten, DANN erst was neues posten.

Und gutes Durchhaltevermögen wünsche ich! smile


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Chelifera
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BeitragVerfasst am: 02.01.2017 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Logan,

nach den ausführlichen Kommentaren v.a. von Nothingisreal und Chorydoras hier noch ein kurzer von mir.

Dein Text gefällt mir sehr gut, er hat mich beim ersten Lesen sofort in die Szene hineingezogen und neugierig gemacht (z.B. die Einsatzstiefel - Was für Einsätze macht er denn?).

Leicht gestolpert bin ich bei den Ortsbeschreibungen und musste meine Vorstellung, von wo nach wo Ray nun geht und wo genau er sich gerade befindet mehrmals korrigieren.

Z.B.: Ray zieht die Kiste unter das Fenster und setzt sich drauf. Er hat also den Fenstersims im Rücken. aber dann:
Zitat:
„Komm her und setz dich bitte wieder hin“, sagte Ray und zeigte auf den Sims vor sich.



Dann hat mich noch Folgendes irritiert:
Eine Kirche, dauerhaft voll mit über achzig Kindern. Wo ist die Geräuschkulisse? In einer Kirche hört man bei einem Gottesdienst, wenn grad keiner spricht, normalerweise eine Stecknadel fallen. Und achzig Kinder machen schon draussen einen Höllenlärm, wie muss das erst in einer schallenden Kirche klingen? (Lösungsvorschlag: Vielleicht haben sie da überall schalldämmende Teppiche etc. aufgehängt, die wenigstens etwas den Lärm dämpfen?)

Aber wie gesagt: Sehr gerne gelesen!
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Logan
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BeitragVerfasst am: 06.01.2017 22:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Chelifera: Danke, auch das habe ich versucht umzusetzen.

Unten nun die zweite Version des Kapitels, ich habe probiert, alles soweit umzusetzen, wie ich es mir gestatten konnte. Ich glaube, ich habe fast alles so geändert, wie geraten.

Unten wie immer auch als PDF angehängt. Ich finde es persönlich angenehmer so. Exclamation

Auch ein weiteres Kapitel, das dritte Kapitel, habe ich bereits umgesetzt. Sobald das zweite annehmbar ist, würde ich das dritte anhängen.

KAPITEL 2 (Ray und der Junge)
Raymond Read legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung und lehnte sich nach vorne, um das Kirchenschiff unter sich zu überblicken. Langsam liess er den Blick durch das Innere schweifen.
Wo versteckt sich der Kleine bloss?
Auf dem grauen Steinboden, wo früher lange hölzerne Sitzbänke Platz für die Gläubigen geboten hatten, standen jetzt Schulpulte, Projektoren und Werkbänke. Anstelle der Pfarrer schritten nun Lehrer durch die Kreuzbögen und sorgten für über achtzig Kinder, die hier geschützt zwischen den Mauern aufwuchsen.
Die meisten Kinder hatten Pause und so fiel Rays Blick auf eine kleine Gruppe von Kindern im frühen Schulalter. Sie sassen auf Plastikstühlen um eine junge Lehrerin mit blonden Haaren. Sie zeigte den Kindern, wie sie die Filter ihrer Schutzmasken auswechselten, ohne die wertvollen Masken zu beschädigen. Die meisten Kinder hörten aufmerksam zu, einige alberten herum und liessen die Riemen ihrer Masken wie Gummibänder fliegen.
Wo hast du dich damals versteckt, damals nach deinem Neustart? Ray kniff die Augen zusammen und versuchte sich an seine Kindheit zu erinnern. An die ersten Tage in der Kirche nachdem sie ihm mit Gewalt sein Gedächtnis genommen hatten. Er fühlte die Furcht und die Kälte wieder aufsteigen.
Sein Blick fiel auf die drei hohen Chorfenster über den Emporen. Die Bilder, welche die bunten Gläser formten, beschrieben biblische Szenen, die Ray nicht kannte. Die Sonnenstrahlen jedoch, welche das Innere der Kirche in blau, grün und gelb leuchten liessen, gaben Ray schon als kleiner Junge immer ein warmes Gefühl.
Eine kleine Silhouette schob sich plötzlich in sein Blickfeld.
Ray stiess sich von der Brüstung ab und stieg hinab zum Kirchenschiff. Seine zügigen Schritte waren leise, denn er hatte seine schweren Einsatzstiefel am Hauptportal abgezogen und trug nur noch seine Socken. Trotzdem bemerkten ihn einige Kinder. Sie winkten ihm heimlich zu, die Atemmasken halb in den Gesichtern. Ray lächelte und winkte zurück. Er stieg an einer Leiter hinauf zur Empore und schwang sich flüssig wie ein Schatten über die Brüstung.
Die Empore war mit hüfthohen Kisten vollgestellt. Ihr Holz war mit der Zeit dunkel geworden, es roch nach Staub. Der Junge sass zusammengekauert auf dem Sims des mittleren Fensters und hielt mit beiden Händen ein Buch fest. Er war dünn, braungebrannt und hatte wildes schwarzes Haar. Er erinnerte Ray ein wenig an eine kleine, streunende Katze.
„Du musst Matt sein“, sagte Ray so behutsam er konnte.
Der Junge schrak zusammen und sprang vom Sims. Ohne sich umzuschauen rannte er zur Tür am Ende der Empore und versuchte sie mit einer Hand aufzuziehen. Sie klemmte. Er zog erneut mit aller Kraft, doch er rutschte ab und fiel auf den Hosenboden. Sofort rappelte er sich wieder auf und sah sich um wie ein gehetztes Tier.
„Sie klemmt zwar ein bisschen, aber mit beiden Händen kannst du es schaffen“, sagte Ray, der den Fluchtversuch des Jungen gelassen beobachtet hatte. „Ich werde dich nicht aufhalten.“
Der Junge legte das Buch auf den Boden, zog mit beiden Händen an der Tür und öffnete sie mit einem einzigen Ruck.
Als der Junge sauf der Türschwelle stand, hielt er plötzlich inne und drehte sich zu Ray um. „Willst du mich nicht verfolgen?“ Seine Stimme klang heiser.
„Nein, eigentlich nicht“, sagte Ray. Er griff nach einer Kiste und schob sie vor das Fenster, wo der Junge vor seinem überhasteten Fluchtversuch eben noch gesessen hatte. Er schwang sich auf den Deckel und blieb mit gekreuzten Beinen im Licht der bunten Gläser sitzen.
„Komm her und setz dich bitte wieder hin“, sagte Ray und zeigte auf den Fenstersims.
Der Kleine zögerte, warf einen letzten Blick ans Ende der Treppe. Schliesslich schloss er die Tür wieder. Ohne Ray aus den Augen zu lassen, kam er langsam zum Fenster und setzte sich wieder auf den Sims.
Aus der Nähe konnte Ray den Jungen besser erkennen. Er war vielleicht sieben und trug die blaue Schuluniform. Seine Lippen waren rissig vor Durst, weil er sich wohl den ganzen Tag hier unter den grossen Fenstern versteckt hatte. Ray sah linienförmige Narben, die von Sandstürmen stammten. Wüstenkinder hatten diese Male oft. Auch Ray hatte sie im Gesicht.
Ray reichte ihm den Wasserbeutel und der Junge trank zögerlich. „Amma sagt du heisst Matt. Gefällt dir der Name, den sie dir gegeben haben?“, fragte Ray.
Matt wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab und nickte. Sein Blick war immer noch argwöhnisch.
„Mir haben sie damals keinen neuen Namen gegeben“, erklärte Ray, „als sie mich fanden, hatte ich diese Nachricht dabei.“
Ray zog an einer schwarzen Lederschnur, die er um den Nacken trug. An ihr hing ein kleines Fläschchen. Langsam öffnete er es, holte ein kleines zusammengerolltes Papier hervor und wickelte es so behutsam auf, als könnte es jeden Moment zerbrechen. In kleiner Schrift, standen nur zwei einfache Sätze darauf. Ray las sie dem Jungen vor.

„Sein Name ist Raymond. Er braucht jemanden, der für ihn sorgt.“

Er drehte den Zettel um, wo etwas offenbar in grosser Eile hingekritzelt worden war.

„Wenn selbst die Weisen offenen Auges verzweifeln, braucht es Narren, die blind den Weg der Hoffnung finden. Ich wünsche dir viel Mut, mein Sohn.“

„Was bedeutet das?“, fragte Matt nach ein paar Sekunden.
„Ich weiss es bis heute nicht“, sagte Ray ruhig.
„Denkst du, dass deine Mama das hier drauf geschrieben hat?“
„Ich kann mich, wie du, nicht an meine Eltern erinnern. Ich habe mir meinen Nachnamen selber gegeben.“, sagte Ray. „Ich weiss nur, was man mir erzählt hat.“
„Aber wenn sie dich dort draussen gefunden haben, bedeutet es, dass auch du ein Wüstenkind bist?“
Ray beugte sich nach vorne und zeigte Matt die längliche Narbe auf seinem Hinterkopf, die damals von seinem eigenen Neustart stammte.
Matt fasste sich an den Kopf und tastete nach dem frisch genähten Schnitt, den er an derselben Stelle trug. „Lucy aus meiner Klasse hat gesagt, die Ärzte machen das, weil meine Eltern in der Wüste hausten und Menschen frassen. Sie sagt, wenn ich noch wüsste wie das ginge, würde ich die anderen Kinder auffressen.“ Angst schlich sich in seinen Blick. „Essen sie ausserhalb der Stadt wirklich andere Menschen?“
Ray lachte leise. „Die Überlebenden in der Wüste leben von den Dingen, die sie in den Ruinen finden können. Trotzdem glauben viele Stadtbewohner, dass die Wüstenbewohner Kannibalen sind. Das ist Unsinn.“
„Also bin ich kein Kannibale?“, sagte der Junge. Seine Augen waren jetzt wacher.
„Nein Matt, du isst dieselben Sachen, wie die anderen Kinder auch.“
Ray steckte das Papier sorgfältig in das Fläschchen zurück und legte es wieder um seinen Hals. Er nahm auch den Wasserbeutel wieder an sich und verstaute ihn in seinem Rucksack.
„Bist du nicht gekommen um herauszufinden warum ich aus dem Schlafsaal abgehauen bin?“, fragte Matt plötzlich.
„Du hattest einen Alptraum und bist schlafgewandelt, oder?“, sagte Ray. „Ich kann mich noch gut an meine eigenen Träume erinnern. Manchmal bin ich in der Küche oder in den Gängen wieder aufgewacht, mein Schlafanzug so nass, als wäre ich in einen Brunnen gefallen“.
„Ich habe geträumt, dass ich im Schlafsaal stand und der Boden plötzlich Zähne bekommen hat und versucht hat mich aufzufressen“, sagte Matt und schlang die Arme um seine Brust als würde er frieren. „Riesige Zähne!“ Matt zeigte die Grösse mit seinen Armen.
„Mach dir keine Sorgen, die Träume werden wieder verschwinden und du wirst dich hier bestimmt wie zu Hause fühlen. Ich habe lange dafür gebraucht.“ Ray legte seine Hand auf die Schulter des Jungen. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach unten.
Er hoffte, dass die Alpträume des Jungen verschwinden würden und wenn nicht, dann wünschte er, dass er sich daran gewöhnte. Er selber hatte immer noch so oft Albträume, dass er sie in der Zwischenzeit eigentlich hätte annehmen sollen. Aber er konnte es einfach nicht.
Ray sah den Jungen an, der die steilen Treppenstufen zum Kirchenschiff hinabstieg.
Vielleicht konnte sich niemand an Albträume gewöhnen.
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Corydoras
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BeitragVerfasst am: 06.01.2017 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Servus Logan,

schon wesentlich besser! Einige Kleinigkeiten sind aber immer noch dabei:

Logan hat Folgendes geschrieben:

Auf dem grauen Steinboden, wo früher lange hölzerne Sitzbänke Platz für die Gläubigen geboten hatten, standen jetzt Schulpulte, Projektoren und Werkbänke. Anstelle der Pfarrer schritten nun Lehrer durch die Kreuzbögen und sorgten für über achtzig Kinder, die hier geschützt zwischen den Mauern aufwuchsen.


Du hast die Erklärpassagen schon wesentlich eingeschränkt. Diese hier würde ich allerdings auch noch streichen und die Info irgendwo anders unterbringen. Wenn der Absatz komplett fehlt, lässt sich deine Szene immer noch flüssig lesen.
Es ist nur ein sanfter Infodump, ja, aber grad am Anfang fällt sowas immer noch negativ auf. Bau es später ein.


Zitat:
Die Sonnenstrahlen jedoch, welche das Innere der Kirche in blau, grün und gelb leuchten liessen, gaben Ray schon als kleiner Junge immer ein warmes Gefühl.



ließen
Außerdem gehört die zweite Hälfte des Satzes ins Plusquamperfekt gesetzt (spielt ja vor der aktuellen Zeitebene)

Zitat:
Eine kleine Silhouette schob sich plötzlich in sein Blickfeld.


Kleiner Tipp: Wenn etwas plötzlich passiert, benutze nie das Wort "plötzlich". Laughing
Ohne kommt es VIEL überraschender!

Zitat:
Ray stiess sich von der Brüstung ab


stieß
Ich werde das jetzt nicht nochmal anmerken. Bitte lies dich in die ss/ß Regeln ein, die sind echt nicht so schwer.

Zitat:
Seine zügigen Schritte waren leise, denn er hatte seine schweren Einsatzstiefel am Hauptportal abgezogen und trug nur noch seine Socken.


Ich würde diesen Satz komplett umstellen. Diese erklärende "denn"-Konstruktion ist nicht schön und das Hilfsverb auch nicht. Wie wärs damit:

Ohne seine schweren Einsatzstiefel gaben seine Schritte keinen Laut von sich.

Zitat:
Trotzdem bemerkten ihn einige Kinder. Sie winkten ihm heimlich zu, die Atemmasken halb in den Gesichtern. Ray lächelte und winkte zurück. Er stieg an einer Leiter hinauf zur Empore und schwang sich flüssig wie ein Schatten über die Brüstung.


Der Weg hinüber gefällt mir wesentlich besser! smile

 
Zitat:
Ohne sich umzuschauen rannte er zur Tür am Ende der Empore und versuchte sie mit einer Hand aufzuziehen. Sie klemmte. Er zog erneut mit aller Kraft, doch er rutschte ab und fiel auf den Hosenboden. Sofort rappelte er sich wieder auf und sah sich um wie ein gehetztes Tier.


Auch viel schöner!

Zitat:
„Sie klemmt zwar ein bisschen, aber mit beiden Händen kannst du es schaffen“, sagte Ray, der den Fluchtversuch des Jungen gelassen beobachtet hatte. „Ich werde dich nicht aufhalten.“


beobachtete (PQP ist hier echt überflüssig)

Zitat:
Als der Junge sauf der Türschwelle stand, hielt er plötzlich inne und drehte sich zu Ray um. „Willst du mich nicht verfolgen?“ Seine Stimme klang heiser.


Ich hoffe doch er säuft nicht. Laughing
Ernsthaft... um das unschöne "als" zu ersetzen könntest du schreiben: "Auf der Türschwelle angelangt hielt er plötzlich inne...."

Zitat:
Schliesslich schloss er die Tür wieder.


zwecks Wortwiederholung wäre hier ein "Am Ende" fürn Satzanfang schöner.

Zitat:
Wüstenkinder hatten diese Male oft. Auch Ray hatte sie im Gesicht.


Einmal würde ich das "hatte" durch "trug" ersetzen.

Zitat:
Ray beugte sich nach vorne und zeigte Matt die längliche Narbe auf seinem Hinterkopf, die damals von seinem eigenen Neustart stammte.


Streich das Rote, ohne isses spannender. Ich nehme einfach einmal stark an, dass dieses Ritual irgendwann später im Buch ohnehin passiert, oder?

Zitat:
„Bist du nicht gekommen KOMMA um herauszufinden warum ich aus dem Schlafsaal abgehauen bin?“, fragte Matt plötzlich.



Zitat:
Er hoffte, dass die Alpträume des Jungen verschwinden würden und wenn nicht, dann wünschte er, dass er sich daran gewöhnte. Er selber hatte immer noch so oft Albträume, dass er sie in der Zwischenzeit eigentlich hätte annehmen sollen. Aber er konnte es einfach nicht.
.


Würde ich ersatzlos streichen. Bis hierher war es wirklich spannend und der Absatz hatte dann einen ganz fahlen Nachgeschmack. Mit dem letzten Satz des Kapitels sagst du eigentlich eh genau das - dass sie alle Albträume haben.

Im übrigen kann ich mich jetzt auf einmal auch in die Figuren einfühlen, ist also schon wesentlich besser!
Mir fällt jetzt im Nachinein auch ein, woher deine ss/ß Schwäche rührt... In der Schweiz habt ihr ja kein ß. Ich weiß schon, ich als Österreicherin bin die erste, die Austriazismen und Helvetismen verteidigt, aber in dieser einen Sache würde ich dir doch dazu raten, dir die ß anzueignen....


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BeitragVerfasst am: 06.01.2017 23:16    Titel: Antworten mit Zitat

Corydoras hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Ray stiess sich von der Brüstung ab


stieß
Ich werde das jetzt nicht nochmal anmerken. Bitte lies dich in die ss/ß Regeln ein, die sind echt nicht so schwer.


Logan ist laut Profil Schweizer. In der Schweiz sind die ss/ß-Regeln noch einfacher: es wird immer ss geschrieben.


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BeitragVerfasst am: 06.01.2017 23:25    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, dass du meinen Beitrag komplett gelesen hast, Klemens.

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BeitragVerfasst am: 06.01.2017 23:27    Titel: Antworten mit Zitat

Corydoras hat Folgendes geschrieben:
Danke, dass du meinen Beitrag komplett gelesen hast, Klemens.


Nö, hab ich nicht. Sollte sich das erledigt haben: mea culpa (wobei ich dann nicht verstehe, warum du's nicht einfach wieder rausgenommen hast).


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BeitragVerfasst am: 06.01.2017 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Logan hat Folgendes geschrieben:


KAPITEL 2 (Ray und der Junge)
Raymond Read legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung und lehnte sich nach vorne, um das Kirchenschiff unter sich zu überblicken. Langsam liess er den Blick durch das Innere schweifen.
Wo versteckt sich der Kleine bloss?
Auf dem grauen Steinboden, wo früher lange hölzerne Sitzbänke Platz für die Gläubigen geboten hatten, standen jetzt Schulpulte, Projektoren und Werkbänke. Anstelle der Pfarrer schritten nun Lehrer durch die Kreuzbögen und sorgten für über achtzig Kinder, die hier geschützt zwischen den Mauern aufwuchsen.

Ich weiß, was Corydoras meint, aber ich finde nicht, dass man es streichen muss. Wenn du es weglässt, hab ich kein Bild vor Augen und genau das brauche ich, um in die Szene reinzukommen. Also bitte lassen.
Vielleicht lässt es sich geschickter formulieren, das stimmt. Das hier zum Beispiel:
Zitat:
Platz für die Gläubigen geboten hatten.
Ich weiß, wozu Sitzbänke in einer Kirche gut sind, du musst mir das nicht erklären. Dass sie Kinder hier geschützt aufwachsen, ist purer Infodump.

Möglichkeit: Statt hölzerner Bänke standen auf dem grauen Steinboden Schulpulte, Projektoren und Werkbänke und anstelle von Pfarrer schritten Lehrer dazwischen, sorgten sich für über achtzig Kinder.

Später vielleicht mehr.

LG NIR


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Logan
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BeitragVerfasst am: 07.01.2017 01:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, dass ihr Euch den ganzen Text nochmals durchgelesen habt.

@Corydoras: Ich brauche die Beschreibung mit den Bänken und Lehrern, weil es den Schauplatz setzt und verdeutlicht, dass es sich um eine umgebaute Kirche handelt. (Vor Rays Geburt wurde nämlich die Religion verboten, nachdem die Erde für verloren erklärt wurde.)

Ich stimme zu, dass man ihn etwas kürzen sollte, um den Lesefluss am Anfang nicht zu stauen.

Am Ende konnte ich im Zusammenhang mit der Tür nicht nehmen, da ich vorher bereits ein "Ende" habe. Ich habe ihn aber geändert.

Das "Neustart"-Ritual findet nie statt, da sich die Geschichte, eine Abenteuergeschichte,  ziemlich schnell weiterbewegt. "Ray und der Junge" ist lediglich da, um Rays Herkunft und seine Alpträume zu erklären.  Trotzdem hast du recht, ich habe den Satz gekürzt. Ich denke, das nächste Kapitel würde etwas Klärung bringen, hier wird Rays Motivation begründet.

Alles andere habe ich geändert. Deine Vorschläge machen den Text erheblich seidener. Besonders der Vorschlag beim Schlusssatz finde ich sehr gut.

Was die Verwendung des "ß" angeht, so bin ich skeptisch. Wie du und Klemens bereits erwähnt habt, kennen wir das ß nicht. Ich fände es komisch, als Schweizer Schreiber wie ein deutscher Texter zu texten. Ich denke, einige würden sogar sagen es wäre ein "Sakrileg". Sehe ich das falsch?

Nochmals vielen Dank, das hilft mir sehr weiter.

Liebe Grüsse, Logan

KAPITEL 2 (Ray und der Junge)
Raymond Read legte seine Hände auf den kalten Stein der Brüstung und lehnte sich nach vorne, um das Kirchenschiff unter sich zu überblicken. Langsam liess er den Blick durch das Innere schweifen.
Wo versteckt sich der Kleine bloss?
Auf dem grauen Steinboden, wo einst lange hölzerne Sitzbänke waren, standen jetzt Schulpulte, Projektoren und Werkbänke. Anstelle der Pfarrer schritten Lehrer durch die Kreuzbögen und sorgten für über achtzig Kinder.
Die meisten Kinder hatten Pause und so fiel Rays Blick auf eine kleine Gruppe von Kindern im frühen Schulalter. Sie sassen auf Plastikstühlen um eine junge Lehrerin mit blonden Haaren. Sie zeigte den Kindern, wie sie die Filter ihrer Schutzmasken auswechselten, ohne die wertvollen Masken zu beschädigen. Die meisten Kinder hörten aufmerksam zu, einige alberten herum und liessen die Riemen ihrer Masken wie Gummibänder fliegen.
Wo hast du dich damals versteckt, damals nach deinem Neustart? Ray kniff die Augen zusammen und versuchte sich an seine Kindheit zu erinnern. An die ersten Tage in der Kirche nachdem sie ihm mit Gewalt sein Gedächtnis genommen hatten. Er fühlte die Furcht und die Kälte wieder aufsteigen.
Sein Blick fiel auf die drei hohen Chorfenster über den Emporen. Die Bilder, welche die bunten Gläser formten, beschrieben biblische Szenen, die Ray nicht kannte. Die Sonnenstrahlen jedoch, welche das Innere der Kirche in blau, grün und gelb leuchten liessen, hatten Ray schon als kleiner Junge immer ein warmes Gefühl gegeben.
Eine kleine Silhouette schob sich in sein Blickfeld.
Ray stiess sich von der Brüstung ab und stieg hinab zum Kirchenschiff. Nur in den Socken und ohne seine schweren Einsatzstiefel waren seine Schritte leise. Trotzdem bemerkten ihn einige Kinder. Sie winkten ihm heimlich zu, die Atemmasken halb in den Gesichtern. Ray lächelte und winkte zurück. Er stieg an einer Leiter hinauf zur Empore und schwang sich flüssig wie ein Schatten über die Brüstung.
Die Empore war mit hüfthohen Kisten vollgestellt. Ihr Holz war mit der Zeit dunkel geworden, es roch nach Staub. Der Junge sass zusammengekauert auf dem Sims des mittleren Fensters und hielt mit beiden Händen ein Buch fest. Er war dünn, braungebrannt und hatte wildes schwarzes Haar. Er erinnerte Ray ein wenig an eine kleine, streunende Katze.
„Du musst Matt sein“, sagte Ray so behutsam er konnte.
Der Junge schrak zusammen und sprang vom Sims. Ohne sich umzuschauen rannte er zur Tür am Ende der Empore und versuchte sie mit einer Hand aufzuziehen. Sie klemmte. Er zog erneut mit aller Kraft, doch er rutschte ab und fiel auf den Hosenboden. Sofort rappelte er sich wieder auf und sah sich um wie ein gehetztes Tier.
„Sie klemmt zwar ein bisschen, aber mit beiden Händen kannst du es schaffen“, sagte Ray. „Ich werde dich nicht aufhalten.“
Der Junge legte das Buch auf den Boden, zog mit beiden Händen an der Tür und öffnete sie mit einem einzigen Ruck.
Auf der Türschwelle hielt er plötzlich inne und drehte sich zu Ray um. „Willst du mich nicht verfolgen?“ Seine Stimme klang heiser.
„Nein, eigentlich nicht“, sagte Ray. Er griff nach einer Kiste und schob sie vor das Fenster, wo der Junge vor seinem überhasteten Fluchtversuch eben noch gesessen hatte. Er schwang sich auf den Deckel und blieb mit gekreuzten Beinen im Licht der bunten Gläser sitzen.
„Komm her und setz dich bitte wieder hin“, sagte Ray und zeigte auf den Fenstersims.
Der Kleine zögerte, warf einen letzten Blick ans Ende der Treppe und schloss die Tür wieder. Ohne Ray aus den Augen zu lassen, kam er langsam zum Fenster und setzte sich wieder auf den Sims.
Aus der Nähe konnte Ray den Jungen besser erkennen. Er war vielleicht sieben und trug die blaue Schuluniform. Seine Lippen waren rissig vor Durst, weil er sich wohl den ganzen Tag hier unter den grossen Fenstern versteckt hatte. Ray sah linienförmige Narben, die von Sandstürmen stammten. Wüstenkinder hatten diese Male oft. Auch Ray hatte trug sie im Gesicht.
Ray reichte ihm den Wasserbeutel und der Junge trank zögerlich. „Amma sagt du heisst Matt. Gefällt dir der Name, den sie dir gegeben haben?“, fragte Ray.
Matt wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab und nickte. Sein Blick war immer noch argwöhnisch.
„Mir haben sie damals keinen neuen Namen gegeben“, erklärte Ray, „als sie mich fanden, hatte ich diese Nachricht dabei.“
Ray zog an einer schwarzen Lederschnur, die er um den Nacken trug. An ihr hing ein kleines Fläschchen. Langsam öffnete er es, holte ein kleines zusammengerolltes Papier hervor und wickelte es so behutsam auf, als könnte es jeden Moment zerbrechen. In kleiner Schrift, standen nur zwei einfache Sätze darauf. Ray las sie dem Jungen vor.

„Sein Name ist Raymond. Er braucht jemanden, der für ihn sorgt.“

Er drehte den Zettel um, wo etwas offenbar in grosser Eile hingekritzelt worden war.

„Wenn selbst die Weisen offenen Auges verzweifeln, braucht es Narren, die blind den Weg der Hoffnung finden. Ich wünsche dir viel Mut, mein Sohn.“

„Was bedeutet das?“, fragte Matt nach ein paar Sekunden.
„Ich weiss es bis heute nicht“, sagte Ray ruhig.
„Denkst du, dass deine Mama das hier drauf geschrieben hat?“
„Ich kann mich, wie du, nicht an meine Eltern erinnern. Ich habe mir meinen Nachnamen selber gegeben.“, sagte Ray. „Ich weiss nur, was man mir erzählt hat.“
„Aber wenn sie dich dort draussen gefunden haben, bedeutet es, dass auch du ein Wüstenkind bist?“
Ray beugte sich nach vorne und zeigte Matt die längliche Narbe auf seinem Hinterkopf.
Matt fasste sich an den Kopf und tastete nach dem frisch genähten Schnitt, den er an derselben Stelle trug. „Lucy aus meiner Klasse hat gesagt, die Ärzte machen das, weil meine Eltern in der Wüste hausten und Menschen frassen. Sie sagt, wenn ich noch wüsste wie das ginge, würde ich die anderen Kinder auffressen.“ Angst schlich sich in seinen Blick. „Essen sie ausserhalb der Stadt wirklich andere Menschen?“
Ray lachte leise. „Die Überlebenden in der Wüste leben von den Dingen, die sie in den Ruinen finden können. Trotzdem glauben viele Stadtbewohner, dass die Wüstenbewohner Kannibalen sind. Das ist Unsinn.“
„Also bin ich kein Kannibale?“, sagte der Junge. Seine Augen waren jetzt wacher.
„Nein Matt, du isst dieselben Sachen, wie die anderen Kinder auch.“
Ray steckte das Papier sorgfältig in das Fläschchen zurück und legte es wieder um seinen Hals. Er nahm auch den Wasserbeutel wieder an sich und verstaute ihn in seinem Rucksack.
„Bist du nicht gekommen, um herauszufinden warum ich aus dem Schlafsaal abgehauen bin?“, fragte Matt plötzlich.
„Du hattest einen Alptraum und bist schlafgewandelt, oder?“, sagte Ray. „Ich kann mich noch gut an meine eigenen Träume erinnern. Manchmal bin ich in der Küche oder in den Gängen wieder aufgewacht, mein Schlafanzug so nass, als wäre ich in einen Brunnen gefallen“.
„Ich habe geträumt, dass ich im Schlafsaal stand und der Boden plötzlich Zähne bekommen hat und versucht hat mich aufzufressen“, sagte Matt und schlang die Arme um seine Brust als würde er frieren. „Riesige Zähne!“ Matt zeigte die Grösse mit seinen Armen.
„Mach dir keine Sorgen, die Träume werden wieder verschwinden und du wirst dich hier bestimmt wie zu Hause fühlen. Ich habe lange dafür gebraucht.“ Ray legte seine Hand auf die Schulter des Jungen. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach unten.
Ray sah den Jungen an, der die steilen Treppenstufen zum Kirchenschiff hinabstieg.
Vielleicht konnte sich niemand von ihnen an die Albträume gewöhnen.
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Rainer Prem
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BeitragVerfasst am: 09.01.2017 11:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Mal was ganz anderes:

Logan hat Folgendes geschrieben:


Vor Rays Geburt wurde nämlich die Religion verboten, nachdem die Erde für verloren erklärt wurde.


Dann würde ich eigentlich erwarten, dass Ray viel weniger mit Fachbegriffen wie "Kirchenschiff", "Kreuzbögen", "Chorfenster", "Emporen" um sich wirft.

"biblische Szenen, die Ray nicht kannte." aber doch wohl als solche erkannte.

Hat er denn eine Schulung in der Geschichte dieses Gebäudes bekommen?

Grüße
Rainer
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BeitragVerfasst am: 09.01.2017 12:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fand es gut geschrieben, obwohl mich das Genre weniger interessiert. Smile
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Logan
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BeitragVerfasst am: 14.01.2017 01:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Rainer Prem hat Folgendes geschrieben:
Hallo,

Mal was ganz anderes:

Logan hat Folgendes geschrieben:


Vor Rays Geburt wurde nämlich die Religion verboten, nachdem die Erde für verloren erklärt wurde.


Dann würde ich eigentlich erwarten, dass Ray viel weniger mit Fachbegriffen wie "Kirchenschiff", "Kreuzbögen", "Chorfenster", "Emporen" um sich wirft.

"biblische Szenen, die Ray nicht kannte." aber doch wohl als solche erkannte.

Hat er denn eine Schulung in der Geschichte dieses Gebäudes bekommen?

Grüße
Rainer


Hallo Rainer, danke für den Hinweis.  Das würde eigentlich ich auch so unterschreiben. Ein wichtiger Aspekt der Hauptfigur Ray ist, dass er ein Informationensammler ist und in den Ruinen der Zivilisation u.a  nach Wissen sucht. Er weiss, was das Gebäude ist.

Ich denke, ich sollte mal eine Fortsetzung posten.

Liebe Grüsse,
Ray
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BeitragVerfasst am: 21.01.2017 00:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen

Unten poste ich die Fortsetzung meines Textes. Ich habe versucht, alle Ratschläge einzuhalten. Viele Erklärungen blieben weg und wurden durch szenische Andeutungen ersetzt.

Ich habe das Kapitel gewählt, weil ein wenig "Action" darin vorkommt. Ich bin gespannt auf Eure Meinungen, denn das Schreiben von Actionszenen ist in meinen Augen etwas vom Heikelsten.

Wie immer ist ein PDF mit dem formatierten Text angehängt.

PS. Kann mir eventuell jemand erklären, wie das mit den *Fortsetzung* und *Neue Version* klappt? Die führen bei mir immer ins Leere. Crying or Very sad

KAPITEL 5 (Der Markt und das Mädchen)
Ray trat aus dem schattigen Hauptportal in die Hitze und den Gestank des Marktplatzes hinaus. Für das Frühlingsfest waren die Stadtbewohner aus ihren Verstecken geströmt, noch bevor die Sonne vollständig untergegangen war. Die Privilegierten unter den Marktbesuchern hatten ihre Köpfe wie Beduinen mit farbigem Sonnentuch eingewickelt. Sie feilschten von ihren Dienern begleitet und kauften Nahrungsmittel, Wasser und Artefakte von den Händlern.
Rays Elektromotorrad entriegelte sich automatisch, ein Ungetüm mit primitiven Akkus und breiten Reifen. Er löste es aus seiner Ladestation und schob es langsam in Richtung Marktausgang.  
Am Rande des Marktes kauerten in weit grösserer Zahl die weniger Glücklichen. Ray sah in Lumpen gehüllte Bettler und Diebe, einige von ihnen waren von der Sonne geblendet worden, andere waren verbrannt und verstümmelt. Alle waren bis auf die Knochen ausgehungert und prügelten sich um abgenagte Knochen, die eindeutig nicht von Tieren stammten.
Gerade als Ray an einem Stand vorbeiging, an dem Elektroschrott aus den Ruinen kiloweise verkauft wurde, hielt er inne. „Diebin! Diebin!“, hörte er einen Ruf, der immer näher kam.
Etwas rempelte Ray an und fiel wimmernd zu Boden.
Eine junge Frau mit zerschlissenen Kleidern lag vor ihm im Staub. Sie war so dünn, dass ihre Knochen schmerzhaft hervorstachen. Mit einer Hand hielt sie sich die blutende Schläfe, mit der anderen umklammerte sie fest eine grosse Dose voller Bohnen.
„Habe ich dich!“ Ein massiger Mann stand schnaufend vor ihnen, nachdem er eine Gruppe von Marktbesuchern grob zur Seite geschoben hatte. Er trug eine Händlerrobe und goldene Ringe. Sein rechter Arm, ein Meisterwerk mechanischer Handwerkskunst, klickte bei jeder Bewegung.
„Du widerliche Diebin!“, brüllte er, wütende Speicheltropfen troffen von seinen Lippen. „Damit wirst du mit deinem Blut bezahlen, Mädchen!“
Er las einen Stein auf und warf ihn. In blinder Panik kroch das Mädchen über den Boden, versuchte von ihm wegzukommen.
Während der feiste Händler mehr und mehr Steine warf, fingen auch andere an. Innerhalb von wenigen Augenblicken hatte sich ein wütender Mob um das Mädchen gebildet.
Ray zuckte zusammen, als sie ein Brocken hart am Bein erwischte. Das Geräusch von Stein auf Knochen. Ein weiterer Stein traf ihren Rücken, ihren Bauch. Ein ohrenzerfetzender Schmerzensschrei, dann wurde sie leiser. Ray erwachte schlagartig aus seiner Schockstarre.
Mit aller Kraft bahnte er sich einen Weg durch die Steinwerfer. Die Steine prasselten von ihm ab, während Ray versuchte das Mädchen auf die Beine zu ziehen.
„Lass sie sofort los Junge! Lass sie liegen!“, schrie der Händler ihn an.
Ray bemerkte, wie zwei Stadtwachen vom Tumult alarmiert aus dem Schatten der Lauben traten, ihre Waffen im Anschlag.
Mit einem Arm zog Ray das halb bewusstlose Mädchen mit und stiess mit dem anderen das Motorrad durch die brodelnde Menge. Die Leute kreischten ihn in allen möglichen Sprachen an, Nägel kratzten auf seinem Panzer. Ray ignorierte sie, sorgte dafür, dass er in Bewegung blieb. Als ihm der fette Händler den Weg versperrte, trat ihm Ray so heftig auf die Füsse, dass er das Knacken durch den Stiefel spüren konnte.
Sie waren dem Ausgang schon sehr nahe, als Ray hinter sich Schüsse hörte. Er drehte sich um. Die beiden Stadtgardisten waren zu nahe. Ray sah, wie sie losrannten. Er hatte zu viel Zeit verloren.
Das Mädchen war immer noch benommen, Blut tropfte aus ihrem zerschundenen Gesicht.
„Setzt dich nach vorne“, sagte Ray und schwang sich in den Sattel.
„Halt!“ Die Wachen legten die Waffen an. „Steigen sie sofort von der Maschine!“
Ray duckte den Kopf weg und aktivierte den Motor. Es knallte zwei Mal. Links von ihnen spritzte der Sand auf.
Ray gab überhastet Gas. Die zweite Salve traf das Heck des Motorrads und Ray spürte einen kurzen, scharfen Stoss im Rücken.
Sie krachten in einen Marktstand. Faustgrosse, mit bunter Limonade gefüllte Kugeln rollten über den Boden wie grosse Glasperlen. Ray schüttelte energisch eine Plane ab, die sie heruntergerissen hatten.
 Die Strasse verwandelte sich augenblicklich in ein Chaos, als dutzende von abgemagerten Marktbesuchern den Kugeln nachrannten und sie flink unter ihren Roben verschwinden liessen. Ray sah, wie die beiden Männer von der Stadtwache sich mühsam durch die Leute kämpften.
Er griff nach einem grossen Behälter, in dem noch mehr der Kugeln lagen, und schüttete sie in die Menge.
Ohne sich umzudrehen fuhr Ray los und liess die wütenden rufe der Stadtgardisten hinter sich.

Ray war so schnell gefahren wie er konnte und als er beim alten Krankenhaus ankam, glühte der Rumpf seines Motorrads fast.
Er merkte wie leicht ihr Körper war, als er die Diebin anhob und durch die Tür trug. Viele der rostigen Feldbetten waren umgeworfen, Bettpfannen und Messgeräte lagen zertrampelt am Boden und die Türen der Schränke waren weit aufgerissen. Es roch nach Tod.
„Hallo, ist hier jemand?“, rief Ray. „Kann mich jemand hören?“
Niemand konnte es.
Ray legte sie vorsichtig auf eines der noch stehenden Betten und zündete eine Kerze an. Ihr Körper war mit tiefen Schrammen übersäht und ihre zerlumpten Kleider hatten sich mit Blut vollgesogen. Er wusch die Wunden mit seiner Trinkflasche so gut er konnte und begann sie zu verbinden.
Als er merkte, dass ihr Atem immer flacher wurde, brach er mit zitternden Händen einen der noch verschlossenen Schränke auf und kam mit einer Ampulle Adrenalin zurück.
„Nein“, sagte sie leise. „Lass mich.“
„Ich muss es tun, sonst wirst du sterben“, sagte Ray. Er zog das Adrenalin auf und griff nach ihrem Arm. „Halt still.“
„Nein“, sie legte ihre Hand an sein Gesicht. „Es ist gut so, lass mich...“ Ihr Atem rasselte schwer, doch sie sah in unverwandt an.
Ray spürte ihr Blut auf seiner Wange. Er sah, wie sie ihn warm anlächelte, als wäre er es, der im Sterben lag. Er hielt inne.
Langsam und zitternd schob sie die Dose mit den Bohnen, die sie die ganze Zeit umklammert hatte, zu ihm. Sie griff nach seinen Fingern. „Hier nimm sie.“
„Ich kann nicht...“, stotterte Ray.
„Nimm sie...“, hauchte sie kaum noch hörbar und legte ihre Hand wieder an seine Wange. „Ich danke dir...ich danke dir so sehr...ich...“
Ihre Hand löste sich von seinem Gesicht und fiel in ihren Schoss. Ihre Augen erloschen.
Vergeblich versuchte er sich gegen die Emotionen zu wehren. Zuerst erfasste ihn tiefen Kummer, ein Teil von ihm wollte sich neben sie hinlegen und sterben, dann erfasste ihn Wut, und er schrie so laut er konnte. Er trat so heftig gegen eines der Betten, dass es quer durch den Raum flog und scheppernd gegen einen Schrank krachte. Ray rutschte an einer Wand zu Boden und blieb sitzen.
Während er in die Leere starrte, wanderte seine Hand zu dem kleinen Fläschchen um seinen Hals. Er hielt es fest. „...Narren, die Blind den Weg der Hoffnung gehen...“, wiederholte er immer wieder wie ein Mantra. „...Narren, die Blind den Weg der Hoffnung gehen...“
Als die ersten Sterne durch eines der Fenster schienen kehrte sein Mut zurück, und er erinnerte sich an die Aufgabe, die er zu erledigen hatte. Er deckte das tote Mädchen zu und ging hinaus.
Bevor er losfuhr, verstaute Ray die Dose sorgsam in seinem Rucksack.
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BeitragVerfasst am: 22.01.2017 13:41    Titel: Antworten mit Zitat

Logan hat Folgendes geschrieben:


KAPITEL 5 (Der Markt und das Mädchen)
Ray trat aus dem schattigen Hauptportal in die Hitze und den Gestank des Marktplatzes hinaus. Für das Frühlingsfest waren die Stadtbewohner aus ihren Verstecken geströmt, noch bevor die Sonne vollständig untergegangen war. Die Privilegierten unter den Marktbesuchern hatten ihre Köpfe wie Beduinen mit farbigem Sonnentuch eingewickelt.

Beduine ist eher ein "heutiges" Wort. Außerdem braucht es den Vergleich nicht, weil man eigentlich ganz gut das Bild eh vor Augen hat. Und wenn wir schon bei denen sind, kannst du ja zur Sicherheit kurz sagen, dass nur die Augen offen sind. Es sei denn, dein Prota weiß ganz genau, was Beduinen sind.
Warum Sonnentuch? Lass die Sonne da raus. Dann hast du auch keine Dopplung.
Zitat:

Sie feilschten von ihren Dienern begleitet  und kauften Nahrungsmittel, Wasser und Artefakte von den Händlern.

Das klingt seltsam. Wie wäre es mit: Sie feilschten mit den Verkäufern um Nahrungsmittel, Wasser und Artefakte. Ihre Diener trugen die schweren Einkäufe.
Zitat:

Rays Elektromotorrad entriegelte sich automatisch, ein Ungetüm mit primitiven Akkus und breiten Reifen. Er löste es aus seiner Ladestation und schob es langsam in Richtung Marktausgang.  

Was ist hier passiert? Wo kommt das Motorrad her? Wenn es im vorherigen Kapitel erwähnt wird, musst du hier natürlich nichts bearbeiten. So erscheint es mir aus der Luft gegriffen zu sein.
Zitat:

Am Rande des Marktes kauerten in weit grösserer Zahl die weniger Glücklichen. Ray sah in Lumpen gehüllte Bettler und Diebe, einige von ihnen waren von der Sonne geblendet worden, andere waren verbrannt und verstümmelt.

kauern = hocken. Wenn das wirklich alle tun, lass es so, sonst klingt es seltsam, als würde keiner von ihnen stehen oder auf dem Boden sitzen.
Woran erkennt man Diebe? Oder weiß man das einfach, wenn man dort lebt?
Zitat:
Alle waren bis auf die Knochen ausgehungert und prügelten sich um abgenagte Knochen,

Na, dann kauern sie nicht.
Zitat:
die eindeutig nicht von Tieren stammten.

Woher kommen die dann? Hieß es nicht früher im Text, das die Wüstenbewohner Menschen fressen? Jetzt fressen auch die Stadtbewohner Menschen? (Hab den vorherigen Text nicht mehr ganz im Kopf.)
Zitat:

Gerade als Ray an einem Stand vorbeiging, an dem Elektroschrott aus den Ruinen kiloweise verkauft wurde, hielt er inne. „Diebin! Diebin!“, hörte er einen Ruf, der immer näher kam.

Mit dem "am Rand des Markts" hast du suggeriert, dass Ray beinah am Ausgang ist und an den Bettlern vorbeigeht. Jetzt ist er doch an einem Stand.
Zitat:

Etwas rempelte Ray an und fiel wimmernd zu Boden.
Eine junge Frau mit zerschlissenen Kleidern lag vor ihm im Staub. Sie war so dünn, dass ihre Knochen schmerzhaft hervorstachen. Mit einer Hand hielt sie sich die blutende Schläfe, mit der anderen umklammerte sie fest eine grosse Dose voller Bohnen.
„Habe ich dich!“ Ein massiger Mann stand schnaufend vor ihnen, nachdem er eine Gruppe von Marktbesuchern grob zur Seite geschoben hatte.

Wozu der Plusquamperfekt?
Ein massiger Mann schob Käufer grob zur Seite und blieb schnaufend vor ihnen stehen. "Habe ich dich!"
Zitat:
Er trug eine Händlerrobe und goldene Ringe. Sein rechter Arm, ein Meisterwerk mechanischer Handwerkskunst, klickte bei jeder Bewegung.
„Du widerliche Diebin!“, brüllte er,

Versuch mal "Du widerliche Diebin" zu brüllen. Es enthält zu viele Is, um es wirklich brüllen zu können.
Zitat:
wütende Speicheltropfen troffen von seinen Lippen.

Speicheltropfen können keine Emotionen haben. Zumindest meines Wissens nach.
Zitat:
„Damit wirst du mit deinem Blut bezahlen, Mädchen!“
Er las einen Stein auf und warf ihn. In blinder Panik kroch das Mädchen über den Boden, versuchte von ihm wegzukommen.
Während der feiste Händler mehr und mehr Steine warf, fingen auch andere an. Innerhalb von wenigen Augenblicken hatte sich ein wütender Mob um das Mädchen gebildet.
Und was macht Ray? Das Mädchen ist doch direkt vor seine Füße geknallt, auch wenn sie wegzukriechen versucht hat. So weit ist sie in diesem Zustand nicht gekommen. Ein Schritt? Zwei? Macht er nicht wenigstens einen Schritt zur Seite? Beim ersten Stein verstehe ich es noch, aber wenn die ganze Masse plötzlich damit anfängt, vergeht schon etwas Zeit zum reagieren.
Zitat:

Ray zuckte zusammen, als sie ein Brocken hart am das Bein des Mädchens erwischte. Das Geräusch von Stein auf Knochen. Ein weiterer Stein traf ihren Rücken, ihren Bauch.

Und sie macht was? Stil daliegen? Oder schreit und windet sie sich?
Zitat:
Ein ohrenzerfetzender Schmerzensschrei, dann wurde sie leiser.

Das ist zuspät. Lass sie schon beim ersten Treffen schreien.
Zitat:
Ray erwachte schlagartig aus seiner Schockstarre.

Kaufe ich ihm nicht ab. Dafür bekommt er zu viel mit.
Zitat:

Mit aller Kraft bahnte er sich einen Weg durch die Steinwerfer. Die Steine prasselten von ihm ab, während Ray versuchte das Mädchen auf die Beine zu ziehen.

Ähm ... Ich bezweifle stark, dass er in den Steinhagel reinläuft. Die Steine würden ihn treffen und genau das gleiche machen, wie mit dem Mädchen: Mindestens stark verletzten. Kein "abprasseln". Er kann ja die Leute anschreien, sie zur Seite schubsen etc. Außerdem: Warum bahnt er sich einen Weg durch die Steinwerfer? Er steht doch quasi im Ziel. (Die Erkenntnis mit dem Panzer kommt später.)
Vielleicht verstehe ich etwas nicht. Aber für mich sieht es so aus:
Das Mädchen knallt in Ray, kriecht zwei, drei Schritte maximal von ihm weg, ein dicker Typ kommt an, wirft mit Steinen nach ihr, ein Kreis bildet sich um das Mädchen und sehr wahrscheinlich Ray, da er direkt neben ihr steht. Also ist Ray eingeschlossen genauso wie das Mädchen. Denn wenn wir vom Mob reden, dann sind es nicht vier Leute, die schmeißen, sondern mindestens zehn. Und das macht einen ziemlich großen Kreis und eine Menge Zuschauer.
Zitat:

„Lass sie sofort los Junge! Lass sie liegen!“, schrie der Händler ihn an.
Ray bemerkte, wie zwei Stadtwachen vom Tumult alarmiert aus dem Schatten der Lauben traten, ihre Waffen im Anschlag.
Mit einem Arm

Wie funktioniert das? LAss es weg. Er zog ... reicht völlig aus.
Zitat:
zog Ray das halb bewusstlose Mädchen mit

über den Boden? oder geht sie mit? Mit dem verletzten Bein? Ich glaube, er muss sie tragen oder wenigstens unter dem Arm nehmen. Das schafft sie nie im Leben alleine <in diesem Zustand.
Zitat:
und stiess mit dem anderen das Motorrad durch die brodelnde Menge. Die Leute kreischten ihn in allen möglichen Sprachen an, Nägel kratzten auf seinem Panzer.

Ah, er hat einen Panzer an. Okay, gut, dann erübrigt sich der Schmerz. Vielleicht kannst du aber dann trotzdem so etwas sagen wie: Zum Glück prasselten die Steine an seinem Panzer ab, er würde höchstens ein paar blaue Flecken davon tragen. etc. Weißt du, was ich meine?
Zitat:
Ray ignorierte sie, sorgte dafür, dass er in Bewegung blieb. Als ihm der fette Händler den Weg versperrte, trat ihm Ray so heftig auf die Füsse, dass er das Knacken durch den Stiefel spüren konnte.
Sie waren dem Ausgang schon sehr nahe, als Ray hinter sich Schüsse hörte. Er drehte sich um. Die beiden Stadtgardisten waren zu nahe. Ray sah, wie sie losrannten. Er hatte zu viel Zeit verloren.

Klingt komisch. Ihm blieb kaum Zeit etc. ist besser.
Zitat:

Das Mädchen war immer noch benommen, Blut tropfte aus ihrem zerschundenen Gesicht.
„Setzt dich nach vorne“, sagte Ray und schwang sich in den Sattel.

Und was macht das Mädchen?
Zitat:
„Halt!“ Die Wachen legten die Waffen an. „Steigen sie sofort von der Maschine!“
Ray duckte den Kopf weg und aktivierte den Motor. Es knallte zwei Mal. Links von ihnen spritzte der Sand auf.

Versperrt ihn keiner den Weg? Versucht ihn keiner aufzuhalten?
Zitat:

Ray gab überhastet Gas. Die zweite Salve traf das Heck des Motorrads und Ray er spürte einen kurzen, scharfen Stoss im Rücken.
Sie krachten in einen Marktstand. Faustgrosse, mit bunter Limonade gefüllte Kugeln rollten über den Boden wie grosse Glasperlen. Ray schüttelte energisch eine Plane ab, die sie heruntergerissen hatten.
 Die Strasse verwandelte sich augenblicklich in ein Chaos, als dutzende von abgemagerten Marktbesuchern den Kugeln nachrannten und sie flink unter ihren Roben verschwinden liessen. Ray sah, wie die beiden Männer von der Stadtwache sich mühsam durch die Leute kämpften.
Er griff nach einem grossen Behälter, in dem noch mehr der Kugeln lagen, und schüttete sie in die Menge.
Ohne sich umzudrehen fuhr Ray los und liess die wütenden rRufe der Stadtgardisten hinter sich.

Ray war so schnell gefahren komma wie er konnte und als er beim alten Krankenhaus ankam, glühte der Rumpf seines Motorrads fast.
Er merkte wie leicht ihr Körper war, als er die Diebin anhob und durch die Tür trug. Viele der rostigen Feldbetten waren umgeworfen, Bettpfannen und Messgeräte lagen zertrampelt am Boden und die Türen der Schränke waren weit aufgerissen. Es roch nach Tod.
„Hallo, ist hier jemand?“, rief Ray. „Kann mich jemand hören?“
Niemand konnte es.

Woher weiß er das? Lass lieber niemanden antworten.
Zitat:

Ray legte sie vorsichtig auf eines der noch stehenden Betten und zündete eine Kerze an. Ihr Körper war mit tiefen Schrammen übersäht und ihre zerlumpten

Das wissen wir schon.
Zitat:
Kleider hatten sich mit Blut vollgesogen. Er wusch die Wunden mit seiner Trinkflasche so gut er konnte

Sicher, dass er sie mit der Trinkflasche wäscht?
Zitat:
und begann sie zu verbinden.
Als er merkte, dass ihr Atem immer flacher wurde, brach er mit zitternden Händen einen der noch verschlossenen Schränke auf und kam mit einer Ampulle Adrenalin zurück.
„Nein“, sagte sie leise. „Lass mich.“
„Ich muss es tun, sonst wirst du sterben“, sagte Ray. Er zog das Adrenalin auf und griff nach ihrem Arm. „Halt still.“
„Nein“, sie legte ihre Hand an sein Gesicht. „Es ist gut so, lass mich...“ Ihr Atem rasselte schwer, doch sie sah in unverwandt an.
Ray spürte ihr Blut auf seiner Wange. Er sah, wie sie ihn warm anlächelte, als wäre er es, der im Sterben lag. Er hielt inne.
Langsam und zitternd schob sie die Dose mit den Bohnen, die sie die ganze Zeit umklammert hatte, zu ihm.

Ja, klar. Während sie gesteinigt wurde, während sie mit dem Motorrad in irgendwelche Stände gekracht sind.
Zitat:

Sie griff nach seinen Fingern. „Hier nimm sie.“
„Ich kann nicht...“, stotterte Ray.
„Nimm sie...“, hauchte sie kaum noch hörbar und legte ihre Hand wieder an seine Wange. „Ich danke dirLEERZEICHEN...LEERZEICHENich danke dir so sehrLEERZEICHEN...LEERZEICHENichLEERZEICHEN...LEERZEICHEN
Ihre Hand löste sich von seinem Gesicht und fiel in ihren Schoss. Ihre Augen erloschen.
Vergeblich versuchte er komma sich gegen die Emotionen zu wehren. Zuerst erfasste ihn tiefenr Kummer, ein Teil von ihm wollte sich neben sie hinlegen und sterben, dann erfasste ihn Wut, und er schrie so laut er konnte. Er trat so heftig gegen eines der Betten, dass es quer durch den Raum flog und scheppernd gegen einen Schrank krachte. Ray rutschte an einer Wand zu Boden und blieb sitzen.

Bisschen theatralisch wink
Zitat:

Während er in die Leere starrte, wanderte seine Hand zu dem kleinen Fläschchen um seinen Hals. Er hielt es fest. „LEERZEICHEN...LEERZEICHENNarren, die Bblind den Weg der Hoffnung gehenLEERZEICHEN...LEERZEICHEN“, wiederholte er immer wieder wie ein Mantra. „...Narren, die Bblind den Weg der Hoffnung gehenLEERZEICHEN...LEERZEICHEN
Als die ersten Sterne durch eines der Fenster schienen komma kehrte sein Mut zurück, und er erinnerte sich an die Aufgabe, die er zu erledigen hatte. Er deckte das tote Mädchen zu und ging hinaus.
Bevor er losfuhr, verstaute Ray die Dose sorgsam in seinem Rucksack.


Hallo Logan,

es ist eine sehr schöne Szene, aber meines Erachtens happert es noch an der Umsetzung. Das eine oder andere erscheint etwas unlogisch. Hab alles oben angeführt. Ändere nur das, was dir plausibel erscheint, und nicht nur, weil es dir jemand sagt.

Lies dir bitte die Regeln zur Setzung von Auslassungspunkten durch. http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/auslassungspunkte

Hoffe, es hilft weiter.

LG NIR


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"Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten." - William Somerset Maugham
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