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Neues aus Sede


 
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Soleatus
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Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 29.12.2016 01:10    Titel: Neues aus Sede eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

.





        Als Schemel spät, mit müdem Schritt
        Und müdem Geist, zum Graben tritt,
        Sind Frösche um ihn, sonder Zahl
        Und frohen Muts, die keine Wahl
        Ihm lassen, als zu singen,

        Weil sich die Frösche, alt wie jung,
        Laut quakend und mit hohem Sprung
        Ins Wasser werfen, dass es spritzt
        Und Schemel, der inzwischen sitzt,
        Durchnässt bis auf die Knochen,

        Der klaglos seine Laute stimmt
        Und Töne aus dem Quaken nimmt
        Und aus der Wellen Wirbeltanz
        Sich Töne nimmt und wird so ganz
        Zu Frosch und Nacht und Wasser;

        Und weiß von keiner Müdigkeit
        Und spielt und singt noch lange Zeit
        Den Fröschen, und es bricht ihr Blick
        Zufrieden auf und geht zurück,
        Die alte Welt zu schauen.








.

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Soleatus
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Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 29.12.2016 01:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der eine oder andere alteingessene DSFoler mag sich noch an "Das Königreich von Sede" erinnern; ob ihm das hilft, mit diesem Textlein aus jener fernen Weltgegend besser zurechtzukommen, als es jemand vermag, der all ihren Bewohnern zum ersten Mal begegnet, weiß ich allerdings nicht.
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Renate Neff
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Beiträge: 22
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BeitragVerfasst am: 29.12.2016 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr gut durchgeformtes Gedicht, hochpoetisch mit schönen Bildern. Aber ich habe den Eindruck, dass das ein Teilstück eines größeren Ganzen ist, das mir fehlt. Darauf deutet auch der Kommentar meines Vorrezensenten hin.
Weil mir das so gut gefällt, und ich neu hier bin, würde ich mich freuen, das Ganze am Stück kennenzulernen.

Renate
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3382
Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 29.12.2016 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Soleatus, es hat mich riesig gefreut, wieder etwas aus Sede zu lesen. In alt gewohnter Weise wunderbar erzählt in wohltuend unauffälligem Reim.

Zitat:
Der klaglos seine Laute stimmt
Und Töne aus dem Quaken nimmt
Und aus der Wellen Wirbeltanz
Sich Töne nimmt und wird so ganz
Zu Frosch und Nacht und Wasser;


Feine Verse! Diese Strophe mag ich besonders. Mir gefällt der Gedanke des "Einswerden".

 Liebe Grüße Aranka


_________________
"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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albaa
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 139



BeitragVerfasst am: 30.12.2016 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

Ja, das sind wirklich feine (perfekt klingende) Verschen - mir sind die Reime zuerst gar nicht aufgefallen, so elegant zurückhaltend fügen sie sich ein -  und so herzerfrischend erzählt! smile extra

Über Sede habe ich schon ein wenig in deinem Blog gelesen. Ich hoffe, das wird einmal ein Buch!

Ich empfinde es als poetische Cartoons; die Bilder dazu projizierst du in die Köpfe der Leser.

Ich freue mich schon auf weitere Geschichten Buch

Lieben Gruß
albaa
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Soleatus
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Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 30.12.2016 18:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

ich danke euch sehr für eure wohlmeinenden Rückmeldungen!

Renate, "das Ganze am Stück" ist schwierig; fertig ist da noch nichts ... Das Königreich von Sede ist, erst einmal, ein ziemlich langes Versepos, an dem ich einmal eifrig, einmal weniger eifrig weiterschreibe; und dazu eine Heerschaar von kürzeren Texten, die so nebenbei entstehen (wie dieser hier). Wenn du dir von denen einige ansehen willst, kann du hier vorbeischauen Das Königreich von Sede und dich am Ende der Seite über "Neuere Beiträge" weiter vorarbeiten; vielleicht ist ja etwas dabei für dich.

Aranka, den "wohltuend unauffälligen Reim", beziehungsweise die verwendete Strophe, wollte ich versuchen, nachdem ich wieder einmal C. F. Meyers "Firnelicht" gehört hatte; ein feines Gedicht, und es gibt auch noch mehr gut zu lesendes in dieser Strophe (Liliencron zum Beispiel, "Die Musik kommt"). So ist das halt - man liest etwas, und der nächste Gedanke ist: "Ich auch".

Albaa, "Bilder in den Kopf" finde ich schön und freue mich, wenn es gelingt; denn sichtbar, oder allgemein sinnlich erfahrbar zu werden, gehört für mich dazu beim Textemachen. Ein Buch, wer weiß: Das hat ja keine Eile, und zudem wächst Sede ständig weiter ... Danke auch für deinen Besuch beim Verserzähler!

Gruß,

Soleatus
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Zinna
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BeitragVerfasst am: 31.12.2016 17:01    Titel: Re: Neues aus Sede Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

schön, wieder aus Sede zu hören.
Fein geverst.
 
endlich wieder Sede, Soleatus hat Folgendes geschrieben:
.
Der klaglos seine Laute stimmt
Und Töne aus dem Quaken nimmt;

Und aus der Wellen Wirbeltanz
Sich Töne nimmt und wird so ganz
Zu Frosch und Nacht und Wasser,
<-- Meine Lieblingsstrophe

Freu- Grüße
Zinna


_________________
Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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Soleatus
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Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 02.01.2017 09:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Zinna!

Danke für deine lieben Worte. Die genannte Strophe ist sicher der Punkt, auf den die ersten beiden zuarbeiten; und von dem die letzte wegführt.

Mit den besten Wünschen für's neue Jahr,

Soleatus
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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 05.01.2017 19:39    Titel: Re: Neues aus Sede pdf-Datei Antworten mit Zitat

.







        Als flammend rot die Sonne sinkt,
        Wirft Schemel einen kleinen Stein,
        Der, vor den Flammen schattenschwarz,

        Durch Schatten fällt; er fällt ins Schwarz
        Des Grabenwassers und versinkt.
        Nun ist die Sonne fort, der Stein

        Erinn'rung nur – war je der Stein,
        Die Sonne je? Ins stille Schwarz
        Lacht Schemel auf; sein Lachen sinkt,

        Und sinkt dem Stein nach, gleich ihm: schwarz.








.

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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 11.01.2017 12:03    Titel: Re: Neues aus Sede pdf-Datei Antworten mit Zitat

.







        Frösche sitzen auf den Steinen,
        Unbeweglich, und sie weinen
        Tränen, große; dann die kleinen;
        Und dann keine mehr.
        Nennten sie der Tränen Gründe,
        Keinen gäb's, der sie verstünde,
        Ist's doch lange her.

        Frösche sitzen, unbeweglich,
        Auf den Steinen, wo sie täglich
        Weinen, und sie schauen kläglich,
        Tränenschwer die Welt:
        Die der andern, und vertrauen
        Darauf, dass, was Menschen bauen,
        Endlich schwankt und fällt.








.

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Aranka
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Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 11.01.2017 12:30    Titel: Antworten mit Zitat

Soleatus,

was mich hier einmal wieder beeindruckt, ist der so unauffällige und gekonnte Umgang mit Reim und Metrik. Beides tritt beim Lesen in den Hintergrund, unbemerkt und doch so präzise gesetzt, lässt mir beides erst einmal Raum für das Erzählte. Erst dann, wird mir bewusst, dass es einfach so und nicht anders gesagt werden kann/will.

Und sollte es nicht so sein, das angemessene  Zusammenspiel von Form und Gehalt? Und wie selten gelingt es.

Gern gelesen. Aranka


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„Erst als ihm die Welt geheimnisvoll wurde, öffnete sie sich und konnte zurückerobert werden.“ (Peter Handke)
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albaa
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Beiträge: 139



BeitragVerfasst am: 11.01.2017 18:18    Titel: Re: Neues aus Sede Antworten mit Zitat

Soleatus hat Folgendes geschrieben:
.







        Als flammend rot die Sonne sinkt,
        Wirft Schemel einen kleinen Stein,
        Der, vor den Flammen schattenschwarz,

        Durch Schatten fällt; er fällt ins Schwarz
        Des Grabenwassers und versinkt.
        Nun ist die Sonne fort, der Stein

        Erinn'rung nur – war je der Stein,
        Die Sonne je? Ins stille Schwarz
        Lacht Schemel auf; sein Lachen sinkt,

        Und sinkt dem Stein nach, gleich ihm: schwarz.








.





Hallo Soleatus,

Gefällt mir sehr sehr gut, deine Tritine. Das ganze Dings ist so leicht und verspielt und doch so tiefsinnig.

Besonders schön finde ich den letzten Vers, der in der Mitte so dahinschwebt:

und sinkt dem Stein nach, gleich ihm schwarz,

Der Vers liest sich für mein Gefühl hier entgegen dem Inhalt mit einer Aufwärtsbewegung zur Versmitte hin - wenn das so gewollt ist, dann ist es genial! love

Lieben Gruß
albaa
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albaa
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 139



BeitragVerfasst am: 11.01.2017 18:40    Titel: Re: Neues aus Sede Antworten mit Zitat

Soleatus hat Folgendes geschrieben:
.







        Frösche sitzen auf den Steinen,
        Unbeweglich, und sie weinen
        Tränen, große; dann die kleinen;
        Und dann keine mehr.
        Nennten sie der Tränen Gründe,
        Keinen gäb's, der sie verstünde,
        Ist's doch lange her.

        Frösche sitzen, unbeweglich,
        Auf den Steinen, wo sie täglich
        Weinen, und sie schauen kläglich,
        Tränenschwer die Welt:
        Die der andern, und vertrauen
        Darauf, dass, was Menschen bauen,
        Endlich schwankt und fällt.










.



Ist das eine bestimmte Strophe, oder wolltest du hier nur zeigen, wie man mit Reimen, Klang und Bedeutungsnuancen spielen kann?

Ja, mir scheint, die Frösche habe nicht soviel vergessen wie wir Menschen. Ich versuche, das Schwanken und Fallen positiv zu interpretieren.

Lieben Gruß
albaa
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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 10:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

habt Dank für euer erneutes Vorbeischauen und eure lieben Worte!

Aranka, es gab wieder einen dieser "Ich-Auch-Augenblicke" (siehe die Antwort an Albaa) mit diesem Ergebnis ... Wie "unauffällig" der "Umgang mit Reim und Metrum" hier ist, hm: Da frage ich mich inzwischen schon, wo die Grenze liegt. Es verschiebt sich immer mehr in die Wiederholung, nicht nur von Wörtern, auch von Klängen; ob man zum Beispiel mit dem (tränen)-"schwer" wirklich noch einmal den Reim aus S1 in S2 aufnehmen muss? Aber gut, da hilft wohl nur: Versuchen. Und schauen.

Albaa, im Schlussvers der Tritine hat das "nach" auf jeden Fall einiges Gewicht. Was man damit als Vortragender anstellt, ist eine spannende Frage; ich glaube, wenn man sehr langsam und nachdrücklich liest, kann man sogar das "ihm" etwas über Gebühr heben und den Nachdruck nach der von dir beschriebenen Steig(er)ung bis zum Versende gleich lassen?! Da gibt es bestimmt viele Möglichkeiten.

Die beiden Strophen des anderen Beitrags sind entstanden, nachdem ich ein Gedicht von Wilhelm Gerhard gelesen hatte, das diese Strophe verwendet.

Kinder können nicht betrügen;
Weidet euch an ihren Zügen,
Freut euch über ihr Vergnügen,
Teilet ihren Scherz!
Strebet ihnen gleich zu werden:
Denn das Himmelreich auf Erden
Schafft ein kindlich Herz.


- Als Beispielstrophe. Das ist, wenn man wohlmeinend urteilt, Durchschnitt; aber ich mag es, zuvor unbekannte Strophen auch gleich zu versuchen und zu sehen, wie sich die Inhalte in ihr ausformen, umso mehr, wenn es eine siebenzeilige Strophe ist, wie hier - die mag ich nämlich besonders gern.

Die Verbindung von Reim, Klang, Bedeutung ist meine augenblickliche Art, mich in Reimgedichten auszudrücken; wie gegenüber Aranka schon erwähnt, bin ich nicht wirklich sicher, ob ich da nicht einen Schritt zurück machen sollte.

Gruß,

Soleatus
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Lorraine
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 11:41    Titel: Re: Neues aus Sede Antworten mit Zitat

Soleatus hat Folgendes geschrieben:
.







        Frösche sitzen auf den Steinen,
        Unbeweglich, und sie weinen
        Tränen, große; dann die kleinen;
        Und dann keine mehr.
        Nennten sie der Tränen Gründe,
        Keinen gäb's, der sie verstünde,
        Ist's doch lange her.

        Frösche sitzen, unbeweglich,
        Auf den Steinen, wo sie täglich
        Weinen, und sie schauen kläglich,
        Tränenschwer die Welt:
        Die der andern, und vertrauen
        Darauf, dass, was Menschen bauen,
        Endlich schwankt und fällt.








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Hallo Soleatus,

Nachdem ich deine Antworten zu den Rückmeldungen hierzu gelesen habe, möchte ich mich doch melden.
Mir kam es nämlich so vor, als hättest du hier zwei Strophen eingestellt, die sich (eigentlich) gegenseitig ersetzen könnten oder sollten, zur Auswahl sozusagen. Solch ein Ansinnen wurde aber nicht ersichtlich.

Mich wunderte, vom Inhaltlichen her, wie "tränenschwer" die Frösche in die Welt schauen (S2), nachdem es in S1 hiess, sie weinten dann "keine mehr".

Ich hatte den Eindruck, es war versucht worden, Klang- und Reim-"Bauteile" jeweils anders und neu zu kombinieren - inhaltlich gehen beiden Strophen für mich nicht mit- oder nacheinander.

So etwas habe ich bei dir noch nie gesehen, wenn ich mich recht erinnere.

In S1 wird die Vergangenheit gleichzeitig beweint und verschwiegen, bevor die Tränen dann versiegen. - S 2 kümmert sich darum nicht, die Frösche weinen (wieder) täglich, gleichzeitig vertrauen sie auf ein Ende/den Niedergang dessen, was Menschen "fabriziert" haben.

Mir kommt vor, als ordnetest du eine innere Logik der Form, bzw. dem Spiel mit Klängen, dem Verschieben von Akzenten komplett unter (oder ... ich konnte dir nicht folgen, weil ich zu wenig davon verstehe, wie die Frösche die Welt sehen).

Du weisst (vielleicht), dass ich diese ganze Welt und ihre Bewohner, die schon so lange am Entstehen ist, sehr mag. Und ich kann den Fröschen ganz gut folgen: aber weniger, wenn diese beiden Strophen zusammen stehen, in einem Gedicht.

Viele Grüsse von hier

Lorraine
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 11:46    Titel: Antworten mit Zitat

Soleatus, du schreibst:

Zitat:
Wie "unauffällig" der "Umgang mit Reim und Metrum" hier ist, hm: Da frage ich mich inzwischen schon, wo die Grenze liegt. Es verschiebt sich immer mehr in die Wiederholung, nicht nur von Wörtern, auch von Klängen; ob man zum Beispiel mit dem (tränen)-"schwer" wirklich noch einmal den Reim aus S1 in S2 aufnehmen muss? Aber gut, da hilft wohl nur: Versuchen. Und schauen.


Mit "unauffällig" meine ich keineswegs "unbedeutend oder sich versteckend". Ich meine damit, Reim und Metrik und noch so andere Stilmittel bewegen sich im Text selbstbewusst undominant, lassen hier dem "Erzählten" nicht nur Raum, sondern bereiten ihn und stützen das zwischen den Zeilen gesagte. (hier: unbeweglich/schwer)

Da gibt es für mich keine Faustregel, ich registriere lediglich beim ersten Lesen, was da so bei mir ankommt, ob es die Form ist, die sich da zeigt, stolz in ihrer vielleicht Perfektheit, und ich muss erst beim zweiten und dritten Lesen auf die Suche nach dem Gehalt gehen.
Oder wie hier in diesem Text: Ich lese, werde gut und sicher geführt durch Verssetzung und Satzzeichen, und es war das Erzählte, das sich gleich einen Weg suchte und die "Gestaltung", lächelt im Hintergrund und kneift mir ein Äuglein:"Ich bin's, die dir den Lesegenuss bescherte, auch wenn du mich kaum bemerkst."

Du sprichst die Wiederholung an. Sie ist ja ein beliebtes Stilmittel, auch in freien Versen und wird oft genug missbraucht. Hier verschmilzt sie mit dem Inhalt, zeigt den "Stillstand, das Sitzen, das Unbewegliche" und sie machen den Text "tränenschwer".
Ebenso das "ü" im Reim "Gründe / verstünde" trägt für mich zu dieser "Schwere" bei. Ich finde hier im Text die Stimmung dieser tropfnassen Nebeltag, die sich nicht ausregnen können und die es am Niederrhein nicht selten gibt.

Sicher ist es immer auch eine Empfindungssache und ein Ausprobieren und Hineinhorchen. Ich kann dir hier nur rückmelden, dass ich hier eine ausgeglichene Einheit zwischen Gestaltung und ERzähltem empfand.

Schönen Tag. Aranka


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Aranka
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Lorraine, ich lese gerade deinen Kommentar und finde es sehr interessant, wie du die beiden Strophen im Hintereinander liest.

 Ich hatte beim Lesen in keinem Augenblick das Gefühl, dass sich die Strophen gegenseitig ersetzen könnten. Für mir zeigte die zweite Strophe, die "ewige" Wiederholung der Dinge, der Abläufe, selbst wenn wir sie glauben hinter uns gelassen oder abgeschlossen zu haben.

Dieses "täglich" in der zweiten Strophe ist das neue Wort und gibt für mich dem Ganzen noch einmal eine andere Dimension.

Ich sehe hier die Frösche in ihr Frosch-Sein gebunden, Tag für Tag von neuem.

Lorraine, habe deine Gedanken und Argumente mit Interesse gelesen.

Liebe Grüße Aranka


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Lorraine
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BeitragVerfasst am: 12.01.2017 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Aranka,

Aranka hat Folgendes geschrieben:
Für mir zeigte die zweite Strophe, die "ewige" Wiederholung der Dinge, der Abläufe, selbst wenn wir sie glauben hinter uns gelassen oder abgeschlossen zu haben.



Ja, ich kann das nachvollziehen.

Für mich stellt es sich ein wenig so dar, als prallten da zwei unterschiedliche (Gruppen-)Wesensarten aufeinander. Würde man zwischen den beiden Strophen wählen (sollen), würde das nicht die historische Sichtweise auf diese Welt beeinflussen? Einerseits die passiven, eben leidenden Frösche, auf der anderen die zwar ebenfalls weinenden, aber vorausschauenden. So, direkt hintereinander, entsteht für mich ein Paradox, welches allerdings so gewollt sein kann, klar.

Grüsse zurück smile


Edit.
Möchte, muss noch etwas hinzufügen, bzw. zurückrudern - gerade komme ich von deinem Blog, Soleatus, und muss sagen, es wirkt anders auf mich, dort (oder Arankas Sichtweise hat einfach ein wenig Zeit gehabt, zu sickern).

Vielleicht ist es gut, dass das "täglich" erst in der zweiten Strophe auftaucht, macht die Sicht auf die Paradoxenfrösche zu einer anderen.

(Trotzdem taucht Prinzessin Sofarosa zu selten auf, vielleicht im Frühling wieder?)

Noch einen Gruss,
Lorraine
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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 13.01.2017 13:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo,

vielen Dank für eure das Nachdenken sowohl über Sede als auch das Schreiben an sich sehr förderlichen Anmerkungen!

Lorraine, wie wiederholt man, und wozu: das treibt mich gedanklich ein wenig um im Augenblick. Das Wiederholen von Wörtern heißt (auch), sie vor jedem neuen Auftauchen ein wenig anders zu drehen, so dass ein anderer Blick auf sie möglich wird, andere Eigenschaften zu Tage treten; gilt das aber auch für Strophen? Und das meint dann ja nicht das schlichte Wiederholen des metrischen Aufbaus, der einfach nur den Grundton eines Gedichts festsetzt; sondern das Wiederholen von allem, Worten, Klängen, und eben dem Gesamtinhalt der Strophe - in Abwandlung, um ein Neues am gleichen zu zeigen.

Hm.

Ich versuche das im Augenblick immer wieder mal, das kann aber genauso schief- wie gutgehen ...

Hier, denke ich, liegt der Unterschied wirklich im "täglich". Der Anfang der Strophe wiederholt ja den Anfang der ersten Strophe, unter Vertauschung der Satzglieder und unter Aufnahme des "täglich", das in die innerhalb des Verses ausgezeichnete Endstellung rückt, zusammen mit dem schon bekannten ""-geblich" und dem (leider vergleichsweise überflüssigen!) "kläglich"; Damit wäre der Unterschied zwischen den beiden Strophen, dass die erste das zeigt, was geschieht, die zweite, dass es regelmäßig geschieht (und in kurzen Abständen.)

Die Frösche als Vertreter der alten / anderen / Spiegel-Welt, hm: Da gibt es Unterschiede. Der "Torfrosch", der "Nebelfrosch", die "Knochenfrösche" sind alle vergleichsweise selbstständig, zwar in Beziehung mit den Menschen, aber nicht (oder kaum) von ihnen beeinflusst (und ihnen schädlich); die Frösche im Schlossgraben sind da anders, zwar immer noch ihrer Welt verpflichtet, aber im Austausch mit den Menschen und auf sie einwirkend im Sinne einer "Lösung", vor allen Dingen in Bezug auf Prinz Klappstuhl, aber auch auf die anderen, dazu der "Besitzerin" des Grabens verpflichtet, der Wasserfrau; dadurch gibt es eine ganze Menge Seiten von ihnen, die zum Vorschein kommen, und das ergänzt sich keinesfalls zu einem widerspruchsfreien Ganzen. Die "Lösung" - wie auch immer sie aussehen wird - wird vor allem von dem Trio Prinz Klappstuhl, Prinzessin Sofarosa, Schemel herbeigeführt werden; alle anderen arbeiten ihnen zu. Von den dreien ist die Prinzessin die Gestaltende, die Nicht-Ruhende, Wanderne, Verknüpfende, die das Verschiedene und Unvereinbare einander bewusst macht; im Gegensatz zum Prinzen, der bewegt wird (und kaum einen Plan hat) und zum Narren, der als "Alter" die Zeitachse "bedient". Und na ja, wenn man selbst noch keinen wirklichen Plan hat, oder nur in Ansätzen, dann ist es schwer, die gute Sofarosa in einen längeren (!) Verstext zu schicken, denn am Ende werden ausnahmslos alle Bruchstücke "verbaut", und da wäre es nicht so gut, wenn ... Aber von den kürzeren Sachen - Einzelstrophen, Distichen -, in denen sie auftaucht, stelle ich demnächst gerne etwas ein.

Aranka, das "Ausgeglichene" ist mir wichtig - schön, dass es so ankommt; und auch wenn ich gegen das "Zeigen der Form" nicht wirklich etwas einzuwenden habe, zum Selbstzweck ("mit angeschlossenem Inhalt") darf es bei Dichtungen, die erzählen, sicher auf gar keinen Fall werden! Bezüglich des "täglich" bin ich ganz bei dir, siehe meine Zeilen an Lorraine.

Gruß,

Soleatus
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 31.01.2017 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

[Der Beitrag von Feire Fiz sowie Klemens' Antwort darauf wurden nach Absprache und auf Wunsch des Autors gelöscht.]

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- Lütfiye Güzel
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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 07.02.2017 18:47    Titel: Re: Neues aus Sede pdf-Datei Antworten mit Zitat

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        Daune – König Daunenkissen,
        Strenggenommen, aber jeder
        Nennt ihn Daune seit den Tagen
        Seiner Knabenzeit; ein schmächtig
        Prinzlein war er, spindeldürres,
        Jeder Luftzug schien geeignet,
        Ihn empor- und fortzutragen,
        Ganz wie eine Daunenfeder …
        Später dann, als junger König,
        Bald erprobt in vielen Nöten,
        Schwoll der Arme Kraft, der Beine
        Kraft ihm an, die Brust ward weiter,
        Alles strebte auf, bis schließlich
        Sich des Körpers edle Formung
        Eines Herrschers würdig zeigte.
        Groß war nun die Macht des Königs,
        Eine andre aber größer;
        Deren Name ist Gewohnheit,
        Und es sind ihr untertänig
        Sedes Menschen, und sie rufen
        Ihren König, längst kein Kind mehr,
        Spindeldürres, längst kein Herrscher
        Voller Kraft mehr, massig längst schon,
        Langsam, weiß sind Bart wie Haare:
        Rufen ihren König Daune.








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BeitragVerfasst am: 12.02.2017 22:04    Titel: Re: Neues aus Sede pdf-Datei Antworten mit Zitat

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      Winters |
      Laute    |
      HÜPFT
      ruft Schemel, spielt an den Graben den Lenz und fleht
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