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Die Stunde des Wolfs/ Prolog für den dritten Teil


 

 
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cascail
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BeitragVerfasst am: 06.04.2015 16:35    Titel: Die Stunde des Wolfs/ Prolog für den dritten Teil eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Coucou! Ich habe lange nichts mehr hier gemacht. Wo bleibt nur immer die Zeit? Ich dreh mich dreimal um, dann sind schon wieder ein paar Jahre ins Land gegangen!

Also hier der Prolog für Teil drei der Elenageschichte.
Meine Geschichten spielen alle in einem Tal in den Zentralpyrenäen.





Ende Mai 2001

 Lulu Lapeyre sah besorgt zum Himmel auf. Dunkle Wolken, von einem stürmischen Westwind getrieben, ballten sich über den hohen Bergen zu bedrohlichen Türmen auf. Er kroch unter dem Ballengerät hervor und rieb sich die von Wagenschmiere schwarzen Hände mit einem Lappen ab.
„Merde, das Heu!“, fluchte er. „Cedric!“, rief er ins Haus, „ich muss zur Cassechewiese, das Heu häufeln, bevor es uns verhagelt.“
Er wartete die Antwort seines Sohns gar nicht erst ab. Er hatte es viel zu eilig, zu der Wiese zu kommen. Er band den Heurechen auf den Rücksitz des alten Mopeds.
Zu dumm, dass ausgerechnet heute seine Frau Aline mit dem Landrover zu ihrer Cousine Lucette gefahren war. Schon das dritte Mal in einer Woche! „Mein Gott, diese verdammte Hochzeit, mitten in der Heuernte!“, grummelte er wütend. Da standen die Frauen schon wochenlang vorher Kopf, anstatt hier auf dem Hof  zu helfen! Jetzt musste sie obendrein noch beim Ändern des Kleids seiner Nichte mithelfen. Als könnte das nicht jemand anderes genauso gut erledigen. Doch das nützte ihm jetzt auch nichts. Morgen, schwor er sich, würde er das Auto nicht mehr raus rücken, Hochzeitskleid hin oder her!
 Ein leises Grollen aus den Tiefen des schwarzgrauen Himmels trieb ihn zur Eile an.
Er ratterte mit stotterndem Motor vom Hof des Bergbauernhauses. Er musste es schaffen, das Heu zu retten. Letztes Jahr schon war ihnen ein Teil des Heus verrottet und er hatte zukaufen müssen. Dieses Jahr sollte ihm das nicht schon wieder passieren.
Bei der der steilen Wiese am Wildbach zerrte er ungeduldig den Rechen vom Sozius. Vom Anblick der anstürmenden Wolkenmasse getrieben, raffte er das Heu in lange Reihen zusammen. Als er bei der letzten Reihe angelangte, fielen die ersten schweren Tropfen. Die Luft hatte den dem Regen vorhergehenden Ozongeruch angenommen. Er hielt das schweißnasse Gesicht in den beginnenden Regen. Ah, das tat gut!
   Doch Wenn er nicht völlig durchnässt werden wollte, hatte er keine Sekunde zu verlieren. Er nahm sich nicht einmal mehr die Zeit, den Heurechen anzubinden und ließ ihn an den Zaun der Wiese gelehnt stehen. Falls er es nicht  ganz nachhause schaffen sollte und es gar zu arg würde, konnte er sich bei Jeanot in der Scheune neben der Straße unterstellen. Wenigstens bis dorthin musste er es schaffen. Unwillig hustend sprang die alte Mobylette an.
Der Regen peitschte in dichten Schleiern herunter und der Donner grollte bedrohlich. Die Blitze erhellten gespenstisch die spiegelnde Asphaltfläche. Vorsichtig manövrierte er die Mobylette um die rechtwinklige Kurve vor der Brücke über den Bach, als grelles Licht sich in seine Augen bohrte. Instinktiv riss er den Lenker nach rechts. Das Kreischen von Bremsen übertönte den Donner. Er spürte einen harten Schlag. Das Moped entwickelte ein unkontrollierbares Eigenleben. Wie auf Schmierseife schlitterte es auf die steinerne Einfassung der Brücke zu. Er wirbelte durch die Luft und raste mit dem Kopf auf das Natursteingeländer der Brücke zu. Ein gellender Schmerz durchfuhr ihn. Dann verlor er das Bewusstsein.
Zu sich kommend wusste er nicht, wie lange er schon dort lag. Waren es Minuten? Stunden? Wasser strömte auf ihn hernieder, ließ ihn vor Kälte zittern. In seinem Kopf wütete ein Presslufthammer. Jeder Atemzug brannte qualvoll. Er versuchte, sich zu erinnern. Was war passiert? Er tastete nach dem Brustkorb, wo der Scherz am heftigsten wühlte. Eine schmierige Substanz klebte an seinen Händen, die nicht vom Regen kommen konnte. Mühsam hob er die Hand. Das Regenwasser vermischte sich mit dem Blut und lief ihm den nackten Arm hinunter. Er blutete! Hatte er nicht gerade noch das Heu gerecht? Und wo war die verdammte Mobylette? Stöhnend versuchte er, sich aufzurichten, doch der Schmerz durchbohrte ihn wie ein glühendes Messer. Er sackte in sich zusammen,  lieferte sich hilflos dem auf ihn herab prasselnden Regen aus.
Er horchte auf. Rief jemand nach ihm? Erleichterung durchflutete ihn. Eine Gestalt beugte sich über ihn.
„Ach du bist es!“ Nur ein Hauch drang aus seiner Kehle. Hatte der andere ihn überhaupt gehört?
„Ich glaube, ich hatte einen Unfall“, ächzte er. Doch anstatt ihm aufzuhelfen, fuhr zu seiner grenzenlosen Verwunderung ein Schraubenschlüssel auf ihn nieder und löschte alle Lichter aus



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lupus
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BeitragVerfasst am: 06.04.2015 22:27    Titel: Re: Die Stunde des Wolfs/ Prolog für den dritten Teil Antworten mit Zitat

Hallo cascail,
Zunächst einmal halte ich die Idee für gar nicht schlecht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob du das genau so willst: du müßtest dir überlegen, ob du den Leser vor ein Rätsel stellen willst oder nicht. So wie es hier steht, scheint es mir nicht Fisch nicht Fleisch zu sein. Ich sag dir einmal wie ich das verstehe: ein Bauer geht aufs Feld, es blitzt, am Rückweg sieht er einen Blitz. Ich interpretiere den Blitz als Gewehrfeuer? Wenn er nun aber eine Zeit lang ohnmächtig war - warum wartet der Mörder noch so lang? Warum nimmt er einen Schraubenzieher und schießt nicht noch einmal?

Vielleicht lieg ich aber völlig falsch -- und genau das meine ich: Rätsel oder nicht Rätsel?

Außerdem ist mir der 'Anlauf' ein bisserl zu lang. Und du hast ein paar Redundanz drin:



cascail hat Folgendes geschrieben:

Ende Mai 2001

 Lulu Lapeyre sah besorgt zum Himmel auf. Dunkle Wolken, von einem stürmischen Westwind getrieben, ballten sich über den hohen Bergen zu bedrohlichen Türmen auf. Er kroch unter dem Ballengerät hervor und rieb sich die von Wagenschmiere schwarzen Hände mit einem Lappen ab. (reinigt sich die ölverschmierten Hände mit ...? - wobei ich mich frage ob das nötig ist)
„Merde, das Heu!“, fluchte er. „Cedric!“, rief er ins Haus, „ich muss zur Cassechewiese, das Heu häufeln, bevor es uns verhagelt.“
Er wartete die Antwort seines Sohns gar nicht erst ab. Er hatte es viel zu eilig, zu der Wiese zu kommen. Er band den Heurechen auf den Rücksitz des alten Mopeds.
Zu dumm, dass ausgerechnet heute seine Frau Aline mit dem Landrover zu ihrer Cousine Lucette gefahren war. Schon das dritte Mal in einer Woche! „Mein Gott, diese verdammte Hochzeit, mitten in der Heuernte!“, grummelte er wütend. Da standen die Frauen schon wochenlang vorher Kopf, anstatt hier auf dem Hof  zu helfen! Jetzt musste sie obendrein noch beim Ändern des Kleids seiner Nichte mithelfen. Als könnte das nicht jemand anderes genauso gut erledigen. Doch das nützte ihm jetzt auch nichts. Morgen, schwor er sich, würde er das Auto nicht mehr raus rücken, Hochzeitskleid hin oder her! Ein leises Grollen aus den Tiefen des schwarzgrauen Himmels trieb ihn zur Eile an.
Er ratterte mit stotterndem Motor vom Hof des Bergbauernhauses. Er musste es schaffen, das Heu zu retten. Letztes Jahr schon war ihnen ein Teil des Heus verrottet und er hatte zukaufen müssen. Dieses Jahr sollte ihm das nicht schon wieder passieren.
Bei der der steilen Wiese am Wildbach zerrte er ungeduldig den Rechen vom Sozius. Vom Anblick der anstürmenden Wolkenmasse getrieben, raffte er das Heu in lange Reihen zusammen. (und raffte (richtiges Wort?) das Heu ... dass ihn das Wetter antreibt ist schon klar) Als er bei der letzten Reihe angelangte, fielen die ersten schweren Tropfen. Die Luft hatte den dem Regen vorhergehenden Ozongeruch angenommen. Er hielt das schweißnasse Gesicht in den beginnenden Regen. Ah, das tat gut!
   Doch Wenn er nicht völlig durchnässt werden wollte, hatte er keine Sekunde zu verlieren. Er nahm sich nicht einmal mehr die Zeit, den Heurechen anzubinden und ließ ihn an den Zaun der Wiese gelehnt stehen. Falls er es nicht  ganz nachhause schaffen sollte und es gar zu arg würde, konnte er sich bei Jeanot in der Scheune neben der Straße unterstellen. Wenigstens bis dorthin musste er es schaffen. Unwillig hustend sprang die alte Mobylette an.Der Regen peitschte in dichten Schleiern herunter und der Donner grollte bedrohlich. Die Blitze erhellten gespenstisch die spiegelnde Asphaltfläche. Vorsichtig manövrierte er die Mobylette um die rechtwinklige Kurve vor der Brücke über den Bach, als grelles Licht sich in seine Augen bohrte. Instinktiv riss er den Lenker nach rechts. Das Kreischen von Bremsen übertönte den Donner. Er spürte einen harten Schlag. Das Moped entwickelte ein unkontrollierbares Eigenleben. Wie auf Schmierseife schlitterte es auf die steinerne Einfassung der Brücke zu. Er wirbelte durch die Luft und raste mit dem Kopf auf das Natursteingeländer der Brücke zu. Ein gellender Schmerz durchfuhr ihn. Dann verlor er das Bewusstsein.
Zu sich kommend wusste er nicht, wie lange er schon dort lag. Waren es Minuten? Stunden? Wasser strömte auf ihn hernieder, ließ ihn vor Kälte zittern. In seinem Kopf wütete ein Presslufthammer. Jeder Atemzug brannte qualvoll. Er versuchte, sich zu erinnern. Was war passiert? Er tastete nach dem Brustkorb, wo der Scherz am heftigsten wühlte. Eine schmierige Substanz klebte an seinen Händen, die nicht vom Regen kommen konnte. Mühsam hob er die Hand. Das Regenwasser vermischte sich mit dem Blut und lief ihm den nackten Arm hinunter. Er blutete! Hatte er nicht gerade noch das Heu gerecht? Und wo war die verdammte Mobylette? Stöhnend versuchte er, sich aufzurichten, doch der Schmerz durchbohrte ihn wie ein glühendes Messer. Er sackte in sich zusammen,  lieferte sich hilflos dem auf ihn herab prasselnden Regen aus.
Er horchte auf. Rief jemand nach ihm? Erleichterung durchblutet (???) ihn. Eine Gestalt beugte sich über ihn.
„Ach du bist es!“ Nur ein Hauch drang aus seiner Kehle. Hatte der andere ihn überhaupt gehört?
„Ich glaube, ich hatte einen Unfall“, ächzte er. Doch anstatt ihm aufzuhelfen, fuhr zu seiner grenzenlosen Verwunderung ein Schraubenschlüssel auf ihn nieder und löschte alle Lichter aus (das ist mir jetzt ein bissel zu abgelutscht)


Das sind jetzt nur oberflächliche Reparaturen. Ich finde du müßtest hier ein bisserl mehr Spannung rein bringen und präziser arbeiten.

lgl


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lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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cascail
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BeitragVerfasst am: 09.04.2015 10:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich werde mich darum kümmern das zu verbessern und ein bisschen mehr Spannung rein zu bringen. Leider spinnt mein Laptop zur Zeit und ich krieg gar nichts gebacken!Grr! Danke erstmal. Und sowie ich mein Monstrum wieder imGriff habe stelle ich wieder den Text rein. Ich hasse Informatik!!! Vor allem wenn sie wie jetzt völlig aus dem Ruder läuft.

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Sembi
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BeitragVerfasst am: 15.04.2015 17:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo cascail,

ich wage es mal, ein paar Worte zu Deinem Prolog zu äußern:

Grundsätzlich liest es sich sehr flüssig und die Wendung kommt überraschend.

Zitat:
Vorsichtig manövrierte er die Mobylette um die rechtwinklige Kurve vor der Brücke über den Bach, als grelles Licht sich in seine Augen bohrte

Anders als lupus interpretiere ich das grelle Licht als entgegenkommendes Auto - womöglich mit eingeschaltetem Fernlicht (oder wie das richtig heißt - sorry, bin nur Auto-Mitfahrer). Dann wäre das Erschlagen mit dem Schraubenschlüssel keine Inkonsistenz. Allerdings passen die kreischenden Bremsen nicht so richtig zur Mord-Theorie ... Lulu bremst ja nicht, er versucht auszuweichen - hab ich jedenfalls so verstanden.

Ich stoße mich ein bißchen am Anfang - an der Sache mit dem Heu. Ich habe selbst ein paar mal bei Heuernten geholfen - keine Ahnung, wieviel Erfahrung Du damit gemacht hast. Aber der Ablauf (wie ich ihn kenne) ist folgender:
1. Mahd - da darf es drauf regnen , kein Problem
2. Trocknen
3. Wenden - ab jetzt bitte nicht mehr draufregnen lassen!
4. Trocknen
5. Schwaden/Häufeln oder wie es regional genannt wird
6. Pressen/Einfahren.
Falls es dazwischen doch regnete, müßte man bereits geschwadetes/gehäufeltes Heu wieder breit machen und bei Punkt 2 anfangen.
Wenn (in Rollen) gepreßt wird, kann dem Heu nichts mehr passieren. Heurollen kann man unproblematisch draußen liegen lassen, auch wenn es davon nicht besser wird. Damit es nicht vom Boden fault, legt man sie erhöht, z.B. auf Holzpaletten, selbst wenn sie ein Dach überm Kopf haben.
In Deinem Plot müßte Lulu also noch schnell das Heu einfahren. Wenn er allein händisch schwadet/häufelt, kann es ja soviel nicht sein - aber ohne Wagen mit Anhänger wird das sicherlich nichts.

Mich würde noch interessieren, für wieviele Tiere (und was für welche) das Heu genügen soll - in der Annahme, daß das Heu nur als Winterfutter verwendet werden soll. Es klingt so, als gäbe es mehrere Wiesen, auf denn Heu gemacht wird, aber diese Wiese scheint auch sehr klein zu sein. Allerdings habe ich auch wenig Erfahrung mit der vollständig manuellen Heuernte ...

Eventuell würde ich französische Textstellen (Flüche etc.) kursiv schreiben - da ich mit Deiner Geschichte nicht vertraut bin, habe ich anfangs gerätselt, ob mit Merde vielleicht eine Person gemeint ist.

Ansonsten tauchen im ersten Abschnitt sehr viele Namen in kurzer Folge auf. Ich bin jemand, der sich Namen nur sehr schlecht merken kann und ich kann Dir jetzt schon sagen, daß ich nach der Einführung meine Schwierigkeiten hätte, die Namen auseinander zu halten, zumal sie auch noch französischen Ursprungs sind. Es würde helfen, sich anfangs auf weniger Namen zu beschränken (z.B. den Namen der Cousine später einbringen), und außerdem den Personen neben dem Namen noch etwas anderes Einprägsames mitzugeben.

Der Zeitablauf erscheint mir sehr schnell. Vom Ersten Grollen bis zum Einsetzen des Regens (wieso spricht Lulu eigentlich von Verhageln - mitten im Sommer - wenn es dann tatsächlich regnet?) vergehen meist nur wenige Minuten - höchstens eine halbe Stunde. Lulu könnte doch auch schon am (frühen) Vormittag bemerken, wie sich am Horizont die Wolkenberge auftürmen. Mit Sicherheit ist er erfahren genug, daran abzulesen, daß sich ein Gewitter zusammenbraut. Dann hätte er einige Stunden - statt Minuten - Zeit, sein Heu zu retten.

Davon ab gesehen hätte ich nur noch ein paar kleine stilistische Anregungen:
Zitat:
Ein gellender Schmerz durchfuhr ihn.

Das Bild paßt nicht. Ein gellender Schrei entfuhr ihm - das macht Sinn. Schmerz ist heiß, sengend, brennend - aber nicht laut - außer im Kopf. Im Kopf ist Schmerz laut. Aber an dieser Stelle beschränkt sich der Schmerz nicht auf den Kopf, oder?.
Zitat:
Zu sich kommend wusste er nicht, wie lange er schon dort lag.
Klingt wie eine Übersetzung aus dem Englischen. vielleicht besser: Als er zu sich kam ...
Zitat:
Stöhnend versuchte er, sich aufzurichten, doch der Schmerz durchbohrte ihn wie ein glühendes Messer.
Das erste Komma würde ich weglassen - es unterbricht den Lesefluß.
Zitat:
Doch anstatt ihm aufzuhelfen, fuhr zu seiner grenzenlosen Verwunderung Ein Schraubenschlüssel fuhr auf ihn nieder und löschte alle Lichter aus
- Diese kleine Änderung versetzt den Leser in eine ähnliche Überraschung wie Deinen Protagonisten - und hilft dem Leser dabei, sich mit der Figur zu identifizieren.

Es hat mir großen Spaß gemacht, Deinen Text zu lesen und ich hoffe, Du stößt Dich nicht dran, daß ein Forumsneuling an Deiner Arbeit herumkrittelt.
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cascail
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BeitragVerfasst am: 15.04.2015 17:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nein ich finde es prima, Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu bekommen.
 Ja klar, diese Französischen Namen... Da muss ich sparsamer mit umgehen. Und du hast recht, es geht um ein Auto auf der Brücke. Ich bin gerade dabei, das Ganze ein wenig umzumodeln. Ich kann hier nur so schlecht schreiben, weil mein Laptop gerade spinnt und er mir ständig den Google abwürgt. Oft muss ich hier Texte drei-viermal rein stellen, bevor sie auch wirklich erscheinen. Wir sitzen hier auf einem Berg der nur eine sehr schwache Internetverbindung bekommt und da gibts manchmal krasse Aussetzer, selbst wenn der Rechner nicht spinnt.


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Sembi
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BeitragVerfasst am: 16.04.2015 13:38    Titel: Antworten mit Zitat

Noch ein kleiner Nachtrag zur Heuernte:

Das Häufeln ist doch eigentlich nur nötig, wenn anschließend mit einer Maschine gepreßt wird. Bei solch einer Witterung würde die Presse einfach direkt nach dem Anhäufeln über die Wiese fahren und das Heu in Ballen pressen, dann wäre das Thema erledigt. Ich entnehme dem Text jedoch, daß alles manuell gemacht wird - eine Heidenarbeit für einen allein.

Vielleicht fährt Lulu zum Häufeln vor, sein Sohn kommt mit Traktor & Anhänger nach und wenn sie fertig sind verzögert sich Lulus Abfahrt aus irgendwelchen Gründen, sodaß er trotzdem am Ende allein auf seinem Moped über die Brücke fährt.

Nur so ne Idee, hab da gestern abend nochmal drüber nachgedacht.
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cascail
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BeitragVerfasst am: 17.04.2015 12:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich hab jetzt die Heuernte komplett gestrichen und ihn auf die Wiese geschickt, damit er die Kühe reinholt, weil ihm letztes Jahr drei Kühe , die  unter einer Pappel Zuflucht gesucht  hatten, vom Blitz erschlagen wurden.

                            Prolog

                            Ende Mai 2003

 Lulu Lapeyre sah besorgt zum Himmel auf. Dunkle Wolken, von einem stürmischen Westwind getrieben, ballten sich über den Bergen zu unheilverheißenden Türmen zusammen. Er kroch unter dem Ballengerät hervor und rieb sich die von Wagenschmiere schwarzen Hände ab.
„Scheiße, die Kühe!“, fluchte er. „Cedric!“, rief er ins Haus, „ich muss zur Cassechewiese, die Kühe reinholen.“
     Er wartete die Antwort seines Sohns gar nicht erst ab. Er pfiff Filou, dem Hütehund und setzte ihn in den Drahtkorb auf den Rücksitz des Mofas. Er nahm sich noch nicht einmal die Zeit, den Helm aufzusetzen.
     Zu dumm, dass ausgerechnet heute seine Frau Aline mit dem Landrover zu ihrer Cousine  gefahren war. Schon das dritte Mal in einer Woche! „Mein Gott, diese verdammte Hochzeit!“, grummelte er wütend. Er bräuchte sie viel dringender hier, auf dem Hof. Doch das nützte ihm jetzt auch nichts. Morgen, schwor er sich, würde er das Auto nicht mehr raus rücken.
      Ein drohendes Grollen aus den Tiefen der schwarzgrauen Himmels trieb ihn zur Eile an.
      Er ratterte mit stotterndem Motor vom Hof des Bergbauernhauses. Die meisten Kühe waren längst oben, auf der Alm. Nur ein Dutzend trächtige Kühe hatte er im Tal gelassen, damit er das Kalben überwachen konnte. Er musste es schaffen, diese kleine Herde von der Wiese in die Scheune jenseits eines kleinen Waldstücks zu treiben, bevor das Gewitter losbrach. Letztes Jahr hatte er drei Kühe verloren, als sie unter einer Pappel vor dem Starkregen Schutz gesucht hatten.
      Vom Anblick der brodelnden Wolkenmasse getrieben, stachelte er mit gebrüllten Befehlen Filou an, die trägen Kühe zusammenzutreiben. Noch ein paar Stockhiebe auf den breiten Rücken von Cherie, die wie immer störrisch in die falsche Richtung ausweichen wollte und er konnte das Scheunentor hinter seinen Kühen schließen.
     Geschafft! Er sog die Luft ein, die den dem Regen vorhergehenden Ozongeruch angenommen hatte. Eine frische Brise wirbelte Staub auf und fuhr ihm kühlend durch die verschwitzten Haare.
Ah, das tat gut! Er sah sich nach Filou um. Wo steckte denn jetzt schon wieder der verdammte Köter!
      Lulu zuckte verärgert mit der Achsel. Sollte Filou doch zusehen, wie nachhause kam. Ihm blieb keine Zeit mehr, den alten Streuner zu suchen. Filou würde schon von selbst den Heimweg finden. Unwillig hustend sprang die alte Mobylette an.
Er war noch nicht weit gekommen, als die ersten schweren Tropfen fielen. Verdammt, fluchte er. Unmöglich, es vor dem Gewitter noch im Trocknen bis zu seinem Hof zu schaffen.
     Auf halbem Weg peitschte der Regen bereits in dichten Schleiern herunter. Grelle Blitze und laut explodierender Donner trieben ihn zur Eile an.
     Trotz dem es erst vier Uhr nachmittags war, war es fast so dunkel wie am späten Abend. Er verlangsamte das Tempo.Vorsichtig manövrierte er die Mobylette um die rechtwinklige Kurve vor der Brücke über den Bach, als das grelle Licht von Scheinwerfern sich in seine Augen bohrte. Instinktiv riss er den Lenker nach rechts. Das Kreischen von Bremsen übertönte den Donner. Er spürte einen harten Schlag. Das Moped entwickelte ein unkontrollierbares Eigenleben. Wie auf Schmierseife schlitterte es auf die steinerne Einfassung der Brücke zu. Instinktiv riss er die Arme über den Kopf. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihn.
Unbarmherzig prasselte der Regen auf ihn herab. In seinem Kopf wütete ein Presslufthammer. Jeder Atemzug brannte qualvoll. Er tastete nach dem Brustkorb, wo der Schmerz am heftigsten wühlte. Eine schmierige Substanz klebte an seinen Fingern, die nicht vom Regen kommen konnte. Mühsam hob er die Hand. Das Regenwasser vermischte sich mit seinem Blut und lief ihm den nackten Arm hinunter.
     Verdammt! Er musste hier weg! Nicht auf dieser schmalen Brücke liegenbleiben, wo ihn jeden Moment ein Auto überrollen konnte! Wo zum Teufel war diese verfluchte Mobylette? Stöhnend versuchte er, sich aufzurichten, doch der Schmerz durchbohrte ihn wie ein glühendes Messer. Er sackte in sich zusammen.
     Ein Geräusch, das nichts mit den entfesselten Naturgewalten in Verbindung stand, drang an sein Ohr. Er horchte auf. Eine Stimme durchdrang das Getöse des Donners und das Prasseln des Regens. Erleichterung durchflutete ihn. Eine Gestalt beugte sich über ihn.
    „Gott sei Dank, du bist es. Ich hatte einen Unfall“, ächzte er matt. Doch anstatt ihm aufzuhelfen, sah er einen zum Schlag erhobenen Arm mit einem Schraubenschlüssel.


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Sembi
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BeitragVerfasst am: 17.04.2015 21:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo cascail,

ich finds gut.

Noch ein paar kleine Gedanken:

Zitat:
Er kroch unter dem Ballengerät hervor
Ballenpresse?

Zitat:
„Scheiße, die Kühe!“

Wieso hast Du den schönen französischen Fluch gegen schnödes Deutsch ausgetauscht? Ich fand "merde" durchaus stimmungsvoll Very Happy
Ich finde es auch ziemlich klug, den Leser gelegentlich daran zu erinnern, daß das ganze in Frankreich spielt.

Zitat:
Er pfiff nach Filou, dem Hütehund, und [...]


Zitat:
Die meisten Kühe waren längst oben, auf der Alm.
- Da denke ich sofort an Bayern ... statt Alm vielleicht lieber "Sommerweide" o.ä.?

Zitat:
Er musste es schaffen, diese die kleine Herde von der Wiese in die Scheune jenseits eines des kleinen Waldstücks zu treiben

Klingt für mich so besser, weniger gestellt.

Zitat:
Vom Anblick der brodelnden Wolkenmasse getrieben, stachelte er mit gebrüllten Befehlen Filou an, die trägen Kühe zusammenzutreiben
Der Satz holpert irgendwie ... statt "anstacheln" vielleicht lieber "anfeuern" o.ä.; der zweite Satzteil paßt besser im aktiv.

Zitat:
Sollte Filou doch zusehen, wie er nachhause kam.


Zitat:
Trotz dem es erst vier Uhr nachmittags war,
- trotzdem (im Sinne von "obwohl") schreibt man zusammen

Zitat:
Ein Geräusch, das nichts mit den entfesselten Naturgewalten in Verbindung stand
"in Verbindung stehen" klingt seltsam

Zitat:
„Gott sei Dank, du bist es. Ich hatte einen Unfall“, ächzte er matt. Doch anstatt ihm aufzuhelfen, sah er einen zum Schlag erhobenen Arm mit einem Schraubenschlüssel.
Hier gefällt mir die Veränderung im Vergleich zur ersten Version gar nicht. Die wörtliche Rede kann ich noch annehmen (vielleicht etwas zu lang für einen Schwerverletzten), aber der zweite Satz wirkt auf mich ziemlich gestelzt. Mitten im Satz findet ein Perspektivwechsel statt von "dem Anderen" zurück zu Lulu. Dazu kommt, daß der erhobene Arm mit dem Schraubenschlüssel sehr statisch ist - als wäre das Bild eingefroren. Der erhobene Arm bringt die Geschichte und den Lesefluß zum Stillstand. Kann natürlich Absicht sein.
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cascail
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BeitragVerfasst am: 05.04.2017 18:06    Titel: Die Stunde des Wolfs. pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe das  nochmal rausgekramt und ein wenig verändert. Vieles ist eventuell überflüssig. Es ist ein Prolog.

Ende Juni 2005















  Lulu Lapeyre zog eine letzte Mutter an dem Reifen des Rundballengeräts an. Er ließ den schweren Schraubenschlüssel in den Werkzeugkasten fallen. Stöhnend richtete er sich auf und rieb sich seinen vom langen Bücken schmerzenden Rücken. So ein Mist muss mir ausgerechnet mitten in der Heuernte passieren, dachte er grimmig. Er gab dem Reifen einen erbosten Tritt und murmelte: «Scheißteil!»
 In solchen Momenten fragte er sich manchmal, ob irgendwo da oben, an einem alles kontrollierenden Computer ein besonders mieser kleiner Computerfreak saß, der sich damit amüsierte, den Ameisen, die sich Menschen nannten und sich hier unten den Arsch aufrissen, eine reinzuwürgen.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Und dann kam obendrein noch diese brütende Hitze dazu! Seit Tagen steigerten sich die Temperaturen und laut Wetterbericht sollte es auch die nächsten paar Tage nicht kühler werden. Ein frischer Windstoß ließ ihn überrascht zum Himmel aufblicken. Typisch! Die Wetterfrösche hatten sich mal wieder geirrt, zu seinen Ungunsten, natürlich.
«Putain! Auch das noch!» Wie um seine Gedanken was den drahtziehenden Geek anbetraf zu bestätigen, braute sich dort über dem Gipfel des Pic de la Gardière ein monumentales Gewitter zusammen. Er stöhnte resigniert und zeigte der heranrollenden Gewitterfront den Stinkefinger. Die kleinen Sünden der Blasphemie bestrafte der boshafte Typ da oben eben sofort. Verbittert starrte er auf die schwarzvioletten Wolkenmassen. Ironie des Schicksals? Zufall? Eigentlich betrachtete er sich eher als skeptisch, was Glauben anbetraf, aber manchmal gab es einfach zu viele Zusammenspiele dieses sogenannten ‘Zufalls’, als dass es wirklich Zufall sein konnte.
 Ein leises unheilverkündendes Grollen machte Lulu klar, dass es nicht der richtige Zeitpunkt sei, um über die Existenz eines unwahrscheinlichen Gottes oder ebenso unwahrscheinlichen allmächtigen Geeks zu philosophieren.  Das Unwetter scherte sich einen feuchten Kehricht darum, an was - oder auch nicht - er glaubte. Ein Glück nur, dass der größte Teil des Heus schon sicher in dem Hangar lagerte. Und die Talwiesen waren noch gar nicht gemäht.
 Doch dann fiel ihm das Heu auf der Cassechewiese ein, welches sein Sohn Yann vorgestern mit der Sense gemacht hatte. Sicher, es war nicht wirklich viel, aber nach der Mühe, die sich Yann mit seinen vierzehn Jahren in dieser Affenhitze gemacht hatte es zu mähen, wäre es sehr undankbar seinerseits, es nicht ins Trockene zu bringen. Er fand es sowieso mehr als anständig von seinem Sohn so tatkräftig auf dem Hof mitzuarbeiten. Lulu hoffte nämlich, gegen besseres Wissen, dass Yann den Hof eines Tages übernehmen würde.  Er wusste nur zu gut, dass dies alles andere als selbstverständlich war. Die meisten jungen Leute zog es heutzutage in die Stadt, wo es leichtere und besser bezahlte Arbeit gab, als die Plackerei auf einem einsamen Bergbauernhof.

«Merde!», fluchte er und sah erneut besorgt zum Himmel auf.  Die beiden hochträchtigen Kühe, die mussten auch unbedingt noch in den Stall gebracht werden.
«Yann!», rief er in den Schuppen, in dem sein Sohn gerade die Futterrationen für die Schweine mischte, «ich fahre raus zur Cassechewiese das Heu abdecken, bevor es vollkommen verhagelt. Kannst du schnell Chérie und Clochette reinbringen?» Er wartete die Antwort von Yann gar nicht erst ab. Er hatte es viel zu eilig, zu der Wiese zu kommen. Er schnallte den Heurechen und eine Plane auf den Rücksitz des alten Mopeds.

 Wenn er doch nur seinen Wagen da hätte. Verdrossen dachte er an den wichtigen Termin, den die Paragrafenreiter von der Landwirtschaftskammer ihnen mitten in der Heuernte aufs Auge gedrückt hatten. Er hatte alles versucht, den Termin umzulegen und war auf administrativen Granit gestoßen. Und er wusste, ein nicht eingehaltener Termin bedeutete den Entzug der Subventionen, und welcher Bauer konnte sich das heutzutage noch leisten? Und dann streikte obendrein noch dieses verdammte Ballengerät. Gott sei Dank hatte seine Frau sich freinehmen können, um an seiner Stelle nach Foix zu fahren.

Ein lauter werdendes Grummeln aus den Tiefen des schwarzgrauen Himmels trieb Lulu zur Eile an. Hustend und spuckend sprang die alte Mobylette an und er ratterte begleitet von einigen lautstarken Fehlzündungen vom Hof des Bergbauernhauses.

Bei der Wiese angekommen zerrte er ungeduldig den Rechen vom Sozius. Vom Anblick der anstürmenden Wolkenmasse getrieben, raffte er das Heu zu einem dicken Haufen zusammen und hievte die Plane darüber.
 Die Luft hatte den dem Regen vorhergehenden Ozongeruch angenommen.Vereinzelte fette Tropfen kündigten den Gewitterguss an. Er hielt das schweißnasse Gesicht in den beginnenden Regen.
Ah,  tat das gut! Doch es war wirklich nicht der geeignete Zeitpunkt eine kühle Dusche zu nehmen, nein, er musste schleunigst weg von hier, zusehen, sich vor den Elementen in Sicherheit zu bringen. Gewitter konnten in diesen Tälern beunruhigende Ausmaße annehmen und ausgesprochen gefährlich sein. Er nahm sich nicht einmal mehr die Zeit, den Heurechen anzubinden und ließ ihn an den Zaun der Wiese gelehnt stehen. Nachhause würde er es wohl kaum schaffen, das war klar. Doch zur Not konnte er sich in Jeanots alter Scheune neben der Straße unterstellen.
Er musste sich endlich einen kleinen Zweitwagen anschaffen, so wie einige andere Bauern hier im Tal. Aber erst, wenn er die Kälber verkauft hatte. Vorher war das in seinem knappen Budget nicht drin. Er könnte dann sicher im Trocknen sitzen und das Gewitter wäre ihm scheißegal. Aber das waren ungelegte Eier. Im Hier und jetzt, und nicht im Wolkenkuckucksheim seiner Träume, musste er mit der alten Mühle auf der schlüpfrigen Departementale rumrutschen.
Der Regen peitschte in dichten Schleiern herunter und der Donner hallte ohrenbetäubend das Tal hinunter.
Durchhalten!, befahl er sich. Gleich hinter der Brücke konnte er sich in Jeanots Scheune unterstellen. Die zuckenden Blitze erhellten gespenstisch die spiegelnde Asphaltfläche. Vorsichtig manövrierte er sein wackeliges Gefährt um die rechtwinklige Kurve vor der Brücke über den Bach, als grelles Licht sich in seine Augen bohrte. Er riss den Lenker nach rechts. Bremsen kreischten. Ein harter Schlag traf die Mobylette. Wie auf Schmierseife schlitterte das Moped auf das steinerne Brückengeländer zu. Er wirbelte durch die Luft. Reißender Schmerz durchfuhr ihn.

 Wasser strömte auf ihn hernieder. Sein Kopf fühlte sich an, wie eine geplatzte Wassermelone. Jeder Atemzug qualvoll. Was war bloß passiert? Er tastete nach seinem Brustkorb, wo der Schmerz am heftigsten wühlte. Eine schmierige Substanz klebte an seinen Händen, die nicht vom Regen kommen konnte. Unter Schwierigkeiten hob er die Hand. Das Regenwasser mischte sich mit dem Blut und lief ihm den nackten Arm hinunter.
 Was um Himmels willen tat er hier?
 Er musste hier weg, raus aus dem Regen! Warum kam denn, verdammt nochmal, niemand vorbei und half ihm? Stöhnend versuchte Lulu, sich aufzurichten, doch der Schmerz durchbohrte ihn wie tausend glühende Messer und er sackte wieder in sich zusammen. Hilflos war er dem auf ihn herab prasselnden Regen ausgeliefert. Er horchte auf. Ein Geräusch, welches nicht vom Donner und dem prasselnden Regen herrührte, durchdrang den Nebel des Schmerzes. Türenschlagen. Eine Stimme. Da war ein Mensch, er würde ihm helfen. Erleichterung durchflutete ihn. Schemenhaft erkannte er eine sich über ihn beugende Gestalt. Jemand fragte :
«Was ist mit dem Alten? Ist er hinüber?»
«Scheiße nein, ich glaube, er wacht gerade auf.»
Was redeten die da, fragte sich Lulu verwirrt  und warum halfen sie ihm nicht auf?  Er versuchte, durch das Wasser, welches ihm unaufhörlich in die Augen lief und das er mit Blinzeln nicht in den Griff bekam, zu erkennen, wer da sprach. Mit letzter Kraft ächzte er:
«Ach du bist es! Hilf mir auf!»
Doch anstatt seiner Bitte nachzukommen, fuhr ein Schraubenschlüssel auf ihn nieder und löschte den Regen, den Donner und den Schmerz aus.


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