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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Kirschblüte in Japan


 

 
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Renate Neff
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 73
Beiträge: 22
Wohnort: Rheinland


BeitragVerfasst am: 25.12.2016 17:09    Titel: Kirschblüte in Japan eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sonne strahlt über Japan
Wunderlich
Träumen die Bäume
Vom wirbelnden Blütenschnee
Von schwerer Fülle der Früchte

Doch
Niemandes Auge erfreut mehr
Die schneeige Pracht
Niemandes Mund noch wird schmecken
Die Süße der Kirschen
Die Last der Äste wird niemand mehr ernten
Nicht plündern werden die Stare
Den Tisch der Natur

Ach, Weinen, Weinen liegt in der Luft
So viele Tote, so viel Zerstörung
Ein Scheit nur im Baum,
Eine Planke im Wasser
Waren Heimstatt für Menschen -
Ein Kind, eine Mutter, ein Vater, ein Greis
Weggefegt –  
Spur des Erinnernd nur

Dreifach getroffen
Vom Beben der Erde,
Vom Stürzen der Wasser,
Vom Bersten des Kraftwerks –
Getroffen von tödlichen Wolken
Fallen die Vögel ins Meer,
In dem auch die Fische verenden
Und flieh’n überlebende Menschen
Zu sterben dennoch
einen langsamen Tod

Mensch, ach Zauberlehrling du
Nicht wehren kannst du dem Beben
Nicht bannen die stürzende Flut,
Doch in den Arm kannst du fallen
denen,
die das Sternenfeuer entfesseln,
Das die Erde nicht vorsieht.

Scheinbar gebändigt in steinernen Mauern,
Dem Menschen zum Dienst,
Folgt es der eig’nen Natur
Und strahlt
Und tötet.

Jahrtausendelang.

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Soleatus
Autor


Beiträge: 723



BeitragVerfasst am: 25.12.2016 21:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate!

Kein schlechter Einstand; wenn ich auch den Verdacht habe, du tust des Guten zu viel und dehnst den Text zu stark aus; ich glaube, diese Breite vermindert den Eindruck beim Leser eher, als dass sie ihn erhöht.

- "Ach", hier gleich zweimal, klingt immer sehr nach 18. / 19. Jahrhundert; ich glaube, im 21. kommt man besser ohne derartige Ausrufe aus?!

- Was ist ein "Erinnernd"? Und wenn, dann doch "des Erinnernds"; oder ist's einfach ein Tippfehler und soll "Erinnerns" heißen?

- "Sternenfeuer" wäre eher die Kernfusion, nein?! Um die scheint es dir hier aber nicht zu gehen.

Gruß,

Soleatus
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Renate Neff
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 73
Beiträge: 22
Wohnort: Rheinland


BeitragVerfasst am: 26.12.2016 17:45    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo, schreiberling,

danke für die Wahrnehmung meines Gedichts und für die Gedanken, die Du Dir darum gemacht hast.

Beim Schreiben gehe ich bei den Formulierungen nach deren Gefühlswert und nicht danach, ob sie "modern" sind und ins 21. Jahrhundert passen. Ich will in Worten die Schrecken dieser Katastrophe fühlbar machen. Wenn jemand verzweifelt aufstöhnt und den Schmerz nicht fassen kann, dann entringt sich ihm eben ein "ach" und "oh". Es ist seine existenzielle Erfahrung der Ohnmacht und Winzigkeit. Das ist zeitlos und wird immer so sein.

Beim "Erinnern*d* hast du natürlich Recht. Es ist ein Tippfehler, der mir entgangen ist. Es muss selbstredend "Erinnerns" heißen. Aber – wie sich nun rausstellt, ist das gar nicht so sehr meine Schuld, sondern die des im Hintergrund laufenden Korrekturprogramms. Das will nämlich partout aus Erinnerns immer wieder ein Erinnern*d* machen. Und das ist mir beim Übertragen des Gedichts entgangen. Erst im dritten Anlauf konnte ich das Programm überreden, so zu schreiben wie ich es will. Also, Leute, aufpassen! Eure Fehler sind nicht immer Eure Fehler, sondern die des Korrekturprogramms.
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Soleatus
Autor


Beiträge: 723



BeitragVerfasst am: 26.12.2016 19:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate!

Hm. Das ist, denke ich, nicht wirklich "zeitlos"; schon, weil niemand, der verzweifelt ist, im richtigen Leben "ach" sagt. Von den verzweifelten Menschen, denen ich begegnet bin, hat es auch keiner getan. Das ist viel eher eine literarische Konvention, eine Absprache; und eben eine aus der Vergangenheit - "Habe nun, ach! Phliosophie ..." Das heute noch "einfach so" als weiterhin gültig vorauszusetzen, ist ein wenig leichtsinnig; die Lyrik des 21. Jahrhunderts hat diese Verabredung allerweitestgehend gekündigt.

PS: Nicht "Schreiberling"; "Soleatus".

Gruß,

Soleatus
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Renate Neff
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 73
Beiträge: 22
Wohnort: Rheinland


BeitragVerfasst am: 26.12.2016 20:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh Entschuldigung! Ich habe bei Deinem Namen was durcheinandergebracht. Ich wollte Dich nicht kränken. Natürlich Soleatus. Kann ich das wieder gut machen?

Ansonsten: Vielen Dank für Deine Kritik. Ich muss gestehen, ich habe gar kein genaues Bild davon, wie Lyrik im 21. Jahrhundert zu sein hat. Vielleicht kannst Du mir helfen? Aber: Hat Lyrik überhaupt "zu sein"? Natürlich: Reim, Metrik, Poesie, Sinn und Pointe müssen stimmen. Aber sonst?
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Renate Neff
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 73
Beiträge: 22
Wohnort: Rheinland


BeitragVerfasst am: 26.12.2016 20:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Tut mir leid. Ich habe meinen vorigen Beitrag versehentlich zweimal eingestellt. Den zweiten habe ich jetzt gelöscht mit diesem Kommentar.
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Soleatus
Autor


Beiträge: 723



BeitragVerfasst am: 27.12.2016 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate!

Wie die Lyrik heute "zu sein hat", weiß ich auch nicht; normiert im Sinne von "lehrbare Vorschrift" ist da nur noch wenig ... Ich weiß aber, es macht wenig Sinn, so zu tun, als hätte es die letzten 200 Jahre nicht gegeben. Und wenn man Stilmittel längst vergangener Zeitalter aufruft, müssen die sich als erstes die Frage gefallen lassen, inwieweit sie der Gegenwart angemessen sind. Das heißt nicht, dass sie es nicht sein können; nur, dass sie es nicht automatisch sind.

Gruß,

Soleatus
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 56
Beiträge: 2991
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 27.12.2016 20:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ich geh ja immer total ungebildet an Gedichte ran, alldieweil ich ein Trampel  bin. smile
Entweder gefällt es mir, oder nicht. also breite Masse

Das Gedicht geht auf Fukushima ein, wobei du es natürlich deutlich katastrophaler machst, als es war. So postapokalyptisch.
Dichterische Freiheit.
Allerdings ein bisschen plakativ, für mein Gefühl. Wenn man die Zeilen wegließe, ab:
Zitat:
Mensch, ach Zauberlehrling du

wäre der erhobene Zeigefinger weg und das Gedicht würde besser wirken (meiner Meinung nach)

Das
Zitat:
:Mensch, ach Zauberlehrling du
hatt bei mir Assoziationen geweckt, die so sicherlich nicht beabischtigt waren:
Zitat:
Oh Mensch sofern du Emma hießest...
Aus "alle Möwen sehen aus, als ob sie Emma hießen...

Ich bin ab und an so ein kriteliger Ironiker.

Das zweite, was mir ein bisschen gegen den Strich geht, ist das Kirschblütenbild.
Kirschblütenfest in Japan, ist bekannt und passt.
Nur... und da bin ich mir nicht sicher, aber meine gelesen zu haben:
Diese Kirschbäume sind eben auf die Blüten gezüchtet. Die haben keine oder sehr mickrige Früchte, die auf alle Fälle niemand essen würde.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, kann dein Gedicht bei mir nicht richtig wirken.

Aber: der Gedanke hinter dem Ganzen, den find ich faszinierend.
smile


_________________
"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
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Renate Neff
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 73
Beiträge: 22
Wohnort: Rheinland


BeitragVerfasst am: 27.12.2016 21:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ist nun eine echte Bildungslücke bei mir. Ich wusste nicht, dass die japanischen Kirschblüten kaum Früchte tragen. Dann passt das Bild mit den Staren natürlich nicht. Ich fand es sehr poetisch und passend in einem Japangedicht. Nun muss ich das wohl umschreiben.

Deutlich katastrophaler als es war? Na hör mal. Ich weiß nicht, mit welchem Blick Du das betrachtest und womit Du das vergleichst. Der nüchterne Blick eines Außenstehenden? Ich habe es mit dem Blick der unmittelbar Betroffenen betrachtet.

Und "Ach Mensch, Zauberlehrling du" soll eine Anspielung an Goethes Zauberlehrling sein, der auch Geister rief, die er nicht beherrschte.
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 56
Beiträge: 2991
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 27.12.2016 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

Vögel fallen vom Himmel und tote Fische im Meer....ist so biblisch.


 Schlimmer wäre gewesen: das Ding wäre explodiert, damit wäre Japan wohl unbewohnbar.

Der Tod ist da, um so bedrohlicher, weil so leise und still und wie du anmerkst... über viele viele viele Jahre.
Zum Beipiel möchte ich hier die Polynesische und Melanesische Bevölkerung anführen.
Bikinatoll. Wir erinnern uns?.
Im Südpazifik sterben viele Menschen an Leukämie und anderen Krebserkrankungen, es kommt zu Missbildungen ...


Dich hat Fukushima berührt und das Bild mit den Krischblüten ist sehr poetisch.

Der Zauberlehrling ist mir nicht ganz entgangen wink.


_________________
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5942
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 27.12.2016 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fand auch, dass die Auswirkung von Fukushima im Gedicht etwas übertrieben scheint.

Niemand, niemandes ...

Mit dem Titel zusammen, klingt es, als wäre ganz Japan gestorben oder verseucht.

https://en.wikipedia.org/wiki/Fukushima_Daiichi_nuclear_disaster_casualties

Der Hinweis von lapidar, dass es sich bei diesen Kirschblüten meist um Zierbäume handelt, ist wichtig.

Nicht schlecht geschrieben, aber der Bezug zu den Fakten stimmt für mich nicht.
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Farbenfeder
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Beiträge: 3
Wohnort: Raum Frankfurt


BeitragVerfasst am: 08.01.2017 13:40    Titel: Japan-Erfahrung Antworten mit Zitat

Hallöchen, ich bin ganz neu hier und gerade auf dein Gedicht getroffen, was mich sehr interessiert hat, da ich selber zu dem Zeitpunkt in Japan war.
Von der Sprache und der Form her finde ich das Gedicht gelungen, aber wie schon angemerkt ist das Verständnis der Kirschen in Japan etwas schief. Die landesweite Kirschblüte wird medial krass verfolgt mit Wetterkarten für wann wo die Blüte am intensivsten ist.
Neben der Tatsache, dass die Kirschblüten nicht wegen ihrer Früchte erwähnt werden sollten, kommt für mich hinzu: 2011 wurde die Kirschblüte genauso gefeiert wie in jedem Jahr. Soweit ich mitbekommen habe wollten die Japaner immer darauf hinweisen, dass sie diese Katastrophe überstehen, das Japan ganz normal weiter funktioniert und die Kirschblüte und die damit verbundenen Festivitäten waren ein Zeichen dafür, dass sich das Land nicht unterkriegen lässt. So jedenfalls habe ich es wahrgenommen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man dies gut mit in das Gedicht inkorporieren kann.


_________________
Aber die Worte im Titel, "wahre Liebe und edle Abenteuer" - daran habe ich einmal geglaubt. Ich dachte, mein Leben würde in jenen Bahnen verlaufen, ich betete darum.
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