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Nachtfalter

 
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 01.12.2016 19:00    Titel: Nachtfalter eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Nachtfalter


Auf dem Erdboden glimmt unweit eines mit Ejakulat gefüllten, erkaltenden Kondoms und zertretener Grashalme eine Zigarette. Das Filternde geschwärzt im Mondschein. Neben einem Grabstein liegen leere Bierflaschen. Sich entfernende Ausgelassenheit. Gelächter.
Mit einem Seufzer zertrete ich die Kippe, krame eine Plastiktüte aus der Hosentasche und ziehe mir Handschuhe über. Ein Engel aus Sandstein thront über einer Inschrift und blickt auf mich hinab. Margarete Keßler, * 23. November 1935 - † 12. April 2009.
»Morgen wird alles vergessen sein und dein Grab, Margarete, wie neu aussehen. Und du, Engel, wer hatte hier seinen Spaß? Du deinen oder sie ihren?«
Er schweigt.
»Egal. Jedes Lachen vermehrt das Glück auf Erden nur um eine Sekunde, Vergessen um eine weitere Stunde.«


Die Finger trommeln auf der Armlehne,
auf dem Tisch, auf der Fensterbank,
und nerven.
Die Daumen zwirbeln an ihnen.
Ich betrachte wieder ihr Spiel,
stoppe sie.
Kurz darauf beginnen sie von Neuem,
als wollten sie sich wach halten
oder vorbereiten,
loszustürmen und zu handeln.

»Macht nur.
Es wird euch nichts bringen.
Ich erlaube es euch nicht.«

Sie trommeln und zwirbeln weiter
und ich lasse sie.


Alle Lügen enden hier. In diesem Garten. Im Land der Niemands, zwischen Marmor, Sand, Basalt, Granit, Bronze. Alle, friedlich vereint, bergen Erinnerungen und Vergessen zugleich. Ihre Namen haben keinerlei Bedeutung für mich. Für andere schon. Ab und an entdecke ich einen Blumenstrauß, einen Kranz oder eine brennende Kerze. Diese Momente bewundere ich und frage mich, woran würde sich mein Besucher erinnern, stünde er vor meinem Stein?
Dann sehe ich die Bindestriche wieder.
Das erste Mal, als ich das Grab meiner Mutter besuchte, Vater an meiner Seite, ich wollte mich aus seiner Hand losreißen und davonrennen. Er hielt mich mit seiner stoischen Ruhe fest.
»Die Mutter. In den Augen des Kindes ist sie Gott. Sieh hin.«
Ich sah hin. Ein weiß, glitzernder Stein. Ich wollte ihn anfassen. Ich wollte Mutter nahe sein. Das Glitzern kam bestimmt von ihr und sie freute sich, mich zu sehen. Irgendwelche Zeichen und Zahlen als Inschrift fielen mir auf, vor allem aber faszinierte mich dieser kurze, glitzernde Strich, der wie ein Fingerzeig in meine Richtung wies und »Du« zu sagen schien.
Damals als Vierjähriger wusste ich es nicht. Marmore, unter hohem Druck und hohen Temperaturen aus umgewandelten dolomitischen Sedimenten und Kalksteinen entstanden, kommen in verschiedenen Farben vor und der Grabstein meiner Mutter ist ein kleinstkörniger, weißer Marmor. In den Spaltflächen befinden sich Kalkspatminerale. Je nach Lichteinfall glitzern sie.
Mein Vater hatte mir danach eine  Schwarz-Weiß-Fotografie mit meiner Mutter gegeben. Sie als junges Mädchen, sitzend, nicht in die Kamera blickend. Ich trug das Foto bei mir, obwohl mir die junge Frau fremd war. Meine Tante meinte, ich hätte ihre Augen. Aber das ist nicht wahr, ich habe niemandes Augen. Es ist eine Lüge.


Das linke Bein zittert,
bald das rechte auch,
und sie nerven.
Ich betrachte wieder ihr Spiel,
stoppe sie.
Kurz darauf beginnen beide von Neuem,
als wollten sie aufstehen
oder den Raum verlassen,
irgendwo hin.

»Macht nur.
Es wird euch nichts bringen.
Ich erlaube es auch euch nicht.«

Sie zittern weiter
und ich lasse sie.


Während meiner Tour treffe ich auf den alten Seyfried. Er hebt wieder ein Grab aus, ist in sich gekehrt und pfeift eine längst vergessene Melodie. Kiesel und aufgeweichte Erde rieseln ins Loch hinab, das Blatt des Spatens taucht in die Erde und belädt einen Schubkarren. Die Quintessenz des Lebens.
Plötzlich hält Seyfried inne und blickt in meine Richtung. Er lächelt. Im Mondschein und der entfernt stehenden Laterne zeichnen sich um seine Lippen faulige Vorderzähne und Zahnlücken ab.
»Ist es wieder so weit? Verlässt ein Gast das Paradies?«, frage ich.
»Wie immer, nach zwanzig Jahren«, nuschelt er und fragt im Gegenzug: »Weißt du, an wen du mich erinnerst?«
»An Sartre, nur in hässlich.«
»Woher weißt du das?«
»Weil du den gleichen Witz immer wieder erzählst.« Ich deute an weiterzugehen.
»Warte!«, brüllt er. »Wie läuft es mit deiner Schreiberei, du weißt schon, deiner unendlichen Geschichte?« Er schlägt sich so dann laut lachend auf den Oberschenkel und schüttelt den Kopf.
»Du Tattergreis weißt ja: Nicht das Ziel ist der Weg, sondern der Weg ist das Ziel.«
Er verstummt und setzt sein Graben fort.


Die Augen wandern umher,
blicken aus dem Fenster,
aufs Telefon, auf die Eingangstür,
und nerven.
Ich betrachte wieder mit,
starre gerade aus.
Kurz darauf beginnen sie von Neuem,
als wollten sie mir aus den Höhlen springen
oder fliehen.

»Macht nur.
Es wird euch nichts bringen.
Ich erlaube es euch nicht.«

Sie wandern weiter umher
und ich lasse sie.


An besonderen Nächten wie diesen bleibe ich vor einem Stein stehen und rede mir ein, der Zufall oder meine Verfassung hätten entschieden. Basalt ist ein schwarzer, feinkörniger, druckfester Stein. Einst dünnflüssiges Magma erkaltete es zu Basaltlava, das Gestein mit der größten Verbreitung. Sogar auf dem Merkur, der Venus, dem Mars und dem Mond häufig vorzufinden. An der Inschrift dieses Steines komme ich wie an allen anderen jede Nacht vorbei: Benjamin Rötter, * 15. Februar 1993 - † 8. Januar 1997. Der Bindestrich. Genauso lang wie bei allen anderen. Und doch völlig anders.
Ich greife in die Jackeninnentasche und hole ein aktuelles Gedicht hervor. Strophe um Strophe betrachtend, erinnere ich mich an den gestrigen Traum ...
… von einem Buch, welches ich schützend an meine Brust gepresst hielt und in einer mir fremden, asphaltierten Straße rannte, die in eine gepflasterte Gasse führte, deren Ende sich verzweigte. Hinter mir spürte ich Verfolger, deren Schritte in der Straße hallten.
Plötzlich umgab mich dichter Nebel. Ich stolperte, stürzte, das Buch entglitt mir und war fort. Lauter werdendes Getrappel hämmerte sich durch meine Gehörgänge. Panisch und blind tastete ich den Boden ab, fächerte mit den Händen, zerstob den Nebel und da, das Buch, aufgeschlagen neben mich liegend, leere, kostbare Seiten, griff ich danach, richtete mich auf, wurde am Kragen gepackt und mir das Buch entrissen.



Nachts liege ich im Bett
und sage ihnen:
»Jetzt, jetzt entlasse ich euch.
Ihr seid frei.
Macht, was immer ihr wollt.«

Kein Finger, keine Hand,
kein Zeh, Knie oder Bein
rührt sich,
nicht einmal die Augen,
sie bleiben von den Lidern zugedeckt.

Wie immer.

»Sagte ich es euch nicht?«


Alle Lügen enden an diesem Ort ...
… wie von einem Windstoß erfasste Flugschirme des reifen Löwenzahns, lösen sich Funken, wirbeln, verglimmen ...
... und ich blicke für einen Moment auf meine Wahrheit.
Gäbe es eine Inschrift, stünde:
Weiterhin tot, danke fürs Vorbeischauen. 21. November 2016 - 1. Dezember 2016.

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Uwe Helmut Grave
Geschlecht:männlichOpa Schlumpf

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Beiträge: 1029
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BeitragVerfasst am: 02.12.2016 18:28    Titel: Antworten mit Zitat

Alle Lügen enden hier, in diesem Garten, an diesem Ort ... Die Welt wäre sicherlich anders (besser? schwer zu sagen), würde sich das jeder Sterbliche an jedem Tag seines Lebens bewusst machen. Viele Leute meiden Friedhöfe ("Da komme ich noch früh genug hin!"), doch als Hort des besinnlichen Nachdenkens sind sie überaus geeignet.

_________________
U.H.G. - Freude am Lesen
"Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich!" - "Aber er hat ja gar nichts an!" (Hans Christian Andersen) - Die Welt ist anders(en) als sie es dir erzählen.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


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Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 03.12.2016 22:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich fühle mich persönlich von diesem Text angezogen. Die Beschreibung des Friedhofs als Garten, aber auch Land des Niemand. Die Beschreibung der Steine. Ich gehe mit über den Friedhof, schaue mit, treffe Seyfried.

Die eher lyrisch gestalteten Einschübe lese ich als Kommentare zur Handlung des Schreibens.

Das Niemandsland der Friedhof, aber auch das Innere.  Vielschichtig: siehe oben. Schreibstil ist ruhig und eigenwillig.

Aber der Schluss. Musste der so sein?
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.12.2016 01:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich bin's nur. Schau kurz vorbei und bin auch wieder weg.
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Dmitrij
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Wohnort: von der Zivilisation abgeschnitten in Wien-Umgebung


BeitragVerfasst am: 04.12.2016 12:25    Titel: Re: Nachtfalter Antworten mit Zitat

Alleine für deine Gabe zu schreiben habe ich kein Recht diese Impression mit weniger als acht Punkten zu bewerten. Die Geschichte ist verdammt gut. Allerdings bin ich kein Befürworter der "Dekadenz" und "Acrylmalerei".  Es wirkt auf mich zu theatralisch, zu inszeniert, wenn man die Kontraste gegeneinander knallen lässt (Z.B. Engel und Ejakulat). Es ist ein gutes Mittel, um die Spannung zu erzeugen, aber es führt auch zu einem Ungleichgewicht. Es ist wie in einem Aquarium mit Zierfischen, wo der Boden mit Diamanten bedeckt ist.
 
Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:

Weiterhin tot, danke fürs Vorbeischauen. 21. November 2016 - 1. Dezember 2016.


Bin schon gespannt, wer so gut mit Wörtern jonglieren kann. Zuerst dachte ich an einen jungen exzentrischen Maler, jetzt bin ich fast überzeugt, dass es doch eine erfahrene Frau gedichtet hat hmm

Liebe Grüße aus Wien-Umgebung,
Dmitrij


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Selbst wenn du ein überzeugter Optimist bist, unterschätze niemals all die pessimistisch denkenden Menschen;-)
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 05.12.2016 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,



Leider kann ich die Texte augrund von Zeitmangel nicht so kommentieren, wie ich gerne würde und wie sie es verdienen.

Sehr klasse. Das gibt Punkte.


LG,
Seraiya
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1754
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 06.12.2016 14:16    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Text macht es mir nicht leicht. Vor allem wegen des letzten Satzes, der irgendwie nach einem brüsk schmollenden Autor klingt, ohne dass ich es näher begründen könnte, aber dieses "Danke fürs Vorbeischauen" nach dem "Weiterhin tot" und der Verweis auf diesen Wettbewerb hier, der macht mich stutzig.

Ansonsten hatte ich diesen Text erst einmal drin in den Punkten, dann wieder verworfen und jetzt versuche ich zum dritten Mal zu einem gescheiten Schluss zu kommen.

Betrachte ich ihn ohne den letzten Absatz gibt es manches zu entdecken (ohne dass mir am Schluss quasi vor die Füße gespuckt wird, weil ich mir die Mühe des mehrfachen Vorbeischauens machte):

Da steht einer vor dem soeben lustvoll verwüsteten Grab der Mutter und räumt in lakonischem Gespräch mit dem steinernen Engel auf. Allein diese Eingangsszene hat etwas, das mich berührt, die trockene Frage danach, wer nun den Spaß hatte und die nachsichtige Art, wie bemerkt wird, wie ein Lachen das Glück vermehrt und das Vergessen.

Was mir bemüht erscheint, ist die Verortung des Niemandslandes Friedhof: das Land der Niemands. Hm. Nun gut. Ein Hinweis, dass jeder Mensch mit dem Tod bedeutungslos wird und ohnehin nach zwanzig Jahren selbst dort nicht mehr friedlich ruht? So ganz überzeugt mich das nicht.

Auch die Betrachtungen unterschiedlicher Gesteinsarten, das Verweilen beim Bindestrich, das Grab des toten Kindes Benjamin - ich kann hier keine Bezüge erkennen, in dieser "Bezuglosigkeit" auf der anderen Seite aber auch keinen Sinn. Das macht es mir schwierig.

Womit ich etwas anfangen kann, das sind die Einschübe über das verräterische Eigenleben im Körper des Protagionisten (sofern ich das richtig deute): der Fluchtimpuls, das Wegwollen oder handeln wollen. Erst im Schlaf ist er bereit, seine Impulse los und frei zu lassen, doch da ist er eben in den Schlaf gefallen.

Geht es im Ganzen um Vergeblichkeit? Auch dies ist kaum anhand des Textes zu beantworten.

Es geht auch irgendwie ums Vergessen. Ebenso darum, dass hier Lügen enden. All dies aber so lose eingestreut, wie ohne jeden Zusammenhang das Aussehen des Protagonisten "wie Sartre, nur hässlicher" und der abgegriffene Satz vom Weg als Ziel.

Das Niemandsland ist erwähnt. Mir zu bemüht. Der Protagonist macht nicht wirklich einen neuen Anfang, als hätte er vergessen. Der Text gibt sich vielschichtig, ohne dass es für mich schlüssig wird und eventuell lässt sich das so zusammenfassen, dass er das Potenzial, dass ich im ersten Absatz erahne und dass ich in den Einschüben gerne mit den anderen Abschnitten in Zusammenhang bringen will, eher verschenkt, als einlöst.

Mal sehen, ob ich da noch Punkte habe.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1141
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 06.12.2016 20:58    Titel: Antworten mit Zitat

Geiler erster Satz. Die Szenen mit den trommelnden Fingern finde ich richtig gut, die Friedhofsszenen, die offensichtlich das Niemandsland repräsentieren sollen, weniger. Liest sich für meinen Geschmack zu kopflastig – sprich, es werden (bei mir) keine Empfindungen hervorgerufen (ich habe die Geschichte mehrmals gelesen) und im Zuge dessen wird mir der Text nicht sehr lange in Erinnerung bleiben. Der Schluss hat was, er macht die Geschichte ungefügig, so wie es dieser Wettbewerb verlangt.
Thema erfüllt, Motto soweit auch, wegen der trommelnden Finger, aber richtig mitreißen tut mich das Ganze nicht.


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Meer
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bewegen sich Blätter fliegen

zerstäuben im Wind
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Oktoberkatze
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Beiträge: 324

Ei 1 Ei 9


BeitragVerfasst am: 06.12.2016 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Thema: seh ich gut umgesetzt
Motto: seh ich eher formal als inhaltlich umgesetzt
Inhalt: nachdenklich stimmender Text
Fazit: wahrscheinlich liegt es an mir, aber so richtig durchschaut habe ich den Text leider nicht wirklich


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Die meisten Denkmäler sind innen hohl
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2979

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 07.12.2016 21:54    Titel: Antworten mit Zitat

Oh fein. Das mag ich sofort, auch wenn ich spontan keine Ahnung habe, warum, außer natürlich, dass es ein Vergnügen ist, das zu lesen, so sprachlich, das läuft. Inhaltlich bin ich noch nicht so ganz durchgestiegen, aber macht ja nichts, ich komme wieder.

edit: Tja, nun. Nach mehrmaligem Lesen doch weiter hinten gelandet, als ich zuerst dachte. Liegt noch nicht mal unbedingt am Text selbst, mehr am direkten Vergleich und daran, dass anderes einfach mehr meinen Nerv trifft.
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

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Beiträge: 2914
Wohnort: Wangen im Allgäu


BeitragVerfasst am: 08.12.2016 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Die Fixierung auf den Friedhof (ich mag Friedhöfe), die Überlegung zu den Toten.
Trotzdem... wenn der Friedhof das Niemandsland ist und die Assoziationen bzw. Erinnerungen die die Grabsteine auslösen, kann ich doch mit den Gedichten so gar nichts anfangen.


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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 09.12.2016 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Sehr schöne Geschichte. Tolle Idee, der Friedhof.
Das Motto allerdings finde ich nicht so getroffen.
Mmh, wohl trotzdem in den Punkten.

Liebe Grüße
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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 45
Beiträge: 1439
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 10.12.2016 00:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
ein Text, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, was ich daraus machen soll. Der Friedhof als Niemandsland, gut geschrieben, und doch erreicht mich die Geschichte irgendwie nicht. Die Betrachtungen des Lebens und seiner Endlichkeit gehen nicht besonders tief und geben mir nichts neues. Durch die Meta-Referenz am Ende entsteht sogar der Eindruck eines Witzes, was nicht wirklich zum Rest des Textes passt. Sorry, ist nicht ganz meins, obwohl es gut geschrieben ist und ich es gern gelesen habe.

Von daher keine Punkte, tut mir leid. Andere Texte haben mir besser gefallen, und so hast du es nicht in meine Top Ten geschafft.



Edit: Nach langer Überlegung, ewigen Vergleichen, alles vergessen und immer wieder von vorne beginnen wie neu, meine endgültige Wertung: leider nicht in meine Top Ten geschafft und von daher keine Punkte. Was aber nicht heißt, dass dich die Geschichte jetzt schlecht fand, eigentlich habe ich alle gerne gelesen. Aber da man nur zehn bepunkten kann, muss der Rest eben leer ausgehen, auch wenn's schwer fällt.


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»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 28
Beiträge: 1269

Ei 3


BeitragVerfasst am: 10.12.2016 15:16    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist gut. Das wird echt schwer mit den Top3.
Außerdem: Mit einem Thema, über das ich selbst in diesem Wettbewerb schreiben wollte. Nur dann ging das halt nicht mit meinem anderen zusammen und ich glaube, es ist auch besser, diesem Thema den Raum alleine zu geben, wie du es gemacht hast. Wobei - dafür sind es dann schon fast ein wenig viele Tote.
Edit: Ist jetzt leider doch auch an den Top3 vorbei.


_________________
Verschrieben. Verzettelt.
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 11.12.2016 08:16    Titel: Antworten mit Zitat

Der Erzählon fängt mich ein, zunächst. November, Friedhof, das Setting ist bekannt, aber verknüpft mit den Erinnerungen der Figur und dem Wieder-Gehen-Müssen nach zwanzig Jahren kommt ein neuer Ton dazu. Da ist das Niemandsland. Manche Sätze lesen sich für mich zu konstruiert, etwas maniriert. Das gilt auch für die Zwischensätze, die einerseits in der Form (Zeilenumbrüche, Wiederholungen, Rhythmus) ein Gedicht spiegeln, andererseits sich vom Inhalt her mir nicht erschließen und dadurch banal klingen.
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weltensegler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 89
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag die Geschichte. Deine Sprache ist poetisch, aber nicht kitschig. Habe den Text sehr gern gelesen, aber der Bezug zum Thema erschließt sich mir leider nicht so richtig. Auch der Titel... Dein letzter Satz liest sich wie eine Auflösung, erklärt mir dann aber doch nichts. Oder ich stehe einfach auf dem Schlauch?
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 12.12.2016 13:08    Titel: Antworten mit Zitat

Eine schöne Geschichte mit Rückerinnerungen und intensivem Erleben. Gut und mitnehmend geschrieben, ich kann gut durch die Geschichte gleiten. Das nicht verarbeitet-haben des Todes der Mutter, viel zu früh, wird angezeigt und erklärt die Stärke der Gefühle und die unaufhörliche Wiederholung des Handelns. Prota kann nicht vom Friedhof, vom emotional mit der Mutter besetzten Stein, lassen. Nacht für Nacht besucht er sie.
Aber, ich finde das Niemandsland  nicht.
Die Mutter könnte im Niemandsland sein. Prota könnte sie orientierungslos suchen, den Ort nicht finden. Aber er hat einen Ort, den Stein.
Zitat:
Ich sah hin. Ein weiß, glitzernder Stein.
  Das ‚Eindringen‘ in den Stein gefällt mir sehr, die Lebendigkeit und geschichtliche und universale Dimension die du ihm gibst
Prota könnte auch selbst ins Niemandsland gefallen sein. Vielleicht möchtest du das auch hinter seinen Besuchen andeuten. Aber ich kann seine Suche nicht finden. Ich lese, dass Prota sich einen ‚fassbaren‘ Stein für das Verlorene gesucht hat, vielleicht um die innere Leere, die das Niemandsland sein könnte, zu füllen. Mit Nachdenken kann ich zu diesem Schluss kommen, aber du führst mich dort nicht hin.
Und dann frage ich mich aber auch noch, ob ich deine Geschichte wirklich ausreichend verstanden habe. Dein letzter Satz, Inco, den möchte ich gerne besser verstehen.
Bei deinem Text passiert auch wieder, was ich bei einigen dieser Texte im Wettbewerb erlebe. Je häufiger ich lese, desto tiefer/weiter erschließen sich mir Aussagen. Ich müsste möglicherweise sowohl Rückmeldung als auch die Punktevergabe umstellen. Und schaffe es nicht. Zeitlich und vielleicht auch ohnehin nicht. Deshalb musst du, Inco, meinen Kommentar und meine Punkteverteilung, so unfertig wie es jetzt ist, hinnehmen. Sollst aber wissen, dass meine Stellungnahme ein Rohling ist.
0 Punkte
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holg
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Beiträge: 1406
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Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde Freidhofsgedanken als Niemandsland, ein paar gewagte Formulierungen ("sich entfernende Ausgelassenheit" - gefällt mir)  und eine Menge Sätze, die wie Zitate klingen.
"Alle Lügen enden hier", z.B. Als hätte ich den schon einmal gelesen.
Ich habe das Gefühl, dass die Namen und Daten auf den Grabsteinen eine Bedeutung haben müssten, will aber nicht googlen.
Da beobachtet einer Grabsteine wie Mr. Olivander Zauberstäbe. Warum?

Vergessen/Neuanfang finde ich nur darin, dass die Geschichte scheinbar immer wieder neu ansetzt. Ich spüre kein Vergessen, keinen Anfang.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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bamba
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Beiträge: 203



BeitragVerfasst am: 13.12.2016 14:14    Titel: Antworten mit Zitat

Die Feststellung, dass die Bindestriche bei allen Grabinschriften gleich lang sind, fand ich gut.
Ansonsten ist der Text etwas langatmig, die Gedanken etwas allgemeingültig (.z.B....alle Lügen enden an diesem Ort). Sprache gut, doch das Thema ist hier nicht wirklich umgesetzt mMn. Sorry, keine Punkte.
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Tjana
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Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 13.12.2016 19:15    Titel: Antworten mit Zitat

Nachts auf dem Friedhof. Oder gar nicht, sondern nur in (sehnsüchtigen) Gedanken?
Ich verstehe nicht recht, was mir die dazwischen stehenden Verse vermitteln wollen. Ein Wille spricht daraus, dann ein Hohn.
Morbider Humor in der letzten Zeile.
Thema und Anspruch durchaus beachtet, Motto?


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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Municat
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Beiträge: 288
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BeitragVerfasst am: 14.12.2016 00:20    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Unbekannter Autor smile

Dein Erzähler lebt also nur für die Zeit, in der Du an dem Wettbewerb geschrieben hast. Obwohl falsch ... er lebt nicht für die Zeit, er ist immer noch tot in der Zeit. Wie passend, dass der Schauplatz ein Friedhof ist. Er macht sich Gedanken über seine Mutter, die getorben sein muss, als er noch ein Kind war, er macht sich Gedanken um die Beschaffenheit von Steinen - und er mcht sich Gedanken um Bindestriche.

Zitat:
Alle Lügen enden hier. In diesem Garten.
das scheint ein zentrales Thema für ihn zu sein.

Auch die Kernaussage der formatierten Blöcke ist interessant: Wenn man Dinge erzwingen oder krampfhaft vermeiden will, wird man scheitern. Wenn man jedoch loslässt und sich öffnet, stellt sich der Erfolg scheinbar von selbst ein.

Eine Aussage in dem Text finde ich (als hoffnungsloser Optimist) ziemlich schockierend:
Zitat:
jedes Lachen vermehrt das Glück auf Erden nur um eine Sekunde, Vergessen um eine weitere Stunde.
Aber die Assotiation "wie Sartre, nur in hässlich" muss man sich wohl erst mal verdienen, die Aussage wird nicht zufällig getroffen werden.

Umsetzung der Vorgaben

Das Niemandsland ist hier der Friedhof ... passt

Die Neuanfänge sehe zum einen formal, zum anderen im sprunghaften Wechsel zwischen den einzelnen Erinnerungsfetzen und Blickwinkeln.

Der Text ist tiefgründig und ungewöhnlich ... auch das passt also.
Großartige Ungeremtheiten oder Fehler sind mir nicht aufgefallen.

Die Bewertung mache ich erst, wenn ich alle Texte kommentiert habe.


_________________
Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 14.12.2016 14:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ein alter Mann wandert über den Friedhof und macht sich Gedanken über den Bindestrich, der immer gleich aussieht, aber immer eine andere Lebensspanne und ein anderes Leben darstellt. Am Ende sieht er die Wahrheit, die lautet, dass seine Lebensspanne nur der Bewertungszeit des Zehntausend entspricht - und oh, welche Wahrheit. Das ist schon ein sehr guter Gag, das erkenne ich an. Aber nur für den Gag ... Das ist das Problem, das so eine Pointe mit sich bringt: Sie ist so endgültig. Denn eigentlich ist ja da auch eine Geschichte, von einem, der nach Wahrheit sucht und eine Geschichte hat, in der es offenbar an Wahrheit fehlt.

Hm. Was mache ich damit? Entscheide ich später. Bewertung im Vergleich.

1 Punkt.
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