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Wodka Martini

 
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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 01.12.2016 19:00    Titel: Wodka Martini eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zurück an der Bar bestelle ich: „Noch einen Wodka Martini!“ Beobachte den Barkeeper bei der Arbeit. Da überschwemmen mich Moschus und Salz, modernde Blumen: Ich rieche den Typ, der sich neben mich stellt, bevor er mir, um die Musik zu übertönen, ins Ohr brüllt: „Den kriegst Du nicht!“ Meint den Barkeeper, einen durchtrainierten Burschen, den alle anstarren, während sie auf ihre Getränke warten. „Niemand kriegt den!“ - „Das trifft sich!“, brülle ich zurück. „Ich bin niemand!“ Dass ich ihn noch nicht angesehen habe, scheint den Typ zu motivieren. „Niemand also. Ich bin Jörg.“ Hält mir die Hand hin, ich nehme sie nicht. An Händen bin ich nicht interessiert. An Jörg bin ich nicht interessiert, an allen mehr als an Jörg, der hoffentlich gleich wieder tanzen geht. Von der anderen Seite des Tresens grinst mich ein Kerl an. Sein Shirt spannt über der breiten Brust, ein Nippelpiercing drückt sich durch den petrolfarbenen Stoff. Ich grinse zurück, nicke, als er mit dem Kopf zur Tanzfläche zeigt oder zu den Toiletten, die dahinter sind. „Ich bin gleich wieder da“, sage ich, ohne Jörg anzusehen.

Zurück an der Bar wartet mein Wodka Martini. Daneben ein Typ, der mich ansieht, als müsste ich ihn kennen. Greife nach dem Glas, setze es an die Lippen. „Bist Du sicher? Vielleicht habe ich was reingetan.“ Trinke trotzdem, trinke erst recht, trinke gierig, um mir den Geschmack von Sperma aus Mund und Kehle zu spülen. Leere das Glas, stelle es ab. Der Typ beobachtet mich, und jetzt rieche ich ihn: Amber, Flieder, Meer. „Ich bin Jurek!“ brüllt er und hält mir die Hand hin. „Noch einen Wodka Martini!“ rufe ich dem Barkeeper zu. Ich lege Geld auf den Tresen, wende mich dann der Tanzfläche zu. Die Musik greift nach mir, zieht mich zwischen die Menschen. Die Bässe tragen mich zu einem Kerl, der mit seinen hellblauen Shorts aus dem Schwarm der Tänzer heraussticht. Er grinst mich an, ich grinse ihn an, lege meine Hand auf seinen Hintern, ziehe ihn zu mir. Er küsst mich, ich küsse ihn, wir rauben einander den Atem, lösen uns inmitten der Namenlosen auf in Nebel und Schweiß.

Zurück an der Bar wartet mein Wodka Martini. Daneben ein Typ, der mich ansieht, als schuldete ich ihm Geld. Ich nicke dem Barkeeper zu, der mir, um die Musik zu übertönen, zubrüllt: „Noch einen Wodka Martini?“ Ich nicke, sehe ihm nach. Der Typ beobachtet mich. „Kennen wir uns?“ Er drängt sich mir auf, sein Geruch nach wildem Tier und Blut erzeugt mir Übelkeit. Ich leere mein Glas, um ihn auszublenden, was nur kurz gelingt. „Jürgen!“ Er hält mir die Hand hin, doch der Barkeeper rettet mich. Ersetzt das leere Glas durch ein volles. Ich grinse ihn an, er grinst mich an. Von der Seite brüllt mir der Typ wieder ins Ohr. „Und Du bist?“ Für einen Moment bin ich versucht, ihm „Niemand!“ zu antworten. Spüre da eine Hand auf meinem Hintern, einen Körper, der sich an mich drückt, sich an mir vorbeidrückt, dann neben mir steht, auf der Seite, die nicht durch Jürgen blockiert wird. Bestellt ein Bier beim Barkeeper, und dreht sich, während er wartet, zu mir um. Ich erwidere seinen Blick. Er küsst mich, ich küsse ihn. Als sein Bier kommt, greift er nach der Flasche und geht. Als ich ihn fast aus den Augen verloren habe, dreht er sich nach mir um. Ohne Zögern folge ich ihm.

Zurück an der Bar wartet mein Wodka Martini. Daneben ein Typ, der mich ansieht, als hätte ich ihn geschlagen. Ich greife nach dem Glas, nehme einen Schluck. „Ist was?“ Er schüttelt den Kopf. Wie in Wellen verströmt er den Geruch nach Ozean, unterspült von etwas Herbem, Holzigen. Der Barkeeper nimmt auf der anderen Seite des Tresens Bestellungen auf. Für einen Moment verliere ich mich im Anblick seines Körpers: die muskulösen Beine, von den hellblauen Shorts mehr ausgestellt als verhüllt, die kraftvollen Stränge seines Rückens, umspannt von einem petrolfarbenen Shirt, das auf der Wirbelsäule und unter den Achseln vom Schweiß dunkel verfärbt ist, seine kurzrasierten Haare, seine prachtvollen Schultern, seine starken Arme. Für einen Moment stelle ich mir vor, von ihm umfangen zu werden, seinen Duft einzuatmen. Für einen Moment ist alles still, der Raum außer uns leer. „Den kriegst Du nicht!“ brüllt mir eine Stimme ins Ohr, und die Bässe schwappen wieder über mich hinweg, dass ich mich festhalten muss am Tresen, an meinem Glas. „Den kriegt niemand!“ brüllt der Typ weiter. „Jørn!“ Hält mir die Hand hin, für einen Moment bin ich versucht, mich daran festzuhalten. Stelle dann das Glas ab. Fliehe über die Tanzfläche.

Zurück an der Bar wartet mein Wodka Martini. Nur halb voll. Daneben ein Typ, der wahrscheinlich die andere Hälfte intus hat. Ich schiebe beide beiseite und winke dem Barkeeper. „Noch einen Wodka Martini!“ Der Typ hält mir das halbvolle Glas hin, doch ich brülle über die Bässe dem Barkeeper zu: „Noch einen Wodka Martini.“ Er grinst mich an, ich versuche, ihn anzugrinsen. Scheitere. In mir tobt ein Meer, keine Ahnung, wo das jetzt herkommt, die Wellen schlagen im Takt der Musik gegen die Innenseite meiner Haut. Von der anderen Seite des Tresens grinst mich ein Typ an. Aus der Menge der Tanzenden grinst mich ein Typ an. Eine Hand auf meinen Hintern gelegt, seinen an meinen Körper geschmiegt, grinst mich ein Typ an. Neben mir steht Göran, er riecht nach verschwitztem Mann und ein bisschen nach Bier, über das Dröhnen des Ozeans und der Bässe höre ich ihn nicht, aber ich lese von seinen Lippen: „Ist Dir nicht gut?“ Doch, versuche ich zu sagen, doch mein Mund ist von einem anderen verschlossen. Ein Typ küsst mich, ich erwidere seinen Kuss nicht. Eine Hand nimmt meine, zieht meinen Körper über die Tanzfläche zu den Toiletten.

Zurück an der Bar wartet mein Wodka Martini. Ich trinke ihn in einem Zug aus, doch der Geschmack von Galle und Salz lässt sich nicht runterspülen. „Noch einen Wodka Martini!“ brülle ich über die Bässe dem Barkeeper zu. Der zeigt mit dem Kopf auf den Typ neben mir, vor dem ein halbleeres und ein volles Glas stehen. Der Typ schiebt mir das volle Glas zu. „Der geht auf mich. Ich bin Joris.“ Streckt mir die Hand hin. Ich schaue den Barkeeper an, der mich angrinst und mit den Schultern zuckt. „Und Du bist?“ - „Niemand.“ - „Das trifft sich. Niemand ist mit mir hier.“ Er grinst mich an, seine blauen Augen leuchten im Halbdunkel. Ich nehme seine Hand, danach nehme ich das Glas. „Keine Sorge. Ich habe nichts reingetan.“ Wir prosten einander zu. Trinken. Als ich das Glas absetze, atme ich seinen Geruch ein: Tabak, Bergamotte, Rost. „Möchtest Du tanzen?“ Ich nehme noch einen Schluck, stelle dann das Glas auf den Tresen und folge ihm auf die Tanzfläche, doch schon nach einem Moment habe ich ihn verloren. Wie ein Seepferdchen im Kelpwald treibe ich zwischen den Menschen, Unbekannten, an denen mich nichts hält.

Zurück an der Bar bestelle ich noch einen Wodka Martini. Der Barkeeper nickt und macht sich an die Arbeit. Ein Typ stellt sich neben mich, verschwitzt vom Tanzen, noch außer Atem, grinst mich an. „Das war gut“, brüllt er mir, um die Musik zu übertönen, ins Ohr. Er legt seine Hand auf meinen Hintern, drückt seinen erhitzten Körper an meinen, färbt mein petrolfarbenes Shirt dunkel, wo er mich berührt. Ich drehe mich ihm zu, ertrinke fast in seinen blauen Augen. Küsse ihn, er küsst mich. Als der Barkeeper mein Glas auf die Theke stellt, greift der Typ danach und trinkt es in einem Zug leer. Küsst mich dann wieder, ich schmecke Feuer auf seiner Zunge. Er reibt seinen Körper an meinem, seine Erektion drückt durch den Stoff seiner hellblauen Shorts gegen meinen Oberschenkel. Mit der Hand, die er nicht auf meinem Hintern hat, massiert er meinen harten Schwanz. Er geht vor mir auf die Knie, öffnet meine Hose, nimmt mich in den Mund, ich atme schwer, schließe die Augen, keuche. Als ich nach seinem Kopf fassen will, ist der Typ fort, meine Hose nicht offen. Ich glaube, ihn im Gewühl der Menschen auf der Tanzfläche zu sehen, haste hinterher.

Zurück an der Bar warte ich auf meinen Wodka Martini. In meinen Ohren rauscht die Brandung des Morgengrauens. Die Bässe sind jetzt verebbt, die Menschen strömen ins Freie, wo sie Nebelwolken in den aufblühenden Tag atmen. Der Barkeeper stellt ein Glas vor mich auf den Tresen. „Der geht auf mich.“ Grinst mich dabei an. Ich nehme das Glas, proste dem Barkeeper zu, trinke einen Schluck, stelle das Glas wieder ab. Alles wie in Zeitlupe, während er mich beobachtet. Keine Gläser spült, keine Flaschen leert. Mich einfach nur beobachtet. Eine Stimme in mir brüllt: „Den kriegst Du nicht! Den kriegt niemand!“ Doch da steht er, seine blauen Augen leuchten. „Du kannst bleiben, bis ich fertig bin.“ Während er aufräumt, Kühlschränke auffüllt, Tresen und Boden wischt, sehe ich ihm zu. Leere mein Glas erst, als er schon neben mir steht. „Georg.“ Er hält mir die Hand hin.

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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

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Beiträge: 1440
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 02.12.2016 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko
Ein Mann auf der Suche nach – was eigentlich? Sex kanns nicht sein, davon kriegt er ja genug. Interessant, dass er sich so viele Drinks reinschüttet und dann immer noch zu Oralsex in der Lage ist, ohne sich zu übergeben. Oder macht das in diesem Laden nix? Über was ich alles so nachdenke… Auch die Farbe des Shirts, hab gerade mal nach Hanky-Codes gegoogelt, kann petrol aber nicht finden. Aber in dieser Tabelle (https://user.xmission.com/~trevin/hanky.html) würde es von der Farbe her zu Nummer 3 lightblue passen (Oral) also ist selbst dieses Detail stimmig, wenn es denn so gemeint sein soll und kein Zufall ist (ich kenne mich da in der Szene nicht aus, bin nur Hetero). Jetzt frage ich mich nur, wie realistisch die Darstellung des Treibens in einem solchen Laden ist und wieviel davon Klischee, was ich nicht beurteilen kann. Aber ich hatte im Studium ein paar schwule Kumpels und auf deren Partys ging es auch nicht immer gesittet zu, also ist das schon vorstellbar.

Zu den Vorgaben: Niemandsland wird meiner Meinung nach nur lose gestreift, da kann man jetzt eine Menge reininterpretieren oder auch nichts. Das Neubeginnen ist textlich umgesetzt, aber ein Lebensmotto sehe ich darin nicht wirklich. Und einen tieferen Sinn, der das E-Flag rechtfertigen würde, kann ich auch nicht entdecken. Von daher wohl eher keine Punkte von mir. Sorry.



Edit: Nach langer Überlegung, ewigen Vergleichen, alles vergessen und immer wieder von vorne beginnen wie neu, meine endgültige Wertung: leider nicht in meine Top Ten geschafft und von daher keine Punkte. Was aber nicht heißt, dass dich die Geschichte jetzt schlecht fand, eigentlich habe ich alle gerne gelesen. Aber da man nur zehn bepunkten kann, muss der Rest eben leer ausgehen, auch wenn's schwer fällt.


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»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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gold
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Beiträge: 5415
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BeitragVerfasst am: 02.12.2016 22:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

was mir gut gefällt, ist die Unterteilung deines Textes in Absätze, die mehr oder weniger gleich groß sind, mit immer derselben Einleitung:"zurück an der Bar". Das ergibt für mich ein rundes Gesamtbild mit gleichen Rhythmus seiner Einzelteile.

Die Beschreibung der jeweiligen Szenen mit ihren Figuren ist dir auch gut gelungen. Ich sehe und schmecke und rieche jede einzelne Gestalt auf Grund deiner realgetreuen Darstellung.

Da er aber, im Vergleich zu dem Großteil der Texte eher einfach gestrickt ist, mir die Umsetzung des Mottos auch zu banal ist, kann ich dir leider keine Punkte geben.

Außerdem würde ich deinen Text eher der U-Literatur zuordnen.



Liebe Grüße
gold


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es sind die Krähen
die zetern
in wogenden Zedern

Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
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MoL
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Beiträge: 960
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 03.12.2016 22:01    Titel: Antworten mit Zitat

1 Feder von mir, lieber Autor.
Wie du die Vorgabe "Alles, was man weiß, vergessen. Immer neu loslegen wie neu" umsetzt, gefällt mir sehr gut. Auch die oberflächlich-detaillierte Art des Protagonisten zu beschreiben, gefällt mir sehr, das Ende lässt hoffen.

Liebe Grüße, MoL


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Gühernder Hass", acabus Verlag, Frühjahr 2019.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.12.2016 01:17    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour,

das positive an deinem Text:
Es ist ein Konzept mit den wiederholenden Anfängen und den episodenhaften Passagen zu erkennen.

Was mich leider überhaupt nicht überzeugen konnte, war die Sprache, der Erzählstil, die Story an sich. Mit zunehmender Lesedauer verlor ich immer mehr das Interesse und langweilte mich. Deine Prota im Martinirausch auf der Suche nach Mr. Right und am Ende funkt's mit dem Barkeeper.
Für einen Zehntausender-Wettbewerb wurde mMn zu wenig sprachlich und insgesamt literarisch_inspiriert versucht, ich komme mir hier wie bei einer scripted reality Sendung von RTL2 vor.
Die Umsetzung der Themenvorgabe bliebt mir verborgen. Das plätschert alles dröge vor sich hin.

Sorry, andere Wettbewerbsbeiträge fand ich überzeugender. Du hast es nicht in meine Top Ten geschafft: zéro points.

Merci beaucoup,
Constantine
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 04.12.2016 19:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,


Den Text musste ich erstmal verarbeiten. Eine der ungewöhnlichsten Umsetzungen. Bin etwas sprachlos.
Aber gut geschrieben. Allerdings ist das kein Text, der mich lange festhält oder viele Fragen aufwirft. Einer jener Texte, die mich im Prosabereich beeindruckt hätten, die ich aber nicht der E-Literatur zuordne.

Keine Punkte.


LG,
Seraiya
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1760
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 05.12.2016 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ein makaberer Teufelskreis aus vergessen und neu anfangen und vergessen ... Mich hat dieser wuchtige Text umgehauen, während ich noch staunte mit wie präzisen Worten hier Nuancen des eigentlich gleichen Geruches bis in meine Riechzellen transportiert werden, während ich in eine schauerliche Szenerie kaum vergleichbarer Düsterkeit hineingezogen werde, der ich kaum entrinnen kann. Das ist handwerklich unglaublich gut gemacht.

Und das, wo ich keine Bar- und Kneipentexte mag. Wenn man's so sagen kann.

Mögen wäre auch bei diesem Text kein passendes Wort, um auszudrücken, was dieser Text in und mit mir anrichtet und obwohl ich fix und fertig aus diesem Text hinausgehe, meine ich "anrichtet" nicht negativ. Er zieht mich vom ersten Absatz an hinein, er lässt mich bis zum Schluss nicht los. Gebannt bin ich von diesem immer wieder neu ansetzen, Absatz für Absatz. Das nutzt sich nicht ein einziges Mal ab, ich sitze nur noch aufrechter vorm Text und lese mit wachsendem Schauder.

Der wiederum nichts Voyeuristisches hat, der Schauder, die "morbide Faszination", denn es ist eine erschütterte, keine angenehm angeregte Faszination.

Das Niemandsland ist die Person, die sich da her- und preisgibt auf der Suche nach einer "positiven Antwort" auf ihr Sein. Mir scheint, sie will erkannt und angenommen sein in der urmenschlichsten Art, wie einer nur angenommen und erkannt sein kann, der sich nicht mehr selbst erkennt, dieser Mensch zwischen Theke, Tanzfläche und Toilette. Der Neubeginn und das Vergessen stellt sich in der Dauerschleife des Wiederholten dar. Was sich ändert ist immer nur der Hauch einer (Geruchs)Nuance. Was erschüttert, ist die Beharrlichkeit des Suchenden und dass er die Hoffnung nicht aufzugeben bereit ist.

Wo es vielleicht schwächelt im Text, ist dieses irgendwie doch recht klischeehaft bleibende Bild des begehrten Barmannes, des sexsüchtigen Schwulen und die finale Rettung durch den Auserwählten.

Ist dieser Text nun anspruchsvoll und mehrschichtig? Wohl eher nicht. Aber er ist eine Herausforderung und hat mich gut gebeutelt und sehr ... hm, ... nicht eigentlich nachdenklich aber doch "ergriffen" zurück gelassen und darüber hinaus mit einem tiefen Blick auf verzweifeltes Menschsein. Mal sehen, ob es diese Geschichte in die Punkte schafft.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1152
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 05.12.2016 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte ist ganz schön niederschmetternd. Großes Drama, gut geschrieben und dem Motto kann man hier nicht entkommen – sehr originell umgesetzt anhand der Wiederholungen. Was mir fehlt ist das Niemandsland, weil Niemand ist (für mich) nicht gleich Niemandsland, könnte es vielleicht sein, müsste dann aber deutlicher bzw. erlebbar werden, und nicht bloß als Worthülse im Raum stehen.

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Meer
ein Rauschen unter den Füßen
bewegen sich Blätter fliegen

zerstäuben im Wind
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Oktoberkatze
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Alter: 53
Beiträge: 324

Ei 1 Ei 9


BeitragVerfasst am: 06.12.2016 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Thema: sehe ich in anderen Texten deutlicher umgesetzt
Motto: sehe ich sehr anschaulich umgesetzt
Inhalt: unterhaltsamer Text, vielleicht schon die eine oder andere Szene zuviel bis zur Pointe
Fazit: gern gelesen, auch wenn es leider nicht für eine Bepunktung gereicht hat


_________________
Die meisten Denkmäler sind innen hohl
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2983

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 09.12.2016 21:03    Titel: Antworten mit Zitat

Anderswo schrieb ich gerade, dass mir ein Text zu rührselig sei. Das Problem hat der hier nicht. Ob ich das in diesem Fall mag, da bin ich mir noch nicht so sicher.
Was ich mag, ist, dass er sich nicht auf Anhieb erschließt, der Text. Oder doch? Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich ihn verstehe.
Was ich auch mag: Dass der Barkeeper dann Georg heißt. Zuerst befürchtete ich schon ein Happy-End, aber irgendeine Vornamenswebseite sagte mir gerade, ein Georg sei ebenfalls ein Jörg. Wusste ich bisher auch noch nicht.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 10.12.2016 13:40    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist so ein Text. Das ist eine runde Geschichte, die ist auch stimmig und solide erzählt, eigentlich mehr, gut erzählt ist das und sprachlich sehr souverän.
Die Vorgabe des Mottos von Wiederholung und Neubeginn ist verarbeitet, indem der Protagonist sich immer einen Vodka Martini genehmigt und immer wieder sich auf die Toilette abschleppen lässt und das ihn doch nicht weiterbringt. Das Niemandsland vielleicht durch Subkultur, vielleicht durch eine Einsamkeit an einem Ort voller Menschen.
Eine solide Geschichte. Was mir fehlt ist gedanklicher Mehrwert. Oder weniger Stimmigkeit? Oder es ist einfach nicht mein Thema.
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 696
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 11.12.2016 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Hab ein wenig länger gebraucht, um mich zurechtzufinden, in deinem Text – es war ein wenig, als müsste ich im Meer schwimmen, bei Wellengang und steigender Flut, da ist man froh, wenn man nicht allzu viel Salzwasser schluckt und recht bald festen Boden unter den Füssen hat. Und nicht mal das stimmt wirklich, denn zuerst habe ich mit Abwehr reagiert, wollte gar nicht ins Wasser.

Heute(gestern) bin ich dann nochmal hergekommen und hab mich ein wenig abseits hingesetzt und den Wellen zugeguckt, ihrem Wogen weiter draußen und wie sie so, sich alle ähnelnd und doch jede anders sich brechend, am Strand ankommen.

Ein überaus sinnliches Machwerk, diese Georg-Variationen, was man leicht überlesen kann, wenn man nicht hinter das Laute, das im Wortsinn Umgangssprachliche, das Direkte in der Rede, auch des Erzähltons horcht.

Obwohl der Text so ein ZerrSpiegelKabinett ist und trotz der maximalen Verwirrung, die die (geglückte) Strukturierung hervorrief (mir jedenfalls ging es so), konnte ich ihm einiges abgewinnen und mag ihn jetzt richtig gern. Mir kommt es inzwischen so vor, als tarne sich alles Subtile unter der Unterhaltungs-Oberfläche, die du dem Text verpasst hast; er bildet sein haltbares Geflecht erst, wenn klar wird, dass diese ozeanische Metaphern- und Vergleiche-Gruppe den Lärm, das Rauschen, die Farben und alles Stoffliche speist; in den Gerüchen tauchen Störfaktoren auf, die ich dann mit Schiffbruch, Abgewracktem assoziiere (und es passt) und das, wo ich zu Beginn die Nase gerümpft habe, gedacht: uuuh, mitvon allen Sinnen schreiben …
Tarnung also? Ja, ich glaube schon, dass sich da ein/e Romantiker/in verbirgt; ein Autor, der dem Ich seine Zweifel und alle möglichen Phantasien zugesteht, und man wird ganz seekrank mit ihm, ganz Seepferdchen und am Ende ganz ruhig, ein wenig müde und dann ist da die Freude über einen Anfang.

Einen Gruß mit Dank für die ThalassoWodka-Kur,
Lorraine
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weltensegler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 89
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Leider habe ich mich schon ab dem dritten Absatz gelangweilt. Für mich fehlt es dem Text an Tiefe und- wenn ein Text schon offensichtlich erotisch gedacht ist - auch an Spannungsbögen die mich hätten fesseln können...
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 12:43    Titel: Antworten mit Zitat

Beim Lesen besoffen.
Meine Güte, was kann der schlucken! (Pun not intended.) Der Rhythmus des Textes ist konsequent durchgehalten, der Neuaufbruch findet sich im letzten Absatz. Ich tue mich schwer, dem Protag zu folgen - vermutlich persönliche Gründe, kaum etwas mag ich weniger als Besinnungslosigkeit. Die Wiederholung des Martini hat selbst etwas Hypnotisierendes und passt gut zu der Vorstellung von wummernden Beats und schlechter Luft. Fremd, kalt, faszinierend.
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 12.12.2016 13:17    Titel: Antworten mit Zitat

Welche Ansammlung an schönen Körpern und Reizen und gleichzeitig, was auch für ein Ekel, welche Verzweiflung. Armer Mensch. Hmm, hier greift der uralte Spruch: „Die Liebe und der Suff, die reiben den Menschen uff.“ Eigentlich ist ja das es, was dahinter steckt, das aufreibt. Gut, exzessive  Lebensführung kann das auch, aber auch dies wird ja durch das Dahinter angetrieben. Das ewige Spiel, lebendig und eindringlich erzählt.
Aber, worin besteht das Niemandsland . Meinst du das dahinter, Ausgeliefertsein des Prota an seine Sehnsüchte, Wünsche, seine Bedürfnisse und Triebe?  Natürlich reibt DAS auf, was hinter dem Verhalten steckt und das sprichst du vermutlich an, wenn du das Niemandsland   beschreiben möchtest. Das Niemandsland, in dem der Niemand steckt.
Zu Punkten hat’s bei der Menge an guten Texten nicht gereicht.
0 Punkte
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

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Beiträge: 2916
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BeitragVerfasst am: 12.12.2016 16:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hm... der Text ist wirklich vielschichtig. Er lässt viele Interpretationen zu. Finde ich gut gemacht. Die Hektik in einer Tanzbar, der Lärm, das alles kommt auch gut rüber.

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Every Woman needs a chainsaw for a Valentine.
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 21:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Das Niemandsland als Disco voller Niemande gleich Menschen ohne Persönlichkeiten: Einerseits. Andererseits sind das keine Niemande, auch wenn sie für den Prota austauschbar sind.
Das Motto auch, ist auch so geschrieben. Formal und Inhaltlich wohl am nächstem am Motto dran.
Unter den Favoriten.

Liebe Grüße
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bamba
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 203



BeitragVerfasst am: 13.12.2016 14:33    Titel: Antworten mit Zitat

Gut geschrieben. Die immer wieder kehrende Situation an der Bar finde ich witzig und gibt dem Text einen Rahmen.
Doch liest man nur den Anfang und das Ende, man verpasst nicht viel.
Schnell etwas absehbar.
Bin irritiert vom Protagonisten (.... was für eine Krise hat der....?).
Etwas überzeichnet mMn,, er bleibt ein Klischee, somit mir als Leser ziemlich egal. Für eine Satire fehlt mir die Pointe, welche die Selbstverliebtheit des Icherzählers parodiert. Am Ende bekommt er, was er wollte:
(.........ach, was bin ich unwiderstehlich!.....)   .....ach, was interessiert mich diese Botschaft?

edit: Trotz dieser kritischen Worte bekommt der Text von mir hohe Punktzahl, da ich nach mehrfachem Lesen, mehrere Schlüsse zog und mir nicht erklärt wird vom Autor, was ich zu denken habe, ich darüber nachdenken will,
und gut geschrieben mMn.
Das Thema wurde umgesetzt, wenn auch etwas irritierend.

7 Punkte
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 14.12.2016 14:38    Titel: Antworten mit Zitat

Spricht mich nicht so an.
Zu unstet, der Typ, zu ausschweifend, obwohl irgendwie Verzweiflung als Grund dafür durchschimmert. Aber dann ein plötzliches Happyend? Ach nö ...

Warum tragen die alle Shorts?


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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Municat
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Beiträge: 288
Wohnort: Zwischen München und Ingolstadt


BeitragVerfasst am: 15.12.2016 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Unbekannter Autor smile

Der Text macht mich neugierig auf Antworten. Ich frage mich, ob Mr. J. der Partner des Erzählers ist, der mit ihm gemeinsam in die Bar gegangen ist. Wenn ja, hätte er natürlich einen Grund, abwechselnd betreten, gekränkt, wütend und frustriert aus der Wäsche zu schauen. Nachdem der Szene mit dem offen praktizierten Sex direkt an der Bar, die offensichtlich nicht stattgefunden hat (schließlich war die Hose ja danach zu und der Typ weg) frage ich mich, ob auch die anderen Erlebnisse auf der Toilette und auf der Tanzfläche nur in der Vorstellung des Erzählers so stattgefunden haben. Sitzt er vielleicht in der Realität den ganzen Abend nur an der Bar, schmachtet den Barkeeper an undignoriert seinen Begleiter, bis der sich irgendwann trollt?

achja ... DU liebst petrolfarbene Oberteile und hellblaue Shorts *ggg* ... oder sollen mir die Wiederholungen der beiden Farben zeigen, dass es sich um ein und die selbe Person handelt? hmmmm ...


Umsetzung der Vorgaben

Als Neimandsland sehe ich hier die innere Leere des Herrn Niemand, überspielt von krampfhafen (realen oder eingebildeten) Versuchen, das Leben aus vollen Zügen zu genießen.

Ähnliche Situationen wiederholen sich immer wieder ... die Kontakte haben keinen Bestand, so intensiv sie auch scheinen. Die Bestellungen wiederholen sich. Am Anfang und am Ende steht der Barkeeper.

Übliche Unterhaltungsliteratur ist das jedenfalls nicht. Passt also.

Meine Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Texte kommentiert habe.


_________________
Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 28
Beiträge: 1269

Ei 3


BeitragVerfasst am: 16.12.2016 13:10    Titel: Antworten mit Zitat

Gute Idee, mag ich, den Text. Nur knapp an Punkten vorbei. Leider.

_________________
Verschrieben. Verzettelt.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 16.12.2016 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Zurück im dsfo öffne ich noch einen Text. "Dies hat crim geschrieben!", eine Stimme aus dem Off. Ich höre nicht hin. An Urheberschaft bin ich nicht interessiert. Wäre ich vielleicht, aber da steht ja der Kritiker auf der anderen Seite des Schreibtischs. Bei der Arbeit, oder was er dafür hält. Hochgezogene Augenbrauen: Fang jetzt bloß nicht an, dir den Text schönzulesen. Deutlicher muss er nicht werden.  Das Sperma?, versuche ich das erste Wort, das gerade meine Aufmerksamkeit anzieht, musste das unbedingt sein? Die Stimme aus dem Off ist verschwunden. Der Text schweigt. Der Kritiker guckt objektiv: So kriegste mich nich. Echt keine Hilfe, der Typ. Ein Kaffee wär jetzt gut.

Zurück im dsfo wartet immer noch der Text. "Hallo. Ich bin holg, der Autor." Geht das schon wieder los. Ich fixiere den Kritiker. Also, irgendwie ist der Text ja schon ein bisschen exzessiv. War das ein ermunterndes Nicken? Achtmal das Gleiche in Variationen, ist das überhaupt eine Geschichte, eigentlich passiert doch gar nichts! Ich versuche mich aufzuregen, Engagement, ganz wichtig. Der Kritiker bläst die Backen auf und lässt die Luft entweichen: Was sollte denn passieren? Stimmt auch wieder. Alle in der Disco, keiner zu Hause., kommt mir in den Sinn. Der Kritiker kratzt sich am Kopf: Kannste so nich schreiben. Versteht kaum einer, und du weißt ja nicht mal, mit wem du redest. Scheiße, schon so spät. Muss morgen früh raus.

Zurück im dsfo wartet immer noch der Text. Zweimal gelesen, und noch ein drittes Mal, aber nur halb. Zu müde gestern abend. Heute geht's bestimmt besser. "Gestatten, tronde mein Name." Haha, nicht mit mir. Ihr lügt doch alle, oder auch nicht, egal; ich stürze mir jetzt diesen Text ins Hirn. Mach ich auch, und weiß jetzt was ich dazu sagen will: Der Text ist gut! Der Kritiker spreizt die Mundwinkel, wie immer, wenn ich pauschale Wertungen verwende, statt mir wenigstens ein Tröpfchen seriöse Literaturkritik rauszupressen: Pfusch hier nich rum! Jetzt weiß ich wieder, wie man ihn kriegt. Gut! Gut! Sehr gut! und, um ganz sicher zu gehen: Saugut mit einer Armee aus Ausrufezeichen. Es funktioniert. Der Kritiker kriegt den Kotzreiz und rennt aufs Klo, wo er auf der Spermapfütze ausrutscht. Sperma noch mal, der Schreibtisch wird zum Tresen, der Text saugt mich ein, will mich runterspülen. Neben mir crolge, sieht mich erwartungsvoll an. "Und, was ist jetzt?"
"Ach, scheiß doch drauf.", ich, "lass uns austrinken und gehen."

Der Text hat es in meine persönlichen Top 10 geschafft. Punktevergabe hängt von der Umsetzung der Wettbewerbsvorgaben ab.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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