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Perspektivenwechsel

 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Zehntausend 11/2016
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weltensegler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 89
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 01.12.2016 19:00    Titel: Perspektivenwechsel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Perspektivenwechsel

Der Raum ist hell und hoch. Ein architektonischer Witz: Ein Ei.
In der Mitte stehe ich.

Zur Linken eine Tür, zur Rechten eine Tür.

Als die linke Klinke sich mit einem Wimmern senkt, rinnt eine Perle zwischen meinen Schulterblättern hinab. Eine Zweite verfängt sich in meiner Braue.

Langsam treten sie herein. Eine irre Prozession fremder Männer und Frauen.

Ich sehe sie alle an – sie mich nicht. Der Erste greift schon die Klinke rechts an der Tür, und tritt hinaus. Alle anderen folgen ihm, aber es kommen immer weitere nach. Ich sehe sie an. Einige mag ich, andere machen mir Angst.

Wie lange stehe ich schon und schaue? Mein Blick wird trüber, die Fratzen wilder, Körper sind nur noch eine vage Erinnerung.

Knalle die rechte Tür wieder zu. Spucke auf den Boden, um das zu unterstreichen. Zurück zur Mitte. Na endlich: Die sehen mich an! Weil aber die linke Tür noch offen steht, strömen immer mehr von denen hier herein. Es wird enger, und heißer wird es auch.

Ich schüttle das schweißnasse Haar nach hinten und schließe meine Augen. Dort oben, links hinter meiner Stirn, ist mehr Platz. Da oben ist Luft. Dahin erhebe ich meinen Geist, spüre nur noch fern, ganz fern, wie sie rempeln und schieben und schwitzen, ich höre ihr zetern ganz eingetrübt, und werde versöhnlich.

Nehme den Raum mit weitgreifenden Blicken wieder an mich. Ich schiebe und boxe mich fluchend durch die Menge und öffne die rechte Tür wieder. Wie lächerlich, eigentlich hätten sie ja auch selbst… Auf jeden Fall tut es gut, wie sie endlich herausfluten.

Als sie schließlich abgeflossen sind, gehe ich ihnen nach. So betrete ich also eine Art Garten, nur nicht so schön. Hier stehen sie jetzt auch alle herum, einige Rauchen. Die kleinen Plastikschilder an ihren Brüsten schillern unedel im hellgrau des Tages.

Ich greife nach dem Schal, den ich um den Hals trage. Er ist in keinem guten Zustand, aber dafür schön kratzig. Das gefällt mir. Ich mag es nicht weich und gefällig.

„Gunnar! Wie geht es dir? Mensch, das muss an die zehn Jahre her sein, oder?“ Die Hand auf meiner Schulter gehört zu einer Frau mit atemberaubenden Wölbungen unter der artigen Bluse. Auf ihrem Schild lese ich: „Deutscher Neurologen Kongress - Anita Müller-Wedebrink“. Versuche ein Lächeln. Lege meine Hand vertraulich auf ihre rechte Pobacke. Irgendwann später werde ich ihr noch sagen müssen, dass ich nicht Gunnar bin. „Du hast dich kein bisschen verändert!“ Ihre Miene ist nicht so hübsch, wenn sie sich ins säuerliche verzieht. Sie dreht sich um, geht zum nächsten und würdigt mich keines weiteren Blickes.

Dafür nicken mir andere Leute zu. Männer vor allem. Zum Glück spricht mich keiner an, sprechen tun sie nur miteinander. Sie tuscheln im Wegdrehen, wie indiskret. Einer schüttelt sogar den Kopf, nachdem er mich eingehend gemustert hat.

Egal. Scheint, ich bin gar nicht wirklich hier. Alle sehen was anderes. Ich gehe ein paar Schritte und wie ich so gehe, erschaffe ich das Land vor mir selbst. Es verformt sich. Blüht, verblüht und stirbt. Ist doch irgendwie winterlich, aber mehr Februar als Dezember.

Der beißende Schweißgestank erregt mich. Es ist mein eigener. Der Wind dreht sich, und als die Sturmwand sich vor mir aufrollt, da brülle ich ihr entgegen. Ich habe keine Angst, sage ich. Leiser als erwartet.

Der Regen schlägt mich. Direkt ins Gesicht. Wäscht alles weg, was vorher war. Es zucken die Blitze durchs grollende Grau. Schon wieder Grau. Ich halte stand. Da bricht es auf und ist ganz still auf einmal. Ganz, als wäre nichts gewesen.

Mein Aufatmen ist auch gleich ein Ankommen.

Ich stehe vor einem großen, grauen Ei. Diese moderne Architektur habe ich noch nie gemocht. Bin nass bis auf die Knochen. Und dieser kratzige Schal macht mich noch ganz irre. Ich kann kratzige Wolle nicht ausstehen, wirklich nicht. Werfe ihn achtlos weg!

Neben der Tür haben sie ein Schild aufgestellt: „Deutscher Neurologen Kongress“. Ob die mich da überhaupt reinlassen in diesem Aufzug? Naja, wer, wenn nicht die? Mir ist kalt.

Ich trete ein. Ein Mann in schlecht sitzendem Anzug sieht mir forschend ins Gesicht, dann auf meine Brust, dann wieder in mein Gesicht. Ich nicke mal, sicherheitshalber. Er nickt zurück.

Der Raum ist hoch und hell. Mit der mutigen Kuppel mutet er mir an wie ein riesiges Ei. Suche nach einem Zeichen, finde es auch und tauche in die heimelige Normalität einer zweckmäßigen Toilette ein. Es gibt nur acht Rollen Klopapier. Zu wenig für meine durchweichte Garderobe. Beginne mich zu föhnen, die kalten Kacheln im Rücken, die Knie gebeugt. Wenn jetzt bloß keiner kommt.

Als es schließlich wieder geht, gefalle ich mir ganz gut im Spiegel. Irgendwie sind meine Haare gewachsen, seit heute Morgen. Wo ist bloß meine Brille, hatte ich nicht immer eine Brille? Oder war das gestern? Egal. Habe jetzt Mut genug, nachzusehen, was sich hinter dieser schmucklosen Tür da verbirgt. Öffne sie dann doch lieber zaghaft, weil man ja nie wissen kann…

Der Raum draußen ist hoch und hell. Ein hochmodernes Gebäude mit hoher Kuppel. Scheint eine Art Foyer zu sein. Ich gehe mit großen Schritten zu einer Tür auf der linken Seite. „Das organische Psychosyndrom / Diagnose und Therapieansätze – Dr. Anita Müller-Wedebrink / Dr. Klaus Wedebrink“, ist da zu lesen. Durch die Tür höre ich eine dumpfe Frauenstimme, von einem Mikrophon verhässlicht. Entschließe mich, einen Spaziergang zu machen.

Neben der Tür steht ein verklemmter Mann, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er wippt nervös auf den Schuhspitzen. Und das auf einem Neurologenkongress. Ich will nicht, aber ich muss kichern. Nicke ihm zu und trete hinaus.

Eine Frau kommt hektisch angelaufen. Sie winkt mit der einen Hand, mit der anderen hält sie eine Aktenmappe an die Flanke gepresst. Das Gefühl stößt mir tief ins Herz! Endlich! Erlösung, Sehnsucht, Liebe, alles gleichzeitig! Dass muss sie sein, oder?

Ich breite die Arme aus und fühle, wie ein Strahlen von ganz tief unten mein Gesicht auseinanderzieht. Und wie ich sie fast greifen kann, da schlägt die Schöne einen Haken, starrt mich irritiert, ja angewidert, an, um ein paar Meter hinter mir am Unterarm eines Lackaffen, der sich im Eingang aufgebaut hat, zu enden. Jetzt starren beide. Und ich bleibe hier allein zurück. Gedemütigt und einsam.

Als sie ins Innere des betonierten Kokons abtauchen, kann ich endlich loslassen. Ich hocke mich auf eine ebenfalls betonierte Bank, mit betoniertem Herzen und registriere den tröstlichen Umstand, dass meine Tränen immer noch so salzig sind wie früher.

Es ist ziemlich frisch hier draußen. Irgendwie winterlich, aber mehr Januar als Februar, obwohl ein paar Sonnenstrahlen zaghaft an den Wolkenrändern nagen.

Ach, da liegt ja mein Schal! Muss ich wohl verloren haben. Hebe ihn auf und drücke ihn, nass wie er ist, an mich. Er ist furchtbar kratzig, aber irgendwie mag ich ihn. Ich mag es eben nicht weich und gefällig.

Ich atme tief und lasse alles hinter mir. Mit großen Schritten betrete ich neues Land. Meine eigene Terra Nullius.

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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.12.2016 01:16    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour,

ich machs kurz:
tolle Umsetzung der Themenvorgabe, surreal und packend erzählt.

Du hast es in meine Top Ten geschafft: cinq points.

Merci beaucoup,
Constantine
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1760
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 04.12.2016 16:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hier hat sich jemand auf einem Neurologenkongress verirrt und ich komme auch nach mehrfachem Lesen nicht von meiner ersten Assoziation nicht los, dass sich diese Geschichte im eigenen Hirn des Protagonisten / der Protagonistin abspielt. Und dieses neurologische Gelände wird bevölkert von Figuren, die wohl irgend etwas im Leben der Hauptfigur repräsentieren. So schlussfolgere zumindest ich anhand von "links rein, rechts raus" in einem eiförmigen Gebäude, als sammelten sich Gedankenbild-Ströme.

Mich amüsiert diese Geschichte und ich entwickle tatsächlich ein Gefühl für dieses Niemandsland, in dem nichts endgültig ist, vieles seine Gestalt und seine Intention verändert und selbst die Identität der Hauptfigur schwankt, mal in der Selbst- mal in der Fremdwahrnehmung. Das Ganze scheint den oder die Protagonistin nicht sonderlich zu beunruhigen, er oder sie beschäftigt sich dieweil mit den ganz banalen menschlichen Nöten und Wunschvorstellungen und Impulsen. Die Begegnungen und Verfehlungen sind dabei wirklich amüsant geschildert. Am Schluss endlich der Neubeginn.

Unkonventionell verfasst folgt hier der Autor nicht den üblichen Pfaden einer Geschichte, es gibt nicht wirklich einen Handlungsfaden, nichts ist wirklich vorhersehbar, alles erinnert ein wenig an Slapstick-SciFi und bis auf ein paar kleine amüsante Seitenhiebe auf menschliche Gepflogenheiten komme ich nicht wirklich ins weitere Nachdenken. Und doch hat diese Geschichte irgend etwas, vielleicht ist es das leicht Absurde, die befreite Schreibe, und die Tatsache, dass sich das so unbeschwert und Konventions-ballastfrei mit diesem unbeirrt herumirrenden Protagonisten so gut fügt. Jedenfalls gibt es hier noch das ein oder andere Pünktchen.
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 05.12.2016 23:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,


Leider kann ich die Texte augrund von Zeitmangel nicht so kommentieren, wie ich gerne würde und wie sie es verdienen.
Noch ein temporeicher Text, der mich jedoch etwas ratlos zurücklässt. Eine interessante Erzählweise, bin drangeblieben und empfand zwischendurch so etwas wie Mitleid, habe aber nicht alles verstanden.


LG,
Seraiya
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1152
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 06.12.2016 15:02    Titel: Antworten mit Zitat

Was für eine klinische Atmosphäre. Das Gebäude ist das Niemandsland? Oder die Tatsache, dass der Zustand von "Ich" niemals endet? Die Türen führen immer weiter und weiter und "Ich" vergisst und weiß nix mehr, legt los wie neu und vergisst. Sehr spannend hierbei: Die jeweilige Stimmung verändert sich, das eine Mal ist der Schal angenehm, das nächste mal kratzig und verhasst. Deshalb passt der Titel auch perfekt zu dieser Geschichte.
Gefällt mir. Vier Punkte.


_________________
Meer
ein Rauschen unter den Füßen
bewegen sich Blätter fliegen

zerstäuben im Wind
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Oktoberkatze
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 53
Beiträge: 324

Ei 1 Ei 9


BeitragVerfasst am: 06.12.2016 22:26    Titel: Antworten mit Zitat

Thema: für mich gut erkennbar
Motto: für mich formal und inhaltlich gut erkennbar
Inhalt: interessanter Sicht auf eine vom Lampenfieber befallene Dozentin?
Fazit: der Text hat mich gleichermaßen fasziniert wie amüsiert, 3 Punkte


_________________
Die meisten Denkmäler sind innen hohl
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2983

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 07.12.2016 22:17    Titel: Re: Perspektivenwechsel Antworten mit Zitat

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:
Als die linke Klinke sich mit einem Wimmern senkt, rinnt eine Perle zwischen meinen Schulterblättern hinab. Eine Zweite verfängt sich in meiner Braue.

Das mit der Perle hätte mich abseits des Wettbewerbs gleich mal das Weite suchen lassen.

Hier lese ich zwar weiter, merke aber, das ist nichts für mich. Einerseits. Andererseits finde ich es interessant, es besteht durchaus die Versuchung, das alles noch genauer zu erkunden, aber am Ende spricht es mich dann doch nicht genug an und das hat vermutlich viel damit zu tun, dass mir der Text gewissermaßen zu abstrakt ist, zu distanziert bleibt. Das passt zwar wiederum zum Inhalt, nützt mir als Leserin allerdings nichts.

edit I: Ein Text, der für mich mit mehrmaligen Lesen dazugewinnt.
Was ich beim ersten Lesen schon mochte, aber hier nicht erwähnt hatte: den immer wieder durchscheinenden Humor.

edit II: Das ist also der Text, der viel weiter vorn landet, als zuerst gedacht. Liegt hauptsächlich an edit I.
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 56
Beiträge: 2916
Wohnort: Wangen im Allgäu


BeitragVerfasst am: 08.12.2016 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

So und nun werde ich  den Rest des Abends damit zubringen, mir zu überlegen, was es mit dem Ei auf sich hat. smile

_________________
Every Woman needs a chainsaw for a Valentine.
original: Lapidar
Great minds discuss ideas. Average minds discuss events. Small minds discuss people. Anonym.
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
"Plotpourri - kleiner Krimineller Ratgeber"
"Tod am Hexenwasser"
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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 45
Beiträge: 1441
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 08.12.2016 23:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko.
irgendwie erschließt sich mir der Sinn deiner Geschichte auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Irgend jemand geht auf einen Neurologenkongress, wohl in der Hoffnung, irgendjemanden wiederzusehen. Eine große Flamme aus vergangener Zeit? Denke ich jedenfalls, am Ende, als da die Frau auf ihn zukommt und er eine Art Erfüllung darin sieht, doch dann geht sie vorbei zu jemandem anders. Er gibt auf und geht fort. Und ich stehe auf dem Schlauch. Mag an mir liegen, habe (wieder mal) zu wenig geschlafen, aber kann aus deiner Geschichte irgendwie nichts herausziehen. Gut lesen ließ sie sich trotzdem, auch zweimal.



Edit: Nach langer Überlegung, ewigen Vergleichen, alles vergessen und immer wieder von vorne beginnen wie neu, meine endgültige Wertung: leider nicht in meine Top Ten geschafft und von daher keine Punkte. Was aber nicht heißt, dass dich die Geschichte jetzt schlecht fand, eigentlich habe ich alle gerne gelesen. Aber da man nur zehn bepunkten kann, muss der Rest eben leer ausgehen, auch wenn's schwer fällt.


_________________
»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 10.12.2016 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Diesen Text musste ich bestimmt dreimal lesen, bis ich das Gefühl hatte, überhaupt zu verstehen, worum es hier geht. Mir gefiel aber das surrealistische Setting und diese fetzenhafte Wahrnehmung gut, weshalb ich das gerne tat, mehrmals lesen. Und dann kam ich zu dem Schluss, es geht schlicht um eine Person mit dissoziativer Persönlichkeitsspaltung, vielleicht den Patienten eines der Neurologen auf dem besuchten Kongress, und diese Person besucht sozusagen zweimal die Veranstaltung als andere Persönlichkeit, das der "Perspektivenwechsel" - und dann war der Zauber des Surrealen irgendwie für mich weg. Denn jetzt macht die Geschichte zwar in sich Sinn, aber was soll mir jetzt damit vermittelt werden? Das mag ich nicht, ein Rätsel um sich selbst willen, und seine Lösung wird eher bestraft als belohnt, zumindest mit keiner Erkenntnis über die Lösung hinaus.
Ein paar Punkte gibt es wohl dennoch, weil ich mich gerne damit beschäftigt habe, und ich mag wie der Text mit der Vorgabe umgeht (erzählerisch, nicht im Sinne seiner Auflösung).

3 Punkte.
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weltensegler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 89
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 11:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Neutraler Kommentar, um bewerten zu können.
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 12.12.2016 13:11    Titel: Antworten mit Zitat

Prota erlebt eine Kongress-Situation in unterschiedlichen/wechselnden Gefühlssituationen (Perspektiven)  u.a. ?Panik?. Interessant aufbereitet, toll, fantasiereich geschrieben. Chapeau vor solchem Bilderreichtum.  Von deiner Fähigkeit, facettenreich schreiben zu können,  würde ich mir gerne eine Scheibe abschneiden.
Vielschichtig ist der Text und der Inhalt und die Szenerie wiederholen sich immer wieder, durch veränderte Wahrnehmung eben jeweils anders, immer wieder neu. Die Innenwelt, vermutlich von dir als das Niemandsland gedacht, wird in Bilder gepackt.
Für NIEMAND ist es allerdings reichlich bevölkert und eindeutig dem Protagonistend gehörend.
Aber. Mag sein, dass ich eine sehr individuelle Sicht habe vom Niemandsland, mehr mit Leere, mit haltlosem Schwimmen  und niemandes Zugehörigkeit belegt, mag sein, dass ich dir deswegen Unrecht tue wenn ich sage, dass ich das Niemandsland in deinem Text etwas im Grenzbereich sehe. Auch wenn du es am Ende Terra Nullius nennst.
Wahrscheinlich versuchst du, das innere Niemandsland des Protagonisten zu benennen, zu bebildern und auszuformulieren. Ein schwieriges Unterfangen, denn in genau diesem Moment wird es gefüllt und in Besitz genommen.
Zu Punkten hat’s bei der Menge an guten Texten nicht ganz gereicht.
0 Punkte
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Piratin
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 53
Beiträge: 2378
Wohnort: Mallorca
Ei 2


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 17:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

erst beim mehrmaligen Lesen hat es mir besser und besser gefallen, weil ich das Niemandsland erkannte - und das nicht erst am Schluss.
Vier Punkte gebe ich gerne,
viele Grüße
Piratin


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Das größte Hobby des Autors ist, neben dem Schreiben, das Lesen.
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 12.12.2016 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Niemandsland: Hier meiner Ansicht nach eher Neuland.
Das Vergessen und Neubeginnen, ist das jetzt ein Protagonist oder tatsächlich ein Perspektivenwechsel?
Aus meiner Sicht Thema und Motto nicht gut getroffen.
Inhaltlich surreal, irgendwie, das macht einerseits zwar einen gewissen Charme aus, andererseits mir es auch schwierig zu folgen.
Wohl keine Punkte.

Liebe Grüße
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 13.12.2016 08:47    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Text, faserig wie der zerschlissene Schal. Extrem-Alzheimering auf dem Neurologenkongress. Vergessen/Neuanfang so extrem umgesetzt wirkt surreal und kaum zu erfassen, wer und was da vor sich geht.
Der blanke Geist als Niemandsland. Das ist so verwirrend, dass ich nie weiß, ob ich da gerade aus einem neuen Kopf heraus schaue, oder der eine immer wieder resettet wird.
"Terra Nullus" lese ich in diesem Wettbewerb zu oft. Als wenn es etwas ändern würde, origineller wirkte, das Wort zu übersetzen.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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bamba
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 203



BeitragVerfasst am: 13.12.2016 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

Alles bleibt etwas schwammig.
Z.B.: "Mein Aufatmen ist auch gleich ein Ankommen", oder: "Neben der Tür steht ein verklemmter Mann"..... ist eine Formulierung, wo ich aussteige, da das Verklemmtsein dieses Mannes einfach eine Behauptung ist, die auch keine weitere Bedeutung zu haben scheint.. Sorry, keine Punkte.
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 13.12.2016 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm, schwierig.
Sehr abstrakt, insofern durchaus Anspruch des Wettbewerbs erfüllt, Thema auch, Neu? Hmm
Leider spricht mich der Text nicht so an. Auch die Verbindung zum Titel erkenne ich nicht.


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Municat
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 51
Beiträge: 288
Wohnort: Zwischen München und Ingolstadt


BeitragVerfasst am: 15.12.2016 09:00    Titel: Antworten mit Zitat

LieberUnbekannter Autor smile

In Deinem Text sehe ich einen Neurologen, der mit dem Druck nicht zurechtgekommen ist, einen Zusammenbruch (vermutlich direkt auf dem Kongress, der ständig in seinem Kopf herumspukt) hatte und jetzt die Seiten gewechselt hat - vom Arzt zum Patienten. Panik-Afälle spielen bei ihm wohl eine Rolle, aber die unterschiedlichen Empfindungen im Bezug auf seinen rauen Schal haben irgendwie auch was von einer multiblen Persönlichkeit. Ich frage mich, ob er Dr. Klaus Wedebrink ist, eine Gemeinschaftspraxis mit seiner Frau hat(te) und diese jetzt vielleicht einen neuen Kerl hat ... oder ob der Lackaffe auch er selbst ist ... was bedeuten würde, das er sich quasi selbst beobachtet und die beiden Seiten seiner Persönlichkeit um seine Frau streiten. Aber gut, vielleicht spinne ich hier auch zu viel weiter.

Umsetzung der Vorgaben

Das Niemandsland liegt hier wohl in den Gedakten des Akteurs - auf mehr als nur eine Art. Die Gedanken sind frei (das gilt für jedermanns Gedanken) und seine Gedanken haben im Moment kein Zuhause, irren durch mehrere Perspektiven,

Der Akteur startet immer wieder neu in verschiedene, aber verwandte Szenen ... passt

Außergewöhnlich ist der Text auf jeden Fall, hintergründig auch.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Texte bewertet habe.


_________________
Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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Sam Violett
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 10
Wohnort: Dortmund


BeitragVerfasst am: 16.12.2016 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich ließ sich das Thema Niemandsland nicht ganz erkennen
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weltensegler
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 89
Wohnort: Nürnberg


BeitragVerfasst am: 16.12.2016 22:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für euer Feedback und die Auseinandersetzung mit meinem Text. Ich versuche einfach auf die offenen Fragen insgesamt einzugehen, dann ist es vielleicht etwas übersichtlicher:

Ich habe vor einiger Zeit von einem durch einen Unfall verursachten "organischen Psychosyndrom" gelesen, durch das der Betroffene mit großen Einschränkungen bei Lang- und Kurzzeitgedächtnis zu kämpfen hat. Als ich vom Thema des Wettbewerbs las, kam mir die Idee einen ehemaligen Fachmann in sein altes Umfeld gehen zu lassen (vielleicht kam die Einladung zum Kongress per Post, obwohl er schon längst nicht mehr praktizieren konnte, sicher lebt er betreut, ist möglicherweise sogar in Begleitung dorthin gekommen). Man kennt ihn dort, aber er weiß das nicht mehr. Ich habe mich gefragt, ob es schmerzt, nicht zu wissen, wenn der Verlust des zuvor Gewussten einem nicht bewusst ist? Wenn ich also wie ein weißes Blatt umherlaufen könnte - wäre ich dann nicht wie ein Kind? Ließe mich mal vom einen mal vom anderen Impuls leiten?

Der Gedanke gefällt mir noch immer, auch wenn ich natürlich keine medizinisch fundierten Informationen habe und das Ganze bloße Fiktion ist.

Dann sind da die großen Dinge: salzige Tränen, die waren schon immer so. Mama hat dann getröstet... Das gewollt sein, wenn mir eine schöne Frau (oder Mann) mit offenem Lächeln in die Arme zu rennen scheint... Mehr Emotion als Erinnerung - irgendwie universal...

Das Niemandsland war für mich das Grenzgebiet zwischen dem alten Leben und der möglichen Zukunft. Eine Brache, die keiner will. Auch Gunnar nicht, denn er schickt sich an sie zu verlassen.
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