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Anfang Flug ins Glück


 

 
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harwayjunior
Geschlecht:männlichSchneckenpost

Alter: 28
Beiträge: 13



BeitragVerfasst am: 04.05.2016 14:36    Titel: Anfang Flug ins Glück eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo liebe Lesefreunde,
der folgende Text soll der Anfang einer längeren Geschichte über zwei Personen, die ihre Träume in Neuseeland verwirklichen möchten, sein.
Der männliche Protagonist träumt schon seit seiner Jugend von einer Karriere in der Filmbranche. Sein Ziel ist es zu erst einmal Bücher zu schreiben, sich damit einen guten Namen zu machen um später Drehbücher für Filme zu verfassen und Filmschaffender zu werden.
Die weibliche Hauptfigur ist eine gescheiterte Theater-Schauspielerin, die zurzeit einen Job als Bürokauffrau ausübt, eigentlich aber ihren Traum Schauspielerin zu werden verwirklichen möchte.
Auf dem Flug lernen sich beide kennen und es entwickelt sich eine von Film geprägte Verbindung zwischen den beiden Hauptfiguren.

Der Anfang ist etwas lang und bestimmt nicht für jeden ein interessantes Thema, doch ich bitte euch mir ein Feedback zu geben, damit ich mein zweites Buch verwirklichen kann.

Flug ins Glück
Akt I. Ein neuer Beginn

X fährt mit dem Taxi zum Flughafen und schaut aus dem Fenster.
Er träumt ein wenig und starrt gegen die großen Gebäude der Stadt.
„Wir sind da. Das macht dann 30,40€, Herr X.“
„Hier nehmen Sie 35€, der Rest ist für Sie.“
„Danke, viel Spaß auf Ihrer Reise.“
„Danke.“
X steigt aus dem Wagen und blickt auf die Straße. Er sieht die vielen Autos und hört den Lärm der Stadt.
In der Eingangshalle beobachtet er die Menschen und sieht die vielen Familien und Partner, die am Flughafen auf jemanden warten.
Mit gesenktem Kopf geht er zu seinem Terminal.
X checkt ohne Gepäck ein und die Flugbegleiterin spricht ihn an.
„Kein Gepäck, junger Mann?“, fragt sie erstaunt.
„Nein, ich brauche nicht viel“, antwortet X.
„Okay, wie Sie meinen. Dann begrüße ich Sie an Bord nach Wellington, Neuseeland.“
„Danke.“
Vor dem Flug berührt er die Maschine.
Es ist für ihn ein Ritual, damit er den Flug gut übersteht.
Im Flugzeug setzt sich X an das Fenster und ist abgeneigt mit jemandem zu reden.
Während der Startphase blickt er nach draußen und schaut auf seine dampfende Stadt zurück. Der Dampf erweckt den Eindruck, dass die Stadt am Meer liege.
Seine Augen funkeln und es sammeln sich Tränen an.
Er winkt seiner Heimat zu und ist sichtlich gerührt.
Nun startet er den Bordcomputer und lädt einen Romantikfilm.
Normalerweise sieht sich X nur Actionfilme oder Dramen an, aber heute hat er Lust auf einen ruhigeren, gefühlvolleren Film.
Für ihn ist es sehr ungemütlich einen Film im Flugzeug zu sehen.
Neben ihm essen und reden die Leute, was ihm die Lust am Film ein wenig nimmt.
X weist die Menschen aber nicht auf ihre störende Art hin. Er möchte einfach nur den langen Flug überstehen.
Nach der Startphase geht er zur Toilette. X hat das sogenannte „Astronauten-Syndrom“. Während der Startphase einer Rakete sitzen die Astronauten mehrere Stunden in angewinkelter Position in ihren Sitzen. Diese Sitzposition drückt stark auf ihre Blasen. Die Astronauten verfügen über eine Windel. Dort können sie Ihren überschüssigen Harn loswerden.
X fühlt sich beim Start eines Flugzeugs meistens wie einer dieser Astronauten, deshalb sieht er sich gezwungen eine Toilette aufzusuchen.
Nachdem er seine Blase entleert hat kehrt er erleichtert zu seinem Platz zurück.
Dabei rempelt er eine Frau an, die gerade von dieser wiederkommt.
Bei dem Zusammentreffen verliert die Frau ihre Zeitschrift.
X hebt diese auf und überreicht sie ihr.
„Oh, entschuldigen Sie. Ich bin ganz in Gedanken“, sagt er zögerlich.
 „Nein, das macht doch nichts. Das kann den besten passieren.
Kommen Sie auch aus Deutschland?“, fragt sie neugierig.
„Ja, wie man hört.“
Die Frau lacht leise und ist froh, dass jemand mit ihr redet.
„Oh, Sie sind ja ein Scherzkeks. Steigen Sie in Peking aus oder fliegen sie noch weiter?“
„Ich fliege weiter bis nach Wellington, Neuseeland.“
„Schön, ich auch. Hätten Sie Lust auf ein wenig Unterhaltung?“
X schaut sie verblüfft an und antwortet sehr zaghaft:
„Ja, von mir aus.“
„Schön, wo sitzen Sie denn?“
„Hinten links am Fenster.“
Beide setzen sich und X versucht seinen Film schnell weg zu klicken.
„Sehen Sie da gerade Can A Song Save Your Life?“
„Ja, es ist ein Romantikfilm, aber….
„Ich liebe diesen Film, die Schauspieler, das Drehbuch, alles wirkt so erfrischend.“
„Ja, finde ich auch. Der Film ist sehr gefühlvoll. Ich stehe ja eigentlich nicht so auf Romantikfilme, aber heute war mir einfach danach.“
„Dafür müssen Sie sich doch nicht rechtfertigen. Bleiben wir bei Ihnen. Was machen Sie beruflich?“
X schnauft einmal durch.
„Ähm, ich….“
„Was denn? Sind sie ein Auftragskiller, der mich töten soll?
„Nein, das bin ich nicht. Ein Auftragskiller würde auch nie mit seinem nächsten Ziel reden, denke ich.“
„Achso, denken sie. Vielleicht sucht der Killer auch nur ein wenig nette Unterhaltung.“
„Ich denke nicht, dass ein Mensch, der für das Töten von Menschenleben bezahlt wird, nette Unterhaltung sucht, ein professioneller Mörder würde subtiler vorgehen.“
„Gut, wenn Sie meinen. Vielleicht sind Sie auch ein junger Polizist, ein Air-Marshall.
Die gibt es heutzutage viel mehr als man denken würde, gerade auf längeren Flügen sind sie oft.“
„Wenn Sie das so meinen. Ich bin jedenfalls weder Auftragskiller noch Air-Marshall.
Ich bin mehr oder weniger Buchautor.“
„Wow, das hätte ich nicht gedacht. Sie sehen jung aus und tragen eine dunkle Lederjacke.“
„Das ist kein Leder, es ist Kautschuk.“
„Also gut, sie schreiben. Für wen schreiben Sie?“
„Ich bin freier Autor.“
„Das finde ich schön….wirklich.“
„Ja, das ist es.“
„Haben Sie Romane herausgebracht.“
„Ja, das habe ich. Hören Sie, ich würde doch lieber alleine sein. Sie scheinen eine nette Person zu sein, die bestimmt jemand anderen hier unterhalten kann.“
Die Stirn der Frau bekommt mehrere Falten. Sie ist überrascht.
„Nerve ich Sie?“
X schnauft mehrmals durch. Er blickt zu ihr und nickt.
„Schön, dann schauen Sie weiter ihre Schnulze, sie grimmiger Killer.“
X winkt ihr zu .
Er dreht seinen Kopf nach links. Die Flügel des Flugzeugs scheinen zu wackeln.
Sein Blick wird schärfer und er erkennt tatsächlich ein leichtes Wackeln.
X schüttelt den Kopf und stellt seinen Film wieder an.
Die Musikeinlagen gefallen ihm und es zeichnet sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht ab. Zwischendurch bestellt er sich noch ein paar Nüsse, um die Filmatmosphäre etwas aufzulockern.
Nach einer Stunde scheinen viele Passagiere eingeschlafen zu sein, sodass er jetzt die optimale Voraussetzung hat, um den schönen Film ohne Stören anderen zu schauen. Die Nüsse schmecken ihm gut. Er lacht zwischenzeitlich an einer witzigen Stelle des Spielfilms. Zu seinem Glück hat keiner der Passagiere sein Lachen gehört.
Das wunderschöne Ende hat ihn dazu bewegt zu der Frau zu gehen.
Er ist durch den Film innerlich bewegt.
Voller Mut geht er durch die Reihen und sucht die Frau, die er vor einiger Zeit noch abgewiesen hat. Seine Blicke wirken sehr kontrollierend.
Das Abchecken der Reihen und das Gehen durch den Gang machen ihn bei der Frau verdächtig.
„Ey, Air-Marshall. Suchen Sie vielleicht mich?“
X lächelt und geht zu ihr. Neben ihr sitzt jedoch jemand. X bittet die Sitznachbarin darum aufzustehen, sodass er sich neben der Frau hinsetzen kann, aber sie lehnt ab.
X dreht seine Uhr ab und kündigt an, dass er ihr sie schenken werde, wenn sie aufstehe.
„Warten Sie, das müssen Sie nicht tun, ich komme mit zu Ihnen, aber sie bezahlen die erste Runde Drinks“, sagt die Frau, die er abgewiesen hat.
X lächelt und beide trinken einen Sekt.
„Wusste ichs doch. Sie sind ein Polizist.“
„Ich? Nein, wieso?“
„Sie sind doch gerade durch die Gänge gelaufen und haben ihren Kontrollgang gemacht. Es ist okay. Auch Air-Marshalls suchen Unterhaltung.“
„Nein, ich bin ein Buchautor. Ich habe nur sie gesucht, junge Frau.“
„Nun gut, nehmen wir an ich glaube Ihnen, dass Sie ein Autor sind. Erzählen Sie mir, warum Sie nach Neuseeland fliegen, fernab von allem?“
„Tja, ich denke ich suche das, was jeder hier im Flugzeug in Neuseeland sucht.“
„Ja? Was denn?“
„Einen Neustart.“
Die Frau schaut auf den Boden.
„Ach ja. Einen Neustart sucht also jeder hier?“
„Ja, niemand würde sonst Deutschland verlassen und zum Ende der Welt fliegen.“
„Neuseeland ist ein schönes Land, warum sollte man es nicht einfach nur so besuchen ohne einen tieferen Sinn zu haben?“
„Schöne Gegenden gibt es auch in Europa. Neuseeland steht für viele Deutsche symbolisch für einen Neuanfang. Es ist so weit weg und auf der anderen Seite der Erde.“
„Ja, geografisch gesehen ist es ein Stück von Deutschland entfernt, doch die Deutschen reisen auch viel. In jedem Land sieht man deutsche Touristen.“
„Damit haben Sie wohl Recht. Die Deutschen sind international häufig vertreten.
Worauf wollen Sie hinaus? Sind Sie nur als Touristin auf dem Weg nach Neuseeland?“
Die Frau zögert und trinkt einen Schluck aus dem Glas Wodka, welches X sich vor einigen Minuten bestellt hat.
Ihr Gesicht sieht aus, als hätte sie in eine saure Zitrone gebissen.
„Bah, was ist das denn?“
„Wodka. Kennen Sie das nicht, es ist ein beliebtes russisches Getränk.“
„Igitt. Es ist viel zu stark für mich. Ich muss mir etwas anderes bestellen.“
„Nein, das ist gutes Zeug. Die servieren nur den edelsten Wodka auf diesem Flug. Das erste Getränk wurde mir sogar spendiert.“
„Ich kann Ihnen nicht antworten. Die Gründe für meine Neuseeland Reise sind jedenfalls privat.“

„Das ist okay für mich. Das reicht mir schon. Trinken sie noch etwas von meinem Wodka.“
Die Frau sieht X an und nippt kurz an dem Glas. Sie spuckt den Wodka direkt wieder aus.
„Widerlich. Ich weiß nicht, wie Sie das trinken können. Ich bestelle mir jetzt etwas Vernünftiges für eine Frau, einen Cocktail.“
Sie hebt ihre Hand und winkt die Stewardess zu ihr her.
„Guten Tag, Miss. Was kann ich für Sie tun?“
„Ich hätte gerne einen Drink. Einen sanften Cocktail für Frauen vielleicht.
Haben Sie etwas da?“
Die Stewardess blickt zu X und er zuckt mit den Schultern.
„Ja, natürlich, was hätten Sie denn gerne für einen Cocktail?“
„Irgendetwas mit Orange und wenig Alkohol.“
X schaut enttäuscht zu der Flugbegleiterin und sie notiert sich die Bestellung.
„Es dauert nur einen kleinen Moment.“
Die Frau schiebt entschlossen das Glas mit Wodka zu X rüber.
Er greift nach diesem und nimmt einen kräftigen Schluck.
Sie ist etwas angewidert und kann ihm nicht beim Trinken zusehen.“
„Verdammt gutes Zeug.“
Er lehnt sich zurück und entspannt sich.
Die Dame beugt sich vor, um X etwas zu sagen, doch ehe dies passieren kann, macht der Kapitän eine Durchsage.
„Meine Damen und Herren, wir überqueren gerade ein Gebirge. Es könnte leichte Turbulenzen geben. Der Gebirgszug ist für seine starken Winde bekannt.
Es gibt aber keinen Grund zur Panik. Genießen Sie doch unser Bordmenü. Heute gibt es Lachs mit Blattspinat.“
Die Frau ist sichtlich geschockt und versinkt in ihrem Sitz. Sie hält sich ihre Hände vors Gesicht und fängt an zu zittern.
„Nein, nein, nein. Ich wusste, dass ich lieber in Deutschland hätte bleiben sollen.“
„Hey, das ist normal. Es wird schon gut gehen.“
X rutscht zu ihr rüber und gibt ihr eine kleine Massage.
X massiert ihren Nacken und löst ihre Verspannungen.
Sie zittert am ganzen Körper und ist in einem Schockzustand.
„Alles wird gut. Wir haben das Gebirge gleich passiert.“
X blickt ungläubig auf den leicht wackelnden Flügel.
Die Wolken blockieren eine klare Sicht und das Flugzeug macht einige kleinere Schlenker.
„Alter, flieg doch einfach gerade, warum lenkst du denn so wild?“, sagt einer der Passagiere neben den beiden.
Sie ist immer noch sehr aufgeregt und atmet sehr schnell.
X nimmt sie in den Arm und trinkt schnell noch ein paar Schlucke Wodka.
Sie dreht sich um und blickt ihn an.
 „Haben Sie denn gar keine Angst, dass wir abstürzen.“
„Nein, ich bin schon öfter abgestürzt, das ist bei mir Standard. In einem Flugzeug zu sterben wäre für mich kein großes Problem.“
„Sie wären dann tot.“
„Vielleicht bin ich schon tot, dann kann ich nicht mehr sterben.“
Sie nickt vorsichtig und ist sehr unruhig. Sie umfasst die Lehnen des Sitzes stark und versucht einigermaßen gerade sitzen zu bleiben.
Durch die Gänge laufen die Flugbegleiterinnen etwas hektisch. Die meisten Passagiere verfolgen die Geschehnisse sehr aufgeregt, aber einige schlafen auch noch. Der Pilot macht eine weitere Durchsage:
„Meine lieben Fluggäste. Die von mir angekündigten Turbulenzen sind doch etwas ausgeprägter als zuvor angedacht. Ich bitte allerdings um ihre Geduld, denn wir haben alles im Griff. Wir sind gleich durch.“
„Geduld, Geduld, wie soll man sich denn hier beruhigen? Soll das ein Witz sein?
Ich habe 500€ für diesen Flug bezahlt, dann kann man auch etwas erwarten“, sagt ein älterer Passagier aus der zweiten Reihe.
Im Gang fällt eine der Stewardess hin und einige Passagiere helfen ihr wieder auf die Beine.
„Keinen Grund zur Panik. Schnallen Sie sich bitte alle an.“, sagt sie beim Aufstehen.
Die Passagiere schnallen sich alle an und es herrscht eine leichte Panik.
„Wenn das hier unsere letzten Momente sind möchte ich gerne noch etwas über Sie erfahren.“ Worüber schreiben sie, wenn ich fragen darf?“
„Über alles. Das Leben, die Menschen, Sport, Wirtschaft, Politik.“
„Sehr Interessant, macht es Ihnen Spaß?“
„Ja, ich habe die absolute Freiheit, ich bin an niemanden gebunden.“
„Ok, das verstehe ich, doch ist es nicht auch langweilig nur vor dem Schreibtisch zu sitzen und zu schreiben?“
„Es ist monoton. Die Langeweile kann ich durch das Schreiben unterschiedlicher Geschichten vertreiben. Wenn ich traurig bin schreibe ich ein Drama, bei guter Laune eine Komödie, und so weiter.“
„Also würden Sie jetzt ein Drama schreiben?“
„Ja, als Beispiel. Das Schreiben ist für mich ein gutes Mittel, um meine Gefühle auszudrücken und Druck abzulassen.“
„Druck? Wovon denn Druck?“
„Alle Dinge, die mir nicht gefallen. Ich kann die Leser auf Probleme aufmerksam machen und habe gleichzeitig einen klaren Kopf.“
„Deshalb sind sie so offen.“
„Ja, Offenheit ist für die Menschen meistens das Beste.“
„Als ich vorhin bei Ihnen war, habe ich sie völlig anders eingeschätzt.
Sie wirkten auf mich eher wie ein verschlossener Typ.“
„Sie sind ja direkt, das mag ich. Um es kurz zu sagen. Die letzte Zeit war nicht meine beste. Mehr möchte ich erst einmal nicht sagen.“
„Ist schon okay. Wir kennen uns ja auch nicht.“
 „Jetzt gerade interessiert mich doch, warum Sie nach Neuseeland fliegen.
Sie flüchten doch bestimmt vor etwas.“
„Gut, ich erzähle es Ihnen.
Ich möchte meinen Ehemann in Neuseeland besuchen.“
Xs Gesichtsausdruck wechselt von neugierig zu enttäuscht.
„Ach ja?“
„Ja, ich liebe ihn sehr. Vor kurzem ist sein Onkel gestorben. Er war irgendwie so ein Mönch in einem Kloster oder so. Vor ein paar Wochen ist er abgereist.“
„Das ist schön. Es freut mich für Sie, dass sie jemanden haben.“
„Sie sind nett. Ich mag sie.“
Plötzlich sinkt das Flugzeug stark.
Die Menschen schreien und die Frau sinkt weiter in Xs Armen.
Nach ein paar Sekunden fängt sich die Maschine wieder.
Sie schaut X an und sieht sein Lächeln.
„Was ist denn mit Ihnen? Fürchten sie sich denn vor gar nichts?“
„Natürlich. Ich habe große Angst vor Clowns.“
Sie lacht und die Turbulenzen sind für sie weniger interessant.
X schüttelt den Kopf.
„Das ist kein Witz. Ich habe Angst vor denen.“
„Dann erzählen sie mir warum. Öffnen sie sich bitte.“
„Als kleines Kind war ich mit meinem Vater im Zirkus. Wir mussten durch einen kleinen Gang in den Zirkus gehen. Früher war der jährliche Zirkus für jedes kleine Kind ein pures Erlebnis. Ich freute mich auf den Tag.
Die meisten Zuschauer waren schon auf ihren Plätzen.
Mein Vater und ich kamen etwas zu spät und standen im Eingang.
Er ging die Stufen hoch und ich war überrascht, dass so viele Menschen da waren.
Das Zirkuszelt war etwas größer als zuvor.
Ich stand einen Moment auf der Stufe und jemand tickte meine Schulter an.
Ich drehte mich um und ein riesiger Clown mit einer hässlichen Fratze stand vor mir.
Ich war total geschockt und schrie. Der ganze Saal lachte und der Clown versuchte mich zu trösten. Ich fing an zu weinen und mein Vater musste mit mir nach draußen, da ich nicht mehr aufhörte. Dieses Erlebnis habe ich bis heute nicht verarbeitet. War das offen genug?“
Sie lacht weiterhin und streichelt auf seine Schulter.
„Ja, sie sind lustig.“
Beide beobachten draußen einen Blitz in den Wolken.
Die Frau schreit und durch das Flugzeug geht ein Raunen.
„Der trifft uns nicht. Wir sind zu hoch.“
„Wie hoch fliegen wir?“
„10.000m.“
„Das ist hoch. Bei einem Blitzeinschlag sind wir sowieso alle tot.“
„Blitze gehen nach unten, es ist höchst unwahrscheinlich, dass uns einer trifft.
In niedrigeren Bereichen ist es gefährlicher, aber die Flugzeuge sind gut ausgestattet.“
„Was nützt uns das, wenn der Blitz bei 3.000m Flughöhe einschlägt?“
„Naja, je niedriger wir fliegen, desto höher ist unsere Überlebenschance.“
„Selbst aus 3.000m sind wir sicher tot.“
„Nicht unbedingt. Eine hat es geschafft, ich meine es waren 3.000m.
Juliane Köpcke.“
„Eine deutsche?“
„Ja, eine kleine Maschine ist in Südamerika abgestürzt und sie hat als einzige überlebt. Unten am Boden ist sie mit einem Schlüsselbeinbruch, einem Kreuzbandriss und mehreren Platzwunden drei Tage durch einen Wald gelaufen.
Ihre Mutter war Biologin und sie wusste, dass sie immer dem Fluss entlang gehen sollte. Dadurch würde sie vielleicht irgendwann in ein Dorf kommen.“
„Sind dort nicht gefährliche Tiere?“
„Ja, sie hatte wohl Glück. Sie kannte sich auch aus mit Naturgebieten.
Wenn ich aus 3000m herunterstürzen würde und als einziger den Sturz überleben würde, würde unten am Boden bestimmt schon ein dickes Krokodil auf mich warten und mich bei lebendigem Leibe verschlingen.
Meine letzten Momente sind bestimmt wie ich gerade im Maul von diesem Reptil misshandelt werde.
X lacht und blickt kurz nach draußen.
„Hat sie es denn geschafft?“, fragt die Frau.
„Ja, sie wurde erschöpft in einem Bootshaus vor einem Dorf gefunden.“
„Was für eine krasse Geschichte. Wurde das verfilmt?“
„Verfilmt?“
„Ja, heutzutage wird doch alles verfilmt. Meistens zwar nur Fortsetzungen oder Remakes, aber Sensationsgeschichten sind doch für die großen Filmstudios immer interessant.“
„Ich weiß es nicht.“
„Interessieren Sie sich für Filme?“
„Ja, sehr. Als kleines Kind war ich mehrere Monate wegen einer Krankheit ans Bett gefesselt und dann begann meine Liebe zu Filmen.“
„Oh, das ist ja schlimm.“
„Für mich war es zwar schlimm krank zu sein und keinen Kontakt mehr zu meinen Freunden und Schulkameraden zu haben, aber ich lernte so eine neue Sache kennen.“
„Das ist ja ein sportlicher Gedanke.“
„Wenn man meine damalige Krankheit ohne Humor gesehen hätte, wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Dann hätte ich irgendwann aufgegeben.“
„Was hatten sie denn, wenn ich so direkt fragen darf.“
„Lassen wir doch die Formalitäten, duzen sie mich ruhig. Ich hatte eine langwierige Lungenentzündung.
Ich konnte auch nicht mehr mit den Jungs von der Straße Basketball spielen. Es war hart.“
„Immerhin hast du es überstanden.“
„Nicht ganz, die Vorliebe für Filme ist geblieben.“
Die Frau lacht und sieht X verständnisvoll an.
„Meine Damen und Herren, wir haben die Turbulenzen jetzt überstanden und passieren in wenigen Minuten den Hindukusch. Die Wolken müssten sich gleich verziehen, dann haben sie freie Sicht auf die Berge des Hindukusch.“
Die Passagiere klatschen und alle beruhigen sich wieder.
In der letzen Reihe wird ein junger Passagier durch das Applaudieren wach und guckt völlig erstaunt.
„Toll, jetzt können wir Berge sehen “, sagt X.
„Du bist ja begeistert. Stehst du nicht so auf schöne Natur?“
„Naja, also ich mag die Natur in seinen vollen Zügen. Die ganzen Touristenattraktionen nerven mich ein wenig. Von hier oben kann man sowieso wenig erkennen.“
„Damit hast du wohl Recht. Tourismus ist aber nicht unbedingt negativ anzusehen, die Menschen wollen dadurch zwar auch Geld verdienen, aber die Kultur wird einem so immerhin nahe gelegt.“
„Das kann man so sehen.“
Die Wolken verziehen sich und die Passagiere haben jetzt freie Sicht auf die Berge.
„Oh, wie schön“, sagt die Frau.
„Naja. Ich geh mal kurz zur Toilette.“
„Ey, bleib doch hier, die Aussicht ist der Wahnsinn.“
„Ich sehs mir gleich an.“
X geht durch den Gang und öffnet die Tür zur Toilette.
Er uriniert im Stehen, was gemäß den großen Schildern auf der Toilette untersagt ist.
Zu allem Übel zückt er danach eine Zigarette aus seiner Hosentasche.
Die Zigarette steckt jetzt in seinem Mund und er sucht nach einem Feuerzeug.
Jemand klopft an seine Tür.
„Sir, dauert es noch lange? Ich muss dringend pinkeln.“
„Fuck, ne ich bin gleich fertig.“
Er steckt seine Zigarette wieder in die Schachtel und schaut noch kurz in den Spiegel.
„Was machst du nur? Eine verheiratete Frau anbaggern? Du Pfeife?“, murmelt er.
„Sir? Haben sie etwas zu mir gesagt?“, sagt der Mann vor dem Eingang.
„Nein, ich komme raus.“
X verlässt die Toilette und der andere Flugpassagier schaut ihn etwas besorgt an.
„So, viel Spaß da drinnen.“
„Danke, Sir.“
Der Fahrgast sieht die hochgeklappte Toilettenbrille und schüttelt den Kopf.
„Diese Jugendlichen immer.“
Auf dem Weg zu seinem Platz schaut er durch die Reihen und sieht tatsächlich viele deutsche Touristen mit neuseeländischen Routenplanern.
An seinem Sitzplatz sieht er die Frau, die immer noch aus dem Fenster schaut.
X geht zu ihr und klappt die Jalousien runter.
„Ey, was machen sie denn? Ich wollte mir das ansehen?“
„Genug geguckt. Gehen sie lieber wieder auf ihren Platz. Ich will hier ein bisschen relaxen.“
„Was sind sie nur für einer? Erst schicken sie mich weg, dann holen sie mich zurück und jetzt soll ich wieder weg?“
„Ja, ich werde einfach nicht schlau aus ihnen. Ich suche in Neuseeland einen Neustart und dazu möchte ich keine anderen Beziehungen zerstören, sonst steht mein ganzer Neustart unter einem falschen Schirm.“
„Na, gut, wie sie meinen. Doch kommen sie ja nicht mehr wieder zu mir, um mit mir zu reden, das ist jetzt vorbei.“
„Moment, warten sie, ich mache Ihnen ein faires Angebot.
Sie gehen jetzt wieder auf ihren Platz, vielleicht schlafen sie ne Runde, dann überlegen sie sich, warum sie in dieses Flugzeug gestiegen sind.
Nach diesen Schritten entscheiden sie, ob sie mich in Peking auf unserem Zwischenstopp wiedersehen möchten oder nicht.“
„Ist gut.“
Sie geht wieder zu ihrem alten Platz und wird von ihrer Sitznachbarin angesprochen.
„So toll scheint der Mann wohl nicht gewesen zu sein, was?“
„Ja, da haben sie wohl Recht.“
Sie schließt ihre Augen und denkt einen Moment nach.
Währenddessen klickt X auf dem Bordcomputer auf den nächsten Film.
„Vielen Dank, sie haben „Stirb Langsam“ ausgewählt.
Er lehnt sich zurück und genießt den Film.
Nach einigen Stunden erreicht das Flugzeug den Flughafen Peking.
X bleibt sitzen und wartet bis alle rausgehen.
Er hofft, dass die Frau nicht auf ihn wartet.
Nachdem er von der Stewardess aufgefordert wird das Flugzeug zu verlassen beginnt er sich zu freuen.
Er ballt seine Fäuste und bedankt sich bei dem Piloten für den guten Flug.
„Es war mir eine Freude mit ihnen fliegen zu dürfen, Sir“, sagt X zu dem Piloten.
„Vielen Dank, dass sie hier an Bord waren, Sir“, antwortet der Kapitän.
X verlässt den Flieger und blickt auf den bunten Flughafen Pekings.
Er geht durch die Lobby und sucht eine raucherfreundliche Kneipe.
Dort setzt er sich an die Bar und raucht genussvoll seine Zigarette.
Da die Menschen am Flughafen vorwiegend chinesisch oder englisch sprechen zeigt X an, das er zwei Bier haben möchte.
Der Mitarbeiter versteht ihn und X trinkt seine Biere.
Dabei schaut er sich das chinesische Fernsehprogramm an.
Ab und zu schaut er panisch durch die Reihen, ob die Frau aus dem Flieger hier ist.
Nachdem X gesättigt von Alkohol und Tabak ist, beschließt er zu seinem Flug nach Neuseeland zu gehen.
Am Terminal angekommen geht er durch die Brücke in das Flugzeug.
X berührt dies wieder einmal und geht durch den Eingang.
„Oh, Sie sind aber ganz schön spät dran“, sagt die Flugbegleiterin.
„Was, wieso das denn? Dieser Flug geht doch nach Wellington, Neuseeland, oder?“
„Ja, das ist richtig. Sind sie hier vorhin gelandet?“
„Ja, ich komme aus Deutschland.“
„Das sieht man, der Aufenthalt hier in Peking betrug nur eine halbe Stunde, wussten sie das?“
„Keine Ahnung, darf ich denn noch mitfliegen?“
„Ja, das geht noch gerade. Kommen sie mit.“
„Ich danke Ihnen.“
X blickt noch einmal zurück. Er ist sich nicht sicher, ob die Frau aus dem ersten Flug rechtzeitig eingestiegen ist.
„Kommen sie schon.“
„Ja, ich komme ja.“
Im Flugzeug sitzen die Passagiere schon und schauen zu ihm.
Sie mussten alle ein paar Minuten warten, doch das ist ihm egal.
Er sucht seinen Platz und findet ihn.
Am Fenster sitzt eine Person am Zeitung lesen.
X setzt sich und ist besorgt, ob die Frau im Flugzeug ist.
Die Person neben ihm nimmt die Zeitung runter.
„Hallo, hast du mich vermisst?“
X schmunzelt leicht und beide bestellen sich alkoholische Getränke.

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purpur
Reißwolf


Beiträge: 1023



BeitragVerfasst am: 04.05.2016 17:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Very Happy lieber harwayjunior,

die Geschichte hat mir sehr gefallen! Ich fliege unheimlich Daumen hoch² gern
und bin auch öfter unterwegs im Flieger, Laughing hier bin ich  gleich mit
abgehoben. Gibts noch mehr zu lesen, bin sehr gespannt wie
es weitergeht! Rolling Eyes
 Kommt noch was?
sonnige über den Wolken
Grüße von PpPia


_________________
.fallen,aufstehen.
TagfürTag
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nolimetangere
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Wohinduauchgehst
Geschlecht:weiblichErklärbär


Beiträge: 4



BeitragVerfasst am: 04.05.2016 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Oh da hat jemand Fernweh, kann das sein? Deine Idee gefällt mir, die Umsetzung finde ich jedoch sehr holprig. Schon der erste Satz und auch viele folgenden lesen sich für mich wie Regieanweisungen und nicht anschauliche Erzählungen:

Zitat:
X fährt mit dem Taxi zum Flughafen und schaut aus dem Fenster.
Er träumt ein wenig und starrt gegen die großen Gebäude der Stadt.
(...)
X steigt aus dem Wagen und blickt auf die Straße. Er sieht die vielen Autos und hört den Lärm der Stadt.
In der Eingangshalle beobachtet er die Menschen und sieht die vielen Familien und Partner, die am Flughafen auf jemanden warten.


Das ist arg steif und sehr distanziert beschreibend. Ich spüre keine Verbindung.

Hier wird es noch einmal deutlich:

Zitat:
Er winkt seiner Heimat zu und ist sichtlich gerührt.


Das klingt wie eine Vorgabe, wie von sehr weit fern beobachtet.

Zitat:
Er ist durch den Film innerlich bewegt.

Auch hier - wie fühlt sich dein Prota, wenn er "innerlich bewegt" ist? was sieht, denkt er?

Leider konnte ich den Text nicht fertig lesen. Man merkt, dass du dir große Mühe gegeben hast bei den Dialogen, aber bei mir "zündet" es einfach nicht. Ich empfinde den Text so wie er dargestellt wird, als unrealistisch und er machte mir (noch?) keine Lust auf Weiterlesen.

LG
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