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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Der vergessene Großvater - Prolog und erste Kapitel meines aktuellen Romans


 
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 12.01.2016 04:17    Titel: Der vergessene Großvater - Prolog und erste Kapitel meines aktuellen Romans eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Wie im Roten Teppich schon angekündigt hier der Klappentext und Prolog meines aktuellen Romanzyklus "Der vergessene Großvater". Viel Spaß beim Lesen!

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Klappentext:
Eigentlich war Lina Kreuzberg ein ganz normales vierzehnjähriges Mädchen aus einer ganz normalen norddeutschen Kleinstadt. Jedenfalls bis zu dem Tag, als sie bemerkte, nichts über ihren Großvater von väterlicher Seite zu wissen. Und damit nicht die einzige zu sein, denn niemand scheint ihn zu kennen oder sich an ihn zu erinnern. Mit zwei Freunden beginnt sie, Nachforschungen anzustellen. Doch je mehr sie herausfindet, desto mehr beginnt ihre Welt aus den Fugen zu geraten...

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Zum Prolog:
Bitte lest die angehängte mit LaTex gesetzte PDF-Datei (für DinA5 Buchdruck optimiert), die viel besser lesbar ist als dieser daraus extrahierte Rohtext, der zum Korrigieren dient:



Der vergessene Großvater: Band 1: Labyrinth der Ängste


Kapitel 0: prolog  
[Kleinschreibung ist Absicht, alle Kapitelnamen bestehen aus einem einzigen kleingeschriebenen Wort]

Lina hatte von Anfang an kein gutes Gefühl dabei. Ständig sah sie sich um. Was, wenn ihr jemand gefolgt war? Oder wenn irgendjemand sie sehen würde, der sie nicht sehen sollte, irgendjemand, der nicht dort sein sollte, mit dem sie nicht nicht gerechnet hätte. Irgendjemand, der sie verraten könnte? »Stell dich nicht so an!«, schimpfte sie leise mit sich selbst, »Du bist doch nur am Samstag Nachmittag mit deinem Fahrrad im Park unterwegs, das hat niemand verboten... Und wenn du zufällig ein paar Freunde beim Grillen triffst und anschließend mit auf eine Nachtwanderung gehst, ist das ein Zufall. Du hast ja nicht gewusst, dass sie hier sein würden, du hast... « Und wieder die andere Stimme, die Stimme ihrer Angst: »Erzähl das nicht mir, erzähl das Herrn Martens, wenn er davon erfährt!«

Sie versuchte sich zu beruhigen und konzentrierte sich auf den Fahrtwind, der ihr ins Gesicht wehte und ihre schulterlangen braunen Haare flattern ließ, sie konzentrierte sich auf den Weg, die roten Steine, mit der die Straße durch den Park gepflastert war, und auf die Bäume, die links und rechts neben dem Weg an ihr vorbeirauschten, auf die Wärme des Sommers und das Licht der Sonne. Tatsächlich begann sie langsam, sich nicht mehr ganz so ängstlich zu fühlen, aber ein Gefühl blieb: Sie hatte den Eindruck, gerade etwas ganz, ganz Schlimmes zu tun.

Sie dachte an ihre Flucht, naja, Flucht war vielleicht etwas übertrieben, sie hatte sich aus dem Flurfenster aufs Flachdach des Anbaus heruntergelassen und war von dort auf den Zaun gestiegen, von dem man bequem in den Garten klettern konnte. Das Fenster hatte sie von außen sorgfältig wieder zugedrückt, und sie hatte auch nicht vergessen, die Zeitschaltuhr aus dem Wohnzimmerschrank (die nur zu Weihnachten für die Gartenbeleuchtung verwendet wurde) an die Lampe in ihrem Kinderzimmer anzuschließen und auf neun Uhr zu stellen. Opa hatte in seinem Alter eben keine Lust mehr, immer nach oben zu gehen und nach ihr zu sehen, wenn es nicht unbedingt sein musste, und so begnügte er sich damit, aus seinem Küchenfenster nach oben zu sehen, ob sie wirklich um neun Uhr ins Bett ging und das Licht ausschaltete. Das mit dem Bett konnte er von dort nicht sehen, daher reichte das verlöschende Licht völlig aus.

So hatte Lina leichtes Spiel, wenn ihre Eltern am Wochenende nicht da waren und Opa auf sie aufpassen sollte; sie war schon einige Male weitaus länger weg gewesen, als ihre Eltern ihr erlaubt hatten. Sie hoffte nur, Opa würde nicht ausgerechnet heute mal eine Ausnahme machen und wirklich nachsehen, ob sie in ihrem Bett lag, aber die Chancen standen gut.

Herr Martens dagegen war ein weitaus größeres Problem. Herr Martens war ihr Nachbar, ein älterer kleiner Herr mit wenigen, grauen Haaren, der auf den ersten Blick eigentlich ganz freundlich wirkte. Bis man ihm in die Augen sah. Seine kalten, grauen Augen hatten einen so strengen, beängstigenden Blick, dass man, wenn man ihm in die Augen sah, einen Moment lang das Gefühl hatte, man würde gleich zu Stein erstarren. Wie bei Medusa, dem Ungeheuer aus den griechischen Sagen, dessen Anblick selbst den tapfersten Krieger zu Stein erstarren ließ. Aber diese Augen waren nicht alles, Herr Martens war so eine Art Teufel, aber das dürfe sie niemals laut sagen, hatte sie ihrer Mutter versprechen müssen.

Als sie acht Jahre alt war, hatte sie ein bisschen davon mitbekommen, auch wenn er ihr nie wirklich etwas getan hatte. Sie war an diesem Tag, einem kalten Wintertag etwa drei Wochen vor Weihnachten, über den Zaun aufs Nachbargrundstück geklettert und war durch die Gartentür ins Wohnzimmer von Herrn Martens geschlichen, um sich dort umzusehen. Es war ein interessanter Raum mit einer hohen Decke aus dunklem Holz, an jeder Wand standen alte Bücherregale, mindestens doppelt so groß wie sie selbst, und bis unter die Decke vollgestellt mit alten Büchern in schweren Ledereinbänden. Sie hatte eines der Bücher herausgezogen und darin geblättert, die Seiten waren aus dickem, faltigen, gelben Papier und die Schrift konnte sie kaum entziffern, was aber nichts machte, denn es war eh in einer Sprache geschrieben, die sie nicht kannte. Die Anfangsbuchstaben von jedem ersten Absatz einer Seite waren kunstvoll mit handgemalten Bildern verziert, die Mönche bei verschiedenen Tätigkeiten zeigte, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Singen oder auch beim Kampf gegen Drachen und andere Monster.

Sie hatte so fasziniert diese Bilder angesehen, dass sie Herrn Martens gar nicht kommen hörte, bis er plötzlich hinter ihr stand. »Was tust du in meinem Haus!?«, hatte er sie mit donnernder Stimme angeschrien, sie wollte weglaufen, doch er hatte sie an der Kapuze ihrer Jacke gepackt und hielt sie fest. »Was tust du hier?«, wiederholte er seine Frage. Eine Zeitlang hatte sie gar nichts herausbekommen und sie merkte, wie Tränen sich in ihren Augen sammelten und langsam begannen, ihre Wangen herunterzulaufen. Sie hatte schreckliche Angst.

Als Herr Martens ein drittes Mal Luft holte und seinen Mund öffnete, um sie erneut anzuschreien, nahm sie allen Mut zusammen und kam ihm mit einer Antwort zuvor, der ersten, die ihr in ihrer Panik einfiel: »Ich war nur neugierig... entschuldigen Sie... « Dann hatte sie diesen Blick der Medusa gesehen, und Herr Martens hatte sie ruhiger, ja fast freundlich gefragt: »Weißt du, was neugierigen Kindern alles passieren kann?« Sie hatte ihn ängstlich angesehen und am ganzen Körper gezittert, bis ihr Nachbar sich selber antwortete: »Nun, manchmal kriegen sie einfach nur keine Weihnachtsgeschenke, weil ihre Eltern sich sowas gerade nicht leisten können. Aber manchmal, besonders dann, wenn sie immer noch neugierig sind, passiert ihren Eltern auch etwas richtig Schlimmes.« Wieder dieser stechende Blick, und die tiefe, aber freundliche Stimme: »Möchtest du, dass deinen Eltern etwas passiert?« Sie hatte kein Wort herausbekommen und nur gestammelt, bis Herr Martens seine Frage wiederholte, jetzt wesentlich lauter, und sein Blick war noch stechender geworden. »Möchtest du das?«

»N... n... nein«, hatte sie schließlich hervorgebracht, die Stimme halb von Tränen erstickt, und Herr Martens hatte sie losgelassen. Sie war dann gerannt, so schnell wie noch nie in ihrem Leben, und genauso schnell war sie über den Gartenzaun zurück aufs eigene Grundstück geklettert. Dass ihre Finger davon voller Splitter waren und sie an zwei Stellen sogar blutende Kratzer davongetragen hatte, merkte sie erst eine ganze Weile später. Und schlimmer noch, der Schreck, die Tränen, die Splitter, die Kratzer sollten noch nicht alles gewesen sein: Am nächsten Abend kam ihr Vater sehr traurig und niedergeschlagen nach Hause, es wirkte beinahe so, als ob auch er am liebsten geweint hätte.

Er hatte seine Arbeit verloren, wie er erzählte, kurz nach fünf war der Chef zu ihm gekommen und hatte gesagt, dass er ab morgen leider keine Arbeit mehr für ihn habe und er sich etwas anderes suchen müsse, selbst wenn es kurz vor Weihnachten war. »Das kann nicht legal sein«, hatte Linas Mutter entsetzt gesagt, »du hast doch nichts verbrochen, oder?« »Martens!«, hatte er geantwortet, und ihre Mutter schien zu verstehen, was Lina auch schon befürchtet hatte. Irgendwie war es diesem Teufel gelungen, seine Drohung wahr zu machen.

Tatsächlich hatte sie dann nicht die gewünschten neuen Schlittschuhe bekommen und konnte diesen Winter nicht mit ihren Freunden auf dem See Hockey spielen, was ihr jeden Tag erneut als eine viel zu grausame Strafe für das nur kurze Umsehen im Haus des Nachbarn erschien. Damit die Enttäuschung nicht zu groß würde, hatte ihr Vater sie schon zwei Tage vor Weihnachten darauf vorbereitet, dass es mit den neuen Schlittschuhen nichts werden würde, auch wenn sie aus denen vom Vorjahr herausgewachsen war. »Es tut mir so leid«, hatte er gesagt, »wir haben eben einfach kein Geld dafür, bis ich eine neue Arbeit habe, und so kurz vor Weihnachten stellt mich keiner mehr ein.«

Lina hatte beschlossen, tapfer zu sein, sie hatte ihm alles gestanden, dass sie bei Martens im Haus gewesen war, dass er sie erwischt hatte, dass alles wohl ihre eigene Schuld sei. Auch von der Drohung hatte sie ihm erzählt. »Nimm dich vor Herrn Martens in Acht«, hatte er nur gesagt, »dieser Mann ist böse. Er hat mir zwar mal das Leben gerettet, aber jetzt meint er, es gehöre ihm, und er hat mir mehrfach gesagt, er könne es mir auch wieder wegnehmen. Und ich glaube ihm das.« »Wieso kann er machen, dass du deine Arbeit verlierst?«, hatte Lina gefragt. »Martens kennt eine Menge Leute«, hatte ihr Vater geantwortet, »und eine Menge Leute schulden ihm etwas, das macht ihn so gefährlich, gefährlicher als alle Monster, von denen du je geträumt hast.«

Fortan war Herr Martens das Monster geworden, von dem sie träumte, sie hatte diese Geschichte nie vergessen und war ihm immer aus dem Weg gegangen, und sie hatte sich immer an alles gehalten, wenn er ihr etwas verboten hatte.


Immer, bis auf heute.



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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 12.01.2016 09:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V.K.B.,

Zitat:
  Klappentext:
Eigentlich war Lina Kreuzberg ein ganz normales vierzehnjähriges Mädchen aus einer ganz normalen norddeutschen Kleinstadt  

Klingt leider ziemlich abgedroschen.

Zitat:
  Lina hatte von Anfang an kein gutes Gefühl dabei. Ständig sah sie sich um. Was, wenn ihr jemand gefolgt war?  Oder wenn irgendjemand sie sehen würde, der sie nicht sehen sollte, irgendjemand, der nicht dort sein sollte, mit dem sie nicht nicht gerechnet hätte. Irgendjemand, der sie verraten könnte? <- für mich persönlich bissl zuviel des Guten. Sagt alles dasselbe aus - dass sie Panik hat erwischt zu werden. Die Übertreibung müsste nicht sein.»Stell dich nicht so an!«, schimpfte sie leise mit sich selbst, »Du bist doch nur am Samstag Nachmittag <- ist diese Benennung besonders wichtig? mit deinem Fahrrad im Park unterwegs, das hat niemand verboten... Und wenn du zufällig ein paar Freunde beim Grillen triffst und anschließend mit auf eine Nachtwanderung gehst, ist das ein Zufall. Du hast ja nicht gewusst, dass sie hier sein würden, du hast... « Und wieder die andere Stimme, die Stimme ihrer Angst: »Erzähl das nicht mir, erzähl das Herrn Martens, wenn er davon erfährt!«

Sie versuchte sich zu beruhigen und konzentrierte sich auf den Fahrtwind, der ihr ins Gesicht wehte und ihre schulterlangen braunen Haare flattern ließ, sie konzentrierte sich auf den Weg, die roten Steine, mit der die Straße durch den Park gepflastert war, und auf die Bäume, die links und rechts neben dem Weg an ihr vorbeirauschten, auf die Wärme des Sommers und das Licht der Sonne. <- hoffe, sie schaut auch nach vorne ... Wink Tatsächlich begann sie langsam, sich nicht mehr ganz so ängstlich zu fühlen, aber ein Gefühl blieb: Sie hatte den Eindruck, gerade etwas ganz, ganz Schlimmes zu tun. <- klingt niedlich. Nach dem Motto: "Böses Mädchen, gibt gleich was auf die Finger." Wenn ich den Text so lese, habe ich das Gefühl, man redet mit mir wie mit einem Kind. Für welche Zielgruppe die Story gedacht ist, hab ich gesehen

Sie dachte an ihre Flucht, naja, Fluchtwar vielleicht etwas übertrieben, sie hatte sich aus dem Flurfenster aufs Flachdach des Anbaus heruntergelassen und war von dort auf den Zaun gestiegen, von dem man bequem in den Garten klettern konnte. Das Fenster hatte sie von außen sorgfältig wieder zugedrückt, und sie hatte auch nicht vergessen, die Zeitschaltuhr aus dem Wohnzimmerschrank (die nur zu Weihnachten für die Gartenbeleuchtung verwendet wurde) an die Lampe in ihrem Kinderzimmer anzuschließen und auf neun Uhr zu stellen. Opa hatte in seinem Alter eben <- könnte raus keine Lust mehr, immer nach oben zu gehen und nach ihr zu sehen, wenn es nicht unbedingt sein musste, und so begnügte er sich damit, aus seinem Küchenfenster nach oben zu sehen, ob sie wirklich um neun Uhr ins Bett ging und das Licht ausschaltete. Das mit dem Bett konnte er von dort nicht sehen, daher reichte das verlöschende Licht völlig aus. <- der ganze Absatz ist mir zu erklärend. Soll wohl auch so sein, reißt mich aber aus dem Geschehen.

So hatte Lina leichtes Spiel, wenn ihre Eltern am Wochenende nicht da waren und Opa auf sie aufpassen sollte; sie war schon einige Male weitaus länger weg gewesen, als ihre Eltern ihr erlaubt hatten. Sie hoffte nur, Opa würde nicht ausgerechnet heute mal <- könnte auch raus, unnötiges Füllwort eine Ausnahme machen und wirklich nachsehen, ob sie in ihrem Bett lag, aber die Chancen standen gut.

Herr Martens dagegen war ein weitaus größeres Problem. Herr Martens war ihr Nachbar, ein älterer kleiner Herr mit wenigen, grauen Haaren, der auf den ersten Blick eigentlich ganz freundlich wirkte. Bis man ihm in die Augen sah. Seine kalten, grauen Augen hatten einen so strengen, beängstigenden Blick, dass man, wenn man ihm in die Augen sah, einen Moment lang das Gefühl hatte, man würde gleich zu Stein erstarren. Wie bei Medusa, dem Ungeheuer aus den griechischen Sagen, dessen Anblick selbst den tapfersten Krieger zu Stein erstarren ließ. Aber diese Augen waren nicht alles, Herr Martens war so eine Art Teufel, aber das dürfe sie niemals laut sagen, hatte sie ihrer Mutter versprechen müssen. <- zu viele Adjektive zerstören das Gesamtbild und nehmen dem Leser die Möglichkeit zur eigenen Vorstellung.

Als sie acht Jahre alt war, hatte sie ein bisschen davon mitbekommen, auch wenn er ihr nie wirklich etwas getan hatte. Sie war an diesem Tag, einem kalten Wintertag  etwa drei Wochen vor Weihnachten,<- wichtig? über den Zaun aufs Nachbargrundstück geklettert und war durch die Gartentür ins Wohnzimmer von Herrn Martens geschlichen, um sich dort umzusehen. Es war ein interessanter Raum mit einer hohen Decke aus dunklem Holz, an jeder Wand standen alte Bücherregale, mindestens doppelt so groß wie sie selbst, und bis unter die Decke vollgestellt mit alten Büchern in schweren Ledereinbänden. Sie hatte eines der Bücher herausgezogen und darin geblättert, die Seiten waren aus dickem, faltigen, gelben Papier und die Schrift konnte sie kaum entziffern, was aber nichts machte, denn es war eh in einer Sprache geschrieben, die sie nicht kannte. Die Anfangsbuchstaben von jedem ersten Absatz einer Seite waren kunstvoll mit handgemalten Bildern verziert, die Mönche bei verschiedenen Tätigkeiten zeigte, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Singen oder auch beim Kampf gegen Drachen und andere Monster.

Sie hatte so fasziniert diese Bilder angesehen, dass sie Herrn Martens gar nicht kommen hörte, bis er plötzlich hinter ihr stand. »Was tust du in meinem Haus!?«, hatte er sie mit donnernder Stimme angeschrien, sie wollte weglaufen, doch er hatte sie an der Kapuze ihrer Jacke gepackt und hielt sie fest. »Was tust du hier?«, wiederholte er seine Frage. Eine Zeitlang hatte sie gar nichts herausbekommen und sie merkte, wie Tränen sich in ihren Augen sammelten und langsam begannen, ihre Wangen herunterzulaufen. Sie hatte schreckliche Angst.

Als Herr Martens ein drittes Mal Luft holte und seinen Mund öffnete, um sie erneut anzuschreien, nahm sie allen Mut zusammen und kam ihm mit einer Antwort zuvor, der ersten, die ihr in ihrer Panik einfiel: »Ich war nur neugierig... entschuldigen Sie... « Dann hatte sie diesen Blick der Medusa gesehen, und Herr Martens hatte sie ruhiger, ja fast freundlich gefragt: »Weißt du, was neugierigen Kindern alles passieren kann?« Sie hatte ihn ängstlich angesehen und am ganzen Körper gezittert, bis ihr Nachbar sich selber antwortete: »Nun, manchmal kriegen sie einfach nur keine Weihnachtsgeschenke, weil ihre Eltern sich sowas gerade nicht leisten können. Aber manchmal, besonders dann, wenn sie immer noch neugierig sind, passiert ihren Eltern auch etwas richtig Schlimmes.« Wieder dieser stechende Blick, und die tiefe, aber freundliche Stimme: »Möchtest du, dass deinen Eltern etwas passiert?« Sie hatte kein Wort herausbekommen und nur gestammelt, bis Herr Martens seine Frage wiederholte, jetzt wesentlich lauter, und sein Blick war noch stechender geworden. »Möchtest du das?«

»N... n... nein«, hatte sie schließlich hervorgebracht, die Stimme halb von Tränen erstickt, und Herr Martens hatte sie losgelassen. Sie war dann gerannt, <- unschön. Kannst du sicher besser. so schnell wie noch nie in ihrem Leben, und genauso schnell war sie über den Gartenzaun zurück aufs eigene Grundstück geklettert. Dass ihre Finger davon voller Splitter waren und sie an zwei Stellen sogar blutende Kratzer davongetragen hatte, merkte sie erst eine ganze Weile später. Und schlimmer noch, der Schreck, die Tränen, die Splitter, die Kratzer sollten noch nicht alles gewesen sein: Am nächsten Abend kam ihr Vater sehr <- unnötig traurig und niedergeschlagen nach Hause, es wirkte beinahe so, als ob auch er am liebsten geweint hätte. <- insgesamt zu distanziert für meinen Geschmack. Nimmt mich nicht mit, gibt mir nichts.

Er hatte seine Arbeit verloren, wie er erzählte, kurz nach fünf war der Chef zu ihm gekommen und hatte gesagt, dass er ab morgen leider keine Arbeit mehr für ihn habe und er sich etwas anderes suchen müsse, selbst wenn es kurz vor Weihnachten war. »Das kann nicht legal sein«, hatte Linas Mutter entsetzt gesagt, »du hast doch nichts verbrochen, oder?« »Martens!«, hatte er geantwortet, und ihre Mutter schien zu verstehen, was Lina auch schon befürchtet hatte. Irgendwie war es diesem Teufel gelungen, seine Drohung wahr zu machen.

Tatsächlich hatte sie dann nicht die gewünschten neuen Schlittschuhe bekommen und konnte diesen Winter nicht mit ihren Freunden auf dem See Hockey spielen, was ihr jeden Tag erneut als eine viel zu grausame Strafe für das nur kurze Umsehen im Haus des Nachbarn erschien. Damit die Enttäuschung nicht zu groß würde, hatte ihr Vater sie schon zwei Tage vor Weihnachten darauf vorbereitet, dass es mit den neuen Schlittschuhen nichts werden würde, auch wenn sie aus denen vom Vorjahr herausgewachsen war. »Es tut mir so leid«, hatte er gesagt, »wir haben eben einfach kein Geld dafür, bis ich eine neue Arbeit habe, und so kurz vor Weihnachten stellt mich keiner mehr ein.«

Lina hatte beschlossen, tapfer zu sein, sie hatte ihm alles gestanden, dass sie bei Martens im Haus gewesen war, dass er sie erwischt hatte, dass alles wohl ihre eigene Schuld sei. Auch von der Drohung hatte sie ihm erzählt. »Nimm dich vor Herrn Martens in Acht«, hatte er nur gesagt, »dieser Mann ist böse. Er hat mir zwar mal das Leben gerettet, aber jetzt meint er, es gehöre ihm, und er hat mir mehrfach gesagt, er könne es mir auch wieder wegnehmen. Und ich glaube ihm das.« »Wieso kann er machen, dass du deine Arbeit verlierst?«, hatte Lina gefragt. »Martens kennt eine Menge Leute«, hatte ihr Vater geantwortet, »und eine Menge Leute schulden ihm etwas, das macht ihn so gefährlich, gefährlicher als alle Monster, von denen du je geträumt hast.«

Fortan war Herr Martens das Monster geworden, von dem sie träumte, sie hatte diese Geschichte nie vergessen und war ihm immer aus dem Weg gegangen, und sie hatte sich immer an alles gehalten, wenn er ihr etwas verboten hatte.


Immer, bis auf heute.   



Mir sind zu viele Wortwiederholungen drin. Würde mir etwas mehr Kreativität wünschen. Inhalt und Ausdruck haben mich nicht überzeugt, eher gelangweilt. Geschmackssache.
Durch diese eingeschobene Erklärung wer Martens ist und wieso und weshalb sie ihn fürchten muss, hab ich den Anfang aus den Augen verloren und irgendwie auch das Interesse an dem, was noch folgen wird.
Zu viele Adjektive, zuviel Distanz für mich.
Ich spürte weder ihre Furcht, als sie bei Martens einsteigt noch Betroffenheit, als ihr Vater die Arbeit verliert. Wird eben einfach nacherzählt.

Ist nicht meins. Vielleicht ist trotzdem etwas Hilfreiches bei meinen Anmerkungen dabei.


LG,
Seraiya


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Taranisa
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BeitragVerfasst am: 12.01.2016 18:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V.K.B.,

vielleicht könntest du früher einsteigen, denn die ganzen Gedanken beim Fahrradfahren finde ich zu viel. Evtl. schaut sie aus dem Fenster, ehe sie abhaut, und vergewissert sich, dass der Nachbar sie nicht sieht.
Lass dir mehr Zeit, um den Charakter des Nachbarn zu zeigen, ggf. in einem Dialog mit ihren Eltern oder ihrem Großvater. Oder besser: bei einer Begegnung mit ihm in einer separaten Szene.
Versuche die Geschichte aktiver zu gestalten.

Du hast, wenn ich mir deinen Klappentext ansehe, eine gute Idee mit einem mysteriösen Großvater. Schau einfach, wie du deine Idee interessanter / spannender umsetzen kannst. Weniger (nach-)erzählen, mehr zeigen, mehr Aktion.

LG

Taranisa
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 13.01.2016 02:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ja, stimmt, vieles liest sich wie eine distanzierte Nacherzählung von vorher Geschehenem. War eigentlich auch so gemeint und sollte eine relativ kurze Beschreibung der Ausgangssituation sein, bevor die eigentliche Geschichte beginnt, daher auch Prolog. Da jeder Band das vorher Geschehene im Prolog noch einmal knapp zusammenfassen soll, wollte ich diesem Schema auch beim ersten Teil treu bleiben, selbst wenn es keinen vorausgegangenen Band gibt. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, vielleicht nicht unbedingt der beste Einstieg...

Ab Kapitel 1 ist die Geschichte dann wesentlich aktiver und mit vielen Dialogen, in denen die Charaktere richtig zu Wort kommen

@Seraiya: Danke für deine Kommentare! Ich sehe, was du meinst. Du hast alle "hatte" und "war" als Wiederholungen markiert. Was natürlich auch stimmt, aber wie sonst soll man denn Plusquamperfekt (Vorvergangenheit habe ich gewählt, weil es vor der eigentlichen Geschichte stattfindet) ohne diese beiden Hilfsverben ausdrücken? Naja, vielleicht ist es auch keine gute Idee, das Einstiegskapitel im Plusquamperfekt zu schreiben, auch wenn es ein recht kurzes Kapitel ist. Ich denke gerade darüber nach, ob ich es komplett neu schreiben sollte, als richtiges Kapitel, das in Linas früherer Kindheit spielt, und nicht als Zusammenfassung eines solchen.

PS an alle: Ich habe mich gerade mal ohne meinen Account eingeloggt und bemerkt, dass ich die angehängte PDF dann gar nicht sehen kann. Ist das bei euch auch so? Fall ja, hier zur Sicherheit nochmal die URL:
http://www.dsfo.de/fo/download.php?id=2684
Kann man die jetzt ziehen, oder muss ich einen externen Server nehmen?


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BeitragVerfasst am: 13.01.2016 03:28    Titel: Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:

@Seraiya: Du hast alle "hatte" und "war" als Wiederholungen markiert. Was natürlich auch stimmt, aber wie sonst soll man denn Plusquamperfekt (Vorvergangenheit habe ich gewählt, weil es vor der eigentlichen Geschichte stattfindet) ohne diese beiden Hilfsverben ausdrücken? Naja, vielleicht ist es auch keine gute Idee, das Einstiegskapitel im Plusquamperfekt zu schreiben, auch wenn es ein recht kurzes Kapitel ist. Ich denke gerade darüber nach, ob ich es komplett neu schreiben sollte, als richtiges Kapitel, das in Linas früherer Kindheit spielt, und nicht als Zusammenfassung eines solchen.


Du könntest die Sätze verändern, wenn du das möchtest. Das "hatte" und "war" die richtige Form ist/wäre heißt nicht, dass es sich so auch angenehm lesen lässt. (Nur meine subjektive Meinung)
Und wenn es ohnehin deutlich ist, dass es sich um eine Nacherzählung handelt, könnte man mMn auch einfache Vergangenheit nehmen:

Zitat:
Lina hatte beschlossen, tapfer zu sein, sie hatte ihm alles gestanden, dass sie bei Martens im Haus gewesen war, dass er sie erwischt hatte, dass alles wohl ihre eigene Schuld sei.  

Lina beschloss tapfer zu sein und gestand ihm alles - dass Martens sie in seinem Haus erwischt hatte und alle ihre Schuld sei.
So zum Beispiel. Aber das ist deine Geschichte, musst du wissen.

Ich persönlich bin kein Fan von Prologen.

Mich distanziert deine Art zu erzählen hier leider sehr. Auch wenn es sich um eine Nacherzählung handelt, möchte ich mitfiebern. Vor allem wenn ich bedenke, dass eben diese Ereignisse sich langfristig auf Linas Handeln und ihr Leben auswirken. Ihre Furcht vor Martens zu verstehen und nachempfinden zu können, halte ich für unerlässlich in dieser Situation.

LG,
Seraiya


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BeitragVerfasst am: 13.01.2016 03:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Okay, vielleicht schreib ich am Wochenende mal eine ganz neue Version, wenn ich dazu komme.  Was nützt die tollste Geschichte, wenn der Einstieg nicht interessant genug ist und man deshalb gar nicht weiterliest?

Auch der Tonfall gefällt mir gar nicht mehr so gut, was daran liegen mag, dass ich wohl ganz am Anfang ein Kinderbuch schreiben wollte, das dann eher ein "Jugendbuch für Erwachsene" geworden ist. Dieser Prolog war das erste, was ich dazu geschrieben habe und ist relativ unverändert erhalten geblieben. Wenn ich jetzt über "sie hatte den Eindruck, gerade etwas ganz ganz Schlimmes zu tun" nachdenke, passt das nicht mehr wirklich, zumal Band drei stark ins Horrorgenre geht und ganz bestimmt kein Kinderbuch mehr ist.


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BeitragVerfasst am: 13.01.2016 04:00    Titel: Antworten mit Zitat

Du bist derjenige, der zufrieden sein muss.

Wenn du hier einen Prolog möchtest, würde ich dir gerne einen Vorschlag machen, über den du vlt. mal nachdenken kannst - dass du dich auf das Wesentliche beschränkst und keine Nacherzählung schreibst.

Vielleicht einfach schreiben, wie Lina bei Martens einsteigt, als würde sie es in diesem Moment tun (ich meine nicht im Präsens) und dich noch an die Folgen halten - dass ihr Vater die Arbeit verliert und was das für sie bedeutet. Wenn du anschließend das erste Kapitel beginnst und im Schluss des Prologs dieses:
und sie hatte sich immer an alles gehalten, wenn er ihr etwas verboten hatte. Immer, bis auf heute.
stehen hast, wäre mein Interesse geweckt und ich würde wissen wollen, was genau sie jetzt vorhat.

Wie immer nur meine subjektive Meinung.


LG


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BeitragVerfasst am: 13.01.2016 05:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gut, ich denke auch, ein anderer Anfang muss her, aber ich hadere noch mit dem wie. Ich habe drei Ideen:

1. Mit einer Schlüsselszene aus einem späteren Kapitel beginnen (nur kurz angerissen) in der Lina gerade eine Entscheidung getroffen hat, die sie nicht mehr rückgängig machen kann, und sich daran erinnert, in dieser Nacht schon zweimal fast gestorben zu sein (ohne Details) und sich dann überlegt, wie sie überhaupt in all das hineingeraten konnte. Rückblende zum Einstieg bei Martens und den Konsequenzen (normale Erzählung, keine Nacherzählung), dann Sprung zu ihrer "Flucht", bis man bei circa Seite 100 (von 360) wieder bei dieser Szene angekommen ist. Erscheint mir aber auch als etwas billiger Trick, um Spannung zu erhaschen, doch ich habe sowas oft schon in Filmen und Serien gesehen (kurz bei einem Höhepunkt beginnen, dann "3 Tage vorher" Einblendung). Könnte das auch in einem Roman funktionieren? (natürlich nicht so plump mit "3 Tage vorher")

2. Beginnen, wie Lina die Küche betritt und ihren Vater völlig niedergeschlagen sieht, er ihr erzählt, dass er seine Arbeit verloren hat und sie panisch wird und zugibt, dass es wohl ihre Schuld ist. Rückblende zum Einstieg bei Martens am Vortag (keine Nacherzählung), wieder Sprung zurück zur Küche und der Warnung ihres Vaters vor Martens, dann der Ausblick mit "immer bis auf heute". Ist im Moment mein Favorit.

3. Streng chronologisch, Einstieg bei Martens, Konsequenzen, Ausblick auf Gegenwart.

Ich sollte vielleicht noch dazu sagen, dass der Rest des Romans nicht wirklich chronologisch ist, es gibt oft Rückblenden mit Perspektivwechsel zu anderen Charakteren und handlungsbedingte Zeitsprünge durch einen seltsamen Ort, den man manchmal wieder verlässt, bevor man ihn eigentlich betreten hat (was zu unkontrollierbaren kurzen Zeitreisen von wenigen Minuten in die Vergangenheit führen kann)

Was denkt ihr, welchen Einstieg nehme ich am besten? Oder doch irgendwie an der Nacherzählung im Prolog festhalten?


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Zense
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BeitragVerfasst am: 13.01.2016 08:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V.K.B.

Mir sind die Sätze zu lang, gleichmäßig und enthalten zu viele Informationen. Es macht mich müde beim Lesen (wie bei einer Kirchenpredigt) und es verhindert das Kopfkino.

Und ich würde versuchen die Vorvergangenheit zu umgehen. (Als sie acht Jahre alt war..). Diesen Abschnitt könnte man z. b. in der Vergangenheitsform ganz an den Anfang setzen und in Schrägschrift schreiben.

Aus dem Satz:

Sie war an diesem Tag, einem kalten Wintertag etwa drei Wochen vor Weihnachten, über den Zaun aufs Nachbargrundstück geklettert und war durch die Gartentür ins Wohnzimmer von Herrn Martens geschlichen, um sich dort umzusehen

würde dann z.b.

Kurz vor Weihnachten kletterte Lina über den Zaun und schlich sich(, durch die Gartentür,) in Herrn Martens Wohnung.

(Weihnachten denkt man an Schnee und Kälte und der Leser fragt sich gleich was sie in Martens Wohnung will...)


L.G.

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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 02:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So, ich hab mal angefangen, den Prolog komplett neu zu schreiben. Hier der erste Teil:


Lina hatte von Anfang an kein gutes Gefühl dabei, als sie das Wohnzimmer durch die Verandatür betrat. Doch zu verlockend war diese Gelegenheit gewesen, zu groß ihre Neugier. ›Nur schnell einmal umsehen‹, nahm sie sich vor, ›ein kurzer Blick in die Runde, und ich bin wieder weg, er wird gar nichts merken!‹
Sie wagte trotzdem kaum zu atmen. Vorsichtig ließ sie ihren Blick durch den riesigen Raum schweifen. Hohe Regale, dunkles Holz, nahezu überall, nicht nur an den Wänden. Das Zimmer glich eher einer Bibliothek oder einem Antiquariat. Sie lauschte aufmerksam. Nichts. ›Gut, der Alte ist nirgendwo zu sehen oder zu hören! Ein paar Sekunden habe ich...‹
Auf Zehenspitzen schlich sie in den Raum. Das leise Knirschen der Holzdielen unter ihren Füßen erschien ihr trotzdem viel zu laut. Sie überlegte schon, ob sie umkehren sollte. Vermutlich wäre das die vernünftigste Entscheidung gewesen, doch diese Bücher im Regal gegenüber sahen einfach zu interessant aus. Dicke Ledereinbände, wahrscheinlich über hundert Jahre alt. Und es waren nur wenige Meter bis zu den Borten.
›Das müssen Magiebücher sein oder sowas‹, überlegte sie aufgeregt. Ihr Schritt verschnellerte sich, schon stand sie vor dem Schrank und zog mit zitterigen Händen einen dieser Wälzer hervor. Das Buch war schwer, sie konnte es kaum halten. Zum Glück hatte der Schrank eine Ablage. Staub umwirbelte sie, als sie das Buch dort ablegte und aufschlug, der Geruch von vergilbtem alten Papier drang in ihre Nase. Eine große Hausspinne fiel von der Borte über ihr auf die aufgeschlagene Buchseite und huschte davon, dicht an ihrer Hand vorbei, bevor sie in einer Ritze verschwand. Lina atmete tief durch. ›Gut, dass mein Vater nicht hier ist‹, schoss ihr durch den Kopf, ›der hätte jetzt das ganze Haus zusammengebrüllt!‹
Trotzdem ungewöhnlich, überlegte sie, eine Spinne im Dezember? Sie hatte schon seit Oktober keine mehr gesehen, soweit sie sich erinnerte. Sollten die nicht in der Winterstarre sein? Irgend sowas hatte Frau Fuchs doch im Sachunterricht erwähnt. ›Egal jetzt‹, beschloss sie, und widmete dem Buch ihre ganze Aufmerksamkeit.
Im ersten Moment war sie ein bisschen enttäuscht, nichts davon lesen zu können. Die Buchstaben sahen zwar ähnlich aus wie jene, mit denen sie sich seit zwei Jahren in der Grundschule beschäftigte, dennoch konnte sie kaum etwas entziffern. Interessant war besonders der erste Buchstabe auf der Seite, es musste ein ›G‹ sein, oder vielleicht auch ein ›Z‹. Er war etwa fünfmal so groß wie die restlichen und wirkte handgemalt. Ein Engel mit einem Speer schien sich hinter einem der Aufstriche zu verstecken und auf eine günstige Gelegenheit zu warten, den mit einer Art Forke bewaffneten Teufel, der oben auf dem Buchstaben lauerte, mit einem gut gezielten Stich niederstrecken zu können.
Sie blätterte weiter. Alle Seiten schienen mit solchen verzierten Buchstaben zu beginnen, die darumgelegten Bilder zeigten Mönche bei verschiedenen Tätigkeiten, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Singen oder auch beim Kampf gegen Drachen und andere Monster. So sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte die Worte kaum entziffern. ›Regnum inferni est...‹, buchstabierte sie sich mühsam zusammen, waren das überhaupt deutsche Wörter?

Sie kam nicht mehr dazu, weiter darüber nachzudenken, denn die laute Stimme hinter ihr riss sie aus ihrer Konzentration. »Was tust du in meinem Haus?« Eine kräftige Hand packte sie an der Kapuze ihrer Jacke und riss sie von dem Buch weg, noch bevor sie sich erschrocken umdrehen konnte. Sie wollte sofort wegrennen, doch die Hand hielt sie fest und schleuderte sie unsanft gegen das Regal. Dann starrte Herr Martens ihr in die Augen. Sie hatte noch nie in solche Augen gesehen, so voller Zorn und gleichzeitig eine solche Kälte ausstrahlend, dass sie das Gefühl hatte, sie würde gleich zu Eis erstarren. Oder zu Stein. Sie dachte an Medusa, dieses Ungeheuer aus den griechischen Sagen, von dem ihre Mutter mal erzählt hatte.
»Was suchst du in meinem Haus?«, wiederholte er seine Frage, und seine Stimme war noch lauter und tiefer geworden. Nichts erinnerte mehr an den kleinen älteren Nachbarn, der sonst eigentlich immer ganz freundlich auf sie gewirkt hatte. Sie hatte das Gefühl, einem dieser Teufel aus den Buchzeichnungen gegenüberzustehen. Martens schüttelte sie und holte gerade Luft, um sie ein weiteres Mal anzubrüllen. Sie nahm allen Mut zusammen und tatsächlich gelang es ihr, ihm mit einer Antwort zuvorzukommen. »Ich...ich war nur neugierig...«, stammelte sie, »bitte entschuldigen Sie!«
»Neugierig? Soso...« Seine Stimme wurde ruhiger, und auch der Zorn schien aus seinen Augen zu verschwinden. Jetzt lag nur noch diese Kälte darin, was seinen Blick allerdings noch bedrohlicher machte. »Weißt du eigentlich, was neugierigen Kindern alles passieren kann?«
Linas Atmung war viel zu schnell geworden, als dass sie in der Lage gewesen wäre, überhaupt irgendwas zu antworten. Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie wollte weg von hier, nur noch weg. Vielleicht hätte sie sich losreißen können, doch sie war viel zu sehr von dieser Angst erfüllt, sie wagte es nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Es war eine Angst, die sie noch niemals zuvor gespürt hatte.
Martens ließ sie auch gar nicht zu Wort kommen, sondern beantwortete seine Frage selbst, sein Tonfall ruhig, beinahe freundlich. Seine Augen allerdings drückten etwas ganz anderes aus. »Manchmal kriegen neugierige Kinder einfach nur keine Weihnachtsgeschenke, weil ihre Eltern sich sowas gerade nicht leisten können...«, erklärte er, »aber manchmal, besonders dann, wenn sie immer noch neugierig sind, passiert ihren Eltern auch etwas richtig Schlimmes...«
Er holte kurz Luft, seine Stimme wurde wieder lauter. »Möchtest du, dass deinen Eltern was passiert?«, fuhr er Lina an, die entsetzt zusammenzuckte. Ihre Knie gaben nach und sie begann zu stürzen, doch Martens griff sie an den Schultern ihrer Jacke und riss sie wieder hoch.
»Antworte mir!«, brüllte er. »Möchtest du das?« Sein noch eisiger gewordener Blick offenbarte, dass dies keine leere Drohung war. Lina hatte keinen Zweifel, er meinte das ernst.
»Nein!«, stammelte sie, »Nein, bitte! Bitte tun Sie meinen Eltern nichts!«

Dann ließ er sie los, völlig überraschend, Lina fiel, kroch so schnell sie konnte einige Meter rückwärts, rappelte sich wieder auf und rannte. Ohne einen Blick zurückzuwerfen stürzte sie durch das Zimmer, zurück zur angelehnten Tür und hinaus in den Garten. Ohne über mögliche Verletzungen nachzudenken griffen ihren Hände nach den rauen, splitterigen Brettern seines Gartenzauns, der sein Grundstück von dem ihren Eltern trennte. Lina zog sich an den Brettern hoch, ihre Füße folgten, Splitter bohrten sich in ihre Finger. Sie bemerkte es gar nicht mehr, sie hatte nur noch einen Gedanken. ›Weg hier, bloß weg hier!‹
Oben angekommen ließ sie sich einfach auf die andere Seite fallen, stürzte etwa eineinhalb Meter in die Tiefe und landete auf ihrer rechten Schulter, die sofort zu schmerzen begann. Sie bemerkte es nur noch am Rand ihrer Wahrnehmung und hastete weiter, nur weg von dem Grundstück dieses Teufels und zurück in die Sicherheit ihres Elternhauses.

Eine trügerische Sicherheit, wie sie bald darauf feststellen musste...


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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V.K.B.,

Du erzählst eher auktorial als personal - so liest sich das für mich. Ist das Absicht?
Davon abgesehen herrscht für mich persönlich durch die Art und Weise, wie erzählt wird, noch immer eine große Distanz. Das fängt mit dem ersten Satz an:
Zitat:
Lina hatte von Anfang an kein gutes Gefühl dabei, als sie das Wohnzimmer durch die Verandatür betrat.

Du, der Autor, sagt mir, was in Lina vorgeht. Ich würde das Ganze aber gerne mit Linas Augen sehen, mit ihr erleben. Ist dir der Unterschied bewusst?
Ich habe noch nie eine komplett auktoriale Geschichte gelesen. Mit diesem Beispiel hier werde ich nicht warm, was schade ist, weil die Idee durchaus etwas hat und sicher noch interessanter wird.

Ich finde, dass du auch Dinge vorweg nimmst und so die Spannung tötest.
Zitat:
Auf Zehenspitzen schlich sie in den Raum. Das leise Knirschen der Holzdielen unter ihren Füßen erschien ihr trotzdem viel zu laut. Sie überlegte schon, ob sie umkehren sollte.   

Für mich ein gutes Beispiel. Du fasst hier mMn irgendwie zusammen.
Es wäre spannender, wenn sie beim Reingehen in den Raum späht, um sicher zu gehen, den ersten Fuß auf die Holzdielen setzt, die Dielen dann knarren und sie erschrocken oder unsicher oder was weiß ich innehält und mit dem Gedanken spielt umzukehren.

Zitat:
Linas Atmung war viel zu schnell geworden, als dass sie in der Lage gewesen wäre, überhaupt irgendwas zu antworten. Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie wollte weg von hier, nur noch weg. Vielleicht hätte sie sich losreißen können, doch sie war viel zu sehr von dieser Angst erfüllt, sie wagte es nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.    

Ich möchte mich in die Figur hineinversetzen. Unglücklicherweise nimmst du mir durch diese Erzählweise die Möglichkeit dazu.
Wenn Lina schnell atmet, wüsste ich gerne, wie sich das für sie anfühlt, wie die Tränen sie kurz verschwommen sehen lassen, wie sie starr vor Martens steht und sich nicht bewegen/losreißen kann. Wie sie von ihrer Angst gelähmt wird. Das muss man nicht extrem ausschmücken, um es lebendig und glaubhaft zu machen. So erinnert es mich an einen Bericht aus Linas Leben.

Diese Distanz zieht sich durch den ganzen Text, so dass ich ihn dieses Mal nicht zu Ende gelesen habe.

(Wie immer subjektiv. Bin nur eine Leserin von vielen.)


LG,
Seraiya


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Legende
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 14:56    Titel: Antworten mit Zitat

Dein Satz: "Die Bücher sahen so ähnlich aus, wie die mit denen sie sich in der Grundschule beschäftigte", hat mich etwas irritiert. Ich bin schon lange nicht mehr im Schulsystem, aber die Grundschule erinnerte mich an Erstklässler, an kleine Kinder. Deshalb war ich etwas irritiert von deinem Schreibstil, der ist doch eindeutig für größere, für Jugendliche, oder sogar Erwachsene? Wieso ist die Protagonistin dann so klein? Aber dann habe ich in deinem Klappentext, in deinem ersten Beitrag, gelesen, das das Mädchen 14 Jahre alt ist. Dafür ist dein Stil natürlich geeignet. Dieser hat mir übrigens wirklich gefallen. Du hast da einen guten Text in der Überarbeitung geschrieben. Das kann eine sehr schöne Geschichte werden, wenn du so weiter schreibst. Aber vielleicht solltest du dich noch ein bischen mehr auf die Sprache und Empfindungen der Jugendlichen einstellen. Dadurch könnte es noch besser werden.
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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 15:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Seraiya,

danke für die schnelle Antwort.Ich muss an dieser Stelle eins "zugeben": Ja, meine Erzählperspektive IST auktorial und das ist auch gewollt so. Ich bin aber nicht der Meinung, dass das per se etwas Schlechtes sein muss. In einigen Szenen versuche ich, näher an die Figuren heranzukommen, indem ich direkt ihre ungeordneten Gedanken schildere (ohne Satzzeichen und Großschreibung) oder mich als Erzähler zurücknehme und die Charaktere lange unkommentierte Dialoge führen lasse. Aber ich kommentiere immer wieder das Geschehen von außen und füge so zusätzliche Informationen ein oder mache Andeutungen auf den weiteren Verlauf der Geschichte und fasse lange Zurückliegendes noch einmal zusammen, wenn es wichtig wird. Das ist sozusagen mein "Rahmen", der die Erzählung umgibt.

Ich habe diese Erzählperspektive aus folgenden Gründen gewählt:
- der Roman ist lang (bisher 5 Bände) und es passiert sehr viel, an verschiedenen Orten der Welt und sogar anderswo. Viele dieser Handlungsebenen treffen erst später zusammen und ergeben erst am Ende ein Gesamtbild, doch ihre Zusammenhänge bleiben lange im Dunkeln, was gewollt ist. Der Leser soll sich seine eigenen Theorien machen können, wie alles zusammenhängen könnte. Ohne diesen Rahmen würde die Überschaubarkeit verlorengehen, der Leser würde sich Notizen machen müssen, um überhaupt noch folgen zu können, weil er nicht wissen könnte, welches Detail oder welche etwas unklare Szene einige hundert Buchseiten später noch einmal wichtig wird. Aus rein personaler Erzählperspektive würde das Ganze meiner Meinung nach zu anstrengend zu lesen werden.
- aus eben genannten Gründen kamen sowieso nur auktoriale oder ich-Perspektive in Frage, die ich-Perspektive würde die Handlung aber auf eine Sichtweise beschränken. Oder man müsste die ich-Erzähler kapitelweise wechseln (wie es Stephen King zum Beispiel in "From a Buick 8" tut) was ich aber anstrengend zu lesen finde, da niemand alles auf einmal lesen wird und man bei Unterbrechungen schnell aus den Augen verliert, wer eigentlich gerade dran ist (ging mir jedenfalls als Leser bei dem erwähnten Beispiel so). Somit kam für mich also nur die auktoriale Erzählweise in Frage.
- Das Buch soll auch philosophische und ethische Fragen behandeln und den Leser anregen, sich eigene Gedanken darüber zu machen. So schildere ich manchmal diverse Handlungsoptionen der Charaktere und mögliche Konsequenzen, und ihren Entscheidungsprozess

In einer Sache gebe ich dir aber Recht, ich könnte darauf achten, einige Passagen spannender zu gestalten (deine Beispiele) und weniger vorwegzunehmen, wenn es nicht nötig ist und nicht wesentlich länger als die aktoriale Erzählweise werden muss. Ich werde den Text nochmal daraufhin überarbeiten. Ich denke, bei mir steht irgendwie die Geschichte als Ganzes manchmal zu sehr im Vordergrund, dass ich das "wie" manchmal aus den Augen verliere. Darauf sollte ich achten. Danke, wieder was gelernt!


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V.K.B.
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 16:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Legende hat Folgendes geschrieben:
Dein Satz: "Die Bücher sahen so ähnlich aus, wie die mit denen sie sich in der Grundschule beschäftigte", hat mich etwas irritiert.


Kein Wunder, es heißt ja auch "Buchstaben", nicht "Bücher" Laughing SCNR

Legende hat Folgendes geschrieben:
Ich bin schon lange nicht mehr im Schulsystem, aber die Grundschule erinnerte mich an Erstklässler, an kleine Kinder. Deshalb war ich etwas irritiert von deinem Schreibstil, der ist doch eindeutig für größere, für Jugendliche, oder sogar Erwachsene? Wieso ist die Protagonistin dann so klein?


Es ist der Prolog, der vor der eigentlichen Handlung spielt und ein Kindheitserlebnis schildert. Lina ist später 14 Jahre alt (Band 1 bis 3), dann zwischen 17 bis 19 (restliche Bände). Von der Zielgruppe richte ich mich klar an ältere Jugendliche und Erwachsene.

Legende hat Folgendes geschrieben:
Aber dann habe ich in deinem Klappentext, in deinem ersten Beitrag, gelesen, das das Mädchen 14 Jahre alt ist. Dafür ist dein Stil natürlich geeignet. Dieser hat mir übrigens wirklich gefallen. Du hast da einen guten Text in der Überarbeitung geschrieben.


Freut mich, dass es dir gefallen hat!


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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 17:57    Titel: Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Hallo Seraiya,

danke für die schnelle Antwort.Ich muss an dieser Stelle eins "zugeben": Ja, meine Erzählperspektive IST auktorial und das ist auch gewollt so. Ich bin aber nicht der Meinung, dass das per se etwas Schlechtes sein muss.

Ist es nicht. smile
Ich erzähle in meinem momentanen Fantasy-Projekt ebenfalls auktorial, springe aber immer wieder in die Perspektive der Protagonisten, was für mich persönlich einfach angenehmer und näher am Geschehen ist.
(Zumindest versuche ich diese Wechsel sauber hinzukriegen)

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Ich habe diese Erzählperspektive aus folgenden Gründen gewählt:
- der Roman ist lang (bisher 5 Bände) und es passiert sehr viel, an verschiedenen Orten der Welt und sogar anderswo.  

Interessant. smile
Mein Roman hat im Moment drei Bände und dieselben Voraussetzungen. Verschiedene Szenen in versch. Teilen der Welt. Ehrlich gesagt finde ich, dass es das sogar noch einfacher macht, weil ich je nach Location aus der Sicht des dort vorhandenen Protas erzählen kann. Aber wie gesagt, ich wechsle und habe nicht nur einen Hauptprotagonisten.

Du weißt am Besten, wie du diese Geschichte erzählen willst und kannst.
Ich hatte nicht vor dir reinzureden, sondern sage dir lediglich, welche Wirkung der Text auf mich hat.

Zitat:
  - Das Buch soll auch philosophische und ethische Fragen behandeln und den Leser anregen, sich eigene Gedanken darüber zu machen.  

Finde ich gut, schreibe ich auch gerne. MMn sollte sich so etwas aus der Handlung ergeben und den Leser so zum Nachdenken anregen.

Zitat:
  Ich denke, bei mir steht irgendwie die Geschichte als Ganzes manchmal zu sehr im Vordergrund, dass ich das "wie" manchmal aus den Augen verliere  

Das kenne ich.
Ich führe mir dann vor Augen, dass der Leser die gesamte Geschichte nicht kennt und sich an dem orientiert, was ich ihm Stück für Stück vorsetze. Und daraus möchte ich dann das Beste machen, damit der Leser mitfühlt und sich immer mehr interessiert und tiefer hineingezogen wird.
Mir hat mal jemand gesagt:
"Wenn du schreibst, dass der Teich ein Teich ist, bleib es ein Teich."
Ich versuche also mehr aus dem Teich zu machen, ihm Leben einzuhauchen.  

Nimm dir von meinen Kommentaren, was du gebrauchen kannst und den Rest vergiss einfach. smile


LG,
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BeitragVerfasst am: 15.01.2016 21:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hab den bisher fertigen Teil der neuen Version nochmal überarbeitet, um ein paar mehr Gedanken der Protagonistin reinzubringen. (Und mehrere Stunden in ein shellscript investiert, das aus meinem LaTex Sourcecode hier postbaren Text macht, ohne dass ich immer alles von Hand umformatieren muss. Deshalb hat das so lange gedauert)

Hier ist die neue Version:

Lina hatte von Anfang an kein gutes Gefühl dabei, als sie das Wohnzimmer durch die Verandatür betrat. Doch zu verlockend war diese Gelegenheit gewesen, zu groß ihre Neugier.
›Nur schnell einmal umsehen‹, nahm sie sich vor, ›ein kurzer Blick in die Runde, und ich bin wieder weg, er wird gar nichts merken!‹
Sie wagte trotzdem kaum zu atmen. Vorsichtig ließ sie ihren Blick durch den riesigen Raum schweifen. Hohe Regale, dunkles Holz, nahezu überall, nicht nur an den Wänden. Das Zimmer glich eher einer Bibliothek oder einem Antiquariat. Sie lauschte aufmerksam. Nichts. ›Gut, der Alte ist nirgendwo zu sehen oder zu hören! Ein paar Sekunden habe ich…‹
Auf Zehenspitzen schlich sie in den Raum. Setzte vorsichtig einen Fuß nach vorne, dann den anderen. Das leise Knirschen der Holzdielen unter ihren Füßen war deutlich zu hören. ›Das ist zu laut, viel zu laut!‹, rasten ihre Gedanken, ›Er wird mich hören, er muss das einfach hören, er wird mich erwischen und ich…‹
›Dreh um!‹, forderte eine innere Stimme, ›Lass diesen Unsinn und mach, dass du hier wegkommst! Das ist Einbruch, du hast hier nichts zu suchen! Du handelst dir doch nur großen Ärger ein!‹
Sie wollte dieser Stimme der Vernunft gerade Folge leisten, als ihr Blick auf das Regal gegenüber fiel. Diese Bücher sahen einfach zu interessant aus. Dicke Ledereinbände, wahrscheinlich über hundert Jahre alt. Und es waren nur wenige Meter bis zu den Borten.
›Das müssen Magiebücher sein oder sowas‹, überlegte sie aufgeregt. Ihr Schritt verschnellerte sich, schon stand sie vor dem Schrank und zog mit zitterigen Händen einen dieser Wälzer hervor. Das Buch war schwer, sie konnte es kaum halten. Zum Glück hatte der Schrank eine Ablage. Staub umwirbelte sie, als sie das Buch dort ablegte und aufschlug, der Geruch von vergilbtem alten Papier drang in ihre Nase. Eine große Hausspinne fiel von der Borte über ihr auf die aufgeschlagene Buchseite und huschte davon, dicht an ihrer Hand vorbei, bevor sie in einer Ritze verschwand. Lina atmete tief durch. ›Gut, dass mein Vater nicht hier ist‹, schoss ihr durch den Kopf, ›der hätte jetzt das ganze Haus zusammengebrüllt!‹
Trotzdem ungewöhnlich, überlegte sie, eine Spinne im Dezember? Sie hatte schon seit Oktober keine mehr gesehen, soweit sie sich erinnerte. Sollten die nicht in der Winterstarre sein? Irgend sowas hatte Frau Fuchs doch im Sachunterricht erwähnt. ›Egal jetzt‹, beschloss sie, und widmete dem Buch ihre ganze Aufmerksamkeit.
Im ersten Moment war sie ein bisschen enttäuscht, nichts davon lesen zu können. Die Buchstaben sahen zwar ähnlich aus wie jene, mit denen sie sich seit zwei Jahren in der Grundschule beschäftigte, dennoch konnte sie kaum etwas entziffern. Interessant war besonders der erste Buchstabe auf der Seite, es musste ein ›G‹ sein, oder vielleicht auch ein ›Z‹. Er war etwa fünfmal so groß wie die restlichen und wirkte handgemalt. Ein Engel mit einem Speer schien sich hinter einem der Aufstriche zu verstecken und auf eine günstige Gelegenheit zu warten, den mit einer Art Forke bewaffneten Teufel, der oben auf dem Buchstaben lauerte, mit einem gut gezielten Stich niederstrecken zu können. Sie blätterte weiter. Alle Seiten schienen mit solchen verzierten Buchstaben zu beginnen, die darumgelegten Bilder zeigten Mönche bei verschiedenen Tätigkeiten, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Singen oder auch beim Kampf gegen Drachen und andere Monster. So sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte die Worte kaum entziffern. ›Regnum inferni est…‹, buchstabierte sie sich mühsam zusammen, waren das überhaupt deutsche Wörter?
Sie kam nicht mehr dazu, weiter darüber nachzudenken, denn die laute Stimme hinter ihr riss sie aus ihrer Konzentration. »Was tust du in meinem Haus?« Eine kräftige Hand packte sie an der Kapuze ihrer Jacke und riss sie von dem Buch weg, noch bevor sie sich erschrocken umdrehen konnte. Sie wollte sofort wegrennen, doch die Hand hielt sie fest und schleuderte sie unsanft gegen das Regal. Dann starrte Herr Martens ihr in die Augen. Sie hatte noch nie in solche Augen gesehen, so voller Zorn und gleichzeitig eine solche Kälte ausstrahlend, dass sie das Gefühl hatte, sie würde gleich zu Eis erstarren. Oder zu Stein. Sie dachte an Medusa, dieses Ungeheuer aus den griechischen Sagen, von dem ihre Mutter mal erzählt hatte. »Was suchst du in meinem Haus?«, wiederholte er seine Frage, und seine Stimme war noch lauter und tiefer geworden. Nichts erinnerte mehr an den kleinen älteren Nachbarn, der sonst eigentlich immer ganz freundlich auf sie gewirkt hatte. Sie hatte das Gefühl, einem dieser Teufel aus den Buchzeichnungen gegenüberzustehen.
Martens schüttelte sie und holte gerade Luft, um sie ein weiteres Mal anzubrüllen. Sie nahm allen Mut zusammen und tatsächlich gelang es ihr, ihm mit einer Antwort zuvorzukommen. »Ich… ich war nur neugierig…«, stammelte sie, »bitte entschuldigen Sie!«
»Neugierig? Soso…« Seine Stimme wurde ruhiger, und auch der Zorn schien aus seinen Augen zu verschwinden. Jetzt lag nur noch diese Kälte darin, was seinen Blick allerdings noch bedrohlicher machte. »Weißt du eigentlich, was neugierigen Kindern alles passieren kann?«
Linas Atmung war viel zu schnell geworden, als dass sie in der Lage gewesen wäre, überhaupt irgendwas zu antworten. Ihre Gedanken rasten, ihr Kopf schien zu glühen, die Sicht verschwamm von den Tränen, die sich in ihren Augen sammelten. ›Bloß nicht heulen!‹, nahm sie sich vor, ›Renn einfach weg, vielleicht hat er dich nicht erkannt, vielleicht…‹ Sie wollte sich losreißen, aber ihr Körper reagierte nicht. Keinen Muskel konnte sie rühren, sie war wie versteinert. ›Diese Augen… wie er mich anstarrt!‹ Der Blick der Medusa. Und eine Angst, die sie noch nie zuvor gespürt hatte. Seine Frage hallte noch einmal durch ihre Gedanken. »Weißt du eigentlich, was neugierigen Kindern alles passieren kann?« ›Oh Gott, der wird mich umbringen! Oder in den Keller sperren, oder…‹ Panisch suchte sie nach Worten. ›Irgendeine Ausrede, ich muss mich irgendwie…‹
Es half nichts, ihr fiel keine Ausrede ein. Martens ließ sie aber auch gar nicht zu Wort kommen, sondern beantwortete seine Frage selbst, sein Tonfall ruhig, jetzt beinahe freundlich. Seine Augen allerdings drückten etwas ganz anderes aus.
»Manchmal kriegen neugierige Kinder einfach nur keine Weihnachtsgeschenke, weil ihre Eltern sich sowas gerade nicht leisten können…«, erklärte er, »aber manchmal, besonders dann, wenn sie immer noch neugierig sind, passiert ihren Eltern auch etwas richtig Schlimmes…«
Er holte kurz Luft, seine Stimme wurde wieder lauter. »Möchtest du, dass deinen Eltern was passiert?«, fuhr er Lina an, die entsetzt zusammenzuckte. Ihre Knie gaben nach und sie begann zu stürzen, doch Martens griff sie an den Schultern ihrer Jacke und riss sie wieder hoch. »Antworte mir!«, brüllte er, »Möchtest du das?« Sein noch eisiger gewordener Blick offenbarte, dass dies keine leere Drohung war. ›Er meint das ernst, er meint das wirklich ernst, ich muss…‹ Sie konnte diesen Blick nur noch fühlen, nicht mehr klar erkennen, alles verschwamm vor Tränen.
»Nein!«, stammelte sie, ihre letzte Kraft zusammennehmend, »Nein, bitte! Bitte tun Sie meinen Eltern nichts!«
Dann ließ er sie los, völlig überraschend. Lina fiel, kroch so schnell sie konnte einige Meter rückwärts, rappelte sich wieder auf und rannte. Ohne einen Blick zurückzuwerfen stürzte sie durch das Zimmer, zurück zur angelehnten Tür und hinaus in den Garten. Ohne über mögliche Verletzungen nachzudenken griffen ihren Hände nach den rauen, splitterigen Brettern seines Gartenzauns, der sein Grundstück von dem ihren Eltern trennte. Lina zog sich an den Brettern hoch, ihre Füße folgten, Splitter bohrten sich in ihre Finger. Sie bemerkte es gar nicht mehr, sie hatte nur noch einen Gedanken. ›Weg hier, bloß weg hier!‹
Oben angekommen ließ sie sich einfach auf die andere Seite fallen, stürzte etwa eineinhalb Meter in die Tiefe und landete auf ihrer rechten Schulter, die sofort zu schmerzen begann. Sie bemerkte es nur noch am Rand ihrer Wahrnehmung und hastete weiter, nur weg von dem Grundstück dieses Teufels und zurück in die Sicherheit ihres Elternhauses.
Eine trügerische Sicherheit, wie sie bald darauf feststellen musste...


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BeitragVerfasst am: 17.01.2016 03:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hi V.K.B.,

Finde schon, dass es so besser ist, aber ...
Ich hab nochmal drüber geschaut und versuche objektiv zu beurteilen, glaube das klappt nicht. Hab irgendwann aufgehört.
Mir ist das zu sehr allwissender Erzähler, der mir keine eigene Vorstellung lässt.
Der Text nimmt mich so nicht mit.
Und ich denke, auch wenn man auktorial erzählt, kann man es noch besser machen. Nichts für ungut.

Sie hatte schon seit Oktober keine mehr gesehen, soweit sie sich erinnerte.
Hier zum Beispiel. Durch den Anhang distanzierst du mMn noch mehr und auch unnötig.
Du erwähnst auch wie Martens lauter, kälter, freundlicher, lauter, eisiger, lauter wird. Sowas sollte sich eigentlich aus dem Gespräch ergeben.

Ich hoffe, du findest hier jemanden, der diesen Stil mag und dir wirklich weiterhelfen kann.

Vielleicht ist trotzdem noch etwas Hilfreiches dabei.

Zitat:
Lina hatte von Anfang an kein gutes Gefühl dabei, als <- zwei Mal dasselbe, nimm besser nur eines von beidem.sie das Wohnzimmer durch die Verandatür betrat. Doch zu verlockend war diese Gelegenheit gewesen, zu groß ihre Neugier.
›Nur schnell einmal umsehen‹, nahm sie sich vor, ›ein kurzer Blick in die Runde, und ich bin wieder weg, er wird gar nichts merken!‹
Sie wagte trotzdem kaum zu atmen. <- kommt mir so angehängt vor Vorsichtig <- kann man einen Blick vorsichtig schweifen lassen? MMn nicht. Sie kann sich vorsichtig bewegen, aber der Blick naja ... ließ sie ihren Blick durch den riesigen Raum schweifen. Hohe Regale, dunkles Holz, nahezu überall, nicht nur an den Wänden. Das Zimmer glich eher einer Bibliothek oder einem Antiquariat. Sie lauschte aufmerksam. Nichts. ›Gut, der Alte ist nirgendwo zu sehen oder zu hören! Ein paar Sekunden habe ich…‹
Auf Zehenspitzen schlich sie in den Raum. Setzte vorsichtig <- Wiederholung einen Fuß nach vorne, dann den anderen. Das leise Knirschen der Holzdielen unter ihren Füßen war deutlich zu hören. ›Das ist zu laut, viel zu laut!‹, rasten <- naja rasten ... ihre Gedanken, ›Er wird mich hören, er muss das einfach hören, er wird mich erwischen und ich…‹ <- also ist sie eingestiegen, obwohl er zu Hause ist? Das wäre bissl hohl ...
›Dreh um!‹, forderte eine innere Stimme, ›Lass diesen Unsinn und mach, dass du hier wegkommst! Das ist Einbruch, du hast hier nichts zu suchen! Du handelst dir doch nur großen Ärger ein!‹ <- du fängst an zu übertreiben. Überlass bissl Kopfkino dem Leser, dann passts besser
Sie wollte dieser Stimme der Vernunft gerade Folge leisten, <- sie ist gerade erst angekommen, das finde ich jetzt unrealistisch als ihr Blick auf das Regal gegenüber fiel. Diese Bücher sahen einfach zu interessant aus. Dicke Ledereinbände, wahrscheinlich über hundert Jahre alt. Und es waren nur wenige Meter bis zu den Borten.
›Das müssen Magiebücher sein oder sowas‹, überlegte sie aufgeregt. Ihr Schritt verschnellerte sich, schon stand sie vor dem Schrank <- unschön formuliert und zog mit zitterigen Händen einen dieser Wälzer hervor. Das Buch war schwer, sie konnte es kaum halten. Zum Glück hatte der Schrank eine Ablage. Staub umwirbelte sie, als sie das Buch dort ablegte und aufschlug, der Geruch von vergilbtem alten Papier drang in ihre Nase. Eine große Hausspinne fiel von der Borte über ihr auf die aufgeschlagene Buchseite und huschte davon, dicht an ihrer Hand vorbei, bevor sie in einer Ritze verschwand. Lina atmete tief durch. ›Gut, dass mein Vater nicht hier ist‹, schoss ihr durch den Kopf, ›der hätte jetzt das ganze Haus zusammengebrüllt!‹ <- überflüssiger und unpassender Gedankengang
Trotzdem ungewöhnlich, überlegte sie, eine Spinne im Dezember? Sie hatte schon seit Oktober keine mehr gesehen, soweit sie sich erinnerte. Sollten die nicht in der Winterstarre sein? Irgend sowas hatte Frau Fuchs doch im Sachunterricht erwähnt. ›Egal jetzt‹, <- allerdings beschloss sie, und widmete dem Buch ihre ganze Aufmerksamkeit.
Im ersten Moment war sie ein bisschen enttäuscht, nichts davon lesen zu können. Die Buchstaben sahen zwar ähnlich aus wie jene, mit denen sie sich seit zwei Jahren in der Grundschule beschäftigte, dennoch konnte sie kaum etwas entziffern. Interessant war besonders der erste Buchstabe auf der Seite, es musste ein ›G‹ sein, oder vielleicht auch ein ›Z‹. Er war etwa fünfmal so groß wie die restlichen und wirkte handgemalt. Ein Engel mit einem Speer schien sich hinter einem der Aufstriche zu verstecken und auf eine günstige Gelegenheit zu warten, den mit einer Art Forke bewaffneten Teufel, der oben auf dem Buchstaben lauerte, mit einem gut gezielten Stich niederstrecken zu können. Sie blätterte weiter. Alle Seiten schienen mit solchen verzierten Buchstaben zu beginnen, die darumgelegten Bilder zeigten Mönche bei verschiedenen Tätigkeiten, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, beim Singen oder auch beim Kampf gegen Drachen und andere Monster. So sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte die Worte kaum entziffern. ›Regnum inferni est…‹, buchstabierte sie sich mühsam zusammen, waren das überhaupt deutsche Wörter?
Sie kam nicht mehr dazu, weiter darüber nachzudenken, denn die laute Stimme hinter ihr riss sie aus ihrer Konzentration. <- würde ich streichen »Was tust du in meinem Haus?« Eine kräftige Hand packte sie an der Kapuze ihrer Jacke und riss sie von dem Buch weg, noch bevor sie sich erschrocken umdrehen konnte. Sie wollte sofort wegrennen, doch die Hand hielt sie fest und schleuderte sie unsanft gegen das Regal. Dann starrte Herr Martens ihr in die Augen. Sie hatte noch nie in solche Augen gesehen, so voller Zorn und gleichzeitig eine solche Kälte ausstrahlend, dass sie das Gefühl hatte, sie würde gleich zu Eis erstarren. Oder zu Stein. Sie dachte an Medusa, dieses Ungeheuer aus den griechischen Sagen, von dem ihre Mutter mal erzählt hatte. »Was suchst du in meinem Haus?«, wiederholte er seine Frage, und seine Stimme war noch lauter und tiefer geworden. Nichts erinnerte mehr an den kleinen älteren Nachbarn, der sonst eigentlich immer ganz freundlich auf sie gewirkt hatte. Sie hatte das Gefühl, einem dieser Teufel aus den Buchzeichnungen gegenüberzustehen.
Martens schüttelte sie und holte gerade Luft, um sie ein weiteres Mal anzubrüllen. Sie nahm allen Mut zusammen und tatsächlich gelang es ihr, ihm mit einer Antwort zuvorzukommen. »Ich… ich war nur neugierig…«, stammelte sie, »bitte entschuldigen Sie!«
»Neugierig? Soso…« Seine Stimme wurde ruhiger, und auch der Zorn schien aus seinen Augen zu verschwinden. Jetzt lag nur noch diese Kälte darin, was seinen Blick allerdings noch bedrohlicher machte. »Weißt du eigentlich, was neugierigen Kindern alles passieren kann?«
Linas Atmung war viel zu schnell geworden, als dass sie in der Lage gewesen wäre, überhaupt irgendwas zu antworten. Ihre Gedanken rasten, ihr Kopf schien <- weniger Vermutungen, mehr Tatsachen zu glühen, die Sicht verschwamm von den Tränen, die sich in ihren Augen sammelten. ›Bloß nicht heulen!‹, nahm sie sich vor, ›Renn einfach weg, vielleicht hat er dich nicht erkannt, vielleicht…‹ Sie wollte sich losreißen, aber ihr Körper reagierte nicht. Keinen Muskel konnte sie rühren, sie war wie versteinert. ›Diese Augen… wie er mich anstarrt!‹ Der Blick der Medusa. Und eine Angst, die sie noch nie zuvor gespürt hatte. Seine Frage hallte noch einmal durch ihre Gedanken. »Weißt du eigentlich, was neugierigen Kindern alles passieren kann?« ›Oh Gott, der wird mich umbringen! Oder in den Keller sperren, oder…‹ Panisch suchte sie nach Worten. ›Irgendeine Ausrede, ich muss mich irgendwie…‹
Es half nichts, ihr fiel keine Ausrede ein. Martens ließ sie aber auch gar nicht zu Wort kommen, sondern beantwortete seine Frage selbst, sein Tonfall ruhig, jetzt beinahe freundlich. Seine Augen allerdings drückten etwas ganz anderes aus.
»Manchmal kriegen neugierige Kinder einfach nur keine Weihnachtsgeschenke, weil ihre Eltern sich sowas gerade nicht leisten können…«, erklärte er, »aber manchmal, besonders dann, wenn sie immer noch neugierig sind, passiert ihren Eltern auch etwas richtig Schlimmes…«
Er holte kurz Luft, seine Stimme wurde wieder lauter. »Möchtest du, dass deinen Eltern was passiert?«, fuhr er Lina an, die entsetzt zusammenzuckte. Ihre Knie gaben nach und sie begann zu stürzen, doch Martens griff sie an den Schultern ihrer Jacke und riss sie wieder hoch. »Antworte mir!«, brüllte er, »Möchtest du das?« Sein noch eisiger gewordener Blick offenbarte, dass dies keine leere Drohung war. <- du nimmst zuviel vorweg und lässt dem Leser keine Chance für eigene Gedanken ›Er meint das ernst, er meint das wirklich ernst, ich muss…‹ Sie konnte diesen Blick nur noch fühlen, nicht mehr klar erkennen, alles verschwamm vor Tränen.
»Nein!«, stammelte sie, ihre letzte Kraft zusammennehmend, »Nein, bitte! Bitte tun Sie meinen Eltern nichts!«
Dann ließ er sie los, völlig überraschend. Lina fiel, kroch so schnell sie konnte einige Meter rückwärts, rappelte sich wieder auf und rannte. Ohne einen Blick zurückzuwerfen stürzte sie durch das Zimmer, zurück zur angelehnten Tür und hinaus in den Garten. Ohne über mögliche Verletzungen nachzudenken griffen ihren Hände nach den rauen, splitterigen Brettern seines Gartenzauns, der sein Grundstück von dem ihren Eltern trennte. Lina zog sich an den Brettern hoch, ihre Füße folgten, Splitter bohrten sich in ihre Finger. Sie bemerkte es gar nicht mehr, sie hatte nur noch einen Gedanken. ›Weg hier, bloß weg hier!‹
Oben angekommen ließ sie sich einfach auf die andere Seite fallen, stürzte etwa eineinhalb Meter in die Tiefe und landete auf ihrer rechten Schulter, die sofort zu schmerzen begann. Sie bemerkte es nur noch am Rand ihrer Wahrnehmung und hastete weiter, nur weg von dem Grundstück dieses Teufels und zurück in die Sicherheit ihres Elternhauses.
Eine trügerische Sicherheit, wie sie bald darauf feststellen musste...
   




LG,
Seraiya


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BeitragVerfasst am: 17.01.2016 06:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Seraiya,

Danke für deine Anmerkungen, einiges werde ich definitiv ändern (zuviel "schien", überflüssige Zusätze).

Irgendwie kann ich es dir einfach nicht rechtmachen… Ich hoffe das sehen nicht alle so, denn wenn ich meinen ganzen Stil umschmeiße, ist es irgendwie nicht mehr meins und fühlt sich beim Schreiben krampfhaft an. Ich erzähle nun eben gerne allwissend und fasse gelegentlich zusammen, damit es nicht zu lang wird. Das Buch hat schon genug lange Dialoge ohne erklärende Passagen, das wechselt sich eigentlich ab. Ich hoffe, du liest Kapitel 1 noch, wenn ich es einstelle, da gibt es jedenfalls mehr Dialoge, die für sich alleine sprechen, das könnte dir besser gefallen. Andererseits, ich kann es nicht jedem rechtmachen...

Hoffentlich kann ich es irgendjemandem rechtmachen, ich bin ein bisschen irritiert, weil sich außer dir hier bisher kaum jemand zu Wort gemeldet hat.


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Zense
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BeitragVerfasst am: 17.01.2016 09:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo V.K.B,

Ich teile die Kritik von Seraiya.

Die Sätze lesen sich nun besser als in der ersten Version. Allerdings komme ich mit der gewählten Erzählweise schwer zurecht. Es wirkt alles passiv, so als würdest du ein detailliertes Drehbuch für eine Film entwerfen. Und die Dichte an Informationen verhindert bei mir noch immer jede Immersion.

Gleiches Beispiel:

"Trotzdem ungewöhnlich, überlegte sie, eine Spinne im Dezember? Sie hatte schon seit Oktober keine mehr gesehen, soweit sie sich erinnerte. Sollten die nicht in der Winterstarre sein? Irgend sowas hatte Frau Fuchs doch im Sachunterricht erwähnt. ›Egal jetzt‹[]"


"Eine Spinne im Winter?" wunderte sie sich.

Falls die Spinne überhaupt von Bedeutung ist, würde dieser kleine Satz reichen.

oder:

"Lina fiel, kroch so schnell sie konnte einige Meter rückwärts, rappelte sich wieder auf und rannte. Ohne einen Blick zurückzuwerfen stürzte sie durch das Zimmer, zurück zur angelehnten Tür und hinaus in den Garten. Ohne über mögliche Verletzungen nachzudenken griffen ihren Hände nach den rauen, splitterigen Brettern seines Gartenzauns, der sein Grundstück von dem ihren Eltern trennte. Lina zog sich an den Brettern hoch, ihre Füße folgten, Splitter bohrten sich in ihre Finger. Sie bemerkte es gar nicht mehr, sie hatte nur noch einen Gedanken. ›Weg hier, bloß weg hier!‹"


Würde in einem Film funktionieren (klingt auch fast wie ein Drehbuch), aber als Lesetext sind mir das zu viele detaillierte Informationen.

Allerdings sind dies meine Eindrücke. Ich habe sehr viele Bücher gelesen, Schreiberfahrung habe ich bisher noch so gut wie keine. Wäre natürlich wünschenswert, wenn sich noch einige Leser zu Wort melden würden, die mit der auktorialen Erzählweise Erfahrung haben.

Liebe Grüße,

Zense
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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 17.01.2016 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo nochmal,

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:

Irgendwie kann ich es dir einfach nicht rechtmachen… Ich hoffe das sehen nicht alle so, denn wenn ich meinen ganzen Stil umschmeiße, ist es irgendwie nicht mehr meins und fühlt sich beim Schreiben krampfhaft an. Ich erzähle nun eben gerne allwissend und fasse gelegentlich zusammen, damit es nicht zu lang wird. Das Buch hat schon genug lange Dialoge ohne erklärende Passagen, das wechselt sich eigentlich ab. Ich hoffe, du liest Kapitel 1 noch, wenn ich es einstelle, da gibt es jedenfalls mehr Dialoge, die für sich alleine sprechen, das könnte dir besser gefallen. Andererseits, ich kann es nicht jedem rechtmachen...


Ach herrje ... du sollst es mir nicht recht machen. Und natürlich auch nicht deinen Stil ändern. Ich war mir nicht sicher, ob ich überhaupt noch etwas zu dem Text sagen sollte. Ich erwähne ganz bewusst immer wieder, dass es nur mein persönliches Leseempfinden ist. Ist dein Buch, schreib wie du willst. Legende z.B. hat dieser Stil gefallen.

Was ich eigenartig finde, du beziehst dich auf die Länge. Wenn es an der Länge liegt, dass du zusammenfasst und jedes Detail vorwegnimmst, würde ich darüber nachdenken es kürzer zu machen, sonst kann es sich gehetzt anfühlen, wenn man liest. Wenn der Autor etwas reinquetscht, merkt man das, finde ich. Ich lese hier aber auch kritischer, als wenn ich mir ein Buch kaufen gehe, für das ich mich bereits entschieden habe.

Und noch etwas ...
Nichts erinnerte mehr an den kleinen älteren Nachbarn, der sonst eigentlich immer ganz freundlich auf sie gewirkt hatte.
Auf diesen Satz berufend funktioniert für mich so einiges nicht. Sie steigt also bei dem netten, älteren Nachbar ein. Wieso? Und wenn das ihre Gedanken sind, finde ich die regelrechte Panik am Anfang übertrieben. Und im nächsten Momet fürchtet sie, dass er sie umbringt, weil er sauer ist, kalt und böse in seiner Arroganz, mit der er sie in die Enge treibt und mit ihrer Furcht spielt?
Nur meine Gedanken ...

In jedem Fall würde ich versuchen den Erzählstil der Geschichte anpassen. Du erzählst nicht nur auktorial, sondern auch distanziert, was mMn nicht allein am allwissenden Erzähler liegt. Da müsste noch etwas getan werden. Sorry.

Subjektiv! Wink
(Wie gesagt, hoffe, es findet sich jemand, der dir weiterhelfen kann)


LG,
Seraiya


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BeitragVerfasst am: 17.01.2016 15:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Rückmeldungen.

Seraiya hat Folgendes geschrieben:

Ich erwähne ganz bewusst immer wieder, dass es nur mein persönliches Leseempfinden ist. Ist dein Buch, schreib wie du willst.


Das weiß ich! Ich ging nur davon aus, dass es Common Sense ist, weil ich kaum anderes gehört habe. Sicher kann ich schreiben wie ich will, aber dann schreibe ich irgendwann nur für mich selbst, wenn das sonst keiner lesen will.

Seraiya hat Folgendes geschrieben:

Und noch etwas ...
Nichts erinnerte mehr an den kleinen älteren Nachbarn, der sonst eigentlich immer ganz freundlich auf sie gewirkt hatte.
Auf diesen Satz berufend funktioniert für mich so einiges nicht. Sie steigt also bei dem netten, älteren Nachbar ein. Wieso?


Weil sie einfach neugierig ist und wissen will, wie es in seinem Haus aussieht. Ich wollte als Kind auch überall reinkucken. Ging dir das nicht so?

Seraiya hat Folgendes geschrieben:

Und wenn das ihre Gedanken sind, finde ich die regelrechte Panik am Anfang übertrieben.


Jupp! Das kommt dabei raus, wenn man versucht, krampfhaft noch ein paar mehr Gedanken am Anfang einzubauen, um weniger distanziert zu schreiben. Ich sagte doch schon, fühlt sich nicht mehr nach dem an, was ich eigentlich wollte. Ich wollte eine kurze Einleitung und Hinführung im Prolog, wie meine Originalversion oben. Die nur keiner lesen wollte, deshalb sah ich mich gezwungen, komplett neu zu schreiben.

Seraiya hat Folgendes geschrieben:

Und im nächsten Momet fürchtet sie, dass er sie umbringt, weil er sauer ist, kalt und böse in seiner Arroganz, mit der er sie in die Enge treibt und mit ihrer Furcht spielt?


Sie erkennt, dass sie sich komplett in ihn getäuscht hat. Das soll die erste richtige Begegnung sein, bisher hat sie ihn nur auf Distanz gesehen (ihre Eltern gehen ihm ja auch so gut es geht aus dem Weg)

Zense hat Folgendes geschrieben:

Und die Dichte an Informationen verhindert bei mir noch immer jede Immersion.


Diese Dichte, besonders am Anfang, habe ich gewählt, um dem Leser ein detailliertes Bild zu geben, um sich Personen und Geschichte besser vorstellen zu können.

Zense hat Folgendes geschrieben:

Gleiches Beispiel:
"Trotzdem ungewöhnlich, überlegte sie, eine Spinne im Dezember? Sie hatte schon seit Oktober keine mehr gesehen, soweit sie sich erinnerte. Sollten die nicht in der Winterstarre sein? Irgend sowas hatte Frau Fuchs doch im Sachunterricht erwähnt.

"Eine Spinne im Winter?" wunderte sie sich.
Falls die Spinne überhaupt von Bedeutung ist, würde dieser kleine Satz reichen.


Der Satz erhält die Informationen, dass Dezember ist (kurz vor Weihnachten, was ja noch wichtig wird) und deutet an, dass sie in die Grundschule geht (Sachunterricht, simple Informationen über Biologie). Ich hab auf diese Weise versucht, diese Informationen in ihren Gedanken unterzubringen, um nicht wieder rein beschreibend etwas wie "Lina war damals acht Jahre alt und es war kurz vor Weihnachten" zu haben.

Zense hat Folgendes geschrieben:

"Lina fiel, kroch ..."
Würde in einem Film funktionieren (klingt auch fast wie ein Drehbuch), aber als Lesetext sind mir das zu viele detaillierte Informationen.


War auch eigentlich der Versuch, dem Leser zu ermöglichen, es sich wie einen Film vorzustellen, der vor dem inneren Augen abläuft.


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Seraiya
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BeitragVerfasst am: 17.01.2016 17:18    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Sicher kann ich schreiben wie ich will, aber dann schreibe ich irgendwann nur für mich selbst, wenn das sonst keiner lesen will.    

So oder so ... versuch einen Mittelweg, den für dich richtigen Weg zu finden zwischen dem, was du willst und inwieweit du dem Leser entgegenkommen würdest, sollten der Text oder das Buch weiterhin negative Kritiken hervorrufen - was nicht gesagt ist.
Davon abgesehen sind die Ferien gerade erst vorbei, manch einer war im Urlaub, manch einer hat Kinder, manch einer hat einen Vollzeitjob, einen Haushalt oder alles zusammen. Du hast den Text erst vor fünf Tagen eingestellt und mittlerweile zwei Mal überarbeitet, versuch etwas geduldiger zu sein. Wink

Zitat:
Ich wollte als Kind auch überall reinkucken. Ging dir das nicht so?    

Ich hatte jedenfalls nicht das Verlangen in die Häuser von netten Nachbarn einzusteigen. Neugierde ist für mich etwas anderes.

Zitat:
  Jupp! Das kommt dabei raus, wenn man versucht, krampfhaft noch ein paar mehr Gedanken am Anfang einzubauen, um weniger distanziert zu schreiben. Ich sagte doch schon, fühlt sich nicht mehr nach dem an, was ich eigentlich wollte. Ich wollte eine kurze Einleitung und Hinführung im Prolog, wie meine Originalversion oben. Die nur keiner lesen wollte, deshalb sah ich mich gezwungen, komplett neu zu schreiben.
 

Kritiken sollte man erst einmal setzen lassen, wenn man sich nicht sicher ist und auch wenn man das Angesprochene nachvollziehen kann, schadet es nicht, wenn man in Ruhe darüber nachdenkt.
Zuallererst musst du zufrieden sein, weißt du selbst. Komm dem Leser entgegen, wenn du magst, aber mach keinen Kopfstand. Wie du alles am Besten regelst, musst du selbst wissen, das kann dir keiner abnehmen.

Zitat:
  Sie erkennt, dass sie sich komplett in ihn getäuscht hat. Das soll die erste richtige Begegnung sein, bisher hat sie ihn nur auf Distanz gesehen (ihre Eltern gehen ihm ja auch so gut es geht aus dem Weg)   

Das hab ich verstanden, darum ging es mir nicht, sondern um die Logik.
Die Kleine ist acht Jahre alt, hat einen freundlichen Nachbarn und steigt bei ihm ein - soweit so gut. Wenn eine achtjährige solche Panik wie dargestellt hätte, würde sie das nicht machen und abgesehen davon rechnet sie, wenn sie Martens für einen netten, freundlichen Nachbarn hält, doch höchstens damit, dass er es ihren Eltern erzählt und sie was ... Hausarrest bekommt? Fernsehverbot? Ne Backpfeife?
Ist sie anders als eine "gewöhnliche" achtjährige, würde ich das anhand eines hängen bleibenden Gedankens beim Leser verdeutlichen.
Vielleicht hast du das auch und ich checke es nur nicht.

Ich finde nicht, dass du dich in das Mädchen hineinversetzt, sondern dass du dich beeilst die für dich wichtigsten Fakten aufs Papier zu bringen. Was dir am Wichtigsten ist, ist aber vlt. nix für den Leser und umgekehrt.
So ... jetzt wird sie erwischt und von einem erwachsenen Mann gegen das Regal gestoßen. Aua! Merkt sie aber nicht, ok, man kann sagen, liegt an seinen Augen und dem irren Ausdruck darin. Dann verallgemeinerst du und beziehst dich lange auf seinen Blick. Sollte es für Lina nicht der Schock überhaupt sein, dass der sonst so nette Martens sie so grob anfasst und ansieht, als würde er ihr gleich den Kopf abreißen?
Mir fehlen hier z.B. die (für mich) wirklich wichtigen Emotionen.
Dieses Erlebnis und dass der Vater den Job verliert, prägen Lina langfristig, bestimmen später ihr Leben, oder täusche ich mich? Das bleibt bei mir nicht hängen und beeindruckt mich nicht. Ich lese den Prolog und gehe zur Tagesordnung über, ohne das Bedürfnis mehr von der Geschichte zu wollen.

Ich weiß, dass man solche Kommentare nicht gerne liest, das ärgert und frustriert. Und wie gesagt, finden sich auch Leute, denen die Story und dein Stil gefallen und die dir sagen: "Hör bloß nicht auf Seraiya, dein Prolog ist gut so."
Das hoffe ich und wünsche es dir, weil du mit viel Herz dabei zu sein scheinst, was ich schön finde.

Lass vielleicht einfach mal ein bisschen ruhen und warte ab. Melden sich sicher noch andere.


LG,
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