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Glanz der Dinge


 

 
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Flammenfreundin
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 31
Beiträge: 102
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 23.12.2015 14:14    Titel: Glanz der Dinge eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

So denn. Ich hoffe ich habe nicht wieder zu viele Fehler übersehen... und ehrlich, ich wollte etwas Positives schreiben! Aber nun... es gelingt nicht ganz. *g*
Das die Prota Iria heißt hat seine Berechtigung. Es wird in einem anderen Text erklärt. Schreibe ein paar zusammenhangslose Texte rund um die Iria. Herrje... Laughing Die Smileys gehören in den Text, so im Übrigen.

Glanz der Dinge

Iris, genannt Iria, lebt in einer großen Stadt, in der sich, wie in vielen großen Städten, Häuser und Bauten Grau in Grau verschachteln. Hier in dieser großen Statd namens H. lässt sich ein Lobpreiß anstimmen auf die Bedeutungslosigkeit des Graus und die unendliche Anzahl beliebiger Gesichter von Fremden. Iria bleibt lieber für sich und zelebriert die Stummheit.
Sie zelebriert sie auch im Beisammensein; Irias Anliegen besteht weniger im Schaffen von Verbundenheit, als vielmehr im Vertreiben von Langeweile. So geschieht es zum Beispiel, dass sie wieder einmal im Internet herumsucht nach einem Menschlein, einem Wesen, das zumindest sekundenweise die Leere lindern soll. Diesmal auf einer Internetseite für Brieffreunde, pen pals, auf der im schlechten oder weniger schlechten Englisch kommuniziert wird. Iria spricht kaum Englisch, will es vielleicht besser können und üben, erfährt aber recht schnell die Regeln für dieses neue Spiel. Auf der Seite für Brieffreunde sind die Männer, wie es ein amerikanischer Chatpartner ausdrückt, "forward"; schnell dabei das Jagdgebiet zu sondieren, damit sich vielleicht das ein oder andere Mädel abgreifen lässt.
Iria, nun Sunflower1986: "I'm still have a partner. At the moment at least. He's nice and sweet." Lügen, so leicht fällt lügen.
buddythegreat: "At the moment you have a boyfriend. Wink i'm nice too."
Sunflower1986: "Please wait a moment. I wanna smoke a cigarette."
Tatsächlich bewegt sich Iria in Richtung des Balkons, steckt sich jedoch im Wohnzimmer eine Fluppe an. Sie will buddythegreat nicht mehr schreiben. Als sie zurück an den Schreibtisch kehrt, leuchtet seine Onlineanzeige noch grün. "Are you here???!??!?"
Vielleicht möchte Iria eine zweite Zigarette rauchen, das denkt sie, unterdrückt den Impuls jedoch und stöbert im Postfach.
loverboy: "hi"
gigolo7: "hello Smile I'm from belarus i'm a great fan of germany."
anything: "Oh, du auch aus Deutschland? du lächelst so süß auf deinem foto sag mal was du machst?"
Iria antwortet nicht. Unter buddythegreats letzter Nachricht findet sich ein: "37 minutes ago". Er scheint abgetaucht, nicht mehr online, verschwunden in der Tiefe des Netzes.
Vielleicht war er es doch wert, dass man ihm schreibt?
Iria schließt die Seite. Sie betrachtet den Raum. Ein Pullover knüllt sich gleich einem dunklen Schatten in der Ecke. Überall in der Wohnung Wäsche. Sie müsste mehrere Maschinen hintereinander waschen um der Unordnung entgegen zu wirken. Vielleicht sollte ich Staub wischen?
Stattdessen besinnt sich Iria auf etwas anderes. Auf dem Schreibtisch, neben einem Ratgeber für Entwicklung von Resilienz liegt noch das Buch: "Achtsamkeit - Innere Ruhe sofort". Vielleicht mache ich eine Übung... Body Scan. Iria spürt in ihren Körper hinein, auf die Füße, die fest auf dem Boden stehen. Auf die Waden, die irgendwie ziehen. In den Schoß, der kribbelt. In den Bauch. In die Brust. In der Brust ein Schmerz. Sie hatte ihn nicht wahrgenommen. So eigentümlich, so unfassbar, in der linken Brustseite befindet sich ein fast schon stechendes, rumpelndes Gefühl.
Iria beendet sie Übung.
Sie huscht wieder online. Buddythegreat ist noch immer off.
Er war der Richtige.
Ein Moment Stille.
Iria möchte weinen. Die Gefühle einfach, wie man sagt, heraus lassen, sich fehlen lassen, ausrasten. Sie presst die Hände zusammen, schluchzt, drückt eine Träne heraus. Sie wartet auf Weiteres. Jedoch, mehr gelingt ihr nicht. Dabei versucht sie es. Sie macht sich klein, zieht die Beine an, schlägt schließlich, ihr will nichts Besseres einfallen, mit der Hand auf den Tisch.
Für heute genug Gefühl. Wenigstens kann ich mich noch immer ironisch selbst kommentieren.
Zum Ende hin bleibt nur dieser beharrliche Schmerz in der Brust. Iria wird sich ins Bett legen. Sie wird nicht weiter versuchen zu trauern. Sie wird einzig ihrem Schmerz lauschen, der sie leise und pochend daran erinnert, dass etwas fehlt. Vielleicht wird sie morgen buddythegreat schreiben.

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Oktoberkatze
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 54
Beiträge: 323

Ei 1 Ei 9


BeitragVerfasst am: 23.12.2015 17:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Flammenfreundin,

du schreibst von einer sehr einsamen Protagonistin, die sich ungeheuer schwer damit tut, Kontakt zu ihrer Außenwelt aufzunehmen. Leider nimmst du mich als Leser nicht mit, sondern stößt mich mit der depressiven Stimmung deines Textes eher ab. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt. Wortwiederholungen und zuviele "vielleicht" tun aber schon ihren Teil dazu. Anbei noch ein paar Anmerkungen:

Glanz der Dinge

Iris, genannt Iria, lebt in einer großen Stadt, in der sich, wie in vielen großen Städten, Häuser und Bauten grau in grau verschachteln. Hier in dieser großen Stadt das ist schon die dritte große Stadt in diesen zwei Sätzen namens H. lässt sich ein Loblied anstimmen auf die Bedeutungslosigkeit des Graus und die unendliche Anzahl beliebiger Gesichter von Fremden. Iria bleibt lieber für sich und zelebriert die Stummheit.
Sie zelebriert sie auch im Beisammensein; Irias Anliegen besteht weniger im Schaffen von Verbundenheit, als vielmehr im Vertreiben von Langeweile. Leider überträgt sich die Langeweile auch auf mich als Leser, sodass ich den Text hier vermutlich beiseite legen würde. So geschieht es zum Beispiel, dass sie wieder einmal im Internet herumsucht nach einem Menschlein, einem Wesen, das zumindest sekundenweise die Leere lindern soll. Diesmal auf einer Internetseite für Brieffreunde, pen pals, auf der im schlechten oder weniger schlechten Englisch kommuniziert wird. Iria spricht kaum Englisch, will es vielleicht besser können und üben, erfährt aber recht schnell die Regeln für dieses neue Spiel. Auf der Seite für Brieffreunde sind die Männer, wie es ein amerikanischer Chatpartner ausdrückt, "forward"; schnell dabei das Jagdgebiet zu sondieren, damit sich vielleicht das ein oder andere Mädel abgreifen lässt.
Iria, nun Sunflower1986: "I'm still have a partner. At the moment at least. He's nice and sweet." Lügen, so leicht fällt lügen.
buddythegreat: "At the moment you have a boyfriend. Wink i'm nice too."
Sunflower1986: "Please wait a moment. I wanna smoke a cigarette."
Tatsächlich bewegt sich Iria in Richtung des Balkons, steckt sich jedoch im Wohnzimmer eine Fluppe an. Sie will buddythegreat nicht mehr schreiben. Als sie zurück an den Schreibtisch kehrt, leuchtet seine Onlineanzeige noch grün. "Are you here???!??!?"
Vielleicht möchte Iria eine zweite Zigarette rauchen, das denkt sie, unterdrückt den Impuls jedoch und stöbert im Postfach.
loverboy: "hi"
gigolo7: "hello Smile I'm from belarus i'm a great fan of germany."
anything: "Oh, du auch aus Deutschland? du lächelst so süß auf deinem foto sag mal was du machst?"
Iria antwortet nicht. Unter buddythegreats letzter Nachricht findet sich ein: "37 minutes ago". Er scheint abgetaucht, nicht mehr online, verschwunden in der Tiefe des Netzes.
Vielleicht war er es doch wert, dass man ihm schreibt?
Iria schließt die Seite. Sie betrachtet den Raum. Ein Pullover knüllt sich gleich einem dunklen Schatten in der Ecke. Überall in der Wohnung Wäsche. Sie müsste mehrere Maschinen hintereinander waschen um der Unordnung entgegen zu wirken. Vielleicht sollte ich Staub wischen?
Stattdessen besinnt sich Iria auf etwas anderes. Auf dem Schreibtisch, neben einem Ratgeber für Entwicklung von Resilienz liegt noch das Buch: "Achtsamkeit - Innere Ruhe sofort". Vielleicht mache ich eine Übung... Body Scan. Iria spürt in ihren Körper hinein, konzentriert sich auf ihre Füße, die fest auf dem Boden stehen. Auf die Waden, die irgendwie ziehen. Lenkt ihre Aufmerksamkeit In ihren Schoß, der kribbelt. In den Bauch. In die Brust. In der Brust ein Schmerz. Sie hatte ihn bisher nicht wahrgenommen. So eigentümlich, so unfassbar, in der linken Brustseite befindet sich ein fast schon stechendes, rumpelndes Gefühl.
Iria beendet sie Übung.
Sie huscht wieder online. Buddythegreat ist noch immer off.
Er war der Richtige.
Diese Szene, in der Iria in sich hineinfühlt, ist eigentlich die erste, die mich als Leser mitnimmt.
Ein Moment Stille.
Iria möchte weinen. Die Gefühle einfach, wie man sagt, heraus lassen, sich fehlen meinst du fallen? lassen, ausrasten. Sie presst die Hände zusammen, schluchzt, drückt eine Träne heraus. Sie wartet auf Weiteres. Jedoch, mehr gelingt ihr nicht. Dabei versucht sie es. Sie macht sich klein, zieht die Beine an, schlägt schließlich, ihr will nichts Besseres einfallen, mit der Hand auf den Tisch.
Für heute genug Gefühl. Wenigstens kann ich mich noch immer ironisch selbst kommentieren. Warum jetzt auf einmal ich?
Zum Ende hin bleibt nur dieser beharrliche Schmerz in der Brust. Iria wird sich ins Bett legen. Sie wird nicht weiter versuchen zu trauern. Sie wird einzig ihrem Schmerz lauschen, der sie leise und pochend daran erinnert, dass etwas fehlt. Vielleicht wird sie morgen buddythegreat schreiben.
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Nayeli Irkalla
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1139
Wohnort: Ruhrgebiet
Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 23.12.2015 17:30    Titel: Re: Glanz der Dinge Antworten mit Zitat

Flammenfreundin hat Folgendes geschrieben:
Iris, genannt Iria, lebt in einer großen Stadt, in der sich, wie in vielen großen Städten, Häuser und Bauten Grau in Grau verschachteln. Hier in dieser großen Statd namens H. lässt sich ein Lobpreiß anstimmen auf die Bedeutungslosigkeit des Graus und die unendliche Anzahl beliebiger Gesichter von Fremden. Iria bleibt lieber für sich und zelebriert die Stummheit.


Ich schreibe dir ein paar Dinge zu deinem ersten Absatz, okay?

Wer erzählt mir diese Geschichte? Normalerweise bin ich daran gewöhnt, Geschichten aus der Perspektive einer Figur zu lesen. Das heißt, ich will erleben und sehen und hören, was sie erlebt und hört und sieht. "Iris, genannt Iria, lebt in einer großen Stadt" lässt mich nichts erleben, sondern erzählt es mir nur. Da erzeugst du bereits Distanz zu deiner Figur.

 "in einer großen Stadt, in der sich, wie in vielen großen Städten" --> Die Stadt ist also eine wie alle anderen auch. Nichts Spezielles. Später nennst du sie noch mal H., verweigest mir also sogar ihren Namen. Sie bleibt blass.

Die Häuser, die sich grau in grau verschachteln, mag ich. Das ist ein schönes Bild. Warum also nicht einfach "In Irias Stadt verschachteln sich Einfamilien- und Hochhäuser in tausend Farbvarianten von Grau ineinander"? Damit kriege ich gefühlte Nähe zu Iria, denn auf einmal ist sie eine Frau, die in "ihrer" Stadt wohnt. Eine bestimmte Frau in einer bestimmten Stadt, die vielleicht darüber hinaus symbolisch für viele Frauen und Städt stehen - aber hier bekämen sowohl die Stadt wie auch Iria mehr Kraft.

Dass das Grau Bedeutungslosigkeit symbolisiert, ist mir zu flach. Das schwingt auch so schon mit. Ist also redundant und kann gelöscht werden.

Die "unendliche Anzahl beliebiger Gesichter von Fremden" ist mir auch zu flach. Wenn du mehrere Gesichter konkret beschreiben würdest und die Fremden Gestalt gewinnen lässt, nur, damit sie kurz danach verschwinden, dann werden die Fremden nicht mehr unendlich und beliebig, und dann erst wird die Einsamkeit Irias konkret und berührt mich. Und erst dann entsteht für mich die Frage, ob sie ihre Stummheit wirklich zelebriert oder nicht eher dazu gezwungen wird und so weiter.

Du hast da ein gutes Gefühl erwischt, das zu beschreiben sich lohnt. Geh noch tiefer rein. Viel, viel tiefer. Geh dahin, wo es wehtut, und finde all die vielen konkreten kleinen Details, die bewirken, dass es für den Leser Realität gewinnt und nicht bloß eine Schablone bleibt.


_________________
Lange, bevor die Menschen Spiegel erfanden, erzählten sie sich Geschichten und träumten.
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Flammenfreundin
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 31
Beiträge: 102
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 23.12.2015 21:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für eure Anmerkungen!
Ich sehe den Großteil der Kritik ein u. werde den Text entsprechend überarbeiten. Über die Weihnachtstage wird das vielleicht nicht zu schaffen sein, aber demnächst folgt die zweite Version.
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