12 Jahre Schriftstellerforum!
 
Suchen
Suchabfrage:
erweiterte Suche

Login

Jetzt erhältlich! Eine Anthologie von und mit unseren Usern. Jetzt bestellen! Die erste, offizielle DSFo-Anthologie! Lyrikwerkstatt Das DSFo.de DSFopedia


MÖBIUSBAND

 
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Zehntausend 11/2015
 Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 26
Beiträge: 4569
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 15.11.2015 19:00    Titel: MÖBIUSBAND eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

.



MÖBIUSBAND

+++ Gerrits gefährliche Nachtschicht im News-Ticker +++

Am Nachtschalter einer Shell-Tankstelle in Deutschland hat Gerrit vergangene Nacht viel zu schaffen gehabt. Mindestens 27 Laugenstangen wurden belegt, rund 30 Brezeln gebacken. Inzwischen hat mit dem Schichtwechsel ein anderer Mitarbeiter die Verantwortung übernommen. Alle weiteren Informationen hier im Nachrichten-Ticker:

07.16

Gerrit ist eingeschlafen, der Fernseher nicht. Nachrichten auf allen Kanälen. Gerrits Gehirn schläft auch nicht. Es schläft nie.

06.34

Als die Wohnungstür ins Schloss fällt, fällt auch Gerrit in sich zusammen. In seinem Zimmer schält er das rote Shell-Polohemd mitsamt Namensschild von seinem zitternden Körper und betrachtet sich im Spiegel. Da steht er, unser Gerrit, betrachtet sich in einem Spiegel, der seit Monaten nicht geputzt worden ist, während die Morgensonne sich durch die Hügelketten in den wolkenzerrissenen Himmel kämpft. Es ist nicht hell. Vielleicht nur halb, und Gerrits Spiegelbild ist übersät mit verwischten Fingerabdrücken und Staub. Aber seine Gedanken sind klar: Nichts ist mehr fiktiv. Er blickt sich in die Augen, er schätzt sich ab. Dann zieht er auch die Hose und Unterhose aus. Er trägt jetzt nur noch Socken. Gerrits Beine sind behaart, auch der Intimbereich wurde seit Langem nicht mehr rasiert. Eine feine Linie aus Haaren führt zum Bauchnabel. Eigentlich, denkt Gerrit, müsste der Bauchnabel ein Loch ohne Boden sein, genauso wie Pupillen es sind. Aber der Bauchnabel hat ein sichtbares Ende. Und plötzlich dringt es aus Gerrits Zwerchfell, ein Prusten, ein mehrfaches Schnauben, ein Kopf-in-den-Nacken-werfen, ein kehliges, gebrochenes Lachen, das 25 Sekunden andauert und dann in einem atemraubenden Keuchhusten mit rotem Auswurf endet.  

06.13

Im Autoradio läuft Lieblingsmensch von Namika. Gerrit schaltet es aus. Durch die heruntergelassenen Scheiben rauscht der kalte Wind.

05.11

Endlich ist der weiße Van mit den Zeitungen und Zeitschriften da. Gerrit macht fix die Inventur: 12x BILD TERRORKRIEG, 11x FAZ TERROR IN PARIS, 4x HÜRRIYET PARIS’TE TERÖR, 2x PLAYMOBIL SUPER-EDITION VOL. 6, 5X CT MAGAZIN, 5X SZ TERRORSERIE. Gerrit erinnert das Piepsen der Kasse.  

05.03

Eine zerstreute Frau verlangt nach der FAZ und der BILD. Gerrit gerät in Erklärungsnot: Die Zeitungen sind noch nicht ausgeliefert worden. Was für ein dummer Zufall. Die Frau beschließt, noch einige Minuten zu warten. Das findet Gerrit seltsam.

03.30

Im Radio läuft Lieblingsmensch von Namika. Auch wenn ich schweig, du weißt Bescheid / ich brauch gar nichts sagen, ein Blick reicht. Gerrit belegt die Laugenspitzen: 1) Die Laugenspitze einschneiden. 2) Den Boden mit Joghurt-Rahm-Aufstrich bestreichen. 3) Lollo Blonda in die Laugenspitze einlegen und 2 Scheiben Gouda auflegen. 4) Mit 2 Tomatenscheiben garnieren. Gerrit erinnert sich an einen Artikel: Tankstellenräuber spricht bei Überfall kein Wort. Gerrit fabuliert: Jedem Kunden müssen konkrete Zusatzangebote gemacht werden. Wäre ein Tankstellenräuber auch als Kunde zu behandeln? Darf’s noch eine Tüte zu dem Bargeld sein? Oder vielleicht ein Kaffee für die Flucht? Bei dir kann ich ich sein / verträumt und verrückt sein / na na na na na / danke Lieblingsmensch / schön, dass wir uns kenn‘

03.05

Die Überwachungskamera im Laden berichtet mittlerweile von 27 belegten Laugenstangen, 12 Butterbrezeln, 5 belegten Steinofenbrötchen, 3 belegten Baguettes, je 2 Schoko-, Nougat-, Käse-Schinken- und Buttercroissants, 4 Käse-Laugenstangen und 2 Ciabatta Chicken Sunrise. Gerrit liegt gut in der Zeit. Wenn er sich beeilt, kann er vielleicht noch eine rauchen, bevor die Zeitungen geliefert werden.


DIE SCHAUPLÄTZE DES TERRORS:...

1 – LAGERRAUM: Dämmriges Licht. Abgenutzte Regale aus hautfarbenem Blech. Hermes-Pakete. Anmutig aufgereihte Energy-Drink-Dosen. Vor dem Büro der Stationsleiterin stapeln sich abgeschriebene Backwaren in Plastiktüten. Am Montag wird sie zur Überprüfung alles noch einmal durchzählen.  

2 – KAFFEEMASCHINE: Die gefällt Gerrit am besten. Das Geräusch der Mühle ist beruhigend und erinnert an Zustände morgens um acht. Als Angestellter muss Gerrit nur 50ct pro Kaffee zahlen.

3 – WASCHBECKEN: Es gibt zwei davon. Über beiden sind an den weißen Fliesen laminierte Schilder angeklebt. Auf dem linken steht: Mitarbeiter-Waschbecken. Auf dem rechten steht: Obst-Waschbecken.  

4 – BACKSHOP: Die Ästhetik des Backshops. Alle teuren Backwaren haben in der Auslage ganz vorne zu stehen. Der Kunde allerdings ist besorgt um die Billigsten.

5 – HOF: Surrende Fiktion. Der Monolith, im Shell-populistischen Duktus als Begriff für Preistafel verwendet, blickt stolz über die Dächer. Die Kraftstoffpreise ein höllenrotes Glühen in der Nacht.

6 – KASSE: Hier wird Gerrit zum Gerät. Die Rede des Kunden wird übersetzt in eintöniges Piepen. Eine rote Gauloise – Piep! Was kostet ein Snickers – Piep! Piep, Piep, Piep. Die Kasse verfügt über nur ein Signifikant.


00.39

Es wird wieder still um Gerrit und den Radiosprecher.

00.33

Die Tankstelle wird gestürmt. Das berichtet ein ungeduldiger Kunde in der Schlange vor dem Nachtschalter. Angela Merkel hat sich entsetzt über die Attacken geäußert: „Ich bin tief erschüttert von den Nachrichten und Bildern, die uns aus dem Inneren der Tankstelle erreichen.“

00.20

Zwei betrunkene Studenten zeigen sich amüsiert über Gerrits Namen: Der Gerrit – Der Gerät. Ha-Ha. Der Gerrit wird nie müde. Der Gerrit schläft nie ein. Der Gerrit ist immer vor de Chef – in Geschäft. Und holt uns zwei Dosen Cola – schweißfrei.

23.30

Laut eines Temperaturmessgeräts sind die Kühlanlagen intakt. Ihr Surren klingt zufrieden. Das weiß Gerrit, weil er Empath ist.

23.28

Offenbar gibt es weitere Aufgaben für Gerrit. Brötchen müssen gebacken werden und Croissants, Käse-Laugenstangen und Pizza-Snacks. Nachts machen sich die Kunden rar. Hocken in Kneipen oder liegen im Bett und sehen fern oder dringen ineinander ein. Nachts werden die Kunden fiktiv. Auch das ist ein Resultat der Angst.

23.13

Auf der Arbeitsfläche bietet sich einem Augenzeugenbericht zufolge ein Bild des Schreckens. Gerrit berichtet, dass dort überall verschmierte Butter sei, überall Salzkörner und überall Krümel, die er selbst mit dem Messer aus der Teigmenge gerissen hätte.

23.03

Ist gerade kein Kunde da, kann Gerrit das Rauschen des Lautsprechers vernehmen. Vielleicht ist es der Wind oder die kalte Luft oder das Surren der Zapfsäulen. Das Rauschen kann nicht zugeordnet werden. Es ist eine unbekannte Konstante, die immer beachtet werden muss.

22.58

Ein Kunde mit flackernden Augen führt die Existenz des Nachtschalters auf die in der Umgebung neu entstandenen Asylheime zurück.

22.46
 
Gerrits Arme sind verlängert durch zwei Hebel. Der eine schiebt ein Geldfach nach draußen zum Kunden, der andere ein Warenfach. Das Geld wird im iCash-System gezählt und aufbewahrt. Sowohl die Hebel als auch das iCash-System sind Resultate einer pochenden Angst.

22.42

Nach einer halben Stunde ist die Butter weich genug. Gerrit streift sich Plastikhandschuhe über und halbiert die Brezeln. Laut der Stationsleiterin soll es mindestens 12 Butterbrezeln geben. Außerdem sei zu beachten, dass die Butter gut verteilt ist.

22.35

Seltsam, denkt Gerrit, die Nachrichten kommen heute häufiger als sonst. Aber die Tankpreise haben sich geändert. Clubsmart-Kunden können jetzt 16ct/L sparen.

22.31

Ein Polizeisprecher bestätigt, dass er an der 3 getankt hat, er konnte zunächst aber keine Details nennen.

22.26

Im Radio läuft Lieblingsmensch von Namika. Und die Plörre an der Tanke / schmeckt wie Kaffee auf Hawaii, yeah. Gerrit weiß, dass sich etwas anbahnt: Arbeit und Stress. Noch kann er sich ausruhen, während die Brezeln im Ofen sind. Deshalb dreht er sich eine Zigarette und lässt sich einen Kaffee raus.

22.19

Gerrit berichtet einem Kunden, dass es sogar in mehreren Vierteln Überfälle gegeben hat. Daher ist ab sofort der Nachtschalter aktiv. Durch den Lautsprecher klingen alle Kunden wie Roboter. Aber Gerrit ist kein Roboter. Er führt nur die Prozesse aus, die ihm von der Stationsleiterin nahegelegt worden sind.

22.12

Einzelne Laubblätter verfangen sich im Besenkamm, das Kratzen von Kunststoffborsten auf Beton hallt über den Hof. Im Kopf geht Gerrit noch einmal die Anweisungen durch: Wassereimer an den Zapfsäulen auf Füllstand überprüfen. Ölcontainer abschließen. Waschanlage abschließen. Kunden-WC auf Sauberkeit überprüfen. Unklar ist, ob die beiden Vorfälle miteinander im Zusammenhang stehen.

21.45

Gerrit bereitet alles für den Nachtschalter vor. Der Nachtschalter ist ein Schutzmechanismus in Krisensituationen. Der Nachtschalter mindert den finanziellen Gewinn durch Spontankäufe, schützt aber die Angestellten vor den Überfällen, die noch nicht stattgefunden haben. Der Nachtschalter ist



.

Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Schreibhand
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 116



BeitragVerfasst am: 16.11.2015 21:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm....sry kann irgendwie nichts mit anfangen...aber das muss ja nichts heißen..
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1754
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 17.11.2015 10:22    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser zeitgenössische Text hat, zugegeben, ein paar Schwachstellen, an denen die Verbindung zum Thema etwas bemüht wirkt, dennoch gefällt er mir außerordentlich gut und rangelt gemeinsam mit meinem anderen Favoriten um den ersten Platz in meiner Wertung.

Geschildert wird hier per Newsticker, der wunderbar subtil als „Terror“ aufgezeigte Arbeitsalltag eines Tankstellen-Nachtschichtlers, der mit außerordentlicher Sensitivität ausgestattet, sich wie ferngesteuert, totalüberwacht und abgeschottet in seiner isoliert wirkenden „Zelle“, als Ausführender vorgeschriebener Prozesse bewegt. Seine Handlungen sind minutiös vorgeschrieben, werden von Kameras aufgezeichnet und werden durch Einflüsse von außen mit feinem Humor ins Absurde gezeichnet: Angela Merkel, die die vorher gehäuft stattgefunden habenden Tankstellenüberfälle kommentiert, „Lieblingsmensch“ das wieder und wieder im Radio läuft.

Man muss diesen Text nach dem ersten vorwärts lesen von hinten neu beginnen, um ihn zu begreifen, aber dieses zweite lesen Müssen wird mit neuen Entdeckungen bezogen auf die subtile Vielschichtigkeit des Textes belohnt und tatsächlich habe ich nach dem „Rückwärtsgang“ mit noch mehr Begeisterung wieder von vorn gelesen und in dieser Leselust in innerer Bestätigung genickt: dieser Text ist einfach sehr schön komponiert und ausgearbeitet. Er transportiert einen subtilen und dabei sehr realen Grusel, eine Art alltäglicher Wesensbedrohung für Menschen, die hier ganz unprätentiös als „Empathen“ benannt werden.

Es ließe sich noch mehr sagen: Zu der durchaus ernst zu nehmenden spürbaren Bedrohung, die über allem schwebt. Zur feinen Ironie, die manchmal heiter und leicht scheint und darunter wirklich auch bitter und ernst ist. Den Seitenhieben gegen die moderne Medienwelt, die bis in kleinste Alltäglichkeiten den Menschen eigener Handlungsfreiheit und Daseinsberechtigung beraubt, und vieles mehr, was da noch mitschwingt und nachklingt. Schon allein, wenn ich nach dem Lesen wieder zum Titel hochscrolle. Sehr gehaltvoll, das Ganze!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 17.11.2015 12:39    Titel: Antworten mit Zitat

Erster Eindruck: Verstehe ich nicht. Entweder mir entgeht da etwas, oder es fehlt ein Teil, das aus den Fragmenten ein Ganzes macht. So ist das eine unspannende Typ-an-der-Tanke-Geschichte die vor lauter Suspense schlaff wird. Rekursive Erzähle hilft da auch nicht. Trägt nur zu dieser Pseudo-Spannung bei. Und wo genau finde ich die Menschmaschine? In der Anspielung mit dem Namen? Darin dass, Gerrit, das Gerät, sich an Arbeitsanweisungen hält? Bisschen dünn, oder? Aber irgendwo scheint da etwas zu schwelen. Nur finde ich es nicht.

_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Vanir7777
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 104



BeitragVerfasst am: 20.11.2015 09:32    Titel: Antworten mit Zitat

Bei meinen Bewertungen gehe ich nach folgendem Schema vor:
Inhalt/Hat es zum Denken angeregt?
Sprache/Stil (Ich bin kein Germanist! Ich finde ein guter Schreibstil schlägt sich darin nieder, dass man den Text liest und nicht über Sätze, seltsame Metaphern o.Ä. stolpert.)
Subjektiver Eindruck
Am Ende entscheidet mein Eindruck, da ich der Meinung bin, dass Texte schwer objektiv bewertet werden können. Ich versuche aber bei Inhalt und Stil auf die Gründe einzugehen.

Sehr interessanter Text. Hier steht klar der Mensch als Maschine im Mittelpunkt. Finde ich gut… Du hast deinen Text vermutlich auch noch mit den Geschehnissen letzte Woche verbunden. Da weiß ich nicht ob dieser „Geschichtsstrang“ notwendig gewesen wäre, um dem Leser deutlich zu machen, was du vermitteln willst.
Experimentierfreudig. Das kann man dem Text wohl ohne mit der Wimper zu zucken bescheinigen. Für meinen Geschmack zu experimentierfreudig. Leider. Ich hatte ansonsten nichts auszusetzen, so bleiben die Punkte für andere Texte.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3538
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 23.11.2015 22:54    Titel: Antworten mit Zitat

Seltsam, wie lange ich gebraucht habe, um zu begreifen, dass die Absurdität hier nur Programm sein kann. Insbesondere die völlig unverknüpft drinhängende Info, die Tankstelle sei gestürmt worden, verwirrte mich arg. Immerhin war sie der Bundeskanzlerin ein Statement wert. Nun gut, es gab ja auch einen Augenzeugenbericht. Passiert ist aber in Wirklichkeit gar nichts. Naja. Ist mir dann doch etwas dick aufgetragen.
Oder dies hier:
Zitat:
Sowohl die Hebel als auch das iCash-System sind Resultate einer pochenden Angst.

Ja doch! denke ich. Stimmt schon irgendwie. Aber soll ich das jetzt schlimm finden? In machen Städten der Welt steht an jeder Ecke ein Soldat mit einer Kalaschnikov. Da philosophiere ich doch nicht über Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Tankstellen.

An anderen Stellen hat das besser funktioniert. Die Beschreibung des Brezelmassakers ist herrlich. Meine Lieblingspassage ist aber "Die Schauplätze des Terrors", insbesondere das hier:
Zitat:
5 – HOF: Surrende Fiktion. Der Monolith, im Shell-populistischen Duktus als Begriff für Preistafel verwendet, blickt stolz über die Dächer. Die Kraftstoffpreise ein höllenrotes Glühen in der Nacht.

6 – KASSE: Hier wird Gerrit zum Gerät. Die Rede des Kunden wird übersetzt in eintöniges Piepen. Eine rote Gauloise – Piep! Was kostet ein Snickers – Piep! Piep, Piep, Piep. Die Kasse verfügt über nur ein Signifikant.

Das ist schon klasse.

Fragen wirft der Text auf, allerdings nicht von der Sorte, die mich sehr zum "Koproduzieren" reizen. Der Titel soll möglicherweise darauf hindeuten, dass Gerrit (und der von Terrorangst terrorisierte Teil der Bevölkerung) nicht weiß, wo oben und unten ist. Was mich aber auch auf die Frage bringt, wer eigentlich mitten in der Nacht so viele Backwaren kauft. An den Nachtschaltern von Tankstellen, die ich so kenne, gibt es auch keine Warteschlangen. Aber vielleicht habe ich da zu weit gedacht. Vielleicht erinnert ein Möbiusband auch einfach entfernt an eine Brezel.

Tja, und warum hört der Text mittendrin auf, ist also der älteste Ticker-Eintrag nicht zu Ende geschrieben? Damit's auch ganz sicher als Fragment durchgeht? Wäre nicht nötig gewesen. 10.000 Zeichen voll und einfach das Schreiben eingestellt? Überhaupt dieser News-Ticker. Wer hat den geschrieben, wer verfolgt Gerrit denn da sogar bis in seine Wohnung und kennt seine Gedanken? Dieses Format wirkte mir ziemlich aufgesetzt.

Den Bezug zum Thema fand ich - klar, verglichen mit den anderen Beiträgen - auch ziemlich bemüht. Da macht halt einer einen Job, und zwar keinen, bei dem er selbst irgendetwas zu entscheiden hat. Er führt nur Anweisungen aus, wie eine Maschine. So weit bekannt, so weit langweilig. Die Verzerrung der Kundenwünsche durch das Mikrofon, die Arme für die Geld- und Warenschubladen, das Bedienen von Mikrowelle und Scanner machen die Sache ein bisschen pfiffiger. Trotzdem für mich eine eher flache Umsetzung des Themas.

Also, wie wohl rauszulesen ist: Habe den Beitrag mit viel Schmunzeln gelesen, aber auch mit viel Strinrunzeln. So richtig begriffen habe ich nicht, was mir der Text sagen will oder könnte. Für meine Top 10 hat es dann leider auch nicht gereicht.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 15:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Text, der sich mir trotz Kenntnis des Möbiusbandes nicht erschließt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Mal ein Blick auf die heutige Realität, statt in eine Dystopie.  Das gefällt mir.
Was mir nicht so gefällt:
Ich verstehe nicht, wie es gemeint ist, mit den Zeit- und Inhaltsangaben der kurzen Nachrichten.
Ich habe es vorwärts gelesen – es passte nicht.
Und dann rückwärts – passte auch nicht.
Wahrscheinlich liegt der Knackpunkt in der Passage : „DIE SCHAUPLÄTZE DES TERRORS:... „

Aber ich verstehe es trotzdem nicht


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Akiragirl
Geschlecht:weiblichDünnhäuterin

Alter: 28
Beiträge: 5593
Wohnort: Leipzig
Der goldene Spiegel - Prosa DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

was mir an dem Text wirklich gut gefällt, die die Spielerei mit der Form und wie das zum Titel und dem passt, was du transportieren wolltest (oder was ich zumindest darin sehe). Für mich ist es ein Text darüber, dass Stunden oder auch Tage vergehen können im Leben, ohne dass sich wirklich etwas ändert und ohne dass etwas, das passiert, echte Auswirkungen auf etwas anderes hat. Es gibt dann keinen Anfang und kein Ende, kein hinten und kein vorne, eben wie bei einem Möbiusband.

Diese Idee hast du hier dadurch verdeutlicht, dass du den Abend/die Nacht als Nachrichten eines Newstickers verpackst, die man, wie das bei Newstickern nun so üblich ist, vom Ende zum Anfang hin liest. Ich habe den Text dann später auch noch einmal in umgekehrter Reihenfolge gelesen, er funktioniert tatsächlich so oder so. Insofern ist diese Anordnung wirklich interessant und mal etwas Neues. Ein paar Referenzen auf die Terroranschläge sind auch mit drin, das fügt sich für mein Empfinden auch ganz gut ins Gesamtbild.

Der Protagonist Gerrit „funktioniert“ wie eine Maschine, was durch die Aufzählungen der verkauften Brötchen und Brezeln bis ins letzte Detail gut verdeutlicht wird. Er hört wieder und wieder dieselben Lieder, verkauft denselben Kram, hat mehr oder weniger tiefsinnige Gedanken dabei.
Das hat einen schönen Rhythmus, eine interessante Perspektive, auf jeden Fall.

Was mir im Vergleich zu den höher bewerteten Texten des Wettbewerbs hier allerdings fehlt, ist die Substanz, vielleicht auch die emotionale Tiefe, ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken kann. Der Test liest sich gut weg, aber er blieb mir nicht haften, da war nichts, was mich noch länger bewogen hat, über ihn nachzudenken und nichts, was emotional bei mir nachhallte. Ich weiß, das ist jetzt keine sehr hilfreiche Kritik, aber für mich war der Text einen Tick zu „mechanisch“, wobei das zur Themenvorgabe passte. Auch die vielen Wiederholungen haben mich, obwohl mir klar ist, dass es sich um Stilmittel handelt, ein bisschen genervt und gelangweilt.

Insofern: Guter Text, der nur aufgrund meines individuellen Geschmacks von mir nicht mehr als 3 Punkte erhält. Aber 3 Punkte. Immerhin smile

Liebe Grüße
Anne


_________________
"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 22:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Fragment: fragmentarisch, aber mit dem Ende der Nacht irgendwie auch abgeschlossen.
MenschMaschine: wirkt mir zu gezwungen
Packt mich nicht, wirft mir keine Fragen auf. Die Schauplätze des Terrors: Im besten Fall irritierend.

Keine Punkte,

Gruß
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Flotte Schreibefeder
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 32
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 26.11.2015 11:05    Titel: Antworten mit Zitat

Die Idee, die Geschichte rückwarts zu erzählen, hat mir gut gefallen und war für mich ziemlich ungewöhnlich. Sehr schön fand ich auch, wie du das Lied eingebaut hast.

Auch der Einschub, in dem die Umgebung in der Tankstelle beschrieben wird, hat mir sehr gefallen. Im Angesicht von den Zeitungsüberschriften über Paris, fand ich die Bezeichnung "Schauplätze des Terrors" aber irgendwie seltsam. Das hat mich völlig aus dem Text gerissen.

Am Ende hat mir dein Beitrag sehr gefallen; nur sind eigentlich keine Fragen, Gedanken, Grübeleien übrig geblieben. Das einzige, was ich mir notieren konnte, war: Was willst du mir damit sagen/vermitteln?
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 26.11.2015 13:47    Titel: Antworten mit Zitat

Der Nachtjob an der Tankstelle, das ist sicher nur Zufall, aber „Lieblingsmensch“?! Dennis?! - ausnahmsweise bin ich mir mal so gut wie sicher, was den Verfasser anbelangt (am Ende liege ich aber eh immer falsch). Natürlich versuche ich mein Möglichstes, dieses Wissen Vermutung bei der Beurteilung des Textes nicht zu berücksichtigen.

Was ich jedoch beschlossen habe, in meine Deutung und mein Urteil miteinzuschließen, das ist die Tatsache(/Vermutung), dass der Text "autobiographisch" ist (oder wirkt). Und zwar deshalb:
Für mich handelt dieser Text von der persönlichen Betroffenheit, die gewisse Ereignisse (zuletzt und damit sicher Anlass für diesen Text die Terroranschläge in Paris) hervorrufen, im Gegensatz zu anderen Ereignissen, die weniger persönliche Betroffenheit hervorrufen - denn ich lese den Text auch als Kritik oder zumindest als Infragestellung manch allzu persönlicher Betroffenheitsäußerungen. Denn es ist ja nicht Dennis Gerrit, der die Anschläge miterlebt, er schmiert solange Butterbrezeln, aber es fühlt sich so an - oder fühlt es sich gar nicht wirklich so an? Und falls doch, warum eigentlich, wo er doch gerade Butterbrezeln an einer Tankstelle in *piep* (beliebige deutsche Kleinstadt) schmiert. Und Kaffee trinkt. Und das ist ein ganz persönliches und ganz aktuelles Thema, vor allem der Kaffee, und zurück zum Punkt: Ich berücksichtige oben genanntes deshalb, weil die Kernfragen des Textes (oder meine Assoziationen) auf seiner Unmittelbarkeit und seiner Ichbezogenheit (bezogen jetzt auf den Protagonisten / Erzähler / Verfasser) fußen. Denn es sind ja unbearbeitete Eindrücke der eigenen Befindlichkeit, wenige Tage, nein Stunden nach den Ereignissen, und um diese darstellen zu können, muss dieser Text so persönlich wie möglich sein und darf er völlig unreflektiert und roh, eben unfertig sein.
Ein so kluger Schachzug, denn wie besser könnte man die Fragmentvorgabe im Sinne des Heiner-Müller-Zitates umsetzen? Das ist unbearbeitet, da scheint absolut der Entstehungsprozess durch, nicht nur scheinbar durch die Newsticker-Form, die du gewählt hast, sondern eben auch durch oben genannte (oder unterstellte) persönliche Zusammenhänge. Und fertiggedacht ist da auch überhaupt nichts, nicht annähernd, und wie sollte es auch: Manchmal passieren eben Dinge, mit denen man gedanklich niemals fertigwerden kann. Und trotzdem liest man und hört man darüber so viele fertige Meinungen immer und überall, und will man davon überhaupt noch mehr lesen und nicht stattdessen auch mal etwas über Gerrit, der Brezeln schmiert.

Der Titel auch, er beschreibt die Kernidee des Textes perfekt: ein Möbiusband hat keine Außen- und Innenansicht, sondern beide gehen ineinander über. (Einzig: was sollen die Kapitalbuchstaben, AN DER FESTSTELLTASTE HÄNGENGEBLIEBEN? Da fühle ich mich immer so angeschrien.)

Während ich mir bei so manchem Text, den ich zuerst mochte, im Zuge meiner Rezension erst über Schwächen bewusst wurde, die mein Urteil ins Wanken brachten - mag ich diesen Text (dessen Form mir anfangs verkünstelt erschien) immer mehr, je länger ich über ihn nachdenke. Und jedenfalls ist es der Text im Wettbewerb, der mir am meisten quer im Kopf hängen blieb (was natürlich an der Aktualität seiner Thematik liegen kann).

Was mache ich jetzt. Aber ich kann dem Text ja nicht keine 12 Punkte geben, nur weil ich den Verfasser erkannt zu haben glaube und aufgrund meiner diesbezüglichen Offenheit jemand meine Neutralität in Frage stellen könnte. Wir bewerten ja hier Texte und nicht Autoren.

-> 12 Punkte

Und wenn du nicht Dennis bist? Dann bist du Meister(in) der Fiktion und gefälschten Wahrheit und hast dir die Punkte sowieso verdient.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 26
Beiträge: 4569
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 26.11.2015 17:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ach Dennis. Dennis, Dennis, Dennis, vielleicht hättest du noch einen Tag mit dem Absenden warten sollen.

_________________
"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 26.11.2015 19:29    Titel: Antworten mit Zitat


    Zwölf Punkte für MÖBIUSBAND

    Ein Text ohne Kehrseite?
    „Möbiusband“ spiegelt eintöniges Arbeitsleben an den aktuellen Terrorangriffen. So entsteht eine schwarze Satire mit sprachlichem Witz und gelungener Form, die unseren Umgang mit dem Weltgeschehen kritisiert.

    Abends, halb Zehn in Deutschland. Ein junger Mann namens Gerrit, der sich genau so schluff vorkommt wie dieses klassische Zitat aus der „Knoppers“-Werbung, kommt in einer Tankstelle an. Dort arbeitet er nämlich. Er bestreicht Brötchen. Er verkauft Zeitungen. Natürlich verkauft er auch Sprit. Und Spirituosen. Zwischendurch trinkt er Kaffee. Gähn? Findet Gerrit auch. Eingesperrt hinter dem Nachtschalter, einer Sicherheitsvorrichtung aus kugelsicherem Glas und Sprechanlage, arbeitet er seine Zeit ab, führt, weniger roboter- als vielmehr zombiehaft die notwendigen Schritte aus, die sein Job erfordert. Als er nach Hause kommt, sinniert er über seinen Bauchnabel und fällt in einen schlaflosen Schlaf.
       Das alles klänge nach einer langweiligen Alltagsbeschreibung, wäre da nicht die Form, in der sie dargestellt wird. Im Newsticker werden wir über jedes frisch geschmierte Brötchen informiert, auch Angela Merkels Bestürzung meldet sich zu Wort. Die Parallelen zu den Pariser Terror-Attacken werden deutlich gezogen, also muss man sich die Frage stellen: Ist es zu früh, darüber Witze zu machen? Nein, nicht zu früh, sondern hochaktuell.
       Zunächst mag es wirken, als machte sich der Text über die Anschläge lustig, ob gewollt oder ungewollt, indem er die Form der aktuellen Berichterstattung übernimmt. Die neuesten Entwicklungen werden in telegrammartigen Notizen zusammengefasst, damit der geschockte Leser immer auf dem neuesten Stand ist. Nervöser Finger auf F5. Doch hier zeigt sich die andere Seite des Textes: Diese Sensationsgier und Betroffenheit, die nur punktuell stattfindet und mit dem nächsten Ereignis vergessen wird, ist es, was „MÖBIUSBAND“ kritisiert. Gerrit treibt es auf die Spitze, indem er seinen Fernseher nie ausschaltet, aber die Nachrichten nicht wahrnimmt. Ebenso wie er die Zeitungen verkauft, deren Schlagzeilen liest, aber nicht zur Kenntnis nimmt. Alles rauscht an ihm vorbei, ohne etwas zu bedeuten. Nicht zuletzt konterkariert die Einrichtung des Nachtschalters den Ruf nach mehr Sicherheit, der solchen Katastrophen stets folgt: Denn es passiert ja nichts. Anders als vielleicht erwartet.
       Den Höhepunkt seiner Schärfe erreicht der Text am Ende. Noch deutlicher als bei Gerrits Nabelschau nach den „dramatischen Ereignissen“ in der Tankstelle kann man die Kritik an der Nebensächlichkeit, die sich hinter echter, aber kurzer Anteilnahme verbergen mag, nicht machen. Insgesamt liegt hier also eine Satire vor, die formal gewagt ist, den Ansprüchen an die Fragmentarität und das Thema des Wettbewerbs genügt und darüber hinaus die Frage stellt, wie wir in Zukunft mit großen Unglücken umgehen möchten. Mit einem Neugierde befriedigenden Egoismus. Oder mit Nachhaltigkeit.


     
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 00:33    Titel: Antworten mit Zitat

Herrliches Antidot zur Terror-Dauerberichterstattung. Trotz der amüsanten Erzählung eine klare und eindrückliche Sprache, handwerklich gut gemacht, geschickt konstruiert, laufend mit der Erwartung des Lesers spielend.

Hübscher Abbruch, der aus dem Text mal wirklich ein Fragment macht. Trotz der Amüsanz enthält der Text über sich hinausgehend auch einen sehr eindeutigen gesellschaftlichen Kommentar zum Umgang mit Nicht-Nachrichten. Großes Kino mit leichten Mängeln (bswp. "Gerrit erinnert das Piepsen der Kasse." oder "auch der Intimbereich wurde seit Langem nicht mehr rasiert.")
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
lupus
Geschlecht:männlichBestseller-Autor

Alter: 50
Beiträge: 4173
Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 12:12    Titel: Re: MÖBIUSBAND Antworten mit Zitat

Guten Abend,

das ist sehr gut, routiniert geschrieben. Leider nicht mehr. DieIdee es von hinten aufzuziehen ist recht originell (im Wettbewerbs-vergleich), allerdings stellt sich die Frage nach dem Wozu. In wie fern hat das mit dem Inhalt zu tun, in wie fern hebt es sich von einer reinen- zugegeben gut gemachten - Spielerei ab?

Die Tatsache, dass du dem leser nicht zutraust, selbst zu erkennen, dass es sich um einen Live-Ticker handelt, ist ernüchternd.

Die Idee?
Paris kommt vor, merkel in der Tankstelle - Wozu?

In so fern regt mich der Text zum Nachdenken an, aber eben nur strukturell, nicht inhaltlich.


So, das alles, wenn ich den Text nicht noch einmal gelesen hätte, denn:
die lapidare Live-Ticker-Sprache, die sich dem hoch-emotionalen Thema 'Angst' nähert, was sie mit uns macht - die Metapher 'Nachtschalter' als Überwachung, die dargestellt 'Merkel-Schnittmenge', das Übergreifen auf alle Lebensbereiche und dann der Titel; dieses ewig weiterlaufen, dieses nciht aus dem Problem rausfinden - das alles ist wirklich gut.

Und dann: gerrit vor dem Spiegel. Nuuun, an sich nicht schlecht gemacht, der Blick in die Seele, aber: Spiegel? Wann zum teufel wird der Spiegel endlich aus der Literatur verbannt? Smile

aber: wurscht jetzt - find ich toll gemacht - mancher Kritikpunkt bleibt aber aufrecht.

lgl


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

-------------------------------------------------------
"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
MaryShelley
Sonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ernste Literatur: Jein
Fragment: Ja
Lesequalität: befriedigend

...hat mich inhaltlich nicht überzeugt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 28
Beiträge: 1269

Ei 3


BeitragVerfasst am: 27.11.2015 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist - für mich -  der am besten geschriebene Text im Wettbewerb und der mit dem interessantesten Aufbau. Es gibt Texte, die werfen mehr Fragen auf, die sind nachdenklicher oder beleuchten einen selteneren Aspekt, aber dieser Text ist einfach in seiner Schreibart sehr schön. Maschine und Fragen sind auch da. Ich mag das. Liefert sich gerade ein Kopf an Kopf rennen mit einem anderen um Platz eins. Hach, das wird schwer.

_________________
Verschrieben. Verzettelt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
wwwave
Schreiberassi


Beiträge: 35
Wohnort: Hinterm Mond


BeitragVerfasst am: 27.11.2015 18:33    Titel: Antworten mit Zitat

Der Sinn dieses Textes erschließt sich mir leider nicht.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 26
Beiträge: 4569
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 28.11.2015 16:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

FAQ

(können auch überflogen werden)

1. Warum wird Gerrit "der Gerät" genannt? Was soll die Stelle?

---> https://youtu.be/kIJC-JXJVyU

2. Für mich ergibt die Geschichte keinen Sinn. Erzähl mal!


Mir war sofort klar, dass der Text auf viele Leser unbefriedigend wirkt, auch irgendwie erzwungen, das Thema nur oberflächlich bearbeitet - ich wusste schon beim Schreiben, dass man diesem Text leicht auf den Leim gehen kann, und ich habe wenig bis gar keine Schritte unternommen, dieser Verwirrung vorzubeugen. Zuerst was über den Entstehungsprozess des Textes. Ist zwar für den Leser nicht wichtig, weil nicht vermerkt, aber vielleicht sollte das für ein umfassenderes Verständnis des Textes noch getan werden.

Grundlage für den Text waren zwei verschiedene Internet -Liveticker zu den Ereignissen in Paris. Einige Sätze aus dem Liveticker habe ich montiert, andere wiederum collagiert, andere wiederum selbst geschrieben. Dass hier alles zusammengesetzt worden ist, konnte der Leser natürlich nicht wissen. Ich wollte mich aber nicht durch den Entstehungsprozess als solchen hervorheben, da am Ende nur der Text zählen sollte, und nicht seine Konstitution bzw., wie man es auf öffentlichen Wettbewerben immer öfter sieht, die nebenstehende Performance. So ist auch das "Rückwärtslaufen" des Textes nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern gehörte zum Liveticker. Es ist nicht meine Idee gewesen, keine oder kaum eine Handlung einzubringen, das gehörte zum Liveticker. Ich habe hier möglichst nah mit dieser Form gearbeitet, um sie realitätsgetreuer wirken zu lassen. An einer Stelle habe ich auch aus dem offiziellen Shell-Deli2Go-Zubereitungskatalog die Anweisungen für das Belegen der Laugenspitzen übernommen.

Und ich wusste natürlich nicht: Ist das angebracht, auf diese Art über Paris zu reflektieren? Nicht nur, dass es satirisch wirken könnte, während des Schreibens habe ich mir gegenüber eine Abneigung empfunden - dass da jemand auf die Idee kommt, das Bild der Konzerthalle zu ersetzen mit:
"Gerrit berichtet, dass dort überall verschmierte Butter sei, überall Salzkörner und überall Krümel, die er selbst mit dem Messer aus der Teigmenge gerissen hätte."
Oder als die Konzerthalle gestürmt wird, zu schreiben:
"Die Tankstelle wird gestürmt."
Oder den Bericht über die Anzahl der Toten und Verletzten zu ersetzen durch:
"Die Überwachungskamera im Laden berichtet mittlerweile von 27 belegten Laugenstangen, 12 Butterbrezeln, 5 belegten Steinofenbrötchen [...]"
Für mich war vor allem interessant, auf welche Art und Weise diese beiden Prozesse dann ineinandergreifen. Auf sprachlicher Ebene sollte geschehen, was auch in Gerrits Kopf geschieht - der Terror wird wahrgenommen, er wird irgendwo im Kopf verstaut, aber verwächst eben mit diesem prozesshaften Arbeiten während der (meist sehr stressigen) Nachtschicht zu einem undefinierbaren Kauderwelsch. Das war für mich das Möbiusband, das Innen und Außen geht ineinander über, das Innen als einerseits die Tankstelle sowie Gerrits Hirn, das Außen für das Außerhalb, aber auch das Radio, die Geschehnisse...und ich hoffte, dass das dem ein oder anderen bewusst wird durch Sätze wie:
- "Ein Polizeisprecher bestätigt, dass er an der 3 getankt hat, er konnte zunächst aber keine Details nennen. "
- "Angela Merkel hat sich entsetzt über die Attacken geäußert: 'Ich bin tief erschüttert von den Nachrichten und Bildern, die uns aus dem Inneren der Tankstelle erreichen.' "
(Fettgedruckt hier das, was direkt aus den Livetickern übernommen worden ist)

Auch der Zwischentitel "Die Schauplätze des Terrors" wurde aus dem Ticker einfach mitgenommen. Der stand da einfach mittendrin.

Also wenn ich hier mein eigenes Feedback ziehen darf: Ich finde den Text in seiner Machart immer noch sehr gelungen, glaube aber, dass ich mit mehr Zeit zum Überarbeiten (habe den ja innerhalb von 12-14 Stunden fertig geschrieben, quasi direkt nach der Nachtschicht im Halbschlaf rausgeschrien) einiges deutlicher hätte hervorheben können. 12-14 Stunden heißt nicht, dass ich das alles völlig unreflektiert geschrieben hätte. Erschreckend vieles hatte ich schon zuvor als Gerüst notiert, z.B. die Nachtschaltersituation als solches und so gut wie alles aus den Schauplätzen des Terrors. Ich habe nur ein bisschen umgeschrieben, damit sich das alles ineinanderfügt. Aber ich schweife ab: Mittlerweile gibt es einige Stellen, die ich so nicht schreiben würde. Die werde ich ändern, und ich habe hier das Gefühl, ich habe einen wunden Punkt getroffen, in dem ich gerne noch weiter herumpulen würde - ich kann mir das hier also durchaus als Teil einer größeren Erzählung vorstellen.

Zu den Kommentaren (1)


@Schreibhand, Michel, wwwave: Schade. Trotzdem vielen Dank fürs Lesen!

@Literättin: Ich danke dir für diesen Kommentar, der - wie ich es von dir gewohnt bin - sehr tiefgreifend ist. Kann ich dich fragen, an welchen Stellen dir die Anbindung zum Thema zu bemüht erscheint? Dass der erste Abschnitt (21:45) mittendrin endet, finde ich mittlerweile auch bescheuert. Das war die Angst vor der Disqualifikation. Insgesamt habe ich mich sehr gefreut, deine Perspektive zu dem Text einnehmen zu können. Danke!

@holg: Die Menschmaschine sehe ich v.a. darin, dass durch die hohe Prozessualität in Gerrits Handlungen die Reflektion über aktuelle Geschehnisse nicht mehr möglich wird. Szs. eine Emotionslosigkeit, die aus Angst entsteht. Schade, dass du mit dem Text nichts anfangen konntest - wird dir das mit meinen obigen Erläuterungen klarer? Und wenn ja, was müsste ich in den Text noch einbringen, damit er diese Klarheit auch ohne meine Erläuterung transportiert?

@Vanir7777: Auch hier: Schade! Die hohe Experimentierfreudigkeit in diesem Text ist aber tatsächlich auch Geschmackssache. Kann ich nachvollziehen - danke für deine ehrliche Meinung!

@nebenfluss: Ich denke, ein Großteil deiner Verwirrung erwächst dann daraus, dass ich nicht deutlich genug gemacht habe, aus welchen Komponenten sich dieser Text zusammensetzt. Also - warum die Tankstelle "gestürmt" wird, habe ich ja z.B. oben aufgeführt.

Zitat:
In machen Städten der Welt steht an jeder Ecke ein Soldat mit einer Kalaschnikov. Da philosophiere ich doch nicht über Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Tankstellen.


Und warum nicht? Ich glaube, das alles miteinander zusammenhängt. Zwar ist das bei meinem Text hier noch nicht der Fall (und es wird noch einige Jahre dauern, bis ich das auch nur ansatzweise kann), aber ich bin der festen Überzeugung, dass so eine Tankstellenbeschreibung mehr über die aktuelle Weltsituation sagen kann als ein Essay, oder Nachrichten, oder eine Geschichte über Soldaten mit Kalaschnikovs.
Ich stimme dir aber vollkommen zu, was die Erzwungenheit des Themas angeht. Gerrit wurde hier möglichst oft roboterhaft dargestellt, damit er auch wirklich nicht disqualifiziert wird. An anderer Stelle schrieb ich schon, dass für mich nicht Gerrit nur in seinen Handlungen als MenschMaschine durchgeht, sondern viel mehr in seiner Rezeption, die beeinträchtigt wird durch die Handlungen. Ist schwer zu beschreiben, aber diese Handlungsebene ist schon sehr erzwungen durchgesetzt worden. Da muss ich noch mal ran. Wo ziehst denn du die Grenze zwischen erzwungen und "geht grade noch so"? Würde mich interessieren, da ich sehr gerne an diesem Text arbeiten will. Danke für das ausführliche (!) Feedback!

@Tjana: Auch hier nochmal: Schade! Sad Aber vielleicht wird es durch die FAQ deutlicher - und wenn das so ist, was würdest du noch tun, damit man es als Leser auch kapieren kann? Ich glaube nämlich, ein paar Variablen müsste ich schon noch einführen, damit der Text ganz durchlässig wird.

@Akiragirl: Danke auch dir für das ausführliche Feedback! smile Und hier bräuchte ich auch deine Hilfe nochmal - glaubst du, wenn du Punkt (2) der obigen FAQ liest, dass die Geschichte tiefer greift? Und wenn ja - was fehlt dir noch, damit das auch ohne meine Erläuterungen deutlich wird? Hier würde ich mich noch mal über eine Antwort freuen!

@tronde: Schade! Vielen Dank trotzdem fürs Lesen. smile
 
@Flotte Schreibfeder: Als ist ja doch eine Frage geblieben! Laughing Wird es klarer mit meinen obigen Erläuterungen? Und was fehlt noch im Text, damit das deutlich wird? Mich freut, dass dir das konzeptuelle gefällt. Vielen Dank für dein Feedback!

[to be continued...]

Aber schon mal im Voraus: Ich bin euch unendlich dankbar für all eure Kommentare! Das ist alles sehr konstruktiv und ich kann da einiges mitnehmen. Also: Danke! smile extra


_________________
"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1754
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 28.11.2015 16:52    Titel: Antworten mit Zitat

Dennis smile, klar darfst Du!

Und ich antworte: Ich fand es unnötig, die Verbindung zum Gerät herzustellen, einmal an der Kasse und einmal durch die Kommentare der Jungs.

Auch die Stelle an der er mit verlängerten Armen hantiert, da stutzte ich und dachte: überflüssig. Mir erschien die Stelle auch sprachlich irgendwie verkantet. Mal sehen, ob ich sie finde ...

... hier:
Zitat:
Gerrits Arme sind verlängert durch zwei Hebel. Der eine schiebt ein Geldfach nach draußen zum Kunden, der andere ein Warenfach. Das Geld wird im iCash-System gezählt und aufbewahrt. Sowohl die Hebel als auch das iCash-System sind Resultate einer pochenden Angst.


Also Gerrit - Gerät und die verlängerten Arme, waren mir zu Holzhammermäßig.

Alles andere fließt so nebenher und federleicht, unauffällig (bedrohlich) mit einer Art makaber-lakonischem Witz, der den realen Horror erst ins Schwingen bringt.

Und ich habe auch noch Ergänzendes:

Was ich beim Kommentieren noch nicht sprachlich präsent hatte und was in meinem Kommentar bisher fehlt, ist das Bestechende an dieser ganzen Komposition an sich: Gerrits Ausgeliefertsein in dieser "gläsernen Zelle", die die ganze Bedrohung ins Vibrieren bringt. Das Ganze von der Form her als Newsticker quasi ad absurdum führen, gleichzeitig aber gerade dadurch der realen Bedrohung aussetzen.  Selbst Merkel im TV und in den Kundenkommentaren: grotesk, albern und todernst zugleich. Da ist in der Ironie die Bedrohung sehr nahe.

Und noch etwas: Ich habe lange über den Schluss nachgedacht: die Nacktheit vorm Spiegel und den blutigen Husten. Ob mir das zu melodramatisch ist. Inzwischen nähere ich mich meiner inneren Antwort darauf: nein, ist mir nicht zu melodramatisch. Es ist wie die Essenz der ganzen Nachtschicht in der Gerrits Organismus sich gegen alles das darin mit ihm geschieht in all seiner inneren Verletztheit auflehnt, wobei ihm selbst noch eine Sekunde vorm Auswurf der letzte, wohl inzwischen verinnerlichte, Kontrollblick über seinen eigenen ausgesetzten Körper wie ein giftiges Introjekt herausrutscht.

Schon zücke ich wieder die Zwölf wink. Aber es ist genau dieses faszinierende Formenspiel der Gleichzeitigkeit, was diesen Text zum Leben erweckt.

Von daher brauchte ich den Gerätehinweis nicht - ich hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt beim lesen jegliche Themenvorgabe längst vergessen, editiert: dass der Themenbezug sitzen muss. Die Stellen sprangen irgendwie heraus aus dem Textfluss, da dieser für mich an sich funktionierte (und funktioniert).
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Akiragirl
Geschlecht:weiblichDünnhäuterin

Alter: 28
Beiträge: 5593
Wohnort: Leipzig
Der goldene Spiegel - Prosa DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 28.11.2015 19:10    Titel: Antworten mit Zitat

Eredor hat Folgendes geschrieben:

@Akiragirl: Danke auch dir für das ausführliche Feedback! smile Und hier bräuchte ich auch deine Hilfe nochmal - glaubst du, wenn du Punkt (2) der obigen FAQ liest, dass die Geschichte tiefer greift? Und wenn ja - was fehlt dir noch, damit das auch ohne meine Erläuterungen deutlich wird? Hier würde ich mich noch mal über eine Antwort freuen!

Hallo Dennis,
puuh keine leichte Frage. Jetzt, wo ich verstanden habe, was du mit der Geschichte wolltest (hatte ich gestern Abend schon nach der Lektüre der Kommentare), hätte ich ihm vermutlich noch 1 oder 2 Punkte mehr gegeben. Aber warum mir das nicht deutlich wurde ... Das ist schwer zu beantworten. Irgendwie habe ich das mit den Anspielungen auf den Terror schon erkannt, aber ich konnte die Verbindung nicht herstellen zu der Tankstelle und dachte, dass es darum ginge dass Gerrit eben in der Nacht, in der die Anschläge passiert sind, da in der Tankstelle arbeitet und die Nachrichten hört und sich das eben in seinem Kopf mit seiner Arbeit verschmilzt. Insofern habe ich es gar nicht als wirkliche Satire wahrgenommen und die Terroranschläge nicht als Haupt-Thema, sondern eher etwas, das im Hintergrund stattfindet. Ich glaube, das ist so ein Problem bei den Wettbewerben, dass man irgendwann doch etwas ermüdet ist und nicht mehr jedem Text die Aufmerksamkeit und Zeit schenkt, die er verdient hätte. Nun wolltest du ja ganz explizit nicht auf den Entstehungsprozess eingehen, aber irgendwie habe ich die Satire auf die echten Paris-Liveticker wohl nicht kapiert, weil ich diese nie gelesen habe (und generell keine Live-Ticker lese außer zur Fußball-WM). Insofern hätte ein Link zu einem solchen original-Ticker bei mir wohl für den Aha-Effekt gesorgt.
Ist ein interessanter Text. Aber bei Wettbewerben ist Experiment immer gefährlich, selbst wenn's E sein soll. Find ich gut, dass du es trotzdem einfach gemacht hast smile

LG
Anne


_________________
"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Zehntausend 11/2015 Alle Zeiten sind GMT - 11 Stunden
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2



 
 Foren-Übersicht Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.
In diesem Forum darfst Du Ereignisse posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen


EmpfehlungBuchEmpfehlungBuchEmpfehlungEmpfehlungBuchBuchBuchEmpfehlung

von Boro

von Cholyrika

von Einar Inperson

von fancy

von hexsaa

von Heidi Christina Jaax

von BiancaW.

von BirgitJ

von spinat.ist.was.anderes

von Canyamel

Impressum Datenschutz Marketing AGBs Links
Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!