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MenschenGetriebeN

 
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 15.11.2015 19:00    Titel: MenschenGetriebeN eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

MenschenGetriebeN

»Links.«
Meine Beine zittern. Zu lange eingepfercht auf der Ladefläche. Die anderen können sich auch kaum auf den Beinen halten.
Endlich raus aus den Waggons; nur mit dem Nötigsten im Koffer.
Die Sonne scheint, ein paar Wolken nur. Der Himmel ist anders hier. Rauch steigt auf.
Der Hunger nagt beständig an meinem Magen. Meine Schulter schmerzt, das wird bestimmt ein riesiger Bluterguss. Ich reibe meine klebrigen Hände an der Hose. Ich stinke, will mich waschen. Aber hier stinkt es viel mehr.
In der Schlange einen Meter neben mir steht Rita mit Benjamin auf dem Arm. Er klammert sich an sie.
»Wo sind wir?«, fragt mich Rita.
»Schnauze!« Der Stock des Soldaten in der Gasse zwischen uns trifft sie an der Schulter. Bloß nicht wieder Prügel wie bei der Ankunft. Das (Türen bersten auf. Alle drängeln, rempeln. »Raus, raus!« Weinen, Schläge, Jammern, Stöße, Rufe) hat sich mir eingebrannt. Mein Herz rast. Ich fixiere Ritas Augen und schüttele leicht den Kopf. Sie senkt das Gesicht. Der Soldat geht wieder nach zurück. Ich atme aus.
Hinter uns brüllt jemand. Schmerzensschreie. Ich drehe mich um. Soldaten schlagen auf ein Paar ein, dass sich nicht trennen will. Sein Gesicht ist blutig. Sie stammelt etwas, dass ich nicht verstehe.
Rita macht einen halben Schritt und bleibt stehen. Ich starre nach vorne.
Vater liegt noch im Waggon. Bitte, bitte, lasst ihn da nicht einfach so liegen.
Wie in aller Welt sind wir hier hergekommen?

Der Gefangene tippt die letzten Worte seines Manuskriptes in seine Remington Portable. Durch das vergitterte Fenster seiner Zelle in der Festung Landsberg fällt Sonnenlicht auf seinen Schreibtisch. Er träumt von der Zukunft. Mit diesem Werk wird er etwas Großes in Gang setzen. Danach wird die Welt eine andere sein. Beschwingt legt er die Blätter auf den Stapel der Bücher, die ihn inspiriert und begleitet haben: Naudh, Dühring, Fritsch, Chamberlain, Wilser, Wahrmund und die Übersetzung der »Protokolle«.

Ich muss wieder zu Rita und Benjamin schauen. Der Soldat taucht auf, er grinst hämisch. »Na, auch noch mal Prügel?« Er mustert Rita. »Hübsch. Fast schon Vergeudung.«

Einer von vielen Frauen und Männern in schäbiger Kleidung macht sein Kreuz hinter die NSDAP. Der soll doch mit diesen ganzen Schwätzern aufräumen, die uns die Krise eingebrockt haben. Wenn uns einer aus dem Dreck helfen kann, dann er.

Scheiben klirren, Stühle brechen. Gegröle, Plätschern, das Stapfen schwerer Stiefel. Dann Stille, ein letztes Mal in der Synagoge. Fast schon sakral, denkt der SA-Mann. Ein Streichholz schabt und das Benzin faucht auf.


Vorne gibt es Unruhe. Ein Mann im weißen Kittel klemmt sich zwei Kinder unter die Arme; Zwillinge, so scheint es. Soldaten schlagen die Mutter nieder. Der Mann drückt die Kinder einem Soldaten in die Arme und stellt sich wieder an die Rampe. Der Soldat verschwindet mit den heulenden Kindern, die ihre Händchen nach der Mutter strecken.

Der Ortspolizist trägt sorgsam das »J« auf der Kennkarte ein. Mit der Zunge zwischen den Zähnen und den beiden Zeigefingern tippt er den Namen des Kennkarteninhabers in die Liste. Tägliche Arbeit, über die er sich keine Gedanken macht. Gesetz ist Gesetz.

»Natürlich muss eine Beunruhigung der nicht betroffenen Bevölkerung vermieden werden«, sagt der SS-Obergruppenführer zu den anderen Konferenzteilnehmern. »Und es muss uns klar sein, dass die vorhin aufgeführten elf Millionen Juden nur der Endlösung zugeführt werden können, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und alle Räder ineinandergreifen; für das Protokoll nennen wir es mal ›Parallelisierung der Linienführung‹. Wir werden eine technische und logistische Meisterleistung vollbringen müssen.«


Warum tut denn keiner was? Warum tue ich nichts? Warum schlägt Gott nicht mit der Faust dazwischen und rettet uns?

»Mensch, stell dir vor«, sagt der eine Reichsbahner zu seinem Kollegen, »jetzt wollen die noch einen Sondertransport nach Birkenau, in zwei Wochen.«
»Wie die sich das immer vorstellen. Die Wehrmacht braucht doch alle Waggons. Naja, werden wir schon irgendwie geplant bekommen. Wie sonst ja auch immer. Aber Nachschub für unsere Jungs fände ich wichtiger.«

Der Kriminalinspektor der Gestapo lässt keinen Zweifel: »Und wenn das heute Abend nicht reibungslos klappt, machen wir das selber. Geht dann nicht so friedlich vonstatten.« Der Gemeindehelfer von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland schluckt und blickt auf die Liste.


Ein ausgemergelter Mann in gestreifter Kleidung, der sich an der Schlange vorbei zu den Waggons schleppt, sagt ein paar Worte zu den Frauen neben Rita. Die flüstern Rita etwas zu. Sie schüttelt den Kopf, ihr Zopf fliegt. Fest drückt sie Benjamin an sich.

Der Finanzbeamte überprüft die achtseitige Vermögenserklärung. »Sehr gut, alles richtig ausgefüllt. Da vorne wird dann noch das Gepäck durchsucht.« Er zeigt ans andere Ende des Gemeindesaales, in dem sich die Juden haben sammeln müssen.
»Die Nächsten.«

Der Fahrer des Lasters lauscht trotz des Motorenlärmes immer wieder nach hinten. Alles still. Die müssen doch langsam mal wissen, dass sie nicht irgendwo hin umgesiedelt werden. Trotzdem sitzen sie da hinten, als wäre es nur ein Umzug. Sind vielleicht doch nur alles Gerüchte. Aber ein schlechtes Gefühl blieb.
Erleichtert biegt er in die Straße zum Bahnhof ein. Und wenn nicht er, dann würde ein anderer den Laster fahren.


Die Schlange mit den Frauen und Kindern kommt schneller voran. Bald steht Rita am Ende. Der Mann dort fällt Urteile, deren Folgen ich verdränge, denn hier scheinen Gerüchte wahr zu werden.
Bis ich vorne bin, wird es noch dauern. Ich will nicht mehr sehen, was ich sehe, ich will nicht mehr hören, was ich höre, ich will nicht mehr riechen, was ich rieche. Nur lassen sich die Sinne nicht abschalten. Unaufhörlich schallt es: »Links. Rechts. Links. Links.« Jedes Mal geht es einen Schritt weiter.

Der Wachmann mag das Gefühl der Pistole in seiner Hand. Warnschuss? Vergeudung von Munition. Er zieht den Abzug durch. Einer weniger von dem Pack. Jetzt würde der Rest schön brav wieder in den Zug einsteigen.

Die Angst in den Gesichtern, die aufgerissenen Augen. Der Lokführer bekommt die Bilder nicht aus dem Kopf. Er wird sich wie die letzten Male im Führerhaus verkriechen. Es ist unvorstellbar, was hier passiert; und er kann mit niemandem darüber reden. Aber an die Front würde er nicht gehen, niemals. Dann fährt er lieber weiter die lebenden Toten nach Birkenau, genau nach Fahrplan. Da hat er schon seinen Stolz. Irgendwas müssen sie ja verbrochen haben, sonst würde der Führer sie ja nicht so bestrafen.


Jetzt sind Rita und Benjamin dran. Der Mann würdigt sie nur eines kurzen Blickes.
»Links.«
Sie wirft mir einen flehenden Blick zu. Die Soldaten prügeln sie weiter. Ich will loslaufen, aber mein Nebenmann hält mich fest. Mir stockt die Stimme. Ich schaue meiner Familie nach, bis ich sie nicht mehr sehen kann.

Manchmal kann der Häftling sie warnen. Manchmal geben die jungen Frauen ihre Kinder den Omas und überleben den ersten Tag. Ob es für die Mütter besser wäre, mit ihren Kindern ins Gas zu gehen, weiß er nicht. Aber er hat das Gefühl, wenigstens ab und an ein winziges Steinchen im Getriebe zu sein. Ohne dieses Gefühl würde er sich in den Zaun stürzen. Schlimm genug, dass er den Deutschen half, seine Glaubensbrüder und -schwestern zu töten, um vielleicht noch einen Tag länger zu leben.

Der SS-Scharführer fühlt sich wohl. Das ist sein Platz. Hier hilft er dem Führer, den jüdischen Abschaum aus der Welt zu schaffen. Und die hier, die hat ihn zu lange angeschaut. Der würde er zeigen, wo sie hingehörte. Er läuft zwei Schritte hinter ihr her und schlägt ihr mit dem Knüppel von hinten in die Kniekehlen. Sie stößt einen Schrei aus und fällt auf die Knie. Er tritt sie in den Dreck. »Du schaust gefälligst zu Boden, wenn du an mir vorbeikommst.«
Sie nickt. »Jajaja.«
Sie war mal schön, das erregt ihn und macht ihn wütend. Er beginnt, auf sie einzuschlagen. Sie ist zu schwach, um sich zu schützen. Er spürt seine Erektion gegen die Hose drücken. Noch fester schlägt er auf ihren Kopf ein. Als er das Knirschen von Knochen hört, spritzt er ab.


Neben mir murmelt eine Stimme das Kaddisch. Ich stimme ein. Um uns herum erheben sich andere Stimmen. Die Soldaten erheben ihre Stöcke. Unter Schlägen bete ich zu Ende.

An einem Frühjahrsabend, als sich der Lagerleiter bettfertig macht, hält er einen Augenblick inne und denkt an das Bild, das sich an diesem Nachmittag so fest eingeprägt hat, dass er es nicht mehr verdrängen kann: Hunderte von blühenden Menschen gingen unter den blühenden Obstbäumen des Bauerngehöfts, meist nichtsahnend, in die Gaskammern, in den Tod. Was für ein Bild vom Werden und Vergehen!
Es ist so schwer, über dieses kalt, mitleidlos, ohne Erbarmen hinwegschreiten zu müssen. Aber Befehl ist Befehl, und wenn er Zweifel zeigen würde, würde der fein ausgetüftelte Ablauf in seiner Menschenvernichtungsanlage zusammenbrechen und alles ins Stocken geraten.

Die Türen schlagen zu. Der SS-Mann macht den letzten Strich auf seiner Liste und rechnet. »1508. Sag dem Desinfektor, er kann loslegen.«


Meine Beine tragen mich nicht mehr. Mein Nebenmann stützt mich, sonst würde ich einfach umfallen und liegen bleiben.
Wind kommt auf und vertreibt den Gestank, verwirbelt die Rauchsäulen; für einen Augenblick bilde ich mir ein, Ritas Gesicht am Himmel zu sehen.
»Läuft heute ja wie geschmiert«, sagt einer der Soldaten. »Alles eine Frage der Organisation«, antwortet ein anderer.
Noch fünf Mann vor mir. Der Weißkittel betastet die Arme des ersten und drückt kurz zu.
»Links.«


Anmerkungen
Die Konferenz bezieht sich auf das Protokoll der »Wannsee-Konferenz«.

»Hunderte … vergehen!«, »Es ist … müssen.« und »Menschenvernichtungsanlage« sind Zitate aus den Gefängnisaufzeichnungen und Vernehmungsprotokollen von Rudolf Höß, 1941-43 Leiter von Ausschwitz.

Der Rest baut auf diversen Zeitzeugenaussagen auf.

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Schreibhand
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Beiträge: 116



BeitragVerfasst am: 16.11.2015 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm, jeder betrachtet das geschriebene natürlich auf seine art und weise und interpretiert es sicher anders. Ich konnte leider mit diesem Beitrag im Bezug auf das Thema nichts anfangen.
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1760
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 17.11.2015 10:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Text, so ambitioniert, wie schwierig. Ich stolpere im ersten Absatz über eine seltsam oberflächlich anmutende Atmosphäre (die Art der Figurenzeichnung, das leicht stereotyp wirkende "stinken", die im Text unstimmig wirkende Sorge um den Bluterguss) und über den Flüchtigkeitsfehler im Satz: „Der Soldat geht wieder nach zurück.“

Ich mag pingelig erscheinen, aber angesichts des Versuches, sich dem Thema Holocaust zu nähern, empfinde ich etwas wie eine zurückhaltende Skepsis angesichts dieser empfundenen Textlichen Schwächen / Ungenauigkeiten.

Hängen bleibe ich dann an der Tatsache, dass sich der zweite Absatz mit Hitlers angeblicher Remington Portable interessant machen will, in dem Sinne, dass ich hier als Leser wohl genau über die Remington stolpern und ansatzweise in die Irre geführt werden soll. So lese ich es zumindest. Ich komme damit nicht klar. Das Thema taugt für solche schreibtechnischen „Teaser“ nicht, die hier dem Leser angeboten werden.

Und dann auch immer wieder sprachliche Flüchtigkeit, die mir nicht zum Thema passt:

„Der Soldat verschwindet mit den heulenden Kindern, die ihre Händchen nach der Mutter strecken.“

Allein das „heulend“ in diesem Satz empfinde ich als fehlplatziert.

Das Thema hätte einen wesentlich genaueren Blick, mehr Achtsamkeit in der Ausführung und präziseres sprachliches Arbeiten erfordert.

Die Ambition dahinter, kann ich durchaus würdigen. Gezeigt werden soll hier – so vermute ich – die Vernichtungsmaschinerie, die während der Wannsee-Konferenz als sogenannte Endlösung geplant und in deren Folge umgesetzt wurde.

Die Verbindung zum Wettberwerbsthema hängt hier meiner Ansicht nach ein wenig schief und es fällt mir schwer genug, das hier so zu formulieren.

Verkürzt ausgedrückt, würde ich sagen, der Autor wollte hier zu viel und hat sich thematisch am größten Grauen des vergangenen Jahrhunderts verhoben. Es fällt mir schwer diesen Text mit diesem Thema und mit seinen handwerklichen Schwächen im Zusammenhang mit diesem Wettbewerb zu bewerten. Außerhalb des Wettbewerbs würde ich empfehlen ihn gründlich und mit der notwendigen Achtsamkeit zu überarbeiten.
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holg
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Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 17.11.2015 11:42    Titel: Antworten mit Zitat

Erster Eindruck: Da hat jemand, für den 10.000 verwertet, woran sowieso gerade gearbeitet wurde. Das Thema kann ich nicht oder mir nicht deutlich genug umgestzt erkennen. Das Fragmentarische sehr deutlich. Ein Fragment, aus Fragmenten zusammengesetzt. Schrecklich, eindrücklich, aber mMn Thema verfehlt, da sich nicht allein durch die Schilderung der Vorgänge der Gedanke einer Maschine mit irgend einem Bezug zu Mensch ergibt.

_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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Vanir7777
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 104



BeitragVerfasst am: 20.11.2015 09:22    Titel: Antworten mit Zitat

Bei meinen Bewertungen gehe ich nach folgendem Schema vor:
Inhalt/Hat es zum Denken angeregt?
Sprache/Stil (Ich bin kein Germanist! Ich finde ein guter Schreibstil schlägt sich darin nieder, dass man den Text liest und nicht über Sätze, seltsame Metaphern o.Ä. stolpert.)
Subjektiver Eindruck
Am Ende entscheidet mein Eindruck, da ich der Meinung bin, dass Texte schwer objektiv bewertet werden können. Ich versuche aber bei Inhalt und Stil auf die Gründe einzugehen.

Ich schrieb unter einen anderen Text hier, ebenfalls mit Zweiter Weltkriegs-Thematik, dass ich die Thematik so tot geschaut/gelesen/irgendwann mal gelernt habe, dass ich wenig Freude an Medien mit diesem Bezug finden kann. Zwar ist die Metapher von der Vernichtungsmaschinerie durchaus passend und greift das Thema auf eine, unter den Texten einzigartige Weise auf, ich bin aber der Meinung, dass es am wenigsten in die Richtung geht, in der ich bei diesem Wettbewerb etwas lesen will.
Die Ich-Perspektive ist für mich in so kurzen Sätzen immer ein Problem, ich brauche im Normalfall länger als die paar Minuten, um mit einer Ich-Erzählung warm zu werden. Hier hat es geklappt, fand ich sehr gut  Entweder ich verstehe den Titel nicht richtig, oder er passt nicht. Auf jeden Fall fand ich ihn ungünstig gewählt. Ansonsten habe ich keine Fehler bemerkt und bin flüssig durch den Text gekommen.
Wenn man die Thematik rausrechnet bleibt ein toller Text übrig, der es ganz knapp nicht unter die Top Ten geschafft hat.
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Babella
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Alter: 55
Beiträge: 600

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 22.11.2015 08:26    Titel: Antworten mit Zitat

Auch so kann man sich eine "Menschmaschine" vorstellen. Als Tötungsapparat. Jemand, der funktioniert, weil das ein anderer so will. Unter der Überschrift - Rädchen im Getriebe - zum Thema "Menschmaschine" bekommt man eine andere Perspektive, das ist ein Kopfdrehen, das man sich wünscht beim Lesen: So könnte man es auch sehen...

Und dann könnte man lange darüber diskutieren, ob man das so sehen kann.

So muss man auch erst mal schreiben können.
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Ithanea
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Alter: 28
Beiträge: 1269

Ei 3


BeitragVerfasst am: 22.11.2015 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Die Maschine eine Menschenvernichtungsanlage, oder der Mensch, der sie ohne Emotion bedient. Die Sprache passt, zur Geschichte und zu meinem Lesen, ich komme in einen Fluss, trotz der vielen Absätze, fast nach jeden fünften Satz. Ich weiß noch nicht, wo sie mit mir hinwill, die Geschichte und ob sie mich da mitnehmen kann, weil noch nichts finde, der einen neuen Aspekt miteinbringt, der mich zum Weiter-, Neudenken anregt. Mal schauen beim wiederholten Lesen.

_________________
Verschrieben. Verzettelt.
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Lilly_Winter
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 38
Beiträge: 275
Wohnort: Dortmund


BeitragVerfasst am: 23.11.2015 08:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
wenn alle Zahnräder ineinandergreifen, funktioniert die Maschinerie, ist eines kaputt oder weist einen anderen Defekt auf, dann wird es einfach ersetzt. Die verschiedenen Perspektiven ergeben ein ganzes Bild und ich habe das Gefühl, dass du dir Gedanken über deinen Text gemacht hast.
Warum nicht die volle Punktzahl? Das Thema ist nicht neu, die Gedanken, die ich mir beim Lesen gemacht habe, sind mir bekannt, es sind die gleichen Gedanken, die mir bei diesem Thema immer im Kopf rumschwirren. Dennoch denke ich, dass du das Thema des Wettbewerbs getroffen und die Bedingungen erfüllt hast.

lg Lilly
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 24.11.2015 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco.
Es ist ziemlich schwierig für mich, den Texten dieses Wettbewerbs gerecht zu werden. Ich versuche es:
Ich finde deinen Text eine gelungene Umsetzung des Themas: Menschen als reibungslos im System funktionierende Maschinen. Diesmal nicht allgemein gehalten, sondern verknüpft mit den Verbrechen der NS-Zeit.
Programmierte marschierende, funktionierende Einheiten, die auf diese Art eine Maschine bilden.
LG rieka
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1566
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 15:19    Titel: Antworten mit Zitat

Fragment? Vielleicht auch ein Mosaik. Unerträglich. Macht Unerträgliches sichtbar. Punkte.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 19:52    Titel: Antworten mit Zitat

Menschmaschine. Das dritte Reich als Maschinerie, in der Menschen sich unkritisch an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligen, weil Zahnräder im Getriebe, weil „wenn nicht er, dann ein anderer“, und Völkermord als infrastrukturelles Problem betrachten … Daneben ein Ich-Erzähler, der ein Opfer unter Opfern ist, unschuldig, und nicht versteht wie ihm geschieht, den brauchst du, um dich zu distanzieren von dieser metaphorischen Rechtfertigung, das dann doch.

Ich habe Schwierigkeiten mit diesem Text. Nicht, weil er nicht ein großes und immer wichtiges Thema behandelte, das deutsche Thema, das niemals vergessen werden darf und erst Recht nicht im Lichte aktueller weltpolitischer Entwicklungen; nicht weil der Text nicht gekonnt und authentisch (soweit ich das beurteilen kann) erzählt wäre, inklusive Recherchegrundlagen, inklusive Zeitzeugenaussagen gar (die du doch nicht etwa extra im Hinblick auf diesen Text eingeholt hast), und der Text wirkt schon informiert geschrieben. Beklemmend auch, aber wer empfände schon keine Beklemmung bei diesem Thema und deinem Umgang damit, der schon mal eine KZ-Gedenkstelle besucht hat.
Es ist ein wichtiges Thema, eines, über das schon viel und fast alles gesagt und geschrieben wurde, und gerade das: Über ein solches Thema zu schreiben und dem noch etwas Neues hinzufügen? Kaum in diesem Rahmen zu bewältigen.
Und wie soll ich das also einordnen. Wie den Text bewerten und nicht dessen Thema. Wie berücksichtigen, dass ich das nicht gerne lese.

-> 4 Punkte
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

Eine sehr ergreifend geschriebene Geschichte.
Allein das Thema mag ich hier weder mit befehlshörigen Menschen noch mit dem Vernichtungsapparat verbinden. Das wäre zu einfach bei dem Thema.


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Akiragirl
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Beiträge: 5593
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BeitragVerfasst am: 25.11.2015 21:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

uff … schweres Thema hast du dir ausgesucht. Nicht, weil es ansich schwer wäre, über das Thema Holocaust zu schreiben, sondern weil eben bereits so viel darüber geschrieben, gedreht, gemalt und berichtet wurde. Du stehst damit indirekt in Konkurrenz mit so viel extrem guter und berührender Kunst, die sich in den vergangenen 70 Jahren an dem Thema abgearbeitet hat. Für mich persönlich ist die Thematik so gut wie „tot“, was heißt, dass ich so viel darüber gelesen und gesehen habe, dass mich kaum etwas Neues noch berühren kann. Das letzte Mal, das mich ein Holocaust-Buch wirklich tief berührt hat, war Yann Martels „ein Hemd das 20. Jahrhunderts“, und davor auch lange nichts.

Wer sich einem so schwierigen Thema widmet, gerät automatisch in den Zugzwang, dem noch einmal einen neuen Aspekt abringen zu können, eine neue Perspektive, ein anderer Ansatz. Geht aber kaum noch, glaube ich. Und ist mit dieser Geschichte auch nicht gelungen. Ich lese „das Übliche“, das Erwartbare. Selbst der Vergleich der Untaten mit einer Vernichtungsmaschinerie, die einzelnen Zahnräder, die ineinander greifen um alles möglich zu machen, ohne dass der einzelne alle Schuld trägt, ist bereits alt und ein oft verarbeitetes Motiv.

Zuletzt hast du dann noch Stellen untergebracht, die für mich persönlich die Grenze zur Geschmacklosigkeit überschreiten, aber das ist sicherlich Ansichtssache. Auf mich wirkte es jedenfalls ein bisschen wie gewolltes Schockieren des Lesers um der Provokation und des Schocks Willen:
Zitat:
Er spürt seine Erektion gegen die Hose drücken. Noch fester schlägt er auf ihren Kopf ein. Als er das Knirschen von Knochen hört, spritzt er ab.


Rechtschreib- und Grammatikfehler runden das Bild einer Geschichte ab, die mit der starken Konkurrenz dieses Wettbewerbs leider nicht mithalten kann.
Daher keine Punkte von mir.

Liebe Grüße
Anne


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"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 26.11.2015 10:08    Titel: Antworten mit Zitat

Deine letzte Anmerkung lässt mich noch mal stutzen: vielleicht lese ich den Text ein weiteres Mal, bevor ich mir ein grobes Urteil bilden kann. Aber selbst dadurch ändert sich nix, vielleicht ein drittes Mal - ne, die Meinung bleibt gleich: ich kann diesem Text keine Punkte geben. Meine Begründung beim ersten Mal sollte sein: ich kann diesem Text keinen Glauben schenken. Was angesichts deiner Anmerkung fast schon lächerlich wäre. Aber doch, ich bleibe auch bei dieser, fast lächerlichen Begründung. Zeitzeugenaussagen mögen wahr sein und sich somit der Fiktion deiner Geschichte entgegenstellen, allerdings bist du ja der Autor, der die Zeitzeugenaussagen herausgesucht und verwoben, mit weiteren Zitaten versehen und in den Text eingebettet hat, du hast dir einen auktorialen Erzähler herausgesucht, der so stark wertet, dass der Leser sich selbst ein bisschen unterdrückt fühlt von der hier prädestinierten Urteilsbildung (nichts gegen dich, nur was gegen den Erzähler, der bist ja nicht du!) - und in ebenjener Konstellation kann ich dem Text keinen Glauben schenken. Vielleicht ist's der radikale Erzähler, der mir so unreflektiert scheint. Erinnert alles an einen pathetisch aufgeladenen Zeitungsartikel. Und solche Zeitungsartikel fand ich noch nie besonders lehrreich. Schade eigentlich, dass ich dir da keine Punkte geben kann - die Sprache gefällt mir nämlich sehr gut.
Solltest du ein genaueres Feedback wollen, kannst du mir gerne eine PN schreiben.



LG Dennis


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Flotte Schreibefeder
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BeitragVerfasst am: 26.11.2015 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Die vielen verschiedenen Perspektiven haben mir in deinem Text sehr gut gefallen. Sie beleuchten wirklich jede mögliche Seite dieser Maschinerie, die damals stattfand, und zeigen sehr schön, wie einzelne Menschen betroffen waren. Ich konnte mich wirklich in alle Figuren hineinversetzen.

Normalerweise bin ich auch nicht unbedingt ein Leser, der etwas völlig Neues und Außergewöhnliches erwartet. Trotzdem finde ich, dass ich bei einem Wettbewerb zumindest etwas Überraschendes an einem Text finden sollte. Vielleicht fiel es mir auch deshalb schwer am Anfang einzusteigen, weil ich im Kopf immer von der aktuellen Flüchtlingswelle ausging.

Geschichten über die Judenvernichtung in Deutschland gibt es schon sehr viele. Jede Seite, die du hier aufzeigst, wurde eigentlich schon intensiv beleuchtet. Ich hätte mir noch einen Überraschungsmoment, etwas ungewöhnliches in deinem Text gewünscht. Spontan fällt mir da zum Beispiel ein Blick auf die Perspektive der neuen Generation ein, die keine Großeltern und Großmütter mehr hat, mit denen sie das Geschehene verbindet.
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anderswolf
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 26.11.2015 23:39    Titel: Antworten mit Zitat

Wie die vielen einzelnen Rädchen der Maschine erst ein ganzes ergeben, so braucht es auch viele einzelne Menschen und ihre Erlebnisse und Gedanken, um das Räderwerk dieser Geschichte in Gang zu setzen. Deutlich hallt nach dem Lesen die Erkenntnis nach, wie fragil die Vernichtungsroutine eigentlich war (und wie wichtig es ist, Menschen zu solch starken Individuen zu formen, dass sie keine Angst davor haben, gegen den Strom zu schwimmen). Wenige und Weniges hätte wahrscheinlich gereicht, um das Unfassbare zu verhindern, hätten nur...

Viele Texte, die sich am Holocaust abarbeiten, laufen Gefahr, in ein melodramatisches Pathos abzurutschen, dieser Text ist da keine Ausnahme, kann sich aber gerade noch fangen. Sicherlich helfen die Zitate und Aussagen, hinter denen sich der Autor zurückziehen kann, die auch den Leser sich wappnen lassen gegen das Eindringen des Grauens, das Menschen verübt, erlebt und überlebt haben.

Es sind allerdings auch diese Zitate, die es schwer machen, die Autorenschaft wirklich zuzuordnen: wie hoch ist der Anteil an eigenem, wie ausführlich die Collage fremden Materials.
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lupus
Geschlecht:männlichBestseller-Autor

Alter: 50
Beiträge: 4173
Wohnort: wien



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 11:34    Titel: Re: MenschenGetriebeN Antworten mit Zitat

Guten Abend,

ja, das gefällt mir. Sehr.

Aber von vorne: Der Titel bereitet mir KopfZerbrecheN. irgend etwas müssen die Majuskeln ja zu bedeuten haben, ich komm nicht dahinter. hat das was mit den Arbeitslagern in Meiningen zu tun? Wie auch immer ... des wird an mir liegen.

Unabhängig von den Großbuchstaben: den Titel halte ich für wenig gelungen, er liefert faktisch eine Textinterpretation mit und das wäre eigentlich die Aufgabe des Lesers.

Und jetzt gleich am Ende weiter: die Anmerkungen sind völlig unnötig, ja kontraproduktiv.


Sprachlich: du beschreibst die erschütterndsten Szenen nicht technisch, manchmal mit ein bisserl zu viel Pathos. Du findest hier dennoch eine Balance. Beziehungen werden hergestellt, ohne erklärt zu werden. Du lässt(!) den Leser denken. (Warum du dann diese Anmerkungen nachgeliefert hast bleibt mir völlig unverständlich).
Inhaltlich interessiert mich diese faktische Gleichstellung von Befehlsbefolgern ohne Wenn und Aber mit Maschinen. 'Ich hab ja nur meine Pflicht getan' H. Arendt kommt einem  in den Sinn, die Ausführungen von Eichmann, 'Banalität des Bösen', Entpersönlichung.


Einschränkung:
Gleichzeitig bewegst du dich auf (all zu?) sicherem Terrain, lässt (infolge der Themenwahl) keine Gegen-Gedanken zu, verlierst dich ein isserl in Eindimensionalität. = Die Kritik richtet sich mithin nicht darauf, dass du keine Gegen_Gedanken zulässt, wer hätte diese schon bei diesem Thema? sondern an die Themenwahl, bzw die Geradlinigkeit der Themenwahl.

sprachlich hab ich dann schon noch einige Dinge gefunden. Hier etwa (als beispiel):

Zitat:
Meine Beine tragen mich nicht mehr. Mein Nebenmann stützt mich, sonst würde ich einfach umfallen und liegen bleiben.


oder

Zitat:
Neben mir murmelt eine Stimme das Kaddisch. Ich stimme ein. Um uns herum erheben sich andere Stimmen. Die Soldaten erheben ihre Stöcke. Unter Schlägen bete ich beten wir zu Ende.


die konzentration auf das ich widerspricht dem textlichen Grundtenor, dem Ich-Charakter.


Gesamt: so etwas ähnliches erwarte ich mir von E und du arbeitest zumindest in Ansätzen tatsächlich mit Fragmenten (Fragmentsammlung)

lgl


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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MaryShelley
Sonntagsschreiber

Alter: 31
Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ernste Literatur: Ja
Fragment: ja
Lesequalität: sehr gut

Dieser Text ist mir nahegegangen.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3550
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 27.11.2015 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Puh, hier bin ich aber über meinen Schatten gesprungen. Im Grunde mag ich nämlich Texte, die das dritte Reich thematisieren, schon geraume Zeit nicht mehr lesen. Ich denke nicht, sie nötig zu haben, und für diejenigen, die sie nötig haben, gibt es bereits tonnenweise Literatur.
So war dann mein erster Eindruck auch nicht besonders positiv. Die hinlänglich bekannte Szenerie an der Rampe ohne neuen Blickwinkel oder sonstigen Mehrwert, die Fragmente dazwischen erschienen mir recht wahllos. Die Interpretation der szs menschenverarbeitenden Maschine ist in diesem Wettbewerb zwar selten bzw. einzigartig ("Werktor 37" dürfte da noch am nächsten rankommen), aber andererseits ist der Begriff Maschine(rie) für die damaligen Greueltaten natürlich schon Allgemeingut. Einen Verweis in die heutige Zeit konnte ich auch nicht entdecken.

Tja, doch dann ist der Beitrag mit jedem erneuten Lesen in meiner Achtung gestiegen, und schließlich auf dem vierten Platz gelandet. Offenbar waren meine gesetzten Kriterien gegen solche Aversionen immun. Denn der Text liegt, was Glaubwürdigkeit, Umsetzung der Vorgaben (ganz besonders der des "Fragments"), "E-Haftigkeit" und sprachliche Gestaltung angeht, ziemlich weit vorne. Mit intensiverer Kenntnis des Textes hat sich auch gezeigt, dass die Anordung der kursiven Fragmente offenbar sehr bewusst gewählt wurde und durchaus im feinsinnigen Kontrast zur "Haupthandlung" steht. Außerdem gefällt mir, dass diese Opfer-(Mit)Täter-Gegenüberstellung weitgehend ohne Wertung von Seiten des Erzählers auskommt.
Vorurteile erfolgreich überwunden! Und dennoch ist eine gewisse Distanz zum Text bis zum Schluss geblieben.


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Nihil
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Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 16:38    Titel: Antworten mit Zitat


    Keine Punkte für MenschGetriebeN

    Eine Perle in der falschen Auster
    Teilnehmen auf Befehl? Mit „MenschGetriebeN“ ist dem/r Autor/in eine bedrückende Geschichte über die NS-Zeit gelungen. Diese hat mit Getrieben jedoch so wenig zu tun wie mit dem Thema des Wettbewerbs.

    Eine eigentlich gut geschriebene Geschichte über ein Schicksal der NS-Zeit. Dabei wird nichts gesagt, was man nicht schon mal irgendwo anders gelesen hätte (und das ein Dutzend Mal) und die Verteilung von schwarz und weiß ist etwas zu eindeutig geworden (ja, auch trotz des Themas) – aber im Großen und Ganzen ist das eine gut geschriebene Geschichte, die sicher Punkte verdient hätte, wenn. Eben. Wenn sie zu einem anderen Thema eingereicht worden wäre. Dass die Juden im „Getriebe“ der Nazi-Diktatur, die eine industrielle Tötungsmaschinerie ist, vernichtet werden, reicht als Themenbezug nicht aus. Auch stellen sich dadurch keine weitergehenden Fragen. Es wird keine neue Perspektive zum Zweiten Weltkrieg eingenommen, nur Altbekanntes wird wiederholt. Unter solchen Bedingungen konnte es leider keine Punkte geben.

     
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wwwave
Schreiberassi


Beiträge: 35
Wohnort: Hinterm Mond


BeitragVerfasst am: 27.11.2015 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text ist sehr schön geschrieben, aber ich finde nicht, dass er zum vorgegebenen Thema passt.
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Gießkanne
Geschlecht:weiblichVolle Kanne ungeduldig

Alter: 16
Beiträge: 705
Wohnort: Nicht mehr in deiner Welt


BeitragVerfasst am: 27.11.2015 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo unbekannter Schreiberling,
unglaublich guter Text! Beim Lesen wird mir schon schlecht, aber nur wegen dem Thema. Schrecklich.

Bei deinem Text gefällt mir eher der Inhalt und die Gliederung, als Ausdruck und Sprache. Daran könnte man sicherlich noch tüfteln. wink

Aber sonst, vom Aufbau und Inhalt her, toll! Daumen hoch

Gießkännchen


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